Nnterhaltungsblatt des Horivitrts Nr. 117. Sonnabend, den 13. Funi. 1S10 lSachdru« verssten.j SSj Vie?Zrena. Roman vonVicenteBlascoJbanez.' Autorisierte Uebersetzung von Julio Brouta. Ohne zu wissen wie fand sich Gallardo im Garten, inmitten des feierlichen Stillschweigens, das von den Sternen auszugehen schien, zwischen Lauben und dichtem Gesträuch. Er folgte einem geschlängelten Pfad und schaute durch das Blätterdach hindurch in die Fenster des Speisesaales, die, rot- erleuchtet wie Oeffnungen der Hölle, sich emporreckten, in denen die Schatten wie schwarze Teufel auf und abhuschten. Ein Weib schlang seinen Arm um ihn und zog ihn mit sich fort. Er lietz'es geschehen und schaute sie nicht einmal an. Seine Gedanken waren weit, weit weg. Eine Stunde später kam er in den Speisesaal zurück. Seine Begleiterin, mit aufgelöstem Haar und feindseligen Augen, sprach lebhaft mit ihren Freundinnen. Diese lachten und zeigten mit verächtlicher Gebärde auf ihn, indem sie sich an die Männer wandten. Diese lachten mit. Ha, Spanien! Ein Land der Enttäuschungen, wo alles nur Schall und Rauch. nur reine Fabel ist, sogar die Herzhastigkeit seiner Helden! Gallardo trank immer mehr darauf los. Die Weiber, die ihn vorher mit ihren Liebkosungen umlagert hielten, kehr- ten ihm jetzt den Rücken zu und warfen sich in die Arme der anderen Männer. Die Gitarrenspieler konnten noch kaum etwas klimpern, und sie neigten sich verschlafen und wein- duselig über ihre Instrumente. Der Torero war auch im Begriff, auf einer Bank einzuschlafen, als sich einer von jenen aristokratischen Freunden erbot, ihn in seinem Wagen mitzunehmen, da er zu Hause sein mußte, ehe seine Mutter, die Frau Gräfin, aufstand, um zur Frühmesse zu gehen. Der Wind und die Kühle der Nacht verscheuchten die Trunkenheit des Toreros nicht. Als ihn sein Freund an der Ecke der Straße absetzte, ging Gallardo schwanken Schrittes seiner Wohnung zu. Fast an der Tür schon hielt er an. Er klammerte sich mit beiden Händen an die Wand und stützte den Kopf auf die Arme, als ob ihn die Last seiner Betrach- tungen drücke. Er hatte seine Zechgenossen gänzlich vergessen, sowie auch das Mahl der Eritana und die drei geschminkten Auslände- rinnen, die sich zuerst um ihn gestritten hatten, um ihn schließlich zu verhöhnen. Etwas haftete noch in seiner Erinne- rung von der anderen. Die konnte er unter keinen Umstän- den vergessen!.... Aber die Vorstellung von ihr war in diesem Augenblick ziemlich verschwommen und in den Hinter- grund seines Bewußtseins gedrängt. Durch einen jener lau- nenhaften Gedankensprünge, die der Rausch gebiert, schwebten ihm plötzlich nur noch die Stiergefechte vor, und hier blieb sein Denken verankert. Er war der erste Stierkämpfer der Welt! Bravo! Das behaupteten sein Verwalter und seine Freunde, und die mußten es doch wissen. Seine Widersacher sollten schon'was Feines sehen, wenn er wieder auftreten würde. Der Miß- erfolg vom letztenmal war ein einfacher Zufall, ein böses Geschick, das ihm einen dummen Streich gespielt hatte. Stolz auf die unbesiegbare Kraft, die ihm die Trunken- heit verlieh, sah er in allen Stieren Andalusiens und Kasti- liens nur harmlose Schafe, die er mit einem einzigen Hieb seiner Hand niederstrecken konnte. Die Geschichte vom vorigen Sonntag war nichts. Schwamm drüber! wie der Nacional sagte. Dem besten Sänger entwischt einmal ein Quieker. Und dieser Aphorismus, den er an unglücklichen Tagen aus dem Munde ehrwürdiger Patriarchen der Stierfechter' kunst vernommen hatte, flößte ihm plötzlich die unwiderstch liche Lust ein, zu singen und die Stille der einsamen Straße mit seiner Stimme zu beleben. Den Kopf noch immer auf die Arme gestützt, begann er halblaut eine Strophe seiner eigenen Erfindung zu singen. die ein überschwengliches Lob seiner eigenen Verdienste ent hielt. Juan Gallardo ist mein Name, Kennt Ihr meine Tapferkeit? Hab' im Leibe mehr Courage, Als die ganze Christenheit. Und da er weiter nichts improvisieren konnte, was ihm zur Ehre gereicht hätte, wiederholte er immer und immer die- selben Worte: Hab' im Leib« mehr Courage, Als die ganze Christenheit, mit heiserer und eintöniger Stimme, die die Stille der Nadht unterbrach und am Ende der Straße einen unsichtbaren Hund bellen machte. Das väterliche Erbe kam bei ihm zum Vorschein, di» Manie des Singens im Rausche, durch die schon der Schuh» flicker Juan sich auszeichnete, wenn er sich allwöchentlich Sonnabends einen antrank. Die Tür des Hauses wurde geöffnet, und Garabato, noch halb verschlafen, streckte den Kopf hinaus, um zu sehen, wer der Betrunkene war, dessen Stimme er zu erkennen glaubte. „He, bist Du da?" rief der Matador lallend.„Warte mal, ich werde jetzt noch eins singen." Und er wiederholte noch verschiedene Male seinen der- stümmelten Gesang zum Lobe seiner Tapferkeit, bis er sich endlich entschloß, in das Haus einzutreten. Er hatte noch keine Lust, zu Bett zu gehen. Er hatte eine Ahnung von seinem Zustand und zögerte deshalb, in die Wohnung hinaufzugehen, wo ihn Carmen wahrscheinlich wachend erwartete. „Geh schlafen, Garabato, ich Hab' noch viel zu tun." Was, wußte er zwar nicht, aber sein Schreibzimmer mit all seiner Ausschmückung von stattlichen Photographien, bun- ten Schleifen, die den Nacken von Stieren geziert hatten, Plakaten, die seinen Ruhm verkündeten, zog ihn unwider- stehlich an. Als die elektrischen Lampen brannten und der Diener sich entfernt hatte, blieb Gallardo auf unsicheren Beinen mitten im Zimmer stehen. Er schaute auf die Wände rings- um mit scheuer Bewunderung, als ob er diese Ruhmesgallerie zum ersten Male betrachtete. „Sehr gut, allerfeinst," murmelte er.„Der staatlich« Bursche da bin ich, und der da bin ich auch, und alle.... Und da gibt's noch Leute, die mein Verdienst in Zweifel stellen. Der Teufel soll sie holen! Zu dumm! Ich bin der erste Mann der Welt. Don Josö sagt es, und er hat recht." Er warf seinen Hut auf das Sofa, als entledigte er sich eines Siegerkranzes, der seine Stirn beschwerte, und schwankend ging er auf den Schreibtisch zu, wo er sich mit den Händen aufstützte, indem er seinen Blick auf den großen Stierkopf heftete, der die hintere Wand des Zimmers schmückte.„Heda, guten Abend, Teufelsbiest! Was machst du hier? Muh! Muh!" So begrüßte er ihn, kindisch das Gebrüll der Stiere auf der Weide und in der Arena nachahmend. Er erkannte ihn nicht gleich wieder und konnte sich nicht entsinnen, weswegen dieser zottige Kopf mit seinen drohenden Hörnern da an der Wand hing. Nach und nach fiel es ihm ein. „Ha, ich erkenne dich, Kerl! Ich entsinne mich, wie du mich damals wütend gemacht hast! Die Leute pfiffen mich aus. warfen mir leere Flaschen zu, und selbst auf meine arme Mutter wurde übel angespielt... und du, Lumpenkerl, du warst voller Freude. Ich kann mir denken, wie du schaden- froh warst, du Schuft." Sein trunkener Blick glaubte zu sehen, wie die lackierte Schnauze zu einem Lächeln zuckte, und wie die Glasaugen spöttisch blinzelten. Er bildete sich sogar ein, daß das Horn- Vieh den Nacken beugte, um diese Frage zu bejahen, wobei eine wellenförmige Bewegung durch die hängende Wamme lief. Bis dahin hatte der Betrunkene noch ein gutmütiges Lächeln bewahrt. Plötzlich aber ergriff ihn bei der Erinne- rung an jenen Nachmittag.des Unglücks eine wachsende Wut. Und diese verdammte Bestie lachte noch obendrein! Diese Stiere, mit ihren niederträchtigen Absichten, bösartig, ver- schlagen und klug berechnend, die sich über die Matadore luftig zu machen schienen, trugen allein die Schuld daran. daß ein Ehrenmann beleidigt wurde und sich lächerlich ge- macht sah. Hah, wie sie Gallardo haßte! Mit welch wilden Blicken begegnete er den schimmernden Glasaugen des ge» hörnten Kopfes! „Du lachst noch dazu, du Hundeseele! Verflucht seist du, elendes Vieh! Verflucht sei auch�die Kuh, die dich warf, der Stier, der dich zeugte, und der Spibbube von deinem Herrn. der dich aufzog! Wollte Gott, er säße im Kerker! Und du lachst noch und schneidest mir Gesichter!.. Wütend ließ er den Oberkörper auf den Schreibtisch fallen, streckte die Arme aus und öffnete die Schubfächer. Hierauf erhob er die Rechte gegen den Stierkopf. Pum! Pum! Zwei Revolverschüsse. In der Augenhöhle des ausgestopften Kopfes sprang eine Glaskugel in tausend Splitter, und in der Stirn des Kopfes war ein rundes, schwarzes Loch sichtbar, von gesengten Haaren umgeben lFortsetzung solgt.x (Nachdruck verdole?.) ijq Silfä* Die Geschichte einer Liebe. Bon Johan Sljoldborg.— Berechtigte Nebersetzimg aus dem Dänischen von Laura Heidt. Boels Holzschuhe ertönen draußen auf dem Pflaster; nun schlägt sie ein paar donnernde Schläge an die Tür. Sara muß sich beeilen. Doch erst noch einen Blick auf den Fjord werfen! Bon ihrem Fenster aus ttfnn sie ihn zwischen zwei Pappelstämmen sehen, und das erste, was sie am Morgen tut, ist stets, auf den Fjord hinaus zu blicken; es ist etwas Eigenartiges an ihm, er zieht den Blick an. Aber heute hat sie es vergessen. Noch schnell einen Blick hinaus, bevor sie geht. Unten, über de« Strandwiesen, schweben leichte Morgennebcl. Die Sonne hat noch nicht die llebermacht; ihre Strahlen funkeln im Tau, der an den Grashalmen hängt. Es ist noch Dämmerung in der Luft. Die Schiffe spiegeln sich trohdem im Wasser, bis hinauf an das weiße Topscgel. Sie gleiten noch nicht vorwärts, sie schlafen gleichsam noch, oder sie werden festgehalten auf dem blanken Waffer und sind versunken in Träumereien. Solch ein kleines Bild wirkt auf Saras Seele wie ein Ton. Boel und sie gehen miteinander über den Hof, jede mit ihrem Milcheimer auf dem Arm. Sara hat Boel noch nicht angesehen; sie kann sich nicht dazu entschließen und weiß daher nicht, wie Boel aussieht, oder woran sie denkt. Aber fie fürchtet ihre Zunge, und sie ist froh, daß sie schweigt. Die helle stille Morgenluft, die sich auf sie herabsenkt, macht stumm. Und nachdem sie zu melken begonnen haben, singt Boel auf ihre eigene Art' gurgelnde Laute ohne Melodie. Da begreift Sara, daß Boel nichts Besonderes bemerkt hat, und während die Strahlen von den Eutern schäumend und dampfend in die süße Milch hinein- prasseln, gibt sie sich ihren heimlichen Gedanken hin. Aber als sie beide einmal gleichzeitig den Eimer in das große Meiereifaß leeren, fragt Boel:„Wie host Du Dich denn gestern amüsiert?" „Danke." antwortet Sara ausweichend,„gut!" „Ja, ich hörte wohl, als ihr heimkamt." „Na," denkt Sara. Aber Boel fügt nur hinzu:„Deshalb brauchst Du doch wirklich nicht rot zu werden, ha, ha!" Sobald das Melken und der Morgenimbiß vorüber find, soll Sara die Zimmer säubern. Es ist ihr heute nicht lieb, der Wiesen- Hofbäuerin zu begegnen. Sie gibt sich daher die äußerste Mähe mit allen Ecken und den anderen Schwierigkeiten, damit die Hausmutter nichts findet, das ihr Veranlassung zu einem bösen Worte geben könnte. Es gibt einen Ruck in ihr, als die Wiesenhofbäuerin eintritt. Sara hört sie nicht kommen, denn die Türen stehen 0 f n, und Maren geht in lautlosen Pantoffeln. Und sie sieht sie auch nicht, doch merkt sie an sich selber, daß sie»un gerade hinter ibr steht. Die Wiesenhofbäuerin besieht sich verschiedenes. Sara kann ihre Bewegungen hören; es ist ihr. als zögere sie so lange. Nun räuspert fie sich! Sara errötet und lehrt ihr ständig den Rücken zu, während sie sich fieberhaft beeilt. Doch die Hausmutter beeilt sich, und Sara wendet sich so viel, daß sie ihr scharfes, kräftiges Proffl zu sehen bekommt. Erleichtert atmet Sara aus. Bald darous kehrt die Frau jedoch zurück und sagt:„Höre, Sara, ich möchte etwas mit Dir besprechen." So, nun kommt es. „Sieh, unser Garten ist ein wenig vernachlässigt, und nun habe ich gedacht, daß Du das übernehmen könntest. Du wirst gewiß Zeit dazu finden. Du bist ja sehr tüchtig!" fügt sie, so freundlich «S ihr nur möglich ist, hinzu. Da kehrt Sara sich schnell um und antwortet froh:.Ja, das kann ich gut!" ..Schön. Das ist also abgemacht— ich werde Dich schon schad- los halten." Die Wiesenhofbäuerin entfernt sich von neuem, und Sara sinkt auf einen Stuhl mit dem Staubtuch in der zitternoen Hand. „Ach, Gott sei Lob und Dank!" Es kommt Ruhe über Sara. Sie geht hin, betrachtet sich im Spiegel und ordnet etwas an ihrem Haar. Plötzlich verschwindet sie hinaus in den Gang, wo Anders seine Kammer hat. Natürlich, sie hatte es sich ja gleich gedacht; sein Zeug liegt noch da, wo er es heute morgen beim Ausziehen hingelegt batte, staubig und feucht von Schweiß. Sie hängt eS auf den Gartenzaun, breitet es auseinander in der Sonne und eilt wieder hinein. In diesem Augenblick gleitet Niels, der Wiesenbofbauer, durchs Zimmer. Er bleibt stehen, sieht sich ringsum und nähert sich Sara. „Du bist«in wackeres kleines Mädchen!" sagt er und streichelt fie freundlich. Welche Aehnlichkeit Anders Stimme mit der des Vaters hat! Niels schlingt den Arm um Sara und flüstert ihr etwas zu. Aber fie schüttelt ihn hastig und energisch von sich ab. „Na, na, na," murmelt er und stolpert aus dem Zimmer. Da die Mannsleute beim Heuen find, so kommt sie nicht mit Anders in Berührung vor dem Mittagessen. Sie sieht ihn nicht an. Erst als rings umher eifrig von gleichgültigen Dingen geredet wird, wagt sie es, vorsichtig den Blick zu ihm zu erheben. Er lächelt ihr zu mit einem so guten, stillen Lächeln, das von niemand bemerkt wird. Sie erwidert es nicht, senkt aber den Kopf und bewahrt dieses Lächeln in ihrem Herzen wie eine zärtliche Liebkosung. Dann hört�und sieht fie nichts mehr von dem, was um fie her geschieht. Sic denkt nur an das, von dem niemand hier etwa? weiß, das niemand kennt und niemand versteht. Niemand außer ihr und Anders. Nach dem Essen findet Anders Gelegenheit, ihr die Hand zu drücken, und ein geheimer Freudenstrom durchrinnt dabei ihre Brust. Aber als er sie küßt, ist es ihr, als'ei an diesem Kusse etwas, das nicht sein sollte. Sie schaut ihm beim Fortgehen nach, sieht seinen weichen, leicht wiegenden Gong, der ihm so gut steht, wie sie meint; und die Locken, den Hals und die Ohren. Sie fühlt einen fast unwider. stehlicben Drang, diesen Körper von oben bis unten zu liebkosen. Während der Mittagsstunde schlafen alle im Wiesenhofe, sogar „Thor" schnarcht im Schatten der großen Ulme mstten im Hofe, nur dann und wann von Flöhen gestört. Aber Sara kann nicht schlafen. Sie geht zur Weißdvrnhecke und bürstet Anders Zeug. Sie schleicht hinein und holt die Benzin» flasche, um einige Flecke zu entfernen. Sie liebkost beinahe das Zeug; und nachdem es nun so gut und rein geworden ist, hängt sie es im Korridor auf. Dort kann er es dann selber nehmen; sie lächelt glücklich dabei. Und dann hüpft sie wieder hinaus und geht in den Garten, wo sie sich ans eine Bank niederläßt, mit dem Vergißmeinnicht und den Herzblümchen vor Augen und daneben das Rosenbeet und der seine rote Flachs, der so innig still und warm aussieht. � Dies ist der Garten der Glücksträume. Sara ist wirklich hübsch. Sie selber steht in Blüte. Die Sonne spielt in ihrem goldenen Haar und küßt ihre reifen Lippen, und aus ihren großen blauen Augen glänzt die Unschuld und Reinheit ihrer jungen Liebe. Am Rachmittag wird Heu eingefahren. Es sind zwei Wagen unterwegs. Wäbrend der Großknecht Sören in der Wiese auflädt, lädt Anders daheim in der Scheune ab. Sie begegnen sich meistens aus halbem Wege und fahren mit dem leeren Wagen so schnell. daß die Ketten rasseln und der Heubaum zwischen den Pferden hin und her hüpft, so daß man das Rummeln des Erntewagens weit hinaus über die Felder hört. Die Knechte gabeln das Heu hinauf auf den Heuboden, von dort befördert Boel c» mit der Heugabel weiter bis hinein ins Halbdunkel, wo Sara steht, die eS dem Häusler Mads zuträgt, der es zusammenpreßt und ganz hinein in die dunklen Winkel stopft, bis hinauf unter den Giebelbalken, wo er zwischen den Spinn- geweben umherkriecht. Jeder hat es eilig, und alle sind in der besten Laune; fie lächeln und nicken sich zu und treiben allerhand Possen. Sie haben so viel überflüssige Kraft, diese Menschen; sie spielen. ES ist ein eigenartiges Vergnügen, das Heu unter Dach zu schassen, nament« lich wenn es so trocken und gut ist wie an diesem Tage. Und wie es duftet! Da ist das Riedgras von der oberen Wiese des HofeS; übrigens ist eS ein Gemisch von Düften von hundert verschiedenen Gräsern und Kräutern zugleich. Die Essenz ist ge- blieben. Nachdem der Körper dahingemäht ist, atmet noch jede Blumenseele ihren ganz besonderen Dust auS. Und das Leben der Wiese ist darin entbalten, wiedererstanden m verseinerter Weise sind die lieblilbsten Würzen der Welt, herrlicher und wohlriechender als alle köstlichen Wasser aus der Königin Toilettentisch. Dieses Heu um sangen diese Menschen und begraben ihr Antlitz darin; sie verlieren unterwegs von dem Uebcrfluß; sie schlingen, schlucken diesen köstlichen Heudust, der über Felder und Teichs, über Wäll« und Fußsteige des Wiesenhofes strömt. Dieser Dunst steigt ihnen zu Kopf; sie werden ganz verrülkt. Knecht und Mädchen können sich nicht begegnen im Heu, ohne sich gegenseitig anzustoßen. ..So nimm doch!" ruft Sören, der Eroßknecht, oben auf dem Fuder. „Hallo, mein Freund? Ich werd' schon das nehmen, was Du mir zustecken kannst!" antwortet Boel übermütig und lädt einen ganzen Haufen auf ihre Gabel, so daß die Halme niederrieseln und in den Kleidern, dem Haar, den Ohren, dem Mund hängen bleiben. Aber Boel pustet, ruft nur„hu— i" und stampft im Heu herum bis an die Knie. Der Wiesenhofbauer bewegt sich vorsichtig unten in der Scheune; in kleinen Zwischenräumen begibt er sich ins Haus, um Bier zu trinken. Die Weste steht offen über dem Magen, und er genießt seine Peife in langsamen Zügen. Er muß in der Nähe sein; dieser Heuduft zieh: ihn en. Es stnd auch so viele Jugendcrinnerungen damit verknüpft. „Na, wieviel macht es denn aus, Mads?" ruft er zum Häusler hinauf. „Was?" ruft Mads zurück; er ist ganz hineingekrochen in den hintersten Winkel, wie eine Maus. „Wieviel es in diesem Jahre ausmacht?" „O, es ist, weiß Gott, alles so fest und voll, daß man kaum weiß, wo man damit hin soll— püh!" (Fortsetzung folgt.) Die (3ro!k berliner Kunstausstellung. n." 2. Landschaften, See» und Stadtbilder. Man kann nicht sagen, daß sie schlecht vertreten sind, nur leiden sie ebenfalls an einer Armseligkeit der Einfälle und gestellten Auf- gaben, sie bleiben bei de» banalsten Vorwürfen stehen, und so macht sich der Mangel an Eigenart oft unangenehm bemerkbar. Dazu mangelt es an eigentlicher Treue gegen die Natur, die wir doch als Folge der oft betonten notwendigen Korrektheit Vorausseyen müßten. Sie wird leider nur als äußere Wohlanständigkeit und reinliche Kontur aufgefaßt, mag es innen noch so öde und leer sein. Auch die sonst gern gerühmte Zinnigkeit der deutschen Landschast läuft doch gar zu ichnell auf die Melodie„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten" hinaus.— Wie selten finden wir Bäume wirklich verstanden, lebend; dafür gibt es in entseylichen Massen die schönen Haufcnwolken, die so gefällig Gedankenlosigkeit und Arbeitsunlust verbergen und deren mögliche Anwesenheit in der Tat nicht leicht bestritten werden kann. Nur hat die Natur nicht die Gewohnheit, sie lediglich aus ein- farbigem Kremserweiß herzustellen, sie durchsetzt sie mit dem ganzen Reichtum ihrer Farben und sie ermüden dann niemals. Darüber sollte besonders auch Kallmorgen nachdenken. Nach der Gemütsseite wird natürlich viel Schönes gegeben; es fehlt selten an Weite in den Bildern, nur ist das Gesetz der Lichtbrechung noch zu weuig Allgemeingut geworden, so kann man blendendweißen Schnee in einem tiefdunklen Walde finden. Daneben gibt eS viel naivbarbarische Bauernkunst, die aber nichts mit den Idyllen des frühen 'Thoma gemein hat(der überhaupt— neben Toni Stadler und Trübner— mehr als Geschmacksbildner studiert werden dürfte). Die Stadtbilder gewinnen im allgemeinen durch ihre eigenen malerischen Reize, so daß es schon sehr schwer ist, einem den Anblick durch schlechte Malerei zu verleiden, dazu ist die Exaktheit deS Striches sehr gut am Platze. Das stoffliche Interesse oerhilft auch den S e e b i l d e r n zu freundlicherer Betrachtung, obgleich hier die rein zeichnerische Be- Handlung mit„ausgetuschten" Farben, wie eS B o h r d t vormacht, leider noch die Siegel ist. „Der Fluß" von B l i e ck(4) müßte richtig„Kähne" heißen— und ist ungleichwertig gemalt, die Schiffe zu hart gezeichnet. Ein .Mondaufgang"(lös von Uth gibt eine gute Nachtstimmung, ein schönes Stadt- und Hafenbild ist das von Sand rock,„An der Mottlau"(82); dem„Großstadtgetriebe" von B r e h m e r(98) fehlt es sehr am Leben deS Lichtes. Die Schatten find lustleer. S k a r- b i n a s„Droschken"(100) zeigen des Verstorbenen bestes Können in der kleinen Beobachtungsstudie. Wirklich voll Leben ist das„Belgische Seebad" von Schlichting(198), in dem daS Blinkfeuer des Leuchtturmes mit der Helle der Mauern der hohen Hotels, der Jnnenhelle der Säle, der MeercSfarbe ein selfam reizendes Bild ab- geben. Allgemeines Gedudel von Nachtstimmungen ohne Kraft, fie in ihrer Farbe zu halten, dafür mit schönen Dichlenvorten empfohlen, geben Bilder wie„Holder Friede wohnet in den stillen grünen Fluren" (19ö) oder„In schöner lauer Maiennacht' träumt sich'S jjar wundersam"(207) und endlich(208 l)„Geheimnisvoll, mit heiligem Grauen ersteht der Welt ein neuer Tag". Nur recht schade, daß sich derlei nicht weniger schlecht und ohne billige Farbensaucen ehrlicher machen läßt. Schöne Schiffslypen enthält der.FlcuSburger Hafen" von Hoch hau»(109), altvertraut ist daS Dorfbild bei Mondschein von B e ck e r t(174), in dem die Fenstertöne sehr gut beobachtet find. Der.Sommertag' von Mahn(190) rechtfertigt die Anmerkung, daß in Farben wühlen nicht malerisch darstellen heißt. Wäre statt der vielen poetischen Gedanken und allgemeinen Phrasen nur eine simple Wiese wahrhaft„gemalt", nur ein Grashalm studiert. Stofflich sehr reizvoll ist der„Danziger Hafen" von S ch erre», obwohl reichlich schmutzig gemalt. Kallmorgens Hafenbilder(95)„Mittagspause" und(307) „Hamburg" find allerdings als Uebergang zu einer mehr malerische« Naturschilderung anerkennenswert, obgleich er als Maler nicht be» deutend ist und besonders in der„Mittagspause" doch vor allem durch die Zeichnung wirkt und allerdings auch durch eine Groß» zügigkeit und Sicherheit des Geschmacks in der Anlage der Bilder. Nock bleibt seine Lust, sein Wasser trübe und unzuverlässig und summarisch. Einen Fabrikhof, mehr grob und ungeschickt als impressionistisch getroffen— und nur des Stoffes halber von Interesse— malt Brockmüller(403). Ganz außerordentlich rein und lustig find die Gebirgslandschaften Wylers(404, 405. 407) aus dem Ober» engadin, Naturpoesien ohne„Aufmachung". B o h r d t tuscht und tischt immer noch recht seltsame Aquarell» färben als Meer auf, mit übertriebenen Spritzern, aber viel sicherem Strich und energischem Schwung. Trotzdem viel„Zurichtung" und Virtuosität die Arbeiten entstellt, wird er seines Schmiyes und deS stofflichen Reizes wegen viel Interesse mit seiner Kolleltion<540 bis 558) Saal 8 a erwecken. Gute Berliner Stadtbilder sind von Wendel(070), „Llt-Berlin", und von Eifert,„Alt-Berlin im Winter", vorhanden. Eine bedeutende Arbeit ist die von Martinez-Cubell» y Ruiz,„Fischer von Cantattico"(093), nicht nur des Ansschnittes wegen, man hat den starken glaubhaften Eindruck von Waffer, das man in seinem Gleißen ganz anders spürt als in dem Wellengestrichel von Kallmorgen. Von Interesse sind:„Märzbinsen" von Hardt(981) eine gegen die Nacht dunkel liegende Landschaft von Müller-Kaempff(985), ein„Vorfrühling" von Lucas(1001), das Dorfbild mit dem Schlitten und gut gemalten Pferden von Hoffe(1010). Klar in der Äonipofition ist auch die Wasserlandschaft mit dem einsam treibenden Fischer von Gabel(1022). Bild 1043(S t r ü tz e l) ist eine der nicht seltenen„Winter« stimmtingen", die nicht konsequent durchgeführt sind. 1048 ist dann jene Waldlandschaft, die keine Schatteiitöne an den dariisiicgenden Schnee abgibt, so daß er in einem blendenden Weiß erstrahlt. Ihr Urheber ist H o f f in a n n- F a l l e r S I e b e tt. 1190— eine weite Elblandschaft von Eckard st ein. Wenn eine Landschaft in der Sonne gemalt wird, dann hat man in der Regel sich über die Unrichtigkeit der Farbe nicht zu beklagen. Die Veränderung und gegenseiiige Beeinflusiutig der beleuchteten Wände ist so deutlich, daß sie selbst der schwersälligste Maler erkennt. DaS gilt auch für die Interieurs. So haben wir einen sehr reizvollen „GutShos" von Altenkirch mit Brunnen, Wirtschaftsgebäuden. Enten, schönen Bäumen und olles erfüllt von Farbe und Leben. Eine sehr gute Baum- und Lichtstndie ist die von Schinkel. „Frühlingsstutm"(1072), Birken gegen eisgraue Luft stehend. Tie alte gemütliche Idylle, wie sie in der Baucrnkunst noch lebt, ein Dorf in Bäumen versteckt, mit Enten, Wasser, Pfählen, in» haltlich sehr zutreffend, aber unmöglich als Malerei, präsentiert sich in 1127 als„Herbstlandichaft" von Mores. Vesser ist da»„Wirtshaus im Schnee"(1182) von P fitzner studiert, stets gut geraten die Nachtstücke aus Dörfern, wie„Hirt und Herde"(1104), das„einsame Gehöft" von Hennemann(1148), be- souderS„der stille Play" von B r u n n e r(1317), alte träumende Häuser in sehr schöner Verarbeitung und Wärm« wiedergebend. Wieder von großem Reiz sind Hochs GebirgSlaiidschaftcn 1208 .Herbstmorgen", 1404,„Schnee-Einsamkcit", das die vielen Färbendes Schnees endlich faßt, wie sie ähnlich in den Wolken vorkommen, und 1410,„Spälberbs:". Sehr erfreulich ist auch die Naturschilderung in Hardts.Bergischem Land"(1421), der Fluß im Schatten der Hügel. Wald und Felder treu und malerisch getroffen, in schönem Verlauf der Linien. Stofflich, aber auch durch die getroffenen Farben von Reiz find die Bilder von P a e s ch t e,„Laubcnfcst" und„Ruuuuelplatz in Berlin NW." darstellend. 1428 und 1430. 8. Interieur und Stilleben. Die Interieurs sind durch eine große Zahl sehr gut gemalter Arbeilen vertreten, die in ihren natürlichen schonenfFarben auffallen. Es ist unsere unaufhörliche absichtslose Beobachtung von Innen» räumen, die den Studien einen größeren Schein des Lebens mitzu» teilen gestattet. Besonders werden die Wirkungen deS einfallenden Sonnenlichtes jetzt häufiger verfolgt und die gelungensten Stücke liegen in dieser Richtung. Im Stilleben muß natürlich«in noch wenig veredelter Ge- schmack durch Ucbersülle, ungeschicktes Anordnen, Arbeiten mit groben Farbeneffellen das Niveau drücken. Eine„hübsche",„sinnreiche" Komposition, ein kunstvolles,„geschmackvolles" Arrangement, oder eine Fülle von Glnnzlichtern. Farben und Gegenständen soll für schlechte Arbeit entschädigen. Als Gipfel dieser Scheinkniist dürfen die.Prniiksttzlleben" von Kunz genannt werden, die in ihrer breiten Zwecklosigkeit ihre Un» solidität und billigen Farbenknnstslücke von selbst ausbrüllen(1004. 1008). Auch 279, ein Stilleben von Gutln echt, ruht auf einem vinstlichen braunen Grund, weil sich darauf müheloser Effekte und „stimmungsvolle" Töne setzen lassen. Ein Apsel erhält unmotiviert eine blendende Helle. Das nennt man wohl Schönheitspflästerchen. Bei dem in der Klarheit der Töne deutlichen Sinn für die Schönheit der Farbe liehe sich doch ohne Theater mehr und wertvolleres erreichen. Aber da es mit seinen Mätzchen für die Lotterie angekauft wurde, ist kaum Hoffnung auf Besserung. Ein recht gutes Interieur ist. Beispiel und Gegenbeispiel für Stilleben finden wir in den Bildern 198 s, Im Treibhaus") von Kühl und 293 von D e t h l o f s(.Astern"). Im ersten eine Fülle ohne Inhalt, ohne Ziel und Verarbeitung, in letzterem schöne sorgfältige Blumenporträts, auch in den gegenseitigen Farbenwerten geordnet— herunter bis zu den Töpfen. Wie gedankenlos grob ist dagegen auch in 204 von Person-Henning das grelle Band gegen die Blumen gesetzt—. Etwas derb, aber nicht»inangenehm ist der„friesische Innen» räum" von Kolbe(376) mit dem Schiffsmodell und starken Bauernfarben. Ebenfalls eine farbenfrohe Ecke ist in der.Stubenecke aus Tyrol" tb24) von Schladitz, trotz der Buntheit in den Grenzen des Möglichen gemalt, ganz hervorragend ist das„Schlafzimmer" von Schäfer in braunen und grünen Tönen schön geeint. Ein Schiffsinterieur, de» Geschützraum, gibt R a b e S(487). Obgleich das Geschütz, die Munition, kurz der Raum zweifellos der Gegenstand deS Bildes sind und ausreichend als Malerei und Stoff, um das Interesse zu erhalten, glaubt er noch einen schwächlich gemalten Matrosen mit brennender Pfeife hineinsetzen zu müssen, damit er„Freizeit" darunter schreiben kann. Das„Interieur aus dem Dogeiipalast" von Loefen j r.(675) ist sehr achtenswert, nicht unmalerisch auch die Jnnenräume aus dem Goethehause von ill a s ch(763.Junozimmer", 770.Empfangszimmer"), während das Kigurenbild, ihn in seiner Sammlung zeigend, mehr als schwach wirkt. Einen holländischen Jnnenraum imitiert(791) P o ssi n nicht ungeschickt: sehr schön in den Farben ist 793 von Ernst Toepfer. Er nennt es„feines Linnen" und meint damit die Arbeit der beiden nicht ungeschickt eingeordneten Figuren. Das Wertvolle deS Bildes liegt aber in der guten farbigen Wiedergabe des Ofens und der Ge- schirre und bunten Teller. Zwei feine Blumenstücke von Lina HauSmann,„Nelken"(760) und„Italienische Anemonen"(762) dürfen ihrer Zurückhaltung in der Farbe und ihrer Sachlichkeit wegen genannt werden. Jnteresiante Lichtstudien sind 1062 von Pietschmann und die„grüne Flasche" von Toepfer(1180): ebenfalls nicht schlecht als Interieur, aber furchtbar durch die schlechte Einbringung rührender Borgänge(letzter Grnh, Eisernes Kreuz und Ring der Verlobten von blessiertem Kameraden nberbracht— Znsammenbruch der Geliebten auf der Tischplatte) ist 1136 von E i ch st ä d t. Wäre nur mit solchen Geschichten nicht unbedingt eine minderwertige Malerei verbunden, dann hätte auch diese Rührseligkeit ihre Berechtigung. Recht malerisch und breit gesetzt ist das Interieur 1189 von Stump f(„Morgensonne"), in dem das Vergnügen an der guten Malerei des Raumes, besonders die gut gesehenen Reflexe, auch durch die Dame und den Hund nicht sehr gemindert werden. 1198 find einmal auch Arbeiter in einem Fabrikraum von Hansen fest- gehalten: in vielen Teilen, besonders der Bücherei, sehr reizvoll ist da? Bild von Wandel(1321)— es heifit aber natürlich herzig: „Die Kinder sagen gute Nacht." Beiläufig spielt der Junge mit seinem Wagen iveiter und daS Baby.sagt" wohl auch nichts. Aber diesmal sind auch die Figuren sehr erträglich geraten. Durch seine sachliche Malerei, allerdings auch den reizenden iltelierinhalt(Kirchenstücke) sehr auffallend ist die„Atelierecke" von Blanke(1323) und in dem Spiel der Sonne im Parkett auch 1341 von Kuehn jr.,„Morgensonne" genannt. 4. Tierbilder. Man sagt uns wohl nicht zu Unrecht grofie Neigung für Tiere nach und im allgemeinen steht die Darstellung auch auf einer ziem- lichert Höhe, nach der Seite der Charakteristik hin, wenn nicht auch hier die schwache Malerei sehr den Eindruck verschlechtert und die wohl bereits ausreichend belegte Unsitte, durch„reizende Einfälle" auf den schlechten Geschmack bestimmter Gesellschaftskreise zu spekulieren, noch ein übriges täte. Einige wenige Bilder deuten aber auch hier auf eine Hebung beö Geschmacks, auch in der Farbe und besonders in der Plastik finden wir glänzende Tierbeobachtungen. Das klassische Beispiel für das Tierbild der Vergangenheit ist das von Sperling,„Ein süfies Geheimnis" genannt und einen Leonberger mit einem kleinen Hündchen darstellend. Eingemalt ist ein knallroter Teppich, der in den Farben der Tiere aber spurlos vorübergeht. Gut und katzenhaft sind die„Sunda-fPanther" von Schebek (135), während die„Bären" von L e u t e r i tz(302) sicher sehr unter der unechten Landschaftsmalerei zu leiden haben. Recht lebendig sind die Foxe von Herz(1086) und. wie es thre Art, ordentlich„auf dem Sprunge". Trotz der sehr guten jlebendige» Wiedergabe werden sie uns aber durch den schönen. vielsagenden Titel„Gute Freunde' noch anS Herz gelegt. Roch besser»st das Porträt eines Foxes von Stocks, gut in den Farben find auch die Pferde im Walde von Marx(697), glänzend, auch in dem Dschungelgras der Tiger von Adolf Wagner und sehr, sehr schön die Pferde am Wasser von V a c ä t k o(1314). Dagegen sind die sonst recht guten Raule- Raule(Truthühner) von K a p p st e i n wieder ganz dunkel auf den hellen Boden gesetzt (1283). Schafherden, Kühe im Schilf und anderes Getier kommt noch sonst untergeordnet, aber doch meist verständnisvoll gesehen, vor. F r e n z e l S Kollektion von Hornvieh in Landschaften(Saal 54) spricht ebenfalls von sehr liebevoller Tierbetrachtung, aber geringerer Vertiefung in LandschaftS- und Farbenprobleme. P. G a n g o l f. 8 7 9 6 4 8 8 X 8 7 < 6 t 8 8 1 abodefgh S. Lohd 2 ch Wir bringen das obige Problem des weltberühmten Amerikaners, um zu der Streitfrage über die sogenannten.Kunstgesetze" Stellung zu nehmen, die in letzter Zeit in Fachblättern viel Staub aufwirbelt. Im allgemeinen, nicht nur im Schach, pflegt man als.schön' da» zu bezeichnen, was trotz mancher zu überwindender Schwierig» leiten uns doch klar und„verständlich" wird. In der Dicht- kunst unterscheidet man die prosaische und die poetische Form der Darstellung. Dem Genie nun aber ist es vorbehalten, unter Umständen äusierst ästhetische und wohlgefällige Kunstwerke zu schaffen, die jedem Kunst.gesetze" scheinbar Hohn sprechen und doch höchsten künstlerischen Wert haben I Das Schach kann— wenn man will— als ein schematischer Mikrokosmos der Wirklichkeit betrachtet werden. In diesem Sinne hat es nicht nur auf den Titel„Kunstfertigkeit", sondern auf die Be- Zeichnung ,.K u n st" berechtigten Anspruch. Seine Ausdrucksweise ist geeignet, Ideen oder Gesichtspunkte de« Verhältnisses zwischen Brett, Steinen und Tempi in tnehr oder minder ivohlgesälligen Formen darzustellen. Auch hier gibt es eine prosaische(partiegemäße) und eine poetische Form der Darstellung. Die„Poesie" des Schachs ist das Problem, bei dem die zum Ziele führenden Wege nicht nur unerwartet überraschend sind, sondern auch die Phantasie des LöserS insofern in Anspruch genommen wird, als er, um den richtigen Weg zu finden, das schlietzliche.Mattbild"(die Matt- Position) gewisiermasien vorahnen muh. Auch hier sind für die poetische Darstellungsform angeblich unumstößliche.Kunst» gesetze" geschaffen worden:„Oekonomie der Mittel"(keine Steine, die nur in Rebenvarianten mittun)',.Mattreinheit" (nur einmal dürfen die Felder um den schwarzen König in der Schlußstellung bestrichen sein) und dergleichen mehr. Jedoch auch hier kann unter Umständen das Genie in wirklich ästhetischen Kunst- formen alle.Kunstgesetze" außer acht lassen. S. L o y d ist ein solches Genie im Problemwesen. Das obige Diagramm spricht in der Tat allen erwähnten Regeln Hohn: von „Mattreinheit"" keine Spur(die Felder k5 und 66), keine„Oekonomie der Mittel" Lb7, LaS und Ke3 tun nur in Nebenvarianten mit). Zu alledem besteht der erste Zug der Lösung dieses Zwei» z Ü g e r S(!) in dem ganz plumpen und partiegemähen Schach- gebot: 1. Vck4— g4-j-(?!...) Die Schönheit der Jdeendarstellung tritt erst nach der Hauptantwort: 1.... 17—15 l hervor. (1....Ke7; 2. LXdö:#; 1.... Kd5 oder l....Ke5; 2. Do4+). In der somit erreichten Stellung spielen Dg4, Th5 und Bg5 nicht mit, weshalb dem schwarzen Könige nicht weniger als vier Flucht- selber zu Gebote stehen. Es soll aber in einem Zuge schon Matt werden I... Wie eine Zauberverwandlung der Dekorationen wirkt nun der Schlußzug: 2. g5Xf6i=(schlägt„en passant"!..) Mit diesem einzigen überraschenden Zauberschlage wird die das Terrain umklammernde Tätigkeit der vier weißen Batterien(Vg4. Db5. BI6 und sogar TIS) plötzlich demaskiert.... In dieser anfangs verborgenen Beherrschungseventualität des Terrains seitens der maskierten weißen Streitkräfte besteht die Grundidee des schönen Problem?.__ Schach. Unter Leitung von S. Alapin. »d vds tßfb Berantw. Redakteur: Richard Barth. Berlin.— Druck u. Verlag:«vorwärts«uch»ruckere, u.Bert«g»an>lall Paul Singer tllEo..Berlin S>V.