Anterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 212. Sonnabend den 29. Oktober. 1910 (Nachdruck verbstm.) »1 Mas Ltt Ruhm? Roman von Max Kletzen So standen die Dinge, als die Freunde sich genötigt sahen, ihre Wohnung in der Nähe des Schiffbauerdammes aufzugeben, nachdem ihr dortiger Wirt, ein Kellner, erklärt hatte, die„Schweinerei" nicht mehr ertragen zu können. Loreusen war allerdings in der Ausnutzung des Hofziinmcrs in letzter Zeit ein wenig zu weit gegangen. Eines Sonntags, in den Ferien, während Kempen im Zoologischen Garten weilte, um Löwenstudien zu treiben, hatte er sich ein bekanntes weibliches Modell der Akademie kommen lassen und ungeniert seine„Eva in Scham erglüht" lebensgroß zu modellieren be- gonnen. Das war der Ehehälfte des biederen Servietten- sckwenkers zu viel, da sie sich obendrein in ihren Reizen zu- riickgcsetzt fühlte. Sie schlug Lärni bei ihrem Manne, und die Folge davon war, daß der zum Leben erweckte Ton wieder sein feuchtes Klumpendasein führen durfte und die Stuben- genossen nach einer gastlichen Stätte für ihren Ehrgeiz sich umsehen mußten. Da es bei Meister Walzniann nichts mehr zu tun gab, so machte Kempen den Vorschlag, die vierzehn Tage bis zum Umzug in der Heimat zu verbringen, wogegen Lorensen nichts einzuwenden hatte, schon aus praktischen Gründen, weil das Leben zu Hause nichts kostete. Frisch gestärkt, mit gebräunten Wangen, war man wieder zurückgekehrt, hatte sich einen Wagen geliehen und die kühne Fahrt nach dem Westen gemacht. 2. Gleich am Abend des zweiten Tages fanden sich sonder- bare Gestalten bei ihnen ein, um die neue Bude einweihen zu helfen. Als erster klopfte Schinarr an, ein kleiner verwach- sener Mann mit einem auffallend großen Kopf, der stets eine Satire bereit hatte, sobald der breite Mund mit den schlechten Zähnen sich öffnete.„Na, wollt Ihr Eure Ehe immer noch fortsetzen?" fragte er sogleich mit einer Anspielung auf die bereits sprichwörtlich gewordene Unzertrennlichkeit der beiden und reichte jedem von ihnen seine lange Pfote, die dürr und knochig aus dem zu kurzen Aermel ragte. Dieser von der Natur so stiefmütterlich behandelte Mensch, der fast häßlich wirkte, aber wunderschöne, große Augen hatte, suchte etwas darin, seiner 5ileidung einen kokett-künstlerischen Anstrich zu geben, was sich namentlich in den bunten, auffallend punktierten Selbstbindern zeigte, deren geschwungene Schleifen fchmetterlingsartig in riesiger Ausdehnung auf dem Rockkragen lagen.„Ich hörte doch irgendwo, Ihr wolltet Euch endlich scheiden lassen, weil Kempen Absichten auf seine alte Waschfrau habe. Junges Gemüse hat ihm ja nie geschmeckt." Um seine Witze anzubringen, erdichtete er immer das Hörensagen. Kempen brummte nach seiner Gewohnheit, Lorcnsen jedoch lachte hell auf, angesteckt von der Lustigkeit, die dieser Spötter immer hereinbrachte, dessen eigentlich tiefes Gemüt in köstlichen Kindergruppen zum Ausdruck kam. die sozusagen seine Spezialität waren. Seine Doppelbüste „Singende Knaben" hatte ihm ein Studienjahr nach Rom eingetragen, von dem er noch immer wie ein Weltrcisender zehrte. Dreimal war diese Gruppe von ihm verkauft worden, was mit einem gewissen Zunftstolz von seinen Freunden er- zählt wurde. Maler Blankert, dünn und hoch aufgeschossen, um- schlottert von seinem ewigen Pelerinenmantcl, für den, weil er viel zu kurz und zu eng war, Lorensen die Bezeichnung „Talentwindel" erfunden hatte, meldete sich zugleich mit dem beweglichen, unverwüstlichen Musiker Nuschke, der, kaum die Tür hinter sich, einen täuschend ähnlichen Trompetentusch hervorbrachte und- dann seine Gelenkigkeit bewies, indem er mit dem rechten Bein über eine Stuhllehne setzte. Ein so- genanntes verrücktes Huhn, besaß er die Gabe, die der- schiedensten Instrumente nachzuahmen, was namentlich zwerchfellerschütternd, wirkte, wenn er die Klarinette dudelte. Bade wurden' mit einem Hallo empfangen.„Ja, Kinder, habt Ihr immer noch kein Klavier?" fragte Nuschk« sofort, was er jedesmal tat, sobald er die Bildhauer besuchte, „Das wird ja bald strafwürdig von Euch. Pfui Teufel, seid Ihr unmusikalische Menschen. Ihr geht in kein Konzert, in keine Oper, und wenn ich Euch dann mal ein bißchen Schlifß durch meine neueste Komposition beibringen will, dann ver- langt Ihr, ich soll die Suppe bei Euch blasen: und die gibt'H nicht mall Schmarr, ist das'ne Gesellschaft, was? Gips- bolzen sind's. Ton kennen sie, aber an Gefühl für Töne mangelt's" Und während der Verwachsene wieherte vor Wonne, prüfte Nuschke der stets patent gekleidet ging, vorsichtig die Stühle auf ihre Reinlichkeit, denn wiederholt war es vor- gekommen, daß er aus der früheren Bude der beiden sichtbare Zeichen ihres Kunstmaterials mit davongetragen hatte. „Sag mal, wo schindest Du denn jetzt fremde Schlaf- stellen?" fragte Blankert den kleinen Bildhauer, von denl alle wußten, daß er, da er kein rechtes Heim hatte, in den Ateliers der Jungen herumnassauerte, wo er bald hier, bald dort etwas modellierte, das er dann zu verkaufen versuchte. „Ich habe mir ein paar Sohlen abgelaufen, um Dich zu suchen." Schmarr blickte gewohnheitsmäßig in schiefer Richtung zu dem Langen empor.„Wieso, wolltest Du mich an» pumpen?" gab er ruhig zurück, sicher der Wirkung seine? Worte. Im Innern von Trauer erfüllt über seine Lage, stimmte es ihn stets ärgerlich, sobald man ihn zu offen daran erinnerte.„Ich kann solch einem unsicheren Kantonisten un- möglich längeren Kredit gewähren," fuhr er durchaus ernst unter dem Heitcrkeitsausbruch der übrigen fort.„Ich würde um meinen ganzen Ruf kommen... Du malst ja schon seit zwei Jahren an Deiner Auferweckung des Lazarus. Sämt- liche Toten werden inzwischen lebendig, darunter die zwölf Droschkenkutscher, die als Modell unter Deinem Pinsel gc- storben sind." Nun konnte er nicht mehr an sich halten, und so schüttelte er sich förmlich vor Lachen. Der Maler stimmte vergnügt mit ein, denn trotzdem sich die beiden zeitweilig auf diese Art rieben, waren sie sich doch sehr zugetan, und man sah sie oft brüderlich vereint in den Straßen wandern, was sich sehr komisch ausnahm, wenn der Kleine den Langen untergehakt hatte und von diesem fast mit fortgeschleift wurde. Blankert legte seinen fadenscheinigen Dallesmantel ab(diese zweite Bezeichnung dafür hatte Nuschke erfunden) und faltete ihn mit einer Sorgfalt zusammen, als hätte er teuren Samt zu behandeln. Dabei sagte er wieder in seiner geschraubten Sprechweise, die ihm etwas Ueberlegenes geben sollte:„Nein, nein, diesmal irrst Du Dich, mein Kleiner. Ich habe da einen Böotier in petto, dem ich furchtbar viel von Dir vorgeschwafelt habe, was natürlich angesichts Deiner soeben erwiesenen Be» Handlung gegen mich unverantwortlich von mir ist. Ja." Er machte eine Kunstpause.„Unter anderem log ich ihm auch vor. Du könntest vortrefflich Kindsköpfe porträtähnlich machen, auch die blödsinnigsten." Schmarr, der darin nur verstecktes Lob sah, lachte laut- los in sich hinein, so daß man die Erschütterung an seinem ganzen Körper merkte. „Und siehst Du," sprach Blankert nun mit Gönnermiene weiter,„so ist es mir denn glücklich gelungen, sein Interesse für Dich zu erwecken. Unverdientermaßen für Dich. Jawohl. jawohl! Blök doch nicht! Dein Gebiet ist doch nur das Genre.... Aber es gäbe einen niedlichen Auftrag. Drei- hundert Mark will er anlegen. Vorläufig Gips, vielleicht schwingt er sich später mal zu Marmor auf. Er versteht sich darauf, weißt Du, denn es ist ein sehr kunstliebender Herr. Früher hat er ein Milchgeschäft, jetzt ist er Hansbesitzer. Mein Gönner nämlich, dem ich die Miete für meinen Tauben- schlag, Atelier genannt, schuldig bleibe. Ein Vierteljahr habe ich bereits abgemalt, indem ich seine ehrenwerte Gattin porträtierte. Zur völligen Zufriedenheit, weißt Du. denn aus dem dreifachen Kinn machte ich ein durchaus natürliches, ohne jede Aufregung. Ja. So strahlt sie nun als ihre jüngere Schwester über dem Sofa. Die Aehnlichkeit ist ein- fach herzbrechend." Nusckke konnte nickst mehr lacken. Er ging im Zimmer umher und schlug sich mit den Händen fortwährend auf die Schenkel, so daß es klatschte.«Zum Küssen, zum Küssen! Das sind ja großartige Noten! Wagners Ballett im Tann- Häuser!" schrie er förmlich vor Vergnügen, während er sich mit seinen schmalen Schultern an den übrigen vorbei- wandte. „Du wirst Deine Freude an dem Jungen haben." fuhr Blankert mit der Miene des Schauspielers fort, dem man bei offener Szene soeben Beifall geklatscht hat.„Er ist zwölf Jahre alt, hat eine platte Nase und schielt mit schiefstehenden Augen; außerdem hat er mächtige Horchlappen. So was übersehen aber geniale Geister wie Tu. denn Zahlung erfolgt nach Ablieferung, eventuell hundert Emm Vorschuß, wenn ich ein gutes Wort einlege. Ich bin ihm ja sicher. Selbst- verständlich! Hast Tu ihn ganz ähnlich gemacht, dann gibt's noch ein Frühstück mit Weißbier. Gesteh jetzt also, wo Tu Deine Empfangsstnnden bat. In irgendeinem Winkel mußt Du ihm doch imponieren. Natürlich habe ich ihm vor- geschwindelt. Du hättest ein eigenes Atelier und wärest mit Aufträgen überschüttet. Besinn Dich nicht lange, so einen Blaseengel mit Zahnschmerzen backst Tu ja in acht Tagen zusammen. Wie ich Dich kenne! Uebrigens garantier ich für sein Stillsitzen, denn unter zwei Jahren macht er nie eine Klasse ab." „Das ist zu viel, das ist zuviel! Ich muß die Musik dazu machen!" quietschte Nuschke jetzt auf, und er flötete, stimmte dann die Klarinette an, fiedelte auf seinem Arm, trompetete, schlug die Trommel, bis er plötzlich diese Orchestermusik mit einem großen„dum, dum" schloß, das das schallende Gelächter ringsum wie mit einem letzten dumpfen Paukenschlag durchschnitt. Dann warf er sich auf das Sofa, strampelte mit den Beinen und schrie mit krampf- hafter Luftschöpfung:„Ein Trailerspiel, ein Tranerspiel, oder ich lach niich tot!" Und er sprang wieder auf, ergriff Blankerts beide Hände und sagte voll Begeisterung:„Du wirst wohl Deinen Lazarus nicht eher ausstellen können, mein Sohn, als bis Du eine Landschaft daraus gemacht haben wirst. Diese Seite liegt Dir viel besser— ich hab's Dir immer gesagt. Aber das hast Tu großartig erzählt. Einfach plastisch. Geh zur Bühne und werde Komiker." �rau Lemke, die auf ihr Klopfen kein Herein fand, trat erschreckt ins Zimmer. Was denn los sei? Die Lehrerin nebenan habe sie gerufen. Ter Anblick der vielen Herren, die im Tabaksdampf förmlich schwammen, denn man qualmte Pfeifen und rauchte Zigaretten, schüchterte sie ersichtlich ein; aber deutlich sprach ans ihren breiten Zügen, daß sie sich diesen Skandal nicht hätte träumen lassen. Nuschke, der nie feine Geistesgegenwart verlor, bot ihr sofort galant einen Stuhl an und machte aus ihr ein„verehrtes Fräulein", wo- durch er ihr ein schämiges Lächeln abzwang, was von einer Verbeugung begleitet wurde, die sich beinahe wie ein Knicks ausnahm. Kempen beruhigte sie leise und gab ihr die nötige Auf- klärung, wobei er ihr Geld zusteckte mit der Weisung, ein Dutzend Flaschen Bier holen zu lassen, so daß sie mit einer Entschuldigung wieder verschwand. Während die übrigen durcheinander schwatzten und ihre Possen trieben, hatte er im Hintergrunde an eineni kleinen Tischchen gestanden und Brotschnitten mit Butter bestrichen, die er nun mit Aufschnitt belegte. Am Tage vorher war für Lorensen eine Kiste aus der Heimat eingetroffen, die einen Schinken und Tauer- Würste enthielt, so daß man heute gehörig prassen konnte. Schmarr war still geworden, wie immer,� wenn ihn etwas Besonderes bewegte. Dieser koboldartige Spötter hatte seine Tiefen, in die er sich zeitweilig versenkte, so daß er mit Gewalt aus ihnen hervorgeholt werden mußte. Er setzte fich auf das schäbige Sofa, wobei an der eingedrückten Ecke feine spillerigen Beine tief unter dem Tische verschwanden. Wie ein ungeschlachter Zwerg saß er da, dessen Kopf nur auffällt. Er hatte seinen alten Zustand, in dem der Kunst- nn mit der Not den großen Seelenkampf führte; denn berall hing er mit kleinen Schulden, und es war wieder einmal gänzlich Ebbe in seiner Kasse. Diese verlockenden dreihundert Mark hätten ihn gründlich flott niachen können von dem rauhen Riff seines augenblicklichen Daseins; aber er haßte alle Porträtarbeit, die ihn mit Widerwillen erfüllte, weil er keinen Fortschritt darin erblickte. .(Fortsetzung folgt.)' zu Die familie Krage. Von Johann Skjoldborg. Autorisierte Uebcrsetzung von Laura Heidt. 22. Auf dem breiten, durch viele Wagenspuren gekennzeichneten Ochsenwege, dcv von Lem aus über das Sandmoor nach den Toruper Dünen führte, schritt eines Abends zu Anfang des Früh- jahres eine Schar Männer. Sie kamen aus dem Versammlunashause. Ein feiner Staubregen rieselte nieder und machte die Luft dick und schwer, und in diesem Nebel bewegten sich die groben Gestalten wie hinter einem Schleier. Einer von ihnen sagte:„Das waren klare und deutliche Worte, die der Mann«sprach I" „lind dabei sah er aus, als gehöre er zu den Vornehmen!" ertönte es von einer anderen Seite. „Es war dev Vorsteher einer Hochschule." Diese Antwort kam von Jürgen. „Einerlei— in ihm steckte kein Falsch!" Die meisten Beine schritten im Takt; daneben hörte man ein Muscheln und Pusten, wie stets, wenn viele zusammengehen und keiner spricht. Nach einer Pause äußerte einer, dessen Stimme hell und ver- gnügt klang:„Na, dem König haben sie ungefähr den Kopf ab- gehauen, diesmal." „Da waren wohl noch andere, die hinter dem armen Kerl standen?" fragte eine?. „Selbstverständlich l" antwortete Jürgen. „Ja, diese großen Herren,— die wollen stets auf unserem Rücken herumreiten!" „Ach, laß sie's nur versuchen!" „Sie riskieren es nicht!" „Ja, können sie uns das Rückgrat brechen, dann tun sie est" Die kurzen Sätze fielen bald hier, bald da, laut, so daß sie von allen gehört werden konnten, und mit einer Pause nach jedem Satz. Die Gesichter der Männer waren nicht zu sehen, aber man hörte, wie sie aussehen mußten. Die Worte wurden nicht er- stickt durch Scherze oder überflüssige Reden. Sie schienen in der Luft fortzutöncn, wenn Stille eintrat und nichts weiter zu hören war als das taktfeste Schreiten der vielen Beine auf einmal. „Ein jeder sollte wahrhaftig seine Büchse haben, so wie der Mann sagte, seht Ihr— I" begann wieder einer. „Büchsen kriegen wir schon. Wir haben jetzt schon eine ganze Menge Geld im Verein. Am Sonntag fange ich die Hebungen an mit den Jungen in Torup, und— wenn sonst noch etwas geschehen soll, bekomme ich Nachricht aus Leml" „Die in Lem,— die sind beim Himmel wach und auf ihrem Posten. Welch eine Menge Menschen dort heute zusammeugekoinmen waren I" „Ja, glaubt nur, ick> Hab viele schöne Stunden in dem Per- sammlungshause zugebracht!" Es folgte ein längeres Stillschweigen.— Tann begann einer mitten aus der Schar:«Daß sie auf den Gedanken kommen konnten, uns die Freiheit nehmen zu wollen,— es müssen dock wirklich schlechte Menschen sein." Eibe rauhe Stimme, die von Krän Hvas herzurühren schien: „Ja. Man kriegt Lust, sie mal ganz gehörig bei den Ohren zu nehmen!" Ein Murmeln ging durch die Reihen. „Wenn wir jetzt nicht festhalten," sagte Jürgen laut und beut- lich,„dann müssen wir uns in aller Ewigkeit schämen vor unseren Vorvätern und unseren Nachkommen!" „Das ist ein wahres Wort!" ertönte es aus dem Munde mehrerer Männer zugleich. Die schwarzen Gestalten mit den nebelhaften Umrissen gingen schweigend weiter in einer langen Reihe und im Takt, vorbei an den abgeteilten Feldern und hinein in das öde, einsame Moor- land. Und auf dem ganzen langen Wege wurden nur diese beiden Sätze gesprochen:„Ob sie es wirklich wagen sollten?" „Ja, das Ganze ist so fest und zuverlässig wie eine Seifen- blase!"— Die Kanalbrücke erdröhnte unter den Tritten der Holzschuh- stiefcl. und als sie drüben waren, sagte Jürgen: „Da Ihr aus den Moovhäusern und von der Mastruper Düne zum Verein unserer Gemeinde gehört, so scheint mir, können wir die Versammlungen bei mir daheim abhalten." Ja, das fanden die anderen auch. „Und dann denkt wohl jeder an das, was er zu tun hat! Per Jebsen läßt denen im Dorfe Torup Botschaft zukommen und Du, Krän. sendest ihnen im Norden Nachricht!" „Und das, weiß Gott, auf der Stelle!" antwortete ein kräf- tiger Baß. „Und dann müssen wir bereit sein, was auch immer kommen mag!" Nach diesen Worten gingen sie auseinander. „Laßt uns nun sehen, daß Du gut aufpaßt. Jürgen, denn können sie uns was antun, dann tun sie es bestimmt!" riefen noch einige im Fortgehen. „SBentt ein Jcbec feine Pflicht tut, bann chaben dir nachher nichts zu bereuen!" antwortete er zurück. Und dann tauchten sie nach und nach unter, die schwarzen Gestalten verschwanden einer nach dem anderen jeder in seiner Hütte, bis nur noch der Nebel allein zurückblieb. 23. Um den Tisch im Wnahmezimmer des Krageschen Hauses saßen neun Männer, die ernsthaft eine Sache überlegten. Krün Hvas blickte umher mit seinen meerblauen Augen und schüttelte sein langes Haar und seinen Bart, der gleich rotbraunem Tang ans Brust und Schultern hinabfloß, und seine derben Worte entströmten seiner Brust gleich Wogen. Der lange Jens aus den Mastruper Dünen, war dürr und knochig. Seine wenigen Bemerkungen kamen ruckweise, als stoße er sie von innen heraus; sie erinnerten an den knackenden Ton dürren Heidereisigs, wenn im Sommer ein Wagenrad darüber hinfährt. Dann war der kleine Jep da und noch ein anderer Mann aus den Moorhäusern. Ter kleine Jep war ein kleiner, dunkler Mann, der die halbe Zeit seines Lebens unten in den Gräben und Löchern seiner prämiierten Besitzung zubrachte. Sein schwarzes Haar be- deckte kurz und dicht wie ein Maulwurfsfell den Scheitel, und seine kleinen, dunklen Augen flunkerten und funkelten vor Energie; er saß unruhig auf seinem Stuhl und warf hie und da ein kurzes, scharfes Wort in die Unterhaltung. Torup ward repräsentiert durch den dicken Michel Peter und ein paar anderen Dorfbewohnern, deren wohlgenährte Körper in gekauften Anzügen steckten. Wenn sie sprachen, hatte ihre Stimme einen weichen, langsamen Tonfall, gleich wogendem Korn auf fetten Aeckern. Und dann waren noch Jürgen da und Jens Ron. Anders war ebenfalls anwesend und folgte der Verhandlung mit gespannter Aufmerksamkeit. Michel Peter dachte bielleicht an jenen Jagdausflug, an dem er vor mehreren Jahren zum letzten Mal seinen Fuß auf Krage- schen Grund und Boden gesetzt hatte; denn er war sofort auf Anders losgegangen, hatte ihm herzlich die Hand gereicht und gesagt:„Was für eine Zeit ist es doch, in der wir jetzt leben, Anders Nielsen!"— Und Anders hatte geantwortet:„Ja, wir Bauern haben schon öfter schwere Zeiten durchgemacht und nun scheint es ja noch einmal so zu kommen!"—„Ja aber, wenn wir zusammenhalten," hatte Michel Peter mit einem einfältigen Aus- druck in seinem rötlichfettcn Antlitz gesagt.—„Wenn der Habicht kommt, findet jede Henne ihr Nest! Setz Dich, Michel!"— Und nun saßen sie da, vom Meer und von den Dünen, vom Ackerland und von den Mooren,-von den Hütten und den Höfen, die Leute draußen aus dem dänischen Bauernland in vertrau- lichem Kreise und berieten miteinander wegen der Botschaft, die gleich einer dunklen Wolke über das Land dahinzog. Die Ge- sichtcr hatten alle dieselben Grundzüge und alle sprachen sie die- selbe Sprache. Es war eine Versammlung der Vorsitzenden.— „Nein, man hätte ihnen ja kaum dergleichen zugetraut," ant- wartete Jürgen auf eine Bemerkung hin,„und daß sie uns mit Gewalt unserer Freiheit berauben wollen!" „Ja, er, der Hauptmacher da drinnen," rief Krün Hvas,„daS Muß doch geradezu ein elender Wicht sein!" „Sollte die Sorte sich wohl sehr verändert haben im Laufe der Zeiten?" bemerkte Jens Rön. „Eigentlich sollte man es doch meinen. Aber jetzt haben wir das Provisorium— sie haben uns einen Schlag mitten ins Ge- ficht versetzt!" fuhr Jürgen fort. „Wir schlagen wieder!" fiel der kleine Jep schnell ein. „Jalvohl,"— wie Krün Hvas fluchen konnte—„und das mit frischem Mut!" „Ich weiß mir auch keinen anderen Rat," sagte Jürgen,— „aber wir müssen gemeinsam handeln mit dem ganzen übrigen Land und warten, bis die Nachricht kommt. Darum sind wir ja auch hier versammelt, um darüber miteinander zu verhandeln." „Ja. die sollte meiner Seel frikassiert werden, die Blase, das sollte siel" Der kleine Jep ward immer unruhiger.— „Nun haben wir so um und bei 700 Krsnen!"— Michel Peter war Kassenmeister—«und wir sind alle miteinander einig im Dorfe, daß es an Geld nicht fehlen soll;— es ist jetzt nicht die Zeit, wo Geld eine große Rolle spielt!" „Nein, das Geld, das...! nickte ein anderer stiller Einwohner von Torup beifällig. „Büchsen kriegen wir schon!" sagte Jürgen,„und könnt Ihr noch ein paar Vorderlader dazu kriegen, dann tut es; sie können gut gebraucht werden!" „Zu meiner Zeit haben wir nichts anderes gekannt," bemerkte ein dritter Mann aus Torup.„Die schössen gut!"— „Daß solch kleiner Haufen uns regieren will!" brach Krün Hvas los.„Und dabei war eS unS, hols der Teufel, ein leichtes, sie weit hinaus zu jagen in den Fjord, wenn es sein sollte!" „Sie haben aber die Soldaten!" bemerkte der stille Mann auS Torup. „Und die Kavallerie schlägt man nicht so leicht," fügte Ron hinzu, in Erinnerung an seine stolze Dragonerzeit. (Fortsetzung folgt.) Das Glend der Kriippdfrindcr. Der Kapitalismus, der das soziale Elend zu einer Massen- erscheinung entwickelt und zu äußerster Unerträglichkeit gesteigert hat, ist nicht da am grausamsten, wo er mit jähem Ruck Daseins- Hoffnungen auslöscht und Menschenleben vernichtet, sondern da. wo er dem Ucberlebendcn alles entreißt, was nötig wäre, um ein volles Menschenleben ausleben zu können, wo er das Leben zu einem jahrzehntelangen Ringen mit dem Hunger, dem Siech- tum. dem Tode macht. Die furchtbare Tatsache, daß alljährlich Hunderttausende kaum zum Dasein erwachter Säuglinge wieder zu frühen Kirchhofs- blumen werden, greift uns ans Herz. Aber sind nicht die Tat- fachen ebenso erschütternd: daß Hunderttausende des proletari- scheu Nachwuchses im Joche täglicher Lohnarbeit fronden, in Besserungsanstalten und Gefängnissen schmachten, in den Kloaken des Lasters und der Schande veroerben und als ein Heer von Zwerghaftcn und Engbrüstigen, Minderwertigen und Schwach- sinnigen. Siechen und Krüppeln unter der Geißel gesundheitlichen Ruins namenlose Leiden ertragen müssen! Aus Asiens Vorzeit berichtet eine schauerliche Kunde von einem Götzenbilde, dessen höllischer Schlund blühende Kinderleiber als Opfergaben verschlang. Der Moloch Kapitalismus fordert heute noch jeden Tag seine furchtbaren Tribute an Kinderleibern und Kinderglück. Und noch nie sind die Opfer so zahlreich gewesen wie jetzt. An mir vorüberziehen in strengen Bildern Der bleichen Kinder unglücksel'ge Scharen Und müde Augen und vergrämte Stirnen, Zerriss'ne Glieder und entstellte Mienen Und eine wegcmüde, ungeheure Erdfahle Volkschaft. Unter den verschiedenen Gruppen des langen Leidenszuges wird seit verhältnismäßig kurzer Zeit endlich auch jener etwas mehr Beachtung und Fürsorge zuteil, die das große Heer der Krüppel umfaßt. Unter einem Krüppel versteht man einen Menschen, der durch fehlerhafte Gebnrtsanlage, Krankheit oder Unfall dauernd des unbehinderten Gebrauches seiner Glieder oder eines Teiles be- raubt ist. Dabei können einzelne Körperteile entweder völlig fehlen oder mehr und minder so stark verunstaltet sein, daß sie ganz oder größtenteils funktionsunfähig geworden sind. Piel- fach finden sich die Ursachen der Mißbildungen bereits in der Keimanlage, des Embryos, in anderen Fällen ist der an sich normale Keim während seiner Ausbildung innerhalb der Gebär- mutier schädlichen Einflüssen ausgesetzt, die seine regelmäßige EntWickelung hemmen. Derartige Schädigungen können äußerer Natur sein und die Mutter betreffen— Sturz, Stoß gegen den Unterleib, andauernde gebückte Stellung bei der Arbeit usw.—, können aber auch in krankbaften Vorgängen in der Gebärmutter ihre Ursache haben. Schließlich sind in den sog. amniotischen Abschnürungen, d. s. Verwachsungen oder Verklebungen gegenüber- liegender Teile der Eihaut untereinander oder mit dem Fötus die Ursachen von Gliederverstümmelungen, Degeneration und schwere Erwerbsarbeit der Mutter bedingen wesentlich die Krüppelhäufigkeit; daher ist in Gegenden mit aus- gedehnter Frauenerwerbsarbeit und in sog. Elendsgebieten die Zahl der Krüppelkiuder außergewöhnlich groß. Doch auck? die Geburt kann, indem sie nervöse Drucklähmungen. Muskelzerreißungen, Knochenbrüche usw. Herbeiführt, Miß- bildungen erzeugen; Scharlach, Diphtherie und vor allem Tuberkulose, die Krankheit des Proletariats, nicht minder auch Rachitis(engl. Krankheit), die besonders in feuchten Kellertvobnungcn gedeiht und schlecht gepflegte und fehlerhaft er» nährte Kinder befällt, rufen ebenfalls körperliche Deformationen hervor. So entstehen hochgradige Buckelbildungen durch tuberku- löse Zerstörung von Rückenwirbeln, flacher Rücken durch Muskel- schwäche, runder Rücken durch rachitische Erweichung von Wirbel- knochen, Skoliose durch rachitische Krümmung der Wirbelsäule usw. Gefürchtet sind besonders die tuberkulösen Hüftgelenkserkrankungen. die den davon Befallenen meist für das ganze Leben zum Krüppel machen. Ebenso gefährlich ist die spinale Kinderlähmung, die oft genug in dauernde Gliederlähmung übergeht. Indem die kapitalistische EntWickelung Millionen von Menschen durch Ueberarbeit und Unterernährung, elende Wohnungsverhältnisse, unhygienische Lebens. weise, frühzeitige Erwersarbeit, mangelhafte Pflege und Versorgung be! Krankheit usw. physisch zugrunde richtet, Unsummen von Volkskrast verwüstet und einen beispiellosen Dcgenerationsprozeß stetig erweitert und in seinen Wirkungen vertieft, ist sie die e r g i e b i g st e Quelle für den namenlosen Jammer des Krüppelelends, von dem die Statistik unheimliche Kunde gibt. Auf Anregung der Deutschen Zentrale für Krüppelfürsorge wurde l907 von den Regierungen der deutschen Bundesstaaten eine Krüppelzählung vorgenommen. In Bayern, Baden und Hessen wurden nur die Schulkinder gezählt, in den übrigen Staaten alle Kinder bis zum zurückgelegten 14. Lebensjahr. Die Aufnahme ergab, daß in Deutschland 02 000 jugendliche Krüppel vorhanden sind, in Preußen allein 52 000, in Sachsen fast 10 000. Mehr als die Hälfte dieser Unglücklichen bedarf unter — 848— allen Umständen der Hilfe der Allgemeinkett, die ihnen jedoch nicht gewährt werden kann. Man hat Millionen für Zivillisten, Panzerkreuzer. Mordwaffen und kolonialpolitische Phantaficreien, ober nicht für die Forderung der Humanität und des Ki.rsorge- tuohls, 53 000 Krüppelkindern ein Heim und eine unter ärztlicher Leitung stehende Pflegestätte zu schaffen. ES bestehen in Deutsch- land nur 3g Anstalten, in denen nur 3300 Krüppel unter- /gebracht werden können. Davon ist' auch nicht eine einzige Anstalt durch den Staat ins Leben gerufen tv o r d e n. Alles, was bisher in dieser Richtung geschehen ist, verdankt seine Entstehung entweder der Initiative einzelner Privatpersonen oder aber der Fürsorgetätigkeit christlicher Körper- -schaften. Natürlich tragen die Anstalten und Heime alle k o n- ifessionellcn Charakter und die Rettung der Seele wird oft mit mehr Eifer getrieben als die Heilung und Linderung der �körperlichen Gebrechen. Viele der Anstalten verzichten auf ärzt- lichc Leitung oder Mitwirkung; auch in den drei bedeutendsten, in Nowawes, Cracau und Altona, stehen Geistliche an der Spitze. Ein besonderes Licht hat die Statistik auf die Rolle geworfen, die bei der Verkrüppelung von Schulkindern Unfälle an Maschinen, besonders in landwirtschaftlichen Be- trieben, spielen. So waren in Bayern von 9637 Krüppeln L572 durch Unfälle zu ihren Gebrechen gekommen; ddvon 1362 in der Landwirtschaft. Dieser Anteil ist ungewöhnlich hoch und läßt entsprechende Schlüsse auf die Ausbeutung der kindlichen Arbeits- ffrast in der landwirtschaftlichen Produktion zu. In einem bei B. G. Teubner in Leipzig erschienenen Werkchen „Körperliche Verbildun gen im Kindesalter und ihre Verhütung"(Aus Natur und Gcisteswelt. 321. Band- chcn, 1,25 M.) behandelt der Berliner Spezialarzt Dr. Max David in übersichtlicher und verständlicher Darstellung das Problem der ärztlichen Krüppelbehandlung und-fürsorge. Nach- dem er einleitend die soziale Seite kurz berührt und im all- gemeinen Teil Entstehung, Formen, Heilung und Verhütung körperlicher Verbildungen großzügig behandelt hat, beschäftigt er sich im speziellen Teil eingehend mit der Wirbelsäule, dem Brust- korb, den oberen und unteren Extremitäten, den Füßen, immer die jeweilig vorkommenden Deformitäten genau erörternd und an Illustrationen erläuternd; auch der Schiefhals und der Schreib- krampf finden Berücksichtigung. Der Verfasser will in erster Linie zeigen, wie Mißbildungen durch„die Sorgfalt der Mütter, die Achtsamkeit der Pfleger, gewissenhafte Beobachtung der Lehrer -und verständnisvolle Rücksichtnahme der Lehrherren auf die Leistungsfähigkeit des jugendlichen Organismus zu verhüten sind". Weiter sollen die Grundsätze der ärztlichen Heilmethoden eine all- gemein verständliche Darstellung finden, um die Eltern darüber aufzuklären, nach welchen Prinzipien die Verbildungen, an denen ihre Kinder leiden, vom Arzte zu behandeln sind. Diese Aufgabe shat der Verfasser in befriedigender Weise gelöst. Daß freilich auch die geschickteste Hand deS ArzteS und die hingebungsvollste Fürsorge deS Menschenfreundes nichts vermögen, wenn die Ungunst der sozialen Verhältnisse dem Bemühen von vornherein alles Gelingen und Gedeihen versagt, darüber ist auch der Verfasser sich klar.„Hier helfend einzugreifen, ist der öffentlichen und privaten Wohltätigkeit der größte Spiel- räum gegeben. Hier muß die Fürsorgcbcwegung einsetzen, um durch Hilfe für den einzelnen der Gesamtheit zu helfen." Umgekehrt scheint es uns richtiger: Um durch Hilfe für die Gesamtheit dem einzelnen zu helfen. Dann aber stimmen wir ihm uneingeschränkt bei:„Gelingt eS, die Ursachen zu beseitigen, die das Krüppelelcnd verschulden, so ist auch die K r u p p e l f r a g e s ch o n g e l ö st." O. k. Schach, Unter Leitung von S. Alapin. abodef�h Stepanow. Weiß.zieht und erzwingt Remis. Lösung.(22. Oktober. Przcpiorka Weiß: XeS;?a8; LR g5, bß. Schwarz: KcS; Se7; Sg8; BB b4, a7. Weiß am Zuge ge» winnt.) 1. Ta3— d8!(Weder TXg8, noch g6, auch nicht Kf7 führen zun, Ziele. Die Leser werden von selbst die Widerlegung dieser V e r- sührungen finden.) 1...... Kc4; 2. TXg8!(Erst jetzt»ach de», anscheinenden Tempoverlust!) 2...... SXg8; 3. g6, b3!; 4. gXh7, b2!; 5. hXgSD, biD; 6. a7!, De4t: 7. Kdßf(Ohne den Tempoverlust im ersten Zuge wäre dieses„Abzugschach" nicht vorhanden und Schwarz würde Remis durch ewiges Schach ballen können.) 7...... Kb4! 8. DbSf!, Kc4; 9. DcSf, KdS; 10. Da6t, Ke3; 11. DaSf, Kf4; 12. Dclf, Kg4; 13. Ddlf nebst hSD und gewinnt. 4. Match Partie vom 8. Oktober. Miefes(Weiß), T e i ch in a n n(Schwarz). 1. 63, 65: 2. Lk3. 8k6; 3. 862. ob; 4. ei, s6(Hiermit ist aus der„Griechischen" Eröffnung durch U m» st e l l u n g der Züge eine Wendung der„Französischen" Partie erreicht worden: 1. s4. s6; 2. 63?, 65; 3. 862—..... c5; 4. Sgf3, 816. Das Fragezeichen zum zweiten Zuge dieser Wendung ergibt, weshalb„Griechisch" nicht allzu stark sein kann.) 5. g3, Sc6; 6. Lg2, Le7; 7. 0-0, 0—0; 8. b3, b6; 9. Lb2. Lb7; 10. Sei. Dc7; lt. k4. 6X64; 12. dXe4, Tfd8; 13, 863. 864; 14. LXb4, TXd4: 15. De2, Tad8; 16. e5, LXg2; 17. KXg2, Sc8; 18. 15, eXfS; 19. TX15, b5(droht c5-o4); 20. 813. Dc6; 21. Kgl, Te4; 22. Dg2, V67; 23. Tf4, TXf4; 24. 8X14, Sc7; 25. De2?(TU oder g3— g4 kamen in Betracht); 25...... g5; 26. Shöl, g4; 27. Sei, D64t; 28. Kll, DXal(Die Partie ist nicht uninteressant. Jedoch alS ganz„gut" kann sie nicht gelten, weil Schwarz mit dein schwächeren Tcxtzug das Remis zuläßt,.anstatt seine befiere Stellung mit 865 oder mit 8e6 auszunutzen.) 29. DXg4t, K18; 30. X)g7t, Ke8; 31. DbSf, L18(Kd7? würde wegen e5— e6t die Dakne verlieren); 32. Sief, Ke7; 33. Sgöf, KeS; 34. Slöf Remis durch ewiges Schach. Auf Wunsch aus unserem Leserkreise erlauben wir uns nach» stehend zu Zwecken des Vergleiches zwischen oben illnstrieriem modernen Meisterspiel und älterem Meisterstil eine Partie zu bringen, die, zwischen A. A n d e r s en(Weiß) lliid L. K i e i e r i tz k i im vorigen Jahrbundert gespielt, seither in sämtlichen Lehrbüchern gar unter dem schmeichelhaften Namen der„ u n st c r b l i ch e n Partie" angeführt wird; sie erregt noch heule Scnsalio» und Bewuiiderling wegen ihrer angeblichen Schönheit bei Anfängern. Der vorgeichrittene Leier mag aus unseren kurzen Glossen klar die Kluft erieben, die zwischen modernen, vorgeschrittenen Forderungen an die Qualität einer Partie und denen der Kinderjahre der Schach» spiellunst liegt. Läufergambit. A. Andersscn. L. Kieseritzki. Weiß. Schwarz. 1.«2— 64 6?— e5 2. 12-14 65X14 3. L11-C4...... Hierdurch der Name der Eröffiimig 3....... Dd8-h4t 4. Kel-11 b7— b5 Ein zweifethastes Gegengambit, das beim d a m a I i g c n Stande der Eröffnungslehre in At o d e war�lSSL) und deshalb(als diskutable Streitsrage) die Qualität der Partie noch keineswegs entwertet. 5. Be4Xhä 8g8— 16 6. Sgl— 13 Dh4-h6 7. 62-63...... Stärker- 7. Sc3!, Sh5; 8. Kf2, Dbßf; 9. 64 K. 7....... Sf6— h5 Nun drobt Sg3+ und ialls 8. Kf2?, (08..... vböf nebst ÜXbS, 8. 813— h4?...... Tgl war der richtige �ug. 8....... DhC— g5 9. Sh4— 15 c7— 06? Heutzutage würde Schwarz g7— gfi aus einfache Weise in scheidenden niatericllen lammen. 10. Tbl-gl?...... Ein inkorrcltcs Opfer, statt dessen Bas am Platze war. 10....... c6Xb5 11. g2— g4 Sh5— 16? Mit 11.... gS; 12. gXb5, DfC sc. war das inkorrekte Opfer von Weiß widerlegt.» mit ent- Vorteil 12. h2-h4 13. h4— h5 14. 1)61—13 15. 1,01X14 16. 8b 1—63 Dg5— 16 Dg6— g6 816— gg Dg5— 16 L{8— c5 Plausibler und vorsichtiger I-d7. 17. 863—65 vl6Xb2 18. 1,13—66?...... Mit 18. Le3! konnte Weiß den Gewinn erzwingen, z. B.: >8..... DXal; 19. Kg8, DXaS; 20. l-XeS. DXcäf; 21. Kh3, DXc5; 22. Tel, DXol; 23. S66f, Kd8; 24. S>-nt, KcS: 25. 8d6r, KdS; 26. D{8=b. Der Textzug hätte rmr Remis erreiche» sollen. 18....... 19. Kfl— e2 20. o4— eö Schwarz setzen?! läßt B-l DbZXsl I-oöXgl 8b8— abll? sich direkt Matt 20..... I,a6! ist kein Gewinn sür Weiß nachwelsbar. Z. B.: 21. Seif. KdS; 22. DXa8. DeS; 23. DXbSf, Lc8; 24. Kdl, I,b6; 25. 8d5, Dc6;c. Sliich andere Pariauten führen nicht zum Gewinn. 21. S15Xg7t Ko8— 68 22. D13-I6t!...... Diese» durchsichtige Daineiiopser. das ein brutales, variantenloieS zweizügiges Matt cinleiiet, kann die früheren Fcdler deS Ge» w i n n e r S nicht weit machen. 22....... Sg6X16 23. Ldü-e7--st...... Heutzutage bezeichnet man der- artige Partien zwar als„interessant", aber keineswegs als..gut". Im Gegenteil, der technische Ausdruck dajür lautet:„Partien, i» denen der vorletzte Fehler gcwmntl.. Berantw. Redakt,: CarlWermuth, Berlin-Rixdorf.— Druck u. Verlag; Vorwarli Bud.trudrr-i u.verlegsani.'attPauiSnigec ÄEo..Bert!n8Ast