Ar. 21, Adomemknts-Kcdinzungen: AbonnemenIZ- Preis pränumerando: vierleljährl. 3�0 Mr, monatl. l,l0Mr� wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hauch einzelne Nummer S Psg. Sonntagi» Nummer mit illuflrierler Sonntag«. Beilage„Die Neue Welt" lv Pfg. Post» Pbonnement: 3,30 Mark pro Quartal. eingetragen in der Post- Zeitung«. Preisliste für 1900 unter Nr. 7971. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erfcheiul täglich nutzer Moulug«. Devltnev VulKsWakt. 17. Jahrg. Dir Inftrtions- Gebühr »-trägt für die fechSgefpaltene Kolonel. ,eil« oder deren Raum«o Pfg.. für politisch« und gewerkschaftliche Verein«. und Versammlung«-Anzeige» 20 Pfg. „Kleine Anfeigen" jede« Wort 6 Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi« t Uhr nachmittag» in derSrpeditionabgegebeu werden. Die Erpcdition ist an Wochen- tagen bi« 7 Uhr abend», an Sonn- und Kestlagen bi« 8 Uhr vormittag« geöffnet. Ferufprecher: Amt l, Nr. IVOS, Telegramm-Adresse: „Sorinldemokrnt Berlin" Centralorgan der locittldemokratiMen Parter Deutschlands. «rdälitioii! SW. 10, Veulh-Stratze 2. Freitag, den JJ6. Januar 1900. Expedition: SW. 19. Venth-Strasze 3. � für den Auslaudsdicnst; Eine erbärmliche Flotte. Nachdem der Bundesrat unnötigeriveise zu einer Schcmberatung über die neue Flottenvermehrung bemüht wurde, ist nunmehr der Regierungsentwurf fertig gestellt und wird in einer besondeni Aus- gäbe des„Rcichs-Anzeiger" mitgeteilt. Die Vorlage entspricht durch aus den Ankündigungen des Reichskanzlers bei der ersten Lesung des Etats im letzten Dezember sowie den Mitteilungen, die in den letzten Tagen darüber in die Oeffentlichkeit gelangten. Die Vorlage besteht aus drei Paragraphen: 1. Schiffsbestand. § 1- 1. Der in dem Gesetz, betreffend die deutsche Flotte, vom 10. April 18S8 festgesetzte Schiffsbestand wird vermehrt uni: ») verwendungsbereit: 1 Flottcnflaggschiff, 2 Geschwader zu je 8 Linienschiffen, 2 Grosze Kreuzer 1 als Aufklärmigssckuffe der 8 Kleine Kreuzer/ heimischen Schlachtflotte, ° mS Ä> b) als Material reserve: 2 Linienschiffe, 1 Grotzeu Kreuzer 2 Kleine Kreuzer vermindert um: 2 Divisionen zu je 4 Kiistenpanzerschiffcn. 2. Ans diese Vermehrung kommen die 8 Küsteupanzerschiffe bis zu ihrem Ersatz als Linienschiffe in Anrechnung. II. Jndicnsthaltnnacn. § 2. Infolge dieser Vermehrung gelten bezüglich der Jndienst- Haltungen der heimischen Schlachtflotte folgende Grundsätze: 1. Das erste und zweite Geschwader bilden die aktive Schlachtflotte. das dritte und vierte Geschwader die Reserve- Schlachtflotte. 2. Von der aktiven Schlachtflotte sollen sämtliche, von der Reserve-Schlachtflottc soll die Hälfte der Linienschiffe und Kreuzer dauernd im Dienste gehalten werden. 3. Zu Manövern sollen einzelne'autzer Dienst befindliche Schiffe der Reserve-Schlachtflotte vorübergehend in Dienst gestellt werden. III. Bereitstellung der Mittel. 8 3- Die Bereitstellung der infolge dieses Gesetzes erforderlichen Mittel unterliegt der jährlichen Festsetzung durch den Rcichshaus- Halts-Etat. Aus der Begründung ist nach einem ausführlichen Aus- zuge der.Verl. Korrcsp.' folgendes mitzuteilen: Der Schiffsbcstand. Der neue Sollbestand der Flotte, soweit er gesetzlich festgesetzt wird, zählt also insgesamt 38 Linienschiffe, 20 große und 45 kleine Kreuzer; von diesen Schiffen gehören zur Material- reserve 4 Linienschiffe, 4 große und 6 kleine Kreuzer. Des weiteren treten hinzu die im Gesetz nicht festgelegten Torpedo-Fahr- zeuge, Kanonenboote, Schul- und Special schiffe. Abänderung der bisherigen Bestimmungen über die Jndicnsthalttwgcn sieht Z 2 des Gesetzentwurfs vor. und zwar werden damit zugleich die Grundsätze für die Gliederung und die Kriegsbereitschaft der heimischen Schlachtflotten gegeben. Danach bilden künftig das erste und zweite Geschwader die aktive Schlachtflotte, das'dritte und vierte die Reserve- Schlachtflotte. Von der altiven Schlachtflotte sollen sämtliche, von der Reserve-Schlachtflotte die Hälfte der Schiffe dauernd in Dienst gehalten werden: außerdem sollen zu Ma- növern einzelne außer Dienst befindliche Schiffe derReserve-Schlochtflotte vorübergehend in Dienst gestellt werden. Die aktive und die Reserve- Schlachtflotte unterscheiden sich aber nicht nur durch ihre Kriegs- bereitschaft, sondern auch durch die Qualität der Schiffe; die aktive Flotte soll nämlich die neuesten und besten Linienschiffe und Kreuzer erhalten, die Reserveflotte die ältern. Gründe. Dem Gesetzentwurf ist. wie die„Berl. Korresp." weiter ausführt, eine Begründung beigegeben, die.die Notwendigkeit, den Umfang und die Durchführung der Flottenverstärkung, die Finanzfragc sowie die Unerläßlichkeit der gesetzlichen Festlegung der Vermehrung behandelt'. Des weiteren ist eine Reihe von Anlagen über die Organisation der heimischen-Schlachtflotten, über Schiffsbauten und Armierungen, fortdauernde Ausgaben und die.mutmaß« liche Gestaltung de» Marine-EtatS" in den nächsten 20 Jahren beigefügt. Endlich erhalten wir in der Beilage:.Die Steigerung der deutschen See-Jntcresscn von 1896 bis 1898" eine Uebcrsicht über die wirtschaftliche Entwicklmig, soweit sie für die richtige Würdigung der Flottcnfragc in Frage kommt. .Die Notwendigkeit der Verstärkung der Kriegsmarine wird mit dem Hinweise darauf begründet, datz für das heutige Deutsche Reich die Sichening seiner wirtschaftlichen Entwicklung, insbesondere seines Welthandels, eine Lebensfrage ist. Zu diesem Zwecke aber bedarf das Reich des Friedens nicht nur zu Lande, den durch 30 Jahre hindurch seine starke Armee aufrecht erhalten hat, sondern auch zur See. Ein Seekrieg, namentlich ein solcher um Handels- intcreffen. wird voraussichtlich von langer Dauer sein, und ein un- glücklicher Seekrieg von selbst nur einjähriger Dauer würde Deutsch- iands Sechandcl vernichten und damit die verhängnisvollsten Zu- stände herbeiführen. Das jetzige Flottengesetz hat die Mog- lichkeit eines großen Seekrieges noch nicht in Bettacht ge- zogen, weil es 1897 zunächst darauf ankam, die Flotte von 1373 zu retablieren. Die Vermehrung beschränkte sich damals auf diejenige geringe Zahl von Linienschiffen, welche erforderlich war, um die unsren taktischen Erfahrungen entsprechende Formatton bilden zu können. Größeren Seemächten gegenüber konnte und sollte damals, wie ausdrücklich gesagt worden ist, die Flotte nur die Bedeutung einer Ausfallflotte haben, die ivohl vom Hafen aus mit einem kühnen Vorstoß auch gegen einen überlegenen Gegner einen erfolgreichen Ausfall machen, niemals aber eine Blockade auf die Dauer verhindern kann. Deutschland mutz so stark zur See sein, daß ein Krieg.für jede Seemacht ein solgenschwcres, gefährliches Wagnis ist". Dazu sei die Verdoppelung der im jetzigen Flottengesetz vorgesehenen zwei Geschwader nötig. .Außer der Verstärkung der Schlachtflotte erweist sich aber auch eine Vermehrung der AuSlandSschiffe als notwendig. Unser Scchandel, unsere Seeschiffahrt, der gesamte Wert unserer Sce-Jnteressen sind bedeutend gestiegen, die Pachtung von Kiautschon und die Erweiterung unsrcs Kolonialbesitzes haben schon jetzt mehr Auslnndsschiffe erfordert, als seiner Zeit planmäßig im Flottengesetz vorgesehen waren, und hätte man mehr Schiffe zur Hand gehabt, so hätten auch diese noch hinaus gesandt werden müssen. Wenn aucki das Maß der Vermehrung nicht sicher zn bestimmen ist, so kann alö Minimum für die nächsten 1ö bis 20 Jahre doch ein Zuwachs von sechs großen und sieben kleinen Kreuzern nicht entbehrt werden. Wird die Aufgabe dieser Auslandsschiffc, die deutschen Interessen im Frieden überall kraftvoll zu vertreten, ausreichend erfüllt. so sammelt damit Deutschland Früchte ein, die die durch seine Schlachtflotte geschaffene Sccgcltnng reifen läßt." Der Bauplan. Der Bauplan ist in der Borlage so gedacht, daß in den Jahren 1902—1913 die größte Zahl der neuen Schiffe gebaut, während 1901 und 1914—1917 mehr mit Ersatzbautcn belastet werden sollen. Der Gesamtbedarf von 41 großen Schiffen, Neu- und Ersatzbauten, soll so verteilt werden, daß pro Jahr durchschnittlich drei auf Stapel ge legt werden. Achnlich sollen zur Herstellung der Gesamtzahl von 43 kleinen Kreuzern jährlich etiva drei in Bau genommen werden. Das Personal. Die Vermehrung des nnlitärischcn Personals wird bis zum Jahre 1920, Ivo die 1916 in Bau gegebenen Schiffe kriegsbereit sein werden, auf 35 551 Köpfe berechnet; und zwar werden m ehr erforderlich: im Jahresdurchschnitt WZ See- Offiziere, 14 Marine- Ingenieure, 9 Acrzte, 6 Zahlmeister, 1687 Mannschaften. „Es ist in Aussicht genommen, während der ersten 10 Jahre. die mit der Bereitstellung des dritten Geschwaders sind der Vcr- mehrung der Auslandsschiffc ausgefüllt werden sollen, eine höhere Personalvermehrung als die durchschnittliche und in den letzten 10 Jahren sErsatz der minderwertigen Schlachtschiffe des vierten Geschwaders durch vollwertige Linienschiffes eine entsprechend niedrigere Pcrsonalverniehrung zn fordern. Das zu einer solchen Vermehrung erforderliche Berufspcrsonal läßt sich durch jährliche Einstellung von 200 Scekadetten und 1000 Schiffsjungen beschaffen, und nach den Erfahnmgen der letzten Jahre unterliegt es keinem Zweifel, daß dieser Bedarf auch wirklich gedeckt werden kann, vorausgesetzt, daß die Erweiterung der Marine gesetzlich sichergestellt und dadurch ge währlei st et ist." Die Kosten. Der dritte und letzte Paragraph der Vorlage bestimmt:„Die Bereitstellung der infolge dieses Gesetzes erforderlichen Mittel unterliegt der jährlichen Festsetzung durch den Reichshans haltS-Etat." Es f e h l t in dem EntWurfe die Bestimninng einer g e s c tz lichen Beschaffungsfrist, wie sie da« Gesetz vom 10. April 1893 in dem Sexennat enthält. Die Begründung berechnet unter Berücksichtigung von Preis- steigerungcn,'Umbauten, Verstärkung der Artillerie und der Mnnitions- ausrüstung, dieJahreskosten für Schiffsbauten und Armierung auf jährlich 100 Millioncn Mark scinschliehlich Bau von Kanonenbooten und Specialschiffcn). Für Erweiterung der Werften, Hafenanlagen. Depots, Kasernen. Lazarette, Küsten'- bcfestigungcn usw. werden veranschlagt für die ersten 10 Jahre jähr- lich 18. fiir die nächsten 10 Jahre ein allmähliches Hernbgche» aus OMill.M. Dazu tritt weiter eine d u r cb s ch n i t t l i ch c j ä h r l i ch e Steige- rung der fortdauernden Ausgaben um 5,4 Mill. M. und ein Anwachsen des Pensions fonds im Laufe der nächsten zwei Decennicn auf das D r e i f a ch e des jetzigen, 3,6 Millionen betragenden Bedarfs. Schließlich sind noch die zährlichen Mehrungen der S ch u l d z i n s e n zn berücksichtigen. Einer Uebersicht über die mutmaßliche Entwicklung deS Marine-EtatS tverden folgende tabellarisch zusammengestellten Ziffer» entnommen, die zugleich einen Vergleich mit den heutigen Ausgaben erniöglichen: .A.. Marine. Etat im Jahre 1900 1901 1905 1910 1916 Mill. M. Einmalige Ausgaden Schiffbau und Armierung Werst- und Hafenbauten Fortdauernde Ausgaben Sonstige Ausgaben für Marinezwecke MarinepcnsionS-Etat... Verzinsung der Anleihe� 69.5 8.9 73,9 3,6 12,5 100 13 100 18 100 18 100 12 79.9 103,9 133.9 162.7 8.9 5.4 15,2 24,6 252 217 7.2 9.4., 33,6 39,4.„ 292,8 323,3 Mill. M. Gesamtausgaben 168,6 Zur Finanzierung der Kosten, die die FlottenverftSrknng erheischt, schlägt die Begründung deS Gesetzentwurfs vor, von der Gesamt- höhe der einmaligen Ausgaben(18S1 Millionen Mark) auf Anleihe 769 Millionen und auf ordentliche Ein- nahmen 1092 Millioncn zu übernehmen. Selbstverständlich fallen die fortdauernden Ausgaben ebenfalls auf die ordentlichen Einnahmen. Neben der sich auf 16 Jahre verteilenden Anleihe im Gesamt- betrage von 769 Millionen Mark ist eine d u r ch s tb n i t t l i ch e jährliche Steigerung der ans ordentlichen Einnahmen zn deckende» Mehrausgaben seinschließlich Pensionen und Schuld- zinsen) von 11 Millionen Mark vorgesehen. Hierzu bemerkt die Begründung:„Die bisherige Entwickelüng der Reichsfinanzcn laßt cnvartcn, daß sich eine jährliche Steigerung der Beanspruchung der ordentlichen Einnahmen für Marinezwecke in der vorstehend be- rechneten Höhe ohne neue Steuern decken lassen wird". Im letzten Jahre betrug die Steigerung 14 Millionen Mark. Die„Begründung" der Vorlage könnte mit gleicher Ueber- zeugnngskraft zu jeder beliebigen Flottenforderung vorgebracht werden. Es ist in keiner Weise auch nur der Versuch gemacht worden, zu beweisen, daß sich seit dem 23. März 1893, dem Tage der Annahme des jetzigen Flottengesctzes durch den Reichstag, die Verhältnisse irgendwie in damals unabsehbarer Art ge- ändert haben. Allerdings wird jetzt gesagt, die jetzige Flotte sei nur als A u s fa lls f l o t t e hinreichend, könne aber eine Blockade nicht auf die Dauer verhindern. Jeder- mann weiß aber, wie Fürst Hohenlohe und Admiral Tirpitz bei der Beratung des jetzigen Flottengesetzes eine völlige Sicherstcllnng Deutschlands gegen alle möglichen von außen drohenden Gefahre» nach der Durchfühnmg dieses Gesetzes verheitzen haben. Wie der Reichstag die damaligen Erklärungen der Regierungs- Vertreter aufgefaßt hat, daß zeigt folgende Acnßerung des Abg. v. Bennigsen am 24. März 1893: „Aber auf der andern Seite müssen wir doch eigentlich froh sei», wenn eine verantwortliche Verwaltung jetzt mit Bestimmtheit erklärt: nach allen Erfahrungen, die wir gemacht haben in unserem Lande und in andern Ländern, und nach den Fort- schritten der Technik, wie sie sich definitiv herausgestellt haben, nach den Bedürftiisscn einer großen Marine ist das und das für Deutschland als notwendig und ausreichend Gegebene; wir glauben, daß daniit ein dauernder Rbschlntz gewonnen werden kann.... Speciell hat der Herr Staatssekretär des Reichs- Marine- Amts in der Kom- Mission eingehend und ausführlich dargelegt, datz in der Vermehrung der Flotte um 7 Linienschiffe und 9 AufklärungS- schiffe gegen den bisherigen Zustand erreicht wird, daß wir in unseren Meeren, in der Ostsee u n d d e r N o r d s e e, anch der grösftcn Marinemacht gegenüber im stände sein würden. eine Seeschlacht zu wagen." Jetzt ist das Flottcngesctz, das einst als Maximum des zu Erreichenden hingestellt wurde, nichts mehr. Jetzt gilt plötzlich da« Doppelte als Mindestes. Jetzt soll die Flotte stark genug gemacht werden, um in offener Seeschlacht cS gegen jede feindliche Flotte anfznnchmen. Wenn dies das Ziel ist, wen» man von einer Blockade phantasiert etwa durch die Gesnmtflotte Frank- reich« oder Englands, allerdings dann müssen wir mehr Kriegsschiffe haben, ja dann reichen die neuen zwei Doppelgcschwader ganz und gar nicht. Dann müßten wir— vorausgesetzt, daß uns bis zur Fertigstellung des„bitter Nötigen" nicht längst der böse Feind blockiett und aus- gehungert hat— mindestens noch ein fünftes, sechstes, siebentes und achtes Doppclgeschwader haben. Aber auch das würde nichts nützen, denn bekanntlich sind die auswärtigen Staaten auch nicht lässig und fahren auch ihrerseits fort, neue Geschwader zu bauen und so müßte die Blockadenot uns stets in gleichem Maße peinigen, wenn nicht diese Blockade überhaupt nichts wäre als eitel Gespensterspnk. Diejenigen Staaten, deren Flotte stärker ist als die unsrige, müssen weitaus größere Küstenstrecken schützen als wir und keine von ihnen kann jemals ihre gesamten Streitkräfte in die Nordsee werfen. Wäre aber irgend eine Gefahr vorhanden, so könnte sie nicht durch Vcrmehrmig unsrcr Kriegsschiffe, sondern nur durch Herbeiführung eines frenndschaftlichen Verhältnisses zu den Staaten, die zur See so übermächtig sind, wie wir zu Lande, gemildert werden. Statt sich auf diese Wege zu begeben, erschöpft sich die deutsche RegierungS« Weisheit in tollen und aussichtslosen Versuche», im Wettrüsten der Mächte zugleich die erste Landmacht und die erste Seemacht zu werden. Deutlicher denn je ist in der Begründung gesagt, wohin die Flottenjagd geht. Jeder, anch der mächtigsten Flotte will man ebenbürtig werden. Auf diesen Gedanken würde man nicht verfallen, wenn eS nur den Schutz der heimischen Küsten und der Sicherung des Handels gälte. Aber man strebt hinaus über den ganzen Erd- ball, man läßt sich narren von der PhantaSmagorie eines„größern Deutschland". Die Begründung sagt selbst, daß die Er- Weiterung unsrcs Kolonialbesitzes jetzt mehr AuSlandSschiffe erfordere. Die„Plätze an der Soime", welche schon jetzt jährlich ca. 30 Millionen kosten und nichts einbringen, sollen weiter ver- mehrt werden und freilich zur Verteidigung und Vermehrung dieser in allen Weltteilen zerstreuten Wertlosigkeiten würde eine unabsehbare Vermehrung der Seemacht nötig sein. Die Begründer der Vorlage sind diesmal ehrlich genug, ausdrücklich die Forderungen der AuSlandSschiffe im neuen Gesetze alS Minimum für die nächsten 15 bi« 20 Jahre zu bezeichnen. Sie haben recht: Es ist nur eine ganz erbärmliche Flotte, die da jetzt gefordert wird. Mit solch ein paar Kähnen können wir kaum Kiautschon und die Karolinen schützen. Um den alldeutschen ZnkunstSstaat in Brasilien und Klein-Asicn zu gründen, dazu müssen wir mindestens dreifach umfassendere Vorlagen beschließen. Aber getrost. Die Vorlage der Regierung läßt ihr allen Raum, um diese erbärmliche Flotte allmählich einigermaßen zureichend zu machen. Die Borlage verlangt keine Festlegung des Zeit» r a u m S. bis zu dessen Ablauf die Verdoppelung vollendet sein soll. Man hat mit dein jetzigen Sexennat zu peinliche Erfahrungen gemacht. Die Regierung will sich nicht wieder den Vorwurf machen lassen. datz sie ihre Zusagen nicht innehält. Sie gicbt keine Zusage mehr. Sie behält sich vor, daß die Verdoppelung nicht, wie jetzt bcispiclS- halber und gänzlich unverbindlich vorgerechnet wird, erst nach 16 Jahren ferttg wird, nein der Zeitraum kann willkürlich herab- gemindert werden, und schon nach 6 oder 8 Jahren kaim eine neue Borlage, die uns von dieser erbännlichen Flotte befteien soll, dem Parlament vorgelegt werden. Festgelegt wird in der Vorlage nur die Zahl der zu bauenden Schiffe. Die Bewilligung der Mittel soll alljährlich durch den Reichstag geschehen. Scheinbar bleibt also dem Reichstag die Möglichkeit, sein Etaisrccht zu üben. That sächlich aber— und die Begriindimg spricht auch dies mit dciNkenSwertcr Januar. Deutlichkeit aus— verpflichtet sich der Reichstag, indem er die Neuorganisation der Flotte bewilligt, daß die letzten Raten, die zur Durchführung des Gesetzes nötig sind, s p ä t c st c n s nach 16 Jähren in den Etat gesetzt werden sollen. Handelte es sich beim Flottcngesetz von 1898 um eine Bindung beider Gesetz- geber, der Regierungen und des Reichstages— diese beiderseitige Bindung bildete ja den Stolz des Ccntriimsfnhrcrs Dr. Lieber!—. so soll jetzt die Regierung freie Hand behalten und nur der Reichstag soll seines Budgetrcchtö beraubt werde» auf Jahrzehute hinaus. Die nngehenreu Summen aber, die der Reichstag bewilligen soll, sie sollen aufgebracht werden aus den Zöllen und indirekten Steuern, welche das arbeitende Volk seinem kargen Dasein abringen muh, sowie aus Anleihen, durch deren Zinsen die Reichen der Banken und der Börse sich ihren FlottcnpatriotiSmus bezahlen loffftt. Das deutsche Volk weist das wucherische Ansiniic», das der Ivelt politische Aberwitz durch eine lächerlich unbcgviindctc Vorlage ihn, stellt, weit von sich._ A)olMsclzo Mebevfichk» Berlin, den 25 Ter NeichStag Beschäftigte sich heut mit einem Wurm, der nicht sterben Tann, obgleich er niemals gelebt hat— wir meinen die lex Heinze, der Versuch, durch Geldstrafen. Gefängnis und Zuchthans die llnsittlichkeit aus der Welt zu treiben. Einein jener periodischen Tugend-Anfälle entsprungen, denen die bürgerliche Gesellschaft in Momenten des moralischen Katzenjammers ausgesetzt ist, wenn sie einmal zufällig ihr eigenes Röntgenstrahlen-Bild gesehen hat,— vegetiert dieser Wurm seit einem Halbdutzcnd Jahren, schleppt sein künstlich gefristetes Dasein von Reichstag zu Reichstag, von Session zu Session, von Kommission zu Kommission Der Tilgcndanfall, dem dieser Wurm sein Leben verdankt, wurde bekanntlich durch einen okelhaften Prozeß herbeigeführt, dessen Haupthelden den Namen H e i n z e führten, woher der Name lex(lateinisch für Gesetz) e i n z e. Der Schmutz der Prostitution mit dem Zuhälter- und Verbrechertum durch die Polizei und Justiz aufgewühlt, und so entsetzlich war der Gestank, daß die respektable Gesellschaft sieh die Nase zuhielt und den heroischen Entschluß faßte, den Schmutz wegzuschaffen und der llnsittlichkeit ein Ziel zu setzen. Schein- heilige Frömwelci vereinigt sich mit naiver Oberflächlichkeit zu der Herkulesarbeit dcrAugiasstall-Ausmistung. Und natürlich half auch die politische Reaktion eifrig mit, in der Hoff nung, neue Gebiete für die Polizei und die Zuchthanspölitik zu erobern. Dem donquixotischeu Feldzug gegen die Unfitt lichkeit gesellte sich ein realistisch-berechneter Feldzug gegen die s r e t e K u n st und Wissenschaft hinzu, denen, ob an- geblichcr Unsittlichkeit, schlau crsonncne Fallen gestellt werden sollen. So kam denn mit Hängen und Würgen, durch das Zusammenwirken der verschiedensten, zum Teil einander ent gegengesctztcn Kräfte das buntscheckige Monstrum zu stände, das jetzt dem Reichstage vorliegt und mit einem studierten Ernste behandelt wird. Es gehört das zu der politischen Heuchelei, die es für notwendig hält, solchen geräuschvollen und wertlosen Scheinaktionen den Nimbus großer Haupt- und Staatsaktionen zu verleihen. So ist das Hans denn auch heute ungewöhnlich dicht bc- setzt— dichter als selbst an dem„großen Tag", wo Herr von Bülow in die Flottenreklcune Trommel ein so grausames Loch schlagen mußte. Und obgleich es ja zweifellos viele naive und auch unwissende Menschen auf der Welt gicbt. so ist doch unter den dreihundert und mehr Reichsbotcn. die heute im Haufe sind, sicherlich kein einziger, der nicht wußte, daß der vorliegende Gesetzentwurf eine Verminderung der Prostitution und des Zuhältertums ebensowenig herbeiführen wird, ivie eine Verminderung der Steuern oder Kasernen. Ter Feldzug gegen die„llnsittlichkeit" ist doch nichts Neues! Tie bürg er- liche Gesellschaft doktert, s e i t s i e besteht, an der Frage der Prostitution herum. Tapsende von Malen hat man die Prostitution beschränken wollen. Tausende von Malen ist man gescheitert. Tansende von Gesetzen, Polizciverord- nungcn sind erlassen worden, um dem„Uebel" zu steuern— und ob die„Gesellschaft" geniest hätte oder diese Tausende von Gesetzen und Polizeiverordnungcn erlassen, es wäre in der Wirkung dasselbe gewesen. Und es giebt eine ungeheure Litteratur über diese Frage, so daß jeder, der nicht a b- sichtlich blind ist. das absolute Fiasko all dieser brutalen Pfuschereien klar voraussieht. Aber— die„Gesellschaft" will ihre Tugend und Sittlichkeit zeigen, lind so wird denn mit Gewalt dieser.Gesetzentwurf durchgepeitscht. Wir Socialdemokratcn können dieses Spiel nicht mit- macheu. Die Prostitution mit ihren Begleiterscheinungen der Kuppelei und des Zuhältertums ist ein notwendiges Produkt der bürgerlichen Gesellschaft. Sie. gehört organisch zu ihr, und wird erst verschwinden mit der bürgerlichen Gesellschaft selbst. Unsere Stellung zu dem Gesetzentivurf ist damit vorgczeichnet: Bekänipfung aller auf eine Verschlechterung des jetzigen Gesetzes- stands hinzielenden Neubestinimungen, namentlich Bekämpfung der geplanten drakonischen Strafen für Handlungen, die in den socialen Zuständen wurzeln. Bekämpfung der Tendenz, für die Frauen einen andern Rechts- und Moralkodcx zu schaffen, wie für die Männer: Wahrung der Menschlichkeit auch dem sog. Auslvurf der Gesellschaft gegenüber, der thatsächlich aus Opfern der Gesellschaft besteht. Von diesem Standpunkt aus sprachen heute die beiden Redner unserer Partei: Stadt- Hagen und Bebel. Die Debatten, welche sich bis 7 Uhr abends ausdehnten, ergaben bis jetzt wesentlich die Annahme der Koinmissions- anträae. Morgen hofft man die Debatte zu Ende zu führen. Dann soll Sonnabend keine Sitzung sein. Berichtigung. Durch einen Irrtum wurde in dem gestrigen Bericht Genosse H o ch als unper Redner bei der Generaldebatte über den Anlrag aus Einbringung eines Reichs-Berggesetzes genannt. ES sollte natürlich heiße»: Genosse Sachse. der neuen viel für sich heraus- Mann sein Brot nach Möglich- jetzt Stimmung dafür zu wie seit Jahren, auch Tas preußische Abgeordnetenhaus setzte am Donnerstag die Beratung des Etats der land- wirtschaftlichen Verwaltung fort. Wiederum brachten die Agrarier bei der sich an den Titel„Gehalt des Ministers" knüpfenden Generaldebatte die verschiedensten Wünsche zur Sprache. Aber es war nicht diese Hervorhebung alter Ladenhüter, die der Debatte ihr eigentliches Gepräge gab, als vielmehr die dabei erörterten Re i ch s a n g e l e g c n- h e i t e n. Schon seit langem ist ja im preußischen Landtage die Sitte cingenffen, Angelegenheiten des Reichs zu erörtern und von der Tribüne des Abgeordnetenhauses herab den Anstoß zu volksfeindlichen Gesetzen im Reiche zu geben. - Tas Bestreben der Agrarier richtet sich, abgesehen von ihren sonstigen, nicht gerade bescheidenen Wünschen, augenblicklich darauf, bei dem bevorstehenden A b s ch l u ß Handelsverträge möglichst zuschlagen, d. h. dem armen keit zu verteuern. Es gilt, bereits machen, und so benutzten sie denn diesmal die Beratung des Landlvirtschafts-Etats dazu, die Regierung ihren Wünschen geneigt zu machen. Dazu ist cS natürlich erforderlich, zuerst einmal mit der Regierung, der sie neulich im Reichstage den Krieg erklärt haben, Frieden zu schließen. An einen wirklichen Krieg haben wir ja nie- mals gedacht,' wir haben das Treiben der Agrarier stets für eine Komödie gehalten. Daß dem in der That so ist, beweist die heutige Rede deS Abg. Frhrn. v. Zedlitz(fk.), der der Rcichsregierung, insbesondere dem Grafen PosadowSky, das Vertrauen ausdrückte, daß sie bei den neuen Handels- Verträgen genügend hohe Zölle für die Landwirtschaft vor- schlagen werde. Ebenso pries auch der agrarische Gras S ch w e r i n- L ö w i tz, der sonst nicht scharf genug sein kann. und der Abg. Dr. Friedberg(natl.) in milden Tönen die Politik der wirtschaftlichen Sammlung. Eine gelegentliche Aeußernug des Grasen Schwerin über die Stellung seiner Freunde zur Flottenvorlage ver anlaßte' den Landwirtschastsmimster Frhr. von Ha m m e r st ein. einen begeisterten Lobgesang aus die Flotte anzu stinunen. Gras Schwerin erwähnte das von andrer Seite für die Flotte angeführte Argument, daß eine Verstärkung der Flotte notwendig sei, um Teutschland im Falle eines Krieges mit dem nötigen Getreide zu versorgen. Das wurmt natürlich die Agrarier, die vom ausländischen Getreide nichts wissen wollen. um für ihr inländisches die Preise in die Höhe zu treiben Aber da sie nun einmal in bekanntem Edelsinn zu jedem Opfer bereit sind, so erklärte. Graf Schwerin, daß seine Freunde trotzdem für die Flotteuvermehrnng stimmen würden Die Herren werden das um so leichter können, da ihnen der Landwirtschaftsmimster die Versicherung gab, daß sie keinen Schaden davon haben. Vielleicht werden die Agrarier ah Lohn für ihre Zustiinmung zur Flotteuvorlage höhere Ge treideprcise erhalten, so daß also das Volk zwiefach die Kosten zu zahlen hat. Am Schluß der Sitzung kam es noch zu einer kleinen Plänkelei zfvischcu den Rationalliberalen und dem Bund der Landwirte, der aber eine Bedeutung nicht beizumessen ist. Freitag: Fortsetzung._ Geschminkte Unfehlbarkeit. Ein N o r m a l st a t u t für patriotische Poesie giebt es bei dem königl. Schauspielhaus in Berlin. In den eben erschienenen Lebenserhhierungen von Ernst Wickert cr- ählt dieser Richter und Dichter, wie wir der„Bolks-Zeitnilg entnehmen, warum sein Schauspiel„Aus eigenem Recht vom Schauspielhans nicht angenommen worden sei „Ich reichte das Schauspiel unier dem Titel„Der große Kur- fürst in Preußen" der Generaliuteudanz ein. Ich wußte, daß das lönigl. Schauspielhaus die generelle Erlaubnis erhalten hatte. Hohen- zollerusiirstcn bis einschließlich Friedrich den Großen ohne nach- zusucheiidc Gcnchmiglmg auf die Bühne zu bringen. Bald daraus sprach ich den Jutendanzrat Professor T a u b c r t. Er sagte mir, daß Bedenken entstanden seien, ob der Kaiser eine Annahme dieses Stnclcs billigen ivcrde, da der Kurfürst sich doch wohl in seinem G c wissen b e l a st e t fühle und deshalb nachgebe. Jcdciifall-Z würde erst Vortrag gehalten mid ein nmstäudlicheS Expos« eingereicht, dann aber abgewartet werden müssen. ob der Kaiser etwa eine Vorlesung befehle. Ich machte daraus anf'merlsam. daß der Patriotismus doch viel stärker und wirksamer angeregt werde, wenn die Hohenzollern als die großen Regente». die sie gewesen, ohne offen kundige G e s ch i ch t s f ä I s ch n n g und byzantinische Adoration dargestellt würden. Er meinte aber, man sei durch ciur« ander» Tichtcr sehr verwöhrit ivvrdcn. Ich hielt die Sache da verloren und erhielt denn auch tvirklich, ohne daß beim Kaiser angefragt war. ablehnenden Bescheid. Ma» wolle, hicst es daurr, die Hohenzollern ans der Hofbühric nur in heldenhafter Unfehlbarkeit schcn.� Tas war anfangs- der neunziger Jahre, als Herr Wildenbruch durch feinen bpzantmjscheii Bombast die Gäste des Schauspielhauses„verwöhnte". In heldenhafter Unfehlbar- kcit sollen die Hohenzollern erscheinen, mag auch die Geschichte von Irrtümern, Verfehlungen und Schlimmerem berichten. Es wird alles fortgeschininkt und in stolzer Pcrrückenpracht wandeln Göttern gleich die Helden aus hohcnzollerischem Geschlecht. Das .lnfehlbarkeitsdogma. das Pius IX. zur Entrüstung der Welt proklamierte, wird von den protestantischen Hosleuten für alle Ahnen des preußischen Königs verkündet: sie sind sämtlich von heldenhafter Unfehlbarkeit— auf der Bühne. Es ist ein weithin ausklärendes Wort, das Wichert uns verraten hat. In den schlimmsten Zeiten des sinkenden Römertums, in der feigen Verlotterung der bezahlten Monarchen Anbetung, wie sie in der deutschen Hofpocsie des 17. und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts schamlos ich � zeigt, ist kauni etwas Niedrigeres gesagt worden als in dieser Anweisung, wie man der Geschichte zum Trotz Helden- hafte Unfehlbarkeit zu produzieren habe. Fort aus der Schule mit den griechischen und römischen Klassikern, welche überschäumen von-Motten des Zorns und des Ekels über die schmutzige Unterwürfigkeit gegenüber den Mächtigen. Man werde prak- tisch, passe sich den Bedürftiissen des heutigen Lebens an und lerne an Wildenbrnch und Lauff die Begeisterung für die mit Fettschminke angepinselte heldenhafte Unfehlbarkeit. Bemerkenswert ist überdies, daß der Monarch selbst nichts von diesen byzantinischen Aktionen erfährt. Man verfügt, ohne ihn zu fragen, Maßregeln, und erläßt Weisungen, die ür den Kaiser schwer beleidigend sind. Wie leicht könnte der Verdacht entstehen, daß die Höftinge nur den Willen ihres Fürsten ausführen, und wie kompromitsicrnd muß solch ein Verdacht wirken. Wicherts Bericht aber stellt fest, daß die Byzantiner auf eigene Faust das Unfehlbarkeitsdogma verwenden und dadurch, die Institution, die sie zu schützen vor- geben, gefährlich unterwühlen.— v. Jeutjches Meich. Die ncne Kanalvorlage. An demselben Tage, an dem die Flottenvorlage veröffentlicht wird, giebt die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" auch die neue Kanälvorlage bekannt. Fast scheint, als oh ein nüchterner Störenfried in der Regierung die besinnungslose Phantasiepolitik, dieses blinde Verausgaben von Millionen- und Milliarden zu durch- kreuzen beabsichtige. Der neue, um die östlichen Komvensationen er- wciterte Kaualentivurf fordert nämlich anstatt der bisher für den Mittelland-Äanal verlangten 260,7 Millionen Mark nicht weniger als 450 Millionen, also fast eine halbe Milliarde. Wir haben in diesem Kompcnsalioiis-Eiitwnrf von Ansang an ein Mittel Miguels gesehen. tun de» Mittelkanal abermals scheitern zu lasse». Deiin in der That, die tlngeniessenhcit der neuen Geldforderung wird sogar den eifrigsten Kanalfreundcn Bedenken einflößen. Und es wird ans diese wenig beruhigend lvirken. wenn die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" versichert, diese 4ö0 Millionen sollten keineswegs möglichst schnell, cliva in sechs bis acht Jahren verbaut werden, der erweiterte Entwurf gelte vielmehr für die nächsten 13 Jahre. Tas sieht beinahe wie eine Parodie auf die 16jährige Periode des Flotteuplans aus. Unter ISjährigen EnUvürfen thut maus jetzt weder in Preuße» noch im Reich. Freilich eine halbe Milliarde für ciucii Kuliiirzweck wie den Ausbau der Wasserstraßen ist eine produktive Ausgabe, während die Milliarden für die Flotte buch- stäblich ins Wasser geworfen werden. Von den beiden Vorlagen ist mithin der Kanakentwurf zu billigen, zumal seine Kosten wesentlich aus direkten Steuern bestritten werden, er ist aber zugleich ein Argument mehr gegen den Flottcnplan. Ist cS der preußischen Regierung Ernst mit dem neuen Kanalcntwurf, so müßte sie all ihren Einflus? auf- wcudcn, daß das Reich nicht durch endlose Flottcuausgaben finauzicU erschöpft tvcrde. Allerdings, die Sinnlosigkeit der herrschenden Politik will es, daß man die produltivcu Ausgaben zu Gllnsicil der improdultiven zurücksetzt; und folglich wird man die Flotte gegen den Kanal ansspiclen, anstatt den Kanal gegen die Flotte. Der Eniwnrf, Ivie ihn die„Nordd. Allg. Ztg." skizziert, bringt außer den, Mittelland-Äanal folgende Pläne: Wenn es auch noch nicht möglich sein wird, die große West- östliche Waneritraße in gerader Fortsetzung' über die Weichsel hinaus in das Innere Ost-' und Wsstpreußens zu führen, so ist doch beabsichtigt, die Warthe, Netze und Brahe, sowie den B r o n, b c r g e r K a n a l so umzugestalten, daß Schisie von 400 bis 500 Tonnen Tragsähiglcit in den Abmessungen der Oder- Spree-Känal-Kähne vom Rhein bis zur Weichsel und mit Bc- nntznng deS Frischen und Knrischcu Haffs sowie der dahin führenden Wasserstraße» bis Königsberg und Memel gelangen können. Naturgemäß finde der Berlin- Stettin er Kanal als wesentlicher Bestandteil der großen Wcstdsiliine seinen Platz in der neuen Kanalvorlage. Die Regierung hofft,' daß trotz der großen Wider- spräche gegen die vcrmehne Zuführung von Wasser in das Pregel- und Dcineiithal die Verhandlimgen betreffs des masuri scheu Kanals zu einem befriedigenden Abschluß gelangen. Der ziemlich kostspielige Plan zur Regnlierniig der Spree sei noch nicht ab- geschlossen, ebensowenig wie die Regulierung an der unteren Havel, Ivo eine durchgreifende Bcrbeffcrnng der Vorflnt im land- wirtschaftlichen Interesse geplant sei. Aus Annahme hat dieser erweiterte Enilvnrf natürlich nicht zu rechnen und das ist auch die Absicht seiner Urheber.— Ein Jubiläum. Zehn Jahre sind am 23. Januar verflossen, seitdem daö Socialistcugcseh zum lctztcmnale im Reichstag verhandelt wurde. Der letzte Antrag auf seine Verlängerung war am 7. November 1889 einer Kommission von achtnndzwanzig Mitgliedern überwiesen worden, und diese hatte die dauernde Geltung des Gesetzes beschlossen, aber den A n s w c i s u n g s p a r a g r a p h e n a v g c l e h n t. Bei der zweiten Lesung. die am 22. Januar 1890 begann, wurde von konservativer Seite die Wiederherstellung deZ AuSweisnngSparagraphen beantragt. Ter Reichstag lehnte sie jedoch ab. gcnebmigie dagegen die nnbeichränktc Gültigkeitsdauer des Gesetzes mit 116 gegen III Stimmen. Mit großer Spannung sah man der dritten Lesung entgegen, welche die TageSordnimg der letzten Sitzung jener Legislaturperiode am 23. Januar bildete. Daß viele, die früher das Ausnahmegesetz bcfürivortct hatten, jetzt seine Nutzlosigkeit ciusahe» und daß zum mindesten einige Milderimgen eingeführt werden würden, war sicher. Aber aus völlige Beseitigung des Gesetzes wagten wohl nur wenige zu hoffen. Genosse Bebel leitete seine große Redeffn der Generaldisliission mit der Erklärung ein, die socialdemokratische Partei sei längst darauf gefaßt gewesen, daß eS zu einer„Ver- eivigimg" des Ausnahmegesetzes kommen werde; dadurch aber könne die Partei i» ihren durch die Entwicklung der kcipitalistifchcn Gesellschaftsordnung bedingten weiteren Fortschreiten in keiner Weise behindert werden. Bebel schildert ferner, ausführlich die ungeheure KorruptionSwirtschaft, die unter der Herrschaft des SocialistengcsctzcS entstanden war, insbesondere die Vorkommnisse beim großen Elberseldcr GehcimbnndSprozcß. Gegen die Anssiihrnngcn Bebels sprach sodann der damalige preußische Minister des Innern, Herr Herrfurth. odaim sprach der Abg. Prinz zu E a r ö l a t h- S ch ö n a i ch gegen die Beibchalimig der Ausivcisuiigsbefngnis, welche die Regierung gefordert hatte. Prinz zu Carolath, der damals noch der frei- konservativen Partei angehörte und noch nicht den Namen des„roten Prinzen" erworben hatte, sprach im übrigen für Beibehaltung und Verewigung des Gesetzes, aber er rief durch einige scharfe Äctißeriingen, wie diejenige:„Wir sind in Deutschland im Begriff, die Ideale zu berlicren, wir leben in einer Zeit des Materialismus und des Strebertums", sowie durch seine Anerkeminng des Jdealis- muS ans socialdeiiiokratischcr Seite große Unruhe bei den Kön- 'crvotivcn hervor. Es sprachen dann noch gegen das Gesetz Lieb- k n e ch t und für dasselbe Abg. K n l e m ä n n. Es kam zur Abstiminmig. Die einzelnen Bestimmungen de! Gesetzes wurden wie in der zweiten Lesung augcnpnimen. Bei der Abstimmung über den Ausweisungsparagraphen bemerkte der Führer der Konservativen, Abg. v. H e l l d o r f f, seine Partei habe die Wiederherstellung des Ansiveisungsparographen nicht nochmals beantragt, da die Mehrheit des Hauses nicht dafür zu haben sei. Da in der Schlnßabstimmung die Konservativen wegen der Nichtaufnahme der Auswcisiingsbefngnis mit Nein stiminten, so iel das ganze Gesetz mit 169 gegen 98 Stnnmen. F u r dasselbe stimmten die Freikonservativen und Rationalliberalen. Noch on deniselben Tage empfing der Kaiser den Reichstag und sprach ihm den Dank für seine Thätigleit aus, ohne das Socialistcn- gcsctz mit einer Silbe zu berühren. Da mm war es klar: Das Gesetz, das seit dem 21. Oktober 1878 auf Deutschland gelastet hatte und dessen letzte Verlängerung noch bis zum 30. September 1890 reicht, hatte jetzt den Todesstoß erhalten. Die Socialdemokratie hatte es freilich faktisch längst überwunden und erfocht bei den Reu- Wahlen am 20. Februar einen glänzenden Sieg.. Im Kampf gegen das KoalitionSrccht ist für Preußen ein ganz simkelnagcliieues Mittel entdeckt. Kaum ist das Verbindungsverbot aufgehoben und damit ein Gesetz beseitigt, dessen chikanöse Bestimmimgen einzig mir»och gegen die Arbeiter- vereine Anwendung fand, und schon hat der Spürsinn der Polizei einen anderen Weg gefunden, den Arbeiterorganisationen bei- zukommen. Der Bevollmächtigte der Zahlstelle Linden des V e r- b a n d e S der Fabrik-'. Land-, Hilfsarbeiter- und Arbeiterinnen Deutschlands erhielt folgendes Schreiben; Hannover, den 12. Januar 1900. Der Polizeipräsident zu Hannover. J.-Rr. I P 314. Stach den Vcreinssiatuten soll der Zweck deS Vereins unter onderm durch die unentgeltliche Lieferung des VerbandSorganS „Der Proletarier" an feine Mitglieder erreicht werden. ES ist festgestellt worden, daß die Lieferung dieses Blattes an die Vereinsmilglieder thatsächlich erfolgt.„Der Prole» ' tarier": ist ein vrononeiert s o c i o I d em o i r a t i s ch e s Blatt. Der Verein hat sonnt dargethcmt er die Bestärkung und Verbreitung socislden-.okratstcher Lehren und Ausfast'ungen beztucckt. Ein Verein, inelche: derartige Zwecke verfolgt, muh als ein v o l i l> s ch e r angesehen werden. Indem ich daher den Verein„Zahlstelle Linden des Verbandes der Fabrik-, Land-, HiljSarbciter und Arbeiterinnen Teutschlands" für einen politischen ertläre. wache ich den Vorstand insbesondere darauf aufmerksam, daß Vereine dieser Art den beschränkenden Bestimmungen des§ 8 des Gesetzes vcm lt. März lSSO. soweit letztere nicht durch das Reichsgesetz, betreffend das Vereinswejen, Vom 11. Dezember v. I. au'geboben sind, unterliegen. (Adresse.) Gras v. Schwedin. Das Gesetz charakterisiert solche Vereine. als r o l i t i i ch e. welche bezwecken, politische Gegenstände in Versammlungen zu erörtern. -i-er§ 8, soweit er nicht aufgehoben lst. lautet r Für Vereine. ivelche bezwecken, politische Gegenstände in Versammlungen zu erörtern, gelten außer vorstehenden Bestimmungen iigchstchcnde Beschränkungen: sie> dürfen kein? Frauenspersonen, -achülcr und Lehrlinge als Mitglieder aufnehmen. Von der„Erörterung" in der Pres»? ist gar keine Rede. Die Reaktionäre von 1850. Haben nicht daran gedacht, dem freien geschriebenen Wort auch noch auf. solche Weise Fefjeln. anzu- legen. Wie mit allen früheren, so.wird di? findige Polizei auch init diesem neuesten Versuche Fiasko»nachen. Authentisch. Der Rctkor der technischen Hochschule. Professor Riedler, erklärt nun in einem Schreiben, daß die Rede Wilhelms II.. in der die Socialdenrokratie eine vorübergehende Erscheinung, die sich austoben werde, genannt wurde, mit der ausdrülklich-n Genehmigung des Kaisers veröffentlicht worden fei. Danach ist die Rede authentisch bcröstentlicht und folglich rctchstagsreif.— Die„Rotte". Der Kaiscr-GeburtStags-Artikel der„Kon- wrvativen Korrespondenz" enthält eine deutliche Spitze gegen den Gefeierten. Das Wort von der„vorübergehenden Erscheinung" der- anlaßt das amtliche Organ der konservativen Partei den Kaiser an sein älteres Wort zu. eriyueru:....■ „Gerade die Feier des 27. Januar, die für Deutschland eine natlonale Feier bedeutet, ist aber geeignet, das unverständige und verwerfliche Treiben der republikanischen„Rotte" zu beleuchten." Die Konservativen sind wirklich unnötig ängstlich. Der Kultus de? starken Mannes, der die Rotte zu bändigeü habe, wird schon bald wieder anheben.— Dom Börsenfriedeil. In der Generalversammlung des Vereins Berliner Getreide- und Produltenhändler wurde am Oonnerstag uach längerer Diskussion, in welcher sich ein energischer Wider- stand gegen die Sbückkehr zur Produktenbörse geltend machte, folgende Resolution angenommen: Di« Generalversammlung nimmt' Kenntnis von dem Bericht über die im Dezember 1898 begonnenen und am 15. Jannar 1900 äüm Abschluß gelangten Verhandlungen zwischen seinen Delegierte» mtp den Vertreter». der Regierung und der Landivirtschaft zwecks Wtederhcrstcllung einer Produktenbörse und Reorganisation des �cuhmarlts in Berlin. Dieselbe erkennt willig das eitrige Bemühen der Herren Delegierten, die. Angelegenheit zu cmcin günstigen Abschluß zu führen, an, unh bcdancrt. daß dieselben ein so geringes Entgegenkommen bei den andern verhandelnden Teilen gefunden haben. Unter dem Zwange der Verhältnisse ermächtigt die Geiieralversammlimg den Vorstand, die erforderlichen Schritte zur Wiederherstellung im» c r Produktenbörse und ziw Reorganisation des Früh markts auf der in den Verhandlungen gewonnenen Basis zu thu», spricht aber ausdrücklich die Erivartung aus, haß der Vorstand etwaigen neuen Bedrängnissen nunmehr den ent- I ch» e d e n st c n Widerstand entgegensetzen wird.— Der Bundesrat hat in seiner Sitzung am Donnerstag den Autiog Bayerns, betreffend Acndcrung der Satzungen für die Arbcilerpcnsions- Kasse der köiuglich bayrischen Staatscisciibahn- Vcrwallnng und Vorlagen, betreffend Entwürfe einer kaiserlichen Vcrordimiig, betreffend die Inkraftsetzung der im 8 l54 Abs. 3 der Gewetbc-Ordliung getroffenen Bestimmungen, und von Bestimmungen des Bundesrats, betreffend die B c s ch ä f't i g u n g j u g c ndliche r A r b e i l c r und Arbeitcrinlicn in Wcrkstat.tcii»ni't Motoren- Betrieb den zuständigen LlüSschüssen übtrmicfcn. Ferner ivurde dem Ausschußbericht über die Vorlagen vom 2. und 6. Januar d. I. ■ betreffeud neue Satzungen der Pcnsionskasse für die Arbeiter der preiißisch-hessischeu Eisenbahligcmeinschaft und der Neichs-Eisenbahn- verwallnng die Zustimmung erteilt.— Historische Vergleiche. Den romantischen Unfug mit falschen historischen Vergleichen. der in der Flottenagstatiou sein Wesen treibt, haben wir kürzlich bei der Theater- und Hansa-Redc des Herrn v. Bülow an. einem markanten Beispiel aufgezeigt, llnsre paar historischen Erimicrniigcn an die wirkliche Hansa haben in der.Presse eine Diskiission hervorgerufen. Zuerst unternahm man. den kläglich mißglückten Versuch, unsre Darlegungen zu widerlegen. Nencidings aber hat mau sich eines Besseren besonnen, man giebt z». daß Herr v. Bülow sich arg verirrt habe, und warnt nun, daß man mit. den ans der deutschen Vergangenheit geholten Vergleichen recht vorsichtig sein möge:„sonst giebt inan den Flottengegnern frcilvillig Waffen in die Hände, die unter Umständen recht scharf schneiden köiiiicn") Diese Mahnung spricht ein Historiker in der anitlickien„Leipziger Zeitung" ans. dessen Darlegungen über die Hansa die folgenden Sätze entnommen seien: „Das Heilige Römische Reich Deutscher. Nation"verdient'mid verträgt viele Vorwürfe: aber darin thut man ihm cutschicdcn un- recht, daß es am Untergange der Hansa die Häupls'chuld trage, weil es nämlich versäumt habe, dem deutschen Kanfmanne den Rücken zu decken. Es ist eine vollständige Vcrkcnuuug der Thatsacheu, »venu behauptet wird, die Hansa und der deutsche Handel seien an der politischen Machtlosigkeit des Reiches zu Grunde gc- gangen. Erstens sollte man sich bei derartigen, an sich vcrlockcitd genug.erscheinenden geschichtlichen Parallelen vergegenivärtigen. daß es in diesem Falle verkehrt ist, die Znftande unterm alten Reiche direkt mit den staatlichen Verhältnissen im neuen Reich auf ein und dieselbe Linie zu stellen: ans einer solchen Bergleichung miisscii mir Notwendigkeit schiefe Ergebnisse hervorgehen. Zweitens aber vor- ivechselt nimi andauernd bas von idealistisch gerichteten, schon- i färbenden Geschichtsschreibern. bopgezaubeite Idealbild der Hansa mit dein Bunde,>vie er Ihatsächlich mid wirklich„geblüht" hat und ver- flössen ist. Was yian gcwphtilich die deutsche Hansa iieimt, ist eine äußerst locker zusammenhängende, nur von Fall zn Fall. d. h. in der Not sich enger znsammeiischließende Bereinigung von ttesticren Sonder- bünden, deren ciiizelirc Interessen von einander mehr oder weniger Der- schieden waren, zu Zeiten sich ganz und gar entgegenstanden. Innerhalb der Hansa gab es eine niederrheinisch- westfälische Gruppe, eine siiderseeische. eine niederländische, eine niedcrsächsische, eine märkische. eine ponimcrsche, eine preußische und eine livische Gruppe. Von deutschen Städten des Mittelalters zu verlangen, daß sie ihre «onderintereffen zu Glinsicii eines gciiieinsameii Zieles fortivöhrcnd in den Hintergrund hätten rücken sollen, das kommt mir ungefähr so vor, als lucun maii heute dem Lloyd oder derHanibnrg-Amerika- Linie das Ansiiincn stellen wollte, sie sollten die gefährdete Ost- Afrika-Linie imtcrstützen! Nein, als der von den meisten geglaubte Bund von 90 Städten! die gemeinsame Tage beschickt, dort gefaßte Beschlüsse einhellig geholten. auf Grund einer Matrikel regelmäßige Beiträge in eine Buiideskasse gezahlt hätten und laut allgemein anerkannter Verordnungen in einheitlicher Wehrverfassniig in den Krieg gezogen ivären,' als ein solch idealer Bund h a t die den rsche Hansa niemals bestanden. Wenn diese lockere Vereinigung von HandelsstädtcnNicderdcutichlaiids lim weitesten Sinne) dennoch und" trotz alledem verhältnismäßig Großes erreicht hat, so hat sie das einzig uiid.allein.negativen Unistandcii zu vcrdanleii;. d. h.: die Hansa ist' nur dadurch groß geworden, daß die Nachbarn ihr nicht..Besser: noch nicht, gewachsen waren.! Aber diese Erfolge. diese anscheinende Blüte- dürfen einen nicht über den eigentlichen Charakter des Ganzen hinwegtäuschen. Denn auch damals(»ich: blos erst während des offenbaren Niederganges) hat es Hansastäd'te und ganze Grnpven gegeben, die Verl einer Gemeinsamkeit de: Interessen trotz Lübecks Eifer nichts wissen wollten oder auch— von cmporstrebcnden Landessürsten. einander entgegen- ringenden Territorial mächten beherrscht— nichts wissen durften. Dazu kam das eigensinnige, törichte und schließlich gefährliche Verharren auf dem einmal eingenommenen Standpunkte: die Hansa blieb hartnäckig in Brügge, als Antwerpen auskam, sie. blieb dann in Antwerpen, als Amsterdam aufblühte. Das Heil. Römische Reich und die deutsche Hansa haben einander.nichts vorzuwerfen, sie sind beide einander wert. Den Rück-, Nieder- und Untergang haben sich die Herren Hansen selbst zuzuschreiben. Das Anklopfen beim Reich und»einem Oberhaupte, früher lz B. unter den Königen Ruprecht und Sigismund) nur aus egoistischen, innerstadtüchen Interessen geschehen, geschah nunmehr lünter Kaiser Rndols ll.s nicht, nur zu spät, sondern war vielinehr an sich schon und überhaupt ein deuiliches Zeichen eigner Ohnmacht. Darum ist es ungerecht und-falsch, Hansa und Reich in einem Atem zu nennen."_ Berichtigung. In dem Bericht des„Vorwärts" übe: die Sitzung der Budgelkom Mission am Mittwoch wird mir die Aeußerunz!»> den Mund gelegt: bei der Hungersnot in Ost- siriia»eien£2 000 Personen ums Leben gekommen. Dos ist un- richtig. Ich erwähnte, daß allein im Bezirk Tonga von t22 000 Einwohner» 52 000, also über die Hälfte verhungert seien. De: Verlust an Menschenleben in Ostasrila dürste sich au? mehrere Hundert:: u send belau'en. Genaue Zahlen liegen nicht vor. A. Bebel. Zustand. Frankreich. Verurteilung der Affumptionisten. Die Assumpiionisten- Patres wlirden vom. Zuchspolizcigericht zu je 16 Fr. Geldbuße verurteilt. Äufferdlsm sprach der Gerichtshof- die Auflösung der A s s u m p t i o n i st e n- G e s e l l s ch a f t aus. Der Schluß der. Sitzung erfolgte ohne Zlvischensall. Die republikanische Presse begrüßt das Urteil gegen die'Asstimptionisten- als-eine-neue- und wirksame republikanische V e r t e i d i g u»i g s m a ß r e g e l. Die Nationalisten spotte» darüber als Schlag ins Waller und erklären, es werde alles beim alten bleiben. Die„Croix" teilt »varnie Zustimmungsschreiben und Drahtungcn aus dem Vatikan und von mehreren französtsche» Bischöfen mit. Dafür, daß nicht„alles beimalten' bleibe, wie die Naüonolistcn höhnen, will ein von' B'c i i so» i» der Kammer eingebrachte: Gesetz- entwuN sorgen. Ivorin die E in z i e b n n g der Güter von nicht genehmigten männlichen Orden gejorderl wird.— Italic». Italien und Frankreich an» Noten Meer. R o m, 21. Januar. Als Abschluß der seit 1891 eingeleiteten Verhandlungen unter- zeichneten heute der Minister des ÄuSivärtigc»» Visconti Vcnosta und der französische Boiichastcr Barrere ein Protokoll, durch welches die A b g r e» z u»i g der italienischen d französischen B e s i tz u»gen an der Küste d e s Rothen Meeres bestimmt nmd. Die Grenzlinie geht ans von dem äußersten Ende des Vorgebirges Ras Dunicira. folgt, alsdann der Wasserscheide des Vorgebirges und richtet sich schließlich gegen Südwest in der Weise, daß Italien die Karawanenstraßen gelassen werden, die von Aisab nach Ansia führen. Die vertragschließende»» Parteien behalten sich vor, irätcr die Lage der kleinen. Ras Dmneira gegenüberliegenden Jnicl zu regeln, und machen sich ver- biudlich. die Besitzergreifung derselben durch eine andere Macht zu verhindern.— Spanien. Amnestie und Verbannung. Madrid, 25. Januar. Nach einem Beschluffe des MimjterrätS wird Ministerpräsident Silvcla heute der Königin-Regeutin einen Erlaß unterbreiten, durch den die Strafen, welche die A n a r ch i st e n von Barcelona jetzt ver- büßen, in Verbannung»mgeivalidelt und olle für Preßvergehen verhängte Strafen erfassen»verde»!.'— Portugal. Geldnot in Portugal. Angesichts der Unmöglichkeit, die Aus- gaben zu vermindern und die indirekten Steuern mid die Zölle zu ändern. hat die Regierung eine Erhöhung der Stempclstener beschloffei». Auch sollen tüiiftig alle Zahlungen des Schatzamtes und alle Handelsgeschäfte zwischen Privatpersonen slempel- pstichtig sein.— China. Thronwechsel in China. Durch ciir am Mittwochabend von dein Kaiser Klvangsu unter- zeichiirtes Edikt wird der neun Jahre alte Sohn des Prinzen Tuano, Namens P u t- S i n g-, zuni neuen Kaiser ernannt. Derselbe »vird am 31. Januar den Thron besteigen. Der junge Kaiser Kwongsu. der im europäischen Sinne.gc- staltene Reformen durchführen wollte,»st mit seinem Unternehmen kläglich gescheitert. Seine. Thronentsetzusig»vor eigentlich schon so gut»vie vollzogen, nachdem es der Kaiscrin-Muttcr gcliingcn»vor. ihrem Adoptivsohn am 22. September 1898 die Zügel der selbständigen Regierung zu entreißen,, ihn unter Vormundschaft zu stellen und. sich loltst»viodcr zur Miircgenlin zu erheben,»vclches Amt sie schon von 1861 bis 1889- während der Regierung des Vorgängers- von Klvangsu und während dcS letzteren Minderjährigkeit bekleidet hatte. Der jetzt seine» Regenteiircehtcn entsagende Kaiser,-welcher an» 12. Januar 1875 i»»! Alter von drei Jahren seinem Bater sokgte und am 4. Marz 1889 für volljährig erklärt' wurde,' hat demnach nur neun Jahre selbständig regiert. Auch während dieser Zeit hat der Kamp) zwischen Ser" ehrgeizigen und in den Mitteln zur Er- rcichnng ihrer Ziele»vcnig wählerischen Kaiserin und dem niemals sehr Willensstärken Kaiser kaum je geruht.— Kommunales. Stadtverorducteii- Versammlung. 4. Sitzung v ö in D o>, n e r S t a g. d e n 25. Januar. na chmittags 5 Uhr.- Ter Vorsteher Dr. L a n g e r h a n s spricht namens der Mandat- gebcr der Versammlung dem Kaiserhanie die Teilnahme an dem Verluste nuS, ivclchen cS durch de» Tod der Mitter der Kaiserin erlitten hat. Die Ausschüsse für die Vorlagen»vegen Ableitung der Abwässcr dcs Tegeler Wasserwerks in die Spree und»vegc» der architcktoiiischen Slusgcstaltnng der isicgmiiiidshofbrücke zum iicuen Hanjaviertel sind geivählt und haben sich konstituiert. Zum erstcren gehören n. a. auch die Stadtvv. E>u a I d und Wernau, zu letzterem Stadtv. D ii p o» t. Nachträglich sind noch die Ansschnßberichte über die Aorlagen »vegen Enteignung einiger Grundstücke in der Raßstraße und wegen Borbereitung der Neuwahl des zlveiten Bürgermeisters auf die Tagesordnung gesetzt worden. Für den ersteren Gegenstand ist Be- ratung in gchciiner isitzimg beantragt. Die Vorlage betr. die..Frequenz in d e n G e m e i n d e- schulen am i. November 1899»vird ohne Debatte zur KeMitnis ge- Hammen...-- Eine Reihe van Vorlagen minderer Bedeutung erledigt die Ver- sammlung durch einfache Annahme. Der speciclle Entwurf zum Neubau der Gemeinde- Doppelschule am Gorlitzer Ufer 11/13 wird genehmigt: derjenige zum Neu bau der RealschuleSchleswiger U f e r 9 einem Ausschutz überiviesen. DaS Bauprogramm und der Varentwurf zum Neubau einer dritten Irrenanstalt in Buch geht auf Antrag des Stadtv. Architekten Cremer an einen. Ausschuß-von 15 M::gliedcrn. Von dem Dankschreiben des k. u. k. östveichiichen Botschafters o. Szögyeny-Marich für die von de:'Stadt Berlin den Ueber- schwemmten in den l. u. k. Kronländern bewilligten Hilfsgeldern wird Kenntnis genommen. Die Stadtvv. Schwalbe und Gen. beantragen, den Magistrat um Auskunft zu ersuchen, ob und wann er die Anfrage vom t7. Septbr. 1839 über W i l w e n»und Waisen- gelder der städtischen Beamten zu beantworten gedenkt. Die Aufrage lautet:.Nachdem bei der Etatsberatung<14. März 1893) der Herr Kämmerer aus-eine Anfrage»vegen der Witwe»»- und Waisengelder de: städtischen Beamten' bemerl: hatte', daß die Verhandlung wegen der Einführung der Grundsätze des neuen Slaatszeietzes. über die-anderiveit'ige Bemessung der Witiven- und Waisengelder in der städtischen Verwaltung zum Abschluß gebracht lve'rdcn würden und demnächst eine Vorlage darüber.an die Versammlung gelangen würde, fragen die Unterzeichneten lDc. Schwalbe usw.) an, wieweit dieje Verhandlungen vorgeschritten sind und wann der Versammlung die zugesagte Vorlag? zugehen»vird." Ob erbürgermeister K i r i ch n e r: Bereits vom 1. April d. I. ab werden, wie wir Haffen, die erhöhten Beträge gezahlt werden.. Stadtv. Singer: Wir werde,-, dem Antrag Schivalbe gern zustimmen. Es ist' ja sehr erfreulich, daß von verschiedenen Seiten derartige Anträge gestellt werden: wie auch der in den Zeitungen angekündigte Antrag Cassel, die Altersiulagen� sür die Gehälter der Gemeindclehrer zu erhöhen. Ich ho�e daß dicse Fürsorge gegenüber den von. uns schon früher ansgesprachenen Wünschen nicht erlahmen wird und daß Sie diese für die städtischen Arbeiter unsrerseils ge- hegten Wünsche seiner Zeit lebhaft nnlerstützen werden. Ich möchte serner fragen, ivann»vir die Vorlage., betreffend die Pensionskaff? sür die städtischen Arbeiter, zu erwarten� haben. Gleichzeitig mit jenen» Beschlüsse»ff' auch eine Nachweisung über die Lohn» Verhältnisse der städtischen Arbeiter erbeten worden. Oberbürgermeister K> r s ch n e r: Die Nachweisung»vird in kür- zester Frist herübcrkoininen. Nebe: die Vorlage selbst hat sich der Magistrat noch' nicht schlüssig gemacht. Damit ist der Autrag Schwalbe erledigt. Die Stadtvv. L ü b e'n und Gen. wünschen die Annahme eme� Antrags wonach der Magistrat ersucht werden soll.: mit den Besitzern derjenigen Grundstücke, die zum Bau der beiden Brücken im Zuge d e r M a n l e u s f e l st r a ß e u n d d e r . verlängerten' E i s e n b o h n st r a ß e gebraucht werden, wegen Erwerbs des Straßeulandes thunlichst schnell in Verbindung zn treten. Nach kurzer Befürwortung durch den Antragsteller' gelangt de: Antrag ohne Diskuiffon zur. Aiinahme. Die Beschlüsse der Versammlung bezüglich der Errichtung einer besonderen Deputation für die B li n d e» p s l e g e hat der Magistrat mit der Maßgabe akzeptiert,'daß er die lleberführung der bisher von der Armenverwaltniig verwalteten Stiftungen in die Bcrwaltuiig der neuen Deputation mit der Armenverwaltniig„erwägen" werde. Auf Anfrage des Stadtv. L a d e w i g giebt der O b e r b ü r g e r- m c i st er die Ziisichevung, daß alles geschehe» solle, um' eine ein- h e i t sti ch e �Verwaltung sämtlicher hierher gehöriger Stiftungen herbeizuführen.' Von der demnächst in Kraft tretenden Polizeiverordnung betr. die gelverbliche Beschäftigung's chu l p fk i ch t i g e r Kinder— ivelche Varordmmg bekanntlich den Versammlungs- beschlnß. die Altersgrenze von 9 auf. 10 Jahre hinauszusetzen, nicht berücksichtigt.—»vird ohne Debatte Kenntnis genommen. Einsprechend dein Antrage Wallach hat der zur Prüfling der Frage der E i»i g c in e in d ii n g d e r S ü d s e i t e d e r S t r a ß e S a s ei, b e i d e in Berlin eingesetzte Ausschuß einpfohlen. den Magistrat zu ersuchen, mit der Gemeinde Tempclhos und mit allen übrigen Beteiligten über die event. Bedingungen dieser Einverleibung in Verhandlung zn treten. Der Antrag»vird nach einem kurzen Rescrat des Stadtverordneten Wallach angenoimnen. Abermols»nacht der Stadtv. Schlvakbe emen Versuch, die II r a n i a- S ä n l e n- A» g c l e g e» h e i t vom Fleck zu bring?». Er Hai einen doppelten Antrag eingereicht: 1. Den Magistrat zu ersuchen, die seit langem und wiederholt zugesagte Vorlage betreffs der Regelung des Verhältnisses der Stadt zu dem Pächter der Ilraniasänlen der Lersaimnnnig nach vor der EtatsveralnNg zugehen zu lassen: 2. den Magistrat zu ersuchen, ihr baldigst eine Vorlage über A n f st e l l i» n g von Kandelaber- und?l r m uhren in den verschiedenen Gegenden der Stadt, unabhängig- von den bc- stehende»».Verhältnissen der Urania- Uhren»md den srühercn diesbezüglichen Verhandlinigeii. zugehen zu lasse». Stadtv. Schivallie findet, daß in dieser leidigen Angelegenheit der Magistrat sich einer geiviffen Nichtachtung der Versammlung schuldig gemacht und das. Princip der Gleichberechtigung verletzt have. indem er ans die mehrfachen Beschlüsse der Bersaininluna nicht geaptivorict, auch keine Akten vorgelegt habe. Mit der Uraniasäulen- Angelegenheit ftijisse man endlich zn Rande kommen: die Aufstellung neuer Uhren aber Hobe ganz unabhängig von jeder Rücksicht au) dieses verunglückte llieklamc-Untcriiehmeii zu erfolgen. «vtadtral Voigt: Eine Lorlage im Siiiiie des zweiten An- trags»vird der Versammlung demnächst zugehen. An dem Vertrage mit dem gegenwärtigen Pächter der Uraniasäulen beabsichtigte der Magistrat nichts zu ändern, doch hat jener sich in diesen Tagen mit eiiiem»cuen Antrag an nnS gewendet, der an), eine Trennung der Reklame von den Uhren' abzielt. Der Magistrat wird sich damjt noch zn beschäftigen haben.>. Die Anträge werde» angenommen. Einen sehr wunden Punkt in der Handhabung der., städtischen Vcrlvaltinig berührt der nachfolgende Amrag Kreitling: Dcii Magistrat um eine Vorsage zu exsuche». durch welche Mittel bereit gestellt werden, um Vorschüsse an die K r a i» k e il h ä u s e r für solche Personen gewähren zu. können, die, ohne der Armenpflege zn unterstehe», mit der Zahlung der V c r p s l e g u n g s k v st e n vorübergehend im R n ck st a n d e sind, damit ans dieje Wciic jenen Personen das Wahlrecht erhalten bleibe........■ Stadtv. Dr. Nathan: Der Antrag knüpft an die Erörterung an..weiche wir hier über' die Erhöhung der Kraiikenhauskosten auf 2.50 M. gepflogen haben. Die Frage schwebt seit 1885. Bisher stellte sich der Magistrat ans den Standpunkt, daß Armennnter- ftützmig dann vorliegt,»veim für die Zahlung der Krankenhailskosten die Arinenverlvaltung eingreifen muß. Damit verlieren die der- gcslalt Unterstützten ihr Wahlrecht sür die Stadt und den SkeichStag; der Betreffende wird als Ortsarmer im Sinne des Gesetzes betr. den Ilnterstiitzungswohiisitz betrachtet. Die Versammlung hat stetsden gegenteiligen Standpiinkl eingenommen; sie»nterscheidet scharf zwischen Arme»- und Krankenunterstütziing. Das eiiie der beiden in dieser Frage ergangenen oberverwaltnilgsgerichtliche» Erkenntnisse tveist uns direkt darauf hin, den von dem Antrag gewiesenen Weg zu gehen. Dieses Erkenntnis sagt ausdrücklich,»venu die Armeiiverivalmng nicht interveniert, kann voi» einer ArMenmiterstiitznug keine Rede sein. Es iväi e danach mir nötig, die Armenverwaltmig aus dem Verfahren aüSzu» scheiden. In dcinsclbcn Sinn hat sich lvicderholt der Deutsche Verejn für Armenpflege und Wohlthätigkeit geäußert. Eine politische Slinputation tvie die Entziehung des Wahlrechts ist jedenfalls ein sehr bedenklicher Schritt.' Es ist Zeit, daß dieser Znstand beseitigt»vird, der jetzt 15 Jahre dauert. Bon einer Vertagung, bis zur Beendigung des noch schivebenden Rechtsstreits könnte ich mir nichts versprechen. Stadtv. H e i»i a n n: Wir sind mit der Tendenz des Antrags diirchaiis- einverstande». nur geht uns der Antrag nicht»vcit geniig, er trifft zahlreiche gleich sehr berücksichtigenswerte Fälle nicht'. Um nur einen anznführeii: hat jemand wegen irgend einer Sache eine kurze Freiheitsstrafe zu verbüßen,»md läßt er seine Familie mittellos zurück, so muß diese-in der Zivischenzeit Armenmiterstützung erhalten. Solche und ähnliche Fälle lassen sich, zahlreich aufführen. Der An- trag nmtz also in einem Ausschuß gründlich durchberaten und er- iuciievt treiben. Ich bitte, ihn einem Ausschüsse ton 15 Mitgliedern Bu überweisen.(Beifall.) Stadtv. Cassel: Ich bin mit Kommissionsberatung ein- beistanden. Es wird aber doch nötig sein, bei der Entscheidung auch in Erwägung zuziehen, welche Stellung das Ober-Berwaltungsgericht in der von uns gegen den Magistrat angestrengten Klage nehmen wird. Ob die Beratung bis nach dem Eintreffen dieser Entscheidung zu vertagen wäre, ist eine Sache für sich; aber da der Ausschrch das in der Hand hat, sowie aus Gründen der praktischen Ausführung des Antrags ersuche auch ich um Einsetzung eines Ausschusses.? Stadtv. Hugo Sachs II: Für die Tendenz des Antrags bin auch ich, aber seine Ausführbarkeit erweckt mir Bedenken. Wird die Thätigkeit der Stadt, wie das Ober-Berwaltungsgericht auch aus- geführt, lediglich vom Standpunkt der Hilssbedürftigkeit des Be- treffenden angesehen, so wäre die Form, unter welcher die städtische Verwaltung eintritt, sehr gleichgiltsg. Darum muff AuSschuff- beratnng stattfinden. Stadtv. Friedemann:«gas wäre mit dem Abwarten eines neuen Ober-Verwaltungsgerichts-Erkeimtnisses gewonnen? Nichts denn hier wird eben ein andrer Weg der Abhilfe vorgeschlagen. Die Ausschnffberatung, die eigentlich überflüssig ist, muff rasch vor sich gehen, denn jede Verschleppung bringt Gefähr. Die Arbeiter halten sogar lieber ihre an ansteckenden Krankheiten erkrankten Kinder von den Krankenhäusern zurück, um das Wahlrecht nicht zu verlieren Hieraus ergiebt sich für die Allgemeinheit direkt eine groffe Gefahr, deren Beseitigung im allgeineinen Interesse liegt. Der Antrag auf Ausschnffberatung wird angenommen. Auch die speeiellen Entwürfe für die G e m e i n d e- D o p p e I schule in der W a ttstr äffe und für die Gemein de-Doppel- schule, sowie für die Schule für gewerbliche Zwecke nr der S t r a ff m a n n st r a ff e werden der Ausschnffberatung über wiesen. Die Vorlage, betr. den Ilmbau der Schnitterbaracken in Buch wird vom Stadtv. E s m a n n beanstandet, da nach dem Entlvurf � die einzelnen Kabinen nicht genügend von einander abgeschlossen erscheinen und nur durch zwei'Meter hohe Bretterwände von einander geschieden sein sollen, so daff man nebenan alles hören könne, was in einer Kabine vorgehe.„Die Schnitter sind doch auch Menschen". Es sei ein Ausschuff einzusetzen. Stadt, v. S a l g e bittet dringend, um dieser lumpigen Sache willen nicht erst einen Ausschuff zu behelligen. Zum 1. April zögen diese Schnitterfamilien zu, finde erst Ausschnffberatung statt, so würde die Baracke nicht fertig. Höher als 2 Meter brauchten die Scheidewände doch wirklich nicht zu sein. Stadtv. Singer: Aus den Ausführungen des letzten Redners lernen wir offenbar kennen, wie die Kanalisations-Depntation, wohl unter der entscheidenden Mitwirkung dieses Herrn, über derartige Dinge denkt. Nicht handelt es sich hier um eine lumpige Sache, sondern lumpig ist, was gebaut wird. Wenn die Kabinen für el' Schnitterfamilien bloff durch 2 Meter hohe Bretterivände getrennt werden sollen, so kann die Versammlung unmöglich darauf eingehen. Das Mim beste, was schon im Interesse der Sittlichkeit gefordert werden muff, ist. daff für die elf Familien je ein besonderer Schlafraum gewährt wird. Ich spreche dem Kollegen Esmann ausdrücklich meinen Dank für seine Anregung aus und hoffe, daff gegen die eine Stimme des Vorredners der Ausschuff beschlossen wird'. Fast einstimmig beschließt die Versammlung die Niedersetzung eines Ausschusses von IS Mitgliedern. Schluß VaS Uhr._ -Nerrtzvithken. Eine Gedächtnisfeier. Am 28. d. M. sind es 14 Jahre, daß in Warschau vier Mitglieder des geheimen socialdemokratischen Klubs„Proletarier", die Genossen Stanislaus Kunicki, Peter Bardowski, Michael Ossowski und Johann Pietrusinski den Tod durch den Galgen erlitten haben. Es sind das die ersten Opfer der unter dem zarischen Despotismus damals frisch aufblühenden Arbeiter- bewegung in Polen. Der Tod dieser für die Freiheit des Pro- letariats gefallenen Märtyrer hat seitdem die besten Fruchte ge- tragen, und heute kann man in Russisch-Polen beinahe das ganze polnische Arbeitervolk zur Socialdemokralie zählen. Die polnischen Parteigenossen Berlins halten daS Andenken dieser Blutzeugen in gutem Gedächtnis und veranstalten auch in diesem Jahre eine Erinnerungsfeier, die Sonntagnachmittag 3 Uhr im Englischen Garten vor sich geht. Partei- Organisation. Im socialdemokratischen Verein für D e s s a u wurde die Frage der Abänderung der Partei-Organisation erörtert und nach eingehender Diskussion eine Resolution angenommen, wonach in einer demnächst einzuberufenden Parteiversammlung die Ueberfiihrung der losen Partei-Organisation in die geschlossene Vercinsorganisation bewerkstelligt werden soll. Ter Wahlkampf in Belgien ist fast überall im Gange. Die Wahl findet im Mai statt: alle politischen Parteien beraten über die einzuschlagende Taktik. Die Taktik der Soeialdcmokratie ist durch die Beschlüsse des Kongresses festgelegt. In Brüssel wird laut Beschluß der dortigen Parteiorganisation der Wahlkampf'ohne Bündnis mit den Liberalen geführt werden. In gleicher Weise wird in Nivelles vorgegangen, auch in den Provinzen Haina», Namur und Luxemburg werden die Parteigenossen den Wahlkamps selbständig führen. Dagegen hat die Partei in Ost- und in Westflandern und in Limburg zu der Frage der Wahlbündnisse noch nicht Stellung genommen. In Antiverpen und Gent wird das Wahlbündnis mit den Liberalen sicher zu stände kommen, wahr- scheinlich auch in Lüttich; in Verviers dagegen kämpfen die Socia- listen allein. Polizeiliches, Gerichtliches nNv. — Eine Beschimpfung der christlichen Lehre von der Mensch- Werbung Gottes soll Genosse Haupt, verantwortlicher Rcdaetenr der„Volksstimme" in Magdeburg, dadurch begangen haben, daß er ein Gedicht von Richard D e h m e l„D i e M a g d" abdruckte. Er wurde deshalb gerichtlich vernommen, wobei' sich der ver- nehmende Beamte angelegentlich danach erkundigte, wer dieser Herr Dehme! sei._ Der Streik der östreichischen Berg- arbeiter. Man schreibt uns aus Wien, 24. Januar: Die große Hoff- Nling der Kohlenherren sind die— Arbeitswilligen! Die Schroffheit, die sie zur Schau tragen— ist es doch nicht einmal der persönlichen Intervention des böhmischen Statthalters gelungen, die Gewerke von Kladno zur Beschickung des Einigungsamts zu be- wegen—, die hat keinen andern Zweck, als die Arbeiter e i n z u- schüchtern. Die durch den Streik hervorgerufene Not auf der einen Seite, die scheinbare Aussichtslosigkeit des Streiks auf der andern, die wird, so spekulieren die Unternehmerprotzen, die Arbeiterin die Grube treiben. Und wenn dann die Streikenden ihrem Un- mut über die Streikbrecher irgendwie Ausdruck gebeih, so steht eine Armee von Soldaten und Gendarmen parat, um die „Arbeitsfreiheit" zu schützen. Es ist eine Spekulation auf Hunger und Verzweiflung— ganz der elenden Menschen würdig, die die Herren des östreichischen Kohlen- Bergbaues sind I' Durch die Entsendung eines Ministers ins Streikrevier hat aber die Negierung an die Beilegung des Streiks ihr Prestige ge- knüpft, denn es wäre doch für sie eine wirkliche Schande, wenn die Kommis der Gutlmann, Rothschild, Larisch:c. die Frechheit aufbringen könnteil, einen Minister, der sich zum Vermittler anbietet, hinauswerfen zu dürfen! Die Arbeiter haben in ihrem schweren Kampf einen mächtigen Verbündeten: die K o h l e n n o t, die sich namentlich in Böhmen mit den stärksten Wirkungen eingestellt hat. Unternehmer, wie sie hier in Frage kommen, können freilich materiell nicht besiegt werden. Den Rothschild, den Erzherzog Friedrich, die kann man natürlich nicht mattsetzen, denn gegenüber solcher Kapitalmacht zählt selbst der größte Ausfall nur wenig. Auch Unternehmungen, wie die Nordbahn und die Prager Eisenindustrie- Gesellschaft, sind fast unangreifbar; das Wnchermonöpol, das ihnen der Staat eingeräumt hat. hat cs ihnen ermöglicht, ungeheure Reserven aufzustapeln, die es ihnen jetzt erlauben, dem Kampf der Arbeit gelassen— hochmütig zuzuschauen. Die Stellung der Ar- beiter ist aber trotzdem eine ungemein feste— vorausgesetzt, daß es gelingt/ den Streik längere Zeit aufrechtzuerhalten— weil die Wirkungen des Streiks auf das gesamteErwerbs- leben so tiefgehende sind, daß die gesamte Be- völkerung auf ihrer Seite stehen muß. Der dadurch bewirkte Druck dürfte auch auf die hochiliütigen Unternehmer Ein- druck machen; ist er es doch vorzugsweise, der die ungewöhnliche Intervention der Regierung veranläßt hat! l"-s den Berichten, die der offiziöse Telegraph aus dem Sttcik- gebi. t» ringt, sei nachstehendes hervorgehoben: i«.roppau, 25. Januar. Im westlichen Ostrauer Kohlenrevier ist die Zahl der Einfahrenden mäßig, im östlichen Karwiuer Revier ist dieselbe erheblich gestiegen. In den Schächten des Grafen Larisch arbeiten 80 Proz., in denen des Erzherzogs Friedrich Av Proz. Bndapcst, 23. Januar. In hiesigen socialistischen Kreisen ver- lautet, daß, ialls der Streik in Böhmen fortdauert, die Arbeiter der Bergwerke der Staatsbahn-Gefellichaft in Anina und Reschitza, ca. 40l)0 Mann, in den Ansstand treten werden. Prag, 25. Januar. In Teplitz beschloß eine Versanunlnng der Gewerke des Brüx-Dnrer Reviers, ein Einignngsamt zu beschicken unter der Bedingung, daß die entlassenen Arbeiter nicht in dasselbe gewählt werden. Da unter den Maschinisteu und Heizern der dortigen Werke die Neigung vorherrscht, eigenmächtig die Arbeit einzustellen und in einzelnen Werken dies auch teilweise bereits geschehen ist, wurde gegen die Schuldigen eine strafgerichtliche Untersuchung ein- geleitet.' Im Falle dieselben bestraft werden, wird ihnen das Be- fähigungszeugnis entzogen. Bndapcst, 25. Januar. Zuchthausstrafe bis zu 5 Jahren im Fall Nr. 2 nur ein- . treten, zu lassen, wenn„die Kuppelei aus Eigennutz betrieben odcr.geg.en den Willen der zu verkuppelnden Person er- folgt ist": bf fnr den Fall dcr Able hn u ng dieses Antrags in Nr. 2 die Worte„des Ehemanns zur Ehefrau" zu streichen; c) folgenden neuen Absatz hinzuzufügen: Als Kuppelei ist die Duldung eii«s geschlechtlichen Verkehrs zwischen Verlobten nicht zu erachten. Die Abgeordneten Himburg und Genossen(k.) beantragen, den letzten Absatz folgendern, aßen zu fassen: Sind in dem Fall der Nummer 2, wo eS sich um Verkuppelung Verlobter handelt, mildernde Umstände vorhanden, so tritt Gefängnisstrafe usw. ein. Abg. Stadthagcn(Soc.):. _ Dem Antrage Himburg können wir nicht beistimmen, Ivcil seine Fassung eine äußerst unklare ist. Wahrscheinlich soll damit gemeint sein, daß mildernde Umstände eintreten sollen nur, falls es sich um Verkuppelung Verlobter handelt. Ab:r auch hierfür würden wir uns nicht erklären können. Der vorliegende Paragraph bedarf auch nach mehreren andren Richtungen einer Korrettür. Mit dem Absatz 1 können wir uns durchaus einverstanden erklären. Nach Absatz 2 soll aber die Kuppelei auch mit Zuchthaus bestraft werden, wenn es sich nicht um eigennützige odcr� gewohnheitsmäßige Kuppelei handelt, sondern mir zwischen dem Schuldigen und der verkuppelten Person «in Verhältnis obwaltet wie zwischen Ehemann und Ehefrau, Eltern und Kindern usw. So weil es sich um das Verhältnis de.' EheinanneS zur Ehefrau handelt, ist dies eine nngehcnerliclic Zumutung, die auch mit dem Ehcschcidungsrecht des Bürgerlichen Gesetzbuchs im Wider- fpruch steht. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch soll es dem Ehemann möglichst erschwert werden, sich von seiner Frau zu scheiden, und es wird die Verzeihung des Ehebruchs zugelassen. Nun stellen Sie sich den Fall vor, daß der Ehemann das Verhältnis seiner Ehefrau zu einem andern nicht hindern will oder hindern kau». Soll er in diesem Fall, wenn die Kuppelei in der Wohnung selbst passiert, mit Zuchthaus bestraft werden? Das ist ein Widerspruch mit der Möglichkeit der Verzeihung. Wir beantragen dagegen. daß Zuchthausstrafe hier nur eintritt, wenn auch auf den Wilsen der zu verkuppelnden Person eingewirkt wird. Wir wollen damit die Fälle treffen, in denen der Mann aus der Verkuppelung der Frau Gewinn zieht und sie geradezu als Aus- bcutuugsobjckt benutzt. Sollte aber unser Prinzipalantrag nicht an- gcnonmicn werden, so bitten wir, die Worte„Ehemaun zur Ehefrau" zu streichen, weil es eben eine ganze Reihe von Verhältnissen gicbt, wo der Ehemann gegen die Verkuppelung der Ehefrau nicht geschützt ist oder die Ehefrau nicht geschützt fein will. Ferner beantragen wir als neuen Absatz, daß die Duldung eines geschlechtlichen Vcr- kehrö zwischen Verlobte» nicht als Kuppelei zu betrachten ist. Was) Unzucht ist, mag jeder Einzelne ini, sich selbst ausmachen. Unter keinen Uinständeu kann man als Unzucht annehmen, was die weitesten Kreise als Zucht betrachten, und wovon sie sogar annehnieii, daß die Nichlübnug eines solchen Brauches nn- sittlich sei. Es ist ein uralter Brauch, den Jmmermaim im Ober- Hof erwähnt, daß der Bräutigam das Recht hat. feiner Braut vorder Hochzeit im Haufe ihrer Eltern einen Bestich abzustatten. Eine Verletzung dieses Brauchs würde in weiten Kreisen als Vefchimpfung der Braut gelten. Ich bcdanre, daß wir keine Statistik darüber haben, wieviel Kinder in den ersten<1 Monaten der Ehe geboren werden. Nach oberflächlicher Statistik für Berlin beträgt die Anzahl dieser Kinder bedeutend mehr alö litt Proz. der Geburten über- Haupt. Das Reichsgericht hat i» einem solchen Falle entschieden, daß es allein zu bestimmen habe. ivaS Unzucht sei. und hat den an- getretenen Beweis des Vaters, daß cS sich um einen alten Brauch handle, abgelehnt. Ich bitte Sic, sich nicht ans einen solchen Stand- Punkt zu stellen. Es soll doch hier ein Gesetz geschaffen werden, nicht um der scheinbaren Sittlichkeit, der Heuchelei ein Opfer zu bringen. Hier. Ivo wir Gelegenheit haben, dem Sittlichkeitsbewnßtsein deS Volkes entsprechende Bestimmungen zu treffen, bitte ich Sic dringend, unsere Anträge anzmiehme».(Bravo! bei den Socialdemokratcn.) Abg. Himburg(k.): ES sind Zweifel aufgetaucht, ob nnser Antrag nicht dahin miß- zuverstehen sei. daß es sich nicht um miteinander Verlobte zu handeln brauche.(Große Heiterkeit.) Ich ändere daher unfern Antrag dahin ab, daß vor dem Worte„Verlobte" die Worte„mit einander" gesetzt werden. Geh. Rat Dr. v. Tischcudorf bittet den Autrag Hiniburg abzulehnen. Er entspricht zwar im wesentlichen den Intentionen der Regierung, aber es ist doch besser, den Richtern einen größeren Spielraum zu lassen. Nach diesem Antrage wäre z. B. die Ancriciiiiiuig mildernder Umstände in dem Fälle nicht möglich, wenn es sich um nach nicht Verlobte handle, die Verkuppelung aber zum Zweck der Eheschließung geschehe und die Eheschließung auch kurz darauf erfolgt sei. In einem solchen Fall wären mildernde Umstände durchaus berechtigt. Tie übrigen An- träge bitte ich Sie dringend ebenfalls abzulehnen. Die Ausnahme zu Gunsten Verlobter widerspricht den geläuterten sittlichen Auf- fasiungcn, die allein dem Gesetz zu Grunde gelegt werden können. Sic widerspricht dem sittlichen Vewnsttsciu weiter Kreise des Volks. Rur in gewissen Gegenden und Volksschichten herrscht in dieser Be- zichuiig eine laxere Auffaffigig. Abg. Rärcu(C.) bcsämpft ebenfalls beide Anträge. Sie sind beide schon in der Kom- vnssion, gestellt worden, dort' eingehend erörtert und mir großer Majorität abgelehnt worden. Die.laxere Auffassung, die in gewissen Kreisen besteht über tzcn Verkehr zwischen Verlobten, kanil uns des Jonitls" Öttliii«| höchstens dazu führen, mildernde Umstände zu gewähren. Das hat auch die Kommission gcthan. Der Antrag Himburg würde einfach dazu führen, daß sehr' häufig der Einwand des Vcrlobtscius gc- macht, werden wird und daß dann stets eine umfangreiche Beweis- aufnähme wird stattfinden müssen, ob cS sich wirklich um Verlobte handele.(Beifall im Centrum.) Abg. Bcckh-Kobnrg(frs. Vp.) wendet sich gegen die Anträge Albrecht und Himburg. Die Feststellung des Bcrlobtseius tvcrde auf große Schwierigkeiten stoßen. Was heiße Verlobung, vielfach doch nichts anderes als„Verhältnis" (Heiterkeit.) Mildernde Umstände seien da am Platze, wo, wie es vorgekommen sei, eine Frau sich aus' Hunger, um für ihre Kinder zu sorgen, einem nnsittlichc» Erwerbe hingebe. Die Kommission habe mit der Zulassung mildernder Umstände alles Mögliche gethan. Ungehindert freier geschlechtlicher Verkehr dürfe den Verlobte» nicht gestattet iverden, sonst trete an die Stelle der Verlobung eine heim- liche Vermählung, ohne den Segen des Gesetzes.(Heiterkeit.) Abg. Stöckcr(wildkons.): Die schwerere Bestrafung der Kuppelei zlvischcn Eheleuten ist ein Fortschritt. Als der Civilstand noch nicht eingeführt war, mußten lvir Geistlichen häufig solche verwerfliche Ehen einsegnen, die nur gc- schlössen sind, um unter dem Deckmantel der Ehe Prostitution treiben zu können. Jetzt hat der Civilstand den Geistlichen diese Verantwvrtung abgenommen, aber die Zustände sind nicht besser geworden. Der feine Mann, der aus Frivolität außerehelichen Verkehr seiner Frau zuläßt, ist ebenso schlimm, wie der gemeine Manu, der seine Frau für Geld prcisgiebt. Ich weiß ja, da heute in Romanen und Feuilletons, in Theaterstücken solche Dinge cnt- schuldigt und aus dem Zeitgeist heraus erklärt iverden, avcr daS kann uns nicht abhalten, hier scharfe Gesctzesmaßregeln zu ergreifen. Herr Stadthagcn sagt, in die Ehe hat sich ein Dritter nicht hinci»- zumischcn. Die Ehe ist doch aber nichts Willkürliches, der Staat macht sie doch durch sein Eingreifen erst gültig. Die Ehe ist eine Grund- läge unseres Staats, und wenn dieser Grundlage Zerrüttung droht, so hat der Staat die Pflicht ciiiziigreifcn. Wohin kämen wir, wenn sich die Gesetze des Twars banne.ichteu wollten, was in einzelnen Bolhökrciscn für erlaubt gilt? Wilddieberei und Holzdicbstahl gelten in weiten Kreisen für erlaubt. Deshalb müssen sie) iveiin Gesc», dock, als strafbar erklärt werde»,(«sehr richtig! rechts und im EciitrUlu.) Auch der zweite Teil des focialdeinokratische» Antrags ist für mich nnannelimbnr. Es geht rchsalnt»ich! au, den geschlcchi- lichen Verkehr zwischen Verlobten gnasi durch Gesetz als erlaubt zu erklären. Er ist nnstttlicl) und darf deshalb nicht erlaubt sei». (Beifall rechts und ini Centn»».) Abg. Vebe!(Soc.): Herr Rörcn wundert sich, daß lvir unseru schon in der Kom- Mission abgelehnten Antrag wicdcnun eingebracht haben. Wir habe» ihn aber von neuem gestellt, weil wir ihn vom Standpunkt höherer Sittlichkeit veranitvorten können. CS ist nnsrcr Meinniig nach ein unerhörter Znstand, daß schon die Duldung einer Haudlniig> einer gewiß unsittlichen Handlung mit Zuchthans bis zu 5 Jahren l c straft werden kann. Wir einen, bei. einer so kolossal harten Strafe muß eine direkte Handlung vorliegen. Die bloße Duldung einer Handlung darf nicht so schwer geahndet werden. Obwohl es sich hier um recht nnsittlichc.Dinge handelt, entspricht hoch nnseii Antrag dem Staudpnnkt wahrer Gerechtigkeit. Würde die Vorlage ohne niiscrn. Antrag Gesetz, der§ 18l•würde ein Schlag ins Wasser sein, denn er würde nicht angewendet iverden. Würden nämlich die Staatsanwälte eifrig dahinter her sesn, so würden mehr Leute aus deff höher» Ständen als ans den Niedern Ständen darunter zu leiden haben. Denken Sic doch an die Fälle, Ivo ein niederer Beamter, um sich beim Vorgesetzte» beliebt zu machen, um von ihm ein Avancement zu erreichen, seine Frau preiSaicbt. Diese Fälle kommen gar nicht so selten vor. Der Paragraph würde alle die treffen, die man in den höheren Gescllschastskreiscu mit dem Titel „Hausfreund" belegt zum Unterschied von„Freund des Hanfes". (Große Heiterkeit.) Denken Sic doch an Beispiele aus der Geschichte. an die Messaliu-r. Das Weib lebt ausschweifend, der Mann hat nichr die Kraft, auch nicht die Macht, diesen unsittlichen Lebenswandel der Frau zu verhindern, ja in vielen Fällen U'ird durch solche Vorgänge erst recht die Leidenschaft des Mannes aufgestachelt. Der Ehemann hat ja das Recht, das ehebrecherische Weib ans dem Haufe zu jagen, die Ehe zu lösen, aber er kann eS oft nicht th»n a»S gesellschaftlichen Rücksichten, aus Rücksicht auf seine Llindcr. Sic wissen ja, der betrogene Ehemaun verfällt dem Spott, oft gar dcr Vcrachtmig. Wollen Sic einem Ehemann, der aus diesen Gründen sein Unglück still trügt, die Frau gewähren läßt, dem Zuchthaus überantworten? Das ist doch ganz unmöglich. Sollte der Straf- Paragraph wirklich durchgeführt werden. Sie werden sich wundern, welche vornehme Gesellschaft in unsere Zuchthäuser eingebracht werden wird. Was wirklich getroffen iverden soll, wenn nämlich der Ehe- mnuv sicki zum Znhäl! r erniedrigt, das wird jetzt schon getroffen. Welche Beleidigung liegt in dem ganzen Paragraphen für die Ehefrau!<�ic wird bestraft, aber der Ehemann darf sich eine Maitrcffe ins Haus iichinen, und die Frau findet leinen Schutz da- für im ganzen Strafgesetzbuch. Herr Stöckcr hat sia, denn auch gegen unsern Zusatzantrag zu Gunsten der Verlobten gewandt. Er meint, damit erkläre man den geschlechtlichen Verkehr zwischen Verlobten für erlaubt. Das ist durch- ans nicht der Fall. Nach iiiiseriu Antrag fall der Verkehr zwischen Verlobten nur nicht als schwere Kuppelei angesehen werden. Weiter wollcu wir nichts. Wir haben den Antrag gestellt, weil wir der Meinimg sind, das) Geselle überhaupt nicht im stände sind, die im Bolle vorhandene» Moralanschauungc» umzuändern. In den weiteren Kreise» des Volkes besteht nun einmal die Ansicht, daß ein geschlechtlicher Verkehr zwischen Verlobten nnanstöstig ist Ich wende mich an Sic, meine Herren vom Eentruni, und besonders an die Geistlichen unter Ihnen. Sie Huben doch gewiß einen großen Einfluß auf Ihre Gläubigen, eine» viel größern als die Protest««- tische» Geistlichen, und sie haben die in Rede stchendc Sitte weiter Valkskroisc doch nicht ändern köiinew An den Zuständen hat sich— ich möchte sagen, seit Jahrhunderten— nicht das geringste geändert. In ivcitoii Kreisen der Bevöllerniig, in den verschiedensten Gegenden Deutschlands besteht heule geradezu der Grundsatz, daß zwei Ver- lobte sich nicht heirate», bevor sie nicht geschlechtlich mir.einandcr vcrkchrt haben. Daö ist unsittlich, aber eö ist Sitte, in ganz Süddcntschland, auch in Gegenden van Hannover und Sachsen. Daö wird auch rund heraus anerkannt z. B. in dem Buch von Pastvr Wagucr:„Die Unsittlichkeit auf dem Lande". Da heißt es z. B.: Eine van ihrem Verlobten zurückgekehrte Bancrntochter beklagte sich bitter darüber, daß ihr der Bräutigam nicht einmal„die Ehre angcthan" habe.(Große Heiterkeit.) Wagner stellt fest, daß Sit Proz. aller Erstgeburten unehelich sind. Er verweist auf die sprichwörtliche Redensart der Bancrnsöhne:„Man kann doch die Katze nicht im Sack kaufen".(Heiterkeit.) Diese offenkundigen Zustände haben ja Regie- riiiig und Kommission zur Gewährung mildernder Umstände geführt; aber auch mit diesen mildernden Uniständcn bleibt der Paragraph ein Schlag ins Wasser. Wollten die Staatsanwälte alle diese Dinge verfolgen, cs müßten neue Gefängnisse gebaut werden. Was sollte». z.B. auch die Berliner Bourgeois lhun, wenn die Staats- anwälte den Dingen im Sprccwalde, woher bekanntlich die Ammen bezogen werden, nachspürten? Eine Menge guter Gründe sprechen für unsern Antrag. Wenn Sie nicht ganz im Borurteil befangen sind. müssen Sie ihm zustimmen.(Beifall bei den SvcialdeMokraten.) Geheimrat v. Lenthe: Mit dem vorliegenden Paragraphen ist. die Regierung zurückgekehrt zu de» bewährten Bestimmungen des allgemeinen deutscheu Rechts, wie eS bis 1851 auch in Preußen in Gelwng war. Maß- gebend war damals der Gedanke, daß allerdings dem Ehcmaim eine gewisse Autorität gegenüber scincr Frau zusteht und daß er vor Frtitllg, 36. JlnnllU' 1900. allem die Pflicht hat, für die Ehre seiner Frau einzutreten. Von der Bestrafung einer bloßen Fahrlässigkeit kann keine Rede fein, es handelt sich hier nur i»n vorsätzliche Vergehen' und Verbrechen. Herr Himburg wünscht Zulassung mildernder llmstände nur bei geschlechtlichem Verkehr zwischen Verlobten. Ich halte diesen Zusatz für überflüssig: zum mindesten müßten doch Mißstände in der bisherige» Rechtsprechung erst nach- gewiesen werden. Abg. Stockmann(Rp.): Meine politischen Freunde werden für die Vorschläge der Kommission und gegen sämtliche Anträge� stimmen. Ich will nur meine Verwunderung darüber aussprechen, daß. obschon die Bc- schlüsse der Kommission cinstiinniig gefaßt sind und die Svcialdcmo- kraten selbst für die vorliegende Fassung gestimmt haben, sie doch ivicdcr mit Anträgen gekommen sind. Wenn Herr Bebel behauptet, der geschlechtliche Verkehr zwischen Verlobten sei vielfach Sitte. sv will ich nicht leugne», daß die Thatsache vorkommt; ich würde sie meinerseits lieber eine bcklagciisivcrte Ilusitle ucilncn. Abg. Rintele»(C.): Ich halte auch mildernde llmstände für den Fall nicht geboten, daß cs sich nur um geschlechtlichen Verkehr zwischen Verlobten handelt, wo die Eltern diesen Verkehr dulde».(Die übrigen Aus- fiihruugen des Redners bleiben auf der Tribüne unverständlich.) Abg. Esche(natl.): Ich kann mich nach den vorhergegangenen Reden darauf bc- schränken, mitzuteilen, daß wir für die Beschlüsse der Kominisston stinnncn werden. Abg. Bebel(Soc.); Einem Branche, der weit verbreitet ist. können Sie mit dem Gesetze nicht entgegen treten, und das wollen Sic auch gar nicht. Sic wollen nur dann bestrafen, wenn die Eltern der betreffenden Leute den geschlechtlichen Verkehr zwischen Vrautlcnten oder Verlobten dulden. Mit all den Dcklamationcn, die über die Bildung der Un- sittlichkeit angestellt sind, können Sic daS nicht aus der Welt schaffen; Sic treffen nur den Fall, wo unter Duldung der Eltern dergleichen vorgelvmmcn ist. Im übrigen möchte ich noch einmal, weil man unsreu Zusatz als ciueii Zusatz hingestellt hat, der ausspreche, haß der gcschlcch!- liche Verkchr zwischen Verlobten sittlich sei, darauf hinweisen, daß ganz ähnliche Aiissührniigeu. wenn auch in einer andern Materie, in dem gegenwärtigen Strafgesetzbuch vorhanden sind. Da heißt cs über den Diebstahl in � 247 Absatz 2:„Ein Diebstahl, der von Verwandte!! aussteigender Linie gegen Vcuivandten ab- steigender Linie oder von einem Ehegatten gegen den andern vcgangci! lvorden ist. bleibt straflos." Deswegen wird aber doch niemand behaupten. das Strasgesetzviich erkläre den Diebstahl für sittlich. Im weiteren muß ich offen erklären, daß ich von den Aus- führiuig'ci! gegen unsreu Antrag keineswegs eines Bessern belehrt worden bin.— Herr Dr. Stockmann versuchte, uns in einen gewissen Widerspruch zu unser!!! Verhalten in der Kommission zu setzen. Es ist aber bekannt, daß die Kviiiniissioliömirgliedcr zwar von- den Fraktionen gewählt iverden, daß aber die Fraktionen das Thun ihrer Kominissionsmitglieder nicht ohne weiteres billigen innsseu.(Sehr richtig! links.) IlcbrigenS wurde nur unser Prinzipalantrag damals zurückgezogen, die andern kamen zur Ab- slimmling und wurden abgelehnt. Wir nehmen sie wieder auf, um uujreu Frcuiidcil zu zeigen, was wir mit ihnen beabsichtigen. Abg. Rörcn(C): Es ist nicht richtig, daß mir der. Prinzipalantrag der Social- deniokrateii in der Kommission zurückgezogen ist, auch die Evcntnal- antrüge wiirdcn zurückgezogen. Herr Bebet hat den Paragraph nicht richtig aufgefaßt. Nicht die Ebefran soll bestraft iverden, wenn sie Ehebruch treibt, auch nicht der Mann; sondern der Mann mir dann, wenn er diesen g. ichlcchtlichcn Verkehr seiner Frau befördert. Daraus folgt also mich, daß nicht die gekörnten Ghemäulier bestraft werde», sondern im Gegenteil diejenigen, die d>Kt nnsittlichc Treiben der Frau kennen. Wenn wirklich in ciiizeliieil Gegenden die Ausfajstnig besteht, daß der Verkehr zwischen Verlobten erlaubt ist, hätten wir gerade die Pflicht. dieser Anschauinig nicht Vorschub zu leisten. Herr Bebel hat gc- meint, weim dieser Paragraph Gesetz würde, müßten sich die Zucht- hauser mit Mitgliedern höherer Stände füllen.. Wenn dies so wäre, würde es doch eigentümlich sein, daß gerade wir j ü r diesen Para- graphen, die Socialdemokrateu gegen ihn eintreten.(Bravo!.im Ecnlrnin.) Abg. Stadthage»(Soc.): Ich will nur der Legcndenbildung de» Abg. Stöcker entgegen- treten, als sei der Zusatzantrag, den lvir gestellr haben, in der Kom- Mission von»iiS zurückgezogen. Wenn Herr Stöcker den Kommiisions- bericht genau liest, wird er sich vom Gegenteil überzengen. Gegen- ilber dem Abg. Stören nur zwei Worte. Wir luollcn vor allem den Mißbrauch strascn, den der Ehemann mit seiner Gewalt gegenüber der Ehcsrau treibt, indem er aus ihrem unzüchtigen Verkehr mit andern Gewinn zieht, aber wir wollen nicht, daß z. B. der Berg- niaiiii. dessen Frau von cincin Steiger gcmißbraucht wird. wie das gestern hier erwähnt wurde. nun noch Ivo- möglich bestraft ivird, weil er diesen Verkehr geduldet hat, während er doch in der That infolge seiner Abhängigkeit nichts da- gegen thuil konnte.— Was unsern Znsatzanlrgg betrifft, so bemerke ich' Herrn Rörcn gegenüber nur, daß lvir uns mit ihm in lieber- ciiistimmuiig mit dem alten Rechtsjatz befinden, aus vollzogenen' Beischlaf folge ohne iveitereS die Ehe. Damit schließt die Diskussion. In der Abstimmung iverden sämtliche Anträge der Social- dcmokratie gegen die Stimmen dieser, der freisinnigen Volispartcl und der freisinnigen Vereiiiigung abgelehnt, ebenso d c r A n t.r a g H i in b u r g gegen die Slimmcn der Kenservatipen. K 181 iv'icd also unverändert nach der Kommijsioilsfasstliig angenommen. § 181a laiilet: Eine männliche Person. welche von einer Frauensperson, die gewerbsmäßig Unzucht treibt. unter Ansbentimg ihres nnsittlichci! Erwerbs ganz oder teilweise den Lebensunterhalt bezieht oder einer solchen Frauensperson geivohnhcitsmäßig oder aus Eigennutz in Bezug auf die Ansübung des unzüchligcn Gewerbes Schlitz gewährt oder sonst förderlich ist(Zuhälter), wird mit Gefängnis nicht unter cincni Monat bestraft. Ist der Zuhälter der Ehe m a n n der F r a u c n s p e r s o n ohcr hat er sie unter Aiiweiidung von Gewalt oder Drohungen zur Ausübung des ulizüchtigcii Gewerbes angehalteu, so tritt Gefängnis- strafe nicht unter einem Jahre ein. Neben der Gcfängnisstrase kann ans Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, auf Zulässigkeil von Polizei-Anfsicht sowie ans lieber- Weisung an die Landespolizeibchördc bchufS Unterbriiignng in ein Arbeitshaus resp.(bei Ausländern) Verweisung aus dem BtMdcS- gebiet erkannt werden. Die Abgg. Albrccht und Genossen(Soc.) beantragen diese» Paragraphen zu streichen. Eventuell ») Den Ausdruck„FraneilSperson" durch„weibliche Person" zu ersetzen. st) In Abs. 1„ o d e r s o n st f ö r d e r l i ch i st" zu streichen. Die Abg. Himburg und Genossen(f.) beantragen, im Abs. 2 zu setzen statt„Gefängnis" usw.:„ZnchthcnS bis zn 3 Jahren", und falls dieser Antrag ailgenomnien iverden sollte, in Abs. 3 statt „GefSiignisstrafe" zu sagen„Freiheitsstrafe". Abg. Himburg(i.) begründet seinen Antrag, er sei nur die Köitsequenz des§ 130 und der darin ausgesprochenen Strafen. Die Verwerflichkeit der Vor- brechen in beiden Paragraphen sei gleich groß. Abg. Stadthagen(Soc.): befürwortet die Anträge Albrecht und Genossen. DaZ Wort FraucnZ- Person habe einen unangenehmen Beigeschmack. Dem Worte„mann- liche Person", entspreche„weibliche Person". Die Zuhälter könnten heute schon hart bestraft werden, wenn es nicht gc>chähe, so liege es daran, dah die Polizei diese Sorte Menschen mit Vorliebe als Vigilauten benutze. Der Zuhälter ist eine Folgc-Erscheiunng der polizeilichen Willkür, die gegen die Prostituierten Platz gegriffen hat. So lange diese Ursache nicht beseitigt ist. nmjz die Aus- bcntnng der armen Mädchen ins llngemcssenc steigen. Aus Furcht vor Deunnziationcn lassen sie'sich alles gefallen. Sie ivisscn, dag sie auf Grund polizeilicher Willkür sofort ins Arbeitshaus abgeschoben werde» können und lassen sich selbst die ärgsten Miszhaudlungen gefallen. So lauge diese polizeiliche Willkür niair abgeschafft ist, kann ich nicht für eine schärfere Bestrafung der Zuhälter eintreten. Die Polizciwillkiir gegen die armen Mädels der S trage ist die Quelle des Zuhaltertum». Bestraft soll werden nach der Vorlage, wer einem prostituierten Mädchen Schutz gcN'ährt. Wenn aho ein sittenloser Mensch mit einer Prostituierten verkehrt und sich der ihm obliegenden morali- scheu Zahlungsverpflichtung entzieht, ein andrer aber dein Mädchen zu dein Gclde ucrhilft, so wird nicht der sittenlose Zahlniigsucrwcigcrcr bestraft, sondern der andre, der dem Mädchen„den Schutz gewährt hat!" An sich ist eine strenge Bc- strafnug der Zuhälter gerechtfertigt, aber erst mutz die in der Polizciivillkiir liegende Ursache des Znhältertums beseitigt werden. Verringern Sie durch gute Arbciterschutzgesctze die Prostitütion. Sie werden ivcitec kommen, als mit diesem§ 181», für den ich nicht stimmen kann. Geh. Rat Tischeudorf wendet sich gegen die socialdcmokratischcu Anträge. lSeine Aus- führuugen bleiben im einzelne» auf der Tribüne unverständlich.) Wenn auch die Prostitntion ein notivciidigcS Hebel sei, so sei es doch das Zuhältertnm noch lange nicht. Die Streichung der Worte„oder sonst förderlich ist" sei überflüssig, denn es sei ganz ausgeschlossen, das; die Bcstinnniing des Paragraphen auf Rechtsanwälte oder Acrztc, die einer Prostituierten behilflich seien, angewendet werden könnte. Ter Antrag Himburg gehe zu weit. Abg. Rörcn(G.) bittet sämtliche Abänderungen abzulehnen und eS bei den Kommissions- bcschlüssc» zu belassen. Das Zuhältcrtum mutz schärfer getroffen werden und darum ist gerade dieser Paragraph überall mit Freuden begrützt worden. Die Haltung des Kollegen Stadthagcn ist mir unverständlich. Ich glaube auch nicht, dätz seine ganze Fraktion hinter ihm steht. Der Antrag Himburg geht mir zu lveit. Ein Jahr Gefängnis ist als Minimum ausreichend. Abg. Dr. Hicbcr(natl.) tritt für die Beschlüsse der Kommission und für Ablehnung aller Ab- andernngsanträgc ei». Wir wollen alles zur Hebung des Arbeiter- standcs lhun, das schlietzt nicht ans, dah wir daS Zuhältcrtum und seine Gefahren belämpfeu und eine schärfere Bestrafung der Zuhälter befürworten. Den Zuhältern mutz von der Ocffcntlichkcit das Brandmal der Gemeinheit aufgedrückt werden. Abg. Bargina»» lsrcis. Vp.): Es liegt nicht der geringste Anlast vor, über die Rcgicrungs- Vorlage hinauszugehen. Wir haben einzelne Bedenken gegen die Formulierung des Paragraphen und behalten uns Abändernngs- antrüge bis zur dritten Lesung war. Abg. Dr. Höffcl/, Uhr. Carl Weift. Lenorc, die Grabes- braut. Anfang 8 Uhr. Victoria. Berliner Bilder. Anfang 7-/' Uhr. Friedrich- WilhelmstäbtischeS. Der Boerenkrieg tu TranSvaal. Ansang 8 Uhr. Belle- Silliancc. Gastspiel des Schlierseer Bauern- Theaters. Almenrausch und Edelweifi. An- fang 8 Uhr. Metropo I. Spec ialitäteiworstellung. Die verkehrte Welt. Ansang 8 Uhr. � Slpollo. Specialitäten- Borstellung. Im Reiche des Jndra. Anfang 7V, Ubr. Rcichshalle». Stcttiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Palast. Leute von heute. Speciali- tätcn-Borstellung. Aus. 8 Uhr. Pafsagc- Pauopllkum. Speciali- lätcii-Borstcttuiig. Urania. Jupalidensir. ltf/liit Taglich abends von 5—10 Uhr: Sternwarte. Taubeuftrafte 48/4V. Abends 8 Uhr:„Von den Alpen zum Besum'. Im Hörsaal: Dr. P. Spies: -„Berlin vor hundert Jahren". Schilkr-Thcllta' lWallner. Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Dl« Jangfi-na von Oi-Ieana. Romanllschc Tragödie in einem Borlpiel und 5 Akten von Fr. Schiller. S 0» n a b e u d, nachm. 3 Uhr 2velt» SchQlorvorstellung: Iphigenie auf Taiirie. Abends 8 Uhr: In Behandlang. Sonn tag, nackiiirittagS 3 Uhr: Ble Ehre. Abends 8 Uhr: Bas Khthchen von Hellbronn. Crntrcil Tlzentvv Direktion: Jo>e Ferenciy. Die kleine Excellenz. Operette in drei Akten von Richard Hellberger. Allfang 7Vj Uhr. Morgen und folgendc Tage: Die- selb« Vorstelllliig. SomitagnachmiUag zu halben Preisen: Boccaccio vonFranz v.Supps. Palast-Theater früher Fcen-Palnst, Burgstr. 22 Das große erstklassige Jannar-Programm Nlagara-Trlo, Kulistradsahrcr aus dem 80 Fuß hohen Drahtseil. FeHcItaa- Truppe, Akrobaten. Latoure, Miniatur- Lachgctstcr. Bendlx, Osadaian, Wichmanns, Vits, Peralval, Voss:c. Um 8'/, Uhr: Nur noch kurze Zeit das mit kolossalem Jubel lUlsge- nommene humorvolle Lebensbild Leute uou heute. Kiebitz. Bäckermeister Dir.WIMi. Feöbol. Auf. 7»/, Uhr. Vorverk. von ll-1 Uhr. Somiabend, nach der Borstellung: Tanz.— Mittwoch, den 31. Januar: Benefiz für Sommerfeld. Thalia-Theater. Tel. Amt I Va 6440. Dresdenerstr. 72/73. Täglich: Noch nie dageweiener Possen- Lacherfolg! Im Himmelhof. Thomas, Thielscher, Helmerdlug, Junkermaim, Paulmüller. Morgen und folgende Tage: Im Himmclhof. Sonntag, den 28. Januar, nach- mittags 21/» Uhr, zu ermäßigten Preisen: Freund Fritz.— Rabbi Sichel— Gustav Kobcr a. G. Ca rl W elss-Theater Gr. Franksiirlerstrafte lliti. Lenore, die Grabesbraut. Anfang 8 Uhr. 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Chaiivari von 100 Klowns. Amateur- Konkurrenz- Reiten Mr. Rlvalll, der Feuerprinz. Signor Farint, der phänomen.Jonglcur. Dontre-danse zu Pferds_ ■■ CASTANS PANOPTICÜM Ken! Xeu! Xen! Cecil R ho d es Chamberlaan Ohm Krüger General Joubert Boerenaoldaten. Ciadarella. Drei Blirchengrappen. Urania TuubciiMtrasmc 48/4U. Im Theater abends 8 Uhr: Zum 2. Mal: „Von den Alpen zum Vesuv". Hörsaal: Berlin vor IOO Jahren. Invalldentitr. 57/0%: Tägl. Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. ■Passage-Panopticum; Oer amerikanische Haar-Athlet Sascha hebt mit den Haaren bis 300 Kilo Theätre variete 7— lO'/s Uhr. Anatomisches Museum Dienatags für Damen. W. Coacks Theater. Brinuiciistrake 10. Goldene Berge. Lebensbild mit Gesang in 3 Akten von Witten und Jacobsohn. Musik von Michaelis. Jeden Sonntag. Dienstag und Donnerstag nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Hcnte Freitag, den 26. Januar, vräcise TV, Uhr: Groftc aufterordentl. Borstellung. Auftreten der neu eugagierteli Kunstkräste, sowieAuttreten sämtlicher Klowns und Auguste mit ihren neacften Spaßen. Reiten und Vorführen der anerkannt unerreicht dastehenden Orig.- Schul- ulid Freiheitsdreisurcn des Dir. Aid. Schumann. Nur noch wenige läge: Die ersten und einzigen tauchen- den und schwimmenden Hirsche in Deutsäfiand. Nur noch einige Tage: Die kaiserlich-japanische» Hofkliiistler. Die IZ Akimoton. Die Araber. _ Die 3 Haydas. Nur noch einige Aufführungen: Das glänzendste RitterschaustUck: Schwarz mtb Weis; mit sämtlichen Einlagen. Morgen Somiadend: Cala-Fesf- Vorstellung. Sonntag: 2 Vorst, nachm. 3Vz Uhr: Im Welhnachtsbazar oder Die Puppen- könlgln Abends 71/3 Uhr: Schwarz und Weiss. Nachm. ein sind frei. American-Theater. Dresdenerstr. 06. Dir.; Emil Schnabl. Ä Rifise�Wilkins Ä als: Dir. Striese ans Skeise» in Berliner Ronlotte. Aufaug 8 Uhr. Vorzugsbillets gültig. Sonnabend, den 27, Januar: Zweiter groster Maskenball. Ich erkläre FrauMentler für eine Ehrenfra», nehme die Beleidigung zu- rück und gebe zu, mich in der Person geirrt zu haben. Frau Bertha Wein geb. Stein, Liebeliwalderstr. 46a. Ceiitrlllvttliliiid her Wnierer Delltsthlitiiiis. Sonntag, den 28. Jannar er., vormittags 16 Uhr, in den„Rrminhalle»", Kommaildautcnstr. S0: i. Creneritl-I/�ersanunlnng' der Zahlstellen: Berlin, Charlottenburg, Gr. Lichterfeldc, Rixdorf, Friedrichsberg, Weihenfee nnd Pankow-Nieder-Schönhauscu. Tages-Ordliuug: 1. Abrechiiung vom IV. Quorlal 1809. 2. Geschäftsbericht des Vorstandes. 3. Neuwahl deS Vorstandes und der BezirkSkassierer. 4. Verschiedenes. 2ä4/2 Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Die gegen de» Privatkläger Werk- führer Herrn Wenzel am 7. Na- vember 1800 gcthaiicn beleidigenden Aeiltzenpigell»chme ich mit Bedauern zurück.[1909b Wilhelm Hoirmnim. Tterhe- Tischler föfie her u. andrer gewerblicher Arbeiter. Ortsvcrivallnng Berlin B. Sonntag, de» 28. Januar er., vormittags 10 Uhr. im..BKr- klsehen Hof*', Admiralstr. 18c: Mitglieder- Vtrsliiitiiiliitlg. Tagesordnung: I. Abrechnung vom vierten Qnor- tal 1899. 2. Verschiedene Kassen-An- gelcgenheitcii. Das Mitgliedsbuch legitimiert! Um zahlreiches Erscheinen ersucht 181/41 Die Ortsverwaltung. ßeittrnl-taken- v. Sterbe» kich her Tischler lt. Eingclchr. Hilsskasse Nr. 3 Hamburg. Oertiiche Verwaltung Berlin F. Montag, 29. Januar, abeudS 8'/; Uhr, bei Neumann, Bruunenstr. lab: Mitglieder-Arsaiiiiiilililg. Tages-Ordu niifl; 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1890. 2. Beschluß der Verwaltungen Berlins um einen Ertrabeitrag von 5 Pf. zu erheben für unser» Jnvalidcnsonds. 2. Verschiedene Rassenangclegenheitcn. Kassenbuch legitimiert. Zahlreichen Beluch erwartet 183/1) Die Ortsverwaltung. 2,75,«cifidt 3,25. Lasen Hirschfleisch DM- Wildschwein. Kaninchen. Ganse. Hühner. Ente», Taube». K.Rttzedt, Dresdenerstr. 6t s ek�al'�v 8eit!e zu Braut u. Gesellschaft»- kleidern kauft man gut u. wirklich billig bei[3424L« hetal? Mayer, Seidcn-Engros- u. Fahrik-Niederlage. Dekatl-Verkanf: Fellnerstr.Sa,!, Ecke Alte Jalobstraße. Kein Laden Reste und einzelne Roben sehr billig Mltsken- Garderobe. G r ö s« t e Auswahl. Billigste Preise.« Verein. Preisermäßigung. Pf. Päliklilli. Oranicustrafte Ar. 178 II. Adalbertftrafte 01. C-ctc Oranienstrafte. ! k L x«> 0 1» F. �cktuvg! Sonntag, den LS. dannar, nnehmittngs 2 Uhr. mit Frauen. TagcS Ordnung: 1 Bortrag. 2. Diskussion. 3. Bericht der Kartell- delegierten und Neuwahl derselben. 4. Gewerkschaftliches. 131/3 Der Einhemfer. Deutscher Tabakarbeiter-Verband. Zahlatelle Berlin. Sonnabend, den«7. Januar, abends V/, Uhr, bei Feind. Weinstr, 11: Tages-Ordnung: 1, Abrechnung vom 4. Quartal 1Z09. 2. Urabstimmung über dir Aussperrung der Nordhausener Tabakspinner. 3. Bericht und Neuwahl der Vorortkommission, 4. Verschiedenes. 187-2 Der Bevollmächtigte. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute Freitag, abends 8,/< Uhr, bei Cohn, Beuthstr. 20/21: Sitzung der OrtsTerwaltuag. Am Freitag, den SC. Januar, abends 8 Uhr. im Englischen Garten, Alcxandcrstraße S7o: Vertranettsmänner-Bersammlttng der Ltideil- itnd Aeiuptöirbrtitlllie Berliits intd der Bororte. Tages-Ordnung: Unsere Lohnbewegung. ES ist Pflicht jeder Werkstatt, einen Bertrauenömann zu entsenden: insbesondere werden die Brauchenkollcgcn aus den Vororten ersucht, Ber- treter zu entsenden._ 77/3 Vlchkunq I Achtung! Musikiilstruinente»- Arbeiter. Sonntag, den 28. Januar l»vv. vormittag« 10 Ilhr. im Lokal„Sttd-Dat", Waldcmarstr. 7S: WP' Branchen-Versammlung."98 Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht der Brauchenkommission und Neuwahl derselben. 2, Berbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Kollegen! Erscheint zahlreich und pünktlich, die Tagcs Ordnunz er- fordert es unbedingt._ Kammmacher. Sonntag, de» 28. Januar, vorm. 10 Uhr. Gr. Frankfurters». ISS: Branchen-Versammlung."Wg Sämtliche Kollegen werden ersucht, in dieser Versammlung zu erscheinen. Nchknnq: -«.Pii Montag, den 20. Januar 1000, abends S1/. Uhr, im Lokal des Herrn Sehiiler, Rosciithalcrstraße 57, Hof parterre: Vertrattettsmänner-Versammlung Achtung: II. mit der Mi'llioll-nealroiltviamtllioil und dem I WMWWWW�W Tage»- Ordnung: Stellungnahme zu unsenir Vorgehe» in diesem Jahre. Kollegen! Wir ersuchen Euch, zu dieser Versammlung aus jeder Werk- statt einen Bertrauensmanu zu senden. Das Mitgliedsbuch legitimiert. Eonnabend, den 27. Jannar ISO», in Koppenftrafse 20: Kellers Festsälen. Maskenva lt. Anfang 8-/, Uhr."9® 177/4) DM- Bittet 50 Pf. Billet 50 Pf. Achtung, Kauarbetter Berlins«nd Umgegend. Beiträge zum Streikfonds werden jeden Sonnabend, abends von 8 bis 10 Uhr, an folgenden Stellen«»tgegengenommen: Filiale 1, O., im Restaurant von Franz Thielte, Pallisadcnstr. 52. Filiale 2, 8t), im Restaurant von Theodor Mehner, Skalitzerstr. 50. Filiale S, 81V., im Restaurant von Keßner, Hagelsbergerstr. 23. Filiale 4, XXV., im'Restaurant von Pfarr, Putlitzstr. 10. Filiale 5,.V., im Restaurant von Bergmann, Pasewalkerstr. 3. Filiale 0, k�.. im Restaurant von Rcimann, Putbuierstr. 30. Filiale 7, NO., im Restaurant von Dimke, Winsftr. 5«. Filiale 8, 8.(Rabitzspanncr), Restanr. von Ladewig, Kommandantenstr, 65. Filiale 0, Fricdrtchsberg, im Restaur. von Gorgas, Scharnwcberstr, t. Filiale 10, Rixdorf, im Restaurant von Thomas, Hennaiinftr. 40. Filiale 11, Maricndorf, im Restaurant von Ebel, Martendorf. Filiale 12, Schöuebcrg, im Restaurant von Obst, Grunewaldstr. 110. Filiale IS. Wilinersdors, im Olcstaurant von Witte, Bcrlinerstr. 40. Filiale 14, Steglitz, im Restaurant von Wiencck, Herderstr. 7. Filiale 15, Zehleiidvrs, im Restaurant von Dubrow, Machnowerstr. 4. Filiale 10, Eharlottenbmg, Rest, von Eberhardt, Wilmersdorserstr. 33a. Filiale 17, Waidmaniisliist, im Restaurant von Streckenbach. Filiale 18. Pankow, im Restaurant von Ebersbach, Berlmerstr. 102. Filiale 10. Weiheiijec, im Restaurant von Spcckma»», Kö»ig-Chauffee55. Filiale 20, Köpenick, im Restaurant von Stippekohl, Schönerliiiderstr, 4. Filiale 21, Alt-Glienicke, im Restaurant von Saß. Filiale 22, Spandau, im Restaurant von Paul Rupke, Bismarckstr. 6. Filiale 23, Groß-Lichterfelde. In den hier angegebenen Filialen findet auch die Abstempelung der Arbeitslosen- und Krankenscheine statt, und zwar vom Freitag bis Sonn- abend nachmittags 4 Uhr. 30/3 Die Lohnkommlssto» der Bauarbeiter centraler Richtung, j Zähne 2 Mk. Reelle Garantie. Teilaahlg. 1 Plombieren 1 Mk. Zahnziehen völlig schmerzlos. Sprechet. 8-8.[4/5 B. Lianee, Blumenstr. 25, Ecke Markusstraese.; Brauerei Gemania (Aktien-Gesellschaft) in ca. 70 eigenen Lokalen Bockbier */,„ 1 10 Pf. % Tome 3,50. 16 Fl.'1,0 1 1,60. ca. 4U FI. 10 Pf. frei Haus. Telephon XII SUIS. 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Rirdvis, Kneiebeckstraße. im Ausstand. Zuzug srnizlihaltcn bittet 145/5 Der Borstand de« Verbandes, tülllllllg. SätllkF! Bei der Firma Klake. Friedruhstraße. 236, sind Difiercnzcn ausgebrochen. Der Zuzug ist streng, scru- zuhalten. 156.8 vle zgltatlonsllommlsslon Berlin IV Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich t Dd.«lacke m Berlin. Druck und Verlag von Mar Bading in Berlin. it. 21. i7. MtWg. 2. Keilage des„iotmürts" lerlitier WlksdIÄ i«»««. 26 � m- Z�okerles� Parteigenossen Moabits! Alle diciemgen, welche gewillt sind, am Eoimtag bei der Flugblatt- Verbreitung im 44. Koiniminal-Wahlbezirk zu helfen, werden gebeten, sich Sonntag früh 8 Uhr bei Joh. Pfarr, Putlitzstr. 10, zu melden. Aus der Stadtverordueten-Versammlung. Von den zahlreichen Berawngsgegenständcn, mit denen sich die Stadtverordncten-Vcrsammlung in ihrer gestrigen Sitzung zu bc- schäftigen hatte, führte zu einer längeren Debatte nur der Antrag Kreitling, betreffend die Bereitstellnng von Mitteln zur Gewährung von Vorschüssen an die Krankenhäuser für solche Per- sonen, die, ohne der Armenpflege zu unterstehen, in derZahlung der Verpflegungskosten vorübergehend im Rück- stände sind. Die Vcrsammlimg hat m den letzten Jahren wiederholt den Standpunkt eingenommen, daß eine Stundung der Kosten für die Verpflegung m städtischen Krankenhäusern keine Armemmterstützung ist, also auch nicht den Verlust des Wahlrechts zur Folge haben kann. Da aber der Magistrat der entgegengesetzten Ansicht ist und das Oberverwaltungsgericht ihm beipflichtet, so wollen die Antragsteller, um der Kostenstnndung auf andere Weise den Charakter der Armenunterstützung zu nehmen, die Annenverwaltung aus dem Verfahren ganz ausschalten. Die Mehrheit der Ver- sammlung steht diesem Gedanken, wie sich aus den Ausführungen der verschiedenen Redner ergab, sympathisch gegenüber. Die social demokratische Fraktion gab durch Genossen Heimann die Er klänmg ab, daß sie eine erhebliche Erweiterung des Antrags beabsichtige. Wie die Stundung der Verpflegungskostcn, so seien noch eine ganze Reihe andrer Leistungen, die die Stadtgemeinde den vor- übergehend in Not Geratenen gewähre, nicht als Ärmcnunterstützung zu betrachten. � Den bürgerlichen Fraktionen der Versammlung ivir'd sich also denniächst Gelegenheit bieten, zu zeigen, ob ihre Sympathien für die wirtschaftlich Schwachen wirklich so sehr groß sind, wie man nach den gestrigen Erklärungen beinahe annehmen möchte. Der Antrag wurde zunächst zur Vorberatung einem Ausschuß über- wiesen._ . Sunt Kapitel der überfüllten Krankenhäuscr hat das Eisenbahnunglück am Bahnhof Schönhauser Allee wieder einmal einen lehrreichen Beitrag geliefert. Die Mitteilung, daß die beiden schwerverletzten Beamten, der Lokomotivsührer Tietz und der Zugführer Hummel vom Lazarns-Krankenhausc mitten in der Nacht abgewiesen werden mußten, hat allenthalben Aufsehen erregt. Man hat gefragt, ob denn nicht die Krankenhäuser verpflichtet seien, in solchen Fällen die Verunglückten unter allen Umständen aufzunehmen. Eine solche Verpflichtung auf Grund einer obrigkeitlichen Verfügung besteht nicht. Aus sich selbst indessen halten sich die Krankenhaus-Verwaltungen dennoch dazu für verpflichtet. In der Charit«, der chirurgischen Universitätsklinik und den städtischen Krankenhäusern haben die Beamten von der ärztlichen und der Verwaltungsdireklion die strenge Anweisung, Schwerver- unglückte niemals abzuweisen, unter allen Umständen für sie Rat zu schaffen. In der CharilS bestimmt eine Direktorialverfügung für den Fall, daß keine Betten niehr sind, Rescrvcbetten einzuschieben, wo es nur angeht, unter Umständen sie im Wärter- z i m ni e r aufzustellen. In den siebziger Jahren ist es hier vor» gekommen, day die Wärter ihre eigenen Betten räumen und auf den Korridoren auf Stroh schlafen mußten, um Schwer kranken oder Verunglückten Platz zu machen. Im Lazarns-Krankcn- Hause ist mm aber auch alles geschehen, was den Umständen nach gethan werden konnte. Dabei hat sich jedoch, von der hinreichend bekannten Uebcrsüllung der Krankenhäuscr abgesehen, nach einer andern Richtung noch ein Uebelstand herausgestellt. Als der Trans- Port mit den beiden� Verunglückten ankam, war im Lazarus- Krankenhause kein einziges Bett, nicht einmal ein Sofa mehr frei. Der � Unterarzt, der den Nachtdienst hatte, konnte also nicht helfen. Dagegen hatte er sofort den Ober- arzt herbeigerufen, um gemeinsam mit ihm den vor Schmerzen janimernden Männern durch eine Morphiumeinspritzung eine Linderung zu verschaffen. Dann wollten ihnen die Aerzte auch die Verbände nachsehen und verbesseni. wenn sie nicht mehr ganz in Ordimng sein sollten. Sie kamen jedoch weder zu dem einen noch zu dem anderen, und auch ihr Anerbieten, bei der Centrale der Rettungsgesellschaft anzufragen, ob vielleicht in der Charit« oder einem benachbarten Krankenhause Betten frei seien, blieb erfolglos. Allein die Begleiter des Krankenwagens machten kurz Kehrt und fuhren mit den Verletzten nach dem Krankenhause Fricdrichshain. ob- wohl die Charitä, das Augnsta-Hospital, das jüdische und katholische Krankenhaus näher liegen. Man stößt hier also wieder auf einen Mangel in der öffentlichen Krankenpflege Berlins, der zu ernsten Bedenken Anlaß geben muß. Von einer erfreuliche» Lohnbewegung unter der Studenten- schaft meldet die neueste Runnnec der.Berk. Hochschul-Ztg.'. Unter Hinweis auf die beschämenden Angebote von Nachhilfestunden zum Preise von S0, 60, 75 Pf., die es'bewirkt haben, daß jüngst am „Schwarzen Brett" eine HauSlchrcrstelle für 40 M. monatlich und freies Abendessen bei täglich dreistündiger Uiiterrichtscrteilnng an fünf Schüler der verschiedensten Klassen ausgcboten wurde, fordert der Verfasser seine Kommilitonen auf,'diese„Auswüchse der Konkurrenz" dadurch zu beseitigen, daß sie zusammentreten und Ver- einbarungcn treffen über eine Minimalfordcrung bei Erteilung von Privatunterricht. Der Verfasser schlägt einen Minimalsatz von 2 M. für jede Privatstunde vor. für Beaufsichtigung der Schularbeiten eines Knaben 50 M. monatlich, bei mehreren Knaben mindestens 75 M. VcrmehrniiD der Südrinazllge. Durch Beschluß der Stadt- verordneten- Veriammlnng zu Rixdorf war der Magistrat veranlaßt worden, bei der Eisenbahndirektion um eine Bennehrung der Süd- ringzüge der Stadtbahn in den Morgen- und Abendstunden einzu- kommen. Die Eisenbahndirektion hat nunmehr dem Magistrat folgenden Bescheid zugehen lassen: Für die Stunden des starken Arbeiter- Verkehrs sind bereits besondere Züge eingelegt, eine Vermehrung derselben ist außerdem in Aussicht genommen. Es wird geplant, die gegenwärtig in Rixdorf des Nachmittags endenden und be- ginnenden Züge bis zum Potsdamer Bahnhof durchzuführen bezw. von dort ausgehen zu lassen. In der Zeit von 0—4 Uhr. in welcher nur zwei Züge stündlich eingelegt sind, ist der Verkehr gering, so daß ihn die vorhandenen Züge vollkommen aufnehmen.— So lange das dritte und vierte Geleise zwischen Rixdorf und Ebersstraße nicht fertig gestellt ist, läßt sich eine durchgreifende Aenderung des Zug- Verkehrs nicht Herbeiführen, weil die Personen- und Güterzüge die- selben Geleise befahren müssen. Ter Verein selbständiger Holz- nnd Kohlenhändler im Norden Berlins weist in einem Schreiben an uns jede Gemeinschaft mit dem Verein der Kohlenhändler zurück, der in seinem Statut, wie wir in Nummer 12 mitteilten, Bestimmungen zur Aushungerung mißliebiger Arbeiter getroffen hat. Schweres Bauunglück. Auf dem Bau Alexandrinenstr. 92, ausgeführt vom Unternehmer L a g o tz, brach am gestrigen Nach- mittag gegen 3 Uhr eine ca. 2.50 Meter hohe und ca. 3 Meter lange Rüstung zusammen. Ein Maurerpolier und sechs Ar- beiter stürzten in die Tiefe. Der Polier und fünf Ar- beiter sind schwer, zwei Arbeiter anscheinend leicht verletzt. Das Unglück trug sich folgendermaßen zu: Der Polier und die Arbeiter schoben zwei schwere eiserne Träger an einer Rüstung in die Höhe, deren Beschaffenheit dem Anschein nach vieles zu wünschen übrig ließ und jedenfalls zum Transport solcher Lasten ganz ungeeignet gewesen ist. Bie uns mitgeteilt wird, waren die Aufrichtestangen ans Sand gestellt und demzufolge ousgeruscht. Auch soll die Rüstung so mangelhaft abgesteift gewesen sein, daß dieselbe durch das Rücken des schweren Eisens vollständig in sich zusammenbrach und die eisernen Träger wieder mit herunterriß. Wenn das Kind in den Brunnen gefallen, deckt man denselben zu. So war es auch hier. Nachdem das Unglück geschehen, erinnerte man sich, daß es den Arbeiten: bedeutend leichter gemacht werden kann und mit weniger Gefahren verknüpft ist, wenn solche Lasten mittels eines Flaschenzuges an ihren Bestimmungsort gebracht werden. Die Rüstung wurde wieder notdürftig hergestellt und iveiter ging cS, als ob nichts geschehen wäre. Wir müssen auch an dieser Stelle die Arbeiter darauf aufmerksam machen, daß cS in ihrem eignen Interesse liegt, bei derartigen Gerüsteinstürzen nicht früher an der Unglücksstelle weiter zuarbeiten, als bis nicht eine ein- gehende Untersuchung den Thatbestand und namentlich das Erforder« liche über die Gerüstkonstruktion und die Beschaffenheit des dazu verwandten Materials festgestellt hat. Vom Anöschuß der Giordano Bruno- Feier wird uns ge- schrieben: Herr John Henry Mackah legt Wert ans die öffentliche Erklärung, daß er dem Ausschuß zur Veranstaltung dieser Feier nicht angehört Sein Name ist unter dem Aufruf durch ein Versehe» beim Lesen des Korrckturabzngs stehen geblieben. Tie Unglücköstclle am Bahnhofe Schönhauser Allee auf der Ringbahn ist jetzt wieder fahrbar. An der Aufräumung wurde gestern die ganze Nacht hindurch mit Anstrengung gearbeitet. Um 3 Uhr morgens war man so Iveit, daß von den Güterzügen, die den Nordring benutzen müssen, der erste mit großer Borsicht und unter der Aufsicht eines Oberbcamten wieder über die Unfallstelle geleitet werden konnte. Nachdem sodann die zerstörten Geleise wieder er nencrt worden waren, fuhren nach einige» Stunden wieder sämt- liche Züge den gewohnten Weg. Die zertrümmerte Maschine ist mit Winden und Anhcbewagcn wieder auf die Räder gestellt worden und steht noch auf einem toten Geleise. Sie soll zugleich mit den drei nicht zerstörten Kohlenwagen nach Rummelsburg in die Werk- stätte zur Wiederherstellung geschleppt werden. Die Untersuchung über die Ursache des Unglücks hat ergeben, daß die Maschine keines- wcgs schadhaft war. Sie ist erst fünf Jahre in Gebranch. Die Ursache liegt einzig nnd allein im Bruch dcS Herzstückes, das vom Regen unterwaschen war. Ans Halbmast wurden gestern nachmittag in der dritten Sftinde die Flaggen der Staatsgcbäüde gezogen. weil die M u t t e r der Kaiscril! gestorben war. Von einem seltsamen Unglück ist am Mittlvochabend der 20jährige Zuschneider Erich O. in seiner am Zionskirchplatz ge legencn Wohnung betroffen worden. Beim Zuschneiden glitt ihm das scharfe Zuschncideniesser so unglücklich aus der Hand, daß ihm der Daumen vollständig abgeschnitten wurde. Der Verunglückte wurde»ach der Unfallstälion in der Schönhauser Allee gebracht, wo er infolge des Blutverlustes ohnmächtig zusammenbrach. Der sterbende Mittelstand. Eine Steuer auf Filialgcschäfte verlangte eine Versammlung der„Neuen Vereinigung der Cigarrcn Händler" dieser Tage. Selbst wenn der Staat diesem rückschrittlichen Verlangen nachkäme. so würde der Gang der ökonomischen Ent- Wicklung dadurch nicht im geringsten aufgehalten und dem„Mittel- stände" so wenig geholfen iverdcn wie jetzt. Eine nrne Strastenordnnng, welche die Kleinigkeit von 134 Paragraphen umsaßt, ist gestern Abend in der„Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht worden. Die Straßenordnung tritt sofort in Kraft. Sie enthält Bestimmungen, nach denen das Beladen und Entladen von Fuhrwerken während der Zeit von 11 bis 7 Uhr in den belebteren Straßen der inncren Stadt verboten ist. Die Beute ans einem großen Brillanten- und Uhrenraub in Hamburg ist in Berlin entdeckt worden. ES handelt sich um einen bei den Juwelieren I. Beyer u. Son am großen Burstah 27 in Hamburg verüble» Einbrnchsdicbstahl. bei dem den Dieben Anw bnnocr, aoldne Ringe mit Brillanten. Saphiren, Perlen, Sniaragden nnd Rnbincn besetzt, ferner eine größere Anzahl goldner nnd silberner Herren- und Damennhren in die Hände fielen. Die Beute re- präsentierte einen Wert von vielen Tausenden Mark. Dem Ham burger Polizei-Lffiziantcn Perlbach ist eS nun gelungen, den Hehler in Berlin zu ermitteln und dingfest zu machen. Sämtliche gestohlene Gegenstände wurden bei diesem entdeckt und beschlagnahmt. Bon den Dieben fehlt jedoch bis jetzt jede Spur. Der Diebstahl wurde am 19. d. M. verübt. Die Spur des Diebes und des Hehlers führte nach Berlin. Am Sonntag kam der Kriminalbeamte von Hamburg hierher und erbat und erhielt die Hilfe eines hiesigen Beamten. Beide machten sich nun aus die Suche und fanden auch in einem Hotel den Verdächtigen. Es ist dies ein schon vorbestrafter Mann. der mit einem andern zusammen in Hamburg ein Agenturgeschäft betreibt und in Altona wohnt. Seine Frau ist eine geborene Bcr- linerin und hielt sich zur Zeit hier bei ihrer Mutter auf. Der Mann hatte in dem Hotel Wohnung genommen. Auf die Frage, wo er die Goldsachen habe, crividerte er,' daß er sein Gepäck zur Auf- bcwahrnng auf dem Bahnhofe abgegeben, den Gepäckschein aber zerrissen habe. Von dem Diebstahl' wollte er nichts lvissen. Sein Socius, so erzählte er, sei an ihn mit der Frage herangetreten, ob er einen großen Posten Goldfachen brauchen könne, und habe hinzugefügt. er niöge sie im Auslande verkaufen. Er habe den Socius noch gefragt, ob denn mit den Sachen auch Alles in Ordnung sei. und ihm gleich gesagt, er werde sie nicht im Auslande. sondern in Berlin verkaufen. Er sei also in gutem Glauben. Der Verhaftete, der vielleicht selbst der Dieb ist. wurde gleich nach Hamburg zurückgebracht. Man beschlagnahmte bei ihn: Goldsachen aller Art im Werte von 20 000 M.: ein Dutzend goldene Herren- nhren, 20 goldene Herren- Uhrketten, 7 goldene Damennhren, goldene Ringe mit Steinen und Fassungen der verschiedensten Art, Arnibänder, Broschen ec. Fcncrbericht. Mittwochabend kurz nach 8 Uhr kam Schilling- straße 3 in dem Strumpfwarengeschäft von W. Dethloff ein größeres Schadenfeuer ans, das die Wehr längere Zeit beschäftigte und einen erheblichen Posten Warenvorräte zerstörte. Kurz darauf wurde Blumenstraße 1 der Inhalt eines Schaufensters durch Feuer vernichtet. Während der Nacht wurde freventlich der öffent- liche Melder Kleine Präsidentenstratze 7 gezogen, doch der Thäter entkam. Donnerstag früh erfolgte eine Alarmierung nach Kraut- t r a ß e 38. wobei es sich jedoch um irrtümliche Feuerbefürchtung mrch niedergedrückten Rauch handelte. Gegen Mittag war Rücke rt- traße 6 Benzin aus einem Behälter ausgelaufen und in Brand ge- raten, der aber noch im Keim erstickt werden konnte. Ueber de,: Kampf um die Gesundheit hielt gestem abend Prof. Dr. Max R n b n e r in der„Urania" einen beachtenswerten Vorttag. Der bekannte Arzt gab sozusagen einen geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung, welche die Kraickheitsbekämpfung in den letzten hundert Jahren gemacht hat. Raffte zur Zeit der napoleonischen Kriege der Typhus weit mehr Menschen hinweg, als die Kugeln des französischen Eroberers. so sah sich die Medizin ihrem damaligen Stande nach mehr auf die Behandlung ausge- brochener Krankheiten, als auf deren Verhütung angewiesen. Noch in den fünfziger Jahren war es in den Städte» um die Fortschaffung der Fäkalien traurig bestellt, und erst allmählich kamen die von Männer» wie Hufcland. Virchow verkündeten Wahrheiten zu praktischer Geltung. Der Redner wies dann auf die Bedeutting von Sonnenschein und reiner Luft in den Städten hin. Während in frischer freier Natur unter günstigen Umständen nur 50 Staubteilchen auf einen 5ttlbikcentimeter Luft kommen, enthält dieser Raum in der Stadt zehntausende und im schlechtgelüfteten Zimmer etwa eine Million Parttkelchen Staub. Von schlimmem Einfluß sei auch die Rauchplage auf die Gesundheit. Durch genaue Messungen sei festgestellt, daß Hamburg in einem Jahre nur 1237 Sonnenschein-Stunden, das viel staubfreiere Helgoland dagegen 1739 aufzuweisen hat. In London gab es sogar nur 1026. dagegen in der freieren Umgebung der Riesenstadt 1227 Sonnenschein-Stunden. Ausführlich kam Herr Professor Dr. Rubner dann ans die zer« störenden Folgen zu sprechen, die der Fabriistaub in den Lungen der Arbeiter hervorruft. Während Kohlenstaub noch verhältnismäßig harmlos ist, richtet der Holzstaub in Tischlereien und der Metallstaub in der Feilenhauerei die Lungen mit tödlicher Sicherheit zu Grunde. Hoffentlich ist cS nach abermals hundert Jahren der Menschheit gelungen, sociale Zustände zu schaffen, welche einen qualvollen, frühzeitigen Tod nicht mehr als das DnrchschnittSlos von Millionen Arbeitern erscheinen lassen._ Aus den Nachbarorte». Rixdorf. Die Stadtverordneten-Versammkung trat gestern zum erstenmal im neuen Jahr zusammen. Herr Sander wurde per Acclamation einstimmig zum Stadtverordneten- Borsteher wiedergewählt. Zum stellvertretenden Vorsteher schlug R e tz e r a u namens der socialdcmokratischen Fraktion den Genossen Ost ermann vor. Auf diesen fielen 13 Stimmen. Herr Vögelke wurde mit 25 Stimmen gewählt. Zu Schriftführern bestellte man wieder die Magiftratsiekretäre Micr und Märker. Ein Antrag Fahrenkmg, eine besondere VerkchrSdeputation zu schaffen, bot willkommenen Anlaß, die Praktiken der Großen Berliner Straßenbahn-Gesellschaft zu beleuchten. Von verschiedenen Seiten wurde daran scharfe Kritik geübt. Es wurde dann beschlossen, die bestehende Tiefbau-Kommission zu verstärken und aus dieser als Unterkommiffion die Verkehrsdcputation zu schaffen. Man wählte zu diesem Zwecke noch vier Stadtverordnete, darunter Dr. Silber- stein. in die genannte Kommission.— Bei der Verhandlung einer B orlage, welche die Neupflasterung mehrererStraßcn betraf, stellte Stadtv. M i t s ch k e tSoc.) den Antrag, die Pflastersteine selbst zu kaufen. Es biete sich hier eine Gelegenheit zum Sparen, die ausgenutzt werden müsse.— Stadtrat N i e m e tz trat dem Antrage entgegen, weil man früher mit dem direkten Aufkauf von Steinen schlechte Erfahrungen gemacht habe. Gegen die Stimmen der Socialdemo- traten wurden die Mttel bewilligt und die zuständige Deputation beauftragt, die Art der Vergebung der Lieserungen und der Arbeiten festzustellen. Die weiteren Punkte der Tagesordnung wurden vertagt. Rixdorf. Die Ueber nähme dcSnatnrhi st arischen S ch u I m u s c u m s dcS Lehrers Fischer durch die Stadt steht in nächster Zeit bevor. Der Magistrat hat jetzt bei der Stadt- verordnetcn-Versannnlnng beantragt, die zum Ankauf erforderlichen Mittel bis zur Höhe von 4000 M. zu bewilligen.— Mir dem Bau dcS neuen HeimS für die Realschule soll bald begonnen werden.— Die hiesige Weberin nung beschäftigt sich jetzt leb- hast mit der L o h n f r a g e. In einer Jnnungsvcrsammlnng wurden die Praktiken des Wollwarcn-Fabrikanten Kießling einer scharfen Kritik unterzogen. Man rügte scharf, daß die Firma den von ihr beschäftigten Wcbcrnieistern lHausgcwerbcttcibenden?) die d e n k b a r niedrigsten Löhne zahle, um die Wollwaren recht billig auf de» Markt zu werfen. Die versammcltcn Jnnungsmeister wählten schließlich eine L o h n k o m m i s s i o n. welche sich mit sämtlichen Webermeistern der Firma Kießling in Verbindung setzen und ihnen eventuell in andern Geschäften Arbeit verschaffen soll.— Auch die Gesellen werden darauf hinwirken, daß solche Meister, welche für Kießling billiger arbeiten, keine Gehilfen erhalten. Bei dem Charlottenburger Gewerbegericht sind im Berichts- jähre 1898/99 einschließlich der 16 aus dem Vorjahr unerledigt über- nonimenen 549 Streitsachen anhängig gemacht. Die Zahl der Streitsachen ist gegen das Vorjahr um 76 oder 12 Prozent zurückgegangen, was hauptsächlich auf die außergewöhnlich geringe Bauthätigkeit im Berichtsjahr zurückzuftihren sein dürfte. Denn während bei den sonstigen Gewerben noch eine, wenn auch nicht erhebliche Zunahme der Klagen zu konstatteren ist, hat die Zahl der Klagen im Bangewerbe uni 80 oder 36 Proz. ab- genommen. Im Verhältnis zur Eimvohnerzahl betrug die Zahl der Klagen 0,40 Proz. Von den Sttcitfachen entfallen auf das Bau- gewcrbe 143--- 26 Proz., auf Fabrikbctriebe 40—7 Proz. und auf das übrige Gewerbe und Handwerk 366— 67 Proz. In zehn Fällen haben Arbeitgeber gegen Arbeiter, in 539 Fällen Arbeiter gegen Arbeitgeber Klage erhoben. Streitgegenstand war in 25 Fällen Antritt. Fortsetzung oder Anflösung des Arbeitsverhälttnffcs sowie Aushändigung oder Inhalt des Arbeitsbuchs oder Zeugnisses, in 527 Fällen Leistungen und Entschädigungsansprüche ans dem Arbeitsverhältnis, in zwei Fällen Berechnung und Anrechnung der z» leistenden Kranken- Versicherungsbeiträge, nnd in einem Fall Ansprüche ans Grund der Ncbcrnahme einer gemeinsamen Arbeit von Arbeitern desselben Arbeitgebers gegen einander. Der Wert des Klage-Objekts betrug in 274 Fällen bis 20 M.. in 149 Fällen 20— 5VM. nnd in IIOFälleu darüber hinaus. In 16 Fällen war kein Wcrtobjekt vorhanden. Erledigt wurden auf gütlichem Wege(Zurücknahme, Anerkenntnis, Vergleich) 39,4 Proz., durch Austrag des Streites 42,8 Proz., auf andere Weise 17,8 Proz. aller Klagen. In 31 Fällen wurden die Klagen wegen ganz offenbarer Unzuständigkeit des Gcwerbcgerichts durch förmlichen Beschluß des Vorsitzenden ohne vorgängige mündliche Verhandlung zurückgewiesen. In 7 Fällen ist Berufung, in einem Fall Beschwerde gegen Endnrteile des Gcwerbcgerichts eingereicht. Nur in einem Fall wurde eine Ordnungsstrafe von 2 Tagen Haft wegen Ungebühr vor Gericht gegen einen Kläger festgesetzt. Als Einigungsamt ist das Gcwcrbegericht nicht angerufen worden. Die Große Berliner. Wie erinnerlich, fuhr am letzten Toten« sonntag ein Motorwagen der Straßenbahn infolge VcrsagcnS der Bremse in einen Laden in der Bergstraße zn Rixdorf und richtete dort erheblichen Schaden an. Wie jetzt bekannt lvird, weigert sich die Große Berliner Straßenbahn, die Wiederherstellungskosten dem geschädigten Hanseigentünicr zu ersetzen; die Gesellschaft hat den Eigentümer angewicien, sich an den Wagenführer zu wenden, der das Malheur angerichtet habe. Der Geschädigte hat daher gegen die koulante Straßenbahn-Gesellschaft den Klageweg beschritten. Gerichts-Zeitung. Tie Augsbnracr Krawalle vor Gericht. Ueber die Ver- Handlung vom 28. Januar wird uns berichtet: Den von der Verteidigung gestellten Anträgen auf Vornahme eines Augenscheines sowie auf Ladung Zsweitercr Zeugen wird vom Gerichtshofe stattgegeben. In der Zeugenvernchmnng erklärt der magistratliche Referent über politische und vereinspolizeiliche Angelegenheiten. MechtSrat B o l s ch e r, daß über das Verhalten der Meister in Bezug ans die Lohnfrage offenbar bei den Arbeiten: ein Mißverständnis obgewaltet habe. Der Vorsitzende des Centralverbandes, Herr Bömelburg, der von Hamburg hierhergekommen war, hat den Maurern ent- schieden vom Streit abgeraten, ebenso der Agitator Putz; später aber hat dieser mit Mehringer gemeinsame Sache gemacht. Das Streikposten stehen habe ich niemals verboten. Die gegenteilige Verfügung meines Kollegen Dentschenbauer war nicht für die Oeffentlichkeit bestinnnt und ist auch öffentlich nicht bekannt geworden. Rechtsanwalt Dr. B e r n h e i m: Wie hat der Magistrat Schwa- dach von der Verfügung des Herrn Rechtsrats Deutschenbauer etwas erfahren können, wenn sie nicht öffentlich bekannt geworden ist? Zeu ge: Ich w eiß nicht, in welcher Weise. Rechtsanwalt Dr. Bcrnheim: Hat nicht Mehringer bis in die letzte Zeit vor dem Streik gewarnt? Zeuge: Mir ist davon nichts bekannt. Rechtsanwalt Tw Bernheim! In den Magistratsakten be- finden sich Vcrsammluiiasbsiichtc, in denen eS heißt: Mehring er w a r n l v o r d c m S t� r c i k. Z e u g c: Nachdem der Streik ausgebrochen war. galt Mchringer als der anerkannte S t r e i I f ü h r e r. Daraus' geht hervor, daß' er nicht gegen den Streik war. Rechtsanwalt Dr. Beruhe! in:.Was der Zeuge sagt, ist nach leiueur besten Wissen gesagt, aber cS ist falsch.— Haben nicht die M c i st e r in brüsker Weise die Einladung des Herrn Negirrungs- Präsidenten, der sich Mühe gab, die Sache beizulegen, zurück- gewiesen? Der Zeuge bestätigt dies. Rechtsanwalt Bern st ein: Ist nicht der Anfrnf, der am letzten Tage au die Bevölkerung erlassen wurde, seitens der Polizei von den Plakatsanlcn wieder abgerissen worden? Zeuge: Polizcikommissar Rieß liest die Plakate in der Wortachstraste wieder cutfernen, weil die Leute stehen geblieben sind, um den Aufruf zu lesen. Rcchtsailwalt Bernstein: Die Verfügung des Herrn Rechts- rats Deutschenbaucr ist nicht vollzogen worden? Zeuge: Diese Verfügung ist inhibiert worden. Mehrere. Polizeibeamte geben dann Schilderungen der Skandalscenen. So auch der Stadtkommissar RegierüngSrat Schmidt. Rechtsanwalt Bernstein: Sie haben früher gesagt, dast die Leute ans der besseren Gesellschaft die Deckung für die Unruhestifter gebildet haben? Der Zeuge bestätigt diese Aussage. Wegen der Leute, aus der besseren Gesellschaft ging es nicht so leicht, den Skandal zu unterdrücken. Zeuge hat ferner die Maurermeister gefragt, ob die Loh u- a n f b e s s e r u n g von 40 auf 43 Pf., worin das Verlangen der Arbeiter gipfelte,'so groste finanzielle Opfer fordere. Diese Frage wurde verneint. Rechlsanwalt Dr. Beruh eim: Was wissen Sie von den VernnttlnngSvcrsnchen des Herrn Regiernngspräsidenten? Zeuge: Ich habe nur gehört, dast sich die Maurer au den Herr» Regierungspräsidenten gewendet haben um Vermittlung, dast aber die Meister die zugesagte Verniittlung abgelehnt haben. Polizeitommissar R i est schildert ebenfalls den Verlauf des Krawalls. Die.S ch u tz l c n t c feien mit bewundernswürdiger 3l u h e vorgegangen. Rechtsanwalt Dr. Bern heim: Sie. haben an Ihre vor- gesetzte Behörde berichtet: Die streikenden Maurer hielten jich nach Eintreffen des Militär- in großer Entfernung und hetzten von da ans die Menge. Zeuge: Ein solcher Bericht soll möglichst erschöpfend sein, und deshalb habe ich auch über Beobachtungen berichtet, die mir von anderer Seite mitgeteilt, wurden. Polizci-Jnspektor Höst hal mir gesagt, dast ihn Mchringer Sch... inspektor geschimpft hat und .das betrachte ich als eine.Hetze. RechtSrat Deutschenbaucr wird von Rechtsanwalt Dr. B e r n h e i m Über die beiden von ihm erlassenen Verfügungen vom 19. und 20. Mai 1809 interpelliert. In der einen dieser Ver- fügungen heißt es: Baumeister und Poliere sollen ihnen bekannte agitatorisch oder s o n st in strafbarer Weise ans- tretende Maurer den Polizef-Organen benennen.... In der auf Arbeitswillige in unerlaubter'Weise e i n z u- wirken. Herr Deutschenbaucr verweigert jede Auskunft über recht- liche Meinungen mit der Begründung, daß er wisse, wie sie ans- genützt werden. Er erklärt, dast er nur über Thatfachcn ans- sagen will. Einige höhere Offiziere, die in einem Wucherprozeß als Zeugen auftreten sollten und nicht erschienen waren, sind recht schonend behandelt worden. Vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I staub gestern ein umfangreicher Wucherprozcst zur Verhandlung an, für den zwei Tage in Aussicht genommen waren. Der Haupt- angeklagte, Agent H ö n n i n g h o f, wurde ans der Untersuchungs- Haft vorgeführt, die beiden Mitangeklagten, die Agenten Adolf und Moritz M c n d e l s o h n, welche nur' in geringem Maße belastet sind, befanden sich ans freiem Futz. Zwei höhere sächsische Garde-Offiziere sollen von Hönninghof in arger Weise be- wuchert sein, wobei der letztere sich einer gcfälscbten Auskunft bedient und dem einen seiner Auftraggeber eine größere Snimne unterschlagen haben soll. Bei Ausruf der Zeugen stellte sich heraus, dast verschiedene„krankheitshalber" fehlten. Wenn die Verteidiger. Rechtsanwälte Wronkcr, Justizrat Rosenbamn und Dr. Ballien. auch erklärten, ans diese Zeugen verzichten zu wollen, so war dies bei einem anderen Zeugen, einem der beiden bewucherten Offiziere, doch nicht angängig. Dieser hatte in letzter Stunde eine Depesche ge- schickt folgenden lakonischen Inhalts:„Bitte mein Nicht- erscheinen zu entschuldige n." Der Termin mußte vertagt werden. ES wurde beschlossen, die Militärbehörde des ausgebliebenen Zeugen zu ersuchen, ihn in eine entsprechende Geldstrafe zu nehmen, ihm auch die Kosten deS Termins aufzuerlegen. Nun stellte Sicchts- anwalt Wronkcr den Antrag, den Angeklagten Höiminghof gegen eine Kaulion von 10000 livk. anS der Haft zu entlassen. Staatsanwalt Krebs wollte die zu hinterlegende Summe auf 15 000 M. erhöbt wissen, der Gerichtshof gab aber dem Antrag des Verteidigers statt. Vettpsnunlunsom Mit der Lohnbewegung der Einsetzer beschäftigte sich eine am Mittwoch abgehaltene öffentliche Versammlung, lieber die gegenwärtige Situation wurde berichtet: Die Beteiligung an der. Bewegung sei nicht grade sehr gut zu nennen. Ein Teil der Kollegen stehe jedenfalls noch mit den Arbeitgebern in Unter- Handlung und habe sich deshalb dem Streik noch nicht an- geschlossen, andre haben schon früher die gestellten Forderungen bewilligt erhalten, und wieder andre glauben sich deshalb nicht an der Bewegung beteiligen zu brauchen, weil sie in besseren Werkstellen arbeiten. Bis Dienstagnachmittag hatten 62 Arbeitgeber die Forderungen bewilligt, und weitere Be- williaungen laufen fortgesetzt ein. Unter den neuen Bedingungen arbeiten'bis jetzt 161 Einsetzer, die fast alle organisiert sind, 50 be- finden sich im Streik. Anscheinend habe sich nur die Hälfte der in Berlin beschäftigten Kollegen an der Bewegung beteiligt, es gelte nun, diejenigen,' welche sich noch nicht beteiligt haben, zum Anschluß an die Lohnbewegung zu veranlassen. Die Konjunktur sei zur Zeit so günstig, daß der Kampf nicht schwer sein würde. Die Versammlung beschlost: Jeder Streikende hat sich täglich vormittags von 9—10 Uhr im Streik- biirean zur Kontrolle zu melden und sich der Kommission zur Ver- fügiing zu stellen, eventuell kann die Unterstützung dcwon abhängig gemacht werden. Wer noch 1—2 Tage mit der Fertigstellung seiner Arbeit zu thnn hat, erhält für diese Zeit eine ArbeitSbercchtignngs- karte. Die nächste Versammlung findet am Sonntag Alte Jakob- straße 75 statt. Tic Mifistände in den Mittel- und Grosibctricbcu der Metallindustrie des Ostens, lautete das Thema einer Metall- arbciter-Bersanniilnng. die am 21. d. M. tagte. Mit dem Hinweis, dast die Betriebsleitungen vielfach die M i st st ä n d e in den Betrieben gar nicht kennen und erst durch die Oeffentlichkeit veranlaht werden, den Wünschen der Arbeiter Rech- iinng zu tragen, beleuchtete der Referent. Metallarbeiter W i e s c n t h a I zunächst die Zustände der F i r in a Eckert «Aktien- Gesellschaft). Nach den Ausführungen des Zleferemen sind inSbesonders die sanitären und hygienifchen Verhältnisse in diesem Betriebe sehr schlechte. In dem neuen Anbau ist durch die Coatsöfen. sowie durch die Besfemer- und Zinkvfcn die Atmosphäre geradezu verpestet. In der Schmicdcrei entwickelt sicti beim Feuer- aufblasen ein sehr starker Qualm, der auch in die Formerei und Schlosserei eindringt. Die Scheren und Stanzen stehen auf dem Hos nur Überdacht und so eng zusammen, dast Ungluckssalle sehr leicht vorkommen können.'Der Verdienst differiert sehr oft zwischen 20 Pf. und 1,20 M. pro Stunde. Im Drillbau erhalten die Schlosser einen AiifaugSloh» von 27tb Pf. pro Stiiiidc. Heizung. Vciitilaiion, Waschvorrichtiing und Trinkwasser werden im ganzen Betrieb als sehr maiigelhasr bezeichnet. Die Klosetts sind ohne Wasserspülung und oft nnsaiiber. Bei der Firma Lange u. Gntzcit ist, wie angeführt wurde, überhaupt keine Waschvorriastnug vorhanden. Der iiiigcbenrc Qualm in der Schmiede hat keincii Abzug. Die Heizung ist in dein ganzen Betrieb sehr mangelhaft. Die Soniitagsarbcit ist seit letzter Zeit an der Tagesordnung. Die Accordvreise siiid Nur den Äoloiiiiciiführcrn bekannt. Dci Dittmann. Markus siraste, zieht der Onalm ans der Schmicdcrei gleichfalls durch die ganze Fabrik. Die Anschläger müssen im Keller ziisaimnengepserchi bei Gaslicht in einer sehr schlechten Luft ihre Arbeiten ausführen. Bei Elfter. Litzmann- straste, sind sämtliche Fabriksäle von dem Dunst und Qualm anS der Gießerei gefüllt. Für ca. 250 Arbeiter sind nur 7 Klosett- vor- banden. Die' Lohnzahlung stndct am Hofe statt und zwar auch bei Frost. Regen und Schnee. Bei der O st b a h n und N i c d c r s ch l c s i s ch- M ä r k i s ch c n Bahn wird in den Eiscnbahii-Rcparätnrwcrkstätte» ein Tagclohn von 2,20 bis 4,— Ak. bezahlt. Den Lohn von 4 M. erhalten in der Hauptsache nur die ältesten Kolomicnführer. Außerdem wird ein Lohnaccordansschlag von 50 Proz. berechnet. Das Licht ist ungc- niigeud, das Ocl friert ein, so daß sich die Arbeiter hänstg selbst Talglichte kanscii müssen, um arbeiten zu können. Daß unter solchen Vcrhältniffen sehr leicht Unglück-fällc vorkommen, ist erklärlicli. Die Vcntilolioii soll im ganzen Betrieb eine sehr schlechte sein. Bei der Firma P i ii t s ch werden siir alle möglichen Dinge Strafen in der Höhe von 25 Pf. bis zu 1 M. verhängt. Verbandskasten und sonstige Einrichtungen dieser Art werden als sehr mangelhaft be- zeichnet. Nachdem der Redner noch die schlechten saiiitäreu und hygienische» Zustände bei der Firma K ärger und L i n tz ii. Eckard t kritisiert hatte, plädierte er für den festen Zusamiucii- schlust in der Organisation, da nur dadurch die Mißstände vollständig und dauernd vcseiligt werden können. Der zweite Referent, Herr Dr. Friedebcrg. erläuterte in eingehender Weise die Einwirkung dieser Mißstäudc auf den OrgauiS- ums der Arbeiter. Den beiden, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referaten folgte eine längere Diskussion, in der die angeführten Mißstände bollauf bestätigt beziu. ergänzt wurden. Mit einem kräftigen Hoch auf die Organisation erfolgte der Schlust der gut besuchten Ler- sammliiiig. tkeiitralvcrbaud der Elektromoiitcure und Berufsgcnosicn Deutschlands. Settiou Berlin II. Sonnabend: Sitzung bei Immen- dorfer, Soplncnstr. 5. Socialdemokratifcher Berein Johannisthal-Nieder Schöncwcide. Mitgliederversammluiig am n7. Januar, abends Sl;2 Uhr, im Lokale von Strecker. Ei» intcriiatioiiales Wcttichwimmc» wird Soniitagiiachmittag 3 Uhr im AdmiralSgartenbad, Friedrichstr. 102, vom Schwimmvcreüi Nord(M. d. A.-S.-B) veranftaltet. Vevtnipchkes- Ans Hamburg wird berichtet: Die Obduktion d�er Leiche des D i e n st m ä d ch e n s Thurau, die gestern nach- mittag in der Anatomie vorgenomnieu wurde, hät' ergeben: dast der Tod infolge einer Verletzung der Hirnschale erfolgt ist. Au der rechten Seite des Kopfes, in der Nähe der Schläfe, befindet fich eiike etwa 4 Centimetcr tiefe Wunde, die durch einen Schlag mit einem Hamnicr, einem Beil oder einem ähnlichen Werkzeug verursacht worden ist. T�otz des.Befundes der Leiche leugnet B u ch h o l�. Von einer Messer-Affaire wird uns aus Kiel unterm 25. d. gemeldet: Heute früh ist eS von feiten mehrerer von der Kaisers- Geburtstagsfeier heimkehrender Mariner zu einer Mefier-Affaire ge- kommen, der wahrscheinlich ein Menscheiileben zum Opfer gefallen sein dürfte. Die Mariner, zur Besatzung des Panzer»„Kaiser Friedrich HI." gehörend, hatten lärmend und eine Fensterscheibe zertrümmernd die berüchtigte Straste„Hinter der Mauer", die Bordellccke Kiels, zum würdigen Abschluß ihrer Feier durch- zogen. Ein ihiien entgegenkommender Händler Rameiis Oswald Gebhardt ermahnte sie zur Ruhe, wurde jedoch mit Meficrstichcn traktiert. Nachdem er zur. Verhaftung des Messer- stechers den Besitzer eines Bierkcllers um Beistand ersucht, machle er sich au die Verfolgung des Matrosen, wurde hierbei jedoch so durch Stiche in den Unterkeib verletzt, dast er zusammenbrach. Er wurde in ein Hans getragen, dort verbunden und dann nach dem Umversität*» lazarett geschafft. Am Wiederaufkommen des sehr, schwer Verletzten wird gezweifelt. Der Mariner wurde durch andere Soldaten ver- haftet.' Schifisnntergang. Bei den S h et I a n d-I ns e l n ist cni großes Schiff untergegangen. Bis jetzt sind neben zahlreichen Wrack- stücken sieben Leichen angetrieben.) Aus Lemberg wird berichtet: Der Gemcindevorstand in L n k d (Bezirk Kalnsz), Raniens Körnow, fuhr mit seiner Familie im Wageü über den zugefrorenen Dnicsierflust. um sich nach Bukaezowoe zum Markte' zu begeben. Plötzlich brach unter dem Wagen die Eis- decke ein, und der Wagen stürzte mit den Pferden in die Fluten. Kornow, dessen Frau, die Kinder und- der Fnh r m änn ertranken. Tic Pest. Nach telegraphischcn Meldungen aus R o s a pro jArgciitinien) ist die Pest daselbst aufgetreten. Ein strenger Sanitäts- kordon ist gezogen worden.— In Sidncy scheint, wie man dem „Berliner Tageblatt" meldet, die B u b o n e n p e st aiisgcbrochgn zu sein und sich auch bereits nach England übertragen zu hoben. Ein TranSportsiihriiimin, der mit den Wersten in der Londoner Cilh in Berührung kam. scheint angesteckt zu sein und liegt krank danicdet. Da die Pest durch Siatten aiis den ans den östlichen Häfen kommen- den Schiffen eingeschleppt sein dürfte, so ist zu befürchten, dast noch mehrere Personen infiziert sind. Marktpreise von Berlin am 24. Januar 1900 mich EiiiiiNliiiihcii des chl. Polizclprcisidiilms »IMeizen D.-Clr. �Roggen 'Fullci-Gcrsle„ Hafer gut niillcl. gering Zlichlslroh Heu„- rlüifiicii fiiSpciiebohiieu, tjvni'cit Kaitoficli!, neue 9i;iibllii;rt), Keule l kg fn. Baiich'„ ») EiiiUstelt pro 14,80 14.10 13,00 15.— 14,10 13,30 4,50 7,10 40,— 45,— 70,— i!eo 1,201 Deirne 13,80 13,50 13,— 14,20 13,40 12.60 3,66 3,80 25,— 25,— 30,— 5,— 1,20 1.- von Schiveiiiesleilch Kalbfleisch Hammel sieilch Lutter Eier Karpfen Aale Zander Hechts Barsche. Schleie Bleie Krebse lieg 60 Stück 1kg per Schock 1,60 1,80 1,60 2,60 6,20 220 2,80 3,50 1,80 1,60 2,80 1,40 12.- 1,10 1,t- lt- 3,- I.- 1,40 1- 1,- .0,80 1,40 0,80 3.- der CeiilrdlslcNe der Preiitz Laiih: wtrtschasiskcimniern— Noriciuiigssielle— und innacrechnet voin Polizei- präfidnim siir dm Doppelcriiiiier, fi) Kleiichandelspreise. Produkten markt vom 25. Januar. Heute blieben am Getrtide- markt die des okteren envähiitcu sliiiiuliei enden Momente bestehen, und die Tendenz war«est. Da jedoch auch das Getreide-Angebot fortdauert, Ipcciell Weizen, das übrigens in Amerika matt war, so, hielten die Käufer sich reserviert, und es kaiiicn keine neaiieiisiverten AMchlWe zu stände Be festigend wirkte die Kombiiiatioii, daß die Pest in Rosario die argeiUiiiischen Wcizcuverschilsmiacn verhindern könnte, Weizen wurde daraufhin 0,50 M, höher gehalten, Roggen behauptete seinen gestrigen Preisstand, Hafer fand wenig Beachtung, A ü b ö l war ans Tcckuiiaen leicht erholt, stilii S v i r i t u s in a rck t wurden 20000 Liter 10er loco mit 47,— Marl(unverändert) gehandelt,_ «Setter-Prognase für Freitag, den 26. Januar 1000. Etwas lühler, zeitweise heiter, vielfach wolkig mit gcriugcn Nieder- schlägcu und ziemlich sriichcn nordwestlichen Winden, _ B e r litte r W c t t c r S u r e a u, Vrieskasten der Redaktion. Tic juristische Sprcchstniidc findet Montag, Dienstag und Freitag von 0—« tthr abends statt. B. l. Ja, 2, Nein, 3. Sie sännen klagbar werden, 4, Ja 5,. In drn Frage zu 3 und 4,— St. D. 33. Wenden Sie sich mit einer Ansrage aber oirclt mit dem Antrag an das Amtsgericht.— S- W. 32. Ja, Wittenberge 1000. Für uns nicht geeignet. Wir habe» es an daS Brandenburger Pmeteiblnit gegeben, !>»-!!>iUei». Äckerstr. 6—7. Tag es-Ordnung: Wie ist es möglich, für die Mafchinciiformer geregelte Arbeits- und Lohnverhältnisse zu schaffen? Referent: Alwin Körsten. Diskussion, Achtung, Kleinpner Moabits! Sonntag, den 28, Jämiar, vormittags 10 Uhr: bei Pfarr, Putlitzstraste 10. Ein Bciiragssammlcr ist aliweseiid, 110/10 VI«»ItanM. Üeiitsiil-IlsiiiilikiiIiiiUi! llks MM® Verwaltungsstelle Berlin. Am 27. Januar, abends SV. tthr, im Restanraiit Penevstvin: Tages-Qrdnung: I, Kassen- und Koutrollberichl, 2, Besprechung Über die Jtikrasttretung des Stätuteii-Nachtraas, 3, Verschiedenes, 23/7 Um recht zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Die OrtSverwaltung. MSIIlIlIlisMIl!sII.lM!IlItI!kMZ. t'Nlalo«eellt, I. Sonnabend, den 37. Januar er., im„Ensli»csten Ho f", Nene Roftstr. 3: Mitglieder- VerssuiiiiiiuiiÄ. Tages-Ordnung: 1. Urabstimmung über die stlrheitslo'en-Unterstützuiig 2, Bericht der Brandenburger Konferenz,. 3. Berschiedenes, 156/7 Es wird pünktlich eröfsnet. Anfang S'/j Uhr, Filiale II, Treibriemen- Arbeiter, bei Baske, Grenadierstraftc 23 Tages. Ordnung � 1. Urabstimmung. 2. Berschiedenes. Filiale III, Täschner und Kosfermacher, NGT- Blenntaw, den 30. d. M., abends 8 Uhr, bei Boll,"ML Adalbcrtstr. 21. Filialt IV, Militär-Sattler, Sonnabend, den 27. d. M., abends 6»/, Ilhr, in den.li>iuinba1Ien, Kommandantcnftr. 20: Mitglieder- Versantmlnng."Wff Tages-Ordnung: l. Urabstimmung. 2. Verschiedenes. In sämtlichen Versammlungen legitimiert das Mitgliedsbuch. Die Borffände. M soeiieli Sie� 37. WV" bei Otto ZlUIIerlir.z-dlonelcv). Da gnbt's cincir kräftigen Mittagstisch mit Bier.50 Pf, Abciidiifch von 30— 60 Pf.___ 35771;* ■ggf- Bin 2 l'lir naelit» warme Kbche. Iß Zocialdemokratischer Nerem für Stralau- Nnmmelsburg und Umgegend. Sonntag, den 2«. Januar, nachmittags I tthr: Gonevsl � Vevssttrnrlung im Lokal des Herrn Pia«ko«»ck.v..Hauptstrafte 83. Tages-Ordnung: l Bckhtrag des Äciioficn Lankow über:„Die Entwicklung Frankreichs vom 46. vis 18. Jährhmldcrt." 2. Diskussion. 3. Kassenbericht vom letzten Quartal. 4. Bericht des Bibliothekars. 5 Vereinsangeleaenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Neue Mitglieder werden in der Dersamm- lung ausgenommen. Zahlreiches Erscheine» der Mitglieder erwartet Ber Vorstand. Tischler-Verein Sonnabend, den 27. Januar, abends 8'� tthr. Melchiorstrafte 15: Ztutzerordentl. General- Versammlung. Ta gesordnung: Beschlubsafsung über das diesjährige«omnicrverziiugeii und Vereins- Angelegenheiten._ AW- Mitgliedsbuch legitimiert NW Der diesjährige Maskenball ftndet am 10. Februar in den Andreas- Festsälen statt. BilletS sind beim Borftand und in der Verfaumiluiig zu haben.[198/2] Ter Lorstand. Steinarbeiter! Sonntag, den 28. Januar, mittags 1 tthr, Oeffentliche Versammlung im Enslincbe» Garten, Alexauderstrafte Nr. 27c. Tages- Ordnung:(172/12 1 Vortrag überdas Alters- und Jiwalidenvcrsicherungs-Gesetz Referent P. Mitschle 2. Stellmignahine zum Kongrefi 3. Verschiedenes Um rege Beteiligung ersucht Der Bertranensmaiin. Charlottenbiirs. Sonnabend, den 27. Januar 1000, im Lokale Hoffraanns Volksgarten au Weatend; Grosser Wiener Maskenball des„Central- Uerbandes deutscher Maurer� (Zahlstelle Eharlottenburg). Abendkahe findet nicht statt. Ansang 8 Uhr, Billet a 50 Pf, � Billets sind in allen mit Plakaten belegten Lokalen sowie bei sämtliche» Vorstandsmitgliedern zu haben. sIW7b] Der Borstand.- Beroülwortlichcr Redocteur: Paul Johu m Berlüi. Für den Inseratenteil verantwortlich: Dd. Glocke m Berlin. Tiuck und Verlag von Max Babing in Berlin.