Unterhallungsblatt des WorwSrls Nr. 223. Dienstag, den 16. November. 1910 (Nachdruck fcecdotett.i 14j Mas ift Ruhm? Roman von Max Kretzen Schließlich kam er mit Nuschke überein, zusammenzu- schießen, um des Musikers Abschiedsfeier mit der Atelierein- weihung zu verbinden. Zuerst hatte dieser die Absicht, sie alle hinwegzulocken in eine fidele Kneipe, denn das Reisegeld saß ihm lose in der Tasche. Kempen jedoch war dagegen, denn man hatte bereits das Mittagessen ausgesetzt, eine Erbsensuppe mit Schinkenknochen, die verheißungsvoll brodelte. Nnschke ließ sich besänftigen, verlangte aber imn, daß man dieses„köst. liche, den Geist allerdings wenig anregende Proletenmahl ge° hörig verlängere und vermehre", damit alle des Genusses an ihm teilhaftig würden, was sich Kempen auch nicht zweimal sagen ließ. Sörgel bekam zu tun: er suchte den größten Blechbehälter hervor, griff noch einmal tief in den Erbsensack, ging aufs neue zum Schlächter und borgte sich dann Teller, das nötige Besteck und Gläser zusammen, was für seine großen Verbin- düngen sprach, die er bereits in der Nachbarschaft angeknüpft hatte. Zugleich mit ihm machte sich Lorensen auf die Strümpfe, um für Wein und Zigarren zu sorgen, nebenbei aber auch auf Kosten Nuschkes für verschiedene Delikatessen: denn der Musiker hatte eingesehen, daß es bei aller Hochachtung vor dem Tagesgericht eine Versündigung an dem Magen sein würde, wenn man den guten Tropfen nicht mit edleren Dingen in Zusammenhang brächte. Zuvor hielt Kempen es für seine Pflicht, dem Blonden besonders einzuschärfen, nicht ellva Sekt zu bestellen, denn es kam öfters vor, daß Lorensen in seiner Einbildung ein Zwanzigmarkstück fiir das Dreifache ansah und sich dann stets wunderte, wenn die Rechnung nicht stimmte. Walzmann, dem die Moneten wieder ausgegangen waren, erschien heute auffallend gedrückt trotz der Aussicht, die Bummelwoche würdig beschließen zu können. Die Liederlich- keit in seinem Aeußeren hatte ihren Höhepunkt erreicht, was ihn aber nicht abhielt, sich unter der Jugend wie ein ehren- spendender Großer zu bewegen: denn blind geworden in seiner Tretmühle, hatte er kein Auge für diese Vernachlässigung, die ihn bereits sprichwörtlich anhing. Noch innner im slocktgen Winteriiberzieher, den er erst nach vielem Sträuben abzulegen pflegte, weil er sich eines einwandsfreien Rockes darunter nicht ganz sicher war, schob er sich durch das Atelier und zwang den schiefen Kopf überall dorthin, wo es für ihn etwas zu schen gab. „Du, der Kerl da, der ist doch von Dir. Seh ich sofort," raunte er Kempen zu, indem er mit dem Ellbogen hinterwärts auf den Faun deutete.„So etwas kann er nicht. Weiber- schmiere, die liegt ihm, dreizehn aufs Dutzend." Schmarr meinte plötzlich, daß der?lnbau ein vortreff- liches Atelier für ihn abgeben würde, falls man sich entschließen könnte, ein größeres Fenster zu machen; überhaupt zeige sich hier eine Raumverschwendung, die fiir obdachlose Bildhauer wie geschaffen sei. Vorläufig habe er ja noch bei Griepel, dem alten Bereinsschuster, ein Unterkommen, bei dem er äugen- blicklich Engelreliefs fabriziere; wenn aber Kempen später mal so freundlich sein wolle, an ihn zu denken, dann—. Er könne ein paar hübsche Kinderporträts bekommen, süße Schnutchen, die ihm Freude machen würden; hier könne er doch anständige Leute empfangen, bei Griepel sei der reine Pferdestall, der als Hauptzierde eine alte Strohdecke enthalte. Er stand neben Walzmann, was beide nicht gut kleidete. Während Kempen ihm alles zusagte, machte der Alte Kehrt und ging zu dem schlanken Blankert; trotzdem rief er zurück: „Würde Dir gern meine Scheune anbieten. Kleiner, aber da gibt's nicht mal'ne Strohdecke. Brauch ich auch nicht. Komische Welt!" Der Wein kam, und man probierte die erste Flasche, während Kempen die Leckerbissen noch zurückhielt, denn er wollte nicht umsonst gekocht haben. Der Maler, angeregt durch den Rotspon, stelzte dann vor den übrigen auf und ab und rief wie unsinnig:„Ich will auch einen Gönner haben, her mit meinem Gönnerl Wo ist mein Gönner? Wo steckt dieser Lump? Daß ich ihn an seinen Haaren herbeischleife— falls er noch welche hat—, um ihn meinem Talent dienstbar zu machen." Er sprach das mit einer so wilden, dramatischen Gebärde, daß alle in unbändige Heiterkeit gerieten, und selbst der schöne Anton, der heute seinen außergewöhnlichen Sonntag winken sah, beim Kokseinwerfen in den Ofen mit einer Vertraulichkeit seine Lachsalve losplatzte, als wären das alles die besten Bs- kannten von ihm. Nuschke sprang in den Nebenraum vor das Klavier unL entrang seiner Jammerkehle, begleitet von einer Opern- melodie, den Text:„Wo ist mein Gönner, dieser Lump? Wo steckt der Kerl, der Ha— lunke? Daß ich ihn schröpfe, wür— ge, mar— del Ersöffe er in Sekt, ich würde la— chen, ich armer La— za— rus!" Plötzlich, als die Lusfigkeit darüber den Höhepunkt er- reicht hatte, wurde die Klingeltür, die direkt in den großen Raum führte, aufgerissen, und Professor Heilte rief laut hinein:„Guten Tag, Lorensen. Haben Sie Modell? Akt? Doch nicht mit Musik?" Er hatte Ursache zu dieser Frage, denn draußen stand seine älteste Tochter, die den warmen Muff gegen das Gesicht drückte und leise hineinkicherte gleich einer neugierigen Dame, die noch nicht weiß, was sie erleben wird. Während Kempen bei sich dachte:„Die haben noch gerade gefehlt," faßte sich Lorensen sofort, sprang dem Berühmten entgegen und tat so, als wäre im Atelier wirklich etwas für weibliche Augen nicht in Ordnung. Er schob die Gesellschaft in das Zimmer ab, ersuchte sie, sich ein Weilchen still zu ver- halten, zog dann den Vorhang zu und warf sich fix in sein Sammetjackett. Heilke kam zu ihm. dieser große Mann, den neulich der Kaiser besucht hatte und der selten seinen Fuß zu einem der Unbekannten setzte! Und obendrein brachte er eine seiner Damen mit. Welche Ehre, welche Auszeichnung! Schade nur, daß es nicht ein anderer Tag war. Lorensen jedoch verlor keinen Augenblick den Kopf, denn dieses Glück erhob ihn, gab ihm sozusagen plötzlich ein Relief bei dem Gedanken, immerhin doch schon etwas sein zu müssen. „Hermann, mach Dich etwas propper, sei so gut... Anton, ziehen Sie sich den Rock an. Sie haben jetzt Diener zu spielen. Lachen Sie nicht wieder so dämlich... Was ist denn da zu knurren, Hermann? Das kann uns doch nur nutzen, wir steigen eben." „Kriecherl" drang es dumpf herein, wie aus einem ver- lorenen Winkel, aufgefangen durch eine Stoffwand. Walz- mann schien es gegrunzt und dadurch unterdrücktes Lachen hervorgerufen zu haben. Aber Lorensen achtete nicht darauf. Im Augenblick war seine Einbildung wieder von den alten Vorstellungen� erfüllt: von der gleißenden, vornehmen Welt da draußen, in der es sich so schön lehen ließ, wenn man viel Geld hatte und etwas war. Lange hatte er sie gemieden, mit der Rücksichtslosigkeit des unbeholfenen Gesellschaftsmenschen, fast mehr aber noch unter dem Druck des starrsinnigen Freun. des, der eine so seltsame Macht über ihn ausübte. � Noch einen Blick in das Spiegelglas, und er war hinausgeeilt, um mit einer Entschuldigung das Paar hineinzubitten." „Ah, wohl Ihr Freund Kempen? Freut mich, habe schon von Ihnen gehört," durchschnitt Heilke sofort die Vorstellung mit der Höflichkeit des vielbewanderten Mannes, der ein ab- gerundetes Benehmen zeigt. Verbindlich fügte er dann hinzu: „Was hatten Sie doch gleich ausgestellt, was war's doch? Eine Hebe, nicht wahr? Solide Arbeit, ich entsinne mich." Dann aber ging er in eine Art höflicher Entrüstung über.„Wie, Sie haben noch gar nicht ausgestellt? Nirgends? O, o, mein Bester, das tut mir leid." Ein Künstler, der nicht die Ausstellung beschickte, zählte für ihn noch nicht, denn als oft gewähltes Mitglied der Jury fühlte er sich gewissermaßen verletzt, sobald man es gewagt hatte, sein Urteil nicht zu Rate zu ziehen, wenigstens für Berlin nicht. Schließlich bat er um Entschuldigung. Es liege eine Namensverwechselung vor, die angesichts der vielen Bild- Hauer, die jahrein, jahraus den Nachschub verwehrten, verzeih- lich wäre. Anton kam herein und nahm ihm etwas tollpatschig den schweren Kaisermantel mit Pelzkragen ab, dazu den braunen, Keichen Sammech'uk, 8en er eingebeult trug. So stand er nun da als ein geschmeidiger, eleganter Mann, der, obgleich das dünne, in Locken um die kleine Glatze liegende Haupthaar und der wohlgepflegte Vollbart von etwas rötlicher Färbung schon von starkem Weißgrau durchzogen waren, noch immer das er- fichtliche Bestreben zeigte, stets tadellos und modisch gekleidet zu gehen, von der ewig hellen Krawatte mit Gemme, über die unausbleiblich weiße Weste hinweg bis hinab zu den Knöpf- stiefeln mit Arabeskenspitze. Es gab einige nichtssagende Redensarten, woran auch Fräulein Marianne sich beteiligte. Selbstverständlich legte sie nicht ab, sondern knöpfte nur nachlässig den mit Persianer besetzten, anschließenden Mantel auf, in dem sie wie ein reifer Pfirsich steckte. Sie war groß wie ihr Vater, dessen gerades Profil sie auch hatte, das ihrem Gesicht etwas Langweiliges gab. Nur aus den grauen Augen, die sie gern forschend spielen ließ, sprach die Klugheit des geweckten Mädchens, das alles bereits kennt und weiß, sich aber vortrefflich in der Ge- Walt hat. so zu tun, als wären ihr gewisse Dinge böhmische Dörfer. - Lorensen bot ihr einen Stuhl an, den sie aber mit einem gnädigen Nicken verschmähte. Als Tochter eines anerkannten Bildhauers verstand sie etwas von Atelierdingen, und so wollte sie erst ihre Neugierde befriedigen. Langsam schleifte sie den Kleidersaum über die Fliesen und begann ihre Musterung, wobei sie hin und wieder an Lorensen eine Frage stellte und zugleich ihre Bemerkungen daran knüpfte, die stets das Rich- tige trafen. Aber ihr dritter Satz war jedesmal:„Papa, sieh mal, das ist nett." Und dann kam das große Wort:„Der Faun imponiert mir. Da ist Kraft drin. Was, Papa?... Uebrigens ist die Nymphe auch hübsch. Aber der Faun ge- fällt mir besser. Bedeutend I" Im Innern gestand sie sich, daß ihr alle diese nackten Frauengestalten gestohlen bleiben könnten, wobei sie in Gedanken nur nachplapperte, was eine ständige Redensart ihrer Mutter war; namentlich Nymphen und Nixen, die nur das in der Sagenwelt vorstellten, was im modernen Leben geUnsse verführerische Dämchen waren, die es mit der Treue der Männer nicht genau nahmen. „Ja. hör mal, da hast Du recht," warf Heilke ein, der sich jedesmal freute, sobald sein Lieblingskind den Scharfsinn ihres Vaters bewies.„Das haben Sie brillant gemacht. junger Freund, das ist ein Zug zum Großen. Man sieht doch, Sie haben bei mir etwas gelernt." Unwillkürlich blickte er um sich, denn es war ihm, als hätte nian dazu gelacht, aber es mußte wohl draußen im Garten gewesen sein. Diese Behauptung duldete keinen Widerspruch, so daß Lorensen nur freudig lächelte, beglückt darüber, so etwas aus dem Munde eines bewährten Sachverständigen zu chören. Und diesmal sah er sich nicht nach Kempen um, der seitwärts wie ein gänzlich Unbeteiligter sich irgend eine Beschäftigung machte und nur bei sich dachte:„Hoffentlich gehen sie bald wieder." Er hörte nicht auf das, was sie sprachen, wie es Lorensen eben- sowenig einfiel, sich gegen das unverdiente Lob zu wehren. Was eben der eine nicht machte, tat der andere! Und wenn der Faun ihm. Lorensen, zugefallen wäre, dann hätte er ihn eben- so vortrefflich gemacht. Basta! Kempen blickte erst auf, als Heilke, der fortwährend mit seinem stark parfümierten rotseidenen Taschentuch kokettierte, ganz unvermittelt fragte:„Sagen Sie, wer ist denn Rens- dahl?" Sofort kam auch die Erklärung für diese Frage. Vor vier Wochen sei er in Hamburg gewesen, wo es sich um eine Konkurrenz handelte; da habe er zufällig ein altes Zeitungs- blatt mit der Notiz über Lorensen in die Hände bekommen. „Nun kann ich mir ja erklären, warum Sie sich so selten machten, Sie Undankbarer, Sie," fuhr er lachend fort, aber doch mit der Geschraubtheit des Mannes, der sich ein wenig ärgert, bei einer solchen wichtigen Angelegenheit ganz über- gangen worden zu sein.„Aber natürlich doch, wenn» einem plötzlich so gut geht... Dann muß der Meister zu seinem Schüler kommen. Aber es machte sich gerade heute so, wir hatten in der Nähe eine Besorgung... eigentlich drängte mich meine Tochter dazu, denn ich, wie gesagt... ich war recht böse auf Sie." Rasch warf Marianne ein:„Sie sind mir also eigentlich Dank schuldig, Herr Lorensen, wenn ich Papa gegen Sie wieder umgestimmt habe. Ucbrigens mache ich so einen Atelierbummel manchmal ganz gern. Man sieht doch mal etwas anderes." ''(Fortsetzung folgt.)) (Nachdruck»ervsten.Z Zwei ßerebwerden* Von August Winni g.*) Als wir von dem im Herzen Deutschlands gelegenen Sammel- platz unter starker militärischer Begleitung nach dem fernen Osten, zu unserm Truppenteil, transportiert wurden, nahm in unsernr Coupe ein Sergeant mit einigen Genreinen Platz. Der Sergeant war ein Mensch, an dem der Blick nicht ganz flüchtig vorübergehen konnte. Obwohl er noch nicht besonders alt war, hatte er doch schon stark ergrautes Haar. Aber trotz diesem Zeichen verrauschten Lebenslenzes war er noch ungemein frisch und wußte anregend zu erzählen. Ohne zu ermüden, gab er bereitwillig Antwort auf unsere vielen Fragen nach dem Wo? und Wie? unserer Zukunft. Es ver-> steht sich, daß wir ihn weder hungern noch dursten ließen, und da er ein Sergeant war, so war es auch selbstverständlich, daß er unsere Gaben gern annahm. Aber er tat es nicht mit der Geste der Selbstverständlichkeit, mit der etwa ein Despot den Tribut seiner Vasallen einsackt, sondern mit bürgerlich-höflichen Manieren und einem verbindlichen Lächeln aus den Lippen. Das machte ihn uns angenehm. Es war wenig vom Vor-- gesetzten in seinem Gehaben und darum wurde auch unsere Unter- Haltung ziemlich frei. Ja, als wir Berlin passierten und vom Bahnhof Friedrichstraße die in der Herbstsonne flimmernde Kuppel des Reichstages erblickten, wagte ich sogar die Bemerkung, das sei das letzte Zeichen bürgerlicher Freiheit, von der wir nun Abschied nehmen müßten. Er lächelte dazu und meinte, ich könne schon recht haben. Damit kam unser Gespräch auf Politik und insbesondere auf ihren Zusammenhang mit der Armee, und wer im Reichstag am meisten für sie einträte.„August Bebel!" sagte ich. „Sie meinen wegen der Mißhandlungen?" fragte der Sergeant. „Jawohl! Denn darunter leiden die Soldaten am meisten. Ich begreife wohl die Scheu mancher Leute, ihr Beschwerderecht zn gebrauchen, aber ich meinerseits werde es anders halten. Ich würde ohne Zagen jeden melden, der mich mißhandelte, und wollte einmal sehen, ob man wirklich das Recht des Untergebenen unter die Füße tritt!" Der Sergeant sagte nichts darauf. Er bat mich um Feuer, um seinen Stummel anzuzünden; ich reichte ihm Feuer und Zigarren gleich dazu, er nahm und rauchte und sah mich durch den Qualm lächelnd an. Nachher sprachen wir über andere Dinge, über Land und Leute im Osten und kamen auf unser Beschwerdethema nicht wieder zurück. Sonst aber verkehrten wir so nett und liebenswürdig wie vorher. Als wir später in die Kompagnien eingeteilt waren und am folgenden Tage zur Einkleidung antrateu, entdeckte ich zu meiner ziemlichen Ueberraschung, daß ich gerade in die Kompagnie gc- kommen war, der auch mein treffen- und knopsgeschmückter Reise- begleiter angehörte. Der Sergeant erkannte mich auch gleich wieder und half mir beim Verpaffen der Kleidungsstücke, aber etwas hatte er von seiner Liebenswürdigkeit schon eingebüßt. Sein Lächeln war weniger verbindlich als spöttisch. Ich sah das und wunderte mich nicht weiter darüber. Dienstlich hatte ich mit ihm wenig zu tun. Erst als wir nach mehreren Wochen die Gewehre erhielten, womit die Ausbildung im Zielen als erste Stufe der Schietzausbildung anfing, sah ich ihn wieder. Bei diesem Dienst war er mit einem Vizefeldwebel die Hauptperson. Dieser Feldwebel war ein ganz unausstehlicher Mensch, ein Wichtigtuer, Schauspieler und Leuteschinder. Ei» Pole von Geburt, hatte er beim Militär seinen Namen germanisieren lassen, aber seine Knechtsnatur schimmerte unter dem Firnis preußischer Unteroffiziersbildung immer wieder durch. Sobald wir uns nur gesehen hatten, waren wir uns gegenseitig über unsere Beziehungen zneinandcr klar. Er verfolgte mich mit all der klein- lichen Schikane, worin diese Sorte so unerreicht Meister ist. Einmal hatte ich ein Gewehr auf einen Punkt der Scheibe einzurichten. Er kontrollierte und fragte mich, wohin das Gewehr zeigen solle. „Acht kurz," sagte ich. „Ist das acht kurz?" fragte er pikiert. Ich sah noch einmal durch und meinte, ja, es sei genau dahin eingerichtet.' „Ich sage, es ist nicht acht kurz!" schrie er mich an. Dann ging er noch einmal ans Gewehr, visierte, verschob es heimlich und rief den Sergeanten. „Sagen Sie dem Kerl mal, was er da zusammengerichtet hat." krähte er affektiert. Der Sergeant sah hin.„Das ist in meinem Leben nicht acht kurz. Drei kurz links, eine Hand breit vom Strich!" sagte er, mich vorwurfsvoll anblickend. Der unfern Lesern bereits aus der„Neuen Welt" her be- kannte Verfasser läßt unter dem Titel Preußischer Kommiß eine Sammlung von Soldatengeschichten im Verlag der Buchhandlung Vorwärts erscheinen.