Nr. 25, AboWtniknts-Krdintflingrn: Abonnements-PrsiZ pränumerando! vierteljährl. Z.So Mb, monatl. 1,10®!!., wöchenllich 28 Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag»# Nummer mit illuNricrler Sonnlag»# Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post# Abonnement: 8,80 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zeitung»# Preisliste für isoo unter Hr. 7971. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland s Marl pro Monat. Trschl'.nk iäglich auster Donlag«. Verlinev Volksblakk. 17. Jahrg. Die Insertloilz- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel# zelle oder deren Raum»0 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Verein»- und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anzeigen" iede» Wort S Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen MS 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» 3 Uhr vormittag» geöffnet. Fernstlrecher, Amt I, Nr. 1503. Telegramm-Adresse: i.Sorialdiniostral Berlin" COntralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschtands. Nedaktivn: SW. 19, Benth-Strage 2. Eine Jubelfeier. Die„Verfassungs-Urkunde für den preußischen Staat' datiert vom 31. Januar 18S0; sie vollendet somit heute ihr fünfzigstes Lebensjahr. Das Dasein, das hinter ihr legt, war alles andre eher, als heldenhaft und kampffreudig; es führt vielmehr von Leidens- station zu Lcidensstation. Werfen wir zur Feier des Tages wenigstens einen kurzen Rückblick auf diese trübselige Historie! Als die junkerlich-militärische Reaktion im November 1343 die auf Grund des allgemeinen Wahlrechts zur„Vereinbarung" einer Verfassung einberufene Versammlung mit widerrechtlicher Waffen- gewalt gesprengt hatte, erließ sie am b. Dezember 1843 zur freudigen Ueberraschnng aller Philister eine leidlich liberale Ver- fassimg. Dies„Blatt Papier" war so ziemlich nach den Konzepten der gesprengten Versammlung ausgearbeitet und sollte zudem noch von einer neuen, nach allgemeinem Stimmrecht gewählten Versamm- lung revidiert werden. Der wahre Grund der treuherzigen Maske, die der reaktionäre Fuchs vorsteckte, war aber die heillose Angst, die ihm noch von dem glorreichen Volksaufstand des 18. März her in allen Gliedern schlotterte; trotz aller Säbelrasselei bebte ihm„das feige Herz, das falsche Herz" im Busen. Er wollte den liberalen Spießbürger nur am langsamen Feuer braten, was ihm denn auch gelungen ist. Die Verfaffung vom 6. Dezember 1843 enthielt bereits einige sehr gefährliche Hinterthllren, und auch das allgemeine Wahlrecht blieb nicht unbcschnitten. Dabei kam nicht sowohl in Betracht, daß nicht mehr„jeder Preuße", sondern nur noch„jeder selbständige Preuße" wahlfähig blieb, als vielmehr, daß neben der durch das allgemeine Wahlrecht geschaffenen Kammer auch noch eine erste, nach hohem Zensus gewählte Kammer die Verfassung revidieren sollte. Thatsächlich ist nur die erste Kammer, in der nach der Art ihrer Wahl die reaktionären Elemente überwogen, zu dieser Revision gekommen, nicht aber die zweite Kainnier, bei der das allgemeine Wahlrecht seine Schuldigkeit gethan hatte, so daß sie nicht fügsam genug nach der reaktionären Pfeife tanzte, und bald aufgelöst wurde, noch ehe sie mit der Revision der Verfassung begonnen hatte. Die äußere Handhabe zu ihrer Auflösung bot namentlich ihr Widerstand gegen das treulose Spiel, das die preußische Regierung mit der deutschen Nationalversammlung in Frank- furt a. M. trieb. Die ihm von dieser Versammlung um den Preis einiger Einheit und Freiheit angebotene Kaiserkrone wies Friedrich Wilhelm IV. zurück, in der tragikoinischen Einbildung, er werde die deutschen Mittel- und Kleinfürstcn zu seinen freiivilligcn Vasallen machen, wenn er mit seinem„herrlichen Kriegshecre" die Volks- bewegung in ihren Ländern oder Ländchen niederschlüge. Bekanntlich hat er de» blutigen Henkersdienst in Dresden, in Baden, in der Pfalz geleistet, aber als er nun seinen Lohn ein- kassieren wollte, lachten ihn seine geretteten Mitbrüder von Gotkes Gnaden einfach aus. Jedoch so lange ihnen das Messer an der Kehle saß. hatten sie sich zu Verhandlunge» über eine Sorte deutscher Verfassung herbeigelassen, deren lächerliche Bestimmungen vergessen sind, bis auf eine, die leider grotesker Ernst geworden ist, nämlich das Dreiklassen-Wahlsystem. Wie Bhron einmal sagt, eine Vierzig-Pfarrers-Kraft gehöre dazu, das Lob der Heuchelei zu singen, so gehörte die vereinte Kraft von zwei oder drei Dutzend reaktionären Regierungen dazu, um so etwas fertig zu bringen, wie jenes Wahlsystem. Aber allerdings war die preußische Regierung die findigste und die fixeste unter ihres Gleichen. Mit jener preußischen Perfidie, die in moderner Zeit dasselbe bedeutet, was man im Altertum punische Treue zu nennen Pflegte, sagte das Ministerium Brandenburg-Mantenffel: Wir wollen gleich einen praktischen Beweis unserer künftigen Bundestreuc geben, indem wir das Dreiklasscn-Wahlystem in Preußen einführen; sie trieben es sogar weit genug mit dieser Perfidie. um die Ilmwandlung der bis- hcrigen geheimen Abstimmung in die öffentliche mit der cynischen Bemerkung zu rechtfertigen, daß„dem Volke auch in diesem Punkte die Oeffentlichkeit nicht länger vorzuenthalten" sei. Selbstverständlich ivar die Octroyiernng des Dreiklassen- Wahlsystems ein vollständig rechtswidriger Akt. Die junkerlich-militärische Reaktion scheute davor aber so wenig zurück, wie fie je vor einer rechts- widrigen Gewaltthat zurückgescheut ist; seit dem Dezember 1848 waren ihr die Flügel beträchtlich gewachsen, und sie war inzwischen durch die Erfahrung belehrt worden, daß sie mit einer nach allgemeinem Wahlrechte gewählten Volksvertretung nie fertig werden würde. Am liebsten hätte sie freilich mit dem ganzen konstitutionellen Firlefanz reinen Tisch gemacht, und wäre zum vonnärzlichen Despotismus zurückgekehrt, allein dieser Despotismus bedeutete den finanziellen Bankrott. So mußte man sich wohljoder übel zum Schein- konstitutionalismus entschließen, der einer scheinbaren Volksvertretung einen scheinbaren Anteil an der Regierung gab, während der Krone alle thatsächliche Macht gewahrt blieb. Die Dreiklassen-Wahl wurde oktroyiert, um eine Kammer zu schaffen, die bereit und fähig wäre, die Verfassung vom 6. Dezember auf das scheinkonstitutionelle Kaliber herab zu revidieren, und für diesen edlen Zweck erwies sie sich als ein treffliches Mittel. Die neue zweite Kammer— die erste war nicht aufgelöst, sondern nur vertagt worden bestand aus einer Rechten von Junkern, einem Centrum von Bureaukraten und einer Linken von .Gothaern", jener damals so genannten allerschwächlichsten Fraktion der an sich schon so schwächlichen Bourgeoisie. Deren entschiedenere Elemente sowie das demokratische Kleinbürgertum hatten sich der Wahl wegen ihrer Rechtswidrigkeit enthalten. Ivas eine sehr anfocht# bare Taktik, aber keineswegs von entscheidendem Einfluß auf den Gang der Dinge war. Am 7. August 184V traten die beiden Kammern zu ihrer ersten Session zusammen, die nach einem nicht üblen Witze, zu dem sich sogar ein Gothaer Mittwoch, den 31. Januar 1900. «rufschwang,«cht eine gesetzgebende, sondern eine gesetz# nehmende Session werden sollte. Die Gesetze ans dem Sommer 1848, das Bürgerwehr-Gcsetz, das Gesetz zum Schutze der persönlichen Freiheit und andere mehr, wurden einfach beseitigt, und aus der Verfassung flog unbarmherzig alles hinaus, was einen wirklichen Konstitutionalismus hätte begründe»- können- Man machte sich die Sache sehr bequem und einfach; hieß es in der Verfassung vom 5. Dezember: Das Heer muß auf die 1. Verfassung vereidigt werden, so schrieb nian jetzt hinein: Das Heer darf nicht auf die Verfassung vereidigt werden. Um den Kern- und Schwerpunkt des Konstitutionalismus entbrannte allerdings noch ein etwas heftigerer Kampf. Die Regierung wollte der Volksvertretung nur das Recht gewähren, neue Stenern zu bewilligen, ein Recht, das unter dem Zwange der Finanznot schon in vorinärzlicher Zeit dem Vereinigten Landtage cingeräumt worden ivar, während die Gothaer das Recht zur alljährlichen Bewilligung sämtlicher Steuern�vcrlangtcn.sJm Kampf um den geliebten Geldbeutel entwickelten sie sogar ein gewisses Fcldhernitalcnt und siegten in der zweiten Kammer mit 212 gegen gegen VZ Stimmen, aber dje erste Kammer verwarf den Beschluß, und die ganze Verfassung wurde nach den Diktaten Manteuffels gemacht. Mantcuffel war aber in seiner Art wenigstens ein Geschäfts- mann, der, Ivenn er nur seine burcankratisch- reaktionären Zwecke durchsetzen konnte, sich nicht viel an romantische Schrullen kehrte. Deshalb genügte daS ganze Revisionstverk immer noch nicht den Wünschen des Königs, und so erließ er am 7. Januar eine Bolschaft, worin er noch fünfzehn feudal- reaktionäre Verschlechterungen der Verfassung verlangte. Auch diesen Kelch mußten die Revisiouskamniern leeren, obgleich er für die erste Kammer das reine Gift war, woran sie auch gestorben ist; denn die'vom König verlangten Aendenmgen bahnten dem Herreuhause den Weg, dem ungeheuerlichsten Mißgebilde, das der Schcinkonstitutionalismus jemals gezeugt hat. Daun erst genehmigte der König die Wer- fassung, die am 31. Januar 1860 als Staatsgrundgesetz verkündet und am 6. Februar im Berliner Schlosse vom König und den Kämmen: beschworen wurde. Der König hielt dabei eine Rede, deren jesuitische Vorbehalte durch eine salbungsvoll triefende Frömmelei nur schlecht verdeckt wurden; er sagte, die Lebensbedingung der Verfassung sei. daß der König von Gottes Gnaden niit ihr regieren könne, und so jubelten die Junker, die vom König be- schworene Verfassung sei„ein Tilsitcr Frieden mit der Revolution", und nach einigen Jahren werde man die bösen Feinde wieder aus dem Laude jagen. Das ist nun freilich nicht so gekommen und konnte nicht so kommen, wie es sich die Junker in ihrer wüsten Phantasie als Wiederkehr der feudal- ständischen Herrlichkeit einbilden mochten. Aber merklich gelungen ist doch, selbst diese Verfassung noch immer rückwärts zu revidieren. In den fünfziger Jahren wischte jeder Junker an ihr seinen Stiefel und jeder Burcankrat seine Feder ab, und deshalb erregte es mit Recht Lassalles höchsten Zorn, als die wiedererwachte Bourgeoisie, statt ernsthaft mit dem Junkertum anzubinden, diese Verfassung als jung- frauliches Heiligtum auf den Schild erhob. Lassalle sagte damals, verloren sei die preußische Verfassung auf jeden Fall, siege das Volk, so werde sie nach links, siege die Regierung, so iverde sie nach rechts hin abgeändert werde». Die Fortschrittlcr verhöhnten„den Herrn Lassalle", um dann, als sie durch ihre thörichte Politik den Sieg der Regierung herbeigeführt hatte», Lassalles prophetisches Wort in ihrem Wahl- aufruf vom 24. Juli 1367 durch den konfusen Jammerschrei zu be- stätigen:„Die neue Rcichsverfassung hat der Regierung mehr Rechte gegeben, dem Volk mehr Rechte genommen, als sie besaßen." Man kann nun freilich keinem Volk niehr Rechte nehmen als es besitzt, aber was die Fortschrittler thatsächlich uieinten, daß nämlich die Rcichsverfassung, im Vergleich zur preußischen Verfassung. der Regierung ein größeres, dem Volke ein geringeres Maß von Rechten gewährt habe, das stimmt vollkommen. Seitdem hat der Marsch nach rückwärts bekanntlich auch noch nicht aufgehört, und die Reaktion bleibt in fünfzigjährigen Geleisen, indem sie mit der Flottcnvorlage zum Todesstoß gegen die letzten Reste des parlamentarischen Budgetrechts ausholt. Das ist die rechte Jubelfeier der preußischen Verfassung. Berlin, den 30. Januar. Der Reichstag erledigte Dienstag nur einen Posten des Postetats, aber den, welcher in der Nußschale alle andern Posten und Titel umfaßt und die beste Gelegenheit bietet, das S y st e m der Reichs-Postverwaltung im Zusammenhang zu besprechen: das Gehalt des Staatssekretärs im Reichs- Postamt, Herrn v. Podbielski. Wir sind die letzten, diesem Herrn, wie überhaupt irgend jemandem die Gerechtigkeit ver- weigern zu wollen. Er hat sich unzweifelhaft neuen Ideen zugänglich gezeigt. auch vielfach praktisches Geschick bewiesen und in seiner Art manches Gute gethan. Seine Art ist aber nicht gut: es ist die des wohl- wollenden Despoten, der für das Wohl der ihm Untergebenen väterlich sorgen will, sie jedoch, verglichen mit ihm selbst, als Menschen zweiter Klasse betrachtet und ihnen nicht erlauben will, nach ihrer Fa?on selig zu werden. Das brachte ihn natürlich in Konflikt mit„seinen" Beamten— Konflikte, die den Reichstag auch jetzt wieder beschäftigen. Durch einige„schneidige" Worte war Herr v. Podbielski zu der sonderbaren Ehre gelangt, von etlichen Heißspornen der Junkerreaktion für den ersehnten Messias— den kommen- Expedikivn: 3�. 19. Venkh-Skratze 3. den„starken Mann' gehalten zu werden, der reinen Tisch macht im Deutschen Reich— erforderlichen Falls durch einen Staatsstreich— und die Socialdemokratie er# drückt wie Herakles den Nemäischen Löwen. Ach, sind das schlechte Psychologen I Herr v. Podbielski hat weder die Nerven, noch die Verbrecher-Eigenschaftcn des„starken Manns". Wer mit so jovialem Gesicht poltert, der esgnet sich nicht für die Massenschlächterei seiner Mitbürger— und das ist doch die Rolle, die Podbielskis Lobredner ihm zugedacht haben. Er erinnert gar sehr an S n o ck, den Schreiner, der sich, als er im Handwerkerschauspiel den Löwen darstellen mußte, um die Zuschauer nicht zu erschrecken, ihnen freundlich zurief:„Habt keine Angst.— Ich bin Snock der Schreiner— kein Löwe und keines Löwen Weib!" Nein, er ist kein„starker Mann", sondern Herr von Podbielski, früher Kavallerie- Offizier, heute Post-Oberbcfehlshaber. Und wir haben wirklich nicht die mindeste Angst— und wenn er noch lauter poltert. In dieser Sitzung ward ihm hauptsächlich vorgeworfen, daß er die Postbeamten in ihrer Gesinnung vcr-� gewaltige und zur Agitation für reaktionäre Parteizwecke zu mißbrauchen suche. Die Auflösung des Vereins der Post- Unterbeamten, die Maßregelung verschiedener Beamten— das kam auf sein persönliches Conto. Auf Conto von höheren Post- beamten kam, daß diese eine skandalöse Agitation für das Flottengeschäft betrieben und ihren Untergebenen Geld für solche Reaktionszwecke erpreßten. Dieses Vorgehen desavouirte Herr v. Podbielski; dagegen wollte er noch nicht begreifen, daß seine Maßregelungen von Postbeamten nicht durch Rück- sichten der Disciplin geboten sind, sondern durch reaktionäre Geringschätzung oder Nichtachtung der� staatsbürgerlichen Rechte. Der Wahlzwang, der für die Postbeamten besteht— bei Landtags- und Stadtverordneten-Wahlen. wo öffentlich gewählt wird; die Ucberwachung solcher Wahlen— die Verwendung von Postgcldern durch Landräte, die reaktionäre Winkclblättchen auf Staatskosten gratis versenden, und die Duldung derartige Praktiken durch Herrn v. Podbielski— das sind Anklagcpnnkte, auf die der Herr Post-Oberbefehlshaber nichts oder nur ausweichend zu antworten wußte. Jedenfalls war die Debatte sehr interessant, und als sie zu Ende war, sah Herr v. Podbielski lange nicht sojver- gnügt aus als zu Anfang.— Von unsrcr Seite sprach Singer, der dem Herrn Post-Oberbcfehlshaber mehrere recht böse Viertelstunden bereitete, und dabei sehr gut von dem Fort- schrittler Müller- Sagau unterstützt wurde. Natürlich machte Singer auch Streifziige auf das politische Gebiet und versetzte den reaktionären Geschäfts- und Jntercssenpolitikern der Rechten, die über„berufsmäßige Agitatoren" zu spotten sich unterfingen, kräftige Seiten- und Fronthicbe. u erwähnen ist noch, daß Herr B a s s e r m a n n, der ationalliberale, sich berufen fühlte, die Rolle des freiwilligen Regierungskommissars zu Gunsten des Herrn Podbielski zu spielen. Das gehört nun einmal zur nationallibcralen Staats- Mannschaft. Sobald der Gehalt des Herrn v. Podbielski bewilligt und dieser selbst von seinem parlamentarischen Marterpfahl abgebunden war, vertagte sich der Reichstag. Mittwoch: Fortsetzung der Etatsbcratung; zunächst Post- etat.— Das NbgeordnetcnhauS erledigte am Dienstag endlich den Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung. Die Debatte stand auf dem denkbar niedrigsten Niveau und die Kosten der Unterhaltung Wurden fast ausschließlich von den Agrarien: aller Sckattierungen bestritten. Sie ver- langten. daß mehr landwirtschaftliche Wanderlehrer angestellt und ländliche Haushaltungsschulen für Mädchen eingerichtet würden. Zu solchen Zwecke» müsse der Staat aus dem Vollen geben. Für die Haushaltungsschulei: trat besonders begeistert der konservative Agrarier H i rtt' ein. Er hofft dadurch die Frau, „die Seele unsrer Wirtschaftsordnung"— so lautete sein hübscher Ausdruck— dem ländlichen Betriebe'zu erhalten, und zu verhüten, daß die Landmädchen nach der Stadt heiraten. Einein kleinen Eheverbot nach dieser Richtung wäre er gewiß nicht abgeneigt. Der fromme Ccntrnmsagrarier P l e ß forderte die Ein# sührung des Religionsunterrichts in den ländlichen Fortbildungs- schule». Vom Regierungstisch aus mußte ihm erwidert werden, daß in: Lehrplan hierfür leider kein Platz wäre; doch würde jeder Unterrichtstag niit einer Andacht eröffnet. Man sieht. daß der Kulturstaat Preußen alles thut, um dein Volke die Religion zu erhalten. Sonst unterhielt man sich noch über schärfere Kontrolle der Abdeckereien, über Hebung der Lachsfischerci im Rhein, über Ausbaggcrungen und Ufcrbanten an der oberen Spree, über Wein- Verfälschungen und landivirtschaftlichc Meliorationen im Eifelgebict. Es war vielerlei, aber nicht viel. Mittwoch beginnt die Beratung des Forst- und Gestütsetats und des Bcrgetats.— Ein Mene Tekel der Flottcnvorlage. Die Parteien demaskieren sich und zwar ganz in dem Sinne, wie wir es in der Sonntagsnummer dargestellt haben. Während die Volksparteiler jetzt teilweise mit aller Offenheit ihre Wasserbegeisterung bekennen, fangen die Konservativen an, mehr oder minder„durch die Blume" ihr Unbehagen über die neuestdeutsche Weltpolitik zu äußern. Es ist ja auch natür- lich, daß die Agrarier weder geneigt sind, den Handel und die Industrie zu fördern. noch lassen sie sich durch das gruselige Hauptargument einer möglichen Blockade schrecken, dieweil es ja gerade ihr wirtschaftliches Ideal ist, Deutschland dauernd in einem handelspolitischen Blockade- zustand zu erhalten, der die Einfuhr von Lebensmitteln un- möglich mache. Die„Kreuz-Zeitung" bringt heute im Gewände einer Kritik der englischen Wcltpolitik einen Artikel, der mit jedem Worte gegen die geplante reichsdcutsche Expansions- und Flottenpoliiik zielt. Die Absicht dieses Artikels erhellt deutlich aus der Uebcrschrift„Neue ikellel"? Für wen soll die warnende Lehre gelten? Es kann nur Deutschland gc- meint sein. Der Verfasser, der sich einen alten Soldaten nennt, weist auf die wunderbaren Erfolge der Beeren hin. Er schildert, wie England von allen Völkern angestaunt worden sei, „ob seines Reichtums, seiner Expansionskraft, seiner Ucbermacht in Handel und Verkehr, scilier leitenden Rolle in der Industrie, seiner Fülle von goldbringcnden Kolonien, seiner energischen Handhabung von Millionen wilder Bewohner. Aber— seine Festigkeit war noch nicht im Sturm erprobt! Jetzt fällt nur eine etwas starke Böc, nicht einmal ein tüchtiger Sturm ein und schon liegt es mit zerbrochener Takelung hilflos da, indem seine ganze Landarmce von einem kleinen Völkchen niedergekämpft worden ist. Das Schiff ist nicht mehr sturmfest! So lautet das llrtcil der Mitwelt über Groß- b r i t a n n i e n s Macht! �Ein Staat ist gesund, der ans eignem Grund und Boden die«Sicherheit seiner Existenz findet; denn das macht ihn uitabhängig; das hält sein Volk selisch und körperlich gesund, sei die Beschäftigung Land-, Bergbau oder Viehzucht. England hat alle diese einstigen Fundamente seiner Stärke so weit verkümmern lassen, daß es bereits zu �5 seiner eigenen Zchrung auf fremde Zufuhr an- gewiesen ist, damit seine Existenz den' schwankenden Operationen des Handelsverkehrs nbertveisend. Statt des Landbancs ist die Grost-Jndustrie eingezogen, die an Stelle des kräftigen britischen Land- man« es ein Proletariat, an Stelle des seß- haften ehrenfesten Grundbesitzes hier Latifnndien dort Scharen abhängiger Individuen geschaffen hat. Der Handel, dem schließlich alleS unterthan wurde, hat mit der Industrie vereint die Bewohner zuin Reichtum geführt! Dieser Reichtum ist es eben, der der Mitwelt imponiert, der dem Auftreten Britanniens eine gewisse Bedeutung beilegt, der dem Lande erlaubt, die stolzeste Flotte der Welt zu bauen, der dem Engländer gestattet, auf dem ganzen Erdkreise mit Nachdruck aufzutreten, der dem Staate die Mittel gicbt, zahllose Kolonien anzulegen, sie mit Kapitalien zu unterstützen und zu fördern, der dem Namen Großbritannien einen Glanz verleiht, der schon oft die Bewunderung, ja den Neid der Nachbarn erregte und be- sonders oberflächliche Geister mit Staunen erfüllte! Andrerseits hat aber gerade dieser Reichtum das einst so starke Gebäude morsch gemacht, indem er zum ersten und vornehmsten Bewcgnngsträger und Anreger den Mammonismus geschaffen hat. Handel und Industrie haben die Ratio» erschlafft!" Dieser Agrarier schwingt, wie man sieht, mit aller Kraft den Dreschflegel auf die Flotten-, Export- und Kolonialpolitik, mit der die neue Marinevorlage begründet wird. Ist es nicht eine direkte Anspielung auf das reichsdcutsche Chamberlain- tum, das schamlos für die Flottcnvorlage agitiert, weil es an den Aufträgen interessiert ist, wenn der alte Soldat klagend ausruft, wie der Geist der engherzigen Habsucht bis in die höchsten Kreise gehe, die als Teilhaber an den Spekulationen der Minen korrumpiert waren! Und ist es nicht eine programmatische Kriegserklärung gegen die Flottcnvorlage, «emt die„Kreuz- Zeitung" aus dem Boercnkrieg die„groß- artigen politischen Lehren" zieht, „daß die Kraft einer gesunden inneren Politik, die sich auf ein tüchtiges Volk und eine selbst bemannte Wehrkraft stützt, der weltumfassendsten Handelspolitik sovielmal überlegen ist, als das weltitmspanneude Großbritannien das kleine Häuflein Bocrc» an Reichtum, äußerem Ansehen, Glanz und Macht überbietet! Dieser Krieg ist ein Meile Te k e l, das mit flammenden Buchstaben den heutigen Nationen zeigen sollte, wo die Wurzeln ihrer Kraft ruhe n." Wir brauchen nicht zu sagen, daß unsere Argumente gegen die Flottenphantastik nichts gemein haben mit dieser agrarischen Belveisfiihrung. Das aber kann man bei diesen Auslassungen anerkennen, daß sie— bei aller heuchlerischen Schaustellung agrarischer Selbstlosigkeit und Tugendpfäffcrei — wenigstens ehrlich sagen, was die Agrarier wirklich über die Flotteuvorlage und ihre Begründung denken und konsequenterweise denken müssen. An dem Kampf zwischen Industrie und Agrariertum. der für die nächsten Jahre sich immer schärfer zuspitzen wird, ist die Flottcuverlage ein Triumph des Großindustrialismns. Wenn die Konservativcn trotzdeni für dieses Projekt eintreten, so thun sie das lediglich aus feiger Rücksicht auf höfische Gunst und weil sie— diesmal das Junkcrprincip der Barzahlung außer acht lassend— als Kompensation auf erhöhte Getreidczölle rechnen. Wie verhaßt ihnen aber der Flottcnkurs ist, das zeigen diese Mene Tekel- Betrachtungen, aus denen die wirkliche Stimmung der agrarischen Kon- scrvativen im Lande spricht. Es wäre wahrhaftig eine lustige Hätz, wenn die Konservativen gezwungen wurden, mit der Parole„F ü r die Flottenvorlage" in einen Wahlkampf zu ziehen.—_ Das Wettrüsten aus dem Waffer. Die englische Thronrede kündigt neue Flottcnvermehrungcn an. sndem sie sich ausdrücklich darauf beruft, daß die Rüstungen andrer Nationen dazu nötigen. Denselben Vorgang sehen wir in Frankreich. AuS Paris wird gemeldet: „Der Ministerrat genehmigte die Vorlagen, welche sich auf die Verteidigung der Kolonien und die Flottenstützpunkte beziehen, ferner das Ausgabebudget, welches für die Küstenverteidigung, die Instandsetzung der KriegShäfen, die Errichtung von Operations- bascn für die' Flotte, die Vermehrung der Flotte und die Herstellung eines Netzes für unterseeische Linien vom Kriegs- minister durchzuführen ist." Der„Matin" ivciß über diese Projekte und die Höhe der auf- zuwendenden Summen folgendes mitzuteilen: Die Kosten waren zuerst auf 800 Millionen veranschlagt, wo- von fünfhundert auf die Vermehrung der Flotte fielm. Jetzt ist die Gesamtsumme auf 730 Millionen Frank herabgemindert, wozu aber weitere hundert fünfzig Millionen für die Legung von Kabel» nach den Kolonien kommen. Das Projekt der Regierung zerfällt in fünf Teile, von denen das wichtigste die Flotte betrifft. Sechs Panzerschiffe von t4S00 bis 15 000 Tonnen, sechs gepanzerte Kreuzer von gleichem Tonnengehalt. Torpedoboote und unterseeische Boote sollen in Bestellung gegeben werden. Die andern Teile des Projekts be- ziehen sich auf Befestigungsarbeiten an den Inseln Ouessant, Croix und Belle-Jsle. ans Hafenarbeiten in Brest, Lorient. Cherbourg und Errichtung eines Arsenals und Kricgshafcns in Bizerte:c. Da haben wir den nötigen Widerhall auf die Flottenpläne unsrcr Regierung. Nur besitzen die auswärtigen Regierungen nicht das diplomatische Geschick, schon jetzt auf zwei Jahrzehnte hinaus ihre Niistungsabsichtcn vor aller Welt zu offenbaren, damit der Nachbar sich schleunigst danach richte. Die englischen und französischen Rüstungspläne lassen natürlich unsre Fkottcnvorlage bereits als veraltet und ungenügend erscheinen. Wir bitten um eine allerneucste Flottcnvorlage, damit die Sache gleich in einem Zuge erledigt werden kann und die Regierung sich nicht nach anderthalb bis zwei Jahren von neuem bemühen niuß.— Eine Kundgebung der Kühttemänner. Die Kühncmänner rebellieren! Sie erlassen folgenden „Tagesbefehl": Verband Berliner Metall-Jndnstrieller. Rundschreiben Nr. 2 pro 1900. Berlin, den 25. Januar 1900. Wir erfahren soeben, daß von feiten der JnvaliditätS- und Alters-Vcrsicheruiigsanstalt Berlin für den Neubau der Heilstätten zu Beelitz unter den spcciellen Bedingungen sich folgendes be- findet: § 3. Submittent verpflichtet sich durch Ausfüllung des angefügten Formulars Erklärungen abzugeben über die Höhe der Arbeitslöhne und die Dauer der Arbeitszeit seiner Ar- bcitcr, wie sie bei Abgabe des Angebots zu Grunde ge- legt sind. Hierbei wird es als erwünscht bezeichnet, daß die neunstündige Arbeitszeit nicht überschritten wird. Bei der Ausführung der vertragsmäßigen Arbeiten zahle ich folgende Löhne: für eine Arbeitsstunde eines Monteurs Mk...... „„ Gesellen„••••• „„„„ Lehrlings...... „„ ,. Arbeiters...... Wir sehen hierin unseres Wissens zum erstcnmale— von feiten einer Behörde die Forderungen der Socialdcmokratie auf Normal- Arbeitstag und Löhnung wenigstens indirekt unterstützt und finden dabei einen direkten Gegensatz zu unserem Grundsatz, am tvstündigrn Arbeitstag nicht rütteln, und in die inneren Bestimmungen unserer Betriebe nicht eingreifen zu lassen. Wir hoffe», es bedarf nur dieses Hinweises, um die Solidarität unserer Interessen dadurch zu bcthätigcn, daß wir uns ein- stimmig diesen Bedingungen nicht unterwerfen und den betreffenden§ 3 bei der Preisangabe einfach durchstreichen. Wir bitten um einen Bericht, falls sich hierbei etwas Besonderes ereignen sollte. Die Vcrtrauens-Kommission des Verbandes Berliner Metall- Industrieller. Der Vorsitzende: Fritz Kühnemann. Es ist eine Erfindung der Kühneinänner, dieses Verfahren als Unterstützung einer„socialdemokratischcn Forderung" durch eine Behörde zu denunzieren. Das Verlangen, die Arbeits- bcdingungcn— Arbeitslöhne und Arbeitszeit— im Ver- gebungsvcrtrage bei allen durch Behörden zu vergebenden Arbeiten festzulegen, ist eine rein gewerkschaftliche Forderung, die z. B. von den englischen, französischen, schweizerischen und andren Gewerkschaften längst erhoben wird, ganz unabhängig von ihrer Stellung zu den politischen Parteien. Sie ist auch in zahlreichen Fällen schon längst zur Geltung gelangt und selbst verschiedene deutsche Staatsbehörden haben dem Drängen z. B. der Buchdruckcrorganisatiou nachgegeben, ihre Druckarbeiten nur solchen Finnen zu übertragen, die den zwischen den organisierten Arbeitern und Unternehmern vereinbarten Tarif einhalten. Und daß die Führer der organisierten Buchdruckerei-Unternehmer Socialdemokratcn wären, werden doch Kühnemann und Genossen nicht zu behaupten wagen. Daß die socialdemokratische Partei diese wie andere Forderungen der Gewerkschaften billigt, unterstützt und nach Kräften zu fördern sucht, ändert an diesem Thatbestand nichts. Die Herren»vollen durch die Verdächtigung der Forderung als einer socialdemokratischcn nur den»virklichen Sachverhalt verschleiern: daß sie sich näinlich im Interesse ihres Profits gegen jede Besserstellung der Lage, gegen jede Garantie für anständige Löhne und gegen jede Mitwirkung der Arbeiter bei Feststellung der Arbeitsbedingungen mit allen Mitteln»vehren. Herren im Hause wollen sie sein und die Arbeiter in der Hörigkeit erhalten. Und der Profit darf nicht leiden! Eröffnung des englischen Parlaments. Das englische Parlament, das seit Ausbruch des Kriegs nicht versainmelt gewesen ist, tritt nun zusammen und seine Beratungen»Verden sich zunächst auf die Ereignisse in Süd- afrika, auf die Vorbereitung und aus die Führung des Kriegs beziehen. In der Thronrede zur Eröffnung des Parlaments heißt es: „Der Friede, der jüngst in Südafrika gebrochen»vorden ist. zu der Zeit, Ivo ich das letzte Mal zum Parlament gesprochen habe, ist leider nicht wiederhergestellt; davon abgesehen sind aber die Beziehungen zu den andern Staaten freundschaftliche. Zum Widersland gegen die Invasion meiner südafrikanischen Kolonien durch die Südafrikanische Republik und den Lranje-Freistaat hat mein Volk mit Hingebung und Begeisterung auf den Appell geant- Ivortet, den ich an dasselbe gerichtet habe, und der Heldenmut nieiner Soldaten im Felde solvie der Matrosen und Marinciruppen. die zu gemeinsamer Thätigkeit mit den Landtruppen landeten. ist nicht zurückgeblieben hinter den edelsten Traditionen unsrer «mlitärischeit Geschichte. Ich bin tief betrübt, daß>o viele kost- bare Menschenleben zum Opfer gefallen sind, aber ich habe init Stolz und herzlichster Befriedigung den patriotischen. Eifer und die aus freier Entschließung kommende Loyalität gesehen, mit der meine Untcrthancn in alle» Teilen incines Reiches hervor- traten, um teilzunehmen an der gemeinsamen Verteidigung der Rcichöiutcrcffen. Ich habe das Vertrauen, daß mein Blick sich nicht vergebens auf sie richten wird, wenn ich sie ermahne, aus- zuhalten in ihren Anstrengungen und dieselben zu erneuern, bis sie den Kampf um die A u f r e ch t e r h a l l u n g des Reichs und um die Sicherung der Suprematie in Südafrika zu einem fiegrcichen Ende geführt habe». Die Thronrede eriuähut dann den Abschluß des Samoa- Vertrags niit dem deutschen Kaiser und die Beteiligung der Ver- einigten Staaten an diesem Vertrag. Die Thronrede kündigt hierauf die baldige Vorlegung des von den fünf australischen Kolonien oiigeiiomnienen Plans einer Föderation derselben an und bemerkt, die Königin hege die Zuversicht. daß die Errichtilng des großen Bundes in Australien sich für das ganze Reich vorteilhaft criveisen werde. Danach bespricht die Thronrede den Mut und die soldatischen Eigenschaften, den die an dem Kampfe in Südafrika beteiligten Truppen aus den Kolonien an den Tag gelegt hätten. Sie gebeult der zahlreichen, von den eingeborncn Fürsten Indiens eingegangenen Hilfsangebote, er- »vähnt ferner mit Bedauern die Hungersnot und P e st i n Indien und legt die zur Linderung der Leiden der Bevölkerung ergriffenen Maßnähmen dar. Alsdann kündigt die Thronrede eine beträchtliche Der- Mehrung der HceresauSgaben infolge der militärischen Opera- tioncn in Südafrika an. Hierüber heißt es in der Rede: Die Erfahrung eines großen Krieges muß den militärische» Behörden des Landes iiotlvciidigcrlvcisc Lehren von der größten Bedeutung liefern. Ich bin überzeugt, daß das Parlament vor keiner Ausgabe zurückschrecken»v i r d, die erforderlich ist, um uusrc B e r t e i d i g u n g s r ü st u ug e n auf gleiche Höhe mit den Veranüvortlichkeitcn zu bringen, die der Besitz eines so großen Reiches auferlegt. Zu einer Zeit,»vo mehrere andere Rationen ihre Flottenrüstungcn unter steigenden Anstrengungen und Opfern vervollkommnen, »vird die Bcsvrgthcit, mit der dos Parlament für die Schlagfertig- keit der britischen Flotte und KLsienvertcidiguugswerke Vorkehrung traf, sicherlich nicht ermatten. Nachdem die Thronrede noch be- merkt hat, daß die Zeit für innere Reformen, die große Ausgaben erheischen, nicht günstig sei und einige kleinere Vorlagen von nur lokaler Bedeutung aufgezählt hat. schließt sie mit den Worten: Ich empfehle� Ihre Beratmigen in dieser sorgenvollen Zeit dem Segen und der Lenkung des all- mächtigen GotteS." Die Gerüchte von einer Rertbildung des Kabinetts unter Leitung Lord Roseberys erweisen sich als unrichtig. Die jetzige Regierung Salisbury-Chaiuberlain verharrt auf ihrem Posten. Sie zieht aus ihren Riederlagen nicht die Erkenntnis, daß sie auf falschen Wegen wandelte, als sie den Krieg gegen die Boerenrcpublikcn hervorrief. Der ungerechte Krieg soll fortgeführt»verden. Noch immer hofft man auf Sieg und man»vill den Sieg herbeiführen, koste es»vas es wolle, denn es handelt sich nicht nur um die„Suprematie in Süd- afrika", sondern um die Aufrechterhaltung des Reiches. Daß die Aufrechtcrhaltnng des britischen Reiches auf dem Spiele steht, ist eine arge Uebertreibung, die beliebt ivird, um den Lpfersinn der Bevölkerung zu stacheln. Denn allerdings ganz gewaltige finanzielle Forderungen»verden an das Parla- ment gestellt»verden. Ob die gesamte Heeresorganisation Englands einer Umlvandlung unterzogen»verden soll, nmß abgewartet»verde»», aber„beträchtliche Vermehrungen der Heercsausgaben" sind eine unmittelbare Folge des unglück- lichen Krieges, und zugleich»verde»» neue Marincrüstungen angekündigt als Antwort auf die Flotten- r ü st u n g e n„anderer Nationen" d. h. natürlich in erster Reihe auf die neuesten Flottenpläne der deutschen Regierung. Es ist anzunehincn, daß das britische Parlainent die in der Thronrede angekündigte Politik billigen»vird. Z>var wird es an scharfen Anklagen gegen das Kabinett nicht fehlen. Lord E d ni o n d F i tz m a u r i c c— ein Bruder des Kriegs- Ministers Lord LandSdoivne!— wird, wie aus London ge- meldet»vird, namens der Führer der Opposition im Unter- Hause ein Amendement einbringen, in»velchem„dem Be- dauern über Mangel an Sachkenntnis. Voraussicht und Urteil seitens der Regierung in den südafrikanischen Angelegen- heiten seit 1893 und in ihren Vorbereitungen zuin Kriege" Ausdruck gegeben»vird. Doch ist keineslvegS anzunehmen. daß eine grundsätzliche Aenderung der bisherigen Politik von erheblicheren Gruppen des Parlaments gefordert werden »vird. Das stolze Albion»vill die Niederlage seines Jmperialis- mus nicht ertragen. Seine„Ehre" gebietet, den begonnenen Frevel fortzusetzen. » ¥ Deutsches Meich. Der Zweck der Wcltpolitik. Das„Kleine Journal", das bei Hofe die Lieblingslektüre bilden soll, äußert sich mit der Miene eines Tiefciiigclveihten über die „Ziele des Kaisers" und faßt seine Darlegungen über die kaiserliche Weltpolitik in die folgenden Schlußsätze zusammen: Geht der deutsche Ernst erst einmal an eine Sache, so»vird er sie auch auf das gründlichste und»ach- haltigste betreiben. So»vird's mit der dcnticheii Großmachts- flotte geschehen. DaS flüssige Element, das die Menschen lange und innig auf engem Raum zusammenhält, ist für die innerliche Verkettung und Befrenndung der deiitscheu Stämme ja ganz »vnnderbar geeignet. In dem hochlvogenden Mecresschivall, an den fernen Küsten»vird der Preuße und Bayer keine trennenden Schranken, keine Mainlime, kein Reservat- rechts-Geliiste mehr empfinden, im Welträhmen verschivindet der BundeSstaatler vor dem Großdentschen. Auf dem hohe» Meer herrscht kein Herzog, kein König, auf dem hohen Meer gicbt'S nur die eine Parole: ein Reich und ein Kaiser! Und darin ivird das deutsche Volk seine»vahre und»vclt- beherrschende Größe finden. Ist der Bundesrat bei seiner Zustimmung zur Flotten- Vorlage auch von dieser Erwägung ausgegangen, daß auf dem hohen Meere Herzog und König Untergehn und.der Kaiser allein übrig bleibe?— Die Fraktionen der Freisinnigen PolkSpartei und der Deutschen Volkspartei berieten,»vie die„Frei». Ztg." mitteilt, am Dienstagabend über das neue Flottengesetz. Die Be- ratung hat volle E i n st i m m i g I e i t der Fraktionen in Bezug auf ihre«Stellung zu der Vorlage ergeben.— VolkSpartciliche Flottcnwerber. WaS wir am Sonntag über die Flottensehnsucht freisinniger Volksparteiler sagten, die mau nur noch nicht offen zu bekennen wagt, erhält eine lustige Bestätigung durch die katholische„Deutsche Reichsztg.". die folgendes zu melden»veiß: Uns ist zuverlässig bekannt, daß der Abg. Schmidt Mitgliedern andrer Parteien, die man der Flottenvorlage für nicht geneigt hält, klar zu machen suchte, daß es sich empfehle, für die Borlage zu stimmen. Auf die Eiiiivcndung eines Angeredeten,»oarum denn er. Schmidt, und seine Partei nicht für die Vorlage einträten, meinte dieser, das könnten sie nicht ivcgen ihrer programmatischen Stellung- nähme in dieser Frage. Dieses Vorgehen des Abg. Schmidt, den wir sonst hochschätzen, erklärt sich vielleicht aus einer kleinen menschlichen Schlväche. Herr Schmidt ist bekanntlich im Reichstag zivciter Viccpräfident. Allem Anschein nach fürchtet er im Falle der Ab- lchnung der Floitenvorlagc eine Auflösung des Reichstags und damit den Lerlnst seiner Präsidialstellring, oder gar bei Neu- wählen eine Gefährdimg seines Mandats. Eine solche kleine Schlväche kann man ja verstehen, aber»vir glauben doch, daß eS besser wäre, Ivenn Herr Schmidt zur Abivendung des von ihm gefiirchteten Malheurs nicht an erster Stelle andre Parteien in Anspruch zu nehmen suchte." Eine außerordentlich charalteristische Mitteilung! Dieser Muster» reisinnnige getraut sich zlvar nicht selbst für die Flotte zu stürm, eq, aber er bemüht sich im Centrum— das ist offenbar die andre Partei— die Wasserbegeifterung zu cntsachcn, danrit auch ohne die Volksparteiler eine Mehrheit für die Vorlage zustande känre. Ist die Mehrheit dann durch die freisinnigen Bemühungen gesichert. dann darf sich auch der Abg. Schmidt den Luxus gestatten, gegen den Entrvurf zu stinrnren. Auch sonst mehren sich die volksporteilichen Kundgebungen für die Flottenvorlage. So schreibt die«Neue Badische Landeszeitrmg": „(»ein sdes Kaisers) Wunsch, unsere Seemacht beträchtlich zu vermehren, geht seiner Verwirklichung entgegen; denn in immer weiteren Kreisen dc-Z Volks bricht sich die Ueberzcugung Bahn, datz Handel und Industrie gerade bei der gegenwärtigen intcr- nationalen Lage und beiZdem uerschärften Äonkurrenzlamps der Nationen eine allmähliche Verstärkung unserer Flotte nicht ent- behren löimen." In Königsberg i. Pr, hat sich Dr, Krieger in der General- vcrsamnrluiig des Wahlvercins der freisinnigen Bolkspartci gar sympathisch für die Flottcnvcrmchrung misgesprocheu, und die Ver- fammlting zollte denr Redner Beifall, Gegenüber einem Diskussions- »cdner, der sich scharf gegcir die Marinevorlage wandte, bemerkte Krieger,.daß er nicht au der Kette früherer Jahrzehnte liegen wolle." Engen Richter hütet sich, in der„Freisinnigen Zeitung" diese . Ketzerei wiederzugeben.— Dr. Licbcrs Befinden hat sich, der„Germania" zufolge, so gebessert, daß eine Lebensgefahr als überwunden erachtet wird.— Centrumsstimmnngcn. Mit großer Erbitterung wendet sich ein Teil der Ccntrumspresse gegen die 189.8 verfolgte Lieberiche Flottenpolitik, die durch die jetzige Vorlage schliuim blamiert worden ist. So schreibt die Bonner.Deutsche Reichszcitung": „Was die Blätter a»S der„Begründung" der Vorlage ver- öffentlichen, liest sich, wenn man das Flottengesetz von 1898 gegen- überstellt, wie ein Hohn ans letzteres und muß namentlich den- jcnigcn, welche vor zwei Jahren, nach Bewilligung der damaligen Vorlage, harnrlos genug waren. zu glauben, daß man nun mit Mariiiesordcrnngcn sechs Jahre lang Ruhe haben iverde, die Röte der— Naivctät ins Gesicht treibe». Und trotzdem diese neue Vorlage den völligen Umsturz des Flottengcsctzcs von 1898 bedeutet, wird auch jetzt wieder dasselbe Manöver versucht wie damals: den Glauben zu wecken, als ob innerhalb der nächsten 16 Jahre außer den 42 neuen Schiffen nichts mehr gefordert werde. Wird sich im Reichstag noch ein einziges Mitglied finden, das abermals auf ein derartiges Manöver hereinfällt? Diejenigen, welche vor zwei Jahren ihre Zustimmung damit motivierten, daß sie auf die„feierliche" Versicherung der Regierung, sich, wie der Reichstag, gebunden zu erachten, hinwiesen und nun sagen, man habe vcrnünftigenveise nicht annehmen können, daß die Regierung schon nach zwei Jahren nicht mehr ihr Wort halten werde, können fernerhin diese Entschuldigung nicht mehr vorbringen/ denn ein gebranntes Kind scheut' das Feuer." Indessen es scheint, als ob das gebrannte Gentium durchaus nicht das Feuer scheuen wolle. Wenigstens wird die Wendung in der Kaiserrede BallcstremS, daß der Reichstag den großen Intentionen des Kaisers nach Möglichkeit,„soweit unsre llcbcrzengung es zuläßt", immer entgegenkommen und sie fördern nu'isse, so gedeutet, daß ein Teil des Gentrums geneigt sei, der Flottenvorlage zuzustimmen. Es müßten aber immerhin 40 Mitglieder sei», wem: eine Mehrheit für den Acgir-Kult zu stände kommen soll.— Frömmigkeit statt Flotte. Der nationalistisch-klerikale Pariser „Gaulois", der von dem kathollsicrten Juden Arthur Meyer redigiert wird/hat das Geheimnis des Sieges der Boeren enthüllt: es ist ihr . unerschütterlicher GotteSglaubc. Die„Post" gicbt den Artikel des Pariser Blattes zustimmend wieder, das auch die deutschen Kriegs- erfolge darauf zurückführt, daß bei uns der Gottesglaubcn bei dem obersten Kriegsherrn und bei seiner Armee so hoch in Ehren steht. Da die Frömmigkeit im Zeitalter Mirbachs gegen 1870/71 sicher gestiegen ist, so besitzen wir nach der Logik Arthur Meyers und der „Post" in unscrm Gottesglaubcn eine solche Gewähr des SiegeS, daß wir solchen irdischen Tand, wie Panzerschiffe und Kanonen, gänzlich entbehren können.— Bismarckschc Agitationsmittcl wendet jetzt die Regierung an. In den Buschscheu Bismarck- Memoiren ist sehr anschaulich zu lesen, wie Bismarck Artikel in die Auslandspresse hinciubugsierte, die dann als„Stimmen des Auslands" telcgraphisch zurückgemeldet ivurden. Solche aus Berlin inspirierten„Stimmen des Auslands" verbreitet jetzt auch das„Wölfische Bureau" zur Flottcnvorlage.„Ein LeKreicher in Berlin" ergeht sich in der„Wiener Freien Presse" in ver- zücktem Gestammel über die lvundcrbareu Wirkungen des neuen Flotten- plans, und das offiziöse Tclcgraphenbureau beeilt sich, die Phrasen an Berlin zurückzuliefcrn. Wir hören bau. a., daß aus der Verdoppelung der Flotte ein„neuer Frühling" für das Deutsche Reich emporblühcn werde. Nun, die Sache kostet zivar sechs Milliarden, aber so billig läßt sich kein Frnhling künstlich herstellen.— Daö beleidigte sächsische OberlaudcSgcricht. Das Reichsgericht v e r iv a r f am Dienstag die Revision des Nedactenrs der BreSlancr.Volksmacht" Löwe, welcher am 26. Oktober vorigen Jahres von der Strafkammer in Breslau Ivcgen Beleidigung des sächsischen Oberlandesgerichts zu zwei Monaten'Gcfängnis verurteilt worden war. Die„Volkölvacht" hatte den inkriminierten Artikel, in dem es bekanntlich hieß, daß der höchste sächsische Gerichtshof oft die Angehörigen der Arbeiterpartei als mindern Rechts erklärt habe, aus dem., Vorwärts" übernommen. Das Urteil des Breslauer Landgerichts tvar durchaus wider- spruchsvoll. Es sprach, die Verurteilung aus, weil nur für einige Fälle der Wahrheitsbeweis erbracht worden sei, aber nicht im allgemeinen erwiesen sei.>vas der Artikel behauptet habe. Eine solche Behauptung hatte jedoch der Artikel thatsächlich gar nicht enthalten. Das Reichsgericht hat sich nun an die„fest- gestellten Thatsachen" halten zu müssen geglaubt, so unberechtigt die Feststellung auch war, und hat die Revision verworfen. Bezüglich der Spruchpraris des sächsischen Oberlandesgerichts halten wir es natürlich mit dem Berliner Urteil, ivenn auch' unser Parteigenosse in Breslau auf zwei Monate das Gefängnis beziehen muß.— Eine Begnadigung. AuS Köln Ivird gemeldet: Lieutenant Döring vom 68. Infanterie- Regiment, der am Pfingstmontag vorigen Jahres den Studenten Klövekorn im Duell tötete und damals zu 2 j ä h r i g e r F e st n n g s h a f t verurteilt wurde, ist nunmehr vom Kaiser begnadigt ivorden. Döring soll, nachdem , er sechs Monate seiner Strafe verbüßt hat, in ein andres Rc- giment versetzt iverde». Zum Fall ArouS. Die„Frankfurter Zeitung" antwortet auf unsre Frage, weshalb sie den Entschluß des StaatsministeriiimS für erfreulich halte:„Nun. qus demselbeir Grunde, aus dem wir jedes Ereignis freudig begrüßen, das eine furchtsame Regierung furchtsam erscheinen läßt." Das läßt sich hören!— Tocialdemokratische Schulvorstände. Bei der Schulvorstands- mahl in Limmer bei Hannover wurde» zwei Socialdemokraten gewählt. Sie erhielten jetzt folgendes Schriftstück: Limmer, den 27. Januar 1990. Herrn............ hier Vom königl. Landratsamt bin ich durch Verfügung vom 24. d. M.— Journ.-Nr. 895— beauftragt, Ihnen zu eröffnen, daß Sie mit Rücksicht auf den Erlaß des Herrn Kultusministers vom 29. August 1898 als Mitglied des Schulvorstauds nicht eingeführt und verpflichtet werden können. Der Vorsitzende des Schulvorstandes. Eppers, Rektor. Um die ganze Komik dieses Kampfes gegen die socialdemo- kratischen Schulvorstände zu kennzeichnen, sei darauf hingewiesen, daß die beiden Gemaßregelten schon seit Jahren, und zwar der eine 6 Jahre und der andre XI Jahre diesem Schulkollegium aoigehört haben, daß das Kollegium seit Jahren eine socialdcmokratische Majorität hat und daß seiner Thätigkeit eine ganze Reihe Reformen im dortigen Schulwesen, darunter auch die anstandige Besoldung der Lehrer, zu danken sind. Offenbar wünscht die Regierung solche nützliche» Reformen nicht, und schließt deshalb die beiden schuldigen Männhr au». Bevölkerungs-Statistik. Zu unsren gestrigen Bemerkungen über die Bevölkerungs-Statistik der„Welt am Montag" wollen wir nachtragen, daß wir denHerrn stark überschätzt haben, als wir annahmen, er hätte angefangen, statistische Studien z» treiben. Er hat, ivie wir jetzt sehen, seine Weisheit einfach der amtlichen Denk- s ch r i f t zur Marinevörlage kritiklos entnommen. DaS erklärt einmal,, warum er seine Antwort sich 14 Tage lang überlegt hat, dann aber auch die Stümperei seiner Beweisführung. Alles, ivas Ivir gestern gegen diese„Methode" anführten, trifft nicht nur den Benutzer, sondern auch die Quelle selbst, die Denkschrift, deren Beweisführung noch gelegentlich eine intimere Charakteristik erfahren soll.— Landtags- Abgeordneter Jnstizrat Asemissen, Führer der freisinnigen Partei in Lippe und bekannt durch die Vertretung der Thronansprüche des Grafen von Lippe- Biestcrfeld, ist in der Nacht zum Dienstag, 56 Jahre alt, in Detmold gestorben.— Sainoa Abkommcn. Aus Washington wird vom Montag telegraphiert: Der Senat hat heute den Antrag, die Diskussion über das Samoa-Teiluugsabkommcn wieder zu eröffnen, abgelehnt und das Abkommen damit genehmigt.— Ausland. Oeftreich-Ungar». Einen sehr vernünftigen Erlast hat der neue östreichische Ministerpräsident als Leiter dcS Ministeriums des Innern an sämtliche LandcSchess gerichtet, in welchem er die Grundsätze für die staatlichen Behörden im amtlichen Wirken bekannt giebt. Hiernach sollen die Behörden bei strengster Beob- achtung der Gesetze sich ausschließlich von sachlichen Erwägungen und der Rücksicht auf die V o I k s w o h l s a h r t leiten lassen, alle Agenden rasch erledigen, offenen Auges die Bedürfnisse der Bevölkerung wahrnehmen und überall die Initiative er- greifen, wo von ihrer Intervention ein nützlicher Erfolg zn erwarten ist. Hierzu sei steter vertrauensvoller Kontakt mit der Bevölkerung geboten. DaS Schreiben empfiehlt ferner die Wahrung dcS AnscheuL der Behörden, die Handhabung der Gesetze im Falle der Bedrohung des öffentlichen Friedens und verlangt nachdrücklich, daß kein Beaniter bei Vollziehung amtlicher Obliegen- heilen seine politische Gesinnung hervorkehre.— Frankreich. Vom Pariser Erzbischof. Im Ministerrat vom Dienstag brachte der Ministerpräsident Waldcck-Rousscau den Brief, welchen er an den Erzbischof von Paris. Kardinal Richard, aus Anlaß der im Blatte„La Eroix" veröffentlichten Schilderung des Besuches des- selben bei den A ss umti o ni ste n gerichtet hat, und die Antlvort des Erzbischofs zur Kenntnis. Dieser erklärt, der Schritt, den man ihm zum Vorwurf mache, trage durchaus keinen politischen Charakter, und verwahrt sich dagegen, der glcgierung der Republik feindlich gesinnt zu sein. Waldeck- Rousseau wird dem Erzbischof antworten', daß er»ach dieser Erklärung den Bericht des Blattes „La Croix" als nicht genau den Thatsachen entsprechend ansehe. Trotzdem müsse er aber die Handlungsweise des Erzbischofs tadeln, die auch ganz iingewöhnlichcr Art sei.— WaS die Bischöfe und die sonstigen Geistlichen betrifft, welche gegen die Verurteilung der Assumtiomsten protestiert haben, so wird denselben ihr Gehalt gesperrt werden.— Türkeis Politik und Harem. K o n st a n t i n o p e l, 30. Januar. Der gestrige Ministerrat beschäftigte sich mit der Angelegenheit der Italienerin Silvia Gcnelli, welche in einen türkischen Harem gebracht worden ist. Der Justizminister verweigert die Freilassung des Mädchens mit der Angabe, daß die Gcnelli nach türkischem Gesetze bereits die Grotzjährigkcit erlangt hat und zum Islam übergetreten ist. Die italienische Botschaft will dies nicht anerkeinien. da das Mädchen als italienische Unterthanin minderjährig sei und unter väterlicher Gewalt stebe. Der Zwischen- fall hat ernstere Fonncn angenommen und könnte sogar zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen führen. Die italienische Botschaft hat heute neuerlich ernste Schritte bei der Pforte unternommen.— Serbien. Die Begnadigung der serbischen Verurteilten wird wieder einmal angekündigt. Der„Neuen Freien Presse" wird aus Belgrad gemeldet, es verlautet dort bestimmt, daß die Begnadigung der im Hochverrats-Prozcsse Verurteilten am 6. März, dem Tage der Proklamierung Serbiens zum Königreiche, erfolgen werde.— Amerika. Vom Philippinischen Krieg. Aus New Dork wird berichtet, Mac Kinley iverde in allernächster Zeit eine Proklamation, betreffend eine Amnestie für die Philippinos erlassen. Die dann weiter Kämpfenden sollen als Banditen behandelt werden.— Ein Erfolg dieser auf dem Papier stehenden Proklamation wäre nicht zu er- warten. Mac Kinley müßte doch die Philippiner erst haben, ehe er sie als Banditen behandeln kann.— NsvlamvnkÄvifkhos. Die Kommission zur Vorbcratung der Novelle zur Unfallversicherung trat am Dienstag zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Die social- demokratische Fraktion ist durch die Abgg. Fischer sSachscn), Hoch, Molkenbuhr und Stadthagen darin vertreten. ES wurde beschlossen, von einer Generaldebatte abzusehen. Zur Beratung wurde zunächst die Geiverbc-Nnfallversicheriingsvorlage gestellt. Zu Z 1(Umfang der Versicherung) stellten die socialdcmokratischcn Vertreter eine Reihe von Anträgen. Sie beantragten, de» Absatz 1 des K 1 wie folgt zu fassen:„Personen, welche' als Arbeiter, Gehilfen, Gesellen, Lehr- linge oder Gesinde gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt werden, werden gegen die Foigen der Unfälle, welche sich creigiien:)1. bei dem Betriebe oder aus dem Wege von oder nach der Arbeitsstätte. 2. bei häuslichen oder andren Diensten, zn denen sie von ihren Ar- bcitgebcrn oder deren Beauftragten herangezogen werden, versichert. Dieser Antrag lvnrde abgelehnt; ebenso der folgende, der denr Z 1 einen Absatz zufügen sollte, ivonach auch die Kolonnenführer als Arbeiter anzusehen sind, und wonach zu den Arbeitern im Sinne der Unfallversicherung auch gerechnet werden: 1. Lehrlinge. 2. diejenigen Personen, welche gemeinschaftlich die Ausführung einer Arbeit für das Gewerbe, die Wirtschast oder die Hausgemeinschaft eines nudern übernommen haben, 3. diejenigen Personen, welche für bestimmte Gewerbetreibende außerhalb der Arbeitsstätte der letzteren mit der Anfertigung gewerblicher Erzeugnisse beschäftigt sind, und zwar auch dann, wenn sie die Roh- und Hilfsstoffe selbst beschaffen.— Dasselbe Schicksal hatten die socialdemokratischen Eventualanträge zu§ 1. Abgelehnt wurden die Eventualanträge auf Ausdehnung der Unfallversicherung auf die im Fischcreibctricbe und Apothckcrgewcrbe beschäftigten Personen und auf das Handelsgewerbe. Ebensowenig fand ein weiterer Eventualantrag der Socialdemokraten Annahme, ivonach den ver- sicherungspflichligen Betrieben im Sinne dieses Gesetzes gleich- gestellt' ivird der Reichs-, Staats- und Kommunaldienst sowie Anstalten und Veranstaltungen zu religiösen, wohlthätigen oder ge- meinnntzigen Zwecken, zu Zwecken der Kunst, der Wissenschaft, der Gesundheitspflege und der Lcibesübung. Abgelehnt wurde schließlich noch ihr Antrag, zu den versicherungspflichtigen Betriebe» auch die zu rechneu. in' denen sechs(jetzt zehn') Personen dauernd beschäftigt sind. Das Centrum und die übrigen Parteien standen allen diesen Anträgen gegenüber auf dem Standpunkte, daß man an den Äommissionsbeschlüsscn, wie sie früher gefaßt worden seien, fest- halten müsse. Staatssekretär Graf Posadowsky erklärte: Die Regierung beabsichtige im Laufe der Zeit den Kreis der Versicherten auszudehnen, halte aber die Einbeziehung de? Handwerks und Gesindes in die Gewerbe- llnfallversicherungs- Vorlage für unmöglich. Hierfür müssen später besondere Organi- sationen geschaffen werden. Die 1, la., 1b und 1c wurden darauf in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen. Die Beratung wird Mittwoch fortgesetzt. In der Budgetkommissio» des Reichstags wurde am Dienstag die Beratung des Kolouialetats fortgesetzt. Zur Verhandlnng steht der Etat für das s ü d w est a fr ik an i s ch e Schutzgebiet. Abg. Müller- Fulda(C.) bringt die jüngst vor- gekommenen, durch die Presse bekannt gewordenen Ausschreitungen eines Offiziers. des Prinzen Arenber'g, zur Sprache und gicbt der lleberzeuaung Ausdruck, daß sirciigste Bestrafung erfolgen werde. Der Referent Abg. Prinz Areuherg, giebt folgende Erklärung ab: Ich darf wohl annehmen, daß diejenigen meiner Herren Kollegen, mit denen ich seit einer Reihe von Jahren in der Budgetkomiinssion zusammenzuarbeiten die Ehre habe, meine Auffassung in Bezug auf alle Arten von Kolonialexccsfeii kennen. Ich habe in der gesamten Kolomalpolitik die k u I t u r e l l e n und ethischen Momente stets allen andern vorangestellt und gerade deswegen alle Aus- schreitungcn verabscheut und, wo Gelegenheit lind Notwendigkeit vorhanden waren, auf das schärfste angegriffen. Für meine Beurteilung solcher Dinge macht es selbstverständlich nicht den allerinindestc» Unterschied, ob sie von einer mir fernstehenden oder mir verwandten Persönlichkeit ausgeführt worden sind.— Abg. Bebel kündigt au, daß er die Affaire Arcnbcrg im Plenum zur Sprache bringen werde. Kolonialdirektor v. Buchkn spricht sein lebhaftes Bedauern über die Excesse ans. Seine Verwaltung thue alles mögliche, um eine Wiederholung der vorgekommenen Ausschreitungen zu vermeiden. Im Falle Arenberg habe daS Kriegsgericht gesprochen. Der Spruch unterliege der a l l e r h ö ch st c n Bestätigung.— Hierauf geht man zur Specialbcratnng des Etats über. Die Einnahmen, 8174300 M.(darmiter 7 181 300 M. Rcichszuschnst), werden bcivilligt. Mit der Position: Einiiahmen aus dem Eiscnbabnbetriebe 180 000 M. iverde» in der Diskussion die Ausgaben zur Fortführung d e r E i s c n b a h n u n d des Telegraphen von S w a k o p m u n d nach W i n d h o c k: 2 300 000 M. verbunden. Hierüber liegt der Bericht dcsObtrstlieutenants Gerding vor. Danach sind die Gesamtkosteii des Baues, so iveit bis jetzt zu übersehen, auf UVe bis 12 M i l l i v u c n Mark zu vcrauschlagen. Abg. Müller-Fulda hält es für richtiger, daß die Eisenbahnen zu bauen in Afrika Gcsellichasteu überlassen werde, statt Reichsmittcl zu fordern. Ma» könne solche Gesellschaften eventuell durch Landionzessionen unterstützen. Direktor v. Bnchka erwidert, daß das Reich erst eintrete, wenn sich kein Privatkapital zum Eisen- bahnbau bereit finde. Leider sei das deutsche Kapital iu unfern Kolonien noch zu zurückhaltend. Hieran schließt sich eine längere Diskussion, zum Teil vertraulicher Art, über den Bau anderer Linien in der südwestafrikanische» Kolonie. Bei de» einmaligen Ausgaben werden zu Titel 7 100 000 M. gefordert zu Beihilfen für deutsche Ansiedler, insbesondere für ansgediente Angehörige der Schlitztruppe. Hierzu wird folgender Antrag des Abg. Graf Aruim angenommcn: Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, bei der Ansiedelung von Schutztruppen von dem Nachweis eines Betriebskapitals Abstand zn nehmen und das Land in entsprechender Größe kostenfrei zn vergeben. Im Übrigen wird der Etat bewilligt, ebenso die Etats für das Schutz- gebiet von N e u- G u i nse a und für die K a r o l i n c n, P a l a u- inseln und Marianen. Der Etat für K i a u t s ch o u ist der Plenarvcrhandlung vor- behalten. Der Kolouialctat ist somit erledigt bis auf die Reichs- zuschüsie, welche noch besonders festgestellt werden sollen. Morgen kommen die Titel des Auswärtigen Amts zur Beratung, welche sich auf die Kolonien beziehen._ Partei-Organisation. In der am Sonntag abgehaltenen Hauptversammlüng des socialdemokratischen Vereins für den 22. sächsischen Rcichstagswahlkreis sollte eine Abänderung der Organi- sation beraten werden, sie wurde aber verschoben bis nach der Landesversammluiig. Der vorgelegte Entwurf sah eine Ccntrali- sation der im ganzen Kreise vorhandenen Einzelvereine vor unter Zülässung von Einzclmitglicdcrn. Die nächste Landesversammluiig soll zur Frage der Organisation Stellung nehmen. Die Einnahmen des Kreises betrugen im abgelaufenen Jahre 1059 M., die Ausgaben 750 M. Bei der Landtagöwahl im Fürstentum Rcuß ä. L. wurde Ge- nosse Franz Feustel als Abgeordneter und Genosse Hermann S t c i n i n g e r als sein Stellvertreter gewählt. Genosse Molkenbuhr hat leider am Dienstag einen Unfall erlitten, der ihn ans längere Zeit von den RcichstagSverhandlungcn fern- halten wird. Als Molkenbuhr in den Reichstag ging, um an den Verhandlungen der UiifallvcrsichcrungS-Kommission teilzunehmen, riß ihm an dem Portal des Reichstags der Wind den Hut fort und als er diesen erhaschen wollte, stürzte er so unglücklich hin, daß er sich den rechten Obcrarmkuochen der Länge nach brach. Erst nach der Kommissionssitzung begab sich Molkenbuhr ins städtische Kranken- haus, wo ihm ein' Verband angelegt wurde. Hoffentlich wird unser Freund keinen dauernden Schaden davontragen. Jedenfalls ist er aber fiir einige Zeit im Gebrauch des rechten ArmS gehindert.— Totcnlistc der Partei. In Hamburg starb am Sonntag im Alter von 42 Jahren der Parteigenosse Gustav Knuth, von Berns Cigarrenmackier. Für seine Thätigkeit zeugt die Thatsache, daß er am 4. August 1886 in Hamburg verhaftet und nach vier- monatigcr Untersuchungshaft wegen Vergehens gegen bas Socialistcn- gesctz und Geheimbündelei zu einem Jahre Gefängnis verurteilt wurde. Noch vor der Entlassung aus dem Gefängnis wyrde ihm die Aus- Weisung aus dem nördlichen Bclagcruiigsgcbict eröffnet. Gleichfalls am Sonntag wurde auch den Mannheimer Genossen ein tapferer Streiter durch den Tod entrissen. Es starb dort der Cigarrenmackier Franz KönigShaysen im Alter von 69 Jahren. lieber seine Thätigkeit schreibt unser Mannheimer Parteiblatt: Genosse KönigShausen war einer der ältesten Parteigenossen Mannheinis. Schön in de» sechziger Jahren belciligte er sich an der Ärbeiterbewcgnna und war namentlich unter den Cigarrcn- machcrn organisatorisch thätig. Er war somit einer der ersten Pioniere der Mannheimer Arbeiterbewegung. Als im Jahre 1878 die Mamihcime» Socialdemokraten zum Zweck der Gründung des „Badisch-pfälzischcu Volksblattcs", eines der ersten Opfer des Socialistciigesctzes, zusammentraten, da ivar er es, dem die Leitimg dieses Preßvercins übertragen wurde. So lange er nur konnte, blieb er unseren Bestrebungen getreu und ergeben. Seine Kräfte stellte er auch in die Dienste der Ällgemeinheit, der Stadt. Im Jahre 1878 wurde er zum Stadtverordneten gewählt. 1881 zum Stadt- verordnetcil-Vorstand. 1884— 1800 wurde er Stadtrat. Poliieilichra, Gcrichllichrs usw. — Das Urteil gegen Genossen Korn in Kiel wegen Beleidigung des Reichskanzlers ec. durch Kritik der Zuchthausvorlage. kautet aus 2 Monate Gcsängnis. lieber die Verhaudluug, die schon vor einigen Tagen stattfand, haben wir schon berichtet. — Je 10 M. Geldstrafe müssen zwei Genossen in Hahnau in Schlesien bezahlen, iveil sie durch cme Kalendcrverteilung des Sonntags„öffentlich bemerkbare Arbeit" verrichtet haben sollen. Gemevksftistftlufzvs. Berlin und Umgegend. Zur Lohnbewegung der Einsetzer(Tischler) wird berichtet. daß bis jetzt 102 Meister mit 500 Gesellen den Lohntarif bewilligt haben und Aussicht vorhanden ist, daß bis Ende dieser Woche, ab- gesehen von einzelnen Plänkeleien, der Streik beendet sein dürfte. Das Resultat ist um so sicherer zu erwarten, wenn die Kollegen strikte die Beschlüsse irnie halten und überall da. wo der Tarif noch nicht bewilligt ist, auf die Durchführung gedrungen wird. Leider müssen wir noch zu unferm Bedauern feststellen, daß die Werkstattgesellen nnsren Streik noch nicht genügend resxeltieren und immer noch auf Bauten gehen und Eimetzernrbeiten ausführen. Im weiteren machen wir bekannt, das; alle Einsetzer, welche ohne Arbeitskarte arbeiten, sich unsren Forderungen nicht angeschlossen haben. Wir bitten die Bauhandwerker, die Kontrolle zu üben.— Alle Kollegen ersuchen wir. heute abend in der Versammlung zu er- scheinen, um die Lohnbewegung noch besser auszugestalten. Die Sircikkommission. Deutsches Reich. Vom noblen Reedertum wird uns aus Bremen berichtet Der Norddeutsche Lloyd latzr bekanntlich riesige Summen springen, um in der Welt den Eindruck eines höchst vornehmen Instituts zu inachen. Diesen Reklameaufivand beleuchtet in sehr merkwürdiger Weise das Verhalten, das der Lloyd neuerdings gegen seine Hafenarbeiter zur Schau trug. Im vorigen Dezember' fand eine Lohnbewegung der bremischen Hafenarbeiter ohne Streik vor dem Einigungsamte mit Erziclnng einiger, wenn auch nur geringer Vorteile ihren Abschluß. Am'!. Januar sollte der neue Lohntarif in Kraft treten, aber nun zeigte sich. daß weder der Norddeutsche Lloyd noch die Bremer Lagerhaus- Gesellschaft sich rührten, das Abkoinmen zu respektieren. Die Arbeiter wandten sich mit schriftlicher Beschwerde an den Arbeitgebcrverband und nun machte die Lagerhaus-Gesellschaft die von den Arbeitern erhofften Vorteile durch eine andre Auslegung illusorisch, während der Norddeutsche Lloyd sich durch den in' aller Stille vollzogenen Austritt aus dem Arbeitgcberverband offenbar nicht mehr an das Abkommen vor dem Einigungsamt gebunden glaubte. Die Arbeiter, die auf diese wahrhaft erbärmliche Weise um die nunmehr einzigen Vorteile ihrer Lohnbewegung gebracht sind, haben dem bremischen Reederkapital in einer jüngst abgehaltenen Versammlung unverblümt die Meinung gesagt. Zur Kcnnzeichnuitg des bremischen Reedertums dient noch folgendes: In ihrer erwähnten schriftlichen Beschwerde an den Arbeitgeberverband hatten die Hafenarbeiter darauf Hingelviesen, daß nach ihrer Meinung das vom Vorsitzenden des Arbeitgeberverbands vor dem Einigungsamt abgegebene Ehrenwort für alle Mitglieder jenes Verbands bindend sei. Diesen Glauben, daß die Unternehmer auf Ehre und Gewissen verhandelten, hat folgendes Wort, das der Vorsitzende, Direktor Holze von der Dampfschiffahrts» Gesellschaft Neptun, seinem Antwortschreiben einftigte, gründlich zerstört. Er schrieb:„Wir bemerken hier, daß sowohl Ihre wie unsre Vertreter vor dem Einigungsamte ein Ehrenwort nicht abgegeben haben und lvir verbitten uns für jetzt und in Zu- ikunft hierauf bezügliche Anspielungen." Das klingt in der That saarabisch. Und dabei hatte Direktor Holze im Ver- laufe der Verhandlungen vor dem Einigungsamte das Wort gesagt: „Was wir hier verhandeln, ist E h r e n s a ch e." Darauf hatten die Hafenarbeiter ihren guten Glauben gestützt. Ganz ungerechtfertigt aufgelöst wurde am Sonnabend eine in Halle anberaunite Versammlung des Metallarbeiter-Vcrbandes. Der Vorsitzende Ebeling legte bei Beginn der Versammlung dem dicnstthucnden Wachtmeister die für laufende Versammlungen aus- gestellte Bescheinigung vor und bemerkte, daß die Versammlung ordnungsmäßig angemeldet worden sei. Der Beamte eilte, da ihm die Sache zweifelhaft erschien, noch cininal zu seinem Vorgesetzten, kehrte dann aber, wie im Schweiße gebadet, mit dem Bemerken,_ es bleibt bei der Auflösung, zurück. Als Ebeling seine Bescheinigung verlangte, entgegnete ihm der Beamte, er müsse dieselbe beschlagnahmen, da an derselben eine„unerlaubte Korrektur" vorgenommen worden sei. Ebeling be- schwerte sich am Montag früh sofort bei dem Obcr-Polizci-Jnspcltor Weydemann, wobei sich dann herausstellte, daß die Versammlung. die zufällig mit dem Geburtstage Wilhelms II. zusammenfiel, that- sächlich ungerechtfertigt aufgelöst worden ist. Herr Weydemann sprach über die Auflösung sein Bedauern aus. Der Textilarbeiter- Streik bei der Firma L ä d e r i ch u. Co. in Mülhausen i..E. ist, wie uns soeben mitgeteilt wird, b e- endet, und zwar zu Ungunsten der Arbeiter. Die Hnngcrpeitsche hat die um bessere Lebensbedingungen kämpfenden Proletarier also wieder einmal zur Unterwerfung gezwungen. Ausland. Die Bergarbeiter im Aachener Bezirk sind bekanntlich seit einiger Zeit in heftiger Erregung, da ihnen von den Grubenbesitzern verboten wurde, der Organisalion aiizugchörcn, und als diesem Verbot keine Folge geleistet wurde, zahlreiche Arbeiter ihre Kündigung erhielten. Wie es sckieint, erwartet man einen Ausstand der Arbeiter, denn es wird telcgraphisch gemeldet, daß eine Abteilung Gendanuerie in den umliegenden Ortschaften eingetroffen ist. Diese Maßregeln können natürlich keinesivegs zur Beruhigung dienen. Bemerkt sei, daß es sich hier um gut christliche Arbeiter handelt, die sich gegen die rücksichtslose Behandlung der Unternehmer ivenden würden. Man scheint gegen sie aber auch die bekannte» Mittel in Anwendung zu bringen._ SociKlvs. Vom rheinisch-westfälische» Kohlenbergbau. Welch lohnendes Geschäft der Bergbau für die Kohlenmagnnten ist, erhellt aus folgender Preiszusammenstellung. Nach Notierungen der Essener Börse wurden folgende Durchschnittspreise erzielt. Für Es stiegen demach die verschiedenen Kohlensorten in den letzten 4 Jahren um 9,6; 17,2; 18,4; 16,0; 30,68; 19,2; 13,24; bezw. 23,83 Proz. Trotzdem soll sich der Bergbau nach den An- gaben der Werksbesitzer nicht lohnen, weil angeblich die Produktions- kosten, besonders die Löhne der Arbeiter bei verminderter Leistung ganz enorm gestiegen seien. In jedem Geschäftsbericht wird das- selbe Lied gesungen und auäi im Essener Handelskammerbericht finden wir wiederholt dieselbe Klage. Es ist schon oftmals darauf hingewiesen worden, daß die erzielten höheren Löhne zum guten Teil aus geleisteten Ueberschilbten resultieren. Thatsächlich hat sich die Förderziffer pro Kopf gesteigert: dies finden wir im erwähnten Bericht, eine gewiß unverdächtige Quelle für die Werksbesitzer, be- stätigt. Nach den darin gemachten Angaben betrug in den ersten drei Vierteljahren(Ober-Bergamtsbezirk Dortmund): Zahl der Steinkohlen-Förderung � y Bergarbeiter in Tonnen 1894 152139 30 047 077 1895 153 537 30 129 963 1896 159 915 33 059 990 1397 172 763 35 750 462 1898 190 532 37 656 341 1899 204 410 40 957 911 Von 1894— 99 stieg die Zahl der Bergarbeiter um 34,36 Proz., die Steigerung der geförderten Kohlenmenge beträgt aber 36,31 Proz. In den ersten drei Vierteljahren' 1894 entfielen auf den Kopf der Belegschaft 197,5 Tonnen Förderung, für denselben Zeitraum 1399 stieg die Förderziffer pro Kopf jedoch auf 200,37 Tonnen. In diesen Zahlen kommt die thatsächliche Mehrleistung aber noch lange nicht recht zum Ausdruck! Zunächst kommt dabei nicht in Betracht die Heranziehung Tausender vollständig ungeschulter Arbeiter zum Bergbau; wodurch natürlich die Förderungsquote der heimischen, eingeübten Arbeiter mit herabgedrückt wird. Ferner muß berücksichtigt werden die sich immer schwieriger gestaltende Kohlengewinnung, erhöhte Hitze bei tieferer! Teufe, weitere Entfernung vom Schacht, Lagerverhältnisse, Berge- versag usw. Was aber die Hauptsache ist, gerade in den legten Jahren sind die oberirdischen Anlagen zur Erzeugung von Neben- Produkten bedeutend erweitert worden. Eine sehr große Anzahl der neuangelegten Bergarbeiter ist gar nicht an der Kohlenförderung be- teiligt! Ganz ungeniert rechnet man aber die gesamte Belegschaft der Kohlen produzierenden zu. Trotz dieser, im wohlverstandenen Interesse beliebten Berechnung, ist die Behauptung von der ver- minderten Leistung widerlegt. Danach darf man wohl den übrigen Behauptungen der Dividendcnarbeiter mit größtem Mißtrauen be- gegnen._ Aus dev Fvuuenbewvgung. Francnstudinm. Der Petitionskommission des Reichstags lag eine Petition vor, weibliche Studierende auf Grund ihrer Reife- Zeugnisse auch zur Immatrikulation und den Staatsprüfungen zuzu- lassen. Der Vertreter der Regierung gab in der Kommission eine Erklärung ab. daß über die Zulassung zum ordentlichen UniversitäiZ- studium die Landesregierungen zu befinden haben. Was die Zulassung zu den Staatsprüfungen anlangt, so sind die Hindernisse, die bisher der Zulassung weiblicher Studierenden zu den Prüfungen der Aerzte, Zahnärzte und Apotheker infolge der Fassung der Prüfungsordnungen entgegenstanden, durch Beschluß des Bundesrats vom 24. April d. I. beseitigt tvorden. Nach der durch diesen Beschluß den Prüfungsvorschriften gegebenen Auslegung wird bei solchen Prüfungen, die ungeachtet des Nachweises der vorgeschriebenen schulwissevschaftlichen Vorbildung sowie der erforderlichen sittlichen Führung aus Gründen der Universitätsverwaltung von der Immatrikulation ausgeschlossen waren, das gastweise Studium als den Prüfungsvorschriften ent- sprechend anerkannt, sofern im übrigen ein ordnungsmäßiger Studien- gang dargethan wird. Demgemäß können Frauen, die sich die er- forderliche schulwissenschaftliche Vorbildung erworben haben, zu den genannten Prüfungen zugelassen werden und die Approbation erwerben. auch wenn sie das v orgeschriebene Universitätsstudium nur als sogenannte Hospitantinnen zurückgelegt haben, und es ist damit das einzige Hindernis beseitigt, das bisher ihrer Zulassung in den reichs- rechtlichen Vorschriften im Wege stand. Da nach den landesrcchtlichen Bestimmungen die Frauen von der Erlangung der Gymnasialreife und der für den zahnärztlichen und pharmazeutischen Beruf erforder- licheu schulwissenschastlichen Vorbildung sowie von dem gastwciscn Besuche der medizinischen Vorlesungen meist nicht mehr ausgeschlossen sind, ist ihnen der Zugang zu den erwähnten Berufsarten nunmehr eröffnet. Landwirtschaftliche Francnbildnng. Kürzlich tagte in Moskau ein laudivirtschaftlicher Kongreß, der zu verschiedenen Projekten und Maßnahmen geführt hat, die eine landwirtschaftliche Bildung für Frauen bezwecken. ES sollen höhere und niedere landwirtschaftliche Kurse für Frauen ins Leben gerufen werden. In den höheren Kursen sollen die wichtigsten Specialzwcigc der Landwirtschaft gelehrt werden, und dazu noch eine allgemeine, elementare agrarische Bildung er- zielt werden. Diese Kurse sind für Frauen mit mittlerer Bildung bestimmt. Mit den niederen Kursen ist keine schulartige Organisation geplant, sondern nur die Erteilung von Instruktionen seitens dazu erwählter Fachleute auf zu diesem Zweck zu errichtenden Muster- wirtschaften. Zur Zeit bestehen in Rußland drei landwirtschaftliche Schulen für Frauen. Francnciuanzipation im Orient. Die Pariser„Fronde" schreibt: Der Feminismus scheint jetzt auch nach dem Orient vorzu- dringen und unter den Anhängern Mohameds Schule zu machen. Ein eifriger Verteidiger ihrer Rechte ist den Frauen in Kassini Anim Bcy, einem Rat am Appellationsgerichtshof in Kairo, er- standen. In einem Artikel in der„Asiatic Ouatcrley Review" tritt er als Verteidiger der Interessen der mohamcdauischen Frauen auf und fordert für sie„Erziehung und Unterricht, Unabhängigkeit in ihren Handlungen, Gedanken und Empfindungen, freie Wahl eines Gatten, Unterdrückung des Rechts des Ehemannes. seine Frau zu verstoßen, das gesetzliche Verbot dcr.iPoIygamie(Vielweiberei)". VevsÄunnIungen. In einer Kommnnalwählcr-Versammlnng des 44. Bezirks. die am Montag in der Brauerei Moabit tagte, gab es eine lebhafte Debatte zwischen unscrn Parteigenosseu und National-Socialc». Der Referent Genosse Borg mann führte unter anderin aus, daß die socialen Verheißungen, welche der Oberbürgermeister Kirschner kürzlich in seiner bekannten Rede gemacht hat, infolge der Zusammensetzung des Magistrats und der Stadtverordneten- Versammlung gar nicht durchgeführt werden könnten, weil der Mehrheit in' den städtischen Behörden das Verständnis für die sociale» Aufgaben der Gegenwart gänzlich fehlt. Danach nahm der National-Sociale Tischendörfer das Wort. Wie die Partei des Redners stets mit gläubiger Zuversicht nach hoher Stelle blickt und ihre Zukunftshoffnungen auf Worte hoher Personen setzt, so betrachtet auch Herr Tischendörfer die oberbürgermeisterlichen Anslassunaen als eine Art kommunal-socialen Evangeliums, welches nur dann in die Tbat umgesetzt werden kann, wenn die Arbeiterpartei im Roten Hause sich auf' die Seite des Oberbürgermeisters stellt. Wenn sie das aber nicht thut, dann würden die schönen Verheißungen des Stadtoberhaupts ebenso unerfüllt bleiben, wie die vielerwähnten kaiserlichen Erlasse von 1890, deren Durchführung nach»ational-socialcr Auffassung auch an dem bösen Willen oder der Einsicktslosigkeit der Social- demokratie gescheitert sind. Die Rede Tischendörfcrs gipfelte in einer Empfehlung seines Parteifreundes Damaschke, der aber nicht unter national-socialer Flagge, sondern als Vertreter einer so- genannten Mieterpartei als Stadtverordneten- Kandidat auf- gestellt werden soll, um die— wie der Redner sagte— von den Socialdcmokraten noch nicht berücksichtigte Wohnungs- frage in Angriff zu nehmen, wozu Damaschke als Boden- refornier ganz' besonders geeignet sei. Später unterstützte auch noch der flottenbegeisterte Redacteur v. Gerlach seinen Freund Tischen- dörfer in der nalional-social-mieterparteilichen Propaganda. Unsre Parteigenossen B o r g m a n n und Glocke traten den gegnerischen Rednern entgegen, indem sie ausführten, daß wir gar keine Vcran- lassung hätten, auf die Worte des Oberbürgermeisters, in denen übrigens die Arbeiterinteressen, die uns am meisten an« Herzen liegen, nicht berücksichtigt sind.großeHoffnungen zusetzen. Wenn dcrOberbürgcr- meister mit socialen T h a t e n komme, dann finde er selbstverständlich unsre Unterstützung. Was die Wohnungsfrage betreffe, so könne dieselbe im kapitalistischen Staat keine befriedigende Lösung finden, denn das Beispiel Leipzigs beweise, daß die Kommune als Grund- eigentümcriu keine geringere Wucherin sei wie die privaten Grund- besitzer, und was im Interesse der Mieter auf kommunalem Gebiet zeschehen könne, werde natürlich auch von unsren Parteigenossen ver- relen.Die National-Socialen, welche bereit sind, Hunderte von Millionen ür die Flotte zu bewilligen, seien keine Vertreter, für die ein Arbeiter timmen kann, und so wenig es ihnen bei den Reichstagswahlen ge- lungen sei, so wenig würden sie im stände sein, bei den Stadt- verordnetenwahlen der Socialdemokratie Abbruch zu thun.— Die Versammlung nahm die Ausführungen unsrer Genossen beifällig ent- gegen und st eilte Glocke ein st im m ig als Kandidaten auf. Der Vorsitzende Pfarr ersuchte die Genossen, die bei ihm aus- liegende Wählerliste einzusehen und sich zu überzeugen, ob sie ein- gelragen sind, damit am Wahltage unnötige Weitläufigkeiten ver- mieden werden. Dann gab er der Hoffnung Ausdruck, daß der 14. Februar ein Sicgestag unsrer Partei werden möge und schloß die Versammlung mit einem Hoch auf die Socialdemokratie. Bom Kriegsschauplatz wird heute nicht viel berichtet. Die wirklichen Verlustzahlen werden nicht bekannt gegeben und der Oberbefehlshaber. Lord Roberts, be- 'chränkt sich darauf, zu telegraphieren, daß die Lage„un- verändert" sei. Inzwischen ist auch die Brigade D u n d o- naldS, die bisher vermißt wurde, wieder glücklich auf dem Süd- ufer des Tugela eingetroffen. Detaillierte Berichle über die Schlacht am Spionkop besagen, daß sterbliche Menschen eine solche Stellung, wie die. welche die britischen Truppen eine Zeit lang innehatten, dauernd nicht be- haupten konnten. Von den Schwierigkeiten der Stellung scheine der britische Generalstab, als deren Angriff beschlossen wurde, keine gründliche Kenntnis besessen zu Kaben. Das unaufhörliche Feuer der Gewehre und schweren Geschütze verwandelte den Berggipfel in eine wahre Hölle, die Granaten platzten beständig in den Reihen der Briten, und das Gewehrfeuer der Boeren war geradezu enffetzlich. nach 24stündigem Kampfe über- ließen die briffschen Truppen die Stellung den Boeren. Unter den Gefallenen auf der Bocrenseite befindet sich der deutsche Lieuteiicult V. Brnscwitz, der in einem Karlsruher Cafs einen Civilislen niederstach und deshalb zu 3>/z Jahren Gefängnis verurteilt, später aber begnadigt wurde. Er halte dann bei den Boeren Dienste genommen. Aus Kimberley wird unterm 26. Januar per Heliograph gemeldet: Die Be« s chießung dauert fort, obwohl sie gestern an Heftigkeit bedeutend nachgelassen hatte. DaS Feuer ist indessen vergangene Nacht wieder stärker geworden und war nicht gegen die Befestigungswerke, sondern gegen die Wohnhäuser gerichtet. 145 Geschosse wurden zwischen Mitternacht und 4 Ilhr morgens in die Stadt geworfen. Sämtliche Geschosse sind Fabrikate des' Transvaalstaates. Ein Kind wurde ge- tötet, vier Personen sind verletzt. London. 30. Januar. Dem„Reuterschen Bureau' ivird aus Sterkstrom vom 26. Januar gemeldet: Eine unter dem Befehl des Generals Kevykenny, des Befehlshabers der 6. Division, stehende Kolonne besetzte T h e b u s an der Eisenbahn zwischen Steynsburg und Naauw-Poort. Man hofft, daß General Gatacre und General Kellykenny ihre Streitkräfte bald vereinigen werden. AuS der südafrikanischen Republik. Präsident Krüger hat den englischen Gefangenen mitteilen lassen, daß. wenn die Lebensmittel in Transvaal knapp werden sollten, sie das Schicksal der Boeren teilen müßten. Die Londoner Blätter veröffentlichen ein Telegramni aus Durban, wonach ein aus Johannesburg eingetroffener Flüchtling berichtet. die G r a n a t e n f a b r i k in I o h a n n e s b u r g sei am 20. d. M. z e r st ö r t worden, die Boeren hätten dadurch einen unersetzlichen Verlust erlitten. Von der Friedcnsagitation in England. Mr. S t e a d. der unermüdliche Känipfer für den Frieden, hat eine Wochenschrift unter dem Titel„Krieg gegen den Krieg in Südafrika" gegründet, deren Programm in den folgenden sechs Fragen und Antworten niedergelegt ist: 1.„Was sollt Ihr thun?"—„Diesem Kriege ein Ende machen." 2.„Wann?"—„Augenblicklich. 3.„Warum?"— Weil wir im Unrecht sind." 4.„Wie?"—„Dadurch, daß wir unsre Sünden bekennen und das Rechte thun." 5.„Welche Sünden?"—„Lüge, um die Verschwörung zu verhüllen; Betrug, indem wir, falsche Rechte reklamieren; Unredlichkeit, indem wir unser Wort zurückgenommen; Massenmord." 6.„Und wie sollen wir das Rechte thun?"—„Dadurch, daß wir die Schuldigen hervorziehen und bestrafen, ihre Opfer entschädigen und Frieden schließen."_ Flottenvorlage in Frankreich. Paris, 30. Januar. Die Regierung unterbreitete der Kammer heute Gesetzentwürfe betreffend die Vermehrung der Flotte, die Hafenausrüstung, die Verteidigung der Küsten und Kolonien und die unterseeischen Kabel. Die Gesetzentwürfe erfordern Ausgaben im Betrage von 900 Mil- lionen Franks, die aber auf mehrere Finanzjahre verteilt und durch die im Budget vorgesehenen Mittel, besonders durch den Kredit von 107 Millionen, der jährlich für den Bau von Schiffen bestimmt ist, gedeckt werden sollen. In dem Gesetzentwurf, betreffend die Vermehrung der Flotte werden 476 Millionen für den Bau von 6 Panzerschiffen, 5 Kreuzern, 23 Torpedozerstörern. 112 Torpedo- booten und 28 Unterseebooten verlangt. Die betreffenden.Schiffe sollen bis 1907 fertiggestellt werden. In dem Gesetzentwurf be- züglich der vorzunehmende« Hafen« und Befestigungsarbeiten werden 140 Millionen verlangt. Hierin sind die Ausgaben für die Arbeiten in Bizcrta und die Vollenduiig der Arsenale von Saigon, Dakar usw. einbegriffen.(Vergleiche auch Politische Uebcrsicht.) Uehke Ltochvichkett und Depeschen. Der Tranövaalkrieg im Unterhaus. London, 80. Januar.(W. T. B.) Unterhaus. Beim Ein- tritt des Staatssekretärs für die Kolonien Chamberlain herrschte völlige Stille. Campbell-Bannerman wird von der Opposition, der erste Lord des Schatzes B a I f o u r von den regierungsfreundlichen Mitgliedern des Hauses mit Beifall empfangen. Pretyman bringt eine Adresse ein. in welcher allen denen. die durch den südafrikanischen Krieg leiden, die Sympathie des Hauses zum Ausdruck gebracht wird. Er bedauere das Unglück, das die britischen Waffen betroffen habe, aber die Nation sei einmütig entschlossen, das Unglück wieder gut zu machen. Er hoffe, mehr Geldmittel für die Kriegführung würden sofort und mit Vergnügen vom Hause bewilligt werden.(Ironischer Beifall der Radikalen.) Campbell Bau»ermann, von der Opposition mit Beifall begrüßt, spricht seine Bewunderung aus über die Tapfer- kcit und den Opfermut so vieler seiner Landsleute, die aus freien Stücken ihre Dienste angeboten haben, aberwünscht gleichzeitg zu er- fahren, welche Umstände diese ungewöhnliche Art, das britische Heer zu verstärken, notwendig gemacht haben. Allerdings werde man einstimmig den Männern Bewunderung zollen, welche dem Rufe des Vaterlandes gefolgt seien.(Lauter Beifall.) Bern, 30. Januar.(W. T. B.) Im Albula- Tunnel wurden am verflossenen Montag nachmittags drei Arbeiter durch die un- erwartete Explosion einiger Dynamitpatronen getötet. Ein Mann wurde schwer, ein andrer leicht verletzt. Esbjerg, 30. Januar.(W. T. B.) Nach einem späteren Tele- gramin ist der Dampfer„Remus" am Donnerstag früh 3V» Uhr im Nebel auf Harnes- Rev gestrandet. Unmittelbar nach der Strandung bestiegen der erste Steuermann, der Bootsmann und drei Matrosen ein Boot, um das Land zu erreichen. Das Boot muß aber untergegangen sein, denn die Ueberreste desselben wurden auf dem Skallingem' gefunden. Kurze Zeit darauf zerbrach das Schiff in zwei Stücke,' und' die Mannschaft mußte ihre Zuflucht in die Takelage nehmen. Am Freitagvormittag wurde ein andres Boot inS Wasser gesetzt, und 10 Mann stiegen m dasselbe. Es kenterte aber sofort. ivobei 5 Mann ertranken. Zwei Mann versuchten darauf, sich auf einem Floß zu retten, das jedoch sank; beide ertranken. In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend fiel ein Mann aus Ermattung über Bord und ertrank. Der Kapitän de» Schiffes, Willems, erschoß sich in derselben Nacht mit einem Revolver. Er hatte vorher stirchtbare Qualen erlitten und war mehreremale über Bord gefallen. Kurz vor dem Selbstniord war er in Irrsinn verfallen. Da das Schiff mit Wasser gefüllt war, war es unmöglich, zu den Vorräten zu ge- langen, und' die Mannschaft hatte nichts andres als Mais, der auf der'Oberfläche des Wafsers schwamm. Verantwortlicher Redacteur: ivanl?rokn m Berlin.?iür den Knieratcntcil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 8 Beilagen und»nterhaltungsblatt. pr. 25. i7. MMg. i. ifiia je des Lsmillts" Kerliner UslkslilM mm, 31. IW..°r Wy. Meichskag. 133. Sitzung v s in 30. I a n» a r 1300, 1 U h r. Am BimdeSratStiich: v. Podbielsli. Die zweite Beratung des Etats der Reichs-Post- tlnd T e l e g r a p h e II v e r w a l t u n g wird fortgesetzt beim Titel „Staatssekretär". Abg. Singer(Soc.): Ich habe eine Neihe von Ausführungen zu machen, die ich mit dem lebhaften Bedanern darüber einleiten mnh, dah der Herr Staatssekretär noch immer'nicbt das jedem Staatsbürger ver- fossungsmäkig zustehende Stecht der Koalition den Postbeamten zu- gesteht. Die Konservativen, die ja in dem Staatssekretär den Mann sehen, dessen Verwaltnugsmaxime maßgebend ist, werden mit diesem seinem Vorgehen natürlich einverstanden sein. Sie sehen an ihm ja den starken Mann. der der Socialdcmokrakie an die Gurgel springt. Der Herr Staats- sckretär ist dem Unterbcaniten-Bcrband nicht nur an die Gurgel ge- sprungen, sondern es ist ihm gelungen, kraft der ökonomischen Macht. die er gegenüber den Unterbeamten repräsentiert, diese» Verband zu erdrosseln. Mit den Redhten. die den Beamten zustehen, steht dieses Vorgehen in schreiendem Widerspruch. Am 25. Mai v. I. wurde vom Staatssekretär folgender llkas erlassen:„An vielen Stellen des Stcichs-Postgebietes bestehen Untcrbeainten-Vereine. die der Pflege der Geselligkeit und der Hebung der wirtschaftlichen Lage der Unter- beamtet, gewidmet sind. Wenn diese sich ans einzelne Orte beschränken. können sie in vielen Fällen segensreich wirken. Bei der Verschieden- artigkcit in den einzelnen Bezirken und im Hinblick auf die Größe des Rcichs-Postgebiets halte ich aber die Ausdehnung über mehrere Postbczirkc nicht für richtig und bestimme ferner, daß die Vor- stände und sonstigen leitenden Stellen in der Verwaltung solcher Vereine mir durch solche Mitglieder besetzt werden dürfen, die noch im Dienst stehen." Nun, ich meine, wenn überhaupt ein Verband wie der hier gegründete nützlich sein soll, so kann seine Nützlichkeit nur darin bestehen, daß er seine Thätigkeit nicht auf bestimmte Orte konzentriert, sondern im Gegenteil sich auf weite Kreise erstreckt, weil die Interessen aller Beaniten maßgebend sind. Wenn diese Frage noch streitig ist. so muß jedenfalls die Bestimmung, daß in den Borstand nur im Dienst stehende Beamte gewählt werden dürfen, als unbedingte Vcrlrtznng des Rechts der Vereine angesehen werden. Diese Bestimmung scheint nur dazu da zu sein, daß der Staatssekretär, die Leitung des Verbands unter seiner Fuchtel hat, damit er in der Lage ist. durch Maßregelung die Leute, die im Auftrage ihrer BerufSgenossenschaft deren Interesse vertreten, zu schädigen. Jeder, der noch einen Funken von Selbstachtung hat. wird sich bedanken, in einem solchen Verbände mitzuwirken, dessen Leitung täglich und stündlich in der Gefahr ist gemaßrcgelt und an die Luft gesetzt zu werden Es muß betont werden, daß sich der Staatssekretär hierbei mit dem Gesetz in Koustikt setzt. Es giebt kein Gesetz, das ihn ermächtigt, solche Verbände zu unterdrücken und sich in ihre Verwaltung einzumischen. Diese Art der Verwaltung des Staatssekretärs zeigt sich ja auch ans allen Gebieten, die in Frage kommen. Nachdem cS ihm gelungen ist. den Assistentonverband lahm zu legen, hat er sich nun an den Iluterbeamtcnvrrbaud herangemacht.' und ich werde Ihnen noch einige Thatsachcn niittcilcn, die beweisen, wie weit die Erdrosselung desselben dem Staatssekretär gelungen ist. Einige Tage nach dem Erlaß wurde eine Versammlung dieses Vcr- bandeS zusaimnenberufen. um über die Schritte, die nun zu thuu wären, zu beraten. Der Staatssekretär empfing vorher einige Herren aus dem Vorstande und sagte bei dieser Gelegenheit, daß er nicht um Haaresbreite ckion seiner getrofienen Anordnung abgehen werde und wer sich dagegen anflehnc. werde am Tage darauf die Antwort haben. Wie sich dieses Verhalten mit dem Schutze für seine Beamten, von dein der Staatssekretär immer spricht, verträgt, verstehe ich nicht. Weiter sagte er, sein Wunsch müsse de» Beamten Befehl sein, wenn nötig, würde er seinen Wünschen den gebührenden Nachdruck verleihen. Er konnte auch nicht umhin, ihnen klar zu uiachen, wohin es führe, wenn sie sich in solche VereinSlhätigkeit mischten. Als Beispiel wieS er auf die Praxis der Socialdcmo- kratie hin, wo den armen Leute» die Groschen aus der Tasche gezogen würden, um die FLbrcr zu bereichern. Ich glaube, das hat der Herr Staatssekretär wohl nur dazu gesagt, um die Leute abzuschrecken Ich halte ihn nicht für so naiv, daß er an daS Märchen der Vcr- schleudcrling der Arbeitcrgroschcn durch die Führer glaubt. In wie- weit der Herr Staatssekretär durch derartige Acußcrmuen etwas erreicht hat bei den Unterbeamten, die sich mit der Socialdcmokralic verbunden fühlen, das sollte der Herr Staatssekretär als kluger Mann selbst beurteilen können. Demi mit derartigen Behauptungen, die nicht mit einer Spur eines Beweises zu belegen sind, erreicht man nichts andres, als die Leute de» Bestrebungen zuzuführen, von denen man sie fernhalten will. Soweit die Postbeamten bei den Wahlen noch nicht für die Socialdcniokratie stimmen, werden sie durch das Verhalten des Staatssekretärs den Untcrbcamten gegen- über dazu getrieben. Durch die gewaltsame Art, in der er ihnen das Koalitionsrccht schma'ert, zwingt er sie, wo eS ihnen möglich ist, ihrer oppositionellen Meinung Ausdruck zu geben. Nachdem über diesen Empfang im Verbände Bericht erstattet worden war, lvurde darüber beraten, ob eine Fortführung des Verbands unter diesen Verhältnissen möglich und wünschenswert sei. Zunächst hatte der Verband so viel sittlichen Mut, daß er die beantragte Auslösung des Verbands ablehnte und zwar in gcheinier Abstimmung. Nach dieser Abstimmung gelang es aber den ängst- lichcn Gemütern im Vorbände, am folgenden Tage eine neue, dies- mal ösicntliche Abstimmung durchzusetzen und da wurde dann der Verbund mit kleiner Majorität für aufgelöst erklärt unter der ans- driicklichcn Motivierung, daß man dem Druck und dem Zwang des Herrn Staatssekretärs nachgebe; also die Erdrosselung dieses Verbands ist dem Herrn Staatssekretär dank seiner ökonomischen Macht gelungen.(Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballestrcm: Jöb möchte den Herrn Redner bitten, nicht solche gewaltsamen Anödriilke zu gebrauchen, wie„Erdrosselung". Ich glaube, eS würde viel besseren Eindruck machen, wenn er die unter gebildeten Menschen üblichen Ausdrücke anwendete. Abg. Singer(Soc.): Ich werde der Weisung dos Herrn Präsidenten folgen, erlaube mir aber die Bemerkung, daß auch das Vorgehen des Herrn Staats- sckretärS nicht zu den Maßregeln gehört, die sonst unter gleich- berechtigten Menschen üblich sind. So lvurde ein Postbote in Hamburg nur auS dem Grunde, weil er die Wochenschrift„Der deutsche Postbote" gelesen und weitergegeben hatte, entlassen. Es kann doch aber unmöglich der Postverwältung dnS Recht zugestanden werden, einen Beamten, der sich in dienstlicher Beziehung nichts hat zu schulden kommen lqssen, zu entlassen, bloß weil er ein der Vcr- waltung nicht genehmes Organ liest oder verbreitet. Solche Maß- regclungen stehen der Postverwaltung jedenfalls nicht zu und ich besse. daß die Konservativen durch die Erfahrungen, die sie mit der Maßregelung der Landräte gemacht haben, dazu sich veranlaßt sehen, mit uns gemeinsam dafür einzutreten, daß daS außerdienstliche Verhalten von Beamten niemals als Grund der Maßregelung benutzt ivcrden darf. Andrerseits werden aber die Postbeamte» seitens ihrer Vorgesetzten zu Zwecken bemitzt, die absolut uichtS mit ihrem Dienst zu thun haben. Wenn der Herr Staatssekretär immer erklärt hat, er wünsche nicht, daß seine Beamten sich mit andern Dingen befassen als mit denen, die zu ihren dienstlichen Ver- pflichtunge» gehören, so gilt das dock nicht für alle Bestrebungen der Beamten, sondern nur für die. welche ihre Interessen zu wahren geeignet sind, dagegen für Bestrebungen, die der politischen Auf- fassung, die der Herr Staatssekretär zu haben scheint, angenehm sind, die dahin gehen, im sog. Patriotismus zu arbeiten, dafür, scheint es, sind die Postbeamten immer da, da werden ihnen keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Wir leben ja jetzt in der Zeit der Flottenagitation, die sich ja bis in die Schulen erstreckt, und natürlich kann sich auch die Postverwältung dieser Agitation nicht entziehen. Der Ober- postdircktor Großkops in Königsberg erließ ani 24. November an die Vorstände der Postanstalten in Ostpreußen ein Cirkular, in dem er den Beamten nahelegte, einem Aufruf zum Beitritt in den Flottenvercin Folge zu geben, er legte es den Vorstehern der Post- mistaltcii nahe, den Untcrbcamten den Beitritt warm ans Herz zu legen.(Hört! hört! bei den Socialdemolraten) Auch sonst sollten sie fleißig für die Bildung von Lokalvereinen wirken. Weiter heißt es, um deutlich hervortreten zu lassen, daß die deutschen Postbeamten alle Zeit bereit sind, für des Reiches Herrlichkeit zu wirken, enwfiehlt es sich. Beitrittserklärungen bei der Geschäftsstelle der Provinz einzureichen.— Das ist ein etwas deutlicher Wink mit dcm Zann- psahl.(Sehr richtig! bei den Socialdcmokratcn.) Selbstverständlich er- wartet der Herr Oberpostdireltor, daß die gesamte Liste seiner Beamten bei der Einzeichnuiig zum Flottenvercin ihm vorgelegt wird, und ich möchte wissen, was der Postbeamte gegenüber solchem Zwang anders thun kann, als seinen Obolus beizusteuern. Ich muß mich wundern, daß der Herr Staatssekretär nicht dafür gesorgt hat. daß dieser Aufruf zurückgenommen und den Beamten die gezahlten Gelder zurückgezahlt wurden. Doch nicht genug damit. Der Posidirektor bestimmte ans- drücklich, daß das Verzeichnis der Beigetretenen unter Angabe des Ortes bis zum 5. Dezember in seinen Händen sein solle.(Hör:! hört! bei den Soc.) Die Flottenagitation ist wirklich nicht zn beneiden um diejenigen Herren, die angeblich ihre Geschäfte machen. Was für die Flotte erreicht werden kann durch ein derartiges Vorgehen, das brauche ich picht erst zu sagen. Der Herr Staatsiekrctär wird weiter die Nachricht gelesen haben wie Lehrer in Ostpreußen zur Agitation für ein konservatives Winkelblärtchen herbeigezogen wurden. Dies Blättchen wurde durch das Landratsamt versandt. Bei dieser Debatte interessiert uns der Umstand, daß der Landrat die Ausforderung znm Abonnement unter dem Stempel des Aversums, also portofrei, versandt hat. Zweifellos hatte der Staatssekretär Veranlassnng, die strafrechtliche Verfolgung derjenigen herbeizuführen, die das Aversum mißbrauchen zur Versendung nichtamtlicher Dinge. Es ist nur bestimmt für amt- liche Sachen, und der Post erwächst zweifellos ein erheb- licher Schaden durch einen derartigen Mißbrauch. Sonst kann doch die Post nicht eifrig genug sein, wenn es sich um die Verfolgung von ein paar ZcitungSbotc» handelt, die angeblich gegen das Preßgesetz verstoßen haben. Besser wäre es jedenfalls, wenn sie auch in diesem Fall ihren Eifer anwendete, wo ein Laudrat nichtamtliche Dinge portofrei versendet. Auf der einen Seite werden also die Leute gematzregelt, während sie ans der andern Seite zur Agitation benutzt werden, die mit dem Postdicnst nichts zn thnn hat. Jedoch die Agitationen. zu welchen die Postbeamten benutzt lverden, sind damit nicht abgcschlosien. Auch bei den Wahlen werden sie in hervorragender Weise für die Zwecke einer bestimmten Partei beeinflußt. Wir haben ja vor einiger Zeit die Ergänzungswahlen zu der Berliner Stadtvcrordncten-Vcrsauimlung gehabt. Da ist festgestellt worden, daß bei einer Stichmahl, die zwischen deiri Anhänger der sogenannten Bürgcrpartei und dem Anhänger der Svcialdcmolcatie stattgefunden hat, die Postverwaltung ihre Unter- beaniten nicht nur aufgefordert habe, zur Wahl zu gehen, sondern auch gesagt habe, daß' sie sich wohl denken könnten, wen sie zn wählen hätten.(Hört, hört! bei den Socialdcmokratcn.) Wie sich dieser Einfluß bei den Wahlen geltend gemacht hat, können Sie daraus entnehmen, daß die Zahl der Wähler in einem Bezirk, wo eine große Zahl von Unterbeamtcn seßhaft ist, sich bei der Stichwahl äußerst vermehrt hatte, und daß in diesem Bezirk nicht ein Beanitcr nicht bei der Wahl erschienen, war. Kollege Müller wird Ihnen vielleicht nachher noch eine spaßhafte Episode erzählen, ans der hervorgeht, daß die Postbeamten in Berlin über dem Staatssekretär Graf v. Podbielski noch einen Ober- bcamte» anerkennen, das ist der Leiter der konservativ-anti- semitische» Agitation. Ich bedaure, daß wir hier nicht englische Einrichtungen haben, sonst würde ich gegenüber diesen Vorgängen auf dem Gebiete der Reichs-Postvcrwaltüng als Zeichen der äußersten Unzufriedenheit be- antragen, dem Staatssekretär 1000— 2000 M. an seinem Gc- halt zn kürzen.(Heiterkeit.) Ich komme zu einigen Punkten allgemeiner Art. WaS die hier schon mehrfach besprochene Aachzahlimg an Militäranwärtcr an- anlangt, so haben wir s.Z. nach den Erklärungen der Postverwältung annehmen müssen, daß den Leuten der langivicrige Weg des Prozesses erspart bleibe. Zu unserem großen Erstaunen mußten wir schließlich aber hören, daß die Nachzablnngen docki nicht erfolgt sind. ES ist dem Finanzressort offenbor gelungen, die Auffassung zum Durchbruch zu bringen, daS Reichsgericht könne ja immerhin noch anders entscheiden. Ich glaube, die Summe, um die es sich handelt, ist nicht so bedeutend, daß es sich lohnte, diese Frage, in der de» Beamten von allen Seiten recht gegeben ist, noch zum Gegenstand einer reichsgerichtlichen Entscheidung zu machen. Durchs die Ne- solutio» des Reichstags ist jedenfalls erreickit. daß daS Vcrjährungs- recht nicht geltend gemacht werden kann. Hoffentlich macht der Herr Staatssekretär nunmehr seinen ganzen Einfluß geltend, um die Sache endlich zur Erlediguno zu bringen. Ich komme schließlich noch auf einen Wunsch zurück, der von uns schon wiederholt geltend gemacht worden ist. den Wunsch, daß doch allen Unterbeamtcn ihre Militärdicnstzeit angerechnet werde. Ich habe Mitteilungen erhalten, lvonach diese Beamten verschieden behandelt werden. Alle die Leute, die in jungen Jahren bei der Post anfangen, erhalten bei der festen Anstellung ihre Militär- dicnstzeit angerechnet, andere nicht. Da sollte man sie doch bei allen in Anrechnung bringen. Der Herr Staatssekretär hat jetzt um so weniger reck», an seiner Aufsassnng festzuhalten, als jetzt viele Leute von Pridatposten in den Dienst der ReickiSpost eintreten, denen ihre Dicnstzeit an den Privatpostcn angerechnet wird. Ich hoffe, der Herr Staatssekretär wird die Frage aufs neue erwägen und dann die gewünschte Aenderung vornehme». Was ich sonst an Wünschen und Bcschlverdcn auszusprechen habe, werde ich bei den einzelne» Titel» vorbringen. Jedenfalls wollte ich diese Gelegen- heit benutzen, um berechtigten Klagen, die in den Reihen der Post- beaniten nicht mit dem wünschenswerten Nachdruck vorgetragen werden könne», Ausdruck zu verleihen. Nach der Art, in ver uns der Staats- ökretär bisher auf uiisere Beschwerden geantwortet hat, glaube ich zwar nicht, daß der von uns erstrebte' Wandel so bald geschaffen ivird. Das wird uns aber nicht abhalte», die vorhandciien Mißstäiide immer wieder zu rügen. Wir werden auch künftig dafür sorgen, daß den Beamten ihre politischen und staatsbürgerlichen Rechte nicht beeinträchtigt werden. Denn wir meinen, von allem, was diese Rechte angeht, hat die Postverwältung ihre Hände zu lassen.(Leb- Haftes Bravo! bei den Socialdemokraien.) Staatssekretär v. PodbielSki: Ich kann nur wiederhole», daß ich auch heute noch auf dem Boden derjenigen Anschauungeii stehe, die ich im Vorjahre hier ausgesprochen habe. Ich werde niemals dulde», daß socialdcmokratische Anschauungen innerhalb der Beamtenschaft Platz greifen.(Bravo! rechts.) Die Speisekarte, die der Abg. Singer vorgeführt hat, zeigt recht deutlich, wie wenig die Herren' vorzubringen haben.(Widerspruch bei den Socialdemo- kraten.) Die bürgerlichen Parteien verlangen so oft, daß die Regie- rung alles thut, uin der socialdcmokratischen Agitation entgegenzutreten. Ich sage, ivenn auch die bürgerlichen Parteien thäten, was ihre Pflicht ist, weit fort wären Sie(zii den Socialdemokraten).(Bravo! rechts. Lachen links.) Wenn man nur geradeaus und fest zufaßt. lverden die Herren bald erkennen, daß sre aus dem Wege, auf dem sie sich befinden, nicht weiter kommen. Sie(zu den Social- demokraten) ivollen das Recht haben, sich überall einztniisten(Lachen links), und das werden wir bei unser» Beamten zu verhindern wissen. Nun zunächst einige Worte über die Auflösung des Unterbeamten- Verbandes. Dieser Verband war bisher eine Stätte,>vo Leute, die nichts zu thnn haben, Agitation trieben. Da hielt ich inich ver- pflichtet, klar und bestimmt Stellung zu nehmen. und erfreulicher- weise waren die Beamten klüger als gewisse Ratgeber. Die Unter- bcamtcn werden nur in ganz außcrgeivöhliliche» Fällen aus einem Bezirk in den andern versetzt. Wollten sie min ciiic» großen, alle Bezirke umfasseildcn Verein habe», so müßtet« sie auch die Kon- seaucnzeli tragen und sich Versetzungen nach einem ganz andern Bezirk gefallen' lassen. Bei der Aiiflösuiig des Vereins habe ich niich jeder Beeinfinssung enthalten. Die mir feindliche„Deutsche öieicbs- post" giebt es auch zu, daß schon am ersten Tage 18 Stimnicn für, 13 gegen die Anflösung waren. Ich freue mich, daß die. Beamten mir recht gaben. Sie(zu den Socialdemokraten) haben viele in ihrer Partei, die nicht aus Ucberzenaung. sondern aus Berns zu Ihrer Sache halten(lachen links), und solche Leute halte ich eben nicht für die richtigen Führer der Beaniten.(Sehr richtig! rechts.) Und dann bcdcnlcn Sic, cS handelt sich uin einen Bcamtcnvcrcin. Würden Sie(zu den Socialdemokraten) zum Vorsitzende» eines socialdcmokratischen Vereins einen konservativen Main: wählen? Ebenso muß in einem Beamtenverein ein Beamter Vorsitzender sein. Soweit diese Frage. Was NU» den Fall betrifft, daß eine Obcr-Postdireltion in der FTottenagitatio» gewisse Rlindschreiben erlasse» hat, so bedarf es ivahrlich' nicht der Aufforderung des Abgeordneten Singer, daß ich meine Pflicht thue.(Sehr richtig! rechts.) Ich bin mit dem Vorgehen der Ober-Postdirektion nicht cinverstandc» gewesen und' habe das Bezügliche verfügt.(Hört! hört! links.) Was da° Aversum anlangt, so benicrte ich, die Post kümmert sich nicht nm den Inhalt der Briefe. Als aber die Sache zur Sprache gebracht wurde, habe ich mich erkmidigt. Der Regierungspräsident hat mich darauf aufmerksam gemacht, daß das Aversum in all de» Fällen anivendbar ist, i» dencii das Porto bereits früher ans der Staatskasse bezahlt ist. Das Porto war auch hier in der gezahlten Bauschsumme enthalten. Zur Frage, wieweit die Postassistcnten noch Nachforderungen geltend machen können, möchte ich bemerken, daß es mir gewiß nicht angeitehin ist, mit meinen Beamte» Prozesse zn führen. Wenn wir aber ziveifelhast sind, was Rechtens ist, müsseii Ivir die Sache eben bis zum Reichsgericht treiben. Die Frage der Anrechnung der Militärdicnstzeit ist schon früher einmal behandelt worden. Nach der Entscheidung des Bundesrats erfolgt die Anrechnung der Militärzeit bei der Post- verivaltung nach denselben Grundsätzen wie bei zeder andern Ver- waltung. Schließlich hat der Abg. Singer noch behauptet, es hätten hier in Berlin be! den Beamten Wahlbceinflussnngcn stattgefunden. Daß aber ein Zlcichsbeamtcr gewisse Pflichten hat, das kann keinem Zweifel unterliegen. Ich habe schon wiederholt erklärt, ich halte es für undenkbar.' daß ein Reichsbeamter eine socialdeniokratische Stimme abgiebt.(Bravo! rechts, Lachen links.) Ihre Ausführungen (zu den Socialdemokraten) zeigen mir, daß ich auf dein richtigen Wege bin. Wäre ich wirklich Ihr Mitarbeiter und triebe die Beamten in Ihre Reihen, dann kämen Sie nicht mit Ihren Klagen, dann würden Sie ruhig sein. Und ich sage es heute aufs ncne: Solange mich Sr. Majestät an dieser Stelle weiter arbeiten läßt, giebt es keinen Herrn von Ihrer Gesinnung in meiner Verwaltung.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.): So viel ich ivciß, wird kein Unterbeamten-Berein geduldet, der sich über mehr als einen Ort erstreckt. Wie man da noch von Koalitionsfreiheit reden kann, ist mir nicht verständlich. Nachdem bei andrer Gelegenheit das Verbindungsverbot von Vereinen als unmoralisch erklärt lvordenist, sollte man auch denPostnnterbeamten das Maß von Bewegungsfreiheit gewähren, das andre Staats- biirgcr haben. Die Beamten vereinigen sich nicht ans Ueberfluß an müßiger Zeit, davon ist bei Postbeamten wenig die Rede, son- der» weil sie ihre Interessen vertreten. Unwürdig ist auch das Ver- halten der Verwaltung gegenüber dem„Deutschen Postboten", die Lieferanten boykottiert, wem: sie in dem Organ inserieren. Eine Wahlbeeinflnssinig krasser Art ist bei der Berliner Stadt- verordnete»- Wahl im 30. Bezirk in: Haiidivcrkcrvcrein vor- gekoininen. Dort hat ein höherer Postbeamter sämtliche Unter- beamten an den Wahltisch geführt il»d diese haben alle den a»ti- semitische» Stadtverordneten Prctzel gewählt. Z»r Rede gestellt, hat der Beamte erklärt, er thnc das auf Aufforderung des Herrn Prctzel. Ich glaube, der Staatssekretär hat alle Veranlassung, solche Bcein- flüffunge» zn niißbilligeir und fernerhin immöglich zu machen. Der Herr Staatssekretär mischt sich, wie er sagt, nur in den Kampf zwischen bürgerlichen Parteien und der Soc'ialdcmokratie. Ich halte auch das nicht für richtig. Aber hier handelt es sich mir um einen Kampf zwischen Freisinnige» und Antisemiten. Die Zulagcnfür ge» hobeiie Stellen sollten nach bestimmten Grundsätzen festgelegt werde». Jetzt schwanke» diese sehr..Die Beamten sind hier fortwährend zwischen Scylla und Charybdis, zwischen Laune nnd Willkür. Die Beamten wollen ihr Recht, nicht Wohlwallen nach dem System Stumm. Bei den Assistenten ist eine Besserung eingetreten. Hier hat der Staats- sckretär gezeigt, daß er reizend sein kai»:, wen» er nur will. (Heiterkeit.) Die Assistenten sind jetzt zufrieden. Der Staatssekretär sieht, die Leute sind nicht unzufriedei: ans Princip, sondern weih es ihnen schlecht geht.(Sehr richtig! links.) Wir Volksvertreter haben das Recht. Mißstände zur Sprache zu bringen. Der Staats- sckretär sollte sich nicht aus den Standpunkt siellen:„Die Ab- geordneten brauchen mich nicht zu stoßen, ivas recht ist, Ihne ich schon selbst"; er sollte die Mithilfe der Abgeordneten dankbar ancrkcnncn. Warum führt niaii erst so kleinliche Pro- zefie? Warum zahlt man in juristisch so zweifelhaften Fällen den Beaniten nicht die paar Groschen?(Sehr richtig! links.) Was die Personalreform anlangt, so wird es wünschenswert sein, daß den al:en Assistenten mehr als 5: Jahre Zeit gelassen ivird, sich zur»eneii Prüfung zum Postsekrelär vorbereite» zu köinien. Die Prüfung ist sehr crschivert ivorden im Widerspruch mit de» früheren Erklärungen seitens der Rcichs-Post- verwaltmig. An den Staatssekretär möchte ich mir die Frage er- laube», ob er nicht dem Beispiel deS preußischen MiiiisteriumS folgen und auch den Postbeaiiitei: das Wohnen in den Berliner Vororlen bis zu einer gewissen Grenze ohne besondere Erlaiibnis gestatten ivolle. Für die Zulassung zur Assistenteiilaiifbahi: sind«nie Bedingungen aufgestellt worden. Ich bedanre, daß für die Aisistcntcnlaufbahn die Reife für lliitersekunda verlangt ivorden ist. Die absolvierte Untertertia giebt»ach keiner Richtimg hin eine abgeschlossene Bildung. Vor allen Dingen nicht in der Erdkunde. Warum rührt der Herr Staatssekretär in einer Frage, die so flüssig ist. Mit einem Obertertianer ist weniger anzufangen als mit einem Volksschülcr, der ivenigsteiis eine abgeichlossciie Bildung bekommen hat. Es giebt doch überall Real- und Mittel- schiilen,' die, wenn man sie ganz durchmacht, eine ganz gute ab- geschlossene Bildnng gewähre». Jetzt komme» mir Leute mit Halbi- bildung zu de» Assistenten. Noch ein paar Worte über die»cuei: Marken. Es heißt ja, die Ladnerin mit dem Blechbusen sollte die süddentscheii Staaten für die Einheitsmarke begeistern. (Heiterkeit.) Ich kann begreisc», daß sie keincii Erfolg gehabt hat.(Erneute Heiterkeit.) Aber noch mehr nehme ich Anstoß in graphischer Hinsicht. Gntteiiberg nnd Scnefclder würden sich iin Grabe umdrehen, wenn sie ersührc». daß die Reichsdruckerei solche Blüte» graphischer Knust zeitige. Mit dieser Visitenkarte graphi- scher Kunst haben wir uns im ganzen Ausland blamiert! (Sehr richtig! links.) Die Beförderung durch Eisenbahnen läßt viel Z> Künsche» übrig. Pakete sollen ja künftig wie cS heißt, mit Güterzügen befördert tvcrdcn. ES sieht fast sa anS, als wolle die EisenbahnvcrlvaNinig die Post chikanicrcn. Auch an dein Unfall. der neulich das Leben dreier Postbeamten gefordert hat, zeigt sich, daß die Eiscnbahnvertvaltiing nicht die notwcndigc Rürtsicht übt denn sonst könnte sie nicht zwei leichte Postwagen zwischen die schwersten Eisenbahnwagen koppeln. Die Renrcgelung dcö Tclrphonvcrkchrs wird sich erst einleben nn'lNcn. Erst dann Ivird sich zeigen, ob die von uns bckänipstc gebühre» erhähmig für die Gronstädlc nicht soljch war. Eine Per- dcsscrung der Apparate bleibt nach luie vor wnnscheirswcrt. Besser wird cS erst werden, ivenu überall Doppellcilnngen gelegt sind. In Berlin»nd de» Vororten herrscht keine Freude über den neuen Tarif. Deshalb sollte die Postvcrwaltmig wenigstens in Älcinigkciten ronlant fein. Ich wünsche, daß die Gebühr für nicht zu stände ge- rommene Ferngespräche>vie in Bayer« auch bei miS wegfällt. Der Staatssekretär möge sich bewußt sein, daß nnsre Zeit in, Zeichen des verkehrt steht. Ulebhastcr Beifall links j Staatssekretär v. PodbielSki: Zunächst will ich miltcrlen, daß onch wir vom 1. April ab die Gebühren für nicht zn stände gc- koinmcnc Ferngespräche fallen lassen werden.(Beifall.) 9hm zur Wahlgeschichte. ES handelt sich»in den HanSwart deS Postfuhr- nmtc>. der die Poslillone, die ihre öegitimatioiren vergessen haben. legitimiert hat. Wir balw» einen»ric von Herrn Müller venannten Zeugen vernchinen lasten. Dieser hat ausgesagt, dcrHanSwart habe niemand im Sinne einer bestimmten Parier beeinflußt, er habe nur 40— f>0 P o st i l l o n e legitimiert. Der Hauswart hat erklärt, daß er dieses Legitimiere» schon seil lS87 betreibe. Die Sache ist also sehr aufgebauscht worden, von einer Bceinfliissmrg 'st keine Rede, eine solche würde ich auch nicht gutheißen. Herr Abg. Müller hat hier viel docicrt über Bildung und Lerbildmrg für die Assistcntcnlanfbahn. Der Reichstag ist wohl nicht das richtige Forum für diese Frage. aber ich gebe zu. daß für jede Beamtcnkatcgonc Halbbildung da 5 allcrschliimnsle ist Bei dem Examen mußten ivir eine vcstiminte Frist einhalten, und wciiil ivir sie kurz bemessen haben, so geschah die? im Interesse der Beamten selbst, da diese bei Verlängerung der Frist immer weniger Aussicht haben, in die gcrvünschte Stellung zu gelangen. Daß die Anforderungen an die Kenntnisse der Beamten im Examen zn hoch sind, ist nicht der Fall, Kenntnis der Telegraphenapparate muß im- bedingt verlangt werden. Was die Wohnungsfrage anlangt, so all maßgebend, daß die PostveNvaltimg jederzeit in der Lage sein muß. die Beamte» zur Aushilfe heran zu ziehen. Wen» die Berliner Zeitungen bchanplen. es wäre Schuld meines Systems. daß in Berlin die Briefe so spät bestellt werde», so Halle ich die Zeitungsschreiber doch für klüger gehalten Irrtümer kommen in jeder großen Verwaltung vor, aber da? als„System" zn bezeichnen, gehl doch nicht an. Man hat mir vorgeivorfco. dies und das entspreche nicht d e r W ü r d c der N e i ch S- P a s! v e r w a l t u n g. Run. dafür b i n i ch allern verantwortlich.(Bravo! rechts.) Sie können mich ja angreifen; ich bin einer Kritik sehr zugänglich, und behaupte nicht, daß ich alles weiß. Die Frage der Assistenlcn ist ja mm glücklich zur allgemeine» Zufriedenheit erledigt. Aber nachdem dieses Gebiet dem Abg. Müller verloren gegangen ist. bat er bereits heute die Samenkörner ans gestreut, um im nächsten Ofchve als Anwalt der Unterbcamtcn erscheinen zu lviiiic». Abg. Bassermanu(nall.): sfmh Ivir werden uns das Recht der Kritik nicht beschränken lasse», wenn wir auch anerkenne» müssen, dgß bei der ReichSpost verschiedene Forischriltc zu verzeichne» sind. Die Herren Singer und Müller haben wiederum eine Reihe von Wünschen vorgetragen. Im Vergleich zn früheren Jahren ist aber die Rede des Herrn Singer schon wesentlich kürzer ausgefallen. Und wenn auch die Rede des Herrn Müller nicht kürzer geworden ist(Heiterkeit), so war doch seine Kritik wesentlich milder. Das Gute anzuerkennen, liegt bei der Postverwaltnng gciviß Veranlassung vor, schon im Hinblick ans die drei verabschiedeten Postgejeße»nd die Einrichtlmg des Checkverkehrs. Auch den Beainten gegenüber ist ein besseres Verhältnis eingetreten als in den lehten Jahren der Amtszeit des Hern, v. Stephan. Was die Frage der Beamten. Vereinigungen anlangt, so«kenne ich wohl das Recht aller Beamten an, sich zu Bereinigungen zusammeiiziithun; andrer- seitS aber mnß die VercinSthätigkcit sich selbst gewisse Grenzen ziehen, und diese Grenze» liegen dann, daß die Beamten nicht in Konflikt komme» dürfe» mit der d i e n st l i ch e n D i s e i p l i n. Den Mißbrauch deS AversumS znr Bersciidiing»ichtamtlichcr Sachen können auch wir nicht billigen. Herr Singer ist auch aus die Flotten- agitation zu sprechen gelomincn. Ich finde nichts dabei, wenn man die Beamten darauf hinweist, welche großen nationaleir Jiiteresscn hier in Frage kommen. Doch darf nicht irgend ein Zwang a»S- geübt werden. Daß das Lerhältnis der Perivalliing zimi Post» assistenten-Bcrband seht geregelt ist, begrüßen auch ivir. Ich hoste, daß es dein StaatSsclretär gelingen wird, die noch schwebenden Distercnzen betrests der GehaltS-Nachzahlnngen aus der Welt zu sckiastrn, ohne daß eS nötig ist. doS Verfahre« durch alle drei Instanzen durchzuführen. Jedenfalls sollte das Bersahren nach Möglichkeit beschleunigt werden.(Bravo! bei den Rationalliberalen). Abg. Werner(Antis.): Die Maßregeln gegen den Postuntcrbeaintcn-Bere!» sind durch- aus nicht zu billigen, dcu Pcstrcbuugc» der Soeialdniiokratc« wird dadurch nur gedient. Im übrigen uiiiß anerkannt werden, daß die Verhältnisse bei der ReichSpost viel erträglicher geworden sind. Rur gegen daS System der Gratifikationen muß ich mich wieder entschieden wenden. eS säet nur Ilnziifricdcnhcit nuter den Beamten. Man sollle die Beainten so stellen, daß jegliche Gratifikationen wegfallen können. Ganz mal- würdige Zustände herrschen ans dem Telegraphenaint in Straßburg im Elsaß. Ter Direktor bcschimpst die Unter- bcamten in Gegenwart von anderen Beamten. Eine beliebte Redensart von ihm ist: Sie. Kerl, soll der Teufel holen. DaS ist keine Art deS Verkehrs mit Beamten. Dadurch wird die Freude zum Dienst bei dcu Beamten gelähmt. Auch Strafver- I e tz Ii n g e n sind noch immer in Mode. ES finden Maßregelungen ohne jeden Grund statt. Die Beainten werden mißgestimmt und verlieren das Lertraucn. Staatssekretär v. Podbielöki: Ten vom Bomdner angeführten Fall werde ich untersuchen und nötigenfalls werde ich i»it Strenge einschreiten. Abg. Dr. Qertcl(k.): Ich halte es für besser, solche Fülle, wie sie Herr Abg. Werner angeführt hat, dem Staatssekretär privatim mitzuteilen. Herr Singer hat ivieder sehr lehhaft mit d e in starke» Manne. dem Gurgelspringer. operiert. Wir sind nicht die Erfinder des gc- flügelten Worts, aber Herr v. Podbiclski hat mit seiner Entschieden- heit iuiscrii Beifall und ivünschtcn mir, seine Kollegen nähmen sich an ihm ein Beispiel und ließen Reden, wie wir sie vor kurzem von demselben Stuhle auS gehört haben. Durch die Beamtciimaßregc- lungen sind wir in iinsrcr grundsätzlichcn Stellung nicht beirrt worden. DaS Bouquet des Herrn Singer ist diesmal kleiner anSgesallcn. Das beweist schon, daß bei den Unterbeamlen mehr Znfiiedenheit herrscht. Tie Beainten sehen ein. daß im Post- betrieb Dienstzucht nötig ist. Wenn Herr Singer im ZukimstSstaat Postzens weiden sollte,' ivird er. obwohl er nicht Husar ist(Heiter- keit). ohne Dienstzucht nicht anökonunen können. Die Klagen sind geringer gcwordcii. Ter Staatssekretär kann zufrieden sei». Seine Gegner sind kleinlauter und soweit das ihrer Natur möglich ist, auch konzilianter geworden. DaS giebt mir aber den Mut, noch eine Klage vorzutragen. DaS platte Land wird immer noch zu stiesmütterlich behandelt. ES mnß sich mit abgelegten Fcrnsprcch- Apparate» begnügen. Dabei sind aber die Fcnisprcch- Auschlüsie viel zu gering. Auch die Briefbcstellling muß aus dem Lande häufiger ivcrde». Lästig ist auch die Bezahlnng der Bestellgebühr für Telegramme für den Empfänger. Geht es nicht. daß ein für allemal der Auftraggeber, in desien Interesse fast immer die Absend, ing deS Telegramms liegt, die Bestellgebühr bezahlen mnß? Wie mir mitgeteilt wird, werden die sächsischen höheren Post- beainten im GeHalle»nd Avancement zurückgesetzt. In der Bor- btldmig liegt doch kein Grund dafür vor. Staatssekretär von Podbiclski: Lediglich die Diialisikation der Bcamlen, nicht die StaaSangchörig- keil gicbi den Ausschlag für die Bcsördemiig in leitende Stellen Sachsen wird also nickt schlechter behandelt. Dein platte» Lande läßt die Reichs-Postvciwaltiiiig die größte Fürsorge zu teil iverden. Aver eS geht mir allmählich vorwärts. Es werden noch sechs Jahre vergehe», ehe das Fernsprechnetz allen Bedürfnissen deS platten LandrS genügen wird. Mehr als eine zweimalige Bestellung Ivird ans dem Lande nicht diirchziijühren sein. Damit können die Herren aber auch zlisiieden sein.> Abg. Singer(Soe.): Ilm nochmals ans den Mißbrauch des PostaversinnS znrückzu- kommen, so bleibe ich dabei, p>aß der Herr Staatssekretär ganz abgesehen von der Erklärung des Herrn Regimmgspräsidenten im postalischen Interesse dagegen bätte einschreiten müssen, daß der Post Einnahmen entzogen wurden. Wagegen wir nnS stets hauptsächlich Ivendcn. ist aber, daß die Postverwaltnng sich hcranSnimmt, in das Privat- leben der Peamten, ihre wirtschaftliche nnd politische Neber- zengnug cinziigrcise» und die ökonomische Macht, die sie besißt. dazu veniltzt, mn die Beamten zu zivingen. eine der Postverwaltnng° genehme politische Richtnng öfsenllich zu vertreten. Wie tvenig die Tienstzilcht unter der vollen Freiheit der Bclhätigung politischer llederzengimgei» leidet, sehen ivir an der Schweiz. Dort hat vor kiirzeiit der Verband der schweizerischen Poslbeainieit den socialdemokratischeit Ratio nalral W u l l s ch l ä g c r z n seinem Sekretär gewählt und niemand wird bezweifeln, daß die schweizer Postbeamten ihren Dienst genau ebenso gut thnn lvie die den! scheu Beamten. Wenn heute hier mit besonderer Geirngthming hervorgehoben wurde, daß über besondere Brntalitäten gegenüber den Post- beamien unter der nenen Verwaltung nicht mehr z» llagen sei. so kann ich das als lein besonderes Verdienst des Herrn Staatssekretärs anerkennen(Sehr richtig! bei den Sorialdeinokrnten), sondern er hat einfach das gethan, loas leider unter seinein Vergänger jahrelang versäinnt ist. Tann hat der Herr Staatssekretär die Gelegenheit denntzt. in» einen strategischen Ausfall gegen die Soeialdemokratie zu inachen. Der Appell an die bürgerlichen Parteien, init der Soeialdemokratie fertig zu werden,_ ist ja nichts 9icucS hier im Hause. Ter Herr Staatssekretär handelt da ganz nach berühmten Mustern._ Es schien fast so. als ob er. iveiin die bürgerlichen Parteien nach feiner Meinmig ihre Pflicht nicht erfnilc», selbst als Retter des Volkes aliftreten und als Ritter Georg den Drachen Soeialdemokratie besiege» werde. Die Erfakrilngen. welche die Herren ans diesem �Gebiet gemacht haben, sollte» sie doch etwas vorsichtiger inachen.(Sehr richtig! bei de» Socialdcinokrateii.) Jedenfalls wird sich der Herr Staatssekretär in diesem Kampf weniger Lorbeeren holen als in dem Kampf für die Besserung deS Verkehr?. Der Herr Staatssekretär»ieinte, er müsse seine Beamte» vor der Ansbeutnng durch die S o c i a l d c»i o k r a t i e schütze». Ann, wer im G l a S h a u s e sitzt, sollle nicht iiiil Steinen werfen. Gerade die kon- j c r v a t i v e Partei, der er angehört, bietet in Bezug ans agi- talorische, nnd zwar bezahlte agiialorischc Leislimge» ein»uerreichleS Bild. Ich erimiere Sie an die kolossale Agitation des Bundes der Landwirte, die die Herren Rösicke, Wangenheim nnd Hahn a n ch n i ch t ans eigner Tasche bezahlen. Natürlich hat fede Partei bezahlte Vertreter ihrer Anschauung, aber deshalb ist es lhvricht, unserer Partei daraus einen Vorwurf zu machen. Die Lciite, die im Dicnstö meincr Partei ihre Zeit opfern, haben davon jeden- falls viel weniger als die Agitatoren der Herren von der Rechten. Wenn irgendwo Opfermut und Idealismus vorhanden ist. dann ist es in meiner Porter der Fall.(Lacken rechts! Sehr richtig! bei de» Socialdemolraten.) Denn unsere Anhänger sind nicht in der Lage. mit der Agitation materielle Gcsckäftc zu machen, wie es dem Bund der Landwirte in agrarischer Beziehung nnd der Großindustrie in Bezug ans SchissSbautcn möglich ist. Was die W a h l b e e i n f l n s;» n g an- laugt, so ist es ja außerordentlich freundlich von dem Herrn Staatssekretär, daß er anck die Legitimation seiner Beamten bei Wahlen zu seinen dienstlichen Pflichte» zählt.(Heiterkeit.) Ein formelles Recht dazu besteht absolut nicht. Und wenn der Staatssekretär darauf hinwies, daß diese Legitiination schon seit 1887 Gebrauch ist, so beweist das li»r erst recht die Gewohnheit der Posivetwaltuiig, ihre Leute bei den Wahlen nach einer bestimmte» Richtung hin zn beeinflussen. Wenn sich schließlick der Herr Staatssekretär dagegen verwahrt hat. einmal in einer zulünftigen gesellschaftlichen Organisation, die nach nnscrn Priiieipien geleitet sein wird, Dienste zn thnn. so wird diese Organisation es zwar lebhaft bedauern, die so schätzbaren Dienste des Herrn Staatssekretärs zu eiitbchrcn. Das kann miS ober nicht abhalten, Mit allen Rütteln dieser Organisation zuzusteuern. UebrigenS glaube ich. daß der Herr StaatSictrelär, der gewohnt ist. stets den Befehlen seiner Vorgesetzten zu gehorcken, zn einer Zeit. wo diese Vorgesetzten socialdemokratischer Ileberzeuginig sein sollten. auch nach ihrem Auftrag handeln ivird.(Bravo! bei den Soetal- demokraten, Lärm rechts.) Abg. Dr. Jazdzcwski(Pole): Es ist eine allgemeine Klage in den polnischen Bezirken, daß die deutsche» Postbeamten die polnische Bevölkerung rücksichtslos de- handeln; dem könnte nur dadurch abgeholfen werden, daß dort polnisch sprechende Acaiiitc angestellt werden: diese werden aber größtenteils nach dem Westen versetzt. Ter Druck ans die Post- beainten geht dort so weit, daß die Beamten gezwungen werden, ihre Kinder in die deutsche Abteilung in der Schule zu schicken. StaatSselretär v. Podbiclski: Generell ist von mir kein Erlaß, vetresieud Versetzung polnischer Postbeamten, ergangen. Das ist Sache der Ober-Postdirellioncii und auS ganz Pose» sind im letzten Johre von 300 Beamten iinr 10 vcr- setzt worden. Diese Versetzungen sind nur erfolgt, weil jeder Beamte die verschiedensten Verhältnisse kennen lernen muß. Abg. Graf v. Skoon(f.): Wir danken es dem Herrn Staatssekretär, daß er sich in seine Fimktionen so schnell hineingefunden hat. Wir danken es ihm be- tonderS, daß er sick nickt wie die Chefs andrer Renorts so sehr in der Defensive hält. Die beste Verteidigung ist der Angriss und wenn wir Gegner haben, nnversöhnliche Gegner, so ist eS gut. ivenu wir den Kampf nicht vermeiden, sondern ihn ailfinche».(Lachen links.) Mos die Wahlgcschichte betrifft, so handelt eS sich wohl um die Wahl in Moabit, wo ein Antisemit einem Socialdeniokraten gegenüber stand. Wenn ein Beamter mm die Wahl eines Social- demokraten zn verhindern sucht, so thut er damit nur seine vcr- dämmte Pflicht und Schuldigkeit. Herr Singer hat die social- demokratischen Agitatoren mit den Agitatoren deS Bundes der Landwirte verglichen. Der Vergleich hinlt. Die Agitation de« Bundes der Landwirte ist auf Erhaltung der Landivirtschas t nnd des Mittelstandes gerichtet, die socialdeinokratische Agitation beziveckt aber den Umsturz deS Staats.(Beifall rechts.) Abg. Schmidt-Warbnrg(T.) erstickt den Staatssekretär nin baldige Nachzahlung der Gehälter für Militäranwürtcr. Das Kammergericht habe zu Gunsten der Beamten entschieden, weshalb also das Reichsgericht noch bemühen. Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Bp.): ES ist mirichtig, daß ich in der Wahlbeeinflusiungsgeschichte be- hanptet hatte, daß'cS ein Postinspektor gewesen sei. Aber was hat diese Frage auch mit der ganzen Sache zn thnn? Der Herr Staatssekretär hat selbst zugegeben, daß die Wahl überwacht worden ist und es ist ganz gleich, ob ei» Postinspektor, ein Staatssekretär oder ein HauS- ivart eine Wahl überwacht. Wenn der Hauswart das schon seit 1887 gethan hat. so beweist das nur. daß dieser grobe Unfug schon recht lange andauert. Wer hat denn übrigens so lange deS HanseS ge- wartet?(Heiterkeit.) Hat der Hansivart einen Vertreter? Der Herr Staatssekretär hätte besser gethan, zu sagen:„Was da geschehen ist. war nicht recht und ich werde dafür Sorge tragen, daß sich dieser Unfug nicht wiederholt." Der Herr Staatssekretär glaubte, mir damit besonders eins ouSzu» ivischen. daß et sagte, ick iväre wohl ans Verlegenheit auf meinem BcthätigungSseldc als Abgeordnetcr zur Vorbniigung dieser Be- jchwerde gekommen. Sein Bcthäligungsscld sucht sich der Volks- Vertreter selbst nach Geschmack und Teniperaineut aus. Wie brauchen mit nnsret Thätigkcit nicht so lange zu ivarlen, bis wir ein Amt nnd den damit verbundenen Verstand bekommen..(Große Heiterkeit.) Wir halten eS fiit die Pflicht des Volksvertreters, den- jcnigcn Beschwerden Ausdruck zu geben, die anderswo nicht anzn- bringen sind.(Lcbhastet Beifall links.) 'Damit schließt die Diskussion.— Der Titel Staats- s e Ii e t ä t wird bewilligt und jodann die Wciterberatung bis Mittwoch 1 Uhr v e r I a g t. Schluß 5�/« Uhr._ kommunales» Auf der Tagesordnnng für die Sitznug der Stadt- verordneten- Persavimlung am DonnerSIag. 1. Februar d. I.. nachmittags 8 Uhr, stehen u. a. folgende Punkte: Berichterstattung über die Vorlage, betreffend die Enteignung der zur planmäßigen Freilcgnng der Roßstraße erforderlichen Teile der Grundstücke Roß- slr aße 11, 12a und 12.— Desgleichen über den Antrag von Mi- gliedern der Versammlung, betreffend die Erhebung von Beitragen in Gemäßheit des tz 0 des K o», i» u n a l a b g a b e>i- G e s e tz e S bei Straßcndurchbrüchen.-Verbreiterungen:c.— Vorlagen, be» treffend die Enteigming der von dem Grundstück Siegmundshos Nr. 1 1 zum Bau einer Fahrbrücke über die Spree im Zuge der Straße „Siegmundshos" erforderlichen Fläche— die Festsetzung von Fluchllinien für zwei neue Straßen 58 A nnd 62B in Abteilung X a des Bebaniingsplaiies— die Vergebung der Kehricht- nnd Schnee-Abfuhr für 1. April 1000—1003— die Errichtung eines Pflegehauses für Ehepaare auf dem Grundstück der S i e ch e n a n st a l t an der Fröbelstratze und den Ankauf der Acetylengas-Anlage in Groß- beeren.— Antrag von Mitglieder» der Versammlung, betreffend eine Erhöhung der Alter Szulagen der Lehrer an den hiesigen Gemeiiideschulcir— die Erlenntiiisie des BezirlsausschusseS nnd des Oberverwaltungsgerichts in der Klagcsache des Magistrats wieder das Palizeipräsidium ivcgcn vcnveigertcc Erlaubnis zum Bau eines Eingangsportals zum Friedhof der Märzgefallenen— den Austausch von Spree- und Straßenflächen längs des links- seiiigcn Users des SprccschleiiscnkanalS zwischen Schleusen- und Schloßbrücke behufs Erneuerung der daselbst vorhandenen Ufermauer. sowie den Erwerb eines GcläiidestrcifcnS von dem Vorgarten vor dein Gebäude der königlichen Kommandantur zur Straßen- Verbreiterung— die Weiterverpachtung des Schlosses Güter- g otz an die Landesversicherungs- Anstalt Berlin— Antrag vo» Mitgliedern der Bersamintung. betreffend die Koch- a n st a l t ans dem S ch l a ch t h o s e und die Beseitigung be- schlagnahntter Scklachtticre und Teile derselben.— Vorlagen, be- treffend den Geschäftsbetrieb der städtischen S p a r l a s s e ün Vierteljahr Oktober-Dezember 1800— nnd die Zahlung von Ver- gütigniigen an Beamte der städtiscken Sparkasse für die von denselben in den Monaten Juli-Oktober v. I. außerhalb der Dienst- stim den geleisteten Monatsavschluß-Arbeiten.— Berichterstattung des betreffenden Ausschusses übet die Abordnimg der Versammlung in die ständigen AnSschüffc der Versammlung und in die Ver- w a l t n n g S- D e p n t a t t o» e n und Kuratorien, soivie Vornahme der Wahlen.— Desgleichen über die Zuteilung der lstadtbezirke ait die Mitglieder der Bersammlinig behufs der Erledigung der Wahl- sacken x. sowie Beschlnßsasimig darüber.— Vorlage, betreffend eine Znsaminenftelliing derjenige» Fülle, in welchen nach bOjähriger Dienstzeit gegenwärtig das volle Gehalt als D i e n st p c n s i v n bewilligt beziehnngsweise fiir de» Fall der Pensionierung zn- gesichert ist._ Uokalvs. Achtung, Gewerkschaften und Pcreiucl Mittwoch, den 7. Februar, sollen in Berlin»nd den Vororten 18 Parteiversamm- lungen stattfinden. Wir erstichett daher die Vorstände der Vereine uud Gewerkschaften, fiit diesen Tag keine Bersammlmtgcn ein» zubcrnfeir. Die Vertrauensleute. Zur Lokalliste. Der Spar- und Unterstützungs- verein der Firma Siemens u. Halske, Eharlottenburgcr Werk, veranstaltet am 24. Februar feinen Maskenball in den„Hohenzolleni-Sälcn", Bandelstraße 35. Da dies Lokal«Iis zu Versanrmlniigen nicht zur Ver- füg,„ig steht, so werden die Genossen in Eharlottenburg nnd Moabit ersucht, das Vergnügen zn meiden. Die Lokalkommission. De» Uuteruchmern alS Porbild. Warenvcrteuerungcn iverden jetzt fast jede» Tag offiziell, d. h. vom Vorstände der in Betracht kommenden U n t'e r n c h m c r- O r g a n isa t i o n dem Publikum angekündigt. So teilt heute der Vorstand des Vereins Berliner Lederhändler mit, daß die Ledcrpreise und demzufolge auch die Preise fiir Schuhivarcn und ReparaNiren um 15 bis SOProz. in die Höhe gegangen seien oder bald in die Höhe gehen müssen. Wen» auch nicht immer, so ist doch in sehr vielen Fällen die Waren Verteuerung den Unternehmer-Organisationen zuzuschreiben. Der Konsument, dessen Einkommen nicht steigt. mnß sick mit deren Beschlsisien, wie mit einer gegebenen, un- obänderlichen Thalsache abfinden. Der Konsument ist zum be- trächtlichen Teil Arbeiter. Al§ solcher soll er von den organs- sierten Unternehmern lernen. Diese sind kraftvoll und mächtig genug, um mibehelligt von Publikum und Staatsanwalt auf alle,'die sich der Organisation widersetzen, einen oft terroristi- scheu Druck ansziiüben. Die Organisationcit der Arbeiter stecken dagegen, wie zu deren Schande gesagt werden muß. oft noch in den Kinderschnhen. Nur unter ganz günstigen Umstände» glückt cS ihnen zuweilen, einige Brosamen zu erhaschen, die von des Reichen Tische fallen. Meistens aber müssen sie lhatloö zusehen, wie das Untemchmcrtum Millionen einsackt und seine» Ausgebeuteten für iiberinenschlichc. schwere Arbeit kaum so viel hinreicht, daß sie mit Weib nnd Kind in schlechtein Essen notdürftig satt werden, sich schlecht kleiden und elend beherbergen können. Ein größere» Teil als bisher könnten die Arbeiter aber vom Rational-Einkonimen für sich erringen, wen» sie gleich den Unter- nehmer» den hohen sittlichen und maieriellen Wert der O r g a n i- a t i o n nach Gebühr beachten wollten. Rur Macht schafft Respekt. Heute betrachten die organisierten Unternehmer die Organisationen der Arbeiter in dreister Anmaßung noch als L n s t. und der Staat, der zn de» Unternehmcr-Orgmiisationen seine Minister nnd Regimingsräte schickt, befaßt sich mit den Arbeiter- Organisationen kaum anders als durch Polizei- und StaatSanwaltS-Plackereien. An, Willen der Arbcfter liegt cS zum großen Teil, daß sie diesen Zustand ändern, daß sie sich— und das geschieht mir auf dem Wege der Organisation— größere materielle und moralische Vorteile erringen. Ueber die neue Radsahrordnung teilt das Polizeipräsidium mit: Am 1. Marz er. tritt für die Provinz Braudenvurg und die Stadt Berlin eine neue, unterm 12. d. MtS. von dem Herrn Ober- Präsidenten erlasiene Polizeiverordnung, betreffend de» Verkehr mit Fahrrädent ans öffentlichen Wegen, Straße» nnd Plätzen in Kraft. Im Hinblick auf die früher giltigen Bestimmungen ist über die neue Verordnung folgendes zu bemerken. Der Fahrradverkehr bleibt der Regel»ach aus die Fahrwege beschränkt. Die Polizeibehörden sind nach wie vor beftigt. einzelne Straßen auszuschließen. Die bestehenden Beschränlnngen bleiben in Gültigkeit. Andrer- eitS iverden die E h a u s s e e b a n k e t t e freigegeben und die Polizeibehörden ermächtigt, den Verkehr mit Fahrrädern auch auf bestimmten Fußwegen znzulaffen. In solchen Fällen haben die Radfahrer den Fußgänger» in jedem Falle auszuweichen und bei lebhaftem Fußgangcrverlehr langsam zu fahren. Auch im übrigen sind die Radfahrer verpflichtet, entgegenlomniende» Fußgängern, sowie Fuhrwerken. Reitern und Radfahrern rechtzeitig und genügend «ach rechts auszuweichen, während diese so viel Platz freizulassen baden, datz der Radfahrer ohne Gefahr rechts ausweichen kann. Als Signal, mittels dessen der Radsah er das Publikum aufmerksam zu machen hat, ist ausdrülklich eine hcllläuende Glocke vorgeschrieben. Hin« sichtlich der Befolgung dcr Fahrordnuug und der Beobachtung der erfordcr- lichen Lorsicht bei der Lenkung des Rades bleibt es iin wesentlichen bei den bisherigen Vorschriften. Dasselbe gilt von der Ermäßigung der Fahrgeschwindigkeit bei denr Befahren verkehrsreicher und uniiber- sichtlicher Stelle». Es ist jedoch ausdrücklich verboten, an solche» Stellen sowie beiin Bcrgabfahren beide Hände gleichzeitig von der Lenkstange oder die Füße von den Pedalen zu nehme». Wettfahrte» bedürfe» polizeilicher Genehmigung. Betreffs der Lösung und Mit- sührung von Radfahrkartcn, die in jedem Kalenderjahr zu erneuer» sind, bewendet es bei den bestehenden Bcstimnnmgen. Eine Numerierung der Fahrräder ist nicht vorgesehen. SanitaS. Vaterländische Kranken- und Sterbekasse. E. H.. SScdi» W.. Bchrcnstraße 7. Unter diesem Namen ist eine Kasse ans- getaucht, deren ,.Statnten-A»Szng" ganz den Bestmnnungcn solcher Kalten ähnelt, mit welchen viele Arbeiter neuerdings so schliinme Erfahrungen gemacht haben. Die Aufnahme erfolgt ohne ärztliche llntcrsuchuiig und zwar bis zu», 60. Lebensjahr, der Ausschluß geht u. a. vor sich, ivcn» sich herausstellt, daß bei der Ausirahme eine fntherc„Kraulheit", selbst wenn nicht einmal zu ihrer Heilung ärztliche Hilfe r» Anspruch genommen wurde, verschwiegen worden ist i über den AuSichluß entscheidet einzig der Vorstand, ohne daß von einer Appellation an die Generalversammlung im StatutcnauSzng etwas vermerkt steht, llcbcrhnupt wird die Generalversammlung im ganzen Statutcnauszng mit keinem Worte erwähnt, was darauf schließen latzt. daß den Mitgliedern die Rechte, die ihnen in den bewährten Hilrskassen als selbstverständlich zustehen, in der Kasse„Sauitas* verschränkt sind. Nach allem glauben wir eine Pflicht zu erfüllen, tvcnn wir unsre Leser auffordern, sich vorkonnncude» Falls die Kasse »eaiutafi" sehr genau anzusehen. Z» den Hilfsarbeiter-Prozcsscn. Das Urteil aus dem Prozeß de» zrechmkers Hesse ist erichienen. Die Angelegenheit endigte nrit der Abweisung des Klägers. Interessant'ist, wie die Stadt Berlin es verstanden hat, sich durch die Gcsetzesparngraphen hindurch- znwlnden, uin die Forderung de» Klägers auS Gründen der Ver- l � ll.r u n g zu Fall zu bringen. Der Abgetvicscne fragt sich nun, ob seine Gchallssordcrung überhaupt der Verjährung unterworfen sei. Beim auch die Stadl Berlin formell in ihrem Recht sein mag. so ist von einem moralischen Siege de» Magistrats wohl dennoch kaum zu reden. . Ter erste TrarrSport t?on Zngcscln in diesem Jahr ist gestern auf dem Schlesischcii Bahnhof ciugctrosscn. Die Tiere werden, in dem Depot beim Stadlbahnhof' Jamiowitzbrückc zum Verkauf gestellt. Die Ausgabe der, leiten Germania Marken zu 3 und 5 Pf. ist nach dem augenblicklichen Stande der Arbeiten euva im April oder Mai zu erwarten. Gleichzeitig gelangen auch die neiien gewöhnlichen Postkarten mit dem Wertstempel der Germania- Marke ziir Verteilung. Eine ganz»eiie Gattung von Postkarten und Marken wird der l. April bringen: Dann treten die Drtssätze für Karten und Drucksachen zu 2 Pi. in Kraft. so daß an jenem Tage Postkarten mid Briefmarken z» 2 Ps. mit dem Bilde der Germania ericheineii werde». .. Ter Chcfrcdacteur der„Verl. Börsen- Ztg.". Oskar Vollmer, ist gestern abend gestorben. Die Folgen einer Verletzung am Schienbein, ivelche er sich an, Neujahrstage bei cincin Falle ans der Treppe zu seiner Wohining zugezogen. haben den 62 Jahre alten Mann dahingerafft. Zur Jett find hier falsche Thalerstücke im Nnilanf mit dem Kops Friedrich Wilhelms III. ans dem Jahr 182S und dem Münz. zeiche» A. Die falschen Stücke sind ans einer Mischung von Blei «ud Zinn hergestellt, haben eine etwas bläuliche Farbe und fühlen sich fettig a». I» Prägung und Klang uiiterscheiden sie sich nicht von den echten Münze». Vom Vorstand der OrtS-ltrankenkasse der Posamcnticre, Seiler, Seidenknopf- und Bandwaeder erhalten unr folgende An- schritt: Bezug,, eh, neud auf de» Artikel„Arbeiters Leben imd Ar- deiterS Sterben, in Ihren, gcichätztcu Blatt vom 17. Januar d. I. erinche» ivir um Aufiiahiiie folgender Zuschrift: Es ist nicht richtig. daß das betrenciidc Miiglied am 28. Oktober, als es zum erstenmal den Arzt besuchte, gleich zun, 1. November arbcitSiliisähig geschrieben iviirde, sondern erst als es zum zweitenmal, am 31. Oktober, bei demselben war. Auch wollte daS betreffende Mitglied am 28. Ol- tober noch gar»ichr arbeitSniifähig geschrieben werden, dein, wen» es sich i'iberhnnpt so krank gefühlt hätte, daß es nicht mehr arbeite» konnte, so hätte cS sich doch»ubediiigt gleich an ciiiei, Arzt gewendet. der in seinem Wohnort Charlotlenbiiig wohnte, mid wäre nicht erst hier i» Berlin zu einen, Arzt gegangen. Die Krankel, lasse der Posaiiientiere:c. in B c r l i n hat überhaupt von dein Fall erst Kenntnis erhalten, als der Totenichein bei ihr euigiug. Der Rkedizui- schein wurde den, Mitglied von seinem Arbeitgeber ausgestellt. Noch möchten wir bemerken, daß solche Handlungsweise eines Kassen- arztet sich wohl kein Mitglied gefallen ließe und von keinem Borstaiid einer Kasse geduldet würde.— Tie Notiz, gegen welche sich die Zu- jchrift wendet, hat der betreffeiideu Oiks-Krankeukasse keiueu Vorwurf gemacht, noch machen kömieu. Das Verhalten dcS ArzteS Ivird durch die Zuschrift in kein anderes Licht gerückt. Ei» Kranker, der am 28. Oktober eine» Luftröhrenkartarrh und eine Rippcnfelleiitznudimg hat, so schwer, daß er schon am 2. November morgens in der Agonie i. Der Verteidiger. Referendar Story, ver- wies darauf, daß dcr A.igcllagte einer großen Versuchung ausgesetzt gc- Wesen und nicht genügend beaufsichtigt gewesen sei. Er bat um ein noch niedrigeres Strafmaß. Der Gerichtshof hielt bei dem schweren Vertrauensbruch, dessen der Angeklagte sich als Beamter schuldig gemacht, das beantragte Strafmaß keineswegs für ausreichend, es wurde auf vier Jahre Gefängnis und fünfjährigen Ehrverlust erkannt. Wie eine blntigc Satire auf die„Arbeiter-Wohlsahrts- bestrcbnngcn" des patriottsche» Unternehmertums liest sich folgender GerichtSsall. Die..Aktiengesellschaft für Bergbau und Zink- � fabrikation zu Stolberg in Westfalen" hatte vor längerer Zeit in der Nähe ihrer Dortmunder Zinkhütte 62 Arbeiter-- Wohnhäuser errichten lassen. Die Polizeiverwaltinig von Dortmund forderte die Aktiengesellschaft m», im Sommer 1898 auf, die Bausronten an den Straßen zu verputzen, und berief sich hierfür■ auf eine Polizeiverordnung vom 11. Mai 1807. Die Gesellschaft bestritt die Verpflichtniig dazu und focht die Ver-> fügiliig der Polizei im Verwaltuiigsstreitverfahre» an. Ihre Vertreter betonten, daß das Verputzen 11000 M. kosten iviirde und daß die Gesellschaft diese Summe durch die Erhöhung der von den Werkarbeitern zu zahlenden Miets- preise wieder einbringen müßte. Die Anordnung der Polizei iviirde so die w o h l w o l l e n d e Absicht, den Arbeitern billige Wohmlngen zu schaffen, verhindern. Die Gutachten der Sachverständigen gingen auseinander. sie stimmten aber alle darin über'ein. daß die aus gewöhnlichen Feldbrand- Ziegelsteinen„in schlichtester Weise ausgeführten" Gebäude nicht gerade die Kaiserstraße verschönten. Regierungs- baurat Thielen erklärte, die Arbeiterwohnhäuser— Kaiserstr. 179. bis 241— seien wegen des verwendeten Materials und der Bauart als zun, V e r p ii tz b a u b e st i m m t anzusehen. Mit Rücksicht auf diese Bckuiiduiig wies der Bezirksansschuß die Klage ab und sprach aus, daß die Polizei aus Grund des z 22 der angezogenen Polizeiverordiiung berechtigt sei, das Verputzen der Arbeiter-Wohnhäuser von der Aktiengesellschaft zu verlangen. Das Ober-Verwaltungsgericht bestätigte die Entscheidung. Warnm ei» Arbeiter verurteilt wird. Den Bierfahrer Franz Gollack aus Berlin hatte, wie so viele Kutscher, das be« klagenswerte Unglück getroffen, mit einem„Elektrischen" zusammen- zustoßen, weshalb er von der ziveiten Strafkammer am Landgericht II wegen„Gefährdung eines Eiscnbahii-Traiisports" zu der harten Strafe von zwei Wochen Gefängnis verurteilt wurde. Damit nicht genug, hielt der Gerichtshof sich darüber auf. daß der Kutscher in seinem überaus sauberen Arbeitsanzug vor Gericht erschienen � war. Auf Antrag dcS Staatsanwalts wurde er obendrein wegen; „Erscheinens in unziemlicher Kleidung" zu 10 Mark Geldstrafe ver- 1 urteilt. Es war vergebens, daß der Bierfahrer zu seiner Entschuldigung vorbrachte, er käme von der Arbeit, habe mit dem besten Willen keine Zeit gehabt, nach Hause zu gehen und sich umzukleiden. und müsse auch vom Gerichtssaal gleich wieder an die Arbeit, da sonst das Geschäft leide. Zu den vielen Fällen, die es erklärlich machen, daß das Rechts- empfinden des arbeitenden Volkes und das bürgerlicher Richter sich immer mehr von einander ciitfcrnten, dürfte auch der Fall Gollack gehören. Das Landgericht Deffau verurteilte gestern den Bankier H e r z b e r g wegen Beleidigung des Staatsministers Dr. V. K o s e r i tz, begangen in einer Broschüre anläßlich der Entzichung des Kom- merzienrats-Titcls, zu 300 M. Geldstrafe. Der Staatsanwalt hatte eine Gefängnisstrafe von 3'/e Monaten beantragt. Vevmifikzkes- Zu dem Schiffszusammenstoß auf der Elbe wird a»S Harn- bürg berichtet: Die auswärts verbreitete Nachricht, daß bei dem gestern abend im hiesigen Hafen erfolgten Zusammenstoß des Schleppers„Expedient" mit dem Fährdampfcr„Altona" zahlreiche Insassen des letzteren ertrunken seien, ist unrichtig. Die bisherigen sorgfältigen Nachforschungen ergaben keinen Anhalt dafür, daß auch nur einer derselben ums Leben kam. Zwei Personen erlitten leichte Verletzungen. Leide» Schiffbrüchiger. Ans Esbs erg wird gemeldet: Der Dampfer. R e ni n s" aus Hamburg, mit Mais von Philadelphia nach Aarhus unterwegs, ist am 27. d.' M. bei Horeus-Rev gescheitert. 1 4 M a n u von der Besatzung ertranken, 14 andere wurden durch den Hafciidampfer„Nordsöen" gerettet. Die Besatzung hatte sich in der Takelage aufgehalten und sich von Mais und Salz- Wasser ernährt; sie machte mehrere Versuche, sich in den Booten zu retten, die Boote sind aber von den Schiffsplanken zerschmettert. Der Kapitän hatte sich vor zwei Tagen erschossen und sein Leichnam iviirde von den Wellen weggespüli. Die Mehrzahl der Geretteten hat an den Füßen Frostbenkeii. Die Bejatzung bestand aus Deutschen, Norwegern und zwei Dänen. Knltnrthat. In Brieg wurde gestern früh der 23 jährige Zinnncrmaim Karkus ans Jätzdorf, welcher von, Brieger Schwurgericht ivegen Ermordung und Beraubung des sechzehnjährigeil Zimmerlehrlings Paul Zedier zum Tode verurteilt worden war, durch den Schärfrichter Reil, bei hingerichtet. Neberschwemmungeu. Die Landschaft von Diedenhofen bis Mörchingei, ist, wie an? Metz berichtet wird, weithin überschwemmt. einzelne Dörfer stehen teilweise unter Wasser. Die Schiffahrt auf dem Wioselkanal und der untereii Mosel ist eingestellt. Ter bekannte Licntcnailt v. Briiscwitz, der bei einem Nenkoiitre mit einem Civiliste» in cineni Karlsruher Cafe seinen Gegner niederstach nnd deswegen zu 3>/e Jahren verurteilt wurde, soll, wie man aus Loudon meldet, nach einer dort cingetroffeneii Nachricht in de» Kämpfe« am Tugela gefallen sein. Es Ivar be- richtet ivordcn. daß v. Brüsewitz nach erfolgter Begnadigung bei den Boeren Dienst genommen hatte. So viel Heldenmut sollte man dem Berüber der bekannten feigen That kau», zutrauen. Einsturz eines Tunnels. Aus Zürich meldet mau dem „Bcrl. Tageblatt": Gestern nachmittag stürzte der im Bau befindliche Albula-Tuiiiiel in Graubünden infolge lockeren Gesteins auf der Nordseite teilweise ein, wobei mehrere Arbeiter ver- schüttet wurden. Drei Tote und zwei Schwerverletzte wurden ausgegraben.— Der vor drei Wochen eingestürzte Credo- Tunnel der Linie Paris— Genf-�Lyon wird morgen nacht wieder dem Ver- kehr übergeben. Briefkasten der Redaktwn. Tie juristische Sprechstunde findet Moutug. Dicustug und Freitag»ou ti-di llhr abends statt. O. L. 4t. In allen preiifeischen Universitätsstädten wird unseres Wissens die Hebainnienkunst gelehrt. Bis zum 29. Jahre wird in Berlin zur Erlrninng der Hebaimnenlunst zugelassen. Man meldet sich beim Bczirks- phyiilus Schulz, am Tempelhofer Ufer 29. Während der Lehrzeit, die vom 1. Oktober bis 3l. März dauert, muh man in der Charite wohnen; die Kosten belaufen sich, Wohnung, Verpflegung, Instrumente und Ausbildung eingeschlossen, auf etwa 300 Marl. Ucber unentgeltlichen Unterricht ist uns nichts bekannt. Z. 3. Ein Krönungsthaler von 1801 hat unseres Wissens keinen höheren Sammlerwert als ein gewöhnlicher Thaler. H. 2. 250. Wir waren gestern im Irrtum. K. war in der zweiten Wählerklaffc als Kandidat aufgestellt. Gringark. 1. Zu welchem Wahlbezirk bei den Stadtverordneten- wählen vor 6 Jahren das Haus Kottbnserstr. 10 gehörte, wissen wir nicht, haben auch keine Zeit, darüber Nachforschungen anzustellen. 2. Der Berliner Ortsvorsitzende des Verbandes der Holz- und Brctterträger ist Herr Emil Sancrzapf, Ouitzowslr. 137. 3. Nordd. Holz- Bcrussgenosscnschast. Kessel- straste 37, Berlin 17. Löderbnrg. Wir sind leider nicht in der Lage, ein Urteil über das betreffende Unternehmen abgeben zu können. M. P. 105. Allgemeine Orlskranlenkasse. Zahlstellen: Adalbcrtstr. 9t und Prenzlauerslr. 40. 2...... Zu allgemeinem Verständnis genügen die„Erläuterungen". O. P. 15. 1. Die Wartezeit der Witwe für Abschluß einer andern Ehe beträgt 10 Monate. Von dieser Wartezeit kann sie Dispens erhalten. 2. Nur mit Bewilligung des Kirchcnvorstaudcs, sonst auf dein katholischen oder dem Gemeindefricdhof. 3. Nein. 4. Ja.— M. K. 86. 1. Nein: Es hat der Reichstag in einer Resolution die Zliisdehnung der Mindestleistung aller Krankenkassen auf 20 Wochen verlangt; die Regierung hat zu- gesagt, daß in der Krankcnvcrsichcrnngs-Rovelle eine solche Ausdehnung statt- finden werde. Uns wird die Novelle kaum vor der nächsten Session vor- gelegt und schwerlich vor 1902 in Kraft gesetzt werden. Die Anträge, die die socialdcmokratii'che Fraktion im Jahre 1899 dahin stellte: sofort das Krankcnkaflen-Äelctz zu ändcn, oder wenigstens die Jnvaliditäts-Wartezeit aus 13 Wochen herabzusetzen, wurden von der Regierung bekämpft, vorn Reichstag abgelehnt. 2. Nein.— W. Sch. 1000. 1. und 2. Nein. — 101. Falls Sie kein wechselseitiges Testaiucnt errichten, würden Ihre Stiefkinder so erben wie Sie annehmen.— E. H. 2Z5. Zur Heirat ist die standesamtliche Geburtsurkunde erforderlich. Dem Geistliche», der Ihnen aus Ihr Gesuch die Taufurkunde übersandte, können Sie hieraus keinen Vorwurf machen: Dieses Taufzeugnis ist siir die kirchlichen Cerenionicn, falls sich Eheleute nach ihrer Heirat solchen unterwerfen wollen, erforderlich.— H. ll. 1142. Wenden Sie sich an das Bezirks- koinmando.— E. SP.. Schlesischcstrafic. Nein, eine Schonfrist besteht nach der Richtung hin überhaupt nicht.— W. K.. Pankstrafie. Cousin und Cousine dürfen sich heiraten, wenn sie wollen und der Vater der noch nicht 21jährigen Cousine seine Erlaubnis erteilt.— K. T.. Britz. Nein. — X. f). 2. Darüber bestehen keine Gesetze. Durch die Rück- stcht ans die andern Hausbewohner gebotene Einschränkung der in einer Wohnung vorzunehmende» Beschäftigung läßt sich nicht allgemein festlegen. — H. G. Wollen Sie gegen das Borgerecht Ihrer Frau geschützt sein, so müssen Sic das Recht Ihrer Frau, für Sie zu borgen, ausschlienen und diese Ausschliessung im Gütcrrechtsregister des Amtsgerichts vennerken lassen. Eine Bekanntmachung in Zeitungen, daß Sie für Schulden Ihrer Frau, die sie siir den Haushalt gemacht hat, nicht aufkomme», hat keinen Wert. Andre Schulden als solche, die für den. Haushalt gemacht sind, brauchen Sie überhaupt nicht zahlen.— I. 4. 1000 N. 1. Ja. 2. Wenden Sie sich direkt dorthin. 3. In insgesamt 22 Lieserungen.— Militär 18. Zweifellos hat Ihr Neffe Anspruch aus Militärpension. Dieselbe beträgt aber nur 6—15 M. monatlich und Berechtigung zum Civilverforgungsschein. WltlernngSiibersicht vom 50. Januar 1900. morgen» 8 llhr. Stationen Swinemde Hamburg Berlin Wiesbaden Miinchc» Wien L£ le S§ 753 NO 752 O 750 0 744 NNW 743 sSW 744:OSO Welter öS B All Ö Ö 4 bedeckt 2 bedeckt 4bedcckt KSwnce 4bedeckt 2 bedeckt Siaiionen Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris ..°'■£ Ü C|-O -S 2 S 8S!£ Welter öS C � All Sö Still- wölken! M NNO Scheiter 764:0 4chcdcckt 750 NNW»Regen -20 1 3 1 Wcttcr-Prognose für Mittwoch, den 54. Januar 1900. Ein wenig kühler, vorwiegend trübe mit leichten Schncesällcn und ziem- lich frischen nördlichen Winden. � Berliner Wetterbureau. Marktpreise vo» Berlin am 2S. Januar 1800 *) Ermittelt pro Tonn« von der Centraistelle der Preith. Land- wirtschaftslaniuicrn— Noticrungsslclle— und»iilgerechnet vom Polizei- Präsidium für den Toppelccntner. t) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 30. Januar. Die Getreidepreise hatten am hiesigen Markt gestern»och eine nachträgliche wesentliche Steigerung er- fahre», die sich heute behaupten konnte. Die Auslandömeldungen lauteten vorwiegend fest; Paris behauptete seine letzten hohen Preise. Die Notierungen in Neiv-Uork und Chicago weisen ansebnliche Erhöhungen au', denen nur zum Schluß eine lcickite Abfchwächung folgte. Am hiesigen Platze wurden Weizen»nd Roggen ungefähr 0,75 bis 1 Mark über gestrigen Dnrolschnitts- preisen bezahlt. Die ausländischen Offerten waren etwas höher gehalten, doch wurden für prompte Ware nur gestrige Preise bewilligt. Das Geschäft nahm einen etwas lebhafteren Charakter an. Hascr zog unter dem Ein- flusse der Gcsauittendenz gleichfalls leicht an. Ruböl lag ruhig, wenig verändert.— Am Spiritusmarkt wurden 14000 Liter 70er loco mit 46,80<— 0,10) gehandelt. Warer�hau� /UAfertheirq. Berlin, Leipzigerstr. 132/133.« Bosenthalerstr. 27/29 u. 54.« Oranienstr. 53/54. MittWOCh, den 31. Januar, und folgende Tage solange der Vorrat reicht: 0 0 Wäsche. 0 0 Damenhemden, Pnoscnform, Hemdentuch mit Spitze{,35 Mk. Damenhemden, Achselsohluss, Hemdentuch mit Spitze{,60 Mk. Damenbemden, Aohsolsohluss, Benforce mit Stickerei 2 Mk Damenhemden, Eenforcs, mit handgestickter Madeira-Passe 2-�5 Mk. Beillkleider, KenforcS, mit Stickerei, runde Form{,80 Mk. Damenjacken, Pimiu mit spitze{,55 Mk. DameDjaCkeD, Henforcs mit bunter Stickerei 2 � DamenjaCk6n, Eenforcs mit Stickerei-Volant und Umlegekragen 2,85 Mk. Damen-Nacbtbemden, EenforcS mit Stickerei und Umlegekragen I,35 Mk. Sliekerei-Röcke 2,»5, 8*5, 4,35 Mk. BarChend-RÖCke mit Stickerei 2 so, Z,«5, mit Handlanguctte 2,7« Mk. Eenforcd Deckbellbezüge, Crosse ca. 130X200 cm 8,10 Kissenbezüge, Grösse CO. 83X83 cm 85 Pf. DOViaS Laken,«rbose ca. 160X225 cm{,85 Mk. Dimiti §,60 Mk {,05 Mk. Dreii-Tischlücher{«-.{.«« Mk Jacquard- u. Dreil-Iischlücher, 2»»«. 2,«5 Mk. Drell-Semellen, Dutzend 8,««, gesäumt 5,8« Mir- Jacquard-SerTielten, v�. 4 Mk., gesäumt 4.8«° 5.«» Mk. RÜChen-HandlÜCber mit buntem Bande, Dtz. A.««. 8,«« a- 8«« Mk. Sluben-Handlücher, D"», 4,8«, Jacquard, vt-. 8,40 Mk. Taschentücher, KeinleineD, weiss, Dtz 8,90 Mk. u. 8,40 Mk. TaSChenlÜCher, Batist, Hohlsaum mit buntem Bande, Dtz. 2,®« u. 8 �« Mk. Laken-Dowias, ca. 160 cm breit, Meter 75 Pf. Weiss gestreift Betisatin, Kissenbreit», Meter 45 Pf. Deckbettbreite 78 Pf. EiSaSSer Linon, Kissenbreite, Meter 48 Pf, Deckbettbreite 78 Pf. BettkÖper, glatt, rot oder rot gestreift, Kissenbreite, Mir. 85 Pf, Deckbettbr.{,35 Mk. Louisianatuch, stück- 20 Mtr. 5 Mk. Renforcö, stück= 20 Meter 8,59 Mk. Schürzen. Bunle Tändel-Sclilirzen, k so«. 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Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. »t. 25. Ii Ichs««». 2. Keilage des„Amillts" Keelim WIksdlM. s-. Zm« is«». Prozeß v. Kriegsheim nnd Genossen. Zweiter Tag. Nach Eröffnung der Sitzung durch Landgerichts-Direktor R ö s I e r ermahnt dieser den Angeklagten w. ftriegsheim nochmals recht eindringlich, sich zum Bekennen der Wahrheit zu bequemen und einzu- gestehen, was er in den einzelnen Anklagefällcn etwa in jugendlichem Leichtsinn gethan; ein fortgesetztes Leugnen könne nur seine Lage verschlechtern. Der Angeklagte v. Kriegsheim kommt in längeren Ausführungen ans einige Vorwürfe, die ihm der Präsident gestern gemacht, zurück. Er sticht namentlich darzuthun, dah nichts Ehren- rühriges darin liege, daß er als Reserveoffizier einen überflüssigen W a f f e n r o ck versetzt habe. Er bestreitet ferner, dah seine umfang- reiche» Eingaben und Schriftstücke das Vorverfahren verschleppt haben. Der Untersuchungsrichter habe ihm gesagt,.er lese über- Haupt seine Eingaben nicht", die Mühe, seine Eingaben zu lesen, habe also nur der Staatsanwalt gehabt. Er habe auch im Jahr 1891 den Versuch gemacht, sich mit seinen Gläubigern zn einigen, sei» damaliger Bezirkskommandeur sei aber hindernd da- zwischen getreten. Er habe fcnicr sich redlich bemüht, seine Schulden abzuzahlen nnd darin mehr geleistet, als der Präsident gestern an- genommen habe. Der Präsident, der in der Lage ist,' bei jedem einzelnen Einwand des Angeklagten unzutreffende Schlnszfolgerungen desselben festzustellen, betont, daß in Bezug auf die Schulden- rcgulierung der Angeklagte stets schwankende und daher von A bis Z unglaubwürdige Angaben gemacht habe. Der Vorsitzende geht sodann zur Verhandlung des.Falles Korb" über. Der Angeklagte hat im Jahre 1890 die am Central- Theater beschäftigt gewesene Frau Anna Korb geb. Hocke kennen gelernt und ist mit ihr in ein sehr intimes Liebesverhältnis getreten, bei welchem sie ihm nach und nach ihre Ersparnisse und ihre Juwelen zur Verfügung stellte. Er hat letztere in reichlichem Maße versetzt. Das ergiebt sich aus den Briefen des Angeklagten an Frau K„ die zumeist ohne Datum sind, so daß letzteres nur nach dem Grade der darin ausgedrückten Zärtlichkeit festzustellen ist. Während er auch jetzt bestreitet, Eheabsichten gehabt zu haben und behauptet, daß Frau Korb gewußt habe, daß er ganz andere Heiratsgedanken ver- folgte, heißt es in einem der ersten Briefe: �Adieu mein Aennchen, ich habe. immer Angst, daß ich Dich Edelstein verlieren könnte; we»n wir nur erst verheiratet wäre»!" Frau Korb behauptet, daß fie durch das Hciratsversprechcn dcS Augeklagten nnd falsche Darstellung seiner Vennögcnslage dazu verleitet worden sei, ihm ihre Ersparnisse und Juwelen zur Ver- stigung zu stellen. Sie habe 14 000 Mark Darlehnc und 4000 Mark Ersatz für ihre Brillanten gegen ihn eingeklagt und beim Kammergcricht ein obsiegendes(Versäumnis-) Urteil gegen ihn er- stritten, v. Kriegsheim behauptet, daß Frau Korb niemals 14 000 M. besessen habe: sie habe ihm nur 4000 M. Darlehn gewährt. die übrigen 10000 M. sollten eine Abfindungssumme, gewissermaßen das.Schmerzensgeld" für das nicht gehaltene Ehcvcrsprcchen dar- stellen. Dieser Fall des Betrugs auf Grund des angeblichen Ehe- Versprechens scheidet aus dem Nahmen der Anklage' aus dagegen bleibt die. � � Beschuldigung dcS Diebstahls bestehen. Frau Korb hat eines TageS aus einem ihrer Kästen einen wertvollen Brillant ring vermißt und behauptet, daß ihr der Angeklagte diesen Ring gestohlen nnd bei den, Jnwclicr Dietzold verkauft habe. Der Angeklagte bestreitet mit Entschiedenheit diesen schweren Vorwurf und bestreitet ebenso entschieden, jemals einen Ring der Frau Korb bei Dietzold verkauft zu haben. Einige Zeit nach dem Verschwinden des Ringes will Frau Korb zwei wert- volle Armbänder vermißt haben. Ihr ist dann der Verdacht gc- kommen, daß v. Kriegsheim die Armbänder genommen haben könnte; nach ihrer Behauptung Hai sie die Wegnahme dem An- geklagten auf den Kopf zugesagt, derselbe h a b e dies auch zu- gestanden und gleichzeitig auch zugegeben, daß er den Ring genommen habe. Der Augeklagte bestreitet alle diese Angaben. Die Bcwcisaustrahme über diesen Fall wird morgen durch Ver- nchmnng der Frau Korb stattfinden. Zu dem„Fall Korb" gehört auch noch die Beschuldigung der Urkundeufälschnug. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, einen Wechsel von 3000 M., einen solchen über 5000 M. und einen Schuldschein des Lieutenants v. Jena gefälscht, bezw. diese Papiere zum Teil ohne Genehmigiing des Lieutenants v. Jena ausgefüllt zu haben. Frau Korb hat den Wechsel über 5000 M. einige Zeit in Verwahrung gc- habt, er ist später verschwunden. Was den Wechsel über 80Ä> M. betrifft, so hat es folgende Belvaudtnis: Herr v. Jena war seiner Zeit Regimentskamerad des Angeklagten und hatte diesem im Jahre 1889 oder 1890 zur Beschaffung von Geld ein Blanko- Accept, ohne Ansfüllnng einer Summe über- geben, lieber diese ganze Angelegenheit war längst Gras gewachsen, als der Angcllagte— wie er behauptet— bei seiner Nebersiedelung von Havelberg nach Berlin dieses Wechselaccept vorfand. Jin Jahre 1891 habe ihm Herr v. Jena zugesagt gehabt, für ihn in Höhe von 16 000 M. zu bürgen und so habe er sich denn für berechtigt ge- halten, den Wechsel mit 3000 M. ausziifüllen und sich durch einen Herrn Wolssohn darauf Geld zu verschaffe». Er habe sich aber kameradschaftlich für verpflichtet gehalten, von Herrn v. Jena die Genehmigung einzuholen. Er habe„einen vier Seiten langen" Einschreibebrief au v. Jena gerichtet, ihm die Sachlage dar- gestellt und ihn aufgefordert, sofort zn depeschieren. wenn er nicht einverstanden sei. Da eine solche Depesche nicht kann, habe er das Einverständnis unterstellt. Das Ausbleiben der Depesche hatte seinen guten Grund und war auf einen„Zufall" zurückzuführen, den die Anklage für einen betrügerischen Trick des Angeklagten hält. In dem Briefe, den Herr v. Jena erhalten, bc- fand fich nämlich nicht ein„vier Seiten langer" Brief, sondern ein gänzlich leerer Briefbogen, mit dem der Adressat nichts anzufangen ivußte. Als die Ausfüllung des Wechsels später zur Kenntnis des Herrn v. I. kam und er Aufklärung verlangte, hat ihm der Angeklagte einen Brief geschrieben, aus dem in jeder Zeile dieAngst vor einer Strafanzeige hcrausklang.— Der Angeklagte behrniptct, daß er irrtümlicherweise statt des beschriebenen Briefbogens einen leere» in das Eouvert gesteckt haben müsse, kann aber nicht erklären, ivas aus dem angeblichen vier Seiten langen Briefe eigentlich geworden ist. Er bleibt auch bei seiner Behauptung, obgleich der Vorsitzende ihn wiederholt fragt, ob er alten erfahrenen Richter», die über die Knabenjahre schon längst hinaus sind, wirklich zumute, solche Märchen zu glauben. Noch einige Urkundenfälschungen. Außer dem Wechsel von 3000 M. handelt es sich bei der Ur- knudenfälschung noch um einen Wechsel von 5000 M., den der An- geklagte v. Kriegsheim vorübergehend der Frau Korb gegeben haben soll. Der Angeklagte gicbt die Möglichkeit zu, bestreitet aber, daß er den Wechsel zu andern Zwecken, als der vorübergehenden Auf- bcwahruna hingegeben haben könne.— Bei der dritten Urkunden- fälschnng handelt es sich um einen Schuldschein über 12 000 M., den er der Frau Korb gegeben hat. Diese 12 000 M. sollten die Ab- kösung der Verbindlichkeiten an Frau Korb darstellen; letztere be- hauptet, daß dieser Schein, den sie später zurückgegeben, den Namen des Herrn v. Jena als Bürgen getragen habe. Der Angeklagte bestreitet auch dies ganz entschieden' und behauptet,(daß er mit dem Schuldschciil die Frau.Korb nur habe beruhigen wollen. Staatsanwalt Dr. Kleine legt Wert darauf, festzustellen, ob der Schuldschein nicht nur„zur Beruhigung" gegeben worden. oder ob etwa die Zeugin Korb schon mit gcrirtstlicheii Schritten gedroht hatte. Diese gewünschte Feststellung bezieht sich auf die Mög- lichkeit einer Konstruktion des zum Thatbestande der Urkunden- fälschung notwendigen Requisits des Vermögensvorteils.— Augckl, v. K ri e g s h eim' erklärt, daß Iran Korb nach dem Wortlaut des Schuldscheins gar keine Berechtigung hatte, gerichtlich gegen ihn vor- zugehen. Awh dieser Anklagepunkt wird später durch Zeugen- Vernehmung erörtert werden. Die Beschuldigung der versuchten Verleitung zum Meineide hängt gleichfalls mit dieser Wechselaffaire zusammen. Herr v. Jena hatte, als er von dem Vorkommen des 3000 Mark-Wechsels Kenntnis erhalten, eine Anzeige an den Kommandenr des Landwehr-Bczirks II Berlin erstattet und um eine ehrengerichtliche Untersuchung gebeten. Als dann seiner Zeit das Hauptverfahren gegen v. Kriegsheim er- öffnet wurde, hat sich dieser mit verschiedenen Briefen an Herrn v. Jena gewandt und ihm allerlei Instruktionen erteilt und zu „orientieren" gesucht für den Fall, daß er vernommen werden sollte. Dies sieht die' Anklage als Versuch der Verleitung zum Meineide an. Der Vorsitzende hebt zu Gunsten des Angeklagten eine Stelle ans einem dieser Briefe hervor, in welchem dieser sagt: es liege ihm daran, daß die Aussagen gleich so entlastend ausfallen, daß die Denunziation der Frau' Korb gleich im Keim erstickt werde. Daraus könne man entnehmen, daß es dem Angeklagten darum zu thlm war. es gar nicht erst zur eidlichen Vernehmung des Herrn v. Jena kommen zu lassen. Der Angeklagte erklärt in diesen Briefen u. a., daß es sich nur um einen Racheakt seiner einstigen Geliebten handle, der er in den Briefen Bezeichnungen Ivie„ B i e st „Bestie"-c. anhängt. Zu erwähnen ist hierbei, daß v. Kriegsheim, als er mit F r a u K o r b abbrechen wollte, mit dieser eine lebhafte Korrespondenz hatte. die sich um das Thema drehte:„er müsse sich durch eine Geldheirat retten, um aus dem Schlamassel heranSzukommeu". v. Kriegsheim bestreitet. daß er Hrn. v. Jena zum Meineide habe verleiten wollen: ihm sei es nur darauf angekommen, ihn zu orien- en, damit auch die ihn entlastenden Momente genügende Berück- !gnng fänden. In einem der Briefe an v. Jena beklagt sich der Angeklagte darüber, daß das„Biest" in ein jüdisches Blatt einen Artikel gegen ihn lanciert habe. Es heißt dann wörtlich: „Dem Redacteur haue ich morgen einPaur indie Fr.... und bringe es in die Zeitungen, damit ich mich rein ivasche." Auf Befragen des Vorsitzenden erklärt v. Kriegsheim. daß er davon Abstand'genommen, weil er sich bezüglich der Verfasser- schaft des Artikels geirrt habe. Licutcuaut v. Jena hat in seinem Antwortschreiben an v. Kriegsheim erklärt, daß er sich nicht besinnen könne, ihn überhaupt Blanco-Acccpte belassen zu haben. es aber zn seinen Gunsten annehmen ivolle. Im übrigen ersuche er ihn ein- für allemal, ihn ungeschoren zu lassen und jeden Verkehr und jede Korrespondenz abzubrechen, denn v. Knegshem, habe sich in ein Lügengewebe begeben, aus dem er wohl kaum herauskommen werde.— Der ganze„Fall Korb" ist schon vor längerer Zeit Gegenstand der Strafanzeige seitens der Frau Korb bezw. ihres juristischen Beistandes gewesen, zwei derartige Anzeigen haben auf Grund der damals stattgefundenen Erhebungen zur E i n st e l l u n g des Verfahrens geführt. Die Ver- tcidigling bestreitet, daß„neue Thatsachen" vorliegen, die die Wieder. aufnähme des Versahrens rechtfertigen. Die Sitzung schließt mit der Erörterung einiger Fälle, in denen, wie der Vorsitzende erklärt, sckion aus rechtlichen Gründen die Anklage sich nicht aufrecht erhalten lassen kann._ Achim! Slhönhlttlser niiii Rchchnler Vorstadt. DomMg, 1. Fktnltt, Müs 8 llhr, iw Berliiitt Vrater, Wwiini Zill« 7|9: llolks-Uersammlung. « � bevorstehende Stadtverordncteii-Wahl im 35. Koinniiinal.Wavlbezirk. Referent ReichStags-Abgeordneter E. Wiiiau. 2. Diskusston zur Ausstellung eines üandidaten iliid Wahl eineS Wahl- loiiiitecs.— Pflicht enies icden Wahlers ist es, in der Bersanimlung zu erscheinen. 219/3 Die Vcrtrancilölcute. Den Schmied Herrn Leopold Heister fordern wir hiermit aus, da er die schristlichcn Aiifforderungen nicht berücksichtigt, den„Bereinten Sniigesbrüdern Moabits" gegenüber seinen Berpflichtiuigcn»achzukommril. 21495] Der Vorstaud. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Branchen- Bersammlnnqen Mittwoch, den 3t. Januar er., abends 8 Uhr, bei Keller, Koppcnstrasje Nr. 29: Kastenarbeit nnd Spiegel. Mittwoch, den 3t. Januar, abends 8 Uhr, im Kouzcrthanö „Sanssouci", Kottbuscrstraße 4a: Gnte Möbel nach Zeichnung (SalonmUbel, foarnierte Inncrc Uaaarbelt). Mittwoch, de» 31. Januar, abends 8 Uhr, in den Arininhallc», Kommandantenftr. 20: S 1 in it lr e l. Donnerstag» den 1. Februar, abends 8Va Uhr, bei Keller, Koppe» strafte 29: Schlafzimmer Einrichtungen (Bettstellen, A'aclitspinden, Untersätze, Ankleide- and Garacrobenscbräuke). Donnerstag, den t Februar, abends 8 Uhr, bei Stochert, Andreasstraftc Nr. 2t: Biiffetts und Schreibtische. Donnerstag» den t. Februar, abends 8 Uhr, im Vereinshanö „Südost", Waldemarstr. 75: T i s Ur in e» Uz o r (Inkl. Dauieiiscbrcibtlsch- nnd AUhtiscbmacher). Freitag, den 2. Februar, abends 8 Uhr, im Lnglinc-ben kanten, Alexander-Strafte Nr. 27v: Nitchemnövel (Berlin nnd Vororte). 77/7 Donnerstag, den 1. Februar bet Behrcnd, Mantenffelftr. 97: Lnzeusniöbel. Tagesordnung: Unsere Forderungen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht vi« OrimneaUung. MeMatm, fÄÄ zesstoii, mehrere Jahre Kontralt, an- ichliebcnde Wohnung, Miete 1300 211., ist wegen Krankheit zu verkaufen. Näheres Partcispedition Wengels, j Frilchtstr. 30. 2137b DeutschJetallarbeiter-Verband, Verwaltniiffsstclle Berlin. Donnerstag, den 1. Februar, abends 8Va Uhr: Bersammlung für Moabit im„Moabitcr KlubhauS", Beusselstr. 9. T a g e S- O r d il u ii g: Vortrag dcS Kollegen A. Kttrsten über: Das neue Jnvaliditätsversicherungs-Gefetz. DonncrStag. de» 1. Februar 1900, abcndS SV, Uhr. im Lokal des Herrn Bnske, Grenadierstrafte 33:_ WM" Versammlung"WD aller in der chirurMell Wustrie beilliiist. Arbeiter tt. ArbeitemM. TageS-Ordnung: Die socialen Aufgaden des Staates. Referent: Karl Ma»«»t»ok. 110/14 Die Ortsverwaltung. Achtung! Elmsetzei*. Achtung! Mittwoch, den 31. Jannar er., abends 8 Uhr: Große öffentliche Verlammlnng bei Herzberx, Alte Jakobstrafte Nr. 73. Tages- Ordnung: 1. Der Stand unserer Lohnbewegung. Reserent: Kollege Lurkowsky. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 77/9 Zu dieser Bersammlung haben sämtliche Einsetzer pünltlich zu erscheinen. Ber Einberufer. Gewiu«iverteilnng. Die Aaszaliluns der Oeirinnautcile für 1899 nach§ 54 der Beiriebsordnung wird am Freitag. den 2. Februar er., nachm. 5 Uhr, erfolgen, und es werden die im abgelaufenen Jahre von mir beschäftigten Arbeiter zu ber der Auszahlung a» meiner Koche(Rungeslraste 18a) voran- gehenden Versammlung der Fabrikmitglieder hiermit eingeladen. Beamten und Arbeitern, die ans der Fabrik ausgeschieden sind, werden ihre Anteile drei Monate aufbewahrt. Die nicht erhobenen Beträge werden der Untersiütznngskaffe nnd der Strafkasse überwiesen. Berlin, 29. Januar 1900. tfeiHN. FpeeSC. Freie Vereinigung f. Flottenvorträge."B | Heute, 3t. Jan., S1/: Ohr, Im Oberllchtsaal der Plillharmonle: I Prof. Dr. Adolf Wagner. I f ■ Vortrag von Herrn Geh. Reg.-Rat w Thema: Flottenvermehrnns nnd Finanzen. Karten 50 Pf abends an der Kasse.[3655LK Achtung! Rlxdorf* Achtung! Donnerstag, den 1. Febr., abends 8V2 Ehr: Volks- Uersammlung in„Groplers Salon", Bergstr. 147. Tages-Ordnung: 1. Bericht und Neuwahl der Bertraucnsperson. 2. Vortrag des Reichs- tags- Abgeordneten Bosenow über:„WaS treibt die Frau in den politische» Kampf?" 3. Wie ein REdorfer Warenhäusler seine Angestellten behandelt. Referent: Genosse Maaft. 4. Diskussion. DM- Zur Deckung der Unkosten 10 Pf. Eintritt."TDD 202/8]_ Die Vertrauensperson. Partei-Speditionen: Berlin vierter Walilkreis O.: Robert W e u g e l S, Frucht- flroste 30, Hof II.- 89.: Fritz Thiel. Skalitzerstr. 3S v.part.- Sechster Walilkreis(Moabit): Karl Anders, Salzwedcler- strahe 8, vort. im Loden.— W'cddlnc und OranlenbnrKev Vorstadt; Emil Stolzen bürg, Wielenstrahe 14.—(Sesand- brnnnen: Wilhelm G a h m a n n, Grünthalerstr. 85.— Hosen- thaler Vorstadt und«ehiinhanser Vorstadt: Karl Mais, Kastanien- Allee 0ö/ä6.— Charlottenbnrr; Gustav Schornberg. Schillerstr. 94, v. 1 Treppe.— Dentsch-Wilniors- dort: Sfi. Müller, Berlinerstr. 132/133, rechter Seiteilst, und W. N i ck e l, Anzustastr. 3, v. I.— Friedrlchsberg-Fricdvlclisfelde: C a r i Welk. Berlin t)., Friedrich-Aarlstr.4.— Grünau: Engel, Dahmesir. 6.— Hlxdorf: Osler m ann, Erlsir. 6.— Schüncfoerg: Wilh. B ä n m l e r, Apostel Paulnoslr. 13, Quergeb. Hochp.— Johannisthal-Sileder- nnd Ober-Sehöneweide: Otto John, Ober-Schäneweide, Siem enssi roste 7, Cigorrengcschäft. Annohmestelle»: Nieder-Schöneweide: Karl Weber, Cigorrrngeschäst. Johonnisthal: Senftleben, Restaiiratcur. Adlcrshof; Max Worbs, Metzerstraste 4.— CUpenlcfe: Franz Weber, Cigarren-Handlung, Grünanerstr. 1.— Frledenn»-8teAllts: H. Bernsee, Kirchstrabe 13 in Friedenau. Best ellungen nehmen entgegen in Steg-Ut«; H. M o h r, Düppelstroste 8, und F r. Schcllhase, Ahornstr. loa.— Bapinsebnlenivefi;: Krebs, Bonuischulenweg 32, Hos links II.— Zien-Welssensee: Spediteur Heinrich Fachmann, Lehderstraste 1, pari, links. 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Metropol. Spccialitätenvorstellung. Die verkehrte Welt. Anfang 8 Uhr. Apollo. Specialitäten- Vorstellung. Im Reiche des Jndra. Anfang ?>/. Uhr. Melchshallen. Stcttiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Palast. Leute von heute. Special!- täten-Borstcllung. Ans. 6 Uhr. Passage> Panoptitnn,. Speciali täien-Vorstelllmg. Urania. Jntmlidensir. 57/62. Täglich abends von B-IO Uhr- Sternwarte. Taubenftrafse 48/49. AbcudS 8 Uhr: Geheimrat Professor Dr. Otto N. Witt:„Geschichte der Farben-Jndustrie". CrnkLKl T hesttov Direktion: soso sssrencr?. AbcndS 7l/z Uhr: vis Weine Excellenz. Operette in drei Akten von Richard Heuberger. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonntagnachm. Z Uhr zu halben Preisen: Dci» Bcttelstadent. Operette von C. Millöckcr. Carl W elss-Theatep Gr. Franksurterstrasie 13®. In noch nicht gesehener Pracht- Ausstattung: Usus Dekorationen! Neue KostUme! Die Jagd nach dein Glück oder; Die Diebin. Realistisches Ausstattungsstück mit Ges. in 8 Bilden: v. Carl Weih. Musik v. L. 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Kapelliiieistcr Aitreck 8ommerteIck. Letztes Auftreten des gesamten Specialitäten• Personals. Gastspiel bedeutender Kunstkräfte, Um 8V2 Uhr! Zum erstenmal: Der selige ZwiebelMlUtn. Fastnachts- Burleske mit. Gesang in 2 Zlkten von Felsch. Musik von A. Sommerfeld. Hauptrollen: Richard Winkler nnd Wilhelm Fröbel. Ansang 71/, Uhr. Vorverkauf 1 l— 1 Uhr. Ehrcn-Vorzugskarten und Gutscheine sind gültig. Sonnabend: Palast- Theater- Maskenball. Grobe Preis- Ver- teilung�__ American-Theater. Dresdenerstr. 96. Dir.: Emil Schnabl. Der SV- Meter Riese Wiins SV- Meter m Berliner Roulotte. Vorher: Eine Generalprobe von Maria Stuart. BurleSle in l Akt Anfang 8 Uhr. Vorzugsbillets gültig. IViGtropol-TlieatGr Behrenstrasse 53/57. RurnochZTage�« Liane de Vries. Rapoli. Carmen Rosario. The Glives. Pauline d'Argent. Lütke Carlsen, sowie das ausgesuchte Januar- Specialitäten- Programm. Ilm 9 Uhr 30 Minute» Die verkehrte Welt mit der feenhaften Truppen-Revue. 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Siehst« liebe Hanne. Beginn b. Bockbier-Salso». Vanzkränzohen. O-nkus Heute, Mittwoch, den 31. Januar, abends präc. 7'/. Uhr: Große außerordentliche Galll-WMung. Nur noch drei läge: Die kaiserlich japanischen Hofkünstlcr. Die zwölf AkimotoS/ Aus dem Reiche des Mikado. The 3 Häydas. Die Araber. Vorführung der anerkannt unerreicht da- stehenden Originaldressuren des vir. Alb. Schumann. Nur noch einige Male: Die ersten und einzig tauchende» und schwimmenden Hirsche. Nur»och wenige Aufführungen deS glänzendsten Ritterschaustücks Schwarz und Weiß mit sämtlichen Einlagen._ Cirkns Bascli. Heute abend 7i/j Uhr: Zum 82. Male: Die Camorra. Außerdem zum 2. Male: Die weisse Dame zu Pferde. Dkr Feuerprinz Mr. Rlvaili. Die Matweef-Akrob-Troupe. Der phänomenalste Jongleur Signor Farini. Der Original- Welt-Jockep- Akt von Mr. Hermann Auhofs. Schweizer Garten Am Königsthor. Am Frisdrichshaln. Weil Sonntag: Ball. 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Um rege Beteiligimg ersucht 172/3 ver Vertrauensmann. Deutscher Metallarbeiter-Yerbaiw! (Verwaltungsstelle Berlin). Jliuljsntf! Am 24. Januar 1900 verstarb unser langjähriges Mitglied, der Schrauben- drcher kau! Geiseler. Ehr« seinem Andenken! llQ/lZj Tie Ortsvcrwaltung. Sage hiermit allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Gesang- verein der Masarbeitcr in Stralau, den herzlichsten Dank für die zahl- reichen Glückwünsche zu um'rcr Silber- Hochzeit. 2128b W.Reumalm nebst Frau. Gestern mittag U/z Uhr verschied nach schwerem Leiden meine liebe Frau und guie Mutter L13Zb Fried» Ewert geb. Baumgart. Die Beerdigung findet am 1. Februar, nachm 3 Uhr, von beul Neuen Jakobt- Kirchhos, Hermannstraße, aus statt., Krauerei Germania Aktienges. in ca. 70 eigenen Lokalen Bockbier 4 10 ü Ys Tonne 3,50. 1 Flasche 4/io Liter 10 Pf. 15 Flaschen 41o Liter 1,50 363 IL* frei Haus. • Telephon VII 2645. 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