Nnterhaltungsölatt des Torwarts Nr. 50. Freitag, den II. März. 1910 i. Verlag: die Gesellschaft zu seiner Rechnung zu bekehren. Im schlimmsten Falle mag er sie auffordern, einmal den praktischen Versuch zu machen,_ Kleines f euilleton* Hygienisches. Kindersport. Es ist ein große? Verdienst der Sozial« demokratie, auch die Arbeiter auf den hohen Wert des Sports in körperlicher und geistiger Beziehung hingewiesen zu haben. Die zahlreicben Vereinigungen innerhalb der organisierten Arbeiterschaft bieten wohl den besten Beweis für die Wertschätzung, deren sich jede vernünftige sporiliche Betätigung gerade in Arbeilerkreisen erfreut. Man glaube aber nicht, daß man mit sportlichen Uebungen erst als Jüngling oder später anfangen sollte, auch die allerersten Lebens» jähre sind hiefür recht geeignet. Natürlich sind die Ansprüche, die man an den jungen kindlichen Organismus stellen kann erheblich andere als in späteren Jahren lind erfordern Vorsicht und Umsicht von dem, der sie veranlaßt. Sie bezwecken aber genau dasselbe, wie jeder Sport, nämlich die Muskellärigkeit anzuregen und so eine Kräftigung des gesamten Körpers hervorzurufen. Natürlich muß man wissen, was man dem Kinde zumuten kann, jede Ueberaiistrengung sorgfältig vermeiden. Ein vorzügliches Büchlein, das dieses Ziel in übernchtlicher, leicht begreiflicher Weise verwirklicht, ist von Dettleff Neumann-Neurode*)vor kurzem veröffentlicht worden. Der Verfasser hat in demselben die Uebungen, die er mit seinen eigenen Kindern— Knabe und Mädchen— Jahre hindurch angestellt hat, nicht nur kurz, dabei klar und deutlich beschrieben, sondern durch eine Reihe von vorzüglich erläuternden Abbildungen die Alisführungen der Uebungen dargestellt. Hält man sich an die Mahnungen des Verfassers, so kann durch das Büchlein viel GutcS gestiftet werden. Ein Fehler soll jedoch nicht verschwiegen werden: der hohe Preis. Wenn auch 2 M. für den Wohlhabenden keine große Aus- gäbe sind, so wird der Arbeiter sie hierzu kaum übrig haben. Will der Verfasser auch weiteren Kreisen sein Büchlein zugängig machen, so mag er vielleicht eine billigere Ausgabe veranlassen, die auch für den Arbeiter erschwinglich ist. Vielleicht wäre ein„Turnbuch für Kinder" etwas für die„ArbeitergesundheitSbibliothek"? Dr. Ch. Aus dem Pflanzeuleben. Der japanische Kirschbaum. Die kn Japan mächtig entfaltete Blilmeuliebhaberer begünstigt die Veranstaltung allerlei Blumenfeste. DaS erste alljährlich neubegangene Blütenfest gilt dem Kirschbaum, und wie bei uns zur Zeit der Baumblüte Klein und Groß in die Kirschenplantagen wandert und Freude am Blütenschnce genießt, so zieht auch der Japaner mit Kind und Kegel aus der Stadl hinaus aufs Land, wo die Heerstraßen von den Kirschbäumen eingesäumt werden. Kirschellpflanzungen in unserem Sinne kennt der Japaner nicht, denn sein Kirschbaum trägt keine oder wenigstens keine genießbaren Früchte, dieser hat lediglich Zierwert zur Blüte- zeit, die meist nur wenige Tage anhält. Der japanische Ktrschbauin ist gelegentlich auch in unseren Gärten als Zierstrauch zu finden, wo er unter dem Namen Lrunns Mume oder Amygdalus nana gepflanzt wird und hier durch seine im März oder April bereits vor den Blättern erscheinende Btütenprach: angenehm auffällt. In Japan blüht der Baum bereits im Februar; er ist auch dort als Strauch recht häufig. Weiter pflegt der Japaner diese Pflanze in Töpfen oder Kübeln zu künstlich geformten Zwergbäumchen heran. Diese Kulturmethode wird wesentlich dadurch begünstigt, daß die Pflanze willig im Topf wächst und dann auch schon im jugendlichen Stadium blüht. Die Blütenfarbe der japanischen.Kirsche zeigt mannigfache Nüancen zwischen Weiß und Rot. Die Blüten sitzen einzeln oder zu zweien den leytjShrigcn, schlanken Zweigen auf, ähnlich wie auf dem bei uns bekannteren Mandelbaum. Der Japaner macht nur einen Unterschied zlvischen den weißen Kirschen(Haku-bai) und den roten Kirschen(Ko-bai). Die eigentliche Heimat der Mnmepflanze, wie diese Kirsche auch genannt wird, ist nicht Japan. Die Forscher geben sie verschieden an; bei dem einem gilt Korea, bei den anderen China als engeres Heimatland. Run haben aber Korea und China eine in mancher Beziehung übereinstimmende Flora. Und Japan hat so manches, was heutigen Tages als japanische Kunst gilt, aus Korea empfange«; so ist es denn gar nicht unwahrscheinlich, daß auch die Mnmepflanze über Korea nach Japan gekommen ist. Das Kirschblütenfest ist aber jedenfalls eben so sehr eine Schöpfung der Japaner, wie der Kultus der Mnmepflanze in Zwergformen japanischen Ursprungs ist. Da in neuerer Zeit verschiedene deutsche Firmen mit anderen Japanwaren auch japanische Zwergbäume einführen— die vor- jährige Gartenbauausstellung im Zoo zeigte eine ganze Reihe solcher Zwerggestalten— so darf es als ausgemacht gelten, daß wir über kurz oder lang auch die verkrüppelte japanische Kirsche bei uns be- loundern können. gl. ") E i n Kindersport. Verlag von Herrn. Walther, Berlin. 2 Mark.__ : Vorwar:sBtlcv»rucker«l u.me£i«a»anjtait Paul Sinacr&tto., Berlin SMfc