Ko f Ur. 19. U! 11' F Abomemtltts• f rttopttgen: «lbonnemint«-Prei! pränumerando: vterteljährl. 3,30 SDK., monall. 1,10 Ml., wöchentlich W Pfg. frei in» Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- Nummer mit tlluNrlerier Sonntags» Beilage.Tie Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3L0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für IS 00 unter Dr. 7971. Unter streu, band für Deutschland und Oesterreich< Ungarn L Marl, für da» übrige Ausland s Marl pro Monat, Erschelnl täglich auster»onlag«. Vevltnev Volksbl�tt. 17. Jahrg. Die Inserttons- Gebühr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel- »eile oder deren Raum 40 Pfg., für polltische und gewerlschastliche Vereins» und Versammlung«-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anselgcn" jedes Wort S Pfg. inur das erst« Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen biS t Uhr nachmittags in derExpedilion abgegeben werden. Tis Expedirion ist an Wochentagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen btS S Uhr vormittag« geöffnet. Fernsprecher:»mt I, Nr. 1503. Telegramm-Adresse: „Sortaldemokrat Berlin" Centrawrgan der socirrldemokratisthen Uariei Deutschlands. Ledaklio»! SW. 19, Vcuth-Strag- 2. Mittwoch, den Ä4 Jannar 1900. Expedition: SW. 19, Veuth-Strasze 0. Gegen den Krieg. London, 21. Januar. Die Socialdemokratifche Föderation hat soeben ein Manifest über den Krieg in Südafrika erlassen, das in scharfen Worten die Schuld an dem Kriege der englischen Regierung, insbesondere dem Kolonialminister C h a ni b e r lain, zur Last legt, dem englischen Volke zuruft, nicht die holländischen Bauern in Südafrika, sondern seine eignen Aristokraten und Plutokraten in Großbritannien seien seine Feinde.„Wir beschwören Euch daher", heißt weiter,„Euch nicht als Freiwillige für den auswärtigen Kriegsdienst herzugeben, mit all Eurer Macht den ersten Schritten zur Einführung des allgemeinen Aufgebots Widerstand zu leisten und mit Ernst für einen ehrenhaften Frieden zu agitieren." Der jetzige Ausbruch brutalen und anmaßenden Militarismus bedrohe die eigene Freiheit der Engländer.„Lernen wir daher von der Tapferkeit der der achteten, aber unabhängigen Boeren, daß eine bewaffnete Nation freier und gleicher Männer viel furchtgebietender ist als eine stehende Armee noch so mutiger Mietstruppen, und eilen wir uns, unser gegenwärtiges Aufgebot bezahlter Sol baten, die ihren Vorgesetzten anfs Wort zu gehorchen haben. durch eine wohlausgerüstete, von uns selbst bestellte und konwollierte Bürgerwehr ersetzen." In England gelte es zu kämpfen.„Der wahre Patriotismus bestehe nicht in der Beherrschung und Erniedrigung andrer, nicht in der Unterjochung Afrikas, und noch weniger in der Herbeiführung dauernder Hungersnöte durch das Tot bluten Indiens, sondern in der nationalen Erziehung und Hebung von England selbst, in Eurer eignen demokratischen Erziehung und socialen Emancipation." Eine Resolution, die der Vollziehungausschuß der Un abhängigen Arbeiterpartei auf einer am 8. Januar in Edinburg abgehaltenen Konferenz beschloß. hat solgendcn Wortlaut: „Angesichts der schrecklichen Opfer an Menschenleben, der weit reichenden Lücken und des ungeheuren Verlustes von Eigentum, die der jetzige Krieg zur Folge gehabt hat und weiter venirsacheu mutz, wenn er bis zu seinem bitteren Ende fortgesetzt wird. empfehlen wir, datz die Regierungen von Grotzbritanien und der Südafrikanischen Republik unverzüglich die ihnen genehmen Friedensbedingungen bekannt machen, so datz es jeder dieser Re- giernngen jetzt oder zu irgend einer Zeit während des Krieges möglich wäre, durch ihre Annahme den Feindseligkeiten ein Ende zu machen. „Wir sind der Meniung, datz eine solche Erklärung mit den auf der jüngsten Friedenskonferenz im Haag vereinbarten Principien in Einklang stehen, von miserem eigenen Volk und allen civilisierten Ländern gebilligt würde, und datz sie ferner den gegen- wärtigen Krieg Ivahrscheinlich zu einem schnellen Ende führen und autzcrdcm einen Präcedenzfall bilden würde, der dieses und andere Länder w der Zukunft vor dem Unheil dcö Krieges bewahren würde." Abschiiften dieser Resolution wurden an die leitenden Staatsniänner und Politiker Englands sowie an die Vertreter der Transvaal-Republik geschickt. Gestern(Freitag) sprach Herbert Gladstone, der gegenwärtige Einpeitscher der liberalen Partei im Haus der Gemeinen, vor seinen Wählern in L e e d s. Der Sohn des verstorbenen Führers der Partei verteidigte mit großer Energie den von seinem Vater nach der Niederlage von Majuba mit den Boeren geschlossenen Frieden als einen Akt der Gerechtigkeit und zog mit großer Schärfe gegen die jetzige Regierung und insbe- sondere Chamberlain zu Felde, dessen Leitung des Kolonialamts mit dem Jamesonschen Handel begonnen uiid mit dem jetzigen Krieg geendet habe. Die Liberalen würden der Regierung helfen, den Krieg zu Ende zu führen, aber zugleich die strengste Untersuchung über die Ursachen, die zum Krieg führten, und die ungenügende militärische Vorbereitung verlangen. B a l f o u r s Erklärung, daß Jamesons Hant streich der Regierung die Hände gebunden habe, sei ganz hiw fällig. Wäre Roseberys Regierung im Amt geblieben, so wäre es nicht zum Krieg gekommen. Seit die jetzige Re- gierung im Amt sei, hätten die Kriege und Kriegsdrohungen kein Ende genommen. Diesem Imperialismus ziehe er den wahreren und heilsameren Jmperialis- m u s vor. wie er von Mr. A s q u i t h und Lord R o s e b e r y entwickelt worden sei, der unter Lord C a l d w e l l und Mr. C h i l d e r s die Armee reformiert, Freiheit und Selbst- regicrung auf die Kolonien ausgedehnt und sich ohne Prahlerei und Großthucrei der Entwicklung von Englands gewaltigen Kolonien und Ländereien gewidmet habe. Im Sinne und Interesse dieses Imperialismus müsse die Politik, die zu dem jetzigen Krieg gefuhrt habe, bekämpft werden. Die Rede ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Eltens ist der geflissentliche Hinweis des Sohnes von William Gladstone auf Rosebery und Asquith als Vertreter eines gesunden Imperialismus ein Anzeichen einer Annäherung der zwei f ei nd li ch e n F lüg el des offiziellen Liberalismus an einander— man spricht schon davon, daß Rosebery in einem zukünftigen liberalen Kabinett wieder das auswärtige Departement übernehmen werde— und zweitens zeichnet die Rede deutlich die Absicht ab, die Haupt- angriffe in der deninächst(am 30. Januar) wieder beginnenden parlamentarischen Campagne wider Chamberlain zu richten. Natürlich werden dabei die von der„Jndependence� B e l g e" veröffentlichten Berichte nicht übergangen werden, j und sehr wahrscheinlich folgen bis dahin noch weitere Veröffentlichungen dieser Art. Der radikale „Morning Lcader", der sich den Feldzug gegen Chamberlain und Sir Alfred Milner zur Spccialailfgabe gemacht hat, kündigt seit einigen Tagen in ominöser Weise an, daß er Ende des Monats in jedermanns Händen sein werde. sei hierzu noch erwähnt, daß dieses Blatt und der mit ihm verbundene„Star", im Gegensatz zu Herrn Stead, die von Chamberlain vor dem Krieg dem Transvaal gegenüber beobachtete Haltung als von Rhades durch Androhung von kompromittierenden Veröffentlichungen erpreßt hinstellt. Es wird abzuwarten sein, welche Beweise das Blatt dafür zu erbringen vcnuag.—_ zioUkische Mebvvfichk. Berlin, den 23. Januar. Der Reichstag setzte am Dienstag die Debatte über die Novelle zum Unfall- versichernngsgcsctz fort. Als erster Redner der Sitzung sprach Herr F i s ch b e ck, deutschfreisinnig Richterscher Observanz, einer der wenigen Säulen des reinen Manchestertums, welche vom Wind des Groß- und Staatskapitalismus noch nicht umgeblasen sind. Als echter Manchcstcnnaun ist Herr Fischbcck ein principieller Gegner alles staatlichen Eingreifens in das Arbeitsverhältnis uiid die Arbeitcrverhältnisse, namentlich aller Socialresonu. Aber die Ware, welche die deutsche Rcichsregicrung unter dem Namen„Social- reform" verfertigt, ist in Bezug auf den socialistischen Gehalt von so homöopathischer Harmlosigkeit und speciell der vorliegende Gesetzentwurf ist so vollkommen frei von socialistischen Bacillen, daß der freisinnige Manchestenuann Fischbeck mit gutem Gewissen dem neuesten ReichSregierungS- Produkt warmes Lob spenden konnte, wofür ihm von Kommerzienrat Möller die Hand gedrückt ward. Gleiches Lob spendeten auch die zwei folgenden Redner: der national- liberale, in allen Farben des Regcnbogens schillernde P a a s ch e und der Volksparteiler Eckart. Diese Uebereinstimmung aller auf dem Boden dcS Kapitalismus stehenden Parteien ist charakteristisch für die Vorlage und genügt, ihr das Urteil zu sprechen. Unser Genosse M o l k e n b u h r, der nach den genannten drei Lobrcdncrn zum Wort kam. stellte die Einstimmigkeit sämtlicher n i ch t socialistischen Parteien fest, und wies dann, auf die Vorlage eingehend, des nähern nach, daß sie das Lob der kapitalistischen Parteien wohl verdient. Er goß die Lauge des Spottes über den„humanen Gedanken" ans, dem die Arbeitcrversichcrung entsprungen sein solle.„Dieser humane Gedanke, bemerkte er bitter,— wird von den Krüppeln, Witwen und Waisen der Arbeiter bezahlt." Das ist buchstäblich wahr, denn bei Verunalückungeu wird auf Grund des Unfallgesctzes niemals volle Entschädigung bezahlt. Die Gerechtigkeit erheischt die Unterstützung aller, aber sie erheischt auch, daß die Unterstützung eine ausreichende, vollen Ersatz liefernde ist. Kurz, der „humane Gedanke" ist möglichst inhuman ausgeführt und auch in der neuen Vorlage ist alles, was zu Gunsten der Arbeiter sein sollte, möglichst zum Nachteil der Arbeiter ein- gerichtet. Nach einer— auch der„Novelle" freundlichen Rede des konservativen Elsässcrs Höffe! schloß die Debatte und wurde der Gesetzentwurf vor eine Kommission von 18 Mitgliedern verwiesen. Es kam nun der zweite Punkt der Tagesordnung zur Diskussion: die Fortsetzung der zweiten Lesung des Etats der Reichsjustiz-Verwaltung. Die unterbrochene Debatte über Mecklenburg wurde von dem Freisinnigen Pa ch nicke wieder aufgenommen, der die Zustände in Mecklenburg geißelte, freilich nichts vorbrachte, was nicht auch in Preußen und anderen deutschen Bundesstaaten vorkommt und besteht. Selbstverständlich traten die mecklenburgischen Konservativen für die„Eigentümlichkeiten" ihres engeren Vater landes in die Schranken. Auch das andere Schmerzens' kind des deutschen Reichstags bekam einige Rutenstreiche: nämlich Sachsen. Der CentrumSabgeordnete Schmidt (Warburg), der in Berlin Landrichter ist, wandte sich scharf gegen die neuliche Aeußcrung des sächsischen Bundesrats Bevollmächtigten, daß das Landgericht Berlin nicht korrekt gehandelt habe, indem es sächsische Gerichts- erkenntnisse einer Kritik unterwarf. Er zeigte, daß das Landgericht durch die Gerichtsordnung, von der Ge- rechtigkeit ganz zu schweigen, verpflichtet war, den Be- weis der Wahrheit antreten zu lassen. Leider war der ächsische Bevollmächtigte nicht anwesend, um die Ohrfeige gleich warm in Empfang zu nehmen. Er wird wohl in einer der nächsten Sitzungen darüber quittieren. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Fortsetzung der Etats- beratung; und Antrag auf Ausarbeitung e�ines Reichs-Berggesetzes. Die Etatsberatung(Reichsschatz. amt) bringt vielleicht eine Münz- und Währungsdcbatte. Das preußische Abgeordnetenhaus, in welchem von Regieriingsinitgliedern nur der Landwirtschafts- Minister v. Hammerstein erschienen war, beschäftigte sich in einer DienStags-Sitzung mit dein Etat der Domänen- Verwaltung. Es entspann sich eine lebhafte Debatte darüber. ob die Regierung ermächtigt sei. ohne Genehmigung des Landtags Domänen anzukaufen oder zu verkaufen bezw. um-l z'u t a u s ch e n. sowie darüber, ob sich die neuerdings vorgenommenen Tausch- und Kaufgeschäfte dieser Art materiell empfehlen. Eine große Rolle in der im übrigen nicht sehr interessanten Erörterung spielte die Erwerbung des G e st ü t s G e o r g e n b u r g durch die Regierung. Ministerialdirektor Thiel brachte zur Kenntnis, daß die' Domäncnverwaltung die Anlagen von Mustergütern in W e st e r- w a Id und Sauerland beabsichtige, um der dortigen danieder- liegenden Landwirtschaft aufzuhelfen. Die Diskussion schloß mit der Znrückverwcisung des bestrittenen Titels an die Biidgetkommission. Auf der Tagesordnung der Mittwochs-Sitzung steht der Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung. Es wird fortgeprügelt! Die einzige auerkcnncnswerte That, die der frühere Kultusminister Bosse geleistet hat. war sein Erlaß gegen das Prügeln vom 1. Mai 1899. Ueber diesen Anfall von „Humanitätsduselei" im Sinne der klassischen Pädagogen er- hob sich in der reaktionären Welt ein Sturm der Entrüstung. Herr Bosse erbebte und er entdeckte plötzlich, sein Erlaß sei mißverstanden worden. Am 27. Juli bereits erschien ein neuer Erlaß, der in der Weise die„Mißverständnisse" beseitigte, daß er das Prügeln wieder in ausgedehntem Maße gestattete. Aber auch dieser Kultns-Nkas wurde noch„mißverstanden", das heißt er legte der Prügelbegeisterung noch zu viel Hemm- nisse in den Weg. Es war deshalb eine der ersten Leistungen des neuen Kultusministers Studt, daß er die Mißverständnisse radikal beseitigte, indem er durch eine Verfügung vom 19. Januar 1900 beide Erlasse Bosses außer Kraft setzte. Natürlich wird die Rückkehr zur Prügelei, die alle her- vorragenden Pädagogen schlechthin als verrohend Verlversen, mit einigen süßen Redewendungen begleitet: „Ucbcrichrcitungcn oder unangcmcssene Anwendung der den Lehrern hiernach zustehenden Befugnisse haben, so versichert Herr Slndt, ans eine milde Beurteilung bei mir nicht zu rechnen. Ich erwarte gleich meinem Herrn Amtsvorgänger von der Pflichttreue der königlichen Regierungen und allen mit der Schulaufsicht oder Schulleitung betrauten Personen (Schnlräte. Kreis-Schulinspektorcii, Orts-Schulinspektoren, Rektoren, und Hauptlehrcr), daß sie auf eine maßvolle, die gesetzlichen Grenzen streng achtende Handhabung de? nur für AuSnahniefälle bestimmten Züchtigungsrechts seitens der Lehrer ihr stetes Augen- merk richten, jedem Mißbrauche des fraglichen Rechts un- nachsichtlich entgegentreten und zugleich durch zweckentsprechende Belehrung und Anleitung der jungen Lehrkräfte der ungerecht- fertigten oder übertriebenen Anwendung der körperlichen Strafen vorbeugen werden. „Lehrer und Lehrerinnen haben jede vollzogene Züchtigung nebst einer knrzcn Begründung ihrer Notwendigkeit in ein anzu- legendes Strasvcrzcichnis sofort nach der Unterrichtsstunde ein- zutragen. Die Schulaufsichtsbeamten und Schulleiter haben bei jedem Besuche der Schnlklasse von dem Inhalt des Strafvcrzeich- nisscS durch Unterschrift zu bescheinigende Kenntnis zu nehmen und, sofern sich dabei Bedenken ergeben, letztere zum Gegenstand der Besprechung mit dem betreffenden Lehrer zu machen. „Solchen Lehrer» und Lehrerinnen, welche die vorgeschriebene Eintragung der vollzogenen Züchtigimgen in das Strafverzcichnis unterlasse», oder welche sich einer Ueberschreitnug oder trotz er- folgtcr Ermnhnnng fortgesetzt einer unangemessenen Anwendung des Züchtigungsrcchts schuldig machen, wird»eben der diSciplinarcn Ahndung der Regel»ach die selbständige Ausübung dieses Rechts dauernd oder zeiüvcise zu entziehen sein." Die Lehrer, die das Züchtigungsrccht überschreiten, sollen mit der Entziehung der Prügelerlaubnis b e st r a f t werden. Wer aber nur einen Hauch echter Pädagogik ver- spürt hat, dem könnte keine größere Belohnung zu teil tverden, als wenn ihm dies odiöse Recht getveigert würde.— ** Aemsches Reich. Beschränkung des Koalitionsrechts. Am schwarzen Brett der Eisenbahn- Werkstätten prangt gegenwärtig folgende Verfügung, die unter Bezugnahme auf die kürzlich stattgcfundene Eisenbahner-Versammlung folgendes besagt: In neurer Zeit mehren sich wiederum die Anzeichen dafür, daß der Verband der Eisenbahner Deutschlands hier in Berlin agitatorisch wirkt und die Eisenbahn- Bediensteten für seine Ziele zu gewinnen sucht. So hat erst kürzlich eine vom Vorband ein- berufene Versammlung hier stattgefunden, zu welcher die Arbeiter durch Zettel, die in der Nähe der Werkstätten verteilt wurden, eingeladen waren. Wir nehme» hieraus Veranlassung, die Inspektoren und Dienst- stellen-Vorsteher aufs neue auf unsre Verfügung vom 1. Juli 1897(9746) hinzuweisen mit dem Auftrage, das Vorgehen des Verbands sowie da» Verhalten der Eisenbahn-Bedicusteten zu denselben anfs schärfste zu überwachen und gegen jede Zuwider- Handlung dieser Anordnung nnnachsicktlich vorzugehen. Die unterstellten Bediensteten sind nochmals ganz besonders auf die zum Aushang gebrachte Bekanntmachung vom 30. Juni 1897 betreffend de» Verband der Eisenbahner Deutschlands hinzu- weisen mit dem Hinzufügen, daß der Beitritt zum Verband sowie die Unterstiitumg der Bcstrcbmige» desselben, wie z.B. die Vcrtcilnug oder Verbreitung dcö„Weckruf", oder das Einlade» zu den vom Verband einberufenen öffeut- lichen Versammlungen unnachsichtlich mit der Entlassung de« betreffenden Bediensteten bestraft werden würde; ebenso sind die Eiseubahn-Bedicnsteten vor dem Besuch der vom Verband einberufenen Versammlungen zu warnen, da sie derselbe in den Verdacht bringen müßte, dem Verband anzugehören oder deffen Bestrebungen zu unterstützen. Folgt Unterschrift. Das Vorgehen der Behörde charakterisiert sich als ein un- berechtigter Eingriff in das Koalitionsrccht der Arbeiter, wie man ihn auch in Sachsen unternommen hat..??atürlich find derartige Maßnahmen nur geeignet, die Arbeiter über chce Lage aufzuklären und uns neue Anhänger zu werben. Schul- Reform? Wie die„Tägl. Rundschau" aus„unanfechtbarer Quelle" vcr- nimmt, trägt sich der Kaiser sehr ernsthast mit dem» Plane, das höhere Schulwesen in Preußen einer g l n u dl t che n Reform zu unterziehen. „Mannigfache Erscheinungen des praklischenLebcns. insbesandere auch die Erfahrungen bei der Ausbildung der Scc Cffiziere babeu ihn. sa heißt es, zu der Ueberzeuguna gebracht, daß iiiiscr höheres Schullvescn in seiner heutigen Gestalt zu wenig die B e d ii r f n i s s c d c S p r a k t i's ch e n L e b c n S b e r ü ck s i ch l i g e, und er hat deshalb seine fnlhercn Rcforinpläne, die an dem Widerstände der Schuliiiäunerkoiiferenz gescheitert sind, tvicdcr auf? gciiomnien. Da der Kaiser den f e st c n E n t s ch I u ß ausgesprochen hat. diesmal seinen Willen durchzusetzen, dürfte» voräiissichllich nach im Jahre 19lA) entscheidende Veränderungen m der Organisation des.höheren.Schul>vcscus zn ernurrten sein.. Auf. die Einzelheiten der geplanten Neformen cluzugchcn. sind wir vorläufig .nicht in der Lage;'mir so viel lämien wir ichon heute initlcilc», daß die geplanten Llciidcrinfgcn sich namentlich ans die letzten Klassen der höheren Schulen beziehen sollen." Tie Regierung scheint van diesen Absichten dcS Kaisers bisher nichts zu wissen, und eine„Vorlage des Kaisero" hat verfassungsmäßig keine Geltung, ob sie auch ans einem noch so festen persönlichen Eiitschkusse beruhen möge. Die Andentmigen der„Tägl. Rmidschan" sind unklar. Ans der Bezugnahme auf die mangelhafte Aiisbildinig der See- Offiziere scheint die Absicht hervorzugehen, die Glimnasicn in eine Art Navigationsschule z» vcrtvandclii. Die höhere Lildung ist heute ein Monopol der Bcsitzcudcu. Wenn diese jetzt eine durchaus„praktische" Erziehung habcir wolle». so ist das ein Beweis mehr für den sinkenden Idealismus der herrschenden Klassen. Wäre es dem Proletariat vergönnt, an den höheren Schulen sich' zu belehren, so wurde cS sich immer»och mehr für hellenische Kunst und Weisheit begeistern, als für das„praktische" Prcußentnm, womit die Methode des jetzige» klassischen Unterrichts und die Vernachlässigung naturlvissciischaftlichcr Kenntnisse nicht verteidigt werden soll.— Die kleine» Scejnngsraiicn. Andersens wiindcrlicblichcs Märchen von der kleinen Seejungfrau erfährt gegenwärtig eine häßliche Modernisiermig in dem.Auswuchs von I l o i t c n m a d ch e n. Der„Fraiikfnrtcr Volksstimme" schreibt ein Freund l „Denken Sic sich meine Ueberraschung. als mich dieser Tage mein zlvölfjährigcs Töchterchcn, ivclchcs eine hiesige höhere Mädchenschule besucht, plötzlich fragte:„Papa, was ist denn das eigentlich, der F l o t t e n v e r e i n?" Aber Kind, entgegnete ich. wie kommst Dn denn zn dieser Frage? „Ei, heute in der Geschichksstnude hat uns der Lehrer gefragt, ob wir auch im Flottcnbcrein seien; und dann hat er weiter gesagt, Deutschland müsse eine starke Kriegsflotte haben. Es sei Pflicht aller Deutschen und auch aller denlfchcn Kinder, initzulvirke». daß das Deutsche Reich ebenso mächtig zu Wasser werde, wie cö zu Lande ist, und dafür sei der Flottenvcrcin gut." Die reifen Frauen sollen zwar nicht studieren, aber die tlcincn Mädchen dürfen sich für Panzerschiffe und Kanonen begcislern— aus daß die zarte Weiblichkeit gewahrt bleibe.— Flottcnspitzel. Im Anschluß an eine Meldung der„Kölnischen Zeitung" hatten die„Köln. VolkSztg." und der„Vorwärts" die Vermutung ausgesprochen, die Beschlagnahme der deutschen Schiffe. sei die Folge der Hetzereien gewesen, die Agenten der reichSdeutschc» Marinclieferantcn nntenioinmen hätten, um Slininuing sür den Flottenplan zu machen. Die„Krcuz-Zeitnng" stellt sich nun. als ob solche Nuchlosigkeitcn undenkbar seien. Die Lockspitzel spielten in der Einbildungskraft der focialdemokratischeil Führer eine ungleich größere biolle als in der Wirllichlcit: „Wer im stände ist, derartige Dinge auszudenken, muß sich sagen lassen, daß er selbst sittlich nicht sehr hoch steht. Mindestens gehört dazu ein starkes Stück mephistophelischen Wesens". Ei, der Schalk! Wir stehen siltlich nicht sehr hoch, iveil wir infame Handlungen für möglich halte», die reichsdenlsche Polizeispitzel, luie Wohlgcinnth und Ehrcnbcrg aktcnmäßig verübt haben? Hat die harmlose„Kreuz-Zeitnng" niemals etwas von, Tausch- Prozeß und Rorinann-Schuina»» gehört? Ilnd erinnert sich oas Blatt nicht einmal mehr daran, daß dieselben nationalen Blätter, die heute die Möglichkeit, daß die Beschlagnahme der deutsche» Schiffe der Erfolg von Lockspitzel-Arbeit gewesen, die Jnsccnicrnng des alexandrinischen Boinbenschiviiidels zur Zeit der Palästinareise für das Werk englischer Agenten erklärten?— Ein starkes Stück »icphistophclischcn Wesens!— Klassenjustiz. In eine», Aufsatz, den der Berliner Profeffor Paul O er ti» a n n in der juristischen Fachzeitschrist„Das Recht" veröffentlicht, finden sich die folgenden Belnerlungeii. die sich geiscn die AuSdehmmg des Priitcips' deS freien richterlichen Erinessnis wenden; „Der Gesetzgeber würde, wem, nicht der Form, so doch der Sache nach abdanken und die richterliche Willkür dafür ans seilten Thron erheben. Und das wäre ein gefährliches, ja Verhängnis- volles Experiment. Sind auch unsere Richter glücklicherweise über den Verdacht erhaben, bewußt im Solde egoistischer Sonderintercssen der besitzende» Volksklassei,, zu stehen. so kann doch schlicstlich kein Mensch auö dem beherrschenden Einflnst seiner Umgebung heraus, und so würde auch ein durch den studierten Richter ganz frei gcfmidcneS Recht sicherlich im großen und ganzen vortvicgcud den Neigungen und Iutcreffen der sociale» Gruppe» entsprechen, auö denen unser Juristen- stand hervorgeht. Wie wir wissen, daß eiiiftenS in Rom die Plebejer gegen einen ähnlichen Zustand willkürlicher Anwendiuig deS unsicheren Gewohnheitsrechts daß geschriebene Wort der Zwölf- tafeln als Palladini» ihrer politischen und wirtschaftlichen Freiheit ertrotzte», so sehen auch in unfrer Zeit voller socialer Gährunge» und Mißtrauens die Besitzlosen ihre Rechte durch ein Gesetz bestimmten Inhalts immerhin leichter geivährleistet, als durch ei» System un- gehemmter richterlicher Machtbefugnis." In diesen Sätzen liegt die wissenschaftliche Anerkeiiniing des von uns tausendfältig beobachteten und erörterten Begriffs der K l a s s e n j u st i z. Der Richter ist gebunden an die Einflüsse seiner Klasse, so sehr er auch»ach Gerechtigkeit streben mag. Gegen diesen psychologischen Zwang, der die Rechtsprechung, verwirrt, muß allerdings, so lange nicht die Justiz geniäß unseren Forderungen von Grund ans umgestaltet ist, eine Einengung und Linderung des richterliche!, Ermessens erstrebt werden.— Zuzug fernhalte». Es wird von bürgerlicher Seite in der Regel als ein unzulässiger Terrorismiis verschrien, wenn Arbeiter in, Lohnkanlpfe ihre Kameraden auffordern, den Zuzug nach ge- sperrten Werkstätten oder Orten femznhaltc». oft sind sogar Arbeiter deswegen gerichtlich bestraft worden. Jetzt streiken in Dresden die z w a n g s v c r e i n i g t e n A c r z t e gegen die Betriebs- Kranken- lasse der sächsischen StaatSbohncn,' und ganz Ivie proletarische Streilbriider fordern sie zur Fernhaltuug des Zuzugs auf. Ihr Fachorgan, das„Korpespoudcnzblatt der ärztlichen Bezirks- vereine", ersucht die anßersächsischen ärztlichen Blätter,„die Kollegen iin Deutschen Reiche zu warnen, etwaigen Ausschreibungen von Angestellten der Bahnkasse Folge zu leisten". Findel sich kein Stumm, der über TerroriSinns schreit? Findet sich kein Stgaismtwolt in Sachsen, der einen Prozeß wegen groben Uiisngs anstrengt?— Ein ritterlicher Tauienspcndcr. In dem Büchelchen, das die Donnen ans dem diesjährigen Berliner P i e j j e- B a l l erhielten. hat ein Mann Namens Harry von Pilgrim solgcude Gcisircichigkeil zum besten gegeben: „Eh brnch ist verbotenes Raschen, Laß Dich nie dabei erhaschen." Daß sicki gerade die„Kr«iz-Zcitnng" über die Schöpsimg dieses feudalen Dichters aufregt, ist inn so auffälliger, als der wilde Harry die Sache nnmöglick' so säiliiimi gemniil haben kann. Das verbietet schon sein»lililärischcr Charakter eines Kavalleiicliclitcnnnts der Landwehr und seine Stellung: Harry ist nämlich berufe», als Rcdactciir dcS--„Deutschen Reichs- und Kgl. Preußischen SlaatS-AuzeigerS" das Feinste inid zugleich Amtlichste an Ordiimig. Ncligion inid Sitte dem Volke zu künden.— Kandidaten für Zivangöcrzichnng. Der in Rad eben! wohuende Apolhelcr und Fabiikanl Paul Günther Wolf v. Poclluift fuhr im September vorigen Jahres mit jeiiiem Freunde v. Zeschau von Cosivig nach Dresden. In dasselbe Wagen- abteil stieg eine Frau»iil ein, die v. Poellnitz zunächst iiiii gemeinen Redeiisarieii rcgalicite. Nachdeii, später v. Zescha» ansgesliege» war imd v. P. allein mit der Frau war. rückte er an diese'hcrn» imd belästigte sie i» der nnverscbäiiitesteil Weise mit un- züchtigen Acußeriliigcn und Handgriffen. Das Gericht vernrteillc den Fle>ii von der Regierung auch alles gepfändet und zwangöwrise versteigert wird, so bleiben ihm doch seine Sklaven: init ihnen kann er sich immer wieder in die Höhe arbcilcii. Ans diesen Gründen ivcrden noch immer den Wuri, Mongo, Lniignsi und Sanaga hcrnnter Sklaven in die Kolonie eingeführt und in derselben auch als Z a h l n, i t t e l verwertet. Neben diesen, Sklavenhandel besteht in der Kolonie ein abscheulicher Menschcnwucher, der in der Verpfändung von Mensche» an Gcldvcrlcihcr besteht. Bclainitlich hat der Afrikareisende Krause lviedcrholt be- hauptct, daß auch in, dcntsckien Togogevict noch Sklavenbaiidel vetrieben wirk Die Regierung hat das bestritten. Es lvird ihr sicher- lich im Reichstag Gelegenheit gegeben werden, sich über die vom Missionar Böhuer niitgelciltc» Erfolge unserer herrlichen Kolonial- polilik in Kamerun auszusprechen.— Ausland. Das Programm der neuen Regierung. -st,.- Wien, 21. Januar. Das Ministerium Körbcr l.it gejieru sein Regieriiiigsprograinni kundgegeben. Es ist ivrder eine Thronrede, ivie sie in koiistitiitioncllei, Staaten Brauch ist. auch leine Erklärung des Preinieimiiiisiers. es ist überhaupt leine Rede, sondern es ist— ein Artikel in einem offiziösen Blatte! Schon diese äußerliche Thatsache zeigt an. was denn den ganzen Inhalt der 9tegicri»igSerklärimg bildet: daß Oestieich ein Parlament nicht mehr besitzt. Wenn dje Rrgierinig zu den Völleni OcstiejchS reden will, so sindct sie mir den Weg der offiziösen Presse, eine andere Tribüne ist iljr_ versagt. Welche Schande für ein Reich, das dreißig Jahre„Verfassniig" hat! Herr v. Körber hat also die„Wiener Abcndposi", die Beilage zur amtlichen„Wiciicr Zeitung", geivählt, um der Oeffentlichleit kundziithuii. ivie die neue Regierung über Oeslrcich denke und ivas sie thun ivolle. uiii den unsäglich traurigen Ziistand des Staats zu bessern. Als ihre ivichligsic polilische Ausgabe sieht das»cue Kabinett die Beileg u ii g de-Z nationalen Streites an; ihre kulturelle und ivirtschaftliche Mission erblick� sie in der Zu- samnieiifaffling aller Kräfte zum Gedeihen des Staate?. Es sind bittere inid bartc Worte, in denen Herr v. Körber die Wirkmigcn der iialioiiale» Zwietracht schildert. Die iialionalcn Kämpfe, gesteht die RegicriuigSeillänmg zu. haben die Geister zu emjeitiger politischer Leidenschäsllichkeit gedrängt, die Eiiergie des Volles nnler- biniden. den jociolcn Verkehr geschädigt, und selbst Iuter- esseil in den Hintergruiid gedrängt, die allen Volks- släniine» gemeinsam sind. Den»atioiialeii Streit, dieser Ursache des Niederganges dcS Staates nnd der Völker, ivill die Regierniig durch eine freie Beratung der Vertrau cuS« in ä nn er beider Parteien schlichien oder wenigstens zu inildcrii versuchen. Das ist die formelle Anküiidiguiig der V e r- st ä n d i g u>i g s l o i, f e r e n z, die noch diesen Momn ziisainincii- treten ivird. Tie Regierung Ivill auch nicht müßig bei seitc stehen, sie ivird vielmehr der Konferenz„eine Rcihepon konkreten Vorschlägen nnlcrbrcitcn",iodaß,.diesiiitIigciiFragciisofortalifdaSGeb:ctprak!ijchcr Beratung" geleitet werden kviincii. Und ganz feierlich schließt die Erklärung, nachdem sie den durch die nationalen Zwistigkeiteii hervor- gernfeneii wirtschaftlichen Niedergang beklagt hat, mit folgenden Worten:„Eine aufrichtige und ehrliche Politik der Verständigung, eine feste, unparteiische, vom rascheren Puls der Zeit belebte Verwaltung und die Förderung aller auf die llcbnng und Elweiteriing der Prodnllioii gerichteten Be- strebnngcn— das.sind die Zielpunkte der neuen Re- gieniiig, und hierfür erhofft sie vertrauensvoll die Unter- ftützung aller Klaffen der Bevölkerung". Das sind wohl mir All- genieiiiheiten, die schließlich jedes Programm putzen; aber die Be- stimmlheit, mit der sie die Regierniig ausspricht, läßt immerhin die Möglichkeit offen, daß die neue Regierniig eine Regierung des Fort- schiitts, eine moderne Regierung sein will. Ob sie's auch können wird, daS freilich hängt nicht von ihr allein ab. Es ist wahr, ivas die Regierung sagt: Wseitige Opferwilligkeit, die den Existeiizbediiigungcn des Staats Rechnung trägt. könnte einen �redlichen Vergleich" über die iiationaleu Streitpunkte ermöglichen. Die Frage, ja das Problem Oestrcichs ist cS aber, o b diese Opfer Willigkeit bei den nationalen Parteien, bei den n a t i o n a l e m p f i n d e n d e n V ö l k e r n n'o ch zu finden i st. ob die Völker von ihren »ationalen Interessen Opfer zu bringen willens sind, um die Eristenz des Staats zn ermöglichen und zu sicher». Der berühmte .ostreichische Staatsgedanke" wird in dieser RegicrungLerklärnug auf eine in offiziellen Aktenstücken nicht übliche, aber ganz richtige Weise erläutert: Er besteht darin, sich mit der Thatsache. was Ocstreich ist, so gut als möglich abzufinden; Ostreich ist eine„Not- wendigkeit", weil e s ist. Die Aussichten, daß sich die Hoffmiiigen des Herrn v. Körber erfüllen, sind äußerst gering; mehr als ein vorübergehender Waffenftillstaiid, inehr also als ein Prolongieren des bald fällig werdenden StaatSbrnchs ist von dieser ivie von jeder andern Aktion nicht zu erwarten. Denn ein Staat ist nur möglich, wenn er eine znsammeiifassende Orgam- sation der Volkskräste ist: wo aber die Kräfte sich nur gegen einander entwickeln können, müssen die nationalen Teiideiizeii des Volkes das Staalsgcftige sprengen. iDestrcich- Ungarn. Nlchtgenchmiguug des Bundes deutscher Städte. Wien, 23. Januar. Auf die Beschwerde der Släöwerordncteii von Reichen- verg wegen der Richtgenehiiligunt! der Statuten des Bundes der dtiitschen Städte Böhmens erkannte das Reichsgericht, daß durch die Nichtbcwillignng der Slatiiten eine Verletzung des staatsgrimdgesetz- lich gcwährieistrken Rechts, Vereine zu vikdön. nicht siattgcfmid.en hybe. da die pcabsichtigie Vereinigung von Gemeinden eine Gc- fährdung der allgemeinen staatlichen Lrdmmg in sich schließe nnd die in der ininistericllcii Eiitschcidniig aiisgesprölheiie Besorgnis für den staatlichen Orgallismus vegrünsei erscheine.— lieber Folterungen, durch die galizische.P o I i'z e i ausgesuhit. berichtet die Wiener„Arbeiter-Zeitnilg" aus Sa in vor: Die hiesige Polizeistiibe ist zii einer fnrchlvaren Marlei�elle geworden. Zur Er- .prefsiiiig'der Geständnisse werden die Häftlinge Tage ohne jede Rahrinig gehalten. Es ivird ihnen gegemibcr. die jogeiianNte B äfft o n n a d e angewendet, das ist. sie werden auf die Fersen gc- schlagen niid dal ei geknebeli, daniil sie. nicht schreien iöimen. Aiißeidcm illilidcn ihnen die Finger in e i s e r» e St i n ge ein- geklemmt, so daß das Blut durch die Fingerspitzen spritzte und die Knochen gcvrochcn wurde». Manche wurden gejejjclt und an eine ekserilc Stange gehängt. Polizisten, die sich zu diesem schrecklichen Dienst nicht verivenden ließen, ivurdjen entlassen. Der Schlössermeister. der die Marterwerkzenge anfcrliglc'. präscntierle seine Rech- inmg dem Magistrat, inid diese wurde honoriert I Schweiz. Basel, 20. Januar. sEig. Ber). Die das bornierteste Hand- iverker- und Spießbürgertnin uiiisassende sv'gciiannte„Gewerbepartei" hat 1236 Unterschriften gesammelt, um das Gesetz, betreffend die A r.b e i t s l o s e n- V e r sff ch e r n ii g, zur VolkSabsliinmutzg zu bringen. Erforderlich waren»nr 1000 Uiiterschriflen.� Natürlich fordern die arbeiterfeindlichen und pfeiimgfnchserischcn Spießer die Volksabstimniimg iiiii zur Verwerfung des Gesetzes. Ob sie dieses Ziel auch erreichen werden, scheint uns aber doch fraglich zu sein.— Belgien. Bccrnaerts Mission in Deutschland. In der Brüsseler Repräsciitantenkaiiiliicr interpellierte am Dienstag das Mitglied der Rechkcn W. äste über die angebliche, aus eine F ri e de ns v e rm i t t I n»g abzielende Mission Beeruacrts am Berliner Hofe. Der Minister de? Aeußcrn de F a v e r e a n er- widert. Becrnacrt sei mit lciucr Mission der belgischen Regierimg nach Berlin betraut, er habe sich dorthin begeben, um VerHand- lnngcii für den K o n g o st a a t zn führen. Was die veröffentlichten Interviews anlange, so keuue er Beernaert zn gut. um zu glauben, daß er in einem angeblichen Interview die Jnlekessen Belgiens habe gefährden können. � Frankreich. Im Prozcst gegen die Zlssiiinptiouistcnbriidcr erklärte am Moinag der Staatsanivalt Bulot, gegen die Assumptionistcn sei ein- geschritten worden. weil sie das Gesetz übertreten haben und seit 50 Jahre» ohne Erlaubnis der Regierung und ohne Approbation des heiliges Stuhles bestehen. Bulot spricht sodann von dem Reichtum der Assuiiiplioniste» und weist auf ihre politische Thätigleit bei den Wahlen hin. Am Dienstag begann bei großem Andrang dcS Publikiinis das Zengenverhvr. Ein Polizeikommissar berichtet über die vorgenommene Hnnssilchiing und erklärt, er habe zwar lein Inventar der von ihm vorgcsinidciieii VermogeuSiverte anfgenommtn. schätze dieselben aber aus mindestciis 1.800 000 Frank.— Schweden. Im ncugcwähltcn schwedischen Reichstag finden zur Zeit die Partcibildnugcn statt. Die„Liberale Sammluiigspartei" hat ein»eucs Programm anfgestellt, in dem sie für Erweitermig des R c i ch s t a g s- S t i in m r e ch t s aus der Basis des Kommunal- Stiiiiiurechts eintritt, in der Union s f r a g e ist sie gegen die Aiiflösimg. dagegen sollen alle Forderungen Norwegens ans voll- ständige Gleich st cllung mit Schiveden bewilligt werden. In der socialen Frage ist sie für einige Reformen: Er« Weiterung der Fabrikaufsicht, Einsetzung eines Schiedsgerichts für Arbeits- und Lohnftreitigteitcii. Versichcrungsgesetze. Dieser „Liberalen S a ni in l n n g s p a r l e is" sind einige achtzig Mitglieder der Zweiten Kainiiier beigetreten.. Die agrarische konservative Gruppe„Landmäiinerparlei" besteht noch immer an? 120 Mann(im Vorjahre 130). Die„Volkspartei" hat bcichloffen aiisziihöien und sich der„Liberalen Sammluiigspartei" anzuschließen. In dem Ausschuß derselben hat sie ober mir zwei Mitglieder erhalten. obiuohl sie bei den Wahlen viel größere Stimmenmasscii hatte. Sic billigt das Programin der„Sammlinigspartei" und hoffi. daß der Zilsammcnschluß aller„resormireundlichen" Elemente am ehesten zum Ziel führen wird Eine socialdemotralische Partei existiert bei dem jämmerlichen Wahlsystem im schwedischen Reichstag nicht. Sie hat nur ein paar Vertreter/— Rnhland. Kirche und Schule. Wie russische Blätter melden, hat der „Heilige Synod" die oberste riissische kirchliche und Kultusbchörde, au dessen Spitze bekanntlich der berüchtigte Reaktionär Pobjedonoszcw steht, veschlosse».»ach Möglichkeit die Zahl der Kircheiigenieindc- schulen zu vergrößern und dort, ivo neue Elementarschule» errichtet werde» sollen, dieselbe» direkt»nter die Aussicht und Leitung der Kirche zu stellen. Ferner sollen in vielen größeren Provinzialstädten landivirtschaftliche Schulen errichtet iuerdeii. die ebenfalls der Geistlichkeit unterstellt sein werde». Auch i» Sibirien sollen in alle» Dörfern, welche mehr als 200 Eiiiivohner zählen. Lcse- »nd Schreibschirke» eröffnet und gleich de»' bereits eröffneten Schulen. ivelche die Landbcvöllerimg auf ihre Kosten initerhaltcii muß. i» Kiicheii'chiilcn uingcivaiidelt werden. In mehreren südrussische» Städten sgwie in den sibirischen Städten Jrlutsl. Krasnojarsk inid Omsk sollen die Lehrerseminare der kirchlichen Leitung unterstellt werden und endlich sollen in Rußland inchrere Hundert Kirchen- genicindeschuleit für Mädchen errichtet werden- Ein russisches Blatt bciiierkt zu diesen Projekten:„Die bewußte Fortvrbeit des Heil. Synods, die Volksaiifkläruiig in die innigste Abhängigkeit von der Kirckie zn bringen, muß als das wesentlichste Merkmal der Thätig- keit dieses boben Ressoi-ts ivährciid der letzten Zeit hingestellt werden."— In der That bedeuten diese iicuen Maßnahmen zimi Zweck der„Volksanfklärimg" unter dem erzreakiionärcii Kirchen- reginie Pobjedonoszcws nichts anderes als systematische Volks- verdummung.— Petersburg, 22. Januar. Die fiommifsion zur Verhütung und Bekänipfnng der Pest in Rußland gicbt amtlich dekaiint, daß Mille November im Kreise KraZnajar. Goiiveriieincnl Astrachan, in den Kirgisen-AralS, Kischlena-Aral und Kine-Acal nnd ans Inseln im Kaspischcn Meere, eine e p i d e m i j ch e K r o n k h c i t ansgcbrochen ist, bei welcher s ä m t l i ch e E r k r a n k n n g e n einen tödlichen A ii s g a ii g nahmen. Ter Gonverneur ist mit Sachverständigen an Ort imd Stelle abgegangen, um die ersorderlichen Vorsichtsmaß- regeln zu treffen. Bis zum 29. Dezember seien 159 Personell gestorben. Seitdem sei die Krankheit völlig erloschen, an ander» Orten hätten keinerlei Erlraiiluiigen stattgefunden.— vlam entÄr ifches. Kolouialctat. In der Bud g e t k o m m i s s i o n des Reichstags stand am Dienstag der K o l o n i a l e t a t zur Beratung. Der Referent Prinz Arenberg berichtete zunächst über die dem Etat beigefügte Denkschrift, betreffend die andcrwcilc Regelung der Bezüge der Koloiiialbeamten in den afritanischen Schutzgebieten. Kolonial- direktor v. Bnchka legt eingehend dar, ivelche Reformen in der Klllllnialuerwaltuiig er durchzuführen gedenke. Bcssuders die Aus- dilduug der Beamten solle praktischer als bisher gestaltet werden, sie lollcn auch mehr.kaufmännische Li e n n t n i s s e erwerben. -Me Selbstverwaltung der Schutzgebiete unter Beteiligung der Ein- gcborencil solle mehr ausgebilder. iverden. Das Zollsystem solle von unnutzen Plackereien, besonders hinsichtlich des Passagiergepächs, möglichst befreit werden. Man dürfe bei dieser Reform jedoch die vor- baudeuen Schwierigkeiten nicht uniceschätzen. Er hoi-e, bereits im nächsten j>QÖre über Erfolge berichten zu können. Abg. Dr. Miillcr-Sagan(fri. Bp.) Tragt an. ob bei Ansetzunz der Dicnstallcrsstnsen nicht auch Rücksicht an? dre(befahren des Lilimas genommen werden forure. -i>en!t der Äolonialdirckior den Bureaukratismus durchbrechen ivolle, luune. er nur den Assesiorismus verzichten. Man solle möglichst vrartttch erfahrene Leute in den Kolonien anstellen. Geheimer Rat r,. lu�a auch Leute mit praktischer Erfahrung für die tvert- Kandidaten zum Kolonialdienst, leider seien sie aber in wnu'chensiuertcr Zahl nicht zu haben. ES käme hier weniger auf "1? el"ug vn, als auf Persönlichkeit und Charakter. Dieie Eigen- tcheNen lueeden vor Absendung der Bcamlen eingehend gepriiit. Ter beuliic ocilszn.statid in nnsern tropischen Kolonien habe sich in'olqe sariuhrer MaMg-lti sehr gebessert. Eine Abstufung der Gehälter naw dem Ktnna sei. ini. allgemeinen, unmöglich. Abg Tr. Hasse snat.j entpstchlt zur Vorbildung für unjre Kolonialbcamten Reisen in die Kolonien andrer Nationen. - Kommission geht hierauf zur Beratung des Etats für das .�.s.nirlkantichc Schutzgebict über. Bei den Einnahmen sind als incl 1 angcictzt: Direkte Steuern 560 000 M. Der Referent Prinz "Arnberg konstaliert. dast die Häuser- und Hnttciistcucr in erfreu- nwer Zunahme begriffen sei, das sei von hoher kultureller Wichtig- leit. Korrefereilt Dr. Hasse regt die Einführung der deutschen Geld- Wirtschaft in den ostafrikanischen Kolonien an. TaS indische Rupien- shstem ici_ ans die Dauer nicht haltbar. Müklev-Fulda wünscht so- cann größere Specialisierung der direkten Steuern, sowie genauere Angaben über Ausfuhr und Einfuhr, Zölle und' Zoltbefrcinnge». liniere Kolonien erfordern zu hohe Zuschüsse. Eine günstigere Gr- staltung der Einführniigsuerhältliisje ivcrdc vielleicht eine Verinindc- rung des Zuschusses ermöglichen. Rcän müsse danach streben dast die Kolonien sich selbst erhalten. Die Stcigenmg der Zmchü'ie des Reichs, die jetzt schon en. 30 Millionen betrage, könne nicht zu- gekaffen iverden. Direktor v. Bnchka erkennt diese Ausia'snng als berechtigt an und sagt fiir deli nächsten Etat größere Svecinlincrung zn. Abg. Nebel beurteilt den Kolonialctat sehr pessimistisch. Die Zuschuffe der Sk-ichskaffe würden in den nächsten Jahrzehnten noch sehr� bedeutend steigen inid er bezweifle überhaupt, daß 1 e die eignen Elnuahmeii der Kolonien die Ausgaben deckten. Hungers not und H e n s ch r o ck e n p l a g e würden immer wiederkehren � und man habe keine Mittel, dieie alis dem großen Gebiete, das in Jyragc kommt, zn unterdrücken. Selbst � C c c k. 11 11' a,t' �en."'vn so große Hoffinliigen gesetzt, sei nach dem Urteil von Sachverständigeii infolge der hänffg wieder- t ehrenden Dürre in Frage gestellt nnd damit stehe auch die Renta- biiira» der logeimiinkeii.Kaffeobahn in Frage. Man bewillige über- Haupt für die Kolonien st.i einer wahren Hnrrastiimnnng. Er habe voriges �ahr vor dem Ankauf der Ilsainbarabahn gewarnt, die Ost- nsnlnuische Gcselischast würde froh gewesen sein, wenn das Reich die Bahn ihr geschenkt abgenoniiiicn hätte. Der Bericht in der Denk- schrjst beweise,. wie recht er mit seinem Urteil gehabt. Ter ganze Kolvmaletat sei in einer Weise ausgestellt, daß. würde bei dem Reichsctat in gleicher Weise verfahren, der Reichstag über eine gc- wiffenlose Etatsansstcllnng schreien würde. Direktor v. Nuchka'rechtfertigt die Aufstcllimg des Etats. Ein Shsicul der Ziechnungslegung nach heimischem Muster sei für die Kolonien allerdings undiirchflihrbar. Abg. Graf Stolbcrg lk.j stellt den Antrag, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen. in Erwägung zu achheu, ob cS sich nicht empfehle, die Rcchninig für Lstafiika künftig in Niipicn äilszilinachcii. Dieser An i rag wird gegen 7 Stimmen angeiioinmeii. Titel I wird darauf genehmigt, die weitere Debatte ans Mittwoch vertagt'. Tcv dcm VundeSrat vorliegende Gesetzentwurf über die Berampsnng geuiriitgefährlichcr Krankheiten knüpft an die dem Reichstage in den Jahren 1303 und 130s vorgelegten nnd nicht zur Verabschiedung gelangten Entwürfe an. An der Hand der neuesten Forschungscrgebinffe sind die früheren Entwürfe namentlich' rücksicht- lich der Pest einer Prüfung und Umarbeitung uuterivorseil worden. Es sind die Ersahrilngeir berücksichtigt, welche die von Reichswegeu ln}..on6rc 1897 zur Erforschung der Pest nach Indien entsandte wiiiciischaftliche Kommissioii, sowie Sachverständige, die neuerdings nach Porto zum Studium der Seuche entsandt sind, gemacht haben. Tie Krankheiten, ans ivelche das Gesetz sich erstrecken soll, sind Aussatz (Lepra), Cholera(asiatische). Fleckfieiu-r(Flecktyphus). Gelbfieber. Pest (orlcütaiische Beiilcnpest). Pocken(Blattern). Der(fntwurs behandelt den Stoff in sechs Abschnitten, nämlich Aiizcigepslicht. Eriiiittclimg der Krankheit, Schiitzmaßregeln, Eiitschädiguiigeil, Allgemeine Vor- schritten, Strafbestinnnungcn. D K v k e i-"M K r i rh t e»r. Fm Wahlkreise Calbc-Aschcrslcben ist der Wahlkampf mm kiiif beiden Seiten heftig entbrannt. Nächdenr miffe Parteigenossen schon in 4 Flugblättern nnd in einer Anzahl von Lersainiiilniigen zu den Wählern gesprochen haben, sind auch jetzt die vereinigten Gegner mit einem Flugblatt heransgekommcn. Schon vor einigen Tagen schrieb ein Amtsblatt im Kreise in einem Anfriif an die Kricgcrvcreinc:„Es gilt, miseri» geliebten Kaiser zn zeigen, daß der Wahlkreis Calbe- Aschcrslebcn ihn weder aus Fahr- läsffgkcit, noch ans Tinnmhcit, noch ans Uebelwollen persönlich beleidigen läßt!" So gipfelte auch das ganze Flugblatt in dem Satze: Wer Albert Schmidt wählt. beleidigt den Kaiser. Wie armselig erscheinen Parteien, die sich im politischen Tageskampf hinter dem Kaiser verstecken müssen, statt ans eigner Kraft den Kampf zn führen. Kandidat des vereinigten OrdiiniigSbreics ist wieder der sich nationalliveral iimicnde. Herr Placke ans Aken. Großlanstnann und Major der Landwehr, der schon bei der ordentlichcn Wahl kandidierte und der aus jedes Programm schwort(das socialdemokratische natürlich ausgenommen): er hat auch das Programm des Bnndcs der Landwirte anerkannt, ist aber gleichzeitig flotteiibegekstert. Mau sieht, daß der Herr allerlei Gegensätze imter einen Hut zu dringen vermag. Herr Placke ist übrigens ein Herr mit einer anscheinend sehr zerbrechlichen Ehre; gegen jedes scharfe Wort, das im Wahlkampf von Gegnern füllt, ruft er den Strafrichter zn Hilfe,>vas um so bezeichnender ist. als gerade die Anhänger nnd Agitatoren des Herrn Placke ihre Gegner gcradczn mir Kot bewerfen. DaF miißteii außer ims auch die Frei- siniNgen bei den allgemeinen Wahlen erfahren, für die damals der Fabrikant Saalivächter ans-Schönebeck kandidierte. Fiir diese Wahl stellen die Freisinnigen keinen Kandidaten auf, weil sie die Ab- errenninig des Mandats nicht billigen. Um die Skimnien der bei der vorigen Wahl rücksichtslos bejudelten Freisiiniigen betteln jetzt die Leute PlackcS ganz- skrupellos. Bei der vorigen Wahl erhielten im ersten Wahlgang Schmidt 17 000 Stimmen, Placke 13-894, Saalivächter 2232 und Bindewald 1237 Stimmen. Bindewald hatte sich damals auf das biiudlerische Programm mit verpflichtet; da ihm diesmal Placke diese Mühe ab- gciwmnwn hat. so dürfte vermutlich kein antisemitischer Kandidat ivicder auftreten und der Kampf diesmal im ersten Gange ausge- fochten werden. In der Stichwahl 1898 erhielt Schmidt 18 300 lind Placke 18 100 Stimmen. Die Wahl ist auf den 26. Februar angesetzt.—_ Ans der �rnnenbetvvgung. Nur ein Doktorhut. Unter diesem Titel hielt Fräulein Käthe S ch i r in a ch e r am Moniagyhcnd einen Vortrag, worin sie die bürgerliche Franeiibeivegung gegen den ibr gemachten Vorwurf in Schutz nahni, daß sie sich den socialen Aufgaben der Gegenwart verschließe und nur fjfl die FriUicn der.oberen Zchiitausend" kämpfe, »nr den Doktorhut als ihr einziges Ziel betrachte. Ihre Lob- preis,»igen der Thätigkeir der' bürgerlichen Frauenrechtlerinnen fanden aus den eigenen Reihen.Widerspruch. Frau Minna C a u e r erklärte in der Debatte,- sie könnte die meisten Führerinnen der bürgerlichen Frauenbewegung nicht so in Schutz nehmen, da sie der Arbeiterinnen- bewegung gegenüber eine ablehnende Stellung eingenommen hätten. Ein' Zusammengehen mit den Arbeiterinnen- vereinen sei ober unbedingt erforderlich. Der Streik der östreichischen Berg- arbeiter. Man schreibi. uns aus Wien,' 22. Fanuar? De: Streik, der Berg- arbeitet ist nun fast' ein allgemeiner. In den böhmischen Revieren Brüx. Tev kr tz. Kö m o t a u) Pilsen und M i c ist schon bei der heutigen Frühschicht nicht eiNgcsahren worden; spätestens morgen früh wird sich die Sachlage im Falken an er Revier entscheiden. Im Klndnoer ReVitt, dessen Arbeiterschaft verbälmisMäßiz am besten organisiert ist, steht der Streik fest, und in Lstrau-Karwin breitet er sich immer Mehr ans. io daß man in wenigen Tagen !v irklich von einem Generalstreik der mährisch- böhmischen Reviere sprechen k ö n n c.n w i r d. Die Forderungen der Arbeiter find überall dieselben: A ch! st u n d e n- l ch i ch t, Erhöhimg der G e d i n g l ö h n e und Festsetzung von N? i n>. m al l ö h n e n. Die K o h l e n n o t macht sich schon überall geltend, am stärksten in Böhmen, dest'en geförderte Braunkohle zur Hälfte exportiert wird. In Prag Muffen bereits wegen Mangels an Brennmaterialien die Schulen geschlossen bleiben: die elektrische Tramway hat ihre Einstellung der Behörde bereits signalisiert'; in manchen Prosinzstädten fehlt es an Kohle zur Gaserzeugung. in Pilsen kann man bereits nicht. heizen, lnrz. der Streik der Bergarbeiter macht sich überall füblbar gellend. Tie Regierung begnügt sich vorläufig damit, daß sie in alle Streik- orte massenhaft Militärdirigiert, das in manchen Orten sehr provokatorisch einmarschiert ist. So haben die drei Bataillone Infanterie, die nach Kladn» geschickt worden sind, gestern abend drohend ank dem Marktplatz Aiirüelliuig genommen— als ob gleichsam den Bergleuten gezeigt worden sollte, welche letzte Social- Politik ans sie lauert. Es wird aber der Rtgicrinig schwer fallen, sich lcdiglick, ans die Eiin'chüchtcriliig der Arbeiter zu beschränken. Die Deutsche Fortschrittspartei die heute zu politischen Beratiiiigen beisammen ivar, hat auf Antrag des Abg. Dr. Lecker beichloiien. die Regierung um Jutcrocniion anzugehen. Anck sonst ist das Gciühl überall vorhcrrichcnd. daß die Regierung es nicht dulden dürfe, daß eine Handvoll llirkernehmerprotzen über das Wohl und Wehe von hunderttausend Menschen achtlos hinweggeht und dein«ciamten Erwerbsleben niibercchcnbaren Schaden zulügt. Allerdings steht an der Tete dieser Unternehmer ein k a i s c r l i ch e r P r i n z, Erzherzog Friedrich, der Erbe nach Erzherzog Albreau, nnd das wird den Eiser der Negicnulg nicht sehr beflügeln. Einige Zahlen werden genügen, um die Größe des gegenwärtigen AuSstandeS zu verdenllichen. Im m ä b r i.s ch- rt? l c.s i s ch c n Revier(Ostrau Karwi») sind 12 000, in Kla du o»Schlau 15000. in Pilsen, Mies und Nütschau 9000 Arbeiter beschäftigt. In diesen Gebieten wird ausschließlich Steinkohle gefördert. Braun? lohle wird in Falke na n, wo 7000 Arbeiter beschäftigt sind, und in den Revieren Komotau, Teplitz und Brüx mit insgesamt 27 000 Arbeitern gegraben. Mit Ausnahme vom Falkenaner Revier, Ivo heute nock. voll ejngcfahecn wurde, uinsasseu die Streikorte 93 000 Arbeiter, von denen schon heute wohl mehr als Dreiviertel im Streik stehen. Es ist wirklich nur eine Handvoll Menschen, die diese hunderttausend Arbeiter aiisbenten. In Oslran-Kanviii konzentriert sich fast der gesamte Bergbau in sechs Händen;»ach der Neihciffolgc der Erzeiigiing geordnet sind cS folgende: R o t b s ch i l d. N o r d b a h n, Gebrüder G n t t in a n n (die bekaiinien jüdischen. Philanthropen"). Graf L a r i s ch- Rk ö n n i ch, Erzherzog Friedrich und Gras W i l cz c k, der in Wien Ethik nnd MäcenateiiiuM posiert. In Kladn.o- Schlau sind die Haiiptbesitzcr drei Gesellschaften: die S t a a t s e i s e n ö a h n- G c- sc llscha ft, die Prag er E i s e n i n d n.st x i e- G e s e l l s ch a f t mit dem berüchtiglcii Wittgenstein an der Spitze, und dje B n s ch t i e h r a d e r E i s e n b a b n. Selten noch ist die Wahrheit der Lehre, daß die kapitalistische Ordnung ans der eiiicn Seile die nn- übersehbare Schar der Ansgelienieren, ans der andre» Seite die immer weniger ivcrdendcn Kapilalniagiiaten versammelt, so grell hervorgetreten, als im östreichischen Bergbau! lind selbstherrlich ge- biete» die zwxi Dutzend Ausbeuter über alle Machlnntiel des Slaals und die Regiernng verkriecht sich feige vor ihrem Stirn- runzeln! Daß die Einwendungen der Grubenbesitzer, die Ächtstinidcuschicht sei unmöglich, eitel Flnii'e» sind, ist dieser Tage durch das Vorgehen des Staats selbst erhärtet worden. Der Staat besitzt im Bnixer Revier ein Bratmlobleiiwerk mit ctiva 1500 Arbeitern. Selbst- verständlich haben auch dicsc Arbeiter Forderniigen aufgestellt, und das Ackerbai!- Ministerinin, dein die ärarischen' Bergwerke nntersicheii, bat ihnen die A cht flu n den s ch icht be- iv i l l i g t. Damit ist die Hauptsorderinig der Arbeiter von dem Ackerban-Ministeriinn nnd der sachliche» Direktion eines Betriebes als gerecht und durchführbar anerkannt worden. Der Staat hat damit ein Beispiel gegeben, was nicht ohne Folgen bleiben kann. Was daS fiskalische. prositsüchtige Moutanckras thlin kann, das können auch die Rothschild, Larisch. die Prager Eisenindustrie nnd ivie alle die privaten Ausbeuter heißen, wohl leisten, ohne an ihrem Prosit und ihrem„Prestige" cinziibüßeii! Ter Streik im Süden der Monarchie, in den Gebieten von S a g o r nnd T r i f a i l(Rrain) unterbleibt. Bei den Montag in Cikli zivischen den ffitiiu'rkcit und den Vertretern der Kohlen- arbeiter abgehaltenen Verbandlnngen bewilligten die Ge werke folgende Ziigcständnisse: allgemeine fünfprozentige LohnerhöhnNg, siinszigprozeiitige Lohnerhöhung für Sonntagsschichten, ach':- stündige Arbeitszeit flir Grubenarbeiter(nicht für die Ober- tagarbeitcr inid Professionisten), Quariierznlage von drei bis vier Kronen fiir vcrbei'rntete Arbeiter und Oclbczug zum Selbstkosten« preise. Mit Rücksicht auf die derzeitige mangelhafte Organisation haben die Arbeiter beschlossen, diese Zngeftändnisse zn acccptieren und von dem Streik, der schon heute hätte beginnen solle», abzusehen.— » Die Regierung sucht Vermittlinigsvcrsnche zn fördern. So wird berichtet, der Ackcrbanministcr habe die Bergbehörden, in deren Bezirken Kohleiiarbeiter-Äusstände drohen oder bereits ausgebrochen sind, beauf- tragt, auf das nachdrücklichste darauf hinz'nivirken. daß sowohl die Bergban-llnternehincr als auch die Bergarbeiter dem Zusammentritt des Einigli ugsamts keinerlei Hindenüs in den Weg legen. Jenen Parteien, die sich von vornherein weigern, in Verhandlungen vor dem CniiigilngSamte überhaupt einzutreten, ist auf das nachdrücklichste die hohe Verantwortlichkeit uorzuhalrcii. welcher sie sich angesichts der gegemvärtigen sehr ernsten Sachlage aussetzen. Unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten v. Äörber oder in dessen Verhindernng des Ackerhaniniiiisters. wird von jeyt ab täglich eine Kommission znfainnientreten, welche au» Vertretern der Ministerien des Innern, der Justiz, des Ackerbaues, des Handels und des Eisenbahllministeriuins bestehen und sich mit de» Vorgängen in den Gebieten zu befassen haben wird, in welchen Kohlenarbencr-Streiks ausgebrochen sind. Alle die Ausstände betreffenden thatsächlichen Mit- teilungen werden dieser Kommission sofort zur Kenntnis zu bringen sein; sie hat ihrerseits die Aufgabe, die wegen der Ausstände er- forderlichen Maßnahmen und Verfügungen zu treffen, fo daß bei ihr der gesamte, die Ausstände betreffende Verwaltungsdienst konzentriert wird. Um volle Klarheit über die Sachlage zu gewinnen. wurden schon vor einigen Tagen in die Ausstandsgebiete höhere Beamte entsendet, welche in den einzelnen Revieren die verschieden gearteten Verhältnisse eingehend zu untersuchen und so für die seitens der Regierung zu ergreifenden Maßnahmen geeignete Grimdsätze zu schaffen haben. Außerdem hat sich bereits mit besonderen Bollmachten versehen der Justizmiiiister Frhr. v. SpeuS in das mährisch-schlesische und Sektionschef Blumfeld in das böhmische Ausstandsgebiet be- geben. Wien. 23. Januar.(Privatdepesche des«Vorwärts".) Die Kohtennot wird immer größer. Von allen Orten werden Ein- st-llungsn oder Redueierungen der Betriebe gemeldet, in vielen böhmischen Städten giebt es bereits kein Gas Di- böhmische Eommereialbähn, au? deren Strecke' zahlreiche Zuckerfabriken liegen. hat ihren Betrieb heute eingestellt. In Böhmen wird für die Kohle bereits der dreifache Preis gezahlt. Vielfach tri« das Verlangen nach einem Ausfuhrverbot für Kohle auf. doch Hai die Rezieriing hierzu keine Macht; dagegen soll sie versügt'haben. daß die Waggons der S'.aatsbahncn nur für den inländischen Vertehr benutzt werden dürfen, was einem Ansfuhrverbote ziemlich gleichkäme.-Die Vertreter derGe- werke von Kladno kommen heute zu einer Konferenz mit dem Statt- Halter nach Prag. In Ostrau ist das Einigungsamt cinbernfen, morgen läufi die von den Unternehmern gestellt? dreitägige Frist ab. nach welcher die Delogierung der Arbeiter airgedroh: ist. An die Entsendung des Justizministers Svens. nach Ostrau und des Sektions- chefs Bluinfeld nach Kladno werden große Hoffnungen geknüpft. GewerkschAfttiches. Berlin nnd Umgegend. Achtung. Gcwcrkfchaitcn? Bereits in der 13. Woche befinden sich die Formstecher in der Aussperrung und trotz der wenigen Miiiel. die bisher seitens der Gcwert'chas'len gegeben wurden, haben die Ausgesperrten einmütig znsannnengehalteit. Wiederholt haben die Ausgesperrten die Unter- händlnng'angeboten, die Unternehmer haben in jedem Falle ab- gelehnt. J.� die Unternehmer sind in ihrer Anmaßung so. West gegangen. Sie Aussperrung bis ans weiteres selbst dann aufrecht zu erhalten, wenn di? Arbeiter auf Grund der Vorschläge der Fabrikanten vor dem Gelverbegericht zn Köln die Arbeit auf- nehmen wollten. Dieses Verhalten bedeutet nichts anderes als Zer- slöning der Organisation. Wir bitcen daher die Gewerkichaften, wie die gesamte Arbeiterschaft, soweit es Ihnen möglich ist. für die ans- gesperrten Formstechcr zu sammeln. Beiträge werden auf nnserm Gewerkschansbureau: Annenstr. IS/ 1 Tr.. von unserm Obmann G. Busse entgegen genommen. Ter Ausschuß der Berliner Gewerkichafiskommission. Zur Lohnbewegung der Einsetzer(Tischler). Kollegen? Nach kurzer Dauer des Streiks haben sick die guten Aussichten süv einen Erfolg bestätigt, denn die Bewilligungen durch Unterschrift liefen am zweiten Tag ebenso zahlreich eil! wie eS am ersten bereits geschah. Vielfach gingen Bewilligiiiigen ein. bei welchen die Arbeitgeber die Uiiterfchrist ablehnten. Es konnten deshalb keine Arbeits- 'berechlignngSlanen ausgegeben werden, da erst Rücksprache seitens der Kommission mit den Meistern genommen werden sollte. Bei verschiedenen Firmen haben die Arbeiter sich der ÄrbeitScmstelliing nicht angeschlossen. Diese sollen nnrnnehr aufgefordert werden. das Versäumte nachzuholen. Durch kliiterschrift haben bis jetzt SO Unternehmer, die 150 Arbeiter beschäftigen, die Forderung bewilligt. Das würde mit denen, welche schon im vorigen Jahre die Zugestäiidnisse erhielten. ungefähr 300 Einsetzet betragen. Wenn nun die Kollegen daraus scheu, daß sich alle Einsetzer an der Lohnbewegung beteiligen, so haben wir in kurzer Zeit niisete Forderungen durch. Wir machen nun die Kollegen darauf ansinerksam, daß Mittwochabend 8 Uhr eine Ver» saimnliing bei Herzberg, Alte Jakobstr. 75. stattfindet. Hier haben alle Einsetzer zu erscheinen, um den richtigen Stand der Bcivegnng feststellen zu körnten. D i e Kontrollkommission. Die Loluibcwrgnug der Alnbastc'r-DreSchlcr, die seiner Zejt von den Arbeitgebern dieser Branche mit der Aussperrung sämtlicher Holzarbeitcr-Verbaiidsmitglieder bcäntivörtc't wiirdc, währt nniT- mehr schon die zehnte Woche. Trotz alledem ist es den Fabrikanten aber noch nicht gelungen, die nötige» Ersatzkräftc heranzuziehen. Die Herren haben aber auch alle Versuche der Arbeiter. Verhaiidlniigen über die Konfliktspnnlte zn pflegen, schroff abgewiesen. Das Unter- ncbmer-Protzeiitnm scheint bei diesem Kampf noch ans große TriumHe zn rechnen. Diese werden jedoch für diesmal ausbleiben. denn die Ausständigen sind bis auf 33 Mann ziisammengeschinolzc», da eine größere Anzahl anderwärts in Bcschäftigiiug getreten ist. Ein schöne Illustration zur unbeschränkten Ansübiing des KoaliiionSrechis der Arbeiter liefert jedenfalls die Thatsache, daß bei diesem Streik 13 Streikposten polizeilich sistiert worden sinv. Augenblicklich dürfen sich die Streikenden überhaupt nicht in der Nahe der betreffenden Werkflcllcn sehen lassen, sonst iverden sie eben arretiert. Selbst unbeteiligte Personen werden von der Polizei des TerrainS verwiesest. Auch die Anklagen gegen die Streikenden fehlen nicht, mir merkt man dabei zn deutlich, daß die Arbeitgeber und nicht die Arbeitswilligen dahinter stecken, denn die polizeilichen Er- »littlmigen haben bisher lein definiiivxS Resultat gezeitigt. Di« drei Alabasterwaren-Fabriken sind also auch in Zutinift noch als gesperrt zu betrachten. Deutsches Ncich. Die Generalkommissio» der Gcwerkschaftc» giebt bekannt. daß das von ihr heranSgegebene„Korrespoiidciizbkatt" vom 1. April dieses Jahres gemäß den Beschlüssen des letzten� Gcwcrkschafts- kongresses in größeren! Umfange und reichhaltiger erscheint. Gleich- zeitig soll für das Blatt ein besonderer Nedaetchir angestellt werden und ist diese Stellung von der Komniission ausgeschrieben. Eine Gegcnorganisation zur Abivendigmachiing von Mit- gliedern und Betämpfiing des socioldeinakratischen EisenbahnvcrbmideS soll in Dresden ins Leben gerufen werden. Ans dem Bahnhof Friedrichstadt hängt eine Bctaiintmachung auS, in der der in Eisenba hnerkreisen bekannte Assistent Eichler zur Gründung eines .Uiiterstütziingsverciiis der Eisenbahner" auffordert. Diese Methode, durch scheinbar so eine Art aintlichcr Zwaiigsniaßregel den Eisenbahnern eine Organisation anfzuzwiiigen. die sie nicht wollen und auch nicht brauchen, dürfte wenig oder gar keinen Erfolg haben. Schutz den Arbeitswillige». Vom Zeitzer Schöffengericht wurde ein Maler zu einem Monat Gefängnis verurteilt, weil er eine» Arbeitswilligen beleidigt haben sollte. Der angeblich Be- leidigte hatte keinen Strasanirag gestellt, fondern sich im Gegenteil cincii solchen verbeten. Zwei andere angeklagte Maler erhielte» zwei Wochen Gefängnis beziehniigsweise 10 Mark Geldstrafe. Die letzteren zwei hatten Streikposten gestanden. Dös Postcnstchen sei erlaubt, so entschied das Gericht; da aber dadurch einige Personen beunruhigt worden seien, so liege„grober Unfug vor. Die Bergleute des WnruirevIrrS wollen sich die Maß» rcgeliing ihrer, der Organisalion angehörenden Kanieraden, welche die Organisation leiteten, nicht gefallen lassen, sie haben am Montag rüh an die„WurmgescUschaft" eine Deputation gesandt, durch ivelche sie Znriicknahine der Kündigungen und 20 Prozent Lohnerhöhung fordern. Ein WebernuSstand, an dem 300 Mann beteiligt sind, ist bei der Firma C o l s in a n n in K u p f c r d rje h bei Essen ans- gebrochen. Die Differenzen entstanden, weil Herr Colsmann ver- langte, daß seine Arbeiter aus dem Textilarbeiler-Verband austreten. AnSlaud. Der englische„allgemeine Gcwerkschastsbnnd", der im vorigen Jahre geschaffen wurde, hielt dieser Tage in Birming- h a in eine Konferenz ab. Sie war von gegen 50 Delegierten be- sticht, die zusanmien gegen 380 000 Mitglieder vertraten. Uebcr 50 Gewerkschaften, darunter einige der größten und bestorganisterten Gewerkvereine Englands gehören dein Bund an. der bereits über ein Äassenvermögeii van 160 000 M. verfügt. Für eine allgemeine Streik- versichcrung noch wenig genug, aber der Vorsitzende, Pete Curran, führte ans, der Zweck deS Bundes fei nicht. Streiks herbeizuführen. oiidern sie unnötig zn machen. Die. Äoiifercnz beschäftigte sich vor- wiegend mit Details der inneren Verwaltung und Organisation des Bundes und beschloß, alljährlich in der dritten Woche des August (d. h. unmittelbar vor dem nationalen allgemeinen Gewerkschafts» longreß) einen Bundeskougreß abzuhalten. AitS England. Zn Edinbnrg hat bor kurzem eine schotlische Landeskonferenz von 226 Vertretern von Gewerkschaften und Konsumvereinen, sowie von Sektionen der Socialdem akratische» Föde ratio» und der Unabhängigen Arbeiterpartei Schottlands getagt, deren Zweck die Vercinbarnng von Maferegeln zur Erziehmg einer wirksamen n»d unabhängigen Ver trctnng der Arbeiter in allen öffentlichen Vertrctnngskörpern war. Die Konferenz snhrte zur Wahl eines Komitees, das in diesem Sinne wirken soll, und zur Vercinbarnng eines Wahlprogramms das den gesetzlichen Achtstnndenarbeitstag, staatliche Alters- und Jnvalidcnpcnsioncn, gesetzliche Minimallöhne, progressive Besteuerung der Grundwerte und staatlichen und kommunalen Betrieb von Industrien verlaiigr. Diese Konferenz ist ein Vorläufer der vom letzten Gctvcrk- vcrcinskongrcjz beschlossenen allgcmeincnKonfcrcnz von Gewerkvereinen, Konsumvereinen und socialistischen Arbeitervereinen, deren Aufgabe ebenfalls die Lösung des Problems einer stärkeren Vertretung der Arbeiterklasse im Parlament zc. ist und die am 27. Februar zusammentreten wird. Ihr Ergebnis kann fnr die Entwicklung der Parteivcrhältnisse Englands von weittragendster Bedeutung sein.— Ans die Geschäftslage, soweit sie de» Arbeitsniarkt beeinflußt, hat der Krieg bis jetzt eher stimulierend als erschlaffend gewirkt. Die Nnckwirknngen der organisatorischen Verschiebung— die Lahm kegung der einen und die fieberhafte Reizung der andern Pro� duktionszweige— werden sich erst später zeigen. Am förderlichsten zeigt sich der Krieg natürlich der Eisen- und Kohlenindustrie und iiauunt- lich die letztere befindet sich in fast unerhörter Prosperität. Es war daher auch ein stolzes Lied, das der Vorsitzende des großen britischen Bergarbeiter verbau des, Benj. Pickard, auf der vorgestern zu C a r d i f f eröffneten Jahreskonferenz dieser niächtigen Verbindung anstimmen konnte. Der Verband, der über 3(XX> Mitglieder umfaßt, könne gar nicht stärker sein, als gegenwärtig. Durch die Erkämpfung des Minimallohnes habe er den Arbeitern seines Gebiets eine jährliche Mchrcinnahme von 6 Millionen Pfund Sterling gesichert und jetzt, Ivo sie den Tarif ans 45 Proz. Über den Satz von 1888 erhöht haben, bedeute er eine Mehreinnahme von 9 Millionen Pfund im Jahre oder 9 Schilling wöchentlich pro Mitglied. Würde der Preis der Kohlen so weiter in die Höhe gehen, so würden sie die Erhöhung des Tarifs ans 60 Proz. über den Satz von 1888 verlangen und durchsetzen. Und dies ans friedlichem Wege, durch Verhandlung mit den Unter- nehmern in dem vereinbarten Einigungsamt. In diesem EinignngS- amt kämen sie ohne sogenannten Unparteiischen aus. Was sie mit den Unternehmern in direkter Verhandlung durchsetzten, trüge mehr Bürgschaften des Bestandes in sich, als ein von einem Außenstehende» ihnen auferlegter Entscheid. Diese Form der Regelung der Lohn- frage sei unvergleichlich besser als die der nach Maßgabe der Markt- preise gleitenden Lohntarife, wo cS weder nach oben oder nach unten eine Grenze gäbe. Das Einignngsamt mache die Gewerkschaft nicht überflüssig, auch wenn der allgemeine Lohntarif vereinbart sei, bleibe die Ueberwachung seiner örtlichen Durchführung noch zu besorgen. Weniger günstig stehe die Frage des gesetzlichen Achtstundentages für Bergarbeiter. Es koste aber den Arbeitern nur wenig, sich eine stärkere Vertretung ini Parlament zu sichern. Ein Beitrag von nur einem Schilling im Jahr bringe einen Wahlfonds von 300 000 Schilling im Jahr zusammen und damit ließen sich schon die Wahl- kosten und Untcrhaltkosten für eine gute Anzahl Vertreter bestreiten. Die Arbeiter hätten hier den Hebel selbst in der Hand. Die Konferenz beschloß einstimmig die Annahme der jüngsten Abmachung des Einigungsamts und forderte Ausdehnung und Vereinfachung des jetzigen Unsallentschädignngs-Gesetzcs. Jin Londoner Bäckerge werbe iverden Vorbereitungen zn einer energischen Wiederaufnahme des Kampfes für den zehnstündigen Arbeitstag getroffen. sich auf 44,45 M. Die vorgenommenen Ergänzungswahlen ergaben:k Ostwald als Beisitzer. Lappe, Kassierer, Kabeller, Revisor/ Sitzungen finden regelmäßig an, ersten Sonntag nach 1. jeden Monats, vornnttags 10 Uhr, bei F. Ramlow, Schönhauser Allee 135. statt. Die Arbetter-BildungSschnle hielt am 11. Januar ihre Gcncralversammlnng ab. Der Vorsitzende Lamms gab zunächst den Bericht über das letztverfloffcue Quartal. Er führte ans, daß sich die Verhältnisse der Schule gegenwärtig recht günstig gestaltet haben, sodaß man mit dem letzten Bierteljahr zufrieden sein könne. Die Schule umfaßte 301 Mitglieder, darunter 12 JahreS- mitglieder und zwar 245 Herren und 56 Damen. Von diesen be- suchten keinen Unterrichtskursus 31: einen 182, zwei 32 und drei 8 Mitglieder. Soweit Angaben vorlagen, waren organisiert: Politisch und gewerkschaftlich 65, nur gewerkschaftlich 80, nur politisch 9 Personen. Die Teilnahme an den einzelnen Kursen betrug: NatnrerkenniniS 99 Personen, durchschnittliche V-'ncherzahl 89 Nationalökouonne 82„„ 61 Geschichte 89_, ,61 Insgesamt 270 Personen. Der Vorsitzende richtete im Anschluß an die vorliegende Statistik an die Mitglieder die dringende Aufforderung, genauer als bisher die Aufnahmcscheine auszufüllen, da erfahrungsgemäß eine größere Anzahl von Teilnehmern, die politischen oder geiverkschaftlichen Organisationen angehörten, hierüber keine Angaben machten, während es doch äußerst wünschenswert und interesiant sei. genau über die Beteiligung der organisierten Arbeiterschaft unterrichtet zu sein. Ferner weist der Vorsitzende darauf hin, daß auf Wilnstfi einer Anzahl von Mitgliedern für dieses Quartal Gcsetzeskunde eingeführt sei. um die Schüler mit den wichtigsten Bcstunmnngcn des neuen Bürgerlichen Gesetzbuchs bekannt zu machen. Sonntagsuersainmlungcn fanden 5 statt, die von ca. 1300 Per- soncn besucht ivaren. Nach dem Kassenbericht betrug die Einnah», e pro Oktober— Dezember 775,80 M., die Ausgabe 638,91 M., mithin ist ein Ucberschuß von 136,39 M. zu verzeichne», der mit den, Bestand von, 30. September 1899 in Höhe von 2277,70 M. einen Gcsannntbcstand pro 31. Dezeinber von 2414,59 M. ergiebt. Dem Bibliothcksbericht zufolge umfaßt die Bibliothek zur Zeit 964 Bände, von welchen 237 ausgeliehen wurden. Königs ermahnt hierauf die Mitglieder, nicht nach Schluß eines Kursus der Schule untren zu werden und bei eventuellem Besuch eines anderen Kursus sich wieder neu aufnehmen zu lassen, sondern dauernd Mitglied zu bleiben. Grund macht auf daS an, 20. Januar im Böhmischen Brau- Haus stattfindende Stiftungsfest onKncrksam und bittet«m Meldung freiwilliger Hilsslräftc. Am 1�. T rnar findet ei» zweiter Vortrag An der Berliner Börse soll am Dienstag das Gerücht Die I verbreitet gewesen sein, daß im englischen Marinenrinisterinm Nach- dcn, richten vorlägen, wonach General B u I l e r von den Boeren umzingelt sei.— Sociales. Zur AnSfiihrnng des Ziindhölzchen-GesetzeS hat der schweizerische Bundesrat eine Verordnung erlassen, welche in Ueberein» stimmung mit dem Gesetze die Fabrikation von Zündhölzchen von einer Bewilligung der Kantonsregiernng bczw. des Bundesrates abhängig macht. Die bezüglichen Gesuche müssen enthalten die detaillierten Pläne der für den Betrieb zu verwendenden Räumlich- leiten i eine Darstellung der beabsichtigten Fabrikationsivcise und der Zusammensetzung der Züud», äffen: die Angabe der zu ver- wendenden technischen Einrichtungen: die Angabc der in Aussicht ge uommeuen Verpackungs- und Transportweise des Fabrikats unter Beilage von Mustern der Packung. In jeder Fabrik sind zweck dienliche Feuerlösch-Einrichtnngen zu treffen und stets in gebranchs- fähigem Zustande zu erhalten. Kinder bis und mit de», vollendeten 16. Lebensjahre dürfen in Züud Holzfabriken nicht beschäftigt werden. Eine AuS nähme ist gestattet für Kinder über 14 Jahre, welche nur in der Schachtelfabrikation verwendet iverden. Denselben ist aber das Betreten der andern Fabrikationsräume strenge verboten. Der Bundesrat teilt sodann mit, daß auf seine öffentliche Ausschreibung betreffend Einreichung von Rezepten für neue unschädliche HerftcllnngSverfahrcn 17 Offerte» eingingen. Nach eingehender gcwiffenhafter Prüfung derselben kam die Expertenkoimmssion zun, Schlüsse, daß sie kein einziges der angebotenen Rezepte empfehlen könne, hauptsächlich deshalb, weil deren praktische Brauchbarkeit nicht erwiesen war, weil sie in hygienischer Beziehung als gefährlich oder zu schweren Bc- denken Anlaß gebend sich erwiesen, weil sie längst bekannt oder auch an und für sich wertlos waren, oder endlich, weil sie den Bedingnngei, der Ausschreibung nicht entsprachen. Der Bundesrat verzichtet daher unter dem Ausdruck des Bedauerns einstweilen auf die Erwerbung von Rezepten der bezeichneten Art. Die Gründung einer Prodnktivgcnossenschaft der GlaS- druckperlenbranchc wurde in einer von der Ortsgruppe des Glas arbeiterverbandes i» Nendorf bei Gablonz�>, über den Streik bei den Firmen Schulz und Wagenknccht entgegen. In der Debatte wurde es übel bemerkt, daß die Maurer, ivclchc während des letzten Streiks bei der Firma Schulz eingestellt worden sind und»ach der Vereinbarung entlassen Iverden sollten,»och weiter arbeite». Die hierauf verlesene Abrechniuig vom 4. Quartal weist einen Bestand von 80,40 M. auf. Die freie Vereinigung der Vauarbcitcr»ahm am Sonntag im„Englischen Garten" die Abrechnung ihres Vertrauensmanns Fritz Krüger für die Zeit von, 24. April bis 28. Dezember 1899 entgegen. Die Einnahme stellte sich auf 3962,95 M,, der eine Ans- galie von 3031,25 M, gegenüberstand, so daß 931,60 M. als Bestand ins nächste Rechnungsjahr übernommen werden konnten. Nachdem die Revisoren die Abrechnung als richtig bestätigt hatten, wurde Fritz Krüger als Vertrauensmann wiedergewählt und in die llgliedrige Lohnkonimission K i e k e l e r, Lemke. Klcinert, Timm. Walter und S ch i e Iv e gewählt. In der folgenden Diskussion wurde von Angehörigen der' freien Bereinigung sowohl wie von Angehörigen des Ccniralverbandes eindringlich darauf hin- gewiesen, daß es i», Interesse aller auf de», Boden der modcnicn Arbeiterbewegung Organisierter liege, Streit und Reibereien zu vermeid en und immer auf den Bauten Hand i» Hand z» gehen, damit endlich einmal der Tarif überall gezahlt würde. Ferner wurde darüber geklagt, daß auf eine», Bau in der Grunewaldstraßc Kollegen die von den vor ihnen beschäftigten Kollege» verweigerte Arbeit anfgenoinincn haben. Der Bau wird von einen» Herrn Linck aus der Barbarossastraße ge- führt, Ms die Arbeiter Schutzdächer und bessere Leitern als die jetzt dort gebrauchten, morschen Leitern verlangten, soll er sie vom Bau gewiesen haben. Ter Vertrauens», am, sagte eine genaue Untersuchung des Falles zu. nachdem er darauf hingewiesen. daß diese lebensgefährlichen Zustände auf den Bauten trotz aller Schuh- bcstimmuugcn»nr darum noch mögllich sind, weil die Arbeiter- schntz-Kommissionen nicht von der Regierung anerkannt werden und also die fachmümlische Kontrolle fehlt, Die Filzschnharbcitcr und Arbeiterinueu hielten am Montag eine Versammlung bei Pohl, Rosenthalerstraße, ab, in der Frau M e s ch über die Notwendigkeit und Bedeutung der Organisation referierte. Der Vortrag wurde von den Versammelten mit lebhaftem Beifall aufgenommen. In der hierauf folgenden Diskussion Ivnrde besonders der Streik in der Filzschuh- fabrik von Kusche erörtert und die Zustände in dieser Fabrik einer herben Kritik unterzogen. Leider haben sich bereits einige Personen gefunden, welche die Plätze der Ausständigen besetzen. Scharf ver- urteilt wurde anch das Verhalten der Polizei, die den Ausständigen allerlei Schwierigkeiten bereite. Einstimmig gelangte eine Resolution zur Annahme, in der sich die Versammelten mit den, Vorgehen der Arbeiter und Arbeiteriniicii einverstanden erklärten. Außerdem wurde beschlossen, über die F a b r i k von Kgi s ck e bis auf weiterejs die Sperre z u verhängen. Als Delegierte zur General- venainnilnng wurden Bogs, Hermann und C h r i st e n f e u gewählt. Im Anschluß hieran wählte die Versammlung einen Branchen- Vertreter und einen Protokollführer. Tie Ccmcntierer und BernfSgenoffen hielten am 17. d. M. eine Versammlung ab. Haese bedauerte in einem Rückblick auf die Organisation, daß die Mitglicderzahl zurückgegangen ist. In, Punkt Verschiedenes wurde vorgeichlage», im Februar ct.«ine außcrcldent- liche Bersanimlung mit nachträglichem gemütlichen Leisemmensei» und Tanz zu veranstalte»._ Vom Kriegsschauplatz. Von dem Vorrücken der Bullerichen Armee ist eS ganz still geworden. Seit Sonntag fehlt jede Nachricht über die Ereignisse zwischen Tugela und Ladysmitb. Wenn man bedenkt, daß die Meldungen über das Vorrücken der Engländer Ende voriger Woche Schlag auf Schlag in London eintrafen und vom Kriegicml weiter« verbreitet wurden, dann ist da» jetzige plötzliche Schweigen wenig geeignet, für England günstige Schlüffe zuzulassen, Ueber die Auffassung der Lage iu England wird der«Voff. Ztg.' telegraphiert: Der Mangel an allen Berichten BullerS seit Sonntag scheint wieder eine pessimistische Stimmung ver- uriacht zu haben. In maßgebenden militärischen Kreisen wird de- fürchtet, daß Worren entweder eine Schlappe er« litten Hot oder daß der allgemeine Vormarsch eingestellt worden ist, bis Verstärkungen herangezogen werden können, Eine Drahtimg des.Daily Ehronicle' aus SpearmanSlager besagt, Warren fuhr am Sonntag fort, den Feind vor fich her zu treiben, aber er machte nur sehr langsame Fortschritte, da die Boeren allenthalben zahlreich und stark verschanzt sind. Die Boeren niachen den britischen Truppen jeden Zoll Boden streitig. Ihr Maximgewehrseuer ist geradezu miwiderstehlich. Ein gefangen ge« nommener Boer erklärte, die britischen Truppen würden 3 Monate gebrauchen, um„ach Ladysmith zu gelangen._ AuS den Reihen der Boeren sollen die folgenden, die Kämpfe der vorigen Woche be- treffenden und Über London kommenden Nachrichten stammen. Das„Rentersche Bureau" meldet unter den, 19. d, M, aus dem Boerenlager am oberen Tugela: Die Beschießung der Boerenstellungeii vom Zwartkop aus wurde gestern, den 18. Jaunar, von den Engländern ivieder aufgenominen. beiondcrs durch eine über den Fluß geschaffte Batterie. Am Nachmittag wurde die Kanonade außerordentlich lebhaft; unter ihre», Schutze ging die englische In- fantcrie in drei Linien bis zu der 2, Reihe kleiner Köpjes vor und besetzte dieselben bei Eintritt der Nacht, ging aber später in die alte Stellnng zurück. Während der Nacht ließen die Engländer Sternraketen und einen Ballon aufsteigen, um die Stellmigei, der Boeren weiter aufwärts am Tugela festzustelleli. Heute i19. d. M.) morgen nahmen die Schiffsgcschntze von einein andern Punkte aus die Beschießung wieder auf, jedoch ohne Erfolg. Eine gleichfalls aus dem Boerenlager am oberen Tugela von, 19, d. M. datierte, aber zu einer spätem Stunde aufgegebene Rentersche Depesche meldet: Die Engländer halten jetzt drei Positionen längs des Tugela besetzt. Ihre Schiffsgeschütze feuern Panzergraiiatei, mit stählerner Spitze. Auf die hier im Lager ein- gegangene Meldung, daß 2000 Mann englische Kavallerie uns längs der Drakensbcrge zu umgehen suchen, würde eine starke Patrouille zur Rckogiioscierniig ausgcsandt; sie rückte, da sie die Signale der Vor- Posten falsch verstand�»ach einem Kopje vor, von wo aus auf em- mal ein furchtbares Feuer aus Gewehren und Maximgeschützeu auf sie eröffnet wurde. Die Boeren hatten 14 Tote mib 20 Verwundete; der Verlust der Engländer ist wahrscheinlich nur unbe- deutend. Zwist im englischen Heer. London, 23, Januar. Nach einer der„Daily Mail" ans Durban zugegangenen Depesche von gestern haben eine Anzahl bei den irregulären Truppen stehende Offiziere der Voluuteer« Corps ihre Stellungen niedergelegt, da sie mit den Offiziere» des regulären Heeres in Streit gerieten, und sich nach Kapstadt bc- geben, um ihre Beschwerden dem Oberkommissar Miluer vorzutragen. ** Von anderen KricgSplätzcn. Aus Kimbcrlcy wird vom 17. d. M. gemeldet: Der Feind be« schoß uns heute hcfrig von allen seinen Stellungen ans von früh morgens bis 8 Uhr abends. Das Feuer war hanptsächlich gegen die Redonten lgeschlossene Schanzen gerichtet. Folgende Heliographen», cldung ist ans Kimbcrley vom 21. d. M. gekommen: Die Boeren richten ein andauerndes, schweres Gcschützfeuer gegen die Stadt, hausitfächlich gegen die llle- douten. •• * Pretoria, 21. Januar. Die Stellung der Boeren bei EoleS- bcrg ivnrde Sonntag früh vom Feinde angegriffen. Es entspann sich' ein heftiger Kampf, dessen Endergebnis„och unbekannt ist. Nach den letzten Berichten haben die Boeren ihre Stellungen be- hauptet. »» » Dem„Daily Telegraph" wird aus RcnSbnrg vom Sonntag- nachmittag gemeldet: Aus unbekannter Ursache begannen die Boeren Sonnabendabend etwa um 9 Uhr längs ihrer ganzen Hauptstellung ein ä u tz c r st heftiges G e w e h r f e u e r, das b/« Stunden au- hielt. Man konnte das in drei Etagen abgegebene Gcwchrfcucr deutlich scheu. Letzte Meldungen. London, 23. Januar. iMeldung des„Reuterfchen Bureaus".) Beim Kricgsamte eingezogene Erkundigungen bezüglich des aus- wärts vcrbrcitclcir Gerüchts von einer Niederlage Bullers und bezüglich der weiteren Meldung, Dundonald sei mit 1600 Mann in Ladysmith eingerückt, haben ergeben, daß das KriegSamt weder der einen, noch der anderen Meldung Glauben beimißt und meint, daß die Meldungen zn Börfeiizwecken verbreitet worden feien. Das KriegSamt erwartet vor zwei oder drei Tagen keine ent- scheidenden Nachrichten von Buller oder aus Ladysmith, da BullerS Operationen notwendigerweise ausgedehnter Art seien. London, 23. Januar. DaS„Reulerfche Bureau" meldet aus Louren?o Margncs von heute: Einer Meldung aus dem Boeren- lagcr zufolge haben an, 22. Januar die Geschosse deS langen Tom die Quartiere des Generals White und Honten zerstört. Es ist nicht bekannt, ob hierbei jemand getötet worden ist. Letzte Nachrichten aus iiein Streikgebiet. Schla», 23. Januar.(W. T. B.) Der mit der Leitung der politischen und administrativen Aktion im Streikgebiet betraute Statthaltercirat hatte mit den Unternehmern eine Besprechung und machte dieselben auf die Folgen auftnerksam, welche ihr Fernbleiben von den Versammlungen des Einignngs- amtes nach sich ziehen würde. Die Vertreter der Bergwerke erklärten jedoch, daß sie auf dein einmal cingcuommcucn Standpunkt ver- harren müßten, da ein Eintritt in das Einigungsamt gegenwärtig von den Arbeitern als Nachgeben aufgefaßt werden würde. Brüx, 23. Januar.(W. T. B.) Im Nordwest« böhmischen Kohlenrevier streiken im ganzen 17 900 Mann. Uebern, argen tritt der große Ausschuß der Bcrgbaugeuossenschaft behufs Konstitnicrmlg deS Eiuigungöamts zusammen. Dux, 23. Januar.(33. T. B.) Ein Arbeiterführer sprach fich dem Bezirkshauptmann gegenüber dahin aus, daß nicht so sehr da» Bestrebe», die eigene Lage zu verbessern, als vielmehr die Unter» stützmig der materiell schlechter stehenden Genossen in Kladno» Sckilaiicr, Pilsener, Mieser und Falkenauer Revier die veranlassende Ursache deS Streiks sei. Durch Unterbindung der Kohleuziifuhr hoffe man, die Bcrgleitungen dieser Reviere zur Ersüllung der Forderungen der Arbeiter zu zwingen. Falkenau, 23. Januar.(W. T. B.) Von den 5614 Berg» arbeiten, des Falkenauer Bezirks sind 3239 nicht eingefahren; eine weilere Ausdehnung steht bevor. Trplttz, 23 Januar.(W. T. B.) Eine Wirkwaren« und eine Spimifabrik stellten den Betrieb ein. Weitere Fabriken dürften nachfolgen._ Vrtzke Nerchvichken und Vepepchen« Wien, 23. Januar.;B. H.)Der fortschrittlichePartei- verband des Wiener Gcincindcrats hat den Beschluß gefaßt, den Sitzungen des Gcmeindcrats während der Dauer der ungerecht- sertigte» AnSschließnng des Gemcinderats Dr. Mittler fernzubleiben. Warschau, 23. Januar.(B. H.) Von den seiner Zeit ver- hasteten Studenten wurde» 33 wieder in Freiheit gesetzt. Fünf Rädelsführer wurden in der Eitadelle mternicrt. Man glaubt, daß die letzteren wahrscheinlich zur Deportation verurteilt werden. London» 23. Januar., sich keinerlei Mühe giebt, diejenigen auch nur im geringsten z» entschädigen, welche eine ganz erhebliche materielle Ein- büße erlitten haben. Herr Fischbeck sprach von der sogenainiten GewöhmmgSreiite. Ja diese seltsame Gewöhiiimgsrcnte, die man dem Arbeiter bewilligt und nach kurzer Zeit ivicder äbjngts! Dazu gehört, daß»icm einfach sagt: Auch an schwere Unfälle iiiilß der Mensch sich gewöhne». Herr Fischbcck führte daS Beispiel von dem Maiuic a», der einen Finger verliert, woran er sich so gewöhnt, daß er mit»eiin Fingern ebenso gut arbeileii kann, tvie mit zehn Fingern. Skmi. wenn er noch einen zweiten Finger verliert und sich daran gcivöhnt und ivcn» sich daS Spiel zehnmal ivicderholt, ivic fleht es dann mit der Gewöhmmg? Dann muß cS doch daniir ein Ende haben. Der Ver- lnst eines Fingers hat eine recht hohe Bedeutimg, ivcil initcr Um- ständen der Arbeiter eine Arbeit nnterkassc» inutz, die er thnil koinitc, ivcim er ini Besitz sämtlicher Finger iväre. Herr Fischbeck»lacht den Arbeitern geivisserniaßeii den Borwiirf, daß sie mit der Reiile nicht zufrieden sind, ivcim ihnen auch das höchste Maß bewilligt ist. das das Gesetz vorschreibt. Das liegt aber daran, daß die Arbeiter daS Rechnen in der Schule nach den ein- fachen Begriffen des Einmaleins gelernt haben. Wenn ein Arbeiter, der 063 3 bckviiuncii soll, thatsächlich aber mir 450 M. als Bollrente auf 1200 M. Verdienst bekommt, so kann er eben nicht begreifen. das; 450 M. öll3/» Proz. von 1200 M. Jahrcsverdienst sind. Dcr schlichtc Arbeiter findet sich nicht so leicht in das Hcxcncinmal- eins der Rcichspolitik. Herr Fischbcck hat iveiter die steigende Zahl der Unfälle daranf znrücksührcn wallen, daß jetzt viele Unfälle nur siuniliert würdeii: demgegenüber weise ich daraus hin, daß die Zahl der tödliche» Unfälle, bei denen doch von Siiniilaiitcn leine Rede fein kann, von 5185 ans 7800 in den letzten Jahren gestiegen ist, ein tiarer Beweis, daß dic Unsallziffer» überhaupt gestiegen sind. Herr Fischbeck hat»nö entgegengehalten, daß ivir bei miscrn viele» Angriffen gegen dic Aeruft-geiiosseiischastc» es ganz ver- iäninte», ans dic Mißstände innerhalb der Krimkentassen hiiizniveiscti. Derjenige, den er als Zeugen für i-ic Mißstände bei de» Kranken- kassc» aiifnhrtr, ist aber gerade ein Socialdcmokrat mid bei Gelegenheit der RraiikcnvcrsichcriMgS-Novelle werde» ivir nicht verfehlen, das Material, welches uns zur Verfügung slchr. vorzilbringe». lieber dic Thäliglcit der Bcrnssgciiosiciischaslen ivird imS übrigens all- jährlich einc amtliche Stanstit vorgelegt, über diejenige der Kranken- kasjen dagegen nicht. Herr Paasche hat über dic große Belastimg der Untcrnehnicr durch die Kosten der Unfallversicherung gellagt, die sie ans der eignen Tasche bezahlen müßten. Die Statistik der Aktien- gciellschaflcn zeigt aber. daß ihre Profite trotz dieser migcblick so großen Lasten für die Versichening von 1884 bis 1898 inmicr gestiegen sind. Nu» zur Bclastniig der Land- Wirtschaft. Besonders hat inan auf dic Belastung der haimövcnchen Landivirtjchaft hiligciviesc». dic durch die Lasten der Uiisallversickieriiiig nahezu bankerott sein soll. Nim dic hannoversche Landwirtschaft hat 1898: 1 177194 M. für 638 095 Versicherte aufgebracht, also für jeden ciiizelncir Versicherten eine Ausgabe von 1,86 M. Das macht ans den Arbeitstag gerechnet ctivas mehr als'/-- Pf. Unter dieser Last kann die hainwverschc Landwirtschaft ivohl nicht zn Ärnnde gehen. Daran müssen ganz andere Ursachen die Schuld tragen. (Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Meinem Parteigenossen Sladthage» ist der Vorivnrs gemacht ivordcii, daß er gestern den Gedanken' der Haftpflicht ganz besonders betont und hervorgehoben hat. daß es notivendig sei, mindestens das» selbe zn bieten, Ivos bei diesem Hafipflichtgesetz geboten war. Un- streitig ist der Gedanke des Haftpflichtgesetzes der, daß der Unter- nehmer unter allen Uinstände» für den Schaden haften iimß, ivcim er nicht nachivciscn kann, daß der Schaden durch höhere Getvalt herbeigeführt ist, ein ganz gesunder. In der Reichsgesctzgebung ivird aber der beste Gedanke zur Karikatur, sobald er aus de» Arbeiter angeivandt wird, und das tritt auch im Z 2 des Haftpflicht» gcsetzcs hervor. Während nach 8 1 bei Eisenbahimnfällc». ivcim andre Personen als Arbeiter verletzt iverdc», der Unternehmer nach- iveisen soll, daß der Unfall durch höhere Geivalt herbeigeführt ist, ist im§ 2.>vo cS sich nm Arbeiter handelt, der Nachweis der Witivc dcS Vcrimgiückten überlassen, die bei dem Unfall gar nicht dabei tvar, daß den Unternehmer ei» Verschulden trifft. Derartige Karikaturen sehen ivir ja mehr, z. B. bei dem Koalitions- gesetz, das»ian durch BercinS- und Znchthnnögeietzc ansgestaltc» ivill, nsiv.— Man rühmt, daß das Uiifallverstcheruiigs- Princip viel humaner ist. als daS Haftpflicht- Princip, iveil man'auf Grimd des ersteren anch diejenigen Fälle entschädigt, ivclche eventuell durch Ver- schulden der Arbeiter herbeigeführt sind. Diese Verschuldung der Arbeitcr ivird dach»nr sehr minimal sei». Was man i» den meisten Fällen als Verschulden der Arbeiter anführt, ist i» den seltensten Fällen als Verschulden der Arbeiter zu rechne». Wenn ei» Arbeiter durch über- mäßig lange Arbeitszeit körperlich angestrengt ihätig ist, dann konimt es. daß seine geistige Energie früher zu Ende ist, als er körperlich zusainmcnbricht. Er ist dann in einem Zustand. Ivo ihm alles gleich- gültig ist, und dann kämme» die nicisien Fälle der sogenannten Ver- schuld»»« der Arbeiter vor. Diese Unfälle� die durch Ucberaiistrciigiliig herbeigeführt werden, die ein scheinbares Verschnldcil in sich bergen, müssen zu den Uiisälle» gerechnet ivcrde», wo die Schuld den Unternehmer trifft. Und wer giebt denn die Renten Doch nicht der Unteriiehmer greift hier ein. Der Uiiteruchmcr hat sich dadurch gedeckt, daß zunächst anch dem unver- schuldet verimglückten Arbeiter ein Drittel seiner eigentlichen Forde- rungen abgezogen ivird.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Genau genommen sind es also die Krüppel, die Witwen und Waisen. die die Mittel zur Durchführung des humanen Gedankens hergeben. Nun sagen Sie: OO3,? Proz. Das ist eine Unwahrheit, die all- mählich so oft wiederholt ist, daß vielleicht die Mehrheit im deutschen Reiche glaubt, daß 6 Ella Proz. des erlittenen Schadens in der That vergütet ivird. Das sieht man auch auf den Darstellungen, die ans alle Weltausstellungen geschickt werden: immer wird dreist bchauptet, ivir entschädigen jeden Unfall mit OS3/» Proz. Aber von den 18 Millionen Versicherter wird der Jndividnallohn nur bei 7 Millionen festgestellt, bei 11 Millionen kommt er bei der Berechnung der Rente gar nicht in Frage. Bei diesen 7 Millionen, die in den gclvcrblichen Bcrufsgciiossenschasten usw. versichert sind, wird doch nicht ohne weiteres 66-/3 Proz. gegeben, sondern nur dann, iveun du Lohn des Miillsolh, 21. Imm 1800. Arbeiters miter 4 M. pro Tag beträgt, sobald er 4 M. übersteigt, hört es mit den 66?/3 Proz. sofort aus. Daß diese Bestininmng in der gegenwärtigen Vorlage beibehalten ist, beweist, daß die Reichs- regierung heute weniger himian denkt, als zn der Zeit, wo das erste Gesetz eingebracht wurde.(Sehr richtig! bei den Socialdemv- kraten.) Zu bedenken ist dabei noch. daß 4 Mark vom Jahre 1884 nicht gleichwertig sind mit 4 Wkark von 1899.(Sehr wahr! bei den Socialdcinokratcn.) Wir brauchen ja nur auf den ganzen ReichshanshaUs-Etat zu sehen, beim Reichs- kanzlcc stauben damals 54 000 M.. heute 100 000 M.. bei den ersten Staatssekretären damals 36 000 M., heute 50 000 M. und das geht bis zum Landbriefträger herab. Und diese höheren Sätze sind nicht eingestellt, nm die Leute wirtschaftlich besser zn stellen, sondern nur, um ihnen unter den verä nder t c n B e d i n g» n g e n tu e- selbe Lebensweise zu e r in ö g l i ch e n ivie früher.(Sehr ri ästig! bei den Socialdeniolratcn.) Wen» ivir die Zahl derjenige» Arbeiter, die 1884 mehr als 4 M. verdienten, vergleichen mit der Zahl derjenigen, die heute mehr als 4 M. verdienen, so iverdc» ivir finden, daß die Zahl nngeheuor gewachsen ist. und bei Beibehaltung dcS Gedankens von damals hätte man 5— 6 M. m das Gesetz hincinsctzcn müssen. Wenn mm aber jemand, der 6 M. pro Tag verdient, von ciiicin Unfall betroffen wird, so erzählt»mit ihm: Dii bekommst 60-/3 Proz. Das würde ansinacheil 9S4H3 M. Er bekommt aber»nr 800 M. Es ist erklärlich, daß das manchem Ar- bcitcr nicht in den Sinn ivill. Hierzu tritt dic große Anzahl derjenigen Arbeiter, bei deiien der Jndividiiallohn nicht zur Grundlage gemacht ivird, da sind die 11 189 000 bei den landwirtschaftlichen BernfSgenosseuschaften versicherten Persouc». Wir haben verschiedentlich gehört, daß die Löhne der Landarbeiter kolossal gestiegen sind. Tie Agrarier haben iniS hier vorgerechnet, daß sie 1200 M. verdiene». Danach müßten sie bei vollständiger Erwerböniifähigkelt eine Rente von 7— 800 M. habe». Jäi will selbst annehmen, daß die agrarische Behauptmig nnr zur Halste richtig ist. Run sehen Sie sich aber einmal die Sätze an, wonach die Unsailrentcn der Landarbeiter berechnet iverden. Ini Kreise Allcnstein wird ein DurchschnittSbcrdienst von 300 M. angc« nömnien. Der erwachsene männliche Arbeiter erhält dort also bei vollloitzmcncr Erwerbsuiifähigkeit 200 M. Rente.(Hört! hört! bei de» Socialdemokraten.) Do er 600 Rt. nach der agrarischen Bc- haiiptuug»lindcstcns verdienen soll, erhält er eigentlich»nr 331 3 Proz., nach der moderneii ReichSrechimng aber 663. s Proz. Und die Arbeiter, dic so etwas nicht glanbe» Ivollcn, sind Reichs- feinde, deren Unznfricdcnhcit keine Grenze» kennt. Uebcrall ist es so. überall werden Löhne angesetzt, die mit de» thatsächlich c n Löhne» der Landarbeiter nicht nbercinstinimiui. Die 663/3 Proz. werden zur wahren Fabel. Ebenso steht cS init den See- l e u t e». Der Heizer eines Schnelldauipfers erhält ein nionat- liches Gehalt von 75 und mehr Mark. 3/i3 werbe» nach den»cnesten Festsetzniigcn hilizugcrechlict. Das crgicbt monatlich 85 Rt. Wird der Mann aber ganz erwerbsunfähig, so bekommt er statt der 780 M., die er haben müßte, mir 450 M.(Hört! Hört! bei den Soeialdenrokraten.) Konimt er mn das Leben, so erhält die Witlvc, die 20 Proz. erhalten soll, nicht 228 M.. wie sie sich ausgerechnet hat, sondern nnr 99 M.(Hört! Hört! bei den Socialdeinokrate».) Fassen wir Witwen- und Waisenrente zusaiinneil, so sollte sie 634 M. beziehen, thaisächlich sind es aber»nr 291 M,(Hört! hört! bei den Socialdeinokrate».) Statt 20 Proz. bekouimt die Witwe also nur 8,68 Broz. So wird im Reich gerechnet. Man sollte doch den Mut haben, es gerade heraus zusagen, wir geben euch daS mid das, und man sollte das Reden von den 6ö3'3 Proz. einmal lasse». Man sollte sagen: Die Rente für See- leute ivird durch den Reichskanzler nach Belieben festgestellt nnd die Rente der Landarbeiter von den höheren Vcrwaltnngsbeamten, n»d das Beliebe» der Behörden und des Reichskanzlers richtet sich u a ch dem, was die Grundbesitzer und Reeder ausgeben wolle». Das iväre offenherzig. Das Ncichs-Vcrsichcrmigsoint behauptet zwar, daß von dem olte» Grundsatz nicht abgewichen werde. Die Statistik crgicbt aber, daß»ach dcnscibcii Grnndsätzen wie früher von 2000 Vollrenten jetzt mir noch 500, also ein Viertel, bewilligt werden. Eigenlüinliche Grundsätze haben eben Platz gegriffen. Wenn z. B. ein Maurer vom Gerüst gefallen nnd so iiivaüde geworden ist, daß er sich nur »och ans zwei Krücken vorwärts bewegen kann, dann ist er noch nicht vollständig crwerbSuiifähig. Ja die volle ErlverbSmifähigkeit wird vielleicht noch nicht aiigciivnmicii, wenn der Mann beide Beine mid einen Arm verlöre, denn er kann ja noch als Portier in einer Portierbude sitzen. Maurer kann er nicht mehr sein, aber als Klnviervirtuosc oder Ziaarrcmnacher oder Schneider ivird er noch sein Brot vcrdielicii können.(Heiterkeit.) Ja. ivcim der Mann Klaviervirtnose oder Schneider gewesen wäre, iväre er wahrscheinlich nicht vom Gerüst gefallen. Er ist aber nicht Virtuose. Daß er es nicht ist. daran ist er selber schuld nnd deshalb wird ihm in den allermeisten Fällen keine Vollrente bewilligt, und der thalsächliche Krüppel ist nun daranf angewiesen, irgend ein Gewerbe zn ergreifen. Zigarrenmachen, Schnei- der» und Klavicrspielen lernt man nicht mehr in vorgerückten Jahren. Es bleibt da nichts iveiter übrig, als daß er mit einem Korbe loszieht und mit Bleistiften nnd Streichhölzern handelt. Genau gcnonnncn bettelt er und solange er üb er Haupt noch betteln kann, ist er im Sinne der Bcrnfsgeliosseiischaften noch nicht e r>v e r b s»» s ä h i g. Herr Triiuborn schlägt vor, neben der Vollrente die Klasse der vollständig Hilflosen hincinzusetze». Dadurch würde wenigstens eins klar werden, daß man unter vollständig Erivcrbsnnfähigen etwas andres versteht als Menschen, die sich»och bewegen können, die ungefähr am GrabeSrande schwebe», sondern daß Leute darunter zu verstehen sind, die nicht mehr arbeiten könne». Vielleicht Ivird dadurch die Bcrnfsgeiiosienschaft ctivas inchr belastet nnd anch in so- fern wohlthätig gewirkt, als die Grenze erst da festgesetzt ivird, wo die vollständige Hilflosigkeit eintritt. Wie sehr es notwendig ist, hier eiliziigrcifcn, geht aus der Statistik der Renten selbst hervor. Wir sehen einen ständigen Rückgang der TnrchschnittSrcntcn. Bei den gewerblichen Berufsgenossenschaften betrug sie 1891: 172,19 M.. 1898 nur noch 154,73 M.(Hört! hört! bei den Social- dcmorrateii.) Sehen Sie alle diese Gnmdübel an. ist eins derselbe» in der Novelle beseitigt, oder auch nnr abgeschwächt? Freilich hat»«in sie ein iveiiig ausgedchnt, zimäck st ans die G e s a n g e n e n. Aber was für eine Rente solle» diese Habens der höchste Betrag soll 300 M. sein, den der Gefangene nur dann erhält, wen» er vor seiner Jilhafticrling in einem Orte gearbeitet hat, Ivo ein sehr hoher Tagelohn gezahlt"ivird. Von dieser Rente kann er nicht leben. Meint man etwa, daß die kärgliche Reute mit dem Gestohlenen zn- sainnicn ausreicht, damit der eiitlasiene Strafgefangene»otdinftig davon existieren kann? Die ganze Ausdehnniig des Gesetzes weist eine Anzahl von Lücken ans. Ziffer 7 handelt von dein mit dein HalidclSgcwcrbeiie vervundenen F n h r w e r k s b c t r i e b. Warinn hat man das Gesetz da nicht anSgedchnt auf die G ii t e r Packer, Lager-Schaffer, Schauer und Stauer? Da sehen Sie gleich dic Halbheit. Dann die merkivürdige AuSdchiimig ans die Ncbciibctriebc bei der Landivirtschaft. Die in lnndivirtschaftlichcn Nebcnbctricben thätigen Arbeiter haben durchschnittlich einen höheren Verdienst als die landwirtschaftlichen Arbeiter. Ihre Rente aber wird auch nur nach dein Satze berechnet, den die höhere VcrwaltnngSbehörde für die Landarbeiter festsetzt»nd der Rcntcnbczug ist ein kleines Trinkgeld. Zu ivunder- baren Erscheinungen führt auch das Unsall e h e r e ch t. Da soll zum Beispiel die Bewilligung der Rente davon abhängig sein, ob alle gesetzlichen Formalitälcu erfüllt sind. Wo es gilt, die Wi t ivcn- renrc zu cntzichcil, da ist daS Gesetz da, und da iverden die gesetzlichen Vorschriften ans das gciiallcste beachtet. Aber da. Ivo thatsächlich eine Ehe besteht, ohne daß de» gesetzlichen Formalitäten i'oüJcmv.cn nciiiiiit ist. also dic Neuis bclvillM werden müßt« dx» werden die gesetzliche» Vorschriflcii nicht so genau deodachtcl. In vielen Fälle» irimmi leider die Uiisalluiiterüilyuug den Charakter der Zlrmcuniitcrstühling an. Ein Arbeiter findet in einer Fabrik Beichästigung. wo sein Sohn als Vorarbeiter thätig ist. Der Sohn hat dac- Ungliick. durch einen Unfall das Leben zn ver Iieren. Der Vater fordert Untierstiitzung, wird aber mit seiner Fvrdcrnng abgelvicsc». ivcil er noch sv viel verdient, dajz er die iinterfilitziing seines Sohnes entbehren könne.— Eine Witwe lägt ihre» Sohn miSvildeu. Sic wendet die letzte» Ersparujssc an. nni ihn etioaS Tüchtiges lernen zu lasjen. Da verliert er sein Eeben. Die Witwe hat alleS daran gesetzt, nni ib» etwas LrdeutlichcS iverdrn zulassen. Sie hätte die gesetzliche Unterstützung erzivingcn kvniicn. l kriegt aber teine Rente, weil vor dein Unsall der Sohn nicht der Ernähre der Mutter>var. Das find doch zu groste Härten. Wo auf Grund d Bürgerlichen Gesetzbuchs die Uiitcriliitznug erstritten werden könnle da sollte auch die Rente gezahlt werden inüssen. Wciiu der Svbn sei» Leben verlieU, sollte den Liter» der Zterucriansprnch nicht ver� loreil gehen. Die Regierinig hat gesagt: Wir sind bereit, dein Unter tiehmer bei den Beiträgen zur Krarikenkassr g röste rc Laste» ouszulegc». Natürlich will sie ihm dann auch grogere Rechic geben Uiiziveiselhast habe» nnn aber die Versicherten ein grostes Interesse daran, die Leiflniigen der jirnnkeulajicn ivciter auszubilden. Wen» man jedoch den Versicherten ihren Eiuflnst ninin'lt. so ist es selbst rciständlich, dag die ilnteriichnrcr die Leistungen der Krankenkasse nicht heben werden. Aber wir sollen ja jetzt auch wohl das Arynkc» kasscngcfctz reforniicren! Will man wirklich den Untcrnchinern gräszcre Lasten ansbürdc». so wird man hier gute Gelegenheit Haber dies zu lhnn, und bei den jetzigen Leistungen der Kraukenkaften wir! sich das auch sehr cinpfchlen. ES ist gelegentlich hier auch mitgeteilt worden, dag eine Reih bon Staaten Rente» zahle» au Leute, die im Zlnölande iveilcn Weil» ei» Arbeiter vo» ciiiem Uiileruehincr iuS Ausland geschickt Ivird, so sollte man ihm doch nicht einfach den Anspruch ans Rente entziehen. Nach der licue» Vorlage soll der, der Deutschland vcrlägt -- oft thnt crS ja gar nicht freiivillig— die Rente verlieren. Man sollte ihm doch niindestenS vollständige Kapita lisrerinig der Rente zu billigen. ES kann leider auch vorloininen, dag ciiicin Arbeiter, der chlicglich nicht eintreten 25 Proz. der Bollrente bekommt, gesagt wird: Wir setzen Deine Rente ans 2t) Proz. imd lassen sie Dir kapitalisieren. er seine Rente loS. Eine solche Möglichkeit sollte gar können. Staatssekretär Graf Posadoiv-Zkh hat gemeint, er sei bereit, die Unfallverhiituiig iuiiiicr tveiier zu svrdern. Unstreitig laiin die grögte Rciite. und selbst wenn man dein Arbeiter eine Rente Höhe des ihm cntgangcnkn Lohnes giebt. den Verlust, den er an seiner Gesundheit erlitten, nicht ersetzen. sTchr richtig! bei de» Social dcmokratcn.) Bei der AnZgestaltling der llnsallpcrhntniig sollte man erheblich mehr eingreifen. Da man die Krankenkassen durch das Gesetz so schwer belastet, sollte man auch denken, dag diejenigen, die die Folgen des Ausfalls zu tragen haben, doch ein Wort mit zu reden haben, wenn es gilt, die Unjällc z» verhüten, für die später Vergütimg »mg»nstrcitig leisten mug.— Aber aiich die Kontrolle eine andre werden. Ob die Kontrolle durch die Unsall- BerilfSgciiossciischaslrn selber ivnnschcnSwcrt ist. möchle ich sehr bezivcifcl». Man sollte die vssentlich-rechtlichc Koiitrllc� niit zulassen n»d dann namentlich für Ilevcrtretungcn der Vorschriften auch öffentlich-rechtliche Slrasc» zulassen. Seiner Zeil beim Hanibnrgcr Hafcnarbcircrstrcik verlangten die Hascnarbciter die Einsetzung eines HnfrninspcktorS, Ivcil die Unfall- verhütnngs-Vorschriftrii in grober Wcije verletzt waren. Ter Hafeninspcktor koimnt. imd sieht die vollständige Berletztnig der Uiifallverhütungs-Vorschrifteii. Die Arbeiter sagen ihm: Ja daS»lügten Sie doch melden! Er fragt: Ja. wo kann ich es melden V Geht er znin Vorstand der Beriifsgenosjenschaft. so sagen die Herren, die Sache ivird nntcrsnchr. Sind aber die Herren so- weit, dann ist das Schiff längst ans dein Ocea», nnd die Strafen Iverden nicht fällig.(Hört! hört! bei den Svcialdemokrateii.) Die Zlegicning sollte doch nicht ein sv großes Migtrancn gegen ihre eigenen Behörden haben, dag sie sagt, diese dürfien nicht strafend eingrcisr». Wenigstens Ivo Leben nnd Gesundheit der Arbeiter ans dein Spiele steht, sollte ina» bei Uebertretnng der Unfall- vcrhütliiigS-Vonchristen auch öffentlich-rechtliche Strafe» ziilasic». Ma» ivird sagen, in ei» solches Gesetz sollen»icht öffentlich-rechtliche Strafen konrmen. Aber in Fällen. Ivo eventuell ei» klcnicr Ver- niögcnsvcrlnst ans dein Spiel steht, da kommt man sehr ivohl mit Strafen. Denn es soll nach§ Tta der Baunnternehincr dem Banherrn haftc». Wird hier der Anftraggeber geschädigt, so kaiiit ans Gc sängnisslrafr bis zu einei» Jahre oder Geldstrafe bis 3000 M. erkannt iverden. Wo Arbeiter gefährdet werden, tritt natürlich eine solche Strafe nicht ein Nach meiner Meiining sollte iiia» aber die Uiifallvevhiitinig nrindestenS ebenso hoch ciiiictzc», loie die Verhütung von VerinögeiiSverlnstc» bei Banherrcn. Das Gesetz ivird gründlich durchberaten werden niüssen. Es sind sehr viele grniidsälilichc Bedenke» darin, und wen» es nicht gelingt, diese zu bcseitigeii. sollte man eine solche Novelle iibcrhanpt »icht z» stände konimcu lassen. Es ivird nötig scin, die einzelne» Pnnkte bei der ziveile» Beratung eiiigchclid zn besprechen. Gelingt es nicht, die grundsätzlichen Bedenken, die wir vorgebracht haben, zu beseitigen, so ivird es niis schwer werden, dein Gesetz»nsrc Zu stimniung zn geben. Die Lobrede», die von allen andern Parteien gehalten ivorden sind, haben uns nicht überzeugt, dag nicht Ihm fachlich schwere Fehler im Gesetz vorhanden sind. sLcbhnftcr Beifall bei den Socialdcinokraten.) Abg. Höffe!(91)).): Es ist nolwcndig, daß den ärztlichen Organisationen ein breiterer Raun, gewährt werde; Bernfsgcnosscnschaften ebenso ivic Verletzte werden Vorteil davon erzielen. Weiter halte ich es für über flüssig, daß jeder kleine Unfall sofort gemeldet iverden muß. Das bedeutet eine kolossale unnötig« Mehrarbeit für die Verwaltung. Daher würde sich die. Bestimiiuing cnipsehlcn, daß Unfälle nicht in den erste» drei Tagen, sondern im Verlans von zwei bis drei Wochen gemeldet werde» müssen Dan» kann inan schon sehen, ob der Unfall jchlimme Folgen nach sich zieht, so daß er gemeldet werden muß, oder nicht. Weiter halte ich die Festsetzung einer Vcrstünimeluligs- Zulage für notwendig. Staatssekretär Graf Posadotvöky: Der Herr Abg. Molkenbuhr hat ivieder den Vorwurf erhoben. daß die Hcnersätze falsch berechnet würde». Es ist ihm aber sebr wohl bekannt, daß die Rcichsorgane gerade jetzt mit der genauen Ermitteliing des richtigen Tlirckschnittssatzes der Heuer bcsckäskigt sind. Pas die Bchanvinng betrifft, dag auch der Turchschmtt der landivirtschastliliien Lohnsätze nicht richtig beniesicn sei. so muß dem Reutfiisuchcr in jeden« einzelnen Fall über- lassen bleiben, dagegen Widerspruch zn erheben. Tie Bc' fcnuphnug die Unlcrnehnirr hätten ei» Interesse daran, die Uiisallvcrhütniigs-Vvrichristcn nicht zn befolgen ist durch- aus saljch. Rschi»lw das Damoklesschwert civilrcchtlichcr Hastbarkeil schivebt für den Fall der Nichttesolgling von Porschristen über den Häuptern der Unicriiehmer: sie sind eventuell auch straf- rechtlich verantwortlich. Damit schließt die Debatte. Die Vorlage wird an eine Aon.np.issizii von 2? Mitgliedern zu: Vorberatung überwiesen. ES folgt die Fortsetzung der zweiten Beratung des Jnstizckats beim Titel..ZtaatSsekretär". Abg. Dr. Pachuickc(frs. Bg.) kommt aus die Ucbcrtragung von Bormniidschastssachen an mectleu- bnrgische Gutsherren zurück) diese Uebertragung entspricht allerdings dein dort seit lange», bestcheiiden Recht nnd es ist sehr zn bedauern, daß ein solches Recht noch heilte dort aufrecht erhalten wird. ES ist daher dnrckiaus notwendig. daraus zu dringen, daß auch Mecklenburg sich endlich dem lonstilutionellc» deutschem VersaffungStvesen auvaßt. Die staatsrechtliche Entwicklung ist. dort in den rrsten Ansänge» stecken geblieben. Ter jetzige Grog- Herzog Hot bei seinen« Regierungsantritt von seilten Nnterlhancn „nniveiqcrlichen Gehorsam" verlangt. Nack' dein Neichsgesetz ist aber jeder Staatsbürger nur dem Gesetz Geboriam schuldig.(Bravo 1 tinlS.i Ich hoffe, dag das Reich nicht vor diesen Verfas'iingeu der Einzelstaalen einfach Hall machen und tämende von Untertanen der Rcchtlostgkcii übcrlaffcn ivird. Warten Sic mit einem Eingriff in diese Rechte »icht, bis alle niecklenburgischen Wahlkreise in(die Hände der Socialdcinolratie gefallen sind!(Bravo! links.) Abg. 5kirsch iE.i: Ick kann erklären, daß auch meine politischen Frennde sich in dieser Frage ans de» Staiidpmikt des Herrn Vorredners stellen. (Bravo I li'nIS.j Herr Basicrinann hat für Heranfscnung der Grenze der Strafmündigkcit vo» 12 auf It Jahre plädiert und eine Er Weiterung der Zwaiigscrziehung für jugendliche Verbrecher ver langt. Mit dem levtere» können wir inis durchaus einverstanden erklären, die Negelnng der erstcrc» Frage ist jedoch nicht so e iiisuch ivie sie sich Herr Baiserinan» dcntt. Es iviirde eine Unterscheidmig der Gcschlechier notwendig sein, denn die Mädchen sind meist viel früher entwickelt als die Knaben. I» vielen Fällen wird die Unter bnngnng in Erzieh» ngsanstulten nichts niitzc». lliedncr einpsiehlt dem Reichsjnftizanit weiter, bei Besetzung der ReichsgcrichtSrat-Stcllcn sebr vorsichtig zn sein. daiilitdir Rcchtsprechivlg gut nnd einheitlich ivcrde. Diese Vorsicht sei nicht iinmcr beobachtet worden, er«volle hier natürlich keine Namen»emieu. Schließlich regt der Redner eine eiuheitlicht Bcgellmg che« Gcrichtstostr» für die Gcrichtsbnrkcil von Reichs wegen an. Abg. Schmidt- Warbmg stz.j: Ich muß ans die Aenßernngcn des sächsische» Bundesrats Bctwlliiiächtigten über das Berliner Urteil zurückloinnien. das in Sache» des.Vorwärts" wegen Beleidigung des sächsischen OberlaiidesgerichtS gefällt worden ist. Ich laim es ja dem Herrn Geheimrat nicht verdenke», wen» er iciii sächsisches Lvcrlaudcsgcricht in Schutz nimmt, aber ebensowenig wird er cS mir verdenken, wenn ich mein gutes Berliner Landgericht verteidige. Ich lvill das Urteil an sich»ich! lritisicren. Ich leime es zu wenig, abc ich greife es auch»ichl an. Der sächsische Geheimrat Fischer hat aber gesagt:.Ist cS doch schon io ivei! gekomuie», daß a»f einer deutschen Universität das Urteil zum Gegenstand eines PraltilumS gemacht worden ist.»in zn zeigen, wie ein Urteil nicht sei» soll. Wen» das wahr ist, so beweist das nur, daß sich irgend ei» Proscsior einen recht fniilc» Witz gemacht bat«nid seine Zuhörer am niigeiichmslcn auf Kosten von richlerlichen Beamten uiilkihaltcn zu solle» geglaubt hat. Hie» hat der Herr Bcvoll- »lächtigte wirklich niit einer sehr flachen Klinge ciugchaucu. Er hat dann aber nech eiivas Schlimmeres gesagt,«nde»« er ans- führte, das Berliner Urteil hätte prüfen sollen, ob der Artikel des„Vorwärts" beleidigend war. aber keinen Wahrheitsbeweis zulasse» dürfen. Tos ist ein juristisches Urteil über ein juristisches Urteil, aber es ist durchaus nnzntrcffcnd. Denn ich stelle fest, daß die Anklage gegen den„Vorwärts" ans 8 183 erhoben war. der de» Wahrheitsbeweis ausdrücklich zuläßt nnd Straflosigkeit vorschreibt wenn dieser Beweis der Wahrheit glückt. Das gute Berliner Land- gcrichl hat also vollklMiinen korrekt gehandelt und Herr Geheim rat Fischer befindet sich im Unrecht. tLetfall im Ccnlru»« und links.) Abg. Rettich(dk.): Die nicrkleiiblirgische Berfassliug ist hier eigentlich bei den Haaren hcrangezogen worden. Ich erinnere daran, daß gerade das llcntrmn irüher den Reichstag für inkompetent hielt, solche Frage» zu erörtern. Ich kann mir also nicht denken, daß das Centni»«, ivic Herr Kirsch andeutete, seine alte Anffassniig ändern könnte. etwa«nie nian eine» alten Hut oder ein schmutziges Hemd ablegt. lllnrnbc im Centn»».) Herr Pachuickc prophezeite lins ivieder ein Anwachsen der Socialdciiiolratic. Er ivird ein schlechter Prophet sei». Vorläufig mache» nur die Äonservatipen i» Mecklenburg Fortschritte. Tie Wahrnehninng der sreiivilligen Gerichtsbarkeit durch die Guts Herren hat sich i» Mecklenburg durchaus bewährt. Aber alleS. was Herrn Pachuickc nicht in den Kram paßt, ist mittelalterlich und verwerflich.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Sattler(»all.): Außerhalb Mecklenburgs wird es wenig Leute geben, die es für richtig hallcii, daß solch wichtige Tinge ivie das Richteramt in Sachen der sreiivilligen Gerichtsbarkeit vererbt werden lönnen. Hiermit schließt die Diskussion. Der Titel.Staatssekretär" wird bewilligt, ebenso debaiteloS der Rest des Etats. Hierauf vertagt sich das HanS. Nächste Sitzung Mittwoch t Uhr.(2. Lesung des Ctatö dcS Reichs Schatzamts; kleinere Etats nnd die Anträge Agstcr nnd Lenzmanii ans Einsührung eines Reichs Berggesetzes.) Schluß ö'-'ä Uhr. ÖÖcv ijfjf 55- B<; if it nßo In Sachen Liitgcuan. Ans Dort»rund wird uns bc- richtet: Die Beleidigimgsklage Dr. Lütgeiiaus gegen nnseren Gc- nossei« Anton Bredenbeck stand Montagvormittag 1t Uhr zur Verhandlung vor dem Schöffengericht. Tie Verhandlung konnte n i ch t t a t t f in d e n, da Herr Lütgcnau den erforderlichen Vorschuß ür die Ladung der von ihn« vorgeschlagenen Zeugen nicht geleistet halte. Desgleichen«varrn auch die von« Be- klagten geladenen Zeugen nicht erschienen. da daS Gericht die.Feit zur Ladung als zn kurz erachtete. Beleidigt fühlt ich Herr Lütgenan durch die Aiissühriiiigei« Bredenvecks in der öffeiitlichcii Partei versa m in l u n g in Dortnnmd vom 24. Ok- toder v. I. Nach der„Arb.-Ztg." hat nämlich Bredenbeck in seinen« Referat über den Hannoverschcn Parteitag bezüglich Lütgemrn gesagt, Lütgenan sei nicht aus der Partei ausgeschlosic» worden. ivcil er gegen den Partcivorstand widerhaarig gewesen, sondern Iveil er sich gegen§ 2 dcS OrganisalionSstatnlS lA n Sich!» ß iv e g e» e h r l o s e r H a n d l u» g e n) vergangen hat. Ocffcnllich «volle er LütgenauS Velhalten nicht iviedcrgeben. Wenn er das thäte, wäre Lütgenan ein toter Mann und würde in den Schmutz sinke». Lütgenan lvisse sehr wohl, was man ihm vorwerfe. I» Gotha habe er»»der Thräncn seine Schuld gestanden. Bredenbeck räumic ei», diese AuSsühruiigen mit Ausnahme des Schlußsatzes gcniacht zu haben. Er sei im stände, den Wahrheitsbeweis zn erbringen. Leider sei aber keiner sdiner vielen Eiitlastnngszcugen erschienen. Rechteanwalt Wallach II- Essen, der Verteidiger Bredenbecks, erklärte, aus die Zeugen nicht verzichten zn können. Um de» Kosten Vorschuß zn verringern, ersuche er den Vorsitzenden, die nächste Verhandlung ans mittags 12 Uhr auznietzci«. damit die aus Berlin, Köln nnd Hannover geladenen Zeugen noch oin selbe» Tage zurückfahren könnten. Die Zeuge» Liiwell, Huc, HanSmaini, Fickerinann. Ullcnbaun» nnd Wunderlich vürdc» ohne besondere Ladniig erscheinen. Dr. Lütgenan Iiehaiiptctc. nicht zu iviffcn, ivaS die Zeugen ans- sagen sollten und erhielt deshalb Einsicht in die Akte», in denen er erregt blätterte. Er erklärte nun, seinerseits auch iveilere Zeugen laden zn niüsic». Er ivolle den positiven Beweis dafür antreten, daß Bredenbeck seinen Entlasjuiigsgriiiid kenne, und daß er leine h r e n r ü h r« g e Handlung begange» bal e. Er habe da" größte ntereiie daran, daß der Prozeß zum Austrag komme und wolle noch bcnte. in einer Eingabe an das Gcrichl darthnn. Ivos seine Zeuge» bckundcn sollen. Rechtsanwali Wallach erwiderte. Bredenbeck habe ebenfalls ein Interesse an« Anötrag der Klage. Deshalb«volle Breden- beck den Vorschuß für sein« Zeuge,« leisten, obgleich nicht er. sondern Lütgenan dazu verpflichtet sei. Den Vorschuß für die Zeuge» Lütgcnans müsse dieser allerdings selbst aufbringeil. Er gebe aber de»« Gericht zu bedenken, od die Kostenfrage nicht»»»- gangen werden könne. Der Fall Lütgenan habe einen l r« n« i n a l> st i s ch e» Beigeschmack nnd er stelle es de», Gericht anheiin, die Allen der Staatsanwaltschaft zu übergebe», daiuit von dieser Antrag auf Strafversolg nng gestellt werde. Dr. Lütgen au schien über diese Auffassung der Dinge sehr erstaunt zu scin und fragte, Iv a s denn gegen ihn vorläge.„Sic sollen llnterschlagungc» begangen haben," antwortete Rechtsanwalt Wällach. Lutgcnau war von diesen Worten lief betroffen. Er faßte sich aber valfc und erklärte, man entstelle einen ganz harmlosen Vorfall. Der Vorsitzende vertagte die Verhandlung ans Montag, den 2. April. 12 Uhr mittags. Ter«cneste Edelstein im preußischen Vercinsjutvel besteht in der Entdeckung, daß der Leiter eines Vereins für die ordentliche B c i l r a g s zahl u n g seiner Mitglieder strafrechtlich haftbar zu machen ist. Der Ruhn« dieser Entocckuiig gebührt dein Schöffen- gcrichl Köpenick, dessen juristische Tüchtigkeit ja vom Jllirminations- prozeß her noch genügend in Erinnernng ist. Wegen Vergehens gegen das Verciiisqesetz hatten sich dieser Tage die Parteigenossen F n n ck c und G r u n o w aus O v e r s ch ö n e tv e i d c vor dem genannten Schöffengericht zn verantivortcn. Der Amts- Vorsteher Kett'meier"als Aufsichtsführender der freiwilligen F e u e r wehr zn Lberschönelvcidc hatte in Erfahrung gebracht. daß bei seinem Freunde. dem Zimmernicister Riedel, wekcher der materielle nnd geistige Führer dieser frei- willigen Feuerwehr ist. ein Mitglied des Arbeitcr-BildungS- vereine, und ztvar der Zimmcrgeselle Kuß, in Arbeit stand, und auch Mitglied der sreiivilligen Feuerwehr geworden war. Der Amtsvorsteber hatte nun nichts Eiligeres zu thun, als Kuß vorzuladen nnd in« Verhör sestzustclle». ob er wirklich noch ein Mitglied des Arbciter-BildungSvcrcins sei. Kuß gab zn Prototoll die Erklärung ab, daß er niit seinen Beiträgen über drei Monate in« Rückstände sei, nnd sich denniach nicht«»ehr für ein Mitglied des Vereins halte. Da nun der hicsicge Arbeiter-BildiingSvereii«, wie viele andere Vereine, in« Statut einen Paragraphen hat, der dahin lanict. daß die Mitgliedschaft erlischt, wenn ei» Mitglied länger als 3 Monate un- entschuldigt mit seinen Beiträgen im Rückstände ist, so Ivnrde auf Grinid dieses Paragraphen und ferner unter Heranziehung der Ab- »icldcpflicht nach dem Vereiiisgcsetz gegen Funckes als früheren«nid gegen Grnnow als jetzigen Vorsitzendcl« des Arbeitcr-Bildnngsvcrcins Anklage erhoben. In der Verhandlung führte der Genosse Grnnotv ans, daß die Anklage vollständig haltlos sei, da die Statuten nur für die Mit- glicdcr unter sich in Auivendnng gebracht werden könnten und es einen« Verein auch nubcnemmcn sei. zu entscheiden, wen er als Mil- glicd betrachten«volle: Voraussetzung sei natürlich, daß.«vie sin vor- iicgcndcn Fall, der Betreffende scineii Austritt nicht ausdrücklich c r k l ä r t habe. Der A m t s a u Iv a l t beantragte trotz allein für jeden Angeklagte» 15 Dl. Geldstrafe. Funke hätte drei Tage nach der statutengelnäßen Frist den Kuß abmelden müsse». Grnnow hätte aber als Nachfolger des Fimkc im BerciiiSvorsitz bei Ilcbernahme des Amtes sich davon überzeugen müssen, daß in« Verein bis dahin alles ordentlich zn- gegangen sei. Ter Gerichtshof schloß sich insoweit diesen A u s f ü h r u» g e n an. als er Funke zu 13 M. verurteilte: Gninoiv daaegcn wurde sreigesprochen. Den« Bcrnfiliigsgericht bleibt es»««>« vor- behalte», diese kuriose Vcrnricilnng ivieder aufznhcbci«. Vrirskasten der Redaktion. Tie juristische Sprechstunde findet Montag, TiciiStag und Freitag»>on l»—» Iltzr abends statt. IL. Tb und wieweit die Klage auch Ihnen gegenüber berechtigt ist, ist obvc Einsicht in die Klage selbst»icht zu beantworten.— H. B. 4. Erb- schastSsragcii sind ohne Keuutnis, wann der Slerbcfall eiiigetreten ist, wa der letzte Wohnsitz dcS Erblassers ivar, ob ein Testament vorlag usw. nicht z» bcaiitwortni. Sie thun beffer, in der Sprcchstmide vorzulprcchen. Allen Kollegen die traurige Mit- teiiiiiig, dag unser Kollege Arnold Feter am 22. b. M. Dcrfinrticii ist Tic Beerdigung findet am 25 d. M.. nachm.:! llhr. vom Moabitcr Kraulen- bans(Eilig. Birleiiftrasie ans slnit. vie iiviiegeu lier firm» kijslkrmsnn& Co. Hiermil sage ich allen Verwandten und Belainiteii. den Herrn Meisicr» der Mäbelfabric Hsiltenbeck, Kroll n. Co.. sowie den Kollegen und Mit- arbeiten« ineines licdc» ManncS tür die reichen Kranzivense» meinen tief zesüliltefteii Tank.(Ibilb 'Witwe poullne Kolied« nebst Kind. .4«' d«? i t e u- c 8 mi av v v«? 1 1« „Morgenrot", Köpenick, Mitgl. d. Arb. Zäugerb. Allen Mitgliedern zur Nachricht, da st unser Sangrsbiiider 65 2 Fritz Sttdrow am Eöiinabeiid, den 2t>. Januar, verstorben ist. Die Vccrdigung findet am Mittwoch, den 24. Januar, vom Trauerhanfe, Gltenickeiftr. 63, ans statt. E h r c i e i n e ni Andenken! Um rege Beteiligung ersucht Ter Borstaiid. F r SifflfflBl ÄÄ UI.UII9IIÜÜI, Xrfpptlt Specialatzt f. Hanl.».Harnleiden. Iti— 2. 5— 7. SvmitagS 16—12.2—4.» .�1"«! fllpfei*! Ächtung! �oiiiitrstdg, dtn 25. Zliiimr, llbeiids 3'/- llhr, bei Fiebig, Frankfurterstrahe S8: 10Z.2 gefksni! sminMiix ller Itzfei Mix ii. Um?. Tages-Ordnung: Bericht des Bertrauensmanns. Bericht des Tclcgiertcn zur Gewerlschafts- lominission und Neuwahl desselben. Bericht der Lohnloinmissio». Bei der Wichtigkeit der Tagesoidnung ist jeder Kollege verpflichtet, in dieser Vertommlung zu erscheinen. Ate»' Vei'ti'»u>'i>»iin»nn. UsüilWMSskös-üssilliSükiiSZe l Berlin». Um?ö?l>. (Eingeschriebene Hllfskaeee Nr. IIS.) Sonntag, de» 28. Januar er., vor»«, tv Uhr. im Saale des Herrn HotTmann, ailexaiiderstrafie 27c: Ovdcntl. Generalversammlung. Tages-Ordnung: l. Bericht des BorstandeS u. Ausschusses. 2. Abrechnung von« 4. Quartal tiKK«. fmuic Revisioiisberichl Wahl des ersten Borsitzeiideu, zweiten Kassierers, eines Beisitzers und vier Ersatzmäinier. 4. Wahl des Zlnsschusies «nid vier Ersatzmiwner 5. Wahl eines Hiliskalsierers sür Norde». V. Fest- fetzung der Gehälter u. E'.it'chädlgmig der Kaflenbcaiiite». 7. Innere Kassen- aiigelkgeiiheiteii.— Mitgliedsbuch legitimiert.[oS,| gBT" Die Versammlung wird Punkt 16 Uhr cröffuet. Ter Borstaud. I?! Helm'. II e t � le c. Ebcrswakderstr. 16 tedtuiig. SgusnzelilMr! Dounerstag, de», 25. Januar, abends 6 llhr, bei Tpiegelberg, Tebastiaustr. 39: Oeffentl. Devsnttrntlullg. T a g e s- L l. Beichlusisassuiig ütcr Regelung 2. Bcrschiedcnes. Das EAcheine» inmtl. Kollegen cnvüilscht r d»» n a! unserer Eiiülangelegciiheit. (33/7 Die Lohnkominiifion. Verein lür diologiseke Relorm. Toniicrstag. den S3. Januar, abends«>/, llhr: Große öffentliche Versammlung für Damen und Herren im..Englischen Garten", Alexanderstrafie S7»i Tagesordnung: Nesoruiator.IcAeh über:„Di- Gmudirrtümer der Medtziu". Der Vorstanck. >6 tzahre Caranlie Vollkommen tchmerzlotes Zahnziehen I H- Plomben 1,50 M. Teil«, wöchentl. l M. Zahnarat Wolf, Lefpzlgerttr 130. Sprechst. 9-7. Zähne 2 M. Kür dr» Inhalt dcr Jnscrale öbcrniuiiiit l>ic Rcdakiivn drin Vnblilnm flcgcniiWe trincrlei Q'otiiiiltnui'Miu�. �ficafcc. Mittwoch, 24. �fanunr. Q;>cr»hn»s. Figaros Hochzeit. An- loiig 7�2 Uhr. Schanipiolhans. Kavale und Liede. Ansang 7>-2 Uhr. Tciltschcs. Ter Probelandidat. An- sang 7�/2 Uhr. Lcssiug. Lord Ouex. Zlnsang 7Vz Uhr Berliner. Der goldene Käfig. An- fong 71/2 Uhr. Schiller.'Freudvoll und leidvoll. Alisa»« tl Uhr. Neues. Unser einziges Kind. An-. saug 71/2 Uhr. Weste». Der Zigcnnerbaron. An- sang 7''j Uhr. Thalia. Im Hiinuiclhof' Anfang ?'/- Uhr. Residenz. Die Dame von Maxim. Ansang 7>/, Uhr. Luisen. Arme Reiche. Anfang « Uhr. Central. Die kleine Excellenz. Ans. 7'/- Uhr. Carl Weisi. Lenore, die Grabes- braut. Anfang K Uhr. Bictvria. Geschlossen. Friedrich- WilhclinstädtischeS. Der Boercnkriez in Transvaal. Anfang 8 Uhr. Belle- Alliane«. Gastspiel de» Schlierscer Baneni- Theaters. Jägerblut.' Anfang 8 Uhr. Mctropol. Spccialitätenvorftellnng. Die verkehrte Welt. Zlnsang 8 Uhr. Apollo. Svecialitäicn- Vorstellung. Im Reiche des Jndra. Anfang 7>/z Uhr. Rcichohallen. Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Palast. Leute von heute. Special!- «nten-Vorstell»ug. Ans. 8 Uhr. Passage- Pauoptikuni. Specialt- täleu-Vorstcllung. Urania. Jnualidenstr.»?/<>!!. Täglich ahends von ö— 10 Uhw Sleiuwarir. Tanbeustrafie 48/4lt». Abend» 8 Uhr: Geh. Prof. Dr. Rilbncr: „Der Kampf um die Gesundheit-'. Jul Hörsaal: Dr. Schwahu:„Der Lulkanisums der Erde'. SWer-Theilter tWaUuer- Thealer). Mittwoch, abends 8 Uhr: rrvackvoll 11»,l loiilroll. Vollsstücl uiit Gesang in 4 Auszügen von Louis Hermmin. Musik von G. Stessens. Donnerstag, abends 8 Uhr: I» ltch»il«Uiinjx. Freitag, abend» 8 Uhr: Plc Jungfrau von Orleans. Contvkl Dlzvtttev Direktion: so,«?«r«noex. >>!« IliöU �eöüSA. Operette in drei Alte» von Richard Hellberger. Ansang 7>/, Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonnlagnachmittag zu halben Preisen: Socciloclo vonFranzv.Suppö. 'Wlalia-'I'dLater. Tel. Amt IV, 6440. Dretdenentr. 72/73. Täglich: Noch nie dagewesener Possen- Lacherfolg k Im Hiittmelhof. Thomas, Thielscher, Helmerding, Jullkennanu, Pauluiüller. Morgen und folgende Tage: Im Himmelhof. Sonntag, de» 28. Januar, nach- mittag» 2'/, Uhr, zu ermähigten Preisen: t'i'clin«! Frltm.s— Rabbi Sichel— Gustav Kober n. CarlWelss-Theater Gr. Frauksurterslrasie 13*. Lenore, die Grabesbraut. Anfang 8 Uhr. Vorzugsbillet» haben Gültigkeit. Morgeti: Lenore. Sonntagnachmittag 4 Uhr ltlnder- vor»t«llung. Preise. DonirOicdsn. Kleine Palast-Theater früher Fceii-P«la«t,®nrflflr.22 Das grob« erstllasfige Januar-Programm slI»g»r»-Trio, Kunstradfahrer ails dem 80 Fuß hohen Drahtseil. Fellclta«- Tmpp«,Alrobaten. Latour«, Miniatur- Lachgeister. Bendlx, Otadatan, Wlch- marm«, Vlte, P«r,lval, Vom?c. Um 8'/, Uhr: Rur noch kurze Zeit das mit kolossaleut Jnbel ausge- uommene humorvolle Lebensbild Urute von heute. Kiebitz. Bäckermeister Dir WIIb. Fröbei. Ans. 71/2 Uhr. Vorverl. von ll-1 Uhr. Sonnabend, nach der Borstellmig: Tanz.- Mittwoch, den 31. Januar: Bencflz für Sommerfeld. American-TIieater. tresdenerstr. 96. Dir: Emil Schnabl. «-.» Riese' Wiiiis Mm als: Dir. Striesc ans Reisen in Berliner Noulotte. Anfang 8 Uhr. VorzngSbiUets güllig. Sonnabend, de» 27. Januar: Zweiter Krostcr Maokc»tball. Unania 1-ilill>eii»trlr»8e sS,4!>. Im Tsseatsr abends 8 Uhr; 9. Centenar-Vortrag. Geh. Prof. Dr. Robner:„Der Kampf um dl« Gesundheit". Hörsaal: Dr. Sehwahn:„Der Vulkanismus der Erde." Invallilcnetr. 57/0*: Tägl. Stermvartc. Nachmittags 5—10 Uhr. 'Passap-ranopticuiii; Der amerikanische Haar-Athlet Sascha hebt mit den Haaren bis 300 Kilo Theätre variete T-IOV, Uhr. Anatomisches Museuni Dienstags für Damen. CASTANS« PANOPTICUM Xcu! iV'en! Sien! Cecil Rhedes Chamberiain Ohm KrUger General Joubert Boerensoldaten. Cludarelln. Drei Tliirchengr uppen. ißtropoi-Tlfiater Uchrcnstrasse 55 57. Nene Ttbiits! Neiic Debüts! liaee lie Vliee. Lillke cktrlsen. kiipoli. cmveii koslirlo. The Glives. Pauline d'Argent sowie dag ausgesuchte dniinnr» lSpeeialltaten- Projxs-nrntn. Ilm 0 Uhr 30 Minuten die Sensations-Rovität Sie vefRelitte Well mit der feenhaften Tnippeu- Revue. Anfang: Wochentag» 8 Uhr, an Sonn- imd Festtagen 714 Uhr. Apollo-Theater. Sensationeller Erfolg I Im Reiche des Indra. Anfang S'/j Uhr. Vorverkauf täglich im Theater, sowie im„Invalidendank"1 und .Künstlerdank". Cinkus Heute Mittwoch, den St. Januar, präcise 71/, Uhr: Grostc austerordentliche Vorstellung uiit neuem abgewechselten Programm. Zum 12. Male: Die ersten siuid einzige» tauchen- den und schwiillmenden Hirsche in Deutschland. Neu! Neil! Die kaiserlich japanische Hofkünstler- Truppe; Die 1* Akimotos. Die nnertomU mim-eicht dastehenden Crigilial-Tressnre» des Direltors »d. Schumann. Der erste Schlager der Saison! Das glänzendste Ritterschanftüct Schwarz nnd Weiß mit sämtlichen neuen Einlagen. Oehns Busch. Heute Mittwoch, den 24. Januar 1900, abends 7V, Uhr: Soiree Equestra. Zum 75. Male: Die Camorra. Außerdem: Die Matweef-Troupe. Der phänomenal« Jongleur der Jetzt- zeit Signor Farini. Erstes Austreten de« Herrn Oskar Renz. Mr. Hermann Althoff. Es ist erreicht! Origiiml Welt-Jocken-Aft. W. Noacks Theater, Brnnnenstraße 1«. Heute Mittwoch, den 24. Jcmnar: HVegen Privatfe.tltchkelt keine VorsTellnng. Donnerstag: Goldene Berge. Lebensbild mit Gesang in 3 Akten von Willen und Jacobsohn. freie Volksbühne. Sonntag nachm. S'/. Uhr: 6. Abteilung im Cnvl Weisa- Theater: Das Vermtichtnla.— Im Lcssing- Theater keine Vorstellung. Die Vorstellung der 2. Abteilung folgt am 4. Februar. .-— Klorgen, Donnerstag, abends Sl/2 Uhr, in den Armin- hallen, Hommandantcnatr.*0: General- Versammlung. T.-O.; 1. Vortrag über„Ibaen". Eefer. Frau Dr. Zepler. Diskussion. 2. Geschäftsbericht des Vorstandes. 3. Kassenbericht und Bericht der Kevisoren. 4. Neuwahl des Obmanns der Ordner der 4. Abteilung. 6. Verschiedenes. Der Eintritt ist nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte ge- tet. Um zahlreiches Erscheinen bittet stattet. 228/7 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Scbnegeisbergs Festsäle, Inhaber: Max Schindler.— Tele Knsenhclde*1, Jahnstrnsse 8. - Telephon: Amt IV Rr. 1132. Heute: Groster Ball mit Schlangen- und Apselsinen-Regen und diversen Ueberraschungen. Täglich: Specialitäten-Borstellung. Entree frei. Euipfchle den geehrte» Gcwerkichasten, Vereinen, Fabriken:c. melnc Säle. 300 und l2lX) Personen fassciid smit Bühne) zu Versamm I»»gen und Festlichlcitcn jeder Art. TMV: Reichshallen. Täglich: Stettiner 8 tinger Anf.8Uhr.Entr.50Pf. Borverl. 40 Pf. Rum. Balkon7öPs.Balkon- lioae l M. Orchester!. 1,50.Frcmdenloge2,-. Zum Schluß, neu: Künstler- Typen, Ensemble von Mcysel. Kettbnserst»'. 4 a. Heute Mitttvoch: ?I«u«httIt verbunden mit Konzert und Humorist. Vorträgen, während der Pausen und Kaffeetafel. Ansang 9 Uhr. Gesellschaftstoilette. Speisen und Getränke nach Belieben. Künstliche Zähne, 3 M. an, vor- züglich, setzt schmcrzl. ein. Plvnibiercn, schmerzl. Zahnziehen, ZaHnjchm. bes. Rep. so f. Goldstein. Oraiücnsir. 123. kMm Garten Am Königsthor. Am Friedrichthain. ZM Sliiültag: Ball. 8oiiunbeiii) im Ftbniar frei. Wochentage zu Privat- fcstlichkeltcn. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute Mittwoch, den*4. Januar, abends 8'/« Uhr bei Cohn, Beuthstr. SC— SI: UtttriUlknsmllMltr-VttsMMlung der 70/20 Möbeltischler ollft Milche«. TogesOrdnung: Wie führen wir die Brschlnfse»er Generalversammlung durch? Achtuilg! VcccIisIcr'! Achtung! Sämtliche Vertrauensleute der Möbel-Drechslereie», sowie der in Möbel-Dischlereie» arbeitenden Kollegen, werden ersucht i» dieser Versammlung anwesend zu sein. A'D. Die Ortsvcrwoltnngs Mitglieder werden ersucht, sich 7'/-. Uhr zu einer Besprechung einzufinden. Die Ortsverwaltnng. Mittwoch, 24. Januar 1900, abends 8'/- Uhr, bei Herr» Schiller, Roscnkhalerstr. 57, Hof park.: Vettraukllsmlimler-Vemmmlmlg S Niltur-HtillitNiihmi. I Haut-. Harn- n Plafeiilcideu. P • Fronen Krankheit., heilt sicher G D olme BcrufSstöruiig. s34 l4ü> | R. Wagner, a3n"f,v-6c23- 9-2,5-9,® 1.9-; •W iL* U 23. i J Teilzaltlung monailich 10 M. (icfeit elegante _ Herrengarderobe 11. Mai-, Tomporowshl, Sdmeidermslr., Reanderstr. 19, Ii, an der Annenstr (Auch bar Kassa billigste Preise.)* 34351!* SfisinsKsiysct* üüirlthcr Bah 11 hos, Plan v. Billigste Bezugsquelle für Press- u. Steinkelilen.! |i?cmi|kdfe6 Caeaer *** �9'/, Kilo genligt(Or 100 Tautn S Bin yenueh überzeugt, dass Van Houtens Cacae für den täglichen gebrauch allen anderen Getränken vorzuziehen Ist. Br let nahrhaft, nervenstärkend, wohlschmoekend, leicht verdaulich und stets schnell bereitet. Van Houtens Cacao wird nur In den bekannten Blechbüchsen, niemals lose verkauft, da bei hse ausgewogenem Cacao nichts für die gute Qualität bürgt. der Stellmacher. Tagesordnung: Unsere gegenwärtige Lage und wie verbessern wir dieselbe? Jede Werkstatt muß durch«ine» Bertraiiensmann vettreten km. NB. Den Kollegen zur Nachricht, daß zu den jeden Donnerstag vor dem 15. jeden Monats stattfindende» Brancheii-Versammlungen besondere Ein- ladungeu nicht mehr erfolgen._____ MMN MmMkr-MlMd. Am Freitag, den 2«. Januar, abends 8 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstraßc 27«: Vertrattettsmänner-Bersammlttttg her Labe«-«üb Kompteirbi'anllit Berlins imb ber Amte. TageS-Ordniing: Unsere Lohnbewegung. Es ist Pflicht jeder Werkstatt, einen Bertrmiensmäim zu entsenden; insbesondere werden die Branchenkollegcu aus den Vororten ersucht, Ver- tretcr zu entsenden.''Iß Die Orts Verwaltung. f Achims! Einsetzer! Mittwoch, den 24 Januar, abends 8 Uhr, bei Herzbcrg, Alte Jakobstrafie 75:>77/2 inv. Ein setzer- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Situationsbericht. 2. Diskussion. Alle arbeitenden Kollegen haben bestimmt zu erscheinen.«mZfich die Karten abstempeln zu lassen.___ Der Kinbcrufer. An Mühe, Zeit und Brennmaterial spart die kluge Hausfrau, die Lösl. Frühstücka-Suppen Geniüse-* und Kraftauppen Bouillon-Kapseln Suppen-Würze verwendet.— Stets frische Auswahl bei Jtlehard Lttder, Friodrichsberg-Lichtenberg, Frankfurter Chaussee 87. MAGGI Aktiva. (E. G, m. b. H.) Bilanz per 80. September 1899. Passiva. An Waren.Conto Warenvorräte.. „ Betriebs- Unkosten- Conto Holzvorrate... „ Gespann- Unkosten- Conto Fourage vorrftte.. „ Inventar-Conto..» Ahschreihung,, „ Gespann-Conto.,. Abschreibung,. „ Cassa-Conto Bestand..,. „ Effekten-Conto Courswert... „ Bankguthaben... „ Kaution bei der Gasanstalt...... M. 880 280 9 384 1384 Pf. M. 2 397 467 Pf. 75 60 142 80 600— 8 000— 1 915, 37 7 833,50 10 104 50 60 31621 42 Per Conto der Genossenschafter(Anteile).. „ Steuer-Reserveconto (auf Gew. 1 898/99 zu zahlende Steuern). „ Unterstützungsfonds- Conto...... „ Baufonds-Conto.. „ Guthahen-Gonto der Genossen..... „ Reservefonds-Conto. „ Gewinn- und Verlust- Conto...... Abschreibungen auf Inventar M. 280,60 Gespanne M. 1384,50 Ueberweisung an Unterstützungsfonds M. 586,— Baufonds M. 3409,45 Gewinn• Vortrag von 1897/98,. Den Genossen auf Guthaben- Conto überwiesen.. Gewinn-Saldo Vortrag M. 12 694 5 660 Pf. 42 45 7 033 9 302 16 426 9 500— 42 M. 95 1000 2 500 9 500 9 500 2 000 6 026 Pf, _ 42 |{ 31 52l| 42 Verbacken wurden im Laufe des Geschäftsjahres insgesamt 10 873 Sack mit 1 087 300 kg Rdjgeiitnehl im Betrage von 225 959,80 M. Der Kassenumsatz stellte sich auf 304 113,84 M., whtin 294 631,30 M. Einnahmen für Backwaren enthalten sind. Die Zahl der Mitglieder betrug arf Schluss des Geschäftsjahres 19. Die Anteile der Genossen betrugen 95,— M. Die Haftpflichtsumme der Genossen betrug 95," M. Berlin, den 23. Januar 1900. Berliner Genossenschafts-Bäckerei (Eingetragen« Genossenschaft mit beachränkter Haftpflicht). Oer Vorstand, Richard Keim. Geschäftsführer. Paul Lenz, Kassierer. Kmlktil- uiib Sterbefsft der HütiMergtstllt« zu Berlin (C. H. Nr.«7). Gentrai-Versammlung Sonntag, den*8. Januar 1999. 1973b vormittags 11 Uhr, bei Herrn C. Feind, Weinstr. 11. Tagesordnung: I. Kasscubericht. 2. Vorstaiidswahl. 3. Wahl der Revisoren und Kranken- Controlcure. 4. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch bittet Der Borstand. O. Tschoppe. Achtung! Kreit Krli«kt»-«.Begräbnis- tesse ber Slhnhmacher und Bcruföaeuosse» Berlins (E. H. Nr. 27).(1861b Meldunge» von Krankheitsfällen sowie zur Ausnahme in die Kasse, sind vom 25. Januar ad nur bei dem jchigen Vorsipcnden Melirieb Uli. Withrlmsirasce*1, zn machen. Kranke«-«.Tterbekajse Nr. ZZ Mittwoch, den 31. Januar, abends 8 Uhr, im Schnhciihansr, Liiiienstraße 5: lZeoei'sIversammluvg Tage»- Ordnung: Kassenschreiberwahl. 1976b Del- V«»i-»tai>«l. Zur Legitimation bitte das grüne Buch mitzubringen. Freunden und Bekannten zeige hier- mit ergcbenst an. daß ich Wriezruer- straffe 4 ein 1875b Weiß-«. Bayrischbier-Lakal übemommen habe und bitte um ge- neigten Zuspruch. Witwe Anna Pie. Dr. med. Scliaper,"S.?,,«»: W iW f-J (juiut u.(flflniuidiii Francn-KrankhcUcii. Könlggrätzerstr. 27. Spr. 9-1. 4-7, Houtüo|)atli. Poliklinik: Montag, Mittwoch, Sonnabend, Ab. 7—8: Friedrichstrane 114, I. Reste die in unserer Fabrik täglich entstehen, geben, um damit zu räumen, spottbillig ab. Muster davon sofort fraiico. Lehmann& Assmf Tuchfabrik, Spremberg: L. Einzige Tuchfabrik Dentschlands, die ihre Fabrikate direkt an Privatleute versendet. U0/1,: Schneidermeister, welche gern bereit sind, Anzüge anzufertigen, ohne dass der Stoff von denselben entnommen wird, weisen an jedem grosseren Platze nach. ittag- and AWtiscIi, grossen Fiülislückslisch ciupftehlt.(3611C* Faul Jahn, Köpnicker-StraMsc Bir. TO, früher Otto Eutzcinann. Meine Sprechstunden für Asthma und Bronchial-Kranke habe ich noch bis zum 31. d. Mts. verlängert. ft/1 Aa Kleid aus Herford, spec. Asthma Therapeut. Z. 3- Berlin, Seydelstr. 8, Il.r. Tägl. 11-1 und 4-0 Uhr. Falbe, 44. Elsasserstr. 44. Behandlung aller Haut, it. Harnleiden ohne BerufsslSruug. Sprechst. 9 morg. bis 9 abends, Sonichag n. Donnerstag 9—3. Bei Vorzeigung der Verbands: larteir 10 Proz. 34548* Schnitze, Wasserthor- Str. 1/2. | Behandlung aller Haut:, Blasen: und Harnleiden ohne Berufs-! I störung. 3575L| Sprechstunden 9—2, 5—9. I 9V Bei Vorzeigung der I I Vcrbandskarten 10 Proz. Der Verein Berliner Kolonialwaren- Händler hat es für die Pflicht des Detailhäadlers erklärt, das bisher unter dem Kamen Diamant« SalOnÖl bestbekannte amerikanische Sicherheits- Petroleum(jetzt gesetzlich geschützt) unter No. 41 841 als Urania im Interesse des kaufenden Publikums einzuführen und dasselbe zu empfehlen, um die Missbräuche, welche mit den Bezeichnungen Salonöl uud Salon-Petroleum getrieben werden, zu beseitigen. llan fordere deshalb beim Einkauf nur das obige wasserhclic und gesetzlich geschützte Urania-Salonöl. Ueberzengen Sie sich von der Güte, denn i Theelöffel Carola- Kaffee genügt, um sich 2 Tassen vorzüglichen, gesundheitlich zuträglichen Kaffees herzustellen. Halb Bohnen- und halb Carola-Kaffee liefert in Stärke und Geschmack ein ausgezeichnetes Ge- trilnk, trotz dieser Vorzüge kostet Vj Pfund Carola-Kalfee nur SO Pfg. üeberall zu haben._[2634L* Böhmisches Brauhaus, Hufee BockbieivÄusstoss beginnt am Sonnabend, den 27.«Januar er. Ebenso empfehle» wir unser Uelles und dunkles Tafelbier, Crambrlnus-Bräu, nach Miiuchcner Art, �epornnk-Brän,„ Pilsener„ iu wässern und L'lclfchen» olzuv pfsantr. Telephon>Amt VII 5088 iür Bostellangen in Fässern, Uo. VII 1670.,„ in Flaschen. rauerei Germania (Aktien-Gesellschaft) tu ca. 70 eigenen Lokalen ockbier 7.o i io Pf- % Tonne 8,50. 15 FI. V 1 1.60. ca.4(.oFI. II Fl. frei Haus. Telephon XII 2045. ZAHNSCHMERZ� bsseiligt sofert _ Wzo% Cdrvacrolwaite; in plonb, Flasche M5C. zuhaben inallen Dragerisn Nimm keine. NacNhirirnccr. (3613L» Maskengarderohe von Adolf Runge, Gr. Frankfurterstr. 75, Amt VII, 4075, empfiehlt den Vereinen seine grntze SluSwahl in Kostiimeii in jcd. Preis luge, Grobes 8age. v au Kameval-Aufzügen. 'Epochemach���T�r�ndungt Semelline gewährt unbestritten 4facbe Haltbarkeit der Sohlen und Absätze, schützt unbedingt vor kalten und nassen Füssen. mT"„SeineUine" reibt man auf neue and getragene Sohlen. Erfolg sicher hei vorschriftsmässiger Anwendnng. 1 Tube zu 2—3 Paar Sohlen und Absätzen kostet nur 60 Pfennig. Erhältlich iu Drognen-, Seifen-, Schuh-, Eisenwaren- ntFalirradgeschäfien. Semelline-Compagnie G. m. b. II. ffläneben. Generalvertreter für Berlin und Vorortbezirk: S. aliuch, Berlin SW., Hagelsbergerstr. 36. Fernspr- Amt 9. 6195. Viele ehrenvolle Anerkennungen! w»zf'£ zzrjz A tCleine Anzeicfßn. W-- Wort feit, Worte mit mehr als B WOlAa Ä Am Mr dtoid WbB � w mp in de y JS Bucfistaben zählen doppelt, iBjMH Bl BL BtB W b Anzeigen in den Annq/tmesielien für Berlin I bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr3 in der IIa uptexpedUlon Bäuthstr.ö bis 4 Uhr angenovnncn. täte A rden AS lin m Verkäufe. Gastwirtschaft mit großem Garten .Regelbahn, Saal usw. ist zum Jn- uentarpreis zu verkaufen. Neu- Weißensee. Prenzlauer-Chaussee 3—4. Gar dinenhans Große Frantsurter- straßo 9, parterre�_ 11066 Miibel, bar uud Teilzahlung, billigst. Frankfurter Allee 110, I, Ecle Königsbergerstraße._. 2875t* Elegante vorjährige Herrenhosen, feinste Stoffe 9—12 Mark. Verkauf Sonnabend und Sonntag. Versand- hausGcrmania, Unter den Linden 21 II. Betten, Steppdecken, Gardiiicru .Kleidungsstücke spottbillig. Pfandleihe Neanderstraße 6.__ Teppiche. Regulatoren, Remontoir- uhrcn spottbillig Pfandleihe Neander- straße 6._ 3/6* Teppiche mit Engrvslagcr Grobe straße 9, parterre. Farbcnschlcru, Franlsurter- WWWWWWU�tuc/ Damenbüsteil zur Scluieiderei billig. Hiilß, Weinbergsweg IZb. Öiahmaschiuen sämtlicher Systeme, ohne Anzahünig. Postkarte. Lindner, Bernaucrstraße 75. 1793"- .Hanarienhahne verkaust Graß, Rückertstraßc 12, Charlottcnburg. schg?* zsäuarienhahne und Weibchen, edler Stamm, verlauft billig Vistwock, Guvrysiraße 20, vorn II._ 18956 Steppdecken aiN billigsten Fabrik Große Franlfurtcrstraßc 9, parterre. Kanarienhähile meines vielfach prämiierten Stammes von 6— 20 Marl, gute Ziuhtweibchen, verkaust tlrebs, iiöpuickerftr. 154 a. 2651- »anarienrollcr 4,00, Zuchtweibchcn 0,75, Kopopka, Alexanderstraßc S.* Halbrenncr. Prackitmaschine, 99cr Modell mit Garanticfchcin, in ßjah- lung genommen, Annenstraße 17/18, Wilinsky, Schneider. s80/14 Nähniaschinen sänitlicher Systeme, ohne'Anzahlung, wöchentlich 1 Mark. Fünfjährige Garantie. Postkarte. Mantheu, Wicsenstr. 40. t63» Schlafsofa. Älciderspiud, Wäschespind, Spicgelspuidchen. Spiegel, AuS- ziehtisch, Bettstellen, Matratzen,«chlag- regulator, Tcppich. Betten, Küche»: sachea umständehalber sosvrt spott- billig verkäuflich Waldemarstraße 27, vorn I. �_-_ 4/4 Testillatio». altes Geschäft, am besten für Anfänger, ist Familien- Verhältnisse wegen zn verkaufen. Näheres Grünauerstraße 30, Nestau- ration.. chlOö Nähmaschine», Nobin,'Adler, Rück- und Vorwärtsnäher, ohne An- Zahlung. Postkarte. Fechner, Hussitc»- straße 26. f63* Vermischte inzeigen. Danksagung. Allen Freunden, Kollegen und Bekannten für die zahl- reiche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines verschiede- neu Mannes, unseres- Vaters, des Gastwitts Wilhelm Gericke, unfern tiesgesühlten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen.__[t98 Zlugustabad. Köpnickerstraße 60 I Bäder jeder Art für sämtliche 5tra»ken- kaffen. 308K* I Elektrotechnik. Neuer Abend- kursus. Iackivu, Alte Jakobstraße 24. llnfallsachcn, Klagen, Eingaben Putzgcr, Stcglitzerstraße 65. fl717t> Lexica. Bücher jeder Wissenschaft. lönigliche Pfandscheine, Waren jeder ?ltt, Eigarren, Garderobe fabelhaft hohe Belethung.'Ankauf Grllnberg, Rosenthalcrstraße 11/12.> 80/9* Uhren repariert Wilhelm Fladc, Uhrmacher, Putbnserstraßc 45, II. Möbel. Wirtschaften, kaust Möbel- geschäft Anklamcrstraße 20. 3ZK- Bereinszimmer mit Piano Quandt, Belle-Allianceftraßc 74 a. 8 5 3K* Bcretnszimmer Siulconstraße 23 Flick. slfl* Bcretnszimmer cmpstehlt Lier- Alte Jakobstraße 119. 12861!* Sofas, ganz alte, Blumenftraße öle. sucht Trömcl, 4/3 Ich erkläre Frau Xentlse für eine Ehrenfrau, nehme die Beleidigung zu- rück und gebe zu, mich in der Person geirrt zu haben. Frau Settba Wein, geb. Klein, �icbenwaldcrslraßc 46a. Bereinsz immer mit Pianino, 30 bis 40 Personen, Gleiulstraße 70. Paul Lerche. ßllb Vermietungen. Zimmer. Möbliertes Zimmer für 2 Herren oder Damen»>» Sttommunttles. Der Ttadivcrordncten-Zlnsschnst zur Vorbcratung des Antrags des Stadtverordneten H n g o Sachs, den Magistrat zu ersuchen, in allen Fällen, in denen es sich nicht um neue oder vorhandene, bisher unbebaute Straßen und Straßcntcile. d. h. um Straßen im Sinne des Gesetzes vom 2. Juli 1875 handelt, vielmehr um die durch das öffentliche Interesse erforderte Herstellung und Unterhaltung alter, sogenannter historischer Straßen durch Vcrbrcitcrnng, Durchbrüche oder sonstige Veränderungen, in Gemäßheit des§ g des Kommunal- abgaben-Gcsctzcs z» verfahren. Demgemäß ist stets ein Gcmeindebcschlnß herbeizuführen betreffs derjenigen Bei- träge, welche als prozentuale BeitragSleistnng zu dem gesamten Kostenbeträge der vorbczeichneten Herstellung und Unter- Haltung der alten Straßen von den der Veranstaltung gegenüber- liegenden und angrenzenden Grundeigentümern, gemäß der ihnen erwachsenden besonderen wirtsckiaftlichcn Vorteile in Kapital- oder Rentenzahlungen zu entrichten sind,— hat gestern unter Vorsitz des Stndtv. Gcrstcnberg und in Anwesenheit des Stadtrats Hirsekoni einstimmig beschlossen, der Versammlung die Annahme des Antrages zu empfehlen mit der Maßgabe, den Magistrat zu ersuchen, demnach ungesäumt Vorsorge zu treffen, in allen ge- eigneten Fällen den§9 desKommunalabgaben- Gesetzes durchzuführen. Auf der TagrSordunug der Stadtvcrorductcn-Vkrsamlnlung am Donnerstag. 25. d. Mis., nachmittags 5 Uhr, stehen u. a. folgende Gegenstände: Vorlagen, betreffend die Frequenz in den Gemeinde- schulen am 1. November 1899,— die Errichtung eines zweiten Wcrkstattgebäudcs bei der Anstalt für Epileptische,' Wuhlgarten,— die spcciellcn Eullvürfe zum Neubau der Gemeinde- Doppclschnlc ec. am Görlitzcr Ufer 11—13 und der Realschule am Schlcswigcr Ufer 9,— die Herstellung der Badezellenwände ans glasierten Steinen in den Volks- Badcanstaltcu in der Bärivaldstraße, Odcrbergcrstraße und Dcnncivitzstraßc,— die Mehrarbeiten bei der Instandsetzung der Schimmhalle der Volks- Badeanstalt au der Schillingsbrücke,— einige Acndcrnngcn des spcciellcn Entwurfs für den Neubau der 2. Handwcrkcrschnle am Stralanerplatz,— das Bauprogramm und den Vorentwurf zum Neubau einer dritten Irrenanstalt zu Buch,— die Einsetzung einer Deputation für die städtische Blinde»pflege— und die gewerbliche Beschäftigung s ch n l p f l i ch t ig e r K i n d e r. — Anträge von Mitgliedern der Bcrsanimlmig, betreffend die Witwen- und Waiscngelder der städtischen Beamten.— Bericliterstattung über die Vorlage, betreffend den Etat der städtischen Fcncrsvcietat für 1. Oktober 1899/1990,— sowie über den Antrag von Mitgliedern der Versammlung, betreffend die Eingcmcindnng der Südseite der Straße Hasenheide in Berlin.— Anträge von Mitgliedern der Versammlung, betreffend die Regelung des Verhältnisses der Stadt zu dem Pächter der U r a n i a s ä n l e n,— die Ansstellmig von Kandelaber- und Armnhrcn in verschiedenen Gegenden der Stadt,— und die Bereitstellung von Mitteln zur Gewährung von Vor- s ch ü s s e n an die Krankenhäuser für solche Personen, die, ohne der Armenpflege zu unterstehen, in der Zahlung der Vcr- pflcgungSkostcn vorübergehend im Rückstände sind.— Die spccicNcn Euttvürfe für die Gemcinde-Doppcljchule. die Schule für gewerbliche Zwecke in der Slraßmannstraßesund einer Geincindc-Toppelschule in der Wattstraßc.— Berichterstattung des betreffenden Ausschusses über die Abordnung der Mitglieder der Versanimlung in die ständigen Ausschnffe der Versammlung und in die BerivaltungSdepntationen und Kuratorien, sowie Vornahme der Wahlen.— Desgleichen über die Zuteilung der Stadtbezirke an die Mitglieder der Versammlung behufs der Erledigung der Wahlsachcn zc.. sowie Beschlußfassung darüber. AWfmles. Tie körperliche Vutwieklnng der Prolctaricrkindcr wird sich überall da. wo man sich zur Einführung einer schul- ärztlichen Untersuchung und Uebcrwachuug der Schuljugend bequemt, sehr bald als durchaus mangelhaft nachweisen lassen. Der eigentliche Zweck, der mit der Anstellung von Schulärzten ver- folgt wird, ist zwar der, daß die Möglichkeit geschaffen wird, kvrpcr- lichc Mängel oder Erkranlimgen der Schulkinder richtig zu erkennen, die Lehrer wie die Eltern rechtzeitig davon in Kcnnlms zn setzen und den mangelhast entwickelten oder kranken Kindern i» Schule und Haus. eine entsprechende Berücksichtigung! und geeignete Behanblinig unter ärztlichem Beistand zn sichern. Daneben muß uns aber auch das rein st a t i st i s ch e Ergebnis der Beobachtungen und Feststellungen der Schulärzte will- kommen sein. weil es einen wertvollen Beitrag zur Beurteilung unserer gesellschaftlichen' Zu« st ä n de und ihrer Folgeerscheinungen bilden kann. Das wird besonders da der Fall sein, Ivo die Anstellung von Schul- ärztcn nicht bloß auf die Volksschulen beschränkt bleibt,' wo ses also möglich wird, die Ergebnisse der an den Kindern verschiedener Gesellschaftsklassen vorgenommenen llutersuchimgen mit einander zu vergleichen. Wiesbaden bietet in dieser Hinsicht bereits eiiiigesIMalcrial. Hier werden nicht nur an Volksschulen, sondern auch an Mittelschulen die Kinder ärztlich untersucht und überlvacht. Es hat sich dabei herausgestellt, daß die die Mittel- schule besuchenden Kinder bei der Untersuchung ein weit günstigeres Ergebnis lieferten als die Volksschulkinder. Werden die bei der Aufnahme untersuchten Kinder nach den Ergebnissen„gut",„mittel",„schlecht" in drei Gruppen eingeteilt, so waren im Schuljahre 1898/99 sunch Angabe des in der„Zeitschrift für SchulgesundhcitSpflege", 1899, Dezemberheft, abgedruckten Berichtes der Schulhygiene-Kommission in Wiesbaden) auf den Mittelschulen 44,9 Proz. gute, 54,3 Proz. mittlere und nur 9,3 Proz. schlechte, dagegen auf den Volksschulen nur 34,4 Proz. gute, 58,8 Proz. mittlere und 6,8 Proz. schlecht«. Bemerkenswert ist auch, daß direkte Erkranknngen bei den Mittel- schulkindern nur in noch nicht 11 Proz., bei den Volksschnlkindeni dagegen in über 51 Proz. festgestellt wurden iabgesehcn von den zahlreichen Erkrankungen der Zähne). Schon dieses eine Beispiel läßt erkennen, wie lehrreich die statistischen Ergebnisse der schulärztlichen Thätigkeit sein könnten, wenn die Untersuchnng aus die gesanite Schuljugend ausgedehnt würde. Selbstverständlich können aber die Schulärzte auch bei einer Beschränkung ihrer Thätigkeit nur auf die Volksschule manchen nützlichen Aufschluß über die Folgen der gesnndheitlichcn Schädigungen gehen, denen die Jugeuv des Proletariats ausgesetzt ist. Für Berlin, wo eine Anzahl Gemeindeschulen mit dem Sommersemester zunächst versuchsweise die ersten Schulärzte bekommen wird, mutz man dem Beginn der ärztlichen Unteriuchungen mit be- sonderer Spannung entgegensehen. Die städtische Schulvcrwaltung wird cS hoffentlich nicht nitterlaffen. ans den bei ihr eingehenden Berichten der Aerzte die Hauptergebnisse baldigst zu veröffentlichen. Im 44. Kommunal-Wahlbezirk(Moabit) wird für eine Kau- didatur des National-Socialcii Damaschke Stimmung gemacht. Die reaktionäre alte Fraktion der Linken erklärt sich für den Kartell- kandidaten Biedere ck. In dieser Situation empfiehlt die„Volks- Zeitung" den„socialpolitisch fortgeschrittene», ausrichtig freisinnigen Wählern", sich für die Wahl Damaschkes zu interessieren. Wie herz- lich inibedeutcnd diese Kategorie der Wähler in Moabit ist, hat der Ausfall der Stichwahl in, 45. Bezirk gelehrt. Es wird sich auch ain 14. Februar wohl nur um einen Kamps ztvischen Soeialdemokratie und freisinniges Koinmunalphilisterinm handeln, und in diesem Kampfe thun die Arbeiter gut, so entschieden wie möglich nur auf die eigene Kraft zu bauen. Aus akademischen Kreise» schreibt man uns zu dem Beschluß, die akademische Lesehalle an Sonntagnachmittagen für jeder- mann offen zu halten: Der Antrag wurde von den Vertretern des .Socialwisscnschaftlichcn StudcntenvercinS" schon vor einiger Zeit gestellt, damals aber von der reaktionären Mehrheit des„Vereins deutscher Studenten" und seinen Anhängern niedergestimmt. Jetzt wurde der Antrag von neuem eingebracht, wobei die Vertreter des Socialwissenschaftlichen Vereins'besonders darauf hinwiesen, daß die Studenten an de» Volksbildungs-Bestrebungen teilnehmen, dem Volke mehr Interesse widmen und sich nicht ivie bisher nach außen gänzlich abschließen sollten.— Die Gegner rückten niit Gcgcngründcn ins Feld, die in einer Hinsicht komisch, in der That aber doch höchst traurig sind. Es wurde die Befürchtting aus gesprochen, die akademische Lesehalle werde zur Wärmehalle degra diert, es würde sich ein„geiv isser Haufe von Prole- t a r i a t" ihrer bemächtigen und dort Prügelscenen veranstalten I Das sagten die Herren, welche sonst immer mit ihrer dentschnationalcn Gesinnung protzen und zeigten damit aufs schönste, ivie sie ihr Volk wertschätzen. Ein Herr sprach sich besorgt dahin ans. daß die am Sonntagnachmittag gelesenen Blätter ein gefährliches Mittel zur Ucbcrtraginig von Krankheiten abgeben könnten. Ucberall Bacillen. angst, aber am meisten fürchtet man in gewissen Stiidentcnkrcisen den Bacillus der socialen Erkenntnis. Es bleibt abzuwarten, ob die akademische Behörde der Neucrung ihre Zustimmung giebt. llcbrigcns werden, damit den Beamten der Lesehalle ihre Sonntagsruhe bleibt, Studenten die Aufsicht führen. Die„StaatSbürger-Zcitung" schreibt zu der auch von uns am vorigen Donnerstag behandelten Angelegenheit:„Eine hiesige Kuusthaudlung hat einen ihr zugegangenen mit„Staatsbürger Zeitung" unterzeichneten Brief veröffentlicht, in dem sie aufgefordert wird, in innrer Zeitung zu inserieren, andcnifallS Besprechungen über ihre Bilder, die bis jetzt von der„Staatsbürgcr-Zcitung" gc bracht seien, in Zukunft unterbleiben würden. Wir stellen dem. gegenüber fest, daß von uns ein solcher Brief nicht abgesandt ist. Ter Verfasser des Brieses ist für uns als A n» o n c e n- A c q u i s i r e u r thätig und hat ohne iinser Wissen Briefbogen und Stempel der.StaatSvürgcr-Zcitung" unbcrcchtigtcriveise zn dem sraglichcn Briefe, den wir durchaus mißbilligen, benutzt." Seltsame Kühnheit eines Annonccn-Äcqiüsitcurs. Tie Klagen de? Liquidatoren der Allgcmrinrn Volkö Krankenkasse E. H. iLK sind gestern endgültig abgewiesen worden. In Sachen der Kasse gegen S ch i k o r a, in der Rechts- anwalt Dr. H e r z f e I d den Beklagten vertrat, hat gestern die 16. Strafknnimcr des Landgerichts i als letzte In stanz die Klage abgewiesen und erkannt, daß der AnflösungSbcschluß vom 17. März v. I. ungültig, die Herren Schiele und Gen. nicht Liquidatoren und zu klagen nicht befugt sind. Es wird jetzt Sache aller derjenigen sein, von welchen die Liquidatoren nnbefugtcriveise Gelder eingezogen haben, diese Bei träge zurückzufordern. Tic Armendircktion beschäftigt sich seit länger als Jahresfrist mit der Frage, in ivclchcr Weise das Berliner Anneuwcseu zu rcorgnnisiercu sei. Nachdem in zahlreichen Sitzungen von Special koniuiissione» die Angelegenheit vorberaten ivar, hat der Vorsitzende der Armendircktion, Stadtrat Dr. Münstcrbcrg, zwei Entwürfe, eine Verordnung über die Vcrivaltuug der offenen Armenpflege, dem Plenum der Armendircktion vorgelegt, die in mehreren Sitzungen die Vorlagen gründlich durchbcratcn und genehmigt hat. Die Ent- würfe werden»nnmchr an die städtischen Behörden zur Beschluß fassung gelangen. Tie Bewegung der Bäckermeister zur Einführung einer Sondcrgcbühr für das F r ü h st ü ckz n st e l l e n ist fast auf der ganzen Linie gescheitert. Die Mehrzahl der Meister erkennen au, daß fo lange die sogenannte Zugabc noch üblich ist und die Bäcker 10 bis 15 Proz. glabatt an Konsumvereine gewähre», eine besondere Bezahlung für das Zustellen der Backware ins Hans nicht verlangt werde» kann. An die Kundschaft werden die Bäcker nur herantreten, um sie zn ersuchen, ivcgen der am I. k. M. in Kraft tretenden Polizeivcrorduung vorläufig in der IlcbcrgnngSzeit Nachsicht üben zn wollen. Während die Kinder nur 5 M. monatlich und für 19 bis 15 Pf. Backware erhielten, iverden den Austrägerinnen, wie es heißt, 19 M. und darüber gezahlt. Ter Erfinder der elektrische» Lokomotive gestorben. In voriger Woche ist der Direktor des am Nounendainm in Spandau errichteten Kabelwerks der Aktiengesellschaft Siemens u. Halske. Bror Hcmming Weßlau, nach kurzer Krankheit gestorben. Der Dahin- geschiedene, ein geborncr Schwede, gehörte zu den ersten Knpncitäteil auf dem Gebiete der Elektricität. Er ist der erste Erfinder der elektrischen Lokomotive gewesen. Zn gleicher Zeit ivie Edison be- ichüfligte er sich mit diesem Problem, wurde aber mit seiner Lokomotive ein Jahr früher als Edison fertig, und ist dem Patent- bnrcau in Washington zufolge als Erfinder der ersten elektrischen Lokomotive der W � zu betrachten. Für dir Eröffnung der Fernsprechverbindung zwischen Berlin und Paris läßt sich ein bestimmter Termin noch nicht an- geben. In dem Abkommen zwischen dem Deutschen Reich und der französischen Republik wurde s. Z. festgesetzt, daß die Verbiuduug womöglich am 1. Januar 1990, fpätesteus aber zur Eröffnung der Weltausstellung eröffnet werden soll. Nachdem der 1. Januar vcr- strichen ist. ohne daß die Linie auf der französischen Seite fertig ist. läßt sich nur sagen, daß die Eröffnung bis spätestens am 15. April erfolgen soll. Zu dem Vorfall im Central-Theater, über den wir gestern berichteten, teilt unS der Geschäftsführer des Theaters, Herr Mandel, mit, daß er Herrn B. nicht beleidigt habe. Unziemliche� Ausdrücke gegen diesen Herrn seien hingegen in einer Auseinandersetzung von einem Theaterbesucher gebraucht worden. Die Polizei und die Warenhäuser. Gestern und heute besuchten verschiedene höhere PolizeibeanNe die hiesigen giotzen Warenhäuser, um von deren Einrichtungen genaue Kenntnis zu nehmen. Namentlich wurde. Ivie der„Konfektionär" meldet, die Beachtung der feuerpolizeilichen Borschristen geprüft und neue bevor- stehende Anordnungen m Erwägung gezogen, welche zum bessern Schutz gegen FcuerSgefahr in den Warenhäusern demnächst ciitgeführt werden sollen. Selbstmordversuch einer Künstlerin. Am Sonntagabend versuchte eine in der Melanchthonstraße wohnende Kunstmaleri» sich durch Oeffnen der Pulsadern an beiden Handgelenken zu töten. Da ihr Zustand sich verschlimmerte, wurde die Schwerverletzte am Montag in ein Krankenhaus gebracht. Wegen Betrugs und betrügerischen Bankrotts sind der Schlächtermeister Otto Hering, dessen Frau und eine Verwandte verhaftet worden. Hering war früher Hausbesitzer und hatte auf dem Grundstück Jnvalidcnstr. 133 die größte Schlächterei im Norden der Stadt. Zuletzt besaß er zwei Geschäfte, das eine in der Jnvalidenstr. 31, das er gemeinsam mit seiner Frau betrieb, und das andre in der Anneusir. 39. das er durch eine Angestellte verwalten ließ. Hering ist im Norden sehr bekannt, einmal wegen eines Totschlags an cinem Gesellen, mit dem sich der Bolksmund noch heute in seiner Art beschäftigt, noch mehr aber als Lebemann, der in seiner Glanzzeit Rennpferde hielt und in ausgedehntem Maße dem Wein und Weib huldigte. Seine erste Frau ließ sich von ihm scheiden,«ine seiner Verkäuferinnen, die er dann heiraten wollte, starb, seine zweite Frau, mit der er jetzt da« Geschäft betrieb, war ebenfalls Verkäuferin bei ihm. Im Dezember v. I. machte Hering unter eigenen Umständen von sich reden. In den Zeitungen wurde damals von ihm berichtet, daß er ans der Straße umgefallen, vor Frost halb erstarrt und in diesem Zustande um mehrere tausend Mark bestohlen worden sei. Die Untersuchnng hat ergeben, daß es sich um einen„künstlichen" Unfall handelte. Hering hatte sich betrunken, um ihn in Scene zu setzen, und seine Beraubung erdichtet, Iveil er sich in Zahlungsschwierigkeiten befand. Später suchte er sich durch Schwindeleien zu decken, an denen seine Frau und die Verwandte mitbeteiligt waren. Dienstag wurden alle drei verhaftet und dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Zeugen gesucht. Die Personen, welche gestern vor einem Fahr, am 23. Januar 1899, nachmittags 3 Uhr, gesehen haben, wie ein Mann durch einen Postwagen vom Pferdebahnwagen Ecke der Chaussee- und Kcsselstraße herabgerissen und schwer verletzt wurde, werden dringend ersucht, sich bei Pritscholv, Triflstraße 5, l. 3. Ausg. 2 Tr. Stfl. zu melden. Durch einen Stockhieb wurde am Montagabend um 19V4 Uhr der 29jährige Kellner Wilhelm Gcdicke ans der Albrcchlstr. 25 schwer verwundet. Der junge Mann wurde in der Wirtschaft von Höhn in der Albrechtstr. 6 von vier angetrunkenen HotclhanSdicnern gehänselt. Als er von der gegenüberliegenden Wache des 5. Reviers einen Schutzmann holen wollte, um die Hausdiener feststellen zn lassen, folgte ihm einer von ihnen und streckte ihn auf der Straße durch einen wuchtigen Stockhieb über den Kopf zu Boden. Der Ver- ivinidcte mußte mit gebrochenem Sckiädel von einem Beamten nach der Charit« gebracht werden. Der Thätcr ergriff die Flucht, wurde aber von einem Droschkenkutscher ergriffen und ans die Rcvicrwache abgeführt. Wegen Brandstiftung wurde in der Nacht zum Dienstag der 24 jährige Cigarrcnhändler Geil, Pappel-Allee 2, verhaftet. Montag- abend besuchte Geil mit seiner Frau ein Restaurant. Kurz vor elf Uhr verschwand er auf einige Zeit, um, wie sich später herausstellte, die Brandstiftung vorzunehmen, zn der er durch geschäftliche Äälami- täten verleitet sein soll. ES konnte festgestellt werde», daß er wenige Minuten vor Ausbruch des Feuers mehrmals an seinem Laden vorüberging. Als tdann Rauch und Flammen durch die Fenster schlugen, ivar er wieder bei seiner Frau. Glücklicherweise Ivar um jene Zeit die Straße noch belebt, so daß der Brand zeitig bemerkt und der nahen Feuerwache gemeldet wurde. Diese stellte mehrere mit Petroleum getränkte Brandherde fest. Als das Feuer bereits gelöscht war, erschien G.; er wurde auch sofort verhaftet. Verbrechen oder Irrsinn? Der Arbeiter Hermann Fischer, der mit seiner Familie in der Mantcnffelstr. 64 im vierten Stock des Seitenflügels wohnt, ist ein Trunkenbold, der häufig nicht arbeitet und seine Frau für sich und die beiden Kinder, die 19jährige Mein und die IVs Jahre alte Ida, sorgen läßt. Dabei ist er ein roher Patron, der in der Trunkenheit seine Frau schon wiederholt mit dem Messer bedroht hat. Acht Tage vor Neujahr war es so schlimm geworden, daß Frau Fischer niit ihren Kindern, die ebenfalls den schwersten Mißbandlungcn ausgesetzt waren, zu ihrer Schwester nach der Kleinen Markusstraße zog. Hier besuchte sie Fischer am Ncnjabrötagc und bat sie flehentlich, doch zu ihm zurück- zukehren. Die Gutmütige ließ sich erweichen irnb zog mit den Kindern wieder zn ihm. Bald aber wiederholten� sich die früheren Auftritte. Fischer mißhandelte Frau und Kinder so barbarisch, daß sich die Hausgenossen ins Mittel legten. Am Freitag warf er die Frau. nachdem er sie in der rohcsten Weise geschlagen hatte, zur Wohnung hinaus. Dann mißhandelte er die Kinder und ließ erst von ihnen ab. als die Nachbarn ihm mit der Polizei drohten. Am Sonnabenabcnd kam Fischer wieder betrunken nach Hanse. Zunächst warf er die Frau, nachdem er sie geprügelt hatte, hinaus, so daß sie einige Treppenstufe» himinterficl. Dann riß er die kleine Ida aus dem Bett heraus und schlug sie. daß sie jämmerlich schrie. Als die Nachbarn ihn wieder zur Rede stellten, packte er das Kind und warf es mit allcrWncht nach seincinBette zu Das bejammernswerte Geschöpf schlug so heftig auf die Bett- kante ans, daß es den linken Unterschenkel«nd eine Rippe brach. Der entmenschte Vater mißhandelte min die ältere Meta und lvarf sie schließlich, obwohl sie ganz nackt war, auf den Flur hinaus. Nachbarn nahmen sich der Acnnstcn an. Frau Fischer, die wieder zu ihrer Schwester geflohen war, wartete am Sonntag früh ab, bis er weggegangen war, und schlich sich dann in die Wohnung, um die Kinder abzuholen. Sie fand die kleine Ida entsetzlich zngerichter. Abgesehen von dem Bein- und Rippenbruch, erschien der kleine Körper nur als eine braunblane Masse, so daß das Kind in ein Krankenhaus gebracht werden mußte. Fischer ist jetzt angezeigt worden. Wie ivar eS möglich, daß derartige Bestialitäten verübt werden konnten, ohne daß die Behörde rechrzeitig zum Eingreifen veranlaßt wurde? Ei» gröstcrer Fabrikbrand kam gestern früh 3 Uhr Schilling- straßc 14 in der Berlin. Ncucndorfcr Schuhfabrik, Gesellschaft m. b. H. zum Ausbruch. Die Feuerwehr mußte über eine mcchaiiische Leiter sowie über Hakculeitern hinweg vordringen, da die eisernen Eingangsthürcii nichr zn Lsfiic» waren. Das Feuer ergriff auch die in der ersten Etage befindliche Sattlerei und zerstörte den Inhalt beider Stockwerke. Preisausschreiben. Der Klub Deutscher Geflügelzüchter hat ein Preisausschreiben in Höhe von 199 M. für die Herstellung leichter und dauerhafter Eierversandkiste» erlassen. Die Versandkisten sollen 60 oder 64 Stück Eier enthalte» und mit dem Inhalte nicht über da« Gewicht eines Fnnfkilo-Pakcts hinausgehen. Als Schluß- tennin der Anlicfcrnng von Persaudkisten ist der 15. Februar 1909 festgesetzt. Nach Eingang der Kisten an die Geschäftsstelle des KlubS, Berlin, PotSdamerftraße 82 b, iverden dieselben ans ihre Haltbarkeit geprüft. Der Preis von 199 M. gelangt zur Ans- zahlnng an denjenigen Lieseranten. welcher die beste und praktischste Bcrsandkiste liefert. Die bisher im Handel ohne jegliche Berbcffe- rnng eingeführten Lersanbkisten können an der PreiSbewerbung nicht teilnehmen. In der Urania findet heute, Mittwoch, der S. Centenarvortrag statt, und zwar wird Herr Äeheimrat Professor Rubner sprechen über„Den Kamps um die wesundheit". Am Donneistag findet die erste Aufstihruiig des neuen delorativcn Ausstattungsvortrageö„Von de» Alpen znui Vesuv" von Dr. P. Schwahu statt. Im Hörsaal spricht heute. Mittwoch, Herr Dr. P. Schwab» über den Vulkanismus der Erde, am Donnerstag Herr Dr. P. SpicS über da« Gnwdgcsetz elektrischer Ströme, während am Freitag noch einnial„Berlin vor hundert Jahren" gegeben wird. DaS nächste Konzert des Berliner Sinfonie- Orchesters (Dirigent Kapellmeister Zimmer) findet im Kaisersaal der Passage. Unter den Linden 22/23, am Donnerstag, den 25. Januar, nach- mittags 4 Uhr, statt. Im Friedrich Wklhelmstädtischen-Theatcr kam gestern der TranSvaai-Äricg auf die Bühne. Eigentlich muß man sich wundern, daß die« nicht schon längst geschehe» ist, da Herr Direktor Sarnst sich doch sonst nicht lange ziert, wenn cS bei einer Sensation gilt, dem Zeitgeist an der Stirnlocke zu zerren.„Der Boercnkricg in Transvaal", so hieß das Stück, brachte alle«, was das Herz eines empfänglichen Gemüts begehren koiinte: Gräßliches Kampf- getöse, in dem die Engländer zu Paare» getrieben werden, den Ohm Krüger als Biedermann ohnegleichen, und dann eine Liebcsgcschichte, in der die beiden leibhaftigen Töchter de« Präsidenten verwickelt sind. und die allein schon das Entree wert ist. Da überdies noch der Berliner Kalauer gar blutig auftauchte, so kam ein Erfolg ohnegleichen zu stände, und die Künstler. Herr Direktor Samst an der Spitze, wurden mit einem Beifallsgetöse überschüttet, das in seiner All- gewalt schier die Mauern des alten Gebäudes zu zersprengen drohte._ AuS den Nachbarorten. Treptow- Bauinschuleuwcg. Der Verein„Vorwärts" hält heute abend 8�/» Uhr seine Versammlung bei Michler, Marien« thalerstraßc. Ecke Ernstraße, ab. Genosse Günther spricht über Unfallversichertmg. In Nowawcö liegt die Liste znr Gemeinderatstvah bis zum Soimtag im Nathmi-Z, Zimmer ö, zur Einsicht atls. Ver säume kein Wähler, die'Liste imchzuschen! Schöncbcrg. Die Stcidtucrordncteii- Vcrsummlmig setzte am Montag nach eingehender Debatte daS Gehalt für den Stadt- bauinspcktor fest. Das Gehalt beträgt 5300 M. und steigt von drei zu drei Jahren bis zum Höchstgehalt von 0500 M.. die Miets- entschädigung 000 M. Im Falle der Vereinigung Schönebergs mit Berlin imch er eine seinen Fähigkeiten entsprechende Stellung über nehmen.— Charakteristisch war die Behandlung des zweiten Gegenstände! „Bauliche Veränderungen in der Schule der Aposte Paulus st raste. In der vorige» Sitzung hatte der Stadtv B a u m e i st e r Kntznitzky schwerwiegende Bedenken gegen die Bc Nutzung der bisherigen Schnldicner-Wohnung als Klästenzimincr er hoben, da Luft nnd�Lichl nicht den Zwecken entsprechend vorhanden wären. Parteigenosse M a s n ch hatte ferner darauf hingewieseil dast die jetzige, dem Schuldiener zugewiesene Wohnung feucht und inibeziehbar ici._ Diese Gründe führten zu der Einsetzung eines Ans schnsjes, der diese Miststände prüfen sollte. In dieser Sitzimg führte nun der Berichterstatter aus, dast es sich empfehle, die Schnldiener Wohnung ins biektoratsgebände zn verlegen, da es schon vor gekommen sei, dast'bei Erkrankungen in der Familie de Schuld iener s die Schule habe geschlossen werden imisscn. Kurz vor der Abstinmumg erhob sich der Bürgerineistcr Gerhardt und teilte mit, dast man für die geplante höhere Töchterschule trotz Slnsschreibeus keine Mietsränme habe erhalte» können, die Schule solle jedoch zum 1. April eröffnet werden. Es bleibe iiiinnichr weiter nichts übrig, als die fünf benötigten 5! lasienräumc einer Volksschule zu entnehmen. Werde jetzt die llmänderung der Schnldienerwahmmg nicht genehmigt, so sei es zweifelhaft, ob die Aufsichtsbehörde fo ohne weiteres die Entziehung dieser fünf Klassen zugeben werde Dieses Argument wirkte. Gegen die Stimmen unserer Partei genvsscil wurde beschlossen,- der Vorlage znzustimnicn. Hoffentlich ist man anständig genug, die neu hcrgerichtctcu Näuinc der höheren Töchterschule zu überweise». Villen Kursus siir stotternde Schulkinder beabsichtigt der Magistrat zn S ch ö n e b e r g am 1, Februar d. I. für die dortigen Gciiieindeschulen cinziirichteii. Zum Leiter dieses NntcvrichtS ist'der Lehrer D r ä g e r von der Knnbciischiile an der Kolonneustraste in Aussicht genommen, ivclchcr in Berlin einen Kursus für stotternde Kinder bereits mitgemacht- hat. Die Einrichtimg soll zunächst versuchsweise getroffen, jedoch, wenn sie sich bewährt, auch dauernd beibehalten werden. Ein schweres Unglück ereignete sich bei der Firma Fleck& Co. m R e i Ii i ck e n d o r f. Beim Transport eines zehn Cciitiier schweren Zahnrades hatte ein Schlosser nur einen Hilfsarbeiter zur Perfiigiing, mich fehlte ein Laufkrahn. Das Eiscnstück fiel nm und zerschlug dein Schlosser das linke Bein, Es dauerte längere Zeit, bis ein Kranken- wagen den Schwerverletzten abholte. Mit dem Van dcö neuen Tierasyls, das der Deutsche Tierichiitz-Vereiii in Lichterfelde gründet, ivird noch in dieser Woche begonnen werden. Der Verein hat zn diesem Zweck ein an der Zietciistrnste ans Laniwitzcr Gebiet belegenes. 850 Quadrat-Ruten grostes Grundstück erworben. Das neue Ashl soll am 1. Oktober d. I eröffnet werden. Zahlreiche Ladcudjcbstähle wurden im Soiiimcr v. I. tu Charloltenbiirg und llingebnno verübt, bis es endlich gelang, einen wohNiingsloi'c» Kellner Anglist Stau, der ein ans einem Laden gc- stohlcneS Fahrrad bei sich führte, zu verhaften. Bisher hat er »0 Diebstähle ziigcgcbcn. Jetzt ist auch der Hehler ermittelt, ein Tafcldeaer, in dessen Wohnung zahlreiche der gestohlenen Sachen anfgefnndcn wurden. Andre Sachen hat er versetzt oder verkauft. Ein Unglücksfall ans drin Eise, dem leider ein Menschen leben zum Opfer stcl, hat sich gestern vormittag ans der Dahme zwischen Griinau und Schmöckwitz, unweit der Sandgrube der BerliNer Mörtelwerlc an den Mnggelbergen, ereignet. Die Köpciiicker Fischmcister Wilhelm Plehm, Hcininnn Plehin und Karl Jndis waren auf dein Eise der Dahme beim Fischfang. Plötzlich gcrietcii Heriiiann Plehm mid Karl Jndis in einen Eisspalt. Hermann P, konnte noch rechtzeitig von seinem Bruder Wilhelm gerettet werden, während Kail JudiS, ein Mann von 58 Jahren, in den Flntcii verschwand und ertrank. Gevi-chks �Seikung. � Vom Prozest Kricgöhcim. Die in der nächsten Woche bc gninciiden Verhandlungen gegen v, Kriegs he im und Geiioffcii werden einen in den Annalen der Rechtspflege selten erlebten Ilm fang aiinchmen und voranssichtlich auch den Cciitralstrasteiiprvzest seligen Andenkens in dieser Beziehung in den Schatten stellen. Von dein sechs Personen, gegen die sich die Anklage richtet, dürften nur drei auf der Anklagebank erscheinen, nämtich der „Bankdirektor" sErich v, K r i e g s h e i m, der Gencrnlageiit Arthur Wistmann und der nur bei einem Anklagefalle beteiligte Versicherungsagent Gnstab Jacob, Gegen die gleichfalls an- geklagte Ehefrau v. Kriegs heim(die Opcrcttensängeriii Melanie Andrae) und die Schwester der letzteren kann nicht verhandelt werden, weil beide im Auslände weilen; der sechste Angeklagte hat ein PhbsitaiSattest eingereicht, wonach er jetzt und für die nächste Zeit verhandlnngsnnsähig ist, Auster durch die voraussichtliche lange Daner der Hanptvcrhaiidlnng wird diese Strafsache auch wegen der imgewöhn- lich langen Dauer der gegen die beiden Haiiptbeschilldigtcn verbängten Untersiichniigshaft fast ohne Beispiel dastehen: v, Kriegshcim sitzt seit Ansang Juli 1803, also seit länger als 1�/2 Jahren, der Angeklagte Wistmann mir einige Wochen weniger in Unter- snchniigshaft. Die zu der Strafsache gehörigen Akten sind zn zahl- reichen dicken Bänden aiigcschwolleii und die vom ersten An- geklagten im Lause des Vorverfahrens gegen den Untcrsiichiuigsrichter erhobenen Beschwerden sollen 40—50 betragen. Die Slraftbntcn. deren v. KriegSheim beschuldigt wird. liegen zniii Teil schon mehrere Jahre zurück, sie greisen zum Teil zurück bis in die Glanz- epoche Heriiiann FriedmainiS, des jetzt im Zuchthaus sitzenden ehe- maligen Direktors der Rheinisch- Westfälischen Bank, ferner bis in die kurze Herrlichkeit des ehemaligen Linden-Theaters und bis in die schöne Zeit, wo Herr v, Äriegsheiiii Direktor der Watt-Accnmiilatoren- Wcrke war, Herr v. Kricgsheim hat nämlich schon ein migcheiier bewegtes Leben hinter sich. Er war seiner Zeit aktiver Offizier, lebte auf grostartigsteiii Fustc� ivar passionierter Sports- iiian und Jäger und soll in Schulden nur so geschwonimeii haben. Nach seinem Abschied vom Militär hat er sich der kauf- inännischen Beschäftigung-zugewandt. Hcriiiaiin Friedman», der ihn im Liiideu»Thcater kennen- gelernt hatte, stellte ihn in seiner Rheinisch- Westfälischen Bank an, dann wurde er selbst Direktor der Watt- Äesellschaft. Dieses Postens wurde er jedoch durch den Aufsichtsrat bald wieder enthoben. Im Jahre 1807 hat er dann in Genieinschaft mit Wistmann. der eine Art Privatsekretär bei ihm war, selbst eine Bank gegründet, die den hochtrabenden Ramcn „Internationale Diskontobank- Gesellschaft mit beschränkter Hastung" führte, nach Ansicht der An- klagebchörde aber nur auf Schwindel beruhte und lediglich den Zweck gehabt haben soll, die Kunden, namentlich zahlreiche junge Offiziere, die sich vertrauensvoll an de» ehemaligen Kameraden mit dem Ersuchen um Kreditgewährung wandten, zu rupfen. Die TranD- aktionen. die v. Kriegshcim in seiner Eigenschaft als Bankdircktor ausgeführt hat, haben seiner Zeit zu seiner Verhaftmig geführt und aus der uiiglanblich umfangreichen Voriintersnchnng ist dann der Rattenkönig von Aiischuldiguiigen entstanden, der jetzt zur An- klage steht, v, KriegSheim wird sich in etwa 30 Fällen wegen Be- trugs, dann aber mich wegen wiederholter Urkimdenfälschiing, Ge- branchs gefälschter Urkunden, widerrechtlichen Gebraiichs der Unterschrift Dritter zur Herstellung von.Urkunden, ferner wegen Verleitung' zum Meineide, wegen Untreue, Diebstahls. Uiiterschlagüng, wegen Vergehens gegen da« Handels- gcsetzbnch und wegen Koiiknrsvergehcns zu verantworten haben. v. Knögshestn bestreitet nach wie vor jede Schuld und hat l durch seine drei Verteidiger, Nechtsanwälte Dr. S ch tv i n d t. M o r r i s und W r o n k e r einen miifaugreichen Entlastimgsbeweis angetreten. Der Staatsanwalt- Dr. Kl e i n e hat seinerseits so viele Bclästinchszeugen vorgeladen, dast um nur einigermasten eine Ueber- sicht zu gewinnen, es'nötig war, ein besonderes alphabetisches Ber zcichnis der Zeugen anzulegen. Es befinden sich unter den Zeugen viele Offiziere, Kmifleute, Bankiers, Direktoren, Juweliere, Pferdehändler, Gerichtsvollzieher, Pfandleiher ze. zc. Landgerichtsdirektor R ö s l e r, der die schwierige Aufgabe hat, diesen Riosenprozeh zu leiten, beabsichtigt, täglich nickst länger als bis 4 Uhr zu verhandeln und mindestens einen Tag in der Woche frei zu lassen. Unter diesen Umständen und da der äußerst gewandte Hanptaiigeklagte sicherlich mit Aufwand aller seiner Kräfte für seine Sache kämpfen wird, dürfte die Berhandlinig eine Dauer von 4—5'Wochen erhalten. Musiker und Gciverbe-Orduuug. Nach Z 150 Nr. 1 der Gewerbc-Ordnnng ist unter andern der Arbeitgeber zu bestrafen, welcher einen minderjährigen Arbeiter, t)er_ k ein Arbeitsbuch hat. in Arbeit nimmt oder weiter beschäftigt. Wegen Vergehens gegen diese Bestinimung war der Musikdirektor Jahrow in Forst angeklagt worden. Es handelte sich um einen seiner Lehrlinge. Das Schöffengericht verurteilte Jahrow, indem es davon ausging. dast auch minderjährige Musiker- lehrlinge ein Arbeitsbuch haben müstten. Auf die Berilfung de Angeklagicii stellte das Landgericht folgendes fest. Jahrow hält sich eine Kapelle von etwa 40 Miisikern, worunter einige Lehrlinge sind, Er veranstaltet Kirchen- und Sinfonie-Konzerte,' die von zwei Sachverständigen als k ü n st l e r i s ch e Leistungen bezeichnet wurden. Hauptsächlich spiele» aber seine Leute bei Hochzeiten. Bällen und ähnlichen Veranstaltniigeii ans. Die Strafkanimcr sprach ans Grund dieser Feststellungen den Angeklagten mit der Begründung frei, dast seine Ange stellten als K ü n st l e r und nicht als gewerbliche Arbeiter äiizusehen seien. Das K ammer geriet gab der Revision des Staatsanwalts statt und verwies die Sache"n �as Landgericht zurück. Der Strafsenat schlost sich der Anffassimg des Staatsanwalts an, dast nachzlipriifen wäre, ob' der Lehrling bei den künstlerischen Konzerten oder bei den profanen Mnsikanffiihrnngen mitgewirkt habe. Sei das letzte der Fall, dann sei er als gewerblicher Arbeiter a n z u- sehen und müsse ein Arbeits buch haben. Das Ge- iv e x b e g e r i ch t wird sich nun nicht mehr gänzlich vor den Musikern vcrschliesten dürfen. Ist eine Zeitung für das Vergehen heranzuziehen. daS eine Verwandte des 3i e d a c t e n r s dieser Zeitimg sich zu schulden kommen lästt? Eine seltsame Angelegenheit hat dieser Tage da Landgericht Stade beschäftigt. Tie Frau des Rcdactenrs vom„Har- bnrger Volksvlatt", Emma Kaufs in a n n, geb. Witt, war wegen M i st h a ii d l u n g ihrer achtjährigen Tochter angeklagt worden. Das Kind war anfangs Juni vorigen Jahres nicht aus der Schule nach Hanse ziirückgekchrt und hatte sich imihergetricben. Die Eltern züchtigten es dafür und schickten das Mädchen, i»n es dem schlechten Einflnst, dem eS austerhalb des Hauses ausgesetzt war, zu entziehen, zn den Eltern der Mutter aufs Land. Als gleich darauf ein Werkmeister Tpch die Frau Kaiismaim wegen Kindcs- niisthandlnng dciumzicrte, und die Polizei sich mit dem Falle be- fastte, liest Kansmami daS Kind au dessen iicucm Anfenthaltsort von einem Arzt unterjuchen. Dieser stellte ein Attest solgcndcn Inhalts ans: „Die genaue lliilersuchimg hat ergeben, dast sich absolut keine Spur einer M i st h a n d l n n g respektive Körperverletzung bei dem Kinde nachweisen lästt." Nach einigen Monaten wurde ans Grund der von Herrn Speh und den von ihin vorgeschlagenen Zeugen bei der Polizeibehörde in Harburg zn Protokoll gegebenen Aussagen von dem Amtsgericht in Neustadt der Frau Kcmffmaim das Er- ziehnngSrecht über ihr Kind grnoinincn und der Schlächtcrineifter Gnttan in Neustadt zum Vorimmd bestellt, Ter Amtsrichter verlangte von dem Vormund, er solle S t r a f a n t r a g stellen, Er erklärte, er habe sich geivcigcrt und schliestlich erst dem wiederholten Drängen nachgegeben, Anfang Dezember erhielt K a n f f in ä n n die vom 30, No- veinber datierte Mitteilung der Staatsanwaltschaft, dast das Verfahren gegen ihn e i n g e st e l l t sei. Ungefähr vierzehn cige später erhielt aber Frau Kanfstiiaim eine Anklage. Die ZeugeimiiSfageii standen sich direkt gegenüber und gewährten kein klares Bild des Sachverhalts, Der Vertreter der Staatsauwaltschafi hielt die Anklage in vollem Umfange ausrecht. Das„Volks- blatt" beschäftige sich in li e ka n n t er We i s e immer m i t a ii d e r e ii Leute n. Er hoffe, dast jetzt der R c d a c t e n r Kanssmann vor seiner c i g e n c n Thüre kehren und rincii Bericht über dicic Verhandlung bringen werde. Er heaniragc 1 Jahr Gefängnis unter Aberkennung mildernder II in- stände. Der Verteidiger führte ans, dast weder eine Misthmidlnng noch eine das Leben gefährdende Behandlung ertviesen sei. Gegen eine fortgesetzte Misthmidlnng spreche ferner der Umstand, dast das Zeugnis des Herrn Dr. Griebel gerade das Gegenteil konstatiere, Er beaniragte daher Freisprechung. DaS Urteil lautete dahin, dast der Gerichtshof die Anklage als in vollem Umfange erwiesen ansehe, es sei daher ans ein Jahr Gefängnis erkannt worden. Der Antrag der Staatsanwaltschaft ans sofortige Verhaftung der Verurteilten wurde abgelehnt, weil ein Fluchtverdacht nicht vorliege, Gegen das Urteil ist Revision eingelegt. ' Es ist nicht unsere Sache zu unteriiicheii, ob die Angeklagte des Vergehens schuldig war. dessen man sie anklagte, und für welches sie mit einer Strafe'bcdacht wurde, deren Härte seltsam absticht von der Nachsicht, mit der die Gerichte sonst vielfach Noheits- vergehen dör gedachten Art behandeln. Wohl aber verdient die Art. wie der Staatsanwalt zu operieren für gut hielt, ein- gehende Beachtung, Was in aller Welt hat die Haltung des l a t t e s. welches der Ebeinann einer unter Anklage stehenden Frau zufällig redigiert, mit einem Falle zn thun, der weder mit dicscm Blatte noch mit der politischen Haltung seines Rcdactenrs in irgend einem Zusammenhang steht? Wen» es Arbeiter gewesen wären, hätten wir mit der blanken Waffe dazwischen gehauen. aber es waren Studenten und deshalb nahmen wir mehr Rücksicht! So liest sich am Sonnabend der Polizeisergeaut Schnelle ans Gicbichenstein vor dem Schöffengericht in Halle a. S. in der Strafsache wider die Studenten der Medizin Ewald Klietsch, Karl,-Franke, Hans Meyer und Hermann Meyer veriichnicn. Die Studenten waren wegen Unfugs und Gc- ivaltthätigkeitsvergchens angeklagt und die Beamten hatten bei deni in Frage kommenden rohen und tumultuarischcn Excest eine seltene Ruhe au den Tag gelegt. Etwa drcistig Kommilitonen der Angeklagten hatten am Abend des 29. Juli an einem Bierkommcrs in der Gosenschenke in Giebichcn- kein teilgenommen und waren nachts gegen 1 Uhr singend und iseifend durch die Strasten gezogen, Klietsch schlug gegen ein Thür- child und wurde darauf festgenommen, und Franke, der einem Bolizeisergeanten einen Stost vor die Brust versetzte, wurde ebenfalls nach der Polizeiwache gebracht. Dem Sergeant Schnelle, der die eingangs als Motto gebrachte Aeustcnmg that, wurde von den Studenten eine Nummer und ein Knopf von der Uniform abgerissen. Die Studenten drangen in die Polizeiwache hinein und betrugen sich so flegelhaft, dast beinahe der Ofen ein- e rissen wurde. Den Anordimngen der Wachthabenden .chciikten sie kein Gehör, Der Skandal dauerte weit über eine Stunde und pflanzte sich auf die Straste fort. Die Beamten waren machtlos und behaupten, die Studenten seien aus Rand und Band gelvesai. Der Gerichtshof beschlotz nach längerer VerHand- lung, die Sache zu vertagen, um festznstclleii, ob nicht vi-lleicht Laiidfriedensbruch vorliege und die Angelegenheit an eine höhere Instanz zu verweisen sei. In Augsburg begann am Montag die Schlvurgerichts-Ver- Handlung gegen zwölf Personen, welche' aus Anlast der Krawalle vom Juli' vorigen Jahres wegen Aufruhrs angeklagt sind. Die Verhandlungen werden wahrscheinlich die ganze Woche in Anspruch nehmen. Der 20 Jahre alte Maurer Mehrniger ans Augsburg wird in der Anklage als Rädelsführer bezeichnet. Der Prozest gegen den Grafen v. Arnim-Tchlagenthin und Genosscn in der Angelegenheit der National-Hypotheken-Kredit» Gesellschaft in S t e t t i ii. der gestern begiiinen sollte, ist. wie uns telegraphiert wird, wegen der Erkrankung des Mitangeklagten Di- rektors T h y in auf vierzehn Tage vertagt worden. Vev?Ämmlungvn. Weißensee. In der letzten Versammlung des Socia!« demokratischen Arbeitervereins gab der Vorsitzende den Halbjahrsbericht, Das Mitglied Rank wurde wegen unsolidarischen Verhaltens ausgeschlossen. Nach dem Bericht des Kassierers ist ein Kassenbestand von 45,07 M. vorhanden; die Ausgaben betrugen 356,95 M., die Einnahmen 402,02 M, Die Mitgliederzahl betrug 1809 330. Auf Anregiuig der Bibliothekare wurden zur Anschaffung neuer Werke 50 Mark bewilligt. Die Neuwahl des Vorstandes ergab: Peuckert als Borsitzeiiden, Pauckert Kassierer. Wegner Schrift- führer, Kraft, Schillert. Wengler, Schröder als Beisitzer. Zu Revisoren wurden Huhn. Breitkrentz, Stahlberg gewählt; zu Bibliothekaren: Hertzig. Kittler. Sodann wurde die Statistik über die Bernfszugehörigkeii der Mitglieder verlesen. Pasewald macht bekannt, dast die beim Stiftungsfest auf die Nummern 206, 72, 354, 142, 260, 202 entfallenen Gewinne noch nicht abgeholt worden sind. Die öffentliche Bibliothek und Lesehnlle zu unentgeltlicher Be- Nutzung siir jedermann— Alexaudrinciistr, 26, Gartenhaus— ist geöffnet: wocheiuäglich von 51/2— 10 Uhr abends, an S01111- und Feiertagen von 9-1 und von 3—6 Uhr, � Lands uirninschast der Schleswig- Holsteiner. Mittwoch, den 24. Jattnar, abends 8'/, rUhr: Vereins- Sitzung im Vcreinslokal Alte Jakobstrahe To. Aufnahme neuer Mitglieder, Abrechnimg, Wahl, Ver- irfiiedenes, Landslente, auch Damen, sind eingeladen und werden als Mit- gliedcr ausgciwmmcn, Verein Berliner Mechaniker. Mittwoch, den 24, Januar, abends präciie 8>/,. Uhr, im Vereinslokal, Jerufalemerstr, 8, II: Vortrag des Herrn Jngciiienrs Hirsch von der Allgemeinen Elektricitäts-Geselkschaft:„Ueber die'Projeltiermig und Montage elektrischer Licht- und Kraftanlagen". Gäste herzlich willkommen.__ VevmiMzkes- Erstochen hat in O e l s 11 i tz i, B. ein italienischer Arbeiter infolge eines Wortwechsels den Bergarbeiter Lorenz; zwei andere Bergarbeiter wurden von dem Unhold durch Messerstiche tödlich ver- letzt. Der Mörder ist bis jetzt nicht ergriffen. Ei» Freispruch. Der Prozest gegen die Schauspielerin Julia Morrison sJames), welche, wie man sich erinnern dürste, vor einigen Monaten auf der Bühne des Theaters von Chattanooga, in T e n 11 e s s e e, während der Aufführung des Stückes„Mr. Plaster of Paris" den Schauspieler Frank Lcidenheinier erschoh, hat am 10. Januar mit der Freisprechung der Mörderin geendigt. Der Wahlspruch der Geschworenen rief unter den Zuhörern im Gerichts- saale srenetischcn Beifall hervor. Die Morrison hielt eine große Rede im Gerichtssaale. Die Schauspielerin wird jetzt eine Vorlesetonr antreten, auf welcher sie die auf den Theatern herrschenden Zustände und die Versuchungen, denen junge Mädchen ausgesetzt sind, die sich der Schauspielkunst widmen wollen, in drastischer Weise be- leuchten will._ Marktpreise von Berlin am»». Januar 19«« imcli Ermiltliiligeii des kgl, Polizeioräsidiiniis, )Wc!zcii D,-Etr, ».Roggcu Fullci-Geiste„ Haser gm mittel gering Richisirvh. Heu -s-)Erbseii„ -iOSpeisebohiiiii vA'iireii Kaitossein, neue Riiidiiciich, Keine 1 i-z do, Vaucli„ ) Eimillclt pro 14,80 14,20 13,80 15,20 14,30 13.50 3 82 40.- 45,— 70,- 7,- 1,60 1,20 Tanne 13,90 13,50 13,- 14,40 13,60 12,80 3,66 4,10 25,— 25,— 30,- 5,— 1,20 1,- imn Echweinesteisch .eialbsleiich Hnmiiielsleisch Butter Eier Karpsen Aale Zander Hechle Barsche Schleie Bleie Krebse lltg 60 Stück 1 kg per-Schock der Eenlralslclle der Preiitz Land- 1,60 1,80 1,60 2,60 6,- 2,20 2,80 2,50 1,80 1,60 2,80 1,40 12,- 1,10 1,- 1,- 2,- 3,- 1,- 1,40 1,- 1,- 0,80 1,40 0,80 3,- wirtschastskamuicr— Notieruugsstelle— nud umgerechnet vom Polizei- prösidiinu für den Döppc'lcentner. ch) Kleiiihäiidelövreiie. Produkten markt vom 23, Januar, Aus dem Getreide- ni a r k I e war der Verkehr still, Tie schwächeren Meldungen ans London in Verbindung mit den iiordaiiterikaniichen Wetzeiipreisen, welche gestern»ach vorübergehender Bcsesiigniig wieder zurückgingen, übten eine hochgradige Verstimmung aus. Festes Paris blieb ohne Einflnb Das Jnlandsangebot in Weizen und Roggen war nach wie vor bedeutend. Außerdem bestärkte die Fortdauer der milden Witterung die Realisationslnst, Weizen und Roggen, welche gestern noch nach Schlug des Verkaufs sehr fest waren, qabeii beute bei geringfügigem Geschäft leicht nach. Haser lag still, wenig verändert, Rüböl gut behauptet bei einigeiii Handel, Am S p 1 r i t u s markt wurden 15 000 Liter 70er koco mit 46,08 (-j- 0,10) gehandelt,_ Briefkasten der Redaktion. E. H. 209. Sie müssen einen Arzt zu Rate ziehen, doch könueu wir im Briest« sten einen solchen nicht namhaft innchen, A.«. Spätestens am 15. zum Ersten sind möblierte Zimmer, Schlaf» stellen iisi»„ falls niäNs andres vereinbart ist. zu kündigen,— A. Sch. 120 Sp.rchen Sie mit ihren Papieren in der Sprechstunde vor,— P. P. it«. Die Auskunft in Nr, 13 über die Höhe der Lohnklassen ist zutreffend. Die dort miedergegobeiie Bestimmung gilt für die Zeit vom 1. Januar ab.— Tch. 0. Stein,— Sl. L. 22. Die betreffende Herrschaft ist die Ersatz- Pflichtige, die wiederum ihrerseits sich an die Waschanstalt halten kann, — B.'.H. 113. 1, Ja, 2, In der Regel in 2 Jahren,— N. 3t. K. 77. Der Epziehungsanstalt stebt dasselbe Recht wie einem Vormund zu,— F. 8. 2S. Eine Uiiifchreibiuig ist in Ihrem Fall leider nicht mögiich, B. 13. Unerhebliche Fthler,- Si. SÄ.. Kaiser-lSithelmstraffe. Ja. — S. P. 1 und 2, Rein,— Rudolf Rruinami. Stein, nur Sie und Ihre ztinder sind die Erben,— Friedrichsverg 26. 1,-3, Nein,— B. 8. 13 I, Jnvaliditätsrenie kann nach'lüivöcheiulichcr KrankheitSdauer bcanfprucht werden, 2, Das mögen Sie sich selbst an der Hand der wieder- holt von uns dargeleglcn Grundjätze ausrechnen; ohne Einsicht in die Karten ist es unmöglich, 3, Ja.— I. 3l. 49. Wenn Sie das per- einbart haben: ja, sonst nein.— Paul Hirsch. 1, Soweit er- sichliich, liegt keine versicherungspflichiige Beichästigiiiig vor, eventuell stellen Sie bei der Polizei Anlrag ays Nachklcbcn, 2, Ja. —(f.&. 13. Sie könnicu lediglich ihre Forderung eiuklagm und dann zur Pfändung und zum Verkauf durch den Gerichtsvollzieher schreiten.— Fr. A. D. 2. 1, 6 Monate, 2, Adtreibnng ist ein Verbrechen, das mit Zucht- hausstrafe belegt werden kann,— 2 SKeitende. 1. Nein, außer in Ans- nahm«, allen. 2, Wir sind noch nicht dort gewr en,- I. 4 Sie müßte» für Unterbringung usw. selbst sorgen,— P. S. 9. Ja,— Zl. B. Ehor- lottcnburg. Das ist ausführlich im Briesinsteii vom 1-7, Januar dieses Jahres dargelegt worden,— S.K. P. Innerhalb eines Jahres, — 73.(£. L. Ihre Geschwister sind nicht pflichtteiisberechligt. Eine einlache Form sür ein gcmeinschastticheö Testament von Eheleuten finden Sie n, a, im Briefkasleu vom 7, d, M.— M. F. 3. Der Hausdiciier ist in Ihrem Fall schadenscrietzpflicklig,- Sit. H. 3. Sie haben 50 Pf, sür Miechs- stempel zu zahlen,—». N. Beiniiiiingei,. Sie können Schadensersatz nicht verlangen,— Ein Grundstück kann sehr wohl inner der Wertiare subhastiert werden und wird es häufig,— BS. K.. Siixbors. Stent. BSilteriingSiibcrsich« vom 33. Jaiiiiar>990,»»ornenS 8 Ilbe. Stationen iviuemde l Hamburg Beriin ZSiesbadeu München Wie» -- «2 S- S? 752 W 756 W 756 W 765 ZW 767 W 764 W W £ j�f gl|s» sj Wetter, d II sl! r v s!...» 7- Iz-e 1 e~~ Stationen ß- a§ 2®e"tt iPl=|i| » s n a I 4 Dunst 4 bedeckt 4 Regen 3bedeckt »bedeckt 3Regen I Hirparanda 729SIO PeierSburg—j—_ Eork Aberdeen Paris 767 WSW I 3 bedeckt 752 W bhlbbed, -1 4 9 SUetter. Prognose für Mittrvoch. den 24. Januar 1900. Ein wenig kühler, veränderlich, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und frischen westlichen Winden, Berlin e r Wen e r v a 1- u, Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin, Für den Inseratenteil verantwortlich: Dd. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badin« in Berlin.