Mnterhaltungsblatl des Hlorwärts Nr. 142. Sonnabend, den 23. Juli. 1910 IKafWtu« here-lez.? 121 Der Entgleiste. Won Wilhelm Holzamek. Da die breiten Flächen der Wiesen, das glitzernde Silberband des Baches. Die alten, hohlen Weidenbäume mit dem verwirrten Haar, die hohen Pappeln mit den flüsternden Blättern und die Erlen mit den seltsam geformten Kronen. Wie fein die Nebel ihre Gewänder um die Eulen- mühle zogen, wie hell die Sonne über ihr stand! Im Herbste an den Rebenhänge'n die Winzerlust, im Winter die weite Eisfläche, über die man hinflog— im Fluge, rasch wie ein Vogel, leicht wie ein Reh. Dazu all die Geheimnisse der Mühle. Wohin man nur kriechen konnte, kroch man. Spuk- und Gespenstergeschichten. Und dazu das nie ruhende Werk, das sich bewegte, ohne daß man sehen konnte, wo die Kraft war, die es bewegte, denn das große Wasserrad war draußen vor dem Hause. Die Hauptgeschichte der Mühle: Ein früherer Müller übte allzusehr das„Zappeln". Wenn er mahlte, nahm er einen zu großen Anteil für sich. Ein Bauer wollte sich das nicht gefallen lassen. Der Müller behauptete, er habe dem Bauern gegeben, was ihm zukomme. Aber der Bauer forderte niehr. Sie gerieten in Streit. Und der Müller warf den Bauern oben vom Mahlkasten aus, wo das feine Mehl gemahlen wurde, über die Stufen mit solcher Gewalt, daß er das Genick brach und tot unten ins Wasser fiel, an der Stelle, wo man das Wasserrad und das Wehr von innen regulieren konnte. Man glaubte an einen Unglücksfall, und der Müller ging straflos aus. Aber oben in der Giebelluke war ein Eulennest, und eine Eule hatte die verruchte Tat gesehen. Am Tage verhielt sie sich ruhig und ließ den Müller seine Arbeit tun, aber des Nachts rief sie beständig seine Schuld. Der Müller fand keinen Schlaf mehr. Sein Haar wurde weiß. Seine Züge wurden welk. Er sah aus wie ein Gespenst. Alle Welt fürchtete sich vor ihm. Er schoß nach der Eule. Er traf sie auch. Aber sie war nicht tot. In der Nacht rief sie seine Schuld. Und nun ging noch dazu in der Nacht in der Mühle ein Licht. Des Nachts kam es an sein Bett. Es blieb da stehen, bis er aufstand und ihm folgte. Es zog ihn in die Mühle zum oberen Mahlkasten, und da mußte er stehen und ihm zusehen, wie es seinen Weg machte, ruhelos und wieder und wieder. Und oben schrie die Eule seine Schuld. Voll von Eulen war nun die Mühle. Wo oben ein Spalt, eine Luke war, da war auch ein Nest. Und alle schrien sie des Müllers Schuld. Alle. Das Volk nannte die Mühle die Eulenmühle. Eines Nachts ward das Licht stärker als der Widerstand des Müllers. Es zwang ihn auf den Weg, den er den Bauern geworfen hatte. Es zwang ihn hinab ins Wasser. Mit gebrochenem Genick kam er unten an und stürzte in das Wasser, das im gleichen Augenblick hoch aufschäumte. Er verschwand darin, und seine Leiche wurde niemals gefunden. Die Eulenmühle ward darauf leer von Eulen. Sie flogen aus ihren Nestern weg. Aber die Nester sind noch vor- handen. Nun wußte man von der Schuld des Müllers. Einige sagen, zur Mittagszeit, wenn es still im Lande ist, steige er aus dem Wasser und gehe das Besitztum der Mühle ab. Nur in die Mühle wage er sich nicht. Er sei dann ganz weiß, wie Mehl oder Schaum. Seine Augen seien ganz groß und seine Hände blutig. Die Buben genossen alle Schauer dieser Erzählungen mit wohligem Frösteln, schmückten und dehnten sie noch weiter aus und gingen selbst den Weg des Flämmchens bis hin- unter zum Wasier. Und einmal, an einem stillen Mittag, als draußen eine hohe Sonncnglut war, die in lauter blanken Säulen im Lande stand, wollte sogar einer den weißen Müller mit den großen Eulenaugen und den blutigen Händen auf dem Wasserrade haben sitzen und in den Schaum starren sehen.— Der große Tag für Philipps Erleben in der Eulennmhle war der Tag der größten Schlacht, die je draußen geliefert worden. Es hatte sich gemacht, daß die meisten gleichalterigenl Buben des Dorfes sich zum Spiele in der Eulenmühle ein, gefunden hatten. Was an Fahnen und Säbeln, Gewehren und sonstigem Kriegsrat wie Patronentaschen, Mützen» Sporen, kleinen Kanonen da draaßen vorhanden war, hatte sie so sehr angelockt, daß sie alle Feindschaft vergaßen und zn gemeinsamem Spiel herauskamen. Zwei große Heere lagen einander gegenüber. Zwei richtige Feldlager. Ausgestellte Schildwochen, eingegraben« Kessel, Wachtfeuer. Zwischen ihnen die Selz. Die Pioniere schlugen Brücken. Trompetensignal, Trommelschlag. Zur Schlacht! Umgehungen, Versuche, den Feind nach einem anderen Platze zu locken. Fünfzig Fähnlein flatterten im Winde. Fast hundert Kehlen schrien Hurra! Der Philipp rückte mit seinen Leuten im Laufschritt heran. Und nun tat er die Heldentat. Er sprang ins Wasser, das ihm bis an die Brust reichte. Die anderen stutzten. „Mir nach!" kommandierte der Philipp. Aber keiner folgte. „Tod oder Leben!" Aber noch immer folgte keiner. Da schwang der Philipp-feinen Säbel und schrie:»Es lebe das Vaterland!" Damit packte er den ersten von seinen Leuten und riß ihn herein, und riß einen nach dem andern ins Wasser zu sich, um dann mit ihnen vorzustürmen. Zehn gelbe Fähnlein zogen im Sturme durch die Selz, den Stichen und Hieben der Feinde entgegen. Und die zehn gelben Fähnlein cnt- schieden die Schlacht. Sieg! brüllte es, daß die Luft zitterte. Der Philipp war Sieger. Aber nun bemerkten die Buben, daß sie naß wie die Katzen waren, und die dachten nach Hause. Da fielen sie über ihren Führer her und prügelten ihn durch. Die Feinde mußten ihm zu Hilfe eilen. Es war ein böser Tag für ihn. Zu Hause setzte es auch noch Prügel. Drei Tage lang mußte er das Bett hüten. Nicht nur wegen der hartnäckigen Erkältung, die er sich g« holt hatte. Die blauen Male mußten auch erst heilen. Aber er hatte seinen Ruhm. Die Buben pflegten die Erinnerung an die Schlacht mit Eifer und bewahrten lange ihr Gedächtnis. Sie nannten sie: die Kaiserschlacht an der Eulenmühle, und das war nicht spöttisch gemeint. Daß sie ihren Kriegshelden durchgebläut hatten, das verlor sich später in der Geschichte. 10. Eulenmühle und die Pariser Straße nach Mainz, die Gärten nahe beini Hause und die Schule vom Krafst, das waren die Schauplätze, wo sich dem Philipp Kaiser sein junges Leben abspielte. Mit dem Dorfe hatte er nichts mehr ge- meinsam. Dem war er entfremdet wie den Leuten seiner G�sse. In der Eulennmhle das Spiel, auf der Landstraße noch Mainz Träume, Beobachtungen, kleine Erlebnisse, Be- gegnungcn und Aengstigungen, in Mainz Umschau und Er- staunen, Ueberraschunßen, in der Schule Arbeit, in den Gärten heimliche Raubzüge. Wie das Raubzeug von Hof zu Hof, so ging's manchmal von Garten zu Garten, um eine Blume, um ein bißchen Obst, um eine Traube, und manchmal auch aus purer Lust am Räubern und an der Gefahr. Nun waren sogar auch die Eulenmllllerbuben manchmal im Hause, und da war es dem Philipp immer ein Bedürfnis, etwas Be- sonderes anzustellen— und es lag ja nichts näher, als in den Gärten ein wenig zu räubern oder dem Nachbar einen Schabernack zu spielen— denn er fühlte sich unbehaglich, loenn er mit den reichen Eulenmüllerbuben in seiner ärm- lichen Stube bleiben sollte. Er genierte sich. Er spürte, daß er ihnen nachstehe. So dachte er instinktiv eine Gelegenheit zu schaffen, wo der Abstand ausgeglichen wurde und er zu seinem besseren Recht kam. An Behendigkeit, Schlauheit und bösen Anschlägen war er ihnen dann oft überlegen, in der Ausführung niindestens gleich— sie waren ja alle drei das richtige Katzenzeug— und so trug er jedesmal trotz der ärm- lichen Wohnung noch ein rechtes Stolzgefühl von den Zu- sammenkünften nach. In der Musik war der Philipp kein Held. Aber er hatte ein ganz gnkes Gehör und auch einige Liebe zur Musik. Am liebsten freilich war sie ihm deshalb, weil er sie zu allerhand Allotria und Faxen gut brauchen konnte. Oft, wenn der Philipp den grünen Sack mit du Geige auf dem Rücken trug, war's nicht, um in die Stunde zu gehen, sondern um sonst wie bei einer Gelegenheit— meist in der Eulenmühle— sein Liedchen zu kratzen. Und ein paarmal hatte ihn der Uebermut verleitet, feine Geige spielend durch die Ziegler- gaffe zu gehen, wenn es schon Abend geworden war und die Leute schon bei Tisch saßen— er freute sich dann, wenn er verschwinden konnte, sobald sie die Fenster aufrissen. Ge- wohnlich hatte er sie dann auch noch beim Essen gestört, und obgleich sie ihn nicht sahen, riefen sie ihm dann doch meist ein zorniges„Lausbub" nach. Einnial war dem Philipp der Spengler Schlüssel be- gegnet, als er gerade aus dem Mainzer Gautor herausgehen wollte. Der Schlüssel war ein guter Mann, er hatte nur eine böse Frau. Und wenn die auch auf die Kaiserklar und den Philipp sehr übel zu sprechen war, der Schlüssel mochte sie erst recht leiden. Er mochte alle Menschen leiden, die Streben zeigten. Der Schlüssel hatte einen dicken schwarzen Schnurrbart Unter der Nase, der die arme Nase ewig zu genieren schien. Sie war nicht allzu groß geraten, und mußte sich drum be- ständig recken, über den Schnurrbart sich hinüberzulehnen, um auch von der lieben Herrgottswelt, die nicht nur oben in der Luft ist, sondern auch unten auf der Erde, etwas gewahr zu werden. Wenigstens sah es so aus. Unter der harten Stirne, die von schwarzen, stracksen Haaren umrahmt war, hatte der Schlüssel zwei kleine kohlschwarze Augen funkeln, die ordentlich stachen, so scharf und fest blickten sie. Und hinter diesen Augen und hinter dieser vorgebauten harten Stirn lag sein Leben. Kein Mensch wußte davon, keinem Menschen verriet er davon. Er mußte es sogar verbergen vor den Menschen. Es war alles Denken und Gedanken bei ihm. Aeußerlich war er ein stiller und geschlagener Mensch. Er hatte die schlimme Frau, die ihm das Dasein zerquälte und keinen freien Atem ließ, und die ihn unter ihren Krallen hielt, wie ein Raubvogel seine Beute. Es hätte für den Aermsten nur eines gegeben: eines Tages ihr seinen schwersten Hammer auf den Schädel zu schlagen, um von ihr frei zu sein. Aber davor fürchtete er sich. Er lebte beständig in der Angst, das einmal in der Erregung und Verzweiflung tun zu müssen. Das verfolgte ihn. Und dazu forderte ihn die Frau bei jeder heftigeren Gegenrede, die er tat, auf, den Hammer zu nehmen und sie totzuschlagen. «Schlag mich nur tot, besinn Dich nit, Du Mörder, Du Totschläger!" Da wurde er ganz klein und ergab sich ganz ihrer Ge- Walt. Lieber ganz in ihrer Gewalt sein, lieber von ihr malträtiert werden bis aufs Blut, als ein Unheil anrichten «md sich eine Schuld aufzuladen. Und immer düsterer und tiefer wurden seine Augen, und es war geradezu, als ob sich seine Stirne immer mehr vorschiebe. Denn immer mehr legte sich in sie hinein. Der Schlüssel war ein Umstürzler. Wenn die Wahlen waren, dann schnellte er jedesmal ein wenig auf, aus seiner Geducktheit. Dann kam er in Eiser. Dann hielt es ihn nicht in seiner Werkstatt. Die Leute mußten dann warten, bis etwas bei ihm fertig wurde. Und sonst war er die PüMt- pchkcit selbst gewesen. Dann rannte er über die Straße. Die Ziegler sagten:„Er läuft wieder." Und wenn er so dahinschoß, riefen sie ihm zu, daß er einmal warten mächt, sie hätten was mit ihm zu reden. Der Schlüssel, der hinter den Menschen gar nicht so sehr das Schlechte als vielmehr das Gute sah, ließ sich auch aufhalten. Wenn er dann sah, daß er genarrt war, so schoß er nur um so rascher davon. Dann lachten sie hinter ihm her. Er hielt Frettchen, mit denen er die Lapins(Kaninchen) sagte. Und weil die Frettchen auch so schnell dahinschießen, gab man dem Schlüssel den Namen nach ihnen.„Das Srettchen" hieß er. Einige sagten, er sei ein Sozialdemokrat. s sei alles im geheimen, was er tue. Er Hab das Licht und Sie Polizei zu scheuen. Wirklich geschah's auch manchmal, vaß Flugblätter in die Häuser kamen, ohne daß ein Mensch wußte, woher sie gekommen waren. Man verfiel dann immer aus das„Frettchen"— sollte er's seinen Frettchen auch ab- geguckt haben, in die Höhlen zu schlüpfen und' den Lapin zu verjagen?— aber kein Mensch konnte ihm etwas beweisen. Andere sagten, er habe einmal im Leben was pexiert*), da *) Etwas angestellt, sich zuschulden kommen lassen, müsse er sich zurückhalten. Sonst wäre er schon gewiß geget» Gott und Gesetz, gegen Gebot und Obrigkeit aufgetreten. Aber er hütete sich. Kaum daß er einmal ein Wort fallen ließ, dann war's wie ein Biß. Man vergaß es nicht. Es brannte weiter. Er hatte gesagt:„Das Recht wechselt, es ist für keine zwei Menschen dasselbe." Und das Leben brachte Beispiele, wo das Wort wahr wurde. Dann fiel es jedem ein. Und es wurde etwas ganz Natürliches. Er hatte gesagt:„Die Gerechtigkeit mißt mit zweierlei Maß, es gibt keine Gerechtigkeit. Es gibt nur solche, die Recht haben, und solche, die Unrecht haben."- �Fortsetzung folgt.)] Die Kunft cles Setrugens. Von Fritz Tornow. In einer modernen Fabel ziehen sieben lebensfrohe Fliegen- schwestern auf Abenteuer aus. Die erste findet ein leckeres Mahl an einem Wurstreste, kaum aber nascht sie davon, als sie auch schon tot umsinkt, denn der Schlächter hatte seine Ware durch giftige Chemi- kalien ansehnlicher gemacht. Die zweite vergnügte sich am Zucker, der aber mehr mit Gips vermengt war, als der empfindliche Fliegen- magen vertragen konnte. So starb auch sie. Die dritte fand einen schmerzhaften Tod am Honig, der künstlich aus Jngredcnzien zu- sammengebraut war, die dem armen Fliegenfräulein die Eingeweide zerrissen. Auf ähnliche Art sank eine nach der anderen aus der Runde ins bessere Fliegenjenseits, bis die letzte Ueberlebende von einem namenlosen Weh befallen wurde. Einen letzten Blick warf sie noch auf die falsche, betrügerische Welt, dann flog sie in selbstmörderischer Absicht auf ein Fliegenpapier, um einen schnellen Tod zu finden. Aber so viel sie auch sog, sie konnte und konnte nicht sterben. Denn auch das Fliegenpapier war gefälscht. Die tiefere Moral dieser wehmutsvollen Geschichte wird der ver« ständnisvolle Leser aufs innigste mitempsinden. In der Tat, wir leben in einer Welt, in der die größten Betrüger die meiste Be- wnnderung erregen. Und wir, die wir kraft einer höheren Schicksals- fügung inimer nur Objekte aller Schwindeleien sind, verhüllen kummervollen Gemütes unser Haupt und wenden trostsuchend unsere Blicke rückläufig in eine christlichere Zeit. Ach, die schöne Zeit von Anno dazumal, wo man noch Sohlen von echtem Leder unter die Stiesel bekam und die ehrsamen gepuderten Zöpfe hinter den biedermännischen Gesichtern ein solch beruhigendes Gefühl der Reellität ausströmten I Wer könnte sich einen Spitzbuben im Biedermeierrock vorstellen? Und doch, lieber Leser, wirst Du den letzten Nest von Glauben an die Menschheit einsargen müssen. Das Menschengeschlecht ist böse von Jugend an, und in der guten alten Zeit wurde der christlich geliebte Nebenmensch nicht weniger kunstvoll eingeseift als heute. Der Schwindel seinerzeit war so umfangreich, daß der Hochgeachte und Gelahrte George Paul Hönns, Rat und Amtmann zu Koburg Anno 1730 zornentbrannt ein auSführ- liches Betrugs-Lexikon herauSgab,„Worinnen die meysten Betrügereyen in allen Ständen, nebst denen darwider mehrenteils dienenden guten Mitteln entdecket werden." Da finden wir nun sänrtliche Berufe alphabetisch geordnet, und eS ist keiner darunter, dem der sachkundige Amtmann nicht eine größere Zahl von Betrugsmöglichkeiten zur Last legt. Aerzte und Fuhrleute, Bettelvogte und Besenbinder, Geistliche und Brautleute, Bücherschreibcr und Beutelschneider, Gelehrte und Nachtwächter. Hoch- zeitbitter und Obsthöcker, Nonnen und Ziegeldecker, Maurer und Missionare usw. Paulus HönnS hat seine Betrugsstudien mit tiefgründigem wissenschaftlichen Ernst betrieben. Er verfehlt nicht, durch einige Wohl- bedachte philosophischen Allgemeinregeln den harmlosen Leser auf die Schlechtigkeit der Welt vorzubereiten. So zum Beispiel: Der Welt Wagen und Pflug Ist nur Lug und Betrug. Man braucht sich darüber nicht zu wundern, ist eS doch nur die alte Erbsünde, die darin zum Vorschein kommt:„Der Fürst der Welt und Urheber des Betruges legte sein erstes Meisterstück an unserer allen Mutter, der Eva, ab, als welche er so grausam betrogen, daß ihr und uns Nachkommen darüber billig die Augm übergehen mögen." Wieder ein Beweis dafür, daß alles Unglück der Welt von der weiblichen Seite stammt. Unser Autor zählt uns nun die verschiedenen Betrugsarten jeden Berufes auf. Wir fühlen beim Lesen auf jeder Seite den Fortschritt unseres Kulturlebens gegen früher. Vieles von dem, was der Koburger Amtmann dem Betrug zurechnet, gehört heute längst zu den Grund- regeln einer reellen Geschäftsführung. Was wären unsere Diplo- malen doch gemeinhin für elende Wichte, wollte man ihnen, wie Hönns, schändlichen Betrug vorwerfen,„wenn sie, da ihr Prinzipal einen anderen Potentaten zu bekriegen sich rüstet, diesem durch viele Sincerationes(Versicherungen) weiß machen, daß solches Armament nicht auf ihn angesehen, folglich im Gegentheil durch viele Contesta- tiones einschläfern, daß er nicht ehedem, als bis der Feind vor der Thür, merket, wie es auf ihn gemiintzet sei/ Doch wenn wir auch mit dem Maßstab unserer inzwischen verfeinerten Moral die grobe Auffassung der damaligen Zeit korrigieren, so bleibt der Verderbnis noch übergenug. Die A e r z t e können auf nicht weniger als 31 Arten ihre Patienten betrügen; so z. B., wenn sie ihnen Dinge eingeben,„so die exersmoata. schwartz färben und daraus denselben weig maäien, als wenn sie sehr gefährliche Dinge im Leib gehabt hätten". Oder wenn sie in Geschäftsverbindung mit Apotheker und Bader stehen, und nun um der Provision willen den Patienten fuderweise teure Pillen verschreiben und sie durch zahllose Schröpfköpfe um Geld und Blut erleichtern. Oder wenn sie die Rezepte gleich auf Lager an- fertigen und nun dem Kranken geben, welcher ihnen gerade in die Finger fällt,„wodurch mancher eher auf den Gottesacker promovierst wird." Den Büch erschreibern wird zur Last gelegt, daß sie ihren Büchern„grosse, weitläufige und sehr prächtige Titel geben, und darinnen mehr versprechen, als in dein Buch selbst praesentiret wird und zu fiitden ist." Auch, dag sie sich in der Vorrede von Gelehrten ein unverdientes Loblied singen lassen oder gar selbst für solche Zwecke den ehrlichen Namen eines berühmten Mannes fälschlich ge- brauchen. Aber es ist auch Betrug, wenn sie„viele und weitläufige Digressiones oder Ausschweifungen machen" oder ihren Büchern einen neuen Titel geben, wenn der alte iticht ziehen will, oder„wenn sie in den Biographiis die Personen nicht beschreiben, wie sie gewesen, sondern nur, wie sie hätten sein sollen". Und natürlich vieles andere mehr, wobei der moderne Leser die Wahrnehmung macht, dah in diesem Gewerbe die alten Sitten sich am mchrsten unverändert konserviert haben. Eine verwandte Zunft sind die Gelehrten, die auf 26 Arten Betrug an der bedauernswerten Menschheit verüben. So etwa, „wenn sie sich ohne Grund rühmen, neue Sachen oder Hypotheses erfunden, und diese oder jene Disciplin mit einer ganz neuen und sonst nie gebrauchten Methode vorgetragen zu haben, da es doch oft nur ein gewärmter Kohl ist". Wenn sie ihren Schriften selbst unter fremden Namen eine Borrede geben und damit dem Leser„einen blauen Dunst vor die Augen machen". Oder wenn sie sich„grofie Bibliotheken anschaffen und solche mit starken Folianten und altein Mist anfüllen, damit sie wenigstens aus der Anzahl ihrer Bücher für gelehrte Leute passiere» möchten." Was auch auf eine andere Art erreicht wird:„Wenn sie mit Fleiß eine nnleierliche Schreibart affektieren, nur damit man sie nachdem einmal gefaßten Praejndicio: Die Gelehrten schreiben übel, auch vor Gelehrte halten möchte". Wenn wir nun gar vernehmen, was von den H 0 f m i n i st e r n Uebles berichtet wird, dann müssen wir uns wahrhaft glücklich preisen, unter einer Regierung zu leben. die solch untadelhaste Staatsmänner hervorbringt wie die prcußisch-dcutsche. Früher war das anders, denn da betrogen die Ministri, wenn sie„ans allerhand Art und Weise, sonderlich durch Vorschlagung dieser und jener Er- götzlichkeiten die Landcs-Herren von den RegierungS-Sorgcn nnd einem Regenten obliegenden Verrichtungen abzuziehen suchen, damit sie nur bey so gestalten Sachen desto mehr in trüben Wassern fischen und vor ihren Theil selbst regieren können." Und„wenn sie ihren Bedienten sowohl als anderen viel versprechen, aber wenig oder nichts halten." Geradezu Hockverrat aber war eS, wenn die Minister(natürlich nur in früheren Zeiten)„denen Herren dem Schein nach einträgliche Anschläge geben, so aber dem Laude, folg- lich dem wahren Interesse der Herren selbst höchst schädlich sind." Von welchen Gefahren solch vornialiger Potentat umgeben ivar, kommt uns recht zum Bewußtsein, wenn wir hören, daß die Minister, „denen Herrn ihre Epicunsosis oder ihre Atheistische Principia bcy- bringrn, um dadurch ihre sündliche Begierden, Woll- und Fleisches Lust im Fressen, Sanffen, unzüchtigen Wandel und dergleichen desto ringe- hindertet, gleich ihren Herren, ausüben zu können". Dem Himmel sei Dank, daß so etwas nur anno dazumal möglich war I In solch erlauchtem Sündenpfuhl werden die Diebe und Beutelschneider fast zu ehrlichen Menschen, denn was will es hejßen, wenn ihnen nur lumpige 46 Betrugsarten nachgewiesen werden können. Daß auch auf diesem Gebiete die Traditionen nicht aussterben, zeigt folgende, dem modernen ZeitungSleser nickt fremd klingende Art:„Wenn sie Paquets mit falschen güldenen Ketten und Ringen auf die Gasse werffen und sobald selbige jemand aufhebet, hinten nach schreyen: halben Gewinst! Daraus aber, so sie einen Geitzige» und Einfältigen antreffen, ihnen ihren halbe» Theil um schlechtes Geld wieder verhandeln." Ganz besonders schwere Jungen sind die Mönche. Sie be- trügen, um eine kleine Blütenlese zu geben, wenn sie„bei Eröffnung der Gräber ihrer vermeintlichen Heiligen mit Unwahrheit vorgeben, sie empfänden einen lieblichen Geruch—; ihre alte und inkonimode Klöster in Brand stecken, um dadurch nur eine neue und beguemcre Wohnung zu bekommen—; ihr Brevier auf Reisen verkaufen, oder solches verloren zn haben, oder daß es gestohlen sei, vorgebe», damit sie nur ihr? Horas nicht lesen müssen—; anstatt hundert Messen, wofür sie das Geld bekommen, nur eine Messe halten—; gewisse Weibspersonen bereden, sich als Beaten, oder besonders Heilige, oder vom Teufel Besessene anzustellen, damit sie hernachmals öfter zu ihnen kommen, oder sie wohl gar bisweilen ins Kloster bringen können, um ihre schändliche Lüste mit ihnen zu vollbringen—; vorgeben, der Hl. Antonius de Paula sey ein Für- bitter derer unfruchtbaren Weiber, und dadurch verursachen, daß viele derselben zu dessen Grabe kommen und dadurch fruchtbar gemacht werden, nicht zwar durch die Krafft und Fürbitte der Hl. Antonii de Paula, sondern durch die natürliche Würckung derer Herren Pauliner-Mönchs----. Die angekündigten„denen darwieder guten Theils dienenden Mitteln" sind zum Teil Vorschläge an die Regierungen zu besserer Beaufsichtigung und härterer Bestrafung drd Betrüger, zum anderen recht billige Weisheiten. Von der Art etwa, wer nicht im Kaffeehaus mit schlechtem Kaffee betrogen werden wolle, möge sich selber zn Hause einen guten kochen. Wer also ein geheimes Sym- pathienntlel erwartete, das vor jedem Betrug schützt, der ist bitter enttäuscht. Aber auch der brave George Paul Hönns würde schmerz- lich enttäuscht im Grabe sich gewälzt haben, wenn nach dort die Kunde von der glänzenden EntWickelung der Betrugskunst gedrungen wäre. Er glaubte nämlich,„daß die Betrüger durch Lesung dieser entdeckten Betrügereien schamrot genincht und von der ferneren Aus- Übung derselben abgeschreckt werden". O heilige Einfalt! Tomaten uncl ihre Verwendung. In großen Mengen werden alljährlich von Juni ab Tomaten aus dem sonnigen Süden nach Deutschland eingeführt. Gegenwärtig ist ihr Preis bis auf 7 Pfennige für das Pfund gesunken und damit die Möglichkeit gegeben, auch den proletarischen Tisch um eine deli- kaie Zuspeise zu bereichern. Die Tomate liefert nicht nur einige gute Gemüseschüsseln, sondern auch eine Suppen- und Sauccnwürze von außerordentlicher Feinheit. Ein Feinschmecker, wie Grimod, behauptete in einer seiner Schriften nicht mit Unrecht:„Durch To- matensauce wird das mittelmäßigste Fleisch zu einem Leckerbissen." Die Frucht wird im Süden vielfach roh verzehrt, indem man sie in Scheiben schneidet und mit Pfeffer und Salz bestreut. Neben ihren anderen Verdiensten besitzt sie auch noch daö, einen köstlichen Salat zu liefern. Die Tomate, auch Paradiesapfel oder Liebesapfel genannt, ist die glatte oder gerippte ei- bis faustgroße Beere der Tomatenstaude, einer einjährigen Nachtschattenart. Schon die leuchtend rote Farbe der Frucht ist eine Freude für das Auge; jeder Speise, zu der sie gereicht wird, verleiht sie ein besonders einladendes Aussehen. Die Tomate läßt sich auch bei uns in Gärten und auf Balkons ziehen, ivenn man ihr einen sonnigen und geschützten Standort geben kann. Tomatensuppe ist sehr einfach herzustellen. Man schneidet die gewaschenen Tomaten zusammen mit einer kleinen Zwiebel in Scheiben, fügt Salz und Gewürz hinzn und läßt sie mit etwas gutem Fett unter Zugießen von wenig Wasser ettva% Stunden sackt schmoren. Einige mitgedünstete Schinkenabsälle erhöhen den Geschmack. Der Tomatenbrei wird durch ein Sieb gestrichen, nach Bedarf mit heißem Waffer verdünnt, mit SchWitzmehl seimig verlocht und mit einer Prise Zucker versehen. Diese gute Suppe bedarf keines Zusatzes von Fleischbrühe. Sie läßt sich verändern, indem man sie nur leicht mit wenig SchWitzmehl bindet oder ganz klar läßt nnd Reis, Graupen oder Nudeln, die vorher gar gekocht wurden, als Einlage hineingibt. Auch kann man zerschnittene alt- backene Semmeln mit den Tomaten zu seimiger Suppe verkochen. Für 6 bis 6 Personen rechnet man 1 Yt Pfund Tomaten zur Suppe. Tomate n sauce wird ebenso, nur etwas konzentrierter be- reitet. Auf% Liter Sauce rechnet man Yt Pfund Tomaten. Sie ist ausgezeichnet zu Makkaroni und Reis, d-ie in dieser Znsammen- stellung die bekannten Nationalgerichte der Italiener bilden. Tomatensauce paßt zu fast allen Fleischsorten, zu Seefischen und auch zu verschiedenen Eierspeisen. Reis mit Tomatensauce u n d w e i che n Eiern wurde bereits in Nr. 131 des llnterhaltungs- blattes als angenehmes Sommergericht empfohlen und beschrieben. Tomatenkartoffeln bereitet man, indem man Pell- kartoffeln schält, noch heiß in Scheiben schneidet und in der. fertigen Tomatensauce einmal aufkochen läßt. Zu Gemüse kann man Tomaten allein oder in der Mischung mit anderen Vegetabilien verwenden. Tomatenbrei wird wie Tomatensauce, nur dicker, bereitet und mit Setzeiern oder Falleiern belegt. Falleier kocht man wie folgt: In 1 Liter kochenden Salzwassers gießt man zwei Eßlöffel Essig. Die Eier, die sehr frisch sein müssen, werden vorsichtig hineingeschlagen und langsam gekocht, bis das Weiße fest geworden ist. Tann werden sie mit einem Schaumlöffel herausgenommen Tomatenbrci paßt auch gut als Decke über eine Schüssel Makka» roni. Gebackene Tomaten. Man schneidet von jeder Tomate oben eine Scheibe ab, bestreut jede Frucht mit Salz und Pfeffer. legt ein Stückchen Butter darauf und läßt sie in einer mit Butter ausgestrichenen Schüssel, die Hitze verträgt, eine Viertelstunde im Ofen backen. Gehackte Petersilie wird beim Anrichten darüber gestreut. Brech bahnen mitTomaten. Man rechnet auf 2 Pfund Bohnen 1 Pfund Tomaten. Die abgefädelten und in Stücke ge- brochcncn Bohnen werden mit siedendem Salzwasser knapp bedeckt und mit einer Messerspitze Natron gar gekocht. In gutem Fett dämpft man die leicht gesalzenen und gepfefferten Tomaten zehn Minuten lang, wobei man sie mit Mehl bestäubt. Man vermischt sie mit den Bohnen, von deren Brühe nach Bedarf zugegossen wird. Man läßt alles zusammen noch 5 Minuten schmoren und würzt mit gewiegter Petersilie, 1 Prise Zucker, nach Gefallen auch noch mit Zitronensaft. Junge grüne Erbsen(Schotenlörner). kann Man ebenso bereiten. — 568— Schote« mit Reis unl» Tomaten. Reis, der, Ime in Rr. 131 angegeben, gar gekocht wurde, mischt man mit dünnem Tomatenbrei, umgibt ihn beim Anrichten mit gar gekochten Schoten und würzt mit gehackter grüner Petersilie. Brühkartoffeln mit Tomaten. Den in bekannter Weise bereiteten Brühkartoffeln fügt man Tomatenbrei hinzu und würzt mit gewiegter Petersilie sowie mit einigen Tropfen Maggi oder Knorr-Sos. Tomaten mit Setzeiern. Eine Pfanne wird mit To- «natenschnitzeln belegt, die, mit Salz und Pfeffer bestreut, in Fett einige Minuten schmoren müssen. Dann schlägt mau Eier darauf und läht sie auf dem Feuer, bis das Weiße festgeworden ist. Tomateneierkuchen. Durchgestrichene Tomaten werden mit der Eierkuchenmasse vermischt und in bekannter Weise gebacken. Grüner Salat paßt dazu. Tomatenrührei wird ähnlich bereitet. Mit den ge- quirlten Eiern verrührt man Tomatenbrei, würzt mit Salz, Pfeffer, wenig geriebener Zwiebel oder Schnittlauch und rührt die Masse über gelindem Feuer zu zarten Flocken ab. Zu Salat ist die Tomate durch ihren feinsäuerkichen Gc- schmack wie geschaffen. Man schneidet die reifen Früchte in Scheiben, gibt Salz, Pfeffer, Ocl und Zitronensaft(im Notfall abgekochten und wieder erkalteten Essig) daran, würzt mit einer Prise Zucker, wenig geriebener Zwiebel oder Schnittlauch und gehackter Petersilie. Nach Belieben kmin man noch einige Tropfen Dkaggi oder Knorr- SoS hinzufügen. Dieser Salat muß einige Stunden durchziehen. Verehrer der Tomate können die aromatische Frucht auch für den Winterbedarf einkochen. Tomate nbrei als Konserven. In einem irdenen ©der gut emaillierten Kochtopf—.Kupfer- oder Mrssingkesscl sind ungeeignet, weil sie nicht säurebeständig sind— bringt man ctiva >1 Zentimeter hoch Wasser zum Sieden, bricht die gewaschenen To- maten in Stückchen hinein und läßt sie eine gute halbe Stunde kochen. Man streicht sie nun durch ein Sieb, fügt Salz und Pfeffer hinzu und laßt sie unter fleißigem Rühren zu Iveichcm Brei kochen. Das Tomatenmus füllt man in wcithalsige Flaschen, die verkorkt und versiegelt werden. Die Flaschen toerden dann% Stunden iti> Wnsserbade gekocht. Unreife grüne Tomaten in Essig und Zucker geben eine vortreffliche Konserve, die als Beilage zu ktallem und warmem Fleisch ausgezeichnet mundet. Die festen grünen Früchte werden gereinigt, in Hälften geschnitten und in siedendem Weinessig fast weich gekocht. Die Früchte werden mit dem Schaumlöffel herausgenommen. Zu einem halben Liter von diesem Essig gibt man 1 Pfund Zucker und ein Stückchen Ingwer. Tics kocht man, bis der Zucker in Tropfen vom Löffel fällt. Dann schüttet man die Tomaten hinein und laßt sie glasig kochen. Noch heiß füllt man die Früchte in sorgfältig gereinigte Gläser, läßt sie erkalten und schließt sie luftdicht ab. Es gibt no>.h eine Menge guter Tomvtengerichte für jeden Gc- schmack, aber diese Auswahl dürfte fürs erste genügen. An Mannig- faltigkeit der Verlvenfcung dürfte die Tomate kaum von einer anderen Frucht übertroffen werden. Leider sind billige Tomaten fast nur in großen Städten erhältlich. In kleineren Orten muß man sie gewöhnlich unverhältnismäßig teuer bezahlen. Ein Grund mehr, ihren Anbau recht eifrig zu betreiben, wenn ein Gärtchen oder Pachtland zur Verfügung steht. hl. Kt. Schach. Unter Leitung von S. Alapin. abcdef(*li Tolosa 2(P— Tvch l) Schaihnachrichtcn. Der Hamburger Schachkongreß hat am 16. Juli programmäßig begonnen. Die Turniere haben erst am IS. Juli angefangen. Die von uns schon mitgeteilte Liste des Meistertnrniers hat eine bedauerliche Veränderung erleiden müssen, indem die Herren Rubinstein, Capablanca und Janowski abgesagt haben.(ES gibt eben viele Schachmeister, denen die Zustände des Deutschen Schachbundes nicht ganz sympathisch sind...) Als Er- fatz(?) sind die Herren Dus-ChotimirSki, Alckhin und Jakob ein- gesprungen. Diese Namen stehen in keinem nennenswerten Vergleich mit den ausgeschiedenen, obschon Herr ChotimirSki von beachtenS- werter Mittelstärke ist. Alekhin ist ein geistreicher Hauptturnier» spieler, aber kein Meister, während Herr Jakob schon seit vielen Jahren gewöhnlich am Ende der Liste sich bewegt. Nachstehend bringen wir eine in der ersten Runde(18. Juli) im Hamburger Turnier gespielte Partie. der Plan von Schwarz wirksamer durchgesührt worden, wellBol Wege» nicht geschehen konnte. 13. Dal— ol 0-0 14. f2—£4 Ta8— c8 15. Sgl— f3 ScO— b4 16. 1-63—1,1 TcSXclt 17. Se2Xcl Tf8— c8 Sosort a6— a5— a4 War besser. 18. 0—0 a6— a5 1 9. a2— a3 Sb4— c6 20. Dd2-d3 g7-gS Eine minder gefährliche Lockerung war 26...... f5; 21.«Xkb, gXf6 2C. 21. a3— a4 Sc6— b4 22. Dd3— d2 Sb6— a8 23. g2-g4 b7— b6? Vorsichtiger war f7— 15! 24. f4— f5! b5Xa4? Minder gefährlich war 24..... i oXkS! 25. gXtS, gXß IC. 25.£5—£6 De?—£8 26. h2— h4 h7— h6?? Selbstmord I Mit 26...... Sb«! hätte schwarz sich noch verteidigen können. 3- B. 27. h5, aXt>3: 28. SXb3, Sc4; 29. Df4(sonst cvent. Dh6) 29...... o4; 30. Sc5, TXcS; 31. dXo5, DXcSf nebst Da3 je. Aus den Textzug geht die Partie rasch verloren. 27. h4— h5 g6— g5 licd hätte längeren Widerstand ge« leistet. Französische Partie. P. Leonhardt R. Splelmann. Weiß Schwarz 1. e2— e4 e7— e6 2. d2— d4 d7— d5 3. Sbl— c3 Sg8—£6 4. Lei— g5 Lf8—£7 5. o4-e5 Sf6— d7 6. Lg5Xe7 Dd8Xo7 7. Lfl— d3...... Wahrscheinlich, um die von Alapin angegebene Widerlegung des üb- l i ch e u Zuges Sb5 zu vermeiden. Der Tcxtzug ist aber auch nicht besser. 7....... a7— a6 Eine unnütze Vorficht gegen das nur anscheinend drohende Sd5. Bei 7...... 0—01; 8. Sb5?, a6!; 9. SXo7?, Ta7; 10. DckS. b6: 11. Dc3, Dd8 würde Sc7 verloren gehen. Oder 7...... 0—01; 8. Sc3— e2(Sonst c7— c5) 8...... £7—£6!(Dbif gewinnt einen Bauer) 9.£2—£4,£6Xo5(g7— gä käme auch stark in Betracht) 10. ttXoö(Aus dXe5 würde Sd7— c5Xd3+ ic. die Folge sein) 10...... De7— g5; 11. g2— g3(IL Sg3, Do3f je.) 11...... c7— c5; 12. c2— c3, Sb8— c6 ic. Schwarz ficht vorzüglich. (Z. B.: 13. Sb3, Dh6; 14. Shf4, SdXeS; 15. dXe5, SXe5; 16. 0—0, Sg4 nebst Se3 ic.) 8. Sc3— o2 c7— c5 In Betracht kam 8...... So6; 9. c3(sonst Sb4). 9...... Sb6; nebst Ld7 und 0—0—0 mit Angriss aus dem Königsflügel mittels£7—£6 und g?— g5. 9. c2— c3 10. c3Xd4 11. Ddl— d2 12. b2— b3 c5Xd4 Sb8— c6 Sd7-b8 Lc8— d7 Mit 12...... Sb4; 13. Lbl, Ld7; 14. a'J, Sc6; 15. Ld3, Tc8 IC. wäre 28. Sf3Xg5! 29. Dd2Xg5f 80. h5— h6 31. Üg5-g7t h6Xg5 Kg8— h8 Sa8— o7 Llusgegeben. Wegen 31...... DXg?; 32. hXg7t, Kg8; 33. Kf2, Se8; 34. LhTf!, KXh7; 35. Thl+ und 2+. Wie aus den Glossen erfichllich, ist die Partie nicht wegen der E r ö ss ii u n g verloren gegangen!.. kleines feuilleron. Insekten als Gemüsebauer. Geregelter Ackerbau, shstematische Bodenbestellung ist die späte Frucht menschlicher Kultur. Er ist ein notwendiges und zweckmäßiges Produkt des Gemeinschaftslebens. So finden wir auch im Tierreich bei den Arten, denen Individuen zu Staaten vergesellschaftet leben, Termiten und Ameisen, Ver- suche, die Zufälligkeiten und Gefahren, die mit einem Suchen der Nahrung stets verbunden sind, auszuschalten. Versuche, die durchaus den Stempel der Vollendung tragen. Ihre Bobenwirtschaft besteht in dem Anlegen und der Pflege von Pilzgärten in ihren Bauten. Um einen solchen Pilzgarten anzulegen, ziehen lange Züge von Arbeitern unter Eskorte der Soldaten des Reiches aus ihren unterirdischen Gängen ins Freie— den lichtscheuen Termiten kostet solch Tagesmarsch sicherlich Ueberwindung—, schleppen Holz zusammen oder beißen aus Blättern kreisrunde Stücke, die sie im Maule zurücktragen. Im Bau angelangt, bringen sie diese Mate- rialien in Höhlungen, die neben dem Haupbgangc liegen, und deponieren sie. Aber auch die Pilzsaat führen sie bei sich. Sie ge- langen zu dieser nicht willkürlich, sondern zufällig bei ihrem Herum- suchen auf dem Wakdbydcn gelangen kleinste Pilzsporen und Schläuche in ihr Maul. Wird nun der P i l z k u ch e n von den Tieren gedüngt, so gelangen die Mycele und Hyphen der Pilze in die Masse und entwickeln sich zu kleinen Pilzformen(Conidicn und Sphercn), weißlichen Knöpfchen,„dem Ameisenkohlrabi". Nun ist es verständlich, daß oftmals viele Pilzarten mitgebracht sind und im Mistbeet aufgehen. Aber diese Termiten und Ameisen dulden nur ihre Sorte, neue Arten werden schonungslos vernichtet. Jede Ticrspezics bevorzugt ihren SpezialPilz. Man ist versucht, das un- höfliche Sprichwort von dem Bauer und der Nahrung, die er nicht kennt, auch auf die Insekten anzuwenden. Das warme Mistbeet dient nicht nur den Pilzen, sondern auch den jungen Larven als Brutstätte. Für sie allein sind diese Vorratsdepots überhaupt ein- gerichtet. Die erwachsenen Termiten fristen ihr Leben mit altem Holz. Holz enthält vorwiegend Kohlehydrate und wenig Stickstoff, der Eiwcißreichtum der Pilzsprosscn aber liefert dieses für die Auf- fütterung der Larven wichtige Element in ausreichender Fülle. Ist der Pilzgarten unfruchtbar geworden, so wird die sterile Masse hinausgeworfen und eine neue Kultur angelegt. Kerantw. Redakteur: Richard Barth, Berlin.— Druck u. Verlag: Vorwari« Buchdruckerei u-Veriagsanpall Paul Singer öcEo..>0erUn Ltät.