Unterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 157. Sonnabend � den 13. August. 1910 .tJiafflSro« tntottxf 271 Der Entgleiste. Von Wilhelm Holzamet. 4. Die Feuchtigkeit des Herbstmorgens duftete stark. Die Nebel hingen an den Hängen. Die Ebene war verhüllt. Der Wald rauchte. Und nun goß sich ein fahler Schein über das ganze Land. Die Sonne wollte noch einmal der Jahreszeit trotzen. Es würde ein schöner Tag werden. Ein heller Herbst- tag in seiner eigenartigen Mischung von Freudigkeit und Sterben, wo das Land ganz klar liegt, wie ein aufgeschlagenes Buch, darin man lesen kann. Darin gar nichts mehr Verborgenes und Verstecktes ist, alles offenbar und geklärt. So wie ein Mensch auf dem Todesbette liegt und öie ewige Nacht seinen kurzen Tag umgeprägt hat zu dem Festen und Bleiben- den, das sein Eigenes ist. Das unvergänglich in der Welt weiterlebt und im Leben wiederkehrt, ein Unverlorenes und Unverlierbares im Guten wie im Bösen— fruchtbar für ein neues Leben, das hinter den Dingen wartet. Denn hinter allem Vergangenen und allem Seienden liegt ein Kommendes. In den schönen und klaren Herbsttagen kündet es sich an, da fühlt es in die gestorbene Welt hinein und überglänzt sie mit ihrem Schein und Schimmer. Darum diese seltsame Mischung von Freude und Traurigkeit, die einen so eigen erfüllt und berührt und so frühlingsähnlich wirkt, nur mit einem viel ferneren, ungewisseren Erwarten. Der Philipp machte heute einen Umweg in die Schule. Er hatte die erste Stunde frei und wollte sie im Freien zu- bringen. Er ging durchs Feld— er bog in den Hohlweg hinein, der zum Walde führte, und er stand dann am Wald- rand und sah ins Land. Die Rinde der Buchen duftete scharf, die Tannen hatten einen vollen, fast muffigen Geruch. Und immer klarer und schärfer zeichneten sich die Formen der Land- schaft. Drüben die Hiigel, der Wald, der nach der anderen Seite an ihnen hinabstieg und nur mit seinen Tannenspitzen über sie herübersah, die Stangen der hohen Pappeln in den Wiesen, die Ufer des Baches, die kein weicher Graswuchs modelte, und alle Wege, die so klar lagen. Klare Wege in die Welt hinaus— nach allen Seiten—, dort die Hügel hinaufsteigend, hier im Zickzack durch die Ebene führend— nach dieser Seite hin in das Tal einmündend, dessen Dächer hinter den Sandhügeln glänzten und dessen Kirchturm ein Wahrzeichen in der Ebene war, hochragend, von allen Seiten sichtbar. Der klare wachsende Tag, der in seinem Wachsen sich immer mehr klärte, gab dem Philipp den Gedanken ein, das Lesestllck, das er zum Lesen aufgegeben, heute in der deutschen Stunde nicht durchzusprechen, sondern vom Herbste zu unter- richten und das Bild zu schildern, das sich hier zu seinen Füßen breitete, damit die Schüler Augen haben sollten und Augen bekommen sollten, wenn sie dem all selbst gegenüber- stünden, heute und morgen und alle Tage. Mit diesem Gedanken stieg er den Hang hinab. Er ging oben am Rande des Hohlwegs, den er gekommen war, um seinen Blick weit zu behalten. Der rote Bau des Schulhauses hob sich deutlich heraus, sein blaues Schieferdach glänzte, und das Rot der Steine war durch die Hcrbstfeuchtigkeit satter und dunkler geworden. Der Philipp fühlte gar nichts Feindliches gegen den Bau heute. Feindlich hatte er ihn den ganzen Sommer lang gefühlt, wenn er hart und glänzend in der Sonne gestanden hatte, wenn das Licht an seine Mauern ge- prallt war und seine große, plumpe, schwere Festigkeit be- stürmt hatte. Aber nun. desto näher er ihm kam. se mehr lud er ihn ein, desto freundlicher und wohnlicher erschien er, trotz der festen und langweiligen, ja langatmigen Ordnung seiner Fensterrcihcn, dem hohen, gebietenden und streng-starren Eisengitter und dem schweren, großen Tor, das immer ge- schlössen gehalten wurde und jeden unerbittlich festhielt in seinem Zwang, der einmal dadurch eingetreten war. Im Konferenzzimmer war es noch leer. Dann die ersten Schritte auf dem Gang, und die hohe Kollegschast trat nach und nach ein. Der Altphilologe kramte nun seine Wichtig» leiten aus, der Mathematiker ereiferte sich, daß die halbe Klasse eine Formel falsch angewandt habe, der Neuphilologe setzte sich hin und korrigierte Hefte, während er beständig große Brocken an seinem belegten Brote abbiß, ein junger Assessor übte sich im Nachschlagen und durchstöberte die ganze Handbibliothek, und Philipp stand am Fenster und sah hinaus in die Landschaft. Dann huschte der Direktor durchs Zimmer und legte ein neues Zirkular— er war stark in Zirkularen— auf den „Tisch des Hauses" nieder, und alle verneigten sich sehr devot und schweigend vor ihm, der Altphilologe vergaß sogar voll- kommen seinen Eifer und den„Nepos" und machte ihm die Türe auf, so daß der Neuphilologe nachher die giftige Frage an ihn stellte:„Sind Sie der Türhalter des Herrn Direktors, Herr Kollege?" Der Neuphilologe war der einzige gewesen, der sich durch den Eintritt des Herrn Direktors nicht hatte stören lassen. „Man kann verschiedener Auffassung über die Höflichkeit sein, Herr Kollege Karl," replizierte der Altphilologe. „Auch über die Männlichkeit und Selbständigkeit," er- widerte der dann. „Auch, Herr Kollege," gab der Altphilologe ihm einen feinen Treff. „iZuod erat demonstrandum"(Was zu beweisen war), höhnte der Neuphilologe dagegen und tat ostentativ einen großen Biß in sein Butterbrot. Der Philipp hatte sich am Fenster herumgedreht und stand nun noch so da, mit der Nouleaukordel spielend. Er sah sich die Männer an, die nun seine Kollegen waren. Es war ihm nicht möglich, eine spöttische Miene zu unterdrücken. Und er dachte: Herrgott, das sind die Leute, die einen so viele Jahre lang tyrannisiert haben. Die immer ihren starken Willen über einen hielten, und vor denen man sich geduckt hat, als seien sie allmächtig, und die Entscheidung über Sein oder Nichtsein sei ihnen in die Hand gegeben. Und sie ist ihnen auch in die Hand gegeben sehr oft. Leider. Und manchen haben sie auf dem Gewissen- Leider. Und wenn es mancher wüßte, wie schwach und läppisch, wie kleinlich und unselbständig, wie einfältig und unterwürfig sie sind, mancher würde sich gegen sie aufbäumen und seinen besseren Wert, wie ungepflegt und ungewachsen er auch noch sein mag, gegen ihren engen Drill und ihre Borniertheit setzen. Er war in feinem ganzen Empfinden noch Gymnasiast und stand ganz und gar auf der Seite der Schüler. Und so einer mußt du auch sein— und so einer mußt du auch werden— und bekommst nie eine volle Geltung vor denen, weil sie dir mit ihren akademischen Graden und Stem- peln über sind und dich immer danach einschätzen und von ober herab behandeln werden.— Er zog sich die Rouleauschnar fester um seine Finger. Dann kam es schmerzlich über ihn, das ganze Leben hinzu- schmeißen und Hacke und Karst zu nehmen und draußen auf dem Freien zu schaffen und zu schuften, wie die Mutter in der Lettcnkaute und am Ziegeltisch, und sich vor keinem Men- schen zu ducken, vor keinem hohen und keinem niederen, und die ganze Stellungsärmlichkeit und Beamtenbettelei recht aus Herzensgrund zu verachten. J Es klingelte. Der Altphilologe riß seine Bücher an sich und rannte davon— der Neuphilologe machte in Gemüts- ruhe noch ein paar rote Striche und kaute sein belegtes Brot auf beiden Backen fertig, der Mathematiker sah noch einmal die Buchzeichen in seinem Lehrbuche an, klappte es zu, sagte „Guten Morgen" und ging, der Assessor stellte seufzend das sranzöfische Wörterbuch aufs Regal und kratzte sich hinter den Ohren, nahm aber sofort eine hochmütige Miene an, als er auf den Gang hinaus trat. Und schließlich ging auch Philipp. Als er auf der Schwelle seiner Schulstube stand, war er in sich unentschlossen, was er heute durchnehmen sollte, die Auf- gäbe oder was er beabsichtigt hatte in der Anregung seines Morgenganges. Er stieg auf das Katheder und ordnete das rein Geschäftsmäßige des Stundenanfangs, um sich danach zu entschließen, was er eigentlich vornehmen wollte. Er klappte das Klassenbuch zu. da trat der Direktor herein. Er kam immer ziemlich brüsk, ganz im Gefühl« seiner Ueberlegenhcit und Macht. Dem und jenem Schuler warf er ein paar strenge Augen hin— hier zupfte er einen zurecht und auf einen anderen, der noch nicht gerade wie eine Puppe saß, schritt er zu, zog die Augenbrauen hoch und sagte in streng wohlwollendem Tone:„Du bist wohl unordentlich — und willst wohl gestraft werden? Du wirst dich wohl hetzt gerade hinsetzen und aufmerksam sein?" Philipp begann seinen Unterricht. Wahl hatte er jetzt keine mehr- Er unterrichtete in unlieber Stimmung. Der Direktor saß auf seinem Stuhle und machte sich beständig Notizen. Die Schüler schielten zu ihm hin und waren innerlich über ihren Lehrer belustigt. Sie merkten es wohl, daß jede Notiz des Direktors einen Tadel für ihren Lehrer bedeutete. Und der Direktor ließ seine Mißbilligungen im einzelnen deutlich merken. Der Philipp war kein großer Methodiker. Das wußte er selbst. Woher sollte er es auch sein? Seine Methode nahm er aus seiner eigenen Schülererfahrung— das, was ihm bei seinen verschiedenen Lehrern als gut vorgekommen war, suchte er anzuwenden— manches vom alten Krafft, manches von seinen Mainzer Lehrern, und offenkundige Feh- ler, die sie als Schüler bemerkt und besprochen hatten, suchte er zu vermeiden. Die Stunde war um. Der Direktor erhob sich und entließ die Schüler. Der Philipp machte seinen Eintrag ins Klassenbuch. „Mit Ihrer Methode kann es nicht so weiter gehen, Herr Kollege!" bemerkte der Direktor. Der Philipp blieb stumm. „Sie stellen kaum eine richtige Frage. Und viel �u viele Entscheidungsfragen- Diese entsetzlichen Ja- und Nein- antworten." Dann ging er Punkt für Punkt seine Notizen durch. „Ihr Unterricht ist durchaus ohne Methode, kann also niemals erfolgreich werden. Sie machen die gröbsten päda- gogischen Schnitzer mit Grazie od inünitnm," proklamierte der Direktor. Philipp kam ganz und gar wieder in die Stimmung wie vorhin im Konferenzzimmer. Der Gymnasiast in ihm besiegte den Lehrer. Er verachtete den Direktor ganz un- füglich. Das kleine Männchen mit den drei Haaren quer über die Glatze gelegt, ein komischer Nußknacker, ein Gernegroß. der vor lauter Einbildung fast platzte, der sollte ihn jetzt tyrannisieren und abkanzeln können, so wie er sich jahrelang als Schüler hatte tyrannisieren und abkanzeln lassen— nein! Und er raffte sich zu einer niederschmetternden Ant- wort auf. „Die Methode machts nicht, Herr Direktor." �Fortsetzung folgt.)! (Ziachdrua Mrtoten.1 Von der ßauhunft der Hmeifen. Von C. Schenkling. Fast jedes Buch, das Bilder aus dem Leben der Tiere zur all- gemeinen Kenntnis bringt, enthält längere oder kürzere Aufsätze über das Leben und Treiben der Ameisen. ES möchte daher überflüssig erscheinen, ihre Zahl durch diesen Beitrag zu vermehren, wenn nicht zu berücksichtigen wäre, daß jene Mitteilungen derart zersplittert und verteilt find, daß man sich ohne weiteres ein fertiges Bild von dieser oder jener Eigenart oder der Ausübung irgend eines Triebes dieser arbeitsfreudigen Tierchen nicht machen kann. Die Beobachtung eines Huber, Mac Cooker Lubbock, Forel und anderer berühmter Naturforscher find wahrhast genial, aber ihre Werke stehen dem größten Teil des lesenden Publikums wohl kaum zur Verfügung. Neben diesen Arbeiten befitzen wir aber auch ver« schiedene Zusammenstellungen von Bildern aus dem Ameisenleben, die dem Naturfreund zum Lesen nur empfohlen werden können; ich meine die Schriften von Marshall, Escherich, Knauer. Unserer heutigen Betrachtung wollen wir den Bau der Ameisen st ädte zugrunde legen, sehr viel Neues wird uns da entgegentreten. Abgesehen von nur wenig Ämeisenarten, von denen später die Rede sein wird, legen fast alle besondere Wohnungen an. Sie bauen entweder unmittelbar auf dem Erdboden oder in der Erde oder in Holz, bringen bis auS Pflanzemnaterial gefertigten Nester auf Zweigen oder zwischen den Blättern der Bäume an. Es ist aber von vornherein im Auge zu behalten, daß das betrieb- same Völkchen in der Anlage seiner Bauten durchaus nicht kon- servativ ist. Wenn schon die Baugewohnheiten bei allen übereinstimmen, ziehen doch verschiedene Arten verschiedene Lokalitäten vor, arbeiten zu verschiedenen Zeiten und wählen verschiedenes Baumaterial. Obwohl sumpfige und feuchte Stellen zur Anlage de« NefieS im allgemeinen gemieden werden, findet man die Kolonie einer Art doch in der feucbten Talsohle, während eine andere an Hügelabhängen baut und die dritte ihre Stadt auf dem Berge gründet. Manche Spezies lieben heiße und sonnige Stellen, während andere schattige Plätze vorziehen; die eine Art findet man ausschließlich auf Wiesen, die andere im Walde; manche Ameisenarten ziehen Laubholz, andere Nadelwald vor. Doch, wie gesagt, die Tiere binden fich nicht sklavisch an die Scholle. Werden z. B. die Bewohner eines Tales von Heber» schwemmungen heimgesucht, so verlegen fie ihre Wohnung nach höher gelegenem Terrain, und Lincecum berichtet, d aß Oecodoina texaaa in einem heißen Sommer ihr Nest, das sonst im freien Felde steht, in einem dichten und schattigen Walde anlegte. Nach Forel, dem gründlichsten Kenner der Ameisenarchitektur, ist die Bauart der Nester ein und derselben Spezies sogar nach Jahreszeit und Ein- wohnerzahl verschieden. Wann arbeiten die Ameisen? Zu jeder Stunde des TageS und der Nacht find fie mit Bauen beschäftigt. Einige Arten find sogar gezwungen, nächtlicherweile zu arbeiten, denn sie können das Sonnen- licht nicht vertragen und würden sogar unter seinem Einfluß ver- enden. Und es ist gar nicht zu verwundern, daß während der Nacht- stunden am meisten gearbeitet wird, denn dann ist das Erdreich am wenigsten trocken. Eine in Texas und Mexiko einheimische Art feiert nur während der heißen Mittagsstunden. Die Saubaameise Südamerikas arbeitet ununterbrochen, aber, wie der Naturforscher Rengger berichtet, nur dann an allen Seiten des Nestes, wenn das Weiter schön ist, andernfalls wird nur an der Wind und Wetter ab« gewendeten Seite gemauert. Man sieht, daß die Witterung für die Ameisen ein ebenso wichttger Baufaktor ist wie für die Menschen. Huber beobachtete, wie Ameisen beim Bauen durch einen heftigen Nordwind gestört wurden, der die feuchten Eid- klümpchen, die verarbeitet werden sollten und wurden, der- artig austrocknete, daß fie alsbald zerfielen. Was taten die klugen Tierchen? Sie stellten nicht nur die Arbeit ein, sondern rifien auch da? von solchem Material aufgeführte Bau- werk nieder und trugen die trockene Erde zum Zweck der Durch- feuchtung in die Tiefe des Nestes. Ein bemerkenswerter Unterschied zwischen den inneren Verhält- nifien der Bauten der Ameisen und der anderer in Staaten lebender Hautflügler beruht darin, daß die ersteren auch in dieser Hinsicht weit schmiegsamer find als letztere. Bienen und Wespen geben ihren Zellen konstant dieselbe Form. Die Ameisen kennen eine gesetzmäßige Bauordnung nicht, obwohl Forel gelegentlich Symmetrie in der Anlage des Baues feststellen konnte. Es mag wohl sein, daß die will- kürliche Bauart der Ameisen in der Beschaffenheit des Baumaterials begründet ist. Nur wenige Ameisenarten bereiten Stoffe, die fich der Papiermaffe, aus der die Wespen, oder gar dem Wachs, aus dem die Bienen ihre Zellen bereiten, vergleichen lassen und in der Weise wie diese beiden Materialien fich verarbeiten ließen. Vom architektonischen Gesichtspunkte aus hat Forel die Ameisennester eingeteilt in solche, die aus purer Erde verfertigt sind. in solche, die in Holz gemeißelt sind und endlich in solche, die aus einer Art Papiermaffe hergestellt werden. Zur ersten Gruppe gehört die Wohnung der bei uns häufigen, braunrot ge- färbten k'ormio» kascs, die fich auf Wiesen befindet aber nur schwer entdeckt wird, da fie vollständig unterirdisch angelegt ist. Der Bau hat nur einen, höchstens zwei Zugänge, die genau so weit sind, daß eine Arbeiterin aus- und einzuschlüpfen vermag. Die Zugänge liegen versteckt, find sehr lang durch labyrinthische Wege zum eigent- lichen Bau. Die beim Ausschachten frei gewordene Erde wird sorg- fältig aus dem Bau geschafft und davor gleichmäßig ausgebreitet. Jntereffant ist eine Mitteilung Jherings, nach der eine Ameisenart Südbrasiliens gelegentlich als fchichtenbildend oder schichtenwerfend eine geologische Rolle spielen kann. An der Stelle, wo die Bauten dieser Ameisen fich befanden, bildete eine Schicht Sand die erste Lage, aus die eine solche aus rotem, schwerem Lehm folgte. Durch die Tätigkeit der Ameisen war die Lehmschicht über die Sandschicht befördert und auf einer Fläche von 100 Quadratmetern und einer Höhe von 10 Zentimetern ausgebreitet worden. Andere Arten häufen die frei gewordene Erde am Eingange des Nestes in Form von Wällen auf, in deren Mitte sich der Zugang befindet. Noch andere erbauen aus dem ausgeschachteten Material, das fie wunderbar mit Grashälmchen und anderen Pflanzenteilen zu verbinden wiffen, kunstvolle Kuppeln und Türmchen. Tapinoina caespiturn richtet fich in der Anlage des Baues nach der Witterung. Sie gehört zu denjenigen Ameisenarten, die alsbald nach dem Erwachen des Frühlings in Tätigkeit treten. Anfänglich ist ihre Wohnung völlig unterirdisch, später aber, wenn eS wärmer wird, verraten plötzlich hunderte während der Nacht entstandene Türmchen von etwa fünf Zenttmeter Höhe und dem Durchmesser eines FünfmarkstückeS daS Vorhandensein der Wohnstätte. Diese Türmchen, die auS lockerer Erde aufgeführt sind und deren Balken« werk aus Pflanzenstengeln besteht, dienen während der heißen Jahres- zeit als Aufenthaltsort der Arbeiterinnen, die zwischen ihren Kiefern Eier und Puppen halten, um die Brut der Sonnenwärme mehr auszusetzen. Bei unserer Keinen braunen Gartenameise steht das Wachstum der Türmchen in gleichem Verhältnis zur Vergrößerung des Baues: die freiwerdende Erde dient zur etageweisen Erhöhung der Kuppeln. Forel beobachtete aber bei der roten Wald- ameise, daß die Souterrainräume an Wohnlichkeit verlieren, je mehr fich der Bau noch oben entwickelt, indem fie zufolge der selteneren Benutzung durch allerlei Pflanzengeweke. Wilrzelchen, Pilze usw. verfilzen und allmählich ganz unzugänglich werden. In der Anlage der unterirdischen Partie eines Ameisennestes läßt sich ein zentraler(innerer) und ein peripherischer(äufierer) Teil unterscheiden. Während in jenem die Einzelwohnungen nahe bei- einander liegen und die Strotzen unmittelbar neben einander hin- führen, ist in dem äußeren Teile die Anlage des Nestes weitläufiger. Hier enden die Gänge entweder in einem grotzen Saal oder führen in die vutzenwelt und werden bei einigen Arten von Türhüterinnen sorgsam bewacht, bei anderen während der Nacht mit Steinchen sorgfältig verschlosien. Trägt man einen„Ameisenhaufen" sorgfältig ab, so kann man beobachten, wie vielerlei Material zusammen- getragen wurde, um den Bau auszuführen: Fichtennadeln, Blatt- stiele, trockene Samenkapseln, dürre Pflanzenstengel, Fruchtkerne, selbst Steinchen und winzige Schneckenhäuschen. Dem beobachtenden Auge zeigt sich ferner, datz die Körperchen an Größe abnehmen, je näher fie dem Zentrum liegen; im Innern befindet sich eine bloße Erdkammer. Aus dem Bau führen— ober- wie unterirdisch eine ganze Anzahl von Heerstraßen mitunter 70— 100 Meter weit zu den ge- deckten Tischen, das find meist mit Blattläusen behaftete Gebüsche, vom Honiglau befallene Bäume und Sträucher und leider auch die Obstbäume, Weinplanken und Beerensträucher unserer Gärten. Der schon wiederholt erwähnte Schweizer Ameisenforscher Forel hat neben diesen Heerstraßen kleinere Nestanlagen gefunden, die jeden- falls zum Unterschlupf bei plötzlicher Gefahr.. zum Schutz gegen Regen und nächtliche Kühle wie zur Erholung der ermatteten Arbeiterinnen dienen. Der talentvollste Wegebauer ist nach Forel unsere schwarzbraune Ameise, Dasius niger, die auf Wegen und Feldern, auch in Wäldern sehr häufig ist. Sie benutzt die beim Aus- schachten ihrer 2— 3 Zentimeter breiten Straßen gewonnene Erde zur Herstellung eines Daches über den Gängen. Trifft die Ameisen- straße aus einen chausfierten Weg oder festgetretenen Fußsteig, so verliert sie sich in einem 1 Zentimeter hohen Tunnel unter der Erde. Selbst Tunnelbauten find bei allen minierenden Ameisen be- liebte Anlagen. Auch die lichtscheue» Arten errichten, wenn sie ge- nötigt find bei Tage zu arbeiten, über der Arbeitsstelle Gewölbe aus Erdklumpen, die sich durch Speichel zementieren, um so vor Sonnenlicht geschützt zu sein. Bei uns gibt es die größten Bauten unter den von Forel als „gemischt" bezeichneten Nestern, die wir einfach als„Ameisennester" bezeichnen und an die wir denken, wenn wir vom Wimmeln eines Ameisenhaufen? reden hören, in schattigen Nadelwaldungen, an Stellen, die nur der Sammler, der Forstmann und der Hirsch kennen. Bei einer Höhe von 1 Meter und mehr erreichen die Haufen bis 2 Meter Durchmesser. Das find alte Städte, die im Laufe der Jahre an Ausdehnung zugenommen haben, denn die Bauten der roten Waldameise trotzen auch in ihren äußersten Ringen den Ein- flüffen des Winters. Oft findet man mehrere Ameisennester neben einander: eine Mettopole, umgeben von Tochterstädten, die sämtlich durch Straßen und Gänge miteinander in Verbindung stehen. Die schon erwähnte Ameisenart Oscoäoma texana bedarf für den Haus- halt deS Waffers und legt Schächte an, die bis zum Grundwasser führen und schon bis zu 10 Meter ttef gefunden wurden. Ucber die Tiefe der Saubaametsennester berichtet Rengger, daß nach an- haltenden Regengüffen Maulttere und Pferde bis zum Kopf in sie einbrachen. Die in Holz gemeißelten Wohnstätten befinden sich entweder in der Rinde oder im Stammholz des Baumes. Sie werden durch Nagen hergestellt. Merkwürdigerweise werden fie nur in hartholzigen Bäumen hergestellt, so in Eichen, Nuß- und Birnbäumen. Bauen die Ameisen in die Rinde, dann ist dies« nicht nur fest und zähe, sondern auch dick, wie dies wiederum bei der Eiche, dem Nutzbaum und auch bei der Fichte der Fall ist. Die Ameisennester in den Baumstämmen sind nur von geringem Umfange, wie auch die sie herstellenden Arten weniger starke Kolonien bilden. Unsere bekanntesten Holzameisen(Zamponodns lignipcrdus und C. her- culaneus, die gefürchtete Roß- oder Riesenameise, legen ihre Nester in Baumstümpfen, Balken und enttinderen Stellen am Futze der Bäume an, immer aber nur in gesundem Holze. Eine unserer Ameisen, die glänzendschwarze Holzameise(Lasius fuliginoBus) versteht es, eine Papier- oder leinwandartige Maffe zu bereiten, die ihr zum Nestbau dient. Als Bewohnerin alter Baum- stämme zerUeinert fie das morsche Holz, verbindet die Teilchen mittels des Sekretes ihrer recht ansehnlichen Speicheldrüsen und stellt aus dieser Masse in der Baumhöhlung die Wände zu den ver- schiedenen Galerien und Zimmern ihres Baues her. Neben dieser einheimischen Art gibt es in den Tropen eine ganze Anzahl, die teils mineralische, teils pflanzliche, sogar animalische Stoffe verarbeiten. Manche von ihnen stellen aus Blättern, die fie durch eine von ihnen ausgeschiedene spinnwebarttge Substanz aneinander befestigen, eine Tasche her, in der das eigentliche Nest aus Papiermaffe hergestellt wird. Andere bereiten das Papier auS Pflanzenhaaren und bauen daraus an der Unterseite großer Blätter zierliche, ovale oder runde, mit einem zenttalen Eingang versehene Nestchen. Noch andere bilden aus Erde, Sand, Ton, zerkleinerten Holzfasern usw. große schwarze Kugelnester, die in Nordbrafilien „Regerlöpfe" genannt werden. Eine ostindische Art verfertigt ihre an Zweigen hängenden Nester auS Kuhdung, der zu dünnen, flachen Schindeln und Ziegeln verarbeitet wird, die beim Restbau dachziegel- artig übereinander gelegt werden. Dieses Baumaterial spielt übrigens auch für einige Ameisenarte» in den Alpen eine Rosse. Eine Art deS südlichen Brasilien baut die Wohnung auS dem Mist der Pferde und Maultiere und legt sie nach dem Plan der Pfahl» bauten an: fie bewohnt nämlich sumpfiges Gelände und Hängt daS Nest einige Zentimeter über dem naffen B»den zwischen Pflanzen» stengeln auf. In Mauerlöchern, Felsklüften und Gebäuden findet man mitunter Ameisennester, die aus ungewöhnlichem Material hergestellt sind; man nennt fie„abnorme" Nester. Schließlich gibt es noch solche Ameisenbauten, zu denen verschiedene Baustoffe Verwendung fanden: das Souterrain besteht aus Erde und die Wölbungen. Kuppeln usw. find aus allerlei zusammengeschleppieti Stoffen hergestellt. Nicht alle Ameisenarten haben feste Niederlaffungen. Wie unter den Menschen gibt es auch hier Romadenvölker. Eine Felsspalte» eine flache Höhlung, ein verlassener Tierbau muß ihnen vorläufigen Unterschlupf bieten. Ist in dem bezogenen Revier die Nahrung auf« gezehrt, so wird es verlaffen. Die amerikanische Wanderameise und die Treiberameise Afrikas sind solche Zigeunerinnen. Dieses Nomaden» tum repräsenttert aber nicht wie bei den Menschen einen älteren Zu- stand, sondern ist eine neuerworbene sekundäre Anpassung, denn bis Gewohnheit, bleibende Brutstätten zu beziehen, aus der das Staaten- leben allmählich sich entwickelte, ist bei den Hautflüglern älter als die Teilung dieses Jnsektenstammes in die gegenwärtig noch existie» renden Familien. Gar wunderbar ist der Bau und das Staatenwesen des emsigen Smeisenvölkchens. Auch wer sonst der Natur nicht das geringst« Jntereffe entgegenbringt, bleibt einmal vor einer Ameisenkolonie stehen, dem unruhigen und emsigen Treiben ihrer Bewohnerinnen zuzuschauen, um dann vielleicht mit dem Spazierstock vernichtend in den Bau zu stoßen. Möchte doch jeder bedenken, wie sehr nützlich diese Tierchen sind l Deutsche Forstmänner haben denn auch bewirkt, datz ein Gesetz vom 1. April 1880 bestimmt: „Mit Geldstrafe bis zu 100 M. oder entsprechender Haft wird derjenige bestraft, wer auf forstlichen Grundstücken unbefugterweis« Ameisen oder ihre Puppen einsammelt oder Ameisenhausen zerstört und zerstreut." Sprengstoffe» In einem in der Teubnerschen Sammlung erschienenen Bändchen:„Die Spreng st offe, ihre Chemie und Technologie"(geh. 1,—, geb. 1,25 M.) will Biedermann das Gebiet der Sprengstoffe zum allgemeineren Verständnis bringen, indem er in großen Zügen die Sprengstoftabrikation in ihrer ge» schichtlichen Entwickelung, die Theorie der Sprengstoffe und die Technologie der einzelnen Sprengstoffe schildert. Die Lektüre de» Buches, die allerdings die Kenntnis der chemischen Grundbegriffe und der allgemeinen physikalischen und chemischen Gesetze voraus» setzt, bietet manches Interessante, da die Herstellung der Spreng, fioffe wohl zu den Erfindungen gehört, die in den unzähligen Kriegen einen starken Einfluß auf die Gestaltung der menschlichen Gesellschaft ausgeübt hat. Wie der Verfasser ausführt, dürfte der bekannteste Sprengstoff, das Schietzpulver, dessen Erfindung in Deutschland dem Franziskanermönch Berthold Schwarz zuge, schrieben wird, von den Arabern im 13. oder 14. Jahrhundert er» fanden worden sein. Allerdings kannte man schon früher, z. B. bei den Chinesen, salpeterhaltige Gemische, die leicht entzündlich waren und in Form von Raketen auf gewisse Entfernungen hin, geschleudert oder geschossen werden konnten. Dadurch, datz man in die Raketenröhre nicht nur das brennbare Gemisch, sondern auch ein Geschoß, das durch die Verbrennungsgase fortgetrieben wurde, brachte, also dadurch, daß man die T r e i b k r a f t des Pulver» zum Abschießen von Projektilen benutzte, machte man die Erfin- dung des Schietzpulvers. Um die Mitte des 14. Jahrhundert» gab es bereits verschiedene Pulverfabriken in Deutschland, z. B» in Spandau, Liegnitz, Lübeck. Der Gebrauch der Feuerwaffen hat sich unheimlich schnell verbreitet, ebenso entstand bald die Bombe, die im 16. Jahrhundert aufttat, ein Hohlgeschotz, das mit Pulver gefüllt ist. das erst später(gewöhnlich beim Auf, schlagen) als das zum Abschießen benutzte zur Explosion kommt, wodurch die zerstörende Wirkung der Kugel bedeutend verstärkt wird. Diese Bomben sind heute in ihren verschiedenen Formen— wir erwähnen die unlängst an dieser Stelle beschriebenen Hand, granaten— so vervollkommnet, datz die Vollkugeln dagegen eine nur unbedeutende Rolle spielen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts— die erste Sprengung soll ein Tiroler Bergmann im Jahre 1627 in Chemnitz ausgeführt haben— fing man auch an, die Explosionskrast des Pulvers in» Bergbau und Straßenbau zum Sprengen von Steinen und zur Beseitigung von Hindernissen aller Art nutzbar zu machen, ein Verfahren, mit dem man heute die großartigsten Erfolge erzielt, Jahrhunderte war das Schwarzpulver, das ein Gemenge von Holz, kohle, Schwefel und Kalisalpeter ist, das einzige für Schieß- und' Sprengzwecke verwendete Treibmittel. Erlt das IS. Jahrhundert brachte neue Sprengstoffe, vor allem die Schießbaumwolle- Schönbein in Basel war der eigentliche Erfinder dieses Spreng, stoffs, der dadurch entsteht, daß man Salpetersäure auf Baumwolle einwirken läßt, die so, ohne äußerlich sichtbare Veränderungen zu erfahren, zu einem äußerst explosiven Körper umgewandelt wird. Schönbein hielt feine Erfindung ursprünglich geheim, so daß die» — 628— Verfahren auch noch hon anderen entdeckt und verbessert wurde, bis die österreichische Regierung im Jahre 18S3 die Schietzbaum- wolle bei Sprengungen und zur Füllung von Hohlgeschossen ein- führte. Der Gebrauch dieser Schießbaumwolle war aber bald wieder in Frage gestellt, da aus unaufgeklärten Ursachen gefähr- liche Explosionen in Fabriken und Magazinen stattfanden. Ein englischer Chemiker Abel zeigte, daß diese Unfälle in der un- genügenden Reinigung der Baumwolle ihren Grund hatten und gab gleichzeitig Hilfsmittel an— die im Holländer zerkleinerte Wolle,„Pülpe" genannt, wird gereinigt und in regelmäßige Körper gepreßt—, diese Gefahren zu beseitigen. Die folgenreichsten und wichtigsten Neuerungen auf dem Ge- biete der Sprengstoffe hat man jedoch Alfred Nobel zu danken, der im Jahre 1863 das Dynamit und 1878 die Spreng- gelatine erfand. In Italien war schon 1846 das Nitroglyzerin, eine Verbindung des Glyzerins mit Salpetersäure, entdeckt. Seine explosiven Eigenschaften wurden zwar erkannt, das Nitroglyzerin fand aber nur, narürlich in entsprechender Verdünnung, als Heil- mittel gegen— Kopfschmerzen Verwendung. Nobel verwendete es zuerst in flüssigem Zustand zu Sprengungen. Im Jahre 1866 fand dann Nobel in der in der Lüneburger Heide vorkommenden Jfusorienerde oder Kieselgur einen Stoff, der, mit Nitroglyzerin gemischt, ein nichtflüssiges, halbfestes Material ergibt. Dieses sehr plastische, gegen Stoß fast unempfindliche Produkt, Dynamit, kann leicht in Bohrlöchern untergebracht werden und wurde viel- fach, ebenso wie Schießbaumwolle, im Bergbau verwendet, obwohl die Anwendung dieser beiden Stoffe nicht frei von Uebelständen war. Nobel hatte den Gedanken, beide Sprengstoffe zu vereinigen, wodurch die Sprenggelatine entstand, die bald das im Bergbau am meisten verwendete Sprengmittel wurde und auch für Kriegs- zwecke Verwendung fand. An Stelle des Kieselgur wurde auch direkt ein Sprengstoff, die Dinitrozellulose, dazu benutzt, um das Nitroglyzerin plastisch zu machen und so ein neuer, viel wirksamerer Eprengsroff geschaffen. Für Kriegszwecke erlangte in neuerer Zeit die Pikrinsäure große Bedeutung, die heute in gepreßtem und geschmolzenem Zustande in Verbindung von Kollodium usw. in der- schiedenen Armeen als Melinit, Ekrasit, Krcsylit usw. zur Füllung von Granaten Verwendung findet. Auch das rauchlose oder, rich- tiger gesagt, rauchschwache Pulver, das fast in allen Heeren das alte Schießpulver verdrängt, wurde zuerst 1886 aus in Aether ge- löster Schießbaumwolle und Pikrinsäure hergestellt. Eine be- sondere Erwähnung finden auch die Sicherheitsspreng- ft o f f e. Im Bergbau werden die als„Schlagende Wetter" be- kannten leichtexplosiblen Gasgemische sowohl von Schwarzpulver als auch von Dynamit leicht entzündet und geben zu den schreck- iichsten Katastrophen Anlaß. Man hat daher— Deutschland geht erfreulicherweise auf diesem Gebiete voran— schlagwettersichere Sprengstoffe herzustellen gelernt. Diese Sicherheitssprengstoffe find so zusammengesetzt, daß bei ihrer Explosion Gase entwickelt werden, die die Temperatur der Flamme stark herabsetzen oder die Flamme nicht zur EntWickelung kommen lassen, so daß die Schlag- Wetter nicht zünden. Diese Sicherheitssprengstoffe werden in Ver- suchsstrecken sorgfältig geprüft, ob sie auch den an sie gestellten Be- dingungcn entsprechen. Daß sie aber naturgemäß nicht gegen alles „Sicherheit" bieten können, zeigt die Katastrophe in der Karbonit- fabrik Schlebusch, wo auch ein solcher Sicherheitssprengstoff— ktelatinekarbonit— hergestellt wird. Scbacb. Unter Leitung von S. Alapin. »d odvF gh ab cde fgh Zinkl, Weiß zieht und gewinnt. Lösung.(Em. LaSker, 6. August. Weiß �3. Tbl, Sa2, Sdß, Bc2. Schwarz Kc5, Td5, Tdl, Sa5, Seo. Weiß zieht und macht Remis.) 1. TdS-f. KXd6; 2. TXdßf, TXd5; 3. Sc3, Td4 (d2, c5): 4. SbSf(elf) nebst SXT und Remisschluß. Nachstehend die Reihenfolge der Preisträger im Hamburger Meisterturnier: Schlechter, DuraS, Niemzowilsch, Spielmann, Teich« mann, Marshal, Mekhin, Duz-ChotimirSki, Forgacz, Tarrasch. AuS der Tabelle sind die Resultate der Teilnehmer gegeneinander erficht» lich.(Aus dem ersten abgegrenzten Teil der Tabelle die Resultate der Preisträger gegeneinander.) Teilnehmer Schlechter..... Duras...... Niemzowilsch.... Spielmann.... Teichmann..... Marshal..... Alelhin...... Duz-Chotimirski.. Forgacz(Fleischmann) Tarrasch..... Leonhardt..... Salwe...... Tartalower.... Kvhnlein... Speicr...... John....... Uates...... e Ä o 0 ■ 1 1 Jj. 0 '-l '/.l 1 0'/: '/-» ll 0 ik '/- 1 11V« 11 107, 10 10 e9:� r'- 8 7 7 7 6V, F 27. Berlorene Points syz'ö|572|6|6 IG'/ji'?1/, 77-s«|8|9|9 9 i9»/,|10V,|ll|13'/, 136 In der Tabelle bedeuten: 1 eine für den horizontal genannten Spieler gegen den vertikal genannten gewonnene Partie; 0 eine unter denselben Voraussetzungen verlorene Partie: Vs eine Remise. Karl Schlechter aus Wien hat also nicht nur im Gesamtturnier den ersten Preis, sondern auch im engeren Turnier zwischen den Preis« trägern mit Duras den besten Platz. Damenbauern-Eröffnung am 3. August im Hamburger Meister- turnier gespielt. Dr. Tarrasch Weiß 1. d2-d4 2. Sgl—£3 3. c2— o4 H. Iate» Schwarz d7-d5 Sg8— f6 Hiermit entsteht ein Nachträg» l i ch c s Damcngambit. 3....... e7— e6 Auch hier ist am besten 3____ c7— c6I Z. B.- 4. Sbl— c3(4. e3, 1451) 4..... d5Xc4; 5. e2— e3(5. e4, bäl) 5...... LcS— g41; 6. LXo4, e6; 7. Db3, b5I; 8. Le2, Sbd7 nebst a6 und event. c6— c5. 4. c2— e3....... Stärker ist 4. Sc3 nebst event. Lg5, um den Lei nicht einzuschränken. 4....... 5. Sbl— c3 6. Lfl— d3 7. 0—0 8. b2— b3 9. Lei— b2 10. Tal— ol 11. o4Xd5 12. Sc3-e2 13. Se2Xd4 14. Sf3Xd4 Lf8-e7 c7— cö Sb8— c6 0-0 b7— b6 LcS— b7 Ta8— c8 SI8Xd5 c5Xd4 ScöXdi ToSXcl 15. DdlXol Le7— 36 16. Sd4— 13 Dd8— e7 17. Del— al...... Die Dame steht hier dauernd un« wirksam. Vorzuziehen war Vd2. 17....... 17-56 18. Sf3— d4? 16—15! 19. Tll— ol?...... Besser Tel. Schwarz nutzt den Fehler in geistreicher Weise aus. 19....... Sd5Xe3! 20. f2Xe3 Dd8— g5 21. Kgl— 12...... Aus 21. Lfl folgt 21..... DXeSf, 22. Khl, Dh3 mit undeckbarem Matt. 21....... 22. K12— el 23. Ld3— e2 24. Sd4— e6 25. Kel— dl 26. Le2Xi3 27. Kdl— o2 ES gewann auch 28. Ko2— d2 29. Se6-d4 30. Lb2Xd4 31. eS— o4 82. Toi— o4 33. a3— a4 Ausgegeben. Dg5Xg2t Ld6Xb2 e6— e5 Lh2-g3t Lb7— 13! Dg2X13t Df3-e4t I Dc6+. De4— d5t 65X34 15-14! Dd6Xe4 T18— d8 Lg3— 12 Kleines Feuilleton. Hauswirtschaft. Die Milch als Nahrungsmittel. Von allen Nahrungsmitteln, die der Mensch besitzt, hat in der letzten Zeit keines einen solchen vermehrten Gebrauch gefunden als die Milch. Das ist hauptsächlich eine Folge der wissenschaftlichen Feststellung, daß kein anderes Nahrungsmittel dem menschlichen Körper so rationell die nötigen Kräfte zuführen kann als die Milch. Gegen- wärtig wird die Menge der jährlich im Deutschen Reich erzeugten Kuhmilch auf rund 25� Milliarden Liter mit einem Werte von etwa 2,1 Milliarden Mark geschätzt. Aus dem Auslande werden für etwa 50 bis 70 Millionen Mark Milch und Milcherzeugnisse eingeführt. Welche wichtige Rolle die Milch in der Ernährung spielt, geht daraus hervor, daß die gesamte Brotgetreideernre Deutschlands nicht so hoch bewertet wird als die Milcherzeugung. Der jährliche Milchvcrbrauch der einzelnen Städte ist sehr ver» schieden. Er schwankt zwischen 181 und 55 Liter pro Kopf. Die Produktion und der Vertrieb der Milch muß in geregeltere Bahnen gelenkt werden. Den Ansang haben Milchämter zur Ueberwachung des ganzen Milchverkehrs zu machen. DaS Ziel hat die Gewinnung der Milch in städtischer Regie zu sein._ Verantwortl. Redakteur: Hans Weber, Berlin.— Druck u. Verlag:«orwarr« Buctztruckerei u.VeriagSanslall Paul«uigcr SrEv..Berlin SW.