Anterhaltungsblatt des Horwiirts Nr. 36. Sonnabend� den 19 Februar. 1910 (Nachdruck verboten.! S6Z Im j�amen des Gefetzea. Von Hans H y a n. Der Grüne winkte mit der Hand, die unverhältnismäßig groß und starkfingrig war und mit den krummgewachsenen Nägeln der Kralle eines Raubvogels glich. „Dat kommt! det kommt allens zu seine Zeit! Vor leifig biste mir noch viel zu linkP) Du wirst ja rot, wenn Dir'n Jreiser auf de Straße nachspannt!...Wie wa neilich ieban Belljanzplatz jejangcn sind, da Hab ick woll jesehn. Natürlich! Dumm wat ja ooch! Hier in Berlin muß ick iebahaupt bloß im Dunkeln wandeln... Un wir beede zu- samm', det hat doch keen Zweck, det Du auch erst so'ne Haus- hohen Lampen�) kriechst, denn kenn wa janischt mehr machen... Aber'ne Winde*) kanntste ma jem'l Ick kann nischt ausbaldowern, weil ick mir nich bei Jom�) raustraue I Haste denn nich noch'n biskcn sowat uff Lager, Du, was? „Na, wir missen doch aber noch Jeld hab'n?" sagte Georg nicht sehr zuversichtlich,„det kann doch noch nich alle sind!' „Wat Du schlau bist!" höhnte der Grüne,„meenste viel leicht die Dinger Hecken bei mir oda ick Hab''n Dukatew scheißer?! Ja? Na, denn quatsch doch nich so demlich. Mensch! Du vabrauchst doch jenuchl Du un det Meechen!" Aergcrlich rückte sich Georg aus einer lässigen Stellung empor. „Det brauchste mir bloß noch een cenzijet Mal zu sagen, Heinrich! Denn is't alle! Ick habe jenuch davon! Nx det will ick nich mehr Heren! Wat denkst Du Dir denn eintlich? Een Wocht von mir un ick kann leben wie'n Jraf! Die wart doch bloß dadruff, die Schwarze, det se mir wat jeden darf!... Vorhin noch wieder!„Hier," sagt se,„nimm doch," sagt se, „Du beleidigst mir dadurch!" Un ick wollt et bloß nich, meent se, weil ick Angst hätte, sie könnte mir mal später ver- Masseln, wejen Zuhälterei un so, aber ehe Wirde sich die det Leben nehmen, ehe se mir wat antäte!... Ja, un det hat se nich eenmal jesagt, det is jeden Tag wieder dieselbe Rede!... Un ick bin'n Dussel, det icks nich tue, det ick nich zujreifel... Wer hält mir denn? Vielleicht, det ick mir von Dir jeden Dach de Ohren vollblasen lassen soll, ick täte nischt, ick arbeetete nich!... Wat heeßt'n da iebahaupt arbeeten? Arbeetest Du denn etwa?" Der grüne Heinrich drehte nur seinen runden Kopf, der bislang mit einem halben Grinsen vor sich hingeblickt hatte, zur Seite, nach Georg hin und sagte zwischen Zähnen: „Na jewiß arbeet ick! Wat'n sonst!... Du denkst viel- leicht, arbeeten det heeßt bloß'n janzen jeschlagenen Dach an de Maschine stehn, oder uff'm Komtorschemmel hucken oder so... Aber weeßte, so arbeet'n Ochse ooch! Davor dank ick! Ick untanehme wat! Ick muß mein Kopp anstreng'n! Vorher un noch bei de Arbeet! Un wenn ick denn dabei bin, denn duss'l ick nich etwa wie'n Kerl mit Frühstück, Mittag und Vesper, nee denn heeßt's alle Kräfte anspann'! Denn mach ick det, wat'n ander nich in zwe Dage schafft, in suffzehn Minuten! Denn arbeet ick eben! Un dabei muß ick vier Oogen hab'n, zwee vorne und zwee uff'n Ricken! Un muß in jede Minute wissen, wat los is und wat ick zu tun habe! Det kost Nerven, sag' ick Dir! Da mußte Kraft Hain! Un mußt jeschickt sind! Un mußt wat vastehn! Un darfst Dir vor kein Deibel nich jraun!... Denn kommt eener, denn..." Der grüne Heinrich kniff plötzlich, als er im Begriff ge- Wesen, mehr zu sagen, als er eigentlich wollte, die Lippen zu-, sammen. Dann fuhr er in einem ganz anderen Tone, noch leiser redend, fort: „Haste iebrigenS in de Szeitung jelesen, heite Morjen? Se K«m ne neie Spur, schreibt da ecna, in de Einbruchssache bei Krause..." Georg ward auf einmal ganz blaß. „In de Fabrik? In meine Fabrik?..." „Na ja," sagte der Grün« mit rohem Lachen.„Mensch, tu' doch nich so demlich! In Deine Fabrik!... Deine Fabrik iS doch nich!... IS doch Krause seine!..." st unzeschickt st in Verdacht kommen, st Gelegenheit. Nachweis zum Aieostahl. st bei Tag «In de Fabrik!", sagte Georg nochmal und in seiner Er- innerung lebte die Stunde wieder auf, die ihn mit diesem da so fest verbunden hatte... Wochenlang hatte der grüne Hein- rich ihn zu nichts gedrängt. Er kleidete ihn ein, kaufte ihm Wäsche, Hüte und Stiefel, er gab ihm Geld und wieder Geld, ohne den geringsten Gegendienst dafür zu beanspruchen. Und Georg, der solange im Elend gelebt, der den Hunger kennen gelernt und die ärgste Not, der dachte an nichts anderes mehr als an diese angenehme, freudvolle Gegenwart. Manchmal kam es ihm zum Bewußtsein, daß jede Leistung ihre Gegenleistung verlange und daß der grüne Heinrich ge- rade nicht der Mann sei, umsonst den Wohltäter zu spielen. Denn Georg war sehr aufmerksam, um nicht sehr bald den Sinn dieses Kaltherzigen zu verstehen, der das Verbrechen mit erstaunlichen Theorien verteidigte und die verlachte, die ihr Brot durch Arbeit erwarben. Aber konnte man sich vor der Zukunft fürchten, wo das Leben so schön war und wo es jeden Tag so viel zu erleben gab! Das leidenschaftliche Herz des einstigen Arbeiters, der rasch begriff, wie süß das Nichtstun ist, brauchte nach einer neuen Liebe nicht zu suchen. Georg sah so vorzüglich aus und ragte durch seine frische, noch ganz unverbrauchte Männlich- keit so hervor unter diesen Tagedieben und Nachtschwärmern, daß die Frauenherzen sich ihm seufzend öffneten.... Er aber wählte die blasse, schlanke, schwarze da drüben, die er jetzt an- sah und die ihm zulächelte... Hütt' er sie früher gehabt... ehe der Grüne kam... ehe der..." „Du hecrst woll janich, wat ick sage?" fragte der grüne Heinrich. „Doch, ich denke bloß nach, was se damit meinen.... in de Zeitung... an mir kann doch dabei eintlich keener denken!" „Woso denn nich? Du bist doch dajewesen! Hast Dir mißliebig jcmacht bei Deine Kollejen durch die dusslije Rede—" „Die war nich dusslig!... war janz richtig!" „Scheen! Aber bloß Du hättest ihr nich halten dürfen! Na, un rausjeflogen biste doch, weil De schon mal jesessin hast, von wejen Hehlereil... Na, un da kann doch eener so leicht uff die Idee kommen!" Georg brummte vor Unwillen. Er wollte nicht daran glauben, daß die Kriminalpolizei bei dem Einbruch in der Knopffabrik an ihn als den Täter denken könnte.... Er war ja auch gar nicht dabei gewesen! Nur gesagt hatte er dem Grünen, daß er dort gearbeitet hätte und wie die Oertlichkeit dort beschaffen wäre.... Der hatte ihn so gesprächsweise danach gefragt. Georg merkte erst gar nichts, bis der Grüne wissen wollte, was denn das für ein Geldschrank sei, der dort im Kontor stände? Da hatte Georg gezögert, denn er sah allmählich den Zweck der Frage.... Aber die Auskunft zu verweigern, das hatte er nicht gewagt. Und als er den anderen gefragt hatte, er wolle doch nicht etwa da einbrechen, da hatte der Grüne mit einem bösen Lachen geantwortet: od Georg etwa glaubte, daß sie von der Luft lebten? Gewiß wolle er ein Ding drehen und eins, was sich gewaschen hätte! Hellwig solle ihm nun mal gefälligst ganz genau sagen, waS da los wäre! Er hätte ja nichts weiter dabei zu tun! Und wcnn's wirklich rauSkäme, könne ihm auch keiner was be- weisen!... Und wie Georg da noch zögerte, meinte der Grüne, wenn er so'n schlapper Hund wäre, dann sollte er«e- fälligst teilachenst! Er hätte die Reese pleng von ihm! Wer Zweifel in seinen Mut setzte, konnte Georg Hellwiz zu allem bestimmen. Ohne Zaudern schilderte er nun auS- führlich die Gelegenheiten im Lokal der Firma Krause u. T». und erzählte— was den Grünen besonders interessierte—. daß der Geldschrank noch einer von der älteren Art wäre, mit einem in Eisen gegossenen Schmuckaussatz und scharfen Ellen und Kanten.... „Det wollt ick wissen!" hatte der grüne Heinrich gesagt. „Denn det iS nemlich de Hauptsache! Mit mein Tantelzeich*) is et man mau/..ick muß erscht wieder mal nach Neijork... Aie ickst letztemal alle jeworden bin, ham se mir doch den st machen, daß er fortläme. st Einbruchwrrkzeug. janzen filamouif1) jestippt. Aber'n paar anstendje Schinken�) uil'n Wricker') die Hab lck ma kabore jelegt�) im mehr brauch ick bei dct Jeschäft nich! Willste zukieken, ja?" Georg Hellwig nmßte diese Frage wohl mit einer so deut- lichcn Gebärde des Zurückschreckeus beantwortet haben, daß der Grüne mit einem so höhnischen Lachen sagte, er dächte auch gar nicht daran, ihn mitzunehmen.... Und jetzt, jetzt hatte die Polizei Verdacht geschöpft, daß er, Hellwig, der Täter sein könne? Oder wollte der Grüne ihm bloß Angst machen? Wer nein, er sagte doch, es stände was davon in der Zeitung? Verdammt, da mußte er ja darauf gefaßt sein, daß er morgen oder übermorgen früh wieder aus dein Bette geholt und auf die Wache geschleppt wurde! Eine gräßliche Angst packte den starken Menschen, er atmete schwer, indes der andere ihn mit hämischem Grinsen betrachtete. �Fortsetzung folgt.)1, Die JVatur des JVfittelmeergebietes und ibr Ginfluß auf ihre Bewohner und Gefchichte.� Eine Beobachtung der Erdoberfläche läßt die Reihe der Mittel- meere sofort in die Augen springen, die den ganzen Erdball um- ziehen. DaS uns nächstliegende Beispiel, das Mittelländische Meer, findet in dem Roten Meer und dem persischen Golfe seine Fort- setzung. Im Osten treffen wir das Mittelmeer zwischen den Kon- tinenten Asien und Australien, und im Westen das amerikanische Mittelmeer. Diese Mittelmeere haben für das Klima eine un- geheure Bedeutung. Wären sie nicht vorbanden, so würde dort Steppe und Oede heimisch sein. Sie sind in ihren Gegenden die Kulturbringer. 'Aber nicht nur auf das Klima haben sie einen Einfluß. Sie dienen auch in hervorragendem Maße als V e r k e h r s st r a ß e n. Im Alter- tum spielte sich der größte Teil deS Verkehrs aus diesen Mittel- meeren ab. Damit aber die Mittclmeere auch wirklich Verkehrsstraßen bilden konnten, mutzte der Mensch die Kunst, das Meer zu befahren, gelernt haben. Und diese Kunst hat er in den Mitielmeeren gelernt. Die Wiege unserer modernen Kultur liegt ja ebenfalls in einem Mittelmeere, nämlich in unserem Mittelländischen Meere. Im Altertum ivar cS der eigentliche Schauplay für die kulturelle Tätig- keit der Mensche». Noch im Mittelalter standen die Mittelmeer- länder an der Spitze der Zivilisation und der Kultur. Erst als die großen Entdeckungen kamen, die ganz neue Welten erschlossen und den Tätigkeitsdrang dorthin ablenkten, verlor das Mittelländische Meer seine bevorzugte Stellung. Trotzdem stehen wir vollständig auf der Kultur der alten Mittelmeerlünder. Eine genauere Betrachtung der Gestaltung! des Meerbeckens deS Mittelländischen Meeres lehrt, daß es eine außerordentlich man nig- faltige Gliederung aufweist. Zahlreiche Inseln, Halbinseln und unterseeische Schwellen sind vorhanden, und die dazwischen liegenden Becken sind verhältnismäßig außerordentlicki tief und steil. Sie kennzeichnen sich als Einbrüche, und die Einbruchöbecken kümmern sich nicht um die großen Züge, die sonst die Oberfläche der um- liegenden Gebiete namentlich im Gebirgsbau aufweisen. Das be- dingt schon eine ungemein reiche Gliederung der Umrisse des Meeres, und damit auch des Landes. Am besten kann man das an der Spitze der Balkanhalbinsel beobachten. Aus der Steilheit deS Abfalls der McereSbecken er- kennt man, daß diese Becken noch sehr jugendlich sind, denn sie find eben durch die ausgleichenden Einflüsse des Wetters, des Wassers usw. noch nicht abgetragen. Diese jugendliche Schroffheit ist aber auch der Grund für die wunderbare Schönheit der Ge- staltungen im Mittelmcergebiete. Dieser Schönheit wirken aber auch einige Momeme entgegen. Da ist erstens zu nennen die weite Verbreitung deS Kalksteins. Die Kalkgebirge find stets nackte, steile und öde Gebilde mit jähen Schluchten; weite Kalkfläcken gar sind geradezu kulturfeindliche Landschaften, die einen halben Wüstencharakter tragen. Man kennt sie als Karstlandschaften mit spärlicher und dürftiger Vegetation. Der Grund für diese Erscheinung ist darin zu suchen, daß das Wasser de» Kalkstein auslöst. Das Wasser sinkt dann in die Tiefe und verliert fich dort. So verschwinden ganze Wasscrläufe im Kalkgebirge, manchmal in Höhlen und Spalten, unr anderwärts wieder zntage zu treten. Eine vermittelnde Stellung zwischen den Fruchtlandschaftcn des Mittclnieeres und den Karstlnndern bilden die Mergellandschaften sTertiärlandschaften). Der Mergel ist ein an sich fruchtbarer Boden. Unter deni Einflnsse des Waffers und der Hitze überzieht er sich aber nrit einer Art Steinkruste, die keine Vegetation aufkommen läßt, wo ste einmal untergegangen ist. ') dasselbe, besonders Dietriche.') Brecheisen.') Siahlschienc zum Durchbrechen der Geldschränke an den Rändern.') versteckt. *) Nach einem Vortrage von Prof. P h i l i p j o h U- Halle im Wissenschaftlichen Verein der Berliner Urania. Ein Zeichen der geologischen Jugendlichkeit deS ganzen Mittel» meeres sind aber auch die Vulkane, die hier in den verschiedensten Formen vorkommen und sich im Vesuv, im Aetna und den unter- seeischen italienischen Vulkanen verkörpern. Sie sind die Ueber- bleibsel aus den früheren Erdperioden. Noch schlimmer aber als Vulkane mit ihren verheerende» Wirkungen sind die Erdbeben, die anzeigen, daß hier die Ervschollcn aus ihrer Bildungözeit noch in erheblicher Bewegung begriffen sind. Es ist kein Wunder, daß diese Beben gerade in den fruchtbaren Gegenden vorkommen oder viel- mehr dort ihre zerstörenden Wirkungen am heftigsten zeigen. Denn gerade dieser lockere Boden ist, wie auch besonders das St. Francisco- Erdbeben erwiesen hat, der ungünstigste für die darauf befindlichen Gebäude. Im Gebiete des Mittelländischen Meeres beobachtet man eine allgemeine Senkung des Landes, so daß das Meer zu steigen scheint. Man erkennt darin ein Nachklingen der Senkungen, die in prä- historischer Zeit stattgefunden haben und noch lange nicht zur Ruhe gekommen sind. Diese Senkungen komplizieren die Küstengestaltung ganz außerordentlich, und die i« entstehenden„Jngreisionsbuchten" bilden die gewaltige Fülle von Häfen, die wir namentlich an der Balkanhalbinsel bewundern müssen. Man kann sie als Häfen gar nicht alle ausnutzen, so zahlreich sind sie. Es ist daher auch kein Wunder, daß sie der beste Anreiz zum Festsetzen einer aus- gebreiteten Piratenherrschaft gerade im Mittelmeere waren. Die Senkungen lassen aus Flußtälern oft Buchten und sogar Meer- engen entstehen, wie eS z. B. am Bosporus der Fall war.— Wo die Küste gerader war, schaffen die Meereswogen fich schwach ge- schwungene Buchten in Bogenformen, die für ganze Küstenstrecken des Mittelländlschen Meeres charakteristisch find. Diese Bogen- buchten sind naturgemäß als Häfen wenig geeignet, weil sie eben keinen genügenden Schutz für die einlaufenden Schiffe bieten. Die eigentlichen Meeresprodukte haben ans die Kultur der Mittelmeerländer keinen erheblichen Einfluß ausgeübt. Das Wasser ist zu warm, als daß es für ein mannigfaltiges und reiches Fischlebcn m Betracht käme, und das Meer selbst ist gegen den Atlantischen Ozean zu sehr abgeschlossen, als daß es sein Wasser austauschen könnte und so die belebende Frische mitbrächte, die gerade die Fischfauna braucht. Unsere nordischen Meere sind sehr viel fischreicher und für die Kultur unserer Länder bedeutender. Nur ein einziges Produkt spielt eine erhebliche Rolle, nämlich das Salz. Das Klima im Sommer gestattet, das Meeressalz durch einfaches Verdunsten an der Luft zu gewinnen. Das geschieht in Salzgärten, großen flachen Strecken Landes. über die das Meeres- waffer im Frühjahr geleitet wird. Während des Sommers ver- dunstet dann das Wasser und das Salz bleibt zurück. Im Herbst ist dann Salzernte. Das Mittelmeerklinra ist ein U e b e r g a n g s k l i m a zwischen dem Klima der großen Wüste inr Süden und unserem ge- mäßigten. Während bei uns die Niederschläge an keine Jahreszeit gebunden sind, regnet es in der Wüste nur in gewissen Jahreszeiten. Im Sommer dehnt sich die Wüste mit ihrem Klima auch über das Mitielmeergebiet aus. Charakteristisch dafür ist die große Hitze und dabei die Trockenheit der Lust, die das Ertragen der Hitze eher erträglich macht, als wenn die Feuchtigkeit die Luft schwängert und dann die drückende Schwüle erzeugt, die für unsere Sommer mitunter so unangenehm ist. Der Winter bringt in den Mittelmeergebieten ein sehr wechselndes Welter; die Temperatur ist milde, es regnet sehr viel. Dabei treten oft plötzliche Regenschauer mit orkanartigen Stürmen auf, die auch wohl ein kurzes Schnee- gestöber mit sich führen. SogarFröste treten auf, die jedoch stets sehrkurz und vorübergehend sind. Im allgemeinen sinkt die Temperatur fast nie unter den Eispunkt. Gehl man in die Gebirge hinauf, so nimmt das Klima einen rauheren Charakter an; es nähert sich mehr und mehr unserem nordischen, so daß man im Mittelmeergcbiele Gegenden findet, die ganz den Charakter unserer nordischen Landschaften tragen. Jedem Beobachter fällt auf, daß die Mittelmeergebiete, die einst die Stätten hober Kultur waren, sich allgemein in einem Kultur» rückgange befinden und keinesfalls an die westeuropäische Kultur mehr heranreichen. Manche Autoren haben das auf die wachsende Trockenheit zurückgeführt, die angeblich das tKittelmeer beherrscht und je länger desto mehr überziehen soll. Das ist aber nicht der Fall; Beweise dafür, daß sich die Feuchtigkeit der Mittelmeergebiete geändert hat, existieren nicht; dafür aber gibt es Beweise, daß das Klima sich nicht geändert hat, vor allen Dingen in der Landwirtschaft, die absolut nicht erkennen läßt, daß ein Rückgang in der Fruchtbarkeit des Landes eingetreten ist. Ein weiteres, dem nordischen Beobachter besonders auffallendes Moment ist, daß man im Mitteluleergcbiete keine Verwitterung des Bodens findet, wie man sie bei uns auf Schritt und Tritt zi, sehen gewohnt ist. Die Landschaft bevorzugt daher die scharfen Profile. Dennoch ist eine Verwitterung in geringem Maße vor- banden, auch hier wieder als Bindeglied zwischen dem gemäßigten Klima und der Wüst« auftretend, wo die BerwUterungsdecke ja ganz fehlt. Die Verwitterung wird durch das Zusammenwirken von Wärme und Feuchtigkeit unierhalten. Die Wärme ist da. aber die Feuchtigkeit fehlt. In den Mittelmeergebieten fehlt sie auch im Sommer. Und wenn im regenreichen Winter die Verwitterung be- ginnt am Gestein zu nagen, dann wäscht der nächste orkanartige Rege» die ganze HimiuSschicht hinweg. Diese Verwitterung ist mm zweifellos gegen früher im Rückgange begriffe». Das Land, da» häufig durch Kriege und Fehden heimgesucht war, wurde lange der Bebauung entzogen, so dag die fehlende Vegetation den Humus nicht festhielt. Der Regen konnte ihn leicht abschwemmen. Die Verteilung des anbaufähigen Bodens hat oaher eine oaienhafte Form angenommen. sich auch hierin wieder der Wüste nähernd. Die Flüsse bilden vielfach breite Schuttbetten, die oft nur wochenlang Wasser führen oder gar nur mehrere Stunden, weil in ihnen das Wasser rasch abstürzt, Bode», Schlamm und Steine mit sich führend. Ehe aber diese Stoffe zun, Meere abgeführt werden können, versiegt das Wasser, und so bilden die Strombetten ein wüstes Chaos von Geröll und Schutt. Für den Verkehr bedeuten diese Flüsse naturgemäß erst recht nichts. Da sie infolgedessen auch für die Wasserversorgung nicht in Betracht kommen, so richtet sich die Lage der Siedelungen nach der Lage der Quellen. Diese spielen daher in den Mittel- meergebieten eine ganz andere Rolle als bei uns. Sind irgendwo viele Quellen vorhanden, dann finden wir dort auch viele Dörfer, für die die Quelle in der Tat eine Lebensfrage ist. Die Flora besteht im wesentlichen aus immergrünen Hart- laubgewächsenes daraus gemacht und auS dem Wort ein« Kette geschmiedet. Wir wollen nichts mehr vom Gehorsam hören, weil damit entsetzlich viel Unheil und Gemeinheit in der Welt angerichtet wurde. Dabei wissen wir genau, daß die hinter dem Wort liegende Sache gleichbedeutend mit einer h«hen sozialen Tugend ist; gleichbedeutend mit dem freiwilli- gen,«uS der Erkenntnis entspringenden Unterordnung, ohne die nickt der kleinste streik, nicht der kleinste Wahlkampf sich denken läßt. Die Abstimmungen hätten ohne die freiwillige Unterordnung der Minderheit aar keinen Sinn. Alle» da? ist freiwillige Unterwerfung«uS Einsicht zugunsten b*t Gesamtheit. Wir nennen es Solidarität.__ ftwaniu:. üliimiithi: JiTtljiirb Barth, aitUin.— Druck u. Sei: lag: Aber gibt eS nicht etwas, wo wir um das Wort Gehorsam in der Bedeutung der unfreiwilligen Unterwerfung einfach nicht herumkommen? Sicherlich! Keine noch so berechtigte Abneigung gegen das Wort schafft diese Tatsache aus der Welt.' Ich meine bei der Kindererziehung. Manche Theoretiker der Kindererziehung, oder uianche bürgerliche Wortführerin des„Jahr- hundert des Kindes" a la Ellen Key werden hier schon aufspringen. Sie mögen ruhig sitzen bleiben. Wir haben uns gegen jede falsche Sentimentalität ebenso zu wehren, wie gegen brutale Verständnis- losigkeit. Das Erzwingen des Gehorsams ist in den ersten Lebens- jähren des Kindes ein unentbehrliches Mittel der Erziehung, be- sonders in den zwei ersten Jahren. Wohlverstanden nur ein Mittel und nur«in Weg. Das Ziel ist die Freiheit. Dieser Weg ist unumgänglich, weil wir in den ersten Kinder- jähren auf die Einsicht des Kindes fast gar nicht wirken können. Einfach deswege», weil sie noch nicht da ist. Wir dürfen uns nicht verhehlen— und wer je Kinder zu erziehen hatte und es sich dabei sauer werden ließ, iveiß das— daß es sich bei der Erziehung z. B. des Kindes beim Uebergang ins erste Lebensjahr, wo der Bewe- gungsdrang und die Lust, die Welt einer Umgebung zu entdecken, sehr groß sind, um nichts weniger als einen regelrechten Kampf zwischen Eltern und Kind handelt. Dabei kann man die Bemerkung machen, daß, je ernster wir es in diesem Kampf nehmen und alle Mittel äußerer Uebermacht verschmähen, desto stärker nicht nur der Einfluß auf das Kind, sondern auch der ungewohnte Einfluß des Kindes auf uns ist. Bei dieser äußerst wichtigen Erziehung des Kindes zum Gehorsam spielt die Intelligenz der Eltern eine viel geringere Rolle als der Charattcr. Daß dabei Verhältniffe, wie sie in Arbeiterfamilien oft unvermeidlich sind, wie die not- gedrungen« Abwesenheit von Vater oft auch noch der Mutter hin- dcrnd und lähmend im höchsten Grade wirken, das liegt auf der Hand. Deshalb ist auch die Kindererziehung nur ein großer un« geheuer wichtiger Teil der sozialen Frage überhaupt. Aber es gilt, mit den derzeitigen Umständen zu rechnen, und da ist vor allem auf die große Gefahr hinzuweisen, die bei der Er- ziehung zum Gehorsam zu umgehen ist, nämlich rinerscits das schwächliche Nachgeben der Eltern, weil es„doch noch so ein kleines Kind ist", oder andererseits grobes Zufahren und Zuschlagen, weil e»„doch so ein böses Kind ist". Die innere Arbeit bei der Erziehung des Kindes zum Gehör- sam erfordert außerordentlich viel Hingabe und Charakterstärke. Kein einjähriges Kind weiß z. B., weshalb es eine gefüllte Kaffee- lasse nicht angreifen soll, weshalb es nicht an seinen Lieblingsplatz, die Kohlenkiste, gehen soll usw. Der bekannte theoretische Rat, alle Gegenstände zu entfernen, die das Kind nicht berühren soll, scheitert an der Praxis des häuslichen Lebens. Es gibt nur eines: dem Kind klar zu machen, daß es dieses und jenes eben nicht tun darf und zwar unter keinen Umständen tun darf. Das „warum" kann ihm unmöglich erklärt werden. Es ist in dieser Beziehung noch gänzlich unzugänglich, obwohl es Mütter genug gibt, die eine direkt unsinnige Meinung von der Einsicht ihres Sprößlings haben, und auf alle Enttäuschungen in dieser Richtung mit Hiebn antworten. Am allerbesten ist die Erzwingung des Gehorsam» durch einen bestimmten, ruhigen Zuruf. Kinder sind außerordentlich empfänglich für Stärkcunterschiede der Stimme und Modulation der Sprache. Das schneidende energische Wort „Nein", immer im richtigen Moment ausgesprochen, kann Wunder wirken. Es handelt sich dabei nur darum, daß die Eltern kons«- quent sind. Verhängnisvoll ist eS, wenn man in diesem Alter von einem Jahr, wo das Kind iia Ja und Nein deS Lebens zu lernen hat, morgens verbietet, was man ihm nachmittags erlaubt. Man verwirrt so den kleinen Menschen und untergräbt selbst seinen Einfluß. Nützt Zuruf oder energisches Wegholen nichts, dann gibt es nur noch einen Ausweg: die Hand. Aber vorher sollte man alle nur mögliche Geduld aufwenden. Je seltener der Schlag, desto tiefgehender wirkt, er. Das blöde Wort:„Wir sind auch gehauen worden und sind etwa» geworden!", das man überall hört, in Ar- beiterkreisen wie in der Bourgeoisie, ist eine namenlos rohe Eni- schuldigung für mangelnde Geduld. Bei der Erziehung de? Kinde» zum Gehorsam ist der natürliche Schutz der Wille der Eltern, die das Beste ihrer Kinder suchen, und an diesem Willen muh es erstarken lernen, bis eS aus Einsicht selbst sein Bestes suchen kann. Dabei darf aber niemals der Wille des Kindes gebrochen werden, wie eS in der„guten alten Zeit" hieß. Im Gegenteil, er soll so stark als möglich werden. Da» ' kann er nur— um modern zu reden—, in Angliederung an eine < Macht und an eine Organisation. DaS ist die Familie. Und so stellt sich die Gehorsamsfrage bei der Erziehung auch i als eine andere Art von Solidarität dar, für die im Kinde lang- ! sam daS Verständnis zu wecken ist. So sehr man deS Kinde» ! freie Persönlichkeit zu achten hat, und so sehr der Gedanke zu ver» � werfen ist, Kinder seien„Eigentum" der Eltern, so sehr müsse» : wir von dem kleinen Weltbürger in seinem eigensten Interesse ver- langen, daß er die Ordnung der Familie respektieren lernt, in die . er hineingeboren ist. Daß bei alledem daS Kind nicht durch fort- währendes Verbieten und Nörgeln Schaden leidet, sondern auch ug Gehorsam seine Bewegungsfreiheit hat, das ist da» schwerste