Ur. 32. Abonnkinrnts-Krdkngunzt»: Abonnements-Pret» pränumerando: v'.erteljährl. 3,U> Ml., monatl. 1,10 ÜW., wöchentlich 28 Pfg. frei ini Hau«. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags» Nummer mit illultrierier Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: ZPO Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für ig vo unter Dr. 7371. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Ersch, iul täglich»ug«r Wonlag». Devlinev Volksbl�tt. Csntrawrgcrn der socialdemokratifthen Partei Deutschlands. 17. Jahrg. Die Inscrtions- Gebühr »«trägt für die sechsgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum»0 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anselgen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Hnserate für die nächste Nummer müssen btS 1 Uhr nachmittag« in derExpeditton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen dt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt« S Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Amt l, Nr. X808- Telegramm-Adresse: „Sorialdemokrai Serlin" Nedalttion: SW. 19. Ventkz-Straste 2. Sonnabend, den£7. Januar 1900. Expedition: SW. 19, Vruttz-SteaKe 3. Die Umgehung des Bndgetrechts. Wo imnier man die neue Flottendorlage anfäßt, zerfällt sie in Staub und Moder. Alles an ihr ist wirr, unklar, willkürlich. Ihre Entstehungsgeschichte ist eine absolutistische Karikatur; Düpierung des Reichstags, gebrochenes Versprechen der Regierung, Ausschaltung des Bundesrats, das sind einige Zuge aus der Vorbereitung des Entwurfs. Er selbst aber ist plump fornnilicrt; seine allgemeine Begründung besteht aus Allcrweltsphrascn, mit denen j e d Vorlage verteidigt werden kann. Nebelhafte Ziele werden angedeutet. Statt sorgsamer Motivierung erhalten wir vage Schwärmereien, statt einer wissenschaftlichen Darlegung von Ursachen und Wirkungen springende Behauptungen, statt Beweise Dogmen. Ueber die Dcckungsfragc wird mit harmloser Unbekümmert- hcit hinweggeglitten; die Ausgaben müssen sich nicht nach den Ein- »ahme» richten, sondern umgekehrt: was wir wollen, müssen wir haben. Endlich ist die Vorlage ein Hohn auf jedes konstitutio n e l l e Verfahren. Der Flottenplan, so wie er gestaltet ist. bc deutet eine Suspension der Verfassung auf ihrem cigent- lichsten und wichtigsten Gebiet. Man mag über die Tendenz dci� Flottcnvorlage sehr verschieden denken, man mag die weltpolitischen Träumereien für höchste Weisheit hallen, man mag an den mystischen Zusammenhang von Handel und Kanonen glauben— über zwei Einwände sollte keine bürgerliche Partei hinwegkommen, die den Anspruch einer wenigstens äußerlichen Ehrlichkeit zn wahren sucht: über das Decknngs- Problem und die konstitutionelle Frage. Und selbst wenn die Kosten den socialpolitisch reaktionärsten Gruppen keine Skrupel bereiten, darüber sollten innerhalb des Reichstags, seitdem auch die Konservativen die Reize eines verfassungsmäßigen Staats lebeus entdeckt haben, nicht zwei Meinungen möglich sein: daß eine Vorlage, welche die materielle Mitivirkung der Volksvertretung für Jahre hinaus beseitigt, in jedem Falle unannehmbar sei. Die Zumutung, die die Regierung wagt, ist weniger über raschend als die Gelassenheit, mit der die bürgerlichen Parteien diese Zumutung aufnehmen. Die preußisch- deutschen Regierungen haben sich niemals mit dem Bndgctrecht des Reichstags befreundet; wenn aber der Reichstag auf seine bedeutsamste Machtvollkommenheit verzichtet, so vollzieht er gegen sich selbst den Staatsstreich. Man muß sich an den Ursprung unsrer Verfassung erinnern, um zu begreifen, wie solches Attentat auf das Budgettecht, wie es jetzt geplant wird, möglich werden konnte. Der Verfassungsentwurf, der dem konstituierenden norddeutschen Reichstag vorgelegt wurde, schloß überhaupt die Aufwendungen für Heer und Marine von dem Budgetrecht aus und wollte für die übrigen Ausgaben eine Fest setzung auf die ganzen drei Jahre der Legislaturperiode. Gegen über dieser Beseitigung des Budgetrechts unter dem Schein seiner Einführung wurde von entschieden konstittttioneller Seite verlangt. daß alle Ausgaben des Bundes, einschließlich der für Marine und Kriegswesen, jährlich festgesetzt werden sollten. In die Ver fassung ging schließlich der jetzt noch in Kraft befindliche Ver mittlungsantrag Miguels über, Zder zivar das Bndgctrecht auch auf die Ausgaben für Heer und Marine ausdehnte, ferner die alljähr liche Bewilligung feststellte, aber zugleich die gefährliche Konzession machte, daß in„besonderen Fällen" die Ausgaben für eine längere Dauer als ein Jahr bewilligt werden dürften. Dieser Zusatz war die Bresche, durch die das absolute Regiment alsbald wieder in die Verfassung einmarschieren konnte. Alle die Septennate, Sexennate, Aeternate bedeuteten eine Rückkehr zu der alten Regiernngs- anschauung, daß der Reichstag in Fragen der.Landesverteidigung" nichts dreinzureden hätte. Und diese reaktionäre Entwicklung erreicht ihren Gipfel in der jetzigen Flottenvorlage, die das Budgetrecht, um das einst als das wertvollste konstittitionelle Gut so heiß gekämpft wurde, mit einer geradezu imponierenden Naivetät beseitigt. Es ist wichtig, den Teil der Begründung der Flottenvorlage im Wortlaut kennen zu lernen, der den famosen Vorschlag zu recht- fertigen sucht, der Reichstag solle sich für die Verdopplung der und alleS übrige dem Gutdünken der Re- Es heißt da über die„gesetzliche Festlegung der Flotte verpflichten gierung überlassen. Vermehrung": .Durch die Annahme deS Flottcngesctzeö ist die Not- wendigkeit anerkannt worden, die Stärke der Marin: und ihre Organisation auf eine gesetzliche Grundlage zu stellen. Hieraus folgt au sich schon, daß eine Vermehrung der Ntarine ebenfalls gesetzlicher Anordnung bedarf. Wenn- gleich bei diejer Sachlage eine weitere Begründung der Not- wendigkeit gesetzlicher Festlegung nicht erforderlich ist, so sollen im Nachstehenden doch die Gründe nochmals dargelegt werden, aus welchen die verbündeten Regierungen die Gesetzesform für un- erläßlich halten." Das ist eine wahrhaft Tirpitzsche Logik: Der Reichstag hat durch die Annahme der Vorlage von 1898 anerkaimt. daß ein gesetzlicher Plan notwendig ist. Zwei Jahre darauf erweist sich, daß diese gesetzliche Festlegung wegen der„veränderten Verhältuisie" falsch war— folglich müssen wir abennals einen„Plan" be- willigen, der nach wiederum zwei Jahren durch die ver- änderten Verhältnisse beseittgt wird. Die alte Vernunft wies uns an, aus der Einsicht in einen begangenen Irrtum die Vermeidung eines künftigen Irrtums zu lernen. Die neue weit- polittsche Vernunft dagegen stellt das Gesetz auf, daß ein Irrtum zu einem zweiten Irrtum verpflichte, daß eine Unmöglichkeit durch eine andre Unmöglichkeit abgelöst werden müsse. Doch unsere regierenden Weltpolittker berufe» sich nicht nur auf diesen zwingenden Schluß, daß einer Dummheit eine gleiche zu folgen habe, sondern sie sind so gnädig, die Notwendigkeit eines neuen gesetzlichen Plans noch besonders zu begründen: .Die verbündeten Regierungen find der Ansicht, daß eine Sicherung des Friedens auch gegen den seemächtigsten Gegner. erfüllen kann, wenn sie in dem Umfang durchgeführt wird, in welchem sie in Aussicht genommen i st. Bruchteile eines Geschwaders bilden keine Formation und haben militärisch nur die Bedeutung einer verstärkten Materialreserve. Ebensowenig genügt die Beschränkung auf drei Geschwader, weil dadurch der' Zweck der Vermehrung nicht erreicht wird. Es ist daher notwendig, daß die gesetzgebenden Faktoren, bevor in die Ausführung des Plans eingetreten wird, sich darüber einigen, ob der Gesamtplan für richtig gehalten wird und ausgeführt werden soll, lieber diese Frage muß eine Eni schciduug herbeigeführt w erden, und zivar eine solche von dauernder Gültigkeit. Dies ist nur durch ein Gesetz zu erreichen. Abgesehen von dieser Erwägung ist die gesetzliche Fest lcgnng der Vermehrung auch noch aus folgenden Gründen erforderlich: 1. Nur die gesetzliche Festlegung der Vermehrung kennzeichnet den feste» Willen, die Flotte zu schassen. Ohne daß dieser feste Wille zum zweifellosen Ausdruck gelangt, erwachsen der Durch- führnng des großen Plans sowohl auf personellem, als auch auf materiellem Gebiet erhebliche Schwierigkeiten. Nur wenn für die Durchführung drö Plans eine sichere Garantie gegeben ist, ist dauernd auf die Beteiligung einer größeren Anzahl leistungsfähiger Betriebe am Bau der Flotte zu rechnen, da nur dann das erforderliche Kapital in kostspielige» An- lagen zum Bau von Kriegsschiff»» ungelegt wird. Nur dadurch aber, daß die Marine nicht auf ganz wenige große Unternehmungen beschränkt ist, wird eine gesunde Konkurrenz ermöglicht. Nur wenn eine weitere Entwicklung der Marine gesetzlich sichergestellt wird, ist der Andrang von Scckndctten, Schiffsjungen und Freiwilligen, d. h. von solchen, die den Marincdicnst als Lcbcnsberuf wählen, ein ausreichender. Nur bei gesetzlicher Festlegung des Ziels ist der innere Ausbau der Marine sowie im besonderen die Erweiterung der Werft- und Hafcnaulagcu von vornherein dem späteren Bedürfnis richtig an- zupassen. 2. Der durch gesetzliche Festlegung der Vermehrung gekeun- zeichnete einmütige Beschlnst von VnndrSrat nnd Reichstag, die Kriegsmarine zu verdoppeln, ist für das Ansehen des deutscheu Namens im Auslände und damit für die gcsanite politische nnd wirtschaftliche Entwicklung des Deutschen Rcichs�von größter Bc- deutung. Nach dieser Begründung wird niemand mehr mit dem Hinivcis, daß ja der Reichstag das Recht der jährlichen Bewilligung behalte, den geringsten Eindruck machen. Entweder wird dem Reichstag sein Recht ernstlich gewahrt, alljährlich über die Marinefordcrnngen frei zu entscheiden, dann ist der„Plan" überflüssig und deshalb unannehmbar. Dann dürfte der„Plan" dem Reichstag höchstens zur Kenntnis- nähme, als ein vorschwebendes unverbindliches Programm zu- gemutet werden. Oder aber der Entwurf erhebt den Anspruch auf strikte Durchführung, dann bedeutet er. daß der Reichstag darauf verzichtet, sein Budgetrccht anders als lediglich fonnell und fiktiv auszuüben. Die Begründung zeigt un- zweideutig, daß eS sich um diesen zweiten Fall handelt. Der Reichstag soll sich auf das Ziel des Planes verpflichten, er soll der Regierung sechs Milliarden im Vorrat zur Verfügung stellen, ohne daß die Rcgicnmg irgendwie gebunden ist, eine bestimmte Zeit der Durchführung innezuhalten. Bewilligt der Reichstag den„Plan", so hat er sich damit des Rechtes des Widerstandes, ja selbst der ernst- hasten Prüfung für viele Jahre begeben. Der erste Erfolg der großen Schlachtflotte wäre, daß sie das Budgetrccht der Volksvertretung in den Grund bohrt.—_ Auf Kosten der Masse. Das Tollste in den neuesten Flottentollheiten dürfte die Behandlung der Deckungsfrage sein. Nach den Berechnungen der Regierung werden die ein in a l i g e n Ausgaben bis zur Erreichung der verlangten Flottenstärke 1801 Millionen betragen. Die fortdauern- den Ausgaben, die im Etat von 1900 sich auf fast 74 Mill. belaufen, sollen jährlich um 8,4 Millionen wachsen, so daß ie 1916 die Höhe von 10ii,7 Millionen erreichen. Die Gesamtaufwendungen werden von 168,6 Millionen im Jahre 1900 auf atÄZVz Millionen im Jahre 1910 und auf 34Ä Millionen im Jahre 1920 wachsen. Die ganze Berechnung ist natürlich gänzlich unverbindlich. da keine Höchstsumme, über die hinaus der Reichstag nicht bewilligen müßte, wie im jetzigen Flottengesetz, festgelegt werden soll. Die„Begründung" giebt selbst zu, daß die Kosten für Wersten. Docks, Hafenanlagen sich„nicht ver- anschlagen lassen". Aber auch alle übrigen Veranschlagungen, insbesondere diejenigen für Neubauten, werden zweifelsohne von den später wirklich nötigen Summen weit übertroffen werden, wie bekanntlich die Anschläge des l893er Flotten- gesetzes sich ebenfalls als zu niedrig herausgestellt haben. Die Panzerkolosse und ihre Armierung werden fast von Jahr zu Jahr teurer; ein Linienschiff erster Klasse kostete vor 10 Jahren noch 15 Millionen, im jetzigen Flottengesetz 20 Millionen, im neuen Flottenplan aber sind bereits Millionen dafür eingesetzt. Das wird so fort gehen. Die jetzt für den neuen Flottenplan veranschlagte Summe von 4888 Millionen, die sich bis zur Vollendung der letzten, 1916 in Bau zu gebenden Schiffe im Jahre 1920 aus 39S1 Millionen, also fast 0 Milliarden, erhöhen würde, wird sich also bestimmt als nicht zureichend erweisen und weit überschritten werden. Dazu kommt die Wahrscheinlichkeit, die gleichfalls an Sicherheit grenzt, daß die Verdoppelung der genommen wird, sehr bald in kürzerer Frist gefordert werden wird, so daß die 6 Milliarden schon weit schneller aufgebraucht sein werden. Der � im Jahresdurchschnitt erforderliche Aufwand für die Marine sowie die Steigerungsquote würden dann noch erheblich größer sein als jetzt angenommen wird. Nehmen wir aber das Unwahrscheinliche als wahrscheinlich an: Es sei mit den 4V2 Milliarden bis 1916 gethan. Dann sollen nach der Regierungsvorlage im Laufe der 16 Jahre 709 Millionen auf Anleihe genommen werden. Die übrigen Aufwendungen sollen aus den ordentlichen Reichseinnahmen bestritten werden. Die„Begründung" bemerkt hierzu: „Die bisherige Entwicklung der Rcichsfinanzen läßt erwarten, daß sich eine jährliche Steigerung der Beanspruchung der ordent- lichen Einnahmen für Marinezwecke in der vorstehend berechneten Hohe ohne neue Steuern decke» lassen wird. Sollte sich dies vorübergehend in dem erforderlichen Um- fang nicht ermöglichen lassen, so erübrigt nur, wenn neue Eiunahmcqnellc» nicht erschlossen werden, in solchen Jahren de» Anleihcbctrag z» erhöhen." So geht die Regierung in tändelnder Naivetät über die Frage hinweg, wie das schwer belastete deutsche Volk neue Milliarden aufbnngen soll. Die Leichtherzigkeit der Wassermänner in Finanzfragen überschreitet alles, was man selbst in der Acra des Weltmacht- leichtsinus für möglich halten sollte. Sie ist so groß, daß sie selbst den Bundesrat aus der Ruhe gescheucht hat. Eine Korrespondenz bringt folgende höchst bemerkens- wcrte Mitteilimg: „Die Flottcnvorlage, die nicht a»f der Tagesordnung der gestrigen Biindesratssitznng stand, ist, wie wir hören, angenommen worden, indem die Vertreter mehrerer Staate» ausdrücklich den Vorbehalt machten, daß nachträglich über die TcckungSfrage eine besondere eingehende Beratung erfolge. Von Bayern, Württemberg und Baden wird Wert darauf gelegt, daß f e st e B e st i m m n n g e n darüber getroffen werden, daß bei Anfstellniig des künftigen Rcichsetats keine Erhöhung dcr Matrikularbeiträge über den Betrag der Ueberloeisnngcn hinaus stattfinden darf. Diese Staate» haben auch zur Deckung der Kosten der Vorlage die Einführung einer Rcichsstcner» und zwar eines Zuschlages zu den Erbschaftssteuern der größer» Vermögen, in An« regnng gebracht." Die Bundesregierungen sind allen Berliner Anforderungen in tclegraphischem Gehorsam gefügig. Jetzt droht aber durch die Flottenansprüche ihren Finanzen schwere Gefahr. Da beginnt ihre Opposition. Sie benutzen die Gelegenheit, den alten Gedanken der Miquelschen Reichs-Finanz- r c f o r m wieder aufzunehmen und die Loslösung des einzel- taatlichen Finanzwesens von den Bedürfnissen des Reichs zu ordern. So berechtigt die Sorge der bundesstaatlichen Finanz- niinister ist, daß die für die Mannevermehrung geforderten Summen unmöglich aus den laufenden Einnahmen gedeckt werden können. daß dadurch bedeutende Erhöhungen der Matrikularbciträge nötig werden würden, so wird sich der Reichstag auf diese Lösung der Angelegenheit sicherlich nicht einlassen. Denn die Ersüllung dieser süddeutschen Wünsche müßte dazu führen, daß die Einzelstaaten von jeden: Beitrag zu den Reichsfinanzen und von jeder Verantwortlichkeit für das Finanzwesen des Reichs befreit würden und daß damit die Reichsausgaben lediglich und für alle Zeit aus de» indirekten Steuern und Zöllen bestritten werden müßten. Um so bedeutsamer ist die Anregung und Einführung einer Reichssteuer, welche die großen Vermögen belastet. Diese Anregung folgt den Spuren der Vorschläge, die von frei- sinniger und socialdemokratischer Seite früher schon gemacht sind. Jene Bundesstaaten haben also etwas gelernt und ihre Abneigung gegen die preußischen Vorschläge ist gerade ein drastischer Beweis für die Leichtferttgkeit. mit der diese Vorschläge aufgestellt worden sind, sowie für die Ungeheuer- lichkeit dieser Zumutungen an den unbemittelten deutschen Steuerzahler. Die„Begründung" hofft, man werde ohne neue Steuern auskommen können. Zugleich aber kündigt sie an. daß dieS vielleicht doch nicht der Fall sein möchte und daß dann ent- weder neue Einnahmequellen erschlossen werden oder der Anleihe-Bettag erhöht werden solle. Er- schließung neuer Einnahmequellen bedeutet aber nichts andres als Wiederaufnahme der alten Projekte der Erhöhung der Bier- und Branntweinsteuer. Will der Reichstag seiner früheren Haltung getreu von diesen Steuern nichts wissen, so bleiben als letzter Ausweg erhöhte Anleihen. Es ist jedoch gar kein Zweifel, daß die laufenden Reichs- einnahmen unmöglich die Flotten-Milliarden einbringen können. Selbst wenn wir mit einer dauernd günstigen und»veiter steigenden Entwicklung der Reichseinnahmen rechnen, können die kolossalen Summen, die man jetzt fordert, nicht gedeckt werden. Aber nur unverantwortlicher Finanzleichtsinn kann mit einer so günstigen Entwicklung rechnen. Wäre sie aber auch wirklich weiter und dauernd so günstig, als sie bisher gewesen ist: Werden nicht neben den Marinesordcrungen zahlreiche andere Reichsausgabcn nötig werden? Wird man nicht nächstens mit neuen Forderungen für die Landarmee kommen? Es ist sicher, daß die Anleihewirtschaft noch weit schlimmer werden wird als die Begründung zugiebt. Schon geht es jetzt der dritten Milliarde im Sturmschritt Lcrnichrimg der Marine nur dann den beabsichtigten Zweck: I Flotte, die jetzt für einen 16jährigen Zeitraum in Aussicht I entgegen. Statt Schulden zu tilgen, werden wir bald An Icifjcit aufnehmen müssen, um die Zinslast aufbringen zu können. � Nun hat ja das C e n t r u m angekündigt, daß es die Aufnahme von Anleihen für einmalige Ausgaben nicht mit- machen Molle. Herr Dr. Lieber wird versuchen, den Schein der Volksfreundlichkeit zu gewinnen, indem er einen ähnlichen Dcckungs-Paragraphen in das neue Gesetz bringt, wie er in�das Scrennatsgcsetz gebracht hat. Hiermit ist aber den arbeitenden Klassen in keiner Weise gedient. Die Liebcrsche Klausel(K 8 des Gesetzes vom 10. April 1898) besagt nur, daß im Fall die Marine- Ausgaben 117Vs Millionen in einem Jahre übersteigen und zur Deckung des Mehrbedarfs die Neichseinnahmcn nicht aus- reichen, daß dann der Mehrbetrag nicht durch Erhöhung oder Vermehrung der indirekten, den Massenverbrauch belastenden Reichssteuern gedeckt werden solle. Diese Deckungsklausel hat keinerlei Wert erhalten.- Da alle Lebensbedürfnisse des arbeitenden Volks schiver belastet sind mit Zöllen und Verx brauchssteuern, und da diese Abgaben von den Nahrungs- Mitteln und„Luxusartikeln" des Volks bedeutend gewachsen sind, so haben die laufenden Einnahmen des Reichs zur Deckung der 1898 geforderten Marinefordenmgen bisher zu- gereicht. Wie die Schiffsbauten des 98er Gesetzes aus der Not des arbeitenden Volkes bezahlt worden sind, ebenso soll und wird die Milliarde»- bürde der neuen Vorlage von den Arme» nnd Ar- beitenden getragen werden. Ferner ist aber bekannt, daß eine Erhöhung der Ge- treidezölle von der Regierung in Aussicht genommen ist. Das wird, wie der Landwirtschaftsministcr von Preußen erst letzter Tage verkündete, der Lohn sein, den die Kanitze für die Bewilligung der Kähne erhalten sollen. Die erhöhten Getreidezölle sollen die Deckung der Marinc-Ausgabcn ohne übermäßige Anleihe-Äufnahmen ermöglichen. Durch die Verteuerung deö Brotes soll zugleich den Wcltmachts- wilden und zugleich den Agrariern geholfen werden. Nun versucht die„Begründung" die Belastung des Volks als recht geringfügig vorzutäuschen, indem sie ein altes Taschenspieler-Kunststückchcn anwendet: „Untcr Berücksichtigung der niiitmaßlichcn BcvölkermlgS- Vermehrung stellt sich die pro Kopf-Ausgabe tS00 auf 3 M., . 1005: 4 M. 20 Pf.. 1010: 4 M. 50 Pf. und 1916: 4 M. 75 Pf. Die Steigerung beträgt also in dem ganzen Zeitraum von 1900 bis 1916 pro Jahr und Kopf etwa 11 Pf." Schon jetzt bezahlt also nach der Regierungsbcrcchnung -ein Familienvater für sich. Frau und zwei Kmder bereits jl5 M., er arbeitet also je nach seinem Arbeitsverdienst etwa 4—7 Tage nur für die Flotte. Nach dem neuen Gesetz wird er fast 24 M. zahlen müssen. Das ist aber nur ein Bruchteil .der Last. die er überhaupt zu tragen hat. Bereits 1895/90 betrug die Belastung einer fünsköpfige» Familie durch die indirekten Steuern jährlich Sl'/z M. lind die Ein nähme aus Zöllen und Steuern werden bekanntlich zum weitaus größten Teile zu u n p r o d u k t i v c n und k u l t u r- widrigen Heeres- und Marineausgaben vcr- wendet. Wäre die Belastung so gering, wie die Schönfärber der Regierungsvorlage es darstellen möchten, dann ist es doch doppelt erstaunlich, daß die Vermögenden sich so hart- näckig sträuben, die geringe Last auf sich zu nehmen. Auf Kosten der Masse, die durch saure Arbeit sich Groschen zu Groschen verdient, sollen die Milliarden ins Wasser ge- warfen werden. Das arbeitende Volk, das die Werke des Krieges und der Völkervcrhetzung verabscheut, soll das von ihm nicht Geivollte mit seinem Schweiß bezahlen. Die Flottenpatrioten aber schleichen von bannen. wenn die Rechnung für die Panzerschiffe aufgemacht wird, die llhrer Habgier überseeische Befriedigungen sichern sollen.— Volikifche Mebvvficht» Berlin, den 26. Januar. Der Reichstag verwandte am Freitag noch fast vier Stunden auf die Frage: ob Kasernierung dcr Prostitntion oder nicht? Daß die Käsermerung. d. h. die Zwangsregelung der Pro- stitution durch Staat oder Gemeinde ein brutaler Eingriff in die persönliche Freiheit ist, und daß sie obendrein die g e- setzliche Sanktion der Prostitntion bedeutet, ist so klar und so oft gesagt, daß es nicht mehr wiederholt zu werden braucht. Und ebensowenig braucht es gesagt zu werden, daß diese gesetzliche Sanktion, welche an sich eine Unsitt- l i ch k e i t ist, keine Verminderung der Unsittlichkcit zur Folge haben kann. Die polizeigläubigen Optimisten, die dies er- hofften, sind durch tausendfache Erfahrungen in allen „civilisierten" Ländern widerlegt worden. Und durch die Erfahrungen sind auch diejenigen widerlegt worden, welche hygienische Vorteile von der Kasernierung, das heißt der Errichtung staatlich oder gemeind- lich organisierter Bordelle erhofften. Wenn auch einzelne Prostituierte sich in Kasernen einsperren lassen, so doch nicht die Prostitution, die in der Bourgeois- gesellschaft, Ivo die Prostitution die notwendige Ergänzung der bürgerlichen Ehe ist, durch kein Gesetz und keine Gewalt ausgerottet werden kann. Alle bisherigen Formen der Polizei-Ueberwachung nnd Polizei-Hygiene mit Bezug auf die Prostituierten haben sich erfolglos gezeigt. Auch wenn die Prostitution vom Reiche selbst in Entreprise ge- nommen und von Reichs wegen organisiert würde, so würde weder der Unsittlichkcit noch der Syphilis gesteuert werden. Das Fiasko der R e i ch s- B o r d e l l e würde ein ebenso vollständiges sein, wie das der Staats- und Gemeinde- Bordelle. Das weiß jeder im Reichstag. Und jeder im Reichstag — und so ziemlich ein jeder außerhalb desselben— weiß, daß die lex Heinze ganz ohne Einfluß auf die herrschende Unsittlichkeit— was das immer sein mag— bleiben wird. Aber es soll„etlvas gethan" werden. Wir müssen der Welt doch zeigen, daß wir tugendhafte Menschen sind und„das Reich der Gottesfurcht und der frommen Sitte" bewohnen. So wird diese Komödie der Sittlichkeit weiter ge- spielt, zu der jeder ein ernstes Gesicht machen will, wobei er jedoch das innerliche Lachen nur mit Mühe unterdrücken kann. Unser Bestreben ging dahin, einerseits die Kasernierung der Prostituierten, andrerseits die Chikanierung der Wohnungs- Vermieter, die durch die Anträge des frommen Ccntrums mit dem Kuppelei- Paragraph bedroht wurden, zu verhindern. Das gelang indes nur teilweise. Die Gefahr der Reichs- Bordellwirtschaft ist nicht endgültig abgewandt. Da- für sind aber die Hauswirte, die an weibliche Personen der- mieten, durch Annahme der Regicrungsfassung, die weit liberaler war als die des Centrums, einigermaßen sicher ge- stellt worden. Die Debatte ging dann zu einem andern Punkt über, nämlich dem gesetzlichen Schutzalter für Mädchen. Den Sitt- lichkeitsfanatikern des Centrums genügte das Alter von 16 Jahren nicht; sie wollten den Schutz auf 18 Jahre aus- dehnen. Umsonst wurde geltend gemacht, daß diese Erhöhung des Alters der Sittlichkeit nicht förderlich sei, wohl aber zu Chikancn. Erpressungen und Scherereien aller Art führen würde— umsonst erklärte der Vertreter des Reichs- Justizamts, Herr N i e b e r d i n g. mit einer solchen Bestimmung werde das Gesetz für die Regierung wahrscheinlich unannehmbar— das Centrum setzte seinen Willen durch, und — die Regierung wird das Gesetz nicht ablehnen. Für unsere Fraktion sprachen in dieser Sitzung Bebel und Heine. Um 6 Uhr wurde die Debatte abgebrochen. Nächste Sitzung: Montag. Gesetz über das Postchcck- Wesen und Postetat.—_ Das preußische Abgeordnetenhaus hat am Freitag das Gehalt des Laudlvirtschaftsministers bewilligt. In der Debatte kamen naturgemäß neue Gesichtspunkte nicht mehr zur Sprache, es sei denn, daß man die Schlußfolgerung des klerikalen Abg. H eisig, höhere Löhne förderten nur die Trunksucht der Arbeiter, dazu rechnen will. BenicrkcnS- wert war die Schärfe, mit der sich Abg. G o t h e i n lfrs. Vg.) gegen das in Aussicht gestellte Ausnahmegesetz gegen länd- liche Arbeiter wandte. Mit Recht wies er darauf hin, daß nichts geeigneter sei, die Arbeiter aus der Landwirtschaft heraus- zugraulen und die Ausbreitung der Socialdemokratie auf dem Laude zu fördern. Daß er schließlich an den Austand der Herren appellierte nnd sie davor warnte, in einem Hause, wo die Arbeiterklasse infolge des schlechten Wahlrechts nicht vertreten sei. derartige Gesetze ein- zubringen, wird ihm nichts nützen. Solch Appell an den Anstand verhallt im preußischen Landtag ungehort. Einen großen Teil der Sitzung nahm wieder die Ausciuaudcr- setzung zwischen den Nationalliberälen und dem Bund der Land- wirte' in Anspruch, die uiit einer allgemeinen VcrbrüdcruugSsccne endete. Montag wird die Beratung- fortgesetzt. Die beiden Tirpitz. In der Begründung der neuen Flottcnvorlage schildert Herr Tirpitz die Unzulänglichkeit der jetzigen Flotte also: „Jin Kriege mit einer erheblich überlegenen Seemackit wird die im Flotteugesctz vorgesehene Schlaclüflotte eine Blockade e r- schweren, namentlich im ersten Stadium des Kriegs, aber nie- mnls verhindern können. Es wird stets nur eine Frage der Zeit sein, daß sie niedergekämpft oder nach erheb- l i ch e r Schwächung im eigenen Hasen eingeschlossen ist. Sobald hics der Fall, läßt sich kein Grotzstaat leichter von jeglichem nennenswerten Seeverkehr— sowohl der eignen Schiffe als auch der Schiffe neutraler Btächtc— abschließen, als Deutschland. Es bedarf dazu nicht der Blockierung langer Küstcnstrcckcn, sondern mir der Blockade der wenigen großen Seehäfen." Ein Bild des Jammers und des Schreckens! Aber am 6. Dezember 1897 bei der ersten Beratung des jetzt als völlig unzurcicheud geschilderten Flottcugesctzes sogt derselbe Herr Tirpitz: „Wenn ivir eine Flotte haben werden, die dieser Stärke ent- spricht«die Stärke des jetzigen FlottengesetzeS), dann schaffen Sie Denlschlaiid eine Seemacht, gegen die offensiv an mrsern Küsten vorzugehen selbst eine Seemacht ersten Rangs sich dreimal bedenken würde.(Hört, hört!) s-ie schaffen eine Flotte, meine Herren, ivclche ein erhebliches Gewicht zur Siche- r u n g des Friedens in die Wagsckiale werfen kann..." In einigen Jahren wird jedenfalls ein Herr Tirpitz Nr. 3 uns erzählen, dag auch die neue Flotte, die Tirpitz Nr. 2 jetzt verlangt, nichts taugt und daß wir eine noch neuere Flotte haben müssen.—_ Die tapferen Flottenagitatoren. Ans S t r a ß b u r g i. E. wird uns geschrieben: Unsere Marineschwärmer haben sich die schlimmen Erfahrungen, welche sie nlit ihrer Flottenpropaganda in Chemnitz gemacht haben, allem Anscheine nach zum warnenden Exempel dienen lassen und dafür Sorge getragen, daß ihnen ein zweites Fiasko ähnlicher Art erspart bleibt. Wie bereits berichtet, hat es Professor Schmoller aus Berlin unternommen, durch einen Bortrag, den er nächsten Sonntag hier zu Gunsten der neuesten Flottenvorlage zu halten gedenkt, das kläglich ge- strandete Schiff der Straßburger Wasjerpropagaiida wieder flott zu machen. In einem durch Abdruck in den Tagesblättcrn und öffentlichen Anschlag publizierten Aufruf, der von dem Bürgernleister der Stadt, einer Reihe von staatlichen Beamten, Professoren und Großkaufleuten unter- zeichnet ist, wird zu dieseni Spektakulum eingeladen. Der Eintritt dazu ist frei und jedermann hat Zutritt. Damit aber die Wirkung des Schmollerschcn Sermons nicht etwa durch Entgegnungen socialistischer Redner abgeschwächt werde, haben die Herren Einberufer der Versammlung von vornherein bc- kannt zu geben geruht, daß eine Diskussion nach dem Vortrage des Berliner Acgirpriesters nicht stattfinde. Einen artigen Reinfall zog sich in dieser Angelegenheit die regierungsoffiziöse„Str'aßburger Po st" zu. In derselben Ausgabe ihres Blattes, in welcher sie den Aufruf des hiesigen Komitees für die Schmollersche Versammlung mit dem Papagenoschloß für alle Flottengegner veröffentlicht, sucht sie sich über die Führer der Socialdemo- kratie lustig zu machen, die„einem Turnier mit den Berliner Professoren Delbrück, Schmoller, Sering und Wagner über die Flotsenfrage sorgsam aus dem Wege gegangen sind" und bisher auch auf das Anerbieten Professor Delbrücks, in einer von der Socialdemokratie einzuberufenden Versammlung über jenen Gegenstand zu sprechen, noch keine Antwort gegeben hätten. Dieser hartnäckige Widerstand gegen jede offne Auseinandersetzung und gegen das Anhören von Gründen sei ein geistiges Armutszeugnis, wie man es deutlicher sich kaum vorstellen könne. Herr Professor Schmoller. der in der geplanten Ver- sammlung seine Gegner einfach nicht zum Worte kommen läßt und auf den die obige Kritik der„Straßb. Post" deshalb Wort für Wort zutrifft, möge sich bei dem Puttkamcrschen Offtziosus für den artigen Willkomm bedanken, den er ihm damit bei seinem Auftreten in der„wunderschönen Stadt" entgegengebracht hat. Nebenbei bemerkt, hat auch der von der„Straßb. Post" protegierte Rcichstags-Abgeordnete für Straßburg. Jnstizrat Riss, die von der hiesigen socialdemokratischen Partei aus- gegangene Einladung zur Teilnahme an einer öffentlichen Versammlung mit freier Diskussion über die Flottenvorlage erst vor wenigen Tagen unter nichtigen Vorwänden a b- gelehnt. Hintennach verbot die Polizeibehörde zu allem Ueberflutz noch die Versammlung. Nachdem man nun auch in der Schmollerschen Versammlung den socialistischen Flotten- gegnern den Mund geschlossen hat, ist es dem arbeitenden Volke, vollends unmöglich gemacht, zu dieser seine Interessen aufs innigste berührenden Angelegenheit in der Oeffentlichkeik auch nur ein Sterbenswörtchen zu reden. Das istz die mannhafte Tapferkeit der alldeutschen Marine-Enthusiasten!— Deutsches Meich. Uebcr die Arbeits- Dispofitione» des ReichstaZs verlautet: Die erste Beratung der Flottenvorlage wird im Reichstag vermutlich nicht vor Mitte Februar statt- finden. Die Hinausschiebung der Verhandlung wird mit dem Wunsche begründet, den Fraktionen Zeit zu lassen, sich über die Vorlage zu verständigen. Für die nächste Woche ist die erste Beratung des Etats für Postcheckämter sowie die zweite Beratung der Etats der Reichspost und der Reichsdruckcrei in Aussicht genommen. Vom 2. bis 6. Februar werden keine Plenarjitzuiigen stattfinden. Nach dieser Unterbrechung wird die zweite Beratung der „lex Heinze" zu Ende geführt, an welche sich dann die erste Lesung der Flottcnvorlage anschließt.— Freisinn und Floitenvorlage. Die„Freisinnig e Ztg." sagt, lmfre Mitteilung über flottenfreinidliche Stimmungen in ihrer Partei seien aus der Lust gegriffen. Die„Freis. Ztg." ist nicht gut unterrichtet von den Vorgängen in ihrer Partei. Auch der Berliner Korrespondent der„Franks. Ztg." bestätigt unsre Mitteilung. obwohl er sie formell bestreitet, indem er seinem Blatt telegraphiert: „Neuerdings verbreitete Mitteilungen, daß einzelne Mitglieder der Freisinnigen Volkspartci für das Flottengesetz stimmen wollen ,md in ihrer Fraktion dafür Propaganda machen, beruhen auf Un- kenntnis mid ans einer mißverständlichen Deutung der That- fache, daß, wie im Centrum, so auch auf der Linken einer solchen Vorlage gegenüber nicht ohne weiteres mit cincur kurzen Ja oder Nein Stellung genommen werden dürste." Das ist mehr als wir geäußert hatten. Wenn es in der Fre:- sinnigen Volkspartci schon wie im Centrum aussieht— das genügt.— Cirkns auf dem Wasser. Eine unheimliche Macht, vor der wir selber beinahe erschrecken, scheint gegenwärtig die Social- demokratie zu besitzen. Sie vereinigt die Gewalt der Regieruno. der Polizei nnd der Jndustriemaqnaten in sich. Was sie will, ge- schieht: Ivos sie nicht will, geschieht nicht. So haben wir es erreicht. die deutschen Professoren zn hindern, daß sie die irregeführten Ar« beiter über die Herrlichkeit des Wajserniilitarismns auktlaren können. Diese schauderhafte Kunde verbreiten die National-Socialcn. Die „Hilfe" schreibt nämlich:.. „Wir haben schon»vor acht Tagen berichtet, wie mutig die Führer der Socialdemokratie einer Diskussion mit den Berliner „Flottcnprofcssoren" ausgewichen sind. Wir haben auch unsrerseits die Erklärung Professor Delbrücks gebracht, daß er bereit sei, in socialdemokratitischcn Verrammln, ige» mit ihnen über die Flotte zu diskutieren. Rings tiefes Schweigen— das war die einzige Antwort, die wir erhielten! Das ist doch ein trauriges Zeichen des Alterns der„zahlreichsten" nnd„zukunfts- Söhesten" Partei. Es gab eine Zeit, wo socialdcmokratische Redner jede Gelegenheit znm'Kampfe suchten, � wo sie dem Gegner in allen seinen Schlupfwinkeln ans den Leib rückten, um Änhängei: für sich zu gewinnen. In kleinen Provinzstädten gicbt es noch heute solche'alten Kämpfer. Aber in Berlin?—„Ich liege und besitze; laß mich schlafen," jagte Fafner. Es ist am besten, man verleumdet die Professoren in der Zestung, und wenn sie sich wehren wollen, dann macht man es ihnen unmöglich, vor Arbeitern sich zu verteidigen. Siehe da. System Stumm aus Saar- brücken! O, du tapfere, zuklmstsfrohe Socialdemokratie!" Nu» wissen wir zwar nicht recht, durch welche teuflischen Mitte! wir eigentlich den guten Flottciiprofcssor verhindert haben, an emcr der zahlreichen socialdemokratischen Volksversamnilungen teilzunehmst», die über die Flottenfrage verhandelten. Indessen wir gehen diesem Problem lieber nicht nach, sondern weiden uns au nnsrer Stumm- scheu Allmacht, die»nS die National- Socialen gütigst zuschreiben. Wenn sich nur nickit jetzt Stumm selbst beklagt, daß wir es ihm un- möglich machen, sich vor Arbeitern zu verteidigen; das gleiche Recht zu solcher Klage hätte er wie Professor Delbrück.— Trotz unsrer Saarbrückencr Tyrannei stehen uns_ aber die National- Socialen mit allerlei guten Ratschlägen hilfreich und »ncigcnnützig bei. Wenn wir, so empfiehlt uns die„Hilfe", etwas Rechtes in der Welt erreichen wollen, so müßten wir ims zu einer dankbaren sanften Socialdemokratie von Kaisers Gnaden ent» ivickel». Herr Manrenbrecher, der Redactenr der„Hilfe", knüpft näm- lich an die Aeußcrung des Kaisers von der vorübergehende» Er- j'chciming, wie das national-sociale Art ist, u»ge>ncssene Hoff- miligen: „Will man", so belehrt er l»iS,„überhaupt auf dem Boden des Gcgcnwartsstaats mitarbeiten, und das will jeder, der sich ins Parlament wählen läßt, so soll man beachten, wie im Augen- blick die Konjunktur für eine Fortführung der Socialreform sich stellt. Dazu aber war Bebel der ungeeignetste Redner, den die Fraktion überhaupt vorschicken konnte. Er hat es fertig gebracht. in diesem kritischen Augenblick ein Wort zu sagen, das alle Wandlungen der letzten Wochen mit einem Schlage zu Nichte machen kann:„Die Socialdemokratie � ist ebenso' eine vorübergehende Erscheinung, wie die Hohenzollernsche Dynastie", ein Satz, der von der Höhe weltgeschichtlicher Bctrach- tung ans unbestreitbar ist. auf unser gegenwärtiges Stantslebc» übertragen aber eine maßlose Hebert reib nng enthält; denn auch die Socialdemokratie in ihrer heutigen Form ist nur eine Partei neben andern, die genau so lange blüht, ivie die Situation anhält, aus der heraus sie entstandcn ist. Darum aber ist es falsch, solche Worte zu sage», die, ohne daß sie etwas nütze», unendlich viel schaden körnten, weil sie unnötig reizen, und weil sie jede Annäherung von Kaiser nnd Arbciterbewegnng von vornherein unmöglich machen können. Gerade vom Standpunkt einer positiven Arbeiterpolitik aus muß mau solche Worte auf das entschiedenste zurückweise». Auch wir glaubeii nicht, daß heute schon eine volle Befriedigung aller berechtigten Wünsche der Arbeiterschaft mög- lich und' beabsichtigt ist; darin stehen wir ganz auf Bebels Seite. Aber etwas ist zu erreichen, wenn man die Lage zu benutzen versteht, und ein geringer Erfolg in der wirklichen Gesetzgebung ist uns lieber, als tausend flammende Reden über das„Endziel", die au dem Bestehenden doch nichts zu ändern vermögen." Wir versprechen, uns die Sache zu Herzen gehen zu lassen. Wir werden nnt heißem Bemühen die„Hilfe" und das„Kleine Journal" studieren, uns so den notwendigen.Hofstil aneignen, um dann mit allerhöchster Gcltchmiguiig gelegentlich bescheidene Aliregungeil für die Gesetzgebung zu ivagen. Es liegt eine nette Selbstcharakteristik in den obigen taktischen Ratschlägen, darum schweifen die Herren auch lieber in den Nebeln der Weltpolitik, anstatt daheim zu weilen, wo sie schärfer kontrolliert werden können. Wenn diese Wasserpolitiker sich nicht aufs Meer flüchten, so muß man sie in die Kinderstube verweisen. Flottenagitatio» in der Schule. Man schreibt uns: Bei der gegenwärtig mit Hochdruck betriebenen Flottenagitation scheint den Mi ttel schulen, auf denen sich der Nachivnchs derer voir Bildung und Besitz das geistige Rüstzeug für den Kampf des Lebens zu holen pflegt, eine hervorragende Rolle vorbehalten zu sein. Während zu Frciburg in Baden an der Oberrealschule eine „Schülerabteilung des deutsche» Flottenvereins" sich in den Dienst Aegirs stellte, hat man in Straßburg, der Hauptstadt de§ NeichSlandeS, allem Anschein nach Borlestmgen über Flottem ongelcgenheiten qnr in den' Lebrplan einer höheren Schule aufgenouunen. Dort bemüht sich nämlich, wie nnserm reichsländischcn Partei-Organ bestimmt versichert wird. ein Oberlehrer, Professor Dr, Döhle, unter seine» Schülern aufs eifrigste Flottenpropaganda zu treiben. Des öfter»' schon demon- strierte er Plakate, Bilder und Tabellen über die Zahl der Schisse in verschiedenen Staaten, Marinestärkeverhäktnissc, Steuerlasten ee. Das klägliche Fiasko, welches der Flottenrummcl bisher in Straß- bürg bei den Alten gemacht hat, scheint die dortigen Pkarinc- agilatoren zu einer Aen'derung ihrer Tgkiik und zur Attaque ans die phantaperciche I n g e n d veranlaßt zn haben.- Diese ganze Politik gehört ja in das Reich der Jndiancrgcschichtcn. Militärischer Tuellzwang. Ter praktische Arzt Dr. K a st jin Triberg lBaden), Oberarzt der Reserve, macht bekannt, daß' ihm in seinem Militärverhältnis durch kaiserliche Kabinettsordre der Abschied erteilt ivordcn ist,„weil er trotz Hinweis auf die Erfordernisse der Standcsehre ihm zugefügte Beleidigungen auf sich hat sitzen lassen, ohne in st a n d e s g e m ä ß e r Weise dagegen einzuschreiten." Zur Aufklärung erzählt Herr Dr. Kast• Bezirksarzt Bürklc in Triberg habe sich gebriistet, ihn schwer beleidigt zu haben. Dr. Äast habe sich der Militärbehörde gegen- über erboten, unter Eid zu erklären, daß die Beleidigung(wahr- scheiulich eine Thätlichkeit) nur von B. behauptet werde, in Wirklich- keil aber nicht vorgekommen sei. a. erhielt vom Ehrengericht die Auflage, entweder„standesgemäß", d. h. ans dem Wege des Zivei- kämpf es,„die Sache zu. erledigen oder die Entscheidung der Militärbehörde abzuwarten". Dr. zl. habe das letztere vorgezogen. „Mit einem solchen Herrn, der es mit der Ehre anderer derart leicht nimmt, ohne es niit der Wahrheit genau zu nehmen, mich zu duellieren, würde ich selbst dann unter meiner Würde gehalten haben, wenn ich auch nicht schon als Katholik und alter Herr einer katho- liichcn Korporation und als vernünftiger Mensch mich ans verneinenden Standpunkt hätte stellen müssen. Nebenbei verbietet das Gesetz, das auch von Militärpersoneir zn respektieren ist, das Duell. Wie ans der oben angezogenen KabincttSordre hervorgeht, ist mir keine unchrcnhaste Handlung vorzuwerfen. Ich überlasse der Oefscntlichkeit die Bc- urtcilung der Frage, wer von beiden würdiger ist. des Kaisers Rock zu tragen." Bezirksarzt Bürklc. ebenfalls Rcscrvc-Obcrarzt, hat für die von ihm behauptete Beleidigung vom Generalstabsarzt eine Ver- Warnung erhalten. Das ist wirklich ein kulturhistorisches Aktenstück. Der Offizier bekomnit durch kaiserliche Kobincttsordre glatt seinen Abschied, weil er sich weigert, sich mit einem Herrn zu duellieren, der es. nach seiner Angabe, mit der Wahrheit nicht genau nimmt. Dabei ist das Duell nicht nur durch das Gesetz verboten, sondern auch der Kaiser selbst hat sich mit aller wünschenswerten Deutlichkeit gegen die Osfiziersduelle ausgesprochen. Trotzdem aber bckonrmt der Duell- Verweigerer den Abschied, der Beleidiger aber behält seinen Rang.— Berlin-«tettiuer Schiffahrtskanal. Im Mniisteriiim der öffentlichen Arbeiten trat, am Freitag eine Konferenz zusammen, die sich nnt der finanziellen Seite deS Großschiffahrtsweges Berlin— Stettin beschäftigen wird. Berlin ist durch den Stadt- baurnt Krause und den Stadtrat Mcubrink vertreten. Stettin entsandte Oberbürgermeister Haken und den Geh. Konnnerzienrat Wächter. Minister v. Thielen hat den Geh. Baurät Röder sowie den RcgicrungS-Asscssor Dr. Münchgcsang und das Finanzministerium den Geh. Ober-Finanzrat Dombois zu den Beratungen abgeordnet.— Die Lage von 5kleiuhandcl und Kleingewerbe. Der Bund der Handel- und Gewerbetreibenden in Berlin hat 2000 Fragebogen an seine Mitglieder versandt, um th a tsä chl i ch e S Material zur Feststellung, der klage des Kleinhandels' und'des Kleingewerbes zu gewinnen. Die Fragen bezichen sich auf den Rückgang bezw. die Erhöhung deS Ilmsatzes und des Geschäftsertragcs, sowie auf die Ursachen, deren die veränderte Geschäftslage zuzuschreiben ist. Aus diese Weise hofft der Blind statistisches Material zu erhalten, aus dem die thatsächliche Lage des Kleingewerbes ziffemmaßiz nachgewiesen werden kann.— Ein tiefes Geheimnis. Die Haiidclskauimcr in Düsseldorf war beim Handelsminister dahm vorstellig geworden, sie von der vertraulichen Behandlung des Gesetzentwurfes über eine Warenhaus-Stcuer zu entbinden und ihr die Veröffentlichung ihres Gutachtens im Jahresberichte zu gestatten. Die Kammer wies darauf hin, daß unterdes ein.ganze Anzahl von Haiidelskamniern ihr Gutachten veröffentlicht und die Presse aus- führliche Mitteilinigen über den Gesetzentwurf gebracht habe. Der Handelsminister hat erwidert, daß die Forderung der Geheim- Haltung des Entwurfs und der darüber erstatteten Gut- achten seiner Zeit auf. Wunsch des FiuauzministerS gestellt worden sei, und Herr v. Miquel auch heute noch Wert daraus lege, daß von einer Beröffeiitlichiing abgesehen iverde. Merkwürdig!— Deggendorf(Niederbahern), 26. Januar. Bei der Reichstags- Ersatzwahl im S. Wahlkreise erhielten von 4570 abgegebenen Stimmen Gras Konrad Preising(C.) 3822. Rainprechter(natl.) 347 und S ch m i d(© o c.) 172 Stimmen. Graf Preysing ist somit gewählt..—... AuS dem Grostherzogtum Sachsen-Weimar. Als neueste Maßregel zur Bekämpfting der Socialdeinokrarie im«taate Schillers und Goethes wird bekannt, daß die Bezirksdirektioncn abermals vom Ministerillm angewiesen worden sind, jede socialdcinokratischc Ver- sammlung ausnahmslos zii nilterdrücken und gegen die„Pflicht- widrigen G e nr e i n d e v o r st ä n d e d i s c i p l i n a r i sch vor- zugehen. Es handelt sich um einige stattgehabte Gewcrkschasts- Versammlungen, die man für die Folge, indem rnan dieselben, wie schon geschehen, als„s o c i a l d e m o tra t i sche G c>v er ksch a ft s- B e r e i n S- B e r s a m m l u n g e n" bezeichnet, unmöglich zu machen versucht. Dieses beispiellose Borgehen wirkt nachgerade beängstigend, aber nicht für die Socialdemokratie.— Vorstoß der sächsische» Agrarier: Aus Dresden wird uns vom Freitag geschrieben: Die Konservative» in Sachse», und be- sonders deren agrarischer Flügel, fühlen sich mehr denn je als Herren der Situation. Sie nützen das weidlich im Landtag, in welchem sie in der zweiten Kammer die absolute Majorität. haben, aus. Während der heutigen(Freitags)- Sitzung wurde von den Vollblut-Agrariern Andrä, Steiger, Töpfer folgende Jnter- p e l l a t i o n eingebracht: Dem Reichstage ist unter dem 17. Februar 1809 ein Gesetz- cutwurf zngegaiigem in dem Bestimmiiiigcn über die Uiitcrsiichuiig ausländischen Fleisches enthalten sind, welche man als ungenügend bezeichnen muß und die wegen der damit verbundenen Gefahr für die menschliche Gesundheit Beiinruhiguiig in weiten Kreisen der Bc- völkcrmig hervorzurufen geeignet sind. Welche Stellimg gedenkt die kgl. StaatSregierung mit Rücksicht auf ihre in der Sitzung vom St. März 1898 abgegebene Erklärung, daß sie für die Beschaffung einer Garantie bezüglich der Kontrolle des von auswärts eingesührten Fteisches eintreten wolle, einzunehmen? Trägt diese Interpellation im allgemeinen den Stempel der Ilnverfroreiiheit an sich, so ist das besonders bei der Bezugnahme auf die fragliche Landtagssitzuna von 1898 der Fall. Es handelte sich damals um einige landwirtschaftliche. Gesetze, von denen das wichtigste über die Bekämpfung der Tuberkulose der Rinder gerade von den Äoiiservativen zu Fall gebracht wurde. Die 'Regierung hat sich damals aber in keiner Weise verbindlich gemacht. sondern sich cinfach schmollend zurückgezogen, mit dem Hinweis, daß der Landwirtschaft auch gewisse Opfer angesoimeu werden müssen. wenn ihr gesetzliche Vorteile gesichert werden sollen. Das wollen ja aber die Agrarier eben nicht. Sie wollen Vorteile auf Kosten andrer.— Die Interpellation dürfte zu lebhaften Auseinander- setzuugen führen.—. Anarchistenaustveisung aus Elsaß- Lothringen. Der in Eolmar wohnende Schneider R a f a e l e M a c a r o, der ein Anarchist sein soll, ist aus den Rcichslandcn ausgewiesen worden. Karlsruhe, 2ö. Januar.(Eig. Ber.) Im badijchen Landtag tadelte heute der Genaffe Geck das Verhalten der Regierung bei Beratung der Interpellation D r e e s b a ch über die Zuchthaus- vorläge. Er legte der Regierung nahe, die Wünsche- der im Staatsbetrieb beschäftigten Arbeiter mehr zu berücksich- ngen, und fordert sie auf. vor ihrer Abstistnmmg im Bundesrat über die neue Flottcnvorlagc sich über die S t i m mung im badi scheu Volke zu orientieren. Schließlich tadelt er die Haltung der Regierung in der Wahlrechtsfrage und die Ueberwachnng f o c i a I d e m o l r a t i s ch e r Versammlungen, während die der andern Parteien nicht überwacht würden.■ Minister E i f e ii I o h r beruft sich auf das Recht der Regierung, öffentliche Vcrsaiiiniluiigcn überwachen zu laffcn. Doch gebe er zu, daß der Ton in den socialdcmokratischcn Versammlungen in neuerer Zeit ein ruhigerer geworden sei. Wenn dies anhalte, werde er auch von einer ferneren Ueberlvachimg der socialdcinokratischen Versainmlungen Abstand nehmen. Eine kleine Ucberraschung brachte der natioiialliberäle AbgeordnetcOberbürgernicistcr Wi l le n s voiiHcidelberg. Er gab namens seiner Partei die Erklärmig ab, daß sie bereit seien, das indirekte Wahlrecht fallen zu,'lassen. Doch bestehe seine Partei darauf. daß die Bürgerausschüsse der fünf größten Städte des Landes je einen Abgeordneten zu wählen haben. Bisher verlangten die Nationalliberalcn solche Privilegien für zwölf Städte Badens. Sie haben also ihre Forderungen etwas niederer geschraubt. Die Opposition wird diesen Vorschlag so wenig wie den früheren acccptiercn, da er das Prindp der gleichen Wahl durchbricht.— Den hiesigen Korporationen der technischen Hochschule wurde seitens des Senats die Abhaltung des Kais er k o m in er s es untersagt. DerGruild hierzu ist darin zu suchen, daß die Korporationen die latholischen Verbindungen, wie schon im vorigen Jahre, zu dem Kommers nicht eingeladen haben. Die natiouallibcrale Presse ist über das Vorgehen des Senats nicht erbaut, weil die katholischen Verbindungen in früheren Jahren thatsächlich nur mangelhaft patriotisch gesinnt gewesen wären.— Nu», in ncurer Zeit trifft dieser Vorwurf sicher nicht mehr zu. Die katholischen Verbindungen konkurrieren in Bezug a»f den nciideutschen Patriotismus recht .eifrig mit den„alldeutschen" Studciiteiikorporatioiicn.— Socialpolitik in Bayer». München, 26. Januar. Die Kaminer der Abgeordneten nahm nach zweitägiger Debatte' einen Antrag an. nach welchem die Vorschriften betreffend die Sonntagsruhe in den Kanzleien der staatlichen Behörden aufs neue nachdrücklich ciiizu- schärfen sind und der'Bnrcandienst. insbesondere während des Haupt- gottcsdienstcs, soweit das öffentliche Interesse nicht eine Ausnahme erfordert, zu untersagen ist.— Berechtigung der Rcalgymuasicii. Es scheint, als ob mit dem Wechsel im Kiiltusmiinsicrium auch eine den Rcalgyiimasien günstigere Strömung eingezogen sei. So behauptet weiiigstcus die „Post", indem sie ausführt, der Minister sei entschlossen, eine Reform im B e r ech t i g im g s w e s e ir, die lange erstrebt worden ist, durchzuführen. Außer der philosophischen Fakultät, die den Abitiirieiitcn der Realzhmnajicir bisher schon zugänglich war, solle ihnen auch die in e d i z i' n i s ch e zugänglich gemacht werden. Freilich wäre noch eine kleine Einschränkimg vorhanden: Die Realgymiiasialabituricntcn. die sich künftig dem Stiidiiim der Medizin zuwenden wollen. würden sich einer Nachprüfung im Lateinischen unterwerfen müssen, um so in diesem Fache den Abiturienten der Gymnasien ebenbürtig zu fein. Dagegen soll die Prüfung im Griechischen, die bis jetzt erforderlich ist, in Zukiiiift wegsollen. Selbstverständlich müßte zuvörderst eine Einigung der deutschen Regicriiiigcn erfolgen wegen der Abänderung der ärztlichen PriisuiigSordnung. Aber an der Ziistimmimg der Regierungen dürfe man wohl nicht zweifeln. Es ist abzuwarten, ob die� Bestrebungen auf llingestaltiing des höheren Schulwesens, wovon dieser Tage berichtet wurde, wirklich nur auf diese Vermchruiig der Berechtigungen des Rcälgymilasiums hinauslaufen. Dagegen wäre gewiß nichts einzuwendcii.— Ehincsischc Unruhe». Reue Unruhen werden aus der chinesischen Provinz Schon- t u ii g gemeldet. Durch die aufständische Bewegung sind der. „Nordd. Allgem. Ztg." zufolge auch die deutschen Eisenbahn-' B au arb eilen bei Kaumi in Mitleidenschaft gezogen worden und haben ..angesichts der drohenden Haltung aufrührerischen Gesindels" gegen Mitte d. M. unterbrochen werden müssen. FiiLcssen werden die Ün- ruhen bei- Kaumi von europäischer Seite in Peking als nicht bedenk- lich bezeichnet. Immerhin hat die chinesische Regierung ans Ver- anlassung deS deutschen Gesandten Truppen entsandt und dem Gouverneur von Schantiing Schutzmaßregeln aufgetragen. Die „Nordd. Allg. Ztg." hofft, daß es dem neuen Gouverneur von Schantuiig. der als fremdcnfrcuiidlich und thatkräftig gelte, auch über verhältnismäßig gute Streitkräfte verfüge, in Bälde gelingen werde, der Bewegung Herr zn werden und die Wiederaufnahme der deutschen Bahnarbcitctt zu ermöglichen.— Ausland. Selbstmord des Kaisers von China? AuS China kommt die Drahtineldung. K w a n g s u, der bisherige Kaiser, über dessen erzwungene Thronentsagung wir gestern berichteten, habe Selbstmord begangen. Daß man bei der Lage der Dinge auch einen M o-r d nicht für ausgeschlossen hält, ist erklärlich. Nach London ist telegraphiert worden, man glaube, die russischen Trupp e iiftii Port Arthur und andern Punkten der Mandschurei würden das neue Regime uuzwcifclhaft u n t e r st ü tz e n. und französische Flotteninaniischaften sollen bereits in Peking eingetroffen sein. Die britische Gesandtschaft hatte nicht die mindeste Vorkenntnis von dem geplanten Thronwechsel, während die russische und die französische Gesandtschaft dieserhalb zu Rate gezogen wurden.„Morning Post" meint, die Abdankung KwaiigsnS bezeichne eine Etappe in dem Fortschritt des russischen U e b e r g e lv i ch t s in China. Die„Times" sagen, auf dem Gebiet der auswärtigen Politik könne der Thronwechsel ernste Folgen haben. Bei der Eigenartigkcit der chinesischen Verhältnisse wird es viel- leicht noch geraume Zeit dauern, ehe man erfährt, ob der bisherige Kaiser noch am Leben ist, oder ob er durch Mord, oder Selbstmord geendet hat. Beinerkeiiswert ist der Anteil, den die russische und französische TiplonAilic an dem Regierungswechsel genommen haben soll.—_ Ocstreich- Ungarn. Wien, 25. Januar. Wie die„Nene Freie Presse" meldet, wurde die Verstäiidigungskouferenz auf den 5. Februar einberufen. Die Czechen haben die Forderung nach einer einheitlichen Konferenz für Böhmen und Mähren fallen lassen.— Prager Bürgermeister- Wahl. Prag. 25. Januar. Auch die heutige Bürgermeister- Wahl blieb ergebnislos, da keiner der beiden Kandidaten die erforderliche Stimmenzahl erhielt. Morgen wird die Wahl zum drittnimal vorgenommen.— Schweiz. Anarchistenvcrfolgung in der Schweiz. Bern, 26. Januar. Der Bundesrat ivieS zwei Ausländer wegen anarchistischer Umtriebe aus und ordnete eine straftechtliche Untersuchung gegen -die Herausgeber' eines„Almanacco socialista- anarchico per l'amio 1900" und deren Mitschuldige an, weil dieser Almanach re- volutionär-aiiarchistische Publikationen enthält. Die Untersuchung richtet sich auch gegen drei Schweizer, welche ihre Namen hergaben, damit die italienischen Verfasser nicht ausgewiesen würden.— England. London, 26. Januar. Heute nachmittag fand im Auswärtigen Amt ein Kabinettsrat statt, zu dem Salisbury aus Hatfield ein- getroffen war. Der Äabinettsrat war hauptsächlich zur Feststellung der Thronrede einberufen.— Bulgarien. Sofia, 26. Januar. Gegenüber Gerüchten von der angeblich beabsichtigten UnabhängigkeitserklärungBiilgarieiis stellt das' Regierungsblatt„Narobni Prava" derartige Absichten auf das eiitschiedcnstc in Abrede.— Australien. Sydney, 25. Januar. Auf einer Konferenz der Premierminister der oitfiraliichcn Kolonien wurde die Frage der neuen H c b r i d e n besprochen und beschlossen, das Kolonialanit davon in KeiiiitinS zu setzen, daß die Opposition Australiens gegen eine Annektierung jener Inselgruppe durch Frankreich sich nicht vermindert habe, �obwohl inaii in keiner Weise der Reichsregierimg Schwierig- leiten zu bereiten wünsche. Die Konferenz drückt ferner die Hoffnung aus, daß man keine Schritte thun werde, die Frankreich eine größere Machtbefugnis einräumen, ohne zuvor die aiistralischeu Regieniiigcn zu befrage».—_ VsvlmnenkÄriflszes. Kolonialctat. In der Budgetkoimnission des ReichslagS wurde Freitag die Be» ratuug des K o l o n i a I e t o t S fortgesetzt. Die Beratung des Etats für Ostafrika wurde zunächst iiiiterbrochcn. um' die beim Etat für K a m e r u n geforderte Verstärkung der Schutztruppe um 100 Mann zu erledigen. Kolonialdirektor V. Bnchka verweist zur Begründiing der Forderung unter anderem darauf, daß am Süd- ufer des. Tsadsecs in' der deutschen Interessensphäre ein iiiuhamedänischcs Reich unter einem Sultan Rabat, einem ehemaligen Sklaven, entstanden sei, dessen Expansionsbcstrebuiigen unserer Kolonie gefährlich werden könnten. Abg. Eickhoff(frs. Vp.) sragt� an, unter Bcrnfuiig auf den Bericht eines Baseler Missionars, ob in der Kolonie Kamerun noch Sklavenhandel getrieben werde..Ein Vertreter des Kolonialamts erwidert, daß im Küsten- gebiet, welches unter deutschem Einfluß steht, kein Sklavenhandel mehr getrieben werde. Das Binnenland sei noch unter der Herr- schaft iiiuhamedaiiischer' Häuptlinge. Die Reste der' früheren Sklaverei, welche noch im Küstenland vorhanden find, werden all- mählich verschwinden, da die Sklaverei sich nicht vererbe, auch die Verpflichtungen, welche die Herren gegen die Sklaven zu erfüllen haben, größer sind als der Nutzen, der ihnen aus dein Sklallenbesitz erwachse. Thatsächlich haben sich die Verhältnisse, in Kamerun bc- deutend gebessert, aber mit einem Schlage die eingewurzelte Volks- aiischaiiniig zu beseitigen, sei unmöglich. Regiermigsvertreter Frhr. v. Oppenheim erläutert die Notwendigkeit der Vermehrung der Schutztruppe. Durch die in letzter Zeit erriingeiien Erfolge— Niederwerfung des Häuptlings der Wate und dcs�Sultans von Tibati— ist. abgesehen von der Unterdrückuiig des Sklavenhandels in jenen Gebieten, der Haiidclswcg nach dem reichen Ädainana er- öffnet worden. Zur Sicherung des Erreichten sei indes noch weiter- hin eine aligciiicffciie militärische Machtaiffstclluiig auf dem Schau- platze der jüngsten Kämpfe und die Errichtung fester Stützpunkte an den. wichtigsten Plätzen der fraglichen, immerhin noch unruhigen Dh'triktc. erforderlich. Zu diesem Zwecke und um bei den Expedition der Schutztruppe auch an der Küste die nötigcnKräste zur Ver- fügimg zu behalten, bedürfe es der Verstärkung der Schutztruppe um mindestens 100 Mann. Sic besteht alsdann aus 2 Kompagnien zu je 250 Farbigen. Abg. Müller-Fulda(C.) verweist darauf, daß cS sich mir um eine vorläufige Verstärkung der Schutztruppe handle, daß also später noch weitere Forderuiigeu nachfolgen würden. KaMerim sei zwar eine unsrer besten Kolonien, ziiiiial der Export steige, doch eS sei notwendig, daß die großen konzessioifferten Gesell- schäftcn zu den Kosten der Kolonien mehr als' bisher' herangezogen lvjirden.. Die Gesellschaft Süd-Kainerun habe an.der Brüsseler Börse einen Profit von 16 Millionen gemacht. Direktor v. Buchka verweist darauf, daß die Gesellschaft Nordwcst-Kaineruu 100 000 M. zu den Kosten einer Expedition nach dem Tsadsce bei- steuern werde. Das Börsciiireibcn in Brüssel habe er nicht hindern können. Abg. Graf Oriola(natl.) wünscht, daß die Gesellschaften dauernd zu den Unkosten der Kolonie Kamerun herangezogen werden. Direktor v. Buchka: Dem Reiche sei ein staffelsörmiger Anteil des Rciiigewiims der koiizessionirten Gesell- schasten zugesichert. Abg. Graf Stolbcrg(kons.) bedauert, daß der Reichstag bei der Konzessioiiicrung der. Gesellschaften nicht mitzu- sprechen habe. Abg. Singer fragt au, ob dem Reiche die Prüfung der Bilanzen der Gesellschaften zustehe. Direktor v. Buchka er- widert, daß ciiicin Rcichskommissar Einsicht in die Bücher der Gc- sellschaftcn zustehe. Abg. Graf Arnim(Rp.) verzichtet zur Zeit auf die eingehende Kritik der Nordlvcst-Kaiiierun-Gesellschafts-Koiizcssion. Wenn er auch nicht gegen jede Konzession sei, so müsse er doch die vorliegende als räniiilich zu weitgehend und als verfrüht bezeichnen. Die Anregung, daß die Gesellschaften dauernd an den Lasten der Schutztruppe teilnehmen, sei durchaus berechtigt. Die Forderung wird darauf genehmigt.— Hierauf wendet sich die Verhandlung wieder zum Etat'Ostafrika. Die Ausätze der Regierung werden durchweg unverändert bewilligt. Bei der Forderung von 50 000 M. zur Linderung der Hungersnot' in Ostafrika teilt Divktor v. Buchka mit. daß sich die Ernährniigsverhälliiisse nach den ncui!ft->» Berichten wieder gebessert haben, da sich regelmäßige Regciipcriodcn einstellten. Die Verwaltung lasse sich die Wasser- lleriorguiig. die Besscriing der Wege- imd Bahnverbindung zur Be- förderimg von Lebensmitteln angelegen sein. Auch der Heuschrecken- plage hoffe inou durch einen Pilz zu begegnen. Die Ansätze deS Etats werden durchweg genehmigt.— Es folgt der Etat Togo. Ans Anfrage deS Abg. M ü l I e r- Fulda, betreffend die Strafverfolgung deS Afrikareisendcn Gottlob Krause, der der deutschen Regierung vorgeworfen habe. Sklavenhaiidel zu dulden, erklärt Direktor v. Buchka, dem p. Krause sei die sehr umfangreiche Klagejchrist jetzt zugestellt. Es werde die schriftliche Erwiderung Kraiises abgewartet. Auch der Etat für Togo wird unverändert bewilligt und die weitere Verhandlung auf Dienstag vertagt. Die Wahlprüfungs-Kommissio» hat in ihrer Donnerstags- Sitzung die Wahlen der' Abgg. G r a ß m a n n(4. Marienwerder) und Götz von Olenhusen<12. Haimober) vorläufig b c- a Ii st a n d c t und Beweiserhebung über eine Reihe von Protest- punkten erhoben. Im 12. hannoverschen Wahlkreis hatte der Weife Götz von Oleiihuscn 5351 Stiiiinicii, der nationalliberale Professor Dr. Esser 4663, unser Genosse Verth. H e y m ann in Braunschweig 4661 und der freisinilige Dr. Rupprecht 1187 Stimmen erhalten. Gegen diese Wahl, die cincn zweiten Wahlgang zwischen Olenhusen und Esser zur Folge hatte, wurde seitens' des socialdeiiiokratischen Wahlkomitees Protest erhoben und die Nachprüfung der Wahlakten, die eine Fülle von horrenden Verstößen gegen die Bcstlliimrlngcn des Wahlreglernents enthalten, ergab denn auch, daß sechs Stimm- zettcl für Heyiliaim und ein Stimmzettel für Esser zu Unrecht siir ungültig erklärt worden waren. Ueber mehrere Protcstbehanp- tiingeii, die entweder Verstoße gegen die Ocffciillichkeit der Wahl oder den Vorwurf der Wahlbeciiiflusfimg enthielten, beschloß die Kommission Beweiserhebung. Auch sonst liekirten die Wahlakten eine nette Illustration dafür, wie migeinert uns dem Lande das Wahlgeschäst sich abspielt. In B ö d e n s e e, wo bei der Hauptwahl sämtliche 67 Stimmen(von 113 Wahl- berechtigten) auf den Weifen entfielen, wurde bei der Haupt- wähl die Wählerliste gar nicht ausgefüllt, so daß jede Kontrolle darüber fehlt, wer denn eigentlich sein Stimmrecht ausgeübt. Der Wahlkommissar rügte bei Festsetzung des Wahlresultats diese Unter- lasiiing— und siehe da. zwischen Haupt- und Stichwahl wurden einfach die fehlenden Vermerke nachgetragen. Auch hier beschloß die Koumiisffon Beweiserhebung. Die Münzgesetz-Kommission kam am Donnerstag in ihrer vierten Sitzung endlich zum Schluß. Das Ergebnis ist. daß alle� Arendtschen bimetallistischeu Anträge trotz des Redeeifers des Antrag-. stellers fielen,. und daß der Betrag der ansziiprägenden Reichs-' Silbermüiizen noch um eine Mari(von 14 aus 15 Mark) erhöbt! wurde. Nebensächlich, aber doch für manche Liebhabereien charak»! tcristisch ist, daß ein Antrag Schwarze- Speck(E.), wieder Landes-; D enlmunzen als Conrantmünzen zur Prägung zuzulassen, Annahme fand. Indes hat das der Bundc-Zrat in den Händen und die diversen Landesregierungen werden wohl kaum Lust haben, sich über die Denkwürdigkeit ihrer Landesereignisse und das Matz der ihm zu- zubilligenden Prägemengen mit dem Bundesrat auseinanderzusetzen. Unschuldig ist mich die in einer Resolution ausgesprochene Auf- forderung an den Reichskanzler, möglichst auf Ausprägung von Zehnmarkstücken hinzuwirken. Ucber die einzuziehenden Münzarten berichteten wir bereits; hier ist gegen die Regierungsvorlage nichts geändert. VÄvkvi-Ltechvusztem Partei Organisation. Der Socialdemokratische Berein München zählt gegenwärtig 2401 Mitglieder, gegen t637 im Vorjahre. Die Jahrescinnnhmcn dcS Vereins betrugen 15 859,19 M., die Jahres ausgaben 15 755,75 M. Der Gauvorstand für Südbayern berichtete, datz sich an 16 Orten neue Vereine gebildet haben. Die Einnahmen des GauvorstandcS betrugen 2133,53 M., die Ausgaben 1416,54 M. Gcmcindcwahlcn. Bei den Bürgerausschutz-Wahlcn in Durlach (Baden) wurden 9 Socialdemokratcn gewählt. Totcnlistc der Partei. In Sudenburg starb der Partei- genösse Wilhelm Lange im Alter vcn 42 Jahren an der Tuber- kulose. Er war seit Jahren ein eifriger Kämpfer für die Interessen seiner Klassciigenosscn. Nnsrc niederländischen Parteigenossen beschlossen auf ihrer letzten Hauptversammlung, das bisher wöchentlich erscheinende Partei- blatt„De Sociaaldemocraat" in ein Tageblatt umzuwandeln. Das ist die erste Frucht des eiigercn Zusammcnsckilusscs der bisher weit getrennt gewesenen klasjenbewutzten Arbeiter Hollands. Der Streik der östreichischeu Berg- arbeiter. Ans Wien wird uns vom 25. Januar geschrieben: Die Streik- läge ist im grotzen und ganzen unverändert, so viele Mühe sich auch die Unternehmer geben, der Ocffcntlichkcit durch ihre Blätter— an dessen Spitze wie gewöhnlich die berüchtigte„Nene Freie Presse" marschiert— einzureden, datz sich die Lage„bessere". Der erkünstelte Optimismus der Unternehmer hat einen bestimmten Zweck: dadurch soll nämlich der Regierung zu Gcmüte geführt werden, datz ihre Jiiter- vention eigentlich„überflüssig" sei.' Die zweite Lüge, die von den Unternehmern beharrlich verbreitet wird, ist ihre Darstellung der Ursachen des Streiks. Obwohl die Beweggründe der Ar- bester offenkundig zu Tage liegen, ihr Kampf sich als ein wahrer Vcr- zweiflungskampf darstellt, phantasieren die Unternehmer dennoch davon, es handle sich den Arbeitern um eine„Machtprobe". Noch nie ist unverschämter gelogen worden. Die Achlstuiidcnschicht gehört zu den ältesten Forderungen der östreichischeu Bcrgarbeitcrschaft; für ste sind schon zwei Streiks geführt worden. Wenn die Arbeiter die gegen- wältige, in ihrem Umfange noch nicht dagewesene Konjunktur nicht ausnützen würden, um eine Verbesserung ihrer Lebenslage zu erreichen, so wären sie Thoren, die an sich selbst ein Verbrechen de- gehen. Die gruselige Geschichte von der„Machtprobe" ist natürlich gleichfalls zur Einschüchterung der Regierung ersonnen. Die brutalen Uuternehmerprotzen, die nichts verteidigen ivic ihren Geldsack, möchten sich der Welt als Hüter und Bcwahrer der socialen Ordnung aus- geben, um damit die Regierung von jeder Einflußnahme zurück- zuschcuchen. Von dem Grötzenwahnsinn der Kohlenmagnaten macht man sich keinen Begriff; jeder Direktor hält sich für einen kleinen Herrgott, der sich nicht herbeilassen dürfe, mit Arbeitern an einem Tisch zu sitzen und zu verhandeln. So haben die Direktoren des Brüxer Reviers der Behörde erklärt, sie lassen sich deshalb auf keine Verhandlung vor dem Einigungs- amte ein. weil die Arbeiter aus der Arbeit ausgetreten sind, und mit streikenden Arbeitern verhandeln ste nicht. Nach dieser wahrhaft vorsintflutlichen Anschmiung köimten also Unternehmer nur— mit Streikbrechern Verhandlungen Pflegen! Dabei bestimmt aber das Gesetz ganz ausdrücklich, daß das Einigungsamt berufen sei, ein gütliches Uebereinkommcn„über die Bedingungen zur Fort- setzung oder Wiederaufnahme dcS Arbeitsverhältnisses" herbeizuführen, ihm also die Intervention bei Streiks geradezu zugewiesen ist! In einem so ernsten Moment dürfen es die Unternehmer wagen, mit solchen aufgelegten Verdrehungen zu operieren! Wenn die Herren Spens-Voden und B l u m f e l d diesem Unternehmer-Wahnsinn gegenüber nicht die notwendige Energie aufbringen, so werden sie der Unternehmerclique nicht imponieren. Die östreichischcn Regierungen haben den Brutalitäten der Bergbau-Unternehmer allzeit so gleichgültig zugesehen, datz sich die Herren der Kohlengruben nun allmächtig dünken! Aber die Arbeiter iverden die Kraft aufbringen, ihnen zu beweisen, datz diese „Allmacht" eine Schranke hat und datz die Zeiten der Sklaverei vor- über find. So lange die Arbeiter fest bleiben, sind sie unbesiegbar. Ihre Widerstandsfähigkeit und der Druck der Allgemeinheit werden die Kohlenmagnaten schon mürbe machen. Aus Falkenau wird uns berichtet: Die Situation ist un- verändert. Der Streik hat sich jetzt auf fast alle Werke erstreckt, so datz über 5000 Mann im Ausstand stehen. Die Kohlennot wird immer fühlbarer, so mutzten deshalb die erste böhmische Aktiengesellschaft für Glasindustrie in Blei- st a d t als auch die Glasfabrik in N e u s a t t l ihren Betrieb gänzlich einstellen. Größere Unternehmungen in G r a s l i tz und N e u d e k werden nachfolgen. Am Donnerstag früh traf hier ein Bataillon des 73. Infanterie- Regiments aus Prag ein. Die Ruhe wurde bisher nicht gestört und iverden sich auch die Bergarbeiter, die ein- mutig zusammenstehen, zu keinerlei Ausschreitungen provozieren lassen. Fortgesetzt finden grotze Bergarbeiter-Vcrsämmluugen statt. Die Kohlennot nimmt in Sachsen in für die Industrie un- angenehm bemerkbarer Weise zu. Nachdem in Oestreich die Ausfuhr verboten wurde, ist am Mittwoch der letzten Kohlenzug von Böhmen in Sachsen eingetroffen. Wahrscheinlich tvird in Dresden die grotze Nähmaschinen-Fabrik von Seidel und Naumann, in der mehrere Tausend Arbeiter beschäftigt sind, ihren Betrieb einstellen müssen.— In der Siemensschen Glasfabrik ist bereits ein Ofen anher Thätig keit gesetzt, während die elektrische Straßenbahn ihren Betrieb auf die Hälfte reduziert hat. »t Wien, 26. Januar. Die„Wiener Abcndpost" meldet: Bei den gestern vom Sektiouschef von Blumfeld mit den Gewerken des Kladnoer Reviers geführten Verhandlungen erklärten sich die Besitzer der Werke schließlich bereit, ei» Einignugöamt zu beschicken, jedoch mit der ausdrücklichen Erklärung, datz dies nur ein Akt des Entgegenkommens gegenüber dem Wunsche der Regierung sei. Die Gewerke erklärten jedoch gleichzeitig im voraus, datz sie auf die Forderungen der Arbeiter, soweit sie bis heute be- kannt seien, nicht eingehen können. Sie werden dies noch vor dem Einigungsamte erklären. Aus Prag wird vom heutigen Tage gemeldet: Die Lage in den böhmischen Revieren ist ziemlich rmverandert. Es sind nirgends Ruhestörungen vorgekommen. In Pilsen ist das Eiuigungsamt zusammengetreten und hält morgen seine erste Sitzung ab.— In Schatzlar ist auf dem Marien- und Elisabethschachte ein Ausstand ausgebrochen. Eine Gendarmerie-Assistenz ist dorthin abgegangen. Pilsen, 26. Januar. Wegen Bedrohung der Eisenbahn- Angestellten auf dem Raugierbahnhofe und wegen Plünderung zweier Kohlenwaggons auf dem Güterbahnhofe durch eine grützere Menschenmenge mutzte eine Kompagnie Soldaten nach jedem Bahnhof entsendet werden. Mus dev FvÄUvnLkvntvgung.| Frauenstudium in Baden. Das Ministerium hat vor eiuiger Zeit dem engern Senat der Universität eröffnet, datz es nunmehr, nachdem das Karlsruher Mädchen- Gymnasium seine ersten Abitu ricntiunen entlassen habe, für zweckmäßig hält, Damen mit dem Zeugnis der Reife zur vollen Immatrikulation zuzulassen. Außer der juristischen hatten sich darauf alle Fakultäten mit der Absicht der Regierung einverstanden erklärt; die medizinische Fakultät mit dem Zuiatze. datz sie sogeuaunten Hörerinnen, d. h. Damen ohne Reifezeugnis, den Besuch der Vorlesungen nach wie vor ver- weigern werde. Wie es heißt, hat auch der engere Senat der Universität bereits bcschloffcn, sich mit dem Vorgehen des Ministeriums einverstanden zu erklären, und zwar in dem Sinne. datz sür die Immatrikulation von Frauen das Reifezeugnis eines deutschen Sicalgymnasiums oder einer deutschen Oberrcalschule mit dem eines deutschen humanistischen Gymnasiums gleichgestellt sein solle._ Gemevkfchaftliches. Berlin und llnigcgcud.! Achtung, Metallarbeiter! Seit Dienstag, den 23. Januar befinden sich die Kollegen bei der Firma M. Kleber, Uferstraße. im Ausstand. Die Ursache zu dem Vorgehen bot das rigorose Ver halten des Meisters Zerm sowie Maßregelung einiger Kollegen. Die erhobenen Beschwerden beim Inhaber der Firma blieben ebenso er- folglos, wie die inzwischen stattgefundenen Verhandlungen. Wir er- suchen daher bis zur Beilegung der Differenzen den Zuzug von Schlossern, Drehern und Metallarbeitern aller Art nach diesem Be trieb fernzuhalten. Die Ortsverwaltung Berlin dcS Deutschen Metallarbeiter-Verbandes Der Streik bei der Firma Budde u. Göhde in Eberswalde dauert fort. Die Einigungsbestrebungcn sind gescheitert. Von der Firma waren folgende Bedingungen für die Wiederaufnahme der Arbeiter gestellt: 1. Der Former K. bleibt vom Wiedereintritt in die Fabrik aus geschlossen.»»» 2. Sämtliche zur Zeit streikende Former und Arbeiter muffen sich solidarisch und schriftlich verflichten, keinem derjenigen Former oder andrem Arbeiter unsres Werks, welche während des Streiks gearbeitet haben, irgend welche Schwierigkeiten, wie sie auch geartet sein mögen, innerhalb oder außerhalb des Betriebs zu machen oder sie in irgend einer Form zu schädigen. Wer hiergegen verstößt, hat sofortige Entlassung zu gewärtigen. 3. Die Einstellung der Streikenden erfolgt in derselben Weise wie die von neu aufgenommenen Arbeitern, die Former werden als solche, die Kupoler oder andre Arbeiter nach unserm Ermessen be- schäftigt. Es hat keiner der Streikenden einen Anspruch auf die Thätigkeit, die er bisher ausgeübt hat, und auf denselben Platz, den er bisher gehabt hat. 4. Die Handhabung der Arbeitsordnung wird in der bisherigen milden Forin nicht mehr geübt, sondern in Zukunft nach Maßgabe der Bestimmungen sachlich aber streng durchgeführt. 5. Die Wiederaufnahme der Arbeiter erfolgt am Montag, den 29. d. M, früh 6'/s Uhr. Wer alsdann nicht erscheint, bleibt vom Wiedereintritt ausgeschloffcn. Diese Bedingungen sind von den Arbeitern abgelehnt. Be- sonders wurde der 3. und 4. Punkt für unannehmbar erklärt. Die Entlassung des Formers K. hielten sämtliche Arbeiter als ungerecht Das Koulrollbuch hat ergeben, daß K. im ganzen vorigen Jahre 16 mal zu spät gekommen' ist. Diese Verspätung ist aber hauptsäch sich deshalb verschuldet, weil sehr oft das Gießen und Arbeiten bis 9, 10, ja bis nach 10 Uhr abends gedauert hat. Der Firma war bekannt, datz hiergegen die Arbeiter auftreten wollten, deshalb die schroffe Haltung gegen die organisierten Arbeiter und die plötzliche Matzrcgelung. Der Verband der Former. Zur Lohnbewegung der Einsetzer(Tischler). Der weitere Verlauf der Lohnbelveguug kann ein guter genannt werden. Es habe» bis jetzt 82 Firmen, davon 73 durch Unterschrift, den Tari von 1899 anerkannt; 9 haben durch wörtliche Zusicherung, dazu ge hören die besseren Firnreu, die Zahlung nach dem Tarif zugesichert. Es arbeiten somit zu den neuen Bedingungen 342 Kollegen; hinzu komincn noch diejenigen, welche schon die Forderungen im Vorjahre zugebilligt erhielten, es sind das ctrva 100 Kollegen. Die Beteiligung am Streik ist eine bessere als am Anfang, selbst die Unorganisierten beteiligen sich an demselben. Die Kommission bittet nun die Kollegen, auf die Annonce zu achten und dahin zu wirken, datz die geladenen Kollegen zu der Versammlung am Sonntag im Lokal des Herrn Hcrzberg, Alte Jakobstr. 75, erscheinen. Heute abend 8 Uhr findet bei Hcrzberg eine Bezirks- Vcrtranensmänuer- Versammlung beider Richtungen statt. Auch hier ist pünktliches Erscheinen aller nötig. Die Streikkommission. Ju den Gcscllcnausschnsi der Berliner Bäcker-Jnnuug„Eon c o r d i a" wurden am Donnerstag die von den Gewerkschaften auf gestellten Kandidaten gewählt. Den gleichen Erfolg hatte die für das Schiedsgericht aufgestellte Liste. Deutsches 91 eich. Bei der GewerbegerichtSwahl in Dresden gelangte die Liste der Gewerkschaften ohne Widerspruch zur Nunahme.— Iii Saalfeld sind die Kandidaten der Gewerkschaft nahezu einstimmig gewählt. Die Handschuhmacher in Neu Haldensleben hatten in den drei dort beslehcnden Fabriken eine Lohnerhöhung von 13 Pfg. pro Paar verlangt. Auf dieses Verlangen erfolgte eine kurze ab lehnende Anttvort, ohne datz ein Fabrikant sich auf Verhandlungen mit de» Streikenden einließ. Am Montag wurde sodann den Hilfsarbeitern gekündigt, so datz bei dem Ausstand 300 Personen in Betracht kommen. Von den Hilfsarbeitern gehören die meisten erst kurze Zeit der Organisation an, es wird deshalb gebeten, diese durch freiwillige Beiträge zu unterstützen. Gelder sind zu richten an Max Ring, Neuhaldensleben, Süzlingerstratze, bei Heyner. DaS Gewerkschaslskartell. Die Glasarbeiter in PcterSdorf(Schlesien) beharren weiter im Streik. Der Glasofe» ist noch nicht in Betrieb gesetzt, es wird von einer Woche auf die andre verschoben, aber�s fehlen noch immer die langersehnten Glasmacher. Wie es scheint, wird es den östreichischen Arbeitern hier so ergehen, wie in Penzig. Denn vor einigen Tagen wurden sämtliche auf das Polizei-Amt'beschieden und ihre' Personalien festgestellt. Da die Arbeiter nicht im Irrtum waren über das, was ihnen bevorstand, so haben neun östreichische Arbeiter es vorgezogen, sofort das preußische Gebiet zu verlassen. Da faselt man noch immer bei uns von Arbeite rrechten. Ja, gewisie Rechte bleiben dem Arbeiter in Preutzen: daS Recht Steuern zu zahlen und für wenige Groschen jahrelang dem Kapitalismus zu frohuden. Entschließt sich aber der Arbeiter, einer Organisation beizutreten, um seine Lebenslage mit zu verbessern, so wird er erbarmungslos auf die Stratze geworfen, und ist er Ausländer, gar ausgewiesen. Die Brauercigescllen in Meißen haben in einer dieser Tage stattgefundenen Veriammlung beschlossen, in eine Lohnbewegung einzutreten. Sie fordern 26 M. Wocheulohn, Anerkennung ihres Arbeitsnachweises seitens der Unternehmer und volle Bewegungs- freiheit in der Bethätigung des Koasitionsrechts. Man hofft diese Forderungen nach Lage der Sache ohne ernste Differenzen zu erreichen. SlnSland. Der finnische FachvereinS-Kongreß, der kürzlich von den Vorständen der Fächvereine arrangiert worden tvar, nahm ein ein- heitliches Agitationsprogramm an. Nach demselben soll eine An- Näherung zwischen den Fachvcreincn herbeigeführt werden. Beschlossen wurde, daß alle der Fachorganisatton augehörenden Verbände sich Die Durchschnittspreise der wichtigsten Lebensmittel zeigen nach den Zusammenstellungen der„Statistischen Korrespondenz" im Kalenderjahr 1899 nur geringe Abweichungen gegen die Preise von 1898. Weizen ging zurück von 181 M. auf 154 M.(die Preise ver- stehen sich per 1000 Kilogramm), Roggen blieb wie im Vorjahr auf 143 M., Gerste ging zurück von 148 M. aus 142 M., Hafer von 147 M. auf 137 M.'Erbsen stiegen von 224 M. auf 225 M.. Linsen von 414 M. auf 415 M. Bohnen fielen von 261 M. auf 251 M., Kartoffeln von 52,2 M. auf 49,4 M., während das Rindfleisch stieg von 1056 M. auf 1067 M. Die Kleinhandelspreise zeigen folgende Bewegung. Es stiegen Kalbfleisch per 1 Kilogramm von 1,31 M. auf 1,33 M., Hannucl- fleisch von 1,27 M. auf 1,28 M, Etzbutter von 2,19 M. auf 2,22 M.. Rindfleisch von der Keule blieb auf 1,35 M. stehen, Rindfleisch vom Bauche fiel von 1,16 M. auf 1,15 M., Schweinefleisch von 1,39 M. auf 1,34 M., geräucherter inländischer Speck von 1,60 M. auf 1,58 M., inländisches Schweineschmalz von 1,53 M. auf 1,57 M.. Speisemehl aus Weizen von 34 aus 30 Pf. und aus Roggen von 27 auf 25 Pfg., während die Eier per Schock von 3,57 M. auf 3,67 M. hinaufgingen. Die Korrespondenz des Bundes der Landwirte behauptete neulich in der Polemik gegen uns, datz im Jahre 1893 infolge von Börsenspekulationen„anormal hohe Preise" bestanden und stützte darauf den Vorwurf tendenziöser Darstellung. Aus den hier gegebenen amtlichen Zahlen ergicbt sich, datz, wenn wir in der Sprache des Bundesorgans reden wollen, auch das Jahr 1899 noch fast dieselben„anormal hohen Preise" aufweist. Was nennt das Blatt dann normale Preise? Preissteigcrmlgc». Die Uuternehmerverbindungcn entfalten jetzt allgemein eine lebhafte Thätigkeit zur Erhöhung der Preise ihrer Produkte. Wir hatten schon niehrfach Gelegenheit, von solchen zu nielden. Es haben wiederum Preiserhöhungen beschlossen die Papier- fabrikautcn für Pergament-, Pack- und Dütenpapier. Druckpapier, Couvcrtpapier und holzfreies Schreibpapier. Ferner der Bielefelder Leinen- und Wäscheverein für sämtliche Wäschcfabrikanten und der Verband deutscher Schirmfabrikanten für fertige Schirme. Ein rheinisch-westfälischcs Zicgclsyndikat wurde in Dortmund gegründet zum Zwecke einer Erhöhung dcr Zicgelpreise. Das östreichische Eisen- kartell hat vorläufig einen Antrag auf Preiserhöhung abgelehnt, weil noch eine Anzahl Firmen autzenstehen,� die erst zum Eintritt ge- zwungen werden sollen, dann soll sofort eine ausgiebige PreiS- crhöhung eintreten. Ei» erheblicher Riilkgang des Fleischkonsums in Königs- b e r g i. P r. wird durch den Vcrwaltungsbericht� des Magistrats für 1893/99 konstatiert. Zwar ist die Zahl der geschlachteten Tiere gegen das Vorjahr um 4(XX) Stück gestiegen, aber der Verbrauch an Fleisch pro Kopf der Bevölkerung auf 61,601 Kilo- gramm lgegcn 67,325 Kilogramm im Jahre 1896/97 und 61,7 Kilogramm iin' Jahre 1897/98)' gesunken. Der Preis für Schweine- fleisch ist ein wenig gesunken, dagegen der für Rindfleisch um 3,97 Proz., für Kalbfleisch um 7,76 Proz. und bei Hammelfleisch um 1,17 Proz. gestiegen._ Vom Kriege. Der Siegcsjubcl in England ist schnell gedämpft worden. Eine am Freitag in London eingetroffene Depesche des Generals Buller aus Spcannans Canip vom 25. d. M. 12 Uhr 5 Minuten mittags besagt: Ich bedaure, melden zu müssen, daß. wie ich heute morgen erfahre, in der Nacht die Division des Generals Marren den Ipioukop wieder hat aufgeben muffen. Die Nachricht zeigt, wie begründet die Zweifel an der gestern wiedcrgcgcbenen, in so mysteriösen Tönen gehaltenen Siegesuachricht waren. Nach einer Privatmeldung konnte General Warren wegen Mangels an Truppen Spionkop nicht halten. Er wurde neuerdings von den Bocren angegriffen und mutzte, nachdem er viele Leute verloren, sich vor der Uebcrmacht der Bocren zurückziehen. Vielleicht ist auch die folgende Ansicht des Vertreters der süd« afrikanischen Republik, Dr. Lcyds in Brüssel, die richsige. Derselbe hat sich geäußert:„Nachdem ich daS Telegramm sorgfältig durchgelesen hatte, kam ich zu dem Schlüsse, datz die Engländer ihre Stellnug nicht werde» behaupten können. Uebrigcns besteht Spionkop aus mehreren Teilen. General Warren wird wahr- chcinlich nur eine Höhe besetzt haben, die von geringer trategischer Wichtigkeit ist. Ich bin überzeugt, datz bei der vor- trefflichen Organisation unsreS GeneralstabeS die von den Engländern eingenommene Position aufgegeben worden ist, weil sie strategisch bedeutungslos war." Nun hat auch diese Stelle wieder geräumt werden müssen, und der Entsatz von Ladysmith ist wohl vorläufig unmöglich. In London hat die Nachricht über die Niederlage der Engländer bei Spionkop allgemeine Bestürzung hervorgerufen. Man erklärt sich dieselbe nur dadurch, daß die Boeren rechtzeitig frische Verstärkungen erhalten haben und infolgedessen die Truppen des Generals Warren an- greifen konnten. In militärischen Kreisen glaubt man, datz daS Kriegsamt die Nachricht über den Wiederverlust des Spionkop schon riihcr erhalten habe, als es dieselbe veröffentlichte. Bon den andern Kriegsschauplätzen. Dem„Standard" wird aus Rensburg vom Dienstag gemeldet, daß die Boeren, die 7000 Mann stark bei Coleöberg stehen, in Unruhe seien, da General Kreuch seine Truppen planmähig und vorsichtig enger um Colesberg zusammenziehe. Modder River, 24. Januar. Wie gewöhnlich fand heute früh owie heute abend ein Beschietzen der Laufgräben der Boeren statt. Das Feuer der Engländer war auf die hohen Kopjes links von Magersfontein gerichtet, wo, wie man glaubte, die Bocren ein ncucS Geschütz auffahren wollten. Letzte Meldungen. London, 26. Januar.(W. T. B.) DaS KriegSamt veröffent- licht folgende Verlustliste: In Ladysmith sind vom 20. bis zum 23. Januar 7 Mann verwundet worden, 11 meistens infolge Krankheit gestorben, zwei Marinesoldaten infolge eines Unfalls getötet worden. In SpearmanS Camp sind am 24. Januar ein Offizier und acht Mann des Ambulanzkorps verwundet worden. In De Aar starb am 24. Januar ein Offizier am TyPhuS. Lietzke AttchviMen und Depeschen. PariS, 26. Januar.(W. T. B.) Der Gesandte der Süd- afrikanischen Republik Dr. L e y d s und der LcgationSsekretär Jonkheer van der Hoeven sind heut« zum Geburtstage Sr. Majestät des deutschen Kaisers nach Berlin abgereist. Kopenhagen, 26. Januar.(W. T. B.) Aus Anlaß des Ablebens der Herzogin Friedrich zu Schleswig- Holstein ist von heute ab bis auf weiteres Hoftrauer angeordnet worden. Konstautinopel, 26. Januar.(Meldung d. Wiener k. k. Telegr.» Korrefp.-Bureaus.) Da die z» verschiedene» Malen gemachten Ver- »che zur Erzeugung ranchlosrn Pulvers erfolglos geblieben ind, hat sich die Pforte entschlossen, mit einer deutschen Fabrik Ver- Handlungen einzuleiten, um hier eine ähnliche Fabrik zu errichten. Vertreter der Fabrik weilen seit einigen Tagen hier. Peking, 26. Januar.(W. T. B.) Es verlautet, daß der neu ernannte Thronfolger am 5. Februar unter dem Namen Chtkurmg «.-n-w- rn« iiiniiiriiii SÄVTnStlnÄlc«VSSISö I befürchtet. Verantwortlicher Rcdacteur: Paul John in Berlin. Für dm Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Pading m Berlin. Hierzu Z Beilagen. Sr. 22. 17. mmn. 1. Ktilllßt Veiltzskstg. 136. Sitzun st vom 26. Januar lvOO, 1 Uhr. Ain Biiudesratstisch: Nicbcrdilrfl. Präsident Graf Bai lest rem erbittet und erhält die Ermächtigung, dem Kaiserpaare die T e i l n a h m e des Reichs- tags anläßlich dcS Todes der Mutter der Kaiserin auszusprechen. Die zweite Beratung der Novelle zum Strafgesetzbuch(lex Heinz«) in Verbindung mit dem Gesetzentwurf der Llbgg. Prinz v. Arenberg und Genossen und dem Antrag des Abg. Freiherr» v. S t u m in ans Verschärfung der Strafen für Sittlichkeits- verbrechen insbesondere gegen Kinder wird fortgesetzt und zwar bei der gestern abgebrochenen Debatte über§ 181 d. Dieser Paragraph war von der Kommission abgelehnt. > � Die Abgg. Beckh-Kobnrg(frs. Vp.) und Gen. beantragen, diesen Paragraphen wieder einzufügen. Er läutete:„Die Vorschriften der§§ 180 und 181 a finden leine Anwendung auf die Vermietung von Wohnungen an Frauenspersonen, rvclche gcwerbs- mähig Unzucht treiben, sofern damit nicht eine AuSbcutmig dcS unsittlichen Erlverbs der Mieterin verbnndcn ist." Eventuell beantragen die Abgg. Beckh-Kobnrg und Ge- Nossen, die Schlußworte dieses Paragraphen solgendermaßen zu fassen: „sofern der Mietszins und die Vergütung für sonstige Bc- schassungc» da» Maß des Gcmciuüblichen nicht überschreiten." Die Abgg. Alb recht und Genossen beantragen als§ 181b rinzufügen: „Die Vorschriften des K 180 finden keine Anwendung auf die Vermietung von Wohnungen an weibliche Personen, welche gewerbsmäßig Unzucht treibe», sofern der MietSzinS und die Vergütung für sonstige Leistungen das Maß des Gcincinüblichen nicht überschreiten. Die Polizei ist n i cht berechtigt anzuordnen, daß Personen, welche gewerbsmäßig Unzucht treiben, nur in b c st i m in t c n Stadtteilen. Wohnhäusern oder Wohnungen Wohnung nehmen. Abg. Dr. Esche(uatl.): Wir müssen uns ganz entschieden gegen jede Käser nie- rung der Prostituierten aussprechen. Zu einer solchen würde aber die Annahme der Regierungsvorlage in ihrer Konsequenz führen. Ich bitte Sie also, es bei dem bisherigen Zustand zu bc- lassen, also dem Äommijsionsvorschlng. welcher den tj 181b der Regierungsvorlage zu streichen wünscht, zuzustimmen. Die Richter beurteilen am beste» und sichersten unter dem geltenden Recht, ob etwas Strafbares vorliegt oder nicht. Es ist besser, den bis- herigen Zustand beizubehalten. Geheimrat Dr. v. Tischendorf(aus der Tribüne sehr schwer vcr- > stündlich) legt dar, daß die Rechtslage keineswegs so sicher sei, wie der Vor- rcdner glaube. Er bitte deshalb um die W i e d e r h c r st e l l u n g der von der Regierung beantragten Paragraphen. Abg. Stöckcr(b.'k. F.): Schon heute sind die Straßen zu einer Börse der Unzucht gemacht. Die Prostituierten wohnen hauptsächlich bei kleinen Leuten, die die Miete nicht aufbringen können. Bei diesen gilt die Prostituierte als eine Art bevorzugtes Wesen, als das Fräulein, das hilft, die Miete zu zahlen, und die Kinder. die sie bedienen müssen, kommen damit in direkte Bcrichrung mit den» Laster. Wen» wir die Verseuchung des Volks mit Syphilis bc- kämpfen wollen, könnt» wir diesen Paragraphen nicht annehmen. Man sagt, heute ist es so, daß die Prostitution gestattet ist.>vc»» aber ein Wirt seine Wohnung einer Prostituierte» gicbt. so wird er destraft. Das ist aber gerade ein großes Glück, die einzige Waffe, die yvir gegen die Prostitution haben. Vor alle» Dingen in den Städten, wo es noch keine Prostitution gicbt. machen Sie den Kampf gegen dieselbe durch diesen Paragraphen ganz unmöglich. Ich bitte Sie dringend, eS bei dein bisherigen Zustande zu belassen. (Bravo rechts.)-» �. o Gcheimrat Dr. v. Tischendorf: _ Ein Vermieter wird nur dam» wegen Kuppelei bestraft, wenn er derselben direkt Vorschub leistet, das heißt wenn er beim Bcrmietcii bereits wußte, daß die Wohnnng zu unzüchtigen Zivecke» gebraucht werde» würde, oder, falls er cS nachher erfährt, von seinem Äün- digungSrccht keinen Gebrauch macht. Abg. Gaulckc(frs. Vg.) spricht sich gegen den Antrag Bcckh aus. Eine zwingende Notlage, den bestehenden Zustand zu ändern, liegt nicht vor.. Gewiß hat der heutige Zustand Mißstände im Gefolge, aber sie sind nicht unerträglich. Ein Unterkomme» finden die Prostituierten noch jederzeit. Abg. Bcckh- Koburg(frs. Vp.) und Genossen beantragen in A b ä» d e r n n g ihres früheren(oben mitgeteilten)' A n- trags statt des§ 181b der Regierungsvorlage dem 180 fol- gciibeii zweiten Absatz beizufügen:„Die Vermietung von Wohnungen an Franenspcrsoncn, welche getvcrbsmäßig Unzucht treiben, ist nicht als Vorschublcistung anzusehen, sofern damit" usw.(Der Wortlaut deckt sich im übrigen mit dem oben mitgeteilten Antrage.) Abg. Dr. Höffel(Rp.): Ich stehe nicht auf dem Standpunkt deS Herrn Bcckh. daß die Prostitution ein notwendiges U e b e l sei. Wen» das ober der Fall ist, so hat der Staat die Pflicht, so viel wie möglich zur Bckämpfmig der Prostituiion beizutragen und nicht sie zu sanktionieren. Es ist ja möglich, daß für die Berliner Verhältnisse der Paragraph eine Besserung bedeuten würde, de» übrigen Städten würden Sic aber den K a»i p f g c g e n d i e P r o st i- t u t i o n außerordentlich erschwere n. Wenn Sie das System der Ignorierung in England, der Bcwachmig in Frankreich, der Bckompfulig in Deutschland vergleichen, so werden Sic jedenfalls das deutsche für das beste halten. Gcheimrat v. Lenthe: Daß die Prostitution ein notwendiges Ucbcl ist. will ich nicht sagen, jedenfalls ist aber bisher jedes Mittel gegen sie nutzlos gelvesen. Eine Lokalisierung der Prostitution liegt absolut nicht in der Absicht der R e g i e r n n g. Die' Folge des Paragraphen könnte doch auch höchstens sein, daß noch mehr Wirte als bisher Wohnungen au Prostituierte vermieten. Daß dieser Paragraph mit der Lokalisierung nichts zu thim hat, habe ich auch auf das bestimmteste in der Kommission erklärt. Ter zweite Satz des Antrags der Socialdcmokratcn. der Polizei die Befugnis zu nehmen. die Prostituierten auf bestimmte Gegend zu verweisen, gehört aber nicht hierher. Wenn wir in der Vorlage sogen, die Vorschriften des 8 t80 und 181a sollen nicht Anwendung finden auf die Wohniiiigsvcniiietung, so bedeutet das keine sachliche Erweiterung des Paragraphen, wie Herr Bebel meinte.— Das Bedauern des Herrn Stock« über die heutigen Zustände teile ich durchaus, aber diese Zustände haben schon vorher bestanden und weiden durch diesen Paragraphen sich nicht verschliinmern. Abg. Himburgschntz- grenze über 10 Jahre hinaus. Angesichts dieser Rechtslage in der ganzen Kulturwelt bitte ich Sic dringend, den KvminissionSanlrag abzulehnen.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Dr. Esche(natl.) erklärt sich namens ciiieS Teils seiner politischen Freunde für die Hinmifsetzimg der Schntzgrciize. Abg. Rörcn(C.): I». der Kommission ist die Erhöhung der Schntzgrenze mit 16 gegen 4 Stimmen angenommen worden. Wir meinen, mit 16, 17 imd 18 Jahren haben die Mädchen noch nicht die Lebenserfahrungen. die sittliche Kraft und Charakterstärke, um den mit Raffinement in Scene gesetzten Verführungen begegnen zu können. Die Reihen der Prostitntion füllen sich gerade besonders mit Mädchen von 17 bis 18 Jahren. Eheschließungen im Atter von 16 Jahren sind nur Ausnahmen. Eheschließung nnd Verfiihrmig können nicht mit einander in Parallele gestellt werden. Bei der Eheschließung Handell es sich um eine wohlerwogene Sache, bei der die Eltern mitwirken, bei der Verführung ist das Opfer sich selbst überlassen, sie geschieht im Augenblick und kann die unheilvollsten Folgen sür das gauzc Leben haben. Die Dcnniiziatioiiei» werden nicht häufiger werden als jetzt. Ich bitte Sie, den Kommissionsvorschlag anzunehmen. Abg. Stöcker(wildk.): Ich kann den AuSführiingeu des Staatssekretärs nicht beitreten. Mädchen von 10 Jahren haben»ickit die nötige Lebenserfahrung. Wenn wir festsetzen Mädchen unter 18 Jahren sind geschützt, so hat der Verführer die Verpflichtung, sich nach dem Alter des Mädchens zu erkundigen. Auch von dem Bunde deutscher Fraucnvercine ist eine Petition an daS Haus gelangt, die die Grenze sogar bis zum 21. Lebensjahr erhöhen lvill.(Bravo rechts.) Abg. Heine(Soc.): Jck> habe nur kurz zu erklären, daß wir gegen die Erhöhung der Altersgrenze stimmen werden. Natürlich nicht mit Rücksicht ans die Versiihrer, sondern weil wir das Gesetz auch heute schon ans der PrariS als kein Mnstcrstück der Gcsctzgcbnng kennen. Der wichtigste Grund sür uns aber, gegen diese GcsetzeSändcriing zu stimmen, ist der. daß an die Lebens- Verhältnisse der arbeitenden Klassen dabei gar nicht gedacht ist. Der Antrag ist entsprungen anS den Anschauungen der höheren Stände. wo ein junges Mädchen von 10 Jahren die sogenannte höhere Tochter, noch in die Schule geht und in der That von dem Leben noch recht wenig weiß. Ein Mädchen ans dem Proletariat aber. das bereits mit 14 Jahren darauf angewiesen ist. sich den Unterhalt selbst zu verdienen, fühlt sich nnt 16 Jahren nicht mehr als Kind, sondern als erwachsenes Mädchen. daS über sich selbst bestimmen kann. Dieses Mädchen hat auch, lvie die Verhältnisse mm einmal liegen, viel mehr Ahnung vom Leben als die höhere Tochter und kann sich gegen einen Verführer besser schützen. Die Folge dieser� Gesctzcsänderniig iviirde nur eine erhöhte Gelegenheit zu gegen- scitiger Ehikanierung zwischen aiiseiiiandergcgangencn Brantlenlcn der Arbcitcrllasje sein.— Was die Petition des Bundes Deutscher Frauenvcrcine anlangt, so muß ich offen gestehen, daß mir ihr Standpunkt lveniger der Standpunkt höherer Töchter als vielmehr der alter Jungfern zn sein scheint.(Hciterkeil.lT Mit dieser ver-. schrobcnen Auffassung der Sittlichkeit könne»' wir unS nicht befreundend (Bravo! bei den Socialdemokraten.) Abg. Dr. Höffel(k.) i Die Franc» haben ihre Petition nicht etwa im Interesse der höheren Stünde eingebracht, sondern gerade im Interesse der arme» Proletarierinncn, die am meist»» der Pivstitntion verfallen-(Keine Freunde sind auch der Ansicht, daß wir die Grenze auf da! 18, Lebens jähr festsetze». Abg, Vcckh-Koburq ch e n P e r iv a l t n n g ivird darauf fortgesetzt.— Die TiSlussioii über den Titel„Minister" dauert noch immer fort. Abg. Szmttla(C. Ans der Tribüne schwer verständlich) bestreitet entschieden, daß sich die Lage der Lairdivirtschaft ivejentlich gebessert habe. Allerdings seien die Ernten gut gewesen, aber dafür seien die Preise sehr niedrig. Spceicll sei Weizen so billig, rvie kaum je. Amerika schreite eberr mit der Produktion immer mehr fort. Es komme Hinz», daß von auch»»scrcr Eisenbahn-Berivaltrmg noch immer nicht die gebührende Rücksicht aus die Interesse» der Landwirtschaft genommen wird. Es konnrre ferner die Letitcnot Hinz»: den kleinen Lairdivirtcn in Schlesien sei es gar nicht mehr möglich, die für ihr Gehöft erforderlichen Dienstboten z» erhalten. Mindestens 15 000 landwirtschaftliche Arbeiter halten schon im vorigen Jahre gefehlt, in diesem Jahre hätte sich die Sache noch ganz wesentlich verschärft. da von der Industrie immer mehr Leute eingestellt werden. Die Regicrimg müsse daher alles thiui, was in ihren Kräfter» steht, um Arbeits- kräfte ans dem Auslande hcranzuzichcu. Abg. Dr. Hcisig(C.) hält ebenfalls schletinige Maßnahmen zur Abstellung der Lenlenot für diingeiid notwendig. Die hohen Löhne, welche die Industrie zahle, könne die Landwirtschast nickt ausbringen. Sie beförderten unter den Leuten auch mir die Trunksucht. Abg. Hirsch behaupte, der Landwirtschaft»rüste es gut gehen, denn das Vermögen ans dem Lande sei um rund 450 Millionen gestiegen. Aber diese Ver- mehrnng entfalle nur ans einzelne, die große Mehrzahl der Landwirte sei daran nicht beteiligt. Redner wünscht dann, daß der Schnluntcrricht mehr den Verhältnissen auf d e in L a» d e an gepaßt werde. Kinder, welche die nötige theoretische Reise erlangt haben, mühteii i» die Landwirlschast übergeleitet werden. Dazu müsse man mehr landwirtschaftliche Fachschulen und vor allem sogenannte Winterschulen einrickten, in denen der Jugend die nötigen landwirtschaftlichen Kenntnisse veigebracht werden. Viel mehr Mittel müßten ferner in den Etat eingestellt werde» zur Hebiurg der Viehzucht. Ii« Schlesien seien zahlreiche Anträge von Landwirten wegen Mangels an Mitteln abgelehnt worden. Abg. Dr. Glaltfcltcr(C.) sAnf der Tribüne schwer verstäridkichf befürwortet im Interesse der westlichen Landwirtschaft größere Auf- nendiurgen bou selten des Staats zur Förderung der Viehzucht. Die Arbeiterrrot sei im Weste» jetzt auch ganz besonders drückend. Als sehr onregcnd könne ferner die Einrichtung staatlicher Mnsterwirt- schasten. von denen der Minister gestern' gesprochen habe, sich erweisen. Abg. LeppclmannvaS eigentlich beabsichtigt ist.(Sehr richtig! links.) Selbstverständlich verurteilen wir den Kontraktbruch jnd die Verleitung dazu aufs schärfste. Ich glaube aber nicht, saß der Landwirtschast genützt ivird, wenn ein Ausnahme- zejetz gegen die ländlichen Arbeiter«lassen wird. Danach würden die indnstrielleit Arbeiter social höher stehen. NicktS aber iväre gc- eigiictcr, die Laiidflncht zn verstärken, als eine derartige«inseitige Behandlung der landwirtschastlichen Arbeiter. Reim wir die Socialdemokratic ans dem Lande fördern wollen, darm können wir nichts Besseres thitn, als eilt solches AnsnahmegeseN zu cr- lasse».(Sehr richtig! links.) Die Gesetzgebung über die Arbeiter i st R e i ch S s a ch e und gehört in die Rcichs-Gciverbc- Ordnung. Es ist unerhört, wenn ein Ernzclstaat, rvie Anhalt. die ländliche Arbeiterfrage im Rahmen seiner Gesetzgebriitg behandelt. Irr welcher Bnnlschcckigkeil der Arbeiter-Geieggebriiig würden wir ans diesen» Wege kommen'i ES ist verfehlt und gefährlich, Arbeikcrgcsctze in diesem Hause zn machen, wo der A r b e i t e r- st a ii d infolge eines e i g e n t ü in l i ch e n W a h l g e s e tz e S nicht vertrete» i st. Im Reichstage sind die Arbeiter vertreten. (Bravo! links. Zischen rechts.) Abg. Pleß iE, wünscht die von ihm seit 16 Jahren verlunzft Vorlegring eines W a s s t r g e i e tz e s. eine? Gesetzes gegen die Verunreinigung der Flnsie— Das Eeittrum wolle die aligemeine Bildungsiinie des Volks durchaus nicht herabdrücken. Zn viel Wissen berge allerdings die Gefahr des Aufgeblähtseins und des wisiem'chaftlichen Stolzes in sich. Um das zu vermeiden,»ruß bei jeder Wissenschaft die Wissen- schaft der Wissenschaft, die Religion, zn Hilfe genommen werden. Die moderne ErziehungSkunde glaube, den Menschengeist bis ins Unbegrenzte bilden zu können. DaS sei ein Fundamental- irr tum. Die meisten Menschen seien und blieben Durchichnitts- geister. Deshalb dürften vor allem in den ländlichen Schulen nicht zu viel Gegenstände gelehrt werden. Die jungen Landleute brauchten nur ein beschränktes Wissen: Lesen. Schreiben. Rechnen und Religion. Der gegenwärtige Unterricht aus dem Lande aber sei ge- eignet, den jungen Landmann mit seinem natürlichen Beruf un- ztiftteden zu machen.(Bravo! im Cciitrum.) Geh. Rai HermeS erklärt, daß die Erwägtingen über eine notwendig« Organisation der wasjerbmilichen Verwaltung noch nicht zum Abschluß gelangt seien. Deshalb sei eS unmöglich, jetzt schon die Reform des Wasserrechts vorzunehmcit. Abg. Frhr. v. Wangenheim sk): kommt ans die gestrige Rede des Abg. Dr. Friedbcrg zurück und bespricht die Stellung des Bundes der Landwirte zu den Nationalliberalen. Iii Bmtdcskrcisen habe es Befremden erregt, daß Herr Dr. Saltler im Reichslage dein Reichstanzler ein Vertrauensvotuni ausgestellt habe.(Abg, Dr. Sattler: Schreck- liches Verbrechen!> Weiter habe die ntigetvöhnlich scharfe Rede des Abg. Dr. Krause in Bromberg verletzt; iveim solche Anschauungen von einem Führer der Fraktion ansgesproche» würden, müsse man sich doch fragen, ob man noch weiter mit dieser Partei zusammen- arbeiten lönne. Abg. Dr. Sattler(natl.) bestreitet, daß Dr. Krause sich in der angegebenen Art geäußert habe. Die uationalliberale Partei verlange vom Bund nur eine andere Art der Agitation. Redner erklärt, sich persönlich niemals gegen den Bund ausgesprochen zu haben und von sreundlichen Eestit- mingen gegen die'Landwirtschaft erfüllt zu sein. Abg. Schulz(frs. Vp.): In den häuslichen Streit zwischen Nationalliberalc und Kon- servaiive will ich mich nicht mischen. Die Verbrngung des Dr. Sattler vor dem Bunde der Landwirte zeigt riiis, wie nahe die Nationalliberalen den Konservativen stehen. Auf diesem Wege werden Sie allerdings z» Totrngräbern der eigenen Partei. Mit einer anständigen Tonart in der Agitation bin auch ich einverstanden;' ich wünsche sie auch der bündlerijchc» Presse. Ein Blatt hat mir die Geschmacklosigkeit vorgeworfen, einen Schnaps„Bocrcnkerlc" z» fabrizieren. Eine der- artige geschäftliche Verwertung des BocrcnkricgS liegt mir fern. Jnrmerhin können die Konservativen von den Bocren etwas lernen. Sie habe» gezeigt, daß im Kampf um die Freiheit ein Volk auch ohne Äricgsaladcmie und adlige Osfizicre tüchtige Heerführer und tüchtige Soldaten stellen laitlt. Herr v. Wangenheim hat von dcr� Bescheidenheit der Agrarier gesprochen und es so dargestellt, als näbrteu sie sich von Rüben, Kartoffeln und Hering. Das lassen ivir uns nicht vorreden. Die Menüs bei den Festen des Bundes der Landwirte lauten etivaS anders.(Stur- mische Rnsc rechts: Vorlesen!) Dies Verlangen beweist, wie groß Ihr Ganmcntiycl ist.(Große Heiterkeit.) Die Bescheidenheit der Agrarier ist. soweit sie vorhanden, nicht freiwillig, sondern gc- zwnngcn.— Die moderne Steuergesetzgebung hat die Ringbildnng in der Spirilnsindtrstrie begünstigt. Bei dieser Ringbildung ist von agrarischer Bescheidenheit nichts zu spüren. Sie haben dadurch einen Preis herbeiführen wollen, der der Marktlage nickt entspricht. Die Schädigung durch solche Ringbildringeri ist viel größer, als die von Ihnen gescholtene» Börscnmainpnlattoncn, ganz wie durch Spiel und Weiber aus dem Lande viel mehr(Existenzen verkrache», als sie die Börse aus dein Gewissen hat.(Lärm rechts. Beifall links) Abg. Dr. Hahn(wildk.) verleidigt den Spiritnsriirg, der Stetigkeit in der Preisbildung bewirkt habe. Herr Dr. Krause hat von der demagogischen Agitation deS Bundes der Landwirte gesprochen, der die Bcrtretnng der deutschen Landwirtschaft ist.(Große Unruhe links. Rufe: Ist keine Vertretung! Nette Vertretung!) Hot Herr v. Wangenheim demagogisch gesprochen? Wo habe ich je demagogisch gespröchcn?(Große Heiterkeit links.) Doch nicht in meiner Rede hier im Hanse, Ivo ich für die National- liberalen nur srermdschaftliche Worte gehabt habe.(Gelächter bei den Nationalliberalen.) Der Bund ivirlt versöhnend; ein Teil der Nationalliberalen aber will den Kamps. Leute wie den Grasen Oriola und Herr» v. Heyl unterstützen wir gern bei den Wahlen, Herrn Dr. Krause aber nicht. Geht das so weiter, dann besteht die Gefahr, daß die glückliche Ehe: agrarisch- notionailiberal z n e i n e r S ch c i d u n g führt.(Bravo! rechiS) Abg. Dr. Friedbcrg(natl.): Der Angrist des Abg. Schulz ans die Nationalliberalen schädigte den Liberalismus überhaupt, der sich in eine schwierige Position befindet. Herr Schulz lhäte besser, solche Reden für die Berliner BezirkSvercine aufzusparen.(Heiterkeit nird Zustimmring.) ES ist thöricht. einen Keil in den Liberalismus zu treiben, der in der Berteidigririg der politischen Freiheit und in allen Schulsrage» zrisammenhalte» muß.— Redner polemisiert gegen de» Abg. Hahn. der im Haimöverschen die Nationalliberalen aus das schmählichste an- gegriffen hat«:. Abg. Humanu(C.) wünscht eine höhere Subbeittionierung der landlvirtschaftlichen Vereine. Ein Schlußantrag tvird angenommen. Das Gehalt des Ministers wird bewilligt. Die Weiterberatung wird auf Montaiz. den 29. d. M.. 11 Uhr vertagt. Schluß 33'e Uhr._ Verfanrntlungen. Ter socialdcmokratischc Wahlvcrciu für den sechsten Berliner RcichStagS-WahlkrciS hielt am Dienstag seine General- Versammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordmuig ehrte die Versammlung das Aiidenken der verstorbenen Mitglieder in der üblichen Weise. Nach dem Bericht des Vorstandes,' den der Vor- sitzende Kiesel erstattete, haben im verflossenen Qnartal vier Ber- scunrnlungen stattgefunden. Infolge der regen Agitation, die lvährend und nach den Stadtverordnetentvohlen entfaltet ivurde, ist eine beträchliche Zunahme der Mitgliederzahl zu verzeichnen. Nachdem der Redner noch auf das im März statt- sindende Stiftiingöfest hingewiesen und ans den Vertrieb der noch vorhandenen Billets zur Sternwarte aufmerksam gemacht hatte. forderte er auf, auch ferner recht thätig zn sein und ftir den Verein zn wirken, um demselben, in Rücksicht aus die gegeinvärtige Siwation, eine weitere Ansbreitnng zn verschaffen. Dem Kassenbericht, den der Kassierer Tausche! gab. war zu entnehmen, daß im 4. Onarta. inkl deS alten Bestands von 57.90 M.. insgesamt 2565,55 M. ver. einnahmt und 2523 M. verausgabt wurden, so daß ein Bestand vor 42.55 M. verblieb. Im letzten Quartal sind dem Verein circa 350 Mitglieder neu beigetreten und dadurch die Mitgliederzahl aus 5233 gestiegen. Hierauf hielt Reichstags- Abgeordneter W. L i e b k n e ch t einen eingehenden Vortrag über: Die F l 0 t t e n v 0 r l a g e und die Partei« it., wobei et die politischen und wirtschaftlichen Zustände in Deutschland scharf beleuchtete, das Verhalten der Junker und der Schlotbarone treffend kennzeichnete und im weiteren nachwies, daß durch die von der Regierung beliebte Kolonial- und Weltmachtt- volitik schließlich einigeu Großkapitalisten ein riesiger Prosit bei dem Bau neuer Schiffe gesichert ist, daß aber dem deutschen Volle nicht nur neue ungeheure Lasten aufgebürdet, sondern auch ganz bedeutende wirtschaftliche und poli- tische Nachteile entstehen werden. Nieder mit der Flottenvorlage! Hoch die Arbeiterorganisation! so schloß der Referent den von den Versammelten mit' stürmischem Beifall aufgenommenen Vortrag. Ohne Diskussion wurde einsiimnrig folgende Resolution beschlossen: „Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten. Reichstags-Abgeordtteten Wilhelm Liebknecht, völlig einverstanden rmd protestiert energisch gegen die geplante Flottenvorlage. weil durch die Annahme derselben' das deutsche Volk in seinen politischen und tvirtschaftlichen Interessen schwer geschädigt wird. Die Ver- sanmrlung protestiert auf das Eittschiedenfte gegen eine weitere Vermehrung des Heeres und der Marine, indem dadurch das deutsche Volk noch mehr als bisher unter die Macht des Militarismus ge- beugt ivird. Die Versammlung erklärt endlich, daß durch die Annahme der Flottenvorlage nicht das deutsche Volk. insbesondere die Arbeiterschaft einen Vorteil hat. sondern nur einige dabei interessierte Kapitalisten. Die Versammlung fordert die Abgeordneten ans. einer Regierung, die die vitalsten Interessen des größten Teils des Volkes nicht zu wahren weiß, jeden Mann und jeden Groschen zu verweigern." Nachdem noch bekannt gegeben worden war, daß in nächster Zeit eine Versammlung stattfindet, in der ein Vortrag über das Bürgerliche Gesetzbuch gehalten werden tvird, erfolgte der Schluß der stark besuchten Versammlung mit einem begeisterten Hoch auf die völkerbefreiende Socialdemokratie. dem sich ein kräftiges Hoch auf den Genossen Liebknecht anschloß. Tic deutsche Meiallarbriter-Gewerkschast nahm am 2l. d. Mts. in ihrer Versammlung den Bericht dos Kassierers entgegen. Danach betrugen die Einnahmen im vierten Quartal 2258.95 M., die Ausgaben 1653.09 M. Es folgte hierauf der Bericht der OctS- vertvaltung über die Zahl der abgehaltenen Bersammlrmgen und die Agitation, dem sich die Wahl für die Verwaltung anschloß. Znm Vorsitzenden ivurde Wiesner, Chorin erstr. 42, gewählt. Für die An- schaffting einer Bibliothek wurden 50 M. bewilligt. Im Statut wird empfohlen, hinter den Worten: Einschreibegeld befreit, zu setzen: und gelten als vollberechtigte Mitglieder, soiveit dieselben in der vor- herigcit Organisation berechtigt waren. Zum Ausschnßvorsitzenden ist Karl Liesenberg, Quedlinburg. Stieg Nr 5. getvählt. Dorthin sind alle Beschwerden zu richten. Die Vcrianimlutig beschloß den Anschluß an die GeschäftSlommission. Tic Lohnbewegung der Schmiede, die in nächster Zeil wieder von neuem in Angriff genommen iverden soll, wurde bereits in zwei Versammlungen, am Mittwoch und Donnerstag, besprochen. Die erste Versammlung für Moabit war sehr gut besucht. Liese- gang referierte über das Thema:„Wie ist es möglich, für die Schmiede bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erringen?" In seinen mit Beifall aiifgenommencn Ausführungen erinnerte der Redner unter andern» an die Errtingeitschaften der Lohnbewegung im Jahre 1896, die aber infolge der Gleichgültigkeit der meisten Kollegen, namentlich der Nichtorganisierten, wieder verloren ge- gangen seien. Nur daraus erklären sich auch die»uhaltbarc» llebel- stände, die überlange Arbeitszeit, schimryersüllte Arbeitsräume. Aecord- arbeit bei schlechtem Arbeitsmaterial nnd niedrige Bezahlung. Bei anstrengender Arbeit sind Löhne bo» l5— 2l M. pro Woche geradezu als skandalös zu bezeichnen. Nur eine lebhafte Agitation. geleitet und tmterstiitzt durch eine starke und thatkräftigc Organisation. wie sie der„Verband der deutschen Schmiede" darbietet, kann zur Beseitigung der Mißstände solvie zur Erlangung besserer Lebens- Verhältnisse beitragen. Zunächst habe man zu erstreben: die Ein- führung des N e 11 it st u>1 d e» t a g e s. höhere L ö h n e mit Beseitigung der A e c 0 r d a r b e i t, Abschaffung der II e b e r st u u d e 11 sorvie der iiriiiier noch üblichen Sonst tag 6- arbeit, Regelung des Arbeitsnachiveises»sw. In der zweiten Versammlung anr Donnerstag, die für den Norden stattfand, referierte ebenfalls Liesegang über dasselbe Thema. In beiden Versanimliingen rvrirden von einer Anzahl Rednern die Mißstände und Arbeitsverhältnisse in vielen Betrieben geschildert. Die irilflätigen Redensarten bci_ einer oft inenschenrinwürdigen Be- liandlung, rvie sie von den S ch i r r nr e i st e r n bei Bors ig. S ch iv a r tz k 0 p s f.„Allgemeine Elektricitäts- Gesellschaft" noch üblich sind, erregten die Entrüstung der Äersainmlrrng. Das vorlänsige Ergebnis beider Versammlungen war die Aufnahme einer bedeutenden Zahl Mitglieder in den Verband. In nächster Zeit sollen in allen Stadtteilen Berlins weitere V e r s a in m I ri 11 g e n stattfinden. Köpenick. Der Socialdeinolratische Verein hielt am Dienstag Quartalsversannnlung ab. Nach ciireiir beifällig anfgenominenen Referat des Genossen Dr. Borchardt-Cbarlottenbnrg über „Wohnungsnot" gab der Kassierer den Kassenbericht. Deniziifolge besteht ein Kassenbestand von 196,05 M. Ans Antrag der Revisoren ivird dem Kassierer Decharge erteilt.— Die Vorarbeiten für die Märzfeicr und das Stiftliiigsfest werden dem Vorstand übertragen. Zu Revisoren wurde» Anders, Helling und Rademacher. als Schrift- fiihrer Liegner gewählt. Dem LertrattenSmaiin wurden zur Agitation 100 M. überwiesen. Tie ösfeutlichc Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für ieverliwnn— AUjmibrinnifit. 26, Gartenhaus— ist geöffnet: mochentä, stich von 5>/z-l0 Uhr abends, tm Sotitt- und Feiertagen von 9-1 und von 3—6 Uhr. Freireligiöse Gemeinde. Somstag, den 28. Januar, vorm. 8>/, Uhr. im oberen Saal deS„Englischen Garten s", Alepanderstraßc 27c, Veriammlnng; Freireligiöse Vorlesung.— Um 10'/, Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des He»-n> Prases'or Dr. Albert G eh r! e:„Gew'.ffen und Pflicht". Gaste. Tauien nnd Herren, sehr willkommen. Sichtung. Klempner Moabits k Somstag, den 28. Januar, vorm. 1 Uhr. fiubet im Lokal van Pfarr, Pittlitzstr. lv. eine Morgensprache statt. Ein Beikrhgssamiirker wirb anwesend sei». Tischlervcrri». Henle, abenbs 8'/, Uhr. Melchiarstrabe 15: Außer- ordentliche Genertstversamtnltmg. Milgliedsbuch legitimiert. Maricndorf, Tempelhof und Umgegend 1 Sonnabend, den 27. b. Mts. Versa, iiustung im Arbeiler-Bilbmigsvereiii. Referent: Gcuoffe Rechtsanwalt Victor F r ä» k l über: Das Bürgerliche Gesetzbuch. Weihensce! Sonntag, de» 28. d. Mts. nachmittags 2 Uhr. im „Albrechtöhos": Oeffentliche Versammlung zwecks Gründung einer Zahlstelle des Eentralverbaudes der Fabrik, Land- Hilssarbeiter und Arbeiterinnen. Referent: Genoff'e Kiesel über: Tie eigene Schuld der Arbeiterklasse an ihrer Anmit und Unterdrückung Johannisthal. SocialdemolratischerBsrein. Sottnabeitd- abend Mitgliederv ersammlung bei Strecker._ Iiinde,M Essenz ist jeder praSstijehen Hausfrau dringend zu ompfehlon, dann man kann durch ihren Gebrauch an Bohnenkaffee sparen. ♦ Grösste Berliner Hosenfabrik früher Goi-maunstrasse S Jetzt bedeutend vergrössept 3623L* Rosenthalerstrasse 55 I. Kösliuer Hof KUsUnci-str. 8. fteiifii güimtng: Vall. TrpntflW Restaurant liuPW" Karpfenteich, Sitte Köpnickcr Laiidserahc. Jeden Sonntag: 34592" Gz.'ojjev Vall. DM- Neuer Parkettboden"Mg Kaffee in Portionökannen. S"t de» Inhalt der Jiiseratr ibetiiimmi die Redatiio» dem Pnbiitnin gegenüber keinerlei Beraniwortnng. wmmmmmmmmmmm Dlzvakev. 3 o n n o 6 1 n». 27. Januar. cpeenkiau«. Ktenzt. der leyle der Tribunc» Anjang 7 Utu. Schausviclhaus. Der Bnrgara» Ansang?>/, Uhr Deutsches. Der ProbckanSidat. An- lang?>/, Uhr. Sessiug. A!s ich wlederkam... Ansang 7 r/z llhr Berliner. König Heinrich. Ansang ?>/, Uhr. Schiller. In Behandlung. Ansang 8 Uhr. Nach»,.? Uhr: Iphigenie ans Daun«. Neue«. Ein unbeschriebenes Blair Anfang 7 t/z Uhr Weste». Der �rrischug Ansang 7'/, Uhr. Dhalia. Im Himmelhos. Ansang . i'/r Uhr Stesiden�. Die Dam« von Marim Ansang 7>/z'Uhr Luisen. Minna von Barnhelm Ansang 8 Uhr. Central. Die kleine Excellenz Ans Carl Weift. Lenore. die ÄrabeS- braut. Ansang 8 Uhr Nachm.< Uhr: Dornröschen Bictori«. Berliner Bilder. Anfang 7'/, Uhr. Friedrich. Wilhelmstädtische«. Der Boerenkrieg in Transvaal Anfang 8 Uhr Nach«.« Uhr: Robinson Erusoe. Belle.«llianer. Gastspiel des Schlierseer Bauern. TheaterS. Der Anierikafeppl Ansang 8 Uhr. Metropol. Specialitätenvorstellung Die verlehrte Welt Ansang 8 Uhr. Apollo. Specialiläteu- Vorstellung. Im Reiche d-S Jndra Ansang 7'.� Uhr.* Reichshnllcn. Steltiner Sanger Anfaua 8 Uhr Valaft. Leute vonhenlc Speciali- tatcn-Vorstelliing Ans. 8 Uhr Bafsage> Panoptitnni. Speciali- tätcn-Bvrstellung. Urania. Iuvnlideustr. k7/liS. Taglich abends von ö— 1U Uhr: Sternwarte. Daubenstraste 4S/4tt. Abend» « Uhr:.Bon den Alpen zu», Vesuv". Schiller-Thtllttt sWallncr-Dheater). Sonnabend, n a ch m 3 ll h r: Iphicenie auf Tuurl*. Schauspiel in 5 Aufzügen v Äolfgang Goethe A b e n d s 8 Uhr: 1» Ilchan/, Uhr.»assenössnung K'/i Uhr. Gnirc«: Borftellung n. Tanz d0 Pf. Ehre»- u. Borzugstarten sind gültig. Mittwod>, öl. Januar: Aonitner- feid-Heneit». Sonnabend: Palast, Theater- Maskenball. Große Pm»; sei teilmig. Urania Taiibcnstraase 48/41). Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen cum Vesuv", Invalidcnstv. 57/6*: Tägl. Sternwarte. Nachmittags 5— 10 Uhr. "Pässage-Panopticnin." Der amerikanische Haar Athlet Sascha nebt mit den Haaren bis 300 Kilo Theatre variete 7-10'/., Uhr. Anatomisches Museum Dienstage für Damen. ■■ CASTANS"■ PANOPTICUM Ken! Ken! Ken: Cecil Rhodos Chamberlain Ohm Krüger General Joubert Boerensoldaten. Cindarella. Drei ülttrohengrappen. 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Januar, abends präcise 7l/, Uhr: Caln-Ftst-Persttlluilg mit ganz besonders geivöhltem, crtra hierzu arrangiertem Programm. Neue Debüt» U. o. Möns. Belo:c. Nur noch wenige Tage: Die ersten und einzige» tauchen den und schwimmenden Hirsch« in Deutschland. Nur noch kurre Zelt: Die kaiserlich- iapanischc» Hofkünftler. Die>» AkimotoH. Die Araber. Tie 3 Hahda». Vorführung der anerkannt unerreicht dastehenden Original-Dressure» des Dir. Alb. Schumann. SV* Nur noch einige Aufführungen; Das gUnzendite Bitterschaustück; Schwarz und Weih uiit sämtlichen Einlage». Sonnlag: 2 Vorst, nachm. 3'/. Uhr: Im welhnechtehsrar Abends?>/, Uhr: Letzte Sonntagsaufsührnng: Se'hwarr und Weis», Nachm. ein Kind sret. American-Theater. Dtcäbcnetflr. 96. Dir.: Emil Schnall. Heute: Zweiter Originnl-MaSkenball. 12 Uhr: Ho-bulkige Polonaise. «„aesührt vom Riesen tzViibin». Beginn 10 Uhr. Einlaß 9 Uhr. Morgen; Berliner Nonlotte. Allgemeine Krauken- und Sterbekasse der deutschen Drechsler und Berufsgenossen (E. II. 86 Hamburg). 265/7 Mtikgliedev-Vevlnininlungen finden statt: /% am Sonntag, den 88. Januar 1000, vormittags 10'/, Uhr, bei Xowak, Oe�lt H Mantciisfclstraitc 9. Bern Sonntag, den 88. Januar 1000. vormittags 10'/, Uhr. bei Pritsch, • IknNherslrnße 30-31. am Sonntag, den 38. Januar 1900. vormittags 10 Uhr, bei Verth, D. 59 99 finden statt 88. Januar 1000. vormittags>0'/,»Hr. Manteusselstrafie 9. 88. Januar 1000 vormittags iO'f Dkaklherstraße 30-3i. Januar 1000. vormittags Bliicherstraße 60. Sonntag, den 38. Januar 1900. vormittags 10'/, Uhr. bei Schiller Rosenthalerstrafie 57. Tagesordnung: l Geschästliches. 2 Kassenbericht pro viertes Onarial 189?. 2. Verschiedenes Für Bezirk D findet Neuwahl des ersten Bevollmächtigten statt, Die Zahlstellen, an denen an jedem Sonnabendabend von 8-10 Uhr neue Mitglieder(biS 45 Jahre) aus- genommen werden, befinde» sich fjnimtmftr. 78 bei Grundmann, Kleine Andreasstr 14 bei Neumann, Reichenberger- straße 29 bei Schmidt, Skalitztrstd. 69 bei Sinke, Gneisenalistr 10 bei Vesse. Alle Jakobstr 69 bei l-eitr, Eliasser Ortavi 99 straße ll bei Raddati, Georgenkirchstr. 26 bei Radtke. Die OrtAverwaltnngen. Clrkus Busch. Heut e Sonnabend, den 27. Jnnuar, abend» 7V, Uhr: High Life Evenlng. Zum 78 Male: Die Cainorra. Signor Rlvalll, der Feuerpriuz Die Matweel-Troupe. Siguor Fsrlnl, der phanovienale Jongleur— Foottit gurkliardt. Schulreiier W. Nuck Theater, Brniinenstrabe 16. Heule. Sonnabend, den 27 Jannar: Wegen rrivatfestlichkcU keine Vorstellung. Sonntag: Goldene Berge. Heicbsbaxlen. Täglich: Stettincr Sänger Ant. 8 Uhr. Entr. 50 Pf. Borverl 40 Pj Nu«. Ballon 75 Pi Ballon- Loge I Ri Orchefterl. 1.50 Frc»idriiloge2,». iitiltralvertin der Bilithliiicr Deiitslljlaiids. 20/2 Aebtnng: Aebtnagl Da wir ciiien durch ca 100 Zweig oereiue über gan� Dcuiichlaiid ans geiiblc». gu! smiliioniereiiden Arbeits- Nachweis haben, so sehen wir»»S ver- anlaßt, vor Inseraten privater Stellen- Vermittler, wie dem des Herr» Ziller, Dresden, in der Mitiwvdiiiummcr dieser Woche zu toainen und einpsehlen den Kollegen, nur den Arbeiisnachweis »»lres Vereins zu benutzen Wer beu Arbeilsnachiucis des Herrn Ziller richtig beurteilen will, lese den Leii- artikcl der„Bildhauer-Zeiliing" vom 26 Januar, welche jeder orgaiiisiertc Kollege besitzt. Ter Porstand. Central-Rrantcu- u. Sterbe kafsc der Tischler »nd anderer gcwerblidier Acheitcr. (E. H Nr. Hamburg) Berlin G svtilglicder-Pcrsainnilnng Montag, den 29. Jannar er, nbends 8 Uhr, in Thiel» Ballsalon, Frucht. straße 36». Tages-Ordnung: 1 Kassenbericht vom 4. Quartal 1899. 2 Antrag der Ortovcrwa!- tiingctt Berlins: Einfiihriing eines 5-Psennig-Beitrags. 8. Vortrag des Herrn vr. invd Simon:„Ueber Jnfeltionskrankhciien»nd ihre Be- laiupiuug" 4 Versdiiedene Kasten- angelegcnhriten. Mitgliedsbuch legitimiert.— Die Sprechstuiiden fallen an diesem Abend aus— Beiträge ivcrdcii in der Ver- faNitiiliing vom Kassierer entgegen- genommen.— Um zahlreiches Er- icheiuen der Mitglieder sowie deren Franc» ersucht I84/4s Die Qrtsverwaltiing. Schaukol u Würfel- , bnde. 14 Jahre best. verkauft einzeln oder zusaiiiincii wegen Todessall(Gr.«ommcrlolal.Daiiipier- aulage) Ouhlow. Brunncnstraßc 178, Qnerg III 2024b Partei-Speditionen: Derlin vierter Waiillcreltz Q.: Robert Wenzels. Frucht- straße 80, Hos II— SO.; Fritz Thiel. Slalitzerstl 55 b pari— Secbtiter tzVabikreiv(Tlnnbit): Karl Anders. Salzwedeler- straße 8. pari im Laden— Weddiag nnd Oranienburger Vorstadt: Emil Stolzen bnrg, Wiesenstraßs 14— DeAnnd braanea: W i l h e I m G a ß m a n n, Grünthalerstr 65— Hoven tbaier Vorstadt und SebOnbaaser Vorstadt: Karl Mars, Kastanie»- Allee 95/96— Cbarlottenburg: Gustav S ch a r n b e r g. Schillerstr 94. v 1 Treppe.- Dentseb.H'ilaier» dorf: Fran»übler, Sigmariiigenstr 5, und Frau S e i n e in a n». Sig- maringenstraße W.— Frledrlchsberg-Erlcdrichufclde: Carl SB elf, Berlin 0, Friedrich Karlstr 4- Criinnn: Engel, Dahmestr 6- Rixdorl*: O st e r in an», Erlstr 6.— SebOaeberg; Wilh. B a n m l e r. Slpostcl Paulnsstr. 13. Quergcb Hochp.— dobaaaistbal. Hsieder- »ad Ober»Sebtfneeveide: Otto John, Ober- Sdionewcide, Sienietisstraße 7, Eigarrengeschäsi. Siiinahmeftelleii: Nleder-Schiiiicwcide: Karl Weber, Cigarreiigeschäft Jshaiinisthal: Scnsilebcu. Restailraicnr.— Vdlersiiot': Max Worbs. Metzerstrahe 4.— COpeaiek: Franz Weber. Cißarrtzn-Sand luv z. Grünauersir 1.- Eriedeaan-Stegiit«: H Berniee, Kirchstraße 15, in Friedcna» Besiclliiugcn nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr. Düpvclstraße 8, und Fr. Schcllhase, Ahorn str 15a.— Hautasebaiena eg: Krebs, Batinischnlcnwcg 32, H l II.— Oross- Elebterkelde: Slboiineuictits nchmcii entgegen: K r c»i p, Chaussccstr. 45: B v i g t, Dürer- nnd Moltlcstraßen-Ecl«! Kiitziier, Dürcrstraße 41; P a gel. Chonsscestr. 104; S ch l st l e r. Verl. Wilhclmstr. 33; Richter, Lorenz- »roste 34: F r ö in m i» g, Lanlwitzßr 10: Seng er, Kursilrstenstr 35; Lück. Chansjeestraßc 109; Wenzel. Lankivitzftraste 6.— Ken- tzVeisseasee: Spediteur Heinrich Bach mann, Lehderstraste 1, part. links.— Panlcorv: Kuinnterl, Florasiraste 48 Austcrdeut ist sämtliche Parteilitteratiir sowie alle ivisicnschasilicheu Werl- dort zn haben. Auch werden Juserate für den„Vorwärts" entgegengenommen. Um gpmiuo Angiibe der Adresse wird dringend gebeten. _ py Bitte ansschncidcn! Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder- Galanteriewaren-Jttdustrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Dienstag, den SO. Januar 1900, abends S'� Uhr, bei Jcncrstcin soborer Saal), Alte Jakobstraste 73: Alißklord.Wilglikder-ilerslimmIililg. T a g e s- O r d n n n g: st l liniere Slnträgr zum bcvorftrhendrn Pcrbandstag. 2. Berichiedencs. Wegen der wichtigen Tagesordiutng ist das vollzählige und pünN- liche Erscheinen aller Mitglieder dringend notwendig. gV" Tie Lcrsainmluiig wild Punli 8'/., Uhr erössuet WW 93/7__ Die OrtsverwaHung. Verband der Möbelpolierer. Die Herren Lohma»». Boigt. Pandow. Matiner.(»oorgcesski. Stein. Wcttrisch. Biene. Lehwald. Gerch. Shdow. Bar. Schulze. Schnidicke. Weber. Busse, Niickler. Hetthoff, Essche. Melitz, Brock- meyrr. Weniger, welche bei Herrn Laborrnz zur Zeit die Pvlierarbeii verrichten, iverdeu hiermit ersucht, heute abend zwischen 6 und 7 Uhr im Lokale des Hain Sclinicber, Admiralstrnste 81. zu erscheinen. Morgen Soitniag, vormittags 10 Uhr, Koppcnstraste SS: GenerAl-Vevpanmtlnug. T a g c s- O r d ii ii n g: 1 Bericht des Borstandes. 2 Der Ausstand der Kollegen bei Laborcnz (Hierzu ist Herr Lehmann, Kiiesebccksirnste III, hiermit eingeladen.) 3. Anlrage. 4 Wahl ö. Wie stellen wir uns zu dem Borgehcu der Tischler. 8 Bcrsdiiedcncs und Ausgabe der Billets(a 50 Ps.> zu dem am 3 Marz in Kellers gcstsäleii. Äoppenstr. 29. stattfindenden Maslenball. Die Kollege»»Verden ersucht, ihre Mitgliedsbücher oder Karten an der Konirolle vorzuzeigen, daselbst erhall sedes Mitglied einen gedruckten Jahres- berichl, auf welchem die Antrage näher bezeichnet sind |W Der Kassierer ist von 9 Uhr an anwesend. 145/7 Das Erichciiteti sämtlicher Mitglieder cnvortet Der Borstond. koclstläemotiraliseliei' Walilverein f. den 6. Berliner Reieliätags-Wahlkreis. Deit Parieigenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser �Iheni Opitz Rügenerstr. 18 a»! Donnerslag verstorben ist Die Beekdtgung findet am Sonntag, den 28. d. M. nach», 3 Uhr van der Leichenhalle des Freireligiösen Be- grabnisvlatzes anS statt. . Uw. zahlreiche Beteiligung ersucht 246/6 Der Verstand.> Den Parteigenossen zur Nachricht, baß unser Mitglied, der Zimmerer Karl Licht Brnniiensir 56 am Mittwoch verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28 Januar, nachm- Uhr von der Leichenhalle des vlüabelhlirchhoss. Prinzen-ANce, aus statt. Um zahl- reiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deulsclier" Melallarbeiler-Yerbanö (Verwaltungsstelle Berlin). Todes- Anzeige. Am Donnerstag, den 25 Januar, verstarb plötzlich unser langjähriges Milglicd. der Schlosser Albert Opitz. Ehre seinem Andenken! Tie Beerdigung stndcl an, Sonntag, den 28 Januar, nachmittags 3 Uhr. von der LeickienhaNe der Freireligiösen Gemeinde in der Pappel-Allce statt. � UO/U] Die Ortsvernniltuit«. Celltrgl-Verbllild der Zimmerer Deutschlands Szalilsteile Herlia. Den Mitglieder» zur Nachricht, daß uuscr langjähriges Mitglied der Zimnicter am Mittwach, de» 24. verstorben ist. Die Beerdigniig findet am Sonntag, den 28 d M. nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle der Elisabeth- Gemeinde, Prinzen-Allee aus. statt Um zahlreiche Beteiligung ersucht 254/3 Der Vorstaad. 'Am Donnersiag, den 25. Januar 1900, nachmittags 23/4 Uhr. verschied nach längerem Leiden im Alter von 80 Jahren»nier guter Urgroßvater, Großvater. Bater u. Schwiegervater, der Tsschler Wilhelm Pieleke. Die Beerdigung findet am Sonn- tag. den 28 Januar, nachm. 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Thomas- kirchhoses a»S statt 20Z5b DicS zeigen tiesbetrstbi an _ Tie Hinterbliebenen. antmui Brauer. aintiiM Sonntag, den«8. Januar, nachmittags I Uhr, im Grand Hotel Alexanderplatz, am Rlexandcrplatz, Eingang Nene Köntgstraste: Gr. öffentliche Bersnmmlnng ljefi SiMfi Seiliiiz und lloigebung. TageS-Ordnung: Beschlussfassung über dir den Brauereien zu übermittelnden Aordernngen. Da der Saal um 5'/, Uhr geräumt sein muß, wird die Versammlung pünktlich eröffnet. Kollegen, agitiert für zahlreiches und pünNllches Erscheinen. In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung darf fein Brauer BerNns in dieser Versammlung schlem_ Die Ftinfer-Komiuission. ttbM der Mlem. Sonnabend, den S-t. Februar 1000, in der„Berliner Ressource", Kommaudantrnstrahe Rr. 57: Grosser Wiener Masken-Ball. Anfang 8'/, Uhr."WF Rilleta a 56 Pf. ssnd zu haben bei W. Tuschke, O. Lanzestr. 103, F. Habermann, 80. Lübbenerstr. 25 Hof III; A. Jänlcke, SO. Falckensteitt- strabe 36 vorn III, sowie in den Versammlungen und bei den bekannien Kollegen. 156, ch Zahlreichen Besuch erivariet Das Komitee. Achtung! Vereine. Achtung! Nonnenbergs Parkschlöffchen, Treptow, 3«28L« empfiehlt sein Etablissement für alle vorlommenden VerciiiS-Fcstlichkeitcu unter den conlanteften Bedingungen. A, Konneuberg. Orks- Krankenkasse der Drechsler Nttd ver- mandter Gewerde. Sonntag, den 4. Februar 1999. vorm. von 19-11'/, Uhr: Ulaffl- Versammlungen i» d. Armin l>sllan,Koiu»iaiidanteiistr.20. 1. Vcrsainiulung sämtlicher groß- jähriger Mitglieder der Kasse nach tz 49 des Sialitts behnss Wahl von 147 Vertretern derselbe» pro 1900 2. Eine Beriammlutig sämtlicher Arbeitgeber der Kasse, ivelche Beiträge an« eigenen Mitteln zahlen, findet am Sonntag, den 4. Februar 1999. morgens 19 Uhr, in den Armin- Hallen, Kommatidantensir. 20. statt, behufs Wohl von 69 Bcrtteier» derselbe» pro 1900. Für die Mitglieder legitimiert daS Kossenbiich, für Arbeilgeber die letzte Quittung der Kasse über gezahlte Beiträge 20Ub Dienstag, d. 39. Jannar 1999, abends 7>/, Uhr, findet in den A r m i ii h a l l c n. Koinmandanten- straße 20, eine Veraauiiuluag sämtlicher großjähriger Mitglieder der Kasse behnss Ausstellung von Kandi- daien zur Bertret erwähl pro 1900 statt. ■Um zahlreiches Erscheinen ersucht- Der Vorstand. I A.: fiaul Rllckert, Mariannenftr. 23 f AlhtMlg!_ Sonntag, 88. Januar, vorm. 19 Uhr. bei Hersiberg, Alte Jakobstr. 75: MT* Versammlung"WW T a gesordnniig: 1. Situations-Bericht 2. Dtslnssto» und Antrage 3. Verschiedenes. Folgende Kollegen sind crtra eingeladen: Aklien-Aeiellschaft Salzuser 5, sruher Strand); Bstuger; Schütze; Müller, Köpiiickersiraße: Kiiuibel u Friedrichsen; Lüdk«; Hecht n. Schmidt; Borman»; Hille; Schulze, Bopp- straße 4; Erdmann; Heinrich; Schubert; Prill; Langeiiiann; Noster, Zossenerstr 30; Zwang; Winkel; Hoffmann; Wendt; Büns; Nenter; Göhrike, Schöneberg; Schutt; Meher, an der Stadlbahn; Daniel; Joost; Plageman; Soiiiiner; Lobich u. Dittmann, Pankow; Boß. Das Erscheinen sämilichcr Kollegen der oben angeführten Werkstellen ist ersorderttcki. 77/5 Die Ortsverwaitung des deutschen Holzarbeiter Berbaudcs. FilUie Berlin III it 1 UAIIIUI UUIIU1 V Ü1 UUI1U M/UUUIUU1 11/ G Sonntag. Jannar, vormittags 1\ Uhr, Slltr Jakobstr. 7S: General- Bersammlnng. Tages-Ordnung: s 197/1 l Bericht des Borstandes. 2. Bericht der Kassierer und der Revisoren. 3. Zteuwahl des gesamten Vorstandes. 4. Bereinsangelegenheiten Püiiltliche» Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist Pflicht.� Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstaad. Verdientes I-vk erntet die Uauskran, die mit T-ü-il. FrOhetOelie-Suppen GemQee« und Krafteuppen Bouiilon-Kapeeln Suppen-Wttpxe__________ gesunde, wohlschmeckende Kost sparsam herstellt. Zu haben bei Georg Wernick, Friedrlchsberg» Lichtenberg.. Frankfurter Allee ISS MAGGI Aktienbrauerei Hohen-Schönhansen • SchUnhaiisen bei Berlia XO., Tor dem Landsbergei »88 unseres diesjährigen IM" Bock-Bieres"Wg ! erfolgt am f-t, 25. Januar I900a Auch in diesem Jahre ist es gelungen, ein schönes vollmundiges Bier zur Bock- Saison herzustellen, und wird dasselbe nicht verfehlen, bei den Bockbier-Festen unserer' geehrten Abnehmer die fröhlichste Laune hervorzurufen. Sonntag, den 28. Januar 1900 findet in unserem Brauerei-Ausschank zu Hohen-Sohönhausen, im „W I r t s Ii a u s am O r a u k e s e e" das erste grosse_ Bockbier-Fest statt., Unserer geehrten Kundschaft bringen wir gleichzeitig hiermit zur Kenntnis, dass das von uns aus den alletfeinsten Rohmaterialien hergestellte belle Bier nach Pilsener Art unter der Marke«äkulai«Iv» in den Handel kommt.— Wir führen von jetzt ab: 1. Säkularbier....... ganz helle Farbe, 2. I�agerbier........ goldfarbig, 3. Helles Exportbier.... kastanienbraun. 1. Dunkles Exportbier.. Münchenor Farbe, 5. OrankebrUu....... nach Münch. Art, schwer gebraut, 6. Bockbier........(nur iu der Saison). Unsere Eiere, die sich in der kurzen Zeit des Bestehens unserer Brauerei einer grossen Beliebtheit zu erfreuen haben, zeichnen sich neben ihrer Vollmundigkeit durch gute Bekömmlichkeit aus und sichern uns dadurch eine bleibende Kundschaft.— Bemerken wollen wir hierbei, dass wir mmmmi keine Flaschenbiere mamama führen und unsere Produkte nur in gonichteu Tonnengefässen nach Litern verkaufen. Um gefälligen Zuspruch seitens der Herren Gastwirte und Verleger bittet Hohen-KcliönliauMcn, den 10. Januar 1000. Die Direktion. ______ Willi. Starck. Slcbcrf. ij Telephon: Amt Erlcdrlcbabcrs X o. 88. Krimerei Germania AKtiengel. in ca. 70 eigenen lokalen Bockbier l Liter 10 PI V« Tonne 3,50. 1 Flasche%, Liter 10 Pf. 15 Flaschen 4I)) Liter 1,50 363 IL* frei Haus. Telephon VII 2645.• Milch in plombierten Floschen, srei Haus 1 Liter 20 Pf. Kindermilch, 1 Liter 35 und 30 Pf. Sehveizer-Hof, Jnh. August Zeifner. Meierei- und Milchkur- Anstalt Berlin. Emdenorstrav« Nr 40/11. __ Tel.-Amt II.>517. 363$* Herren- u. Konfirniandenhöte�Vark?' mir neue tnabci-nc Sachen,[3400-3* prima Qualität 1,50 und 2,—. Die beliebten ÄPbeilShÖ(e toT 1 Mk. Siitfo6ciL(£on.ptoa-Jc;«tS.ilr.«1.-;'..l;AA. ZAHNSCHMERZ�';: beseitigt sofort WM- Carvacroiwalte,, plctnb. Flasche 1 505. zu Haber n allen Dragerien, Nimm keine. Wachahrnungen! Falbe, 44. Elsasserstr. 44. Behandluiiit aller Hanl-». Harnleiden ohne Beruseslönm«.\ Sprechft. 9 inörfl. btd 9 abendd, Donntag». Doniiersiag 9—3 Bei Vorzeigung der Verbands. tarien 10 Proz 3454L» u. Station Warschauerstrane, sind znm t. April frenndl. Haiivohnungen von 2 Stuben u. Riiche billig zu veruiieteui Aushmiterfeilt d. Verwalter u. Portier. 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Dezember sind die Kollegen bei Laborenz, RIxdors, Ktiesebeckstraße. im Ausstand. Zuzug seniziihalten bittet 145/5 Ter Borsiand des Verbandes Verantwortlicher Aedacieur i Paul John in Berlin. Für den Jnserateuleil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. ilr. 22. 17. Jahrgang. 2. Kkiligc des JotiDärts" Krim UcksdlÄ Soimbcid, 27. lauittt 11)00. Wilhelm II. im 41, Lebensjahr. Wie voriges Jahr, so bringen wir auch jetzt zum Geburtstag des Kaisers eine kurze Uebersicht seiner hauptsächlichsten Reden und Thaten, solveit über sie in der Presse berichtet worden ist. Zinn vorjährigen Geburtstag erging sich die bürgerliche Presse selbstverständlich in Betrachtungen über die Politik des Kaisers, in denen namentlich der Worte des Monarchen gedacht wurde, „daß jeder, er möge sein, wer er will, und heißen wie er will, der einen deutschen Arbeiter, der willig wäre, seine Arbeit zu vollführen, daran zu hindem sucht oder gar zum Streik anreizt, mit Zuchthaus bestraft werden soll.' Vielfach wird darauf hingewiesen, daß das feierliche Versprechen des Kaisers, das Gesetz iverde der Polksvertrctuitg noch„in diesem Jahre'(18981 zugehen, sich nicht erfüllt habe. Am 27. Januar berichten die Blätter ferner, daß der Kaiser den hannoverschen, kurhessischen und nassanischcn Regimentern zur Wiederherstellung der unterbrochenen Tradition Auszeichnungen geivährt habe. Januar 31. Ein hiesiges Blatt meldet, Landrat v. Kotze habe mitgeteilt, daß die straffe Haltung der Regierung den Polen und D an e n gegenüber sowie die bisherige Nichtbcstätignng des Bürger- meistcrs K i r s ch n e r auf die e i g e n st e Initiativ« des Kaifcrs zurückzuführen sei. Februar 3. Die„Deutsche Warte' teilt mit, daß Wilhelm II. seinem Friseur H a b y. dem Erfinder des Bartwasscrs„Es ist erreicht" und Besitzer verschiedener ansivärtigcr Orden, eigenhändig beim Rasieren das Jernsalemskreuz überreicht habe. Das Blatt feiert den dekorierten Friseur in einem schivungvollen Artikel und bringt sein Porträt. Februar. 4. Auf dem Brandcnburgischcn Provinziallandtag spricht der Kaiser davon, daß seine Reise ins gelobte Land ihm behilflich sein werde, vom Baum der deutschen Reichscichc die Zweige zurückzuschnciden, die überflüssig sind, nnd auf die Tiere zu gehen, die seine Wurzeln benagen wollten, um sie a n s z u r o t t e n. Ferner sagt der Kaiser, daß, solange in der Menschheit die uii- erlöste Sünde herrsche, es auch Krieg nnd Haß geben werde. Februar 23. Wilhelm II. richtet einen Erlaß an die Offiziere, der ihnen befiehlt, die an sie gelangenden Geldancrbictungen unlauterer Natur ihren Vorgesetzten zu melden. Die Namen der Wucherer sollen veröffentlicht iverdcn. Am selben Tage macht der Kaiser den bei einer Denkmals- Enthüllung anwesenden unbestätigten Bürgermeister Kirschner darauf aufmerksam, daß sein von den Berlinern enthaupteter Vorgänger Thilo von Wardenbcrg ein trotziger, aber tüchtiger Kerl gclvcsen sei. März 3. Die„Rhein.-Westf. Ztg.' berichtet über eine An- spräche, die der Kaiser bei der R c k r u t e n u e r e i d i g u n g in Wilhelmshaven gehalten habe. Zum Unterschied von den Heide n thue der C h r i st auch dann seine Pflicht, wenn ihn niemand sehe. Er. der Kaiser, habe schwere Pflichten als Christ; auch für sie, die Marinerekruten, würden vielleicht später schwere Zeiten kommen. März 6. Die Witwe des bis dahin in Dcntschland ziemlich NN- bekannten Schriftstellers Rudyard Kipling erhält anläßlich der Erkrankung ihres Mannes ein Telegramm des Kaisers, in welchem dieser sich als e n t h u s i a st i s ch e r Verehrer der unvcrgleich- lichen Werke ihres Mannes bekennt, der die Thaten unsrer gemein- samen großen Raffe besungen habe. März 10. Der„ungekrönte König von Südafrika', Herr Cccil Rhades wird in Sachen seiner Eisenbahn im königlichen Schloß zu Berlin vom Kaiser empfangen. Herr Rhades erscheint, wie die Blätter er- staunt vermerke», zu der erfolgreichen Audienz im Straßenanzug. Die Zeitunizen erinnern bei dieser Gelegenheit an das Telegrann» das der Kaiser am 3. Januar 1896 angesichts deS räuberischen Einfalls der englischen Friedensstörer an den Präsidenten der Transvaal- republik gerichtet hat. März 10. Das Reichs-Marineamt giebt einen Erlaß bekannt «Se. Majestät haben allerhöchst sich erneut dahin auszusprechen geruht, wie allerhöchst dieselben es nicht wünschen, daß See- Offiziere nur Schnurrbart tragen.' März 11. Das Marine- Verordnungsblatt veröffentlicht eine Kabinettsordre des Kaisers, in der er bekannt giebt. daß er sich ent- schloffen habe, ebenso wie über die Armee auch über die Marine den Oberbefehl zu führen. März 21. Herr August Scherl, Beherrscher des„Lokal Anzeigers", Herausgeber der.Fetdpost' usw., erhält kurze Zeit, nachdem er sich zur Anerkennung des KoalitionsrcchtS seiner Ar beiter veranlaßt gesehen hat, vom Kaiser den K r o n e n o r d e n dritter Klaffe. März 22. In Gegenwart des Kaisers werden abermals zwei Standbilder in der Siegesallee enthüllt. Bildhauer Bl erhält den Kronenorden dritter Klasse und ein Maurerpolier das Allgemeine Ehrenzeichen. März 25. Wie dem„Reichsboten" mitgeteilt wird, hat bei der Einweihung der Erlöserkirche zu Jenisalem zwischen dem evange- lischen Kaiser und dem katholischen König von Sachsen folgender Depeschenwechsel stattgcftmden. Kaiser Wilhelm telegraphierte:„Du wirst Dich freuen mit mir. daß ich heute an heiliger Stätte die Erlöserkirche eingeweiht habe. Mein Glaube rnht allein anf Jesum Christum, welcher ist der Erlöser und der Heiland der Welt!" Die Anwart König Ulberts lautete:„Dein Glaube ist m e i n Glaube, denn in Christo ruht auch für mich das Heil in Zeit und Ewigkeit!' Der .Reichsbote" bemerkt dazu: Wir freuen uns dieses herrlichen Depeschcnwechsels und insbesondere auch der Worte des Königs von Sachsen:„Dein Glaube ist auch mein Glaube". März 23. Wie berichtet wird, hat der Kaiser einen neuen Titel geschaffen. Dem Sekretär des BühncnvereinS verleiht er nämlich den Charakter als T h e a t e r r a t. März 29. Die„StaatSbürger-Zeitung" meldet, daß der Kaiser der Kapelle des Garde-Kürassier-RegimentS befohlen habe, der heimkehrenden Besatzung der„B u l g a r i a' einen begeisterten Empfang zu bereiten. April 1R. Eine Korrespondenz meldet: In einer Audienz, die Direktor Reumann von der Victoria-Speicher-Aktiengesellschaft beim Kaiser gehabt habe, sei von diesem erklärt worden:„Meine Herren, wenn jemand glaubt, daß ich für die Erbauung der Doppellinie ldes Stettiner Kanals) einen Pfennig geben würde, dann irrt er sich. Den Grunewald und die Jungfernheide brauche ich für andere Zwecke. Da gehört keine Industrie hin. Ich will in meinem Hause kein Projekt für den Westkanal haben." April 23. Die Zeitungen melden, daß das Verfahren gegen den Obcrlieutenant der Landwehr und Ritter des Roten Adlerordcns 2. Klasse v. Esser eingestellt sei. Es waren gegen ihn unwider- legte Behauptungen ehrenrühriger Natur erhoben worden. Eine Festungsstrafe wegen Herausforderung zum Zweikampf, deren Esser sich schuldig gemacht hat. sei vom Kaiser in einen Tag Stuben- a r r e st umgewandelt worden. Am 1. August meldet der„Hamb. Corr." aus Berlin, daß das Ehrengericht Esser der Zugehörigkeit zum Offiziercorps unwürdig erklärt habe. April 28. Der Kaiser sendet dem Fürsten von Monaco wegen seiner wissenschaftlichen Verdienste um die Tiefseeforschung ein G l ü ck w»l n s ch t e l e g r a m ni. Mai I. Gelegentlich des Empfanges der deutschen Tiefsee- Expedition preist Graf Posado ws'ky den Kaiser als den wahr e n Pfadfinder auch auf diesem Gebiete. Mai 6. Die Blätter berichten von dem begeisterten Empfang, den die Bevölkerung von Elsaß-Lothringen dem Kaiser be- reitet habe. Der Kreisdirektor von Molsheim habe der Bevölkerung alle Arbeit verboten und die Ortsbewohner geheißen, in festlicher Kleidung bei der Durchfahrt des Kaiscrpaares Spalier zu bilden. Mai 10. In Ars an der Mosel legt der Kaiser den Grundstein zu einer neuen Befestigungsanlage. Er spricht von seiner Sorge für die Siibcrheit seiner treuen lln't e rt h a n e n und vollendet' seine Rede: Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes lege ich den Grundstein dieser Beste und taufe sie Graf H ä s e l e r. Mai 24. Im Thiergarten verunglückt ein Droschken- k u t s ch e r. Der Kaiser nnd ein Redacteur des„V o r w ä r t s' leisten dem Verunglückten die erste Hilfe. Mai 30. Der Kaiser empfängt eine Anzahl Mitglieder des in Berlin tagenden Tuberkulosen- Kongresses. Hierüber meldet der„Lokal-Anzeiger":„Unsenn Kaiser, den ein bcmcrkens- wertes Geschick eignet, Worte zu prägen, die den Kern der Sache treffen, ist es auch diesmal gelungen, das Leitmotiv aller Vorträge auf die e i n f ä ch st e Formel zu bringen. Bei dem Empfang äußerte der Monarch sich dahin, daß Bäder die beste Prophylaxe seien, nnd daß die Acrzte sich angelegen sein lassen müßten, den Reiiilichkcitssinu der Bevölkerung zu heben. „Seife ist die Hauptsache, nur Seife!" Zweifelsohne ist damit die Hauptsache, der springende Punkt, ge- troffen." Mai 31. Als Beitrag zu der Stellung, die der Kaiser der modernen K u n st gegenüber einnimmt, meldet die„Kmisthalle", daß er sich anf das allerschärfste gegen die von Herrn v. Tschudi, den Direktor der Nationalgalcrie, getroffenen Maßnahmen»nd nanient- lich gegen die Aufnahme einer Anzahl französischer Bilder aus- gesprochen habe. In Kassel wird in Gegenwart des Kaisers ein bürgerlicher Sänger st reit abgehalten. Der Kaiser drückt nach der„Straßb. Post" seine Freude darüber ans. daß so viele Gedichte patriotischen Inhalts zum Wcttgesange gewählt worden sind. Doch seien vielfach an die Schwierigkeit des Satzes zu hohe An- fordcrungcn gestellt ivorden. Die Komponisten für Mämicrchörc müßten wieder andre Bahnen einschlagen. Juni I. Der Entwurf des ZuchthanSgcsctzcS wird veröffentlicht. Der Zuchlbansparagraph darin enthält nicht, wie der Kaiser versprochen, die Bestimmung, daß die A n r e i z u n g zum Streik mit Zuchthaus bestraft werden soll, sondern setzt Zuchthausstrafe für solche Fälle fest, Ivo durch Streiks die Sicherheit des Reichs bedroht oder gemeine Gefahr für Menschenleben und Eigentum herbeigeführt wird. In Kiel hält der Kaiser beim Stapellauf des Schiffs„Ersatz König Wilhelm" eine Rede, in der er seinen Großvater als de» großen Heeresorgnnisator preist, als den Schmied der deutschen Waffen, der das Werkzeug schuf, mit dem wir unsre Einheit erkämpften. Juni 20. Bei der Segelregatta in Brunsbüttel sagt der Kaiser, daß es sein Grundsatz sei, überall, Ivo er könne, neue Punkte zu finden, an denen er einsetzen könne. Das deutsche Volk sei wie ein edles Vollblutpferd, es dulde nicht, daß ihm jemand an die Gurten herankomme, sondern wolle seinen Platz vorne behaupten. Juli 3. In Lübeck hält der Kaiser die Fähnlein-Red e. Das Fähnlein ist licht an die Stange gebunden, aber es kostet viel, cS wieder niit Ehren abzunehmen. Auch erblickt der Kaiser in der Entstehung des Nachtklubs ein Zeichen, unsre Zukunft immer mehr anf dem Wasser zu suchen. Juli 7. Wilhelm II. dankt dem Präsidenten Loubet für die anf dem französische» Kriegsschiff.Iphigenie' genossene Gast freundschaft. Juli 12. Geheimer Obcr-RegierungSrat Dr. Hinzpeter erhält ein Telegramm vom Kaiser, worin mitgeteilt ist. daß die Stadt Bielefeld eine Statue dcL Großen Kurfürsten zum Geschenk bekomme. Die Natur soll ein Mahnzeichen bleiben, daß, gleich wie in diesem Ahn, auch in mir ein nnbcugsamer Wille ist, den einmal als richtig erkannten Weg allem Widerstand z u m T r.'o tz unbeirrt weiter zu gehen. Juli 20. Die„Voss. Ztg." meldet, der Kaiser hat dem Krön Prinzen von Griechenland sein Bild geschenkt und den Vers Homers darunter geschrieben:„Nur einer soll Herrscher sein, einer nur König". Großes Aufsehen erregt in der großindnstriellcn Prcffe die Nachricht, daß der Kaiser plötzlich seinen Besuch zur Eröffnung deS Dortmund- Ems- Kanals abgesagt habe. August 8. Wilhelm II. verleiht dem deutschen Botschafter in Paris, dem Grafen M ü n st e r, den F ü r st e n t i t e l. August 9. Nach dem„Berk. Tagbl." hat der Kaiser in Kiel an Bord derHohcnzollcnl sein Flottenprogramm entwickelt. Im Hinblick auf den vom Zaren angeregten Friedenskongreß sagte er, eine Vermehrung der Flotten sei in Wirklichkeit der b e st e Friedenskongreß. August 11. Eutgcgcn früheren Nachrichten erscheint der Kaiser doch zur Einweihung deS Dortmund-Ems-KanalS in D o r t m u» d. Dreihundert fromme Musikanten begrüßen ihn mit einem P o s a u n e n ch o r. Der Kanal, so sagt der Kaiser im Hinblick auf die aararische Obstruktion im Abgcordnctcnhause. ist aufzufassen in Verbinoung mit dem Mittelland-Kanal, den zu baue» und zur Durchführung zu bringen ich und meine Regierung sind. fest nnd unerschütterlich entschloffen Zum Abg. Hilbck sagt der Kaiser in Dortmund, wie die.Dortrn. �" berichtet, er begreife nicht, wie neuerdings daS Centrum ch mit den Socialdemo traten habe verbinden können. Im Herbst müsse das Centnim sim Hinblick auf die Arbeitswilligen« vorläge) Farbe bekennen. Abg. Hilbck erzählt dem Kaiser, daß trotz der großen Stimmenzahl, die für den social- demokratiscken ReichstagSkaudidaten in Dortmund abgegeben worden seien, die große Mehrheit der Bevölkerung loyal und königstreu sei. Angnst 19. Die Kanalvorlage der Regierung wird vom Landtage mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. 18 Land- räte. 2 Regierungspräsidenten. 2 Regiernngsräte, 1 Konsistorial- Präsident und der Gymnasialprofessor Inner stimmen in Nichtachtung der Vorschriften, die ihnen Minister v. d. Recke gegeben, gegen die Politik der Regierung. Die Maßregelungen gegen die Landräte:c. beginnen. Am 4. September jedoch wird der vcr- antwortliche Urheber der Maßregelungen. Freiherr v. d. Recke seines Ministeramtes entbunden und durch den Regierungs- Präsidenten Freiherrn v. Rheinbaben ersetzt. August 28. Goethes 160. Geburtstag wird gefeiert. In einem Telegramm an den Oberbürgermeister in Frankfurt, der Ge- burtsstadt deS DickiterS, drückt der Kaiser seine besondere Freude darüber anS, daß die Frankfurter Festlichkeiten durch die personliche Beteiligung erlauchter Fürstlichkeiten noch eine besondere Ehrung erfahren haben. September 5. In Straßburg hält der Kaiser die viel kom» mcntierte Rede„sub umbia alarum«: Vor allem aber auch möchte ich den edle» Herren der Kirche. die einen so großen Einfluß auf unsre Bevölkerung haben, anS Herz legen, daß sie niit ihrer ganzen Arbeit nnd mit Einsetzen ihrer ganzen Persönlichkeit dafür sorgen, daß die Achtung vor der Krone, das Vertrauen zur Regierung immer f e st e r und fester werde; denn in den heutigen bewegten Zeiten, wo der G e i st des Unglaubens durch die Lande zieht, ist der einzige Halt und der alleinige Schutz, den die Kirche hat, die kaiserliche Hand und das Wappenschild des Deutschen Reiches. September 7. Bei der Galatafel in Stuttgart verkündet der Kaiser, daß das Königtum an der Spitze cmes Volkes die einzig wirklich sichere Stütze für die Bewahrung von Thron, und Altar, Religion und Sitte am Ausgang dcS 19. Jahr- Hunderts ist. September 9. Bei der Paradetafcl in Karlsruhe hält der Kaiser eine Rede, in der nach Wolffs Tclegraphenburcau folgende Stelle vorkommt: „denn ob gold-rot, ob schwarz-rot, ob grün-weiß oder schwarz- weiß, so reiht sich Fähnlein an Fähnlein, und bildet m seiner Gesamtheit einen Panzer, der um das goldne Panier unseres Reiches gelagert ist, um dasselbe zu schützen und zu sichern." Weiter enthält die Rede die Aufforderung,„uns stets bewußt zu sein, daß wir dafür zu sorgen haben, die Religion zu schützen, die dem Volk erhalten bleiben soll, und für Sitte und Ordnung ciiiznstchcn. Mögen uns immer deutsche Fürstinnen zur Seite stehen, wie die große Kaiserin und ihre erlauchte Tochter, die die Not dcS Volks niit liebender Hand überall lindern. Das wird auch im neuen Jahrhundert trotz aller neuen Geister nnd Ideen die alte monarchische Treue bewahren, sturmfest, als Beispiel allen andern Ländern." September 17. Nach der„Kreuz-Zeitnng" ist den Hofwiirden- trägern, die im Landtage gegen den Kanal ge stimm t haben, eine königliche Kabinettsordre zugegangen, durch die sie bis auf weiteres vom königlichen Hoflngcr verbannt werden. September 23. Freiherr v. Stumm läßt in einem Toast in Saarbrücken den Kaiser leben und hebt dessen guten Willen hervor, wenn man sich auch nicht immer mit seinem Thun ein- v e r st a n d e n erklären könne. September 26.' Ans der Danziger Reede beklagt der Kaiser in einer Ansprache den„Mangel an tüchtigen großen Ausland« schiffen." Oktober IL. Der Kaiser genehmigt das Gesuch des kanal- gegnerischen„Post'-Leitartiklcrs sLeitartikel 26 M., Entrefilet 12,60 M.) Freiherrn v. Zedlitz um Entlassung von dcni Posten des See- h a n d l n n g s- P r ä s i d e n t e n. Oktober 18. Beim Stapellauf eines neuen Schlachtschiffes in Hamburg plädiert der Kaiser lebhaft für Vermehrung der Marine. Bitter not thnt uns eine starke dcntsche Flotte. Das deutsche Volk muß seine Sucht ablegen, das Höchste in immer schärfer sich ausprägenden Parteirichtungen zu suchen, und den Erbfehler ablegen, alles zum Gegenstand ungezügelter Kritik zu machen' Diese alten politischen Sünden rächen sich jetzt schwer an unser» Sce-Jntcressen und unsrer Flotte. Wäre ihre Ver» stärknng mir in den ersten 8 Jahren meiner Regierung trotz in- ständigen Bittens nnd Wartens nicht beharrlich verweigert worden, wobei sogar Hohn und Spott mir nicht erspart ge- blieben sind, wie anders würden wir dann unfern blühenden Handel und unsere überseeischen Interessen fördern können! Oktober 19. Bei der Hundertjahrfeier der Technischen f o ch s ch>i l e in Charlottenburg äußert sich der Kaiser über den usammenhang zwischen Religion und Technik:'„So führt, wie jede echte Wissenschaft, auch die Technik iimmer wieder zurück auf den Ursprung aller Dinge, den allmächtigen Schöpfer, und in demütigem Dank müssen wir uns vor ihm beugen." Oktober 30. Ans London wird berichtet, daß der Kaiser dem Kommandeur dcS nach Transvaal gehenden 1. kgl. Dragoner« Regiments telegraphiert habe:„Entbieten Sie dem Regiment mein Lebewohl. Mögen Sie alle unbeschädigt und wohl zurück- kehren." November 2. Auf Wunsch deS Kaisers, so berichten die Zeitungen, ist Major Laufs dabei, den Text zu Webers„Oberon" umzndichten. November 16. In der Berliner Stadtverordneten-Versammlung wird die rüffelnde Antwort des Freiherr» v. Mirbach auf die an die Knifcrin gerichtete GeburtStags-Gratulation verlesen. November 17. Der Kaiser tritt zum Leidwesen deS größten Teils der bürgerlichen Presse die Reise nach England an. November 20. Mit überwältigender Mehrheit wird vom Reichstag die Zuchthansvorlage abgelehnt. November 21. Eine Widmung des Kaiser« in dem von einem Leipziger Verlag herausgegebenen'„Goldenen Buch" beginnt:„Von Gottes Gnaden ist der König, daher ist er auch nur dem Herrn allein verantwortlich." Dezember 7. Der Kaiser verfügt, daß daS neue Jahr- hundert amtlich am 1. Januar 1900 beginnen soll. Alle Unter- richtöanstalten sollen die Jahrhundertfeier am letzten Schul, tage vor Weihnachten abhalten. Dezember 30. Der konservative Kandidat im zweiten Berliner ReichStags-Wahlkreise, Ober- Post- Assistent Gustav S t o ck m a n n, erhält, der„Kreuz-Zeitung" zufolge,„aus Anlaß seiner langjährigen erfprießlichen Thätigkcit in öffentlichen Angelegenheiten" vom Kaiser den K r o n e n o r d e n IV. Kl. verliehen. Januar ll. Das offizielle neue Jahrhundert wird vom Kaiser nnd dem Hofe feierlich begrüßt. Im Hofe des Zeughauses läßt der Kaiser sich mit allen anwesenden Offizieren auf die Knie nieder. ein Moment, der von Anschiitz Photographien und später in Scherls „Woche" bildlich dargestellt wird. In einer Ansprach» ermahnt der Kaiser die O f f i z i e r e zu einfachem Lebenswandel und erinnert daran, daß Wilhelm I. die preußische Armee reorganisiert habe, trotz des Widerstandes, den Unverstand ihm setzte. Januar 8. In einem F l o t t e n t e l e g r a m m an den König von Württemberg meint der Kaiser, daß die Vorgänge der letzten Tage immer weitere Kreise von der Notwendigkeit überzeugt haben müssen; daß Deutschland auch zu Wasier stark und mächtig dastehe. Diese Worte werden mit der Beschlagnahme des„Bundesrat" in Zusammenhang gebracht. Januar 9. Bei der I a h r h u n d e r t- F e i e r der Tech- n i s ch e n H o ch s ch u l e in Charlottcnbnrg beklagt der Kaiser in einer Rede: Die bisherigen Richtungen haben ja leider in socialer Beziehung voll st än big versagt. Ich rechne auf die technischen Hochschulen. Die Socialdemokratie betrachte ich alS«ine vorübergehend« Erscheinung;■' sie wird sich austoben. Sie müssen aber Ihren Schülern die jocialen Pflichten gegen die Arbeiter klarmachen. Volks»vir tfchÄfkliche Nundpihou. Deutsche Interesse« in Transvaal.— Wirtschaftliche Enh Wicklung Japans.— RnstlandS Außenhandel im ersten Halb- jähr Deutsche Interessen in Transvaal. In den unter dem Einfluß der Börse stehenden Blättern ist in letzter Zeit ver- schicdcntlich versucht worden, die Einverleibung der beiden siid- afrikanischen Ncpubliken in den englischen Kolonialbesitz als im Interesse des deutschen Handels liegend hinzustellen. Unter Eng- lands Herrschast, so heißt es gewöhnlich, würde sich besonders Transvaal viel schneller entlvicleln, als unter dem Agrarier- Regiment der Boercii; und von diesem schnellen Ausblühen deS Landes würde auch Deutschland, das ja mit England dieselben Interessen hat. seinen reichlichen Nutzen haben. Diese Argumentation kann dein, der weiß, ivie stark auch in Deutschland mit afrikanischen Mincnwcrjen spekuliert worden ist und wie weite Kreise an dem Ncbergang der Mincndistrikte in englische Hände interessiert sind, kaum überraschen. Die Herren arbeiten eben für ihren Profit, denn im Fall einer englischen Inbesitznahme würden nicht nur zweifellos die Kurse der Mincnaiticn ganz enorm in die Höhe schnellen, sondern der voraussichtlich entstehende„Boom" ivürde auch sonst der Spekulation manch schöne Gelegenheit zur Entriernng eines vorteilhaften GeschäftchenS biete». Zugegeben kann werde», daß unter englischer Verwaltung Transvaal sich höchst wahrscheinlich wirtschaftlich schneller entwickeln wird, als wenn es unter dem Regiment der Bocren bleibt, obgleich auch diese, falls Transvaal völlige Selbständigkeit erlangen sollte, nicht darüber hin kommen würden, den Ausländern bürgerirchc Rechte einzuräumen und rveitgchcndc wirtschaftliche Zugeständnisse zu machen. Eine andre Frage ist aber, ob Deutschlands Handel von einer Annektion der Boerenländer durch England Vorteil hätte. Sicherlich würde die dortige Etabliernng der englischen Herrschaft ein starkes Zuströmen der sich nun als siegreiche Herren fühlenden englischen Elemente zur Folge haben, die unter dem Einfluß der durch den Krieg entfachten„nationalen Gegensätze" möglichst die übrigen Ausländer und vor allem die Boeren selbst zurückzudrängen' suchen tvürden: ei» Bestreben, in Ivelchem sie ganz naturgemäß bei der englischen Regierung die größte Unterstützung finden müßten, schon aus Gründen der Siche- rung ihrer Herrschast. Behalten dagegen die beiden südafrikanischen Republiken ihre Selbständigkeit, und erlangt gar der TrauSvaalstaat Zugang zum Meer, so wird nicht nur die deutsche und hollän- dischc Einwanderung stark zunehmen, sondern auch infolge des Hasses der einheimischen Elemente gegen England der deutsche Handel eine starke Förderung erfahren. Wie günstig bei dem gegen England destchenden Mißtrauen bisher letzterer gefahren ist, erhellt schoii aus der einfachen Thatsachc, daß sicherlich von der GcsamtanSfnhr Deutsch- landS nach Südafrika, die 1897— rund 29, 1898= 20 Vä Millionen Mar! betragen hat, nahezu die Hälfte auf Transvaal entfällt. Ilebrigcns ist das Gerede von der Einsichtslosigkeit der Bocren in die Bedürfnisse des modernen Wirtschastsbetriebes. die verhindere. daß Transvaal Fortschritte mache, nichts als albernes Gcschlvätz. Man muß eben berücksichtigen, daß der Transvaalstaat erst 1881 seine Selbst- ständigkeit erlangt hat. eigentlich erst seit 1890 derAufschwung der Minen- ausbeutung datiert, 1891 die erste Eisenbahnlinie eröffnet ist, und daß während der ganzen letzten Jahre die Republik unter der Bc- .fürchtung eines Krieges mit England gestanden hat. Dennoch ist .die Bocrenrepublik in wirtschaftlicher Hinsicht mächtig vorwärts gc- schritten.� Tie Wareneinfnhr, die 1890 erst 3,7 Millionen Pfd. Stcrl. betrug, ist in 1897 auf 13,6 und in 1898 auf 10,6 Millioiicii Pfd. Sierl. gestiegen, die Goldgctvinnung�von 1,9 Millionen Pfd. Stcrl. in 1890 auf 16.1 in 1898, die Steinkohlen- Förderung von 257 4SI Pfd. Sterl. in 1893 auf 612 668 Pfd. Stcrl. in 1897. Die Länge des Schienenwegs beträgt jetzt 1935 Kilometer. Das such ganz ansehnliche Resultate im Lause von wenigen Jahren. Wirtschaftliche Entwicklung Japans. Im Gegensatz zu Ehina, das, irotz aller Versuche der europäischen Großmächte ihrenr Handel Eingang zn verschaffen, sich doch bisher noch immer als ein verschlossenes Lauch zeigt, schreitet Japan auf der eingeschlagenen Bahn der wirtschaftlichen Entwicklung rüstig vorwärts. Neben der Baumwollspinnerei und Weberei setzt jetzt auch die junge japanische Wollweberei kräftig ein, und die japanische Zündholz- und Eisen- industrie gewinnt mehr und inehr an Ausdehnung. Selbst die japanische Seidcnprodnktion»imint einen stetigen Fortgang, im Gegensatz zur chinesischen, die in den letzten drei Jahren bedeutend zurück gegangen ist. Dementsprechend niinint denn auch der Handelsverkehr mit dem Ausland immer größere Dimensionen an. Für das Jahr 1899 liegen selbstverständlich noch keine abschließenden Zahlen vor; die Statistik reicht nur bis Ende September des vorigen Jahres; dennoch läßt sich durch Vergleich der betreffenden Ziffern mit den entsprechenden des Vorjahres schon jetzt feststellen, daß auch im letzten' Jahre Japans Handel wieder ein gutes Stück weitergelangt ist, obgleich an den neuen Zolllaris, der mit Beginn des lctzien Jahres in Kraft trat, vielfach die Beffirchtung geknüpft wurde, er würde den Außcnhandelsverkehr schwer schädigen. Allerdings die Einfuhr in Japan wird, nach de» bis Ende September reichenden Ziffern zu urteilen, vielleicht nur etwa ein Drittel gegen die des Jahres 1898, die sich ans 277,3 Millionen Jen belics (der Wert des Den betrug in letzter Zeit ungefähr 2,15 M.) zurückbleiben; doch würde es völlig verkehrt sein, daraus einen un- günstigen Schluß aus Japans industrielle Entwicklung zn ziehen. Erstens hänfen sich bekanntlich stets vor Aenderungen der Zolltarife die Importe, und dann hatte Japan im Jahre 1898 infolge seines Ernte-Ausfalls eine überaus große Reiseinsuhr. Daher denn auch die enorme anormale Jmportzunahme von 219,2 Millionen Den in 1897 auf 277,3 Millionen Den in 1898. Dagegen weist der ErPort japanischer Waren, der im Jahre 1897 einen Wert von 101.5 Milltcrncn Den und in 1898 einen Wert von 162,9 Millionci! Den erreichte, eine dcdeutendeSteigening auf. Während die japanische Ausfuhr in den 3 ersten Quartalen 1898 sich nur auf etlva ItI'/e Millionen Den stellte, be- trägt sie für die ersten neun Monate des letzten Jahres bereits 151 Millionen Den und wird ivahrscheinlich für das ganze Jahr die stattliche Summe von 200 Millionen erreichen. Von den Einfuhrartikeln sind in den drei ersten Quartalen des ver- gangenen Jahres besonders zurückgegangen laußerReiss: Zucker, Baum- Wollgarn, Baumwollwaren. Wollwaren. Eisen und Stahl. Maschinen tauch Lokomotiven). Stellt man die betreffenden Zahlen zusainmcn, ergeben sich folgende Rückgänge: Zucker ,»»,*»,»»» Baumwollgarn....... Baumwollwaren...... Wollwaren........ Maschinen. Lokomotiven, Wagen ec. Eisen u.Stahl in Barren, Stangen, Platten zc......... 1898, 1899 18,1 Mill. Den 11,6 Mill. Yen 6,9 9,3 9,4 10,1 \ 6,8 3,1 5,4 5,8 6,2 4,6 Dagegen hat die Einfuhr von Rohbaumwolle und Wolle be- trächtlich zugenommen. Die in den ersten neun Monaten 1898 ein- geführte Baumwolle hatte einen Wert von 38,4 Millionen Den, im gleichen Zeitraum des Jahres 1899 hingegen 47.6 Mllionen. Ebenso stieg der Wert der Wolleinfuhr von 1,1 auf über 3 Millionen Den. Es'kommt, hierin der Aufschwung der Textilindustrie zum Ausdruck. specicll der Baumwollspinnerei, die bereits Ende August vorigen Jahres mit 1 011 674 Spindeln arbeitete. Die Garne und Baum- ivolllvarcn, meist ordinäre graue und tveißc Shirtings und Drelle, gehen, solveit sie nicht vom einheimischen Markt konsumiert werden, fast ausschließlich nach China. Der Garnerport ist im letzten Jahr enorm gestiegen, obgleich China seit einigen Jahren begonnen hat, selbst Rohbaumwolle einzuführen und Garn zu fabrizieren. Der Wert der Ausfuhr japanischer Garne betrug bis Ende«eptember letzten Jahres bereits 20,9 Millionen Den. in der gleichen Zeit des Borjahres nur 14,6 Millionen Den, während gleichzeitig der Export der Baum- ivollgcivcbc von 1.8 auf 2.6 Millionen Den stieg. In gleichem Maße hat die Ausfuhr von Seide und Seidenwaren zugenommen. und zivar der Rohseide von 26,2 auf 43,3 Millionen Den, dcr seiden- gcwcbe von 10,8 auf 13,6 Millionen. Am bedeutendsten ist der Handel Japans mit England. Der direkte Handel mit letzterem betrug zwar in 1898 nur 70 491216 Den, doch ist ihm der größte Teil des Handelsverkehrs mit Hongkong. der sich ans 47 378 362 Den stellte, hinzuzurechnen. Gleich nach England kommen die Vereinigten Staaten. Der Wert ihrer Ein- und Ausfuhr belief sich 1898'auf nicht weniger als 87 312252 Den. Wahrscheinlich wird schon in wenigen Jahren die mächtig auf- strebende aincrikanischc Großmacht Old-England überflügelt haben. Auf die Vereinigten Staaten folgen der � Reihe nach China. Britisch- Indien, Anam und Französisch- Indien, Deutschland. Der Wert des deutschen Handels mit Japan stellte sich nach der japanischen Statistik im Jahre 1898 auf 28 080 203 Den. Deutschland exportiert nach Japan vornehmlich Zucker, Wollgarne und-Gewebe. Spiritiwsen. , Jndeß geben alle diese Ziffern nur ein sehr unvollkommenes Bild von Japans industrieller und kommerzieller Entwickclnng. wenn man nicht zugleich die Beteiligung des japanischen Kaufmanns ain Import- und Exporthandel, die Ausbreitung der japanischen Reederei und die Anteilnahme der Japaner an den geschäftlichen Unter- nehmnngen der Nachbarländer in Betracht zieht. Durchweg zeigt sich bei allen asiatischen Ländern, auch bei Britisch- Indien, daß ihr Anßenhandel fast völlig in den Händen ausländischer Exporteure und Importeure siegt. Auch Japan machte hiervon, als es zuerst z» dem Auslände in engere Handelsbeziehungen trat, keine Ausnahme. Seitdem haben sich jedoch die Japaner mit Erfolg mehr und mehr selbst des Außen- Handels zu bemächtigen geivußt; sie drängen, so sonderbar daS auch klingen mag, allmählich den englischen, deutschen, amerikanischen Kanfmann aus dem Geschäft heraus. Zum Beweise dieser Thatsache. sei hier nur angeführt, daß 1889 der Wert der von Japanern exportierten und importierten Waren sich nur auf 16,4 Millionen Den belief, der Handel der fremden Kauf lente auf 145,5 Millionen. I» 1898 dagegen. also zehn Jahre später, finden ivir die. Japaner mit 116, die fremden Kauflcnte mit 291,9 Millionen Den am Außenhandel beteiligt. Demnach hat in diesem kurzen Zeitraum der Anteil der Japaner sich von 10 auf 28 Proz. erhöht. Noch größer ist der Erfolg des japanischen SchiffahrlSbctriebs. Die Handelsflotte der Japaner ist bereits der Größe nach die siebente der Welt; sie übertrifft zwar nicht in der Gcsamt-Tonncuzahl. wohl aber dem SchiffSmatcrial und der Dainpferzahl nach bei weitem die italienische. Im August 1899 zählte die Dampserflotte bereits 282 000 Tons netto, die Seglcrflotte 4 0 000 Tons. Seitdem sind eine Reihe weiterer Verstärkungen der Dampferflotte erfolgt. Der Bestand der japanischen Linien Kobe-Tiemsin und Äobc-Niutschtvang ist um jenen einen Dampfer vermehrt worden. Ferner hat die größte der japanischen Schisfahrts-Gcsellschasteir. die Nippon- Jnsen- Kaischa, eine neue Linie zwischen Ticntsin-Tschisn-Shanghai im An- schluß an ihre Linie Kode- Ticntsin cingcrichicl, und in einigen Monaten soll die Inbetriebnahme einer Linie Shanghai-Niutschlvang folgen. Sogar in den chinesischen und vor allem den koreanischen Hafen- Plätzen nitt neuerdings der Japaner als Konkurrent des europäischen Kaufmanns hervor, nicht nur als Exporteur. Importeur. Schiffs- Verfrachter und Agent, sondern auch als Zwischenhändler. Besonders in Korea beginnen die Japcmcr immer festeren Fuß zn fasse». Ein bcdcntcndcr Teil des Innenhandels ist in ihren Händen. und zugleich habe» sie sich hier des Eiscnbahnvans bemächtigt. Die jüngst eröffnete erste Bahnlinie Svnl-Cehmulpo ist von einer japanischen Gesellschaft gebaut worden, und auch die. neue Linie Söul- Fusang wird von einem japanischen Syndikat ausgeführt. So gebt Japan allein Anschein nach. einer bedeutende» wirt- schastlichen Zukunft entgegen. Für die Arbeiter allerdings ist bei dein wirtschaftlichen Aufschwung ivenig abgefallen. Die Löhne sind zwar gestiegen, für einige Industrien und Gewerbe sogar recht beträchtlich. aber in noch höherem Grade steigen andauernd die Preise der Lebensmittel. Kein Wunder, daß i>t Japan bereits eine moderne Lohnarbcitcrbcwegnng zn entstehen beginnt. Rnfflands Anffcnhandcl im ersten Halbjahr t8S9. Wie in so manchen ander» Dingen, hinkl auch in Bezug auf die Stmijtik Rußland hinter den übrigen großen Mächtxn einher. Erst jetzt werden die genaueren Ziffern des russischen Außenhandels in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres 1899 bekannt. Für viele, welche die energischen Anstrengungen Rußlands in den letzten Jahren beobachtet haben, eine einheimische Industrie großzuziehen, bringen diese Ziffern eine Enttäuschung. In Anbetracht des Zollschntzcs, welchen die nissische Regierung den einheimischen Jndustric-Erzcugmffcn zu teil ivcrden läßt, und des rapiden Anwachsens des Akcicnkapitals. das seit- Beginn des Jahres 1895 um nahezu 125 Proz. gestiegen ist, wurde fast allgemein ein günstigeres Resultat erwartet. Auf eine Zunahme der rnsfischen Ausfuhr industrieller Erzeugnisse habe» sicherlich mir wenige ge- rechnet, wohl aber crivartete inan, daß die rnssische Industrie mehr nnd mehr den einheimischen Markt versorgen und somit der Einfuhr fremder Fabrikate das Absatzfeld entziehen würde. Nun weist gerade die Einffihr fremder Industriewaren im ersten Halbjahr 1899 eine besondere Zunahme auf. eine weit größere, als in den gleichen Semestern der voraufgegangenen Jahre, Während sich im ersten Halbjahr 1898 die Einfuhr fertiger Fabrikate nur um 8 Millionen Rubel erhöhte, stieg sie im gleichen Zeitraum des Jahres 1899 um 26 Millionen Rubel. Dies ist jedoch nur eine Seite der gegenwärtigen ungünstigen Wiptschastslage Rußlands. Der Zunahme des Imports von Industrie- waren steht eine weit größere Abnahme seines Exports x\i jenen Artikeln gegenüber, die seit langem sein Hauptausfuhrgut bilden, in Lebensmitteln. Der Ausfall des Lebcnsmiltcl-Exports beträgt für das erste Semester 1899 gegenüber der gleichen Zeit deS Vorjahrs rund 106 Millionen Rubel, gegen 1897— 28 Millionen Rubel. Am stärksten beteiligt ist an diesem Rückgang das Gatreidc. dessen Versand besonders in deii Häfen des Schlvarzen Meers stark abgenommen hat. nur Gerste zeigt hiervon eine Ausnahme. Doch auch der Export andrer land- wirtschaftlicher Produkte ist beträchtlich zurückgegangen. vornchinliH von Fleisch. Butter und Genrüse, ferner von Kleie. Ebenso hat die Ausfuhr der Erzengnisse halblandwirtschaftlicher Industrien, spcciell der Zucker- und Spiritusindustrie, bedeutend abgenommen. Erwähnt sei»och die Zunahme des Naphta-ExporlS um' 6,85 Millionen Pud (ungefähr 2,24 Millionen Centner.) m m Der Gesamtumsatz im ersten Semester betrug: 1897-- 537, 1893--- 628 und 1899 Dabön entfielen auf: 1597 in 1000 Rbl. die Ansfilhr...... 285071 , Einfuhr...... 251 990 Aon der Ausfuhr kamen auf: 1897 in 1000 Rbl. Lebensmittel...... 160 107 Rohstoffe nnd halbverarbcitcte Materialien..... 110 212 Fabrikate....... 7 057 Tiere......... 7 695 Von der Einfuhr kamen auf: 1897 in 1000 Rbl. Lebensmittel...... 29 339 Rohstoffe und hakbvcrarbeiteie Materialien..... 146227 Fabrikate....... 73 354 Tiere......... 670 der letzten drei Jahre --- 580 Millionen Rubel. 1893 1000 Rbl. 357 914 269 823 1893 1000 Rbl. 237 886 105 066 8 261 6 701 189? in 1000 Rbl. 31 479 154 053 83 631 660 1899 in 1000 Rbl. 260 646. 288 999 1899 in 1000 Rbl. 131 716 103 576 7 426 6 923 1899 in 1000 Rbl. 33 530 145 223 109 557 687 Jntctessant ist cS zu verfolgen, welche Länder an dem russischen Außenhandel am stärlsten beteiligt sind und wie sich ihr Anteil in den letzten Jahren verschoben hat. An der Ausfuhr aus Rußland participicrten im e r st c n Halbjahr: An der Einfuhr in Nußland trugen bei: dennoch Deutschland, doch überragt der Wert des deutschen Exports den des deutschen Imports um ein bedeutendes nnd ist überdies in stetigem Aufsteigen begriffen. Während die Einfuhr russischer Er- Zeugnisse in Deutschland in der ersten Hälfte des letzten Jahres im Vergleich zu 1897 um rund S'/a Millionen Rubel abgenommen hat, ist-der Bedarf Rußlands an deutschen Artikeln um 26 Millionen Rubel gewachsen. Allerdings muß zugegeben werden, daß dieser Rückgang des russischen Exports nach Deutschland nicht als ein normaler gelten kann. Hat Rußland in den nächsten Jahren eine gute Ernte, wird auch feine Ausfuhr nach dem deutschen Zollgebiet wieder steige». Nächst Deutschland kommt England, bei dem aber das umgekehrte Verhältnis obwaltet, ivie bei Deutschland; es bezieht mehr Waren aus Rußland als es dorthin liescrt. Dann folgen Frankreich und Ocstreich-Ungarn. Einen Ausnahmc-Charakter zeigt das Handelsverhältnis Rußlands zu Hol- land und zu den Vereinigten Staate» von Nordamerika. Holland exportiert nach Rußland niir in ganz geringem Maße, rivalisiert in feinem. Bezug nissischer Lebensmittel, Rohstoffe und Halbfabrikate aber mit Frankreich; dagegen bezieht die nordamcrikanische Union an russischen Erzeugnissen äußerst wenig, setzt aber in Rußland ei» beträchtliches Quantum Industriewaren ab H. C. Nunpk und Mistenfchaft. Victoria-Tkicatcr. Vor annähernd hundert Jahre» wunderte sich ein ausländischer Beobachter Deutschlands— die Stasl— über den großen Abstand, der bei uns bestehe zwischen den bewtmdeningS- würdigen Leistungen der wenigen Gcistcshcldcn und der übrige» Masse, während anderswo die Verhältnisse ausgeglichciier seien. Mag sein, daß im ganzen dieser Abstand sich bei uiis seither ver- ringcrt habe; in der Kunst besteht er wohl noch am stärksten. Oben Kunst und unten Unterhaltung; oben das Drama und unten die Atisstattungsposie, usw. Daß sich diese Scheidung mit der Zeit' rächen muß. läßt sich denken; und nun stellt sich auch eine Einschräntung dieses Mißverhältnisses ein. die dieses selbst dennoch erst recht deutlich merken läßt. Alles gute Bestreben, eine künstlerisch wertwollc Musik dramatisch zu verwenden, in Oper, Qperetts und Ballett, bleibt fast aiisnahmslos fern von dem Versuch. in unser nächstes gegenwärtiges Leben naturalistisch einzugreifen: noch immer herrschen die klassischen und romantischen Opern, die Abrnzzen-Räuber-Operetten und die Zanberballette vor. bestenfalls unterbrochen von Rixb-Iits. Stücken. Will man darüber hinaus- kommen, so muß man in ein UiiterhaltnngS-Theqter gehen nnd findet dort, was man sucht, in Gestalt einer Halbheit, über die der Musikkritiker doch wieder nur mit Wenn und Aber berichten kann. So hatte das Biet oria-Theater für letzten Donnerstag eine iicne„Große Ausstatttuigsposse mit Gesang und Ballett" von Benno Jacobson angekündigt, in der Franz WagnerS Musik einen„bcitcu Raum cinehmen" sollte:„Berliner Bilder". Sie ging denn auch mit einem so vollen Erfolg in Scene, daß ihre beiden Schöpfer und noch zwei Herren— ich glaube Regisseur Gustav Textor nnd Ballettmeister Engen Chlobns— mehrmals dankend vortreten konnten. Grnndniotive: die alten vom Onkel aus der Provinz, vom vertauschten Kleidungsstück, vom fidelen Gerichtshaus und dergleichen mehr. Durchführung: ein Durch- einander von geschickter Handlung und von willkürlichen Scenen und Scenerien. Musik: die bekannte; d. h. genauer: durchaus bekannt in der Form des DranfsetzenS mehrerer Stückchen auf den Text, die j schließlich auch fehlen könnten, und zum Teil bekannt im Inhalt, will sagen in der Ilnoriginalität der Motive, zum andern Teil nett und verdienstvoll, selbst mit einem Anflug einer Charaktcrisiik, die wenigstens einzelnen schildernden Zügen des Textes, wenngleich nicht feiner dramatiichcn Seite, gilt. Im zweiten der fünf Bilder darf das Dnclt„Berliner Angeit" und zwar specicll als Duett gerühmt und die Ballettmiisik des Finales wenigstens anerkennend genannt werden. Noch reicher an Musik ist wohl das dritte Bild. Das fünfte Bild:„Das Fest der Chrysanthemen", nimmt einen Anlauf zu einer ganz besonderen musikalischen That: zu einer Travestiening des „Mikado". Ilnter den zahlreichen Mitwirkenden war schattspielerisch wohl der beste C a r l F r e y als der Onkel. Auch Leonore Boss, nachte eine artistische Spanierin aus Berlin recht gut und zeigte eine hübsche, nur freilich nicht recht ausgebildete Stimme. Im übrigen war das Ensemble flott genug.>»» die zum Teil etwas primitiven Einzelletstuiigett weniger beachten zu lassen. Nicht ungerügt darf jedoch die übermäßige Ättsdehnung der Pausen bleiben, durch die sich das Stück bis lange nach 11 Uhr hinauszog.— sz. MommunÄles» Auö der Magistratöfitzung vom Freitag. Das Magistrats- Kollcgliun hat bci der stattgehabten Präsentationswahl zum Mit- gliedc des H e r r e>i h a u s es als zu präsentierendes Mitglied deS Magistrats den Oberbürgermeister Kirschner gewählt. Das vorgelegte Projekt zur Errichtung einer Heimstätte für lun genkranke in Buch hat das MagistratS-Kollcgium genehmigt. der gestrigen Magistrats- Sitzung leitete der Stadtrat Dr. Münsterberg die Besprechung der' von der A r m e n- Direktion vorgelegten Entwürfe einer Verordnung über die oncne Armenpflege ein. Die weitere Beratung und Beschlntzfassnng wurde vertagt. Anträge von Stadtverordneten. Die Stadtverordneten "üben, Gerickcl., Dinse und andere Stadtverordneten haben folgenden Antrag in der Stadtvcrordneten-Versammlnng eingebracht:„Den Magistrat zn ersuchen, in gemischter Deputation darüber in Beratung zu treten, ob es nicht dringend nötig sei, die Kochanstalt usw. ans dem Schlachthof nicht mehr zn verpachten, sondern nach Ablauf der Pachtverträge in eigene Verwaltung zu nehmen: ferner die von der Polizei beschlagnahmten Schlachtticre und Ereile derselben nicht mehr der Abdeckerei zu übergeben, sondern ans dem Schlachthofe sogleich verbrennen zu lassen. damit in iiuknnst die wiederholt vorgekommenen unangenehmen Vorfälle un- möglich gemacht werden!"— Die Stadtverordneten Dr. Schwalbe. Roscnow, Kaiisch, Gerstenberg, Jacobi und Klnar haben folgende Anfrage in der Stadtverordiieten-Versanmilimg eingebracht; ,/Dein Vernehmen nach bat der Magistrat abgelehnt,'den Feftsaal des Rat- Hauses für eine G i o r d a n o- B r n n o- F e i e r zn bewilligen. Die Ilntcrzeichneten fragen an, weshalb die Ablehnung des Antrags flattgesiindcn hat". Bcrlin-Stcttincr Schifsahrtökaual. Ans den, Rathanse wird berichtet: Gestern verhandelte eine Koinmission, bestehend aus Ver- tretcrn des Finanzministcriitms, des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten, der Regierung zu Potsdam soivie von Vertretern der Städte Berlin. Stettin und Charlottenburg in Bezug auf den groffcn Schiffahrtsweg Bcrlin-Stettin(Wcstlmie). Ans' den Vcr- Handlungen darf wohl der Schlug hergeleitet werden, dag ein Ein- vernehmen bezüglich der Finaiizicrimg des llnternehmcns»nnniehr hcrbeigcflihrt werden wird. ES ist zn erwarten, dag die Stadt Charlottenburg bci dem Kostenantcil in gleicher Weise sich beteiligen werde, wie die Provinz Pommern bci der Stadt Stettin. Ob die Provinz Brandenburg wegen der gegen das frühere Projekt jetzt eingetretenen Melioration des Oderbruchs sich nicht doch schlicjflich zu Beiträgen � herbeilassen muß. kann man doch schlieMich billig oyraussetzcn. Uoknlvs. Unsre Mitarbeiter und Jnscrentcu machen wir darauf ans- merlsam, dag heute nur bis g Uhr vormittags von der Rcichspost Briefe ausgetragen werden. Zur Lokalliste. Der Arbeiterschaft Berlins stehen noch folgende Lokale zur Verfügung: Nordische Hallen. Gericht- straffe 1. Otto Bartels. Groffe Frankfurtcrstrnffe 18.— Der Rauchklub„Esmeralda" feiert seinen diesjährigen Maskenball am 3. Februar im Eiskeller, Chansscestraffe. Das Lokal steht der Arbeiterschaft zu Versammlungen bekanntlich nicht zur Verfügung. Die Genossen werden ersucht, hiervon Notiz zu nehmen. _ Die Lokal-Kommission. Offene Coaksscuer aus Bauten. Seit mehreren Jahren besteht eine Polizci-Berordnung.. welche vorschreibt, daff offene Eoaksfeucr in Räumen, in denen Personen beschäftigt sind, nicht benutzt werbe,, dürfen, und solche Räume, in denen Conkskörbe z»m Austrocknen des Mauerwerks aufgestellt sind, von andern Räumen, in denen gearbeitet wird, abgefchlossen sein müssen. Gegen diese Verordnung ivird aber immer noch viel gesündigt. Wo man wenigstens den Eck, ein zu wahren sucht, als ob die Vorschrift beachtet werde, da stellt nian wohl die Thüröffnungcn der Räume, in denen Eoaksfeucr brennen, niit einigen Brettern zu. aber ein derartiger„Verschlnff" entspricht nicht in, ent- ferntesten seinem Zweck. Rauch und Gase dringen ungehindert zwischen den leicht an die Wand gelehnten Bretter» hindürch und erfüllen den ganzen Bau mit scharfen giftigen Dünsten. Die Mißachtung der Polizei- Verordnung geht aber noch weiter. Es ist gar nicht selten, daff im Innern eines Baues. unmittelbar untcr der Rüstung. auf der Stnecatcure oder Maler arbeiten, ein sogenannter Coakskorb als Heizkörper aufgestellt ist. Man sieht hieran, daff auch die besten Vorschriften nichts nützen. wenn ihre Durchführung nicht durch eine amtliche Bauanssicht— und zwar untcr Mitwirkung von Arbeitervertrctern— gewähr- leistet wird. Die Unternehmer niögen vielleicht einwenden. daff die Arbeiter nicht veranlafft werde», über offenem Cooks- feuer zu arbeiten. ES mag auch in manchem Fall zutreffen, daff der Arbeiter sich selber den Coakskorb zur Benutzung heranholt. Hierbei ist aber zu bedenken, daff Putzer, Etuccateure und besonders die Maler ohne jede Heizung im Winter überhaupt nicht arbeiten können, denn bei Frosnvctter gefriert das Material und bei feuchter Witterimg trocknet es so langsam, daff ein geregeltes Fortarbeiten nicht möglich ist. Nun liehe sich zwar ein Bau mittels einiger eiserner Oefen, die provisorisch aufgestellt werden, sehr gut und noch dazu billiger wie durch Coakskörbe heize». Aber nur sehr wenige Arbeitgeber sind einsichtsvoll genug, für eine solche Heizgclegenheit zu sorgen. Die niciste» scheuen die unbedeutenden AnschaffnngSkosten und die geringen Unistände, welche durch den Gebrauch von Oefen verursach: werden i sie überlassen eS den Arbeitern, sich so gut es gehen will zn helfen. Deshalb geht es eben in dem alten Schlendrian mit den die Gesundheit der Arbeiter in höchstem Grade gefährdenden Coakskörben weiter, und es wird auch nicht eher besser werden, als bis die hier in Frage kouiineuden Arbciterkatcgorien durch eine starke und kraftvolle Organisation die gänzliche Abschaffung solcher Einrichtungen sich erzwingen. Was eine gute Organisation auch in dieser Hinsicht vermag, dos zeigt das Beispiel der Maurer, die ja, was den Schutz von Leben und Gesundheit auf Bauten betrifft, dank ihrer organisierten Kraft, ein gutes Stück vorwärts gekommen sind._ Pädagogisches vo» einem Amtsvorsteher. In nnsenn Vorort W e i ff e n f e e erteilen Mitglieder des A r d e i t e r- T u r n v e r e i n S, wie dies in andern Turnvereinen auch geschieht, dortigen Schul- lindern Turnunterricht. Ein solches Wirken verdient gewiff Nach- ahmnng und Anerkennung, da namentlich der Arbeiterjugend eine Stählung des Körpers bitter Not thut. Als der Arbeiter-Turnverein so eine Zeitlang opfertvillig zum Besten des Gemeinwohls gelvirkt hatte, erhielten Vorsitzender und Turnwart zu Ende des vorigen Jahres von Aints wegen eine Strafandrohung für den Fall, daß sie noch ferner an Schulkinder Turnunterricht er- teilen liehen. Pflichtbewufft, wie die beiden Leiter des Arbeiter-TurnvereinS waren, nahmen sie sich diese seltsamste aller seltsamen Straf- androhnngen natürlich nicht zu Herzen, sondern erhoben Einspruch dagegen. Auf ihre Beschwerde wurde ihnen vom Amtsvorsteher folgender Bescheid zu thsil:. „Meine Verfügung vom 17. November 1899, nach welcher gegen Sie eine Exekutivstrase von 5 M. festgesetzt ist. weil Sie Schulkindern durch Mitglieder JhreS Vereins Turnunterricht haben erteilen lassen, ziehe ich hierdurch zurück, da die Kinder. welche ungeachtet des Verbotes in der Schule an dem Unterricht teilnehmen, mit den Mitteln der Schulzucht bestraft sind und auck kerner bestraft werden. Feldtmann.* Selbstverständlich hat, nachdem diese Verfügung bekannt geworden, der K i n d e r- T u r n u n t e r r i ch t im Arbeiter- Turnverein an Ausdehnung wesentlich gewönne n. Die in Betracht kommende Einwohnerschaft unseres Vororts hat viel zu viel Ver- trauen zu der pädagogischen Einsicht der Lehrer, als daff sie glaubt, auch nur ei ne r der Jugenderzieher würde ein Kind strafen, weil der verständige Sinn seiner Eltern es in den Turnunterricht deS Ärbcitcr-Turnvercins schickt. So wird denn die wunderliche Verfügung des Amtsborstehers nur als ein Äuriosnin betrachtet, das höchstens geeignet ist, die Frage anfzuwerfen, ob die staatliche Autorität stark genug ist, um solche Anordnungen eines ihrer Organe aushalten zu können.'' � Hofnachrichten aus dem„Lokal-Auzeiger". 1. In Nr. 41 über die vorgestern verstorbene Herzogin Friedrich von Schleswig- Holstein: Als das sürstliche Paar den Tod des erstgeborenen Sohnes,. des tällin mehr als ein Jahr alt gewordenen Prinzen Christian Friedrick» beklagen muffte. lächelte den Eltern bereits ein lieblicher Trost entgegen: am H'i. Oktober 1858 war ihnen ein Mägdelein,' Prinzessin Auguste Victoria, geboren worden. In Dölzig haben noch Prinz Gerhard(geb.'20. Januar 1850, gest. im April 1859), die seit'1385 mit dem Herzog Friedrich Ferdinand zu Schleswig- Holstein- Glücksbnrg vermählte Prinzessin Karoline Mathilde<25. Januar 1805) und Herzog Ernst Günther<11. August 1805) das Licht der Welt erblickt. Ihnen folgte am 8. April 1866 zu Kiel die seit 1889 mit dem Prinzen Friedrich Leopold von Preuffen vermählte Prinzessin Luise Sophie und am 3. Juli 1874 zu Priinkenau Prinzessin Fcodora Adelheid. Sollte das Blatt in seinem auch hier bekundeten Streben, fürst- lichen Persönlichkeiten übermenschliche Eigenschaften zuzuschreiben, nicht wiederinn ein biffchcn ausgeschnitten haben? 2. In einer Nachricht ans Wien über die bevorstehende Heirat der Erzherzogin Stephanie(Nr. 42): Ihre Heirat steht uUmittelbar bevor und dürfte sich in der ersten Hälfte März vollziehen— der Anfschub, sagt man, habe iinr deshalb stattgefnndcii, weil der gute Ruf der Kronprinzessin in Frage gezogen worden war und sie Beweise liefern wollte, daff es mit ihrer Verheiratung gar keine Eile habe. Es muff ein aiigcnchuics Gefühl sein für eine Dame, sich derart ehrfurchtsvoll durch die Zeitnngsspaltcn gezerrt zn sehen! Die Ermittlnngcn wegen der Porgänge in der Koch- und Pökelaiistalt aus dem städtischen Schlachthose nehme» ihren. Fort- gang. Anffer dem Personal der Anstalt nnd den Polizeibcainten. die an ihr thätig Ware», sind neuerdings auch verschiedene kleine Wnrstfabrikantcli und Schankwirte, die von Bitterhof nnd Lange Fleisch bezogen haben, vernommen lvordcn. Lange bestreitet nach- drücklich jeden Versuch, die Äugcstclltcii der Anstalt zn llngehörigkcitcii zu verleiten, während er einräumt, darüber geklagt zn halien. daff das Fleisch zn salzig sei. Der schon mehrmals genannte Geselle Schnnllinski, der von Bitterhosi ciitlassen worden ist, würde gestern von der Äriiiiiiialpolizci noch einmal vernommen und im Anschluß an das Verhör verhaftet und nach Moabit in Untersuchungshaft gc- bracht. Tischler-Zwangsiunung. Das Resultat der am Montag, den 22. d. M., vollzogciicn Wahl der 168 Vertreter zur JliNinigS-Ver- saiinnlnng ist an, Donnerstag amtlich festgestellt worden. Von 3369 Wahlberechtigten haben sich nur 1451 an der Wahl beteiligt. Dix von dem Vorstand der nktcn Jnnling ausgestellten Kandidaten sind mit einer Mehrheit von 52 bis 70 Stimmen gegenüber den in vier Bersammlinigeii der unorganisierten Tischlermeister ansgestelltcn Kandidaten gewählt worden. Für die alten Jnnnngsmänner und ihren Anhang wurden 761, für die Kandidaten der Ünorgamsierten 688 Stimmzettel abgegeben. 18 Kandidaten waren vo» beiden Nichtungcu ausgestellt nnd erhielten 1400—1447 Stimme». Die geringste Stiinmeirzahl der„Organisierten" siel mit 740 Stimmen auf deren Kandidaten Lindeniaim. während es die Unorgani- sicrteil im Maxinnim auf 692 Stimlii.cn brachten. Von den letztere» dürften(anffer den von beiden Richtunge» gewählten 18 Vertretern)»och einige als gewählt zu betrachten fei«, da mehrere von den Organisierten gewählte den gesetzlichen Borfchristeir, welche die Wählbarkeit bestinnncn, nicht entsprechen. Es ist nicht niiSgeschlosseii, daff wogen verschiedener vorgekommener Bcrstöffe ein Protest gegen die Wahl cingercicht wird. Das Polizeipräsidium teilt uns mit: Die der Presse zn- gegangene Mitteilung betreffend den Erlaff einer neucii Straffen- ordiinlig hat zu Miffversländnissen Anlaff gegeben. Es handelt sich nicht inii matcriell neue Bestiruimiiigen, sondern um eine Wiedcr- veröffentlichung des bestehendeii Straffen- Polizeireglements vom 7. April 1867 in einer neuen Faffniig, unter Einordnung der in- zwischen crgangencii Abändernngcn und Ergänzuiigc». Fortlaffiing der veralteten Vorschriften und Anflinhme der iieiien Münz-, Maff- und Gcwichtsbczcichuliiigcn. Die Wjederveröffentlichnng ist auS ZwcckmäffigkeitSgründcn in der F o r m einer neuen Verordining vor- genommen ivotden. Untcr dem Perdacht des GattenmordeS befindet sich seit über 7 Monatcil der Arbeiter Johann R ö r i g in lliitersuchnngshaft er wird bcschnldigt. seine Frau in der gemeinschaftlichen Wohnung aufgehängt zu haben. Als er im Juni eingeliefert wurde, hatte er dem llntersuchungsrichter eine mit allen Einzelheiten versehene Dar- stclliing der gräusigen That gegeben, insbesondere auch zugestaiideli, daff er ruhig dabeigestanden habe, bis seine von ihm an der Thür anfgeknüpftc Frau den letzten Atemzug ausgehaucht hatte. Im Verlauf der Untersuchulig stellten sich Bedenken wegen der Zurcchnungsfähigkeit Rörigs heraus. der Angeschuldigte widerrief auch' plötzlich sein anfängliches Geständnis und so erfolgte denn auf eine» vom Rechtsamvalt Dr. Schwindt gc- stellten Antrag die ärztliche Ulitersnchnng des Geisteszustandes durch den Sanitätsrat Dr. M i t t e n z iv e i g und die künigl. Eharite hicr- selbst. Wegen gewisser Widersprüche in diesen Gutachten ist nun bo- schlössen worden, ein Obcrgutachtcn des Mcdizinalkollcgiums ein- anfordern. Sollte sich auch dieses Gutachten für die Unzurcchnungs- fähigkcit des Beschuldigte» gnssprechcn, dürste ans Antrag deS Rechts- anwalts Dr. Schwindt Haftenilassung und Einstellung des Verfahrens zu erwarten sein. Ueber verschärstc Polizeiborschriften für Neubauten von Warenhäusern will der„Konfektionär" folgendes erfahren haben: Die einzeliien Teile des Gebäudes, die,»in einen nn- gehinderten Verkehr z» ermöglichen, nicht durch Brandmaiieni von einander getrennt sind, müssen durch schwere Rvlljalousicn aus Stahlwellb'rech, ivelche im Augenblick der Gefahr durch einen Druck zu», Herabfallen gebracht werden Wimen, vollständig feuersichcr von einander abgeschlossen werden� könne». Damit bei einem Brande die Flamiiien nicht durch die Spiegelglasfrout der Faffade von einer Etage in die andere durchschlagen,' müssen sowohl an der Decke Ivie am Fußboden vor den Schänfeiisterscheiben 50 Centimcter hohe durchlaufende Schirme aus fei, ersicherem Stahlblech angebracht werden. Der Keller ist in Teile von je 500 Quadratmeter zu zer- legen, die durch massive Mauern mit automatisch schlieffeildeu Eisen- thüren völlig isoliert sind. Aus jedem dieser Abschnitte müssen zwei Treppen direkt ins Freie führen. Den bereits bestehenden Wareiihänsern werden folgende Vorschriften gemacht werden: Um entstehende Brände sofort abzulöschen, sind in allen Treppen- sluren Hydranten mit 25 Meter langen, betriebsfertigen Schläuchen so zu verteile», daß jeder Teil eines großen Lokals öfort nnter Wasser gesetzt werden kann. Ferner sind die Tische im Parterre zu entfernen, uin dem Publiku», freie Passage zu sichern; die über den Treppenbrüstunge» und an de» Wänden hängenden Teppiche sowie Dekorationen müssen ebenfalls weg- genonimen werden,»m nicht bei Ausbruch eines Brandes das Feuer von einer Etage in die andere zu leiten; ebenso wenig sollen alle andren feuergefährlichen Aufbauten, als: aufgebaute Schirme, lose dekorierte Bänder, im Innern der Verkaufsräume geduldet werden. Den Inhabern von Wareiihänsern wird ferner aufgegeben, sich nicht nur mit der Befolgung von Polizeivorschriftcn zu begnügen, sondern auch ans eigener'Initiative SicherheitSmaßregelii zu ergreife». Der Stamm des Personals muh daraiif geschtilt fein, ein Feuer sofort beim Elitstehen selbst zu unterdrücken., Bci der Arbeit schwer veriiiiglückl ist gestern der Hausdiener Franz Zwarg aus der Schnlstr. 105, der in dem Restanrailt„Bahn- schlöffchcn" am Lehrter Bahnhof beschäftigt war. Zarg fiel mit einem Mörtelkarren von ciiiem Brettersteig herab»nd zog sich einen Beckenbruch zu. Er muffte in ein Krankenhans gebracht werden. Ein böses Diebcsstückchen wird ans den, Osten der Stadt gemeldet. Der Stellenvermittlcr Hugo Czackow in der Wcberstr. 26 besitzt ein Break, das mit dein Pferde auf dem Grundstücke Bluinen- straffe 66 untergebracht ivar. Als Kurscher hat er einen jungen Man», Namens Schnrcck. Dieser lernte vor einigen Tagen in einer Gastwirtschaft einen Koppelknccht kennen und schloff Freundschaft mit ihm, obwohl er von ihm nicht mehr wußte, als daff er mit Namen Herniann heißen nnd aus Filchne stamme» soll. Am Donnerstagabend kam Herniann ans Filchne zu Schureck i» den«stall und eröffnete ihm die erfreuliche Aussicht. daff er ein. paar Mark nebenbei ver- dienen könne. Seine Schwester, die in der Langestraffe 106 wohne, wolle nach auswärts verziehe» nnd hätte gern ihre Sachen nach dem Bahnhof gebracht. Wenn Schnrcck das mit dem Wagen seines Dienstherrn besorgen ivolle, so könne er sich bequeiii etlvas verdienen. Der jiiiige Kutscher spannte gleich an liild fuhr mit seinem Freund nach der Langestraffe 106. Hier schickte ihn„Hermann" voraus in den vierten Stock hinauf, um selbst ilachznkvninicil. Während aber Schnrcck oben die Schwester seines Freundes vergeblich suchte, lehrte dieser schon auf der ersten Treppe wieder um, setzte sich ans den Wagen und fuhr ans Nimmerwiedersehen davon. Wagen und Pferd sind noch nicht wieder ermittelt. Berein für volkstümliche Kurse von Berliner Hochschullehrern. Herr Pros. Dr. Liebreich, der am 22. d. M. seine» Kursus über„die Wirkung der neueren Heilmittel" im Friedrich-Werderschcn Gymnasiiuil be- gvnneil hatte, wird die Vorträge am»ächiie» Montag im Hörsaal des vbarmalologischen Instituts, Dorotheenstr. 34a, fort'ctzen, weil er beabsichtigt, nut diesen Vorträgen Demonstrationen und Experioiepte zu verbinden. Eliitrittskarteii zum Preise von 1 Marl fiir die süns Vortragsabende sind zu bavcii bei: Georg Belling, CigarrcnbanlNungl W., LeipzPcrstr. 136; «. SchBU, Renda»!, Ö.. Holzmarktstr. 60; Ehr. Tischcndörfcr, C, sophien- ft raste 20; TraulnieinIche Buchhandlung, W., Leipzigerstr. 8; Centralstelle für Arbeiter-Wohlfahrts-Einrichtmigeii, W., Köthenerstr. 23(8—3). Fcucrbcricht. Donnerstagabend 6 Uhr entstand L o r tz i n g» st r a ff e 25 ein gefährlicher Kcllerbrgnd. Es hatte sich ein Posten Petroleum entzündet und die Gefahr lag nahe, daß ein größeres Petrolcumlage von de» Flamnicn ergriffen Ivurde. Die Wehr ging deshalb mit' zwei Dampfspritzcn-Rohreu vor nnd setzte den Keller teilweise nnter Wasser. ES dauerte fast zwei Stunden, bevor das Fever gelöscht war. Kurz darauf brannte Alexandrinen- st r a ff e' 23 Packmaterial. Freitagmittag hatte Alte Jakob- stra ffe 78 die Balkenlage im Keller Feuer gefangen, wodurch der Wehr erhebliche Aufräninuilgsarbeit entstand. Ans de» Nachbarorte». Wilmersdorf. Wer verhindert ist, die bis zum 30. Januar niislicgciidcn Listen zur Gcmeindcwahl nachzusehen, wolle sich bci Witte, Berlinerstr. 40, melden. Wcißcnscc. Eine öffentliche Versamnilimg in Hählings Lokal.' Langhanssir. 106 wird sich Montagabend 8>,s Uhr mit den Kandidatnrcn zur Gcmeinderats-Wahl beschästigen. 1100 Jagdscheine sind im vergangenen Jahre in der Zeit vom 1. Jinii bis 31. Dezember allein vom LandratSamte des Kroiscs Teltow ausgestellt worden. Spandau. Die S ta d t v e r o r d n e t en« V e r s am», Inn g stellte in ihrer Sitzung am Donnerstag znnächft den Elektricitätsetar mit 72 000 M. in Einiiahme und Ausgabe fest. Eine recht inter- efsaiite und den Klnsienstaiidpinikt weiter bürgerlicher Kreise recht grell belenchtende Debatte entspann sich bci der Beratung des „Forstetats". Hierzu hatten die socialdcmokratischcn stadtver- ordneten den Antrag gestellt, die Tagelöhne der männlichen Forst-, arbcitcr anf 35 Pf, und diejenigen der weiblichen ans 20 Pf. zu erhöhen und die Accordl'öhne entsprechend aufzubessern. Genosse D n ck s ch ivies in seiner Begründung des An-. träges darauf hin, daff es zumal bei den gegen- wattigen Tenerungsverhältiiissen für einen Forstarbeiter ganz un- möglich sei, seine Familie von einem Tagesverdienst von 2,75 M. bei tlstülidigcr Arbeitszeit(bei Hinzurechnung der für den Hin- und Rückweg aufgewendeten Zeit) zu ernähre», denn gegenwärtig bezöge» die städtischen Forstarbeiter, soweit sie in, T a g e l o h n arbeiten. nur einen Stnndcnkohn vo» 271«? Pf., nnd die weiblichen Tagelöhner gar nur einen solchen von 12 Pf. Der Ver- dieiist der A c c o r d arbeiter schwanke zwischen 1,51 M. und 2,80 M. pro Tag, dabei insjhtcii sich die Forsiarbeitcr noch eigenes Handwerkszeug und Karren halten. Eine gründliche Aufbesserung der Arbeitcrlöhue, ivelche die jährlichen hohtni Ucbcrschüsse sehr' gut zulieffen, sei nicht länger von der Hand zu weisen; die Forstdcpntatio» habe eine solche kürzlich ein- st i m m i g abgelehnt.---- Als Verteidiger der jetzigen Lohiivcrhältnisse der Forstarbeiter entpuppte sich Herr Stadtv. R e i n c ck e. Dieser Herr meinte, daff ciit„fle i hi g e r" Forsiarbeitcr ein„rasendes Geld" bei den gegenwärtigen Löhnen verdieneii köniite, die„faulen" Arbeiter brauchten überhaupt nichts zu verdiene». Würden für die städtischen Forstarbeiter durchweg Tagelöh ue eingeführt werden, dann würde /überhaupt nichts mehr gethrni werden. Man müsse doch auch das Holz, das die Forsiarbeitcr abends nach Hause nehmen, ziemlich hoch einschätzen, den» es sei i, inner das„beste" Holz." Oberbürgermeister K ö l tz e schloff ans dem Unistande, daff die Forstarbeiter„gerne" für die Spandauer Forstverwaltimg arbeiteten, daff mich die Lohnverhältnisse„befriedigende" sein müßten. Unsere Gcitosscn Ducksch. Schröer und Rieger führten Herrn R e i n c ck e nach Gebühr ab. Anf Antrag des Stadtverorndneten J'enue wurde unser Antrag einer in der nächsten Sitzliiig zn wählendeii gemischte» Kominissioii überwiese», nnd der Forstetat mit 60 980 M. in Eilinahme»nd 22 874 M. in Ausgabe, also mit eine», Ueberschnff vo» 38 100 M. abschlieffend, angeiiommen. Des fernereir bcschloff die Versmnmlung. die Bahnhos-, Brücke»-, Charlotten- und Breitestraffe bis zum Markt zunächst probeweise mit elektrischem Bogenlicht zu verscheu; die erforder- lichen 10 Boqcnlampcil wurden bewilligt.' In geheimer Sitzung wurden ErgänznngSwahlen für 13 Depn- tationcn vorgenomme»; hierbei fielen linseren Genossen insgesamt 7 neue Sitze zu. Die Einwohnerschaft vo» Charlottenburg beträgt nach den Bcrechiiinigcu des dortigen S t a t i st i s ch e n Amts 182 700. Die BevölkcrnügSznnnhme bclicf sich tin verflossenen Jahre anf b Proz. gegen 6,8 im Vorjahre und 9,1 im Jahre 1896 auf 1897. Im AugSbnrgcr Krawallprozeß brachte auch der weitere Verlauf der Verhandlung die Aussage verschiedener BelastuiigSzengen. Besonders beachtenswert ist anffer dem Verhalten des Gerichts- Vorsitzenden die Art, wie der Polizeibcamte Rechtsrat' D.e ut s ch e n b a u e r seinen Standpiinkt verteidigte. In einer Schildening des Streiks, in der er betonen mnffte, daff auf feiten der Ausständigen aufangs keine Ansschreitu»ge>i vorgekommen waren, sagte er über seine Maffnahnie» gegen die Streikposten: Ich ging dabei von der Anschauung aus. daff. nachdem nicht einzelne Posten aufgestellt waren, sondern 6—8—10 Mann beisammen standen, schon aus dieser einzigen Thatsache und aus der weiteren. ldcch Ichon Ausschreitungen vorgekommen waren, die Streikposten keinen andern Zweck haben, als auf die Arbeitswilligen in un- erlaubter Weise einzuwirken. Ich glaube, mit der Verfügung nichts Ungerechtes gethan zu haben und ich würde im gleichen Falle heute noch genau so handeln. R.-A. Dr. Bernheim: Wissen Sie, daß Bürgermeister v. Fischer im Landtage erklärt hat, daß die Polizei einseitig für die Meister eingetreten ist? Zeuge: Ich weiß, daß er eine ähnliche Aeußerung gemacht hat, aber nicht genau welchen Inhalts. R.-A. B e r n st e i n: Der Herr RcchtSrat Deutschenbauer dürfte mit seiner Ansicht ziemlich allein stehen. Zeuge: Ganz allein stehe ich mit meiner Ansicht doch nicht. Ich darf vielleicht daran erinnern, daß Graf Posadowsky einen ähnlichen Standpunkt eingenommen hat. Ich befinde mich also in guter Gesellschaft. � Rechtsanwalt Dr. B e r n h e i m: Ich konstatiere mit Ber gnügen, daß Herr Rechtsrat Deutschenbauer auf dem gleichen Stand- punkte steht, � wie Graf Posadowsky. der im Reichstage erklärt hat. daß das Streikpostenstehen heute leider noch nicht verboten ist. Maurerpolier M atz giebt an, er sei am 8. Mai vorigen Jahrs mit einem Trupp arbeitswilliger Italiener von Gersthofen gekommen und in der Nähe von Oberhauscn von 25—30 Streikenden ab- gefangen worden, denen es auch thatsächlich gelang, die Italiener abspenstig zu machen. Bei dieser Gelegenheit habe er auch zwei Schläge mit einem Todschläger auf den Kopf bekommen, bis einer der Streikenden zu seinen Gunsten intervenierte und sagte: Der kann ja nichts dafür. Vorsitzender: Dieser Vorfall ist von Bedeutung für die Stellung der Maurermeister I Herr Rechtsrat Werner erklärt, daß er für seine Person den Polizeiorganen stets eingeschärft habe, nicht einseitig vorzugehen und die Streikposten nicht zu belästigen, wenn sie sich ruhig verhalten. Der Zeuge giebt auch zu, daß er einen Bericht vom 8, Juni mit der Rand- demerkmig versehen hat:„Die Arbeitgeber sollten doch nicht immer die Polizei unnötig in Anspruch nehmen." Er sei unwillig darüber gewesen, daß die Arbeitgeber der Polizei zumuteten, gegen die Streikposten der Arbeiter schärfer vorzugehen, während ihre Poliere sich nach den eingegangenen Meldungen sehr ungeeignet be- nommen haben. Der Zeuge räumt auch ein, daß er in dem Berichte vom 14. Juni aus dem Satze:„Die Italiener haben dem gegen sie geübten Terrorismus nachgegeben und die Arbeit niedergelegt", die Worte:„deni gegen sie geübten Terrorismus nachgegeben" gestrichen' hat. weil er nicht davon überzeugt war, daß thatsächlich TerrorisninS geübt wurde. Staatsanwalt: Haben Sie nicht die Verfügungen des Herrn Rechtsrats Deutschenbauer mit unterzeichnet? Zeuge: Ich habe diese beiden Schriftstücke als Stellvertreter der beiden Bürgermeister unterzeichnet, aber nicht gern. Ich habe es gethan in dem Glauben, daß man am Bezirksamt schon selbst wissen wird, was zu thun ist. Vorsitzender: Man kann ja zugeben, daß die Fassung der Schriftstücke keine glückliche ist. Zeuge: Ich habe Bedenken gehabt, weil ich das Streikposten- stehen nicht für strafbar halte. Vorsitzender: An sich nicht, wenn aber solche Posten in großer Zahl sind, so daß sie eine Beeinträchtigung der persönlichen Freiheit befürchten lassen, wenn außerdem Äus>chreitungcn vor- kommen, dann ist es doch etwas andres. Um Transvaal wurde gestern vor dem hiesigen Schöffengericht recht lange und recht heftig gekämpft, doch handelte es sich nicht um die südafrikanische Republik, sondern um die Ausstellung Transvaal, die seiner Zeit auf dem Kurftirstendamm sich aufqethan hatte. Gegen den früheren Direktor dieser Ausstellung Dr. p'hil. Max Ohne falsch-Richter war eine Privatklage seines Nachfolgers und Liquidators der Ausstellung. Kaufmanns Otto We'itz, gc richtet. Letzterer war durch Rechtsanwalt Dr. Fla tau. der Angeklagte durch Rechtsanwalt Prerauer vertreten. Die Grunde läge der Anklage bildete ein am 5. August v. I. in der Zeitschrift „Das neue Jahrhundert" vom Angeklagten veröffentlichter Artikel. der die Ueberschrift„Konkurs- Ausstellungen" trug und schwere Be schuldigungcn und Beleidigungen des Privatklägers' enthielt. Ramend lich wurde demselben der Vorwurf wiederholter Untreue und Unter schlagung sowohl direkt, als auch in verschleierter Form gemacht. Ein vom Angeklagten angetretener Wahrheitsbeweis beschäftigte das Gericht längere Zeit, mißlang aber. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 100 Mark Geldstrafe und den Kosten des Verfahrens. Der Cigarrenhändler Ferdinand Böckmann ist gestern von der 2. Strafkammer des Landgerichts I wegen Kautipns- Unterschlagungen zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Nachdem er in seinem Geschäft am Halleschen Thor in Konkurs ge- raten war, wußte er mehrere junge Leute um ihr Geld zu bringen. In einem Falle betrug die unterschlagene Summe 3000 M. VevJamnUungvtt. Die Bauanschläger hielten am Donnerstag bei Spiegclberg, Sebastianstr.� 39, eine öffentliche Versammlung ali, in der die Lohn- konimission über den Verlauf der letzten Lohnbewegung berichtete. Nach dam Bericht, den G. Finke erstattete, haben an dieser Lohn- bewegung, die infolge gegenseitiger Vereinbarung mit der Unter- nehmer-Organisation ihren Abschluß fand, 473 Anschläger teil' genommen. Von diesen find nur noch 34 Mann arbeits los, während alle anderen bereits zu den neuen Be> dingungen beschäftigt sind. Für Unterstützung an die Streikenden wurden bisher 2223,50 Mark verausgabt. Nach langer Debatte wurde beschlossen, daß das Streikbureau und der Arbeitsnachweis bis auf weiteres bei Buske, Grenadierstraße, auf rechterhalten wird und die Lohnkommission ihre bisherige Thätigkeit fortsetzt und insbesondere dafür Sorge trägt, daß die Abmachungen und die gefaßten Beschlüsse innegehalten werden. Als Beitrag zum Streikfonds sollen bis Sonnabend, den 27. d. M.. noch 50 Pf. pro Arbeitstag und von dann ab nur noch 50 Pf. wöchentlich erhoben werden. Allgemein wurde die Fortsetzung der Sammlungen für den Streikfonds als notwendig erachtet, weil es nicht auSgeschloffen er- scheint, daß den Anschlägern ein erneuter Kampf aufgezwungen wird. Berbaud der Bau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter, Zahlstelle Berlin IV. Außerordentliche Generalversammlung vom 22. d. M. Die Abrechnung vom IV. Quartal ergab einen Bestand von 84,21 M. Die Mitgliederzahl betrug am Jahresschluß 74. Die Neuwahl der Ortsverwaltung ergab folgendes: Wegner 1 Bummert 2. Bevollmächtigter; WenSke 1., Görz 2. Kassierer; Beier Schriftführer. Zu Revisoren wurden Schulz. Koch und Fritz ge- wählt; mit der Spedition des Organs wurde der erste Kassierer beauftragt. Der Fachverein der Mustkinstrumentenarbelter hielt am 22.' Januar seine Generalversammlung bei Graumann, Naunhn- straße 27 ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrten die An- wesenden das Andenken des verstorbenen Mitgliedes Böhm durch Er- heben von den Plätzen. Nach Eintritt in die Verhandlung gab der Kassierer Hensel die Abrechnung vom IV. Quartal 18S9, die sich wie folgt stellt: Einnahme 793 M., Ausgabe 396,85 M., ergiebt mithin einen Ueberschnß von 396,15 M. Die Revisoren bestätigen die Richtigkeit der Abrechnung und dem Kassierer wird Decharge erteilt. Hierauf folgte der Bericht der Agitationskommission und der Arbeits- vermittlungS-Kommiffion. Aus letzterem ist hervorzuheben, daß zwei Drittel der eingegangenen Adressen nicht besetzt werden konnten, da Arbeitslose nicht' eingetragen waren. Die Arbeitsvermittlung ge- fchieht unentgeltlich an alle Kollegen, und es ist notwendig, daß jeder Arbeitsloswerdende sich im Nachweis meldet. Auch ist die indirekte Vermittlung durch Kollegen im Verkehrslokal eine ganz bedeutende gewesen. Neu gewählt in diese Kommission wurden zehn Kollegen. Die Maschinisten, Heizer und Berufögenoffen nahmen in ihrer Generalversammlung am 21. d. M. ihren Jahresbericht ent- gegen. Nach dem Rechenschaftsbericht des Vorstandes haben im vcr- floffenen»Jahr 19 Versammlungen sowie 21 Vorstandssitzungen stattgefunden. Neu aufgenommen wurden 144 Mitglieder, ausgeschieden sind 83, darunter sind 7 mit dem Tode abgegangen und 4 Mitglieder mußten ausgeschlosien werden, die übrigen wurden wegen Nichtbezahlung ihrer Beiträge gestrichen. Der Mitgliederstand betrug am Schlüsse des Jahres 848. Der Bericht des Arbeits Vermittlers ergab, daß arbeitslos sich 290 Mitglieder gemeldet hatten, davon wurden in feste Arbeit gebracht 236, zur Vcr tretung 14, außerdem fanden bei 38 Kesselreinigungcn 90 Mitglieder Beschäftigung. Der Jahres-Kasscnbericht ergab eine Einnahme von 9700,66 M. und eine Ausgabe von 8557,91 M.. und betrug der Kassenbestand am Schlüsse des Jahrs zuzüglich des alten Bestands 10134,80 M. Unter den Ausgaben fungieren unter andern:: Verband 2854,60 Mark, Arbeitslosen-Unterstütznng 1521 M., sonstige Unterstützungen mit 684 M., Sterbegelder 445 M., Versand des Fachorgans 650,73 Mark usw. Die Neuwahl resp. Wiederwahl der ausscheidenden Vorstands- Mitglieder ergab: H. Holz, 1. Vorsitzender, Wilh. Döring, 2. Vor- sitzender, H. Schwittau, Schriftführer,! als Beisitzer Reich und Wilsdorf. Der Allgemeine Arbeiter- mid Arbcitcrinnenverein nahm am 23. Januar in seiner Generalversammlung den Bericht über die letzte Vierteljahrs-Abrcchnnng entgegen. Danach betrugen die Ein- nahmen 124,35 M. Bestand vom dritten Quartal 109,50 M., die Ausgaben 47,60 M., bleibt Bestand 185,25 M. Auf Antrag der Revisoren wird dem Kassirer Decharge erteilt. Alsdann wurde die Wahl des Vorstands vorgenommen: Erster Vors. Viercrbe, zweiter Vors. Voß, erster Kaff. Feirat, zweiter Kass. Swenn, Schrififührer Vielett und Schneider, Revisoren Waise, Renner und Fräulein Trode. In der Anöfchußsitzung dcS Arbeiter- Sängerbundes Berlins nnd Umgegend vom 14. Januar wurden aufgenommen die Vereine:„Geselligkeit",„Dorncnrose",.Männerchor Sangeslust' und„Freiheit Moabit". Die Abrechnung vom Sängerfest 1899 in Weißensee ergab eine Einnahme von 5094,20 M., eine Ausgabe von 2367,20 M., bleibt ein Bestand von 2727 M. Hierauf wurde das Komitee entlastet. Ferner wurde noch beschlossen, auch in diesem Jahre eine Feier zu Ehren der Märzgefallenen zu veraustaltcn, und wurde der Vorstand beauftragt, sich nach einem geeigneten Lokal umzusehen. Der Verband des techuischc» Bühnenpersonals hielt am 20. Januar seine erste Gcncralvcrsainiiilnng im„Englischen Hof", Neue Ntoßstraßc 3, ab. Nach dem Kassenbericht besitzt der Verein ein Vermögen von 409,91 M. Leider sind eine Anzahl Mitglieder er- hcblich mit den Beiträgen im Rückstände. An zahlenden Mitgliedern zählt der Verband 113. Es fanden 5 Vorstandssitzungen und 4 Versammlungen statt. Von den 23 an Berliner Bühnen aus- gegebenen Fragebogen sind nur 12 bisher eingegangeii. nichts- dcstowcniger soll die Statistik auf sämtliche Bühnen Deutsch- lands ausgedehnt werden. Weiter wurde die Gründung eines Arbeitsnachweises beschlossen und mit den Funktionen desselben Kollege G ö tz k e betraut.— Unter Verschiedenes kommt nian auf den nun« mehr bereits beendeten Ausstand der Hamburger Kollegen zu sprechen. Ferner wird vor Zuzug nach Altona gewarnt,' wo füiis Kollegen des Stadttheaters wegen einer Lohnerhöhung streiken. Gerügt wird ferner, daß der Sekretär eines hiesigen bekannten Theaters' den Kollegen ihren am 16. fälligen Lohn erst nach Beschwerde bei der Direktion auszahlte und noch höchst entrüstet über eine solche„Belästigung der Direktion thnt. In Zukunft sollen alle solche Mißstände au Theatern der Oeffentlichkeit übergeben werden. Rixdorf. Eine gut besuchte Gewerkschaftsversammlung fand am Montag in der Vereinsbraucrei statt. Dieselbe beschäftigte sich ii. a. mit dem Ausstände der Möbelpolierer bei L a b o r e n z. Weber als Referent schilderte den Verlauf der Angelegenheit, nnd nach einer Diskussion, in der den Kämpfenden die volle Sympathie aller Anwesenden zugesichert wurde, nahm man einstinmiig eine Resolution an, die das Verhalten des Herrn Laborenz aufs schärfste venitteilte. Genosse M a ss a ts ch führte dann noch einige besondere eklatante Fälle von Unternehmerterrorismus an. Unter „Verschiedenes" wurde auf den Streik der Einsetzer hingewiesen und auch eine Angelegenheit erwähnt, deren KemitniS unter der Rixdorfer Arbeiterschaft weiteste Verbreitung verdient. Ein bei dem Schlächter meister Knebel in der Lessingstt. 24 beschäftigter Geselle hatte eine öffentliche Versammlung einberufen, um unter den Rixdorfer Schlächtergesellen eine Organisation ins Leben zu rufen. Der für die Versammlung gewonnene Referent gab unvorsichtiger weise seine Zusage zum Referat auf einer offenen Postkarte, die dem Meister des Einberufers in die Finger fiel. Wohl nicht in einem ursächlichen, sicher aber in einem zeitlichen Zusammenhang niit dem Eintreffen dieser Karte wurde der Geselle von Herrn Knebel entlassen606. moraen»«Nhr Statimien Swinemde Hamburg Berlin Wiesbaden München Wie» Z5 ä? 761 WNW 765 WSW 764 WNW 771 NW 771 W 760 NNW Wetter 4 Dunst 2, Nebel 3Rcgen Lbcdeckt 6 wolkig bRegcn 0 s e'- Q. 1! i» Siaiionen LS 3E Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris S| 762 Still 766SW 754SSW 775s Wetter »S bV »» i» «s. Nebel kRegen 7 bedeckt L.bcdeckt -13 lo 8 ö Wetter- Prognose für Sonnabend, den 27. Januar 1666. EtwaS wärmer, zeitweile ausklarend, vorherrschend wolkig mit geringen Niederschlägen und fttschen südwestlichen Wuiden. Berliner Wetterburequ. Verantwortlicher Redacteur: Paul Joh« w Berlin. Für den Jnseratmtett verantwortlich: Th. Glocke in Perlin. Druck und Bettag von Max Babing m Berlin.