Nnterhallungsblatt des vorwärts Nr. 147. Sonnabend den 30. Juli. 1910 (NaqdruZ verdote»? 17� Ver Entgleiste. Von Wilhelm Holzamer. Manchmal, wenn er so recht mit einem seiner Mitschüler ins Gespräch kam, erzählte er von zu Hause. Er erzählte alles ganz richtig, aber er tat es in Worten, die Raum für weitere und größere Vorstellungen ließen. Er legte mehr Gefühl hinein, er schwärmte manchmal. Nur recht eigentlich schön zu färben, wagte er nicht. Dafür lag das Dorf zu nahe. Er wollte nicht scheel angeguckt, nicht verachtet sein. So hatte er keinen Freund. Das Lernen ging ganz gut. Es war gar nichts Beson- deres dabei. Was gehörte da dazul Man paßte auf und machte seine Aufgaben— oder man paßte einmal nicht so gut auf und bekam eine geringere Note— aber im großen und ganzen war nicht viel dabei. Uebermäßig fleißig war der Philipp nicht. Nur einige Lehrer nahmen ihn manch- mal fester heran. „Du willst ja Lehrer werden, Kaiser, da mußt Du das besonders gut wissen." Dann lachte ihn die ganze Klasse aus. Das fuchste ihn. Mit dem dummen Lehrerwerden. Wenn ihm das doch die Mutter nicht eingehängt hätte. „Armes DorfschulmeisterleinI" sangen die Mainzer Buben. Und sie erzählten ihm manchmal von den Lehrerfreudvn vor— wie die Bauern Schinken und Würste schicken und ihn zur Metzelsuppe einladen würden und wie er bei den Kindtaufen dabei sein dürfte und zur Kirchweih Kuchen und Wein geschenkt bekäme. „Aber wenn Du da hinten in den Odenwald kommst, dann kannst Du blau pfeifen. Dann kannst Hockeln knappern wie die Eichhörnchen." Es fehlte nicht an Spott. Und immer der Refrain: „Armes Dorfschulmeistierlein, armes Dorfs chulmcisterlein!" Er hatte einen Ekel vor dem ganzen Lehrerkram. Und zudem war er sich viel zu gut dazu. Die Mainzer Buben hatten wohl recht, wenn sie sagten: „Dazu kann man die dümmsten Stoppelkälber gebrauchen." Aber vorläufig hieß es aushalten. Nur vorm Seminar graute dem Philipp. Da sollte es wie in einem Zuchthause sein. Eselsdrill in der Präparandenanstalt— und dann der Drill fürs Schullehreramt. Ein ganz erbärmliches Leben — und die Menschen, mit denen man zusammenkäme. Kein bißchen Schliff, gar nichts und Einbildung haushoch. Vielleicht übertrieb der. Aber wenn sich der Philipp die Lehrer in seinem Dorfe anguckte— so von hier, von Mainz und der höheren Schule aus gesehen— nein, Respekt hatte er vor denen gar keinen. Was die gelernt hatten, das konnte er heute schon. Wenn sich nur die Mutter die verrückte Idee heute schon aus dem Kopfe schlagen konnte. Aber er mußte ganz ruhig bei ihr sein. Sie geriet gleich ganz aus dem Häuschen, wenn er davon nur anfing. „Eingebildeter Bub!" schimpfte sie dann—„Stangen im Kopf— zu hoch hinaus!" und Aehnliches, was nur noch grober klang. Und dann machte sie ihn darauf aufmerksam, woher er käme— und wie er froh sein müsse für das— und wie das gerade genug wäre. Selbst die alte Liesbeth blies fast genau so in das Horn— der arme Lukas sagte nur:„Es kommt nur mal darauf an, wer man ist, nit, was man ist," und das fand der Philipp sehr dumm, und der Schlüssel sagte:„Man wird gar nichts, so wie sich's Vater und Mutter denken, man wird nur das, was man später einmal aus sich macht." Aber damit konnte der Philipp auch nichts anfangen und mußte eben bei der Stange bleiben, wie ein Geißbock, der eingespannt ist, wenn er auch nicht so viel mit den Hörnern stößt und den Kopf nach allen Seiten schnickt. Aber dem Philipp klang immer der Refrain:„Armes Dorfschulmeistcrlein— armes Dorfschulmeisterlein I" 14. Die Klar war ein paar Jahre älter geworden r— immer noch robust und kräftig, aber doch nicht mehr so willens- stark und rücksichtslos geradeaus. Das heißt nicht, daß sio sich auf die faule Haut legen wollte— nein, sie schaffte noch so mannhaft wie früher, aber sie ließ den Dingen mehr ihren Lauf. Sie sagte leichter ja und Amen zu etwas und brauste nicht mehr so rauh und heftig auf. Der Philipp fuhr nun schon ein paar Jahre nach Mainz in die Schule und war ein großer eitler Bengel geworden, der sich als Herr aufspielte. Der Mutter war ja dies Ge- haben lächerlich. Sie sah immer noch das Kind in ihrem Buben, während er Mann sein wollte und doch noch keiner war. Die Stimme war zwar rauher geworden, und auf der Oberlippe dunkelten ein paar Härchen, über die er beständig wohlgefällig strich, als hätte er einen Schnauzer wie ein Wachtmeister.„Bist en Äff!" sagte dann die Mutter. Aber dem Philipp war's einerlei— er fühlte sich. Wenn er in die Eulenmühle ging, zog er die Manschetten an, schwang sein Stöckchen, stolzierte dahin wie ein Baron von Joeden, dem das große Gut gehört. Und die Klar war auch wieder stolz auf ihn. Durch gute Freunde hatte der Philipp im Hotel Pfälzer Hof in Mainz einen Freitisch bekommen, und die gute Kost bekam ihm gut. Nachdem er so in die Höhe gewachsen war, wäre es doch nicht gut gewesen, wenn er weiter beim Pedellen sein mitgebrachtes Brot verzehrt hätte. Die Klar hatte auch schon ein paar Mal Zigaretten und Zigarettenschachteln in seinen Taschen gefunden. In ihrem Beisein hätte der Philipp doch noch nicht zu rauchen gewagt. Sie wäre ihm auch bös aufs Dach gestiegen. Und wo er das Geld her bekam? Der war ein Spitzbub, der. Jeden Abend hockte er sich hin und schrieb die Landneuigkeiten auf — fünf, sechs Zettel auf einmal manchmal. Das trug er anderen Tags in aller Früh in die Zeitungen. Vom alten „Mainzer Anzeiger" bekam er zehn Pfennig die Zeile, vom „Mainzer Tageblatt" ebenfalls � vom„Journal" je nach der Wichtigkeit, vom„Neuesten Anzeiger" fünf Pfennig und von den„Neuesten Nachrichten" auch fünf Pfennige. Jeden Tag hatte er etwas. Manchmal log er auch etwas. Die Geschichte mit dem dreibeinigen Kalb war gelogen gewesen, und der große Brand war übertrieben gewesen, an den neuen Fabritprojekten war kein tvahrcs Wort, und die Weinaus- sichten stimmten auch nicht. Aber er hatte Glück. Kein Mensch, der ihm den Schwindel aufgedeckt und nachgewiesen hätte. Niemand wußte, wer die Gegend so eifrig bereiste und jeden Spatzenpiepser nach Mainz berichtete. Dem Philipp aber gab's Geld in die Tasche. Wenn sie ihm auch manch- mal die längsten und schönsten Berichte auf drei, fünf Zeilen zusammenstrichen, es gab doch ein paar Batzen. Und da er in jedes Blatt ein bißchen anders schrieb, so zählte sich's von den verschiedenen Blättern zu einem ganz hübschen Sümmchen zusammen. Die Redaktionen merkten nicht, daß sie den gleichen Korrespondenten hatten, sie fanden nur immer ihre Nachrichten durch die anderen Blätter bestätigt. Und so war der Philipp fein heraus. Er trug ein schwarzes Hütchen, hatte Verschiedene Schlipse, hatte Hand- schuhe für den Sonntag— konnte sich auch Zigaretten kaufen und war der feinste junge Mann im ganzen Dorf. Und das ganze Dorf guckte zu ihm hinauf— und auf das ganze Dorf guckte er von oben herab— und auf die Schulmeister be» sonders. Er war entschlossen, keiner zu werden,— und die Mutter fuhr nicht mehr so aus dem Häuschen wie früher, wenn cr's ihr sagte. Er hatte einen neuen Freund gesunden, den Sohn eines Judenlehrers in einem Nachbarorte. Sie fuhren täglich zu- sammen in die Stadt— der kleine Herz— das„Hcrzche" wie er genannt wurde— ins Gymnasium. Das Herzche war ein heller Kopf— ein stiller, fleißiger Mensch. Er hinkte ein klein wenig— und war vielleicht da- durch gezwungen, sich von den Mitschülern etwas zurückzu- halten. Die Folge war natürlich, daß die anderen an ihm vorbeigingen. Einmal war das Herzche gerade angehinkt kommen, als der Zugführer zur Abfahrt gepfiffen hatte. Man wollte ihn schon zurückhalten beim Einsteigen. Da nahm ihn der Philipp oben vom Coups aus unterm Arm und riß ihn mit einem kraftigen Ruck herauf. Der Schaffner schimpfte, der Zug war schon im Fahren gewesen— aber das Herzche saß drin unt> war froh, mitgekommen zu sein. Seitdem waren die beiden gute Freunde. Mit den Eulen- tnüUerbuben machte der Philipp vor wie nach seine schlechten Streiche— sie durchstreiften Wiese uno Feld, befuhren mit Flößen die Selz, plünderten das Obst von den Bäumen, taten auch ein paar Säcke auf die Seite, wenn die Eulenmüllerin ihren großen Obstverkauf abschloß— den Ertrag legten sie als angehende Studenten in Bier an— und wenn man den Neuen zum ersten Male zapfen konnte, dann schlichen sie sich in den Keller ein— das heißt, einer mußte Wache stehen und die gefüllten Flaschen in Empfang nehmen, die andern beiden mußten abwechselnd an dem eingelassenen Schlauche saugen und war dann mit Wurst und Brot ein Festmahl beisammen, krochen sie in einen hohlen Weidenbaum hinein und ließen fich's gut schmecken. Manchmal ging dann zwar die Welt mit ihnen im Kreise herum— und die Wegsteuer gingen ihnen verloren— aber sie waren doch drei freie deutsche Männer im Hochgefühle ihrer Saufkraft und im Kraftüberschuß� ihrer frechen Jugend. „So leben wir, so leben wir, so leben wir alle Tage..1" In die Flaschen taten sie einen Zottel mit dem schauerlichen Bericht eines Schiffsunglücks, versiegelten sie und warfen sie in die Selz, daß sie zum Rheine zuschwämmen. Und manch- mal schrieben sie auch einfach: „Herr Bürgermeister zu Wesel. Der dies liest, ist ein Esel, Der es glaubt, eine Kuh, Und der Ochs bist du." Die Eulenmühle, das waren und blieben Herrlichkeiten. „Du. und weißt Du— aber nein— ich sag's nicht—" „Was denn, sag's I" „Dein Ehrenwort, daß Du nichts sagst." „Mein Ehrenwort— parole d'honnenrl"— und der Philipp strich über seinen schmächtigen Schnurrbartflaum mit einer großen Gebärde und einer eckigen Arm» und Hand- bewegung. „Dein Ehrenwort— daß Du nichts sagst— die— die Schwartze Emilie--" „Die Schwartze Emilie?" Und ein Lied von Schönheit, und ein Lied von Glück. Liebe, junge, dumme, schöne Liebe. .(Fortsetzung folgt.)! (??aa>druck«erröten.) 6m Ringtanz, während JVIutter wartet... Von Pelle M 0 l i n. Aus dem Schwedischen übersetzt von M. Ljungström. (Schluß.) Petz fuhr in seiner wahnsinnigen Raserei fort; Baumrinde und Moos hing in seinem Pelz; er dampfte. Eine Brandmeise zwit- jscherte: was geht da vor? Wer hatte denn nicht einmal Zeit, diese kleine Weile zu schlafen, wo selbst die Sonne in dieser herrlichen Sommernacht schlief? Nun setzte sich das Tier für einen Augenblick auf die Hinter- fütze, wurde aber von seinem hitzigen Blut wieder vorwärts getrieben und ging— ging! auf den Baum zu. wo es mit einem überlauten Schnauben einige Zoll von Salmon stehen blieb. Es sah aus, als beabsichtige der Bär den Unangreifbaren auf diese Weise aus seinem feste,, Schutz aufzuschrecken. Das halb offene Maul grinste, und in der ein wenig kühlen Nacht wurde der Atem des Bären wie ein fchwacker Dampf sichtbar. Jetzt lief Salmon ein kalter Schauder den Rücken herab, seine Haut schrumpfte gleichsam zusammen. Un- bewußt griff er nach seinem Sebeidcmesser... muhte er sein Leben lassen? Der Bär hatte seinen Kopf dicht an die Föhre gelegt; eine Elle oberhalb desselben hatte Salmon seine Hand. Es waren nicht zehn Zoll zwischen der Schnauze des Bären und dem Neuansiedler. Konnte er nun den Mann niederschlagen, ihn von der Föhre trennen, so würde das Uebrige das Werk einer Minute sein. Salmon umspannte das Mesier in der linken Hand mit festem, sicherem Griff, zielte nach dem Auge des Bären und senkte mit einer blitzschnellen Bewegung das langschneidige Messer herab. Etwas rotes und warmes spritzte an seinem Arm empor, was es nun sein «lochte. Er empfand ein brennendes Gefühl in seiner Schulter, und toährend der Bär, von dem Schlag betäubt, unter einem Höllen- Siebiüll an der Stelle, wo er stand, wie ein Ball hoch in die Lust prang, sah Salmon, daß sein Rock zerrissen und feine Haut auf- zerissen war. Jetzt wußte er, daß das Spiel nicht eher aus sein ipürde, bis einer von ihnen kalt und still dalag. War die Ausficht auf einen gütlichen Ausgleich bor einer Weile schon(jerinA gewesen, so gab es jetzt gar keine mehr. Nun würde es sich für Bären- Salmon zeigen, ob er wirklich noch der Bären-Salmon war. So viel schien gewiß, daß jetzt ein Leben zugrunde gehen mutzte, doch wohl schwerlich das des Bären... in diesem ungleichen Streit. Sal- mon dachte:„Ich bin es nicht, der in dieser Nacht Witwer wird; es ist mein Weib, das Witwe wird... und sie wartet auf mich." Petz tanzte wie besessen, schäumte, lärmte und schrie. Er lief jetzt nicht mehr um den Baum herum, sondern stand anstecht am Baum und biß abwechselnd zu beiden Seiten hin nach dem Reu- ansiedler. Die Rinde wurde durch das gleichmäßige Peiffchen der Tatzen zerkratzt und siel in großen Stücken zur Erde. Salmons Kleider bekamen das ihrige mit. Die Schulter war halb nackt und naß von Blut, aber die Hand, die das Messer hielt, bewegte sich un-> aufhörlich und war stets bereit. Die Sonne ging auf. Der Berg im Süden, den man von hiev aus sehen konnte, lag violett und träumend da, nur der Gipfel war erwacht und schimmerte goldig rot im Sonnenlicht. Um diese Zeit hätte Salmon mit der Hilfe wieder zu Hanse sein müssen... da- heim, in der Hütte... die nun öder als je werden würde... die Kinder hinausgejagt, bettelnd, in Not und Elend.. Vater für immer fort... eine Geschichte aus dem Hochgebirge... eine dunkle traurige Geschichte, wie sie hier oben in der Einöde sein können. Was nun geschah, ging mit rasender Geschwindigkeit vor sich. Noch einmal versuchte der Bär seine Drehungen und Sprünge, sein Rollen und andere Abenteuerlichkeiten in der höheren Gym- nastik. Salmons Augen waren blau und kalt wie der Himmel ftz einer Froswacht— sie wichen nicht eine Sekunde von der springen- den Bestie, �>ie in gewissem Abstand immer einem blitzschnell ge- führten Messer begegnete. Salmon kroch in sich zusammen, richtete sich auf, schlich, drückte sich und lief um den Baum. Der Schuh aus Birkenrinde war durchgelaufen und saß jetzt am Schienbein, wo er sich bisweilen rund drehte und rote Ringe in der Haut verursachte. Die linke Hand, mit der er sich stützte und weiterglitt, war ange- schwollen und voller Blasen, die teils hoch und gefüllt, teils auf- gesprungen und entleert waren und brennenden Schmerz hervor, riefen. Da geschah es, daß Salmon einmal in die Knie sank. Ehe er sich wieder aufrichten konnte, war ihm die Bestie auf kaum zwei Fuß Abstand nahe gekommen, er sah die Augen des Bären auf sich ge- richtet und fühlte einen heißen, widerlichen Luftstrom, als das grin- sende Maul sich öffnete, mit einem klatschenden Laut wieder zu- sammenschlug und sich dann nochmals öffnete. Es war drauf und dran, und Salmon hätte die Fühlung' mit der schützenden Föhre verloren. Eine Sekunde lang wurde es ihm schwarz und rot vor den Augen, aber in der nächsten Sekunde war er rückwärts ousge- wichen— und in der darauffolgenden Sekunde, als er die Todes- minute gekommen glaubte, bewegte sich das Messer und schnitt in etwas Weiches hinein— und nun stand er wieder auf den Füßen. der Bären-Salmon I Petz ließ sich aus seiner austechten Stellung zu Boden fallen und raste blindlings hinter ihm her, versuchte rund um den Baum zu laufen und machte wirklich zwei schnelle Runden nicht weit vom Baume. Aber als er diese enger machen wollte, war die Schnellig- keit zu groß, und der Versuch endete mit einem zu langen Sprung und einer Öuerwendung. Er brüllte. Etwas von den Eingeweide» bing und baumelte aus einer Wunde heraus. Staub und Erde, Moos und Rinde nahmen denselben ihre ursprüngliche Farbe; sie sahen auS wie graue Fetzen einer braunen Jacke. Die Sonne erreichte die Föhrenwipfel des Wohlplatzes. Petz richtet« sich auf den Hinterbeinen gegen den Neuansiedler auf, kam heran und umfaßte in der Wut die Föhre, als wenn sie es gewesen wäre, die er bestrafen wollte. Die Tatzen schlugen auf der Rück- seite zusammen. Salmon ergriff die rechte Tatze, neigte sich schnell nach rechts und senkte das Messer zwei-, dreimal zwischen die Rippen des Bärcn, in der Absicht, das Herz zu treffen. SalmonS Lippen waren blau, zusammengepreßt, seine Zunge trocken im Munde, die Augen funkelten. Noch war Salmon der Bären-Salmon I Und Petz sank auf der Stelle, rollte hintenüber, sprang aber wieder in die Höhe, lief ins Gebüsch, das sich wie Schilf niederbog, kam zurück, erhob sich nochmals in Ringkämpferstellung, bekam aufs neue das lange Messer zu schmecken und drehte sich wie im Kreise herum. Salmon war in wunderlicher Gemütsstimmung. Es war ihm, als wogten rote Wellen in ihm hin und her, der Boden schaukelte unter ihm und die Augen konnten nicht mehr recht sehen...„es wäre dumm, wenn ich jetzt ohnmächtig würde," dachte er und holte tief Atem:„Ich darf nicht zugrunde gehen, MutterS wegen." Es rührte sich etwas in dem Wipfel der Föhre.„Das ist ein kühner Vogel, der dort sitzt," dachte Salmon und stieß den Bären nochmals zwischen die Rippen. Was nun folgte, konnte Salmon nie richtig schildern, wenn er bisweilen die Geschichte erzählte. Petz war wie ein Heusack um- gefallen und hatte sich gewälzt. Er war darauf wieder in die Höhe geschnellt, hafte laut gebrüllt, und war in kleinen, sausend schnellen Winkeln auf der Stelle umhergerannt, sagte er. Das unbeschädigte Auge hatte wie eine feurige Kohle geglüht und wäre scharf gewesen wie ein Pfriemen, das andere wäre in geronnenem Blut verborgen gewesen. Bei jedem Schritt, bei jedem schnaubenden Atemzug war ein mächtiger Blutstrom hervorgequollen, und daß es so ging, wie eS ging, behauptete er, hatte viel daran gelegen, daß der Bär sich keinen Augenblick Zeit gelassen hatte, um stehen zu bleiben, sich da» Fell über tfe Wunden zu ziehen und das Haar in einem dichten Büschel darüber zusammenzudrehen, wie es die Bären bisweilen zu tun Pflegen. So behauptete er wenigstens, und ob er dies gelogen hat oder nicht, weiß ich nicht. Uebrigens ist er nicht der einzige, der solche Dinge zu erzählen wußte. Es gibt viele wunderliche Ge- schichten aus unfern Wäldern hier im Norden. Die Sonne war hochgestiegen. Ein glitzernder Goldfaden schmiegte sich durch Nadel- und Laubbäume bis zu der Föhre, wo der Kampf stattfand, um zu sehen, was hier vor sich ginge. Rings- umher sangen Drossel und Fink. Das Haselhuhn Pfiff in der Niederung und der Kranich rief vom Sumpfe her. Der Wind kam heute aus der Richtung der Ansiedelung. Noch einmal stand der Bär aufiecht an der Föhre, aber das geöffnete Maul war voller Blut aus den durchstochenen Lungen. Da schlich sich Salmon noch einmal in halbrunder Bewegung heran und gebrauchte sein Messer noch einmal: dieser Stich traf gerade ins Herz. Ein zweiter kam in den Hals. Und die umsinkende, blutende, zottige Masse bekam wütende Stiche auf Stiche... in die Brust... in den Kopf... in die Tatzen... in die Seite... .Da hast du," schrie Salmon und schwur einen furchtbaren Eid... »da hast du... da!... dak... da! du Lumpl... mehr! ... mehr!... das hast du für Mutterl... das für die Kinder! das für die ganze Nacht, du verfluchter Satan! willst du sterben? ... willst du sterben?... willst du?... willst du?... willst du?" Das letzte Brüllen des Bären ging in ein Röcheln über, und wie durch Herbstregen, der an einer Fensterscheibe niederrieselt, sah Salmon durch Schweiß und Tränen, wie Petz sich noch einmal erhob, hinfiel, sick halb aufrichtete, in Zuckungen bebte, nochmals hinfiel— und dalag. Salmon brach am Fuß der Föhre zusammen. Er war tot- müde und wie zerschmettert an allen Gliedern; jetzt fühlte er es. Seine rechte Hand hing wie tot herab, hielt aber noch das Messer. In dieser Stellung trafen ihn einige Sonnenstrahlen und küßten ihm die Wange. Er blinzelte und wollte dem Schlaf wehren. Er dachte: sollte er seinen Weg fortsetzen... es konnte ja sein, ja-.- oder sollte er umkehren und weinen über der Leiche daheim? Er empfand eine verzehrende Angst. Er würde heute doch nimmermehr dem Unglück entgehen, was es auch sei. Der Arme muß es erfahren, daß er in der Welt lebt. Wen würde er dazu bekommen, die Leiche am Sornrabend über den Berg zu tragen... das würde teuer werden ... der Sarg würde roh sein, wie die Särge der armen Leute gewöhnlich waren... der Amtsrichter hatte Bretter bei der Billsjö- Sägemühls... aber der Amtsrichter war der schlimmste Geizhals, den eS gab... da kommen eine Menge Männer, die tragen einen langen Sarg über den Knüppeldamm bei Laugmyrau... wer liegt in dem Sarge?... wie können sie den Sarg so von sich werfen!... und um einen Baum laufen, hinter einem Bären her... und die Mutter liegt und wartet auf sie... sie muß noch »arten... Und so schlief Salmon ein. Ungefähr eine halbe Stunde darauf regt sich etwas in dem Wipfel der Föhre. Ein Kopf streckt sich hervor, zieht sich zurück und streckt sich an einer anderen Seite wieder heraus. Das ist das Junge der Bärin. Er weiß nicht, was diese tiefe Stille nach dem langen Lärm zu bedeuten hat. Aber es sieht, daß Mutter Frieden gemacht hat, und der andre auch, und es möchte gern hier weg- kommen, denn es hat sich nicht wenig gefürchtet, hier oben. Nun setzt es die Tatzen an den Stamm und läßt sich herabgleiten. An- fangs geht es langsam... Mit dem Blick eines Irrsinnigen schaut« Salmon um sich, als er von einer schweren Last geweckt wurde, die auf ihn niederfiel. Wie ein gejagtes Wild, oder wie«in gehetzter Hund, der außer sich vor Furcht den Schwanz zwischen die Beine zieht, sprang er auf und rannte der Ortschaft zu. Nichts an ihm erinnerte an den Helden der Nacht, an den Bären-Salmon. Es war nur ein aus- gehungerter Hinterwäldler, elend und verlassen, der sein arm- seliges Leben zu retten suchte. Alanderncle Dünen. In diesen Sommertagen suchen wieder Zehntausende im weichen Sande der Seebäder Erholung, ergehen sich, umweht von frischem Seewind, auf den Dünen, die das Meer vom festen Lande trennt. Aber nur selten kommt eS jemand zum Bewußtsein, daß dieser feine Sand am Strande, in dem der Fuß lautlos versinkt, eine furchtbare Gefahr bildet, sobald er in großen Massen vorhanden ist und eS an natürlichen Hilfsmitteln zu seiner Eindämmung fehlt. Dann wird er zur Wanderdüne, die der Seewind immer weiter in das Land hineintreibt; langsam zwar, aber unaufhaltsam, um fruchtbares Ackerland, selbst ganze Wälder und Ortschaften rettungslos zu be- graben. Nützliches Kulturland wird zur Wüste; die fleißige Arbeit der Bewohner wird vernichtet. In Deutschland gibt eS ausgedehnte und gefährliche Wander- dünen besonders in Ostpreußen. Die ganze Kurische Nehrung ist eine Dünenkette, die sich zwischen dem Kurischcn Haff und der Ostsee erstreckt und fast 100 Kilometer lang ist. Die Breite dieser Landzunge ist nur unbedeutend; sie schrumpft an einigen Stellen bis auf b0v Meter zusammen und erreicht nirgendwo eine größere Ausdehnung als 4 Kilometer. Der Flächeninhalt der Nehnmg um- faßt aber trotzdem 143 Ouadratkilomeler. Eine einzige Dünenkette bildend, bewegt sich hier der Flugsand unausgesetzt auf das Haff zu, und würde man die Natur gewähren lassen, so würde in 300 bis 500 Jahren da» ganze Haff mit Sand ausgefüllt sein. Trotz der Dürftigkeit des Sandbodens wohnen auf der Nehrung mehr als 1600 Menschen in 16 Ansiedelungen, die sich von Ackerbau und Fisch» fang nähren. Während der letzten 100 Jahre wurden verschiedene Ortschaften vom Sande verschüttet, und die Bewohner mußten sich neue Heimstätten schaffen. In den Wer Jahren war Rossitten, der Ort, der durch seine Vogelwarte bekannt ist, sehr vom Flugsande bedroht; die Regierung hat dann aber durch äußerst energische und umfangreiche Eindämmungsarbeiten dem Vorrücken des SandeS ein Ziel zu setzen versucht, und eS scheint zu gelingen, was jahrhundertelang unmöglich war; durch geeignete Be- Pflanzung sind die Dünen an vielen Stellen zum Still» stand gekommen. Auch am Golf von Biskaha, dessen französische Seite von einem Düneugürtel im Umfange von 250 000 englischen Ouadratmeilen umschlossen ist, hat man erfolg» reich den Kampf gegen die Wanderdünen aufgenommen. Dort war die BePflanzung der Dünen leichter, da man in der Strandkiefer (Linus pinastor) einen Baum hatte, der in dem Flugsande gut fort» kam. Die Nadeln dieser Kiefer tragen außerdem dazu bei, den Sand festzuhalten, indem sie über ihn eine dichte Decke bilden. Auch in Ostpreußen hat man Versuche mit dieser Uferfichte angestellt; sie sind dort aber mißglückt, da zu dem dürren Sandboden auch noch das rane Klima kam. Gegen diese beiden Hemmnisse vereint ver» mochte selbst die anspruchslose Strandkiefer nicht aufzukommen. Auf der Insel Sylt wandern die Dünen jährlich um 4,4 Meter landeinwärts; in der französischen Bretagne schreiten sie schon seit mehr als 2W Jahren jährlich um 0 Meter weiter. In Gegenden, wo die Strandkiefer nicht fortkommt, versucht man die BePflanzung durch Gräser und Sträucher, wie die Dünenweide und den Sand- dorn. Da wo Dünenhafer wächst, gelingt es sogar, den ehemals unfiuchtbaren Boden nutzbar zu machen. In-den Vereinigten Staaten übertrifft die Ausdehnung der Wanderdünen die der europäischen Dünen um das Vielfache. Dort versagten bisher alle Mittel, die versucht wurden, um den Flugsand zum Stillstand zu bringen, so groß auch die dafür aufgewandten Geldmittel waren. Besonders ernst ist das Problem dort im Staate Washington und in Oregon, auf beiden Seiten des Columbia-River, wo die Wanderdünen einen immensen Schaden verursacht haben. Fruchtbare Obstgärten und ausgedehnte Flächen Ackerlandes sind dort in eine veritable Sahara verwandelt worden. An einer Biegung des genannten Stromes nahe der Einmündung des Walla-Walla-Rivers gibt es eine Schlucht, durch die der Wind mit folcher Vehemenz bläst, daß ungeheuere Sandwolken von ihm aufgewirbelt werden, in denen schon viel Vieh um» gekommen ist. Selbst Menschenleben sind an dieser Stelle schon zu Grunde gegangen. Geologische Untersuchungen haben ergeben, daß sich vor Millionen von Jahren in der Dünenregion es östlichen Washington und am Columbia-River ein Binnenmeer befand, was mit den Beobachtungen in den europäischen Dünen» gebieten völlig übereinstimmt. Auch Ostpreußen war zur Eiszeit vom Meere bedeckt; als die Gletscher, die sich bis an die mittel- deutschen Gebirge erstreckten, gegen das Ende der Eiszeit ab» schmolzen, floß das Schmelzwasser nordwärts, den heutigen Becken der Nord- und Ostsee zu. die sich damals viel weiter ins Land hinein» erstreckten, und allmählich erst hoben sich die südlichen Küsten» striche der beiden Meere, von Sand und Geröll aufgeschüttet, aus dem Wasser. Aehnliche Verhältnisse herrschen an den Küsten der Großen Seen Amerikas, und an einzelnen Stellen wirkt dort der Flugsand außerordentlich bedrohlich. So wird in der Nähe von Michigans City(Ind.) ständig der Schienenweg bedroht, der sich das Sceufer entlang zieht. Praktisch, wie die Amerikaner sind, führen die Eisenbahngcscllschaftcn den Sand, den sie von ihrem Bahnkörper beseitigen müssen, in besonderen Zügen gleich nach Michigan City, wo er in großen Werken zu einer Art sehr haltbarer Sandziegel verarbeitet wird. So sind die Gebäude in der neuen Stadt Gary am Michigansee, die ein Zentrum der Eisenindustrie werden soll» und von deren Gründung wir kürzlich berichteten, meist aus solchen Sandziegeln errichtet. Sehr ausgedehnte Dünengebiete gibt es in den Vereinigten Staaten außerdem an der Pacifischcn Küste, vom Columbia-River aus südwärts bis zum Golden Gate Park in Kalifornien, ferner auf Cape Cod und in der südlichen Hälfte von Long Island, wo einzelne Hügel eine Höhe von 200 Fuß erreichen. Immense Wanderdünen gibt es fenrer an der atlantischen Küste bei Cape Henry und Cape Hatteras. Hier werden gelegentlich bei Stürmen ganze Häuser verschüttet, und die Rettungsstation für Schiff- brüchige, die sich am Cape Hatteras, an dieser stür- misckistcn Stelle des ganzen Atlantischen Ozeans befindet, hat beinahe schwerer mit dem Sande wie mit den Wellen zu kämpfen. Auch die ganze Küste von Süd-Virginia und Nord-Karolina wird von riesigen Dünenketten durchzogen, die sich zum Teil 10W Meilen weit von der Küste in das Land erstrecken und immer weiter, alles auf ihrem Wege verschüttend, in das Binnenland wandern. Die Regierung der Vereinigten Staaten sieht mit großer Besorgnis, wie die Wanderdünen an den verschiedensten Stellen des Landes von Jahr zu Jahr neues fruchtbares Land begraben und zur Wüste machen. Aber bei der riesigen Ausdehnung dieser Sandflächcn war es bisher unmöglich, dem Vordringen der Wanderdünen Einhalt AU tUN. — 588- Schach. Kniet Leitung von S. A l a p t n. »boi.txli ,-zM �WW Carbo 2=}=(g n— g o �'s) Schachnachrichten. Das Hauptinterresse der Schachwelt ist naiurgcinäß auf das Hamburger Meisterturnicr gerichtet. Herr Jakob ist nach der 6. Runde ausgetreten, so das; nunmehr nur 17 Teilnehmer mitspielen. Da Jakob weniger als die Hälfte der von ihm zu spielenden Partien beendigt hatte, werden laut be- stehenden Turnierrcgeln seine bisherigen Resultate im Turnier ein« fach gestrichen und als nicht geschehen betrachtet. Allgcnieines Aufsehen erregt die vollständige Versagung von Dr. S. Ta rrasch, der von den ersten 8 Partien nur 3 Zähler erreichen konnte. Hiermit sind seine Aussichten auf einen der ersten 3— 4 Preise so gut als erledigt zu betrachten. Jedoch ist noch keineswegs ausgeschlosien, daß er in der ersten Hälfte der Turnicrllstc zum Schluß des Turniers als Preisträger er- scheinen wird. Denn es ist zu bemerken, daß Dr. Tarrasch bisher mit lauter starken Teilnehmern zu tun hatte. Er kann noch leicht V Zähler herausschlagen, um somit zum Schlußresultat von S Points zu kommen, was wahrscheinlich noch einen Preis bedeuten dürfte. Den Mißerfolg von Tarrasch erklären wir uns dadurch, daß sein Alter (Mitte der 50 er) den Anstrengungen des TuruierspieleS(täglich acht Stunden) nicht mehr gewachsen ist. Dies sieht man auch aus seinen Partien, in denen er im Anfang die überlegene Stellung zu er- reichen versteht und dann zum Schluß(vierte Stunde der Spiel- fitznng) durch offepsichtliches Nachlassen der GcisleSfrische in ganz unberechenbarer Weise seine Sache verdirbt. Eine Illustration hierzu bietet die nachstehende Partie aus der zweiten Runde (IS. Juli): 14. Sc3— o2 Lc8— eö 16. Lo4Xc6 De7Xe6 16. 54—15 De6— o7 Weiß steht eklatant überlegen und kann den Angiisf mit 17.—§4 1 svilsctzen. Z. B.: 17....... Th8; 18. g5, Th5; 19. h4 ac.(droht fXg6 nebst gXkßf), statt dessen beginnt ein energieloses Manöver von Weiß Vierspringerspiel: S. Tarrasch N. Spielmann. Weiß Schwarz 1. s2— e4 e7— e5 2. Sgl— 53 Sb8— c6 8. Sbl— c3 Sg8— 56 Diese Ansangszüge bestimmen den Namen der Eröffnung. Der Textzug ist allgemein üblich. Jedoch cmpschlcn Wir eher 3..... Lf8— b4I Von den hieraus entstehenden zahlreichen Varianten sei nur als Illustration die solgeude als intcresfantestc er- wähnt: 4. So3-65(4. Lib5, SgeTl); 4..... Lb4— a5; 5. o2— c3, Sgb-56: 6. d2—(14(6. b4, Lb6; 7. a4 kommt in Betrachts; 6..... vöXM; 7. Lei— g5, d4Xo3; 8. b2Xc3, Sf6Xd5 (!?); 9. Ijg5Xd8, SdöXoS; 10. Ldl— c2, KoSXdS nebst cvcnt. Te8 ac. mit starkem Angriff, zwei leichten Figuren und mindestens drei Bauern für die Dame. 4. Lfl— b5 Lf8— b4 B. 0-0 0—0 6. 62-63 67— 66 7. Lei— g5 Sc6— o7 Eine weitere Fortsetzung der Shm- Metrie mit 7...... Lg4 könnte mit 8. LX56 beantwortet werden. Z.B.: 8...... DXf6?; 9- Sdö nebst LXc5 und SXb4. lieblicher als der Textzug ist zu- Nächst der Abtausch aus e3, um die Drohung SdS zu parieren. 8. Lg5Xf6 g7Xf0 fl. Sf3— h4 10. Lb5— c4 11. Sh4Xg6 12. 52-54 13. Ddl-53 c7— c6 Se7— g6 L7Xg6 Kg8— g7 I)d8—o7 17. g2— g3 T58— h8 18. h2— h4 Ta8— 68 19. Kgl— g2 66—65 20. T51— hl 65Xo4 21. D53Xe4 De7-d6 22. g3-g4 g6Xf5 23. g4X55?...... Mit 23. DXfSl hatte Weiß noch ein vorzügliches Spiel 23....... T68— g8 24. Kg2— 53 Lb4— c5! Um Tgl zu verhindern 25. Tbl— b3 Lc5— b6 26. 802—03?...... Weiß übersieht die Drohung OdK— c5, die er sonst mit b2— b4 parieren konnte. 26. 27! De4— e2 28. So3— o4 29. c2— o4? Verhältnismäßig noch Tahl gewesen. 29 30! Se4— g's" 31. K53-g2 32. Kg2— h2? TXb4 verlängerte den Widerstand. 32....... 1)64-54! Ausgegeben.(Weil die Drohung TXbZf oder Lk2 nicht mehr zu parieren ist.) 1)66— c5 Kg7— 58 Do5— 65 am besten wäre 1)65—67 1)67—64 Th8Xh4 Roch der ö. Runde war der Stand des Turniers: Schlechter und Niemzowitsch je 6, Durai 5'/z und eine Hängepartie, Choti» mirskh und Spielmann je 5Vz. Marshall 5, Tartakower 4Vz, Leonhardt, Teichmann und Alekhin je 4 und eine Hängepartie, Salwe 4, Forgacs(Fleischmann) und Speyer je 3'/,, Tarrasch und Koehnlein je 3, John 2'/z. Dates>/» Berichtigung. In der Partie Leonhard-Spielmann(unsere Spalte vom 23. Juli) konnte Schwarz im 26. Zuge das Spiel doch nicht mehr halten, denn auf das bei uns irrtümlich angegebene „26.... Sb6; 27. h5, aXb3u entscheidet 23. hXg6!(nicht „„28. SXb3?) nebst ev. Sg5 usw. Hingegen ist nach den Eröffnungszügen 1.«4, 06; 2. 64, 65; 3. Sc3, 856; 4. Lg5, Le7; 5. eö, 8567; 6. LXe7, VXv?; 7. Ld3, 0— Ol; noch zu merken: 8. 54, o5; 9. 8b5?, e4! z. B. 10. LX�I-(es drohte vbl f und auf 10. 80?, 0X63; 11. 8X�8 geht Sa8 verlöre») 10.... KXb7; 11. So?, SXeö; 12. Obs st, Kg8; 13. DXeö, 806 und Schwarz gewinnt. kleines Feuilleton. Erste Haarschnr. Bei manchen Völkern wurde und wird noch heute mit der ersten Haarschur der Neugeborenen eine symbolische Feierlichkeit verbunden, durch den die Aufnahme des Säuglings in die Gemeinschaft seiner Familie oder seines Stammes gekennzeichnet werden sollte. Im alten Peru fand die erste Haarschur nach der Entwöhnung von der Mutterbrust, etwa mit dem zweiten Lebens- jähre statt, wurde aber ausschließlich an den erstgeborenen Söhnen vollzogen. Zu diesem Zwecke fand sich die ganze Verwandtschaft des Kindes zusammen und wählte unter sich einen zum Paten des Knaben, dieser Pate vollzog die erste Tour des Haarschnitts mit einem Steinmesser, das er dem im Verwandtschaftsgrad nächstfolgenden zur Fortsetzung der Schur über- reichte, und so tat jeder der Versammelten einen Schnitt. War die Schur auf diese Weise vollzogen, so wählten die Verwandten einen Namen für das Kind, und brachten ihm ihre Spenden dar, die aus Kleidern, Haustieren, Waffen, und bei Abkömmlingen aus könig» lichem Hause aus goldenen und silbernen Trinkgcfäßen bestanden. Bei dieser Zeremonie der Jncas des alten Peru ist besonders interessant, daß nicht nur die engere Familie deS Kindes, sondern die ganze Verivandtschaftssippe daran teilnimmt. Dasselbe finden wir bei den Indern, bei denen die erste Haarschur gleichfalls feierlich im Beisein der ganzen Familie vollzogen wird, und einen stark mystischen Charakter trägt. Bei den Indern werden aber neben dem erstgeborenen Knaben ausnahmslos alle Kinder, Knaben wie Mädchen, diesem in streng vorgeschriebener Weise vorzunehmenden. Wciheakt unterworfen. Die ersten drei Scherenzüge werden dabei mit besonderen Sprüchen begleitet, und beim vierten Schnitt wieder- holt der Scherende alle drei Sprüche. Die abgeschnittenen Haare werden auf Camiblättern, die in einer' Schale bereit liegen, der Mutter des Kindes überreicht, die sie darauf auf ein Gefäß mit Stierdiinger streut. Nach Vollendung der Haarschur wischt der Vater das Schermesser ab mit den Worten:„Wenn du mit reinigendem, schöngestalletem Messer als Scherer die Haare schierst, entreiße ihm nicht das Leben". Dann läßt er durch den Barbier nach der in der Familie herrschenden Gewohnheit die Haar- ordnung des Kindes machen. In einigen Familien trägt man»äm- lich nur eine Locke, in anderen drei, in anderen wiederum fünf, auch tragen manche die Locken vorn am Haupte, manche hinten, je nach der in ihrer Sippe einmal angenommenen Gewohnheit. Nach einigen Berichten soll sich die Zahl der Locken, die man stehen läßt, auch nach der Zahl der Ahnherrn richten, die der Vater des Kindes nennen muß. Auch bei dcit alten Jnselkaraiben wurde die erste Haar- schür uach Abschluß der Säuglingsperiode vorgenommen. Eine feierliche Haarschur nach zurückgelegtem zweiten Lebensjahre kannte nian in gleicher Weise in Rußland bis gegen Ende des dreizehnten Jahrhunderts, doch erstreckte sich dieser Gebrauch nur auf Söhne aus fürstlichem Geblüt. Wie wir bei den Indem schon eine nur bestimmten Familienverbänden eigene Haartracht fanden, so tritt uns ähnliches bei den in Gens oder Geschlechter eingeteilten Omaha-Jndianern, Stammverwandten der Sioux entgegen. Diese Omaha zerfallen in zehn Geschlechter, von denen neun ihren Knaben im Kindesalter eine bestimmte Haartracht vor- schreiben. So haben die kleinen Knaben der Jnke- Sabe oder„Schwarzschulter'- GenS, die ihren mythischen Ursprung vom Büffel ableiten, den Kopf geschoren, mit Ausnahme eines rund um den Kopf gehenden Haarkranzes von etwa zwei Zoll Länge. Oben auf dem Kops, über der Ohrgegend, ist jederseitS ein zwei Zoll langes Haarbüschel stehen gelassen. Beide Büschel stellen die Hörner des Bnffalo dar. Bei der Hanga-Gens, die sich eben- falls vom Büffel herleitet, schert man den Kopf der Knaben bis auf einen quer von einem Ohr zum anderen laufenden Kamm, der aus zwei Zoll langen, aufrcchtstchenden Haaren besteht. Das soll de» Kamm darstellen, den der Büffel auf dem Rücken hat. In ähnlicher Weise werden alle die besonders augenfälligen Wahrzeichen der StammeStiere bei den Oinaha nachgeahmt, doch tragen nur die Knaben bis zum Eintritt des JünaUngsolterS diese eigentümlichen Frisuren. �Jeramw. Redakteur: Richard Barth, Berlin.— Druck u. Verlag: BorwgrltBugjdruckeret u.BerltWlanjlaUUaul«Niger lIrE«..Bertut8At.