Anterhallungsblatt des vorwärts S!r. 106. Freitag, den 3. Juni. 1910 tLachdrulk verSoten.7 441 Die Hrena. Roman von Vicente Blasco Jbanez. Autorisierte Uebersetzung von I u l i o B r o u t a. Der Verwalter teilte ihm mit, er sei bereits diesem Wunsche zuvorgekommen. Schon im Laufe des Nachmittags, nachdem er sich von der Bedeutung des Unglücks überzeugt, hatte er nach Madrid gedrahtet. Wahrscheinlich befand sich der Doktor bereits unterwegs und mußte den folgenden Morgen ointreffen. Darauf fuhr Don Jos6 fort, die Aerzte, die im Zirkus Beistand geleistet hatten, zu befragen. Diese zeigten sich, nachdem ihr erster Schreck vorüber war, vertrauensvoller. Es sei mögliche daß er am Leben erhalten werden könne. Sein Organismus sei so lebenskräftig... Das Schlimme sei die furchtbare Erschütterung, die er erlitten, das Schütteln auf den Hörnern, das einen andern sofort getötet haben würde. Aber er sei aus der Bewußtlosigkeit erwacht und wieder seiner Sinne mächtig, obschon die Schwäche noch groß sei... Was die Wunden anbelange, so hielten sie sie nicht für gefährlich. Der Arm sei wenig verletzt, vielleicht werde er etwas von seiner Gelenkigkeit einbüßen. Mit dem Bein stehe es etwas schlimmer: der Knochen sei gebrochen, was eine lebenslängliche Lähmung im Gefolge haben könne. Don Fos6, der alle Anstrengungen gemacht hatte, um seine Gemütsruhe zu behalten, als vor einigen Stunden alle den Tod des Matadors für unvermeidlich hielten, wurde lkreidebleich, als er dies vernahm. Sein Maestro lahm!... Dann»verde er ja nicht mehr auftreten können! Die Ruhe, mit der die Aerzte von der Möglichkeit sprachen, daß Gallardo zum Stierkampf untauglich tverden könne, erregte in ihm eine ungeheuere Entrüstung. „Das kann nicht sein. Ich glaube es nicht. Halten Sie es für logisch, daß Juan lebt und keine Stiere mehr tötet? Ich kann es nicht fassen. Wer sollte die Lücke ausfüllen? Ich wiederhole es, das ist unmöglich. Der erste Mann der Welt, und er sollte zurücktreten?" Die Nacht brachte er wachend mit den Angehörigen der Cuadrilla und dem Schtvager Gallardos zu. Dieser war bald im Krankenzimmer, bald oben im ersten Stock, um die Frauen zu trösten, und er ließ es nicht zu, daß diese hinunterkamcn. Sic mußten gehorchen und dem Kranken Aufregungen er- sparen. Juan sei sehr schtvach, und diese Schwäche beunruhige die Aerzte mehr als die Wunden. Am folgenden Morgen eilte der Verwalter zum Bahn- Hof. Der Madrider Schnellzug kain an, und mit ihm Doktor Ruiz. Er kam ohne jedes Gepäck, nachlässig wie immer ge- kleidet, und lächelte in seinen gelb-weißen Bart hinein,»väh- rend die Bewegung seiner kurzen Beine den Schinerbauch unter der aufgeknöpften Weste erzittern machte. Er hatte die Nachricht in Madrid erfahren, als er vom Stiergefecht kam: es waren junge Tiere vorgeführt worden, um einen Neuling im Stierfechten einzuführen. Ein Mummenschanz, bei dein er sich sehr amüsiert hatte... Und er lachte nach einer müden Nacht im EisenbahMvagen, indem er an dieses groteske Schauspiel dachte, als hätte er die Ursache seiner Reise vergessen. Als er in das Zimmer des Sticrfechters eintrat, dessen Schwächezustand den äußersten Grad erreicht zu haben schien, öffnete Gallardo die Augen und erkannte ihn. tvobei ein ver- trauensvolles Lächeln über sein blasses Gesicht glitt. Nachdem Ruiz in einer Ecke leise mit den Aerzten, die den ersten Ver- band angelegt hatten, gesprochen, trat er mit entschlossener Geberde an den Kranken heran. „Nur Mut, mein Bursche. Diesmal wird es noch glimpf- lich ablaufen. Du kannst von Glück reden!" Und sich zu seiircn Kollegen wendend, fuhr er fort: „Was der Kerl für einen Organismus hat! Ein anderer würde uns zu dieser Stunde nichts mehr zu schaffen machen." Er untersuchte ihn sodann»nit großer Sorgfalt. Eine gefahrliche Verwundung! Kein Zweifel. Aber er hatte schon viele überstanden! In den Krankheitsfällen, die er gewöhn- liche nannte, zögerte Ruiz unentschlossen und getraute sich selten, eine Meinung abzugeben. Aber die Verwundungen durch Stiere lvaren seine Spezialität, in der er stets die un- glaublichsten Heilungen erzielte, als ob die Hörner gleichzeitig die Wunde und die Heilung verursachten. Von ciirem, der nicht auf der Stelle getötet wird, sagte er, kann man fast immer mit Sicherheit erwarten, daß er davonkomint. Die Heilung ist weiter nichts, als eine Frage der Zeit. Im Laufe der nächstfolgenden drei Tage hatte sich Gallardo entsetzlichen Operationen zu unterziehen und raste vor Schmerz, da sein Schwächezustand die Anwendung von Chloroform nicht zuließ. Aus einem Bein entfernte Doktor Ruiz verschiedene Knochensplitter, Teile des gebrochenen Ober- schenkelbeines. „Wer hat behauptet, daß Du»mtauglich zum Stierfcchten werden solltest?" rief in froher Zuversicht der Doktor aus. „Du wirst»veiter fechten, mein Sohn, und noch manchen Bei- fall ernten." Der Verwalter stimmte diesen Worten bei. Dasselbe habe auch er geglaubt. Wie könnte dieser Bursche schon jetzt sein Leben beschließen, er, der der erste Mann der Welt war?... Doktor Ruiz hatte angeordnet, daß die Fainilie des Stierfechters in die Wohnung Don Josss übersiedelte. Die Frauen störten nur, und während der Operationsstunden tvar ihre Nähe unausstehlich. Ein Stöhnen des Stierfechters ge- nllgte, uin augenblicklich, wie ein schmerzliches Echo, den Angstschrei der Mutter und der Schwester zu wecken, und Carmen, die sich wie eine Wahnsinnige gcberdete, mußte niit Gewalt zurückgehalten werden, um nicht ans Bett Gallardos zu eilen. Der Schmerz hatte die Frau umgcivandelt und ihren geheimen Haß gänzlich aufgelöst. Ihre Seufzer entspränge»» oft dein Gefühl der Reue, da sie sich selbst ohne ihren Willen die Schuld an diesem Unglück zuschrieb. „Ich bin an allem Schuld, ich»vciß es," sagte sie ver- ztveifhlngsvoll zum Nacional.„Wie oft hat er gesagt, er wünsche von eincin Stier erfaßt zu tverden, uin ein Ende zu machen. Ich bin sehr schlecht gegen ihn gctvesen, ich habe ihm das Leben verbittert..." Der Banderillero beinllhte sich vergeblich, den Vorfall bis ins Kleinste zu beschreiben, um ihr zu bctveisen, daß das Un- glück durch einen reinen Zufall gckominen sei. Nein, nach ihrer Auffassung hatte Gallardo ein für alle Male abschließen wollen, und wäre der Banderillero nicht eingesprungen, so hätte man ihn tot aus der Arena getragen. Als die Operation beendigt war, kehrte die Familie ins Haus zurück. Carmen trat leisen Schrittes, mit gesenktem Blick, als schäinte sie sich ihrer früheren Feindseligkeiten, in das Zim- »ner des Verwundeten. „Wie geht es Dir?" fragte sie, indcin sie eine seiner Hände in die ihrigen legte. So verharrte sie lange, schtvcigend und verschüchtert, in Gegenwart von Ruiz und anderen Freunden, die nicht vom Bette des Verwundeten wichen. Wäre sie allein gctvesen, sie würde wahrscheinlich vor dem Gemahl auf die Kiüe gefallen sein und ihn um Verzeihung gebeten haben. Der Arme! Sie hatte ihn durch ihre Grau- sainkeit zur Verzweiflung und in den Tod getrieben. Es mußte alles vergessen tverden. Und ihr wunderbares Gemüt strahlte aus ihren Augen mit einen» Ausdruck liebender Hin- gcbung und Selblosigkeit, einer Mischung von Fraucnliebe und mütterlicher Zärtlichkeit. Gallardos Körper schien durch die ausgestandene»» Schinerzen kleiner geworden zu sein, abgemagert, Nxlk. Von dem stattlichen, das Publikum durch seine Tollkühnheit cnt- flamntenden Burschen»var nichts übrig geblieben. Er klagte über seine Untätigkeit, über das zur Unbewcglichkeit verurteilte, schwer wie Blei wiegende Bein. Die bei vollem Be- wußtsein überstandenen schweren Operationen schienen ihn er- schläfst zu haben. Seine frühere Gleichgültigkeit gegen Schmerzen tvar verschwunden, und er stöhnte beim leisesten Unbehagen. '~=" Sein Zimmer war zu einem Versammlungsort geworden. wo im Laufe des Tages die hauptsächlichsten Aficionados vor- sprachen. Der Tabakrauch vermischte sich mit dem Dunst des Jodoforms und anderer starken Gerüche. Auf den Tischen standen durcheinander zwischen Arzneien, Verbänden und Instrumenten verschiedene Flaschen Wein, aus denen den Be- suchern angeboten wurde. „Es hat nichts zu bedeuten." riefen die Freunde, die dem Stierfechter Mut machen wollten.„In ein paar Monaten kannst Du wieder fechten. Du bist in guten Händen. Doktor Ruiz kann Wunder tun." Der Arzt war ebenfalls voller Zuversicht.„Ter ist bald wieder auf den Beinen, sag' ich Euch. Seht ihn an, wie er pafst. Ein Kranker, der raucht!..." Der Doktor, der Verwalter und einige Mitglieder der Cuadrilla blieben bis zu vorgeschrittenen Nachtstunden bei dem Verwundeten. Wenn Potage kam, hielt er sich gewöhn- lich in der Nähe eines Tisches auf, um die Flaschen im Be- reich seiner Arme zu haben. Die Unterhaltung zwischen Ruiz, Don Jos6 und dem Nacional drehte sich stets um die Stiere. Es war unmöglich, mit dem Verwalter zusammen zu sein und über etwas anderes zu reden. Sie besprachen die Fehler sämtlicher Matadore, erörterten ihre guten Eigenschaften und die Honorare, die sie bekamen, während ihnen der Kranke in gezwungener Unbe- weglichkeit zuhörte, oder, durch das Geflüster der Unter- Haltung eingeschläfert, in eine Art Traumzustand verfiel. lFortsetzung folgt.)) (Naqdrull tci&otes.) 2] öilfil* Die Geschichte einer Liebe. Von Johan Skjoldborg.— Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischln von Laura Heidt. So wird das Weidenhäuschen geliebt von zehn Kindern. Sie tragen es in ihrem Herzen. Und wenn sie, selbst erwachsen, heim- kehren, dann eilen sie den Berg hinan, als ginge es zum Stell- dichein, nur, um so bald wie möglich die Schornsteinspitze vor Augen zu haben. An jedem ersten Novembertag sitzen Jakob und Dorte im Wewenhäuschen und warten auf das Kommen der Kinder, die auf all den verschiedenen Fußsteigen eintreffen. Für diese Familie ist dieser Tag der jährliche Festtag geworden. Lange vorher schon gelten ihm alle Gedanken und alle Worte. Jakob und Dorte sprechen von nichts anderem in der ganzen Welt als von den Mndern: ob sie sich gut führen und wie sich ihr Leben überhaupt gestaltet. Jakob, der Weidenhäusler, versäumt niemals seine Arbeit. Selbst wenn ihm so elend zu Mute ist, daß er morgens auf dem Fußsteig wie ein krankes Pferd zwischen den Strängen hin und her schwankr, aus seinen Posten verfügt er sich trotzdem. Am 1. No- vember jedoch bleibt er zu Hause. Er schützt Krankheit vor, oder er findet seinem Arbeitgeber gegenüber irgend einen anderen Vorwand; deun er sieht wohl ein, däß er unmöglich den wahren Grund an- geben kann. Seinen Tagelohn verlieren, unr zu Hause mit seinen Kindern zusammen zu sein, das ist eine Weichherzigkeit, die ein Mann in Jakobs Stellung nicht verantworten kann. Er versucht es auch gar nicht. Er weiß gut, daß es nicht stattfinden darf, er kann nur einfach nicht widerstehen. Wenn Jakob eines Abends kurz vor dem I. November seine Arbeit verläßt, geht er zum Höker und macht dort größere Einkäufe an Kaffee, Zucker, Zwieback und Kringeln. Und dann kauft er auch einen Viertel Liter alten Rum. Das Ungewöhnte dieses seltenen Getränks erhöht die Festlichkeit des Tages; sein Duft und die schöne dunkelbraune Farbe hebt den Mut. Aber er begreift gut, daß er hier die Wege der Ueppigkeit und des Luxus wandelt; daher steckt er auch heimlich die Flasche in die Tasche, damit niemand sie zu sehen bekommt. Er wt ganz verschämt— aber es ist nun einmal Sitte geworden, daß er am 1. November zu seinem Kaffee ein Gläschen alten Rum genießt. Und vor allen Dingen will er nicht, daß von dem Glanz dieses Tages auch nur ein Titelchen ver- loren geht. An diesem ersten Novcmbertag funkelt DorteZ Ofen stärker als an irgend einem anderen Tage des Jahres. Die beiden bäum- wollenen Vorhänge vor dem Alkovenbett hängen— frischgewaschcn— in frischen, steifen Falten. Tag für Tag, wenn die Zeit heranrückt, ordnet und putzt sie an allem herum, damit alles in bester Ordnung ist. Schon lange vor- her sind sich die beiden Alten gegenseitig behilflich, die alte Hütte auszubessern, zu verkleben und zu tünchen und das Dach zu flicken, wo imnier es not tut. So sorgfältig wie niöglich richten sie alles her und verschönern alles, damit den Kindern auch in Zukunft noch das alte Weidcnhäuschen gefällt. Jakob und Dorte find am 1. November in aller Frühe auf den Beinen. ES gibt nichts zu tun, aber sie können nicht schlafen. Jakob hat sich rasiert und sich das erste Gläschen Rum genehmigt, er geht jetzt hinaus, um noch einmal nachzusehen, ob auch alles so ist, wie es sein soll; er gehl wieder hinein, und er und Dorte unterhalten sich darüber, welch ein Glück es ist, daß das Wetter fich heute so gut anläßt. Fast den ganzen Vormittag sind sie allein. Sie blicken zum Fenster hinaus und auf die alte Uhr. „Nun dauert's nicht mehr lange, dann kommen sie", sagt Jakob einmal ums andere. Sie gehen wohl auch hinaus bis an den Hausgiebel und spähen sehnsüchtig die Fußsteige hinunter. Der erste, der da kommt, ist Peter. Seine Hosen stecken in ein Paar langen, funkelnagelneuen Schaftstiefeln, die Narben des LederS sind noch deutlich sichtbar. Peter ist schon rundrückig. Er stolpert über den Fußboden wie ein alter Mann und setzt sich,.als sei er sehr müde. Und doch ist er nur neunzehn Jahre alt. Aber er hat von jeher zu schwer gearbeitet; seit zwei Jahren verrichtet er schon ganze KnechtSarbeit. Peter will nämlich Geld haben, viel Geld. „Naa," sagt der Vater uud steckt sich, belebt durch des Sohnes Ankunft, ein frisches Stück Kautabak in den Mund.„Naa, Peter, Du hast Dir wohl ein Paar. Stulpstiefel zugelegt?" Jakob beäugt scharf die neuen Stiefel und befühlt das Leder. „P— ti", Jakob Weidenhäusler spuckt einen Strahl in weitem Bogen aus,„die sind wann und gut I" Peter zieht die Strippen hoch, und seine Augen folgen der feinen. roten Saffiankante, die der Schuster als Abschluß oben angebracht hat.„Aber sie waren auch teuer," seufzt er. „Ach, das kannst Du Dir schon erlauben, mein Bester. Bei dem Lohn, den Ihr heutzutage kriegt— P— ti I" Peter murmelt:„Na. na." „Du bleibst wohl auf Deinem Platz, Peter .Ja." „Das ist recht; das Hab' ich gern I* „Ach— was, Dreck 1* Peter blickt unentwegt vor sich nieder und ist so merkwürdig schweigsam und verdrossen. Die Mutter bemerkt es.„Dir ist doch nichts?" fragt sie. „Ach nein, nichts weiter." „Du bist doch nicht etwa krank?" Es zittert wie Angst in ihrer StimmeZ „Nein, aber— eS fehlen mir in der Kaffe noch zehn Kronen an dreihundert." Die Mutter schlägt eine laute Lache auf.„Du bleibst Dir doch immer gleich, ha, ha, ha I" Jakob Weidenhäusler aber lächelt vor fich hin, voll heimlichen Stolzes und auch darüber, daß dies der Grund der Ver- stimmung war. Peter verzieht keine Miene. Er legt da? Geld ans den Tisch und zählt. Die Eltern rücken zusammen und Helsen ihm; sie lassen die Banknoten und das Silbergeld immer wieder durch die groben, knochigen Finger gehen. Es wird aber nicht anders, die zehn Kronen fehlen. „Das ist ärgerlich," sagt Peter.„Es ist nur, weil ich die Stiefel kaufte. Das war dumm!" Er sitzt und starrt das Geld an, das geordnet vor ihm auf dem Tische liegt. Und als könne er den Gedanken nicht loswerden, fragt er den Vater:„Kannst Du mir nicht die zehn Kronen leihen?' „He, nein, das kann ich nicht, Peter, ich schulde noch dem Höker." „DaS ist doch deS Teufels!" Nach einer Weile fragt der Vater:„Wozu sparst Du denn nun eigentlich das Geld, Peter?" „Ich will ein Geschäft haben." Jakob scheuert sich den Ellenbogen vor lauter Vergnügen. „Soo, Du willst ein Geschäft haben?" „Jawohl, damit verdient man am meisten Geld." Die Eltern blickten fich verstohlen an. „Ich will Viehhändler werden, so wie Anders Vabbesgaard." Das aber scheint dem Alten bedenUich. Der bloße Gedanke macht ihn schwindeln. Also selbst der solide und besonnene Peter konnte ihnen Grund zu Besorgnissen geben. Der vergnügte und lebhafte Schimmer verschwindet aus Jakob Weidenhäuslers Antlitz das wieder den gewohnten kummervollen Ausdruck annimmt. Dann sagt er:„Du wirst doch wohl ein ehr- licher und treuer Knecht bleiben in Deinen Stellungen, damit wir Freude an Dir haben können l" „Ein Geschäft will ich haben," nickt Peter energisch. Die Mutter fürchtet ebenfalls, daß seine Gedanken zu vermeffen sind, daher fügt sie hinzu:„Es ist wohl am besten, Du bleibst mit den Füßen aus der Erde und vergißt nicht, wo Du bist." In diesem Augenblick kommt Jens, ein seit einem Jahre kon- firmierter Knirps, zur Tür hereingestürmt. Er ist sommersprossig mit dicken Lippen und hat ein Paar entsetzlich große Ohren, die vielleicht heute noch größer als gewöhnlich aussehen, da er ganz kurz geschoren ist. Seine Augen sprühen vor Lebenslust. Jens schwingt ein blaues Taschentuch.„Huh I" sagt er und wirft es mitten auf den Tisch. Der Vater sieht ihn verwundert an.»WaS hast Du denn da?" 423— »Das ist Weizenbrot und Kuchen! Heute wollen wir. Gott Verdamm mich, einmal flott leben I" antwortet der Junge und lacht. .Ich glaub', Du bist verrückt, Jung," schilt die Mutter; im Grunde aber freut fie fich trotzdem über ihren Jens. (Fortsetzung folgt.)! Das 46. X�onfeüiirtlcrfeft des Allgemeinen DcutFcben JVIufümmns. kannten Heineschen Gedicht) und vor allem Walter Braun- s e I s' machtvolle Komposition des 0. Kapitels der Offenbarung Johannis große Schönheiten. Friedrich Klose hat sich seine Aus- gäbe schwer gemacht. Er hat das Wallfahrer- und Kirchen- motiv des Heineschen Gedichts zum Leitmotiv erwählt und läßt sich die eigentliche Leidensgeschichte des liebeskranken Sohnes der sorgenden Mutter deutlich von dem Hinter- und Untergrunde dieses Milieus abheben. Dabei macht fich nur leider wiederum die Ueber- legenheit des gesungenen Wortes gegenüber dem gesprochenen sehr betrüblich geltend: die Deklamation raubt immer wieder der Orgel- und Chorillustration des Textes die rechte Eindruckskraft. Immerhin bleibt doch ein sehr starker Gesaniteindruck im Hörer hasten, und die schlichte Tonsprache Kloses wird dazu beitragen, das Werk bekannt, vielleicht gar populär zu machen. Zu einem solchen allgemeinen Beifall wird es Walter Braunfels'„Offenbarung Johannis" nicht leicht bringen, wegen der unerbittlichen Realistik, mit der dieser junge Künstler an die Komposition des jüngsten Gerichts schreitet. Ein Siegel nach dem anderen eröffnet das„Lamm", beim Oeffnen des sechsten aber„ward ein großes Erdbeben, und die Sterne des Himmels fallen zur Erde, und die Sonne ward schwarz wie ein härener Sack"— mit erstaun- licher Originalität im Thematischen und mit kolossaler Orchestrierungs- kunst, hinter der die Vokalkunst nicht zurücktritt, schildert Braunfels diese furchtbaren Ereignisse, und die Spannung des begeistert lauschenden Publikums entlud fich in einhelligstem Beifall. Nur kurz ivill ich noch auf die beiden Kanmiermusikveranstaltungen des Züricher Musikfestes eingehen und zu allererst Negers erst vor einigen Wochen beendetem, mit einem ganz herrlichen, wie eine Fortsetzung der Klassiker anmutenden Larghetto-ausgestattetem Streichquartett in v-rnoll die gebührende Anerkennung zollen. Wenn sich auch in den Ecksätzen manche„himmlische" Länge bemerk- bar macht, so fühlt man doch stets den großen Atem des Meisters wehen, man spürt nichts Gequältes, wie etwa in dem nur klanglich erfreulichen Streichquartett von Hermann Suter oder dem solide gearbeiteten Trio von Rob. Heger; man merkt keine absichtliche aphoristische Kürze, wie etwa in des begabten Pianisten Emil Frey„Dritter Violinsonate", auch von den gräßlichen be- wußten Dissonanzen, wie sie der Ungar Zoltan Kodaly in seinem Streichquartett anzuschlagen liebt, spürt man bei Reger nichts. Nur die Sonate für Violine allein(von Anna Hegner aus Basel ganz meisterhast vorgetragen), die der schon früher vorteilhaft her- vorgetretene Freiburger Komponist Julius Weißmann auf- führte, ist ein abgeklärtes Kammermufikwerk. Auch Walter Lampe erwies sich in einigen von ihm selber vorgetragenen Klavierstücken wieder als der abgeklärte vornehme Musiker, als den wir ihn längst kennen. Auch unter den Liedergaben fand sich mehr als eine wohlgelungene: so lebt in den Gesängen des in München wirkenden Richard Mors ein feiner poetischer Sinn und viel Eigenart, wenn auch die Deklamation hier und da etwas breit ge- haltm ist. Weniger geglückt erschienen mir die Lieder H. Sthamers, und auch unter den Gesängen von Bernhard Sekles, der fich stüher als guter Musiker bewährt hat, wollte mir keiner besonders kraftvoll dünken, dagegen ist R. Trunks„Im Volkston" ein hübsch altfränkisch behäbiges Liedlein. Boten so die Konzerte des TonkünstlerfesteS viel WohlgclungeneS, so dürfen auch die geselligen Zusammenkünfte als sehr glücklich arrangiert bezeichnet werden. Namentlich das Begrüßungsbankett. bei dem fich ein Regierungsvertreter launig selbst als„DekorationS- objekt" vorstellte, nahm einen gemütlichen Verlauf, ebenso die See- fahrt auf dem Züricher See u. dgl. mehr. Nächstes Jahr wird fich der Verein in Weimar zur Liszt- Zentenarfeier zusammenfinden..Artur N— r. 6rdbeerparadiefe. Ende Mai kommen die ersten Erdbeeren auf den Markt; sie spielen dann wochenlang eine wichtige Rolle— und das mit Recht. Kennt auch die Heilkunde fie nicht mehr, so weiß doch jedermann, daß Erd- beeren für den Kranken eine gesunde Kost sind. Sie wirken auf den menschlichen Organismus wie alle frischen, säuerlich schmeckenden Obst- arten: Johannisbeeren, Sauerkirschen und Aepfcl. Sie löschen den Durst; durch ihre kühlende Wirkung beruhigen sie das Gefäß- system und erregen Appetit. Ihren Nährwert erhalten sie durch den Zuckergehalt, der bei der würzigen Walderdbeere 5—6 Proz. beträgt. Durch Zuckerzusatz werden Erdbeeren natürlich noch nahrhafter; freilich, sie sättigen nicht: sind doch 6 Kilogramm Erdbeeren erforder- lich, um L'/z Kilo Kartoffeln, und 970 Gramm Erdbeeren, um ein Hühnerei auszugleichen I Ein rechtes ErdbeerparadieS lernte im Anfang des 18. �zahr- Hunderts der französische Ingenieur Fregier in Ehst! kennen. In der Umgebung der Stadt Conccpcion ziehen fich einige kleine Täler hin. die man künstlich vewäsiert hat, INN ihnen auch in der regen- armen Zeit das wohltuende Nah zuteil werden zu lasten. LängS der künstlichen Wasserstraßen sind Erdbeerplantagen angelegt und zur Zeit der Ernte werden von den Bewohner» jener Stadt wie auch von den Valparaisonesen Autsliige in diese Erdbeerfelder unternommen, auf daß sie sich an Ort und Stelle im Erdbeeressen gütlich tun. Diese chilenische Frucht gedeiht vortrefflich auch auf europäischem Boden, und sie ist für die Erdbeerzucht unseres Kontinents von Be- deutung geworden. Frögier verpflanzte sie nach seiner Heimat, der Bretagne, und legte somit die Grundlage zu den ausgedehnten Kulturen in der Umgebung von Brest. Hier erntet man in der Saison an Slla Millionen Kilogramm, wovon 2 Millionen nach Paris gehen, während der Rest in den großen Städten kon- sumiert wird. Ein Dorado für Erdbeereffer ist ferner Kalifornien, und der Markt von San Francisco ist bielleicht der einzige auf der fanzen Welt, auf dem während des ganzen Jahres rischc Erdbeeren feilgeboten werden. Ihre Kultur liegt hier ausschließlich in den Händen der Chinesen. Während der Hauptsaison werden täglich über 500 Kisten(von denen jede nahezu ISO Kilo wiegt) gcerntet. Ist der Ertrag geringer, so wird das Pfund mit 80 Cents st, 20 M.) bezahlt, in guten Jahren mit 10 Cents(40 Pf.). Vier Monate hindurch sind an 10000 Menschen in der Erdbeerernte beschäftigt und es gehen von hier auS ganze Eisenbahnzüge nach den Zentralstellen der Union. Nicht minder blüht die Erdbeerkultur in V i r g i n i e n. In der Röhe von Norfolk baut ein einziger Züchter 185 Acres Erdbeeren und beschäftigt zur Ernte Tausende von Pflückern. Es wurden von dort aus im Jahre 1883 über 3 Millionen Quarts dieser Früchte verschifft, wovon nach New Dork 850 000 Pfund kamen. In der- selben Saison wurde der New Dorker Markt außerdem tag- täglich mit mindesten? 2000 Pfund beschickt. Im ganzen wurden schon damals in den Vereinigten Staaten Erdbeeren im Werte von v Millionen Dollar geerntet. Die virginische Erdbeere, die übrigens an den Niagarafällen in erstaunlicher Menge wild wächst, fand in England eine zweite Heimat. Im Lause des 17. Jahrhunderts kam sie in die Graiichast Kent und machte diese zum Erdbeerlande. Ein dortiger Pächter, Mr. Vinson in Swantey, bestellt jährlich 135 Hektar mit Erdbeeren und erntet täglich viele Tausende von Pfunden, von denen die ersten Sendungen 1,50 bis 2 M. im Engros bringen I In England, Frankreich und Holland entwickelte sich allniählich eine aus- gedehnte Erdbeerkulwr und-Treiberei. Namentlich steht der Erdbeerbau Englands in großer Blüte. Man zieht dort Erdbeeren, von denen ein Stück'/« Pfund wiegt. Eine einzelne Erdbeerpflanze bringt im nächsten Jahre durch Ausläufer 50 andere hervor, und diese im zweiten Jahre ebensoviel, so daß im Laufe von drei Jahren 125 000 Pflanzen aus einem einzigen Stück entstehen. Wenn die Pflanzen ihre volle Tragfähigkeit haben, d. h. im zweiten und dritten Jahre, ergeben sie 2%— 3 Tonnen Früchte pro Acre(1 Acre— 4,4 Ar; 1 Tonne— 1013 Kilogramm). Nach dem dritten Jahre nimmt sowohl die Größe der Früchte wie die Ertragsfähigkeit ab, und nach dem Ende des vierten JahreS wird die Kultur gewöhnlich umgepflügt. Im Anfange des vorigen Jahrhunderts gelang es dem Züchter Keen in Jslewooth, Samen der großen weißen Chilierdbeere.Im- perial Strawberrh' zu züchten, und nun begann man, sich auf KreuznngSversuche zu legen. Wie weit nian es darin gehracht hat, beweisen die vielen heute existierenden Erdbeersorten, deren Zahl Gartenbaudirektor Göschke mit mehr als tausend angibt. Noch vor 30 Jahren waren die großen Gärtnereien an der Riviera nicht nur die Lieferantinnen des Blumenflors für unsere Wintervergnügungen, sondern auch die der Erdbeeren. Heute ist das anders geworden. Unsere Gärtner sind nach beiden Richtungen hin ihren ausländischen Kollegen ernste Konkurrenten geworden, denn während des Winters werden auch in Deutschland eine ganze An- zahl vorzüglicher Erdbeersorten gezüchtet, die natürlich— wie jene Riviera-Erdbeeren— nur für die oberen Zehntausend bestimmt sind. Als eine der ältesten deutschen Kulturstätten dieser Früchte sind die Vierlande zu nennen. Es wird hier namentlich die Moschus- oder Zimterdbeere angebaut, die deshalb auch.Vierländer-Erdbeere" genannt wird. Diese Sorte hat die Eigentümlichkeit, daß sie keine Zwitterblüten, sondern einhäusige Blüten entwickelt, d. h. Blüten, die entweder nur Staubgefäße oder nur Stempel enthalten, von denen naturgemäß bloß die letzteren Früchte entwickeln. Die männ» lichen Stöcke, Caprons oder Böcke genannt, lassen sich leicht an einem schwarzen Punkt in der Blüte erkennen. Fruchtbare Stöcke ent- wickeln Blüten mit verkümmerten Staubgefäßen und ohne den schwarzen Puntt. Auch fiir die Bewohner des Schwarzwalddörfchens Stauffen- berg bei Rastatt, die bis in die fünfziger Jahre in Armut und Elend lebten, ist die Erdbeerkultur zu einer bedeutenden Einnahme- quelle geworden. Außerdem haben die Städte Erfurt, Stutt- gart, Jena und K ö t h e n ausgedehnte Erdbecrkulturen. Das bedeutendste deutsche Erdbeerparadies ist aber die L ö ß n i tz, jenes liebliche Stückchen Erde im Königreich Sachsen, das sich aus den Villenkolonien Radebeul, Ober- und Nieder-Lößnitz. Kötzschenbroda, Scrkowitz, Zitschelvig, Koswig und Weinböhla zusammen- setzt und ein Tuskulum für Rentner und Pensionäre ist. Unterhalb Gerantw. Redakteur.; Richard Barth, Berlin.— Druck u. Perlag: der sächsischen Residenz zieht sich rechtselbisch ein Areal von 900 Hektar hin, das lediglich der Erdbeerkulwr dient. In der Hoch- saison beträgt der Tagesumsatz durchschnittlich 2000 Kilogramm, ganz abgesehen von den Nebenverkäufen und direkten Grosto-Abschlüssen. Ganze Waggons der süßen Früchte gehen nordwärts, namentlich nach Berlin. Während der Saison halten darum auch die zwischen Dresden und Berlin verkehrenden Schnellzüre in Kötzschenbroda, um die bereitstehenden Erdbeerwagen mitzunehmen. Gleich Stauffenberg verdankt auch Werder an der Havel seinen Aufschwung dem Obstbau. Seit etwa einem halben Jahr- hundert kommen die Werderschen Obsendungen auf Schleppkähnen his ins Herz Berlins. Erdbeeren und Kirschen eröffnen den Markt. Vor den Toren der Riesenstadt hat sich jüngst noch eine zweite Kulturstätte der Erdbeeren entwickelt: Aus märkischem Sande hat emsiger Fleiß ein grünes Stückchen Erde geschaffen: die Obst- baukolonie Eden, deren Ernte jetzt wohl mehr denn hundert Zentner beträgt. C. S ch e n k l i n g. kleines Feuilleton. Erziehung und Unterricht. Kinder mit verspäteter Sprachentwickelung. Während einige Kinder schon verhälwismäßig frühzeitig im Besitz einer gewisten Sprachfertigkeit sind, verhalten sich andere passiv und zeigen verlangsamte Sprachentwickewng. Das ist aber durchaus kein Gradmesser für die spätere Intelligenz. Es braucht uns die erstere Erscheinung nicht mit kühnen Hoffnungen zu erfüllen und umgekehrt die letztere Tatsache nicht sorgenvoll zu stimmen. Wie aus der Erfahrung hervorgeht, sind die sprachlich frühzeitig entwickelten Kinder nicht immer und unter allen Umständen die bestbeanlagten, und verlangsamte Sprachentwicklung findet sich nicht selten auch bei normalen und später geistig ganz regen Kindern. Die Ursache der verspäteten Sprachentwickelung ist in einer ge- wisten Schwerfälligkeit, in einer langsamen Erregbarkeit der Sprach- Muskulatur zu suchen. Es fehlt die Sprechlnst, eS zeigt sich ein Mangel der Sprachnachahmung. Halten wir daS gleich fest, so werden uns dadurch die besten Fingerzeige gegeben für zweckdienliche Abhilfemaßnahmen. Vollständig verkehrt wäre eS, mit Gewalt vorzugehen, d. h. sprachliche Uebungen anzustellen und sofortiges Nach- sprechen zu verlangen. Vielmehr muß indirekt, mehr spielend, aber natürlich doch zielbewußt vorgegangen werden. Vor allen Dingen ist es notwendig. die speziellen Sinne der Nachahmung— Gesicht und Gehör— zu üben. Man spreche viel und öfters mit dem Kinde, man erzähle ihm Geschichten, zeige ihm Bilder und bespreche die dabei dargestellten Vorgänge; auch begleite man seine Tätigkeiten und die des Kindes mit' Worten. Bei Spaziergängen, bei Vorkommniffen im Freien benutze man jede Gelegenheit, mit dem Kinde zu reden. Kurzum, man suche auf olle mögliche Art und Weise die Sprechlust des Kindes zu reizen, ihm Luft zur Sprachnachahmung zu bereiten. Es wird sicher dadurch Interesse für die Sprache bekommen. Geficht und Gehör werden ungemein geübt werden. Recht schätzenswert dürfte auch die Anwendung von Kinderliedern sein, Spielen mit Gesang, rhythmische Uebungen mit Gesang. Vorkommenden Falles versäume man auch nicht, auf neue Geräusche und Schalleindrücke aufmerksam zu machen, z. B. auf da? Plätschern des Baches, das Rauschen des Waldes, daS Knarren der Räder usw. Daneben sind noch von Wichtigkeit Uebungen, die daS SprachbewegungS» Zentrum direkt beeinflussen. Damit sind turnerische und gymnastische Uebungen gemeint. Natürlich darf man diese nicht üherschätzen und nun einzig und allein alles von ihnen erwarten, aber immerhin verdienen sie ernste Beachtung und Berücksichtigung. Unzweifelhaft die wichttgste Tatsache ist selbst- verständlich die Uebung und Stärkung der Sprach- Muskulatur selbst. Mannigfach sind die Uebungen, welche in deren Dienst gestellt werden können. ES ist unmöglich, sie alle des näheren anzuführen. doch sei auf einige kurz ver- wiesen, zum Beispiel: Blasen auf einem Kinderblasinstrument, Blasen inS Wosier mittels Röhren oder Strohhalmen, Weg- blasen von Flaumfedern oder Papierschnitzeln, Anblasen von Papier- mühlchen, Blasen nach einem Papierstreifen, nach einer Flamme, nach einem Kerzenlichte, Hauchen an das Fenster oder auf den Handrücken, Seifenblasen machen, in den hohlen Schlüsiel blasen. Endlich können noch gute Dienste leisten: Uebungen, die sich auf die Endstationen der zum Sprechen notwendigen Stellen be- ziehen(Zähne, Zunge, Lippen). EL seien einige angeführt: Vorstülpen der Lippen(Rüssel machen), Schnurren mit den Lippen, Vorschieben und Zurückziehen der Zunge, Zunge heben über die Oberlippe bis zur Nase, Zunge senken iiber die Unterlippe, mit der Zunge schnalzen. Setzen der oberen Zahnreihe auf die Unterlippe und Blase» auf dem Haildtticken u. a. m. Sicher kann auf diese Art und Weise viel geschehen, um sprachlich zurückgebliebene Kinder zu fördern und verspätete Sprachcntwickelung günstig zu beeinflusien. Liegen doch alle angeführten Maßnahmen in dem Wesen der hier fraglichen Erscheinung begründet. Zwar machen sie etwas Mühe und Arbeit, aber die aufgewandte Zeit wird sich gewiß lohnen. _ Dr. R. Borwarr« Buchdcucterei u.>v5rt»g«anstatt Maut«inger SiEo..BerUn iWi.