Nr. 33. Adsmument»-Kedingungen: «bonnement«- Preis pränumerando! vierleljährl. SM Mk., monatl. 1,10 Mr.. wöchentlich 2S Psg. frei tnS Haus. Einzelne Nummer S Psg, Sonntags- Nummer mit tllullrterter Sonntags- Vellage„Tie Neue Welt- 10 Pfg. Post- Abonnement: SM Marl pro Quartal. Eingetragen tn der Post- Zettung»» Prettltste für ig 00 unter Nr. 7»7l. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland s Marl pro Mon«, Erscheint täglich ausser Montag». Derlinev Volksblskk. 17. Jahrg. Die Instrtilms- Gebühr beträgt sür die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum Sll Pfg., fite politische und gewerks chastliche BereinS- und BersammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anseigen" jede» Wort 5 Psg. (nur da» erstejffiort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen biS 4 Uhr nachmittags tn derExpediiion abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher:»mt I, Nr. 1203. Telegramm-Adresse: „Sorialdemostrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutfthiands. Redaktion: 19, Beuth-Strahe 2. Sonntag, den£8. Januar 1900. Expedition: SW. 19, Veuth-Strafze 3. Die alte Methode. Wir haben gestern nachgewiesen, daß der erste Erfolg der großen Schlachtflotte sein würde, das Budgetrecht des Reichstags in den Grund zu bohren. Die Methode, die dabei von der Regierung be- folgt wird, ist nicht neu: sie besteht einfach darin, der Volksvertretung den Schein der Freiheit zu lassen, aber sie thatsächlich so festzulegen, daß sie bei dem ersten Versuche, von ihrer Freiheit wirklichen Gc brauch zumachen, über ihre eigenen Beine purzelt. Die Erfolge dieser Methode wurzeln in der Halbheit der bürgerlichen Oppositions- Parteien, die nicht die Courage haben, das klare Nein zu sprechen, das sie allein zum Siege führen kann und sicher zum Siege führen muß, sondern die schon froh sind, wenn die Regierung ihnen erläßt, ein klares Ja zu sagen, und sich damit begnügt, ein verfassungs- rechtliches Dunkel zu schassen, worin gut munkeln ist, nämlich für die Regierung. Leider sehen wir das Unheil schon wieder in vollem Zuge. kaum daß die neue Flottenvorlage bekannt geworden ist. Der Berliner Korrespondent der„Frankfurter Zeitung*, der sogar das Gras wachsen hört, geschweige denn, daß er die geheimsten Falten freisinniger und ultramontancr Mannesseelen zu erforschen weiß, hat bereits die„Thatsache" festgestellt,„daß wie im Centrum. so auch auf der Linken einer solchen Vorlage gegenüber nicht ohne weiteres mit einem kurzen Ja oder Nein Stellung genommen werden dürfte." Ist dem so, und leider muß man befürchten, daß dem so ist, so ist die alte Methode der Regierung auf dem besten Wege,� einen neuen Erfolg zu erringen. Keine bürgerliche Partei, der die Rechte des Reichstags mehr gelten als einen Pappenstiel, hat zu der neuen Flottenvorlage etwas andres zu sagen, als ein kurzes Nein. Jede bürgerliche Partei weiß aus der preußischen und deutschen Verfassungsgeschichte, daß die Annahme, die diese Vorlage zu erwecken sucht, als könne der Reichstag de» „Gesamtplan" genehmigen und dann bei der Ausführung dieses Planes noch wirksam mitreden, ein trügerischer Schein ist; jede bürgerliche Partei muß darauf festgenagelt werden, daß sie keinen ärgeren Verrat an den Rechten des Volkes begeht, wenn sie der Regierung einfach cartv blanche in Flottcnfragen erteilt, als wenn sie diesem Gesetzentwurfe zustimmt. In der That fängt die Aera des Marinismus genau so an, wie vor vierzig Jahren die Aera des Militarismus. Als die preußische Regierung im Jahre 1860 die Reorganisation des Heeres be- gehrte, konnte das preußische Abgeordnetenhaus diesen Plänen einen unzerbrechlichen Riegel vorschieben, indem es die Mittel verweigerte. oder aber wenn die bürgerliche Mehrheit des Hauses die Reorganisation aus irgend welchen Gründen für notwendig hielt, die Mittel nur unter Bedingungen gewährte, die den bürgerlichen Klassen einen Anteil an der Regierung sicherten. Um das eine oder das andre zu thun, war nichts nötig, als einige politische Einsicht und ein ganz klein wenig Courage, der das Herz bei einigem Stirnrunzeln des damaligen Königs— der beiläufig, so lange die Militärfrage schwebte, einen liberalen Schimmer annahm— nicht gleich in die Hosen fiel. Statt dessen aber ließ sich die liberale Mehrheit nach eben der Methode einseifen, die jetzt wieder bei der Flottenvorlage angewandt werden soll; die Regierung sagte ihr: Wir wollen ja gar nicht, daß Ihr Eure Mannesseelen' dem Moloch des Militarismus für ewig verschreibt, aber denkt doch an das „größere Preußen", an das Ansehen des preußischen Namens, an die bedrohliche Weltlage und bewilligt die Kosten der Reorganisation nur auf ein kurzes Jährchen, dann könnt Ihr sie in Ewigkeit ver- weigern, denn heilig sei Euer konstitutionelles Recht! Auf diese märchenhafte Dummheit ließ sich das preußische Abgeordnetenhaus wirklich ein; es bewilligte die Kosten der Reorganisation auf ein und dann noch auf ein kurzes Jährchen, aber als es nunmehr diese Kosten verweigerte, sagte ihm die Regierung kaltblütig: Ihr seid wohl nicht recht bei Tröste! Es ist wirklich etwas hart, daß nach- dem auch die sanftmütigsten Historiker über die damalige Taktik des preußischen Abgeordnetenhauses sich klar geworden sind, erleuchtete Köpfe der freisinnigen und ultramontanen Opposition nicht mit einem kurzen Ja oder Nein darüber zu entscheiden wagen, ob der deutsche Reichstag abermals eine so märchenhaste Dummheit be- gehen soll. Das preußische Abgeordnetenhaus versuchte damals noch einige Jahre hindurch eine» Widerstand, worin es aber auch jener alten Methode der Regierung unterlag. Weil» das Haus sagte, der Staatshaushalt müsse verfassungsmäßig durch ein Gesetz festgestellt werden, zu dem wiederum verfassungsmäßig die Zustimmung der Volksvertretung gehöre—, so antwortete Bismarck: Ganz recht, aber zu einem Gesetz gehört verfassungsmäßig auch die Zustimmung der Krone, und darüber steht nichts in der Verfassung, was zu ge- schehen hat. wenn sich Krone und Volksvertretung über das Staats- haushalts-Gesetz nicht einigen können. Mit dieser„Lückentheorie" focht Bismarck theoretisch den Verfassungskonflikt aus, und die „Lücke" bestand thatsächlich in der preußischen Verfassnng,— dank der Feigheit der bürgerlichen Opposition. Sie hatte bei der Be- ratung der Verfassung vor fünfzig Jahren die„Lücke" sehr wohl be- merkt und bei einiger Entschlossenheit hätte sie ihr abhelfen können, aber sie ließ sich damals durch dieselben nebelhaften Redensarten über die ja gar nicht bestrittenen Rechte der Volksvertretung be- thören, wie wir sie heute wieder bis zum Ueberdruß hören. Auch dafür, wie es nach der Genehmigung der Flottenvorlage bei irgend einem Einspruch des Reichstags gegen die Art ihrer Aus- führung kommen würde, bietet die prcilßisch-delttsche VerfassimgS- gefchichte Beispiele genug. Nehmen wir das allcrnächstliegcnde, den ersten, noch sehr bescheidenen Versuch des Reichs, eine Flotte auf Pump zu bauen. Im Herbst 1867 verlangte Bismarck vom Norddeutschen Reichstag eine Bundesanleihe für die Kosten der Marine und der Küstenbefestigung, doch scheiterte die Vorlage daran, daß der Büschs?» rat dem Reichstag nicht das von diesem, nach den einfachsten kon- stituttonellen Begriffen geforderte Klagerccht gegen die Beamten der Bundes-Schuldenverwaltung bewilligen wollte. Im Jahre 1863 brachte Bismarck den Entwurf wieder ein unter der Drohung: Flotte oder Konflikt?, allein es gelang der glänzenden Beredsamkeit des Herrn Miguel, den Reichstag zu überzeugen, daß er sein kon- stitutionellcs Recht nicht verraten dürfe. Erzürnt zog Bismarck nun die Vorlage zurück und— doch hören wir den weitern Verlauf, wie ihn die glänzende Feder des Herrn Miguel in dem offiziellen Bericht der damaligen nationalliberalen Partei schildert: „Die beschlossene Anleihe durfte nunmehr nicht aufgenommen werden. Nicht allein der Schiffsbau wurde sistiert, sondern aus Geldmangel ordnete die Marineverwaltung unter Verantwortlich keit des Bundeskanzlers Ersparnisse im ordentlichen Marinc-Etat an:„dringende A rsb e i t e n wurden e i n g e st e l l t, Schiffe abgetakelt, selb st die mühsam zu sa>n m e Ii gebrachte« Schiffswerk st ättcn aufgelöst, die Arbeiter entlassen, die Ergebnisse vieler Jahre gefährdet, und die gesamte Flotte in Ge- fahr der Stockung und des Verfalls gebracht. Der Bundeskanzler hatte aus dieser Absicht kein Hehl gemacht, und die Beweise der wirklichen Ansführnng des Unglaublichen ließen keinen Ztveifel zu. Nach erkannter Gefahr beschloß unsre Partei einmütig, das drohende Verderben von der Flotte abzuwenden." Und nachdem Herr Miguel seinen und seiner Freunde Umfall näher geschildert hat, fährt er fort:„Mancher Vorwurf der Inkonsequenz Ivurde laut unter verwandten Parteien, die an dem früheren Beschluß fest- hielten. Die formgemäße Berechtigung des Vorwurfs sei dahin- gestellt, uns zwang die sichtbare Gefahr der Flotte Man muß dem Miguel von 1863 dankbar sein für die klassische Meisterschaft, womit er die Karte des Miguel von 1900 aufgedeckt hat, obschon der heutige Miguel mit ironisch-staatsmännischer Uebcrlegcn heit auf den damaligen Miguel herabsehen wird. Die herrschende Reaktion scheut sich nie, das„Vaterland wehrlos zu machen", wenn sie ihre eigensüchtigen Zwecke durchsetzen will; sich durch pompöse Schlagworte ins Bockshorn jagen zu lassen, das überläßt sie bcreittvillig der bürgerlichen Opposition. Sagt man aber, die heutigen Freisinnigen und Ultramontanen würden nicht so leicht umfallen, wie die damaligen Nationalliberalen, nun wohl, so mögen sie damit beginnen, die Flottenvorlage von der Schwelle zu weisen. Was dabei herauskommt, das Wesentliche eines Rechts preiszugeben und dann um irgend eine Fornifrage dritten oder vierten Ranges die Schlacht anzunehmen, das zeigen die Septennatswahlen von 1887, wo die Freisinnigen und die Ultramontanen„jeden Mann und jeden Groschen" bewilligten und nur wegen ganz nebensächlichen Fragen: Triennat oder Scptennat? eine Entscheidung herausforderten, die ihnen die lchönsteu Prügel eintrug. Nachträglich großmäulige Redens� arten über„Angstwahlcn" zu drechseln, das macht den Kohl auch nicht fett; sollen die bürgerlichen Wähler keine „Augstivahlen" machen, so haben die bürgerlichen Volksvertreter vor allem nicht die Angstmeier zu spielen, die de» Karren von vorn- herein in den Sumpf schieben. Die Politik der Regierung ist ganz gut verständlich. Brächte ie den Flottenplan mit all seinen ungeheuerlichen Konsequenzen ans Tageslicht, so würde der Widersinn in sich selbst zusammen- brechen. Deshalb versucht sie es mit jener alten Methode, die ich ihr seit fünfzig Jahren so trefflich bewährt hat. Die Volks Vertreter aber, die sich anschicken sollten, wieder auf diesen ver- brauchten Leim zu gehen,, müssen den Wähler» denunziert iverdcn als schuldig, sei es beispielloser Unfähigkeit oder beispiellosen Verrats.—__ Nolitifrsze Mebevfirhk. Berlin, den 27. Januar. Die Flotte und die Parteien. Der neue Flottenplan hat unter den Parteien eine große Ver- Imming angerichtet. Namentlich sind es die Konservativen und die Freisinnigen, die sich sehr unbehaglich fühlen. Die Agrarier sind im Grunde gegen die Flotte, sie müssen aber aus parteipolittschen Gründen für sie sein und sie trösten sich mit dem Gedanken, daß ihnen die Milliarden- Pump- Marine unter allen Umständen höhere Getreidezölle einbringen muß. Gleichwohl verhehlen sie sich nicht, daß ihr ländlicher Anhang nichts von der„Liebesgabe für Handel und Industrie" wissen will, und daß sie eine Auflösung des Reichstags in die schlimmste Lage bringen würde. Insbesondere sind die antisemitischen Kleinbauern stramme Gegner der„Weltpolitik". mag auch die verlogene„Staatsbürger-Zeitung" noch so sehr von der Einigkeit in der Flottenfrage schwindeln. Die„Deusche Tageszeitung" vom Bund der Landwirte äußert sich denn auch beinahe ablehnend gegenüber der Vorlage. Umgekehrt geht es den Freisinnigen. Sie sind innerlich für die Vorlage, wagen aber»och nicht ganz, die Tradition zu verlassen. Die liberale Bourgeoisie hat keinerlei ideale Bedenken mehr gegen den Militarismus, den staubigen und den ivässerigen. Der Nationalliberalismus hat solche Bedenken längst nicht mehr. Die Freisinnige Vereinigung" hat schon vor Jahr und Tag kapituliert. Jetzt bröckelt'S bei den freisinnigen BolkSpartcilern und auch die süd- deutschen Demokraten sind keinestvegs mehr fest gegen die See- krankheit. Eugen Richter mag es noch so sehr ableugnen, er kennt noch besser als wir die Schwierigkeiten, die man ihm im eigenen Lager bereitet. Es ist ja auch ganz natürlich. Der freisinnige Kapitalist glaubt ja zwar nicht an den fabelhaften Zusammenhang von Exporthandel und Panzerschiffen, aber er ist entweder selbst JnHußrieller oder er besitzr wenigstens Jnd und sgeiß wohl, was ein Sechs-Milliarden-Anftrag— und das ist nur ein Anfang einer unendlichen Reihe— für die Steigerung seines Profits und seiner Papiere bedeutet. Darum sind die Volkspartcilcr— trotz Eugen Richter— für die Flotte. Wieder anders steht es mit dem ausschlaggebenden Centrum. In ihm kreuzen sich industrielle und agrarische, Unternehmer- und Arbeiter- Interessen. Darum betrachtet es die Angelegenheit rein vom Stand- Punkt der parlamentarisch-politischen Macht. Welche Haltung ist ge- eignet, das Centrum als Partei zu erhalten und stärken— so stellt das Centrum die Frage. Daher das fortwährende Lavieren, die Un- ehrlichkeit und Unzuverlässigkeit dieser Partei. Einstweilen beschäftigt sich die Ccntrumspresse— und das ist das Gescheiteste, was sie thun kann mit der Dcckungsfrage. Die„Germania" spricht von einem „halben Flottengesetz" und schreibt recht unwirsch: Die„Novelle" zum Flottengesetze. welche nunmehr dem Reichstage unterbreitet worden ist, macht in der That den Eindruck der Halbheit; sie ist halb G e s e tz e n t>v u r f, insoweit dabei die äußere gesetzgeberische Form gewahrt ist, und halb Programm, soweit der In- halt dieser Vorlage in Betracht kommt. Sie tritt im äußeren Gewände einer Novelle zum Flottcngesetz vom 10. April 1838 auf und doch wieder als ein selbständiger Gesetzentwurf. Nicht im legislativen Text der„Novelle" selbst, sondern in der durchaus unverbindlichen Begründung wird summarisch erklärt:„Die übrigen Bestimmungen des Flvttengesctzes werden hierdurch nicht berührt."... Im§ 3 der Flottennovelle heißt es:„Die Bereit st ellung der infolge dieses Gesetzes erforderlichen Mittel unterliegt der jährlichen' Festsetzung durch den Rcichshaushalts-Etat." Das ist wiederum nur ein' h a l b e s Etatsrecht, wenn nicht gar nur ein Scheinrccht. Die größte Halbheit, die auch den Freunden einer Flotten- Vermehrung die Novelle sowohl in ihrem Text als in der bei- gegebenen Bcgrüiidinig als unzulänglich erscheiuen läßt, ist die Deckungsfrage. Im Text der Novelle ist kein Wort darüber enthalten, die Begründung geht darüber mit einer verblüffenden Gleichgültigkeit in zwei kurzen Absätzen hinweg. Furchtbar einfach!'„Kostenpunkt Nebensache! Deckung sehr fatal; aber na. wenn nicht anders geht, dann Pump!" Wir nieinen dagegen, daß diejenigen, welche bei ihrer Flotten- schivärmerci so sehr von der Ehre und Würde des Deutschen Reichs begeistert sind, doch schließlich selbst das Gefühl haben müssen, daß eine solche Pump Wirtschaft nicht nur zur Er- bauung der deutschen Flotte, sondern sogar zur Deckung der ordent- lichen Jahrcsausgaben des Deutschen Reiches unwürdig ist.� Wir wenigstens können uns des Eindrucks nicht erwehren, daß eine u n s o li d e Fin a n z w i r ts ch a ft, die so leichtherzig in An« leihen„fortzuwursteln" sucht, ebenso das Ansehen des Deutschen Reichs beeinträchtigen wie seine Finanzlage erschüttern muß." Die„Germania" schließt: „Also warten wir ab, wie die halbe Flottenvorlage in ihrer gesetzgeberischen Fonnulierung sowohl wie in ihrer Ergänzung durch die finanzpolitische Lösung der Dcckungsfrage ihre not- Iv endige Ergänzung finden wird. Vorläufig haben wir ja noch die Gewißheit, die bei der Beratung des Flotten- gesctzcs so viel gepriesene ausreichend starke Flotte zu befitzen." Das ist zwar sehr wenig, sehr unverbindlich, aber es ist doch etums. Aber nicht einmal dieses„etwas"— die DeckungSfrage— wird unter den Händen Liebers fest bleiben; auch hier wird sich alles in ein schlammiges und schwammiges Kompromiß auflösen— wenn man nach den früheren Erfahrungen schließt. Die Docialdemokratie zeigt sich wieder einmal als die einzige principielle Partei, die dem kulturverwüstendcn Militarismus und MarinismuS Widerstand zu leisten vermag. Es ist ihr Stolz, worüber das Frankfurter Deniokratenblatt v!a Berlin höhnte, daß sie auf solche Vorlagen die Antwort von vornherein fertig hat; das schließt nicht aus, sondern bedingt, daß sie ihre Antwort auch bis in alle Einzelheiten hinein sorgfältig begründet. Rechtsverweigerung und Gewiffenszwung. Die Verschleppung des„Fall Arons" durch das preußische Staatsministerium beschäftigt zur Zeit die Presse. Eine Eitt- schuldigung dafür findet nicht einmal die„Post".—„Eine endgültige Entscheidung sollte dem Staatsministerium unter solchen Umständen doch nicht schwer fallen können." Wir können das Verfahren nur als einen flagranten Fall von RechtSschmälerung auffassen. Durch die Snsvendicrung vom 13. April 1899 ist Arons trotz glänzenden Freispruchs durch die Fakultät vom 22. Juli bereits um volle zwei Semester seiner Lehrthätigkeit gebracht und für ein drittes auf alle Fälle schwer geschädigt, da das Vorlesungsverzeichnis für das Sommersemester bereits festgestellt ist. Wäre Arons ein Beamter mit Gehalt, so würde er während der Zeit seiner Suspendierung die Hälfte desselben fortbcziehen-- würde unter solchen Umständen die gleiche Vcrschleppuna� Politik befolgt werden? Begreiflich ist ja. daß das Ministerium immer wieder zaudert, sich zu blamieren. Vermutlich wird allerdings bei diesem Zaudern eine potenzierte Blamage herauskommen. Die„Franks. Ztg." erfährt aus dem Kultusministerium, man beabsichtige zwar im P r i n c i p zu entscheiden, daß ein Socialdemokrai nicht Privatdocent sein dürfe, daß aber dem S o c i a l d e m o k r a ten A r o n s die Erlaubnis, an der Berliner Universität Vorlesungen zu halten, nicht zu entziehen sei— er solle nur einen Verweis erhalten. Wir halten die Nachricht für durchaus glaubwürdig— zumal sie uns von einer Seite> die aus einem andren Ministerium gut berichtet zu sein pflegt, bestätigt wird. Un- verständlich bleibt uns nur, aus welchem Grunde die„Frank- ürter Zeitung" diesen Ausgang für„höchst erfreulich" halten tpürde.. Dieses»NttsMhmegesetz" zu Gunsten des Genossen SfronS ist doch in Wahrheit nichts als die Reckesche Methode, die der verflossene Minister an den kanalfeindlichen Landräten verübte. Die preußische Regierung hat sich einfach darüber schlüssig zu machen, ob ein Privatdocent eine eigene politische Ueberzeugung haben dürfe, die er natürlich als ehr- licher Mensch auch'zu bethätigen hat, oder nicht. Veriveiaert die Regierung dies Menschenrecht ihren Wissenschastsbeamten, so hat Genosse Arons nichts mehr an der Universität zu suchen, auf die das Brandmal der pflichtgemäßen Gesinnungslosigkeit von dem Ministerium gedrückt sein würde. Erkennt sie das Recht aber an, so ist der Fall endgültig erledigt und das Attentat der Gesinnungsriecher ist zum Heil der Institution abgewehrt. Eine Vermittlung zwischen beiden Möglichkeiten in der Weise, welche die Genugtuung des demokratischen Frank- furter Blattes erweckt, würde nur zu der Vergewaltigung der Ueberzeugung noch die feige Heuchelei Hinzuthun. Eine Halbheit wäre hier eine Verdoppelung des Unwürdigen. Ja oder nein— ein Drittes giebt es nicht. Verneint aber die Regierung, wie anzunehmen ist, das Recht, daß ein Lehrer der Wissenschaft die Ueberzeugung haben und folglich bethätigen dürfe, die er für wahr hält, so hat überhaupt kein charaktervoller Mann mehr die Möglich- keit, an einer Universität zu wirken, und es würde sich schließlich die wirkliche Wissenschaft außerhalb der Zunft eine Stätte suchen, wie ja der Untergang der Universitäten in den romanischen Ländern durch den vom Klerikalismus aus- geübten Ueberzeugungszwang bewirkt worden ist. Ein Mann der Wissenschaft hat die Pflicht, seiner Ueberzeugung zu dienen. Er darf nicht nur außerhalb seines eigentlichen Faches der Weltanschauung huldigen, die er für die richtige hält, worum es sich im Fall Arons nur handelt, sondern er muß auch die Möglichkeit haben, seine sociale und politische Ansicht im Hörsaal frei zu bethätigen. sofern es sein Fach ist, politische und sociale Probleme zu erörtern. Wir denken nicht allzu hoch von den Gelehrten der heutigen Bourgeoisie. Das aber wissen wir, daß eine nicht ganz geringe Anzahl unsrer Professoren von der Wahrheit der socialistischen Lehre innerlich überzeugt ist. Wird der klerikale Gewissenszwang auf den Universitäten, die der„freie Protestantismus" schuf. jetzt von Staats wegen geübt, so bedeutet das nichts andres. als daß man die geistigen Führer von den Universitäten ver- treibt oder sie zu einer würdelosen Verhehlung ihrer Meinung zwingt. In diesem Sinne ist die principielle Entscheidung im Falle Arons eine moralische und intellektuelle Lebensfrage für unser Universitätswesen. Die Rücksicht auf die Person ist dabei ganz gleichgültig. Die Regierung hat sich eindeutig ohne Kompromiß zu entscheiden, sie hat zu richte». nicht über den Genossen Arons, sondern über sich selbst und die Universitäten.— «* # Deutsches Weichs Ein Sittenbild. Die jüdische„Kreuz-Zcitung" des BnllhanS-Leipzigcr widmet Kaisers Geburtstag einen Artikel, von dem die folgenden Sätze fest- gehalten seien: „Auf den Adlersfittigen der Begeisterung strebt heute die Festsieude des deutschen Bolls empor zu der stolzen Höhe deS Hohenzollernthrons. Wenn all die unzählbaren Segens- wünsche. Huldigungen, Gelübde und Dank- e m p findung en. die an Kaisers Geburtstag die Herzen des Volkes, aller deutschen Stämme vom Fels zum Meer durchpulsen, sichtbare Gestalt annähmen, welch ein ungeheures Schauspiel würde sich dem entzückten Blick darbieten! Kaisers Geburtstag ist ein Feiertag von echt volkstümlichem Gepräge, es ist kein ccrc- moniöser Gedenktag, kein anbefohlener Huldigungstag, es ist ein Tag, wo in impulsiv sich a u f b ä u m e n d c m Stolz das ganze Volk um seinen Kaiser sich schart, wo in Palast und Hütte alle guten Geister der deutschen Treue lebendig werden und nach einem Ausdruck der freudige» Hingabe suchen. Heute fallen d i e S ch r a n k e n, die den geheiligten Bezirk des Herrschers umhegen, heute ist der stolze Tag, wo das Volk der Person deS Kaisers und Königs so nahe tritt, wie niemals im Jahr, wo der Kaiser in landesväterlicher Huld seinen Unterthnncn das Herz weit öffnet, wo er die schöne Geimgthuung empfinden darf, daß die sorgenvollen Mühen und die ernste Arbeit seines hohen Be- rufes eine Aussaat auf fruchtbarem Boden gewesen sind. An Kaisers Geburtstag einigen wir uns alle um das Palladium unsres herrlichsten Besitzes. Der Kaiser ist der Träger all der Macht und des Glückes, der Hüter und Förderer all der Kräfte und Ideale, die aus der Arberl des gesamten Volkes er- wachsen und die erst in der festen leitenden Hand auf scgensvollc Ziele geführt werden. Der Kaiser ist die Inkarnation d e r schwer errungenen deutschen Herrlichkeit, und daß wir an unsenn Kaiser einen Mehrer und Förderer des Reichs, eine stark aufstrebende Kraft besitzen, da« rst unsre Freude und unser Stolz." Es wuroe uns einmal niit aller Bestimmtheit versichert, daß dieses Blatt im Schlosse gelesen wird, und zwar nicht nur in Aus- schnitten, sondern in ganzer natürlicher Größe.— Der Kaiser iiber das Flottengcsctz von 1�S8. In einem Telegramm an den Brcmenser Senatspräsidentcn äußerte Wilhelm II. am 29. März 1898 über die Wirkung des soeben im Reichstag an- genommenen Entwurfs: „Wie das deutsche Heer uns den Frieden zu Lande gesichert hat, so wird die deutsche Flotte uns den Frieden zur See und damit die Entwicklung der Schiffahrt sichern. Das war vor zwei Jahren. Und heute soll dieselbe Flotte gänzlich untauglich sein!— Die Sorge für die Marinelieferanten. Wie die„Berliner Neueste Nachr." erfahren, hat der Staatssekretär des Rcichs-Marinc- Amts, Tirpitz, im Interesse der Förderung des gesamten deutschen Schiffsbanes im Laufe des vergangenen Sommerhalbjahrs eine eigene Kommission eingesetzt. Drcse hat die besondere Ausgabe, die jeweilige Lage des Schi'ffSbaues zu prüfen, um der Erörterung von Fragen näher zu treten, in welcher Weise der deutsche Schiffs- bau nach allen Richtungen hin am zweckmäßigsten gefördert werden kann. Die erste Schöpfung dieser Kommission ist der Milliardenauftrag des neuen Flottengesetzes. So fördert mau in der That de» Schiffsbau.— „Seine Majestät der Kaiser und König haben allergnädigst geruht, aus Anlaß allerhöchstihres heutigen Geburtstages den nachstehend genannten Personen Auszeichnungen zu verleihen, und zwar: den Wilhelm-Orden: dem Staatsminister. Kaiserlichen Wirk- kichen Geheimen Rat und Staatssekretär des Innern Dr. Grafen v. PosadowSky-Wehner, das Großkreuz des Roten Adler- Ordens mit Eichenlaub: dem Staats- und Justizminister Schönstedt; daS Großkreuz des Roten Adler-Ordens dem Staatsminister und Minister für Landwirtschast, Do- mänen und Forsten Freiherrn v. H a m n, e r st e i n- L o x t e n; den Roten Adler-Orden erster Klasse mit Eichenlaub und Schwerte« am Ringe: dem Staatsminister und Minister der geistlichen, Unter- richts- und Medizinal- Angelegenheiten Dr. S t u d t; den Roten Adler-Orden erster Klasse mit Eichenlaub: den» Vice-Admiral T isi' p i tz, Etaatsnnnister, Staatssekretär des Reichs-Marinc-Amts; den Stern zum Roten Adler-Orden zweiter Klasse mit Eichenlaub: dem Staats- minister und Minister des Innern Freiherrn von Rhein babe n," So berichtet der„Reichs-Anzeiger".— Sinkende Zollcumahme». Während die Rechcngaukler der Floltenagilaiion mit steigenden Zvlleinnahmen rechnen, sinke» sie in Wirklichkeit. Vom 1. April 1899 bis 31, Dezember 1399 ergaben die Zölle beinahe 12 Millionen weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Auch die andern Steuerposttionen haben einen Rück- gang erlitten und nur der Steigerung der Zucker- und Salzstcuer sowie der Verbrauchsabgabe von Branntwein ist eS zu danken, daß nicht auch die G e s a m i- Einnahmen zurückgegangen sind, sondern ein kleines Mehr von 4 Millionen aufweisen.— Ter Diskont der Rcichsbank ist auf öl/- Proz, der Lombard- Zinsfuß für Darlehen gegen Berpsändnng von Effekten und Waren auf 6'/« Proz. herabgesetzt worden. Das ist immer noch verhälmis- mäßig hocki. Am 12. Januar erfolgte die Ermäßigung des Diskonts von 7 ans 6 Proz. Bor Jahresfrist betrug der Diskontsatz schon vom 17. Januar ab S Proz., um am 21. Februar auf 4�/2 Proz. und ant 9. Mai auf 4 Proz. herabgesetzt zu werden.— Die Bölkcrverhctzung wird zu Gunsten der Flottenvorlage aus Herzenslust betrieben. So reist ein chinesischer Torpedo- direktor a.D. Kretzschmar im Lande umher und giebt z.B. folgenden Unsinn zum besten: „Vier Wochen lang wagten diese Engländer ein deutsches Schiff festzuhalten, nur um uns recht augenfällig zu zeigen, wie klein wir in maritimer Bezichmig find. So muffen wir denn Schiffe bauen und rüsten zur See mit der größtmöglichen Beschleunigung." Das Kindische dieser Aeußerung wird nur durch ihre Unwahr- haftigkeit übertroffen,— Sonderbare Begründung. In den amtlichen Mitteilungen aus den Jahresberichten der Gewerbe-Aiisstchtsbeamten lesen wir in dem Kapitel über die Arbeitszeit lBade»>: „Manchmal wird zugestandenermaßen in Fabriken die Arbeits- zeit deswegen nicht verkürzt, weil man zu verhindern wünscht, daß die Arbeiter durch Nebenarbeiten, namentlich durch landwirtschaftliche Arbeiten, sich ermüden und daß sie ruhebedürftig i» die Fabrik kommen." DaS ist doch mal eine vernünftige Vorbeugungspolitik: damit die Arbeiter nicht erst in Versuchung geraten, sich durch die so schäd- liche landwirtschaftliche Arbeit für den eigenen Nutzen zu ermüden, gestattet man ihnen, sich durch die gesunde Fabrikarbeit zum Nutzen des Unternehmers so zu überarbeiten', daß sie danach an nichts Weiler mehr denken, ivie schlafen.— Ein arges Fiasko hat die sächsische Siaatsbahn- Verwaltung mit ihrer Gegenorganisation der Eisenbahner gemacht. Die Geschichte wurde bekanntlich angekündigt als eine Organisation gegen den an- geblich socialdemokratischen Eisenbahner-Verband. Die Gründung ist jetzt vor sich gegangen. Ganze f ü n fz i g A r b e i t e r waren in der Versammlung anwesend. Der großartige Plan zur Organi- sierung der Arbeiter entpuppt sich als eine sogenannte„Blnmenkaffe" zur Beschaffung von Kranzspenden bei Todesfällen. Auch sollen „Veranstaltungen" zur Pflege des guten Einvernehmens zwischen Verwaltung und Angestellten gemacht werden. So denkt man sich also in den Kreisen der sächsischen Staats- bahn-Berwaltnng die Beimtzimg des KoantionSrcchtS der Arbeiter! Leider kommt sie damit etlvas zu spät. Solche harmlosen Blumen- lassen bestehen bei den sächsischen Eisenbahnern schon von Alters her mehrere. Sie haben nickt zn hiiidcr» vermocht, daß die Leute zu der Einsicht gekommen sind, daß sie zur Wahrung ihrer Jntereffeii der modernen geiverkschastlicheii Organisation bedürfen. Es kriselt in den alten„Blumenkasten" schon lange und wenn die 50 Mann, die sich mit Ach und Krach zum Besuche dieser Versammlung bc- wegen ließen, eine Weile„Blnmcnkasse" gespielt haben werden, werden sie sich auch auf etlvas Besseres besinnen. Die Religio» im Hanptbnchc. Beim sächsischen Ministerium des Innern ist nngcrcgr worden, ans die religiöse Entwicklung der Schüler gciverblicher. landwirtschafilichcr und Handelsschulen ein- zntvirke». DaS Ministerium hält diese Frage für ungemein wichtig und bezeichnet es als sclbstvcr'ständliche Aufgabe auch dieser Fach- chulen, für die religiöse Entwicklung ihrer Schüler zu sorgen. Dazu bedürfe es aber keines besonderen, dem Stundenplair eingefügten Religionsunterrichts. Gelegentliche kurze Aeußcrungen des Lehrers über das. ivas seine Seele erfülle, würden die Wirkungen, als von einem väterlichen Freunde stammend, nicht verfehlen. Wir denken uns das in der That außerordentlich erbaulich und wirksam. Wenn der Lehrer seine Schüler in die Geheimnisse von Soll und Haben einweiht, wie naheliegend ist cS da, ans die im praktischen Leben so häufigen unheilbaren Differenzen zwischen der Sollseite und der Habenseite hinzuweisen und dabei zu christlicher Ergebung in des Schicksals unerforschlichen Ratschluß zu mahnen. Ebenso nahe liegt es in der landiuirtschastlichen Schule, den Schülern klar zu mache», wie all' ihre Wissenschaft vergeblich ist, wenn nicht die gnädige Hand des Schicksals über den wogenden Kornähren waltet. So sind unzählige Gelegenheiten denkbar. Ivo der Lehrer das, was seine Seele bewegt, in väterlich milden Worten ausgießen kann in die zarten Herzen der Zöglinge. Reichs- Gesundheitsrat. Die bevorstehende Schaffung eines Gesetzes über die Bekämpfung der gemeingefährlichen Krankheiten hat der Münchener„Allg. Ztg." zufolge die verbündeten Regierungen veranlaßt, die Errichtung eines Reichs-GcsundheitsratS in Verbindung init dem kaiserl. Gesundheitsamt in die Wege zu leiten. Der Reichs- Gesnndheitsrat ist als ständiger Beirat der Reichsbehörden bei der Erörterung von Fragen, die das Gesundheitswesen des gesamten Reichs betreffen, gedacht. Der Gesundhcitsrat soll unter dem Prä- sidentcn deS Gcsnndheitsamtö stcbe». Als Mitglieder, die nur im Ehrenamt thätig sein sollen, werden vorausstchtlick' hervorragende Fachgelehrte ans den einschlägigen Gebieten der Gesundheitspflege mid Vertreter der einschlägigen rechnischen Gebiete solvie höhere Verwaltungobcamte in Aussicht geiionmicu werden. Die Kosten für den Geiundheitsrat sollen sich demzufolge der Hauptsache nach auf Ncisckoste», Tagegelder und Burcaubcdü'rfniffc beschränken.— Die BcrufSgenoffenschaften über das UnfallversicherungS- Gesetz. Am Mittivoch und Donnerstag hat in Berlin der Ausschuß des Verbandes der Berufsg'eiiossenschaften getagt, um die Novolle zum Uiifallvcrsichcrnngs-Gcsetz einer Prüfling zu unterziehen.„Wenn der Ausschuß sich auch nicht mit allen' Bc- stiinmungen der Vorlage einverstanden erklären konnte»nd beim Reichstag eine Reihe von Abänderungen beantragen wird, so hat man sich doch dem Gesetzentwurf im großen und ganzen zustimmend gegenüber gestellt. Man erkennt an, so berichten die Bcruisgenossen- sch'aften über ihre Ausschußfitzung. daß die Vorlage vielfache Ver- besierimgen des jetzt geltenden Gesetzes enthält, und ist bereit, die den Be r u f s g e n o s s e n s ch a f t e n zu Gunsten der Ver- sicherten auferlegten neuen Lasten zu übernehmen, sofern im übrigen an dem Priiicip der Selbstverwaltung estgehalteN wird." Kulturbcttcl. In Bahnhofshallen und an sonstigen öffent- lichcn Orten sieht man gegenwärtig Sammelbüchsen, die„einen Pfennig" für die Errichtung von Lungenheilstätten er- bitten. So bettelt man sich pfennigweise milde Gaben für einen der wichtigsten Kulturzwecke zusammen, während man von Reichs- wegen Milliarden für sinnlose Zcrstörungsmittel vergeuden will. Wir empfahlen das umgekehrte Vctiiabre». fordere man von der öffentlichen Mildthätigkeit„einen Pfennig" für die Flotte.— Bald so— bald so. In der.Kmiz-Zeitung" lesen wir: Der Abg. G oth e i n von der Freifinnige» Vöreinigimg hatte die Geschmacklosigkeit, von dem„auS dem' Bürgerstande in den «dkl abgeschobenen Dr. Siemens" z« sprechcir. Das„ B» r» liner Tageblatt" ist über diese„überaus passende und witzige Wendung" ganz entzückt und hofft, daß sie noch einmal ein geflügeltes Wort werden werde. Vor wenigen Wochen, als die NöbiliiieruNg des Herrn Georg Siemens gemeldet wurde, war das „Berliner Tageblatt" noch ganz andrer Mginjgng., Stolz hgb sich damals seine Brust ob dieser Ehrung eines der Temigen und schon glauble es die Morgenröte einer schöneren politischen Zukunft heraufziehen zu sehen. Die„Kreuz-Zeitung" hat recht. Aber eigentlich ist das„Tage- blatt" diesmal»och nicht auf seiner ganzen Hohe. Im korrekten Mossestiel würde das„Tageblatt" schreiben:„WaS wir sofort bei der Nachricht von der Nobilitierung des Abg. Siemens aussührten, hat nun auch der Abgeordnete Goihein im Landtag bemerkt, daß nämlich... usw."-- Ein seiner Journalist. Der„Münchener Post" geht aus Augs- bürg die Meldung zu, daß ihr Berichterstatter Martin Gruber. der am dortigen Schwurgericht die Verhandlungen deS Krawallprozesies aufnahm, vom Gericht wegen Ungebühr zu mehreren Tagen Haft verurteilt und sofort verhaltet wurde. Eifrig stenographierend und auf seine Umgebung nicht achtend, hatte er über eine Aeußerung des Vorsitzenden eine Bemerkung vor sich hin gemurmelt, die er laut und öffentlich nicht gesagt haben würde. Einem Menschen, der auch als Journalist der Verhandlung beiwohnte, war dieie Bemerkung doch nicht entgangen; er denunzierte sie sofort dem Gericht und darauf erfolgte die Ver- urteilung. Die„Münchener Post" ist leider noch nicht in der Lage, den Namen deS Burschen zu nennen, verspricht aber, es zu thun, sobald sie ihn festgestellt hat. Das ist auch dringend zu wünschen. Die öffentliche Brandmarkung sylches Menschen ist die gerechteste Strafe. Chroilik der MajcstätSbcleidlgnngS-Prozeffe. Wegen Majestätsbeleidigung wurde am 26. d. M. vor der Strafkammer in Halle gegen den Obstpächter Paul H e n n i g aus Wurp verhandelt. Die Verhandlung war öffent- l i ch und ergab, daß der Angeklagte von der eigenen Ehe- frau denunziert worden war. Der Schwiegervater, der ihm zur Zeit ebenfalls feindlich gesinnt war. erschien eines Tags bei dem Gemeinde- Vorsteher m Wurp und machte die Meldung, sein Schwiegersohn habe gesagt, er wolle gegen den Kaiser etlvas unternehmen und das Berliner Schloß.'in die Luft schießen". Der Gemeinde- Vorsteher schien die ganze Angelegenheit schon damals richtig über- schaut zn haben und meinte heute, er habe die Sache nicht näher untersncht, weil er sie für„Quatsch" gehalten habe. Der Angeklagte war i» Haft genommen und da»» gegen eine Sicherung von 600 M. wieder freigelassen worden. Seine Frau sowie sein Schwiegervater und sein Schwager machte» von dem Recht der Zeuginsverweigerung Gebrauch, worauf der Slantsanwalt Frei- s p r c ch u ii g beantragte und der Gerichtshof demgemäß erkannte. Deutsche Beschwerden i» Amerika. Washington, 26. Januar. Der Staatssekretär Hah übersandte dem Sprecher des Repräsentantenhauses Abschriften der von dem deutschen Botschaftor v. Holleben übermittelten deutsche» Beschwerden gegen die bei der Einfuhr von Waren aus Deutschland in den Vereinigten Staaten angewandten Zoll- b e st i m m u n g e ii zur Vorlage an das HahS, Deutschland führt darin Klage darüber, daß die Beglaubigung der Ursprungs- zengnisse durch die amerikanischen Konsularbeamten dieselben in den Stand setze, Jiiformationcn zu erlangen, welche zum Schaden des deutschen Handels ausgenutzt werden, könnten, wenn sie der amerikanischen Konkurrenz bekannt würden; ferner darüber, daß die amerikanischen Zolltaxatoren diese Zeugnisse nicht beachteten, sondern ihre Entscheidungen auf angebliche Thatsachen basierte�. von denen den Exporteuren nichts bekannt sei. Der Schatzsekretar Gage bemerkt in seinem Begleitschreiben zu diesen deutschen Beschwerden, daß das zur Zeit beobachtete Verfahren durch Gesetz von 1890 angeordnet sei und für alle fremden Länder in gleicher Weise Geltung habe. Der deutsche Botschafter hält in einem Schreiben an den Staatssekretär Hai) daran fest, daß das amerikanische Verfahren in hohem Maße geeignet sei, den deutschen Exporthandel zu schädigen, und ersucht ihn, die Beschwerden in Er- ivagung zn ziehen entwrcchcnd den zwischen beiden Ländern be- stehenden jrenndschaftlichen Bezichungen.— Ausland. bestreich-Nngar». Mißglückte Biirgermcistcrwahl. Prag, 26. Januar. Auch die heutige Bürgernieisterwahl verlief ohne endgültiges Er- g e b Ii i s; der Ältczeche Srb erhielt 43. Podlipntz 42 Stimmen; in acht Tagen findet eine Wiederholung des Wahlganges statt. Das Publikum bereitete Podlipnh Ovationen und verhöhnte die Alt- czcchcii. Auf dem Wenzelsplatz fanden Ansammlungen statt; die Menge wurde jedoch von der Sichcrhcitswache zum Auseinandergehen bewogen.— Schweiz. St. Gallen, 2S. Januar.ou Orleans, einer der franzofifchen Thronprätendeinen, ist wieder einmal mit Monarchismus hausieren gegangen. Er hatte in Uorkhouse die An- geklagten des Staatsgerichtshofs bei Tiscke um sich und las ihnen eine Rede vor, in«denen er ihnen zuerst für ihre Treue dankte, worauf er fortfuhr:„Jetzt ans Werl, entschlossen wie bisher! Die republikanische Negienuig hat uns durch einen nie gut zu machenden Fehler Gelegenheit geboten, dem Volke zn zeigen, was wir find und was wir wollen. Sagen wir es laut: Alles, was national ist, das ist unser. Ich wende mich 'urchtlos an alle wahren Franzosen, jede Mitwirkung, welcher Richtung immer, ist mir willlommen, wenn sie sich in derselben Liebe Frankreichs und des Heeres mit mir begegnet. Ich habe bereits auf. den Ilebermut der Spekulation und der rohen Selbstsucht der iüdischen mid iiitcrnntionalcn Mächte hingewiesen. Die Republik hat sich vor diesen Mächten verneigen müssen. Die Monorchie kann das nicht thun. Sie vergißt niemals, daß es ihre erste Pflicht ist, die Schwachen gegen jede Bedrückung zu schützen. Die Unterrichts- Freiheit ist von der die Regierung beherrschenden Frcimaurersckte schwer bedroht. Wir werden in der ersten Reihe ihrer Verteidiger siehen. Wir werden auch die große Sache de? VerbindungsrechteS entschlossen Ucrtcidigeiu Erinnern luir Frankreich unablässig daran, daß es immer nur vorübergehend Ruhni und Wohlergehen hatte. wenn es das Recht des königlichen Hauses verkannte". > Jeder Geschäftsreisende lobt ja schließlich seine Ware. Aber die Franzosen werden sich doch ihre Republik durch, die schönen Redens- arten nicht verekeln lassen.— Spanien. Monstrcmceting. Für den 4. Februar ist ein Monstremecting z» Gunsten der Revision d e s M o n t j u i ch- P r o z e s s e s in Barcelona geplant. Man befürchtet Unruhen.— Türkei. Konstantinoprl, 27. Januar. In einer gestern stattgehabten Zusammenkunft der Botschafter wurde beschlossen, an die Pforte aufs neue eine Note bezüglich der Belästigungen im Handelsverkehr zu richten,' welche sich aus den von den Zollbehörden vorgenommenen chemischen Analysen ergeben. Fepucr wurde beschlossen, die Forderung der Pforte, betreffend das Recht, Waffen zu konfiscieren, als den Vertrügen und dem internationalen Recht widersprechend abzulehnen.— China. Unruhen infolge des Thronwechsels. Die„Times" melden ans Shanghai vom Freitag: An die ini Tsnng- Ii- Damen sitzenden Prinzen und Minister ist auf telegraphischem Wege eine von über 1200 Mitgliedern der hiesiegcn chinesischen Ransmaiinsgilde unter» zeichnete Petition abgegangen, in welcher das Tsung- li- Damen gebeten wird, auf den jtaiscr dahin einzuwirken, daß er seine Abdankung nochmals in Erwägung ziehe und das hierauf Bezug nehmende Dekret zurücknehme. Es wird ferner in der Peti- tion angedeutet, daß wahrscheinlich Unruhe n entstehen würden, wenn die Herrschaft der Kaiserin-Witive noch lange andauere.— Die Kaiserin-Witive hat den Generalissimus der chinesische» Armee Nung-lu und viele andre hohe Beamte entlassen, weil sie glaubt, dieselben seien mit dem Staatsstreich nicht einverstanden.— Ueber die Assumtiomsten, denen im Laufe der letzten Woche, wie wir berichtet, der Prozeß gemacht wurde, wird uns von unserem Pariser Korrcspon- deuten vom 25. Januar noch geschrieben: Der Prozeß gegen die„Kongregation der Angustinerväter der Assumtion" hat einen tiefen und lehrreichen Einblick gestattet in das innere Getriebe der stärksten Organisation des französischc» Kleri kalismus. Diese Mönchsgesellschaft erweist sich als die st ä r k st e politische Organisation in Frankreich überhaupt. Während die Jesuiten und die Dominikaner sich im wesentlichen auf den Schulunterricht und besonders auf die klerikale Verseuchung der Bourgeöissöhne verlegen, um dann die höchsten öffentlichen Ver waltungsämter namentlich in der Armee und der Marine mit ihren Zöglingen zu besetzen.— haben sich die Assumtionistcn die politische Bearbeitung der großen Masse zur Auf gäbe gestellt, um vernüttelst des Stimmzettels die Wählämter mit klerikalen Polltikern zu besetzen. Der Assumtionstten- Orden wurde um das Jahr 1850 gc gründet— natürlich mit einem rein religiösen Zweck. Er sollte auf die„Ausdehnung des Reiches Jesu- Christi" hinarbeiten. Der wirk- liche Zweck aber war die Ausdehnung der politischen Macht des Klerikalismus mit andren Mitteln als denjenigen, die den ver- schiedenen Jesuitenorden zur Verfügung stehen' mochten. Indes scheinen die ersten 30 Lebensjahre des Ordens dem inncrn Ausbau der Organisation gewidmet worden zu sein. Uebrigens>var die klerikale Sache in der Zeit von 1850—1880, unter dem zweiten Raiserreich und der klerikal-nwnarchistischen Herrschaft des ersten Jahrzehnts der dritten Republik, offiziell stark genug, um die agita- tonsche Thätigkeit der Asinmtionisteu entbehren zu können. Ihre offene politische Thätigkeit beginnt 1888 mit der Gründung der Tageszeitung„Da Croix"(„Das Kreuz"), d. h. drei Jahre»ach der „Austreibung" der nicht autorisierten Kongregationen. Beiläufig, diese„Austreibung" sin Gänsefüßchen) ist höchst be- zeichnend für die Methode der Bekämpfung des KlcrikalismnS durch die Bourgeoisrcpublikancr. Unmittelbar nach dem Sieg über die Klcrikal-Monarchisten rafften sich die Bourgeoisie-Republikancr zu den Austreibungsdekretcn von 188Ö auf. Aber die„Ausgetriebenen", worunter die Jesuiten und Assumtiomsten, durften bald darauf mit und ohne Namensänderung von neuem und mit verdoppeltem Eifer ihre Thätigkeit entfalten. Nicht viel erfolgreicher waren übrigens auch das Gesetz von 1883 über die Verwcltlichung der Schule und die Besteuerung der Kongregationen. Der Assumtionisten- Prozeß soll— wenigstens in der Absicht seiner Urheber— die Einleitung einer neuen, kräftigeren Aktion sein gegen die gefährlichsten Feinde des weltlichen Staats und der Republik. Die Fortschritte der Assumtionistcn- Organisation waren bc- sonders rapid in den letzten Jahren, seitdem die Bourgeoisie und ihre politischen Wortführer,. Meline obenan, aus Furcht vor dem Socialismus die Vcrpfaffung der Republik, den Bund von Geldsack und Altar anstreben. Die Macht und der Reichtum der„armen" Maiiche werden durch folgende Zahlen veranschaulicht, die den eigenen Dokumenten der Assumtionisten entnommen sind. Zunächst aber die Vorbemerkung, daß die gerichtliche Untersuchung nicht iin entferntesten alle Machtmittel der Mönche an den Tag gefördert hat. Die Haussuchungen lieferten meist nwngelhnfte Ergebnisse, iveil die Kon- gregation, die überall ihre guten Freunde hat, von der bevorstehenden gerichtlichen Aktion im voraus verständigt war. Dafür liegen bündige Beweise vor. Die Kongregation, die— nebst einer unbekannten Zahl von „Brüdern" und Novizen— über 400„Väter" zählt, besitzt in Frankreich mindestens 14 große Gebäude, deren wichtigste in Paris. Livry, Nimes, Bordeaux und Nrras gelegen sind. Außerdem besitzt sie zahlreiche Gebäude im Ausländ, uanient- lich in Italien, Belgien und im Orient. Offiziell sind die?Nönche freilich bloß„Mieter" ihrer französische» Gebäude. Auf diese Weise defraudieren sie das gottlose Stencramt. So wurde im Pariser stlostcrgebäude, dem Sitz der Ccntraloerwaltung. welches allein einen Wert von mindestens IV, Millionen Frank' hat, ein Dokument beschlagnahmt, das die Steuermogelci der heiligen„Vater" schlvarz auf weiß beweist: Dem„Mietsvertrag" der Kongregation mit dem angeblichen Eigentümer ist ein Revers s.Gegenbricf") des letzteren angeheftet, worin das Eigentumsrecht der Ässumtioniften auf das„gemietete" Gebäude anerkannt wird. In andern Orten dient als Strohmann ein„Vater" oder mehrere„Väter". Bei der Haussuchung im Pariser Kloster hat der Polizcikommisiär im eisernen Geldschrank einen Bar betrag von circa l1/* Millionen Frank in Gold und Banknoten vorgefunden. Das giebt einen Begriff von der enormen Höhe der laufenden Ausgaben. Der«chatz- meister, Vater Hippolyte, hat vergebens den Betrag auf 7g000Frä«ks reduziert. ES ist eine der zahlreichen erwiesenen Lügen der AssuiNtionistei� während der ganzen Untersuchung und Prozeß- verhmidlung. Die geistigen Kinder der Jesuiten nennen freilich die Lügen, auf denen sie ertappt wurden,„Berschweigungen". Nach einem im Kloster von RimeS beschlagnahmten Dokument beliefen sich die Ausgaben von 1883 bis 18S2 auf mehr als 8Ve.Millionen. Darin sind aber die Kosten der Assumtionisten- Presse nicht einbegriffen. Die Preßunternehmnngen der Kongre- gation. heißt es in jenem Dokument,„kosten für sich allein mehr' als alles andre, sie decken aber ihre Kosten wieder vollständig, und ihre enormen Schulden sind geringer als der Wert der von ihnen er- wordenen tÄebäude". Seit 18ö2 sind aber die Einnahmen und die Ausgaben öapid gewachsen, mit dem Wachstum des Einflusses der Kongregation. Ihre E innahmequellen sind— außer den allen Mönchs- orden mch'e oder minder gemeinsamen Praktiken— insbesondere daS „Werk des HI. Antonius von Padua" und das„Werk des täglichen Brots". Ter genannte Heilige ist ein AllerweltShelfer. der für flotte Gewinne der Industriellen und Händler sorgt, verlorene Gegenstände den Besitzern wieder in die Hände spielt und überhaupt alle Wünsche der Frauen erfüllt. Unerläßliche Borbedingung natürlich ist die Ver- mittlung der Assumtionisten, die ebenso natürlich dafür in bar entschädigt werden müssen. Erst wenn der heilige Antonius an dem gute» Ausgang eines Geschäfts„interessiert" ist— nicht nur mit Gebet, sondern auch nnt Geldspenden zu Gunsten der Assumtionisten, kann er helfend eingreifen.... Das„Werk des täglichen BrotS" besteht in der Spende von 5 Fr Tagesdiäten für' die„armen" Mönche Gneiststraßc; Gethsemancstraße; Greifenhagoilerstraße; Stargardcr- Hof sich aufhaltenden Arbeiter'wurden Ver in der hcstigstcu Weise> straße 1—20 und.34—82; Schöiihauser Allee 46—144.( Die Wählerlisten für diese Straßen liegen zur Einsicht aus von Sonntag, den 28. Januar, bei Mars, Kastanien-Allee 96. In der Rosenthaler Vorstadt umfaßt der Bezirk die Straßen: Bernauerstr. 25 und 27—49 und 51—83; Swinemünder- stratze 24—34 und 96—106; Vinetaplatz; Ruppinerstr. 11—23 und 26—39; Wolgasterstr. 1—13; Wollinerstr. 22-37 und 39—46; Stralsunderstr. 1—13 und 60—69; Bnumenstr. 50—65 und 123 bis 138. Die Listen für diese Straßen liegen zur Einsicht aus vom Sonntag, den 23. Januar, bei Bachgänger, Swinemünder- straße 34. Da nach den Listen vom Juli 1899 gewählt wird, so ersuchen wir die Wähler, welche verzogen sind, beim Wählen ihre alte Woh »ung anzugeben. Den Genossen zur Nachricht, daß am Dienstag eine Flugblattverteilung stattfindet. Wir ersuchen die Parteigeiwssen, sich zur Beteiligung zahlreich abends 8 Uhr in folgenden Lokalen einzufinden: R a m l o w, Schönhauser Allee 136, Bachgänger, Swinemünderstraße 34. Die Vertrauensleute. Der Magistrat hat bei der Stadtverordneten-Versammlung be- antragt, sich mit der Weiterverpachtung des Schlosses G ü t e r g o tz an die Landes-Versicherungsanstalt Berlin bis zum 1. April 1902 einverstanden zu erklären unter der Bedingung, daß die Stadtgemeinde Berlin berechtigt sein soll zu verlangen, daß ihr das Inventar der Anstalt ganz oder teilweise zum Neuanschaffungs- werte mit 25 Proz. Abschlag käuflich überlassen wird, daß, falls die Anstalt das Schloß vor dem 1. April 1902 räumt, dieses ohne Ent- schädigung oder Nachlaß an der Pacht sofort der Stadtgemeinde zur Benutzung überwiesen wird._ Gevichks �Ieikung. Einen zähen Kampf um Aufhebung seiner Entmündigung, die ihn von einem friedlichen Eheleben trennt, die ihn verhindert, seine Braut zur Frau zu machen und seinem Kind den väterlichen Namen zu geben, führt der Maurer Paul Wandreck, der gestern vor der dritten Strafkammer am Landgericht II stand. Derselbe ist Ivegen eines Konflikts zwischen streikenden Lohnmaurcrn und „arbeitswilligen" Accordmaurern vom Charlottenburger Schöffen- gericht wegen groben Unfugs in idealer Konkurrenz mit Nicht- befolgung obrigkeitlicher Anordnungen zu 30 M. Geldstrafe, im Unvermögensfall zu 10 Tagen Haft verurteilt worden. Am 7. Juni vorigen Jahres stellten die Maurer auf dem Neubau Kautstr. 123 die Arbeit ein. Accordmaurer traten an ihre Stelle. Ein Trupp derselben wurde am 9. Juni durch Polizeibeamte vom Bahnhofe nach dem Bauplatze geleitet. Nach der Bekundung eines Polizei- Wachtmeisters wurden die„Arbeitswilligen" von ettva 100 johlenden und pfeifenden Streikenden verfolgt und mit Schimpfworten wie „Verbrecher",„Zuchthäusler".„Streikbrecher" belegt. Der An- geklagte soll sich dabei besonders hervorgethan haben, auch soll er sich, als ihn der Polizeibeamte an demselben Tage noch zweimal beim Strcikpostenstehcn traf, auf die Aufforderung des Beamten nicht entfernt haben. Gegen dieses Urteil legte der Angeklagte Bc- rufung ein, doch benahm er sich bei Beginn der heutigen Vcr- Handlung so, daß eine kleine Katastrophe unausbleiblich schien. Einen Verteidiger hatte er nicht und er selbst fand sich nicht in die vorgeschriebenen Formen des Strafprozesses. Anfänglich ließ er den Vorsitzenden gar nicht zu Worte kommen, bis dieser ihm mit einer Ungebührstrafe und auch noch mit dem größeren Uebel drohte, daß in seiner Abwesenheit verhandelt werden würde. Nunmehr mäßigte er sich und nun gelang es ihm auch, seine Interessen lvirk- sam zu vertreten. Auf die Frage des Vorsitzenden. ob er seine Berufung nicht lieber zurückziehen wolle, erklärte er, das könne er nicht thun. Er müsse darauf bestehe», daß die Sache voll- ständig geklärt werde. Er sei vor Jahren vom Amtsgericht in S e e l o w entmündigt worden, nachdem zwei Kreisphysiknsse eidlich erklärt hätten, er sei verrückt und leide an einer besonders seltenen und schwierigen Geisteskrankheit. Wenn er verrückt sei, dann könne er nicht bestraft werden. Um die Strafe sei es ihm nicht zu thun, aber er wolle bei dieser Gelegenheit eine Entscheidung über seinen Geisteszustand herbeigeführt sehen. Auf Wunsch des Angeklagten war der Dr. Mertens aus Charlotkenburg geladen, der als Sachverständiger erklärte, daß er vor etwa einem Jahre den Angeklagten in zwei Sitzungen körperlich, d. h. in Bezug auf seine Nerven und geistig untersucht habe. Dabei habe er gefunden, daß der Angeklagte nicht allein geistig gesund. andern sogar intelligent sei. Da der Sachverständige bemerkte, der An- geklagte sei freiwillig zu ihm gekommen, so fing der Vor- sitzende den Angeklagten, warum er sich habe untersuchen lassen. Die Antwort lautete, das sei geschehen, um die Eiitmiindignng loszuwerden, da er heiraten wollte. Er habe aber nicht heiraten können, denn die Entmündigung sei nicht aufgehoben worden. Der Sachverständige erklärte auf Befragen des Vorsitzenden ferner, daß ihm der Angeklagte heute sehr erregt, rechtsüchtig d. h. rechthaberisch vorkomme. Ein definitives Urteil lasse sich über den Geistes- zustand des Angeklagten erst nach sechswöchentlicher Beobachtung in einer Anstalt fällen. Der Vorsitzende stellte nunmehr von Amtswegen dem Angeklagten einen Verteidiger in dem Referendar Dr. Ewald. Nachdem letzterer mit dem An geklagten Rücksprache genommen hatte, erklärte er. daß sich der Angeklagte willig der Beobachtung unterwerfe und dieselbe sogar wünsche. Der Staatsauwalt hatte nichts dagegen einzuwenden. Der Gerichtshof zog sich zur Beratung zurück. In der Zivischen- zeit spann sich eine kleine Scene ab. Ein junges Weib aus dem Zuhörerraum rief dem Angeklagten zu:„Was wird denn nun aus unserm Kinde?" Aus dem Zuhörerraum riefen Arbeiterfrauen: „Für das Kind sorgen wir l" Der Angeklagte sagte aber:„Sei nur ruhig und warte ab! Es wird alles gut werden!" Der Gerichtshof lehnte die Exploration ab, beschloß aber, zu einem neuen Termin den Pspchiater Sanitätsrat Dr. L e p p m a n n als Sachverständigen zu laden und die Entmündignngsakten vom Amtsgericht Seclow einzufordern. Vorläufig hat damit der Angeklagte erreicht, was zu erreichen war. „Lachhaft". Während des Streiks in der T e p p i ch- F a b r i k von F e i b i s ch im September 1899 traf der Weber Reinartz eines Tages die Arbeiterin Selma Gündel in der Nähe der Fabrik auf der Straße, als er seine in der Kaiserstraße belegene Wohnung ver- ließ. Reinartz, der selbst am Streik nicht weiter interessiert war. weil er andere Arbeit hatte, kam mit der Gündel in ein Gespräch und fragte sie, ob sie bei Feibisch arbeite. Als sie dies bejahte, soll er nach ihrer Behauptung gesagt haben, das sei ja„lachhaft". Auch hat er, wie er selbst zugiebt, dieselbe Bemerkung über ihren Vater gemacht, der sich erst am Streik beteiligt hatte, dann sich aber durch den Fabrikherrn wieder zur Arbeit hätte holen lassen. Reinartz war deshalb mit ein paar andern Kollegen lvegen Streikvergehens angeklagt ivorden, aber vom Schöffengericht freigesprochen morden, weil die Absicht, das Mädchen durch diese Bemerkung zur Teilnahme am Streik zu bestimmen, nicht fest- gestellt war. Hiergegen hatte der Staatsanivalt die Berufung ein- gelegt und eine Gefängnisstrafe beantragt. Er führte aus, daß Reinartz mit der G. keine rein theoretische Unterhaltung geführt haben könnte, sondern offenbar die Absicht der Einschüchterung dabei verfolgt habe. Die Zeugin Gündel erklärte, sie hätte schon von vornherein, als sie den Reinartz bloß sah, Angst gehabt. Auf Befragen des Verteidigers, Rechtsanwalt Heine, mußte sie allerdings erklären, daß R. ihr nichts zuleide gethan hätte, was diese Angst etwa hätte begründen können. Der Verteidiger erklärte, die Angst des Mädchens sei offenbar die Angst des s ch l e ch t e n G e- Wissens ihren Kollegen gegenüber gewesen, denn sonst sei es nicht verständlich, weshalb sich die Zeugin schon in Aufregung befunden habe, als sie den Angeklagten bloß von fern habe stehen sehen. Unter diesen Umständen sei aber auch ihrer Angst keine Bedeutinig beizumessen. Offenbar habe der Angeklagte nur seinem Aerger über das Verhalten der Zeugin Ausdruck geben wollen. Irgend ein Anhalt, daß er sie durch den Ausdruck„lachhaft" habe bestimmen wollen, am Streik teilzunehmen, fehle, und man dürfe nicht ohne Grund in eine Aeußerung etwas hineintragen, was nicht darin liege. Wolle man dem Standpunkt des Staatsanwalts beitreten, so sei überhaupt jede Erörterung eines Streiks zwischen Streikenden und Nicht st reikenden unmöglich, denn daß es dem«Arbeitswilligen" bei_ den Gründen seiner Kollegen unbehaglich werde, sei nie ausgeschlossen. Das Gericht trat der Annahme des Staatsanwalts bei und ver- urteilte den Reinartz zu 3 Tagen Gefängnis.— Eine andere Berufung des Staatsanwalts aber, die sich gegen die Freisprechung des Webers Grosse richtete, wurde verworfen. wie auch eine Berufung des Webers Jechow, der in erster Instanz verurteilt worden war, weil er einigen arbeitenden Mädchen gesagt haben sollte, wenn der Streik zu Ende sei, so würden die Arbeiter bei Wiederaufnahme der Arbeit darauf bestehen, daß sie entlassen würden. Der Bankier Angnst Sternberg ist auf Requisition der Staatsanwaltschaft verhaftet worden. Die Untersuchung wegen der Modellangelegenheit ist aber noch nicht abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft hat die Verhaftung wohl hauptsächlich an- geordnet, um einer Verdunkelung des ThatbestandeS vorzubeugen. Das„Modell" Marie Fourna?on war, wie seiner Zeit mitgeteilt wurde, auf Veranlassung von Abgesandten Sternbergs nach Innsbruck gereist. Dort erschien wieder ein Herr bei ihr, um sie zu einer Reise nach der Schweiz einzuladen. Sie hatte aber in- zwi>chen einen Brief von ihrer Mutter erhalten, die ihr ankündigte, daß sie sie auf Veranlassung der Staatsanwalffchaft nach Berlin zurückholen werde. Das Mädchen lehnte daher die Einladung ab und folgte der Mutter nach Berlin. Sternberg ließ demjenigen, der ihm nachweise, daß Marie Foimia?on auch mit andern Männern Umgang gehabt habe, 200 M. bieten. Es fand sich in der That ein Maim, der diesen Nachweis führen wollte. Seine Aussagen wurden aber durchaus widerlegt. Es stellte sich heraus, daß Marie Fourna?on zu der betreffenden Zeit gar nicht in Berlin, sondern auswärts bei ihren Großeltern war. Verschiedene Frauen aus dem Hause gaben für Geld schriftliche Erklärungen zu Ungunsten des„Modells" ab, die Sternberg der Staatsanwaltschaft vorlegte. Als nun aber die Zeuginnen eidlich vernommen ivurden, ergab sich, daß sie überhaupt nichts wußten. Ein andres„Modell" bestreitet, mit Sternberg ver kehrt zu haben, während Marie Fourna?on dieses behauptet. Ein Beauftragter Sternbergs hat im Hanse des„Modells" unter der Maske eines Kriminalbcanckcn Nachforschungen angestellt und nament- lich die Frauen ausgehorcht. Ei» wunderlicher Rechtsfall. Aus Leipzig wird vom 26. Januar berichtet: Ein sehr unerfreuliches und wenig bc- friedigendes Ergebnis hatte nach den eigenen Worten des Senats- Präsidenten eine Revisionsverhandlung, welche heute vor dem vierten Strafsenate des llieichsgcrichts stattfand. Es handelte sich um ein Urteil des Schwurgerichts Braunschweig gegen die ledige Eindcl Judcs Seiden. Zunächst war gegen diese Angeklagte am 5. Oktober v. I. vor dem Schwurgericht verhandelt worden, Sie wurde beschuldigt, am 12. März 1399 im Felde ihren am 26. Februar 1899 geborenen Sohn vorsätzlich gc- tötet eventuell dem Thätcr � Beihilfe geleistet zu haben oder das Kind in hilfloser Lage vorsätzlich verlafsen und dadurch den Tod desselben herbeigeführt zu haben. Festgestellt ist, daß das Kind mit Schnittwüuden am Halse tot in einem Graben gefunden worden ist. Der Bruder der Angeklagten, auf den ebenfalls der Verdacht der Thätcrschaft oder Beihilfe fiel, hat sich der strafrechtlichen Vcr- folgung durch die Flucht entzogen. Ten Geschworenen waren nun am 5. Oktober die Fragen vorgelegt worden, ob die Angeklagte 1. des Mordes, 2. der Beihilfe zum Morde, 3. des Todschlags, 4. der Beihilfe zum Totschlag. 5. der Aussetzung mit tödlichem Erfolge schuldig sei. Die Geschlvorencn verneinte» die Fragen 1—4 und bejahten die fünfte Frage. Danach iväre die Angeklagte auf Grund des§ 221 Abs. 2 wegen Aussetzung zu Zucht- haiis von mindestens drei Jahren z» verurteilen gewesen. Das Schwurgericht war nun aber einstimmig der Ansicht, daß die Gc- schivorcnen sich in der Hauptsache zum Nachteil der Augeklagten geirrt hätten, und verwies gemäß§ 317 Strafprozeß-Ordnnng die Sache vor das Schwurgericht der nächsten Sitzungsperiode. Am 8. Dezember kam dann die Sache abermals zur Verhandlung. Ob- ivohl das Bcwcisergcbnis kein andres war, als in der ersten Ver- Handlung, ivar das Ergebnis der Beratung der Geschworenenein überraschendes: der Spruch lautete auf schuldig des Totschlags. Obivohl der Gerichtshof jetzt in noch viel höherem Maße der An- ficht sein mußte, daß die Geschworenen sich zum Nach- teile der Angeklagte» geirrt haben, so stand ihm nun kein Mittel zur Verfügung, diesen neuen Spruch ungültig zu machen, denn nach§ 317,3 ist auf Grund des neuen Spruchs stets das Urteil zu sprechen. Da der Angetlagten keine mildernden Um- stände zugebilligt worden waren, erkannte der Gerichtshof lvegen Totschlags auf sechs Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust.— Der Verteidiger Rcchtsanivalt Dr. Spanjer-Herford in Brnunschweig legte für die Angeklagte R e v i s i o» ein und suchte dem Urteil durch Heranziehung des§ 317,1 der Straf- Prozeß- Ordnung beizukonime». Diese Bestimmung lautet: Betrifft das Verfahren mehrere selbständige strafbare Handlungen..., so erfolgt die Ver- Weisung nur in Ansehung derjenigen Handlung..., in Bezug ans welche die Geschworenen sich nach Ansicht des Gerichts geirrt haben. In der heutigen Verhandlung suchte der Verteidiger darzulegen, daß es sich um mehrere selbständige Thaten gehandelt habe, daß die Frage, ob Mord, Totschlag oder Beihilfe dazu durch Bcrneinung der betreffenden Fragen für immer erledigt gc- Wesen sei und daß das neue Schlvurgericht lediglich die Frage zu entscheiden gehabt habe, ob die Angeklagte der Aussetzung mit töd- lichcm Erfolge schuldig sei oder sich sonst einer strafbaren Handlung schuldig gemacht habe. Offenbar sei der Schwurgerichtshof in der ersten Verhandlung der Ansicht gewesen, daß der Bruder der An- geklagten den Mord allein begangen und daß die Angeklagte nur die Leiche in den Grabe» gelegt habe.— Der Reichsanwalt gab zu, daß das Urteil im höchsten Grade bedenklich sei, war aber der Ansicht, daß der Angeklagten nicht zu helfen sei. Der 8 317, 1 könne hier nicht, wie der Ver- teidiger meine, Anwendung finden, denn von mehreren selbständigen Handlungen sei hier keine Rede. Gemäß dem Antrage des Reichsanwalts verwarf das Reichs- gericht die Revision als unbegründet. Dem ReichSanwalt kann— so führte der Präsident zur Begründung aus— darin beigetreten werden, daß dieses Ergebnis ein sehr unerfreuliches ist, aber es war nicht zu umgehen. Unzutreffend ist das, waS der Verteidiger von Realkonkurrenz gesagt hat, denn es lag nur eine That vor. So war die Aufhebung des Geschworenenspruchs und die Verweisung der Sache an das' nächste Schwurgericht eine vollständig unbeschränkte. Es war seiner Zeit, wie der'Reichsanwalt hervor- gehoben hat. beantragt, eine Bestimmung in das Gesetz aufzunehmen, ivie sie im früheren preußischen Gesetz bestanden hat. sie ist aber leider abgelehnt ivorden. So wenig befriedigend das Ergebnis auch ist, daß die Angeklagte durch die zu ihren Gunsten erfolgte Ver- Weisung vor das nächste Schwurgericht einer härteren Bestrafung ausgesetzt tvurde, so muß doch gesagt werden, daß es ein Mittel da- gegen nicht giebt. Deutsche Justiz. Die Strafkammer Graudenz hat die im Elend lebende Arbeiterftau Nawotzki aus Dombrowken der„Königs- berger Volkstribüne" zufolge dieser Tage zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie sich in harter Winterszeit ohne Erlaubnis aus dem königlichen Forst ein Bündel Reisig im e r t e von zwölf Pfennigen geholt hatte. Einen Monat lang mußte die unglückliche Frau in Untersuchung s- Haft sitzen. Die Parteipreffe wird dafür sorgen, daß das Urteil in den weitesten Kreisen bekannt werde. welche die englischen Truppen, wie berichtet, am Spionkop erlitten haben. Eine niederschmetternde Nachricht nach der andern. In London ist denn auch die Bestürzung allgemein. An Stelle der ansgclasscne» Freude von gestern ist tiefe Verstimmung getreten. Obwohl Buller sich über die Ursache der Preisgabe der Stellung auf dem Spionkop nicht äußert, wird in maßgebenden militärischen Kreisen nicht daran gezweifelt, daß die Boeren, die Wichtigkeit der ver- lorenen Stellrmg erkennend, alle ihre Streitkräfte in der unmittelbaren Nachbarschaft rasch z u s a in m e n z o g e n, Marren vor der Ankunft seiner Verstärkungen angriffen und zum Aufgebe» des Spionkops und zum Rückzug nötigten. Es scheine sich ein zweites Majuba abgespielt zu haben. Die„Times" schreiben, der ursprüngliche Plan der Umgehung der rechten Boerenflanke sei aufgegeben gewesen zu Gunsten des Versuches, einen Keil in den Mittelpunkt der Boeren- st e l l u n g zu treiben. Dieser Versuch sei nun mißlungen und dies dürfte Buller zwingen, sich vom Terrain, das er jüngst ge- Wonnen hat, zurückzuziehen. ' Alle Blätter drücken den festen Entschluß aus, trotz der neuen Nieder- läge, den Krieg entschlossen zu Ende zu führen. Da Bnller Verstärkungen brauche, werde wahrscheinlich sofort der Rest der Miliz einberufen und die Mobilmachung der achten Division beschleunigt werden. Die vierte Kavallcriebrigade wird sofort nach Südafrika geschickt werden. Die„Morning Post" veröffentlicht einen Brief ihres Kriegsberichterstatters Churchill, datiert 24. Dezember, worin es heißt, L a d y s m i t h könne nur noch einen Monat aus- halten. Wenn dann keine Hilfe komme, beabsichtige White, seine ganze Munition zu verschießen, die schweren Geschütze zu zerstören. das ganze Transportmaterial zu verbrennen und mit seiner ganzen Streitmacht einen Ausfall zu machen, um zu versuchen, nach Süden zu entkommen. Riistunge» bis zum äußersten. Den„Daily News" zufolge verlautet, die Regierung werde beim Parlament sofort nach dessen Zusammentritt die Bewilligung von mindestens 20 Millionen Pfund Sterling(400 Mill. Mark) für K r i e g s k o st e n beantragen. Und die„Times" schreiben weiter: Wahrscheinlich werden an die Nation noch größere Forderungen gestellt werden müssen. Wir sind sicher, daß der Appell keinem Schwanken begegnen wird. Die Regierung thäte gut, die ganze noch übrige Miliz sofort einzuberufen, die Mobilisierung der 8. Division möglichst zn beschleunigen und vor allem die 4.'Kavalleriebrigade sofort nach dem Kriegsschauplatz zu entsenden. Der Kampf um de» Spionkop. Nach Brüssel sollen Nachrichten gelangt sein, wonach die Auf« gäbe des Spionkop für die Armee B u l l e r s eine vernichtende Katastrophe bedeute. Man berichtet von dort: Die Boeren lockten W a r r c n nach einem Hügel beim Spionkop durch eine K r i e g s l i st und überfielen ihn dann in dem Augen- blicke, da er den Hügel definitiv zu occupieren glaubte. Die Division Warren erlitt furchtbare Verluste, welche auf 8 00 Tote und 1500 Verwundete angegeben wurden. Fast die gesamte Artillerie Warrens fiel in die Hände der Boeren. Der schleunige Rückzug BullerS über den Tugelafluß kann ihn allein vor der Vernichtung retten. Der Entsatz von Lady- smith ist fortan undenkbar. Man erwartet hier stündlich die Meldung von der Kapitulation. In L o u d o n sucht man diese Meldungen zu dementieren. Von dort wird am Sonnabend telegraphiert: Das Kriegsamt hat über die Katastrophe, welche angeblich nach im Auslände verbreiteten Brüsseler Meldungen die Truppen deS Generals Warren betroffen haben soll, keinerlei Nachrichten erhalten. Das Kricgsamt hält die betreffenden Meldungen nicht für glaubwürdig. Vom Modderriver ivird vom 24. d. Mts. abends 11 Uhr 25 Minuten gemeldet, daß die Beschießung fortdauere und sich besonders gegen die Hügel östlich der Boercnstcllnngcn richte. Aus Kimberley wird berichtet, daß die eingeschlossenen englischen Truppen deutlich das Feuern der Entsatzkolonne hören können. Das Geschütz, welches die Engländer mit dem Namen„Cecil-Geschütz" bezeichnen, hat die Be- schießung auf den Feind aus einer Entfernung von 4000 Meter er- öffnet.' Frieden. Das internationale Friedensburcau in Bern ersuchte den Präsi- deuten Mac Kinley tclcgraphisch nochmals, die Vermittlung zwischen Transvaal und England anzunehmen. Bom Kriegsschauplatz. Das Londoner Kriegsamt giebt bekannt, daß die gestern von Buller gemeldeten Verluste sich auf Bataillone aus der Brigade des Generals Lyttleton beziehen, die, soweit im Kriegsamt be- kannt sei, bei der Einnahme oder der Verteidigung des Spionkop nicht beteiligt gewesen seien. Es scheine daher, daß diese Verluste noch zu den beträchtlichenVerlu st en hinzukommen, Der Reilhstllgs-Pröpent über den Kaiser. Gelegentlich der gestrigen Feier im Reichstag hielt Herr v. B a l l e st r e m eine Rede, in der es u. a. heißt: „Meine Herren, Kaiser und Reichstag, die beiden Vertreter ter Einheit in dem wunderbaren Staatsgebilde,(Deutschland) die gehöre» zusammen, und deshalb hat auch der Reichstag die gute Gewohnheit, dckß aus allen Gauen des Vaterlandes Vertreter hier am Geburtstage deS Kaisers zusammentreten, um seiner hier in Liebe und Ehrfurcht zu gedenken. Es ist gut, daß diese beiden zusammenhalten, und so lange sie zusammenhalten, wird es gut um Deutschland stehen. Dannt dies aber möglich ist, müssen sich diese beiden Gewalten verstehen, sonst können leicht Mißverständnisse kommen, welche ein Zusammen- halten sehr erschivercn. Deshalb muß jeder von diesen beiden Faktoren möglichst genau wissen, waS der andre erstrebt. Meine Herren, beim Reichstag ist das ja nicht schwer; wir verhandeln öffentlich, und jedermann kann wissen, waS der Reichstag erstrebt. Schwerer könnte es bei dem andern Faktor, bei dem Kaiser, sein." Im weiteren Verlaufe der Rede erläutert Herr v. Ballestrem, wie diese Schwierigkeiten gegenseitigen Verständnisses durch die Reden des Kaisers gehoben würden. „Er benutzt irgend eine Gelegenheit, um sich darüber und über die Stellung, die er zu dieser Frage einnimmt, öffentlich auS- zusprechen, er richtet eine geistige Standarte auf, die man von weitem sieht. Meine Herren, nach meiner Ansicht richtet er sie nicht zu dem Zweck auf, daß man sich still und stumm dabei vorbei- drücke, sondern er richtet sie auf, damit sie beachtet, erwogen und besprochen wird von allen denen, die es angeht, vor allem von den Vertretern des deutschen Volks. Der Kaisen hat seine Zeit verstanden, er hat gesagt: Ich lebe in der Zeit der Oeffentlichkekt und Mündlichkeit, und ich will auch kein sogenannter konstitutioneller Monarch sein, der da herrscht und nicht regiert. Ich glaube, das würde unserm herrliche» Kaiser nicht zusagen, wenn man ihm diese Rolle zuteilte. Deshalb ist er überall hervorgetreten und hat die große staatsrechtliche Stellung, die ihm sowohl von der Verfassung des D deutschen Reichs als auch noch mehr als König von Preußen und noch mehr vi«- leicht durch seine große Individualität zukommt,, immer wahr« genommen." ---, Lrtzke Uarijuirftfen und DepesÄzen. München, 27. Januar.(W. T. B.) Auf der 2li»ie Cham— Kötzling ist wegen Kohlenmangels der Wagenladungs'verkehr em- gestellt worden. Brüx, 27. Januar.(W. T. B.) Das EtnignngsPmt rst auf den 30. Januar einberufe» worden. Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilagen und lluterhaltn ngsblatt. g..a 17.1*»«. l. KnlM>es.ImM" Knüm WMÄ im, Tie Gewcrkfchaftsbetvegnttg 1899. TaS zu Ende gehende Jahrhundert sah Handel und Industrie in anhaltendem Aufschwünge begriffen Einfuhr und Ausfuhr des Deutschen Reiches zeigen, wie die aller Industriestaaten, eine weitere Vermehrung gegen das Vorjahr. Die Ernte der Kapitalisten ist eine reiche gewesen; die Aktien aller Unternehmerr stiegen fast ausnahmslos im Wert und fette Dividenden fielen den Aktionären in den Schoß. Segen überall! Hat von diesem allgemeinen Segen nun auch die Arbeiter fchaft ihr Teil abbekommen? Die Unternehmer und deren Soldschrciber behaupten es. Nach ihnen sind die Lasten, welche dem Unternehmertum durch die Arbeiterversicherrings- gcsetzc anserlcgt werden, schier unerschwinglich, sie erheben ein lautes Geschrei über jede, und sei es auch die geringste Ein- schränkung ihrer Ausbcutungsfrcihcit. Die Löhne werden von der Kapitalistcnpresse als ansreichend, als hoch hingestellt, und jede Fordening auf Lohnerhöhung, und war sie eine noch so bescheidene, ist auch in diesem Jahre von den Unter- nchmern stets schroff abgewiesen worden. Der Geschäftsgang mag ein noch so glänzender, der Gewinn noch so reichlich sein, in keinem Falle läßt sich der Unternehmer herbei, frei- willig die Lage seiner Arbeiter zu bessern. Jeder Pfennig Lohnznlage muß ihm abgerungen werden. Das zu erreichen, den Unternehmer zur Gewährung einer Lohnzulage. Vcr- lürzung der Arbeitszeit-c. zu zwingen, dazu reicht die Kraft des einzelnen Arbeiters nicht aus, dazu gehört die O r g a n i- s a t i o n. Was Wunder, daß neben den politischen auch die beruflichen Organisationen des Proletariats von feiten der herrschenden Klasse niit niederem Haß verfolgt werden. Die Strangulierung der Gewerkschaften sollte durch das Zuchthausgesetz bewirkt werden, jenes Denkmals der Schande, unter dessen Schatten die Arbeiterschaft Teutschlands auch ini verflossenen Jahre gestanden, gegen das sie gekämpft und das sie niedergerungen hat. Das Z u ch t h a u s g e s e tz, das bereits im Jahre 1898 in O e y n h a u s e n, noch früher in B i e l e f c l d, angekündigt worden, sollte den Unternehmen! die Ruhe bringen vor den aufstrebenden, um Bessenmg ringenden Arbeitennasscn, die in den letzten Jahren, der Zeit des Aufstiegs und der Prosperität, mit inimer größerer Kraft ihren'Anteil bcan ipnichten an der Fruchtbarkeit ihrer Arbeit. Und je stärker die Gewerkschaften, niit um so größerem Nachdruck vermögen sie die Interessen der Bcrufsgcnossen zu verfechten Seit Jahren hat denn auch das Unternehmertum an die Regienmg einzuwirken gesucht, um Ausnahniegesetze gegen die organisierte Arbeiterschaft zu erlangen.' Mit welchem Erfolge, das zeigt der am 19. Juni ini Reichstag zur Bc- ratung gelangte Gesetzentwurf. Tie Regierung war den Wünschen der Bueck, Felis ch. Stumm und Gc- Nossen bereitwilligst gefolgt. Das in Aussicht genommene Gesetz hätte das� bißchen Koalitionsrccht, das der deutschen Arbeiterschaft zu Gebote steht, vollkonimen beseitigt. Unter dem heuchlerischen Rufe: Schutz den Arbeits willigen, den„besten Stützen des Staates", war von den Scharfmachern der Kampf geschürt worden. Aber auch die Arbeiterschaft war nicht müßig geblieben. Schon nach der Oeynhausener Ankündigung des Zuchthauses bemächtigte sich der deutschen Arbeiterschaft eine große Erregung. In ollen Teilen des Reiches vereinigte sie sich zum Protest; nicht bloß die Gewerkschaften, auch die Hirsch Dunckerschen und die C h r i st l i ch c n G e w e r k vereine nahmen den Kampf auf. Vergebens wird man nach Stimmen aus den Volkskreiscn suchen, die sich für den Wechsclbalg der unternchmerfrcundlichen Regierung aus- gesprochen hätten. Der entschiedene Protest der gesamten deutschen Arbeiterschaft Hatto denn auch das Gewissen der Reichsboten in ihrer Mehrheit soweit geschärft, daß sie es diesmal nicht wagten, gegen den Willen ihrer Wähler zu handeln und umzufallen. Das Gesetz wurde einer Konimissions- beratung nicht gewürdigt und in zweiter Lesung wurde es sang- und klanglos eingescharrt. Der Kampf gegen die Vorlage hat, wie der politischen Partei, so auch den Gewerkschaften im letzten Jahr ein groß Teil ihrer Kraft und Energie gekostet. Denn man hat es nicht mit den Protestversammlungen genug sein lassen, sondern die meisten Gewerkschaften haben auch Nachprüfungen der in der famosen„Denkschrift" gemachten Angaben vorgenomnien. Dies war um so notwendiger, als das Material der Denkschrift ja auf das einseitige Befragen der Polizei, der Staats- auwälte und Unternehmer zusammengebracht worden war. Ist es den herrschenden Gewalten schließlich auch nicht gelungen, der Arbeiterschaft das Zuchthausgesetz aufzuzwängen, so hat es nichtsdestoweniger an Verfolgungen der gewcrk- schaftlichen Bestrebungen auch im verflossenen Jahre nicht gefehlt. Polizei Und Staatsanwalt sind in der rührigsten Weise thätig gewesen, und auch die kleinsten Vergehen Streikender sind zum Teil mit harten Strasen belegt worden. Gleich zu Beginn des Jahres, am 3. Februar, erging jenes drakonische Urteil des Dresdener Schwurgerichts. Neun Arbeiter wurden zu insgesamt dreiundfünfzig Jahren Zuchthaus, acht Jahren Gefängnis und siebzig Jahren Ehrverlust verurteilt. Ihr Verbrechen bestand darin, daß sie einen Baumeister ver- prügelt hatten. Dieses geradezu furchtbare Urteil mag vielen die Ueberzengung beigebracht haben, daß. wo solche Strafen möglich sind, zu einer Verschärfung der Strafgesetze wahrlich keine Veranlassung vorliegt. Auch sonst haben die Behörden und die Gerichte sich befleißigt, den Nachweis zu erbringen, daß es recht gut auch ohne Zuchthausgesetz geht. Tie geringsten Vergehen, unbedachte Redensarten, die sonst kaum oder doch nur sehr gering be- straft, wurden, wenn von streikenden Arbeitern gethan, mit hohen Gefängnisstrafen belegt. Auch hier marschierte Sachsen obenan. Gestattete sich doch die Polizei in Zwickau, den dortigen Maurerstreik einfach für beendet zu erklären und jede weitere Bethätigung für den Streik zu verbieten. Gegen die Streikposten richtet sich im besonderen der Haß der Unternehmer; in ihrer Verfolguugswnt gegen diese ist ihnen die Unterstützung der� Polizei in hohem Maße zu teil geworden. In ihrem Bestreben, den Unter- nehmern Bütteldienste zu leisten, haben die Polizeibehörden mancher Orte die Verkehrssreihcit für streikende Arbeiter fast vollständig aufgehoben. indem sie diesen das Passieren in ge- wissen Straßen, das Stehen am Bahnhof je. oft ganz untersagten und unter Strafe stellten. Und dieses Ausnahmerecht gegen Streikende ist von dem höchsten preußischen Gerichtshof, dem Kammergericht, ausdrücklich bestätigt worden. So ist das Koalitionsrecht der deutschen Arbeiter ein höchst lückenhaftes; es steht auf dem Papier. will es die Arbeiter- schaft aber in Anwendung bringen, so stehen allerhand Hinder- nisse entgegen. Es war deswegen Wohl angebracht, daß die socialdcmokratische Rcichstagsfraktion, nachdem das Monstrum der Zuchthausvorlage gefallen. einen Antrag einbrachte. der den deutschen Arbeitern die volle Koalitionsfreiheit garantieren, und der das Vereinigungsrccht allen, auch den ländlichen Arbeitern sichern wollte. Daß diese Anträge von allen bürgerlichen Parteien abgelehnt wurden, beweist, daß es diesen durchaus nicht ernst um das Koalitionsrecht zu thun ist. Hat also auch die Abwehr der reaktionären Gelüste viel Kampf und viel Kraft gefordert, so haben sich die Gelverk- schaften doch nicht abhalten lassen, auch im vergangenen Jahre an der Aufbesserung der Existenzbedingungen ihrer Berufs- angehörigcn zu arbeiten. Streiks von geringerem oder größerem Umfange haben fast in allen Industriezweigen stattgefunden, einige der bedeutenderen seien nachstehend kurz hervorgehoben: Au den Krefeld er S t o ffw eb er- S tr eik, der kurz vor Schluß des Jahres 1893 zu Ende ging, schloß sich der Streik der S a m m c t w e b e r an. der bis zu Ende April dauerte. Dazu kam im Laufe des Jahres noch der Färber- streik. Diese Krcfclder Streiks sind nicht allein durch ihren Umfang und ihre lange Dauer von Bedeutung, sondern vor allem des Umstandes wegen, daß an ihnen viel katholische Arbeiter beteiligt waren. Diesen wird offenbar geworden sein, wie wenig ihre von den Kaplänen geleiteten„christlichen" Organisationen geeignet sind, die Interessen der Arbeiter energisch zu Vertreten. Die Streikbewegung am Niederrhein hat eine weitgehende Annäherung zwischen den verschiedenen Textilarbcitcr-Vcreinigungen gebracht. Für die beiden Weber- streiks hatte die deutsche Arbeiterschaft allein 258(XX) M. auf- gebracht. Einer der hartnäckigsten gewerkschaftlichen Kämpfe war wohl der Streik der L e d e r a r b e i t e r i n W i l st e r. Die dortigen Unternehmer suchten die momentane Geschäftsflaue auszunützen, um einen vernichtenden Schlag gegen die Organisation zu führen. Den Arbeitern wurde eine löprozentige Lohnreduktton zugemutet und dabei sollte die Arbeitszeit von 10 auf 11 Stunden heraufgesetzt werden. Die Weigerung der Arberter, diese Herabdrücknng ihrer Existenz- bcdingungen freiwillig auf sich zu nehmen, hatte die allgemeine Aussperrung zufolge. Gegen 900 Arbeiter traten in den Aus- stand, bezw. wurden ausgesperrt, 25 Wochen hat der Kampf gedauert, der von beiden Seiten mit fast beispielloser Hart- iiäckigkeit geführt wurde. Von den Arbeitern sind nur etwa zehn Mann abtrünnig geworden und wenn schließlich die Ar- bciter den Kampf aufgeben mußten, ohne etwas Wesentliches erreicht zu haben, so werden sich die Wilsterer Ledcrfabnkantcn wohl hüten, ein zweites Mal einen solchen Kampf mit ihren gut organisierten und trefflich disciplinicrten Arbeitern zu wagen. Aus ähnlichen Anlässen entstand der Leipziger F o r m e r st r e i k. Tort war es zum Streik in einer Fabrik gekommen, die sich besonders durch Lohndrückerei auszeichnet. Das koalierte Unternehmertum faßte den ungeheuerlichen Bc- schlnß, die betreffenden Arbeiter auf zwei Jahre aus den Vcr- bandsfabriken auszusperren, falls sie nicht bis zu einem be- stimmten Datum die Arbeit wieder aufgenommen haben würden. Das war ein Schlag gegen das Koalitionsrecht, den die Former Leipzigs mit dem Generalstreik beantworteten. Jeder Einigungsversuch wurde von den Unternehmern schroff zurückgewiesen, auch hier handelte eS sich um eine Macht- probe der Fabrikanten, die„Ruhe haben" wollten, die Ruhe vor der Organisatton der Arbeiter. Und so dauerte der Kampf volle 21 Wochen. Nach und nach gelang es den Unternehmern, ihre Gußarbeit in auswärttgen Fabriken her- gestellt zu erhalten, und so beschlossen die Arbeiter, den Streik aufzugeben. Der Schaden der Fabrikanten, deren Modelle, namentlich anfangs, von einer Stadt zur anderen gingen und schließlich wieder zurückkamen, ist ein so bedeutender gewesen, daß sie Wohl eine heilsame Lehre ans dem Kampfe gezogen haben werden. I Glücklicher für die Arbeiter verlief der Streik der Möbeltischler in Stuttgart, die sich nach monate- langen,, mit großer Erbitterung geführtem Kampf den Neun- stundentag errangen. Große Ausdehnung erlangte der Streik in den Steinbrüchen von B u n z l a u i. S ch I. Mitte Juli entstand der Steinarbciter-Streik. Die dorttgen Unternehnier versuchten durch allerhand Manipulationen den mit den Arbeitern vereinbarten Tarif zu umgehen. Es kam zum Streik, in den bald die Berliner Steinarbeiter mit hinein- gezogen wurden. Die Dresdener, Pirnaer und Leipziger Unternehmer folgten, um ihren bedrängten Kollegen in Berlin und Bunzlau zu Hilfe zu kommen, mit allgemeinen Aussperrungen. Ueber drei Monate zogen sich die Konflikte hin, ehe auf der Basis neuer Tarife eine Verständigung herbeigeführt werden konnte. Von ganz besonderem Interesse waren die Streiks im Berliner Baugewerbe. Die Maurer und Zimmerer owohl als auch die Töpfer erlangten einen Sieg, der um so wertvoller ist. als die Friedens bedingungen im Einigungs- verfahren vor dem Gew erbegericht festgelegt worden sind. Die Vereinbarungen legen Rechte und Pflichten beider Parteien est, beide schränken ihre absolute Bewegungsfreibeit in etwas ein, dafür haben sie aber auch, wenigstens auf Zeit, den Frieden im Gewerbe. Auf feiten der Unternehmer machen sich aller- dings noch immer Strömungen geltend, das Mitbestimmungs- recht der Arbeiter bei Festsetzung der Arbeitsbedingungen wieder auszuheben, wieder ganz allein„Herr im Hause" zu sein. Inwieweit diese Bestrebungen sich durchsetzen, muß die Zukunft lehren. Erwähnt zu werden verdienen ferner noch der Streik der Bergleute in Herne und der Maurer st reik in Augsburg, beide w eniger wegen ihrer Bedeutung in ge- werkschaftlichem Sinne, als vielmehr wegen der bedauerlichen Begleiterscheinungen. Bei dem Streik in Herne, an dem fast nur polnische Ar- beiter beteiligt waren, kam es zu Krawallen. Die durch Unternehmerwillkür in den Streik gehetzten, durch übergroße Schneidigkeit einiger Beamten zur Verzweiflung getriebenen Arbeiter haben nun ihre Unbesonnenheit durch viele Jahre Gefängnis zu büßen. In Augsburg war es, wie vor Gericht festgestellt ist, neben den Provokattonen der Unternehmer, ebenfalls das taktlose Vorgehen der Polizei, das die Unruhen hervorrief. Die Streikenden waren an diesen aber ganz unbeteiligt. Einige größere Kämpfe im A u s l a n d e, an denen die deutsche Arbeiterschaft besonderen Anteil genommen, mögen hier ebenfalls Erwähnung finden. Da beansprucht in erster Linie die Aussperrung der dänischen Arbeiter unsere Aufmerksamkeit. Ausgesperrt waren über 40000 Ar- beiter, eine für das kleine Dänemark riesige Anzahl. Ten Unternehmern gelaug es trotz des fünfmonatigen Kampfes nicht, ihren Zweck, die Zerschmetterung der Arbeiterkoalitionen. zu erreichen. Die Arbeiter blieben Sieger. Schöne Erfolge hatten die Textilarbeiter Oestreichs in ihrem Kampfe um den Zehn stunden- tag zu verzeichnen. Als nachdem achtwöchentlichen sieg- reichen Kampfe in Brünn, an dem 12000 Textilarbeiter beteiligt waren, die organisierten Unternehmer den Beschluß faßten:„Der Centralverein der Wollindustriellen Oestreichs lasse es jedem Fabrikanten frei, den Zehnstundentag zu be- willigen oder nicht," war die Hauptschlacht für die Arbeiter ge- Wonnen. Weit über 40 000 Textilarbeiter haben seitdem in Oestteich die Verkürzung der Arbeitszeit bis auf zehn Stunden durchgesetzt. Bei beiden letztgenannten Kämpfen bewährte sich wieder die internationale Solidarität der deutschen Arbeiter- klaffe auf das beste— den känipfenden Brüdern konnten ganz erhebliche Summen zur Verfügung gestellt werden. Das Jahr 1899 brachte auch den dritten 5t o n g r e ß der deutschen Gewerkschaften, der am 8. Mar nach Frankfurt a. M. einberufen war. Auf diesem konnte berichtet werden, daß in den letzten Jahren ein stetiger Auf- schwung der Gewerkschaftsbewegung zu verzeichnen war, ein Aufschwung, der auch im letzten Jahre angehalten hat. Während zur Zeit des ersten Kongresses 1892 in den Central- verbänden nur 237 000 Mitglieder vereinigt waren, und 1896: 329 000 Mitglieder gezählt'wurden, waren auf dem Frank- furter Kongreß 52 Ccntralvcrbändc mit zusammen 495 138 Mit- gliedern durch 130 Delegierte vertreten. Eine weitere Zu- nähme hat im Laufe des Jahres stattgefunden. Dabei ist in Betracht zu ziehen, daß außerdem— bedauerlicherweise— noch innner eine Anzahl von Organisationen mit verschiedenen Tausenden von Mitgliedern sich der großen Masse der übrigen Arbeiterschaft fernhalten. Der letzte Gewerkschaftskongreß hat sich vorteilhaft von den beiden ersten abgehoben. Er konnte, da der Streit um die Organisationsform endgültig erledigt ist. mehr positive. fruchtbringende Arbeit leisten. So weit auch die Meinungen in einzelnen Fragen auseinander gingen, schließlich wurde doch eine Verständigung herbeigeführt. Debatten und Beschlüsse des Kongresses zeigten, daß die Delegierten, der hohen Aufgabe, die sie zu lösen vollbewußt, in ernstester Weise be- strebt waren, der deutschen Gewerkschafts-Bewegung neuen Anstoß zu neuer, kräftiger Vorwärts-Entwickelung zu vcr- leihen.�«- Dasselbe Bild ernsten Strcbens zeigten auch die General- Versammlungen der einzelnen Gewerkschaften. Auch hier emsige Arbeit, unr das Los der arbeitenden Klassen zu verbessern, ihre Position im Kampfe ums Dasein zu stärken, erzieherisch, veredelnd und aufklärend auf die Massen zu wirken. Die Arbeiter-Sekretariatc. die jüngste In- stitution der klassenbewußten Arbeiterschaft, haben auch im letzten Jahre eine nicht unerhebliche Vermehrung erfahren. Eine ganz neue Bethättgung ihrer Kräfte fanden die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter in den durch das sogenannte Handwerkergesetz geschaffenen Gesellen- ausschüssen der Innungen. Bei fast allen bisher� vorgenommenen Wahlen sind zum großen Leidwesen der Zünftler die Kandidaten der Gewerkschaften gewählt worden. Eine kleine Gcnugthuung wurde der Arbeiterschaft noch kurz vor Ende des Jahres durch Aufhebung des Verbots des Jnverbindungtretens politischer Vereine. Damit wurde ein vom Reichskanzler feierlichst gegebenes Ver- sprechen eingelöst und ein längst veraltetes Gesetz beseitigt. dessen chikanöse Bestimmung doch nur noch gegen die Arbeiter- vereine angewandt wurde. Wenn also die Gewerkschaftsbewegung im ganzen mit den Erfolgen des Vorjahres zufrieden sein kann, so ist doch zu beachten, daß die gute Geschäftskonjunktur, deren wir uns seit einer Reihe von Jahren zu erfreuen haben, möglicherweise bereits auf dem Höhepunkt angelangt ist. Ist dies der Fall. sollte eine Gcschäftsflaue kommen, so werden es auch die Unternehmer sofort versuchen, die Löhne zu drücken, den Arbeitern die kleinen, durch große Mühen und Opfer errungenen Vorteile wieder zu entreißen. Diesen Versuch zu vereiteln, das wird dann Aufgabe der Gewerkschaften sein. Immer neue Kämpfer werben, festge- schlossene Reihen schaffen. Kriegsfonds an- sammeln: das sind die Aufgaben, die vor allem die Ge- werkschasten gegenwärtig nicht aus den Augen lassen dürfen. Uoknlrs» Vom Vertrauensmann deS 4. ReichStagS-WahlkeiseS Südost erhalten wir folgende Aufforderung zur Beröffent- lichung: Behufs Aufhebung des Schiedsspruchs vom Jahre 1890 gegen die Genoffiii Frau Hedwig Gubela werden die Mit- gli'cder des damaligen Schiedsgerichtes, u. a. der Genosse Janz, die Genossin Frau Hofstetten hiermit ersucht, ihre Adresse umgehend an W. Erbe, Cnvrhstr. 2b einsenden zu wollen. Freie Volksbühne. Die Vorstellung der S. Abteilimg findet heute nachmittag i3U Uhr im Carl Weitz-Theater statt. Zur Auf- fiihrung gelangt:„Das Vermächtnis". Im Lessing-Theater ist heute nachmittag keine VereinSvorstellnng. Am nächsten Sonntag, den 4. Februar, 11. Abteilung„Rosmersholm". Arbeiter-BildnngSschnle. Heute abend 7 Uhr Vortrag des Herrn M. P a n I y über.Feuerbestattung", unter Be- nutznng eines künstlichen Kreniatoriums, im Lokal des Herrn Herz- berg, Alte Jakobftr. 75._ „Wenn d» nn» Almosen gicbst, sollst du nicht lassen vor dir posaunen, wie die Heuchler thun in den Schulen und auf den Gassen, auf datz sie von den Leuten gepriesen werden."(Matth. Kap. 6, Vers 3.) Dieses Bibelwort scheint gerade bei den Frömmsten unsrer modernen Wohlthäter am meisten in Vergessenheit ge- raten zu sein. Gerade sie bemühen sich am eifrigsten, ihre Al- l verletzt. Sie Ivurden mit einein Wageir der bein- Abarten Unfall > station nach Bethanien übergeführt. Starke Verbrühungen an den Beinen erlitt Frl. Hoffmmin, an Händen und Füßen Frl. Ohlert und Frl. Stantzig. Tat leichteren Verletzungen kamen Frl. Pasch [und Frl. Silber davon. Ei» Klcidcrfnnd. der am 4. Dezember vorigen Jahre-Z am Landtvehrkanal gemacht lvurde, ist jetzt aufgeklärt. In der Nähe der Königin Augustabrücke lagen, wie mir seiner Zeit mitteilten, ein Damenjackctt und ein Filzhut mit fünf Hahnenfedern. Erst jetzt ist an der Corneliusbrücke die Leiche des Mädchens gefunden worden das vor dein Sprung ins Wasser die Sachen abgelegt hatte. Die Ertrunkene ist ein 20 Jahre altes Dienstmädchen Anna König, das seit dem 13. September v. I. bei dem Destillateur Koie in der Großen Frankfurterstraße in Stellung ivar. Was das Mädchen in den Tod getrieben hat. ist nicht bekannt. Am 3. Dezeniber trat es abends um 6 Uhr seinen Sonntagsausgallg au und kehrte nicht zurück. Taö Polizeipräsidium teilt mit: Eine große Anzahl von Personen, welche durch den am 24. Dezember v. I. verhasteten Tapezier und Decorateur Max Gau in betrügerischer Weise um Garderobe, Wäsche, Hüte. Kravattcn. Handschuhe usw. geschädigt morden ivarcn, sind wieder in den Besitz ihres Eigentums gelangt. Die Kriminalpolizei hatte in der Wohnung des Schwindlers ein ganzes Warenlager von zum Teil sehr wertvollen Gegenständen beschlagnahmt. Ein großer Teil derselben ist jedoch noch nicht ab geholt worden. Geschädigte Personen mögen sich deshalb in den nächsten Wochentagen' während der Vormittagsstunden im Zimmer 43 der Kriminalpolizei zur RekognoScierung ihres Eigentums einfinden. Bemerkt wird. daß der Schwindler sich die Namen E>r. ehem. Lauge, Assessor Kurt Bönninger, Ernst Kölker, Hans Haag. Lieutenant der Reserve v. Groß u. a. beilegte. Er ließ bekanntlich die erschwindelten Gegenstände nach möblierten Zimmern schaffen, welche er kurz vorver gemietet hatte, und verschwand dann. Seine Geliebte und Komplicin, welche sich bei ihrer Verhaflmig einen falschen Namen beilegte, ist durch die antropometrische Messung als eine Danziger Prostituierte ermittelt worden. Flegelei. Auf dem Grundstück Gcorgenkirchstraße 4 explodierte r_____„, C_.-„-vi ,-.-v---- 1 abends ein sogenannter Kanonenschlag, welcher von einer»och nicht «frommen— steht der Lohn aus Erden, die B e>ch w r ch t r g u n g I ermittelten Person auf das Fensterbrett eines Zimmers im Erd- des unzufriedenen Proletariats, weientlich hoher. Es s tixstfum oeleot i»n> de» lunr Tmrrfi die(fi-ulofimt»»»de» die Mosen„bor den Leuten zu geben, daß sie von ihnen gesehen werden� Allerdings ivollen sie nicht bloß von den Leuten gesehen werden, die sich gleich ihnen an solchem„Wohlthnn" beteiligen, sondern auch— und sogar noch mehr— von denjenigen, die sie mit ihren „Wohlthatcu"„beglücken". Wir verstehen unZ nun nicht sonderlich aus die Kunst der BibelauSlegung. Wir denken aber, wenn der Stifter der christlichen Religion, dem die Bibel die ein gangS citierte Mahnung in den Mmid legt, heute lebte, so würde er sich gegen die zweite Sorte von„Wohlthätern" mit noch größerer Schärfe wenden als gegen die erste. Wie einen Hohn ans das W o h l t h u n würde er es empfinden, wenn er beispielsweise in dem letzten Jahresbericht der hier bei der französischen Gemeinde bestehenden„Gesellschaft zur Verteilung von Brennbolz an vcr- schämte Arme" die Worte läse:„Wie lehr söhnt es den Armen mit dem Reichen ans, wenn dieser, wie die Mit- glieder der Holzgcsellschaft es thun, ihn in seiner Wohnung anfsucht, sich sreundlich und teilnehmend nach seiner Lage erkundigt� und ihn» Hilfe zusagt." Also nicht dem Annen zu helfen, gilt hier als Hauptzweck, sondern ihn mir dem Reichen auszusöhnen, nicht seine Not zu lindern und ihm seine traurige Lage zu erleichtern, sondern sivie es in demselben Bericht heißt)„die Unzufriedenheit des Armen, die ans künstliche Weise geschürt wird, und den Haß gegen die Reichen, der durch maßlose Hetzerei eine bedrohliche Höhe erreicht hat, zu bekämpfen." Auf daß sie„von den Leuten— den Annen— g e priesen werden." geben sie ihre Almoien! Wer freilich nnsere niodcrnen w o h l t h ä t i g- g e m e i n n ü tz i g e n B e st r e b u n g en daraufhin näher betrachtet, der findet bald, daß den a l l e r m e i st e n von ihnen ciii gleiches oder ähnliches Motiv zu Grunde liegt— gleichgültig, ob sie die„Frömmigkeit" oder nur die „Humanität" ausi ihre Fahne geschrieben haben. Fast überall ist es diesen„Menschenfreunden" in erster Linie darum zu thun, die Unzu- sriedenhcit der besitzlosen Klasse zu bekämpfen, vor sich Zu„posaunen", was für ein„warmes Herz" die Besitzenden haben, und so den Annen nnt dem Reichen anszilsöhnen. Christus fügte seiner an solche zweifelhaften„Wohlthätcr" gerichteten Mahmmg die Warnung hinzu: „Wahrlich, ich sage euch: sie haben ihreir Lohn dahin". Er denkt an den„Lohn bei eurem Vater im Himmel", linsern modernen„Wohlthätern"— den bloß„humanen" und auch den mag ihnen daher ganz besonders Lohn„dahin haben." schmerzlich sein, daß sie auch diesen Ein Geschäftsgeheimnis freiiinnig-unparteiischer Zcitnngs- »nachc wird durch folgende Notiz der„Nordd. Allg. Ztg." mitlcidslo' aufgedeckt: In der Nr. 19 der„Berliner M o r g c n p o st" vom 24. d. findet sich die Mitteilung:„Einer unsrer Redacteure, der gestern von Herrn Staatssekretär v. Podbiclski empfangen wurde, ist auf Grund der ihm gemachten Mitteilungen in der Lage, folgendes zu bc- richten: zc." Dein gegenüber ist festzustellen, daß in der Angelegenheit der m der Bndgetkommissio» des Reichstags gegen die östreichische Post- Verlvaltung erhobenen Beschwerden wegen Unterdrückung von Briefen, Verletzung dcS Briefgeheimnisses zc. kein R e d a c t e u r der „Berliner Morgenpost" von dem Herrn Staatssekretär empfangen worden ist. Die Angaben der„Berliner Morgcupost" sind demnach u n tv a h r I Tciimiziaute». Der Gcschäftsaiisschiiß der Berliner ärztlichen Staudesvererne hat das königliche Polizeipräsidium als Aufsichtsbehörde der freie» eingeschriebenen Hilsskassen darauf auf- merksam gemacht, daß— trotz der a» den Geschäftsausschuß vom 1. September 1899 erfolgten Anweisung an den Vorstand des K r a n k e n v e r e i n s für weibliche Angestellte zn Berlin, die im Aerzteverzeichuis der Kasse mitaufgeführten drei Damen z u st r e i ch c n— das Aerzteverzeichuis der Mitgliedskarten des Vereins fürs erste Vierteljahr 1900 die Name» der drei Damen enthält. Derartige Deiinnziationen sind offenbar als Ausfluß einer ganz besonders hochstehenden ärztlichen Standesehre zu betrachten. Es fehlt darin nur noch, daß die verfolgten Aerztinnen nach altem Brauch Fils„Kurpfuscheriiiiicn" beschimpft werden. Tie Politische Geschäftsreklame ist in Deutschland noch nie- tnals so eifrig, so aufdringlich und so geräuschvoll betrieben werden, wie jetzt für die neue Flottenvorlage. Und, wenn man bedenkt, daß es sich für unsere Krupp u. Comp, um die Kleinigkeit von ein paar hundert� Millionen Profit handelt, so ist das etwas sehr Natürliches. Und daß„Kaisers Geburtstag", an den die politische Geschäfts- rcklame, seit es einen giebt, mit Vorliebe anzuknüpfen pflegt, zu einer außergeivöhnlichcn Orgie benutzt werden würde, das Ivar vorausznseheii, obgleich es nicht gerade klug ist, einen Plan, welcher dem Geschmack und den Interessen des deutschen Volkes zuwiderläuft, mit der Person des Kaisers in Verbindung zu dringen. Dem sogeuannten„monarchischen Gedanken" ist es sicher nicht förderlich. daß er in Gegensatz zu den Anschauungen und Wünschen der breiten Volksmasse gebracht wird. Aber das scheint unsre Geschäftspatrioten kaum zn rühren. Sie haben ihr Spescnkonto auch zum gestrigen Tage nach Abwägung aller Chancen entsprechend hoch belastet. Man kalkuliert: Je schreiender, je ausdringlicher Bcgeisternng markiert wird, um so höher die Aussichten auf Profit. Bis jetzt stiinnitc diese Rechnung ja gelchoß gelegt worden war. Durch die Explosion wurden die chciben des Fensters sowie die eines gerade gegenüberliegenden zertrümmert. Von den nach innen geschleuderten GlaSsplittern wurde der Mechaniker Karl Kamerath leicht an der Stirn und der rechten Hand verletzt. Ein tragisches Geschick hat den in einer großen Waffen- und Munitionsfabrik angestellt gewesenen Bnreanchef T. in den Tod gc- trieben. Nachdem er jahrelang bei der Firma seine Schuldigkeit gcthan hatte, wurde er gekündigt. Der dadurch auf das empfind- lichste gekränkte Mann glaubte die ungerechtfertigte Maßregel nicht überleben zu können und griff an einsamer Stelle im Gunewald, in der Nähe des Niemeistersces, zum Revolver. Gestern geleiteten seine Freunde ihn zur letzten Ruhestätte. Wie ein Rasender gebcrdcte sich in der Nacht zum Sonnabend der Ulan Thiel von der 2.' Schwadron des in Moabit garnisoniercnden Regiments. In der Lehrtcrstraße geriet er ans unbekannten Ursachen in einen Streit, der ihn so in Wut brachte, daß er mit dem Säbel blindlings um sich schlug. Der Krankenkassen-Kassierer Dollandt, der Lchrtcrstraßc 39, 4 Treppen wohnt, wurde durch Säbelhiebe bc denktich verletzt und mußte sich in ärztliche Behaiidlnng begeben. Endlich gelang es Civilpersonen und einer herbeigerufenen Militär Patrouille, den Rasenden zu Überwältigen. Er wurde als Gefangener ins Militärlazarett gebracht. Die Leute, welche ihm mit Mühe den Säbel abgenommen hatten, lieferten die Waffe sowie die Dieiistiniitze des Soldaten gestern in der Kaserne ab. Arbcitcr-Ranchcrbnnd. Ans den Vortrag, den Herr Direktor Archcnhold Montagabend in„Kellers Feslsälen" hält, machen wir unsere Leser besonders aufmerksam.(Siehe Anzeige.) Die Lchrstätte AlQ. der Volkshochschule Humboldt Akademie eröffnet m o r g e n, Montagabend pünktlich 8 Uhr und folgende Abende im Äönigslädtuchen Realgymnasinm, Elisabethstr. 57/58, ihre a ch t v o l k s t ü in l i ch e n B o r t r a g ö r e i s e n nomhasier Docenten. Die Hör gebühr für diese sechsstündigen Vortragsreisen beträgt nur 50 Pf., die Vor träge der ersten Woche sind für Mäiivcr und Frauen frei. Es beginnen Montag 8— 82/« Dr. M. Cohn: Das kleine Kind und seine Pflege(init Deinonstratioiie»); 9—9% Dr. O. G r a m z o w: Lebensbilder ncncrcr Philo sophcn. TicnStag 8—8% Rechtsanwalt ft. Jaxusiel: Ans dem RcchtS leben, nach dem neuen Handels- und Bürgerlichen Gesetzbuch; 9—0'/, Dr. R. B u r d i n s k i: Einführung in die Volkswirtschastslehre. Mittwoch 8—82/, Docent E. F. Frey! Die Hauptvertreter dcS deutschen Dramas der Gegenwart; 9— 9% Docent G. S a c u d o t e: Geschichte der italienischen Litteratur. Dante. Donnerstag 9—9% Dr. R. B e t h g e: Deutsche und nordische Göttersagen; Dr. O. Stillich: Volkswirtschaftliche Verbin düngen(Trusts, Smidikate, Kartelle). Näheres in den Lehrprograuunen, welche im Bureau, Th. Fröhlichö Buchhandlung, LandSbergcrstr. 32, und beim Schuldicner Herrn Voigt unentgeltlich zn haben sind. Die Gemeinde Paukoiv macht eine ungesetzliche Ausnahme von der Bestimmung, daß die Wählcrlisicii zur Gemeinderatswahl alljährlich berichtigt und nach Wahlilasien und Wahlbezirke geordnet in der Zeit vom 15.— 30. Januar ansliegen müssen. Während die Listen der ersten und zweiten Wahlllasse fertig vorliegen, wird an der Wahlliste der dritten Wählcrklasse munter gearbeitet, und als unsre Genossen Einsicht in die Wahllisten nahmen und den Thai- bestand konstatierten, wurde ihnen zur Antwort, sie hätten wohl das Recht, die Listen einzusehen und diese zu berichtigen, davon aber. daß die Listen nach Bezirken fertig gestellt und die Namen der Wähler nach laufenden Nummern geordnet sein müßten, könne keine Rede sein. Unsre Genosse» werden am Montag nochmals den Thatbestand feststellen und dann Beschwerde bei der Gemeinde- Vertretung einlegen. Wie die Genossen hieraus ersehen, ist es ihre Pflicht, die wenigen Tage auszunützen und sich in die in alle» Lokalen aiisliegcnden Listen einzuzeichnen. TaS Grab Wilhelm v. Humboldts im Schloßpark zu Tegel ist zum Teil zerstört worden. Am Fußende des Grabhügels haben die Grabschänder ein etwa zwei Meter tiefes Loch gegraben. das sich nach unten hin etwas erweitert. Die Buben hatten es zweifellaS auf die am Sarge befindlichen Metallteile abgesehen, müsien aber bei ihrer Arbeit gestört worden sein, denn eine nach der Entdeckung der Frevelthat vorgenommene Nachgrabung ergab. daß die Metallteile noch vorhanden waren. Das Holz des Sarges ist bereits so vermodert, daß die Ablösung der Metallbcschläge keine Schwierigkeiten gemacht hätte. Der Amtsyorsteher von Tegel hat sofort Schritte zur Ermittlung der Grabschänder gcthan. Für Radfahrer. Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg hat soeben eine 15 Paragraphen umfassende Polizeiverordiinng über den Verkehr mit Fahrrädern auf öffentlichen Wegen. Straßen und Plätzen erlassen, die sowohl für den Ilmfang der Provinz wie für den Stadtbezirk Berlin gilt. Von Wichtigkeit sind folgende Vor- schriften: Bei dem Fahren mit Fahrrädern dürfen, sofern nicht be- sondere Wege dafür eingerichtet sind, nur die für die Fuhrwerke bc- stimmten Wege und Straßen benutzt werden. Außerdem ist der Fahrradverkehr außerhalb der geschlossenen Ortschaften auch auf den neben den Fahrstraßen hinführenden Banketts gestattet. Bei Be- Nutzung dieser Banketts, sowie der etwa von den Wegepolizei- behörden gestatteten Fußwege haben die Fahrer den Fußgängern in jedem Falle auszuweichen oder langsam zu fahren. Zuwider- Handlungen gegen die am 1. März d. I. in Kraft tretenden Be- ftimnmngcn werden mit Geldstrafe bis zn 60 M. bestraft. Ter Boercnkrieg in der Kaserne. Von der Kaiser-GeburtS- tagsfcicr der Berliner Garnison weiß ein Berichterstatter zu melden: Die Chefs erwähnten auch den südafrikanischen Feldzug und gaben der Zuversicht Ausdruck, daß das deutsche Heer, wenn es ciiiinal sein sollte, ebenso einig und mit Nachdruck für Kaiser und Reich eintreten werde, wie das einfache B a u e r n v o l k es gegenüber England für die Wahrung seines heiligsten Rechts, der Existenzberechtigiiiig, gcthan habe. Nach llnterschlagnug von 800V Mark, die der Snb- dircktion der Brandenburgischcn«Piegclglas-Vcrsicherung gehörten, entfloh, wie schon mitgeteilt wurde, am Freitag voriger Woche der 20 Jahre alte Buchhalter Hoppe. In Neu-Ruppin versuchte nun ein junger Mann, auf den die Beschreibung des Flüchtigen paßte, sich in einem Gasthausc zu erschießen. Er verletzte sich schwer und ivurdc als Polizeigcfangencr in daS Krankenhaus gebracht. Hier hat ihn Herr Stabernack, Mitglied der Snbdircktion, vorgestern fest- gestellt. Bei dieser Gelegenheit stellte sich heraus, daß an den Ber- untreuuiigen auch ein bei der Snbdircktion beschäftigter 22 Jahre älter Buchhalter Johannes Koch beteiligt ist. Herr Stabernack machte hiervon telephoniich der Kriminalpolizei Mitteilung. Diese nahni Koch gestern abend, als er vom Geldeinziehen nach Hanse kam, in den Geschäftsräumen in der Lindeiistraße 70 fest. Ein schrecklicher Unfall, bei dem eine Frau und sieben junge Mädchen zum Teil schwer verletzt wurden, hat sich gestern vormittag in der Wäschcfabrik von I. K r a f t u. I a co b i in der Münzstr. 4 zugetragen. In der Frühstückspause kamen zahlreiche Mädchen aus der Blusen- und Hemdcniiäherei und andern Abteilungen der Fabrik wie jeden Vormittag nach der Wäscherei, um ans einem großen Kessel Kaffccwaffer zu entnehmen. Der Kessel hängt in der Schwebe, damit man ihn leicht seines Inhalts entledigen ünd reinigen kann, soll aber durch einen SichcrheitSscbicber festgehalten werden. Ob- wohl nun diese Fahrlässigkeit erst kürzlich in' einer Wäschefabrik im Osten der Stadt ein schivereS Ilnglück herbeigeführt hat, so war doch versäumt worden, den Schieber vorzulegen. Ohne daß sie das wußten, schöpften die Mädchen das kochende Wasser, bis einer der Kessel, der schon einem geringen Drucke nachgiebt. umkippte. Der Inhalt ergoß sich über die'lliustchcndcn und verbrühte sie mehr oder weniger schwer. Am schlimmsten erging es der Wäscherin Frau Köhler aus der Strelitzerstr. 33, die ani nächsten stand. Sic wurde am ganzen Körper entsetzlich verbrüht und mußte mit einem Lückschen Rettungs- wagen nach dem St. Hedwigskrankenhause gebracht werden. Fast ebenso schwer wurden die Näherinnen Fräulein Kurth und Krichling Ans den Aachbarorte». Die Parteigenossen in den Vororte» BrrlinS werden auf' gefordert, bis zum 30. d. M. die W ä h l e r l i st e n zu den im März statt- findenden Gemcindcratswahlcn nachzusehen. Wer keine Zeit hat. selber auf das AmtSbiirean zu gehen, gebe seine Legitimation an einer der bekannten Stellen seines Wohnortes ab l Parteivcrsaniiiilnugen in den Vororten. Dienstagabend spricht Lankow im socialdemokratischen Verein zu Stralau- Rummelsburg bei Piatowski, Hauptslr. 83. über die Eutwick luug Frankreichs.— In Lichtenberg hat der Wahloerein Montag- abend 9 Uhr Frankfurter Chausse 120 eine wichtige Versammlung.— In F r i e d e n a n- S t e g l i tz wird Dienstag bei Schcllhase. Ahom- straße, im Arbeiterbildungöverein ein Vortrag über die Pflichten der Gemeinde gehalten.— Im Arbeiterverein Pankow- Nieder- schön h a u s e n hält Dienstagabend 8>/s Uhr Kotzke einen Vortrag „Was will die Socialdeniokratie". Dem Charlottenburger Bürgermeister Herr« SchnstehrnS ist gestern der Titel„Oberbürgermeister" verliehen worden. Ter HauShalt der Stadt Charlottcnbnrg ist nach dem so- eben vom Magistrat fertig gestellten Entwurf für daS Rechnungs fahr 1900/1901 auf den Gesamtbetrag von 25 Millionen Mark ein- schließlich des Extra-Ordinariums angewachsen. Noch im Jahre 1890 betrugen die gesamten Einnahmen und Ausgaben nur 7,6 Millioncii Mark, so daß sich der Etat in den letzten 10 Jahren um mehr als verdreifacht hat. Schvncbcrg. Der Friedenaner OrtStcil, der in letzter Zeit ganz rapid zugenommen hat. soll nuiimchr eine Gemeinde- Doppel schule mit 18 Klassen erhalten. Die Ausarbeitiing des Projektes soll derartig beschleunigt werden, daß die Anstalt am 1. April 1901 beziehbar ist. Einen Angriff gegen daS Rixdorfer Kriegerdenkmal hat gestern ein Straßenbahnwagen unternommen. Bei dem Wagen 1761 der Linie Knescbeckstratze— Dönhoffplatz versagte, als dieser die Ziethenstraße hinabgefahren kam, die Brcnisvorrichtnng, und mit voller Wucht fuhr der schwere Wagen über die Kurve in der Berg- straße hinaus direkt auf den vis-a-vis der Straße gelegenen Platz mit dein Kriegerdenkmal zu. Einer der Masten der elektrischen Leitung stellte sich hier dem Koloß in den Weg und hemmte seinen Weiterlauf. Die starke Gnßstahlfäule ist toral kriiinm gebogen und der dieselbe am Fuß umhüllende gußeiserne Mantel ist in viele Stücke zerschlagen. Bon dem Wagen selbst ist am Vorderperron und das über diesem befindliche Dach total zertrümmert. Der Lenker des Wagens hat nur leichte Verletzungen an der Hand davon- getragen. Von den im Wagen befindlichen Passagieren hat nur eine Frau Namens Keller, die infolge der Erschütterung mit dem Kopf gegen die Thürklinke geschleudert worden war. eine leichte Wunde an der Stirn und eine leichte Quetschung der Brust davon- getragen.- Allgemeine FmiiilieinZterbe-Kassc. Heute Zahltag: Ackerstr. 123 bei Diele und Oranienftr. 185 bei Butrowron 3—8 Uhr. Deutsche Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege. Montag, den 29. Januar, abends"i/U Uhr, im Hygienischen Institut, Klosterstr. 36, I. Tagesordnung: 1. Neuwahl des Vorstandes. 2..Kassenbericht. 3. Vortrag: Herr Prof. Dr. W. K o l l e vom königl. Institut für Infektionskrankheiten: „Südafrika, seine vorherrschenden Krankheiten und gesundheitlichen Verhält- ni'fe vom Kap bis zum Zarnbesi, nach eigenen Beobachtungen." VevmiMkes- I» der Treptow-Sternwarte hielt Professor Ginzel vom astrouomischcii Recheiiiiistitiite einen Projektionsvortrag Über die Be- Ziehungen der Finsternisse zur Mondtheoric und Chronologie. Nach einleitenden Erklärungen über die Entstehung der Sonnen- und Mondfinstcriiisie zeigte der Vortragende die Wichtigkeit der historischen lleberlieferung über beobachtete große Sonnenfinsternisse für die Mond- lheorie, indem er an einigen Beispielen, namentlich an der Sonnen- fiiisternis vom 22. Dezember 968 n. Chr., für welche aus Byzanz, Corfn und Uuteritalicn mindestens fünf geschichtliche Augenzeugen angeführt werden, nachwies, daß die berechnete Centralitätszone bei den älteren Finsternissen oft von der faktisch beobachteten differiert und sonach die historische lleberlieferung nicht selten die Möglichkeit dar- bietet, dem entsprechend Verbesserungen in nnsercr Kenntnis der Moudbelvegiuig vorzunehmen. Hieraus ging Professor Ginzel näher auf die Entstehung der Ungleichungen in der Mondbewegiuig ein. wies auf die Schwierigkeiten hin, welche sich der Lösung des Problems einer genaneii und eiiiwurfsfreien mathematischen Mondtheorie entgcgcustellcn, und hob die überaus großen Anstrengungen hervor, welche in dem eben abgelaufenen Jahrhundert von de» Astronomen in dieser Beziehung gemacht worden sind. Insbesondere haben Plana, Hansen und Delaunay wohl jeder zwanzig bis dreißig Jahre ihres Lebens der Mondtheorie geopfert. Die Frage nach dem Betrage der hundertjährigen Beschlennigung der Mondvcwegiing, einer für die Astronomie sehr wichtigen Zahl wegen der richtigen Wieder- gäbe der alten historischen Finsternisse, ist immer noch nicht gelöst; inaii weiß gegenwärtig nur, daß die Zahl zwischen den Beträge» von 7 bis 1l Bogcnsekiinden liegen muß. Der Vortragende verfolgte dann in den Hauptzügen die Arbeiten, die im neunzehnten Jahr- hundert zur Abkürzung und Vereinfachung der Berechnung der Sonnen- fiiisternisie besonders' von Hansen und Oppolzer gemacht worden sind und besprach eingehender den großen von Oppolzer geschaffenen .Kanon der Finsternisse", welcher über 8000 Sonnen- und 5200 Mond- finsternisse Rechenschaft giebt. Hierauf berührte Prof. Ginzel seine eigenen Untersuchungen an historischen Finsternissen aus der Zeit des Mittelalters,' welche er zum Zweck der Verbesserung der Oppolzerschen Tafeln vorgenommen hat und zeigte in Bildern Bruchstücke seines neuen„Speciellcn Kanon der Finsternisse", aus welchen ersichtlich wird, das in diesem Werke nunmehr für die ganze historische Epoche, von 900 v. Chr bis 600 n. Chr., und für die Länder der alten Geschichte alle stattgehabten Finsternisse in den Details berechnet vorliegen. Hochwaffer. Wegen Hochlvassers ist der gesamte Eisenbahn- Verkehr am E l b q n a i in D r e s d e n- A l t st a d t und Dresden- Neustadt und der Verlehr nach dein Elbqnai in Risa bis ans weiteres eingestellt. Grubennusälke und kein Ende. Auf der Zeche„General Blunicnthal" Schacht II bei Rccklinghausen wurden infolge Explosion schlagender Wetter vier Bergleute schwer verbrannt. Unter diesen befindet sich der Obersteiger Günther.— Auf Zeche„König Ludwig" Schacht III wurden zwei Arbeiter, Formester und Rarelli, unter teinmasien begraben, tot aufaefundei!. Das Unglück soll durch einen zu früh gelösten Sprcngschnß entstanden sein. Turchgcbrannt mit Hinterlaffung enormer Schulden ist, wie man aus E i s e n a ch berichtet, der Kanfmann P i l g r i in, Vorsitzender des Anfsichtsrats des l. Vorschnßvereins in Vacha. Pilgrim war früher General-Verwalter am Hofe der verstorbenen Land- gräsin von Heffeu-PhilipSthal. Durch GcfälligkcitS-Accepte verlieren eine Reihe Personen etwa 80 000 Vi. Auch den Fonds zur Errich- tinig einer Bisniarckfäiile auf dem Oechsenberg hat der Flüchtling, über dessen Vermögen der Konliirs eröffnet worden ist, mit- genommen. Acht Pockcufälle sind in K ö n i g S b e r g i. Pr. seit Mitte Dezember vorigen Jahres vorgekommen. lieber eiu Banniiglück in Reutlingcu wird berichtet: Als _ onnabendvonnittag 8 Arbeiter einen schweren Slcin auf ein Gerüst transportieren wollten, verschoben sich plötzlich die Bretter, auf welchen die Leute gingen. Drei Arbeiter konnten sich retten, fünf stürzten ab, von denen einer getötet und einer schwer verletzt wurde. Drei trugen leichtere Verletzungen davon. Ter krankhaft veranlagte Baron. Ans Wien berichtet man dem„Kl. Journ.": Die gegen Baron Hermaini Teschenberg aus Berlin wegen grober Unsittlichkciten eingeleitete Untersuchimg wurde eingestellt, da die Gcrichtsärzte uuwiderstehlicheu Zwang' infolge krankhafter Veranlagung konstatierten. Die Fieberepideinic iu Barcelona findet täglich weitere Opfer. Am Donnerstag kamen, wie man uns von dort meldet, allein 124 Todesfälle vor. Wetter-Proanose für Sonntag, den S8. Januar 1900. Etwas kälter, zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe mit Niederschlagen und frischen uordwesllicheii Winden. Berliner Wetterdnreau. am 26. Ja»«ar 1900 kgl. Polizclvriisidinms. Marktpreise von Berlin iiach Er»ultlliii,nn des ')Weizc>i D�-Ctr" •iSioflßcn Filtler-G erste, Hascr gut mittel » gering Jiichtflroh HeUI t)tSrt(tH �Speisedohlie» tA'im'fu ifiutosteln, neue Rindileijch, Zlculc l Kx do. Bauch» Eritiiltclt pro Tonne noii der CenlrtilsteNe der Preith Land- wirtschast�kaniincril— Notieningsstelle— und liuigercchnct noni Polijci- prüsidin», für de» Doppclccutiier. t) Kleinhandelspreise. Produlten markt voni 27. Januar. Auf deni Gctreidcniarlt ent- wickelte sich»utcr dem Einflust hoher AuSlaiidsnotierungcii sehr feste Haltung. Insbesondere die bedeutende Preissteigerung für Brotgetreide in Paris sowie gebesserte Tcndenzberichtc aus New Iorl und Chicago»er- ii'Uni ,»«»?? Cr.. fi. crr... �....... v.»* ew» beide Brotartikel herbei. Haser war von der iÄcsamttendcnz gleichfalls sttinulierend beeinflnstt. Rstböl prcishaltend. Am S p i r i t u S m a r k t wurden 15 000 Liter 70er loco mit 47 M. (+ 0,10) gehandelt. Städtischer Schlachtvieh marlt. Berlin,' 27. Januar 1900. Amtlicher Bericht der Direktion. Zum Verlauf standen: 4432 Rinder, 1193 Kälber, 8135 Schafe, 7002 Schweine. Befahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Marl(beziehungsweise für 1 Psnnd in Pf.): Für Rinder: Ochsen: a) vollflcischige, ausgeinästete, höchsten Schlachttvertes, höchstens 7 Jahre alt 02—00, b) junge fleischige, nicht ausgeinästete und ältere ausgculästete 57—01; o) mäßig genährte junge und g»t genährte ältere 53—55; d) gering genährte jeden Alters 50—52.— Bullen: ») vollflcischige höchsten Schlachtwcrtes 59—03; b) inähig genährte jüngere und gut genährte ältere 54—58; c) gering genährte 50—53.— Färi'cn und Kühe:») vollfleischige, ausgeinästete Färsen höchsten Schlachtwcrts 00—00; b) vollflcischige, ausgemästete Stiche höchsten Schlachtwertcs bis zu 7 Jahren 53—54; o) ältere anSgcniästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 51—52; d) in ästig genährte Stiche und Färsen 48—50; e) gering genährte Kühe und Färsen 43—40.— Kälber: a) feinste Mastkälber(Vollinilchmast) und beste Saugkälber 70—72. b) mittlere Mastkälber und gute Sangkälber 02— 00, o) geringe Saugkälber 50— 50, d) ältere, gering genährte(Fresser) 42—50.— Schafe: a) Mastlännner und jüngere Mast- Hammel 59—02, b) ältere Masthamniel 53—58, c) m ästig genährte Hammel und Schafe(Merzschase) 40—52, d) Holstein« NicderungS- schafe(Lebendgewicht) 00—00.— Schweine: a) vollfleischige, der feineren Rassen und bereit Kreuzungen im Alter bis zu V/, Jahren 46—47, b) Käser 00-00, c) fleischige 43-45, d) gering entwickelte 40- 42, o) Sauen 39-42. Verlauf und Tendenz. DaS Rindergeschäft wickelte sich langsaiit ab und hinterlästt Ueberstand, nur beste, junge, schwere Stiere waren rascher verkäuflich. Der Kälberhandel gestaltete sich gedrückt und schleppend, c« wird kaum ausverkauft. Bei den Schafeil war der Geschäftsgang langsam, es wird nicht ausverkauft. Der Schiveincuiarkt verlief ruhig und wurde geräumt. Ständiges Repertoire: Neues Königliches Opcrn-Theater. Diesen Sonntag: Otto Langmann Wwe. Nächsten Sonntag: Keilte Vorstellung. Residenz-Theater. Alle Abende: Die Dame von Mariin. Mctropol-Theater. Alle Abende: Die verkehrte Welt. �.halia-Theater. Alle Abende:' Im Himmelhof.«entral-Thcater. Alle Abende: Die Neine Exccllcnz. Bictoria- Theater. Alle Abende: Berliner Bilder. Carl Weis«- Theater. Sonntag, Montag: Lenorc. DienStag und folgende Tage: Die Jagd nach dein Glück, llrania. Alle Tage: Von den Alpen zu»« Vesuv. Mittwoch: Pros. Dr. Otto 91. Witt: Geschichte der Farbcn-Jndustrtc._ Durch Unterzeichneten ist zu beziehen:.,. »»s Arbeiterrecht Rechte und Pflichten des Arbeiters in Deutschland aus dem gewerblichen Arbeitsvertrag, der Unfall-, Kranken-, Invaliden- und Altersversicherung nnter besonderer Berücksichtigung des Durgerlichkn Gesetzbuchs wit vielen Beispielen und Formularen für Klagen, Anträge, Beschwerden, Berufungen usw. Erläutert von A.rtlmi' Stadthagen „,_. Mitglied des deutschen Reichstags. sI950b Vanl Schilling, Buchhandlung, Reinickendorf(West), Berlinerstr. 2b. Die Auslage erscheint in 22 Heften, pro Heft 20 Ps. Auch durch Postnachnahme oder Einsendung des Betrags zu beziehen. Rodert Scheere, Restaurailt„Sänger h c i in" O. Blnnicu. Strafte 38. „.... � Telephon: Amt VII Rr. 37««. JlrbcitsuachwclS der Möbelpolierer, Brauer, Brancrei-Hilfsarbeiter. Zahlstelle des Verbandes der Holzarbeiter, Metallarbeiter, Buchbinder, der OrtS- Krankenkasse der Möbelpolierer, der Central-Krankeiikassen der Schuhmacher, Gold- und Silberarbeiter, Buchbinder, und Zahlstelle des Wahlvereins für den 4. Berliner Reichstags-Wahlkreis(Osten).(35051, an« nnd reinem Koggen Jtalz gebrannt M Echte Kornbrannlweine___ Wiekscher Liter 65 Pf., Richtenbcrger 95 Pf., Münsterländer l,w M.. Bres- lauer 1,25 M., Steinhäger, Doornkaat, Ag novit zc, in Originalsüllung. (5ognac in groher Auswahl, Fl. 1,10—25,00 M. Feinste in-»nd ans- ländischc Liqucure, Ungartveine:c. cinpfiehlt die Weinhandlung von FWilllimpif Alexanderstrafte 62, PotSdnmerstraftc 48(Eingang •"HIU1I1CU, Kurfürslenstraste), und Skalifterstrafte 13S.(35309* Ausscliauk Brauerei Hiliebeiu Tel.: Amt VII, 037 Alexanderstrafte 3« Tel.: Amt VII, 037 Oekonom: Wlax Kreutz. Empfehle mein Familien-Restaurant, 5 schöne Vereinsziuimer»nd 2 Kegelbahnen. Prachtvoller Garten für Vereine zu Soutmerfesten. 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Für_ die Folgen dieses Sturzes beanspruchte er von der Steinbruchs- Berufsgenossenschaft eine angemessene Unfallrente; er wurde jedoch mit der Begründung ab- gewiesen, daß der Unfall weder örtlich, noch zeitlich, noch ursächlich mit dem Betriebe der Cementfabrik zusammenhänge. Das Schieds- gericht verwarf die von Köhler eingelegte Berufung und führte in der Begründung des Urteils unter anderm aus: Es sei zunächst hervorzuheben, daß der bloße Auftrag des Arbeit- gebers oder, wie hier, des Vorarbeiters au den Kläger, eine den Zwecken des betreffenden Betriebes fremde Handlung vorzunehmen, noch nicht genüge, um die anbefohlene Handlung zu einer Betricbsthätigkeit zu machen. Daraus folge, daß im allgemeinen nicht maßgebend und ent- scheidend sei, wer die Thätigkeit des sArbeitcrs veranlaßt hat, sondern welchem Zwecke sie diente. Anch die Zurücklegung eines Weges müsse auf den betriebstechnischen Teil des Be- ttiebs und nicht im r auf den geschäftleitenden Teil ge- richtet sein, wenn der auf diesem Wege passierende Unfall als Bc- triebsunfall im Sinne des Gesetzes gelten solle. Die Reise, die der Kläger auftragsgemäß zur Besorgung eines Sargs für den im Be- triebe getöteten andern Arbeiter unternommen hatte, habe aber weder unmittelbar noch mittelbar den Zwecken des Betriebes selbst gedient, auch sei sie nicht auf den betriebstechnischen Teil des Untcrn'ehniens der Portland-Cementfabrik gerichtet gewesen. Das Vorliegen eines Betriebsunfalles müsse deshalb verneint werden.— Der Kläger legte Rekurs ein und machte geltend, daß der Vorderrichter ganz über- sehe, in welchem abhängigen Verhältnis der Arbeiter zum Arbeitgeber und dessen Beauftragten stehe. Er hätte sich jenem Auftrage nicht entziehen können, wenn er nicht hätte riskieren wollen, seine Arbeit zu verlieren. Aber auch sonst noch könne der Zusammenhang mit dem. Betriebe nicht wohl bestritten werden, denn es handele sich hier um die Beschaffung eines Sarges für einen im Betriebe verunglückten A r b e i t e r. Uebrigcns müßte eine lebendige Rechtsprechung den tocialen Geist, von dem die zu Gunsten der Arbeiter er- lassenen Gesetze durchdrungen seien, hinter dem knappen Wortlaut des Gesetzes verspüren und von ihm durchdrungen sein.— Das Reichs-Versicherungsamt wies indessen' den Rekurs als unbegründet zurück, weil der Sarg nicht im Interesse des Betriebes bestellt worden sei und die Bestellung auch s o n st nicht ursächlich mit dem Betriebe zusammenhänge. Hitzschlag als Betriebsunfall. Der Landivirt Marchal war den Folgen eines Hitzschlags erlegen. Seine Hinterbliebenen be- anspruchten darauf von der landwirtschaftlichen Bernfsgenossciischaft für Lothringen eine Unfallrente und behaupteten, daß ein landivirt- schaftlicher Betriebsunfall vorliege. Der Verstorbene wäre gezwungen gewesen, bei drückender Hitze auf freiem Felde zu arbeiten und'sich so einer erhöhten Hitzschlaggefahr auszusetzen. Die Berufsgenossen- schaff lehnte aber den Anspruch mit der Begründung ab. daß ein Betriebsunfall nicht anzunehmen sei. Auf die Berufung der Kläger veranstaltete das Schiedsgericht eine Beweiserhebung, aus der hervorging, daß es am fraglichen Augusttage sehr schwül war. Verschiedene Zeugen bekundeten, der Verstorbene habe nach' mehr- � ständiger Arbeit über heftige Kopfschmerzen geklagt und fei deshalb nach Hause gegangen, wo er zusammen- gebrochen sei und die Krämpfe bekommen habe.— M. hat noch einige Tage gelebt und, wie die Zeugen sagen, meist.sinnloses Zeug geschwatzt".— Medizinische Sachverständige, die das Schiedsgericht befragt hatte, äußerten sich dahin, daß ein Zusammenhang des Unfalls mit dem landwirtschaftlichen Betrieb nicht zu verkennen sei. Das Schiedsgericht folgte diesen Ausführungen und ver- urteilte die Berufsgenosscnschaff zur Gewährung der Rente. Der Genossenschaftsvorstand legte Rekurs ein. Das' R e i ch s- V e r- ficherungsamt erkannte ebenfalls zu Gunsten der Hinter- bliebenen, indem es ausführte, auf Grund der Zeugenaussagen sei anzunehmen, daß der Hitzschlag wesentlick bedingt worden sei durch die Hitze und die Art der Arbeit. Der vertragsmäßige Kündigungsausschlnß im Baugewerbe. In letzter Zeit haben wiederholt Zimmerer durch Klage beim Ge- Werbegericht wegen plötzlicher Entlassung Lohn- entschädigungen verlangt nnd sich darauf berufen, daß der in dem bekannten EinigungSvertrage ausgesprochene Kündigungsausschluß für sie keine Geltung habe. Der eine betonte,' er habe damals nicht mitgekämpft, der andere meinte wieder, es sei nicht organisiert und hätte als Person dem Vertrage mit den Unter- nehmern nicht zugestimmt. Alle diese Einwände werden vom Gewerbegericht für nichtig erklärt. Der Vertrag sei in dem Vertragsgebiete bindend für alle Angehörigen der bei seinem Abschluß beteiligt gewesenen Arbeitnehmer- und Arbeitgeber- Kategorien. also auch der darin enthaltene KündigüngSausschlnß.— Die be- treffenden Kläger wurden abgewiesen. Versammlungen. Eine Debatte über Wcltpolitik gab es am Dienstag in der sehr gut besuchten Versammlung des Wahlvereins für den dritten Reichstags-Wahlkreis. Wolfgang Heine, der über dies Thema sprach, führte aus: Wir müssen uns. trotzdem unser Ziel die zu- künftige Gesellschaft ist, auch mit den Verlegenheiten der gegen- wältigen beschäftigen, weil wir uns nicht wie Münchhausen am eigenen Zopfe aus dem Sumpfe ziehen können, sondern Boden unter den Füßen haben müssen, und dies ist der Boden der heutigen Gesellschaft. Aber freilich, so lange der heutige Staat uns verfolgt und unsre Bestrebungen nicht mit dem gleichen Maße mißt wie die andrer Parteien, haben wir keine Pflicht, uns an jeder gesetzgeberischen Aktion zu beteiligen, die seinen Bedürfnissen entspringt. Wir haben sogar die Pflicht, unsre Opposition, unser Mißtrauen zu zeigen. Im Verlauf seiner Aus- führungen kam der Redner zu dem Schluß: Eine Weltpolitik, wie wir sie unS denken, muß internattonale Beziehungen pflegen, auf Erhaltung des Friedens und Förderung der Wissenschaften und innere Gesundung der Völker gerichtet sein. Die Social- demokratie ist die einzige Partei, welche diesen Weg konsequent verfolgt. Die Weltpolitik de« 20. Jahrhunderts kann nur die der Socialdemokratie sein.(Lehafter Beifall.) Außer zwei Rednern, die nichts Bemerkenswertes sagten, nahm auch der national-sociale Dr. Maurenbrecher das Wort. Er be- merkte zunächst, er wolle Heine gegenüber nicht den spöttischen Ton anschlagen, mit dem dieser gegen die Nattonal-Socialen polemisiert habe, denn Heine stehe den National-Socialen zu nahe. �Heiterkeit.) Er freue sich über den warmen vaterländischen Ton des Referenten. welcher beweise, daß Heine sein Vaterland lieb habe.(Lebhafte Rufe: Das haben wir alle lieb.) Solche Töne seien nicht immer in der Socialdemokratie angeschlagen worden. Ranientlich. meint der Redner, sei es Liebknecht, der von der Vertretung des nationalen Gedankens nichts wissen wolle. Weiter vertrat Herr Manrcnbrechcr in einstündiger Rede die bekannten national-socialen Ideen der Kolonial- und Weltpolitik. Namentlich wandte er sich gegen die von Heine proklamierte Solidarität der deutschen und englischen Arbeite und erklärte er,»ke deutsche«rbefferbewegnng habe ein daran, daß die englische Arbeiterbewegung zurückginge. Genosse Fritz trat dem Vorredner entgegen und betonte besonders, daß Liebknecht ebenso, wie unsere Partei' überhaupt, neben unseren internationalen Bestrebungen auch stets die berechtigten nationalen Interessen vertreten hat. Genosse Heine verwahrte sich entschieden dagegen, daß er den National-Socialen nahe stehe, weil er etwas gesagt'habe, was Herrn Dr. Mauerbrecher gefiele. Dieser hat auch— sagte der Redner— manches gesagt, was mir gefallen hat, aber ich sage: Wie fern steht er uns.(Beifall.) So oft ich öffentlich rede, tritt irgend jemand von den National-Socialen auf und sagt: Heine gehört eigent- lich zu uns. Ich habe Grund, diese aufdringlichen Liebeserklärungen der National-Socialen abzulehnen, denn deren Absicht ist zu durch- sichtig. Nach dem Grundsatz: Teile nnd herrsche, glauben sie Zwic- tracht in unsere Reihen zu iäe», wenn sie mich als„national-social" bezeichnen. Sie werden aber ihre Absicht nicht erreichen, denn selbst, wenn es ihnen gelänge, mich aus der Partei hinaus- zudrängen, dann hätte' die socialdemokratische Partei einen Mann weniger, aber die Partei bliebe dieselbe und ginge ihren Weg weiter.(Lebhafter Beifall.) Hierauf widerlegte Genosse Heine die sachlichen Ausführungen des Dr. Maurenbrecher in treffender Weise, er wies aus den Publikationen uational-socialer Führer nach, daß diese, indem sie Deutschland an die Seite Ruß lands weisen, zum Kriege mit England hetzen, und erklärte es als den Kern der national-socialen Irrtümer, wenn die National-Socialen verkennen, daß deutsche und englische Arbeiter die gleichen Interessen haben. Der warme vaterländische Ton, der Herrn Maurenbrecher auffiel, sei in unsrcr Partei nichts Neues, nur sei unser Patriotismus etwas ganz andres, als der Knechtfiun, den unsere Gegner als Patriotismus ausgeben. Ganz falsch sei es, wenn Herr Dr. Maurenbrecher Liebknecht als einen Gegner nationaler Ideen hinstelle. Für den wahren Patriotismus, der darin besteht, daß im Vaterlandc Zustände geschaffen werden, die jeder gern zu verteidigen bereit ist, sei auch Liebknecht stets eingetreten.(Zu- ftimmnng.) DaS wirkliche Interesse der Völker erheische nicht, daß jedes die Ellbogen breit mache, um möglichst viele Püffe auszuteilen, sondern daß die Völker einander die Bruderhand reichten, um gemeinsam zu fördern, was ihnen allen nütze, und abzuschütteln, was sie bedrücke. Der Redner schloß: Wir sind internationale Socialdemokralcn, aber auch gute Deutsche.(Stürmischer Beifall.) Nack einer persönlichen Bemerkung des Dr. Maurenbrechcr wurde die Versammlung mit einigen geschäftlichen Mitteilungen geschlossen. Die Pole» iu Berlin hielten am Sonntag, den 21. Januar, eine große Versammlung im Saal von Buggcnhagen ab. Ein- berufen war die Versammlung von dem Centralkomitce der hiesigen polnischen konservativen Vereine, mit der Tagesordnung: llnsre socialen Verhältnisse. Der Referent, Schneidermeister Berka«, ermahnte die Polen zum fleißigen Sparen. So führte er Beispiele an, daß es unter den Polen Familienväter gebe, die bei einem Ver- dienst von 18 M. pro Woche noch Geld sparen und in der hiesigen polnischen Sparkasse hinterlegen können. Von nnscrn Genossen nahm M o r a w s k i das Wort. Er inartstc die Versammelten auf die Erfolge der deutschen Socinlde wkratie aufmerksam und er- mahnte sie zum Anschluß an dieselbe. Weiter kritisierte Redner die erbärmlichen Verhältnisse in Posen. Hier sinke der Lohn bei Schuhmachern und Schncidem bis auf 3 Mark pro Woche bei freier Kost und Logis herab. Der Maurer Kovalski. Vorsitzender eines katholischen Vereins, plädierte für den Anschluß an diese Organisation. Ebenso wendete sich der Arbeiter Hellwig, Vorsitzender des polnisch-katholischen Vereins in der Rüdersdorferslraße, gegen die Ausführungen des Genossen Morawski. Er schrie in die Ver- sammlung hinein. daß die Polen mit der deutschen Social- demokratie nichts Gemeinsames haben und schimpfte dann tüchtig auf Bebel nnd Singer. Dem Genossen Bcrfus nnd der Genossin Rosa Luxemburg, welche sich ebenfalls zum Wort gemeldet hatten, wurde in der weiteren Diskussion das Wort abgeschnitten. Mittlerweile hatte Dr. Wolfhcim eine Resolution verlesen. in der die polnischen Reichstags-Abgeordnctcn gebeten werden, mit der polnischen Kolonie in Berlin Fühlung zu nehmen. Dagegen protestierte Morawski, indem er bemerkte: Jede Gescllsckaft besitzt die Abgeordneten, die sie verdient. Ihr habt die Geistlichkeit nnd den Adel zu Euren Vertretern gewählt; aber sie kümmern sich trotz Eurer Bitten und Einladungen nicht um Euch. Sie fühle» sich nicht einmal veranlaßt, eine so große Versammlung wie diese zu besuchen; die Luft ist ihnen hier zu drückend... Bei diesen Worten erhob sich ein Tumult und die Versammlung wurde aufgelöst. Die Töpfer hielten am Donnerstag eine öffentliche Versamm- lung ab. Der Vertrauensmann David warf zunächst einen Rück- blick auf die gewerkschaftliche Thätigkeit während seiner Amtsführung und erstattete dann den Kassenbericht über die Zeit vom 2. Sep- tembcr v. I. bis 23. Januar d. I. Die Einnahmen beliefen sich auf 3352,06 M., die Ausgaben betrugen 4302,65 M., bleibt ein Bestand von 2049,41 M. Dem Vertrauensmann wurde Dccharge erteilt und beschlossen, aus dem Kassenbestand 1000 M. an den Central- Vorstand nnd 100 M. an die streikenden Formstecher, zu überweisen. Hagen, der den Bericht von der Gewerkschaftskommission erstattete, empfahl der Versammlung, von der Neuwahl eines Delegierten Ab- stand zu nehmen, da die Gewerkschaftskommission mit Rücksicht auf die Aufhebung des Vcrbindungsvcrbots eS nicht mehr für angebracht halte, daß die Delegierten in öffentlichen Versammlungen gewählt werden, sondern daß die Vorstandsmitglieder der Gewerkschaften in die Kommission delegiert werden. Die Versammlung erklärte sich damit ein- verstanden. Derhierauf von David erstattete Bericht dcrLohnkommission. sowie die nachfolgende Debatte beschäftigte sich vorwiegend mit Tarifangelcgenheiten. AuS den Darlegungen der Redner ging her- vor, daß sich vielfach Zweifel über die Auslegung mancher Po- sitionen des Tarifs ergeben und Differenzen nicht selten des- halb vorkommen. weil' die Arbeitgeber den Tarif oft in ein- seitiger Weise zu ihren Gunsten und zum Nachteil der Arbeiter auslegen. Ja. es sei sogar schon vorgekommen, daß Arbeit- gebcr den Tarif absichtlich umgangen' haben. Den Kollegen sei zu raten, daß sie in allen tariflichen Streitfragen auf ihrem Recht bestehen, sich nicht übervorteilen lassen und in Streitfällen die Ent- scheidung der gemeinschaftlichen Kommission herbeiführen. Zum Schluß teilte der Vorsitzende mit, daß diese Versammlung die letzte öffentliche Töpfcrvcrsammlung sei. Vom 1. Februar an werden alle gewerkschaftlichen Angelegenheiten durch den Verband erledigt. Der Verband der in Buchbindereien rc. beschäftigten Arbeiter nnd Arbeiterinne» hielt am 23. d. Mts. seine sehr stark besuchte Generalversammlung ab. Aus dem Geschäftsbericht geht hervor, daß das verflossene Jahr für die Organisation günstig war. Es ist eine beständige Zunahme der Mitglieder, deren Zahl jetzt auf über 1600 männliche und über 900 weibliche angewachsen ist, zu verzeichnen. Von sechs erfolgten Arbeitsniederlegungen sind vier günstig verlaufen. Durch den Arbeitsnachweis wurden im letzten Quartal 192 männliche und 139 weibliche Arbeitskräfte vermittelt; im Monat Dezember war es unmöglich, alle offenen Stellen ;u besetzen, etwa 110 Arbeitskräfte wurden nur zur Aushilfe ür einige Tage verlangt. Die Bibliotheks- Kommission hatte eine Einnahme von 455 Mark. Den streikenden östrcichischen Bergarbeitern wurden 100 M. als Unterstützung bewilligt. Der Kassenbericht hatte die größte Einnahme seit Bestehen des Verbandes aufzuweisen. Für die Centraikasse betrug die Einnahme 8865,30 M., die Ausgabe 2243,02 M. Für die Lokalkasse ist neben einem Be- stände von 2993,73 M. eipe Einnahme von 3112,12 M. und eine AuSgabe von 1620,28 M. zu verzeichnen. Hierbei fei noch erwähnt, daß für Arbeitslosen-Unterstütznng allein 455,50 M., als Unterstützung für Streikende andrer Berufe 250 M. gezahlt ivurden. Die Neuwahl der Ortsverwalttmg crgicbt folgendes Resultat: Vorsitzender: Schumacher, zweiter Vorsitzender: Thielemann; "«rLeinfe*: Kloppe«per, Sommer ,-ztveiter echrift- führer; H 0 f f m a n n, D u st, Frau Stoppel, Käse und Veit, Beisitzer. Es folgt dann die Wahl der Hilfskassierer und Branchen-Vertrauenslente. Der Antrag der Ortsverwaltung, bezüg- lich eines Abkommens mit der„freien Hilfskasse", zur Mitbenutzung der Vcrbandsräume gegen entsprechende Entschädigung, gelangte nach kurzer Besprechung zur Annahme. Vor Schluß der Versammlung mackte der Vorsitzende noch aufmerksam auf die am 18. Februar stattfindende Vorstellung in der„Urania", wofür Einlaßkarten in allen Zahlstellen zu haben sind. AdlcrShof. In der am 22. d. M. hier stattgefnndenen Volks- versammlung sprach Herr Hildebrandt über das Thema: Ist das Vorgehen der Gemeindeverwaltung und der Lehrerschaft ver- cinbar mit der Jugenderziehung? Anlaß zur Erörterung dieses ThemaS gab die seitens der Lehrer veranstaltete Ausftagc der Kinder über Verdienst und Beschäfttguna der Eltern. Auf eine Anfrage, zu welchem Zweck diese Umfrage erfolgte, erklärte ein Lehrer, daß dies zum Zweck der Stenereinschätznng geschehe. Hiergegen wandte sich der Referent in entschiedener Weise, von der Anschauung aus- gehend, daß weder die Schule befugt, noch es ihrer Aufgabe entspricht, Umfragen zu diesem Zweck zu veranstalten. Zu der Ver- sammlung waren der Gemeindevorstand, die Schuldeputation, die Lehrerkollegien und die Gemeindevertreter eingeladen. Erschienen war nur ein Lehrer, die anderen Herren hatten sich damit ent- schuldigen lassen, daß sie keine Zeit hätten, außerdem gebe es keinen andern Weg, denn von den Eltern wäre doch keine Auskunft zu er- langen. Für die angegriffenen Lehrer nahm dann im Laufe per Debatte der in der Versammlung erschienene Lehrer das Wort, um die Aus- führungen des Referenten zu widerlegen. Er stellte die Ilmfrage als harmlos hin und meinte im übrigen, die Lehrer seien eben nur die ausführenden Organe der vorgesetzten Behörde. Dem trat zum Schluß der Referent scharf entgegen, der Meinung Ausdruck gebend, daß es den Lehrern besser anstehen würde, sie wiesen solche Zu- mutungen zurück, zumal sie von ihrer vorgesetzten Behörde gar nickt ausgingen. Zum Schluß gelangte eine Resolution im Sinne des Referats zur Annahme, die entschieden Protest erhebt gegen diese Art der Steuereinschätzung. Niedcrschönewcide. Zum erstenmal seit vier Jahren tagte hier am 22. d. M. in der Schulthciß-Braucrci wieder eine öffentliche Versammlung, welche sich mit der bevorstehenden Gcmcindcwahl be- schäftigtc. Reichstags-Abgeordnctcr Fritz Zubcil hielt das Referat. Der Streiter im Kampf' gegen den Umsturz, Herr Amtsvorsteher v. Oppen, erwies uns seine Aufmerksamkeit dadurch, daß er dem Wirt des Lokals eine Verfügung sandte, wonach seine Räume um 10 Uhr zu schließen seien. Diese vom Kammer- gericht als unzulässig bezeichnete Maßnahme machte es not- wendig, die Tagesordnung kurz zur Erledigung zu bringen/ In ca. einstündigcm Vortrag besprach Redner, oft von Bcirall unter- brache», die Forderungen unsreS Parteiprogramms auf kommunalem Gebiet. Auf die örtlichen Verhältnisse eingehend, meinte Redner, cS sei wohl manches in den letzten Jahren geschehen, das dem Fort- schritt entspreche, andrerseits aber lasse noch vieles zu wünsche» j übrig. Keine Berücksichtigung habe die. Schularzt- Frage ge- funden, die Forderung der Neuzeit: Unentgeltlichkcit der Lehrmittel sei nicht durchgeführt. Die Badccinrichtnng sei wohl vorgesehen, aber noch immer nicht in Gebrauch gesetzt. Die'Wähler der dritten Klasse haben die Aufgabe. diese Mängel durch die Wahl geeigneter Vertreter abzuhelfen. In der Diskussion kritisierte Genosse Weber die Ucbcrschreitnng des Etats, welche wohl auf die Aufwendungen, welche man für die „Aula-Kirche" gemacht habe, zurückzuführen sei, weshalb wohl anck die zu einer modernen Schule gehörende Turnhalle nicht gebaut werden konnte. Zu einer wahren Kalamität für die in Sedan resp. bei Kuhnheim wohnenden Kinder sei der gegen früher noch vermehrte Nachmittagsunterricht geworden. Nicht allein daß die Kinder von morgens 7 Uhr bis abends 5 Uhr un- unterbrochen im Gange sein müssen, haben sie dann noch mindestens bis abends 7 Uhr Schularbeiten zu machen. Ein weiterer Mißstand sei das Schließen der Schuleingänge während der Lehr- stunden, speciell bei Feuersgesahr. Nachdem Redner noch auf die paradiesischen Zustände der Bürgerstcige vor den Grundstücken gerade der reichsten Leute des Ortes, der Herren Schulz und Lehmann, hin- gewiesen, versuchte Herr Ottmann die hiesigen Einrichtungen als gute zu schildern, fand aber keine Zustimmung. Hierauf wurde Weber als Kandidat einstimmig aufgestellt. Als der Vorsitzende auf Grund oben angeführten Kammcrgcrichts-Entscheids die Versammlung um 10 Uhr nicht schloß,' erhob sich der überwachende Gendarm, um selbst zu schließen. Unter großer Heiterkeit aber wurde ihm bedeutet, daß er dazu kein Recht habe, und als er dann seinen Irrtum einsah, löste er die Versammlung auf. Berichtigung. In unserm Versammlungsbericht über die Ver« Handlungen des Rixdorfer Gewerksckaftskartclls ist die Maßregelung eines Schlächtergcsellen geschildert. Es heißt da, daß der Betreffende 7 M. Wochenloh'n bei freier Kost erhielt. Diese Mitteilung ist im« richtig, der Gcmaßrcgelte erhielt bei dem Meister 10 M. Wochenlohw In einer uns übermittelten Zuschrift behauptet auch der Schlächter« meistcr Knebel, daß er den Gesellen nicht gcmaßregelt habe. VevmifiJikes. Ei« socialistischcr Papagei, der sich mausert. Das Tages- gespräch aller Brüsseler Hofkrcisc bildet ein kleines Abenteuer, das der Königin der Belgier zugestoßen ist. Die Königin wollte aus Anlaß des neuen Jahres dem Kinde ihres Leibarztes Thiriac eine besondere Freude bereiten, und nach langer Ucbcr- lcgung entschied sie sich Anfang Dezember für einen Papagei. Ein prachtvoller Papagei wurde bei einem Brüsseler Händler er- tvorben und nach dem Laekener Königsschlosse gebracht, um der Königin vorgeführt zu werden. � Das geschah, aber zum Entsetzen der Umgebung rief der Papagei im Saale des Schlostes: „A das le Roi! A bas le Eoi do Carton! Vivo lo Eepublique!" Die Königin lächelte, befahl den Ankauf des Papageis und ordnete an, ihm„passendere" Rufe beizubringen. Der gelehrige Vogel wurde einer neuen Erziehung und Unterweisung unterzogen, und als er endlich dieser Tage der Königin vorgeführt wurde, war aus dem socialistischcn Papagei ein köniastreuer Papagei geworden, denn er rief fort und fort;»Vivo lo Eoil Vivo Ja Eeine!" Ein Jammer, daß das belgische Volt sich nicht mit ebenso leichter Mühe königS« treu dressieren läßt. Das russische Tekteuwcscn. Neuen statistischen Daten zufolge erreicht die Zahl der Angehörigen der verbreitetsten russischen Sekte, der Rafkobniken, annähernd 1405 000, die Anhänger der„ratiöua« listischen" Sekten belaufen sich auf 842 000, worunter 35 000 Stundisten, und den„mystischen" Sekten gehören 25 000 Gläubige an. Die größte Zahl der Sektierer entfällt der„Nowoje Wremja" zufolge auf die Gouvernements Don, Orenburg. Tomsk, Wjatka, Samara, Plozk, Nischnij-Nowgorod. Tschernigow, Saratow und den Kaukasus, in welchem trotz wiederholter' Answanderunge» noch immer gegen 20 000 Duchoborzen ansässig sind. Die geringste Zahl dex Sektierer findet sich im Gouvernement Poltalva. Im allgemeine» haben die Sektierer ihre Wohnsitze hauptsächlich am Don, im Ural, im Kaukasus und in Sibirien. Von den inneren Gouvcniemcnts ist nur Tambow stark von Sektierern bevölkert. Mit dem Sektierertum, das zum Teil nur in äußeren Formen der Gottcsverehrung mit der griechisch-katholischen Kirche differiert, zum Teil aber auch sich von deren starren Glaubcusdogmc» los« gelöst hat.„kämpfen" zur Zeit gegen 250 Missionare außer den Geistlichen und 8 Gesellschaften, die ausschließlich zur Bekämpfung des Sektierertums gegründet sind. In den letzten 60 Jahren sind 311 279 in den Schoß der orthodoxen griechisch-katholischen kkirckv zurückgekehrt, doch wird diese Zahl von der der inzwischen Ad» gefaffenen weit übsrtrmnpft.'(*U Aiir teu Inhalt der Inserate kbernimnit die Ncdatiio» de», Pnbliknin gegenüber keinerlei Berantwortnng. Whrttkev. Sonntag, 28. Januar. Freie Volksbühne. Carl Weih Theater. 6. Abteilung(grüne Karten): Das Vermächtnis. An- fang 2-V« Uhr. Opernhaus. Margarethe. Ansang 71/2 Uhr. Montag: Die lüstigen Weiber von Windsor. Schanspielhans. Verschwörung des Fiesco zu Genua. Anfang 7V- Uhr. Montag: Egmont. Neues Opern-Theater(Kroll). Otto Langmann Wwe. Anfang 7% Uhr. Deutsches. Der Probekandidat. An fang 7Vi Uhr. Nachm. 2Va Uhr: Fuhrmann Henschel. Montag: Der Meister von Palmyra. Lefsing. Fastnacht. Vorher: Die sittliche Forderung. Ans. 7:/z Uhr. Nachm. 3 Uhr: Als ich wieder- kam.., Montag: Fastnacht. Vorher: Die sittliche Forderung. Berliner. Der goldene Käfig. An- fang 7l/z Uhr. Nachm. 2�/, Uhri Götz von Ber- lichingen. Montag: DaS deutsche Jahr- hundett. Schiller. Das Käthchen von Heil- bronn. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Ehre. Montag: In Behandlung. Neues. Ein unbeschriebenes Blatt. Ansang 71/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Hofgunst. Montag: Ein unbeschriebenes Blatt. Westen. Der Zigeunerbaroi». An- fang?V- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Martha. Montag: Der Troubadour. Thalia. Im Himmelhof. Anfang 7-/2 Uhr. Nachm. L'/z Uhr: Freund Fritz. Montag: Im Himmelhof. Residenz. Die Dame von Maxim. Anfang 7Vzl,Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Schlaswagen- Controleur. Montag: Die Dame von Maxim. Luisen. Anne Reiche. Ansang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Minna von Barn- Helm. Montag: Kean, oder: Genie Und Leidenschaft. Central. Die kleine Excellenz. Ans. 7V- Uhr. Nachni. 3 Uhr: Boccaccio. Montag: Die kleine Excellenz. Carl Weist. Lenore, die Grabes- braut. Anfang Va8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Victoria. Berliner Bilder. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3Vi! Uhr: Marianne, ein Weib aus dem Volke. Montag: Berliner Bilder. Friedrich- Wllhelniftäbtisches. Der Boerenkrieg in Transvaal. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3�/2 Uhr: Faust. Montag: Der Boerenkrieg in Transvaal. Belle- Nllianee. Gastspiel des Schlierseer Bauern- Theaters. Jm Austragstüberl. Ansang 8 Uhr. Montag: Der Herrzottschnitzer von Ammergau. Mctropol. Specialitätenvorstellung. Die verkehrte Welt. Anfang 7V- Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Apollo. Specialitäten- Vorstellung. Im Reiche des Jndra. Anfang ?Va Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. RelchShallen. Stettiner Sänger. Anfang 7 Uhr. Palast. Leute von heute. Special!- täten-Vorstellung. Ans. 6 Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Passage- Paiioptikuin. Special) CvnkVÄll Throkev Direktion: Joes Ferenory. Sonntagnachm. 3 Uhr zu halben Preise»: Boccaccio vonFranzv.Suppö. Abends 7Vj Uhr: Die kleine Excellenz. Operette in drei Akten von Richard Hellberger. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. täten-Vorstelliuig. llrnnia. Invalide»?!». 57/«2 Täglich abendS von b— 10 Uhr: Sternwarte. Tanbenstraste 48/49. Abends 8 Uhr:„Bon den Alpen zum Vesuv". Im Hörsaal: Dr. Donath: „Röntgenstrahlen". Montag:„Von den Alpen zum Vesuv". SlPer-TWtt (Wallner-Theater). Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Ehre. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudsrulann. Abends 8 Uhr: Da» KiUhchen von Hellhronn. Großes histor. Ritterschauspiel in b Akten von Heinrich von Kleist. Montag, abends 8 Uhr: In Bchandlaug. Dienstag, abends 8 Uhr: Zum erstenmake: Amphltryon. Der zerbrochene Krag. CarlWelss-Theater Gr. Fraiitfurterstraste 1 Nachm. 23/4 Uhr Freie Bolksbnhne: Das Vermächtnis. Abends 7Vz Uhr: Lenore, die Grabesbraut. Montag zum ketztenmäle: Eenore. Ifietropel-Ilrtr Bchrenstrassc 55/57. Liane de Vn'es. Rapoli. Carmen Rosario. TheClives. Pauline d'Argent Littice Caiisen, sowie das ausgesuchte.Janiiar- SpeclalitUten- Programm. Jim 9 Uhr 30 Minute» Die verkehrte Welt mit der feenhaften Truppen- Revue. Anfang: Wochentags 8 Uhr, an Sonn- und Festtagen 7r/, Uhr. Sonnabend. 3. Februar: Dritter psserlHetropol- Theater-bken-Ball. Palast-Theater früher Fccn-Palast, Burg st r. 22, Nur noch bis Dienstag.-WR lagara-Trlo. Osadasan. Felicitas Truppe. Gebrüder Wardini. Perslval Sydnai. Bendix. Cleo de Vits. Gebr. Wicbmann. Latours, Miniatur-Lach- geister usw. Dienstag zum Ictztclimale: Das humorvolle Berliner Lebensbild Urnko vrou ljente. Kiebitz, Bäckermeister Dir. Wilb. Frödel. Ansang der Vorstellung 7 Uhr, des Konzerts(i Uhr. Oeffiiung ö Uhr. Billet-Vorverkouf von Ii— 1 Uhr. Mittwoch, 31. Januar: Sommer- fcld-Beneflx. S o ii naben d: Palast- Thcntcr Maskenball. Große Preis- Vor- teilung. Idalia-I'kkater. Tel. AmtIVa 6440. Dresdenerstr. 72/73. Täglich: Noch nie dagewesener Possen- Lacherfolg t Im Himmelhof. Thomas, Thielscher, Helmerding, Junkermann, Paulmiiller. Morgen und folgende Tage: Im Himmelhof. Sonntag, den 28. Januar, nach- mittags 2»/, Uhr, zu ermäßigten Preisen: Frcnncl Fritz,— Rabbi Sichel— Gustav Kober a. G. Apollo-Theatei'. Sensationeller Erfolg! Im Reiche des Indra. Anfang 8Vi Uhr. Vorverkauf täglich im Theater sowie im„Invalidendank' und .Künstlerdank'. American-Theater. DreSdenerstr. 96. Dir.: Emil Schnabl. Äfeelliins »V- Meter m Berliner Ronlotte. Anfang Vz8, Kasseneröffnung 6 Uhr. Montag zum erstenmale: Eine Generalprobe von Maria Stuart bei Direktor Lumbe. Sanssonci Kottbnsci-str. 4 a. Hentc Sonntag: Hoffmanns Norhheiltsihe Siiilger Neu! Ballettratte» und Hoffmanns neuest. Schlager Liebste liebe Halme! Nach der Soiree: Tanzkrilnzchen. Montag: Ballottratten und Siehste liebe Hanne. Rnsms Wrnngelstrasse 10/11. Jeden Sonntag:[3497S* Grosser Ball. Auf. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäule». 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Ciiulaeellft. Drei Dilrchcngrnppcn. C-Irlviis Biiscls. Heute Sonntag, den 28. Januar: Zwei graste brill. Borstellungen. Nachmittags 4 und abends 71/..Uhr. Nachmittags 4 Uhr: Olhiiipifche Spiele. Mr. Rivalli, der Feuerprinz. Original-Wclt-Jockcil-Akt. Original- Meisterdreffuren des Dir. Busch. Das Bettpfcrd. Die besten Clowns. Abds. 7Vz Uhr: Die Uarnorr». Die Mätwees-Akrobaten-Troupe. Hcnte Sonntag, de» L8. Januar: 9 graste brillante"HW Nolli-Vorftkliiuigc». Nachm. 3>/z Uhr u. abendS T/s Uhr. In beiden VorstellunzeN: Gleich reichhaltiges Programm, sowie Bor- fllhrnng der anerkannt unerreicht dastehenden Original-Drcffurcn des Dir. Aib. Sciuimann. In beiden Vorstellungen: Nur noch kurze Zeit: Die in Ahirnotos. The 3 Haydas. Japan in Berlin. Die Araber. Die kaiserlich japanischen Hofklinstler. Nachmittags auf vielseitiges Ver- langen: Im Weihnachtsbazar oder Die Plippenkbuigin. Nachm. ein Kind frei. Jedes weitere Kind von 10— 14 Jahren halbe Preise (auäcr Galerie), abends jedoch volle Preise. Hur noch einige Male: Die erste» und einzigen tauchen- den und schwimmenden Hirsche in Deutschland. Letzte Souiitags-Ailffllhrung: Schwarz und W e 1 s 8 Montag: Gala-Sport-Vorstellung. Neues Programm. Dil. Noacks Theater, Briiuneustrabe 16. Goldene Berge. Lebensbild mit Gesang in 3 Akte» von Willen und Jacobsohn. Mnfik von Michaelis. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag nach der Vorstellliug: Tanzkriinzchen. Montag: Goldene Berge._ Reiehshallen. Täglich: Stettiner Sttnger Anfang; Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree BO Pfennig. Vorverkauf 40 Ps. Zum Schlust, neu: Küiistler- typen, Ensemble von Mcysel. SciiCBCl Garten Arn Königsthor. Arn Friedrichshain. Jedtil Tonntag: Bali. SoNabenb im FtbrUr frei. Giordano Bruno-Feier arrangiert zu Gunsten des Baufonds der FFGirGlSfjiÖSGH CfGlüGilldG am Montag, den 19. Februar d. J., in Nellevs Koppenstrasse No. 29. Grosses Vokal- n. Instrumental-Konzert unter Mitwirkung des gemischten Chors der Freireligiösen Gemeinde. Fesfrede, gehauen von Prof. Dr. Albert Gehrke. Aus dunkler Zeit! Lebende Bilder mit verbindendem Text von C. 31. Sciivola. I. B i 1 d; Buddha. Vom Königsthron zum Volke. IH. Bild: Christus. „Kreuziget ihn! Kreuziget ihn!' V. Bild: Ii n t h e r. „Hier stehe ich, ich kann nicht anders J" II. Bild: 8 o k r a t e s. Letzte Augenblicke im Kreise seiner Schüler. IV. Bild: Johann Hnss. „O, saneta simplicitas!' VI. Bild: Oiordano Brnno. „Verdammen ist leichter, denn widerlegen!" VII. Bild: Apotheose: Sieg der Menschheit. Deklamation, gesprochen v. C. M. Sciivola; Kostüme aus dem Atelier v. B. Schröder, Passauerstr. 3. Anfang 8 Uhr."WW Blllets a 30 Pf. erhalten die Mitglieder in den Billetstellen der Freireligiösen Gemeinde. Mitglieder, Damen und Herreu, welche geneigt sind, bei den Bildern mitzuwirken, werden ersucht, sich Donnerstag, den I. Febr., abds. S'/e Uhr, Avis! bei Keller, Koppenstr. 29, einzufinden. 92/1]_ Bas Komitee. Kriegers Festfäle Wasserthorstrastc 6S[• einpächlt seine Säle für Privatfestlich- leiten, Kränzchen, Vereinen und zu Versalniululigen.— Jeden Sonntag, Dienstag u. Donnerstag: Gr. Ball. Aihamhea Wallnertlienter-Sfrassc 15 Jeden Sonntag und Donnestag: Gr. Ertra-Ball bei doppelt besetztem Grostcs Orchester. Anfang 5 Uhr. -j-8ö A. Xameltat. £ Weist n. Bayrischbrer-Lokal ? Gnstav I.a«lenig. 3 Koillmaiidailtciiftraste 05, N au der Alte» Jakobstraße. Vcreiiiszimnier mit Piano für Perf. Tel.: Amt 4a, 6591. Freie Volksbühne. Heute nachm. S3/« Uhr: 6. Abteilung im Carl Welss- Theater: Das Teriuttchtnls.— Im Xesslng- Theater keine Vorstellung. Sonntag, 4. Debruar: S. Abteilung in» Messing Theater: Kosmersnolin. 228/7 Der Vorstand. I. A.; G. Winkler. Bei den bekannten Mistständen und Mistcrfokgcn der Krebs-Operationen Zeigt: „Dr. Robinski< Berlin) Operieren oder Nichtoperieren bei Krebserkrankungen und andre zeitgemässe.insbesondere therapeutische Fragen.(Bin weiterer Beitrag:„Heilung der Krebs- Erkrankungen)" (Pr. 5 5011.) eine neue Welt der Therapie dieser und andrer sebweren Erkrankungen, Von deins. Verfasser früher er- schienen: „Heilung d. Krebserkrankungen nach langjährigen, eigenen Unter- suchungen u. Erfahrungen.(Pr. 10 Mk.) „Zur Tuberkulose- und Krebs- beliandlungsfrago'(Vergriffen). Verlag: Kobinski& Co., Berlin(W.) 6. Cognac selber zu machen. Man nehme 1 Originalflasche Reiclikh Gognac-Essenz für 7» Pf., 1 Liter feiliste» Wein geift(Lpiritus vini) zu 1,40 M. nlld l1/. Liter Wasser. Die Mischung ergiebtein reines. gesundes, feingeistiges Ge- tränk, vollständig von dem vollen, natürlichen Bonquet und herrlichen Geschmack wie echter Eognae. Es giebt Nachahmungen, welche Cognac in nichts gleichen als iu der Farbe nnd nur Mistfalleu erregen. Dausendfach erprobt und anerkannt ist nur die un- übertreffliche, unvergleichliche kelcIttlLGognaG-Esaenz. welche echt nur mit meinem Namenszug einzig: und allein nnr direkt erhältlich ist bei vito Reickel, Berlin, Eisenbahnstraste 4. Fernsprecher-Amt 4 3190. Auf je 6 Flaschen eine siebente gratis. Bei IS Fl. ansterdem franeo Deutschland. Ber- kanfSstcllen nirgends. Zi» seiidnng frei Haus durch meine Gespanne, selbst ein- zelne Flaschen, auch Wein, geist.Answärts durch die Post. Di° Selbstbertitiliig Dttttt Xordliiinser und Sll.lll#fnintl.Iiiqnenpen mit den Kombinierten O r 1 gin al-Beichel- Gssenzen.(Patentamtl. geschützt.) Prospekte m. Rezepten gratis u. ftanco nebst Rezepten zu hochfeinem Fler-Ooguae. Arbkitkr-Lückungssvliule. Sonntag, den S8. dlanuar, abends 7 Uhr, im Ijohal des Herrn Herzberg. Alte Jakobstr. 75: Vortrag des Herrn M. Pauly über:„Feuerbestattung" (durch Vorführung eines künstlichen Krematoriums). Nach dem Vortrag: Gemütliches Eeisanimcnscin u. Tanz Eintritt 10 Pfg. Garderobe 10 Pfg. 4/8* Brandbesehätligte[420 Kleiderstoffe, Reste f. Herren-, Damen- und Kinderkleider. Seltene Gelegenheit., Bärwaldstr. 83 pt.J. a. Hallesch.th, Hopp oi» Strasse 29. 34962' Heute, Sonntag: Grosse Solree-WE der Steiumetz-SLnger sowie Grosses Konzert. Dirigent R. Tietz. Nachdem: Gr. Ball. Zwei Kapellen."sOS(Anfang 4 Uhr.) Gonis Keller. Schnegelsbergs Festsale, l1: Inhaber: Utax Sehjindlcr.— Telephon: Amt IV Nr. 1132. Heute: Großer Ball_ als Specialität: IWf Pfarinkuchenrcgen.-M> Täglich: Speeialitätcn-Borstellung. Enttee frei. Empfehle den geehrten Gewerkschaften, Vereinen, Fabriken ec. meine Säle. 300 und 1200 Personell fassend(mit Bnhne) zu Verfamm- luligen und Festlichkeiten jeder Art. 3382L� Cirauffianns Festsäle, früher Renz, NttNtttznfiusHe 87*(3493e* Empfehle nieiite Säte, 900 Personen fassend(auch mit Bühne), zu allen Festlichkeiteii n. Bersammluiigen. Einige Sonnabende sind noch frei für Vereine. Jede» Sonntag und Donnerstag: Groaser Hall. Alle übrigen Tage steht mein Lokal zu Versammlungen zur Verfügung. Fest-Säle, mdA miClli Hasenheide 13, 14, 15. Im neuen Festsaal. Eingang Hasenheide 13, jede» Sonntag: Gr. instrumental-Konzert. Anfang 6 Uhr. Entree 30 Pf., Vorverkauf 2» Pf.— Nach dem Konzert Tanzhrtinzeheu!— In den Nr. 14 und 15 belegenen Sälen jeden Sonntag: Grosser Ball! Anfang 4 Uhr, Ende 2 Uhr.— Empfehle mei»e gesamte» Säle Vereinen und Gesellschaften zu Versammlullgeii und Festlichkeiten.— Die Osterfeicrtage find noch zu Matinees zu vergeben. s3449L»f' Hax Kliem, 11 Borgen, Bontag. 29. Januar. 8 L'hr, im weissen Saale der Gcrmanla-Praohtsttle, Cliaussecstrasse 103: Vortrag des Herrn B. Kretzsehmars Deutscher Marine-Offizier u. Chlnes. Torpedo- Direktor». D. Thema: Die letzten Weltercignisse nnd die deutsche Flotte. Vorführung von grossen lAchtblldcrn ans dem deutschen Barinelebcn n. d. Transvaal-Kriege. Karten mit reichausgeetattetem Programm a. d. Kasse. 3464L zu Hoifmauns Volksgarten, Westend am Spandauerborg1, Kastanien Allee 1. empfiehlt den geehrten Bereinen von(kharlottenburg seine 851« Festlichkeiten und Bersainmlnngen in ieder Gröhe. Jeden Sonntag: IM' GLokev Nsll. 3381 L's Fntree Frei. � 2 Iieirdare Wlnter-Kegelhahnen.(Sonnabende zn Maskenbällen noch frei) 1 Thoölöffol genügt vollständig, um sich 2 Tassen vorzüglichen, gesundhoitlich zutragliohen Kaffees herzustellen. Halb Bohnen u. halb Carola-Kaffee liefert in Stärke und Geschmack ein vorillgllches Getränk, trotz dieser Vorzüge kostet Vi Pfd. Carola-Kaffee nur 30 Pf.[3423L*: Ueberau zu haben. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Branchen- Versammlnngen Vl'vvkslsn. Montag» den 29. Januar cr.» abends 8 Uhr» im Lokal des Herrn Keller» 5loppenstr. 29: 2 große DrotlchtHversammlmlgen der Drechsler Berlins nnd Umgegend. Sämtlicher Kollegen, welche in Specun- Werkstätten(elsene Arbeit) ouf Ti'ch-, Bettstellenarbeit, Sofafiibe usw. beschäftigt werden(oberer Saal). 2. Alle Kollege», welche in Möbeldrechslcreic» sowie in Tischlereien in Arbeit stehen(unterer Saal). Tagesordnung in beiden Versammlungen: 1. Die Lohnbewegung der Möbeltischler, und gedenken die vreolislv»' sich derselben anzuschlieszen? 2. Diskussion. 3. Festlegung der Preise und sonstiger Forderungen. 33®" Die Kollegen werden der sehr wichtigen Tagesordnung halber ersucht, recht vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Ganz besonders sind aber die Kollegen der Vororte als: Nixdorf, Wcihensce, Frtedrichshagen usw. eingeladen. Selbige haben Lohntarife mitzubringen. Beitrngssaininlcr anwesend. Die Kommissionsmitglieder werden wegen einer wichtigen Vorbesprechung um 7 Uhr erscheine».__ KoHbmaoheri Montag, de» 39. Januar 1900, abends 8 Hz Uhr, bei Wilke, Andreaostrastc Nr. 36: Tages-Ordnnng: 71/6 Der Stand der Lohnbewegung. Verschiedenes. Achtung, Parkettbodenleger! Montag» dcfl 29. Januar» abends 8 Uhr, im Lokal BuSke, Grenadicrstraste: TageS-Ordnung: 1. Wie stellen sich die Kollegen zur Lohnbewegung in diesem Frsthsahr? 2. Branchenangclegenheit und Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Dienstag, den SO. Januar cr.» abends 8 Uhr, bei Mann, Stra»chbergerstras,e Nr. 3: Kieierne Möbel und Särge. Mttwoch, den 31. Januar er., abends 8 Uhr, bei Keller Lloppcnstrastc Nr. 29: Kaftenarbeit und Spiegel. Donnerstag, den 1. Februar, abends 8 Uhr, bei Stcchert ZlndrcaSstraftc Nr. 21: Bilffetts und Schreibtische. Tagesordnung: Unsere Forderungen. Um Zahlreiches Erscheinen ersucht Dle Ortsverwaltung. DeutschJetallarbeiter-Verband. Vernaltnne«8tclle Berlin. DienStag. den 30. Januar 1900, abends SVz Uhr: Versammliiiig der Gold- Mb Silberarbeiter Ililb BcnifSgellOsstil im„BrosSenor Vnrten", Drcsdcnerstrahe 45. Tageö-Ordnntig: Vortrag deS Herm Br. dVolIIielm über:„Die materialistische Geschichtsauffassung". 110,12 Dienstag, de» 30. Januar 1000. abends 7 Uhr: Versammlung iu Obev-Schöueweide, tm Lokale des Herrn Dneprer, SiimenSstr. 5. Tages-Ordnung: „Die nioderue Arbeiterbewegung und die christlichen Arbeiter Vereine." Referent: Carl IflasMatsch. Blenstne, den SO. Jannnr, abends SVj l'hr, In dw»„Ariulnhallcn", Konimandantcnsiraasc 80: fkttraiif«0W((n«rr=|oMfw»j der Crflrtler und Drücker. JDic Ortsberwaltuiig. Verein der Kleber(Tapezierer). Niittwoch, den 31. Januar, abends 8>,'z lllir, im Lokale des Herrn Baster, Jusolstraste 10: Versammlung"UW Tages- Ordnung: 1. Bericht der Lohiikoiumission. 2. Bericht über die Bau-Enquete. Z. Tarifausgabe. 4. Vereinsangelegenheiten. Gäste willkommen. Achtung! Laut Beschluß der Versammlung vom 17. d. M. sind zur besseren Kontrolle folgende Sonntagvorniittag stattfindenden Frühsprachen eingerichtet: Norllen: Lychenerftraße 133 bei Silbernagel. Nordosten: Frankfurter Allee 70 bei George. Südosten; Wienerstr. 33 bei Stephan. Centrum, Süden u Westen: Schühenstr. 18/19 bei Plnzer. Daselbst sind die Marlen ,u entnehmen.____ Bcr Yorstand. Kistenmacher! Montag, den 29. Januar, abends 8'/2 Uhr, in den Armin- hallen, Kommandantcnstraftc 29: Große öffeotlichr iiersaiiiilililiig. T a geS- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Zlet�ner über:„Wert und Nubcn der Organisation." 2. Diskussion. 3. Abrechnung des Vertrancnsmnnncs vom 4. Quartal. 4. Verschiedenes. 91/3 Uni zahlreiches Erscheinen erstickt___ Der Bcrlraucnsma« n. AM«ng! Tapezierer. A«"«»! dan Äü. bi ftU � s, � v» �>«se,,»!*•$«<*••, Achtung, Moabit! Mßiitag, leit 29. Sdinmr, dentis 8 llhr, iil her„Monbiter Vranerei", Tnri»str.2l-2ß IM" Sommunalwahler-Bersammlnug für de« 44. Kommunalwahl-Bezirk. Tages-Ordnung: I. Die bevorstehende lZstadtverordnetenwahl im 14. Bezirk. Referent Genosse BvrKniann. 2. Diskussion. 3. Ausstellung eines Kandidaten 219/2 SBr* Parteigenossen, sorgt dafür, daß diese Versammlung gut besucht wird und agitiert rege für die be- vorstehende, am 14. Februar stattfindende Nachwahl, Ber Vertrnncnsinann. lilM! MAURER. MÜH Dienstag, den 30, Januar, abends 8 Uhr,„Bornsfia-Säle", Ackerstr. 0/7: Äusserordentl. General-Versammlung des Vereins znr Mahrnng der Interessen der Manrrr Vevlins und Umgegenv. Tages-Ordnung: 1. Die einheitliche Gestaltung der öffentlichen sowie der Vcrciusorganisation. 2. Diskussion, 3. Wahl des Vorstandes ev, Lohnkoininission; Wahl der Hilfskassierer, Beitragssammler nnd Revisoren? Wahl der AgitationSkommtsstoll resp, des Ausschusses. 4. Vereinsangelegenheiten. 129/2 SÜT Ohne Mitgliedsbuch keine» Eintritt. Die Versammlung wird Punlt 8 Uhr eröffnet. Der Vorstand. I.A.:<». Herforth. Karl Kaasch! unfett« gahlstellen-Wirt, zum 51. Geburtstag am Montag, den 29. Januar, ein dreimal donnerndes.Hoch! Karl! laß Dich nicht aus der Ruhe bringen! s299lb Ole centralisierten Zimmerer vom Bezirk 8. Volkshochschule Huniboidt- Akademie. Lehrstätte 3iO. (Känigstadtf. Elisabethstrasze 57/58. Atorgc» Montag und folgende Abende pünktlich 8 und 9 Uhr be- ginne» die 8 Volkstümlichen Vor- tragSreise»(je 6 Stunden). Hör- gebühr 50 Pf. pro Reise, Programme gratis. TY. Fröhlichs Bnchh., Landsbergerstr. 32. Erste Woche für Männer und Frauen frei. Aihtiiilll! Mardsvieler. Grones Brei«-Billardsplel im Restaurant W. Erbe, Envrh- flraifo 85: 1. Preiö 2. Preis 3. Preis [38S7Lt 1 Piano im Werte von 500 M. 1 goldene Daincnuhr, Wert 50 M. 1 silberne Herrcnuhr, Wert 30 M, 4 Preis 1 Musik-Albnm, Wert 15,-- M. stillt noch kurze Feit! Blllet ä 50 Pf. ! Maurer! AlhtW! Dienstag, 30. Januar, abends� Uhr, in IteHers Festnälen, Koppenstr.ÄS: General-V ersammlnngf aller zum StreikpWet Berlin und Umgegend geird'renden Mands-Zalilstellen. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht und Abrechnung der Verbandsleitung. 2, Neuwahl derselbe». 3. Verschiedenes. MG?- Das VerbandSbuch legitimiert,"9Q 130/7 Guten Besuch erwartet__ Ble VerbBiid»lcltnns. I. A.: Karl Panser._ Geffcntlirho Lithogrlljihell-Bersllliliulililg am Mittwoch, den 31. Januar, abends 8'/- Uhr, im grosten Saal der Arminhallen, Kommandantenstrahe 29. Tages-Ordnung: 1, Jettback und Dr. Gerschel als Vertreter deS Aibcitgeber- Verbandes, Referent: Kollege Tir-ebendOrrer. 2. ArbeitSverhält wisse und Berufsorgniiisatio» der Lithographen. 3, Verschiedenes, Zu dieser wichtigen Versammlung sind alle Kollegen eingeladen und gebeten, pünktlich zu erscheinen und dahin zu wirken, daß dieselbe recht zahlreich besucht ivird. 2l>4Sd Verband dentseber Schneider und Sebneiderinnen (Filiale Berlin). Große Mtglieder-Uersammwng am Dienstag, den 30. d. M�. abends SV, Uhr. in der..Berliner Ressource'', Kommandanteiistr. 57. Tages-Ordnung: 1. DaS Alters- und Jnvalldltäts-Versichcnmgsgesetz tu seiner neuen Fassung, Referent: Kollege Ritter. 2, Abrechnung vom 4, Quartal 1899. 3. WaS bereitet sich i» der Berliner Schneiderbewegung vor? Die Kollegen der Firma Hosfmann, soivic die in der Kostümbranchc thätigen, werden hierdurch besonders ersucht, in der Versammlung anwesend zu sein.— Ilm zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 102, 1_ Ble Oi'tHvcrwaltnng. Centralrerband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter Deotscblands. Bureau und Arbeitsnachweis: Bischof str. 13 1.— Fernspr. Amt V No. 3001. VerwaltnngrsBtcIle Berlin. Sonntag, den 88. Januar 1900, abends ß Uhr: im Engliseben Garten, Alexandcrntrassic 87 e i' Genevekl VovfÄtttlnluzLg. Taaes-Ordunng: M/l 1. Mitteilungen, 2. Geschäfts- und Kassenberntit, 3, Anträge, 4. Neuwahl der Ortsverwaltüug und der Ncvtforen,— Ohm! Mitgliedsbuch■ kein Eintritt,— Wir bitten die Kollegen, dieses Mal ohne Frauen zu erscheinen, Die Oriövcrwaltuiig. BiüilgDerck„Mehr Licht! Honte. Monntag, den 88. Januar, abend« 7',. Ehr in Ariiiluhallen, Kaininaudautcnstr. 80 IM" Versammlung» Äortriig kt Gtiiosfiil Frill Emma Ihrer über:„Die wirtschllstliche Lage ber moiicriicii Aellschast." Nachher: Gesellige« Bci«aninicn«cin. Gäste willkommen, Achtung! [120/4 Dienstag, den 30. d. SN., abends 8'/, Uhr, tn de»„ArmtnhaUcn", Koiiimaiidaiiteustr. 89 ]£oii»MHicrtc Ter�auunlaug: der Filialen Berlin«. Tages- Ordnung: I. Bericht ber Agltatioiiskommission, 2. Unsre Stellungnahme zur Frühsahrs-Saifon, 3, Verschiedenes, 177/3 Mitgliedsbuch legitimiert, Achtung! Kiirschuer. Achtung! Montag, den 29. Jaituar 1999, abends 8'/s Uhr, bei Ba«I»e, Grenadierstrahe 33: Große öffentliche Nerjommlnng der iu der Ajirschlierbriillcht btschiiftigttn Ärbtiter il. Arbeiterilltlen. Tagesordnung: 1. Bericht der Vertraucnslentc und Neuwahl. 2. Wollen wir uns weiter am Jilteruatilmalm Sekretariat beteiligen? 3. Wahl eines Stellvertreters zum Gewerkschasts-Kartell. 4. Verschiedenes. Kollegen»nd Kolleginnen, da in bieler Versammlung die Abrechnung der Vertrauensleute stgtlsindet, ist es Pflicht eines jeden Kollegen, dabei onwesend zu sein. 03/2 Bio Vertrauensperisoneu. r r- Achtnng! Montag, den 80. d. M.. abends 8 Uhr präcisc. Zum Besten seiner UntcMhmigökassc in Heller« Fe»t«Ulen, Koppenstr. 89: ProJelttloiiH-Idchtbilder. Vortrag des Herrn Direktor F. 5. Archenhold(Treptower Sternwarte) über: Die Bewohnbarkeit der Wetten. Nachher gemütliches Tanzkränzchen. Herren die daran teilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. Eintritt 89 Fr. 20ä2b Eintritt SO Ff. Konzerthans„Sanssouci", iar<". Sonnabend, den 3. Februar 1900: Kr. Wiener Maskenball arrangiert von den Gold- und Silberarbeitern des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes. Die Ballmnalk wird von einer starken Kapelle der Civilberufs- »ntfiker ausgeführt. Große Ueberraschnngen. Während der Kaffeepause: Bümorlatiscbe TortrUge, -Msgefühst von dm H«tfniann«el>en Xerddentaeben SNngern. Anfang 9 Uhr. Billcts a 50 Pf. sind zu haben bei:> F i r» k r a n z, Markusstr. 51; Holtkamp. Fürstenstr. 20: Becker, Dresdenerstr. 18: Lohse, Skalttzerstr. 10; Feistel, Waldemarstr. 17, und im Bureaus Annen- ftraße 39. 2072b Ba« Komitee. Acht««! Töpfer« AM»» l Sonntag, den 11. Februar 1900 in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29 Großes Mssttt-VkWilgkN. Veranstaltet von der fjlisle Sei'ün d. Centraiverbantls d. Töpfer Deutschlands. Bestehend in Vokal- und Instrumental-Kouzert unter Mtwirlüng deö Gesangvereins Eledertafel Freie 8ilngor, sowie 8telnmet«-ttnartett»8iinger und Bnmorlsten. PSF" Anfang prUelsc 5 Ehr."913 Billct(inklusive Tanz) Herren 50 Pf., Dame» 30 Pf. Blllet« sind zu haben in der Haupt-Zahlslelle Bt>«entbaler«tr. 57 bei Schiller, sowie in allen übrige» Zahlstellen. Die Bau-Delegierten werden ersucht, den Kollegen die Billets zugänglich zu machen. Kollegen! zeigen Sie, daß die Feier eine dem Ausgang des Streiks angemessene wird. Programm an der Kasie gratis, Ba« Komitee. ■__ I, A,:(kl. 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Die vom Parteitag in Hannover beschlossene Agitation für den gesetzlichen Arbcitrrinnenschutz legt den Genossinnen eine ehrcnvolle, aber schwere Verpflichtung auf zum praktischen, fruchtbaren Wirken für eine der dringendsten Reformen, die nicht nur im Interesse der Arbeiterinnen liegen, sondern in dem des gesamten Proletaripts. Soll die Agitation erfolgreich durchgeführt werden, so hat sie vor allen, eine Voraussetzung: ein gut vorbereitetes, planmäßiges, einheitliches Handeln, so daß die vorhandenen geistigen und niateriellen Kräfte uiit größtmöglichen, Nutzen verwendet werden. Gerade ein solches Handeln wird den Genossinnen durch die reaktionäre Vercinsgesctzgebung in dem bei weiten, größten Teile Deutschlands geivallig erschwert. Ihr zufolge besitzen die Prole- taricrinnen in den meisten Orten keine Organisationen, die Träge- rinnen und Mittelpunkte der zu entfaltenden Agitation sein könnten. Die Arbeitertniienvcreine, die in einzelnen Städten existieren, dürfen sich fast nirgends erkühnen, für den gesetzlichen Arbeiterinnenschutz zu agitieren, wollen sie nicht wegen Beslbäftigung mit den verpönten„politischen Angelegenheiten" der Auflösung verfallen. Die Genossinnen sind also im allgemeinen auf die Thätigkeit ihrer Vertrauenspersonen angewiesen. Durch ihre Vertrauensperso» haben sich die Genossinnen mit den Genossen am Platze zu verständige» und dafür zu sorgen, daß ihnen die thatkräftig fördernde Sympathie der politisch und gewerkschaftlich organisierten Arbeiter zu teil wird. Unsere Genossen aber möchten wir ersuchen, in den Orten, die noch keine weibliche Vertraucnsperson haben, die Agitation selbst in die Wege zu leiten. Um eine planmäßige Agitation durckizuführen, ist eS erwünscht, daß sich die Genossinnen und Genossen mit der Vertranensperson Deutschlands in Verbindung zu setzen, damit von dieser Centralstclle aus ihiicn Rat tvird zwecks Abhaltung von Versammlungen und daß, wenn nötig, ihnen Referenten zur Verfügung gestellt tverden. Mit socialdemokrätischen, Gruß Ottilie Baader, Vertrauensperso,, Deutschlands, Berlin O., Straußbergerstr. 28, IV. Die Arbeiterpresse wird um Nachdruck gebeten. Im Verein für Frauen und Mädchen der ArbeiterNasse hielt am 22. Januar Frau Adele Gerhard einen Vortrag über das Thema:.Wesen und Entwicklung der Konsumgenossenschaft". Die Rednerin erklärte, nachdem sie den engen Zusammenhang zwischen der Frau als Äonsumentin und der Konsumgenossenschaft betont hatte, den spccifischen Charakter der letzteren im Gegensatz zur Produktivgenossenschaft, ihre demokratische Grundlage sowie das ihr zu Gebote stehende sichere Absatzgebiet. Weiter führte Frau G. die niateriellen Vorteile der Konsumgenossenschaften für die Arbeiterklasse ins Feld. sowie die Bedeutung der Konsum- genossenschast als Mittel zur Selbstverwaltung. Nach einem kurzen Uebcrblick über die starke genossenschaftliche Bewegung in England. Belgien und der Schweiz ivandte sie sich Deutschland zu und erklärte die bis vor kurzem in der deutschen Arbeiterschaft be- stehende Abneigung gegen die Konsumgenossenschaft aus geschicht- lichen Zusammenhängen heraus. Sie schilderte die glänzende Eni- Wicklung des Arbeitcr-Konsumvcreins Leipzig-PIagwitz, wies dann auf den Zusammenschluß der tonsumgenossenschaftlichen Neugründung aus Arbeiterlreisen in Berlin hin und förderte die Frauen dringend auf, sich praktisch für diese zu interessieren, sich ihrer Macht und ihrer Pflicht als Konsumentin bewußt zu werden. Zun, Schluß betonte Frau G. entschieden, daß die genossenschaftliche Bewegung niemals den politischen und gewerkschaftliche» Kampf ersetzen könne: sie könne ihn nur ergänzen, indem sie aus der Arbeiterklasse den Stamm zu einer reifen, in gemeinsamer, praktischer Arbeit erprobten Demokratie heranziehe, indem sie überleite zu einer den, akratischen Verwaltung des wirtfchaftlichen Lebens. Die Versammlung folgte dem Vortrage mit großer Aufmerksam- keit, und es entspann sich eine lebhafte Diskussion. Alle Frauen, die das Wort nahmen, sprachen sich i», Sinne der Referentin aus; jedoch wurde auch neben manchen andren Hindernisse» der Schwierig- leiten gedacht, die sich besonders in der Großstadt für den Einkauf im Kousumvercin herausstellen. Mehrere Redner führten aus, wie erfreulich es wäre, hier zu sehen, daß die Frauen im Konsumverein nicht nur ein Mittel des persönlichen Vorteils erblickten, sondern daß sie die erzieherische und ideelle Seite desselben erfaßt hätten. Der einzige Gegner der auftrat, lvollte die Kleingewerbetreibenden vor der Konkurrenz der Konsumvereine schüyen. In ihrem Schlußwort erkannte die Referentin an, daß es sich gewiß um eine sehr schwierige Frage handle; doch sei es falsch, für die bisherige Passivität der Frauen nur deren Gleichgültigkeit verantwortlich machen zu Ivollen. Die Frauen hätten viel- mehr unter dem Einfluß der früheren gegnerischen Stellung leitender Kreise zur Genossenschaftsfrage gestanden. Frau Gerhard behauptete, daß vor fünf Jahren, als sie zuerst für die genösse, ischaft« liche Idee eintrat, sie den heute beifällig aufgenommenen�Vortrag nur unter stärkstem Widerspruch hätte halten können. Vvi dieser günstigen Wandlung hoste sie auch für die Zukunft auf ein stärkeres praktisches Interesse für die Konsumgenossenschaft seitens der Frauen. Die nächste Vereinsversammlung findet Montag, den 5. Februar, in den Arn, iiihallen, Kommandantenstr. 20, statt. Herr Schriftsteller Paul Hirsch wird über das Thema:»Der Anteil des weiblichen Geschlechts an der Kriminalität" sprechen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste ivillkominen. Folgende Zahlstellen sind ein- gerichtet: Frau Müller, Wiesenstr. 30; Frau Panzvram, Pappel-Allee 123,• v. 1 Tr.; Frau Klatsch, Koppeustr. 81, Hof 4 Tr.; in Moabit bei P f a r r, Putlitzstraße, alle Montage nach dem Ersten im Monat._ Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag. Dienstag und Freitag von 6—8 Ilhr abends statt. St. B. 10. 1. Es genügt, einen zuverlässtgen, Ihnen Bekannten, mit dem Sie vorher Rücksprache genommen haben, als Erben mit der Auflage einzusetzen, den Nachlab in der von Ihnen gewünschten Weise zu verwenden. 2, Es genügt die eigene Aufbewahrung.— B. W., Frtedrichsberg. Die Vollmacht ist nur gültig, wem, sie grobjährig sind. Es gentigt die Form; „Ich bevollmächtige pp., meine Rechte in der Klagesache pp. für mich wahr. zunehmen." Beträgt das Objekt über 150 M., so sind 1,B0 M. Stempel zu verwerten.— St. B., Mcmrlcrstrafie. Die Frage, in welcher Lohn- klaffe zu kleben ist, ist wiederholt, zuletzt im Brieflasten vom t7. d. M, dargelegt.- Skatklub„Eule-. Falls der Inhalt Ihrer Police n.cht gegen- teilige Bestimmungen enthält: 1. Ja. 2, Bon Ihrer Versicherung.— G. 77. Sprechen Sie mit Ihrer Konzession in der Sprechstunde gelegentlich vor. � Soeialdemokratisclier Wahlverein fOrOcJitenberg-Friedriclisbers: JSHoiitng, den»S. Januar, abcndö S Uhr: �»' 8» N» N» I« I» zx in Höflichs Salon, Frankfurter Chaussee ISO. - m Tages-Ordnuilg: - er,(®' J? WahlkomiteeS zu den Gemeindevertreter-Wahlen event. Aufstellung von Kandidaten. 2. Die 1Iebeniahme der„Vor,värts"-Spedilion durch die Parteigenoffen von Lichtenberg- Friedrichsberg. 3. Wahl des Spediteurs und der Zeiwngskommissiou. 4. Verschiedenes. 14/2 Ein jedes Mitglied wird ersucht, in der Versammlung.,» erscheinen. Her Yorstitml, Partei-Speditionen: Berlin vierter Wahlkreis O.: Robert WengelS. Frucht- sirabe 30, Hof II.— 80.: Fritz Thiel, Skalitzcrstr. 3b v, part.— Sechster Wahlkreis(Moabit): Karl Anders. Salzwedeler- sirabc 8, part, im Laden.— W'cilillng:„nd Oranienburger Vorstadt: Emil Stolz enburg, Wiekeuftrabe 14.- Oesand- brnnnen: W i l h e l m G a b», a n n, Grünthalerslr.«b.- Kosea- thaler Vorstadt und Schünhauscr Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- Allee 05/9«.- ChurlottenburB: Gustav w charnberg, Schillerstr. 94, v. 1 Treppe.- Ucntsch-Wilmcrs. dorf: tyraii K ü b l c r. Sigmariugeilstr. 6, und Frau H e i n e m a„», Sig- mariiigenstrabe 35.— FriedrichsberK-Frledrichsfeldc: Carl Welk, Berlin 0., Friedrich-Karlstr.4.—«rtiaan: Engel, Dahmeslr.6.— Blxdorf: Ostern, ann, Erkstr,«,— Schttneberg: Wilh. Baumle r, Apostel Paulusstr. 13, Ouergeb. Hochp.- Johannisthal.Xleder- and Ober•SchUneweide: Otto Joh», Ober- Sckwneweide, Siemensstratze 7, Cigarrengeschäft. Aniiahmestelle»: Nieder-Schoneweidc: Karl Weber, Cigarrengeschäft. Johannisthal: S e„ f t l e b ei,, Restanrateiir.— Adlcrshof: Max Worbs, Metzerstrabc 4.— OOaeaiek: Franz Weber, Cigarren-Haiidlung, Grünaucrstr. 1.— Frledeaan-Stegiit»: H. Berns ee, Kirchstrabe 15, in Friedman. Bestellungen nehmen entgegen in Stegiit-: H. M obr, Düppelsrrabe 3 und Fr. Schellhase, Ahonislr. 15a.- llanaischnlenaeg: Krebs, Banmschulenweg 32, H. l. H.- Gross- Uchterfeld«: Abonnements nehmen entgegen: Kremp, Chanffecstr. 45; Voigt, Dürer- und Moltkestravm-Eckc; Kutzncr, Dürerstrabe 41; Paget, Chausseestr. 104; ch l ü t e r, Verl. Wilh-lmstr. 33; Richter, Lorenz- strage St: Frömming, Lankwitzstr. 10! Seliger. Lurfürstenstr, 35; «üif, Chaupeestrave 109; Wenzel, Lankwitzstrabe 6.- Vcn- W elssensce: Spediteur Heinrich«ach man», Lchderstrabc 1, part. links.— Pankow: Kümmert, Florastrabe 48. Auberdem ist sämtliche Partcilitteratur sowie alle wiffenschaftliche» Werke dort zu haben. AuÄ) Wel'deN JlisQ'Ctte fÜl' den„Vorwärts" entgegengenommen. Um genaue Angabe der Adresse wird dringend gebeteil. NM- Bitte aasschaeidea!'Bu jjöWlIZMÄjjjj H. Ä» Aktien-Gesellschaft BERLIN SW., Tempelhofer Berg. MteaJ Konditoren.! Sonntag, den K8. Januar: Feier des 'VIII. Stit'tnidj-xsLest«« bestehend in: Bongert, hunioristischen Vortrügen, Festrede und Ball. in den..Central-Feitsäle»--. Alte Jakobstrafte 3S. Auftreten des Berliner Volisbiimoriftei, H. Lcwaudowskn, sowie der Origittal-Duettiste» Geschtviktcr Grosielli. Anfang pracise b'/. Uhr. Billet 30 Ps. ZM- Danz für Herren 60 Pfennig."MW Programme am Eingänge gratis. Um recht regen Bcmch bittet freundlichst 20356 Bas Komitee. Der Slusktoft unsres diesjährigen Bockbieres beginnt am Sonunbeiid, den B. Februar. Brauerei Königstadt Act-Ces. Schönhauser Allee 10/11. 62. Bockbier- Saison 1900 Eröffnung des Ausschanks am Tempelhofer Berg: Sonnabend, den 3. Februar 1900. Täglich grosser Bock- Jubel.— 2 Militär-Kapellen. 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