UnterhaltungsSlatt des Dorwärts Nr. 172. Sonnabend den 3. September. 1910 (Ra«tcua tsrtot«.) 42] Der Sntglciftc. Bon Wilhelm H o l z a m e r. Wie er schneidet, treten ihm Schweißperlen auf die Stirne. Er wendet alle Energie und Vorsicht auf. Nur das Nötigste� aber sicher erfassen. Er erhebt sich, und der Direktor sieht die Wunde nach. „Sehr gut, Herr Kollege." Aber Philipp ist gelb wie Wachs geworden. „Was ist Ihnen, Herr Kollege?" „Es geht vorüber," antwortet er und schämt sich. Dabei steigt ihm wieder das Blut in die Wangen. Nachdem er ein Glas Wasser getrunken, tritt er noch jeinmal her und untersucht den Verband. Dann wird die Kranke in ihr Zimmer getragen. Als sie später erwacht, steht Philipp an ihrem Bette und betrachtet sie sinnend. Sie fühlt leise und vorsichtig an ihre linke Seite. „Ach Gott," seufzt sie und weint leise in sich hinein. Das� Licht zittert über ihr Bett und spielt silbrig auf der Blässe ihres Gesichtes und vergoldet ihr blondes Haar. Der Schatten des Doktors ist groß an die Wand geworfen. Sie sieht mit einem erschreckten Blick darauf. Ein leises Beben in ihren Lippen, dann weint sie. Still und schmerzlich. Er nimmt ihre Hand und fühlt den Puls. „Ganz ruhig bleiben, Fräulein, es wird schon alles gut werden." Und ganz verstohlen fühlt sie noch eininal nach der ver- bundenen Seite. Philipp hat es bemerkt. „O, das ist nicht schlimm, Fräulein. Das ist das Schlimmste nicht in der Welt. Da gibt es Schlimmeres. Das dürfen Sie nicht so arg empfinden. Es wird gut heilen, wir wollen schon dafür sorgen." Sie sieht ihn mit großen Augen an. Sie begreift ihn nicht. Er hat sie doch zum Krüppel gemacht. Und er empfindet das nicht? Das Licht flimmert auf ihren Händen— sie lächelt. Es ist so leidvoll-glücklich, wie ihre weißen Zähne zwischen den blassen Lippen blinken. „Ruhen Sie nun und denken Sie über gar nichts nach. Träumen Sie etwas Schönes, was Ihnen sehr lieb ist." Langsam hebt sie die Hand und erfaßt die seine. Ein leiser, dankbarer Druck. „Danke!" haucht sie.„Wollen Sie meine Geige wieder stimmen? Es laßt mich nicht ruhen, sie verstimmt neben mir zu haben." Er stimmt ihre Geige— und sie schläft ein.— Philipp steht im Garten unter dem großen Nußbaum, der so einen breiten Schatten wirft, und sinnt. Er ist ganz in Gedanken versunken. Er blickt ins Land hinaus. Er sieht seine Heimat. Die Mutter, die auf der Treppe steht und über die Gärten blickt, die Hügel, an denen die Reben glänzen, die Wiesen, durch die die Selz sich schlängelt, die Eulenmühle, deren weißer Giebel so freundlich zum Dorfe herüber lacht und in der ersten Frühe grüßt und erst mit dem späten Abend sich verhüllt. Ueber ihm flüstert das Laub des Nußbaumes. In ihm sind viele holde Stimmen. Seine Jugend. Er hat doch noch. was er verloren geglaubt. Er hat es noch mit allem Glanz, mit aller Buntheit und Lieblichkeit. Und die Mutter ist ihm noch nahe und gar nicht fremd geworden, und die Mutter gehört zu ihm. wenn sie auch nur eine Zieglerin ist und grobe Hände und hat eine rauhe Stimme und die Worte nicht wählt. Er läßt sich seine Mutter nicht verachten, er stellt sie hoch in sein Leben, so hoch er sie nur stellen kann, so hoch man nur einen Menschen stellen darf. Es ist alles Glanz um sie und Liebe, es ist alles Dank in ihm. Das Gefühl überflutet ihn. Er ist froh darum. Und wie er nun denkt, er weiß nicht, wie es gekommen. Daß es auf einmal so innig und voll da ist. Es wird doch der Mutter nichts passiert sein? Er wird gleich am Abend schreiben. Karl Weik tritt mit einem großen Feldblumenstrauß neben ihn. „Guten Tag, Herr Doktor. Wie ist die Operation ver- laufen?" „Gut!" „Wie geht's Fräulein Güßfeld?" „Gut!" 1 „Das arme Tierchen. Da haben Sie auch wieder ein Schicksal geschaffen. Ich weiß, kvrce masenre— rnais quand mßine(höhere Gewalt— aber trohdem). Gottverdammtes Metzgergeschäft. Das arme Tierchen wird sein Lebtag daran leiden. Und wer kann das wieder gut machen? Niemand." „Ja, ja. Aber so schlimm ist das nicht," wirft ihm Philipp ein. „In Ihren Doktorgefühlen und-auffassungen. Der Mensch wird Ihren Leuten ja erst etwas wert, wenn er innen und außen ein Krüppel ist. Je mehr er an sich hat, um so interessanter ist er Ihnen." „Nun, nun, nicht ganz so schlimm." Weik sprang nun davon ab. Er hatte sich wieder etwas von der Seele geredet und ließ nun dem sanfteren Teile seines Wesens das Vorrecht. „Während Sie sie operiert haben, Hab ich ihr Blumen gepflückt, der Armen. Darf sie Blumen auf ihrem Zimmer haben? Wollen Sie ihr den Strauß gaben oder schicken lassen." Philipp wird tief rot. Er nimmt den Strauß. „Sie sind doch ein guter Mensch, Weik." „Guter Mensch? Weil ich besser weiß, wie'S dem leidenden Menschen zumute ist." „Kennen Sie Fräulein Güßfeld?" „Ich habe Sie nur einmal gesehen." „Sie ist, glaub ich, eine recht gute Künstlerin." „Dann wird sie auch die feineren Nerven haben und nur noch schwerer daran tragen, daß Sie ihr die Brust abge- nommen haben." „Es war notwendig." „Doktor, es gibt Operationen in uns, die genau so not- wendig sind. Wir machen sie nicht. Wenn's ins Fleisch zu schneiden gilt, da ist immer der Mut dazu da, aber sonst schleppen wir uns mit all unseren) Gcbrest< Wär's wirk- lich nicht anders zu heilen gewesen? So ein junges Weib — es sollte ihm doch das Gedicht seines Leibes, das Hohe- lied der Schöpfung bleiben dürfen." „Weik, damit können wir nicht rechnen. Wir müssen für die Gesundheit opfern können." „Ha, ha, ha! Weik lachte.„Andere opfern! Na. Doktor, 's ist gut. Ihnen läuft ja alles glatt im Leben. Ich möchte Ihnen nicht wünschen, daß Sie an sich selbst tun müßten, was Sie bei anderen ganz selbstverständlich finden. Haben Sie gehört, was in der Stadt passiert ist? Die kleine May hat ihr Kind umgebracht. Sie hat gesagt, sie hätte das Wurm nicht mehr sehen können, es sei das leibhaftige Eben- bild von seinem Vater gewesen, und den haßt sie. Sehen Sic, wenn die elementare Natur einmal durchbricht! Was sagen Sie zu so einer Operation?" Philipp wurde es schwül. „Sie billigen das doch nicht?" „Wir haben nichts zu billigen und nichts zu mißbilligen. Wenn ein Mensch getan hat, was er hat tun müssen, so geht ims uns nichts an. Das geht nur ihn an. Im Guten wie Bösen." „Aber gegen das Böse müssen wir uns wehren." „Das Böse besteht doch. Gott sei Dank. Denn es hat auch seine Schönheit. Sehen Sie meinen Strauß: das ist die Schönheit des Bösen, die Schönheit des Unkrauts. Ein Gärtner macht aus dem Unkraut die herrlichsten Züchtungen — der rohe Bauer reißt es raus. Er ist der reinste Egoismus. Wir sind den Menschen gegenüber nichts anders. Wir operieren gleich, fett reißen sie aus. Wir tverfen sie auf dem Weg, daß sie verwelken und verdorren. Aber ein paar haben eine unverwüstliche Lebenskraft. Die werden Ver- brecher. Denken Sie sich mal eine sanktionierte Weltordnung, Doktor, in der die Verbrecher Recht hätten und das Unrecht, >das Sie so heißen, Moral würde. Denken Sie mal das.! Gelt, da tun Sie nicht mehr mit. Ich glaub's Ihnen, Sie sind auch für den schnurgeraden Weg. Aber man soll den 'krummen nicht verachten, ehe man ihn versucht hat. Sechen Die, am krummen Wege leidet man nicht, man leidet nur am geraden. Weil er in der sanktionierten Weltordnung als der einzig richtige ausgeschrieen ist. Das mal zu streichen, den Mut mal zu haben, denken Sie sich das mal aus!" „Na, und dann?" „So mancherlei fiele dann weg. Statt der Zuchthäuser igäb's nur Krankenhäuser, und da hätte der Doktor eine Ver- antwortung für den Menschen, und nicht nur für sein bißchen Zumpige Körperlichkeit. Und es gäbe Menschen. Heutigen Tages ist die Menschwerdung so erschwert, und die Feigheit greift unter den heutigen Umständen so sehr um sich, daß bald der Mut dazu ganz verloren gehen wird. Dann hat der Staat die Automaten, mit denen er gedeihlich wirtschaften kann. Ich enipfehle mich, Doktor, und grüßen Sie das arme, mißhandelte Fräulein Güßfeld, und bitten Sie ihr Ihre Metzgerei ab." „Sie sind ein Utopist, Weik,— und auch ungerecht." „Die unfehlbare Gerechtigkeit über Sie und alle, die Ihres Standes sind, Doktor!" Und er ging. Er kicherte. Und Philipp hörte sein Kichern noch lange. Es war. wie wenn heißes Wasser durch einen durchlöcherten Schlauch zischt. Während Philipp mit seinem Strauße langsam dem Vebäude zuschritt, stellte er Weik die Diagnose. Er war eben ein Kranker— und so und so viel von dem, was er ge- sagt hatte, war eben Bestätigung seines Zustandes, Und doch. „Ach was— es ist nichts so unsinnig, daß nicht ein Sinn darin wäre. Es kommt auf das Gesunde in der Welt an." Ja wohl, es kommt auf das Gesunde in der Welt an. „Das Freie und Starke, das Freudige und Mutige muß siegen, ob im Alleinsein oder ini Herdenweg. Darin hätte er recht, wenn er das gemeint hätte. Aber man kann sich nicht auf ihn einlassen. Er hat eine kontradiktorische Welt- onschauung. Und das ist Unsinn." � Er murmelte das vor sich hin. Fräulein Güßfeld schlief. � Die Wärterin nahm den Strauß und stellte ihn in einen großen, irdenen, bunten Topf, wie solche im Lande gemacht wurden. Auf den Zehen ging sie dem Doktor nach, der ihr vuf den Zehen vorangegangen war. Eine Grasmücke spottete draußen einer Drossel nach. In den Aestcn schaukelte sich der Wliid. 15. „Woran leiden Sie am meisten, Weik?" fragte Philipp. „Daran, daß ich nicht meines Lebens eigener Schmied war. Nicht meines Glückes— das wäre wieder Nützlichfcits- Philosophie, wie sie die Staats- und Kirchcnordnung sank- tioniert hat. Meines Lebens, meines Wesens, im Guten oder Bösen, das ist ganz gleich. Man muß nur. was man 'ist, sich selbst verdanken und sich selbst schulden, auch wieder ganz gleich, und man muß etwas aus sich gemacht haben, mau muß eine Art haben. Ich kam nicht einmal dazu, mich tselbst zum Ausschuß zu werfen, ich habe mich einfach dazu werfen lassen. Darum träume ich auch davon, noch einmal etwas Furchtbares zu tun, einen Mord, einen großen Brand, lso etwas." Philipp, der fürchtete, Weik käme wieder auf seine Theorien zurück, und nicht Lust hatte, den Kreislauf mitzu- machen, lenkte ab und warf im leichten Ton hin: „Aber vorläufig pflücken Sie Blumen für unsere Kranken." „Ja, um ein wenig nnldcrn und lindern zu helfen, wo's die Herren Aerzte nicht können oder interessante Fälle studiert haben. Man ist ja nur Versuchskaninchen für die Dummheit und die Wissenschaft der Herren Mediziner." polterte er los. Philipp nahm ihn: das weiter nicht übel, In diese 'Herbe mußte er immer seinen Hieb tun. �'• ItFortsetzung folgt.» 3] Zwei f rauen. Von St. Werbitzkaja. Aus dem Russischen von Stefania Goldönrtng, II. Katja hatte Zaplinas Adresse genau auf einem Zettelchen notiert, trotzdem mutzte sie lange, sehr lange nach der Wohnung des Schuh- macherS Agafonotv suchen. In der entlegenen Gegend, an der Peripherie der Stadt, wo sie wohnte, gab es wenig Schutzleute, den Namen Agafon fand sie in drei Häusern und auch drei Wasch- anstalten gab es in den Höfen. Katja erkundigte sich und gewann den Eindruck, als ob alle Häuser hier nur mit Schuhmachern und Waschfrauen bevölkert wären. Endlich erreichte sie einen kleinen Hof. lieber schwarze, glatte Stufen ging sie in das Kellergeschoß eines elenden Holzhäuschens und öffnete die Tür. Im ersten Augen- blick konnte sie nichts unterscheiden. Es war dunkel: ihr Fuß stieß an einen Eimer, der ein klingendes Geräusch von sich gab. „Zu wem wollen Sie?" ertönte aus der Finsternis eine UN» deutliche Frauenstimme. „Wohnt hier Fräulein Zaplina? Die Studentin Zaplina 1" „Jawohl. Bitte treten Sie hier näher." „Geben Sie mir die Hand" flehte Katja hilflos.„Ich katM vom Hof aus nichts sehen." Eine knochige, nasse und kalte Hand sireckte sich dem zarten Händchen des jungen Mädchens entgegen. Eine Frau mit glatt- gekämmtem Haar und hochgeschürztem Rock, deren Gestalt Katja jetzt unterscheiden konte, führte sie; Katja ging tastend. „Hier steht ein Trog. Halten Sie sich links." Die Waschfrau stieß die Tür auf. Es wurde plötzlich hell. „Zu Ihnen." warf die Wirtin kurz hin und schloß die Tür hinter Katja. Sie seufzte erleichtert auf. Ihr war ganz schwindlig infolge der entsetzlichen Luft, in der sich die Ausdünstungen von ein- geseifter Wäsche, der Geruch von Leder und Fäulnis und endlich der scharfe Duft nicht ganz frischen Sauerkrauts, das im Ofen kochte, vereinten. Zaplina schritt dem Gast entgegen. Sie bewohnte ein langes, fast leeres Zimmer, dessen einziges Fenster zienilich hoch lag, das aber am Tage genügend Licht gab. Augenblicklich warf die kalte, untergehende Sonne ihre letzten gelben Strahlen hinein. Die Einrichtung war so primitiv wie möglich; die Außenwände waren mit Schimmel bedeckt, die Decke war verrutzt s die alte Tapete hing in Fetzen herab. Derselbe Geruch von Moder und Fäulnis drang auch hier herein, aber geschwächter. Das Zimmer schien isoliert. Aber durch die dünne Wand hörte man die Stimme des Schusters und der Gesellen, heiseres Husten, Bruchstücke von Liedern und �rhythmische Hammerfchläge. Zaplina rückte der Katja den einzigen Stuhl hin und nahm selbst auf dem Bett Platz. „Ich habe Sie kaum gefunden," sagte Katja, die plötzlich ihre ganze Heiterkeit verloren hatte.„Welch öde Gegend! Warum wohnen Sie hier?" „In der Nähe des Krankenhauses. Das ist für mich eine große Bequemlichkeit." „Haben Sie nicht früher in der Anstalt gewohnt? War es dort schlechter als hier? Da gibt es, wie es mir scheint. Frei- Wohnungen." „Kennen Sie die Wohnverhältnisse in der Anstalt?" „Nein, nicht ganz." „Mau wobnt dort zn Dreien in einem Zimmer, das kleiner ist als dieses hier. Ist das Zimmer groß, so müssen fünf hinein. Ich weiß nicht weshalb, aber ich kann das nicht ertragen... Ich brauche die Einsanikeit. Ich war auch nicht im stände, dort zu arbeiten." „Was zahlen Sie hier?" „Fünf Rubel monatlich. Ich bin zufrieden. Hier ist es ver- hältnismähig ruhig. Die Wirte find gute Menschen. Der Mann betrinkt sich manchmal und macht Skandal, aber ich habe mich daran gewöhnt und bin nicht mehr ängstlich. Im vorigen Jahre war es schlimm. Da hatte ich gar kein Fenster im Zimmer. Habe Tag und Rächt Licht brennen müssen, es ging viel Petroleum draus. Meine Augen begannen zu schmerzen.... Dafür war das Kranken- hauS nahe. Hier fühle ich mich wohl. Ich werde von vielen in der Anstalt beneidet." „Sie werden beneidet? Ist das möglich?!" entfuhr es Katja; sie bis; die Lippen fest zusammen. „Fa.... Als ich in der SerpuchowSkajastratze wohnte, verlor ich gut anderthalb Stunden für den Weg nach dem Krankenhause und ebensoviel für den Rücktveg. Für die Straßenbahn hatte ich kein Geld. Das machte mich furchtbar müde. Wenn ich nach Hause kam, fiel ich wie ein 5llotz auf das Bett; ringsumher wurde ge- lärmt, mit den Türen geworfen, gelacht, geschrien. Es war lauter junges, frisches Volk. Unmöglich zu schlafen. Und am nächsten Morgen standen dann die Rcpctitioucn bevor. DaS eine war gut, daß man nicht von den Stunden abhängig war.... Dort in der Anstalt bekam man ein Gehalt von fünf Rubeln, damit kann man auslommen. Wenn man ein eigenes Zimmer hat, wird man ohne Stunden nicht fertig." Der Atem ging ihr aus, sie verstummte. Offenbar hatte sie lange nicht mehr soviel gesprochen. Ihre Augen verfolgten hartnäckig die letzten gelben Strahlen, die dort oben im Winkel an der Wand zuckten und spielten. Die Sonne war hier scheinbar ein seltener Gast «Nd Zaplinas Augen sreuten sich mit ihr. „Sie geben also Unterricht Z" .Ja-' „Wieviel verdienen Sie V fragte Katja leise. »Zehn Rubel." „Im ganzen � „Für mich reicht eS aus." Katja betrachtete wehmütig dieses lange, schmale, graue Zimmer plötzlich packte sie etwas ans Herz. Sie bemerkte in einer Ecke, auf einem Tabouret, einen Rhododendron. Er stand vor dem Fenster, erhielt aber nur spärliches Licht. Es war ein sieches, abgezehrtes, hinsterbendes Gewächs. Er war dem Untergang geweiht, dieses unglückliche Gewächs. Katja wandte sich ab. Ein ganzer Winkel, ein unbekannter, unerwarteter Winkel in der Seele Zaplinas eröffnete sich jetzt für Katja in dieser einzigen Blume, deren jedes einzelne Blatt von ihr so sorgfältig gereinigt war. Katjas Blick fiel auf die Wand. Ueber dem Bett hingen zwei Photographien. Die eine stellte ein dürftiges, schwächliches Kind im Hemdchen dar, mit großem Kopf und den kranken, traurigen Augen eines Erwachsenen. Das andere— ein Mädchen in aUmodischem Kleid, mit einer Frisur, wie man sie vor zehn Jahren trug. „Ach, das ist sie I" erriet Katja. Aber daneben hob sich auf der Wand von der grauen, ver- staubten Tapete undeurlich ein weißschimmerndes Quadrat ab. Hier hatte ein drittes Bild gehangen. Man hatte es unlängst ab- genommen. „Wer mag es wohl gewesen sein?" dachte Katja. Plötzlich tauchte die Vermutung, die sie iin Theater flüchtig über- fallen hatte, bestimmt und grell wieder auf... Zaplina hatte einst- mals geliebt... Sie hatte ein Erlebnis. Es war sein Bild, das hier an der Wand gehangen hatte. Aber weshalb hatte sie es ver- steckt? Das alles war so seltsam, paßte so wenig zu diesem schlaffen, düsteren, einsamen Mädchen. Aber Katja hätte ihren Kopf hingeben können dafür, daß sie das Richtige erraten hatte, und ihr Herz klopfte laut. Oben zuckte der gelbe Strahl zum letztenmal und verschwand. Zaplina seufzte leise und neigte den Kopf. „Es war ein solcher Strahl in ihrem Leben," dachte Katja unwillkürlich. Er ist von ihr gegangen... und nun hat die Däm- merung für sie begonnen." .(Fortsetzung folgt.Jj Der Laubenkolomft als Gärtner und Kleintierzüchter. Die Ob st ernte. Der Laubenkolonist hat immer Eile, nicht nur mit der Arbeit, mit dem' Aufessen der Früchte, mit dem Verschenken der Blumen. sondern auch mit der Feier des Erntefestes. Dieses wird in zahl- reichen Laubenkolonien so früh wie möglich erledigt und findet demgemäß vielfach bereits zu einer Zeit statt, zu der— vielleicht von Radieschen, Pflücksalat und frühem Kohlrabi abgesehen— von einer Ernte überhaupt noch nicht die Rede sein lann. Prietzke ist natürlich einer der ersten, die mitmachen, und bei dieser Feier färbt sich seine eigene Gurke viel früher kupferfarbig und rot als die Gurken, die er draußen im Lande stehen hat. Von Gurken darf man übrigens Prietzke in diesen, Jahre nicht reden— e sie sind schlecht geraten, der Sommer war zu kalt und so naß, daß bei manchem Kolonisten und Gartenbesitzer die Pumpen eingerostet sind! Bei einigen haben sogar zierliche Meisen nicht nur in den Brunnenbaum, sondern auch in das eiserne Ausführrohr gebaut, hier ungestört gebrütet und die Brut bis zum Flüggcwerden ge- bracht. Wie alles seine zwei Seiten hat, so auch die Witterung. Die überwiegende Nässe hat der Vermehrung der Schädlinge Einhalt getan, und die Wespen, die im vorigen Sommer alles, was süß schmeckte, entwertet oder ruiniert hatten, sie fehlen in diesem Jahre so gut wie vollständig. Frau Prietzke hatte genau nach den An- gaben ihres Gebieters schon im Juni aus Gazestoff Trauben- säckchen genäht, in welche die einzelnen Trauben zum Schutze gegen die Wespen eingehängt werden sollten. Diese Säckchen liegen aber noch in Frau Prictzkes stark nach Lawcndel duftendem Wäschespind, und die frühen Trauben sind inzwischen süß und reif geworden, zum Teil schon abgeerntet, ohne daß sich auch nur eine einzige Wespe angefunden hätte. Auch mit dem Staatswesen d»r Ameisen steht es sehr schlecht. Die Beherrscher dieser Staaten klagen über starken Rückgang der Bevölkerungsziffer durch so eine Art Zweikindersystcm, weil es ihnen fast Tag für Tag in den Bau regnete, waS zur Folge hatte, daß die junge Brut nicht„trocken gelegt" werden konnte, fo daß sie wohl vorzeitig an Rheumatismus zugrunde ging. Natürlich lacht Prietzke darüber, denn lvaS dem einen Kummer bereitet, macht dem anderen Freude. Wenn Prietzke aber seine Pflaumenbäume und deren Behang betrachtet, so lacht er nicht, sondern er zieht die Stirn in Falten und verwünscht das verfluchte Pflaumenzeug. Sie sind nämlich fast alle madig, und wenn er einmal in eine hübsche, von Wachstau überhauchte Frucht herzhaft hineinbeißt, so beißt er fast stets ausgerechnet auf den weißlichen Wurm, der das ganze Innere der Pflaume mit seinem Kot anfüllt. Zur Verhütung dcS Madigwcrdens der Pflaumen gibt es noch keine Mittel; nicht nur die blauen ovalen, die runden- die gelben Eicrpslaumcn, sondern auch die grünen Reineclauden werden stark von Würmern heimgesucht. Im Hinblick hierauf und auch in der Erwägung, daß die Pflaumenkultur die am wenig- sten lohnende ist, sollte man dieses Steinobst fo wenig als möglich anpflanzen; nur in sehr feuchten Lagen, wo sonst nichts mehr wächst, hat man— soll Obstbau betrieben werden— außer der HauSzwetsche oder Bauernpflaume nichts anderes, WaS mit Erfolg angepflanzt werden könnte. Zum Glück gibt es auch Steinobst, das nicht von Würmern heimgesucht wird. Hierher gehören die kleine Metzer gelbe Mirabelle, die Aprikosen und der Pfirsich. Als Prietzke anfangs August auf meiner Plantage die voll bchangenen Mirabellenbäume sah mit den nicht nur verführerisch gefärbten, sondern auch außerordentlich wohlschmeckenden Früchten, war er ganz„baff". In der Umgebung von Metz sah ich jüngst gewaltige Pflanzungen dieser Obstart, die dort weit und breit das Gelände beherrscht. Der größte Teil der Früchte wird nn Kon-. servenfabriken verkauft, die einen riesigen Versand damit betreiben. Hier in Berlin hat man nur selten Gelegenheit, eine frisch ge, pflückte Mirabelle zu kaufen und zu genießen.— Die Aprikose gehört zwar äußerlich zu dem verführerischsten Steinobst, hält im Geschmack aber nicht das, was sie verspricht, und ist als am frühesten blühender Obstbaum der Ungunst der Jahreszeit am meisten ausgesetzt, so daß sie nur unsichere Ernten gibt, in vielen Jahren ganz versagt. Besser ist der Pfirsich: unbedingt die schönste Steinfrucht, der— eine freie, sonnige und nicht zu feuchte Lage vorausgesetzt— wohl die Kultur lohnt. Liegen Parzelle und Wohnung weit auseinander, so soll man Pfirsichfrüchte etwa 3 bis ö Tage vor der eigentlichen Vollreife pflücken. Die wunderbar rote Farbe auf der Sonnenseite und ein feiner Duft verraten, daß die Frucht pflückreif ist, trotzdem sie sich noch ziemlich hart anfühlt. Diese Härte erleichtert bezw. ermöglicht überhaupt erst den Transport, da bei der ganz reifen Frucht schon durch eine un- vorsichtige Berührung winzige Druckflecke erzeugt werden� die rasches Anfaulen zur Folge haben. Alles das, was ich hier ausgeführt habe, wußte zwar Prietzke noch nicht ganz genau, er bildet sich aber ein, eS nicht nur zu wissen, fondern sogar besser zu wissen als ich. In Wirklichkeit äugelt er aber hin und wieder ganz vcrstohlen'übcr meine Weiß- buchenhecke hinweg, um ungesehen zu beobachten, was ich mache. Wenn er dann merkt, daß ich Pfirsiche pflücke, kommt er am näch- sten Tage zu mir herein, um mir mit ernster Miene zu erklären. daß es nun Zeit ist, die Pfirsiche abzunehmen, und ich tue aus Freundschaft so, als hätte er mir da etwas höchst wichtiges, mir bisher noch Unbekanntes offenbart. Prietzke mutz nämlich respek- tiert werden; er gilt heute als Autorität auf dem Gebiete des Gartenbaus, der Vogelpflege und der Bienenzucht, trotzdem seine Haut noch an vielen Stellen bedenkliche Schwellungen und Rötungen zeigt, die— um mit Sabor zu reden—„tief blicken" lassen. Aber er ist doch immerhin bereits eine fachwisscnschaftlichc Persönlichkeit, und immer wenn ich aufgefordert werde, in einem Kolonisten- oder Gartenbauvercin einen Vortrag zu halten und keine Zeit dazu habe, schlage ich Prietzke an meiner Stelle vor. Aber er redet auch, wie man zu sagen pflegt, gründlich von der Leber herunter, trotzdem er nicht„von Gottes Gnaden" ist. Na- türlich spricht er frei aus dem Stegreif, ohne jede Vorbereitung, denn vom Ablesen, das ja übrigens auch im Reichstag nicht ge- duldet wird, ist er kein Freund, andernfalls würde er einfach das erste beste Kapitel aus dem„Praktischen Taschenbuch der Garten- freunde" vorlesen, dem er seine Erfolge verdankt und auf das er heute noch schwört, trotzdem er es nicht selbst geschrieben hat. Ich will nun verraten, was Prietzke von mir über die Ernte des Herbst- und Winterobstes erfuhr und mir dann später als eigene Weisheit auftischte. Die frühen Trauben, die bei uns in jedem, auch im kälteren Sommer reifen, wie die weisse Madeleine Angevine und der blaue Frühburgunder, werden jetzt vcn den Reben genommen und dann möglichst bald verzehrt. Was man nicht gleich essen kann, läßt man trotz der Reife noch hängen. Auf alle Fälle verhüte man es, die Beeren mit den Fingern zu berühren. Man faßt die Traube am Sricl und schneidet sie hier mit der Schere ab. Auf den Beeren liegt ein feiner dnftartiger Hauch, ebenso auf den blauen Pflaumen, der durch das Betasten mit den Fingern hinwcggewischt wird, wodurch dann die Frucht das appetitlich ansprechende Aus, scheu, mit einem Worte die unberührte Jugcndfttsche einbüßt. Auf diese aber hält Prietzke große Stücke. Von der oben erwähntes Ausnahme, dem Pfirsich, abgesehen wird die Sommerfrucht stets baunircif gepflückt. Bei Herbstfrüchten gibt es einige Ausnahmen. Die wunderbare Birne„Gute Luise", die auf der Sonnenseite ein herrliches Tiefrot zeigt, pflückt man meist, ebenso wie die süße 688- LmanIiS Butterbirne i— 5 Tage vor der eigentlichen Baumreife, um sie liegend ausreifen zu lassen. Die richtige Pflückzeit Zann man leicht feststellen: Wenn man die hängenden Früchte senk- recht emporhebt, dann müssen sie sich ohne Kraftanstrengung und ohne Reihen von der Ansatzstelle losen lassen. An der Ansatzstelle bildet sich nämlich zu dieser Zeit eine Korkschicht, die eine Scheide wand zwischen Fruchtstiel und Fruchtholz darstellt, die Saftzusuhr vom Baum zur Frucht aufhebt und die leichte Löslichkeit herbei- führt. Von den Sommeräpfeln, die bei uns am meisten angebaut werden und im märkischen Sand auch am besten gedeihen, reift der weihe Klarapfel, eine prächtige Frucht, schon im Juli; er hat nur 8 Tage Haltbarkeit. Der Charlamowsky reift frühestens im August. Im vorigen Jahre konnte ich die Früchte dieser Art erst nach dem 10. September abnehmen, in diesem Jahre vom 20. August ab. So- bald man sieht, dah die Früchte schon bei mähiger Windstärke reichlich fallen, aus der Sonnenseite eine prächtige rote Streifen- Zeichnung aufweisen(manche bleiben auch ganz hell) und sich, mit den fünf Fingern der rechten Hand zugleich gefaßt und etwas ge- dreht, leicht vom Stiele lösen, ist es Zeit zur Abnahme. Richtig abgenommen, in luftiger Kammer dunkel gelagert, eventuell zur Abhaltung des Lichtes mit Zeitungspapier bedeckt, behalten sie einen vollen Monat ihren feinen wcinsäurcartigen Geschmack und lassen sich sogar sechs Wochen lang aufheben. Zu früh abgenommen, wird dieser Apfel aber welk und bald fade. Zum Verpacken des Herbstobstcs gibt es sehr handliche Kartons, vom Märkischen Obst- bauverein empfohlen, hergestellt aus Wellpappe, die als flache Papptafeln zum Versand gelangen und von jedermann leicht in die handliche Kartokisorm gebracht werden können. Als Pack- Material bedi.ent man sich feinerer Holzwolle, nachdem jede Frucht zuvor vorsichtig in Papier, möglichst in Seidenpapier, eingehüllt wurde. Sobald man sieht, dah die Früchte einer Sorte fallen, mutz man nachschauen, ob nicht Ernte geboten ist. Manche Winter- äpfel fallen früh reichlich, während Birnen im allgemeinen fester sitzen und länger hängen können. Bald beginnt das Fallen eines unserer herrlichsten und beliebtesten Winteräpfel: der Winter-Gold- Parmäne. Gewöhnlich sind die Früchte, die sich zunächst gelb färben und abfallen, madig, wodurch man sich nicht zu allzu früher Ernte verleiten lassen darf. Auch„Baumanns Renette", durch prächtige rote Färbung ausgezeichnet, und dann die„Goldrenette von Blen- heim" haben die Untugend, vor der Zeit zu fallen. Wird das Fallen zu stark, so nehme man lieber sämtliche Früchte ab, damit nicht der grötzte Teil minderwertig wird. Viele Acpfel- und Birnenfrüchte hängen aber sehr fest und müssen so lange wie möglich hängen, wenn sie späterhin auf dem Lager vollwertig werden sollen. Hierher gehören die späten Bergamotbirnen, die Canadarenette, der Apfel Schöner von Boskoop, der purpurrote Cousinot, ein prachtvoller Weihnachtsapfel, und andere. Diese lätzt man, wenn die betreffenden Bäume das Laub noch nicht ab- geworfen haben und die Witterung eS gestattet, bis Anfang und selbst bis Mitte November am Baume. Das Winterobst darf stets nur bei klarem, regenfreiem Wetter abgenommen werden, aber dann nicht am frühen Morgen, wenn die Früchte noch vom Tau der Nacht benätzt find, sondern erst später. Gutes Obst mutz Frucht für Frucht mit der Hand abgenommen werden; man legt es in einen mit Packleinen oder etwas Stroh ausgepolsterten Korb und trägt es mit diesem in den Lagerraum. Hier bleibt es reichlich gelüftet aber möglichst dunkel gehalten, 14 Tage liegen, um den Wasserüberschutz auszuschwitzen, und kommt dann in den Lagerraum. Die einzige Ausnahme machen graue Renetten, deren Schale bei dieser Behandlung welkt. Der beste Lagerraum für Winteräpfel ist ein Keller, in dem man sie auf Latten so nebeneinander legt, datz sich die einzelnen Früchte nicht berühren, damit etwaige Fäulnis nicht von einer auf die an- dere übertragen werden kann. Als Unterlage verwende man nie Heu oder Stroh, weil diese Materialien muffig werden und dann den darauf gelagerten Früchten einen unangenehmen Geschmack mitteilen. Die beste Unterlage ist staubtrockenes Torfmüll. Ich bemerke dabei, datz zwischen„lufttrocken" und„staubtrocken" ein Unterschied besteht. Fühlt sich das Material nicht ganz trocken an, so uiutz es in der Nähe des Ofens nachgetrocknet werden. Früchte, die auf dem Lager leicht welken, so gewisse Borsdorfer Renetten und die Canada-Renette, bleiben schöner und frischer in einem etwas feuchten Raum, der aber keine stockige Luft aufweisen darf. Soviel steht jedenfalls fest, und auch Prietzke bestreitet das nicht, datz der Wert des Winterobstes wesentlich von seiner sorg- fältig ausgeführten Ernte abhängt. Hat man grotze Bäume ab- zuernten, bei denen selbst ein wagehalsiger Turner, wie es Prietzke trotz seiner Jahre noch ist, nicht die hoch im Wipfel hängenden Früchte mit der Hand, dem besten Obstpflücker, erreichen kann, so dediene man sich dazu eines an langer Stange befestigten Obst- Pflückers, der die Früchte einzeln greift und der innen so mit Wolle ausgcoolstert ist. datz er sie nicht verletzt. Der beste mir dekannte Obstpflücker führt den Namen„Greif". Ich rate aber, nur da ein solches Instrument anzuschaffen, wo es wirklich eine absolute Notwendigkeit ist, denn, wie gesagt, in der Regel bleibt die menschliche Hand, auch wenn sie so hart wie Prietzkes„Pfote" ist, der denkbar beste Obstpflücker. Hck. Scbacb. Unter Leitung von S. Alapin. Lösung.(Amelung, 20. August. Weitz: Ksi3, Tbl, Lh2, Lg4, Bg6; Schwarz: Kh8, Tgl, Lf2, BB: e2, g3, SM. Weitz am Zuge, macht Remis.) 1. BblXsl. s3Xsi2 1(l...... LXgl; 2. LXg3 2C.) 2. g6— g7f, Kli8Xg7 1(sonst LeGf bezw. LfSf nebst gSDf oder LMf); 3. Tgl— hl, e2-6lDl(sonst LXe2): 4. ThlXel, Lf2— gll; 5. Lg4— 13, Sh4Xk3; 6. TelXgl, h2XglL(falls D oder T, so ist Weitz pat und ein S kann nicht gewinnen); 7. Kh3— g2 nebst KXgl oder KXf8 und Remis. Hamburger lv? ei st erturnier. Wir entnehmen der sehr matzgebenden Schachspalte der„St. Petersburger Zeitung" folgendes Urteil über die Errungenschaften des Hamburger Meister- turniers:„Das Hamburger Turnier hat nicht alles gehalten, was versprochen war. Die Absage von Rubinstein und Capablanca(auch Janowski) nahm ihm einen grossen Teil des entgegengebrachten Interesses, und die Qualität der gespielten Partien ragt auch nicht über das Durchschnittsmatz hinaus. Unwillkürlich drängt sich dem Beobachter ein Vergleich mit dem vorjährigen St. Petersburger Turnier auf. Sowohl was die Spielstärke der Teilnehmer als auch was die Onalitär der Partien anlangt, überragt das Petersburger internationale Turnier seinem Hamburger Nachfolger um ein Erkleckliches." Diele Tatsachen können wir nicht bestreiten. Die minderwertige Qualität der Hamburger Partien erklärt sich teilweise aus folgendem Umstände: Nicht jedem Teilnehmer ist es gegönnt, einen der nennenswerten Preise zn gewinnen, da die Zahl der letzteren etwa ein Drittels der Gesamtzahl der Spieler ausmacht. Viele Teilnehmer pflegten ertahrungsgemätz sich verhältnismätzig keine Mühe mehr zu geben, sobald sie die Aussicht auf einen nennenswerten Preis ver- lieren. Hierdurch wird die Qualität der Partien eine minderwertige. Um diesem Ucbelstande abzuhelfen und um das Interesse samt- l i ch e r Teilnehmer bis zum S ch l u tz des Turniers aufrecht zu erhalten, mutz, wie das Sl. Petersburger Turnicrkomitee es gemacht hatte, ein Teil des gesamten TuniierfondS für Partien-Honorare verwendet werden, wodurch ein jeder gewonnene Zähler noch einen kleinen Preis erhält. Jedoch in Turnieren des Deutschen Schach- bundes pflegen grotze Summen zur Veranstaltung von Fe st essen verivendet zu werden, was in Hamburg besonders ausgiebig der Fall war. Es verblieb kein Geld mehr für Partien-Honorare. Ganz richtig bemerkte einst hierzu Dr. Tarrasch:„man kommt zu einem Schachturnier, uni Schach zu spielen und nicht um zu essen!" Aber gegen eingefleischte Traditionen des Deutschen Schachbundes lätzt sich schwer ankämpfen... EvanSgambit. In Paris vor Jahren gespielt. Mr. Poitin. Dr. Götz. «7— e5 Sb8— c6 Lf8— c5 Lo5Xb4 Lb4— a5! d7— d6! Le8— d7!I Dd8— e7 dBXeö Ta8— d8 La5— bö 1. e2— e4 2. Sgl—£3 3. Lfl— c4 4. b2— b4 5. c2— c3 6. d2— d4 7. 0-0 8. Ddl— b3 9. d4Xe5 10. Tfl-dl Droht LXnf. 10....... 11. Tdl— d5 Droht SXe5. 11....... 12. Lc4— b5...... Oder 12. La3, Df6; 13. hh5, Sge7; 14. LXc6, SXc6; 15. Sbd2, De6; 16. Sc4, f6; 17. Tadl, Bf?! nebst Lo6. 12....... Sg8-f6 Von Tschigorin empfohlen. Fehler- hast wäre 12...... 56?; 13. La3, 1)57(13...... Do6; 14, Lc4, Dg4; 15. TXeSf!. SXe5; 16. SXoö nebst eventuell 1-57+) 14. I-Xcv. dXosl; 15. SXe5!, Dh5?; 16. TXd7 nebst De6t; Am einsachsten ist 12...... Sa5!; 13. Da4, LXbS!; 14, TXb5, Dd7; 15. TXoSf, So7 je. mit besseren Bauern und Entwickelung sür schwarz. 13. Lei— a3 Do7— e6 14. Sbl— d2...... Auf 14. Lc4 folgt 14...... SX-kS; 15. eXd5, D56; 16. dXc6, LXc6; 17.Lb5!,LXßt!; 18. KXß, 04; 19. LXcSf, bXo6 zugunsten von Schwarz z. B. 20. Sbd2!, TXd2t; 21. Kel, Td3-c. Mit 14. Sg5, Dg4; 15. LXcß, DXg5! sc. kann Weiss auch nichts erreichen. 14....... So6— a5 15. Lb5Xd7t...... Oder 15. Db2, Sg4l; 16. Sc4 (16. T51, all sc.) 16...... LXßf; 17. Kbl, Lb6;(droht 852+) 18. SXb6, DXb6; 19. LXd7+, TXd7; 20. TXd7, KXd7 auch zu- guntten von Schwarz. 15....... Td8Xd7 16. Td5Xa5 Lb6Xa6 17. Sd2— o4 La5— b6 18. Sf3— g5 De6— g4 19. Sg5Xk5...... Aus den ersten Blick scheint cS, als ob Weiss die Oberhand bekäme. Aber Schwarz wendet das Blatt zu seinen Gunsten in geistreicher Weise. 19. 20. HglXkL Falls 20. Kbl, so der Drohung SgZ+. 20....... 21. Kf2— gl 22. Sc4— dßf! 23. Db3— eöf 24. La3Xd6+ Aus 24. DXd7 De3+; J». Kbl, Lb6Xf2t!! 21. SX64 mit Dg4-!4tl Sfö— g4 c7Xd6 Ke8-f8 folgt 24. 852+; 28. Kgl. Sh3+; 27. Kbl, Dgl+; 28. TXgl, 8524-. 24....... Td7Xd6 25. Do6Xd6t Kf8-g8! Falls 25...... KXf7? so 26. T51. 26. Dd6— b8+ KgSXn 27. Db8Xb7t Kf7-g6 28. Db7-c6t KgO— b5 Ausgegeben. Verantw. Siedakteur: Richard Barth. Berlin.— Druck u. Verlag: BorwärlS Buchdruckecei».BerlagSangaU Paul Singer«eEo..Bertui S VL