Unterhaltungsblatt des Nr. 182. Sonnabend den 17. September. 1910 (RastniS MtSou*) 62] Der Entgleiste. Von Wilhelm Holzamer. Sie gingen den Weg zwischen den Weiden und Pappeln zurück. „Mich trifft diese Liebe frei. Dich trifft sie unfrei, im Zwange von Verhältnissen, die oft stärker sind, als wir sie einschätzen. Du sollst sie frei besitzen, wenn Du sie besitzen willst. Bereden wir alles ruhig. Ich bin noch nicht gesund — und Du weißt, was der Heilung zum Opfer fiel. Im Augenblick scheint Dir das kein wesentlicher Einschlag— es kann Dir aber einer werden. Was weißt Du darüber heute? Heute bin ich Dir eine Illusion— o, ich weiß, nichts schöner, als seinen Illusionen leben und sie ausleben zu können— aber Du bist mir so viel wert, und ich bin mir so viel wert für Dich, ich möchte Dir keine Enttäuschung sein. Lieber Dir nie Besitz werden— dann bleibt mir immer der Besitz dieser Stunde. Aber nicht Schalheit, nicht dieses Vertröpfeln und Mattwerden. Lieber Leid. Darin liegt noch Schönheit. Versteh mich recht, ich bin auch nur ein Mensch, und es kostet mich Ueberwindung— aber weißt Du"— sie fliisterte das— „ich glaube an einen schönen Gewinn— so oder so,"— fügte sie ein—„so oder so, in Glück oder Leid." „Was willst Du nun tun?" fragte Philipp. „Ich brauche zunächst den Rat des Arztes. Was rätst Du mir als Arzt? Am liebsten möchte ich nach Italien, nach dem Süden reisen und da den Winter zubringen. Da- mit Du auch dies weißt: ich habe ein kleines Vermögen, das mir eine Rente abwirft, mit der ich mich einrichten kann. Im Notfalle kann ich das Kapital angreifen." Er riet ihr nach dem Süden zu gehen und wollte noch einmal mit dem Abteilungsarzte sich besprechen, ob er ihr einen bestimmten Ort vorschlagen sollte. „Gut," sagte sie,„ich reise morgen ab. Das Reisen ist mir eine Kleinigkeit, Uebungssache, darüber brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen. Mein Italienisch reicht auch noch aus. Wir schreiben uns nicht. Das schnürt und bindet. Du warst nie frei— Du sollst einmal ganz frei sein— ohne Beeinflussung handeln— ganz wie Du willst. So will ich's." „Wird Dir das so leicht?" Sie wollte rasch antworten und hielt die Antwort zurück. „Das wirst Du später erfahren, wenn es Dich dann noch interessiert. Nun hör aber: Briefe erreichen mich über „?uris, poste restuntv, bureuu ckes postes No- 96(örand Hotel)." Schreibe Dir das auf." Er notierte sich die Adresse. „So, das ist's." Er sah, wie ihr die Tränen in den Augen standen. „Melaniel" Sie wendete sich ab. „Muß es denn so sein? Verkümmern wir nicht etwas in uns?" Die Tränen entfielen ihren Wimpern. „Wir stärken etwas in uns. Sei es nun zu unserem Zusammenwachsen oder zu unserem Auseinanderstreben. Beidesmal ist es gut für uns! Diumm seien wir stark und" — sie umschlang seinen Hals-*■„und bringen wir das Opfer," flüsterte sie. Sie küßten sich heiß und lange. „Du Lieber, Du Lieber, Du Mannl" hauchte sie. „Du Gute!" flüsterte er. Sie rissen sich voneinander los. „Nun gehe ich allein nach Hause," sagte Melanie ent- schieden.„Weik wird mir entgegenkommen. Leb wohll" Sie drückten sich die Hand. „Keinen Kuß mehr, damit er nicht schmerzlich sein muß. Noch einen Händedruck." Sie schloß die Augen.„So— das wird mir immer lebendig bleiben. Leb wohl!" „Leb wohl— Du Grausame!" stieß er hervor. „Du Lieber! Mein Liebsterl" erwiderte sie. Dann ging sie. � Philipp ging den Weg wieder zurück und rrrte bis tief in den Abend in den Wiesen umher Melanie traf bald Weik, der sie heimbegleitete. Äe war gefaßt und ruhig. Aber als sie in ihr Zimmer eingetreten war, fiel die Beherrschung von ihr. Sie warf sich auf ihr Bett und weinte. Und weinte die halbe Nacht in die heißen Kissen, die an ihrem Körper saugten wie tausend kleine Blut« egel, verzweifelt, schmerzlich, wollüstig. Drittes Buch.— Paris. 1. „Ja, Doktor," sagte Weik,„wollen Sie Pfennigweis» heiten hören, oder soll ich zitieren? Der Mensch ist daS Ding der unbegrenzten Möglichkeiten. Jeder hat andere. Der eine geht geradeaus über Stock und Stein, und auch wenn er in den Schlamm gerät, reißt er sich heraus. Der andere bleibt stehen oder geht zurück. Es gibt Menschen� denen hängt ein Erleben wie Ketten an, sie geben von ihrer Vergangenheit nichts mehr her. Es gibt andere, denen gibt ihre Vergangenheit Flügel. Die einen bleiben wund und werden halb, die einen gesunden und werden ganz. Es muß jeder in sich ergründen, zu welchen er gehört. Fräulein Güß- feld, die ruhig und sicher, schmerzvoll aber gefaßt abgereist ist, die gehört wohl zu den Flügelmcnschen. Vielleicht sind Sie ein Kettenmcnsch— ich kenne Sie noch nicht genug." „Und Fräulein Güßfeld kennen Sie genug?" sagte Philipp. „Um die Kraft in ihr zu sehen, ja. Sie kann sich nicht akklimatisieren. Vielleicht können Sie's. Aber merken Sie sich das, stolpern tut man darüber immer, auch wenn für die Leute eine Harmonie dabei herauskommt. Die Harmonie ist sehr oft Schwäche— oft ist sie auch Verlegenheit. Nicht selten ist sie Krähwinkelei und sehr selten ist sie Kraft. Aber wenn sie Kraft ist, ist sie prachtvoll. Nur eins ist mir bei ihr verdächtig: ob sie produktiv ist. Sehen Sie, all die großen Produktivitäten sind doch nicht aus der Harmonie geflossen — auch bei Goethe nicht—, weil die Produktivität erst die Schöpferin der Harmonie ist. Wenn sie sie aber schon vor- findet, kann sie sich auf die Ofenbank legen und schnarchen." „Warum sagen Sie das nur jetzt, Weik?" „Weil es in uns allen auf die Produktivität ankommt, ob wir Goethe oder Beethoven seien, oder es nicht seien. Nur bei mir nicht, ich bin ein Wrack. Aber selbst ein Wrack— wer es zu nützen weiß— kann einen positiven Sinn haben— wie es Goethe gemeint hat. Also auch darin haben Sie noch die Wahl, Doktor, wenn Sie sich nicht für die Ofenbank ent« scheiden." „Hätte sie nicht dableiben und mir helfen sollen?" „Herr der Schöpfung!— und in ihrer Hilfe Ihnen eine Fessel sein sollen? Weitsichtigkeit, Doktor! Aber das komnit davon, wenn man von Berufs wegen immer nur auf die kleinen nahen Wunden und Eiterblasen sehen muß. Mir haben sie den Schnurrbart ausgezogen, um eine Entzündung zu heilen, und haben mir den Rest des Wertgefühls ge- nommen." „Meiner Mutter habe ich geschrieben. Es war schwer, und es wird hart sein für die arme Frau. Den Brief von meinem Herrn Schwiegervater habe ich zurückgeschickt. Und nun steh ich an? Anfang meines ungewissen Weges." � „Sie können ruhig hierbleiben, Doktor. Alles ist ver» gänglich. Haben Sie mir nicht einmal von dem alten Doktor iin Gebirge erzählt— Sie könnten sich auch bei ihm ein- spinnen. Aber Sie könnten es auch einmal mit dem Leben wagen— mit seinem Schmutz und Gestank, nnt seiner Härte und Unerbittlichkeit. Gin— untergehen! Mit seinem Reichtum und seiner Freiheit und seiner Erfahrung. Hin! Lockt Sie nicht? Nein, nein, das ist kein Zuckerbrot. Aber man kann auch etwas mehr davon haben als von einem Zuckerbrot. Es kommt einzig und allein auf Sie an. Auf— na ja, ob Sie überhaupt zum Positivismus geeignet sind, mit dem Sie das Leben gewinnen und sich gewinnen— oder ob Sie sich — ak— akklimatisieren wollen. Letzteres ist sehr zu emv- fehlen für Asthmatiker und Fettleibige. Und wenn Sie Posi- tivismus in sich haben, ob es ein aktiver oder ein passiver ist. Ha, ha, ha! Deutsche. Deutsche über alles! Volk der Theorie — unter der Du ektion Preußens zu einem wohlgeordneten Staatswesen und einem einigen Deutschen Reiche gestempelt. Nurrai Mems Sange reiHt für dreimal nWt mehr aus. Es klingt übrigens auch wie Hundegebell." Er hinkte durch die Stube. „Was haben Sie denn?" „Meinen Wadenkrampf. Preußisch-deutsche Denkmünze vdn bor Metz." Philipp lachte. „Aber das ist nur der Hosenbandorden. Ich habe noch ein paar auf der Brust. Einige sind mir sogar zu Kopfe ge- stiegen. Das bringen Orden so mit sich." Er lachte übertrieben und schneidend. «Ernstlich. Doktor— was glauben Sie, was ein Mensch ist? Nichts. Mit Wadenkrampf oder ausgezogenem Schnurr- bort— es ist einerlei, es zählt nicht. Was davon zählt, ist die Kaiserkrone, die wir ersiegt haben. Darüber wird die Weltgeschichte reden. Aber über uns— vergessen Sie nicht, Doktor, man kommt auch nicht weit, wenn man sich zu hoch einschätzt. Das ist nun der ganze Zirkel von Weisheir, den ich Ihnen sagen könnte. Wenn Sie einen anderen fragen, so schlägt er ihnen einen andern Zirkel. Desto schlimmer für Sie. Schlagen Sie Ihren eigenen Zirkel. Ja, das noch—: Zirkel, Doktor, gehen vom Mittelpunkte aus. Immer! Es gibt's nicht anders. Wenn es anderwo sein sollte, ist's Täuschung oder Pfuscherei. Zirkel gehen immer vom Mittel- punkte aus. Wenn Sie mich je brauchen können, ich stehe Ihnen jederzeit ganz zur Verfügung. Aber Entscheidungen müssen Sie selbst treffen. Sonst leben Sie einem anderen und nicht sich selbst!" Er reichte Philipp die Hand.. „Leben Sie wohl! Wenn Sie bleiben, so ist ja etwas abgeschlossen, und wir reden nicht mehr davon— wenn Sie gehen, nun— so ist auch etwas abgeschlossen. Leben Sie wohl!" Die Bewegung wollte ihn übermannen. Nun gab es keinen Spott und keine Ironie mehr. Er drehte sich auf dem Absatz um und ging. An der Türe angelangt, kehrte er noch einmal zurück: „Ich habe Sie sehr gerne gehabt, Doktor, ich habe viel Schönes', Menschliches in Ihnen erlebt. Leben Sie wohl!" Er biß sich aus die Zähne. Seine Augen waren feucht. „Leben Sie wohl, Weik— und wir wollen gute Freunde bleiben!" Sie drückten sich die Hände. Tann fanden sie keine Worte mehr. Der Doktor stand allein an seinem Fenster und blickte über die Ebene hin, die sich weit, weit ausdehnte.� Nach links und rechts konnte das Auge das Ende nicht absehen. � Nach vorn geradeaus hatte ein Kiefernwald seine dunkle Linie hin- gezogen. Sie gab zunächst einen Abschluß. Aber dahinter Sehnte sich das Land noch weiter bis zum Gebirge der Hardt und den Hügeln Rheinhessens, deren Höhenlinie dünn wie ein Hauch, wie ein leiser Wasserstrich am Himmel hin- gezogen war. Philipp stand, die Brust ein wenig eingedrückt, das Kinn gesenkt, in Gedanken verloren, während er das ihm von täg- licher Gewohnheit her vertraute Bild wie neu in sich auf- nahm. Weit klarer und bewußter als gewöhnlich wurden 'ihm die Einzelheiten des Landschaftsbildes. Von Stelle zu Stelle ging sein Blick, gewissenhaft und sorgfältig, und noch einmal einte er alles zum Ganzen, gleichsam als ob er es sei, Scr das Bild hier jetzt komponierte, während er es doch schon tausendmal in sich aufgenommen hatte. Er dachte, wie fein das Graubraun des vorderen Ackergrundes zum Grün der Wiesen stimme, in dem so ein eigener stumpfer Schimmer jetzt war, von dem er wußte, daß er von absterbendem Grase und Sem Lila der Herbstzeitlosen herrühre. Und wie� fein dazu wieder das Gelbgri'nu der Pappeln und Weiden und das Dunkel des Nadelwaldes! Dazu hier und da ein Streifen Blau des Himmels, das zwischen grauen, ruhenden Wolken- Eutzen und-hausen stand. Es war ein seltsames Ausklingeu in dem Zusammenhang der Farbentöne, ein Sichverlieren ineinander, eine Verflüchtigung und Auflösung. Er fand fein Wort. Nun ging er den Formen und Linien nach, den Strahlen Zier Furchen im Ackergrunde, den Parallelzügen der Pappeln, Den Wellen des Waldstückes. Die Pappeln hatten schon etwas Leeres und Durchsichtiges, aber die Obstbaumkronen im Vordergründe waren trotz der Entblätterung massig und treik und groß, von einer wuchtigen, knorrigen Festigkeit, während die Weiden wie zusammengebrochene Gestalten wirkten..Von Wassertümpel zu Wassertiimpel ließ er die Blicke gehen, an dem einsamen Bleichhäuse am Nände der Wiesen rasteten sie. Wie nun die Sonne tiefer gesunken war, freute er sich ihres roten Scheines, der die Ebene er- füllte, und er beobachtete das Spiel der Schatten, wie sie wuchsen und wuchsen, länger und länger wurden und gleich- sam vom Felde aus in seine schweigende Stube liefen. Es kam eine seltsame Weichheit in ihn. (Fortsetzung folgt.)) s] Sütide und Buße. Von U g o O j e t t i. Berechtigte Uebersetzung aus dem Italienischen don Friedrich Eich. Am Abend bei dem Segen gerieten die Frauen und Männer in Aufregung, als sie den Altar ohne Bild und in dem Steinrahmen die rohe Mauer von Backsteinen und Kalk sahen. Zwischen den ein- zelnen Strophen des„Tantum ergo" hörte Don Pietro vom Haupt» altar�aus das Gemurmel der Menge. Als er sich umwandte, um den Segen zu erteilen, bemerkte er, daß viele, abgelenkt von dem Ereignisse vor dem kahlen, beraubten Altare standen und vergessen hatten, niederzuknien und Gott ins Angesicht zu schauen. Später, in der Sakristei, war die Entrüstung noch größer; die Stimmen wurden laut und die Worte grob. Das Bild war bereits Gemein- gut geworden, es gehörte nicht dem Geistlichen allein, sondern der ganzen Kirche und nicht dem Geistlichen allein war das Geld ge- schenkt worden, mit dem es bezahlt worden war. „Entnxder Sie stellen es wieder auf, oder wir.. Der Geistliche wiederholte seine kanonischen Gründe. „Wenn etwas abgeändert werden muß, so soll der Maler eine Leiter nehmen und es an Ort und Stelle verbessern." Bei der Lebhaftigkeit der Auseinandersetzung kam es schließlich dazu, daß die Landleute das Bild die„falsche Madonna" nannten, und da Don Pietro, sprachlos vor Schrecken, schwieg, ganz erschöpft von den Aufregungen dieses Tages, ergriffen zwei das Bild, hoben es ohne weiteres in seinen Steinrahmen und trieben es mit Hilfe von Faustschlägcn in die Einfassung. Andere zündeten unter dem Bilde zwei Kerzen an, und die Frauen kamen herbei und beteten davor, mit einer Inbrunst, in der noch der Widerspruch nach- zitterte. � � Am folgenden Morgen, kurz vor dem Frühstück, kam Sautino geradeswegs in die Pfarrwohnung. Der Geistliche saß in seinem Lehnstuhl, der mit rotem Perkal überzogen war, und las im Gebet- buch, wobei er oft von dem Sonnenstrahl abgelenkt wurde, der durch die grünen Gitterläden auf den Fußboden fiel. Er nahm die Brille ab und sah erblassend den schrecklichen Spender an: „Solltest Du nicht morgen kommen?" „Ich konnte nicht länger warten. Ich muß schon heute die Antwort haben." „Gut. Gehen wir hinunter." Sie durchschritten die Küche, wo auf dem Herd der Kochtopf dampfte und die Katze schlief, und stiegen eine Treppe hinab, Don Pietro voran und Santina-hinterher. Auf dem Treppcngang war es dunkel wie in einem Brunnenschacht, und die Schritte hallten auf den hölzernen Stufen: nur unten in der Tiefe war als Heller Punkt das Schlüsselloch in der Tür sichtbar, die in die Sakristei führte. Don Pietro begann wieder zu zittern, als er hinter sich die Schritte und das laute Atmen des Diebes hörte. Er hatte das Gefühl, als ob er aus diesem Brunnenschacht nicht lebend heraus- kommen würde, als ob er in der kurzen Spanne Zeit, die er noch zu leben hatte, immer so tappend gehen mußte, ,m Dunkeln, ge- jagt von dem tiefen Atem und den schweren Schritten, die hinter seinem Rücken näher und näher kamen. Es gelang ihm, die Tür zu öffnen. Die Sakristei war von Weihrauch und Wachskerzen durch- duftet, und ein Strick, der in einer Ecke von der Decke herabhing. hielt die schwarzweiße Decke des Katafalkes, denn Checchino hatte mit den Vorbereitungen für das achttägige Totengebet begonnen. Don Pietro hätte sich liefA- selbst in diese Decke gewickelt, wäre dort unbeweglich liegen gcvneben und hätte gewartet, bis er be- erdigt würde, als daß er Santino die Beichte abnahm. Aber diesmal war Santino niedergekniet, ohne auf werteres Zureden zu warten. Don Pietro legte sich die Swla um den Hals und setzte sich; es gelang ihm, indem er Wort für Wort vorsprach, ihn das Beichtgebet sagen zu lassen. Die Unterwürfigkeit dieses Kolosses, der das Gebet mit der Fügsamkeit und dem Zögern eines Knaben wiederholte, begann ihn zu rühren. Er dachte an den hei- ligen Filippo Neri, seinen Kirchenpatron, der berühmt war. weil er Banditen Und Mörder bekehrt hatte, und ihn überkam förmlich eine Aufwallung von Dankbarkeit für diesen Dieb, der gerade zu ihm, dem einfachen, alten Landgeistiichen, gekommen war mit der Bitte, wieder vor das Augesicht Gottes geführt zu werden. Er nahm all seine Kraft zusammen, ihm nicht ohne weiteres die Ab- solution mit einer langen Buße von Gebeten und Kommunionen zu erteilen. Er sprach leise zu ihm wie im Beichtstuhl. „Ich habe lange über die Schwere Deiner Schuld und über die Ausrichtigkeit Deiner Reue nachgedacht, mein Sohn. Es ist wahr: .selbst in der Tiefe Deiner Sünde hast Du nicht vergessen, daß Dl» de Christ geboten bist, Du hast versucht, Dir eine Tür zun» etvigen Heil offen zu lassen. Du hast auch mich hineingezogen, das ist wahr, und hast mir viele Leiden und viele Gewissensbisse bereitet für die wenigen Jahre, die mir noch zu leben bleiben. Aber Du hast es getan, ohne es zu wollen; im Gegenteil, Du hast es getan in der Absicht, recht zu handeln, und meine. Leiden dürfen Dich nicht bedrücken. Deshalb habe ich beschlossen, Dir die Absolution zu erteilen, aber unter einer Bedingung: daß Du mir die Namen Deiner Qpfer offenbarst, damit ich, ohne je Deinen Namen zu nennen, diese bitten kann, der Kirche jetzt das zu schenken, was Du ihr ohne ihr� Erlaubnis gegeben hast." Santino hatte seine Stirn gegen die Mauer gelehnt, und seine Hände ruhten auf der oberen Fläche des Betstuhles. Ohne sich zu bewegen, murmelte er: „Es ist unmöglich." „Unmöglich? Aber willst Du denn gar nichts tun, um die göttliche Begnadigung zu erhalten?" „Dos, was für die Verschönerung der Kirche benutzt worden ist, betrifft jetzt Sie." „Du verstehst mich nicht. Erst wenn ich die Zustimmung der Geschädigten haben werde, erst dann gehören diese Gelder wirklich und gesetzmäßig der Kirche. Jetzt tun sie das Picht." „Don Pictro, es ist unmöglich. Suchen Sie eine andere Strafe." Und er rührte sich nicht, hart wie ein Stein. „Der eine ist der Graf Anzilei." „Ich habe Ihnen nichts gesagt." „Würdest Du den Mut haben, es zu leugnen, jetzt, hier?" „Ich leugne und bestätige es nicht." „Bedenke: wenn ich zum Grafen Anzilei ginge, könnte ich viel- leicht nicht nur die endgültige Schenkung dieser tausend Lire für die Kirche erhalten, sondern auch die Verzeihung für Dich" „Anzilei würde auch Sie arretieren lassen, sobald er erführe, daß Sie wissen, wer ihm das Geld genommen hat. Denn, ja, es ist wahr, ich habe dem Grafen Anzilei die sechstausend Lire ge- stöhlen, vor zwei Jahren,. „Endlich!" „Aber Sie dürfen ihm nichts darüber sagen. Sie kennen ihn so gut wie ich. Don Pietro, denken Sie an die Gefahr, in die auch Sie sich begeben würden," und auch er sprach mit leiser Stimme, und ohne die Stirn von der Mauer fortzubewegen, blickte er den Pfarrer von der Seite an:„Anzilei würde sich weigern. Er würde sie sogar anzeigen. Und Ihre Kirche würde ihren guten Namen verlieren. Das ist gewiß. Und noch gewisser meine Fest- nähme. Ich hcche einen anderen Gedanken. Wenn Sie mir die Absolution erteilen, will ich Tag und Nacht arbeiten. Mit ihrer Hilfe haben wir die tausend Lire in einem, in zwei, in drei Jahren zusammen und schicken sie dem Anzilei." Von neuem wurde Don Pietros Herz erschüttert: „So sei es. Aber sage mir die Namen der anderen beiden." „Wenn wir diesen erledigt haben, werde ich sie Ihnen nennen." „Nein, mein Sohn. Jetzt mutzt Du sprechen." „Don Pietro, Sie quälen mich." „Es ist meine Pflicht." „Das hätten Sie mir sagen müssen, ehe Sie mir mein Geheim- nis entrissen..." Er schien bekümmert zu sein. Er verbarg sein Gesicht in den Händen. Dann hob er ein Knie, als schickte er sich an zu gehen. Don Pictro überlegte, baß nur seine unvollkommenen Worte und seine unkluge Denkungsivcise die Kirche um die Bekehrung brächte. „Bleibe hier. Versprichst Du mir, eines Tages die Namen der beiden andern zu sagen, wenn wir Anzilei bezahlt haben werden?" „Ich verspreche es Ihnen vor Gott." Don Pietro gab nach. Er erklärte dem Sünder eine lange Zu- sammenstellung von Fasten, neuntägigem Beten, Paternostern und Lwmmuruonen, für ein ganzes Jahr berechnet, und indem er über seinem Kopfe in der Lust mit dem rechten Zeige» und Mttel- singer das Zeichen des Kreuzes machte, murmelte er mit einem Seufzer der Erleichterung das„Ego te absolvo" und erhob sich. »Jetzt geh. Ein neues Leben beginnt für Dich. Komme zu mir, wann Du willst." lLortsetzung folgt.)! Die jüngste geologisede Vergangen- bclt des nördlichen Europa. Die Frage, die aus dem diesjährigen Internationalen G e oi o g e n l o n g r e ß, der Ende August in Stockholm abgehalten wurde, die eingehendste Behandlung erfuhr und eine Menge neuer Gesichtspunkte und überraschender Lösungen zutage förderte, führte nicht in die äoncnfernen Perioden der Urzeit, sondem, gleichsam am Rande�der Gegenwart entlang, in die uns am nächsten liegende Zeit der Erdgeschichte, die seit der Eiszeit verflossen ist. Es ist lein Zufall, daß der jüngsten geologischen Vergangenheit in Stockholm ein so großer Platz in den Verhandlungen eingeräumt und daß ihr auch ein ganz außergewöhnliches Interesse entgegen- gebracht wurde; ist doch Schweden neben den Alpen dasjenige Ge- biet, in dem die Erscheinungen der EiSzeit sich in ihrer verschiedenen Ausprägung besonders deutlich konserviert haben, und das einzige Land, in dem sich die nacheiszeitlichen geologischen Veränderungen in besonders reiner Folge und w einem geradezu prächtig« Erhaltungszustand studieren lasten. Es ist deshalb kein Wunder aber auch keine Schmälerung ihreS wissenschaftlichen Verdienstes—, daß die schwedischen Geologen seinerzeit in de» Glazialgeologie bahn« brechend waren und der Eiszeittheorie zum Durchbruch verhalfen und. daß fie jetzt wieder in der Erforschung der Nacheiszeit an der Spitze marschieren. Um das Neue und Wichtige, das die Verhandlungen de? Kon» gresics in dieser Richtung ergaben, verstehen zu kömren, müssen wir in kurzen Zügen die geologische Geschichte des Ostseegebietes und der Ostseeländer rekapitulieren: Während der Eiszeit war Skandinavien lausgenommen die südliche Spitze, die Halbinlel Schonen) und Finn- land— beide Gebiete gehören geologisch zusammen und werden auch unter dem Namen Fennoskandia zusammengefaßt— ständig von einer mehr als tausend Meter mächtigen Eiskappe bedeckt, auch wenn in den Zwischeneiszeiten die Gletscher zeitweise sich nördlich bis über die Ostsee zurückzogen. Der Mittelpunkt der Bergletscherung, daS Eiszentrum, lag nicht, wie vielleicht angenommen werden könnte, in den norwegischen Hochgebirgen, sondern im mittleren und nördlichen Schweden in der Gegend des Bottnischen Meerbusens. Dort erhielt sich auch das Eis am längsten, als die übrigen Gebiete schon eisfrei waren. Als das Eis abschmolz, drang daS Wasser nach, und da Skandinavien damals bedeutend tiefer lag als heute, über« flutete es weite Strecken des heutigen Festlandes. Das Gebiet der heutigen Ostsee war von einem kalten Meere eingenommen, dem logenannten Doldiameer sdieser Name und die folgenden rühren von den Namen von Mollusken her, deren Schalen fich in den jeweiligen Ablagerungen in charakteristischer Weise vorfinden), das über Finn« land mit dem nördlichen Eismeer und im Westen mit der Nordsee in Verbindung stand. Allmählich erfolgte eine Hebung von Fenno« skandia, das so weit aus dem Wasser auftauchte, daß die Ver« bindung mit Eismeer und Nordsee durch breite Landbarren unterbrochen und die Ostsee in einen Binnensee mit Süßwasser, de» sogenannten Ancylussee, verwandeln wurde. Eine neuerliche Senkung des Landes brachte diesen See durch die bekannte Senke in Mittelschweden, in der stch heute die großen Seen sWener-, Wetter- und Mälarsee) befinden, wieder mit der Nordsee in Verbindung; die Ostsee verwandelte sich so in da? ziemlich salzhaltige Litorinameer. Seit dieser Zeit ist eine ständige Hebung Skandinaviens konstatiert worden. Die Mceresverbindung über das mitteljchwedische Seengebiet ist unterbrochen und Sund und Belt zeigen gleichfalls allmählich bor stch gehende Berlandungs» erscheinungen. Diese Niveauveränderungen, die in ihren letzten Folgen auch die Küstengebiete betreffen, behandelte auf dem Kongreß Prof. de Geer von der Stockholmer Universität. Zwei Ursachen können für diese Niveauveränderungen ins Feld geführt werden: entweder die zur Bildung von HebungS- und«enkungsfeldern führende ständige Schrumpfung der festen Erdkruste oder die lokale Bedeckung durch daS Inlandeis. In Schweden neigt man der letzteren Ansicht zu und glaubt, daß die gewaltige schwere Eisdecke einen solchen Druck auf das darunter liegende Festland ausübte, daß es bis unter den Meeresspiegel hinabgepreßt wurde. Sobald in der Periode der Abschmelzung das Eis schwand, ließ der Druck nach; infolgedessen hob sich das Land wieder empor. So erklärt man es stch, daß im EiSzenlrum, wo die Bergletscherung am stärksten war und am längsten anhielt, in Jämtland, Angenuanland und Norrland, die Hebung einen viel stärkeren Grad erreicht hat als in den südlich davon gelegenen Gebieten. Zur Zeit des Doldiameeres lag Nord» schweden etwa 250—30« Meter tiefer als jetzt, Südschweden nur etwa 50—100 Meter. Die Hebung des Landes macht in der Gegen« wart noch ständige Fortschritte; sie ist auch heute im Norden be- tröstlicher als im Süden. Im Norden steigt das Land jährlich bis zu 2 Zentimeter aus dem Meere empor, im ganzen rechnet man auf Schweden durchschnitttich 1 Zentimeter pro Jahr; in Stockholm hat die Hebung im letzten Jahrhundert t? Zentimeter betragen. Man verfolgt diese Niveauveränderungen schon lange Zeit, sind sie doch für das Land von großer, kultureller Wichtigkeit infolge der ständigen Verschiebung der Kulturgrenzcn nach dem Meere zu, Verlandung von Häfen, Verschiebung der Ackerbau-. der Fsschercibezirke u. a. m.: das sind solche Erscheinungen, die sich in den letzten Jahrhunderten allenthalben konstatieren ließen. Auch der Landgewinn, den Schweden dadurch erfährt, ist nicht zu unter- schätzen; in Norrland allein sind es 40 000 Ouadratkilometer, und besonders an den Mündungsgebieten der Flüsse läßt sich oft ein Vorschreiten des Landes ins Meer hinaus von 2— i Meter im Jahre beobachten. Die Ablagerungen des früher viel größeren Meere? und die» jenigen der zurückweichenden Gletscher zusammen haben Professor de Geer eine Basis geliefert, auf der er eine in der Methode sowohl wie in den Resultaten kaum anfechtbare Geochronologie der jüngsten erdgeschichtlichen Vergangenheit auf« gestellt hat. De Geer weist nach, daß, seitdem die Gletscher von Schonen, der Südspitze Schwedens aus, ihren Rückzug nach Norden angetreten haben, 12000 Jahre in runder Zahl verflossen sind. Ausgangspunkt für seiuo Forschungen war ihm cher Unterschied zwischen Winter- und Sommerablagerungen. Versetzen wir uns in die damalige Situation: Ein Laqd, mit einer noch mehrere hundert Meter dicken Eisschicht bedeckt, deren Gletscherendcn in daS Meer auslaufen in der Art, wie es von Grönland, Spitzbergen«nk der Südpolargegend bekannt — 728- ist. Diese Gletscher sind infolge steter Berbessenmg deZ Klimas im Wegtauen begriffen. Das geht aber nicht regelmäßig vor sich, sondern in Etappen. Im Winter bleibt der Eisrand stationär, tvährend er im Sommer zurückweicht; im Winter häuft sich längs des Gletscherrandes ein Wall aus dem mitgefühnen Moränenmaterial auf, im Sommer ist das infolge des Zuriickweichens des Eises nicht möglich. lSchluß folgt.) kleines feuLUeton. Gesundheitspflege. D i e Heilwirkung des Vollbades. Je nach Dauer und Temperatur können mit dem Vollbad ver'chiedcne Heilwirkungen erzielt werden. Das kurze Vollbad von 27 Grad Röaumur wirkt in erster Linie beruhigend auf vns Nervenihstem und wird daher mit viel Erfolg angewandt bei Nervenkrankheiten und Geistes- kraukheiten sowie bei hartnäckiger Schlaflosigkeit. Dr. Buxbaum in Wien sah sehr gute Erfolge bei Nervenleiden mit ge- steigerter Erregbarkeit, bei Neurasthenie und Hysterie und bei den Schmerzen der Rückeimrarksschwindsucht. Wird dieses Vollbad verlängert, so wirkt es gut bei Herz- und Nierenleiden, ebenso bei gewissen Hautleiden, bei Verbrennungen und beim Fieber. Heiße Vollbäder von 37— sl Grad Celsius, 10—30 Minuten lang, sind besonders von Bälz empfohlen. Sie wirken erhöhend aus Blutwärme. Puls und Atmung und haut- rötend. Wichtig sind von Anfang an heiße Kopfbegießungen, der beliebte kalte Umschlag soll erst beim Auftreten lästigen Hitzegefühls angewender werden. Heiße Vollbäder dürfen nicht angewandt werden bei Herzleiden, sehr reizbarem Nervensystem und organischen Nervenkrankheiten. Treffliches leistet die Hcißbadekur bei Gicht, wenn das Herz nicht angegriffen ist. Kalte Vollbäder mit kräftigem mechanischen Reiz wirken energisch auf die Nerven, aus den Kreislauf, auf Atmung und Stoffwechies. Sie dürfen nicht gebraucht werden bei Herz-, Gefäß- und Lungeniraukheiten. Blutarmut und Bleichsucht. Die durcd das kalte Vollbad bewirkte Stoffwechselerhöhung wird mit Erfolg benutzt bei Fettleibigkeit, Skrophulose, Gicht.' Syphilis und Melallvergiflungen. Vor Ueber- treibung, namentlich hinsichtlich der Abhärtung, ist zu warnen. Technisches. Elektrizitätswerk und Eisfabrik. Der Vorschlag, ein Elektrizitätswerk mit einer Eisfabrik zu verbinden, ist weniger willkürlich, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Nach einer Mitteilung der„Elcctrical World" ist eine derartige Anlage in einer kleineren amerikanischen Stadl versuchsweise in dieser Weise ein« gerichtet worden und hat einen Erfolg erzielt, der Beachtung ver- dient. Die Gründung beruht auf der Ueberlegung, daß ja gerade in der Jahreszeit, wo ein Elektrizitätswerk durch die Verkürzung der Nächte für Beleuchtungszwecke am wenigsten in Anspruch genommen wird, der Eisbeoarf am meisten steigt. Es ist also eine an sich ganz richtige Idee, den Betrieb einer elektrischen Lichtzentrale mit einer Fabrikation zu verbinden, die gerade in den Zeiten besonders stark in Anspruch genommen wird, wo die Beleuchtung des Elektrizitärs- Werkes zur Erfüllung seines eigentlichen Zweckes nachläßt. Auf diesem Wege läßt sich narürlich eine volle Ausnutzung der Anlage am besten erzielen, während sonst die kostspieligen Maschinen während des Sommers zum Teil stillstehen. Die erste Anlage dieser Art umfaßt zwei Maschinen für zweiphasigeu Wechselstrom, die teils durch eine Dampfturbine, teils durch eine gewöhnliche Kolbenmaschine an- getrieben werden können. Die Leistungsfähigkeit beträgt 600 bis 700 Pferdestärken. Die daneben aufgestellte Gefriermaschine wird durch einen Elektromotor von 40 Pferdestärken in Tätigkeit gesetzt. Während der Sommermonate kann die Gefrieranlage volle 24 Stunden in Tätigkeit sein, ohne die Stromlieferung zu be- hindern, und im Winter, wenn diese wieder die volle Kraft der Maschinen verlangt, ist kein Bedarf für Eis mehr vorhanden. Wenn nicht Unternehmerringe, wie gewöhnlich, auch diesen Doppelbetrieb monopolisieren, läßt sich bei der Geschichte voraussichtlich eine Ver- billigung des künstlichen Eises erzielen. SkKacK. Unter Leitung von S. Alapin. Lösung.(10. September. Drtina Weiß: �ol; TU Se6; BB a6, h5. Schwarz: Kc8; vir?; BB a7, b6, e7, h6. Weiß gewinnt) l.Tfl— f4!, b6— b5; 2. Tf4-f2!, Dh7— g8!; 3.112-18+, Dg8X18; 4. SeöXfS, s7— eb!; 5. 813— g6. e5-e4: 6. SgC— e7t Kc8-c7!(6...... Kd7; 7. 815, b4: 8. SXh6. e3!; 9. Sg4, e2; 10. Se5t, Ke6; 11. Sd3, KIS; 12. Kb2, Ke4; 13. Sei, KIS; 14. Kb3, Kg5; 15. Sg2, KXhS; 16. SI4t-c.) 7. Kol— d2!, Kc7— d6! (7...... b4; 8. 8d5t. Kc6; 9. SXb4t, Kb5; 10. Sd5, KXa6; 11. 8s3, Kb5; 12. 815, ab; 13. SXh6, al; 14. 815, a3; 15. Kc3 sc.) 8. Se?— 15t, Ke5; 9. SXhO, K16; 10. Sglf, Kg5; 11. ii6I, Kg6; 12. Kc3 usw. Nachrichten. Die Abteilung Ober-Schöneweide des Berliner Arbeiter-Schachklubs hat ihren Spielabend am Freitag bei Roden- busch, Ecke Wilhelmiucnhof- und Rathausstraße. Die Abteilungen Rixdorf I und Lichtenberg spielen gegenwärtig einen Wetlkampf gegen Rixdorf II. Herr. Klose spielte in der Abteilung Rixdorf II drei gleichzeitige Blindlingspartieir, von denen er eine gewann und zwei Remis machte. Evansgambit. Match Partie in Wien 1899 gespielt. S. Alavin. C. Schlechter. Weiß. Schwarz. 1. s2— e4 e7— e5 2. Sgl— 13 Sb8— c6 3. Bll— c4 BIS— cö 4. b2— b4 Lc5— Xb4 5. c2— c8 Ijb4— c5 Stärker La5J Unaünstig ist 5... Le7; 6. d4 I nebst i)b3. 6. d2— d4!...... Dies ist stärker als das übliche V— 0, woraus Schwarz mit 6.... dö; 7. d4, Lb6 in die sogenannte .Laskersche" Verteidigung einlenken kann.» 6....... e5Xd4 7. 0-0 d7— d6! Am besten. Z. B.: 7..... 63; 8. Sg5, Sh6; 9. 8X17, 8X1?! 10. LXf7t, KXf7: 11. Dh5+ sc. Oder: 7..... dXoS; 8. LXnt, KXk7; 9- Dd5+, Kf8; 10. DXcöf, 46; 11. DXc3, D16; 12. Db3. DXal?; 13. Lb2, Sa5?; 14. Dc2, DXa2; 15. LXg7t sc. Oder: 7.... Sa5; 8. oXdi, 8X-4: 9. dXoS, 8a5; 10. 8o3. 8s7; 11. 8d5. 0-0; 12. Bg5, Sa c6; 13. Lf4, 8Xd5; 14. eXd5 nebst dö— dö sc. Oder: 7..... Lb6; 8. cXd4, Sa5; 9. Se5l, SXc4; 10. SXc4, So7; 11. a4. d5; 12. eXd5, vXdö; 13. SXb6, aXb6; 14. La3, Le6; 15. LXe7, KXe7; 16 Sc3, Dc4; 17. dö. Thd8; 18. Del sc. 8. c3Xd4 Lc6— b6 Hiermit entsteht die sogenannte »Normalvariante" des Evansgambits. Sie überläßt dem Anziehenden einen viel zu aussichtsvollcn Angriff. 9. 8bl— e3 I Lo8— g4- Ueblicher, aber kaum beffer ist: 9..... Sab. woraus folgen könnte: 10. Bgö, kg; 11. Le3I, SXc4; 12. Dadf, Dd7; 13. DXc4, Dkl; 14. Sdö, Le6; 15. Da4+, Ld7; 16. Dc2! sc. Weiß steht besser. Interessant ist solgende Wendung: 9..... Sa5; 10. Lg5, Sei; 11 Sd5, 16; 12. LXf6, gXf6; 13. SXföf, Ki8; 14. Sg5, SXc4?: 15. Dh5 und gewinnt. 10. Lo4— b5 Ke8— f8 Aus 10..... Ld7 folgt 11. e5, dXeS; 12. Tel, Sge7; 13. 65. Sd4; 14. LXd7t, DXd7; 15. SXe5 SC. zugunsten von Weiß. 11. Bei— e3 Bg4Xf3 12. g2 Kf3 Sc6— e? 13. Kgl— hl 14. Bb5— d3 15. 64— e5 16. Tal— bl c7— c6 66-65 063-67 867—15 Besser war: 16..... Te8; 17. Sa4, Sc8; 18. Tgl, g6; 19, f4, kö sc. 17. Bd3xf5! Dd7Xf5 18. Sc3— a4 Df5— 67? Mit 18..... Se?; 19. SXb6, aXb6; 20. TXb6, Ta7 sc. war die Partie noch spielbar. 19. TblXbö! a7Xb6 20. Sa4Xb6 21. Sb6Xa8 22. Ddl— b3 V67X63 Dd8Xa8 g7— g Auf 22.. 24. a4I sc. 23. Tfl— bl 24. Db3— b4t 25. Db4— 66 26. Khl— g2 Se7 folgt 23. Tbl, b5; b7— b5 Kf8— g7 Da8— c8 g6— g5 Ein Verzweiflungsangriff. Gegen Toi gibt es keine Parade. 27. Tbl— el g5— g4 Dc8-f5 Df5Xb5 28. TolXcö 29. V66X65 Oder 29..... Se7; 30.Bh6t,Kg8; 31. Dd84=. 30. To6— o7 Dh5— hSf Auf 30..... Se7; 31. TXe7, To8 entscheidet. 32. Dd7. 31. Kg2— gl DhSXfB 82. DdöXfS 33. h2— h3 34. 64—65 35. Be3X'h6 36. 65—66 g4Xk3 h7-h5 8g8— h6 Th8Xb6 Aufgegeben Denn aus 36..... Tf9 würbe 37. e7 folgen. ab odefgh abodef�h SchwerS. Weiß am Zuge macht Remis. Capriccio. Der stärkere Spieler pflegte unter Umständen eine Anzahl von Zügen vorzugeben swobei der Anziehende jedoch die Mitte des Brettes nicht überschreiten darf). Es� entsteht nun folgende Frage: Wie viel und welche Züge find nötig, damit der Vorgeber nicht mehr in der Lage sei, das Matt abzuwenden? Diese Zahl ist 16, und zwar wie folgt: 1. a4, 2. Sa3, 3. h4, 4. Sf3, 5. 64. 6. 862, 7. Th3, 8. Sac4, 9. Ta3, 10. Se4, 11. Dd2, 12. Tf3, 13. g3, 14. Bh3, 15. Df4, 16. Tc3. Schwarz, der die Anfang- stellung der Steine beibehalten hat, könnte nunmehr die zum Matt ffihrenden Drohungen vXk7ffr und Sodef, cXd6, 8X66�= nicht gleichzeitig parieren. Sollte der Nachziehende noch den Bk7 vorgegeben haben, so genügen schon folgende acht Züge: 1. 8a3, 2. So4, 3. b8, 4. Ba3, 5. o3, 6. Bd3, 7. Dg4, 8. Sf3; wonach folgen könnte: 1...... 661; 2. Bgöf, hXg6; 3. DXgöt, Kd?; 4. SeSf, dXe5, 5. 8Xe5ch: Berantw. Redakteur: Richard Agrth, Berlin.— Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdruckeret u.Vertagsanilall Paul«niger SrEo.. Berlin