Nnterhaltungsblatt des'Vorwärts Nr. 107. Mittwoch� den 7. Juni. 1911 (NaiZdruS derboten.) s] pelle der Gröberer. Lehrjahre. Roman von M. Andersen Nexö. Berechtigte Uebersehung von Mathilde Mann. Schwupp, schlugen die tanzenden Hände auf das Zu- schneidemesser nieder, und der Meister wickelte die Töne über der scharfen Schneide aus, den Kopf auf die Seite und mit geschlossenen Augen— der ganze Ausdruck abwesend in nach rnuen gewandtem Lauschen. Aber dann plötzlich strahlte das Gesicht in Glückseligkeit auf, die ganze Gestalt kroch k>erum in närrischem Genuß, der eine Fuß griff verzweifelt !n die Lust, als schlage er die Harfe mit den Zehen: Meister Andres war zugleich Musikidiot und musikalischer Clown. And klatsch, lag dann das Messer an de: Erde, und er hatte den großen blechernen Deckel in der Hand— tschiu- da-da-da: tschin-da-da-da I Die Flöte war mit einem Zauber- lschlag in Trommel und Becken verwandelt. Pelle lachte, so daß er zusammenbrach, sah erschreckt nach dem Spannriemen, und brach von Neuem in Lachen aus; aber niemand achtete auf ihn. Des Meisters Finger und Handgelenk tanzten einen Teufeltanz auf dem blechernen Deckel, und plötzlich fuhr der Ellbogen herzu und hieb darauf ein. so daß der Deckel gegen das linke Knie des Meisters sprang,— springen mußte, blitzschnell zurück gegen seinen hölzernen Absatz, der hinten vorstand, auf Pelles Kopf, rings- herum an die unmöglichsten Stellen, dum, dum, in wilder Besessenheit über die Flötentöne des Gesellen. Da war kein Kalten mehr; der Geselle fing an, frech mit zu pfeifen. zuerst vorsichtig, und als ihm nichts an den Kopf flog, mit voller Kraft. Und der nächstjüngste Lehrling Jens,— der Musikteufel, wie ihn der Meister nannte, weil ihm alle? zwischen den Fingern zu Tönen wurde— der griff so un- geschickt in den Pechdraht, den er gerade strich, daß der anfing, summend unter allem hinzulaufen, steigend und fallend zwischen zwei, drei Noten, wie ein wohlbehagliches Brummen, das das Ganze trug. Da draußen auf den Apfelzweigen kamen die Vögel gehüpft: sie legten den Kopf neugierig auf die Seite, sträubten die Federn wie verrückt und stürzten sich in diese Orgie von Jubel hinein, die von einem Stück- chen knallblauen Himmels verursacht war. Aber dann be- kam der junge Meister seinen Hustenanfall, und das Ganze geriet von selbst ins Stocken. Pelle arbeitete im Pech herum, knetete und tat Fett hinein. Wenn die schwarze Masse im Begriff war steif zu tverden, jagte er beide Hände in das heiße Wasser, so daß es die Fingerspitzen zersprengte. Der alte Jeppe kam vom Hof hereingetrippelt, schnell legte Meister Andres das Zu- schneidebrett über das Buch und strich fleißig sein Messer. „Das ist recht", sagte Jeppe,„in die Wärme mit dem Pech, um so besser bindet es." Pelle hatte Pech zu Kugeln gerollt und sie in den Weich- bottig geworfen, jetzt stand er schweigend da: er hatte nicht den Mut, selbst„fertig" zu melden. Die Andern hatten die Pechprobe zu etwas Ungeheuerlichem aufgebauscht, es wuchsen alle Schrecken aus diesem Rätselhaften heraus, das seiner jetzt harrte: und wenn er nicht selbst gewußt hätte, daß er ein fixer Junge war— ja, dann hätte er das Ganze im Stich gelassen. Aber jetzt wollte er seine Gefahr bestehen, »vie schlimm cS auch kommen mochte, er mußte nur Zeit haben.erft herunterzuschlucken. Dann gelang-s ihm am Ende. den Bauern nachdrücklich abzuschütteln und das Handwerk stand ihm offen mit seinem Gesang und Wanderleben und flotten jGesellenkleidern. Die Werkstatt hier war doch im Grunde nur ein beklommenes Loch, wo man saß und sich mit stin- kenden Schmierstiefeln abmühte: aber er sah ein, daß man da hindurch mußte, um in die große Welt hinauszugelangen. tvo die Gesellen am Werkeltag mit Lackschuhen gingen und Schuhzeug für den König selber machten. Die kleine Stadt hatte Pelle vorläufig eine Ahnung davon geg-chen, daß die Welt fast unüberwindlich groß war: und diese Ahnung er- füllte ihn mit Ungeduld. Es war seine Absicht, das Ganze zu bewältigen. „Nu bin ich fertig!" sagte er resolut: jetzt sollte es sich entscheiden, ob er und das Handwerk zu einander paßten. „Dann kannst Du einen Pechdraht ziehen— aber lang wie ein böses Jahr!" sagte der Geselle. Der alte Meister war Feuer und Flamme, ür ging umher und gab Acht auf Pelle, die Zunge zum Munde heraus, fühlte sich ganz jung und verbreitete sich über seine eigene Lehrzeit vor sechzig Jahren in Kopenhagen. Das waren noch Zeiten! Da lagen die Lehrlinge nicht und schnarchten bis um sechs Uhr morgens, und schmissen die Arbeit hin, sobald die Uhr acht war, bloß um rauszukommen und zu rennen. Nein, um vier Uhr auf, und dann dabei geblieben, solange was da war. Damals konnten die Leute arbeiten, und da lernte man noch was: jedes Ding wurde einmal gesagt und dann— der Spannriemcn. Damals ge- noß das Handwerk auch noch Ansehen, selbst die Könige mußten ein Handwerk erlernen. Es war nicht so wie jetzt, Pfuscherei und billiger Kram und sich herumdrücken um das Ganze. Die Lehrlinge blinzelten einander zu, Meister Andres und der Geselle schwiegen: man konnte sich ebenso gut mit der Nagelckaschine zanken, weil sie schnurrte. Jchzpe durfte alleine die Leine auslaufen. „Du pechst doch gut?" sagte der kleine Nikas,„es ist für Schweineleder." Die andern lachten, aber Pelle strich den Draht mit einem Gefühl, als zimmere er sein eigenes Schafott. „Nu bin ich fertig," sagte er mit leiser Stimme. Das größte Paar Männerleisten kam von dem Bort herunter, sie wurden an das eine Ende des Pechdrahtes ge- Kunden und ganz unten auf den Bürgersteig gebracht. Da draußen sammelten sich die Leute an und bkteben stehen, um zu glotzen. Pelle mußte ganz auf den Fenstertritt hinauf und sich gut vornüber beugen, Emil, als ältester Lehrling, legte ihm den Pechdraht über den Nacken. Sie waren alle auf den Beinen, mit Ausnahme des jungen Meisters: er nahm nicht teil an der Belustigung. „Dann zieh," befahl der Geselle, der die feierliche Hand» lung leitete,„So— gerade herunter nach den Füßen." Pelle zog, und die schweren Leisten humpelten über das Steinpflaster hin: aber er hielt mit einem Seufzer inne, der Pechdraht hatte sich über seinem Nacken warm gelaufen. Er stand da und trat wie ein Tier, das mit den Füßen gestoßen wird und den Sinn davon nicht versteht, hob vorsichtig die Füße in die Höhe und sah sie gequält an. „Zieh, zieh," befahl Jeppe.„Du mußt die Sache in Bewegung halten, sonst klebt es fest!" Aber es war zu spät, Das Pech war in den feinen Nackenhaaren erstarrt— Vater Lasse hatte sie die Glückslocke genannt und ihm daraus eine so große Zukunft prophezeit— und da stand er und konnte den Pechdraht nicht vom Fleck ziehen, wie er sich auch ab- mühte. Er schnitt verrückte Grimmassen vor Schmerz, das Wasser lief ihm aus dem Munde. „He, er kann ja nicht mal ein Paar Leisten handhaben," sagte Jeppe spöttisch.„Es wird wohl am besten sein, wenn er aufs Land hinauskommt und den Kühen wieder den Hintern abwischt!" Da gab sich Pelle zornentbrannt einen Ruck, er mußte die Augen schließen und sich winden, als es losließ.(Etwas Kleistriges glitt zusammen mit dem Pechdraht durch seine Finger, das war wohl blutiges Haar: und über dem Nacken brannte sich der Pechdraht seinen Weg vorwärts, in einer Rinne aus Blutwasser und geschmolzenem Pech. Aber Pelle fühlte keine Schmerzen mehr, es wallte nur bitter auf in seinem Kopf, er empfand ein wunderlich, unklares Verlangen, einen Hammer zu nehmen und sie alle niederzuschlagen, die Straße hinabzulaufen und alles, was er traf, auf den Schädel zu hauen. Aber dann nahm ihm der Geselle die Leisten ab, der Schmerz war wieder da und seine ganze Erbärmlichkeit. Er hörte Jeppes kreischende Stimme, und sab den jungen Meister, der da saß und sich duckte, ohne den Mut zu haben, seine Meinung zu äußern, er empfand auf einmal ein solches Mitleid mit sich selbst. „Das war recht," sagte Jeppe,„ein Schuster darf nicht bange sein, sich die Haut ein wenig einzupechen. Was? Ich glaub wirklich, er hat Dir Wasser aus den Augen gezogen t - 426— JHein, als ich roch Lehrling war, da war es eine Pechprobe, wir mußten den Pechdraht zweimal um dm Hals schlingen, ehe wir zuziehen durften. Der Kopf hing an einem dünnen Faden und baumelte, wenn wir fertig waren. Ja, das waren Leiten!" Pelle stand da und trippelte, um das Weinen zu be kämpfen: aber er mußte doch vor reiner Schadenfreude kichern — bei dem Gedanken an Jeppes baumelnden Kopf. „Daun müssen wir woll mal sehen, ob er einen an den Brummschädel vertragen kfnn," sagte der Gesell und stellte sich auf, um zuzuschlagen. „Nein, damit warte nur, bis er es verdient hat," fiel ihm Meister Andres hastig ins Wort.„Es wird sich schon eine Veranlassung finden." „Mit dem Pech wird er ja fertig," sagte Jeppe,„aber wie ist es, kann er sitzen? Ja, denn es gibt welche, die die Kunst nie erlernen." „Das muß ja ausprobiert werden, ehe er für brauch- Ibar erklärt wird," sagte der kleine Nikas mit Grabesernst. „Seid Ihr bald fertig mit Euren Narrenpossen?" fragte der junge Meister zornig und ging seiner Wege. Aber Jeppe war ganz in seinem Element; er hatte den Kopf voll von Jugenderinnerungen, eine ganze Kette von teuflischen Einfällen, um die Weihe feierlich zu gestalten. Damals, da brannte man ihnen das unauslöschlich ein, sie nahmen niemals Reißaus, sondern hielten es hoch in Ehren, so lange sie atmeten. Aber jetzt war die Zeit weichlich und voll Anstellerei, der eine konnte dies nicht vertragen, und der andere das nicht; es gab Ledcrkolik und Sitzkrankheit und Gott weiß was. Jeden zweiten Tag kamen sie mit einem Attest angerannt, daß sie an Sitzgeschwüren litten, und dann konnte man wieder von vorne anfangen. Nein, zu meiner Zeit, da gingen wir anders vor, den Bengel nackend über ein Dreibein gezogen und zwei Mann mit Spannriemen drauf los, das war Leder auf Leder, und dabei lernten sie, verdammt und verflucht, das Sitzen auf den Stühlen vertragen." Der Geselle machte ein Zeichen. „Na, ist der Stuhlsitz nun schon geweiht und darüber ge- betet?— Ja, dann kannst Du ja hingehen und Dich setzen." Pelle ging stumpfsinnig hin und setzte sich, ihm war jetzt alles ganz egal. Aber er fuhr mit einem Angstschrei rn die Höhe und sah sich gehässig um, er hatte einen Hammer in die Hand genommen und der entfiel ihm jetzt wieder, und nun weinte er aus allen Schleusen. „Was zum Teufel stellt Ihr da eigentlich mit ihm an?" Der junge Meister kam aus der Zuschneidekammer herausgefahren.„Was für Niederträchtigkeiten habt Ihr nun wieder ausgeheckt?" Er ließ die Hand über den Stuhl- sitz fahren, der mit abgebrochenen Pfriemenspitzen besetzt war. „Ihr seid teuflische Barbaren; man sollte glauben, daß man zwischen Wilde iväre!" „So'n Weichling," höhnte Jeppe, heutzutage darf man einen Jungen woll nich' mal ordentlich in die Lehre nehmen und ihn ein bißchen gegen die Geschwüre impfen. Man soll die Bengels woll vorn und hinten mit Honig salben, so wie die Könige von Israel? Aber Du bist ja Freigeist!" „Du sollst rausgehen, Vater!" schrie Meister Andres ganz außer sich.„Tu sollst rausgehen, Vater." Er zitterte und war ganz grau im Gesicht, lind dann schob der alte Meister ab, ohne Pelle den Schulterschlag gegeben und ihn ordentlich ins Handwerk aufgenommen zu haben. Pell saß da und besann sich, er war im Grunde ver- legen. Aus allen den verblümten Andeutungen war etwas Schreckliches aber zugleich auch Imponierendes emporgesproßt. Er hatte die Probe in seiner Phantasie zu etwas von dem mifgebauscht, was die großen Grenzscheiden im Leben setzt, so daß man auf der anderen Seite als ein ganz anderer hervorgeht, etwas in dem Sinne der geheimnisvollen Be- schneidung in der Bibel— eine Einweihung zu dem Neuen. Und dann war das Ganze nur eine boshaft ersonnene Tortur! Der junge Meister warf ihm ein paar Kinderschuhe hin, die zu besohlen waren; in das Fach aufgenommen war er also und brauchte sich nicht länger damit zu begnügen, Pechdraht für die anderen anzufertigen. Die Tatsachen wollten sich nur nicht in Freude verkehren. Er saß da und kämpfte mit etwas Sinnlosem, das fortfuhr, aus seinem Grunde aufzu- steigen; wenn es niemand sah, netzte er die Finger mit Spucke und strich sich über den Nacken hin. Er kam sich vor, wie eine halbersoffene Katze, die sich aus dem Strick befteit hat und nun dasitzt und ihre Strähnen trocknen läßt. Draußen unter den Apfelbäumen schwamm das Sonnen- licht golden und grün, und ganz weit hinken drin— drubeft im Garten des Schiffers— gingen drei hellgekleidete Mäd- chen und spielten: sie glichen Wesen aus einer anderen Welt: Glückskinder am sonnenhellen Strande, wie es im Liede hieß. Von Zeit zu Zeit kam eine Ratte hinter dem Schweinekobeni zum Vorschein und watete rasselnd in dem großen Haufen Glasscherben umher. Und das Schwein stand da und knurpclte verdorbene Kartoffeln in sich hinein, mit diesem verzweifelten Geräusch, das allen stolzen Zukunftsträumen! Pelles ein Ende machte und ihn mit Sehnsucht erfüllte— ach, mit einer so unsinnigen Sehnsucht. Daß auch alles Mögliche auf ihn einstürmen mußte irt diesem Augenblick, wo er sich eigentlich als Sieger fühlen, sollte: alle Drangsale der Probezeit hier in der Werkstatt, Straßenjungen, Lehrlinge, die ihn nicht anerkennen wollten. alle seine eigenen Ecken und Kanten, mit denen er hier in der Fremde beständig anrannte. Und dann diese düstere Werk- stätte selbst, wohin nie ein Sonnenstrahl kam— und der Respekt! Der Respekt, der bei ihm immer zu kurz kam. Wenn der Meister nicht zugegen war, ließ sich der kleine Nikas zuweilen zu einem Geplauder mit den ältesten Lehr- lingen herab. Dann konnten Aeußerungen fallen, die Pelle neue Gesichtskreise eröffneten, und er mußte fragen; oder sie sprachen von dem Lande da draußen, das Pelle besser kannte, als sie alle zusammen, und er plumpste mit einer Berichtigung heraus. Klatsch war die Ohrfeige da, so daß er in die Ecke trudelte; er hatte seinen Mund zu halten, bis man sich an ihn wandte. Aber Pelle, der Augen und Ohren gebrauchte und mit Vater Lasse über alles im Himmel und auf Erden geschwatzt hatte, er konnte es nicht lernen, den Mmd zu halten. Sie trieben ihm mit harter Hand ein jeder sein Quantum Respekt ein, von den Lehrlingen bis zu dem alten Meister, der vor Fachstolz beinahe platzte; nur Pelle hatte keine An- sprüche auf irgend etwas, er mußte an alle steuern. Der junge Meister war der einzige, der sich nicht wie ein Joch auf den Kindersinn des Jungen legte. Leicht wie er war, konnte er gleichgültig über den Gesellen und das Ganze hin- wegsetzen und zufällig da niederplumpsen, wo Pelle saß und sich klein fühlte. �Fortsetzung folgt.); Cm Debüt. Von E. G. G l ü ck. Autorisierte Uebcrsetzung aus dem Französischen. I. Nachdem sie im Konservatorium von Paris den ersten Preis für Klavierspiel erhalten hat, ist Fräulein Josephine Dupont in ihre Vaterstadt Papolteburg heimgekehrt und hat sich daselbst als Musik- lehrerin niedergelassen. Diese Tatsache, welche die biederen Papotte- burger etliche Male in den Lokalblättern haben lesen können, hat im Schoß der Familie Dupont eine Reihe von mehr oder weniger be- deutsamen Umwälzungen ausgelöst. 1. Herr Onösime Dupont, der Vater von Josephine, ein pensionierter Chausieeaufseher, hat das„Börsencafö", wo er bis dato mit seinen Freunden täglich sein Spielchen zu machen pflegte, verlassen und besucht fortan nur noch das.Cafä de Paris", den Treffpunkt der vornehmen Welt von Papotteburg. 2. Madame Estelle Dupont hat ein Dienstmädchen engagiert. 3. Fräulein Josephine Dupont hat ihren Vornamen Josephine mit dem weniger alltäglichen Josette vertauscht. DaS Resultat dieser Veränderungen, welche ihre Existenz von Grund aus revolutioniert haben, ist indeffen nicht derart gewesen, wie eS die DupontS gehofft haben. Die heißersehnten Klavierzög- linge— zehit Frank pro Stunde, unter dem darf man bei einem ersten Preis des Konservatoriums von Paris wohl nicht nehmen— sind noch immer eine schöne Zukunftsmusik. Man beschließt daher, schwereres Geschütz aufzufahren. Eines Tags lesen die biederen Papotteburger in den Zeitungen die An- kündigung eines.Klovierkonzerts von Fräulein Josette Dupont". DaL mitabgednickte Programm untfaßt 48 Musikstücke.Nassischer und moderner Meister". II. Im Festsaal von Papotteburg. Ungefähr 600 Personen. Viele junge Mädchen(die Pensionate vollzählig), einige Offiziere, der Maire und ein Teil des Munizipalrats. x Man plaudert in Erwartung der Dinge, die da kommen sollen. Ein junges Mädchen(in einer Gruppe):»Ach Unsinn! Ich sage Dir doch, sie ist ein ganz hochnäsiges Geschöpf I" Ein zweites junges Mädchen:.Aber trotzdem—" Die erste:„Sie ist ein ganz hochnäsiges Geschöpf! Schon als Kind hat sie immer so vornehm getan. Sie ist dumm, ein- gebildet, klatschsüchtig." Die zweite:„Woher weißt Du?" Die erste:.Oh, ich weiß l Ich spreche auS Erfahrung: ich bin ihre Jugendfreundin I" An anderer Stelle disputiert der Kritiker vom.Papotteburger Echo', Alexander Bouchot, mit Herrn Ainad�e Floche, seinem Kollegen vom.Lokat-Anzeiger'. Bouchot:.Wie alt ist denn das Wunderkind?* Floche:.Sein Vater gibt ihm IS Lenze.' Bouchot:„Hübich?' Floche:.Geschmackssache! Sie war mit ihrem Vater bei uns in der Nedaklion. Sie ähnelt ihrem Vater.' Bouchot(eine Grimasse schneidend):„Also keine Venus I Und— ist Geld da?' Floche:„Warum? Wollen Sie die Dame heiraten?' Bouchot:„Um Himmelswillen— nein I Ich frage deshalb, weil Vater Tupont uns bat. eine kurze Biographie der jungen Künstlerin zu bringen, hinterher aber einen Mordsspektakel machte, als man dafür einen Frank pro Zeile verlangte.' Floche:.Freilich, freilich. Als Chausseeaufsehcr ist noch niemand Millionär geworden. Aber dennoch zweifle ich nicht, daß da irgendwo ein alter Strumpf mit den Ersparnissen—' B ouchot:„Mutter Dupont soll schauderhaft geizig sein?* Floche:„Das habe ich auch gehört...' Im Künstlerzimmer. Madame Dupont:.Dreh' Dich mal um l Dein Kleid sitzt nicht besonders.' Josette(ärgerlich):.Na ja, da haben wir's! Wie das Geld, so die Ware!'' Madame Dupont:.Was willst Du damit sagen?' Josette:„Was ich damit sagen will? Sehr einfach! Wenn Du nicht so geknausert hättest, würde mein Kleid jetzt besser sitzen.' Madame Dupont:„Wie? Du wirfst mir meine Sparsamkeit vor?(Josette zuckt ungeduldig die Achseln.) Ei, sieh mal an I DaS ist ja niedlich! Wenn ich nicht die paar Groschen zusammen- gehalten, wenn ich nicht mein ganzes Leben lang an allen Ecken und Kanten geknapst hätte, Du wärest heute nicht das, was Du bist!... Hätte ich das Geld mit vollen Händen zum Fenster hinauswerfen wollen wie Dein Vater, dann hätten wir Dich nicht inS Konservatorium schicken können.(Zum eintretenden Dupont:) Nun, sind viele Leute da?' Dupont:.Hm... K00 Personen.' Madame Dupont:„Ausgezeichnet! Du hast doch nicht mehr als 200 Freibilletts verteilt?' Dupont(nach einigem Zögern):„N— ein." Madame Dupont:„Also 400 bezahlte Plätze— zu 3 Frank— das macht 1200 Frank I— Gieb auf den Kassierer acht, hörst Du l' Dupont:„Aber— eS ist doch Dein Bruder?' Madame Dupont:„Ein Grund mehri'(Dupont zuckt die Achseln.) Dupont(zu Josette):„Schnell, Kindchen! Man wird schon ungeduldig im Saal!" Madame Dupont:„Ja, ja— gleich l' Josette:„Ich bin ferttg." Ein Glockenzeichen. Die Gespräche verstummen. Auf dem Podium erscheint am Arme ihres Vaters, auf dessen Frackaufschlag etliche Kricgsdenkmünzen klingeln, Fräulein Josette Dupont in einem ziegelroten Kostüm. Schüchternes Beifallsklatschen. Josette läßt sich vor dem Flügel nieder und nimmt eine Beethovensche Sonate in Angriff. Das Stück wird glanzvoll, im Sturm genommen. Applaus. Ein Blumenkorb wird aufs Podium gereicht. Halblaute Krittken, während die Künstlerin ausruht. Ein Offizier(nachsichtig):„Nicht übel." Eine Dame:.Ja, eine schöne Technik." Eine Freundin:.Viel Virtuosität— aber keine Seele!' Zweite Freundin:„Seele? Wo sollte sie die wohl her- nehmen?' Floche(zu Bouchot):.Hm. hm.' Bouchot(zu Floche):„Hm, hm.' Ein junger Mann:„Wer hat den Blumenkorb gestiftet?" Ein junges M ä d ch e n(überlegen):„Gott, wie' naiv Sie find I Vater Dupont natürlich!' Eine alte Dame(welche Josephine heißt):.Warum nennt sie sich eigentlich Josette? Ist ihr.Josephine' nicht fein genug?' Zweite alte Dame:„Josette— das reimt sich auf Griselte. Pfui, wie unanständig!" Madame Dupont(zu ihrem Gatten):.1200 dividiert durch 48— macht wieviel?' Dupont:.Warum?' Madame Dupont(kategorisch):„Rechne I' § weites Stück. Neuer Applaus. Weitere Kritiken. kadame Dupont:„Das macht wieviel? 1200 durch 43?' Dupont:„Das macht 25." Madame Dupont:«Schön! Also jedes Stück, das Josette spielt, bringt ihr 25 Frank ein." Dupont: ,???' Madame Dupont(erklärend):.Ich schätze die Zahl der Personen, welche ihre Billetts bezahlt haben, auf 400. Das macht 1200 Frank Einnahme. 43 Stücke werden gespielt. 1200 durch 48— Dupont(mit einer Grimasse):.???'. DaS Konzert wird fortgesetzt, aber der Enthusiasmus wird immer geringer. Und die Zuhörer machen es wie der Enthusiasmus: beim beim 13. Stück find keine 300 Personen mehr im Saal. Die Ge» fahr begreifend, kürzt Josette Cbopiu ab, verstümmelt Mozart usw. Aber auch diese frevelhaften Opfer, welche das Publikum übrigens gar nickt gewahr wird, find umsonst: bei Schluß des Konzerts ist noch ungefähr ein halbes Hundert Personen anwesend, die durch die Langeweile versteinert zu sein scheinen. Eine Freundin:„Schon?" Im„Künstlerzimmer". Fräulein Dupont tritt ein und schlägt die Tür heitig hinter sich zu. Madamr Dupönt schweigt. Herr Dupont hüstelt verlegen. Madame Dupont(ängstlich): ,Na, alles in allem war eS gar nickt so schlecht." Josette(bitter):„Bloß nicht! Ein anständiges Fiasko!" Madame Dupont:„Aber durchaus nicht! Wirklich nicht l' Josette:„Doch!" Dupont:.Ich versichere Dir..." Josette(aufbrausend):„Es ist aber auch eine Idee, dem Publikum 48 Nummern zuzumuten!" Madame Dupont:„An wem liegt die Schuld? An Deinem Vater! Ich sagte ja, 33 Stücke wären vollkommen genügend." Dupont:„Du sei nur ganz still! Wenn wir auf Dich hätten hören wollen, würde Josette noch zwei Stunden länger gespielt haben. Du sagtest tagaus, tagein: Die Leute muffen etwas für ihr Gelb haben. Man muß Ihnen beweisen, daß Josette etwas kann I" Madame Dupont:„Das sage ich auch noch I Und Josette hat den Beweis erbracht. Uebrigens ganz gleich— wir können zu- srieden sein.(Zu Josette): Jedes Stück, das Du gespielt hast, bringt Dir 25 Frank ein." Josette(ohne zu begreifen):.25 Frank?' Madame Dupont:„Ja. Die Einnahme beträgt ungefähr 1200 Frank. 1200 dividiert durch 48—" Josette:„Wir haben 1200 Frank Einnahme?' Dupont:„Nein." Madame Dupont flebhaft):„Mehr?(Dupont zuckt die Achseln.) Wieviel?' Dupont:„Wieviel?(mit Todesverachtung) Sechs Frank!' Madame Dupont: ,Wie? Sechs Frank? Aber es waren doch wenigstens 600 Peri'oueii im Saal! Und Du Haft nur 200 Freibilletts verteilt?(Von Argwohn ergriffen.) Oder hast Du mehr verteilt?' Dupont:„Nun denn— ja!' Madame Dupont:„Dummkopf I' Dupont(wütend):.Dummkopf?' So? Na, dann arrangiere Du doch das nächste Konzert, wenn Du so schlau bist!"(Er nimmt Hut und Stock.) Madame Dupont:„Wohin gehst Du?' Dupont: Wo ich zu tun habe. Wenn ich nicht so bald nach Hause komme, beunruhigt Euch nicht weiter!"(Er geht.) Madame Dupont(zu Josette):„Du Unglückskind! An dem Tage, an dem man Dich zun: erstenmal hat Klavier spielen lassen,— wahrhaftig, man hätte besser getan, Dich mit einem großen Stein am Halse ins Wasser zu werfen!" Josette(bitter):„Sechs Frank dividiert durch 48— macht wieviel?" Hl. Ein Privatkabinett im Restaurant Durand, dem feinsten Lokal von Papoueburg. Amadoe Floche und Alexander Bouchot, die beiden Oberpriestcr der Papotteburger Kritik, speisen in Gesellschaft von Serrn Ouesime Dupont— selbstverständlich auf seine Kosten. Das ouper ist exquisit. Gute, alte Weine begießen es. Und dank diesen guten, alten Weinen entdecken die beiden Journalisten plötzlich, daß Fräulein Dupont eine außergewöhnliche, gottbegnadete Kunst- lerrn ist. Floche:«Alles in allem, mein teurer Herr Dupont, war eS ein schöner Erfolg Ihres Fräulein Tochter." Bouchot:.Ein großer Erfolg!" Dupont:„Nicht wahr?' Floche:„Ja, Sie können zufrieden sein." Dupont:.Das bin ich auch. Wenn nur die Einnahme besser gewesen wäre I' Bouchot: ,Na ja— hm— aber was wollen Sie I Für ein Debüt mutz man schon Opfer bringen können I' Dupont:„Es scheint so.' Floche:„Dieses Konzert wird Fräulein Dupont zweifelsohne viel Schüler—' Dupont:„Ich hoffe eS." tische:„Uebrigens werdeg die Rezensionen, welche wir über onzert schreiben werden, sehr wesentlich dazu beitragen." Dupont:„Ich danke Ihnen, meine Herren l' Floche:„Glauben Sie mir: das Geld, welches Sie für dieses Konzert verausgabt haben, ist gut angelegtes Geld." Bouchot(nachdem er seinen Kollegen ins Einverständnis ge- zogen, indem er ihm heimlich auf den Fuß getreten hat):„Apropos, mein lieber Floche! Da wir gerade von Geld sprechen.... Ich möchte Sie um eine Ueine Gefälligkeit bitten. Vorgen Sie mir doch 200 Frank I' Floche(wichtig, seine Börse ziehend):„Aber gern l' Bouchot(erklärend):„Ich habe mich nämlich mit einigen Freunden verabredet, eine Partie Bakkarat zu machen, habe aber ver» gessen. Geld zu mir zu stecken.",„ r■ Flache:„Donnerwetter I Ich glaubte, die Bagatelle bei mir zu haben— und ich habe nichts 1* In diesem Augenblick bedauert Herr Onösime Dupont, daß er bei Beginn deS Soupers so unvorsichtig gewesen ist, seine wohl- gespickte Brieftasche sehen zu lassen. F l o ch e(verzweifelt seine Börse durchwühlend):„Nein—»ch habe nichts I Aber— eigentlich— Herr Dupont könnte vielleicht�?" Dupont(ohne Enthusiasmus):„Aber natürlich I"(Er reicht Bouchot voll Beoauern zwei Banknoten.) B o u ch o t:„Pardon, das sind zwei Fünfziger l" Dupont:„Ach, richtig I Entschuldigen Siel Hier, bitte I' (Er gibt noch zwei Banknoten.) Bouchot:„Merci. Ich werde eS Ihnen morgen wieder- geben." F l o ch e(plötzlich begeistert):„Auf daS Wohl von Fräulein Josette?' Bouchot:„Auf ihre künftigen Erfolge l" Flache:„Auf ihr nächstes Konzert l" Dupont(beiseite):„Lieber nicht l" IV. Am folgenden Tage konnten die Papotteburger zum Morgen- laffee im„Lokal-Snzeiger" folgenden, von Amadöe Floche ge- zeichneten Artikel lesen: „DaS gestern von Fräulein Josette Dupont veranstaltete Konzert ist für die junge Künstlerin zu einem großen, berechtigten Erfolg geworden. Der Saal erwies sich als zu klein, um alle Ver- ehrer guter Musik zu fassen, welche sich eingefunden hatten, der talentvollen Künstlerin zuzujubeln. 43 Nummern auf dem Programm. Die glühenden Verehrer deS Pianos konnten reichlich auf ihre Kosten kommen. Und sie kamen auf ihre Kosten. Nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ. Da» kraftvolle und doch dezente Spiel von Fräulein Josette Dupont hat stürmischen Beifall gefunden. Applaus, Hervorrufe, Blumenspenden— alles wurde der sympathischen jungen Künstlerin in überreichem Maße zu teil. Wir rufen Fräulein Josette Dupont zu:„Auf baldiges Wiedersehen l" kleines Feuilleton. Die überseeische AuS« und Einwanderung ist ziemlich starken Schwankungen unterworfen. In den letzten fünf Jahren bewegte sich die Ziffer der Auswandernden in Deutschland zwischen 3,2 und b auf je 13 000 Einwohnern. Sie betrug nämlich: 1908.„,. 31 074--- 5,0 auf 10 000 Einwohner 1907, 31 696= 5,1. 1908..... 19 883= 3.2„ 1909.... 24921= 3,9. 1910.... 25 531= 3,9„ Die Jahre 1906 und 1907 waren Krisenjahre. Infolgedessen suchten viele Deutsche jenseits des Meeres bessere Existenzbedin» gung zu finden. Auch 1908 war noch ein Jahr des wirtschaftlichen vliedergangeS, die Krisenwelle hatte aber inzwischen Amerika er- reicht und dort noch ungünstigere Arbeitsverhältnisse geschaffen, so tmß von dort kein Heil mehr zu erwarten war. So sanfoenn der Strom der Auswandernden rapid und erreichte mit 3,2 pro HO 000 sogar den relativ niedrigsten Stand seit dem Jahre 1871. Die letzten Jahre brachten wieder eine kleine Erhöhung. Da» Ziel der meisten Auswandernden des Jahre? 1910 war wie immer die Vereinigten Staaten von Nordamerika: 22 773— 89,8 Proz. aller Auswandernden gingen dorthin. Weitere 460 ent» sielen auf Britisch Nordamerika, 353 auf Brasilien, 793 auf Argentinien, und 931 auf daS übrige Amerika, während auf ganz Llfrika nur 16, auf Asien 0 und auf Australien 128 Auswandernde kamen. Bei diesen Zahlen ist jedoch zu bemerken, daß die AuS- wandernden in die deutschen Schutzgebiete hier nicht berücksichtigt sind, da sie nicht als Auswanderer im Sinne deS Gesetze? gelten. Die meisten Auswandernden stellte die Gruppe Gewerbe und Kauwesen mit 7222 Personen; es folgt die Gruppe Land, und Forstwirtschaft mit 7072, das Handels- und Versicherungsgewerbe mit 2317, häusliche Dienstboten mit 2088 Personen usw. Wa» Geschlecht und Familienstand der Auswandernden be- trifft, so lagen darüber bezüglich 23 423 Personen Angaben vor. Bon diesen waren 14 153— 60,4 Proz. männlichen und 9270 £= 39,6 Proz. weiblichen Geschlechts. 8730 Personen reisten in Familien; auch unter den 14 693 allein reisenden Personen be- ifanden sich noch 2147 verheiratete Männer, die offenbar voran/ reisten, um ihrer Familie drüben ein Heim zu bereiten. Die meisten Auswandernden standen im Alter von 20— 50 Jahren. Schon seit Jahren übertrifft die deutsche Einwanderung in Deutschlad bei weitem die Auswanderung. Die erstere betrug in »en letzten drei Jahren 216 917(1908), 127 618(1909) und 154 393 (1910). 64,4 Proz. der im Jahre 1910 Einwandernden kamen aus Mordamerika. 952 au« Westindien und Mexiko, 10 248 aus Süd- pmerika, 883 aus Ostasien, 4677 aus Afrika und 531 aus Australien. Mranlwortl. Redakteur.: Albert Wachs, Berlin. Druck u.Verlag: Naturwissenschaftliches. Literatur für Aq ua ri e n f r eu n d e und Strand- tvanderer. AuS der Fülle der Schriften, die sich den Freunden heimischer Naturbetrachtung anbieten, verdienen die folgenden Er- wähnung. In der Sammlung„Aus Natur und Gcistcswelt" hat E. W. Schmidt„Das Aquarium" behandelt(Verlag von B. G. Teubner, Leipzig; Preis 1 M., geb. 1,25 M.). Angesichts der zahlreichen, zum Teil recht guten Führer für Aquariumliebhaber ist es fast ein Wagnis, zum so und sovielten Male ein neues Buch dieser Art zu schreiben. E. W. Sch m i d t hat aber gleichwohl eine empfehlenslverte Leistung zustande gebracht, was wir in erster Linie darauf zurückführen, daß er den Stoff gut beherrscht und daß er ihn gut gliedert. Es werden der Reihe nach behandelt die Geschichte der Aquarien, ihre Einrichtung und Unterhaltung, ihre Bepflan- zung und Belegung mit Tieren, dann das Seewasser-Aquarium (dessen Einrichtung nach Schmidt erheblich weniger schwierig ist, als gewöhnlich angenommen wird) und Freiland-Aquarium, wäh- rend die letzten Abschnitte dys Leben im Aquarium und das seiner Tiere und Pflanzen von biologischen Gesichtspunkten schildern. Diese letzten Kapitel sind die selbständigsten und reizvollsten, wie besonders die Schilderungen cms dem Leben der Fische, das zur Zeit der Brutpflege seine besonderen Eigenheiten entfaltet. DaS Büchlein empfiehlt sich daher in erster Linie für solche Aquarien- freunde, die sich schon recht eingehend mit dem„See im Glase Wasser" beschäftigen und zur großen Gemeinde der„Aquarianer"' zählen. In noch höherem Grade gilt dies für Professor Dr. Klinzingers„Belehrenden Begleiter für Aqua« rien- und Terrarienfreunde"(Verlag von Strecker vl, Schröder in Stuttgart), der in erster Linie beim Besuche von Aquariumausstellungen und Sammlungen Kenntnisse vermitteln soll. Demnach zählt daS Heft, nachdem es eine kurze Anleitung zur Einrichtung von Aquarien gegeben hat, in systematischer Anordnung eine große Zahl von Tieren und Pflanzen für das Aquarium auf, jedes mit kurzer Charakteristik. Auch hier ist daS Seewasser-Aquarium behandelt. Vom Aqarium zum Meeresstrande ist in der Natur nur ein Schritt. Im praktischen Leben ist es allerdings für viele ein teurer Schritt. Wem es aber einmal vergönnt wird, am Ost- oder Nord- feestrande zu wandern, der sollte nicht versäumen, die Eindrücke, die ihn hier erwarten, an der Hand eines guten Führers zu ver- tiefen. Bei der Schaffung des„StranbbüchleinS"(Verlag der Franckhschen Verlagshandlung. Stuttgart; Preis 75 Pf., geb. 1,25 M.) haben ftch fünf Fachleute zusammengetan, um den riesigen Stoff in poMlärer Form zu meistern. Dr. Lindemann be- schreibt den geologischen Aufbau der deutschen Küste. Die Dar- stellung ist gut und durch sehr anschauliche Bilder unterstützt. Die Strand- und Meerespflanzen behandelt Dr. Mtuschler, wobei die kahlen und bewachsenen Minen in ihren Hauptformen dem Ver- ständnis des Laien nach Möglichkeit näher gebracht werden. Leichteres Spiel hat Dr. Floericke, dem die Schilderung des Tierlebens am Strande Gelegenheit gibt, das Treiben der Möven, Sturmschwalben und anderen Getiers lebendig zu schildern. DaS Tierleben des Meeres hat Dr. Kuhlmann bearbeitet. Quallen, Seesterne, Krabben, Muscheln und Schnecken spielen hier die Haupt- rolle. Das Bändchen gehört auch im Hinblick auf die reichlichen guten Abbildungen und den billigen Preis zu den empfehlens- werten Erscheinungen der populären Literatur. L. L. Hygienisches. Die Bakterien im Schul staub. Die Gesundheitspflege verwendet mit Recht eine große Aufmerksamkeit darauf, das Dasein unserer Jugend in den Schulen so gesund und ungefährlich wie möglich zu gestalten. Der Erzfeind der menschlichen Gesund- heit, der Staub, ist in einer Schule, wo sich viele Füße, die gerade von der Straße herkommen, zusammenfinden, besonders zu furch- ten, und es ist die Frage, ob alle neuen Verbesserungen unserer Schulzimmer dazu ausreichen, die von ihm drohende Gefahr zu vermindern. Um das festzustellen, hat Dr. Hermann PeterS am Bakteriologischen Institut in Brünn eine Untersuchung eingeleitet, deren Ergebnisse er in der„Allgemeinen Wiener Medizinischen Zeitung" mitgeteilt hat. Er prüfte zu diesem Zweck den vom Fuß- boden gesammelten Staub aus einer alten und aus einer neuen Schule, und zwar aus je einem Klassenzimmer und dem Turnsaal. Der Staub wurde dann auf Menge und Art de» Baktcriengehalts durchsucht. Es zeigte sich zunächst, daß überhaupt verhältnismäßig wenig Keime im Staub zu finden waren, obgleich gerade vor der Entnahme der Proben ein regnerisches, schmutzige» Wetter ge- herrscht hatte und obgleich auch weder eine besondere Reinigung noch eine Lüftung der Räume vorgenommen worden waren. Auf- fällig und eigentlich unerklärlich war dann die Tatsache, daß gerade in der alten Schule fast immer weniger Bakterien im Staub vor- handen waren als in der neuen. Durchweg war ihre Zahl am größten auf den Bänken, fast ebenso groß am Boden und am ge- ringsten am Katheder, also am Platz des Lehrers, wohin die Schüler nur selten kamen. Im Turnsaal enthielt der Staub erheblich weniger Bakterien. Der Art nach waren sie durchweg ungefährlich. Im ganzen zieht Dr. Peters den Schluß, daß in älteren Schulen bei genügender Lüftung und Reinigung der Zimmer mit Bezug auf die Ansteckungsgefahr ebenso gesunde Verhältnisse geschaffen werden können als in neuen Gebäuden._____ LorwärtSBuchdruckerei�.Berlagsanstalt Paul SingersiCo., Berlin LW,