MnterhaltungMatt des Vorwärts Nr. 6. Sonnabend den 7. Januar. 1911 (Nachdruck oetooten.) 5] pelle der Eroberer. Roman von Martin Andersen Nexö. „Nimm auch'n Schluck!" flüsterte Lasse und hielt ihm heimlich die Flasche hin.„Aber paß auf, daß er es nich' sieht, denn er is bos. Er is'n Jude. Pelle wollte keinen Schnaps haben.„Was is ein Jude für einer?" fragte er flüsternd. „Ein Jude— herrjemine, Jung', weißt Du das denn nich? Die Juden haben ja doch Christus gekreuzigt, und darum müssen sie nu über die ganze Welt wandern und Woll- kram und Nadeln und sowas verkaufen: und betrügen tun sie überall, wo sie hinkommen. Weißt Du nich' noch den, der Mutter Benzta mit ihrem schönen Haar anführte? Ach ne, das war woll vor Deine Zeit— das war auch'n Jüd'. Er kam einen Tag als ich nich' zu Haus war und packte all feinen feinen Kram aus. Da waren Kämme und Nadeln mit blaue Glasköpfe und die feinsten Kopftücher. Und. die Weibsleute könn'n ja gegen solchen feinen Kram nich' an, sie werden so wie, ich will mal sagen, wie einer von uns, wenn uns einer'ne Flasche Branntwein vor die Nase hält. Mutter Benzta hatte ja nu kein Geld, aber der verfluchte Teufel wollt ihr das feinste Kopftuch geben, wenn er ihr'n End' von ihrem Zopf abschneiden dürft. Und da schneid't er ihn ihr ganz oben in'n Nacken ab. Herr du meines Lebens, war sie wie Stahl und Feuerstein, wenn sie wütend wurd'— sie prügelt ihn mit'n Feuerhaken aus'n Haus raus. Aber den Zopf, den nahm er mit, und das Tuch war der reine Jux, wie das ja auch nich' anders zu erwarten war. Denn die Juden das sind verdammte Teufel, sie haben unfern Herrn Jesus—" Lasse fing wieder von vorne an. Pelle hörte soeben noch des Vaters leises Brummen. Es handelte von Mutter Benzta, aber die war ja tot und lag jetzt in der schwarzen Erde— sie knöpfte ihm sein Unter- leibchen nicht mehr im Rücken zu und wärmte seine Hände nicht mehr, wenn ihn fror.— So, also Rosinen gab es hier zu Lande im Schtveinebraten: die mußten ja Geld wie Heu haben. Auf den Wegen lag nun zwar kein Geld herum, und sonderlich fein sahen die Häuser und Gehöfte auchogerade nicht aus. Aber das sonderbarste war, daß der Erdboden hier die- selbe Farbe hatte wie zu Hause, obwohl es ein fremdes Land war. In Tommelilla hatte er eine Landkarte gesehen, auf der jedes Land seine eigene Farbe hatte. Aber das waren dann ja Lügen! Lasses Mundwerk war schon längst stehen geblieben, er schlief, den Kopf auf dem Rücken des Jungen. Er hatte der- gesscn, die Flasche zu verstecken. Pelle wollte sie gerade in das Stroh hineinschieben, als der Verwalter— der übrigens kein Jüte, sondern ein See- ländcr war— sich im selben Augenblick umwendete und sie erblickte. Er hieß den Linaben, sie in den Graben werfen. Zur Mittagszeit erreichten sie ihren Bestimmungsort. Lasse erwachte als sie auf das Pflaster des großen Hofplatzes rollten und tastete mechanisch im Stroh herum. Aber Plötz- lich besann er sich darauf, wo er war und wurde mit einem Ruck nüchtern. Dies also war ihr neues Heim! Das einzige, woran sie sich zu halten hatten, wovon sie auf dieser Welt etwas zu erwarten hatten. Und als er sich auf dem großen Hof umsah, wo die Mittagsglocke gerade läutete und Knechte und Mägde und Tagelöhner aus allen Türen rief, da der- schwand sein Selbstvertrauen. Ein verzweifeltes Gefühl von Wehrlosigkeit überwältigte ihn und machte sein Gesicht in ohnmächtiger Sorge um den Sohn erzittern. Seine Hände bebten unter ihm, als er aus dem Wagen kroch: er stand da unschlüssig und allen den forschenden Blicken dort vom Eingang zu dem mächtigen Keller des Wohnhauses preisgegeben. Sie schwatzten über ihn und den Jungen und lachten bereits. In seiner Verwirrung griff er zu dem Ent- schluß, gleich von vornherein einen so günstigen Eindruck wie nur möglich zu machen, und fing an, die Mütze tief vor jedem einzelnen abzunehmen: der Knabe stand daneben und niachte es ebenso wie der Vater. Das erinnerte an die Clowns auf dem Jahrmarkt, und dort lachten sie laut und verbeugten sich nachahmend, sie fingen auch an, laut zu rufe». Aber dann kam der Verwalter wieder nach dem Wagen hinaus und sie verschwanden schnell in den Keller hinein. Oben vom Wohn- hause her ertönte ein ferner eintöniger Laut, der nicht wieder aufhören wollte und unwillkürlich dazu beitrug, nieder- drückend auf die beiden zu Cnrken. „Steht doch nicht da und stellt Euch an," sagte der Ver- Walter hart—„macht, daß Ihr zu den anderen herunter- kommt und Euch den Bauch vollschlagt. Ihr werdet noch Zeit genug haben, ihnen Affenkomödie vorzuspielen." Bei diesen ermunternden Worten ergriff der Alte die Hand des Knaben und trottelte, verzweifelten Sinns, langsam auf den Keller zu. In seinem Innern weinte es aus allen Quellen nach Tommelilla und Kungstorpet. Pelle drängte sich ängstlich an ihn. Das Unerwartete war in beider Phan- tasie plötzlich zu einem bösen Unwetter geworden. Unten im Kcllergang klang der merkwürdig langgezogene Laut verstärkt, und es ging ihnen beiden auf einmal auf, daß es das Weinen einer Frau war. 2. Steengaarden, das in Zukunft Lasses und Pelles Heiin sein sollte, war eines der größten Güter auf der Insel. Aber alte Leute wußten sich zu erinnern, daß, als ihre Großeltern Kinder waren, nur eine Häuslerstelle mit zwei Pferden dort gelegen hatte: das batte einem Vevest Köller, einein Enkel von Jens Kofod, dem Befreier von Bornholm gehört. Unter ihm ward aus der Stelle ein Gut— er arbeitete sich zu Tode, gönnte weder sich noch anderen das Essen. Und die beiden Dinge vererbten sich in der Familie von einer Generation auf die andere— das schlechte Essen und das Bedürfnis sich aus- zubreiten. Die Felder in dieser Gegend waren vor noch nicht gar zu vielen Menschenaltern Steine und Heidekraut gewesen: die kleinen Leute hatten die Erde gebrochen und einer nach dem andern hatte sich totgearbeitet, um sie in Kultur zu halten. Rings um Steengaarden herum wohnten lauter Häusler und Büdner, die nur zwei Pferde hielten, Leute, die mit Schweiß und Hunger gekauft hatten, und von denen man ebensogut denken konnte, daß sie das Grab ihrer Eltern verkaufen würden wie ihren kleinen Besitz: sie hingen daran, bis sis davongingen, oder bis irgend ein Unglücksfall sie verschlang. Aber die Familie auf Steensgaarden wollte kaufen— beständig kaufen und sich ausbreiten, und dazu konnte sie nur durch Unglücksfälle gelangen. Ueberall wo Mißwachs und Krankheit und Unglück mit dem Vieh einen Mann traf, so daß er schwankte, kauften die Köllers. So wuchs Steengarden, be- kam viele Gebäude und viel Schwerkraft; es ward ein so schwerer Nachbar, wie das Meer es ist, dort wo es von der Erde des Landmannes zehrt, Feld für Feld, und wo nichts da- gegen zu machen ist. So wurde einer aufgefressen und dann der nächste: jeder wußte, daß auch an ihn die Reihe kommen würde, früher oder später. Niemand rechtet mit dem Meere: aber alles, was an Bösem und Unheimlichem über dem Leben des Armen brütete, kam von dort oben hergeschwebt. Dort hausten die Mächte der Finsternis, ängstliche Geniüter zeigten immer nach Steensgaarden hinauf.„Es ist gut gedüngter Boden", pflegten die Leute in der Umgegend mit einem eigenen Tonfall zu sagen, der einen Fluch in sich schloß: weiter aber wagten sie sich nicht. Das Geschlecht der Köllers war nicht sentimental, es ge- dieh vortrefflich in dem trüben Licht, das aus so vielen ängst- lichen Gemütern auf den Hof fiel— und empfand das als Macht. Die Männer waren aufgelegt zu Trunk und Llarten- spiel, aber sie tranken nie mehr, als daß sie sehen und ihren Verstand gebrauchen konnten, und verspielten sie zu Anfang des Abends ein Pferd, so pflegten sie im Laufe der Nacht zwei zu gewinnen. Als Lasse und Pelle nach Steengaarder? kamen, erinnerten sich ältere Häusler noch des Bauern aus�h r er Kindheit, des Janus Köller, der mehr als alle andern Schwung in die Sache gebracht hatte. In seinci Jugend kämpfte er eines Nachts um zwölf Uhr oben im Kirchturm mit dem Bösen und über- wand ihn— und seither gelang ihni alles. Wie sich das nun verhalten haben inochte, jedenfalls ging zu seiner Zeit ein Nachbar nach dem andern zu Grunde, und Janus ging umher und übernahm sie. Hatte er ein Pferd nötig, so gewann er es im Dreikart— und so auf allen Gebieten: der Teufel legt alles für ihn zurecht. Sein größtes Vergnügen war eS, wilde Pferdc einzufahren, und wer zufällig in der Chrisinacht um zwölf geboren war, konnte ganz deutlich den Bösen bei ihm ans dem Kutscherbock sitzen und die Zügel halten sehen. Ihm selber ward ein arger Tod zuteil, wie das ja auch nicht anders zu erwarten war! Eines Morgens in der Frühe kamen die Pferde aus den Hof nach Hause gelausen, und ihn selber fand man am Wegesrand, den Kops gegen einen Baum zer- schmettert. Sein Sohu war der letzte Stsengaard-Bausr von dieser Familie. Er war ein toller Teufel mit viel Gutem darin: wenn jemand anderer Meinung war als er, so schlug er ihn nieder; aber er half stets denen, die im Unglück waren. Auf die Weise kam es, daß niemals jemand von Haus und Heim mußte: und da es nun doch einmal in ihm lag. daß auch er das Gehöft vergrößern sollte, so kaufte er Land in der Heide und zwischen den Klippen. Aber er ließ es klugerweise als das Jux liegen, das es war. Er band viele durch seine Handreichungen an den Hos und machte sie abhängig, so daß sie es nie wieder verwanden: die Häusler mußten ihre eigene Arbeit verlassen, wenn er nach ihnen schickte, und er war nie in Ver- legenheit um billige Arbeitskräfte. Was der Mann bot. war kaum Armerlcuteessen, aber er aß immer selbst aus der Schüssel mit den anderen. Und der Pfarrer war in seinen, letzten Stiindlein bei ihm, es war nichts auf feinen Heimgang zu sagen. Er hatte zwei kerngesunde Frauen totgekegen, und alleS, was er davon hatte, war eine Tochter von der letzten. Und sie war nicht einmal so ganz ordentlich. Schon als sie erst elf Jahre alt tvar, kam das Blut über sie— sie rannte den Männern nach und drängte sich an alle heran. Aber niemand wagte auch nur, sie anzusehen, denn sie waren bange van dem Schießgewehr des Steengaard-Bauern. Später legte sie sich aus das strikte Gegenteil, sie staffierte sich mit einem Stock aus wie ein Mann und trieb sich allein draußen in den Klippen herum, statt sich mit etwas Häuslichem zu beschäftigen. Sie ließ niemand an sich herankommen. itongsdrup, der jetzige Steensgaard-Bauer, war kor- ipulent. Er kam vor ungefähr zwanzig Iahren von anders- woher nach der Insel, und bis jetzt war noch niemand aus ihm klug geworden. Er hatte damals die Gewohnheit, sich in der Heide herumzutreiben und nichts zu tun. genau so wie sie. und da war es dann ja nicht so wunderlich, daß er vor das Schießgewehr des Alten kam und sich mit ihr verheiraten mußte. Aber schrecklich war es. Er war ein wunderlicher Kauz, aber vielleicht waren die Leute dort, woher er kam, so? Er hatte bald einen Einfall, bald einen anderen, erhöhte den Tagclohn, ohne daß ihn jemand daruni geboten hatte, und errichtete einen Steinbruch mit Akkordarbeit. So klügelte er gleick, zu Anfang allerlei Rarrenstreiche aus, überließ es den Häuslern, ob sie frei- willig zur Arbeit auf den Hof kommen wollten: es ging so weit mit ihm. daß er sie im Regenwetter nach Hause schickte. damit sie ihr Korn bergen sollten— wahrend das seine dastand und verfaulte. Aber die Sacke ging ja natürlich auch schief, und allmählich mußte er seine Narrheiten in sich hineinfressen. Die Leute dort in der Gegend fanden sich in die Ab- Hängigkeit, ohne zu murren. Von» Vater aus den Sohn waren sie es gewohnt, durch die Tore von Eteengaarden ein- und auszugehen und zu verrichten, was von Urnen verlangt wurde— so pflichtgemäß wie frohe Bauern. Dafür ließen sie all ihr Bedürfnis an Tragödie, die ganze Angst des Lebens, die finstere Mystik über Eteengaarden los. Sie ließen den Teufel da oben hausen, Dreikart mit den Männern um ihre Seelen spielen— und bei den Frauen liegen: und sie nahmen die Mütze vor den Leuten aus Steengaarden tiefer ab als vor anderen. Dies alles hatte sich im Laufe der Jahre wohl ein wenig geändert, der ärgste Stachel war von dem Aberglauben abgc- fchliffen. Aber die böse Lust, die über Herrensitzen liegt— über allen großen Aufhäufungen von den,. loa:- den Bielen gchoren sollte— lag auch schwer über Steengaarden. Es war das Urteil des kleinen Ma ines, seine einzige Rache für sich und die Seine»'.. Lasse und Pelle wiisirst:, schnell die drückende Luft und sahen mit den halbjurchtjamc»' Augen der andern,„och ehe sie selbst etwas Eigentliches geyört hatten. Namentlich Lasse tte ein Gefühl, als könne er hier nie so recht froh werde,,. schwer, wie es beständig auf einem lag. Und dann das Weinen, das man sich nicht erklären konnte t lSortsttzuna folflil (ZisSdruck Wtisiat} 4} Der ÜungerkunMer. Von Hermann Hei j er m ans. Saä ist das Bestreben, alles Unnötige, Ueberslsissige, soweit nur immer möglich abzustreifen, um so fiir weitere Fortbildung Play zu schaffe».' Einer großen Anzahl von Vorteilen, die seine tierischen Ahnen besessen haben, ist der Mensch im Laufe seiner Entwicklung verlustig gegange». Nock die Neandertalrasse war, wie Klaatsch be- tont, sicherlich in vielen Fähigkeiten dem modernen Menschen über- legen. Aber für den Verlust hat der Mensch weit Wertvolleres ein- gerauscht: die unbegrenzte Bildungssäbigkeit seines Gehirns, die gesteigerte Leistungsfähigkeit mit der Hand und die artikulierte Sprache haben jene zahlreichen Verluste reichlich wettgemacht. Auch heute noch danern diese Beränderungen fort, und so wird also, wie Wiedersheim hervorhebt, der Menich der fernen Zukunft in manchen Dingen ein anderer sein als der der Gegenwart.— Vor der Macht dieser Zeugnisreihe für die tierische Abkunft des Menschen müßten die Gegner der Eniwickellingslehre die Waffe strecken, soser» ihrem Kampfe gegen die Deszendenztheorie nicht andere Gründe als nur das Strebe» nach Erkenntnis der Wahrbeil zugrunde lägen. Solcher Gründe gibt es freilich viele. Nur einer, der älteste und stärkste, sei hier genannt: der„antbropozen- irische Aberglaube'. Bon Kindesbeinen auf wird uns gelehrt im Miitelpunkt der ganzen Welt steht der Mensch. Für ihn und nur für ihn ist sie erschaffen worden; er toard zum Herrscher eingesetzt »über die Fische nn Wtcer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieb und über die ganze Erde". Eine Irrlehre, die für die rechte Erkenntnis der Dinge ebenso verhängnisvoll ist wie jene erst von KopernikuS— den Luther noch einen.Narren' schalt, der»die ganze Kunst �.stronomino umbkehren" wollte— und Newton entthronte„geozentrische Lehre' eS war, die da predigte, die Erde sei der Angelpunkt des Weltalls. Nicht losgelöst aus seiner Umgebung, nicht ein Ueberirdisches, ein Halbgott, sondern nur der„Erste der Ersten', der primus prirnatiurn, steht der Mensch „mit festen, markigen Knochen auf der wohlgegründeten, dauernden Erde". „Der Ehrgeiz', schließen wir unsere Beirachtungen mit Brocas ebenso wahren wie schönen Worten,„der eine der hervorstechendsten Züge men'chlicher Nainr ist, hat in vielen Geistern den Sieg über das Zeugnis der nüchternen Vernunft davongetragen. Wie jene römischen Imperatoren, im Gefühle ihrer Allmacht trunken, schließ- lich ihr Menschentum leugneten und sich Halbgötter dünkten, so ge- fällt sich der König unseres Planeten in der Vorstellung, das elende Tier, das seinen Launen unterworfen, könne nichts mit seiner eigenen Natur gemein haben. Die Nachbarschaft des Affen ist ihm lästig; es genügt ihm nicht, die Krone der Lebewesen zu sein. Er will, daß ihn eine unermeßliche,, unüberbrückbare Kluft von diesen Wesen scheide, und so flüchtet er. der Erde den Rücken kehrend, gelegentlich seine bedrohte Majestät in die nebelhaften Re- gionen des.Menschenreiches'. Aber die Anatomie, jenem Sklaven vergleichbar, der hinter dem Wagen des TriumphatorS einherfchritt und beständig rief:„Bedenke, daß du ein Menich nur bist'—, die Anatomie siort ihn in dieser tiaiven Seibstbewunderung und ruft ihm i»S Gedächtnis, daß die sichtliche greifbare Wirklich- keit ihn mit den, Tierreiche verbindet.' Schach, Unter Leitung von S. A l a p i n. Lösung(Retrospektives Problein von S. Lohd, 81. Dezember). Weiß: Kh7; DhO; Th8; Tg6; 8k8; Sal; BB a7, b4, b3, c2, d2, s2, g5, h2. Schwarz: Kg4; Tg8; LbS; BB b6, o7, 67, e6, f5, k-t, g7. Forderung: 4ff=. Mittelst: 1. gSXfßf(„en passant"). 1..... Kg-1— fö; 2. Tgii— göf, Kf5— e4; 3. DhO— göf, Ke4— d4; 4. c2— c3=ft(bezw. 4. Dd3ch:j. Es handelt sich um die„Beweis- f ü h r u n g', daß der letzte Zug von Schwarz(durch den die Diagrammstellung entstanden ist) k7— kö war, was das„Du passurt- Schlagen' im ersten Zuge der Lösung rechtfertigen würde. Eine Untersuchung der Diagraminstellung ergibt zunächst: A. Mindestens einer der schwarzen Doppelbauern(kö oder 54) ist während der Partie durch S ch l a g e n(!) weißer Steine von b7 gekommen. Da aber dem Weißen nur seine 2 ursprünglichen Läufer fehlen(in der Diagranimstelllmg befinden fich noch alle anderen 14 weißen Sleine unversehrts, so kann, weil sowohl auf einem weißen als auf eine», schwarzen Felde geschlagen wurde, nur Bk4 von h7 gekouniien sein und zwar mittels: h7Xk6(Schlagfall des ursprünglichen Dkl), dann gO— g5(ohne zu ichlagen) und endlich göXk�(Jchlagfall des Dal). Andere Schlagsälle weißer Steine sind wävreud der Partie nicht vorgekommen. B. Die Baucrnstellung von Weiß im Diagrami» ist nur in der Voraussetzung erklärlich, daß Ba7 von f2 durch sünsinaligeS Schlagen auf den schwarzen Feldern der Diagonale k2—»7 gekonimen ist(f2Xo3Xd4Xc5Xb6Xa7). Dieser iveiße Ba7 hat also den ursprüngliche» Dv8, der fich nur auf weißen Feldern bewegte, nicht schlagen können. Das Diagramm weist lv schwarze Steine auf. 0 sind also während der Partie ge- schlagen worden(kein siebenter Schlagfall!). Hiervon entfallen, wie schon erklärt, ö Schlagfqlle auf den Ba7. Der sechste Schlaa'all(des ursprünglichen DcS auf einem weiße» Felde) kann also nur von einem der weißen Doppelbauern b3 und b4 und zwar auf dem weißen Felde b3 bewirkt worden sein. Andere Schlagsälle schwarzer Steine sind während ter Partie nicht vorgekommen! "Ptraatw. Redakteur; Richard Barth, Berlin.— Druck u. Verlag: Die Feststellungen der obigen Nnsersuchnng unter A(Schlag» fälle weißer Steine! und B(Schtagfölle schwarzer Steine) werden zu folgenden Schlußfolgerungen genügen. Der letzte(zur Diagraminstellung unmittelbar ftihrende) Zug von Schwarz konnie kein Kölligszug gewesen sein, denn die Felder kö, 54. gö sind besetzt; von g3 oder 53 konnte Kg4 nicht gekommen sein, weil er dort im.Schach' der noch nicht gezogene»(!) weißen Bauern(?) e2 oder h2 gestanden wäre, was n i e möglich istß von hö oder h4 auch nicht, weil er dort im Schach der DhO gestanden wäre, obne daß diese letzlere im vorletzten Zuge(alio im letzten von Weiß) nach hO von irgend einem nicht Schach bietenden Felde gelangen konnte. Endlich ist auch die Voraussetzung Hinfällig, der letzte Zug von Sckwarz könnte etwa in DhO— g4 bestehen; denn diese Voraussetzung wäre(bei», Staude der DhO) nur durch die Zugfolge 0') li-lXsSf, Kh3— g4 erklärlich. Wir Haben aber unter B gesehen, daß sämtliche sechs Schlagfälle schwarzer Steine auf die BB a7, b3 oder b4 entfallen, demnach kann ein siebenter Schlagfall, in„I»4Xgi>" bestehend, nicht vorausgesetzt werden. Also endgültig kern Königszug. Der letzte Zug von Schwarz war weder von Db3 noch von Tg8 vollbracht, iveil alle Felder, woher diese Steine im letzten Zuge ge- kommen sein konnten, im Diagramm besetzt sind. Die Bauern c7, 67 und g7 sieben noch auf ihren ursprünglichen Plätzen, haben überhaupt noch nicht gezogen und haben demnach auch den letzten Zug nicht ausführen können. I>k4 ist es nicht gewesen, denn wir haben unter A gesehen, daß er während der Partie von gö(g5X54 als Schlagfall deS Dol) gekommen ist. DieS konnte jedoch im letzten Zuge nicht geschehen sein, weil im Diagramin gö besetzt ist. Der Zug b7— bO ist zwar in der Partie einmal geschehen, kann aber als letzter nicht gedacht werden, weil erst nach diesem Zuge der ursprünglich LcS(der laut B auf b3 geschlagen worden ist) ziehen konnte. Aus demselben Grunde(deS Dk3, der im Diagramm schon auf b3 steht) kann auch an»7—«0 als letzten Zug von Schwarz nicht gedacht werden. Auch 57XoO ist unmöglich, weil unter A schon ausgeführt worden ist, daß.X"(Schlagen) nur auf Bk4 anwendbar ist. Aus obigem erhellt, daß der gesuchte letzte Zug von Schwarz n n r vom Bkö vollbracht sein konnte. Warum aber nicht kO— 5ö? (Was das Schlagen„en passant' nicht berechtigen würde.) Dieser schwierigste Teil der Beweisführung soll wegen Platzmangel das nächste Mal behandelt werden. kleines feuilleton. Sprachwissenschaftliches. Rabeneltern. Im sogenannten Jahrhundert des KindeS liest man mehr als sonst daS böse Wori„Rabeneltern'. Um es gleich zu sagen: das Wort ist für den wirklichen Rabenvater und die wirkliche Rabenmutter eine Verleumdung und Ehrabschneiderei schlimmster Art und der Deutsche Sprachverein hofft, sich den Dank des Tier» schutzvereins zu verdienen, wenn er hier versucht, den Raben weiß zu waschen. Es gab eine Zeit, wo dieser Bogel das höchste An- sehen genoß. Als Tier des Schlachtfeldes gehörte er zur nächsten Umgebung des höchsten Gottes(Wodan, Odin), der zugleich Schlachtengott war. Die Nordgermanen dachten sich Odin mit einem Raben auf jeder Schulter, und so hat er noch heute in unseren Namen(Wolfram, aus Wolhraban, Bertram u. a.) einen Ehrenplatz. Natürlich tat ihn nach der Bekehrung der Germanen zum Christenium die Geistlichkeit, weil er zum h ndnischen Glauben gehörte, in Acht und Bann, und es ist nicht ausgeschlossen, daß damals die Geistlichen jene böse Mär erfunden haben, daß die Raben bei allzu reichlichem Kindersegen einen Teil ihrer Sprößlinge kurzerhand aus dem Neste an die Luft be- förderten. Das erzählt unter vielen anderen Fabeleien die älteste deutsche Naturgeschichie von Konrad v.Megenberg(l3ö0). Rollcnhagen in seinem Froschnieuseler(löliö) berichtet sogar, daß sie ihre Kinder im Reste zer- reißen. Ein Unglück konimt selten allein. Da der Rabe i» der Nähe des Galgens ständiger Gast war, so namite man den ge- mauerten Richiplatz Rabenstein, einen Menschen, den man gern am Galgen baumeln gesehen hälte. Rabenmann. Rabenfultcr, Rabenaas, die Weiber Rabenstück, Radenbaut, Rabenbraien uiw. So wurde schließlich Raben ganz allgemein zur Berwünichuna, zu einer Art Fluch, wie noch heure der Sieiermärker rabenfalich. rabeniauer. raben- zähe usw. sagt. Neben jener falschen naturwissenschaftlichen Meinung begünstigte also auch der Sprachgebrauch das Entstehen der Worre Rabenvater, Rabenmutter, Rabeneltern. Demgegenüber er« zählte vor einigen Jahren in der„Slroßburger Post' ein Forstmann ein Beispiel rührendster Aufopferung einer Rabenmutter für ihre Kleine» und wies auf das Unredn bin, das man den Rabeneltern lue. Auch in Brehms Tierlcben liest mau, daß„alle Raben, dem verleumderischen Sprichworie zun» Trotz, als die treuesten Eltern bezeichnet werde» dürften". Warum verwendet man nicht lieber, um lieblose Eltern zu bezeichnen, den Kuckuck? Das Kuckucksweibchen ficht ja jedes fremde Rest als FindelhauS an, legt seine Eier hiuem und kümmert sich nicht mehr darum. ').v' soll die N u m m e r deS letztKt, unnrittclbar zur Diagramm» stellnng fübrendeii Zuges vorstelle»._ LorwärtsBuchdruckereiu.VerlagsanitaltPaulSinger�Eo.,BerlinLA5.