Anterhaltimgsblatt des vorwärts Nr. 36. Dienstag den 21. Februar. 1311 (NaSdruil tenotn.j 863 pelle der Eroberer. Roman von Martin Andersen Nexö. 13. Pclle trieb das Jungvich nach Hause. Als er um den Hof herumtrieb, kommandierte er laut, damit der Vater es hören sollte:„Heda, Spasiana. du alte Gelte, wo willst du hin.— Danncbrog, du verdammtes Biest, willst du dich woll unidrehen I" Aber Lasse kam nicht und öffnete die Gittertür. Als er die 5tühe in die Umfriedigung hineingetrieben hatte, lies er in den Kuhstall hinein. Der Vater war weder dort noch in der Kammer; aber die Sonntagsholzschuhe und die Pelzmütze waren weg. Da dachte Pelle daran, daß es Sonnabend war— der Alte war wohl zum Kaufmann ge- laufen, um Branntwein für die Knechte zu holen. Pelle ging in die Gesindestube, um Abendbrot zu essen. Die Knechte waren spät nach Hause gekommen und saßen noch bei Tisch, der von verschütteter Milch und Kartoffelschalen schwamm. Sie waren mitten in einer Wette: Erik wollte sich verpflichten, noch zwanzig gesalzene Heringe und Kartoffeln zu essen, nachdem er schon mit der Mahlzeit fertig war. Es galt eine Flasche Branntwein, und die andern sollten ihm die Kartoffeln abpellen. Pelle holte sein Taschenmesser heraus und pellte sich einen Haufen Kartoffeln ab. Er ließ die Haut an dem Hering fitzen, aber er schrabte sie sorgfältig ab und schnitt Kopf und Schwanz ab; dann schnitt er ihn in Stücke und aß ihn mit allen Gräten zu den Kartoffeln und der Mehltunke. Währenddes sah er zu Erik hinüber, dem Hünen Erik, der so gewaltig stark war und alles zwischen Himmel und Erde wagen konnte. Erik hatte Kinder an allen Ecken und Kanten! Erik konnte den Finger in einen Flintenlauf stecken und die Flinte aus- gostoeckt mit steifem Arm halten! Erik konnte soviel trinken wie drei andere! Und nun saß Erik da und aß zwanzig Heringe, nachdem er sich schon satt gegessen hatte. Er nahm den Hering beim Kopf, zog ihn einmal zwischen den Beinen durch und aß ihn, so wie er war. Und Kartoffeln aß er dazu, so schnell wie die andern sie nur schälen konnten. Zwisck?cndurch fluchte er, weil ihm der Verwalter heute abend abgeschlagen hatte, aus- zugehen. Das sollte ein Heidenspektakel werden. Wie konnten fie auch Erik zurückhalten, wenn er selbst ausgehen wollte! Pelle aß. so schnell er konnte, den Hering und die Wasser. grüße herunter und lief dann wieder hinaus, dem Vater ent- gegen. Er sehnte sich mächtig danach, ihn zu sehen. Draußen an der Pumpe waren die Mägde eifrig beschäftigt, Milcheimer und Küchengrschirr zu scheuern; Gustav stand auf dem unteren Hof, die Arme auf dem Gitter, und unterhieU sie. Er gab wohl auf Bodil Acht, die während der ganzen Zeit ihre Augen auf den neuen Wirtschaftslchrling gerichtet hatte, der hin und her stolzierte und sich in langen Stiefeln mit Lackstulpen wichtig machte. Pelle wurde in seinem Lauf angehalten und beim Wasferpumpen angestellt. Fetzt kamen die Knechte heraus und gingen nach der Scheune hinüber, vielleicht um Kraft- Proben anzustellen. Seit Erik da war, stellten sie in der freien Zeit immer Kraftproben an. Pelle kannte nichts so Spannendes wie Kraftproben, er pumpte aus Leibeskräften, um fertig zu werden und auch hinüber zu kommen. Aber Gustav, der sonst der eifrigste war, blieb an dem Gitter stehen und machte boshafte Bemerkungen über den Landwirtschastslehrling.„Er schimmert ja wie Katzendreck im Mondschein!" sagte er laut. „Da muß Geld sein!" sagte Bodil nachdenklich. „Ja, versuch es doch mal mit ihm— am Ende würdest Du Pfrau Gutsbesitzerin. Der Verwalter will ja doch nich, und der Herr,— ja. Du hast woll die Sau neulich gesehen, das Müssen herrliche Aussichten für ein Mädchen sein." „Wer sagt Dir, daß der Verwalter nich will?" entgegnete Bodil scharf.„Bild' Mr man bloß nich ein. daß wir Dich bitten würden, uns das Licht zu halten! Kleine Kinder läßt man ja nich bei allens zusehen!" Gustav wurde dunkelrot.„Ach, halt's Maul, Du Dirn l" murmelte er und schlenderte nach der Scheune hinüber. „Ach, Herr JesuS, meine alte Mutter, Geht auf dem Verdeck und rollt—" sang Möns drüben in der Stalltür, wo er stand und auf einen gesprungenen Holzschuh loshämrnerte. Pelle und die Mägde zankten sich, und oben im Giebelzimmer hörte man den Verwalter hin und her gehen. Er war damit beschäftigt. Pfeifen zu reinigen. Von Zeit zu Zeit drang ein langgezogener Laut» aus dem hohen Wohnhaus heraus; es klang wie das Heulen eines Tieres in weiter Ferne und jagte den Leuten einen Schauer des Unbehagens den Rücken hinab. Drüben bei den Lknechtskammern schlich ein Bursche zur Tür hinaus, er war sonntäglich gekleidet und trug ein Kloiderbündel unterm Arm. Es war Erik; er schlich an dem Gebäude entlang, in den unteren Hof hinab. „Heda! Zum Tcubel auch, wo will er hin?" donnerte es oben von dem Fenster des Verwalters herab. Der Bursche duckte den Kopf ein wenig und tat, als gebe es ihn nichts an. „Willst Du wohl hören. Du verdammter Halunke!— Erik!" Diesmal machte Erik Kehrt und schlich in eine Scheunentür hinein. Gleich darauf kam der Verwalter herunter und ging über den Hof. Drinnen in der Häckerlingsscheune standen die Knechte und freuten sich über Eriks Mißgeschick.„Er is ein Satan, was das Ausgucken anbetrifft!" sagte Gustav.„Du mußt früh aufstehen, wenn Du den anführen willst." „Ach, ich will ihn schon belauern," sagte Erik.„Ich bin auch nich von gestern. Und macht er sich gar zu mausig, dann setzt es was!" Sie verstummten auf einmal; die wohlbekannten Schritte des Verwalters ertönten draußen auf dem Pflaster. Erik schlich sich weg. Die Gestalt des Verwalters füllte die ganze Türöffnung aus.„Wer hat Lasse nach Branntwein geschickt?" fragte er barsch. Sie sahen sich gegenseittg verständnislos an.„Is Lasse weg?" fragte darauf Möns mit der unschuldigsten Miene von der Welt.„Ja. der Alte mag ja gern Branntwein," sagte Anders erklärend. „Ja, Ihr seid mir nette Kameraden," sagte der Ver- Walter.„Erst schickt Ihr den Alten hin, und dann laßt Ihr ihn im Stich. Ihr verdientet allzusammen Prügel." „Nee, Prügel verdienen wir nich und lassen wir uns auch nich bieten," sagte der Großknccht und trat einen Schritt vor. „Herr Verwalter müssen wissen—" „Halt's Maul, Kerl!" rief ihm der Verwalter ins Gesicht. und Karl Johan zog sich zurück. „Wo ist Erik?" „Wohl in der Kammer." Der Verwalter ging durch den Pferdestall. Etwas in seiner Haltung zeugte davon, daß er nicht ganz unvorbereitet auf einen Angriff im Rücken war. Erik lag in seinem Bett, das Federkissen bis über die Nase hinaufgezogen. „Was soll das heißen? Bist Du krank?" fragte der Ver- Walter. „Ja, ich glaub, ich Hab mich erkältet— ich zittere sa mörderlich." Er versuchte, mit den Zähnen zu klappern. „Du hast doch wohl keinen Ziegenpeter?" sagte der Ver- Walter teilnehmend.„Laß Dich mal ansehen. Du armer Mann." Er schleuderte das Federbett mit einer schnellen Bewegung in die Höhe.„Ei, ei! Du liegst da. in Deinem Sonntagsstaat und mit langen Stiefeln! Das ist am Ende Deine Leichenkleidung? Du wollt'st wohl nur hin und ein Armenbegräbnis für Dich bestellen, wie? Es ist auch wohl an der Zeit, daß wir Dich in die Erde bringen,— mir däucht, Du riechst schon!" Er schnüffelte ein paarmal an ihm herum. Aber Erik sprang wie eine Stahlfeder aus dem Bett und» stand kerzengrade vor ihm.„Ich bin noch nich tot. und riechen tu' ich auch woll nich mehr als gewisse andere!" sagte er. Sein Blick sprühte Funken und jagte blitzschnell nach einer Waffe durch den Raum Der Verwalter spürte seinen brennenden Atem im Gesicht — es war nicht ratsam, sich hier zurückzuziehen! Er stemmte ihm die geballte Hand ins Zwerchfell, so daß Erik hinten« Wer aus f>a§ Bett fiel und nach Lust schnappte. Pachte ihn dann bei der Brust und hielt ihn nieder. Aber es brannte noch mehr in ihm— es verlangte ihn, diesem Gesindel eine schwere Faust ins Gesicht zu schlagen, das hinter ihm her grinste, sobald er den Rücken wandte, und zu jeder Kleinigkeit getrieben werden mußte. Hier hatte er endlich das ganze Knechts- gelichter gepackt, das seinem Dasein den bitteren Beigeschmack gab— Unzufriedenheit mit der Beköstigung, Krakeelerei bei der Arbeit, Drohungen, aus dem Dienst zu gehen, wenn am allermeisten zu tun war— Aerger ins Unendliche. Hier war Vergeltung für viele Jahre Verdruß und Schmach, ihm fehlte nur der kleine Anstoß— ein Puff von diesem großen Lümmel, der seine Kräfte nicht bei der Arbeit verwendete, sondern sie gebrauchte, um als Unruhestifter an der Spitze zu gehen. Aber Erik lag ganz still und sah seinen Feind mit wach- samen Augen an.„Man zu! Schlagen Sie doch! Es wird hierzulande auch woll'ne Obrigkeit geben!" sagte er mit auf- reizender Ruhe. Dem Verwalter brannten die Muskeln, aber er mußte ihn loslassen, um keinen Prozeß und Unannehm- lichkeiten zu bekommen.„Willst Du ein andermal daran denken und nicht wieder aufsässig sein!" sagte er und gab ihn frei—„sonst werde i ch Dir zeigen, daß es hierzulande eine Obrigkeit gibt!" „Wenn Lasse kommt, schickt Ihr ihn mit dem Branntwein ßu mir!" sagte er zu den Knechten, indem er durch die Scheune ging. „Den Teufel auch!" entgegnete Möns halblaut. Pelle war seinem Vater entgegengelaufen. Ter Alte hatte von dem Eingekauften gekostet und war in guter Laune. »,Ta waren sieben Mann im Boot, und sie hießen allzusammen Ole. Alle, bis auf einen einzigen, denn der hieß Ole Olesen!" sagte er feierlich, als er den Jungen sah.„Ja, war es nich schnurrig, Pellemann, daß sie allezusammen Ole hießen, bis auf den einen, weißt Du, der hieß Ole Olesen. Und dann lachte er und puffte den Jungen geheimnisvoll. Und Pelle lachte auch, er mochte es gern, wenn der Vater guter Laune war. Die Knechte kamen ihnen entgegen und nahmen dem Kuh- Hirten die Flaschen ab.„Er hat probiert!" sagte Anders und hielt die Flasche gegen das Licht.„Seht mal einer den alten Trunkenbold, er hat die Getränke untersucht!" „Nee, dann müssen die Flaschen am Boden undicht sein!" sagte Lasse, den der Schnaps ganz kühn gemacht hatte— „denn ich Hab bloß mal daran gerochen. Aber man muß sich doch Gewißheit verschaffen, daß es reelle Sachen sind und nich' das reine Wasser, was man kriegt." Sie schlenderten um die Umfriedigung herum. Gustav ging voran und spielte auf seiner Handharmonika. Ueber der Schar lag eine forcierte Lustigkeit. Mitten im Gehen sprang bald dieser, bald jener hoch in die Höhe, sie stießen kurze, heulende Töne aus und schickten abgerissene Flüche aufs Geratewohl in die Luft hinaus. Das Bewußtsein der ge- füllten Flaschen, der Sonnabendabend mit dem Ruhetag vor sich und vor allem der Krieg mit dem Verwalter erhöhte ihre Stimmung. Sie lagerten sich unten vor dem Kuhstall im Gras, dicht hei dem Teich. Die Sonne war längst untergegangen, aber der Abendhimmel erstrahlte in leuchtendem Not. Wenn sich die Gesichter gen Westen wandten, war es, als gehe ein Feuer» schein darüber hin, und die weißen Gehöfte landeinwärts sagen in der Dämmerung blendend da. �(Fortsetzung folgt.). )ZnliecUer-GefdncKten aus JVord- lancL 14] Don Andreas Hauklan d. «Schluß.) In Bärcnhlauen. Eines Tage?, im Laufe des Frühjahrs, als der Schnee der- (chwunden und die Feuchtigkeit von der Erde aufgesogen war, be- and sich Steinar draußen im Walde und schwendete. Während des Winters hatte er Baum für Baum gefällt, daß eine Lichtung in dem dichten Walde entstanden war. Die Bäume lagen hier in Stapeln aufeinander. Ringsum stand der Wald mit den frischen Nadeln, saftig, gleichsam lenzesfeucht. ES war ganz still, kein Windhauch in der Luft. Inmitten des Stapels knisterte ein Feuer von Rinden«Up Zweigen. Ein ganz dünner blauer Rauch stieg gerade in die Höhe. Aber wie Steinar, der dicht bei dem Feuer stand, immer mehr Zweigchen und große Aeste in den Scheiterhaufen warf, wurde der Raucb dunkler und dunkler. Bis er wie eine schwere Wolke über dem Platze lag und als grauer Nebel zwischen den Bäumen der» sickerte. Unter dem Haufen der Zweige und Aeste fraß das Feuer sich weiter und weiter. Hie und da qualmten plötzlich Flammen in die Höhe. Es krachte in Stämmen und prasselte in trockenen Nadeln, und zuweilen ertönte ein Zischen wie von nassen Tannen. An den gefällten Stämmen entlang, deren Rinde von der Lenzsonne ge» trocknet und zerborsten war, fraß sich das Feuer mit einem Ton wie raschelndes Laub. Es kochte und siedete im Holz, als würde eS vom Feuer aufgeregt. Und ein schwerer, schwarzer, klebriger und duftender Rauch von Harz und Teer quoll als dunkler Strom in die grauen Rauchschichten hinein. Zuletzt war der ganze Platz ein einziger glimmender Scheiter- Haufen., Da legte Steinar sich an den Rand des Waldes und sah zw. Seine Augen waren unruhig und rotgerändert vom Rauch, und sein Gesicht von der Hitze verbrannt. Er lag und fühlte die Kühle des Erdbodens unter sich. Und seine verdrossenen Augen sogen Heilung aus dem kühlen Schatte» unter dem Tannendach zwischen den starken geraden Stämmen. Er lag mit dem Proviantsack unter dem Kvpf. Denn er wollis hier bleiben, bis jeder Zweig und jede Wurzel und jedes Holz, stümpfchen verbrannt waren. Daß der ganze Platz ein einziger Aschenhaufen war. Und wenn dann jedes Fünkchen in der Ascke erloschen, und Tau oder Regen fiel, daß die Asche kalt ward und das Korn nicht verbrannt werden konnte, dann sollte Roggen gesät und eingepflügt werden. Er griente und rieb sich die Hände bei dem Gedanken: Dann gab es einen neuen Acker auf Steinarstadl Er lag und grinste vergnügt. Bis die Nacht kam und da? Dunkel unter den Bäumen dicht wurde und die Kühle des Erd, bodens sich als Kälte im Körper fühlbar machte. Da rückte er sich näher an das Feuer heran. Und lag dann, das Gesicht der Dunkelheit des Waldes zugewandt, und wärmte sich den Rücken. Er schlief ein. Und er ichlief lange, mit dem unveränderliche» Summen des Feuers im Ohr. Plötzlich durchlief ein Zittern seinen Leib. Ein patschender, sckwer tappender Laut drang zu ihm. Ein Laut wie von weichen Schlägen auf die Erde irgendwo in der Ferne. Er fuhr plötzlich auf. Und war im selben Augenblick völlig wach. Vornübergeneigt, gespannt ausschauend, saß er eine Meile da. Und jetzt hörte er deutlicki ein großes Tier auf großen Tatzen durch den Wald traben. Und es näherte sich. Es kam immer näher. Er ergriff den Bärenspieß und sprang auf. Er kannte den LautI IaI Ach jal Er ergriff den Ranzen Und sprang hinter eine große Fichte. Und stand dort und lauerte und lauschte. Er hörte Zweige knacken. Und er hörte die weichen Tatzen deutlicher und deutlicher gegen den Boden aufschlagen. Es kam näher! Es kam näher! Aber was war das? Ertönten nicht kurze, schlendernde und raschelnde Geräuschs neben den schwer auf die Erde fallenden Tritten? Jetzt hörte er es in einer Entfernung von nur wenigen Elle» brummen und schnauben. Kein Tritt weicher Pfoten war mehr zu hören. Der Bär mußte still stehen und wittern. Denn Steinar Hörle das Schnauben immer noch. Es klang wie ein Schnarchen in der Nacht. Aber dann schlugen wieder die schweren tapsenden Laute atü sein Ohr. Und schneller, gewaltsamer als zuvor. Aber jetzt ent- fernten sie sich. Sie wurden schwächer, immer weniger vernehm- lich. Bis sie ganz erstarben. Er legte sich wieder hin. Und lag zitternd vor Ungeduld und wartete auf den Anbruch des Tages. Sobald es zwischen den Stämmen licht wurde, begab er sich an die Stelle, von der er das Brummen und Schnauben gehört hatte. Und er fand die Spuren: Die breite Spur einer große» Bärin und die Spur von den kleinen Tatzen zweier Jungen.' Er dachte nicht mehr an das Feuer, das glühte und beauf- sichtigt werden mußte. Er riß nur ein Stück gedörrten Fleisches aus dem Ranzen und steckte es unter dem Rock auf die Brust.' Und dann ging er den Spuren nach. Er lief durch den Wald in einem zähen unermüdlichen Lauf. Er erreichte den Abhang und sah die Spuren zur Bcrgwüste führen. Einen einzigen Augenblick stand er und sah hinauf. Dann begann er den schroffen Abhang hinanzuklettern. Er watete durch Bäche, die vom Gebirge hinabschäumten. Und er kroch auf allen Vieren über schlüpfrige Felsstücke und krabbelte über lose Steine und über Sand, der unter seinen Füßen rieselte, � Er kam durch die Steinwüste hinauf und bis an die obersten schroffen Zacken, hart unter dem Bergplateau. Hier gingen die Spuren unter den Klippen entlang Sie waren ganz still hier umhergegangen, die Tiere, und hatten das Gras zwischen den Steinen gefressen. Als er das sah, begann er vorsichtig zu gehen, spähend und lauschend. Er watete borsichtig durch einen breiten Bach, der über die Steine rieselte und jede Spur verlöschte. Hinübergekommen begann er nach der Spur zu suchen. Aber et fand sie nicht. Er blieb unter einem hohen Berggipfel stehen, stand einen Augenblick ungewiß. Und begann dann hinaufzuklettern. Da verdunkelte sich plötzlich die Luft über ihm. Wie ein Adler, der auf den herabschießt, der ihm seine Jungen rauben will, so schien die gewaltige Barin von oben auf ihn herabzuschießen. Ehe ihm noch Zeit blieb, den Spieß zu richten oder nadi dem Messer zu greifen, preßte ihn die Bärin in ihrer entsetzlichen Umarmung. Sie hatte ganz still da oben gelegen, die Jungen hinter sich, und den Mann mit den Augen verfolgt und darauf gewartet, daß er an ihnen vorbeigehen und sie nicht sehen oder beachten solle. Aber im selben Augenblick, als sie sah, daß der Mann zu ihr hinaufkletterte, daß der Mann sie und ihre Jungen suchte, da war sie mit einem einzigen Satz über ihm. Die Brust zerschmettert unter den Tatzen der Bärin, jede aser seiner Haut auf Kopf und Gesicht heruntergerissen von den ähnen der Bärin= so starb Steinar dort in der Bergwüste. Sisenbaknlicberungs Viesen. DaS Eisenbahnunglück bei Baumschulenweg hat wieder einmal die Aufmerksamkeit auf die Sicherheitseinrichtungen unserer Eisen- bahnen gelenkt und vielleicht bei manchen, die gezwungen find, sich täglich diese« Verkehrsmittels zu bedienen, ein Gefühl der Unsicher- heit geschaffen. Dieses Gefühl der Unsicherheit ist jedoch auf keinen Fall berechtigt. ES mag ohne weiteres zugegeben werden, daß die Signal- und Sicberheitseinrichtungen unserer Eisenbahnen wie alle technischen Einrichtungen verbesierungsfähig und zum Teil verbesserungsbedürftig sind. ES mag auch zugegeben werden, daß die Häufung der Unfälle auf der Stadt- babn in den letzten Jahren etwas ungewöhnlich ist,— auf jeden Fall kann man aber aus statistischen Daten leicht nachweisen. daß jeder, der mit der Eisenbahn fährt, viel sicherer vor Unfällen ist al« wenn er die gleiche Zeit sich in den Straßen einer Großstadt aufhält. Wie Pfeil in einem Vortrog:»DieSicherheit der Reisenden und die SicherungSeinrichtungen der Eisenbahnen", dem zum Teil auch die folgenden Busführungen entnommen sind, angibt, kann man die Zahl der jährlich im Straßen- und Eisenbahnverkehr Verunglückten für die ganze Welt auf mindestens 200 000 Personen schätzen. Auf allen deutichen Bahnen verunglückten aber in den letzten Jahren durchschnittlich 780 Reisende im Jahre, von denen wieder bei eigentlichen Eisenbahnzusammenstößcn nur acht Reisende gelötet und 271 verletzt wurden. Vergleicht man damit die Unfallstatlstik dcS Straßenverkehrs in Berlin, so stellt man fest, daß in den letzten drei Jahren durchschnittlich durch Fuhrwerke zährlich 112 Menschen getötet und 4500 Menschen verwundet wurden. Es ergibt sich also, daß die Sicherheit eines Eisenbahnreisenden gegen Verletzung etwa 200 mal und gegen Tötung etwa 180 mal so groß ist, als die eines Berliner Straßenpaffanten. Daß die Gefahren beim Eisenbahnverkehr ziemlich groß und auch in der Natur der Sache begründet find, ist nicht zu leugnen. Der größte Teil der Gefahren wird jedoch vor ollem dadurch be- scitigt, daß man in der Wahl des Konstruktionsmaterials und in der Anssührung der Konstruktionen selbst für den rollenden Teil unserer Eisenbahnen— die Wagen und Lokomotiven— sowie für den festen Teil der Bahnen— Gleisanlagen— sehr vorsichtig ist. Das Material muß bestimmten gesetzlich festgelegten Bedingungen in bezug auf Festigkeit usw. entsprechen und wird auch dauernd auf die Erfüllung dieser Bedingungen kontrolliert. Eine zw erte große Gefahrenquelle für den Bahnverkehr besteht darin. daß sie auf bestimmten Wegen— den Gleisen— läuft und nicht im letzten Moment, wenn ein anderer Zug oder ein anderes Fuhrwerk im Wege ist, ausweichen kann. Beim Aufprallen eines fahrenden Zuges auf ein Hindernis werden bei den heutigen Geschwindigkeiten oft ungeheure Energiemengen ftei, die zu gewaltigen Katasttophen und Zerstörungen Anlaß geben. Ein Zug. der mit einer Geschwindig- keit von 72 Kilometer in der Stunde fährt— was bei einem modernen Schnellzug nichts Seltenes ist— hat eine solche Energie in sich aufgespeichert, daß er beim plötzlichen Anhalten sich selbst 20 Meter m die Höhe heben könnte. Werden diese Züge plötzlich angehalten, so können sie eine Wirkung ausüben, die ungefähr gleich- bedeutend ist mit einem Herabfallen aus der angegebenen Höhe. Die SicherheitSeinrichtungen auf den Bahnen müssen daher in erster Linie so eingerichtet sein, daß sie Zusammenstöße mit entgegen- kommenden Zügen oder mit fteuzenden Fuhrwerken usw. vollkommen ausschalten. Es handelt sich also darum, einerseits die durchfahrende Strecke für das Passieren eines Zuges vorzubereiten und sie andererseits während der Durchfahrt des Zuges auch betriebssicher zu erhalten. Ferner muß der jeweilige Zustand der Strecke dem Lokomotivführer durch Signale deutlich bekannt gemacht werden, damit er in jedem Falle weiß, ob er die Strecke befahren darf oder nicht. Der Grundgedanke, auf dem sich das moderne Sicherungswesen aufbaut, ist der der sogenannten Streckenblockung. Die ganze vom Zug zu durchfahrende Linie wird in eine Anzahl von Strecken eingeteilt, die der Länge nach fiir die Durchfahrt des Zuges vorbereitet werden. Ein Zug darf in eine solche Strecke nur dann ein» fahren, wenn sie für ihn betriebssicher ist. Das einfachste wäre nun, durch die Streckenwärter die betreffende Strecke kontrollieren zu lassen und durch diese Wärter dann die Signale auf„freie Fahrt" oder„Halt" stellen zu lassen. Würden dann die Streckenwärter immer ihre Pflicht tun und die Signale richtig stellen, würden die Signale vom Lokomotivführer immer beachtet und würde man schließlich die Gewähr dafür haben, daß eine einmal vorbereitete Strecke nicht mehr in Störung gerät, daß also Weichen nicht verstellt werden können, so hätte man die idealste SicherheitS- Vorrichtung. Nun muß man aber immer mit der menschlichen UnVollkommenheit rechnen und vor allem damit, daß auch nach» träglich durch Unberufene oder von dritter Hand Weichen verstellt werden können. Man hat daher eine Reihe von Systemen ersonnen, die die Beaufsichtigung der Strecken sowie die Signal« gebung entweder ganz oder wenigstens zum Teil der menschlichen Bedienung abnehmen und sie teilweise oder vollständig automatisch arbeitenden, durch elekttische Ströme betriebenen Apparaten anver» trauen. Man kann bei den SicherheitSeinrichtungen zwei prinzipielle Gruppen unterscheiden. Die eine Gruppe, die sogenannten Strecken» blockapparate, haben das Freisein einer Strecke von Fahr» zeugen festzustellen und müssen das am Eingang der Strecke befind» liche Signal so lange in der Haltlage festhalten, als sich noch Fahr» zeuge auf der Strecke befinden.— Die zweite Gruppe der Ein» richtungen. die Stellwerke, müssen für die richtige Einstellung der Weichen und für das Festhalten der Fahrstraßen sorgen. Bei den Streckenblockapparaten kann man drei prinzipiell von einander verschiedene Systeme unterscheiden. DaS eine System ist das der vollkommen automatischen Streckenblockung, das in Amerika vielfach verwendet wird. Die Blockapparate sind mit den Signalen verbunden und arbeiten auf eleftrischem Wege vollständig automatisch. Daß dieses System jedoch nicht sehr sicher ist, geht aus den häufigen Unglücksfällen auf amerikanischen Bahnen hervor, die zwar auch zum Teil auf andere Gründe zurückzuführen sind. In England haben die Streckenblockapparate gerade die entgegen» gesetzte Entwickelung als in Amerika genommen. Die Apparate dienen in England nur als VerftändigungSmittel der Signal» beamten. Die Signalhebel find frei beweglich und unabhängig von den Blockapparaten, so daß die Stellung des Signals in der Hand de« betreffenden Beamten liegt. Er darf zwar das Signal nur dann auf„Freie Fahrt" stellen, wenn sein Blockapparat, der von dem vorhergehenden Blockwärter bedient wird, ihm das Zeichen gibt, daß die Linie ftei ist, er hat aber immer die Möglichkeit, auch das Signal früher und anders zu stellen als es der Blockapparat anzeigt, wo» durch eine große Gefahrenquelle geschaffen ist. In Deutschland wird fast allgemein ein gewissermaßen halb« automatisches System verwendet. Es ist die? das Wechselstrom» blockiystem, daS in der Hauptsache von Siemens ausgearbeitet wurde und seit dem Jahre 1870 mit vielfachen Verbesserungen angewendet wird. Bei dem Blocksystem wird die ganze zu durchfahrende Streck« in eine Reihe von Teilen— Blocks— zerlegt, deren Länge je von den Abständen der Stationen und der Zugdichtigkeit abhängt. ES unterscheidet sich in der Hauptsache von dem englischen System da» durch, daß es bei ihm nicht mehr dem Wärter überlassen bleibt, die Signale zu stellen. Es wird vielmehr von vorn» herein der Hebel des Signals durch den Blockapparat mechanisch festgehalten, solange die Strecke gesperrt ist. Nachdem der Zug in die Strecke eingefahren ist. legt der Anfangswärter das Signal auf „Halt". Gleichzeitig wird eine Sperrvorrichtung für dieses Signal betätigt, die erst dann entfernt werden kann, wenn der zweite End» Wärter der Strecke nach Ausfahrt des Zuges aus dieser Strecke durch Bedienung seines Blockapparats nach rückwärts die Blockierung aufhebt, wodurch das Signal beim ersten Wärter wieder fteigegeben wird. Der Grundgedanke ist ziemlich einfach. ES zeigte sich jedoch, daß die Apparate in dieser einfachen Form immerhin zu Irrtümern und Fehlern Anlaß gaben. Es wurde daher noch eine Reihe von Ver» riegelungen und Sperrungen hinzugefügt, von denen als wichtigste eine selbsttätige Rückstellvorrichtung erwähnt werden muß, bei der der auS» fahrende Zug beim Befahren eines Schienenkontaktes das Signal selbsttätig in die Haltestellung zurückbringt. DaS auf diesen Prin» zipien aufgebaute Streckenblocksystem arbeitet insofern nicht auto» malisch, als man immer beim Ziehen der Signale auf die Tätiglest der Blockwärter angewiesen ist. Die Selbsttätigkeit und die Mit- Wirkung des Zuges wird nur als Hilfe und Schutz gegen falsche Be» dienung in Anspruch genommen. Der Vorteil gegenüber dem auto» matischen System besteht eben darin, daß niemals durch Zufälligkeiten ein System von selbst auf Fahrt gehen kann. Es ist natürlich immer Boraussetzung, daß me Störungen in der gegenseitigen Ab» hängigkeit von Blockapparaten und Signalen vorkommen. Leider sind solche Fehler doch möglich, und ist es ja auch gerade beim letzten Unglück in Baumschulenweg noch nicht geklärt, ob ein Fehler im Blockapparat oder ein Versehen des Lokomotivführers Schuld daran war, daß das Signal aus.Freie Fahrt" stand, obwohl dich gtrede nicht frei war. Jmmerchin find die StörungSziffern kei diesein System viel geringer als beim ganz automatischen System. Das englische System setzt außerordentlich zuverlässtges Personal voraus, da die Sicherheit nur von der Pflichtlreue des Personals abhängt. Das deutsche System nimint dem Personal den größten Teil der Beramworlung ob, so dast es sich daher um so mehr dem Teil der Ausgabe, der ihm übrig bleibt, mit voller Austnerlsam- keit widmen kann. Die richtige Einstellung der Weichen einer Fahrstraße wird durch die Stellwerke vermittelt. Auch hier war inan ursprünglich aus die Zuverlässigkeit und Geistesgegenwart der Weichensteller an- fewiescn, die genau wisten mußten, welche Weichen sie einzustellen atten— dann mußte sich der Stationsbeamte davon überzeugen, ob die Weiche richtig lag— dann konnte erst der Zug durchsahren. Heule sind die Hebel der Weichen mil den Signalen in mechanischer Abhängig- leit, so dag ein Signal nur dann gezogen werden kann, wenn die Weicben richtig liegen und daß die Weichen in dieser Lage verschlossen bleiben, bis das Signal wieder aus„Halt' gesallen ist. Die modernen Babnhöse find je nach ihrer Größe in eine Anzahl von Stellwerksbezirken eingeteilt, bei denen dann sämtliche in dem be- treffenden Bezirk liegende Weichen und Signale von dem Stellwerk aus bedient werden. Bevor ein Signal gezogen werden kann, müssen zuerst sämtliche Weichen, die innerhalb der Slrecke, für die das Signal gilt, vom Zuge berührt werden, in die richtige Lage ge- bracht werden. Die Hebel dieser Weichen müsse» sodann, bevor daS Signal gezogen wird, geschlossen werden und müssen verschlosien bleiben, bis der Zug über die Weichen hinweggefahren ist. Die Bedienung der Weichen vom Stellwerk aus geschah ursprüng- lich durch festes Rundeisengcstänge, dann durch Drahlzüge. Die Mehr- zahl der Stellwerke in Deutschland wird heute noch auf diesem Wege bedient. Die modernen Stellwerksanlagen verwenden auch die modernen Energieübertragungen, und zwar Luft: also pneumatische Stellung, Wasser: Stellung durch Wasserdruck und in der Hauptsache Elekirizuät. Die elektrischen Stellwerke haben in letzter Zeit im LluSlande eine sehr große Verbreitung gefunden. Wir erwähnen z. B. ein Stellwerk auf dem Bahnhof von Brüfiel, daß 308 Felder besitzt und 145 Weichen, 213 Fahrstraßen sowie 33 Signale von einer Stelle aus bedient. Das Funktionieren der Sicherheitseinrichtungen allein genügt Nicht. Es muß der Zustand der Strecke, wie bereits oben erwähnt, auch dem Lokomotiviührer zur Kenntnis gebracht werden und das geschieht allgemein durch die sichtbaren Signale. Am Eingang der Strecke wird ein Mast von genügender Höhe mit einem oder mehreren drehbaren Flügeln angebracht, die dem herannahenden Zug je nach ihrer Flügelstcllung die Fahrt verbieten oder erlauben. Bei Nacht übernehmen farbige Lichter die Stelle dieser Flügel. Der Zug darf, wenn dieses Signal auf.Halt' steht, mit seiner Spitze nur bis zu dem Signal fahren. Er muß also bereits einige hundert Meter früher bremsen. Das Zeichen für diese Bremsung geben ihm die Vorsignale, da man die Hauptsignale auf diese Entsernung doch nicht klar erkennen kann. Der Zugführer darf an diesem Vorsignal noch vorbeifahren: er muß eS jedoch sehr genau beachten, daß er aus der Stellung des Signals erkennen kann, ob das Hauptsignal auf.Halt' oder.Freie Fahrt' steht, ob er also den Zug bremsen soll oder nicht. Bei klarem Wetter sind diese Signale ausreichend, bei Nebel sind jedoch schon oft Unfälle aufgetreten, da die Führer die Signale nicht klar erkennen konnten. Man hilft sich daher sehr oft durch akustische Signale, die die Führer bei Nebelwetter aus die optischen Signale aufmerksam machen. ES find dies Knallpatronen oder Knallkapseln, die von Hand aus aus die Schienen vor die Signale verlegt werden. Besonders in England mit dem häufigen Nebel werden oft ganze Bataillone von sogenannten Nebelwärtern ausgeschickt, um die Knallkapseln vor die Signale auszulegen. Ein anderes Mittel wird von Siemens versucht, das darin besteht, daß man eine ganze Anzahl von Laternen längs des Gleises ausstellt und mit ihrer Hilfe daS Signallicht immer wieder in der Höhe der Augen des Lokomotiv- führers wiederholt. Voraussetzung für die Sicherheit des Verkehrs ist und bleibt natürlich immer, daß der Lokomotivführer die Signale auch beachtet. Nach jedem Unglücksfall werden in der Presie und im Publikum Stimmen laut, die die Einführung automalischer Apparate ver- langen, die selbsttätig eine Gewähr dafür bieten sollen, daß die Stellung der Signale auch beachtet wird. Es gibt auch schon eine Reihe von Konstruktionen, die beispielsweise beim Uebersahren deS Signals selbsttätig die Bremse auslösen lasien und ferner den Vor- gang gleichzeitig registrieren. Alarmvorrichtungen auslösen und dergleichen mehr. Es sprechen jedoch gegen diese automalischen Vor- richtungen sehr ernste Erwägungen, da gerade bei diesen Apparaten eine Reihe von Fehlerquellen»nd vor allem ein Versagen auf- treten kann, so daß die Verbesserung sehr zweifelhafter Natur ist. _ A. Kleines feuilleton. Naturwissenschaftliches. Heber Heliotropismus der niederen Tiere. Heliotropismus, d. h. die Fähigkeit, sich nach der jeweiligen Licht- gnelle, hauptsächllch nach dem Sonnenlicht, zu orientieren, ist eine Kerantw. Redakteur: Richard Barth, Berlin.— Eigenschaft, die Bei den Pflanzen schon langst festgestellt worden ist. Die Versuche von Sachs haben auch bewiesen, daß die Psianzen sehr verschieden aus verschieden gefärbtes Licht reagieren, daß sie das blaue Licht bevorzugen, während sie sich dem roten gegenüber fast neutral verhalten. Die neuesten Versuche von L o e b, über die die .Revue Sciäntifique'vom4. Februar berichtet, haben er» geben, daß dasselbe Gesetz auch für das heliotropische Verhalten mancher Tiere zutrifft. Dieser Forscher hat die�VersuchSreihe von Heß fortgesetzt, der schon früher feststellte, daß die Wasserflöhe und Setzlinge sich vorzugsweise im grünen Teile des Spektrums ver» sammeln. Loeb beobachtete die Larven(naupiii) der Meer» eichel und fand, daß die Tiere eine große Empfindlichkeit für das Licht überhaupt besitzen, daß sie sich aber mit Borliebe im grün n und grüngelben Teil des Spektrums sammeln. Dagegen fand er bei manchen Krebstieren, die das Licht fliehen, daß sie das Rot und Violett im Spektrum bevorzugen. Am auffallendsten ist der Vergleich zwischen den Wasierflöhen und einer An Algen sWasierpflanzen) ausgefallen. Sobald man die Tiere, wie auch die Pflanzen mit dem Spektrum des Sonnenlichts beleuchtete, versam» melten sich die Tiere im grünen Teil und eben dorthin kamen schon nach einigen Minuten die frei schwimmenden Algen.—.— Aus der Vorzeit. Di« Technik der Höhlenmaler. Die neuesten Eni» deckungen von Zeichnungen und Bildern in den spanischen Höhlen von Gargas und Hornos de la Pcna, auf die man während einer neuen Durchforschung der berühmten Höhle von Altamira gestoßen ist, haben einen merkwürdigen Einblick in die Technik der prä- historischen Künstler gegeben und werfen Licht in die so dunklen Anfänge menschlicher Kunstbctätigung. Man kann hier gleichsam die Entstehung, die eigentliche Geburt der Kunst beobachten. So finden sich an den Wänden dieser vorgeschichtlichen Höhlen Hand- abdrücke in großer Zahl. Der Mensch drückte die Hand, zumeist die linke, gegen die Mauer und füllt« die Zwischenräume der Finger mit farbigem Pulver aus, so daß die Finger selbst sich weiß abzeichneten. Man kann an der Wand eines Ganges der Höble von Gargas allein 151 solcher Handabdrücke zählen; sie finden sich auch in den Höhlen von Font-de-Gaume in der Dordogne, von Altamira und Castillo. Die Bilder der Höhle von Niaux zeigen. wie der dänische Forscher Frederick Paulsen ausführt, daß ihre Be» wohner sich schon zur Erziel ung von Nuancen ihre Farben zu mischen verstanden, den L>cker, den Blutstein, Mangan und ver» schiedene andere tonhaltige Farben, die sie im Waffcr fanden. Die Darstellungen von Bisons sind bis 33 Zentimeter lang; kleine Tiere sind nicht größer als 20 Zentimeter dargestellt. In der Höhle von Altamiva haben einige Bilder eine Länge von 2 Meter. Ein von drei Lanzenspitzen verwundeter Bison ist auf- den Boden der Höhle von Niaux gezcicknet. Der Künstler bat, um die Verwundungen darzustellen, drei natürliche Löcher der Höhle benutzt. Dies ist nicht das einzige Mal, wo man sich eines Risses oder eines Loches im Stein bediente, um sie bei der Darstellung zu verwerten. Solche Zeichnungen finden sich immer in einem Raum, in dem man nicht lebt« oder aß, den man also als eine Art..Kapelle' bezeichnen kann. Aus dem Tierleben. AuS dem Eheleben einer Tarantel. Unter den vielen Ungerechtigkeiten, die sich der Mensch aus Torheit und Furchtsamkeit gegen die Tiere zuschulden kommen läßt, ist die Ab» neigung gegen alle Arten von Spinnen besonders weit verbreitet. Erscheint es doch fast als eine Ausnahme und als ein Beweis von bewunderungswürdigem Heldenmut, wenn jemand eine Kreuz» spinne anzufassen wagt oder wenn er sie auch nur am Leben läßt und nicht wenigstens so schnell wie möglich mit ihrem mühsam ge» sponnenen Netze zu Boden schlägt. Und doch wäre es schtver, den Spinnen nachzuweisen, daß sie dem Menschen irgendeinen Schaden zufügen, es sei denn, daß man ihr Vorhandensein an sich und daS damit verbundene Auftreten von Geweben an Decken und Wänden und anderen Gegenständen bereils als einen solchen bezeichnen wollte. Nur wegen ihres häßlichen Aussehens, über das vielleicht auch noch Meinungsverschiedenheiten möglich sind, werden die Spinnen mit dem völlig ungerechtfertigten Verdacht der Giftigkeit belastet. Nicht einmal die Spinncnarten� von denen eine solche Behauptung seit Jahrhunderten mit großer Zähigkeit aufgestellt und festgehalten vorden ist, verdienen diese Anklage, auch nicht die berüchtigte Tarantel. Ein« genauere Erforschung stellt diese» Insekt sogar als ein gar nicht unsympatischeS Wesen dar, wic_eiit Vortrag von Dr. Petrunkewitsch vor der Akademie der Wissen» schaften in New Dork zeigt, der fich besonders mit dem Ehcleben der Tarantel befaßt. Die männliche Tarantel verändert mit der Zeit der Reife ihr Gebaren ganz plötzlich und wird aus einem Tier mit häuslichen Gewohnheiten ein Vagabund. Sie unterscheidet sich aber von einem solchen durch Arbeitsamkeit, da sie ihr Gewebe ohne Rücksicht ans persönliche Gefahr eifrigst herstellt. DaS Weibchen wird nur durch den Tastsinn gesucht und aufgefunden, da die Augen der Tarantel ganz ungenügend entwickelt sind. Wenn das Mann» chen seine Gefährtin erreicht hat, macht es ihr seine Liebeserklärung dadurch, daß es sie in die Vorderbeine beißt und sie dann mit den Haken an seinen eigenen Vorderbeinen festhält. Wenige Wochen darauf sterben die Männchen bereits, wie eö scheint, eines natür, lichen TodeS�_ Druck«, Verlag: LouvärtsBuchdruckereiu.VerlagsanitaltPaulSingcrä!Eo.,BcrIinLV»