Nnterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 125.' Sonnabend, den 1. Juli. 191t jjjaiStitua 60tiUs.J 21] pelle der Eroberer. Lehrjahre. Roman bon M. Andersen Nexö. — Seit jenem Tage wurden die beiden unzertrennlich] Die Freundschaft brauchte nicht erst an Stärke zu wachsen, sie stand da und beschattete sie mächtig, magisch aus den Herzen hervorgezaubert. In Martens schönem, bleichen Antlitz lag etwas Namenloses, das das Herz in Pelle pochen machte. Alle bekamen muh eine sanftere Stimme, wenn sie mit ihm sprachen. Pelle begriff offengestanden nicht, was an ihm selber anziehend sein konnte: aber er badete sich in dieser Freundschist, die wie wohltuender Regen auf seinen ver- beerten Sinn fiel. Marten stellte sich auf der Werkstatt ein, sobald Feier- übend war oder stand oben an der Eecke und wartete, sie liefen immer, wenn sie sich treffen wollten. Wenn Pelle noch nach Feierabend arbeiten muhte, ging Marten garnicht aus, sondern sah auf der Werkstatt und unterhielt ihn. Er las sehr gern und erzählte Pelle von der Handlung in den Wuchern. Durch Morien kam Pelle Jens auch näher und entdeckte, dah er viel gute Eigenschaften unter den verhutzelten hatte. Jens hatte ja das verzagte, zerbrochene Wesen, worin Kinder instinktiv ein verachtetes Heim wittern. Pelle hatte im IGrunde vermutet, dah sie aus der Armenkasse unterstützt würden: er begriff es nicht, wie ein Junge darunter leiden konnte, dah sein Vater ein Hüne war. der der ganzen Stadt Schrecken einjagte. Jens ivar so dick an der Nasenwurzel Und sah schwerhörig aus, wenn jemand ihn anredete:„Er hat So viel Prügel vom Vater gekriegt," sagte Morien.„Vater könnt' ihn nicht aussteh'n, weil er dumm is'." Klug war er nicht, aber er konnte die wunderlichsten Melodien mit den blohcn Lippen pfeifen, so dah die Leute stillstanden und ihm lauschten. Pelle hatte nach seiner Krankheit jetzt ein eigenes Ohr für alles: er lieh nicht mehr unbekümmert wie ein Kind die Wellenschläge über sich hingehen, sondern streckte selbst Fühler aus. er suchte etwas. Gar zu einfach hatte sich alles für ihn gestaltet, aar zu handgreiflich geradeaus war sein Traum vom Glück aufgebaut: er muhte leickst zerplatzen, und dann war nichts weiter dahinter, waS trug. Jetzt hatte er das Bedürfnis, sich besser zu unterbauen, er forderte Nahrung von weiter her, und seine Seele war im Begriff, sich hinaus- guwagen: ganz hinaus in das Ungeahnte lieh er seine Fäden treiben, um sich zu befestigen. Das Ziel seines Sehnens imuhte in das Unbekannte hinaus, sein Grauen holte er jetzt aus dem großen, mystischen Dadrauhen, wo die Umrisse des rätselhasten Gottesangesichts verborgen liegen. Der Gott der biblischen Geschichten und der Sekten war kür Pelle nur ein Mensch gewesen, ausgestattet mit Bart und IGerechtigkeit und Gnade und dem Ganzen: er war nicht übel, aber die Kraft konnte doch noch stärker sein. Bisher hatte Pelle keinen Gott nötig gehabt, sondern hatte nur dunkel seine Zugehörigkeit zu der Alliebe gespürt, die sich aus den stinkenden Lumpenbündeln erhebt und den Hinunel über- schattet— in den wahnwitzigen Träumen der Verarmten, die aus tausend bitteren Entbehrungen eine Pilgerwanderung irach dem gelobten Lande erschaffen. Aber nun suchte er das, was sich nicht sagen läht— das tausendjährige Reich des Wortes erhielt seinen eigenen Klang in seinen Ohren. Anker war ja verrückt, wenn die andern es sagten: wenn sie lachten, dann lachte Pelle mit, aber es blieb etwas in iihm zurück, in erster Linie Reue darüber, daß er mitgelacht hatte. Pelle selbst wollte auch von seiner hohen Treppe herab IGeld in die Grabbel werfen, wenn er reich würde; und fabelte Nnker mit seltsamen Worten von einer Glückszeit für alle Armen, Vater Lasses Seufzer hatte doch von demselben wieder geklungen, so lange er zurückdenken konnte. Der Grund von des Knaben Wesen wurde auch von demselben heiligen Schauer berührt, der Lasse und den andern da draußen auf dem Lande verbot, über Wahnsinnige zu lachen: denn Gottes Finger hatte sie berührt, so daß ihre Seelen in Gegenden schweiften, wohin kein anderer gelangen konntet, Pelle fühlte das Angesicht des unbekannten.Gottes aus deni Nebel auf sich herabstarren. Er war nach feiner Krankheit ein anderer geworden, seine Bewegungen hatten mehr Nachdenken bekommen, mitten! in seinem runden Kindergesicht waren markierte Züge empor». gesproßt. Die beiden Wochen Krankenlager hatten die SorgeNI von ihm geschüttelt und sie als Ernst in seine Person ein, gegrsben. Er ging still umher, ging und umgab sich in Einsamkeit und beobachtete den jungen Mvister, auf seine eigens nachdrückliche Weise. Er hatte den Eindruck, daß der Meisten ihn auf die Probe stellte, und das tat ihm weh. Er ivuhtq bei sich selbst, dah das, was vor der Krankheit lag, sich nie- mals wiederholen konnte und wand sich fürchterlich unten dem Verdacht. Eines Tages konnte er es nicht länger ertragen. Eo nahm die zehn klroiren, die ihm Lasse gegeben hatte, um sich einen gebrauchten Winterüberzieher dafür zu kaufen, ginz damit zu dem Meister in die Zuschneidekammer und legte sie auf den Tisch. Der Meister sah ihn mit seinem verwun». derten Gesicht an, aber in seinen Augen dänunerte es.* „Was zum Teufel soll das?" fragte er langgezogen. � „Das ist Meisters Geld," sagte Pelle mit abgewandtem Gesicht. Meister Andres lieh seinen träumerischen Blick auf ihm ruhen. Der kam schon wie aus einer anderen Welt, und auß einmal verstand Pelle, was alle sagten, dah der junge Meisten sterben müsse. Da brach er in Tränen aus.. � Aber der Meister selbst verstand es ja nicht. „Zum Kuckuck auch— das macht ja nichts, Du?" und! lieh den Zehnkronenschein in der Luft tanzen.„Herr, Du meines Lebens, so viel Geld! Dl bist aber nicht billig!" Er stand da und wußte weder aus noch ein, die Hand hatte ev auf Pelles Schulter gelegt. „Es stimmt," flüsterte Pelle,„ich habe es genau mis» gerechnet. Und der Meister muh mir nicht mißtrauen, ich will auch nie wieder—" Meister Andres machte eine abwehrende Bewegung mit der Hand, er wollte etwas sagen, bekam aber im selben Äugew blick einen Hustenanfall.„Du Teufelsjunge," stöhnte er unh lehnte sich schwer gegen Pelle, er war blaurot im Gesicht, Dann kam das Erbrechen, der Schweiß perlte ihm über die Stirn. Er stand eine Weile da und lieh, nach Luft schnap- pend, das Leben wieder in sich zurückrinnen, steckte Pelle dann' das Geld zu und schob ihn zur Tür hinaus. Pelle war ganz niedergeschlagene Die Gerechtigkeit hatte ihren Lauf nicht gehabt, und was würde dann aus der Recht» fertigung? Er hatte sich mächtig dazu gefreut, die ganze Schande jetzt los zu werden. Aber am Spätnachmittag ries der Meister ihn zu sich herein in die Zuschneidekammer. „Du, Pelle," sagte er vertraulich,„ich möchte gern mein Loos erneuern, Hab' aber kein Geld, kannst Du mir nicht die zehn jbronen auf eine Woche leihen?" So kam es doch, wie es' kommen sollte, eS war seine Ilbsicht, jetzt alle Schande von sich abzutun. Jens und Marten halfen ihm dabei: sie waren jetzt ihrem drei, und Pelle hatte ein Gefühl, als habe er ein ganzes Heeg im Rücken. Die Welt war nicht kleiner geworden und nicht weniger anziehend als früher durch die endlosen Niederlagen des Jahres. Von Grund aus und bis dahin, wo er selber stand, hatte Pelle sein sicheres Wissen— und das war bitter genug. Da unten lag nichts im Nebel, die Blasen, die hin und Wieden an die Oberfläche aufsttegen und zerplatzten, versetzten ihn in kein mystisches Staunen über die Tiefe. Aber er fühltg sich auch nicht bedrückt dadiwch, bedrückt von dem. was so war, wie es eben sein muhte, lind über ihm wölbte sich die anders Halbkugel der Welt in himmelblauer Verwunderung und stimmte noch einnial wieder ihr fröhliches:„Drauf los!" an. In seiner Einsamkeit hatte Pelle oft seine Zuflucht zn dem kleinen Hans am Friedhof genommen, wo Dues in zwej kleinen Stuben hausten. Es war immer eine Art von Trost bekannte Gesichter zu sehen, irgendwelchen Nutzen von ihner» hatte er sonst nicht: Due war nett geuug, aber Anne dacht? nur an sich, und wie sie am besten vorwärts kommen, könntent, Due hatte eine Anstellung als Kutscher bei einem Fuhrhernt und sie schienen das Notwendig? zu haben. , �.Wiv haM h!�{ die Msich?, Un3 dabei ffssm'gert zu la�en, anderer Leute Pferde zu fahren," sagte Anna,„aber man muß ja kriechen, ehe man gehen kann." Nach dem Lande sehnte sie sich nicht zurück. -„Da draußen sind keine Aussichten für kleine Leute, die itfBas mehr verlangen, als Grütze in den Magen und ein paar Lumpen auf den Leib. Man wird nicht besser angesehen! als der Treck, auf den man tritt, und von einer Zukunft ist keine Rede. Ich werde es nie bereuen, daß wir vom Lande fortgegangen sind." Er hingegen hatte'Heimtveh.|Er war daran gewöhnt, fclne Viertelmeile bis zum nächsten Nachbarn zu haben, und hier konnte er durch die dünne Waich hören, wenn sich die Nachbarn küßten und prügelten oder ihr Geld nachzäAten. »,Es ist hier auch so eng, und dann fehlt mir auch die Erde. Nie Pflastersteine sind so hart." „Ihm fehlt der Mist, den er nicht in der Stube treten kann," sagte Anna überlegen,„denn das war doch das Einzige, was es auf dem'Lande reichlich gab. Hier in der Stadt können die Kinder auch besser vorwärts kommen, auf dem Lande können armer Leute Kinder nichts lernen, um es zu was zu bringen, denn sie müssen für das tägliche Brot mitarbeiten. Es ist schlimm, auf dem Lande arm zu sein!" „Hier in der Stadt ist es doch noch schlimmer," meinte Pelle bitter, denn hier gelten bloß die was, die fein in Zeug sind." „Aber hier sind vielerlei Arten, wie man Geld verdienen kann; geht es nicht auf die eine Art, versucht man es auf eine andere. Manch einer ist mit dem blanken Hintern aus den Hosen raus in die Stadt gewandert, und ist nun ein an- gesehener Mann! Wenn man bloß den Willen und das Streben hat— ich Hab' nu so gedacht, die beiden Jungens sollen in die Würgerschule gehen, wenn sie älter werden; Kenntnisse sind vie zu verachten." „Waruni nicht auch Marie?" fragte Pelle. �„Tie? Ach was! Die eignet sich wohl nicht dazu, ivas gU lernen. Und dann ist sie auch nur ein Mädchen!" Anna hatte sich ein hohes Ziel gesteckt, so wie der Bruder Ulfred. Sie hatte ganz blanke Augen, wenn sie davon sprach. und es war wohl nicht ihre Absicht, sich an irgend etwas zu kehren. Sie herrschte und führte das große Wort, sie redete laut und war die Tüchtige. Tues saß nur da und lächelte und war gutmütig. Aber es hieß, im innersten Innern wisse er ganz genau, was er wolle. Er ging nie ins Wirtshaus, fondern kam immer gleich von der Arbeit nach Hause; des Abendswar er nie glücklicher, als wenn alle drei Kinder um ihn herumkrabbelten, er machte keinen Unterschied zwischen seinen «eigenen kleinen Jungen und der sechsjährigen Marie, die Klima mit in die Ehe gebracht hatte. ' Pelle hatte die kleine Marie auch gern, die so gut gedieh, vls die kinderlieben Großltern sie noch hatten, die aber jetzt mager und im Wachstum zurückgeblieben war und zu er- ifahrenc Augen hatte. Sie konnte einen ansehen, wie eine vrme Mutter, die sich immer grämen mußte, und er hatte Mitleid mit ihr. Wenn die Mutter hart gegen sie war, mußte er immer an jenen Abend, in der Weihnachtszeit denken, als sie zum ersten Mal bei Kalles zu Besuch waren, und Anna beschämt und verweint angeschlichen kam und in gesegneten Umständen war. Die kleine Anna mit dem kinder- frohen Sinn, die alle liebhaben mußten. Wo war die nur auf einmal geblieben? �ines Abends, als Morien nicht frei war, lief er da hinaus. Gerade als er anklopfen wollte, hörte er Anna da- drinnen herumregieren. Plötzlich flog die Tür auf und die kleine Marie wurde in den Gang hinausgeworfen. Das Lind weinte jämmerlich. .lLortsetzung folgt.Z fabeln. Herrenrecht. Ein Herr wollte seinem Hund das Vellen abgewöhnen, weil eS ihn störte, und er hatte schon alle Mittel erschöpft, ohne seinen Zweck zu erreichen. .Infame Kreatur I' schrie er wiitend,.so viel Selbstbeherrschung müßtest Du doch lernen können, Dir diese geräuschvolle Aeußerung Deiner Befühle abzugewöhnen l" ,Hum l" knurrte der Hund nachdenklich,.wie steht es ekgeklilich mit dieser Selbstbeherrschung bei Dir? Solltest Du Dir nicht viel leichter diese geräuschvolle Aeußerung abgewöhnen können, mir daS Bellen abgewöhnen zu wollen V � Beamtenwürde. »Mein lieber Freund I' sagte der Pirol kollegial zum Spatz, »Du glaubst nicht, was für ein fabelhaft wichtiges Amt ich Habel* .So, so I' murmelte der Spatz, geehrt von so vornehmer Freundschaft. »Ich sage den Regen an!' sprach der Pirol würdevoll. .Ohl' machte der Spatz und verbeugte sich,.was für ein un« entbehrliches Amt I Wer weiß', fügte er nachdenklich hinzu,»ob eS ohne Deinen Ruf überhaupt regnen würdet' Göttliche Fürsorge. .Lieber Gott l' betete daS MäuSlein und sah andächtig durch ein Mauerloch zum Himmel auf,.halte die Hand über mir und schütze mich vor der grimmigen Katze— ich habe für zehn kleine Mäuslein zu sorgen!' »Lieber Gottl' betete die Katze und sah andächtig zum Himmel auf,.halte die Hand über mir und laß mich nicht Hungers sterben! Sorge in Deiner Güte, daß ich morgen endlich die alte Maus und ihre zehn kleinen MäuSlein fanget' Thea Grazie lla. Wirkungen cler Sonnenwarme. Der Einfluß der Sonnenwärme auf Mensch und Tier bildet den Gegenstand der Untersuchung von Dr. Hans Aron, Professor der Physiologie an der Universität der Philippinen in Manila („Berliner Klinische Wochenschrist' 1911, Nr. 25 vom 19. Juni). Entgegen der von vielen stüheren Beobachtern, zumal Aerzten auS den Tropen, gemachten Angaben, daß die lebenbedrohende Wirkung der Sonnenbestrahlung hauptsächlich auf die ultravioletten oder so» genannten aktinischen, chemisch wirksamen Ettahlen zurückzuführen sei, vertritt Aron die Auffaflung. daß für die meisten Unglücksfälle durch Hitzschlag oder Sonnenstich ein anderes Moment in Frage komme. Da die gewöhnlichen sichtbaren Lichtstrahlen, die auf die Netzhaut des Auges wirken, nur bei besonderer Sorglosigkeit und Außcrachtlaflung der elementarsten Vorsichtsmaßregeln Störungen des'Sehorgans hervorzurufen! und so' die'Gesundheit zu schädigen vermögen, hätte der Mensch sich namentlich vor den sogenannten .infraroten'(und auch gelben) Wärme strahlen zu hüten. Es ist bekannt, daß die Temperatur des menschlichen Körpers sich in der Norm aus ein und derselben Höhe hält(37—37,5 Grad EelsiuS), indem durch Wärmeabgabe an die Außenluft thermische (Wärme-) Einflüsse ausgeglichen werden. Diesem WärmeregulationS» Mechanismus sind jedoch dadurch Schranken gezogen, daß entweder der Körper zu intensiv erwärmt wird oder irgendwie Den Ausgangspunkt dieses Kreislaufs bildet ein Prozeß im pflanzlichen Organismus, über dessen wahre Natur sich die Wissen« schaft erst am Ende des verflossenen Jahrhunderts ganz klar gu worden ist. Der Kohlenstoff bildet, wie genaue Wägungen ergebet! haben, etwa die Hälfte des Trockengewichts einer Pflanze. Woher! stammt diese gewaltige Menge? Die ältere sogenannte Humustheorie gab an, daß Kohlenstoff, ganz wie die übrigen Nährstoffs der Pflanze, durch die Wurzeln aus den Boden aufgenommen werde. Diese Theorie, die eine lange Zeit die gesamte Botanik und Landwirtschaft beherrschte, stand jedoch ratlos vor der ein« fachen Tatsache, daß die Pflanzen, die im humusfreien Sande odee sogar in Wasserkultur aufgezogen werden, trotzdem sehr gut ge« deihen und ihre Trockensubstanz und demgemäß ihren Kohlenstoff mehren. Des Rätsels Lösung liegt in der Erkenntnis der Tatsache, daß die Pflanze ihren Kohlenstoff nicht aus der Erde durch die Wurzel, sondern aus der Kohlensäure der Luft durch die Blätter bezieht.„Diese Entdeckung," bemerkt der Verfasser,„ist eine der bedeutsamsten naturwissenschaftlichen Leistungen, denn es war gewiß nicht leicht, den unsichtbaren Gasaustausch in der Luft alS den wichtigsten Ernährungsvorgang der Pflanze aufzufinden, und es gehörte der Mut einer festen Ueberzeugung dazu, die Tausende von Zentnern Kohlenstoff, die ein Walddistrikt in sich aufhäuft� aus dem prozcntlich äußerst geringen Kohlensäurcgehalt der Atmo- sphäre(0,033 bis 0,30 Proz.) herzuleiten." Dieser bedeutsame Vorgang spielt sich nur in den(durch! Chlorophyll) grüngefärbten Organen der Pflanze ab, denn nur diese sind imstande, der Kohlensäure der Luft den Kohlenstoff zu ent- reißen. Aus diesen Laboratorien stammt der gesamte Kohlenstoff unserer organischen Welt, denn kein tierisches Lebewesen ist im- stände, das wichtigste Element seiner Körpersubstanz aus an- organischer Quelle direkt zu beziehen. Es kann dieses nur in organischer Form aufnehmen, wie sie in den Pflanzen erzeugt worden ist. Sehr bemerkenswert dabei ist, daß diese chemische Umsetzung nur mit Hilfe von Lichtschwingungen zustande kommt. Ohne Beleuchtung keine organische Substanz. Durch das Licht wird die Kohlensäure der Luft zerlegt, der Kohlenstoff vom Sauerstoff abgesondert und mit Hilfe des durch die Wurzeln aufgenommenen Wassers in sogenannte Kohlenhydrate verwandelt. Stärke, Zucker, Zellulose— sind Produkte dieser Gattung. Nun kommt der absteigende Ast des Prozesses. Bei der Assi« milation des Kohlenstoffs durch die Pflanze wird eine große chemische Arbeit geleistet und eine Menge Spannkräste gebunden, Indem die pflanzliche Substanz durch die Tiere als Nahrung oder, um ein anderes Beispiel zu wählen, von dem Menscher als Heizung für seine Maschinen verbraucht wird, werden diese Kräfte wieder frei und entfalten sich im tierischen Lebensprozcß so gut als in den Leistungen der Dampfmotore. Was wird nun dabei aus dem Kohlenstoff? Er wird oxydiert, oder anders ausgedrückt, er verbindet sich wieder mit dem Sauerstoff. Kohlensäure ist immer das Endprodukt eines jeden Lebens- oder Verbrennungsprozesses. Dadurch wird der Kohlensäuregchalt der Luft wieder auf das rich- tige Maß gebracht und der Kreislaus kann von neuem beginnen. So verbindet der Kohlenstoff in s-ln-m Kr-islanfe die Welt der lebenden Wesen mit dem Pilanznu eiche und erzeugt zwischen ihnen eine Lebensgemeinschaft, ohne die unser Uaiiet jvohl für immer tot und öde geblieben wäre,—— Kleines f euiUeton» Landwirtschaftliches. Verbesserung von Butter und Käse. Die Meierei« Wirtschaft hat sich durch den Fortschritt der Wissenschaft reichlich in demselben Grade verändert wie andere landwirtschaftliche Erwerbs- zweige. Besonders ist für sie die Erforschung der Gärstoffe von der größten Bedeutung geworden. Früher mußte man alles, was mit Gärung zusammenhing, nach der gewöhnlichen Erfahrung be- handeln und geduldig warten, waS daraus werden würde, wäh» rend man es heute in der Hand hat, die sogenannten Fer« mente, die als Erreger der Gärung zu betrachten sind, wie Bakterien in Reinkulturen zu züchten und nach Be« lieben zu verwenden, also eine Gärung einzuleiten, wann und wie man will. Alle Wandlungen der Milch, von der gewöhnlichen sauren Milch znm Kefir. Kumys, Yogurth usw.. und dann zur Butter und zum Käse sind unter diesem Gesichtspunkt studiert worden. Man weiß jetzt, welche Fermente oder auch Batterien dazu mitwirken, diesen verschiedenen Stoffe»» ihre besti»»»ntcu Eigenschaften und hauplsäch- ltch ihren Geschmack zu verleihen. Wie der Landmann nicht ab- wartet, weiche Saat gutwillig auf seinen Feldern aufgehen will, so wählt man auch rn der Meierei sorgfällig die Saat auZ, die durch ihre EntWickelung der N.ilch oder der Sahne zu der gewünsch- ten Umwandlung verhelfen soll. Was zunächst die Butter betrifft. so hat sie bei der gewöhnsicheu Bereitung den Fehler, zu leicht ver- derblich zu sein. Sie in diesem Punkt zu verbefiern, wird die Sahne künstlich angesäuert, aber nur durch die Reinkultur von Fermenten, die eine ganz bestmnnte Wirkung auf das chemische Verholten der Butter ausüben. Andererseits ist eS selbstverständlich wünschenswert, solche Kleinwesen der Butter fernzuhalten oder zu vernichten. Zu diesem Zweck wird die Sahne zuvor durch Erhitzung pasteurisiert und dann schnell auf 30 Grad abgekühlt, worauf die.Aussaat' des Ferments erst beginnt. Die benutzten Fermente bestehen in einer Mischung von DNIchsäuremikroben.' Bei der Käsebereituug ist die Mannigfaltigkeit der Behandlung selbstverstäildlich der Vielheit der Käsesorten entsprechend. Bei jedem Käse sind andere Fermente und Kleinwcsen tätig, um ihm seinen Geschmack»md eine bestimmte Konsistenz, seine Veränderlichkeit oder Widerstandsfähigkeit zu verleihen. Die Fermente, die dabei mitspielen, sind nicht nur Bakterien oder Hefepilze, sondern auch echte Pilze. Unter diesen haben beispielsweise die Schimmel- Pilze von der bekannten Gattung Penicillium(auf deutsch Pinselschimmel) einen besonderen Rang. Ihren Namen haben diese Pilze von den pinselartigen Formen ihrer Fruchtträger. Die meiste Art des Penicillium ist das eigentümliche Ferment des Brie-KäseS, das grüne Penicillium das des Roquefort und Gorgonzola. Durch die künstliche Zucht dieser Fermente ist der Meierei ein austerordentlich großes Feld eröffnet worden, innerhalb deffen sie mit groster Macht- Vollkommenheit herrschen kann. Meteorologisches. � Die Zusammensetzung der oberen Regionen der Atmosphäre. Die verschiedensten Beobachtungen und Experimente lassen es als ziemlich sicher erscheinen, dast der Luft- mantel, der unsere Erde umgibt, durchaus nicht einheitlicher Natur ish sondern daß vielmehr verschieden zusammengesetzte und demgemäß auch verschieden wirkende Schichten konzentrisch überein- ander liegen. Von der Sonne sind ähnliche Erscheinungen ja bereits bekannt, so dast unsere Erde ein sehr bemerkenswertes Gegenstück dazu wäre. Die letzte Rummer der„Geologischen Rundschau" fastt die vorliegenden Beobachtungen und Resultate übersichtlich zusammen. In etwa 10— 11 Kilometer Höhe über der Erde ist der Luftdruck auf ein Viertel gesunken, man hat also dort der Masse nach bereits drei Viertel der gesamten Atmosphäre unter sich. Bis dahiw fällt die Lufttemperatur ständig und zwar um 1 Grad Celsius auf etwa IVO Meter. Ueber elf Kilometer hinaus hält dieses Sinken aber nicht an, sondern, wie die Beobachtungen an Registrierballons ergaben, die Höhen bis zu 29 Kilometer erreichten, herrscht jenseits der 11 Kilometerzone eine fast unver- Luderte Temperatur von— 55 Grad Celsius. Diese 11 Kilometerzone ist nicht nur deshalb so wichtig, weil sie eine untere, dichtere Gaszone von einer oberen, dünneren trennt, sondern es beschränkt sich auch die ganze Zirkulation der Luft auf die untere Zone, die sogenannte Troposphäre, in der sich allein die Wolkenbildung und die wichtigsten meierologischen Vor- gänge abspielen. Die darüber liegende Lustzone übertrifft jene an Dicke ganz bedeutend. Das beweist daS Hinaufreichen der Däm- merungserscheinungen bis etwa 70 Kilometer über den Meeres- spiegel. das in 100— 150 Kilometer erfolgende Glühen der Meteo- riten, da» nur eine Folge des Widerstandes ist. den die Gashülle unserer Erde dem Eindringen dieser Körper entgegensetzt. Endlich kann man die in Höhen von 400—500 Kilometer sich abspielenden obersten Polarlichter nur aus der Annahme erklären, dast selbst in ldseser Entfernung von der Erde noch eine Atmosphäre von ge- äugender Dichte vorhanden ist, um gewisse Strahlen zu absot- bieren. Diese mächtige Lustschicht kann aber nicht von einheitlicher Beschaffenheit sein."Darauf liestcn schon die leuchtenden Nacht- Wolken schliesten, die 18S3 im Gefolge des Ausbruchs des malai- ffchen Vulkans Krakotau entstanden und jahrelang beobachtet wurden. Diese Nachtwolken waren auf die allerfeinsten empor- geschleuderten Aschenteilchen zurückzuführen und hielten merkwür- idigcrwcise immer dieselbe Höhe, nämlich 70 Kilometer, ein, also dieselbe Höhe, bis zu der die Dämmerungterscheinungen hinauf« reichen. Neueren Untersuchungen zufolge vollzieht sich' in der 70 Kilometerzone der Luft ein Wechsel in der Art, dast der Saue» stoff und der Stickstoff von 0—70 Kilometer allmählich abnehmen nnd verschwinden, während der Wasserstoff, der an der Srdober» fläche nur in Spuren vorhanden ist, mit zunehmender Höhe an Be- oeutung geloinnt und schliesslich von 70 Kilometer ab die At- mosphäre im wesentlichen zusammensetzt. Damit dürfte auch der eigentümliche Wasserstoffgehalt der Meteoriten zusammenhängen. An den obersten Schichten der Atmosphäre ist dann mutmasslich«in noch unbekanntes Gas beteiligt, das noch leichter als Wasserstoff ist. Dieses, chemisch allerdings noch nicht nachgewiesene Gas, da» Geocoronium. würde etwa oberhalb LOO Kilometer der vorherrschende Bestandteil der Atmosphäre werden und die bekannte grüne Spektrallinie des Polarlichts erzeugen. El enso dürste diese . tone der Sbauplatz deS Tierkreislichtes sein._ «erantwortl. Redakteur:«lücrt Wach«, Berlin.= Druck«.Veriaq: Schach. Unter Leitung von S. Alapiit. Der neue Spielmodus, unter dem der Match Spiekmann-Slapst» gespielt wird, der das Recht verleiht, während der Partie selbst die jeweiligen Stellungen für sich privatim analytisch zu untersuchen, führt unseres Erachten»— selbst bei der üblichen Bedenkfrist von 45 Zügen in je 8 Stunden— zu Partien, deren Niveau in bezug auf Korrekt« heit und mehr oder weniger spannenden Inhalt ganz bedeutend die Qualität der meisten bisherigen Meisterpartien im Durchschnitt überragt.(E« ist eine bekannte Tatsache, die kein Kenner bestreitet, daß von den mit dem jetzigen BlindlingSmoduS gespielte» Meisterpartien 3—5 Proz. Glanzleistungen und 15—20 Proz. an« ständig sind, während der Rest nur untergeordneten Wert hat.) DaS Zustandekommen von Meisterpartien rst aber ein kostspieliges Vergnügen, das erfahrungsgemäß nur durch Opfer« Willigkeit deS großen Schachpublikums erreicht werden kann. Zu« schauer, Subskribenten, Leser, Prestorgane ic. müssen beitragen� damit eine Meffterveranstaltung abgehalten werden kann. Diesem- Publikum ist eS gleich, ob die Meister blindlings oder durch Analyse am Brett zu ihren fälligen Zügen kommen. Teilweise(in der Eröffnungsphase nämlich) wird ja auch beim üblichen Blindlings» modus„analhsiert'I... Auch die Stellungen der ab« gebrochenen Partien sind ja der Möglichkeit des LnalysierenS unterworfen!... DaS Verbot des LnalysierenS ist also nur eine traditionelle Konvention, dessen Abschaffung für einen denkenden Kenner keineswegs unerhört klingen kann und nur daS groste opferwillige Schachpublikum auf seine Rechnung bringen wird. daS um die Ernnttelungsmethode der Züge sich nicht kümmert. sondern an deren inneren Qualität Befriedigung finden will. Ab« solut tadellose Partien können ja auch bei dem AnalysiermoduS nicht herauskomme«.(Schon wegen der beschränkte» Bedenkfrist.) Aber die Fehler und deren Widerlegung sind sein und versleckt. Dies ist alles, was man von einer Qualitätspartie berechtigt ist z» verlangen. Nachstehend als Beispiel die vierte Matchpartie: Siziltauisch tu der Borderhand. S- Alapin K. Spielmann Weist. Schwarz. 1. c2— et..... Der Sinn dieses wenig übliche» ZugeS besteht darin, beider üblichen Antwort 1...... e6? mit 2. c4 zum.Dammgambit-(3. Matchpartie) unter Vermeidung der Varianten 1. 64, S5: 2.c4,©51? k. oder 1. 64. 65: 2. c4, c6 1 ic. zu gelangen. 1......©7— eö!? Der Textzug führt zur.Sizilia» vischen- Partie mit einem über schüssigcv Tempo. In der gegen» wärtigen Parti« ist eS allerdings«dem Anziehenden nicht gelungen, diese» Tempo zu verwerten. 2. SM— c3 SgS— f6 8.©2—63 67—65 4. 04X65 SföXd5 6. Sgl— f3 Sb8— c6! 6. Ickl— b5..... 6. Db3?, Loßt; 7. DXb77, Sdb4 I j 8. Lb5, Ld7 1 und Schwarz gewinnt mit IbS die Dame. 6...... Sd5Xo3 7. b2Xo3 Lf8— 68 8. 0—-0••••• 8. 64?,©4; 9. 862, Dg5l» 8...... 0— 0 9. 62—64©5X64 10. LkSXdt..... 10. oXd4, Lg4 ic. 10...... Sc6Xd4 11. oSXdt f7-f5 Um©3—©4 zu verhindern. 12. Lb5— elf..... In der 6. Parti«, die Remis wurde, geschah 12. I-a3, um dm gesährtlchm L66 abzutauschen. 12...... 13. Ddl— b3 14. Tfl-el 16. Lei— 62 10. Lb5— 68 17. Tal— bl 17...... a5 event. Lei und tracht. 18. Ld2-b4 19. 64Xo5 20. Tel— cl 21. Db8Xb4 KgS-bS D68—©7 1 c7— c8 b7— b5 Lc8— 67 a7— a6 18, Te2 nebst £2—18 kam in Be- oS— öS Ld6Xc5 Lc5Xb4 De7Xb4 22. TblXb4 Tf8— c8 23. TclXcS..... DieS ist ein zweifelhastes Manöver, da» vorsichtiger durch Tbbl nebst event. a2— a3 ersetzt werden sollte. Man wird aber nachstehend sehen, wie fein und v e r st e ck t die Widerlegung aussteht. 23...... TaSXoS 24. Tb4— 64 L67—©6! 25. T64-68 TcS-clf 26. Ld3-fl Le6— c4I Dieses seine. O d s er eineS Tempos- erzwingt die Ablenkimg de» Xd6 vom Ba6. 27. T66— 68t Le6-g8 28. g2— g4 1..... Aus diese Befreiung rechnete Weist beim Manöver im 23. Zug. 28...... f5Xg4! 29. Kgl— g2 Tcl-al I Sonst folgt Tdfl— c8. 80. 161—68 Tal— dl I 30...... TXaS?! 31 L©4 mit der Doppeldrohmig xXgSf I Oder 1-65 je. 81.©3—©4 gT— gO 82.©4—©6!..... Vesser war 32.©3!,©51; 83. Kg3 jc. mit Remisaussichten. 82.,.•.. Kh8— g7 33. Td8— dTf Kg7— hfl I 84. LdSXbß Lg8-d5tl Nur an diesem Schachgevoi scheitert Weist, der vor 11(1) Zügen (im Zug« Nr. 23) feinen Fehler be« ging. Die» ist versteckt genug I 35. T67XeS 36. Lb5Xa6 87. ä2—©4 88. Kg2— fl 89. LaO—©2 40. Kfl-el 41. Kol-dS 42. Le2— dl 43. Kd2— c2 Aus 43. Ke2 gl— g3. 43...... 44. Kc2— cl 45. a4-a5 46. Ldl—©2 47. Kol— c2 Ausgegeben. TdiXoö Te6Xe5 KUO— g5 Kg5— 14 h7-h6 h5-h4 — g5 i5— döfll gelvilMt 43..... Td3— 64 1 Kf4—©51 «©5-66 Kd6— c5 Td4-f4 l;orwärtSLulhdrüd-c-lu.VelIaghg»>lastxqylSingerchtzo..B§clmS«.''