Interhaltungsblatt des Horwärls Nr. 152. Sonnabend, den 6. August. 1910 l?!°c»dru» perictt») 22] Der Entgleiste. Von Wilhelm Holzamek. Am andern Morgen stieg er dem Schulgewaltigen auf i>ie Bude—«auf die Bude steigen" war der übliche Ausdruck hierfür. Der Monarch saß in seinem großen Sessel vor dem kleinen Schreibtisch, über dem ein Kruzifix und der Stundenplan hing. Er hatte immer die Augenbrauen hochgezogen, weil er gelesen hatte, daß das ein Zeichen von Geist sei. Er rieb die Hände wie ein Barbier, der Schaum schlägt, und fragte: «Was wünschen Sie, mein Sohn?" „Herr Direktor," sagte der Philipp mit unsicherer Stimme,„ich komme wegen meinem verstorbenen Freunde Joseph Löb Herz." „So, Sie waren sein Freund? Sein Freund waren Siel Schön, Herr Kaiser, das habe ich nicht gewußt. Man schätzt den Menschen nach der Wahl seiner Freunde." Der Philipp suchte nach einem höflichen Worte. Er spürte, daß er dem Direktor jetzt eine Grobheit ins Gesicht schleudern müßte, eine Grobheit, die nicht vernichtend genug sein könnte. Aber er hielt an sich. „Was wünschen Sie mir von ihm zu sagen? flötete der Direktor und spielte den gewandten Weltmann und BeHerr- scher, obgleich er ungeschickt und eckig war, wenn er nur aus seiner Schulstube oder seinem Bureau heraustrat. Und wenn nur der Schulrat kam, dann stieß er vor lauter Verlegenheit an jeder Ecke an und kroch so klein um ihn herum— immer mit hochgezogenen Brauen—„gelehrtes Haus!"— wie ein Hündlein, das für jeden Fußtritt seines Herrn dankbar ist. Aber den Schülern gegenüber, da war er gewaltig und mächtig. „Sind Sie Jude?" fragte er, als Philipp noch nicht sprach. Dabei ließ er sich wieder auf seinen Sessel nieder. „Jude? Nein. Ich bin katholisch." „Katholisch— ach ja— und Sie waren bei dem Lehrer Krafft in der Schule früher— in Ihrem Heimatorte. Ach ja." «Ja, Herr Direktor, der alte Lehrer Krafft ist mein ver- ehrter Lehrer gewesen." „Hm, hml—" Der Direktor strich sich über seine hohe Stirne. „Es ist ein schöner Zug der Jugend, daß sie ihre Lehrer verehrt. Es ist der schönste Zug der Jugend, daß sie verehrt." Er sprach den großen Gedanken mit erhöhter Wohl- gefälligkeit aus. „Und was wünschen Sie mir zu sagen wegen Ihres Freundes"— der Direktor betonte das Wort und machte eine dozierende Handbewegung dazu—„wegen Ihres Freundes Herz?" „Herr Direktor, er ist verkannt worden. Nur dies wollte ich sagen: daß er verkannt worden ist. Er war ein armer Mensch, ein Krüppel, ein Kranker, aber ein schöner Mensch und ein guter Mensch. Er hatte keinen schlechten Zug— er war ganz gerade und aufrichtig in seinem Charakter. Ich habe ihn gekannt. Ich fühle, daß ich es ihm schuldig bin. daß ich Ihnen das von ihm sage. Ich bin es mir schuldig." Der Philipp war warm geworden. Der Direktor schmunzelte. „Es ist das Vorrecht der Jugend, nur die Oberfläche zu sehen. Wir erfahrenen Leute sehen tiefer. Ich ehre Ihre Auffassung, Herr Kaiser, aber ich behalte die meine." „Ich protestiere!" „Fassen Sie sich, junger Mann. Die Geschichte kennt Beispiele von schönen Freundschaften. Aber Freunde miissen einander wert sein. Ich habe den kleinen Herz anders erkannt als Sie. Lassen wir ihn ruhen. Von den Toten nur Gutes! Wir breiten den Mantel der christlichen Liebe über die Fehler und Schwächen der Menschen, das ist unser schöner Beruf." Der Philipp verachtete den Direktor unsäglich. „Haben Sie ein Stipendium, Herr Kaiser?" „Nein." „Haben Sie Vermögen?" -„Nein."! „Seien Sie fleißig und geben Sie sich redlich Mühe, da, mit Sie Ihr Studium zu Ende führen können. Ich ehre Ihre Meinung, aber ich kann sie nicht teilen. Ich kann mich nicht von ihrer Richtigkeit überzeugen. Gönnen wir unserem teuren Toten die sanfte Ruhe des Grabes." Der Philipp war entlassen. Er war nicht zufrieden mit sich. Aber auch nicht unzufrieden. Er sagte sich, daß er nicht mehr hätte tun können. Er hätte nur noch den Direktor? beleidigen können. Mit dem Herbst kam er in die Prima— und es waren zwei herrliche Primanerjahre. Man erinnerte manchmal an seine Freundschaft mit dem kleinen Herz— aber es ging ihm doch nicht schlecht. Er bezog zwar nie ein Stipendium, trotz aller Bewerbungen, aber das machte ihm so viel nicht aus. Seine Artikelerei florierte, die Mutter verdiente, er gab ein paar Privatstunden, es war alles knapp, beengt, schwer, aber es ging. Er biß sich durch. Der Eulenmüllerfranz trug seine Narbe auf der Wange, der Philipp trug seinen Riß auf der Hand, und sie waren gute Freunde. Das Dorf hatte sich daran gewöhnt, daß die Emilie und der Franz ein„Verhältnis" mit einander hatten, und als der Herbst dem Eulenmüllerfranz das einjährige Zeugnis brachte und er nach Worms auf die Müllerakademie ging, da trug der Briefträger allwöchentlich ein zärtlich Brief- lein in ein Haus, das hinter einem Garten lag— und am Fenster erwartete ihn ein glühend Rundgesicht, leichte Füße sprangen die Stiege herunter, helle Augen, die glänzten, sahen den grauen Briefträger dankbar an, und gar schöne, sanfte Finger faßten nach dem Briefchen, das er entgegen— und manchmal, er neckte gern— hoch hielt. Und nach einem halben Jahre flüsterte er auch manchmal in ihr rosa Oehrchen hinein:„Frau Eulenmiillerin" und ging kichernd davon— und wenn er sonst am Hause vorbeiging, und nichts hatte— weil auch gar nicht der Tag war,— so rief er laut über die Straße:„Nix für heut!"— und jedesmal freute er sich an dem schämigen Erröten des hübschen Mädchens, das seine Liebe, sein Sehnen und Erwarten und die süßen kleinen Schmerzen und die großen schwärmerischen Freuden so an- mutig trug und sich so begehrlich in ihnen verschönte. Für den Philipp stand sie nun in verehrter Ferne— ein Stern, den man nicht begehrt— und in dem Schönsten, was er empfand, blickte er zu ihr auf, heimlich und ver- schwiegen, ganz in sich verschlossen und mit Scheu und Freundestreue. Die Zeit ging und nahm und brachte. Die Mutter hatte manchmal Reißen in den Gliedern, aber sie fragte nicht da- nach. Sie mußte immer schaffen. Schaffen für zwei, das war ihre Natur so. Lieber tot als Faulenzen! sagte sie. Die alte Lisbeth war noch rüstig. Aber das Spätjahr meinte es nicht gut mit ihr. Sie spürte viel Schmerzen in dem Bein, das auf dem Friedhos lag. Die Leute begriffen das nicht, wenn sie manchmal davon sprach. Aber sie ver- sicherte, daß es so sei. Und manchmal scherzte sie— das Bein wolle wieder seinen Körper haben— und da müsse der Körper zum Bein— weil es doch nicht zu ihm kommen könne. Es sei ja auch Zeit. Alt genug sei sie dazu. Und was ihr das Leben habe geben können, das Hab es ihr gegeben. Wenn der Tod sie rufe, sie gehe leicht. Weihnachten kam— und Fastnacht ging— und Ostern kam wieder nahe— da rief sie der Tod. Er trat vorsichtig und sanft bei ihr ein, mit dem schönen Respekte, der ihr ge- bührte. Er rührte sie sanft an in der Nacht— im Traume, im milden Schlafe. Ihr Holzbein klang am anderen Morgen nicht in den Takt des Lebens, das der Tag sonst brachte. Sie hatte rote Wängelcin und helle Augen— ein weißes Häubchen deckte ihr schneeiges Haar. Die Adern auf ihren Händen waren hoch und dunkel, aber sie waren still und ergeben. Ihre Enkel kamen an ihr Bett, und einem nach dem anderen legte sie die Hand auf den Scheitel. Der älteste fehlte. Da wurden ihre Augen trübe und füllten sich mit Tränen. „Kann er nit kommen?" fragte sie. „Vielleicht kann er kommen, Mutter." „Aber er soll bald kommen— ich muß bald gehen." „Ja,'s ist ihm geschrieben." Und sie siard\n de? nächsten Nacht, sanft und gut, wie 'gute Menschen sterben. Vor ihrem letzten Seufzer lallte sie noch einmal:„Er soll— bald— kommen"— und ihre Hand strich über die Decke und suchte seinen Scheitel. Aber er kam nicht. Mit diesem Schmerze starb sie— sonst war ihre Seele ungetrübt und ruhig, wie eine Kerzenflamme, die vorm Winde geschützt ist. Im Sarge hatte die Lisbeth noch die roten Wangenäpfelchen. Und wie sie dalag, war sie jedem ein Bild des Gutseins. Die Klar saß wieder auf ihrer Treppe und machte einen Kranz. Es gab noch nicht viel Blumen. Da wurde es ihr doppelt schwer. Und sie konnte auch fast nichts tun vor Weinen. Die Gasse war ihr leer. Dann kam der Philipp und brachte einen wunderschönen von Mainz mit, den er von seinem Taschengelde gekauft hatte. Die Gräber vom Krafft und der Lisbeth liegen einander gegenüber— zwischen ihnen ist der breite Hauptweg des Friedhofs— in der zweiten Reihe, auf gleicher Höhe, denn man hat auf der Seite, auf der die Lisbeth ruht, nicht vom Wege, sondern von der Mauer hinten angefangen zu begraben. Auch die vorderste Reihe wurde bald voll. Es war ein böses Frühjahr. Nun mußte man auf der Höhe beginnen, wo der große Ahornbaum steht. Und hier ruht der arme Lukas. Ueber seinem Grabe rauscht die gewaltige Krone des Ahorns. Der Herbst hat ihn daher gerufen. Er liegt ein klein wenig höher— und wenn man in der Friedhofstüre steht, sieht man sein Grab.„Lukas Schlüssel" steht auf seinem Kreuz— nicht wann er geboren, das wußte man nicht. Drum ließ man auch das Datum weg, wann er gestorben. Der Anderbach hat das Kreuz geschrieben und nichts dafür ab- genommen. Er hatte gerade neue Buchstabenschablonen ge- schnitten, als er den Auftrag bekam. So schrieb er das Kreuz mit ihnen. Sie sind breit und groß und stehen so fest und feierlich da, wie für die Ewigkeit. Die Gemeinde hat den armen Lukas begraben— auf ihre Kosten. Er hat aber ein paar hundert Mark hinterlasien, die er sich gespart hat. An seinem Grabe stand eine junge Frau neben einer noch schönen älteren Frau in tiefer Trauer. Man sagte, die junge Frau sei des armen Lukas Kind. Andere wußten es besser— sie sagten, sie sei seine Schwester. Sie hat das Geld bekommen, das er hinterlassen hat, wie es von ihm bestimmt war. Als der Philipp neben dem Spengler vom Friedhof ging, sagte der, indem er auf das Grab des Krafft und das der Lisbeth deutete: „Siehst Du, das ist eine vergangene Welt, die schön war. Der waren die all viel wert. Ob auch unsere Welt einmal einen so schönen Schein haben wird— und ob wir ihr auch einmal so viel wert wie die drei— siehst Du, das hängt jetzt noch von uns ab. Dafür sind wir noch im Leben." Und unterwegs fragte er: „Wie wird's zu Herbst, wenn Du fertig bist?" „Ach," sagte der Philipp,„seien Sie mir still— wie wird's? Die Mutter hängt an ihrem Schullehrer— ich häng an gar nichts Bestimmtem— die Universität kostet viel Geld —die Mutter ist auch alt— ich glaub, ich muß mich sür's Verdienen entscheiden. Ich wär gescheiter Ziegler geworden -- dann wüßt ich nicht weiter. Aber so— wird das ein verfahrener Karren." „Hm, hm." Dann gingen sie nebeneinander her und sprachen nichts. „Ein verfahrener Karrn— sagte der Schlüssel wie als Schlußsatz einer langen Gcdankenkette—„ist auch nicht schlechter wir einer, der auf der breiten Chaussee läuft— es wird ihm nur schwerer— und er kann auch dabei drauf- Sehen. Aber was willst Du—' geht's uns allen anders? Man braucht viel Wagen, die nebenhinaus fahren, bis man jden richtigen bauen kann, der wieder geradeaus fährt." „Ach, seien Sie mir still. Ich danke!" Du dankst? Danach wird nicht gefragt. Das istS ja gerade, daß darnach nicht gefragt wird. Was man am wenigsten will, das muß man am ersten." .„Dann hätt ich einfach Ziegler werden können." „Gewiß— und es wär Dir eines Tages gerad so ge- gangen. Wen's herausholen will, den holt's heraus— ob aus der Lettcnkant oder dem Himmelbett. Eure ganze Schul- Weisheit ist doch arg kurzbeinig. Sie reicht gerade bis zur Krippe aus. Es sollt mir aber um Dich leid tun, wenn Du für nichts anderes da wärst, als für die Krippe. Uebrigens — wenn Du von meinen Büchern haben willst— Du kannst kommen und Dir heraussuchen,"„ „Natürlich will ich." „Sie werden Dir aber schlecht in den Kram passen. Sie sind nämlich nicht aus Deiner warmen Schulbehaglichkeit sie sind aus dem Kampf." Der Schlüssel sah ihn lächelnd an." „Wir kommen jetzt vom Friedhof. Wenn's keine Toten gäb, könnt's auch keine Lebendige geben. Glaubst Du miv das?" Dann gingen die beiden von einander. „Du hättst dem armen Lukas auch einen Kranz kaufen können," sagte die Mutter. „Ja, Hütt ich können— aber die Obstbäume, die deö Lukas gepflanzt hat, die sind sein Kranz— so schön Hütt ich doch keinen finden können." Mutter und Sohn waren ein wenig gespannt und sprachen in letzter Zeit nur gereizt mit einander. Es war wegen des Berufs, den der Philipp ergreifen sollte. Er wollte weiter studieren— sie wollte es nicht leiden. Er müsie jetzt ver« dienen, sie habe genug getan. Und sie könne kein Geld mehr aufbringen. Jeden Tag gab es eine Szene. Im Programm des Gymnasiums stand in der Liste der Abiturienten, daß der Philipp Mediziner werden wollte. Er hatte es so angegeben. Die Mutter gab's nicht zu. (Fortsetzung folgt.)j Station Älanne, 20 Mnuten Hufentbalt. Momentbilder aus dem Jndustriebezirl. Es gibt hin und wieder Wirtshäuser, deren Aussehen von außen wie im Innern zwar ein sehr wenig einladendes, oft ein geradezu reduziertes ist. von denen daS Publikum sich dennoch angezogen fühlt. Der konservative Grundzug, das Festhalten und Sichwohlfühlen am Altcingelcbten, von dem die Masie des Volkes beherrscht wird, bildet die Ursache dieser Erscheinung. Diese Gedanken beschäftigten mich, als ich auf dem Bahnsteig der Station Wanne auf den Zug wartete. Dieses unscheinbare Bahnhofsgebäude, eine schmutzige Baracken- kabache, bewältigt schon seit Jahrzehnten einen Niesenverkehr, wie er sich nur auf den an Eisenbahnknotenpunkten gelegenen Großstadt- Bahnhöfen entwickelt. Doch hier muß das Publikum vor dem oben geschilderten Konservativismus in Schutz genommen, werden, denn dieses Zuströmen ist auf das Bedürfnis berechnet. Der Bahnhof Wanne ist ein Musterbeispiel dafür, wie stiefmütterlich der industrielle Westen, insonderheit der Jndustriebezirl, von der preußischen Eisenbahnverwaltung bedacht wird. Bahnhöfe und Häfen geben das Bild der sie umgebenden Land- striche wieder. Dort ist es die Ver- und Ausladung der Produkte, die das Hinterland abgibt und empfängt, da sind es die Erzeugnisse und der Verbrauch der Industrie, doch das Volksleben auf den Verkehrszentren gibt dem Ganzen erst das richtige Gepräge. Eine gute Veranschaulichung gibt in dieser Beziehung der Bahn« hos Wanne. Welch' ein Gemisch von Nationalitäten flutet auf den PerronS, kribbelkrabbelt in den verrauchten, schmutzigen Wartesälen. Vor allem fallen aus der Masie die polnischen Frauen in ihren bunten Rationalkostümen auf. Ihre geradezu sprichwörtliche Fruchtbarkeit offenbart sich in ihrem Nachwuchs um sie herum, auf dem Arm— der weite Rock läßt nichts verraten. Wenn Frankreich eine polnische Einwanderung hätte, wie der Jndustriebezirk. würde die Frage der Bevölkerungszunahme fast gelöst sein. Nicht selten sieht man unter ihnen recht hübsche Gestalten:„Das Auge der Polin ist gleich der Kreolin.. doch erfordert die allzu plumpe Tracht einen schlanken Körperbau, dessen sie sich doch selten erfreuen. Da geht ein Tirolerbub mit Kniehosen und Gamshut durch die Menge. Sein frisches, kraftstrotzendes Wesen, seine straffe Haltung verrät, daß er noch nicht lange hier im Bezirk weilt. Wenn er erst eine Zeitlang zur Grube gefahren ist. wird seine Kraft schnell dahin- schwinden. Die hübsche Tirolertracht wird er mit einem billigen Warenhausanzug vertauschen und er ist ein Bergarbeiter geworden wie die andern. Zwischendurch schreitet, mit einem Henkelkörbchen am Arm, die einfache Köttersftau, die ihrem Aussehen nach aus dem Münster- lande kommt, um ihren Verwandten, die vielleicht in irgend einem Jndustrieort wohnen, einen Besuch abzustatten. Der Korb birgt jedenfalls Eier und Würste für den Sohn oder die Tochter.— Graziös wiegt sich die noble Weltdame im neuesten Modekostüm. O diese Mode! Wie verrückt sind ihre Einfälle und wie siegreich dringt sie durch; die feststehendsten konservativsten Anschauungen zwingt sie nieder. Sie konstruiert die Bluse mit Oberlicht, läßt durch leichte Gaze oder gar unverhüllt die weiblichen Reize zur Schau tragen. Gegen ste sind die Mucker machtlos. Mit welchen Lugen hätte man die so dekolletierte Dame vor einigen Jahren an- gesehen, wenn sie in einem solchen.Anzüge" die Kirche betreten hätte? Heute gehen die frommen Damen in solchen Kostümen in den Beichtstuhl oder an den.Tisch des Herrn", und kein Pfäfflein vettert. Da spaziert ein.kleines Madel", eben in den Entwickelungs- iahren, mit einem nicht mehr jungen Herrn, der ganz gut ihr Vater sein könnte. Er hat die Kleine sich wohl hierher bestellt. Ihr ärm- licheS Kostüm läßt erkennen, daß sie gesellschaftlich nicht zu ihm ge- hört. Das törichte Kind glaubt vielleicht ein wenig daran, daß sie mal die Frau dieses reichen Kaufmannes, des Herrn DoktorS werden könnte. Er ist ja so gut und lieb zu ihr, nimmt fie mit ins Cafü, kauft ihr Schokolade, ist in allem sehr freigebig, doch nur— vom Heiraten spricht er seltsamerweise gar nicht. Aber das wird schon kommen, wenn fie... Dort steht ein Trupp Leute, die durch ihre gleichmäßig einfache Kleidung und ihr Wesen die Zusammengehörigkeit erkennen lassen. Männer wie Frauen tragen mächtige Gebetbücher in der Hand, und aus ihren Augen stiert ein Anflug fanattscher Religiosität. ES ist ein ostpreußischer Gebetverein, Mitglied irgend einer Sekte, die im Osten so häufig sind und hier die Gebetsmühle weiter treten. Der Musiker einer Bergmanns kapelle schleppt sich mit einem Brumm- baß herum. Die übrigen Mitglieder, sämtlich' in Bergmanns- uniform, tragen ihre Jnjttumente bei sich. Auf irgend einer Fest- lichkeit sollen sie zum Tanz aufspielen.— Ein einzelner Mann mit einer Knappenvereinsmütze erweckt in mir ein Lächeln; wie ein Sonderling kommt er mir vor. Einen Augenblick geht mir die über- lebte KnavpenvereinSbcwegung durch den Sinn, da seh ich die weh- leidigen Gestalten der Heilsarmee mit ihren verregneten und ver- schosfenen Uniformen. Ein junger Bursche renommiert zum Zeichen, daß er zum.Kommiß" ausgehoben ist, mit der eigenen Soldaten- sonntagshole herum. Ein Kommando Unteroffiziere und Gemeine, die einen Transport ausgeführt haben, wartet ebenfalls aus den Zug. Der künstige Rekrut mißt die.Spinner" mit argwöhnischen Blicken. Die werden ihn Mores lehren.... Ein Kapuzinerpater im OrdenShabit, mit gesundem, frischem, sorglosem Auslehen, eine Krankenschwester, die von einer Kranken- wache gekommen, bleich und verhärmt, eine für die Welt verlorene Schönheit. Ob sie nicht zu viel auf sich geladen? Italienerinnen mit schwarzen Glutaugen und nachlässiger Eleganz schreiten gestikulierend an der Sette ihrer Männer, die den zerknitterten Hut auf ein Ohr gesetzt haben. Holländische Erdarbeiter in Arbeits- kleidung, mit ihren runden schwarzen Kappen, stets die Mütze im Munde. Es kommt neuer Zuwachs. Ein Zug ist eingelaufen, der neue Menschenmasien herangeschleppt hat, doch das Bild nicht wesentlich verändern kann. Ein Trupp Kroaten in lehmbeschmutzter Werttags- kleidung, stellt doch bunteren Zuwachs dar. An den Füßen tragen fie noch teilweise die hausbacken aussehenden Erzeugnisse heimischer FußbekleidungSkünstler. Den ganzen Haushalt, bestehend auS einem Kochkessel, einer Bratpfanne und einem Wasjernavf sowie Arbeits- gerät: Spaten, Hacken und dergleichen führen fie mit. Sie benutzen den Sonntag zum Umzug, um zu einem anderen Unternehmer überzusiedeln. Ein trauriger Anblick, der von der Rückständig« und von der»verdammten Bedürfnislosig- keit" der fremden Arbetter Zeugnis gibt. DaS ist nun der Sonntag dieser Leute. Jetzt kommt Bewegung in die Menge. Ein Bahnbeamter schreitet den Rand des Perrons entlang. Ein V-Zug läuft ein. Einige Fahrgäste steigen aus und ein, die Masse bleibt davon unberührt. Dann fährt auf einem anderen Geleise ein Personenzug vor. Eine nervöse Unruhe bemächtigt sich der Menge. Lausen, Hasten, Kinder- geschrei, ein Raufen um die Toupss der 4. Klasse. Dann ist wieder Ruhe eingetteten, die Fahrgäste sind untergebracht. Der Zug setzt sich in Bewegung. Auf dem Bahnsteig jenseits des Stationsgebäudes ist wieder ein Zug eingelaufen. Kellner laufen mit Bier und Eß- waren, Zeitungsjungen schreien. Dann läuft auch mein Zug ein. Ein kurzer Ellbogenkampf und ich habe einen Play.... � feuere geologilcbe Literatur. Der Popularisierung der Astronomie und Entwickelungs- geschichte ist nun auch die Geologie gefolgt, die dank der schwierigen Fachausdrücke relativ lange als Domäne der Spezialgelehrten sich erhalten konnte. Das Bedürfnis der Laienwelt, auch in dieses Gebiet einen Einblick zu bekommen, hat auch da in die Mauer der Fachgelahrtheit Bresche geschlagen, und wir haben in den letzten Jahren eine ganze Menge leicht verständlicher Werke erhalten, die uns in die Probleme der Geologie einführen. Verschiedene Verlage, wie Teubner, Quelle u. Meyer, Göschen, Strecker u. Schröder, Zickfeldt, Thomas. Kosmos u. a., suchen sich in populären Dar- stellungen zu überbieten, was im Interesse der Güte und Brauch- barkcit nur zu begrüßen ist. Aus der Fülle der Neuerscheinungen feien im folgenden einige hervorgehoben. Ein sehr glücklicher Gedanke war die Herausgabe einer Vor» schule der Geologie, wie fie von Prof. Joh. Walthey im Verlag von Gust. Fischer-Jcna nun schon in dritter Auflagt erschienen ist. Das verhältnismäßig billige Buch(Preis geh. 2,bOt gebunden 3,20 M.) ist gedacht als eine gemeinverständliche Ein-> führung und Anleitung zur Beobachtungen in der Heimat undj zeigt einen glücklichen Weg, die geologische Wissenschaft allgemein». verständlich darzustellen. Ihre Grundprobleme werden behandelt! und am Schlüsse jedes Kapitels eine Reihe von Uebungsaufgabenl gestellt. Damit begnügt sich aber der Verfasser noch nicht; das! Buch enthält außerdem ein überaus reichhaltiges Literaturver» zeichnis sowohl für die Geologie im allgemeinen, als auch fürt die einzelnen Länder und Landschaften, ferner ein dem Laien sehr! dienliches Wörterbuch mit Erklärung der geologischen Fachaus» drücke und eine Anleitung zum Lesen geologischer Karten, die zuq Kenntnis des geologischen Aufbaus und der geologischen Ent» Wickelung einer Gegend unerläßlich sind. Das Buch ist in hohenH Maße geeignet, der Geologie neue Freunde zuzuführen. Von dem» selben Verfasser erschien im Verlage von Veit u. Co., Leipzig, eing „Geschichte der Erde und des Lebens"(Preis gebd. 14 M.), die neben dem bekannten Reinhardtschen Werk.Vorw Nebelfleck zum Menschen" besonders den Bibliotheken zur An» schaffung empfohlen werden mag. Es ist wohl neben der für denl Laien doch allzuschwer verständlichen.Erdgeschichte" Neumayrsl das beste Handbuch der Geologie, das wir zurzeit besitzen, und gibii dem, der sich schon etwas mit diesem Wissensgebiete beschäftigt! hat, einen ausgezeichneten Ueberblick über den heutigen Stand deiz Forschung. Wer Thüringen kennen lernen will, der sei auch aus) W a lt h e rs„Geologische H ei ma tsku n d e von Thü» ringen"(Verlag Gust. Fischer-Jena) hingewiesen, das für den! angehenden Freund der Geologie bestimmt ist, ihn in einem! geologisch außerordentlich interessanten Gebiet zum eigenen Beob» achten anregt und ihn dabei gleichzeitig mit den wichtigsten geyltzs gischen Tatsachen und Theorien vertraut macht. Vulkanismus und Erdbeben find durch eine Reihe von Publi» kationen vertreten, was angesichts der letzten gewaltigen Kata» strophen dieser Art leicht begreiflich erscheint. Leider ist eine grotzq Anzahl darunter von sehr problematischem Wert, und der Laie! tut gut, da nicht auf jedes�urschreienden Farben gehaltene Titel» bild hereinzufallen. Sehr fesselnd geschrieben unter ausgiebigey Benutzung der Originalberichte ist das in der Sammlung„Natur, wissenschaftliche Wegweiser" im Verlag Strecker u. Schröder-Stutt» gart erschienene Bändchen: I. B. Messerschmitt,„Vulka» nismus und Erdbeben"(Preis geh. 1 M.). Eingehenden behandeln das Thema die beiden im Verlag von A. W. Zickfeldt» Osterwieck erschienenen Monographien, die von dem verstorbenen W. von Knebel früher veröffentlichte über„V u l k a n i s, m u S" und die soeben herausgekommene von Böse über„E r d» beben"(Preis kart. a 1.7S M.>. Sehr ausführlich ist die„E r d» bebenkunde" von Dr. Edwin Hennrg, dem auch in den Berliner Arbeiterschaft durch, seine Museumsführungen bekannten Assistenten am Naturkundemuseum(Sammlung„Wissen und Können", Verlag Ambr. Barth, Leipzig. Preis 4M). Das Buch wendet sich nicht an den Fachmann, sondern an weitere Kreise deg Publikums; dabei behandelt es die Probleme durchaus wissen- schaftlich und berücksichtigt vor allem die neueren Ergebnisse den Forschungen. Sehr viele Vorkenntnisse setzen die beiden neuen Bändchen der Göschensammlung über„P a l ä og e o g ra p h i e" von Dr. Koßmat und„P a l ä o k l i m a t o l o g i e" von D r. E ck a r d t voraus. Der Verlag Göschen will bekanntlich„unser heutiges Wissen in kurzen, klaren, allgemein-verständlichen Einzel- darstellungen" dem Volke vermitteln. Von Leichtverständlichkeit kann, so interessant der Gegenstand ist und so wünschenswert eins populäre Darstellung wäre, bei den beiden vorliegenden Bändchen im Vergleich etwa zu dem von Fr aas über„Geologie" kcins Rede sein. Sie sind höchstens für den Studierenden der Geologie, aber nicht für den Laien zu gebrauchen. Nicht ganz leicht zu verstehen, wenigstens nicht ohne Be» hcrrschung der geologischen Fachausdrücke, ist das soeben erschienene Buch von Dr. R. Neinisch,„Entstehung und Bau den deutschen Mittelgebirge"(Leipzig, Verlag Dieterich, Preis 3,50 M.). Aber es füllt eine Lücke aus, die bis heute bc- standen hat. Die Ursachen der Oberflächengestalt des norddeutschen Flachlandes sind von Wahnschaffe, Keilhack u. a. eingehend und klar behandelt worden; für die deutschen Mittelgebirge fehlte bislang eine entsprechende Darstellung. Wir geben zu, daß es schwer ist, ein so umfassendes Gebiet in gedrängter Form zusammenzufassen und dabei doch gemeinverständlich zu bleiben, aber wir können uns nicht verhehlen, daß Reinisch an mineralogischen Details zu» viel bringt, was nur dem Fachgelehrten bekannt ist und diesen allein interessiert, die historische Geologie aber allzusehr zurücktreten läßt, und das gerade ist es, worauf sich das Hauptinteresse kon» zentriert. Das wäre für eine Neuauflage zu berücksichtigen, ebenso wie eine Beigabe von Abbildungen der wichtigsten Leit- fossilien sehr erwünscht erscheint. Dtm geologisch Geschulten ist das Buch für das bezeichnete Gebiet von großem Nutzen, auch für die Erkenntnis d«S Zusammenhangs zwischen Siedlungsformen. Er- werbstätigkeit, Verkehrsverhältniffen usw., also der ganzen Wirt» schastlichen Struktur einer Gegend mit ihrer geologischen.> In das Gebiet der von der Geologie nicht zu trennenden Paläontologie(Versteinerungskunde) fallen y. a. zwei Puhlikge — 608- honen, deren hier Erwähnung gekan werden soll. Im Verlage von E. Schweizerbart-Stuttgart erschien eine deutsche Uebersetzung des französischen Buches von Charles Deperet über ,,D i e U m> bildung der Tierwel t", eine EinsührunZ in die Entwicke- lungsgeschichte auf paläontologischcr Grundlage(Preis 2,80 M.). Professor Frech hat dieses Buch für das Beste erklärt, was über die Deszendenzlehre vom geologisch-paläontologischen Standpunkt aus bis jetzt geschrieben wurde. Die Paläontologie ist, was bei der Schwierigkeit des Gegenstandes besonders anerkannt werden mutz, lhier in allgemein-verständlicher und wissenschaftlich durchaus ein- wandfreier Weise behandelt. Der Verfasser schreckt ebensowenig vor dem Ziehen der nötigen Konsequenzen zurück, wie er sich von phantastischen Seitensprüngen und vagen Kombinationen fern- chält; das schließt natürlich nicht aus, daß man in manchen Dingen anderer Meinung sein kann als er. Ueber die„Entwicke- lungsgeschichte der Pflanzenwelt" in den verschie-- denen geologischen Zeitaltern unterrichtet uns Dr. W. G o t h a n (Verlag Zickseldt-Osterwieck. Preis kart. 1,75 M.). Bisher hat dieses Spezialgebiet noch keine populäre Darstellung erfahren, was bei der Seltenheit fossiler Pflanzen und ihrem in der Regel schlechten Erhaltungszustand nicht weiter zu verwundern ist. Von demselben Verfasser erschien soeben im Teubnerschen Verlag ein Buch, das für die Bewohner Verlins und der Mark von be- sonderem Interesse sein dürfte,„Botanisch-geologische Spaziergänge in der Umgebung von Berlin"(Preis 1,80 M.). Gerade die Herausgabe von lokalen geologischen Füh- rern, wie sie unter anderem in letzter Zeit in rascher Aufeinander- folge für Danzig, Frankfurt a. M., Heidelberg usw. herausgebracht wurden, beweist, daß das Publikum nach solchen Führern verlangt. Die Verleger haben für so etwas eine feine Witterung. Ter Gothansche Führer ist nun nicht in erster Linie vom geologischen Standpunkt aus geschrieben; der spielt eigentlich nur eine Hilfs- rolle, wenn er auch eine sehr eingehende Behandlung findet. Dem Verfasser kam es vor allem darauf an. dem Benutzer eine allererste Einführung in die Kenntnis der Pflanzenvereine, der Lebens- gemeinschaften der Pflanzen zu geben. Der Anfänger in der Botanik— hinzuzufügen wäre: jeder Naturfreund— soll daran gewöhnt werden, nicht Pflanzen zu. sammeln, sondern sie in der Natur, ihrem Vorkommen und ihren Vegetationsbedingungen nach zu beobachten. Denn es muß immer und immer wieder von neuem gerügt werden, wie sehr das Publikum noch durch unnützes Aus- raufen und Abpflücken die Pflanzcntvelt und damit die Natur fchädigt, so daß an manchen Stellen in letzter Zeit seltene Pflanzen völlig ausgerottet worden sind. Der botanische Gesichtspunkt, nicht der geologische, war auch für die Auswahl der zu besuchenden Ge- biete maßgebend; allerdings fallen beide meistens zusammen. Die Exkursionen— es sind deren neun— sind auf die Monate ver- teilt, in denen sie am zweckmätzigslen gemacht werden. Die An- gaben über einzuschlagende Wege, Standorte von Pflanzen, Bor- kommen von geologischen Erscheinungen usw. sind sehr ausführlich gehalten und, verschiedenen Stichproben nach zu urteilen, sehr zu- verlässig und erleichtern daher die Orientierung ungemein. Das Buch sollte in der Tasche keines märkischen Touristen— und diese Zunft ist jetzt erfreulicherweise sehr groß geworden— fehlen. eg. Schach. Unter Leitung von S. A l a p i n. adodvt�Ii ab ode£ g h E m. Lasier. Weiß zieht und gewinnt. Hamburger M e i st e r t u r n i e r. Nach der 15. Runde war der Stand(die Zahlen in Klammern bedeuten Hängepartien): Schlechter Iv'/z(1), Niemzowitsch 9'/z, Duras 9(!), Spielmann 9, Teichmann 8'/,(1), Marshall 8, Alekhin, Tarrasch T'/a, Chotimirski, Forgaez(Fleischmann) 7, Tartakower 6, Köhnlein, Leonhardt 5>/z(l), Salwe ö'/j, John, Speyer i'/s, Dates 2. An der Spitze steht Karl Schlechter, der mindestens 12 Points erreichen dürfte, worauf kaum einer seiner Konkurrenten Aussicht bat. Große? Aufsehen erregt der Erfolg eines ganz jungen Russen au» Riga, Herrn Niemzowitsch, der einstweilen an zweiter Stelle steht, aber nur noch eine Partie vor sich hat, während Schlechter und Duras außer der Hängepartie noch je zwei Partien zu spielen haben. Wir bringen heute von ihm eine Partie, um seinen SpieltypuS zu charakterisieren. Folgende in der dritten Runde(20. Juli) zwischen Marshall (Weiß) und T a r r a s ch(Schwarz) in Hamburg gespielte Partie macht jetzt die Runde in den meisten Fachblattern, weil sie in theoretischer Beziehung sehr belehrend ist. 1. v2— s4, e7— e5; 2. d2— dl, eoXdt; 3. Sgl-I3(DXdll), Sb8-c6(d7— d5!; 4. LI1— 04.(Hiermit entsteht das sogenannte.Schottische Gambit', so genannt zur Unterscheidung von der.Schottischen Partie', die durch 4. SXd4! erreicht wird.) 4..... Lf8— c5.(Leichteres Spiel gewährt: 4...... SfO, z. B.: 5. 0—0, SXo4!; 6. Tel, d5; 7. LXd5, DXd5; 8. Sc3, Df5 1; 9. TXeif— nimmt der Springer den Springer, so folgt Le7!— 9...... Le6!; 10. 8Xd4, SXd4 nebst Lc5 2C.) 5. 0—0, Sg8— f6(Vorsichtiger dt— d6! Der Textzug gestattet dem Gegner einen lebhaften Angriff.) 6. e4— e5, d7— d5; 7. e5Xl6, d5Xc4; 8. Tfl— elf, Lc8-d6; 9. Sf3— g5! (Nicht etwa 9. fXg7, Tg8; 10. Sg5, Dd5; 11. Sc3, Dfö; 12. Se4, Lo7! und Schwarz steht besser.) 9...... Dd8— d5(Siehe die Bemerkung zum Schluß dieser Partie.) 10. 8dl— o3, Dd5— 15; 11. Sc3— e4.(Dies ist eine allbekannte Stellung, in der Schwarz üblicherweise mit IAO fortzusetzen pflegte. Dr. Tarrasch probiert jedoch eine in letzter Zeit aufgekommene Neuerung.) 11...... 0—0—0( I?) 12. Sg5Xe6.(Der Erfinder des Zuges 11...... 0—0—0 rechnete nur mit: 12. g4, De5; 13. Sf3, Dd5; 14. fXg7, Lgl; 15. gXbS, TXhS; 16. 816. DXf3; 17. SXgO DXdl; 18. TXdl, Tg8; 19. h3, li5; 20. Kg2, 15; 21. 13, fXgl; 22. fXg4, hXgl; 23. h4, Sb4 2C. Jedoch Marshall spielt anders.) 12...... f7Xe6; 13. g2-g4, Df5-e5; 14. 16Xg?. Th8— gS; 15. Lei— h6, d4— d3; 16. c2— c3, Lc5— d6.(Besser Le7. Am stärksten war jedoch 16...... d2!; 17. Te2, Lb6 2C.) 17. f2— 14, De5— d5; 18. Ddl-13, Ld6-o7; 19. g4— g5, Dd5— 15; 20. Se4— g3, 1)15—17(Dh3!); 21. DI3-g4, Td8— e8; 22. Tel-e4, b7— b3; 23. a2— a4, a7— aö; 24. a4Xb5, a6Xb5; 25. Kgl— g2, Sc6— dS?; 26. I)g4-I3, LH— gC; 27. T©4-d4!, o7— c6; 23. Td4Xd8t! Ausgegeben.(28...... KXd8; 29. DXc6 mit der Drohung Ta8ch) In theoretischer Beziehung ist die Stellung nach dem nennten Zuge von Weiß in obiger Partie beachtenswert. Am stärksten ge- ichicht hier 9...... g7— g6!(statt.9...... Dd5". wie in der Partie.) Es kann folgen: 10. vdl-13!(10. SXeO, IX e6; ll. TXe6, K17 ist für Schwarz günstig.) 10...... 0—0!; 11. TelXcO!(11. DI4, Te8; 12. 3X�7. LI5!; 13. TU, To4 2C. Oder: 11. D14, Te8; 12. Dh4, h5! ec.) 11...... I7Xo6: 12. 16-f7t, Kg8— li8!; 13. D13— h3(13. SXe6, De7; 14. Lgö, vXk?!; 15. DXn, TXf: 10. SXc5, TIS; 17. Se4, Tc3 ec.) 13..... h7-h5; 14. g2— g4(Auch hier ist 8X06 oder VX06 ivegen der Antwort Do7 werllos.) 14...... Lc5— e7; 15. g4Xh5(15. SXe6, Dd5; 16. gXh5, DXh5 2C.) 15...... Le7Xg5: 16. hSXgOf, Kh3— g7; 17. Dh3-h7t, Kg7— fO; 13. LclXgSf(13.£4, LXf4: 19. LXf4, ThS 2c.) 18...... Kf6Xg5 Weiß hat keine genügende Fortsetzung des Angriffs, z. B.:' 19. hlf, Kf6; 20. Dh6, Th8; 21. Dg5f, Kg7 und Schwarz gewinnt. Wir bringen diese Ausführung, weil eS sich um eine beachtenswerte, allbekannte Stellung handelt, die aus mehreren Eröffnungen hervorgehen kann. S ch o t t i.s ch e Partie. Am 21. Juli im Hamburger Meister- turnier gespielt. Niemzowitsch Weiß 1. e2— e4 2. Sgl—£3 3. d2— d4 4. Sf3Xd4! 5. Sbl— c3 6. Sd4Xc6 _ 7. Lfl— d3 8. e4Xd5 Spielmann Schwarz e7— e5 Sb8— c6 e5Xd4 Sg8—£61 Lf8— b4 b7Xc8 d7— d5 c6Xd5 Leichteres Spiel gewährt 8...... SXdo! 3 B.: 9. Ld2. SXc3; 10. bXc3, De7t mit Ausgleich: 9. 0—0 0—0 10. Lei— g5 c7— c6 Allgemein«blich. Jedoch dürste 10...... LXc3; 11. bXc3, Dd6 einsacher sein. 11. Sc3— e2 Tf8— 08 Ju Betracht kam Lg4 nebst event. Lg4— h5— g6 2c. 12. Se2— d4 Dd8— d6 13. Ddl—£3 Sf6-e4 Lc8— d7 Dd0— gh Lb4— d6 Te8— o7 c6— c5 d5— d4 Ld7— c6 Ld6Xf4 Se4Xg3 Dg6— e6? 14. Lg5-e3 15. Tal— dl 16. h2— h3 17. Lo3— ol 18. c2— o4 19. Sd4— e2 20. Lei—£4 21. Se2— g3 22. D£3Xf4 23. f2Xg3! Bester war Le4 24. Df4—£5! 25. Df5Xc5 26. Kgl— h8 27. Tfl—£4 Verhältnismäßie Weiß nutzt den f elegant aus. 28. Ld3Xg6! TeO— e2 Oder 28..... hXg6; 29. X£Xd4 29. Lg6Xnt Kg8-g7 29..... vXk? scheitert an 30. Dg5+I nebst DXdSf je. 30. Dc5— g5t Kg7—£8 31. L£7— höf Aufgegeben. g7-g6 Ta8— d8 De6— d7 Te7-e6?? besser war vb7. ehler im Text sehr Die Abteilung.Zentrum" des Berliner Arbeiter-SchachklubS hat Spielabend jeden Dienstag bei Boß, Klosterstr. 101. Gäste willkommen. verantwortl. Redalteur: Hans Weber, Berlin.— Druck u. Verlag: Vorwärts Bua�ruckerei u-BerlagsaiigaUPaui Singer L-Co..Bertm8�.