Nnterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 62. Donnerstag den 31 März. 1910 tNachdrua perdoim.) ?! Futters k>änäe. Zwei Bilder von Björn st jerne Björnsottj lSchlub-l „Mutter. Mutter, wie war es zu Hause? Als ihr zu- sammenkamt, meine ich. Ach die Herrlichkeit I Es muß doch das Erhabenste gewesen sein, was je auf Erden gelebt wurde?— O Mutter, mein ganzes Leben muß ich Dir dank- bar dafür sein, daß Du mir das bis jetzt aufgespart hattest! Früher hätte ich es nicht verstanden." „Nicht wahr? Dergleichen kann man unmöglich einem Kinde oder einer Halberwachsenen erzählen. Aber ich erzähle nicht nur, um zu erzählen. Wie wir zusammen lebten, fragst Du. Zuerst denk ihn Dir! Eine Natur der Hingebung, die sehr wenig verstanden wurde. Wohl von einigen wenigen und aus gewisse Weise, aber nicht so, daß es einen selbst freute. Die Folge davon war, daß, wenn er Widerhall zu finden glaubte, er sich hin- gab, so daß er zum Narren wurde. War er in einer Gesell- schaft, so betrank er sich, oder besser gesagt, er wurde betrunken gemacht, und dann ließ er seiner unbändigen Natur die Zügel schießen. Weißt Du.— ja, ich will es Dir erzählen! Ol— In einer Gesellschaft schmeichelte eine Dame ihm (sie ist jetzt hier mit dem Kapitän verheiratet), sie schmeichelte sich bei ihm ein, um die andern zu amüsieren. Sie war sehr munter, ziemlich witzig, sie tat, als sei sie ganz weg in ihn, so daß er sie gar nicht genug hören, nicht genug fragen könne, und zugleich praktizierte sie immer mehr Wein in sein Glas, sie trank ihm zu, veranlaßte, daß alle die andern mit ihm tranken." „O Gott, Mutter." „Weißt Du, wie das endete? Im Vichstall. Sie sperrten ihn in den Viehstall ein. Vor Wut bekam er einen Schlag- anfall.— Das war die, die er durchs Fenster sah, als er aus der Rednertribüne stand. Dadurch wurde er nüchtern." Mutter und Tochter gingen schweigend weiter. „Davon wußtest Du damals nichts, Mutter? Erst später!" „Nein. Hätte ich es gewußt, so glaube ich, daß ich geradenwegs zu ihm gegangen wäre, ihm die Hand gegeben und ihn herzlich begrüßt hätte, als ich ihn zum ersten Mole sah." „Ich auch. Mutter!" „Nach dem Leben mit ihm habe ich so viel gedacht. Weißt Du, ich glaube, Genies haben dieS Treuherzige und Unbändige. Es kommt daher allzuviel auf Menschen und Verhältnisie an, wie es ihnen geht. Karl Mander hatte die Gewohnheit angenommen, allein zu reden: ihm war am wohlsten unter Bauern, sie störten ihn am wenigsten. Die Bücher und das Denken und die Landwirtschaft und die Bäder... und dann und wann eine Orgie, eine Rede, am liebsten beides nacheinander.— das war sein Leben bis dahin." „Aber er trank doch nicht, Mutter? Es war ihm kein Bedürfnis zu trinken, nicht wahr?" „Nicht mehr als Dir und mir! Es war einzig und allein ein Ausbruch der Lebenswonne, dos konzentrierten Cehnens. So das letzte Mal..." „Ja, das—! O Gott, weshall warst Du nicht dabei—?" „Damals warst Du ja gekommen, 5tind, ich konnte nicht. Ich hatte Dich an der Brust. Es wäre olles gut gegangen, wenn jemand nach der Versammlung beim gemeinsamen Mahl so unvorsichtig gewesen wäre, meine Gesundheit aus- zubringen! Da ließ er sich die Zügel schießen! Das war der Gegenstand aller Gegenstände! Und den hatte er noch mit keinem erschöpfen können! Es soll genesen sein. Nie wenn man das größte Freudenfeucr anzündJ, er hielt R.den über wenigstens zwanzig Eigenschaften von mir, mN über die Ehe und die Vaterfrcude, er..." Sie konnte nicht mehr. Sie setzte sich, und die T chter setzte sich neben sie. Beide weinten. Das Brausen des Flusses strich mit harter Hand über sie fort, tr' stete sie aber auf (seine Weise. Wieviel wir auch weinen, es nützt nichts. Er geht wie er geht, und er hält nicht inne, der schwere Weg t zum Meere. Durch die Sprache der Natur flüsterte die Erinnerung an sein trauriges Ende. Es erzählte sich düster ihnen beiden, daß er sich nach der Mahlzeit in einem Bade abkühlen wollte, daß alle ihm abrieten,— daß es nicht nütze,— daß er von der höchsten Höhe hinabsprang, weiter und immer weiter ausgriff, als wolle er gleich nach Hause schwimmen, einen Krampf bekam und untersank. „Mutter-- Du bist's mir noch schuldig zu sagen, wie ihr zusammen lebtet?" Wieder nach einer Weile:„Mutter, das mußt Du mir auch noch geben! Tu hast es ja erzählt. ja, so ungeheuer viel davon erzählt. Aber das noch nicht, was ich jetzt wissen will! Die Liebe, Mutter, die Hingebung zwischen Euch beiden! Mutter, die muß ja gewesen sein, so daß wir andern nicht darüber schlafen könnten." „Ucber alle Begriffe, Kind! Ucber alle Begriffe! Und weißt Du,— die Verleumdung über uns, besonders die schmutzigen, anonymen Briefe, die Niederträchtigkeit,... die half nach! Denn jedesmal schmiegten wir uns dichter ineinander! Er hatte nicht so feine Haut wie ich. Er begriff es erst durch mich. Die, welche dieses kleine Volk in gesell- schaftlicher Beziehung leiten, sind nicht die Abkommen von Norwegern, sondern von Eingewanderten. So einer>vie er konnte niemals mit ihnen auf gleichen Fuß kommen. Aber ich war eine von ihnen, und durch die Wirkung auf mich begriff er! Wurde er erst auf die Spur gebracht, ja dann kannst Du glauben—! Von Natur war er ein Entdecker. Und als er nun erst richtig herausfand, welchen Dingen ich mich ausgesetzt hatte, indem ich ihn wählte... nun, das spornte! Ja, hat es Lohn auf Erden gegeben, so gab er ihn! Nacht und Tag, den ganzen Sommer, den ganzen Herbst, den ganzen Winter, den ganzen Frühling gingen wir nicht voneinander. Unser Leben war eine Flucht in ein Paradies hinein. Er schlug alle Einladungen aus, er hatte kaum Zeit, mit den Leuten zu reden, die zu uns kamen: er wollte sie nicht hier haben. Er und ich und ich und er in den großen Zimmern und den kleinen Kammern, er bei mir, oder ich bei ihm. Und auf der Landstraße, auf den Feldern, auf der Alm, auf der See. auf dem Eise, bei der Arbeit, bei der Aufsicht zusammen, zusammen, oder, wenn fort voneinander. dann nur, um so schnell wie möglich wieder zusammen- zukonimen. Aber je mehr wir zusammen waren, desto reicher wurde er. Das Größte für nüch war nicht der Gedanken- ström, sondern der Mann. Einen Blick in seine Aufrichtigkeit zu tun, die klar bis auf den Grund war, das waren für mich die herrlichsten Stunden, die ich erlebt habe. Seine Hingabe an mich, oder wie ich es nennen soll, das sammelt sich in einem einzigen Bilde: sein großer Kopf auf meinem Schoß! Dorthin legte er ihn oft und sagte jedesmal: hier ist gut sein!" Und nun legte die Tochter ihren Kopf in den Schoß der Mutter und schluchzte. Es begann zu regnen, sie erhoben sich und mußten wieder umkehren. Die kleine Gruppe von Häusern oben an der Station lag im Regen ferner, wurde aber vertrauter. Auch die Lundschaft bekam mehr gemeinsame Färbung und Freund- lichkett; die Birke duftete dreifach. „J-, nun. mein Kind, glaube ich, Dir etwas von seinem Sehnen gegeben zu haben. Nicht wahr?" Sie beugte sich zu ihrem Antlitz hinüber. Statt der Antwort schmiegte die Tochter sich an sie. Es'aucrtc eine Weile, bevor sie wieder ging.n. „Du hattest das Sehnen: das ist ererbt, und ich habe es in Dir gesteigert. Große Ziele, edle Männer und Frauen habe ich vor Dir aufgestellt. Das tat er. In hochherzigen Gedanken habe ich Dich gebadet, wie er sich in der Natur badet., um die seinen zu kühlen. Ich wußte, als ich Dich hinausschickte, daß ich in stinem Geist handelte. Aber ich selbst kanntt die Rüstung, die Du trugst, am besten. Sie war von ihm. Und doch— Magne." Unwillkürlich löste die Tochter ihren Arm aus dem der Muttc, U'.d blieb stehen. Sie stützte sich gleichsam auf sich selbst. „Ja, ich'.ehe es. Das ist heute das drttte Mal. Du fühlst, daß ich Dich angreifen will. Und ich will Dich an- greifen. Es war in der Gesellschaft bei Teinem Onkel, wo Du zu mir sagtest, als ich mit hinein zum Souper wollte:„Mutter. Du kannst Deine Handschuhe ebenso gut anbehalten."— Du schämtest Dich meiner Arbeitshände." „Mutter. Mutter— 1" Sie bedeckte das Gesicht, sie Wendete sich ab. „Ich will Dir's sagen, mein Kind, ohne diese arbeitenden und ordnenden Hände wärst Tu nicht das. was Du jetzt bist. Hast Tu in einer Gesellschaft gelebt, in der cZ eine Schande für eine Dame ist, solche Hände zu haben, so ist das eine schlechte Gesellschaft. Heute hast Tu Dich an der Gesellschaft erfreut,— hast Dich daran erfreut, als glaubtest Du, Tu selbst seist etwas Großes geworden!" „Nein Mutter! Nein, nein!" „Dem ist doch so! Vielleicht empfandest Du auch Ge- Wissensbisse dabei oder Furcht: das mag sein; ich stand ja dabei. Aber jetzt ist die Wahl für Dich gekommen. Ich wollte es getan sehn, bevor Du in das Haus Deines Vaters tratest, mein Kind. Arbeit oder das,— das andere." „O Gott, Mutter. Du tust mir unrecht! Wenn Tu wüßtest—!" «Kann ich Dich dahin bringen, Deinen Vater zu lieben, und ich will Dir alles geben, und die Fähigkeiten hast Du, — kann ich Dich dahin bringen, ihn so recht, recht zu lieben, ja, dann weiß ich, welchen Dingen Du entgegengehst.— Wir Frauen müssen lieben, um zu glauben." Mßbancüiiiig. Von Werner Peter Lars«». (Ein Eenchtssaal. Der Vorsitzende, der Staatsanwalt, Richter. Auf der Anklagebank Herr Band.) Der Vorsitzende eröffnet die Verhandlung. Vorsitzender: Angeklagter, bekennen Sie sich schuldig, am 12. d. Mts. in der Zeit zwischen S und 7 Uhr abends in der Küche Ihrer Steinweg 3 belegenen Behausung den Ihrer Ehefrau Amalie geb. Böttcher gehörigen Terrierhund FipS vermittelst eines Schlag- inftruineineS tcfti. Stockes, auch spanisches Rohr genannt, trotz wiederholten Protestes der rechtmäßigen Besitzerin— Ihrer Ehefrau Amalie geb. Böttcher— in gesimdheits- und lcbensgefäbrdcnder Weise nnrer gleichzeitiger Anwendung das sittliche Empfinden gröb- lich verletzender Aeußcrungen beziehungsweise Schimpfwörter körper- iich mißhandelt zu haben? Angeklagter: Ree. Vorsitzender: Ich ersuche Sie dringendst im eigenen wie im Interesse der Verhandlung, sich einer möglichst klaren Aus- drucksweise resp, Anttvortgebung zu bedienen.«ßt er sein Talent nicht von der Witzblattindustrie vorzeitig aus- schlachten. Starkes farbiges Temperament strömt auS von de« Dresdener? Sterl großer Oeltafel: Generalmusikdirektor Schlich inmitten seines Orchesters. Reges Interesse beansprucht schließlich die Kollektion von 50 Handzeichnungen und Radierungen des Eng- länderS Frank Brangwyn. Neben Landschaften und Architektur- studien fesseln vor allem seine zahlreichen Blätter von den Stätten proletarischer Jndustriearbeit: Schiff- und Brückenbauer, Tau- zieher. Vootbauer, Gerber, Flaschenwaicher, Koblenbergsklaven, Dock- arbeiter, Glasbläser usw. in voller Arbeit. Objektiv und nihig ist sein Bortrag, ohne etwa die Tendenz Baluscheks oder der Kollwitz. Aber um so stärker ist die Wirkung. Man sieht, wie diese Fron- arbeiter der kapitalistischen Industrie todinatt in den Sielen hängen. Unsichtbar schwingt die furchtbare Hungerpeitsche über ihnen. Sie müssen, müssen vorwärts. Wenn einer zusammenbricht, rückt der nächste an seine Stelle.... m. Sprachwissenschaftliches. ...und hat derselbe... In drei Wörtern zwei Verstöße, der eine gegen die Richtigkeit, der andere gegen die Schön- beit der Sprache. Den Schönheitsfehler— das papierene„derselbe" statt„er"— wollen wir heute nicht besonders hervorheben, wohl ober die falsche Umstellung des Satzgcgcnstandes nach„und"— „Inversion" nennen's die Grammatiker. Im denlschen AuS- sagesatz hat daS Ausiagewort(Prädikat) stets die zweite Stelle inne, denn es gibt dem Satzgegenstand, der die erste Stelle einzunehmen hat, erst Leben:„Der Lehrer lobt den Schüler." Soll das Ansiageworr vorangestellt, etwa betont werden, so muß„es" als Vertreter des Satzgegenstandes davorgesetzt werden:„Es lobt der Lehrer den Schüler." Beim Fragesatze aber steht das Aussagewort, weil es den Hauptton trägt, stets an erster Stelle:„Lobt der Lehrer den Schüler?" Ebenso steht es vor dem Satzgegenstand, wenn ein Umstandswort oder das Objekt den Satz beginnt:„Gestern lobte der Lehrer...; den guten Schüler lobt der Lehrer",— und in dem Hauptsatze, der auf einen Nebensatz folgt:„Wenn er seinen Fleiß merkt, lobt der Lehrer...". DaS sind ganz einfache, aber auch unumstößliche Regeln deS deutschen Satzbaues, gegen die aber noch immer und allenthalben gesündigt wird, weil man meint, unser„und" könne die Bedeutung„und daher" oder ähnliche? haben, waö aber nicht der Fall ist. Einige Beispiele: 1. Der Dieb ist durch das Fenster eingestiegen und hat derselbe sich dabei einer Strickleiter bedient. 2. Der Pnnz ist gestern hier eingetroffen und fand auf der Straße trotz der Dunkelheit eine bf geisterte Kundgebung statt. 3. Die Geschworenen bejahten die Schuld» frage und lautete das Urteil auf ein Jahr Zuchthaus. 4. Wir haben Ihre Bestellung erhalten und wird dieselbe bestens effektuiert(I) werden, b. Der Borsitzende eröffnete die Versammlung und wurde das Protokoll verlesen. 6. Der Vorsitzende schloß die Versammlung und forderte sodann Bürger meister Z.(was hier nicht etwa Wenfall ist, wie man etwa meinen sollte. londern Werfall I) zum Berlasien deS Saales auf. 7. Für ein größeres Gut wird ein Hirt gesucht. Der Mann mutz verheiratet sein und muß die Frau mit melken. 8. Von DienSlag auf Mittwoch hält das Regiment eine größere Nachtübung ab. Mittwoch erhält dasselbe(!) feldmäßige Verpflegung und wird auf dem Gelände geschlachtet und abgekocht sin Deutschland, nicht etwa in Afrika!j. Dieses letzte Beispiel— man könnte Hunderte zusammenstellen— zeigt so recht deutlich, wohin dieser Fehler führen kann. Aber das Ucbel ist sehr weit verbreitet. So wird der Reicks- tag immer noch mit der Formel einbcruien:„Der Reichstag wird berufen, am... in Berlin zusammenzutreten, und beauf» tragen Wir den Reichskanzler mit den zu diesem Zwecke not- wendigen Vorbereitungen."— Schriftsteller, die sorgsam aus ihren Stil achten, vermeiden diese Umstellung oder Inversion, besonders weil sie so häufig zu lächerlichen oder häßlichen Verdrehungen des Sinnes führt: bei Leising z. B. ist sie überhaupt nicht zu finden. Was klingt besser:„Wir haben Ihre Bestellung erhalten und wird dieselbe bestens effektuiert werden"— oder:„Wir haben Ihre Be- stellung erhalten und werden sie bestens ausführen"? Anthropologisches. Die Aurignacrasse und ihre Stellung im Stammbaum der Menschheit, lieber dieses Thema hielt der bekannte Breslauer Profeffor K l a a t>' ch unier Vorlage des Hauscrschen Fundes, über den Dr. L. Reinhardt in Nr. 34 deS UnterhaltungSblalieS berichtete, einen bemerkenswerten Vortrag in der letzten Sitzung der Berliner Anthropologischen Gesellschaft. Der Ort, wo das Skelett des Menschen von Aurignac von Hauser ge- funden wurde, ist eine Grotte bei Comb«- Capelle- Monlserrand (Pörigord), die genau gegen Süden 50 Meter über der Talsohle liegt, in der durch kalkhaltiges Wasier sich die Knochen überaus gut erhalten konnten. Die der Leiche beigegebenen Werkzeuge und andere Merkmale beweisen, daß der Mensch von Aurignac ungefähr gleichzeitig mit dem Neandertaler(benannt nach dem berühmten Fund in Neandertal, Regierungsbezirk Düsseldorf) gelebt hat; ein kleines Idol aus Mammutzahn, das 1891 bei Brünn gefunden wurde, dürste einen Menschen der Aurignacraffe darstellen, die in ihrem äußeren HabituS und dem Skelettbau in auffallender Weise von dem Neandertalmensche» abwich. Dieser war im ganzen kolossal plump, hatte eine untersetzte Gestalt und ein kleines Stirnhirn. Dagegen zeigt der Gipsausgnß des Schädels vom Menschen von Aurignac eine schön gewölbte Stirn; der Sckädel ist lang und schmal, das Hinterhaupt, das Zentrum der BeobachrungSnervcn, stark ausgebildet, ebenso sind deutliche Augenwülste, aber von sanfterer Einordnung in das Gesicht als beim Neandertaler vorbanden. DaS Kinn springt nicht vor. der mit einem Vollgebiß besetzte Unterkiefer ist zienilich schmal, schließt jedoch die Sprechfähigkeit nicht aus, da der Gaumen sehr stark gewölbt ist; die Nase ist wie bei dem Auswalneger tief eingezogen und klein. Die Gliedmaßen sind sehr schlank und gerade, die Unterschenkel wesentlich länger als beim Neander- taler. DaS alles berechtigt zu der Annahme einer besonderen Aurignacrasse, wofür nock andere Ailbaltspunkte vorhanden sind. So zeigt uns daS diluviale Schlachtfeld von Krapina in Kroatien Knochcnreste zweier verschiedener Menschenrassen, die hier offenbar auseinandergestoßen sind: solche vom Aurignac- und solche vom Ncanderialtypus. Beide Raffen haben keinen nachweisbaren Ahnen; ihre Trennung muß schon sehr früh vor sich gegangen sein; der Fund von Crokagnon zeigt eine spätdiluviale Mischung beider Raffen. Die heutigen Nordeuropäer führt.Klaatsch auf den reinen Aurignaciyp zurück, während im Süden mehr eine Mischform zwischen diesem und dem Neandertaler vorherrscht. Der Mensch«tdn Aurignac, Australneger und Eskimos gehen auf den gleichen Ursprung zurück, der auf nähere Verwandtschaft mit den asiatischen Menschenaffen— Drang und Gibbon— hinweist, mit denen sicher eine morphologische Ver» wandtschast besteht. Dagegen gehört der Neandertaler zu den Prä- glazialen, älteren, afrikanischen Typen, zu dem Formenkreis, in dem aucd Gorilla und Schimpanse ihre Stelle haben, wie ein Vergleich zwischen dem Skelett eines Gorillaweibchens und eines Neander- talerS beweist. Nicht als ob die genannten Affenarten Vorfahren. Vorformen des Menschen seien, fie sind vielmehr Dekadenzen, ge» zwungen, sich dem Leben im Urwald anzupassen, und somit zu „vorbeigelungenen Versuchen der Menschwerdung" verurteilt. (Die beiden überaus wichtigen Skelettfunde HauserS, sowohl der von Le Moustier wie von Aurignac, sind für das Berliner Museum für Völkerkunde erworben worden.) lserantw. Redakteur: Richard Barth, Be-'.in.— Druck u. Verlag: Vor»»rl,Buq»ruckerer u.Perl«g»attjiattPaulSlngeralCo..BerlmSV.