l\v. 28. Kbcimemknt»-Kcdlngnnzea: Abonnement«-PreiZ pränumerando! Vierteljahrs 330 ffllf., monatl. 1,10 5Rt., wöchentlich 38 Pfg. sret ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag», Nummer mit Uluslrimer SonntagS- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- «lbonnement: 3L0 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZettungS» Preisliste für 1900 unter Bt. 7971. Unter Kreuzband für Deutschlemd und Oesterreich- Ungarn 3 Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Mona». Erscheint»glich rechtigkeit und der Civilisation Protest erheben gegen einen 'chmachvollen Krieg, mit dem das englische Volk nichts zu thun hat. und die Schuldigen zur Strafe ziehen, welche dieses ungeheure Verbrechen begangen haben? Wird das englische Proletariat der Aufgabe ge wachsen sein? Die Zukunft Englands hängt davon ab. »* * Ans dem englischen Unterhaus. Die Besprechung der südafrikanischen Politik der Regierung ist auch am Donnerstag noch nicht zu Ende gekommen. Uebcr den Anfang der Sitzung haben wir bereits in der vorigen Nummer be- richtet' Nach den Worten BalfonrS führte der Oppositionelle Tilke aus: Der gegenwärtige Krieg wird noch schmachvoller geführt als der Krnnkrieg. Den einzigen Trost bildet der persönliche Mut und die Tapferkeit der Offiziere und Mannschaften. Die Regierung ist sich noch jetzt nickt einmal klar über den Ernst de» Kriege« und das Gewicht ihrer Verantwortlichkeit. Ich kann keine Entschnldigung dafür finden, daß die Regierung die Stärke der Boeren unterschätzt und die Haltung des Oranje- Freistaat« falsch beurteilt hat. Die Verantivortlichkeit hierfür fällt nicht auf da» Nachrichtenbnreau, nein, sie muß dem Kabinett zugeschoben werden.(Beifall bei der Opposition.) Der Unter st aatSsekretär de» Kriege» Wyndham verteidigt sodann eingehend die Haltung der Regienmg. Dem britischen Militärsystem seien gewisie Grenzen gezogen. Die Rc- gierung habe sich bemüht, in der Periode tiefen Friedens dieses System zu erweitern. Wenn die Regierung Unrecht damit gethan haben solle, daß sie die Absendung der Truppen verzögerte, o entgegne er, daß er dies in der richtigen Absicht gethan habe. der Diplomatie Zeit zu lassen. Binnen kurzer Zeit würden, ab- gesehen von der achten Division und der vierten Kavallcrie-Brigade, .8OOVV Mann Infanterie. Kavallerie und Artillerie in Südafrika tehen mit 36 Belagerungsgeschützen. 38 Marinegeschützen, 36 fünfzehn« zölligen Haubitzen, 54 Kanonen der reitenden Artillerie und 234 Feld- gcschützen. Er wolle an das Haus die Bitte richten, der Regierung weiter Beistand zu leisten, bannt das System der mi litärischen Verteidigung auf eine gesunde und bessere Grund- läge gestellt werde. Werde der Antrag Fitzmaurice angenommen, o werde das älteste Parlament der Welt dem Gelächter der ganzen Welt preisgegeben.(Beifall.) Der Liberal» Edward Grey, der danach zum Wort kam. gab einige Erklärungen ab. die darauf hinausliefen, daß auch die Liberalen einen Eroberungskrieg in Südafrika billigen. Die Opposition, so führte er anS, könne mit ihrem Tadel für das Vergangene nicht zurückhalten, aber sie sei bereit, der Regierung ihre Unter- st ü tz n» g in der Zukunft zu leihen. Der Antrag solle nicht den Wunsch ausdrücken, daß die Politik der Regierung umgekehrt lverde oder eine Schwächung in der Wcitcrfiihrnng des Krieges ein- trete» solle..Wir sind bereit", fährt Redner fort,„den Krieg bis zum Ende durchzuführen." Balfour hat»ersucht, den Wert der Hilfe, die' wir zu leisten beabsichtigen, hcrabzu- setzen und unS unterstellt, wir beabsichtigten, dem Kriege Einhalt zu thun, sobald die Boeren aus dem britischen Gebiet ver- trieben sind. Diese Annahme ist ungerechtfertigt. Mein Parteigenosse Asquith hat in einer Versamnilung er- klärt,„der Krieg müsse durchgeführt werden, btö die britische Flagge tu Pretoria und Johannesburg gehißt sei". Balfour unterbricht hier den Redner mit den Worten: Wenn dies die Politik der Opposition darstellt, so habe ich nichts daran auS- zusetzen.(Beifall.) Grey fährt fort: Das Hauptziel der Politik, die zu dem Kriege geführt hat, war nicht, die Boeren vom britischen Gebiet zu vertreiben, denn sie befanden sick damals nicht ans demselben. Die Ziele, welche ick erreicht sehen möchte und bei deren Erstrebung ick der Regierung meine äußerste Unterstützung leihen werde, sind hauptsächlich zwei: erstens gleiche Rechte zwischen den Weißen in Südafrika(Beifall) und damit meine ich, daß nie wieder in einem Teile des britische» Machtbereiches eine Lage entstehen soll, bei der einer modernen industriellen Gemein- sckast von einer Minderheit der Fuß auf den Nacken gesetzt wird, die am Vcralieten festhält, vom Vorurteil b cherrscht nnd von der Korruption regiert wird.(Beifall bei den Ministeriellen.) DaS zweite Ziel ist, daß nie wieder in Südafrika ein Arsenal oder eine Ansammlung von Kriegsmaterial unter einer andern Kontrolle als der britischen soll zu stände kommen können. (Lauter Beifall.) Wenn diese Ziele, die erreicht werden müssen, die Ziele der Regienmg sind, wird sie meine Unterstützung haben. Die Regierung hat keinen ungerechten Krieg provoziert; auch ist eS nicht wahr, daß in diesem Kriege die Boeieii-Rcgierung der Kämpfer für die Freiheit sei.— politische Mebevfichk. Berlin, den 2. Februar. Agrarische Stimmungsbilder. Die konservativen und agrarischen Parteiführer sind durch die neuen F l o t t e n p l ä n e in eine überaus schwierige Lage geraten. Sie stehen seit dem vorigen Sommer in Rebellion gegen eine der„Vorlagen des Kaisers"— mm auch gegen die Flotte, der des'Herrschers heißeste Wünsche gelten. zu rebellieren, das wäre zu kühn, zu gefährlich. So hatten sie denn gute Mietie zum Flottenspiel zu machen versucht und waren aus„nattonalen Gründen" für die Flottenforderungen. Aber allmählich regt eS sich in den Kreisen der agrarischen Gefährten, die nicht nach Hofglmst zu fragen haben und ihre Interessen durch eine künstlich gesteigerte industrielle Export- Politik höchlichst gefährdet sehen. Die breiten Schichten der größeren und mittleren Grundbesitzer auf dem Lande, die sonst ihre Interessen in den Händen der Wangenheim. Hahn nnd Oertel wohl aufgehoben glauben und sich nur in den alljährlichen Cirkus- Busch- Vorstellungen mit kräftig dröhnendem Schritt bemerkbar machen, sie be- ginnen sich allgemach zu rühren und die wenig diplomatisch gedrechselte Sprache, die sie führen, dürfte nicht nur den Flottenparteien, sondern vor allem den konservativen„Ver- tretern der Landwirtschaft" arge Verlegenheiten bereiten. Die„Deutsche Tageszeitung" sieht sich gedrängt,„bei der gewaltigen Wichtigkeit und Tragweite der Flottenvorlage" Stimnien aus dem Leserkreise zu veröffentlichen. Die erste derartige Veröffentlichung, ein Arttkel von H. C. Bock zu Gr.-Vrütz in Mecklenburg, ist sehr charakteristtsch für den reichlich angesammelten Marineverdruß der agrarischen Besitzer. Aus dem ersten Stimmungsbild der„D. T." sei einiges festgehalten: „In der Begründung der Flottenvorloge stellt sich die deutsche Reicksregierniig rfus den Standpunkt, daß durch die deutsche Flott« die für die Ernährung des deutschen Volks notwendige Lebens» mitteleinfuhr sichergestellt werden muß, und daß der deutsche See» Handel immer mehr in stettg sich steigerndem Tempo zu einem unentbehrlichen Lieferanten lverde. Wie ein Blitzstrahl erhellt diese Stellungnahme der deutschen Reichsregierung das Dunkel der äugen» blicklichen inneren politischen Lage und stellt die landwirtschaftSfremidlichen Redewendungen einzelner Minister im preußischen Abgeordnctenhause und ini Reichstage in das ihnen gebührende Licht. Bisher wurde die Flottenfrage von der deutschen Reichsregierung vom rein nationalen Standpunkte ans behandelt und fand als nationale Frage von hoher Bedeutung auch in den Kreisen der deutschen Landwirte vielfach Zustimniung. Dadurch aber, daß die dentjche Reichsregierimg beabsichtigt, die Ernährung des deutschen Volks durch die vergrößerte Flotte sicher zu stellen, hat sie die Flottenvorlage ihres nationale« Charakters entkleidet und sie zur wirtschastspolitischen Streit» fra ge von größter Bedeutung gemacht. Was ist den»„nat,onal"? DaS hohe und herrliche Gebäude deS Deutschen Reichs ist erbaut auf dem Grund» st e i ii der deutschen Landwirtschaft. Sie War und ist heute noch bis auf ein geringes die Ernährerin deS deutschen Volks. I» ihr lvnrzclt die deutsche Wehrkraft, die Liebe zur heimatlichen Scholle, zu Fürst und Vaterland. Ist es da national, den bewährten Grundstein unsreS deutschen Reichs zu«nterwiihlr» und die Ernährung de» deutschen Volks durch den deutschen Ackerbode» und die emsige Arbeit des deutschen LandmannS unmöglich zu machen, wie es durch die Handelsverträge geschah? Ist es national, die Ernährung des deutschen Volks den unsicheren und wandelbaren Planken einer deutschen Flotte anzuvertrauen? Mit einet derartigen Begründung der Flottenvorlage hat die deuische Neichsregierung dcu nationale» Boden der- lassen und sich zu einer grund- und uscrlosen Weltpolitik bekannt. National i st beute, init der ganzen Macht diesen Ideen der Regierung entgegenzutreten und zu fardem, daß inirtschaftspolitische Mnßnahnien getroffen iverden. die eine Vcr- rückung deZ Grundsteins uiffres Deutschen NcieliS nnmoglich inachen, bevor an eine weitere Anöschiniickung dcS Gebäudes ge- dacht werden kann. Die technische Möglichkeit, die deutsche bkandwirtschast wieder zur alleinigen Ernährerin des deutschen Volk-Z zu iiiachcii. hat die deutsche Neichslegicrinig durch den Mund des Laiidwirtschafleministers v. Honnnerslcin anerkoiiiil Die Begründung der Floncnvorlage läßt mit Sicherheit daraus schließen, daß die deutsche ReichSregiemng nicht vcabsichtigt. durch tvirischaftliche» Schlitz nnsrer landwirtschnflkicheii Produktion eine derartige Preislage nnsrer landwirtschasilichen Erzeugnisse herbeizuführen, die allein es ermöglichen kann, die denlsche Land- ivirtschast iviedernni zur alleinigen Ernährerin des deutsche» Volks zu mache». Aufgabe der dciitscheu Neichsregierung wäre es gewesen, in der Begründimg der Flottenvorlage in scharfer Weise gegen die von ihr ausgesprochene Ansicht, die Flotte sollte die deutsche Volkoernährung sichern, Siellniig zu nehmen. Hätte sie weiter durch Thaten bewiesen, daß sie die deutsch? Landwirtschaft zur alleinige» Ernährerin des deutschen Volks wiedcnim zu machen gedenkt, ivozn ihr der Fleischbeschnu-Gcsctzeiiiwnrf Gelegenheit bot. s o hätte klch n, it ihr Über die Bewillignitg der Flotten- Vorlage verhandeln lassen; heute erscheint die Zlb- lehnung geboten... Es handelt sich heute nicht mehr um Flotte und L a n d iv i r t s ch a f t, sondern um Flotte oder Landwirt- i ch a f t. Uilser» NeichSbotcn aber rufe ich ein Vicleant cot- sules zu." Ruit ist klar, daß die Flottenopposition auf den Gütern den agrarischen Führern iustcr Umständen auch lvillkommen tvcrden kann. Je mißliebiger der Flottenkult auf dem Lande erscheint, um so höher wächst das„patriotische Verdienst" der Zustimmung zu dein Gesetz und um so nachdrücklicher kann man ans die Regierung drücke», daß sie schon jetzt gehörige Kompensationen für die„Notleidenden" verspreche. Die ländliche Flottengegncrschaft würde aber den Agrariern sofort gefährlich werden, wenn der Reichstag der Flottenvorlage, und wäre es auch nur in der Deckimgsfragc. ernsthafte Schwierigkeiten bereitete. Für das Centrum ins- besondere bietet die Mißstimmung der ländlichen Bevölkerung gegen das Flottcnuwvesen die denkbar günstigste Gelegenheit. wenigstens eine Regelung der Koslcnsrage zu erzwingen, bei der die arbeitenden Klasscii geschont werden. Auf eine Auflösung des Reichstags wird es die Regierung sicherlich nicht a n k o m m e n lassen, denn alsdann würde die Flottenabncignng der ländlichen Bevölkerung einen dicken Strich machen durch alle Marine� hoffnungshcrrlichkeiten, und die„berufenen Führer der Land- Wirtschast", die Konservativen und Bündlcr, würden in eine ganz verteufelt böse Situation geraten.— Ter triumphierende Professor. Im neusten Hefte der„Preußischen Jahrbücher" stellt ihr Heraus- geber, Professor Hans Delbrück, einige lesenswerte Betrachtungen über den Boerenkrieg an. Er ist als Kriegshistoriket nicht zu verachten. und weiß in ganz emkenchiendet Weife auseinander zu setzen, daß die glänzenden, in der Defensive erfochtcnen Siege der Boeren »och nicht die wirkliche Entscheidniig gebracht hätten, die vielmehr davon abhinge, ob die Boeren im entscheidenden Augenblick die Offensive zu ergreifen wüßten. Leider beweist Herr Delbrück in deniselbeit Aufsätze aber auch, wie leicht es in KricgSsachen ist. das richtige ans dem Papier z» finden, und wie schwer, es in der Wirklichkeit' durchzuführen. Statt den Boeren ein leuchtendes Vorbild zu geben, wie iie es machen sollen, begeht er selbst den noch ärgeren taktischen Fehler, mitten in einer siegreich begoimenen Offensive iime zu halten, was im Kriege nur die alleriinsähigsteit Feldherren fertig kriegen. Irgend ein bürgerlicher Verein hat bekanntlich vier Professoren, darunter Herrn Delbrück, und vier söeialdeinökrätische Abgeordnete aufgefordert, vor seinen Schranken über die Flatteiivorlage zu pauken, ein Rcklame- versuch für den Flottenruminel, der, weil er eben dies war. von den Professoren unterstützt, aber von den soeialdemokratischen Abgeordnete» abgelehnt wurde. Dagegen wurde den kainpflnstigeu Professoren in der soeialdemokratischen Presse angedeutet, daß sie mit aller Höf- lichleit und Hochachtung empfangen werden würden, wenn sie in Arbeiterversaiilmlungeil kommen und ihre Flotteiipaukcn halten wollten. Da schnappte» aber die kampflustigen Männer ab und thaten so, als ob sie keine Ohren hätten zu hören, worauf min Herr Delbrück also die Fanfare bläst:„So sehr der„Vorivärts" tobt nnd so sicher die socialdemokratische Fraktion gegen das Flottengesetz stimmen wird, in ihrer Gefolgschaft ist die Stimmung bereits eine ganz andre." Und nachdem Herr Delbrück erzählt hat. daß die Professoren an- genommen, aber die Saeialdemokraten abgelehnt hätten, vor einem bürgerlichen Verein über den Wafferpatriotismns zu diskutieren, fährt er fort:„Der Grund kann gar kein andrer sein, als daß sie ihrer eignen Leute nicht mehr sicher sind. Noch ein paar Jahre weiter mit dieser Politik und der feste Ring der geschloffenen soeialdemokratischen Partei ist gesprengt." Da hat Herr Delbrück aber doch ganz vergessen, was er drei Seiten vorher den Boeren gepredigt hat; wenn er mitten in einer siegreichen Offensive zu sein behauptet, weshalb erstürmt er nicht mit gewaltiger Faust das Lager des innerlich aufgelösten Feindes? Es ist nun schon ein hübscher Erfolg, das Proletariat in wilde Flucht zu Wersen, aber unserm triiimphierenden Professor genügt das nicht; erZ sieht auch die Großindustrie vor seinem Feldherrnauge davonstieben. Er sagt, ohne daß ein Personenivechsel stattgefimden habe, sei ein vollkommener Umschwung eingetreten. Die Social- deinokratie sei wieder leine„vorübergehende Erscheinung" geworden und Herr v. Stumm sei nach Italien gereist, da für die Scharf- macherpolitik keine Aussichten mehr vorhanden seien. Es springt nun in die Augen, daß dieser„Umschwung" seine guten Gründe hat; Herr Delbrück selbst nennt sie. indem er sagt,„offenbar" mache die Flottenvcrmehrnng„eine freundlichere Stimmung der breiteren Volks- massen nötig". Da aber diese profanen Gründe nur die profane Schlußfolgerung zulassen. daß der ganze„Umschwung" keinen Pfifferling wert ist, und die alte Scharfmacherei nach Geuehmigung der Flottenvorlage wieder mit alter Frechheit rumoren wird, so muß Herr Delbrück die historische Bedeutung des„Umschwungs" fester zu ver- ankern suchen. Er schreibt:„Allen Respekt vor nnsrer Großindustrie, aber es ist doch kein schlechtes Zeugnis für das deutsche Volk, daß die Großindustrie mit all' ihren ungeheuren Mitteln vor den Professoren hat weichen müssen. Selten hat sich die Kraft der besten Idee, ohne jede materielle Macht dahinter, so klar bewährt. wie hier." Jeder Leser wird erstaunt fragen: Aber wie so denn? Was denn? Wovon spricht der triumphierende Professor? Uud es ist �wirtlich schwer, �seilte erhabenen Gedankengänge zu erklimmen. Erstens hat der Flottenverein den Schweinburg abgehalftert nnd an dessen Stelle die Professoren als seine Trompeter angenommen; das ist„ein wirkliches Stück deutscher Kulturgeschichte: sobald cs Ernst wurde und rnanT ans Volk wollte, waren die deutschen Professoren, die man anfänglich mit so viel List fern gehalten halte, nicht mehr zu entbehren. ES ist das richtige Sciteustiick zu jener Flucht der Socialdemokraten vor der'öffentlichen Diskussion". In der Thai das nchlige Seilciistiick, denn die Soeialdemokratie giebt sich für die Reklamezivecke der großen Industrie nicht her und überlaßt den deutschen Prosesjoren ven Ehrgeiz, den G alizier Schweniburg bei de» Krupp und Konsorten ansznstcchen. Zweitens aber jagt Herr Delbrück:„Jene entschlofiene Erklärung der 22 Wähler von Eharlotienburg bei dcu letzten Wahlen zum Abgeordnetenhanse. daß sie. obgleich aus�könservativem Bodensiehend, jetzt- liberal wählen müßten, hat doch ihre Wirkung gehabt." Und was sür eine, wenn sie die Großindustrie in den Staub streckt! Nach der' Besiegüng des Proletariats und der Großindustrie bleibt dem triumphierenden Professor nur noch eine Sorge, wie nämlich die Junker zu versöhnen seien. Da er bekanntlich der An- sicht ist, daß zur Erhollung der banlrotten Ostelbier nicht nur die Lebeusmittelzölle nnd die Liebesgaben, sondern auch Tabaks-, Schnaps- und welche Monopole sonst noch notwendig sind, so sieht sein staatsmännischer Blick noch„sehr ernste Auseinandersetzungen" vor sich. Wie schade aber, daß Herr Delbrück seine glorreich? Politik nicht einer Arbeiterversanimlung„anSemaitderjetzen" mag; der lebhafteste Tank sür eine Stunde heiteren Genusses iviirde ihn in das einsame Denkerheim zuriickgeleiten, wo er die schwierizstcu Probleme(nackt, wie der Nußknacker die Nüsse.— * ** Deutsches Reich. Tie Unsittlichkcit„su face". Der Frhr. v. Mirbach scheint zur Zeit der geheime Polizeipräsident von Berlin zu fein. Seine Thätigkeit niiiinit einen unheimlichen Untfang an. Neulich entfernte die Polizei eine Nachbildung von Bocklins„Spiel der Wellen" aus dem Schaufenster einer Krinsthandlung. Jetzt werden die„Alt- studio n" koufiSciert. Wie die„B. Z." berichtet, kam am 30. Januar in ein Kunst- magazin ein Herr nnd bat um Vorlage von Aktstndie». Es wurden ihm„Freilicht", die jedem Künstler bekannten Akte von Profesior Max Koch, der als Historiennialer ja auch in weiteren Kreisen einen Namen hat, soivie der„Kinderakt" von Max Peiser nnd eine Anzahl lveiblicher Akte des„Photographischen K il n st v e r I a g s Bloch i n Wien" vorgelegt. Der Herr wählte ans seder Sammlung je ein Blatt und ging. Am folgenden Tag imu erschien der Kriminalkommissar Damm in Begleitung eines Kriminakponzisten nnd erklärte, daß er die sämtlichen Aktstndien ans Grnnd des§ 184 des Strafgesetzbuchs lVerbreitniig unzüchtiger Schriften und Bilder) mit Beschlag belegen ivolle, cveirtnell eine HauSsuchimg veranstalten würde. Es sei gestern ein Herr hier ge- wesen, der sich nicht als Maler legitimiert nnd gleichwohl die Studien käuflich erhalten hätte. Diese Studien seien nun, soiveit sie Akte su face darstellten, unsittlich und stele» unter den genannten Para- graphen! Der Kriininalkoünnissar beschlagnahmte nün im ganze» illi Studien. Wir nähern»ns nun einer Art SittlichkxitStani. Das- Nackte en face ist danach unsittlich. Das Nackte im Profil scheint vor- läufig nach dem sittlichen Empfinden Mirbachs nicht anstößig zu sein. was aber vielleicht auch nicht das Endgültige ist. Eiiistweilen wird man Museen und Gemäldegalerien, die durchweg en face unsittlich sind, sperren und die Schloßvrücke. die ebenfalls en kaev das Natürliche zur Schau stellt, wegeu Verbreitung unzüchtiger Bilder konfiseiere». Daß Sanssouci, wo die en kace-Unsittlichkeit geradezu Orgien feiert. nnverzllglich mit einer hohen Mauer umgeben werden muß. versteht sich von selbst. Künstler, bildet das Ztackte nur im Profil nach, sonst holt Euch der Mirbach!— Die MaSkeupolemik gegen die neuestdeutsche Weltpolitik Ivird von konservativer Seite sortgesetzt. Als Schießscheibe ivird der britische Imperialismus benutzt. Rief die„Kreuzzeituug" neulich in gewählter Form das agrarische Menetekel den Flottenphantasien zu, so setzt die„Staatsbürger-Zektting" in ihrer ruppigen, antisemitisch verrückten Weise diesen versteckten Kampf gegen den Weltmachtkurs fort. Sie schreibt: „Der politische Dünkel ist eben auch eins von jenen Lastern, ivelche der Jude groß zieht, um es für seine Zwecke benutzen z» können. Die weisen Warner— in Englands Fall ein Gladstone, ein Philosoph wie Herbert Spencer— werden von jüdischen Federn verhöhnt und verketzert. Und da Inda ja zur Zeit die Presse der gesamten Welt bereits so ziemlich in Alleinbesitz genommen hat. so ist es ihm ein leichtes, auch die Gedankemvelt und die politischen Strömungen in aller Welt zu beherrschen. Die Völker gegeneinander Hetze», wie Graf Moltke sagte, das ist die stete Aufgabe, die sich diese grosi- und intcrnational-kapitalistische Judcupreffc gestellt hat. Und dazu dient ihr der natürliche Patriotismus dieser Völker, den sie vergiftet nndzum„Imperialismus". wie ersetzt in England herrscht, entarte» muß. Es war dieser Imperialismus, den die Ehamberlain, Beltund RhodeS benutzten, um England in den heillosen Boerenkrieg zu verwickeln.„Die Welt gehört ja England. also auch Afrika. Wir bringen den Völkern die Kultur, die Freiheit, den Ver- kehr, folglich haben wir«in Recht, das Recht andrer Völker mit Füßen zu treten!" An diesem Wahn sind noch alle Weltreiche zu Grunde gegangen: Rom und Spanien, und England wird ihnen folgen." ES wird die christgermaiiischen Flottenagitatoreu, die sür die Verbreitung dieses Wahns angestellt sind, interessiereil, daß sie Juden sind. Die lviarinevorlage. die Weltpolitik, die Völkcrvcrhctzuiig. wie sie unsere Alldeutschen anläßlich der Beschlagnahme deutscher Schiffe betrieben— alles jüdische Erfindungen. Wir stellen fest, daß die Führer der Antisemite» total verjudet sind, weil sie im Marine- galopp und Ehauvinistcntaumel vorantanzen.— Die„Porlage dcS Kaisers". Der Gedaule an die Kriegs- flotte„ersten Ranges" begleitet den Kaiser bei allen scincn Bc- thätigungen. Auch in der Danlsagung des Kaisers auf die ihm zu- gesandten GeburtStagsglücknnin'ckie venierkt der Kaiser: „Mit besonderer Besrici.guug bin ich in den Kimdgebungcn dem Verständnis für die dringende Notwendigkeit begegnet, eine der Wellstellimg des Deutschen Reichs und seinen Handels- interefsen entsprechende Flott« zu schaffen, und habe ich die viel- fackien Versicherungen treuer Mitarbeit an dieser großen nationalen Aufgabe mit herzlicher Freude entgegengenommen." Der frühere Erzieher deS Sitser», der jetzt ans Frankreich ausgewiesene frühere Hauptmaim Gidney O'Danne. der iu Berlin unter dem Namen S. O. D.». Schiverin ein Vcrlagsgeschäst eröffnet hatte und von Allgestellten der Kautiousschwindelei bezichtigt wird, hat dem Berliner Polizeipräsidenten von Köln aus mit- geteilt, daß er sich der Behörde zur Versiigmig stelle und in Berlin eintreffen werde. Ter Trinkspruch de» ErzbtschofS von Köln wird jetzt in der„Köln. VolkSztg." in authentischer Form veröffentlicht. Danach ist in diesem Trinkspruch mit keiner Silbe von der Flotte die Rede, und es hat sich die in Essen erscheinende„Rhein.-Wests. Zeitnug" mithin durch die Verbreitung einer andern Version nur eineii Scherz erlaubt.— Bremen, 1. Februar.(Eig. Ber.) Die Bürgerschaft beriet gestern die Borlage betreffend Einrichtung eines Hafcninspektorats, die ihren Ursprung einem Antrage imserer soeialdemokratischen Vertreter verdankt. Uiifcre Genoffen E b e r t und Voigt, welch letzterer selber lange Jahre Hafenarbeiter war, begründeten nnsre Forde- rungen. Der socialdemokratische Antrag, die Verbindung des Jnspeknonsointes mit einem andern Amte abzulehnen, fand keine Annahme. Es wird also ein im AuSlvanderungSwesen thätiger Be- amter die Funktion deS Hafeninspektors nebenamtlich zu erledigen haben. Abgelehnt wurde ferner der Antrag, die Inspektion aus die Häsen von Bremerhaven auszudehnen. Annahme fand aber der socialdemokratische Antrag, die Funktion des Hasciiiuspektors über die in der Vorlage vor- gesehenen Gevieie hinaus auf sämtliche dem Lösch- und Lade- rerkehr oirnenden Slroinflächen der städtischen Weser auszudehnen. Außer dieser wichligen Verbesserung der Vorlage gelang es nnsern Genossen, den iveiteren Antrag zur Annahme zu bringen, daß der Haseniiffpeltor dem Jahresbericht über jeiiis Thäligkeu einen Bericht über die Arbeits- nnd Lohnverhältnisje der im Hasendetrieb be- ichästiglen Arbeiter anfügen solle. Bei der Beratung über das Slraßenbau-Budget stellte Genosse R h e l n den Antrag, der Senat solle die Baudepuiation beauftragen, bei Vergebung der Arbeiten den Unternehmern die Be- dingung nnfzucrlcgen, daß beim Straßenbau in erster Linie Ar- beiler beschäftigt iverden sollen, die im bremischen Staatsgebiet ansäßig sind und ferner den. beim Straßenbau beschästigleii Arbeitern daS Koalition s r.e ch t g e w a h r h werde. Tie Sttoßeitvan-llnlernehmer suchen nämlich die Organisation der Pflastcrarbeiler zu sprengen, indem sie uiiorganisierte Arbeiter auS den ländlichen Gebieten heranziehen. Der Führer der liberalen Gruppe stichle die Äbiielgnng gegen den soeialdemokratischen Antrag mit formalen Gründen zu decken. Als dann aber unsre Vertreter den Liberalen ans den Zahn siihllen. indem sie den Antrag in der stilistischen Fassung den Wünsch««, der. Gegner gemäß abänderten. lehnlen die Libetälen denselben trotzdem, ab. Nur ein paar Mann aus ihren Reihen erhoben sich für die Forderung, daß es den Arbeitern seitens der llnternehnicr nicht verböte» werden dürfe, sich zu koalieren. So ist des Freisinns wahres Gefühl!— DaS Versammlungsrecht in freisinnigen Händen. In Zaborze iOberichlesien) veranstaltete der Ortsverband der Husch- Dunckerschen Gewerkvereine eine öffentliche Versammlung, in der der freisinnige Redactenr Harschlamp aus Kattowitz referierte. Bevor der Referent aber zu Wort kam, verlangte, nach dem„Oberschlesischen Tageblatt"(dem Organ des Herrn'Harfchkamp), der überwachende Poiizeibeantte die'„Entfernung cincS bekannten Mitglieds der soeialdemokratischen Partei, welches, wie der Beamte erklärte, sich an dem Kaiscrhoch nicht in gc- bührendcr Weise beteiligt habe." D e m V erlange n wurde stattgegeben. Redactenr Harschkamp aber sprach sein Bedauern darüber ans, da er gern eine Diskusston mit dem Socialdemokraten gesehen hätte. Warum läßt sich denn der tapfere Freisnmsmann dieses völlig ungerechtfertigte Eingreifen des PolizeibeoMkei, gefallen? Kennt er das Veriamnillillgsrechl so wenig oder hatte cr nicht den Mut, dem Polizeibeamten eiitgegenznireten? Ucbcr die Zulassung von Ausländern zur Eheschließung in P r e u ß e n ist nachstehender genieinsamer Erlaß deS Justizministers und des Ministers des Innern ergangen: „Bei den Standesbeamten scheint vielfach die Meinung erweckt worden zu sein, daß sie nach Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetz- bnchS Ausländer nur dann zur Eheschließung zulassen dürften, ivenn sie ihrerseits die Erfordernisse der Eheschliestimg nach dem HeimatS- rechte der Ausländer bis ins Einzelne geprüft nnd festgestellt hatten. Demgegenüber bemerken wir, daß der Artikel 43 des Aiisführnitgs- gesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch im§ 1 und den hieraus sich beziehenden Vorschriften in KZ 3 und 4 den Zweck oerfolgt, den Standesbeamten jene für sie mit großen, kaum überwindbaren Schivierigkeiten verbundene Prüfung lhunlichst abzunehmen. Betreffs des ausländische» Rechts iverden die Stänoesbeamleu sich daher im allgemeinen mit den dort vorgeschriebenen Zeugnissen oder Befrei- ungeu begnügen dürfen." Der Agrarier Sorge für die VolkSgcsundhcit. Die„All- gemeine Fleischerzeitung" erhebt schwere Anklagen gegen die „Schläcbterei vereinigter La n d Wirte" in Rosenberg, deren Fleischbeschau eine fahrlässige und den gesetzlichen Vorschriften nicht genügende sein soll. Die Produktivität der Landwirtschaft. Zu den thörichtsten und zugleich socialpolitisch gefährlichsten Spekulationen einer irregeleiteten Vernunft gehören die Phantasien über die allzu starke Vermehrung der Bevölkerung nnd die relative Ilnzulänglichteit der Lebensmittel. In einer akademischeii Ansprache zur„Jahrhundertwende" hat Prof. M a r D e l b r ll ck. der Rektor der Landwirlschaftlichen Hochschule zu Berlin, wie wir schon neulich erivähnten, interessante Anssührungeii über die Produktivität der Landwirtschaft gemacht. Delbrück ist Schutzzöllner. Agrarier nnd seltsamerweise. wenn auch nur in einer jäh augeflickten Schlnßwendung. zngleicki Weltpolitiker— seine politiscken Bemerkungeu haben für uns keinen Wert, zumal sie keiueSivegS durch seine technischen Ansichten begründet sind. Aber seine rein lechiiischen Darlegungen verdienen Beachtung: sie seien daher»ach dem Bericht der„Preußischen Jahr- bücker" auszugsweise wiedergegeben. ' Delbrück'schildert zunächst die technische Enlivicklnng der Landwirtschaft im 10. Jahrhundert. „Wenn man die Geschichte eilizeliier Gutswirtschaften heranzieht, so ist es kein Zweifel, daß die Erzeugung-von Getreide ans dem Morgen sich t» diesen 100 Jahren verdoppelt hat. Diese Verdoppelung ist nicht erzielt durch eine Vergrößerung der Anbau- stäche, sondern durch verbesserte Kultur. Gewiß soll die Neu- knltivierung von Grund und Boden, die Herbeiziehnng der Moor- kultur nicht gering angeschlagen werden, aber der eigentliche Erfolg liegt in den Verbelseriingeii der KultUrinethodeN selbst. Zu dieser Mehrprodultion in Körnerfrüchten ist hmzujurechnen die ganze Ernte nnsrer Hackfrüchte, wenigstens derjenigen, die die Hauptmasse ausmachen— der Kartoffeln luid der Zuckerrücken. Ihr Anbau bis zur jetzigeil»ngehcurcii Ansdehitung konnte ermöglicht iverden ohne eine lvesentliche Verringerung des Areals für Körner- bau, denn ihnen fielen zu die Flächen, welche durch die lieber- windniig der Brachwirtschaft frei wnrdcit.■ Hierin liegt die liitgeheure Bedeutung des Haafrüchlbaues. denn wenn man die Trockensulisianz. Ivelche durch ihre Ernte dem Felde abgerungen wird, vergleicht mit_ der Menge des Stoffe", welche der Getreide- Anbau liefert, so find die Gummen fast gleich. Getreidebau und Hackfruchtbau liefern die gleiche Summe an Näbrsubstanz. Hat die Körnerernie sich ver- doppelt, wird hmziigesügt der Hacksruchtbmr. ein. reiner Zuwachs und in der Snbstaiizntenge der Kvrnexerme gleich, beide zusammen die Hauptmaste des Pflanzenbaues darstellend, so ist daS Ergebnis: die' landwirtschaftliche Produktion im Pflanzenbau hat sich im vergailgenc» Jahrhundert vervierfacht. Aehnlich große Erfolge sind aus dem Gebiete der Tierproduttion zii� verzeichnen. Nach den Zählmtgcn. welche vorliegen, Hai sich der Pferde- bestand in Preußen von 1,5 Millionen ans'2,8 Millionen gehoben. Der Rindviehbestand ist von 5,3 auf 10,5, der Schweinebestand von 2 auf 9,4 Millionen Stück gestiegen. Welches sind.> tun die Mittel ge- ivesen, die zu diesem großartigen Erfolg sührten? Die Arbeitskraft ist vermehrt, die Volközahl ist gewachsen. Zugvieh stand in größerer Zahl zur Verfügung. Maschineulraft wurde durch die Dampferzeugimg mittels Kohlen bereitgestellt. Vor allen Dingen ist aber die Kraft- ausmitzutig gewechselt durch die Anwendung ausgezeichneter Ar- b e i t s ni a s ch i n e u. Ihnen gesellte sich zur'Hilfe die fortschreitende Natnrtvissenschaft, die Schaffung der Agrikullnrchemte. Den Erfolg ans diesem Gebiete danken wir dein praktischen Landwirt wie dem Gelehrten.' Die Erfolge der Rübenzucker-Jndlistrie liegen nicht bloß in der großen Ausdehnung des fabrikmäßigen Betriebes, sie sind ebenso sehr in seiner chemisch-technischen Durckarbeitnng, in der in Verbindung mit der Landwirtschaft erfolgreich erstrebten Verbesserung der Rübenkultur zu suchen. Die Landwirtschaft gewann vom Hektar steigende Mengen Rüben mit steigendem Zuckergehakt. Der Industrie gelang eS ans diesen Rüben den Zucker immer vollständiger heraus- zuholen. 100 Kilogramm Rüben lieferten an Kilogramm Rohzucker: 1875/80..... 8,1-9,2 1880 35..... 8,8—10,8 1890/95...... 12,0—12,4 Vom Hektar mit Rüben beftellter Ackerfläche ivurden gewonnen: 1873/77.... 22 Doppclcentncr Rohzucker 1888/92.... 36„„ 1897/98.... 39 Was wird in dem neuen Jahrhundert werden? Es steht linier dem Zeichen der Bolksvctmchrmig. Im 19, Jahrhundert hat stch die Sccienzahl des deutschen Volkes, nach dem Umfange seines jetzigen Gebietes berechnet, von einigen 20 Millionen auf 56 Millionen geHeben, d. h,»»ehr als verdoppelt, sost verdlcifacht, Wird diese Vermehrung, welche jährli-ch über 1 Proz beträgt, im neuen Jahrhundert anhalten V Rtan wird es kaum annehmen dürfen; aber wenn wir wissen, dasz ivix zur Zeit jährlich um 800000 Personen wachsen, datz alsbald die jährliche Zunahme 1 Million Seelen überschreiten wird, dann wird man kaum fehlen, die Bolksznnahme iin neuen Jahrhundert auf eine Verdoppelung zu schätzen. In, 19. Jahrhundert hat die landivirtschaftliche Produktion bei iveitem stärker zugenommen als die Volkszahl. Kann die landwirsschastliche Produtiion noch einmal verdoppelt werden? Ich nehme keinen Anstand, diese Frage ohne Iv eitere S zu bejahen. Die großen Fort- schritte der Landwirtschast liegen ja gar nicht weit zurück. In dem letzten Jahrzehnt ist die Erzeugung des Roggens um 19 Proz, bei Weizen„ 10„ „ Geilte„ 3„ Kartoffeln 25„ gestiegen. Pflanzenzüchtung, Sortentvahl, Kultur und Düngung haben an diesem Resultat gleichen Anteil, bei Roggen stärker als bei Weizen, weil die Hockchultur auf Roggen- Anbaugcbicte später sich übertragen hat, bei Gerste eine geringere Zunahme, weil hier weniger die Quantität als Qualität ins Auge gefaßt wird, bei Kartoffeln � ein unmittelbarer Erfolg der Verbreitung ertragreicher widerstaudssähiger Sorten. Aber ist die Zunahme-des letzten Jahrzehnts nicht mehr auf zu- fällige klimatische Umstände zurückzuführen? Das ivird schwer zu entscheiden sein, aber die Möglichkeit dcS Fortschritts köimen wir aus den Hektarerträgen entnehmen. Die hohen Ernten der letzten Jahre zu Grunde gelegt, entnehmen wir vom Morgen an Roggen nur 5,9, an Weizen 7,5. an Gerste 6,85, an Kartoffeln 49,9 Centner in, Durchschmtt. Sind dos Erträge, wie sie aus hoch- kultivierten Gütern erreicht werden? Sind das Erträge, wie sie auch nur aus guten Wirtschaften des Saudbodens befriedigen? Ich wage es auszusprechen. daß für die Körnerfrüchte im Durchschnitt eine Verdoppelung der Erträge in Aussicht /gestellt werden kann und muß und daß eine V c r- d r e i f a ch ti n g der K a r t o f f e I e r t r ä g e keineswegs außer dem .Bereich der Möglichkeit liegt. Vorrat an Kali und Phosphorjäure Haben wir im eigne» Laude und soweit der Stickstoff aus der Ein« fuhr an Salpeter nicht geliefert werden kann, ivird er mit Sicherheit bereit gestellt werden durch Ausnutzung der Stickstoff sammelnden 'Eigenschaften der Pflanzen, durch die Kunst der Konservierung des Stickstoffs im Diiiigcr, welche, sagen wir es gerade heraus, noch in den Kinderschuhen steckt. Das 20, Jahrhundert wird das Jahr- h u n d e r t d e r A g r i k u I t u r- B a k t e r i o l o g i e sein, aus ihr tvird die Düngekraft gewonnen werden, welche zur Verdoppelung der Erträge führen ivird. Ausland. Die Anarchisten-„Beg»adigu>«g Aus Madrid wird uns über die Behandlung der Begnadigung»- angelegenhcit im spanischen Parlament folgendermaßen berichtet: Im Abgeordnetenhaus fragte der republikanische Abgeordnete L l e t g e t/e Millionen Kronen für den Verzicht auf ihre Steuer- freiheit, min sollen sie wieder fast steuerfrei werden, ohne jencS Geld zurückzuzahlen. Auch der Minister Hörring erklärte, er könne den Antrag der Linken nicht annehmen.. Trotzdem wurden die Anträge unsrer Partei abgelehnt, und der Antrag der Majorität, da die ganze Linke— die Baucrn- vertrcter— dafür stimmten, angenöitzmcn. Die dritte Beratung wird an dem Resultat wenig ändern.— Rußland. Petersburg, 2. Februar. In dem Abschluß der persischen fünfprozentigcn Goldaulcihe für P e r s i e n erblickt der„Swet" einen weitere» Schritt des russischen Bordringens nach den» Indischen O c e a n und einen Beweis für das Wachstum der Finauzkraft Rußlands. Daß Rußland im slande sei, so teure und auSgedchntc Kombinationen zu realisieren, das ver- danke eS der Energie und dem staatSmännischen Geschick dcS Finanz- Ministers Witte.— Aegypten. Unsichere Haltung der englischen Truppen im Sudan. Aus London toird gemeldet, die Nachricht, daß Truppen iu Lmdurman gemeutert hätten, sei unzutreffend. Das Gerücht sei auf die ThatsaÄe zurückzuführen, daß zwei Bataillone den Befehl ans Zurückziehung der scharfen Patronen, weil sie darin den Ausdruck des Mißtrauens erblickte», unwillig aufnahmen, ohne sich jedoch der Ausführung des Befehls thätlich zu widersetzen. Sonst sei nicht» vorgckomiiicn. was die Disziplin der Garnison berühre. Die direkt ans Aegypten kommenden Ngchrichtcn kauten dagegen ganz anders. Aus Kairo ivird vom Freitag gemeldet: Die öffent- liche Meinung beschäftigt sich lebhaft mit der wachsenden ll n- z u f r i e d e i! h e i t in der ä g y p t i sch c n Armee. Diese beklagt sich über die Mißhandlungen von s?iten der englischen Offiziere sowie über die heimlichen Send�ungen von ägyptischen T ru p p e n und Kriegsmaterial»ach S ü d a f r i ka, Ivos mit der Neutralität Aegyptens in Widerspruch stehe. Die englische Regierung. welche bezüglich der Haltung der schwarzen Truppen in Unruhe ist, ersuchte den Khedive um seine Vermittelung: dieser forderte brieflich zum Gehorsam auf. Trotzdem ist man weiter sehr bcjorgt. Von europäischen Truppen ist Aegypten fast ganz entblößt. Dcrvkei-Lterfzvtrkztcn» Partei-Geschäfte. Am 1. Februar schied Genosse Bigge» aus der GeschäftSleitung der„Rheinisch-Westfälischen Arbeiter-Zeitnng aus und an seine Stelle trat Genosse Ade-Dresden. AuS Ungarn. Als Vertreter der Arbeiter bei dem neu» gegründeten staatlichen Arbcitsvcrmittluugsamte wurden von den Vorständen der 39 Bndapcstcr Krankenkassen die Genossen Georg Gogolya, Stefan Farkas und Andreas Saly gewählt. ' In der sächsischen Gemeinde Höltöväny bei Brassa wurden nur Socialdemokraten in die Leitung des dortigen Jndustrievereins gewählt. Dies ist der erste Sieg, den die ungrische Sociakdemokratie in einer sächsischen Gemeinde errungen hat. lieber die amerikanischen Parteiverhältnifse wird uns ge- schrieben: In den Verhältnissen der s o c i a ki st i s ch e n Fraktionen hat sich seit der letzten Wahl wenig geändert. Die Original-Fraktion der„Socialistischen Arbeiterpartei" wächst mit jedem Tage, während die Sanial-De Leonsche Fraktion, soweit die Urabstimmungen einen Maßstab abgeben und auch nach sonstigen Anzeichen, immer mehr zusammenschrumpft. Als von feiten dieser letzteren Fraktion im letzten Spätsommer eine Urabstimmung betreffs der Frage. ob eine Spccial-Konvcntion abgehalten werden solle, ausgeschrieben worden war, befanden sich die vielen kleinen Sektionen� im Lande noch ganz im Banne der alten National-Exekutivc, und dieselbe konnte mit 148 Scltionen, welche 2849 Stimmen abgegeben hatten, auf- marschieren. Das hat sich mm offenbar stark geändert. Denn eine kürzlich stattgefmideiie Urabstimmung über den Sitz ihrer höchsten Behörde, dcS„Board ok Appeals"(Berufnngs-Aints) ergab nach der Veröffentlichung ihres eigenen offiziellen Blattes, des„Pcople", mir ein Votum von 1499, und von der Aufführung der einzelnen Sektionen ist gar nicht mehr die Rede; nur das Gesamtvotum wird angeführt: sicherlich aus guten Gründe». Die„Socialistische Arbeiterpartei", Original-Fraktion, zn welcher, abgesehen von den bedcntcndcrcn englischen Blättern, die„Rem Dorker Volkszeitung", das„Phitadelphiacr Tageblatt" und andre gehören, hält nun ihre National-Konvention vom Sonnabend, Zden 27. Januar, an im Stadtverordnctcn-Saale( Keitzttuis erlangt hatte. DaS Zeugnis des vr. med. Griebel in Neustadt i. H.. wo- hin das Kmd inzwischen gebracht worden war, stellte fest, daß nicht eine Spur von Mißhandlungen und Körperverletzungen an dem Mädchen wnhrzunehmeu waren! lind das fünf Tage. nachdem man c-Z mit Blutunterlanfimgen und Hantabschürfnngcil gesehen haben will! Im Urteil ivird aber von diesen» ärztlichen, in der Verhandlmig verlesenen Zeugnis kein Wort erwähnt! Auch kein Wort von der Beknudnng des Ehemanns. daß er und nicht seine Fron daSÄind an dem betreffenden Abend geschlagen habe. Auch kein Wort davon im Urteil, ob der Abend, den die Belastungszeugen meine», identisch mit dem, den der Ehemann meint. Ucbcr die Zeil der Ereignisse macht sich daS Urteil überhaupt keine Sorgen. Nun treten einzelne Belastungszeugen auf. Ein IZjährigeS Mädchen,„das bei dein Vorfall mithdem Milchjungen dabei gewesen ist",„widerlegt" die Behauptungen der Angeklagten, daß die Ver- letzungen(iveiche? von wann?) von Schlägen herrühren. die ihre Tochter von einen, Milchjnngen mit der Milchkanne bekommen. Diese 13jährige Zeugin ivill durch das Fenster der zu ebner Erde gelegenen Wohnung gesehen haben, ivie die Angeklagte „vor vier Wochen" das Kind in den Leib getreten habe. Der Ehemann konstatiert sofort, daß„vor vier Wochen" seine Frau an einer schweren Entbindung krank in, Bett gelegen hat und auch Wochen vor- und nachher nicht im stände ge» gewesen sei, das Kind mit dem Fuße in: den Leib zu treten. Auch davon kein Wort im Urteil! Dann hat ein Zeuge Sch. auch durch das Fenster gesehen, wie i Komödie verblüfft, einaeschllchtert und in Bestürzung die Angeklagte daS Kind mit dem Feuerhaken geschlagen habe. Der Zeit erinnert er sich nicht mehr genau. Dieser Zeuge hat ferner ge- sehen, daß die Angeklagte„früher" das Kind mit Fiitzeil getreten und mit der Fanst ms Gesicht geschlagen hat. Und eine dritte Zeugin bekundet, daß ihr das Kind von Miß- Handlungen erzählt habe. Damit ist der BclastungsbeNieis erledigt. Ueber den Eni- lastungSbeweis enthält das Urteil folgendes: »Die Entlastungszengen der An'gcUagten haben die auf positiven Bekundungen der übrigen Zeugen getroffenen Feslstellungeu nicht zu erschüttern vermocht. Mögen sie auch bei ihreinfhäufigen Aufenthalt in der Wohnung der Angeklagten von Mißhandlungen der Viola nichts bemerkt haben und vielmehr wahrgenommen haben, daß..... die Angeklagte dem Kinde gegenüber freundlich war, so ist nicht aus- Woche jubelnd berichtet geschlossen, daß in ihrer Ablvcsenhcit die Mißhandlungen vorgekommen wäre auf 14 bis 16 000 versetzt werden; die Hoffnung, die Gcwerke würden sich nachgiebiger erweisen, wurde just zu dem Zwecke genährt, um den Arbeitern durch diese grausame Enttäuschung den Kampfesmut zu nehmen. Der Plan der Ausbeuter war freilich so verflucht gescheidt, daß er herzlich dinnm ausgefallen ist. Nicht B e st ü r z u n g. sondern Erbitterung ist das Gefühl, das die Arbeiter angesichts dieser höhnenden Erklärung erfaßt hat, und von Unterwerfung ist heute noch weniger die Rede als es seit dem ersten Tage dieses ge- wältigen Ringens der Fall ivar. Der Streik versumpft nicht, sondem er wird immer fester und umfassender. Die offiziellen Schätzungen, die gewiß nicht zn Gunsten der Arbeiter angestellt werden, geben heute die Zahl der Streikenden allein im Ostraüer Revier auf 30000 Menschen an, wogegen vorige wurde, die Zahl der Streikenden zusammengesunken. Mit der Größe sind. Die Beweisaufnahme hat ergeben, daß die Angeklagte die und Daner des Streiks wächst aber auch die wirtschafte Mißhandlungen meistens vornahm, wenn sie sich unbeobachtet liche Gefahr seiner Folge- Erscheinungen inS Ungemesscne. glaubte." Die ganze ö st reich i's che Industrie st cht heute Das ist alles; kein Wort mehr, kein Wort weniger. Dabeiist vor einer ungeheuren Krisis; wenn sich die Regienmg unter andern� Zeugen, die im Hause KauffmannS ans- und eingingen, aus ihrem halbpassiven„Vermitteln" nicht zu einer wirklichen That ein Dienstmädchen vernommen ivordcn, das>/« Jahr bei ihm in I aufrafft, die die habsüchtigen Unternehmer gründlich an die Wand Stellung war und nichts von Mißhandlungen oder Spuren derselben drückt. so können die Wirkungen dieses Streiks auf das gesamte bemerkt hat. Auch dessen Aussagen sind in den Bemerkungen über Schaffen wahrhaft verwüstend werden. So riesenhafte Unter- den Entlastungsbeweis mit inbegriffen. Das angeblich mißhandelte nehmungen wie die Eisenwerke der Prager Eisenindustrie-Gesellschaft Kind, ein Mädchen von 3 Jahren, hat auf die Vorstellungen des| und das große Witkowitzer Eisenwerk haben ihren Betrieb schon auf Vorsitzenden die Aussagen venveigert. Dagegen hat es sich dem! Vormunde gegenüber geäußert. Der Angeklagten ist nämlich auf Grund der eingereichten Denunziation das Erziehungsrecht über das Kind entzogen und diesem von Amts wegen ein Vormund bestellt worden. Dieser äußert sich in einem vom 22. Januar d. I. aus Neustadt i. H. datierten Briefe:....... «Da ich die ganze Verhandlung in Stade gehört habe und hinwerfen Viola gar nicht in Anspruch gekornmen ist. und ich doch deshalb Menschen, da gewesen bin, so habe ich Viola vorgenommen und habe sie gefragt, ob das wahr sei, was die Leute da ausgesagt haben. Da hat sie mir zur Antwort gegeben, es sei alles die Un Wahrheit. Ob ihre Mutter sie mit dem Fuße in den Leib gestoßen habe, sagte sie nein. 2. Ob ihre Mutter ihr in die Backe gekniffen habe und mit der andern geballten Hand gestoßen habe, sagte sie auch nein. 3. Ob ihr das Gesicht rmmcr gelb, grün, blau und mit Blut unterlaufen gewesen ist, sagte sie auch nein in Gegemvart von Zeugen. Folglich muß die Lehrerin, wo sie zur Schule gegangen ist, es doch wissen, ob sie jemals so zur Schule gekommen ist." Schließlich sei noch bemerkt, daß daS angeblich lebensgefährlich mißhandelte Kind niemals die Schule versäumt hat und daß es vor Zeugen erklärt hat, lieber bei Papa und Mama sein zu wollen, als an seinem jetzigen Aufenthaltsort. Das also soll die Strafe von einem Jahre Gefängnis recht fertigen, eine Strafe, die selbst bei schwerste n Uebcrschrcitnngen des Züchtigungsrechts in dieser Höhe nur selten verhängt wird; die Schwester Carola, deren pädagogisches Opfer alle die Prügel male an seinem Körper zeigte, die das Kind Viola nach ärzt lichem Zeugnis_ nicht gezeigt hat, wurde ja sogar freigesprochen. Es kann für einen Unbefangenen keinem Zweifel unterliegen, daß hier ein Urteil gefällt worden ist, das durch vie schriftlich vorliegende Begründung in keiner Weise gerechtfertigt wird. Wie erklärt sich das Urteil? Die Verurteilte ist die Ehefrau eines Redacteurs deS„Harbiirgcr Volksblattes". daS sich die Kritik an allen öffentlichen Mißständen mit anerkennenswertem Gifer angelegen sein läßt und sich dadurch den wütendsten Haß aller Ordnungshüter der Gegend zugezogen hat. Die auf einem außerordentlich niedrigen Niveau stehende bilrger liche Presse der Gegend hetzt in der borniertesten Weise durch Verbreitung von Klatschgeschichten gegen die leitenden Personen der Socialdemokratie Harburgs. An der Denunziation ist ein Wert führ« beteiligt, gegen den die Arbeiter mehrfache Beschwerden wegen schlechter Behandlung in der Fabrik im„Volksblatt" ver- öffentlichten. Dieser Mann fungierte auch als H a n p t b e l a st u n g S- zeuge. Solche Umstände sollten zwar im„Rechtsstaate" nicht ausreichen zur Erklärung eines harten Urteils. Leider lehrt die Erfahrung, daß sie dennoch ausreichen können. Die Presse unsrcs„liberalen BürgertumS, das sich noch immer an der Phrase vom RcchtSftaate be- rauscht, thäte wirklich im eignen wohlverstandenen Interesse weit besser, aus solchen Urteilen den Anlaß zu schöpfen, für eine Ver- besierung seiner Rechtspflege einzutreten, anstatt auS solchem Anlaß in blöder Weise über die Socialdemokratie herzufallen. Verfehlungen, die in unfern Reihen geschehen, verurteilen wir mit ebenso großer und größerer Schärfe, als ivenn sie in andern Kreisen begangen tverden. Hier aber handelt es sich um ein Urteil, das uns in allen wesentlichen Punkten der Begründung zn entbehren scheint. In Magdeburg hat das Gericht die Kriminalität der„Zeitung entdeckt. Sollten auch in diesem Fall die Sünden der Zeitung der � Angeklagten mit angerechnet sein? Die Vermutung ist nicht ganz abzuwehren, weil der Staatsanwalt in diesem Prozeß es für nötig gehalten hatte, den Ehemann der Angeklagten darauf aufmerksam zu machen, daß er künftig wohl vor seiner eignen Thür kehren werde! das geringste Maß reduziert und stehen unmittelbar vor der Ein stellung. Und all diese Schädigungen und Vernichtungen des wirb schastlichen Lebens muß die Gesellschaft über sich ergehen lassen weil eine Handvoll Ausbeuter auf ihren Shylockschei» des„Privab eigentumS" hartnäckig pocht I Die Einzigen und ihr Eigen- tum. sie sind es, die hier der Gesellschaft ihren Fehdehandschuh und hohnvoll über alle Bedürfnisse der arbeitenden über alle Interessen des wirtschaftlichen Lebens triumphieren! Welchen Wahnsinn zeitigt doch diese kapitalistische Ordnung! GemevkpchKftliches. Verli» und ttuigcgcud. Zur Aussperrung der Formstecher. Abermalige Vcrhand- lungcii zwischen den Arbeitern und Unternehmern in Köln hatten seiner Zeit zu einer Verständigung geführt, wonach folgende Vc- dingungen festgelegt wurde»: 1. Der Lohnaufschlag beträgt 12Vs Prozent, vom 1. April d. I. IS Proz. 2. Als Minimallohn ist im erste» Jahr 18 M., im zweiten IS, SO M. und im dritten 21 M. zn gewähren. 3. Der Lohnzuschlag für Ueberstimden, die zwischen 8 Uhr abends und 6 Uhr morgens fallen, beträgt 25 Proz. Diese Vercin- banmgen sollten nun vor dem Einignngsamt des Gciverbegerichts in Köln für alle Betriebe in Deutschland festgelegt werden. Die Arbeiter nahmen dann auch im Vertrauen auf die Unter- nehmer am 1. Februar die Arbeit auf, da die Verhandlungen vor dem EinigungSamt an demselben Tage mittags stattfinden sollten. Aber die' Arbeiter sollten sich in ihremVertrancn getäuscht haben, denn die Unternehmer erschienen nicht vor dem Einignngsamt. Da- mit tvar deutlich gesagt, daß die Herren nicht gewillt sind, das den Arbeiten: Versprochene zu halten. Hierauf haben sämtliche Form- stech« die Arbeit wieder einmütig niedergelegt. Bisher ist nur in Harburg auf der Grundlage der in Köln geplanten Vereinbarungen eine Einigung erzielt und dort die Arbeit aufgenommen. Arbeiter,' Parteigenossen! Bereits 16 Wochen stehen die Form- stecher im Ausstaud.' Ist die Zahl der Ausstehenden auch keine große, so sind doch zwei Drittel aller in diesem Berufe be- schäftigtcn Arbeiter, ca. 2ö0 Personen, aufs Pflaster gcivorfcn. Der Kampf, den wir führen, steht an Schärte dem Hamburger Hafenarbeiterstreik, sowie dem großen ArbeiterauSstand in Dänemark nicht nach, denn schwer haben tvir gegen unsre wortbrüchigen Unter- nehmer zu kämpfen. Arbeiter, Parteigenossen! Eure Opferfreudig- kcit den großen Ausständen gegenüber tvar stets groß, darum möchten wir an Euch die Bitte richten, vergebt die kleine kämpfende Schar der Formstecher nicht, damit wir nicht gezwungen sind, vor uusren wortbrüchigen Unternehmern zu Kreuze zu kriechen. J. A.: C. Schubart. Alle Sendungen nimmt die Berliner GewerkschaftSkonmiission. Annenstr. 16, sowie unser Centraikassierer L. Kaste, Moritzbcrg- Hildeshcim, Sandstr. 1, entgegen. Die Tapezierer haben über die Werkstatt des Herrn Fritsch. Bnmnenstr. 100, die Sperre verhängt. Die Differenzen find nifolge von Lohndiffcrenzen entstanden. hätten verschiedene Anträge, die der Anwalt des Kläger? stellte, diese Folge gehabt, wenn das Gericht ihnen stattgegeben' hätte. Der Gerichtshof ichnte aber alle dahingehcudcn Anträge ab und fand auch in der unter Anklage stehenden Aenßerung keine Beleidigung. Wenn eine Handlungsweise, so führte der Vorsitzende aus, wie sie der Kläger gegen Dr. Lieber geübt hat, als die That eines an- scheinend G e i st e s g e st ö r t e n hingestellt werde, so sei das noch die mildeste Erklärung, die man. für.solchen Fall finden könne. In Fällen, wie den': vorlicgcuden, stehe auch der Presse, welcher Richtung sie auch angehören möge, der Schutz des§ 193 zur Seite. Daß der Kläger wiederholt die Augen der Oesfentlichkeit auf sich zn lenken versuchte, stehe fest. Der Angeklagte wurde aus diesen Gründen freigesprochen. Die Wirtschaft mit dem Grobe» Nnfng-Paragraphen geht trotz allem tapfer weiter. So wird uns ans Halle a. S. be- richtet: Der Redactenr der„Graphischen Presse", Genosse Müller von Schkeuditz, wurde bekanntlich vom Schöffengericht in Schkeuditz und auch vom Landgericht in Halle von der Anklage, durch den Streik- Nachrichten- Zusatz:'„Zuzug fenihalten" groben Unfug verübt zu haben, freigesprochen, auf die Revision des Staatsanwalts wies das Oberlandesg�richt in Naumburg, obwohl ein neueres Erkenntnis des' Reichsgerichts vorliegt. ivonach in jenem Satze kein Unfug zu erblicken ist. die Sacke in die Borinstanz(Halle) zurück, die dazu gezwungen wurde, den früheren für Müller günstigen Standpunkt zn verbessern. Der Staatsanwalt beantragte 30 M. Geldstrafe eventuell 10 Tage Haft lind das Gericht— Straf- kämm«— erkannte auf S M. Geldstrafe eventuell 1 Tag'Haft. In der Urteilsbegründung hieß es, der Gerichtshof sei im Gegensatz zum Oberländcsgcricht der Meinung, daß eine unmittelbare und grobe Belästigung bei dem groben Unfug vorliegen müsse. Aber, so wurde dann weiter ausgeführt, das' Oberlandesgericht habe in dem Satze: „Zuzug fernhalten", groben Unfug als vorliegend erachtet. Das Reichsgericht sei allerdings andrer Ansicht, aber das hiesige Gericht müsse iin vorliegenden Falle nach dem Entscheide des Oberlandesgcrichts urteilen. Der Streik der östreichischen Berg- arbeiter. Aus Wien wird uns vom 1. Februar geschrieben: Die Unter- nehmer des Ostrauer Reviers haben gestern einen solchen Akt b o s hafter Perfibie begangen, daß in allen Kreisen der Bcvölkc- rung über ihr Verhalten die größte Entrüstung herrscht. Das EiniguiigSamt war, wie gemeldet, gestern nach Tcschen einberufen und allgemein war die Meinung, daß es endlich an einem Puiilte zu einer meritorischen Verhandlung kommen werde. AIS aber die Beratung beginnen sollte, erhob sich der Direktor der Larischschen Werke und gab, wie schon tekcgraphisch berichtet, namens der Unternehmer die Erklärung ab, daß die Gewcrke nicht früher in sachliche Verhandlungen eintreten werden, bevor die Arbeiter die Arbeit aufgenommen haben. Die Unternehmer, so heißt eS in der Erklärung, hätten keiue Garantie, daß die Ab> machungen, die evenwell vor dem Einigungsamte getroffen werden, von den Arbeitern gehalten würden; eine solche Garantie vcrnwge» ee nur allein zu erblicken, wenn die Vertreter der Arbeiter eweisen, daß sie auf die Arbeit« Einfluß haben, und dies« Beweis könne nur damit geliefert werden. daß die Führer die Arbeiter bewegen, die Arbeit bedingungs- los aufzunehmen. Die Arbeiterdclegierten brandmarlten diese unerhörte Schamlosigkeit sofort mit der Feststellung, daß die Gewerke absichtlich und im vollen Bewußtsein den Weg der Verhandlungen ver- warfen haben und für die Fortsetzung des Kampfes nun allein die Unternehmer verantwortlich sind. Obwohl angesichts dieser Sachlage die Verhandlungen eigentlich als gescheitert erklärt hätten werden ifollen, vertagte sie der Vorsitzende bloß, und zivar auf so lange, als eine der Parteien die Wiederaufnahme begehrt. Was die Gewerke mit diesem unglaublichen Vorgehen bezwecken, ,ist klar und durchsichtig. Wenn sie, die durch Jahrzehnte der Organi- Ifation die stärksten Hindernisse in den Weg gelegt, alle Brutalitäten ides Kapitalismus entfesselt haben, um das Zusammenschließen d« Arbeiterschaft zu bindern, nun über die„Unverlätzlichkeit" der Organisation klagen, so wird kein Vernünftiger an die Aufrichtigkeit dieser Klage glauben. ES ist auch klar, daß um einer solchen Erklärung willen die Jnsceniernng des EinigungSamts nicht notwendig gewesen wäre; was hätten die Unternehmer auch sagen tönnen, bevor man die weite Reise»ach Teschen angetreten hatte. Die Geneigtheit, mit der scheinbar die Unternehmer auf die Verhand- Jungen vor dem EinigungSamt eingegangen sind, diente vielmehr ,«inem bestimmten Zwecke: Die Arbeiter sollten durch die feierliche Deutsches Reich. Arbcitcrsekrctariate! Bei der in neuerer Zeit immer häufiger werdenden Gründung von Arbeitersekretariaten fehlt mangels ge- eignet« Bekanntgabe eine Uebersicht, wo solche Institute bereits bestehen. Trotzdem erscheint diese Kenntnis für die verschiedensten Zwecke, nicht mir für die Arbeitersekretnriate selbst, sondern auch für die organisierten Arbeiter höchst wünschenswert. Die Leiter von Arbeitersekretariaten werden deshalb gebeten, die genaue Adresse ihrer Institute au die unterfertigte Stelle möglichst bald einzusenden. von wo auS die Zusammenstellung alsdann in geeigneter Weise veröffentlicht und zur allgemeinen Kenntnis gebracht werden soll. Arbcitersekretariat Stuttgart I. V.: H. Mattutat. Der Etrcik der Vcrgolder bei der Firma F. Vaake i» Brandenburg a. d. Havel, ist dank der guten Organisation der Arbeiter nach zweitägiger Dauer zu Gunsten der Ausständigen beendet. Achtung, Zimmerlcnte! In Köln sind auf Betreiben des Obermeisters der ZwaugSinnnng niedrere Zimmergesellen gemaßregelt worden. Auf der'schwarzen Liste stehen dreizehn Zimmerer, darunter die Leiter der Gewerkschaft. Die Kölner Zinimergesellen sind zu 80 Proz. organisiert und sind nicht gesonnen, sich von den Unternehmern entrechten zu lassen. Eine zahlreich besuchte Gesellen- Versammlung beschloß, daß der Zuzug nach Köln fernzu- halten sei. In Speyer setzten die Schneid« in der Koiifektionsbranche ihren Ausstand mit großer Entschiedenheit fort, so daß der Ausstand ein allgemeiner ist. Beteiligt sind an demselben 220 Arbeiter und 1ö Arbeiterinnen._ Gerichts--Jettung. Eine Privatklagc gegen unfern verantwortlichen Redactenr John ivnrde am Freilag vor dem Schöffengericht verhandelt. Als Kläger trat Schriftsteller Brand auf, jener junge Mann, der seiner Zeit von der Zuhörertribüne des Reichstag» unter dem Ruf;„Nicht Ochsen- sondern Menschenrechte i" Flugbläit«. die den Fall Sternberg behandelten, in den Sitzungssaal warf. Er ist auch derselbe, der bald nach diesem Vorfall den Abgeordneten Dr. Lieber vor dem NcichLtag-gebäude anhielt und ihn mit einer Hundepeitsche mißhandelte. Dielen Borgang hatten wir am 13. Dezcniber in einer Lokalnotiz als die That eines anscheinend geistesgestörten Mannes bezeichnet und weiter gesagt, daß der Kläger wiederholt gewaltsam die Augen der Oeffentlichkeit auf sich U lenken versuchte. Dadurch fühlte sich He« Brand beleidigt. r machte vor Gericht geltend, daß sein gewaltsames Vorgehen gegen Dr. Lieber einem edlen Motiv entsprungen sei, nämlich der Ver- teidigung der Rechte de« nach Ansicht de« Klägers zu Unrecht ent- mündigtcn Dr. Sternberg, und nun komme es dem Kläger darauf an. vor der Oeffentlichkeit nicht als g e i st e s k r a n k zu gelten. Die Absicht des Klägers und seiner Hintermänner scheini in der Hauptsache jedoch dahin zu gehen, daß der Fall Sternberg in voller Breite vor Gericht enttollt werde. Wenigstens Vom Kriegsschauplatz ist heute nur sehr wenig zu melden. Eine Londoner Zeitung hatte zwar am Donnerstag„auS guter Quelle" gemeldet, General B u I l e r habe den Tugela an drei Stellen über- schritten. Es werde de» ganzen Tag über gekämpft. Aber das Krieg samt beeilte sich mitzuteilen, daß ihm hiervon nichts bekannt sei. Eine Drahttmg des„Daily Telegr." besagt, die Truppen hätten während der letzten drei Tage Extrarationen empfangen und ruhten sich a»S. Eine Abteilung Kavallerie mit Kanonen überwache die Trichards-Drift. Die Schiffskai, onen in der Nähe deS Swarts- kop beschossen Montag die Bocren, die fortgesetzt Laufgräben und Verteidiguugswerke gegenüber Potgicters errichteten.„Daily Tele- graph" folgert aus diesem Unlstande,'daß die P o t g i e t e r s- und Trichardts Drift von den britischen Truppen besetzt gehalten werden und daß Buller nochmals versuchen werde, den Spionkop einzunehmen.„Morning Post" glaubt ebenfalls, ein solcher Versuch werde ohne Zeitverlust gemacht werden, die Be- lvcgiing sei wahrscheinlich schon im Gange. Sonst liegt uns noch die folgende Meldung auS SpearmanS C a m p vom 30. Januar vor: Lord DundonaldS Kavallerie führte heute eine Rokognoscicrung in westlicher Richtung gegen Hongerspoort (identisch mit ZnckleS) ans. Vom Feinde wurde nichts gesehen. Man fand zwei Joche der iin Bau befindlichen Brücke bei GilcS(?) zerstört vor. � * Von der Friedensbewegung. Brüssel, 2. Febr. Die Petition, welche in ganz Belgien organisiert wurde, um den Präsidenten Mac K i n l e y zu bitten, die Vcrmittlnng im südafrikanischen Krieg zu übernehmen, hat bereits 100 000 Unterichristen aufzuweisen. Im Washingtoner Repräsentautcnhause bemerkte am Tonnerstag Shnff'roth von'der Partei der Silberlente, es sei Pflicht der Vereiniglen Staaten, vermittelnd in den südafrikanischen Krieg einzugreifen. Kein rechtlich denkender Mann könne die südafrikanische Streitfrage prüfen, ohne die Ueberzcugniig zu gewinnen, daß England'im Unrecht mid Transvaal im Recht sei. Die Rede wurde lebhaft applaudiert.— FortsktzNg kt MWatte im flnterW. London, 2. Febniar. Parlamcntsrmtersekretär des Reußern Brodrick erklärt, die Regierung habe es nicht unternommen, in Aden oder an einem gleich weit vom Kriegsschauplatz entfernten Punkt, Schisse auf Kriegs- kontcrbaude hin zu untersuchen, da man nicht verhindern könne, daß nach solch einer Untersuchung in später angelaufeuen Häfen Konterbande an Bord genommen werde, und da die für diese Häfen bestimmte Ladung eine wirksame Durchsuchung beein- lrächtigte. Da die Postdampfer bedeutenden öffentlichen Interessen dienen, würden dieselben nicht angehalten werden, wenn nicht über einen bloßen Verdacht hinausgehende Gründe für die Annahme vorhanden feien, daß sich Konterbande an Bord befinde. Das Verfahren hinsichtlich der Festsetzung einer Entschädigung fiir die Beschlagnahme von Fahrzeugen beim Prisengcricht könne nur auf Antrag der Parteien und mit Zustimmimg des Gerichts eingestellt werden. Die Regierung begebe sich keines Rechts, aber im Hinblick auf die Vorstellungen der deutschen Regierung und die von der Postdampfer- Gesellschaft gegebene Ver» sicherung, daß sie strikte Befehle erteilt habe, eS dürfe keine Konterbande befördert werde», habe die britische Regierung eS übernommen, bis weitere Vereinbarungen getroffen würden, der« artige Fahrzeuge nicht zu beschlagnahmen, es sei denn, daß die schiversten Verdachtsgründe vorlägen. Die hierauf bezüglichen Schriftstücke würden in kurzem dem Hause vorgelegt werden. Brodrick teilt ferner mit. die Regierung habe keine Information bezüglich irgend welcher Verhandlungen, tvelche neuerdings zwischen den Niederlanden und irgend welcher andern Macht in Bezug auf die gegenwärtigen Feindseligkeiten in Südafrika stattgefunden hätten, oder betreffend die gegenseitigen Beziehungen der europäischen Mächte in Bezug auf diese Angelegenheit. E v a u S fragt an, ob Chamberlain auf den Brief HawkSleyS vom 20. Februar 1897, gerichtet an den Earl of Brey, aufmerksam ge» macht worden sei, in welchem Hawksley mitteile, daß Telegramme vom letzten Halbjahr 1895 oder besser Verhandlungen über diese Periode herauskoinmen würden und wenn dies geschehe, Chamber« lain niemand anders als sich selbst zu tadeln habe. B r y c e wies die Unterstellung zurück, als ob die Opposition aus dem Kriege für die Partei Kapital schlagen wolle. Die Ministcrerklärungen über die Ursachen deS Kriegs seien be« langlos und unbefriedigend, die Beschwerden der Ausländ« seien übertrieben; die Ausländer würden sich selbst Recht verschafft haben ohne Krieg, der schlimmer sei als die Beschwerden. Die Frage der Souzeränetät sei unnötigerweise von Chamberlain hineingezogen worden. WaS könnte man andres von den Beeren erwarten, als daß sie den Krieg erklärten, als eS klar war, daß der Krieg im Anzüge war? Berantwottlicher Retaeieur- Paul John in Berlin. Mir den Inseratenteil»erantwottlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Httrzu S Beilage«. st. 28. i7. mm. i. SeilM des„Knmrtg" Kttlim Wldsdllltt. s F-blM lWv. Volks«» Aus dem Tchlußbaud der deutschen Berufsstatiftik. Während die BcrufSzählung am 14. Juni 1895 aufgenommen wurde, datiert die Vorrede zum letzten Band der Berufs- und Gewerbezählung:„Gewerbe und Handel im Deutschen Reich nach der gewerblichen Berufszählmig vom 14. Juni 1805,(Statistik des Deutschen Reichs, Neue Folge Band 119)—) vom November 1899. Schon in den Jahren 1396 und 1897 sind eine Reihe wertvoller, vorläufiger Mitteilungen und größere tabellarische Nachweisungen über die Ergebnisse dieser Erhebungen in den Vierteljahrs-Heften der Statistik des Deutschen Reichs publiziert worden. An diese vorläufigen Mitteilungen schlössen sich 13 Bände an. die zusammen ein Werk von 9940 Druclsciten des größten Quartformats und 50 Blätter graphischer Darstellungen enthalten. 9 Bände erschienen schon im Jahre 1897, welche die Einteilung der Bevölkming des Reich? noch G nippen, den Nebenberuf(Band 102), die Einteilung der Bevölkerung nach dem Berns in Verbindung mit Alter, Fannlie, Stand und Religion (Band 103), die Bevölkerung der einzelnen Bundesstaaten nach Gruppen und Nebenbenif. für Preußen(Band 104), für die andren Bundesstaaten(Band 105), die Bevölkerung der Bundesstaaten nach dem Berus in Verbindung mit Alter, Familie, Stand und Religion. sowie Spccialnachwcise über Hausierer, HauSindustriclle' und Arbeitslose(Band 106), dann Bernssgnippen und Nebenberuf in 28 einzelnen Großstädten(Band 107), ebendaselbst der Beruf in Verbindung mit Alter. Familie, Stand und Religion, mit weiteren Epecialnachweisen(Band 108), ferner die Bevölkerung der einzelnen klein ercn Verwaltungsbezirke in ihrer beruflichen Gliederung(Band 109), und dann noch die Bevölkerung des Reichs und der einzelnen Buudesstaaten. beruflich gegliedert und eingeteilt nach den großen Klassen der Gemeinden(Band 110). Dann folgte im Jahre 1898 die sehr wertvolle Publikation über die Landwirtichaft im Deutschen Reich. Nach der landwirtschaftlichen Betriebszähluug vom 14. Juni 1895 (Band 112) ferner die Gewerbestatistik, die Beschreibung der Gewerbebetriebe nach Größen, Motoren- und Maschinenbenutzung. Betriebsdauer im Jahre, Rechtsform der Untcrnehnning solvie Darstellung deS Personals nach Stellung und Art der Beschäftigung im Betriebe für das gesamte Reich(Band 113). Im folgenden Band 114 Ivurden Nachweise auf Grund der Gelverbestatistik für die einzelnen Bundesstaaten, in Bezug auf die Größe der Betriebe und das Personal, in, Band 115 in Bezug auf Motorenbenutzung, Haus- industrie und Nntenichmungsformen publiziert. Der Band 116 enthält die meisten dieser Nachweisungen für die 28 Städte, die 1895 mehr wie 100 000 Eiitwohncr hatten. In den beiden folgenden Bänden, die auch noch 1898 erschienen, wurden die Ergebnisse der Gewerbezählung für 1008 kleinere Verwaltungsbezirke verarbeitet (Band 117 und 118). Das Jahr 1899 brachte uns den Band III, der die berufliche und sociale Gliederung des deutschen Volkes nach der Berufszählung vom 14. Juni 1895 behandelt, und den Schlußband, dessen Titel lvir schon oben erwähnt haben. So wie der an dieser Stelle schon ausführlich besprochene Band III der Statistik des Deutschen Reiches eine Zusammenfassung und lichtvolle Verarbeitung der acht Einzelbände über die Ergebnisse der Berufsftatistik enthält, so bietet der vor kurzem ausgegebene letzte Band der Gewerbestatistik nicht bloß die Quintessenz der sechs 1 Bände der Gewerbestatistik, sonden, auch eine sehr wertvolle Be- arbeitung derselben. Vielen. die weder Zeit noch Lust haben, aus dei, Materialen der einzelnen Bände das zusainmen zu fassen, das von allgemeinerem Interesse ist, wird dieser Band sehr willkommen sein. Er wird aber auch den berufsmäßigen Statistikern viel Neues und Interessantes bringen, und so manch trockene, allein wenig sagende Zahl durch bei, wertvollen Text illustriert,— die beiden Bände III u. 119 der Statfftik deS Deutschen Reiches sind ein würdiger Abschluß deS großen Zählwerkes, das den Rang der deutschen Statistik bedeutend gehoben hat. Man muß im Gegensatz zu den sonstigen Leistungen der Reichsbehörden anerkenne», daß bei der Berufs- und Gciverbestatistik anerkennenswerte Objek- tioität geübt wurde. Es wird niemand behaupten können, daß eine tendenziöse Absicht bei der Verarbeitung der Materialien zu Tage getreten ist, und selbst die Agrarier, denen die Resultate am wenigsten gefallen haben mögen, haben eö nicht offen gewagt, die Sammlung der Materialien und ihre Verarbeitung anzugreifen. Sie mußten ja auch darauf gefaßt sein, daß man ihnen auf Grund des Fragebogens zur landwirtschaftlichen Betriebsstatistik nachweisen konnte, daß man bemüht war, selbst die kleinsten landwirtschaftlichen Grundbesitzer festzustellen, nur um die Zahl der an der Landwirtsckiast interessierten Personen möglichst hoch erscheinen zu lassen. Wenn trotz- dem die BenifSstatistik und Gewerbestatistik das kolossale Anwachsen der industriellen und den Rückgang der Landwirtschaft treibenden Bevölkerung feststellt, wenn nun zahlenmäßig nachgewiesen werden kann, daß Deutschland den Uebergang vom Agrarstaat zum In- dustriestaat ausgeführt hat, wenn der Nachweis erbracht werden kau», daß die Accumulation der Industrie in der Zeit von 1882—1895 ungeahnte Fortschritte gemacht hat, so ist daS nicht Schuld des kaiserlich Stattstischen Amtes, das nur festgestellt hat, was nicht zu sagen, eine der gröbsten und frivolsten Fälschungen auf statistischem Gebiete gewesen wäre, was aber nur diejenigen Vertreter der herrschenden Ordnung beftiedigt hätte, die die Politik des Vogel Strauß als der Weisheit A und O ansehen. Selbst wenn man die Kapitelüberschriften aus dem Inhalts- verzeilhniffe des vorliegenden Bandes angeben würde, würde man doch mcht genügend auf die Reichhaltigkeit des Inhalts dieses Bandes hinweise». Wir wollen hier nur hervorheben, daß unter andren ausführlichen Darstellungen, sowohl in textlicher als in tabellarischer Beziehung, die Arbeitsstellung deS Gewerbcpcrsonals, die thatsächliche Be- fchaftigung der Arbeiter in den einzelnen Betriebe», die gewerbliche Benutzung von Motoren und Arbeitsmaschincn, der Gcsaintumsang und die Leistungsfähigkeit der gewerblichen Unternehmungen, die Rcchtsform derselben, Campagne- und Saison-Gewerbe, Hansindustrie und Hausiergewerbe, gewerbliche Gcfängnisarbeit. Gewerbe und Handel in den Bundesstaaten Deutschlands. Gewerbe und Handel im Vcr- gleich zum Ausland behandelt werden. Es ist außerordentlich schwierig, bei einem Band von fast 600 Seiten großen Quartformats, der konzentriert das behandelt, was in Tausenden von Seiten stattstischen Materials festgestellt wurde, sich darüber zu entscheiden, was man den Lesern einer Zeitung als das Wichtigste und Interessanteste vorfiihren soll; ist ja doch jede einzelne Zahl in den vielen Bänden der Gewerbestatlstik schon eine konzentrierte Feststellung außerordentlich zahlreicher socialer Einzelerscheinungen. Man wird auch nicht umhin kvnnen. auf diesen Band der Gewerbestatistik noch vielfach zurückzukommen, da ja bis zur Wiederholung dieser Zählung, und bis das Material einer künftigen Zählung vorliegen wird, leider noch sehr viel Zeit verstreichen wird, und bis dahin dieses Material die wichtigste Quelle zur Erkenntnis unsrer Gewerbevcrfassung und der durch dieselbe berührten wirtschaftlichen und der speciellen socialen Erscheinungen sein wird. Wir wollen uns heute nur begnügen, kritisch und berichtend das Kapitel über«Einige Riescnunternehmungen an der Jahrhundertwende" zu betrachten. Kritisch haben wir dagegen zu bemerken, daß die Auswahl dieser Betriebe zu beschränkt ist, da nur 10 derselben behandelt werden. Obgleich die sociale Bedeutung der 296 Riesen» untenichmungen im Deutschen Reich, von denen jedes mehr als 1000 Personen. und die insgesamt 562 628 Personen und 665 265 Pferdekräfte beschäftigen, außerordentlich groß ist und in ihrer wirt- schaftlichen Wirkung nicht hoch gemig veranschlagt werden kann, wäre .#) X, 245 und 313* S. gr. 4° und 14 Kartogramme. Berlin. Puttkammer u. Mühlbrecht. Preis S M. ivtfwKfkliwe Nu wohl ein ausführlicheres Eingehen auf diese interessante Erscheinung der großen kapitalistischen EntWickelung im Deutschen Reiche wünschenswert gewesen. Wir habe» nichts gegen die Auswahl dieser 10 Betriebe, die verschiedene Einrichtungen deS Wirtschaft- lichen Lebens behandeln, einzuwenden. Wir nennen dieselben: «Krupp, Vulkan in Stettin, Badische Anilin« und Sodafabrik in Ludwigshafen a. Rhein, Weberei von Hermann Wünsches Erben in Ebersbach in Sachsen, Schultheiß Brauerei Aktiengesellschaft in Berlin, Warenhaus A. Wcrtheim in Berlin, Berliner Elektricitäts- werk. Große Berliner Straßenbahn, Hamburg-Amerika-Linie in Hamburg, Deutsche Bank in Berlin. Man hätte wünschen müssen, daß bei diesen einzelnen Beispielen festgestellt werde, ob die geschilderten Betriebe die größten der be- treffenden Gewerbsgruppen sind, beziehentlich wie viel größere und wie viel sonstige Betriebe über 1000 Arbeiter in dieser Gewerbsgruppe existieren. Man ist wohl zu der Vermutung berechtigt, daß einzelne Betriebe bloß deswegen ausgewählt wurden, weil man das statistische Material gerade bei diesen durch andre Materialien leicht ergänzen konnte. Aber es giebt auch einzelne Betriebe die größer sind, als die betreffenden, hier angeführten, über die auch ausführliches Material existiert. So z. B. die Elektricitäts-Aktiengesellschaft vor- mals Schuckert u. Co., die eine weitaus größere Anzahl von Arbeiten: tind Angestellten beschäftigt als die Berliner Eick- tricitätS-Werke, und die wegen ihrer vielen Beziehungen zu in- und ausländischen'Tochter- Instituten einer ein- gehenden Darstellung wert gewesen wäre, und über die endlich in ihrer Jubiläumsschrift sehr wertvolles Material vorliegt. Ebenso wäre die Frage gewesen, ob man statt des Warenhauses Wertheim. wenn mau sich schon bloß auf 10 Betriebe beschränken wollte, nicht lieber den viel umfangreicheren Geschäftsbetrieb von Tietz hätte wählen sollen, obgleich selbst das Tietzsche Geschäft nicht das größte seiner Art in Deutschland ist. Aber es wären von dem größten Warenhaus Deutschlands wohl schwer die genauen Daten zu erhalten gewesen, da dasselbe wohl mit Rücksicht auf die stcuerpolittschen Pläne einzelner Bundes- staatcn ihr Geschäft unter verschiedenen Firmen betreibt, bei vielen bloß als Commanditär figuriert, so daß der Einzelbetrieb in seiner Kolossalheit nicht genau erkannt werden kann.— ES sei hier die Zwischenbemerkung gestattet, daß trotz aller Bemühungen der Be- rufsswtistik die Annähme berechtigt erscheint, daß die Accumulation in Deutschland noch bedeutend größer ist. als sie in der Statistik in Erscheinung tritt, weil die Zusammenfassung vieler Betriebe nicht in die Augen springt. Wirwollen dies an dcmBeispielbeweisen.daßeineAkticn- Gesellschaft.' so z. B. die Schuckert-Gescllschaft. im Besitze sämtlicher Aktien andrer Gesellschaften ist, z. B. der Kontinentalen Gesellschaft für elektrische Unternehmungen, so daß thatsächlich diese beiden Ge- scllschaften einen Betrieb bilden, während sie dem äußeren Anscheine nach nebeneinander bestehende Riesenbetriebe sind. Statistisch für die Zwecke einer Gewerbezählung ist der Befitzantcil an andern Be- trieben kaum zu erfassen, obgleich dieser von großer Bedeuttma für die Frage der Accumnlation ist; so besitzt die Elektricitäts-Aktien« gesellschaft von Schuckert u. Comp,(nominell) 620000 Mark Aktien der Hamburgischen ElektncitätSwerke. 600 000 Mark der Zwickauer Elektricitäts- und Straßenbahn- Aktiengesellschaft, 365 175 M. der Mannheimer Straßenbahn. 187 432 M. der Luth u. 'Rosens ElectriSka Actiebolag, 23 845 M. der ElektricitätSiverke Steyr, 35 200 M. der Compagnie Viennoise d'Electricitö Vienne. 336 675 M. der ActieselSkabct Haflsund(Norwegen), 1 700 000 M. der Bosnischen ElektricitätS-Aktiengesellschaft in Jajce, 242 048 M. des ElcltricitätSwerks Lonza. 209 550 M. der KönigSberger Pferdc- Eisenbahn-Gesellschaft. 112 300 M. der ActieselSkabet Holmenkolbanen Christiania. 453000 M. des ElcktricitätSwcrks Schweiz. 721623 M. der Neuen Wiener Tramway sc. Der Fall Schuckert bietet auch den Anlaß zu zeigen, daß der heutige Riesenbetrieb überhaupt nicht mehr von einer uationalen Berufsstatiftik erfaßt werden kann, er wächst, wie schon die Akttenbcteiligung beweist, über die uationalen Grenzen hinaus. So hat die Firma Schuckert eine große Reihe von Zweigfabriken und kaufmännischen und technischen Bureaus nicht nur in einer großen Reihe von Städten Deutschlands.— wir erinnern die Berliner Leser nur an die che- malige Fabrik Naglo in Treptow bei Berlin— sie ist auch an zahlreichen Werken im Auslande beteiligt. So an dem großen Schuckertwerke in Wien(vormals Krcmenezky u. Mayer) mit 1 764 844 M., Paris(Society industrielle d'Energie Electrique), London(British Schuckert Electric Co. Lrntd.) mit 202 404 M., ferner an der Compagnie g4n4ral d'Elcctricite de Creil, Daz-de& Pille mtt 487 913 M, bei der 1899 errichteten russischen Schuckert-Gesellschaft(vormals B. Zeitschel) in St. Petersburg, dann bei der rheinischen Schuckert-Gesellschaft in Mannheim mit 157 500 M.. sowie bei der Elektro Aktien-Gcsellschast in Dresden. Sie besitzt elektrische CenttaleN in eigener Verwaltung in Frankfurt a. M., Berlin(Neues Theater). Mainz, München. Wiesbaden, Penzig, Starnberg, das ElektticitätSwerk und die Straßenbahn in Hamm. ferner betreibt sie die städtischen Elektricitätswcrke in Aachen und Würzburg. Die Kontinentale Gesellschaft für elektrische Unternehmungen, deren gesamter Aktienbesitz der Elektrischen Aktien- Gesellschaft vorm. Schuckert gehört und deren Verwaltung völlig vereint ist mit der der Schuckert- Gesellschaft, besitzt Zweigniederlassungen in Stuttgart und in Sigmaringen und eine Gcneralrcpräsentanz in Wien. Die Gesellschaft betreibt in eigener Verwaltung die Elektricitäts- werke in Stuttgart, Sigmaringeu, Neustadt a. H.— Muß- bach. Wachenheim. Berchtesgaden, Bergzabern. Grevenbroich. Günzburg, Bergamo, sowie die Straßenbahn« und Elektricitätswerk» Anlagen in Ulm a. D. Die Gesellschaft besitzt 609 600 fl. ö. W. in Aktien der Elektricitätswerk« und Straßenbahn- Gesellschaft Czenio- witz. mit 2 Millionen Mark ist sie an der AugSburger Straßenbahn beteiligt, mit anderen Gesellschaften hat sie die Aktiengesellschaft Reichciiberger Straßenbahn(Böhmen) gegründet, mit deutschen und belgischen Finanzgruppen hat sie sich die Majorität bei der Trambahngcsellschaft in Konstanttnopel gesichert, sie ist auch beteiligt bei der Compagnie electrigue Anversoise(Antwerpen). Die Gesellschaft besitzt fast 2'/s Millionen in Aktien der Hamburgischen Elektricttätöwerke, fast 1 Million Lire in Aktien derSicilianischen Tromway-Omuibus-Gesellschaft,?/«Millionen(nom.) Lire der Turiner Kleincisenbahn-Gesellschaft, 700000 M. der Zwickauer ElektricitätSwerke und Straßcnbahn-Akttengesellschaft. nom. 246 000 Franks der Krakauer Straßenbahn, ferner fast 8 Millionen Franks in italienischen und belgischen, über 2 Millionen Fl. ö. W. in öst« reichischen Straßenbahn-Aktien, ferner sehr erhebliche_ Summen in deutschen, spanischen, norwegischen und russischen ElektricitätS-Aktien. Dabei bestehen weitgehende Abmachungen mit den Großbanken. Alle diese Unternehmungen sind durch Verträge. Aktienbesitz, Austausch von VerwaltnngSpersoual und AnfsichtSratSmitglieden: an zahlreichen anderen Unternehmungen beteiligt. Bereinigungen mit anderen den Markt beherrschenden Firmen können bald zum Abschluß kommen. Die Acmmulatoren» Fabrik Aktiengesellschaft in Berlin besitzt Fabriken in Hagen i. W., in Wien' und Budapest, sie ist beteiligt an weiteren Fabriken in Hagen i. W., St. Petersburg, Gablonz, Steyr, Przemysl, Oerlikon(Schweiz), Stockholm. Madrid. Auf Grund der Börsenhandbücher ließen sich Dutzende ähnlicher Beispiele anführen. Leider ist man über den Effektenbestand der großen GründungSbanken(Credit« mohiliers), wie z. B. der Deutschen Bank, der Dresdner Bank, des Hause« Rothschild. Mendel«- söhn, Warschauer ,e. nicht genügend informiert; aber alle« spricht dafür, daß sich der Schwerpunkt der industriellen KapitalSanlage dort befindet, daß die Bedeuttmg dieser Geschäftsunternehmungen heute weit weniger im Bankgeschäft als in der obersten Leittmg unserer NdflhKU. Produktion liegt. So konzentriert sich eine ungeheuere, genau nich festzustellende Kapitalmacht in wenigen Betrieben. Es wird wünschenswert sein, bei einer Wiederholung der Berufs« statistik auf diese Erscheinungen das Augenmerk zu lenken, obgleich nicht verschwiegen werden soll, daß derartige Feststellungen leichter erscheinen, als sie thatsächlich sind, weil häufig die ausländischen Fabriken anders firmieren als die Muttergeschäste im Inland. Ebenso aber entsteht die Frage, ob man nicht Zweiggeschäfte ausländischer Fabriken, innerhalb des Deutschen Reichs, deren Zahl sich wegen der hohen Jndustriezölle immer mehr vermehrt, nicht bloß als deutsche Betriebe, sondern auch als Glieder eines internationalen Betriebes feststellen soll. Es ist ebenso interessant zu konstatieren, daß die große Fahrradfabrik Dürrkoppin Bielefeld FabrikeninWien und in Graz hat, als daß die Premier Cyclo Co. in England eineRiesenfabrik inDoos bei Nürnberg hat, neben anderen Fabriken im Ausland. Diese Beispiele ließen sich ins unendliche vermehren. Wir erinnern heute nur noch an die große Finna Maggi in der Schweiz, die mehrere Fabriken in Deutschland, in Oestreich, Frankreich und in andern Ländern hat, an die Schweizer Chokoladesabrik von Suchard mit der gleichen Er« scheinung. an die Bleistiftfabrik von L. u. C. Hartmnth in BudweiS in Böhmen, die jetzt ein Geschäftshaus in Dresden hat, an die Stahlfedenifirma Carl Kuhn u. Co. in Wien, die in Stuttgart ein deutsches Haus hat. und dann an die zahlreichen großen Handelshäuser, die im Ausland und in fremden Weltteilen ihre Geschäftshäuser besitzen, wie z. B. die Firma Woermann in Hamburg, Zeitz in Berlin. Eines dieser Beispiele ist ja bei der Deutschen Bank in Berlin angegeben, die eine Filiale in London und 13 weitere Nieder« lassnngen im Auslande hat, neben 16 Depositenkassen in Berlin, 4 Filialen in Bremen, Frankfurt a. M., Hamburg und München, 12 Annex- Institute mit 43 Niederlassungen im Inland. Es wäre übrigens interessant gewesen, wenn neben der Deutschen Bank der Betrieb der Reichsbank auch in den wichtigsten zahlenmäßigen Er- scheinungen festgestellt worden wäre, ebenso wie neben der großen Berliner Straßenbahn die preußische Staats-Eisenbahn-Verwaltung, oder die deutsche Reichs- Postverwaltung, die zwar fiskalische, aber auch geschäftliche Betriebe sind, hätten dargestellt werden sollen. lieber die Finna Krupp ist erst unlängst in diesen Blättern so ans- führlich berichtet worden, daß wir hier aus die Angaben der BcrufSstattstik' näher einzugehen nicht nötig haben. Wir wollen nur unser Bedauern aussprechen, daß über die ausländischen Produktions- stätten dieser Firma nichts mitgeteilt wird, und doch soll es That- sache sein, daß die Firma in Spanien Eiscngruben selbst betreibt, daß sie an großen amerikanischen Eisenwerken direkt beteiligt ist; wie weit sie ihren Plan, in Rußland eine große Schiffswerst zu bauen, ausgeführt hat, sind wir nicht in der Lage festzustellen, aber der Plan ist jedenfalls ernstlich ventiliert worden. Aber schon diese wenigen Daten, die durchaus keinen Anspruch auf Vollständigkeit er- heben können, beweisen, daß die Firma jedenfalls mehr Arbeiter und Angestellte beschäftige» dürfte, als die für den Angnst 1899 an« gegebene Zahl von 44 037. In den heutigen Tagen des Kampfes um die Flotte werden einige Bemerkungen über die Stettiner Maschinenbau-Aktiengesellschast Vulkan besonders interessieren. Dieselbe beschäftigt 3 Direktoren, 114 kauf- männische Angestellte und Rechnungsbeamte, 281 Ingenieure und Werk« rncister und 6810 Arbeiter. An Motoren werden verwendet: 56 Elektro- motore mit 330 Pferdestärken. 73 Dampfmaschinen mit 2844 Pferde« stärken; ferner sind 977 wichtigere Arbeitsmaschinen im Gebrauch. An maschineller Einrichtung ivird die Stettnier Maschinenbau- Aktiengesellschaft Vulkan durch die Badische Anilin- und Soda« fabrik in Llidwigehafcn a. Rb. übertroffen; sie beschäftigt zwar bloß 6341 Personen. Ivornnter 5825 Arbeiter, aber neben 2944 wichtigen Arbeitsmaschinen und 221 Dampfmaschinen mit 9000 Pferdekräfte» 62 Elektromotore mit 186 Pferdekräften, einen Gasmotor mit 12 und 51 Rescrvedampfmaschinen mit 2500 Pferdekrästen. Vom Jahre 1890—98 stieg die Anzahl der beschäftigten Arbeiter ununter- brochcii von 3563 auf 5414. Interessant sind die Verhältnisse der Weberei von Hermann Wunsches Erben in Ebersbach in Sachsen, die neben der Stamm« fabrik mit mechanischer Weberei, Appretur, Rauherei, Mangelei, Vorbereittmg und Ausrüstung, sowie verschiedenen Neben« betrieben, aus einer Filiale mit mechanischer Weberei und Spulerei, einer zweiten Fabrik mit größeren Druckereien, Walkereien, Färberei, türkischer Rotfärberei. Stärkerei und ver- schiedencn Nebenbetrieben, ferner zwei weiteren Filialen mit niechailischer Weberei und Spulerei besteht. In der Gesamtunter- nehmung wirken neben 35 kaufmännischen Beamten und 143 technischen Angestellten 2600—3000 Arbeiterund 600— 700 Hausgewerbetreibende. An Maschinerie verfügt sie neben 18 Dampfkesseln und 16 Dampf- Maschinen mit 1476 Pferdekräften über 4 Elekttomotoren mit 23 Pferdekrästen und 2 Wasserrädern mit 24 Pferdekräften. Außerordentlich zahlreich und mannigfaltig ist die Anzahl der ArbcitSiiiaschinen, von denen ca. 30 verschiedene Arten angewendet werden, von denen die iiltcressantesten ivohl die 37 Spulmaschinen mit 2630 Spindeln, 48 Treibmaschinen mit 1816 Spindeln. 13 Zwirn« Maschinen mit 594 und 32 Weifmaschinen mit 1600 Spindeln find. An Nebenbetrieben sind mit dem Hauptunternehmen verbunden: 1 Tischlerei, 3 Schlossereien, 1 Buchbinderei, 1 Klempnerei, 2 Kupfer- schmieden, 1 Sattlerei, 1 Kartenschlägerei. 1 Kammmacherei. 1 Gas- erzcugllngs- und 1 Elektricitäts-Anloge. Die llntersuchung der Neben- betriebe iväre sehr dankenswert, es kämen da ganz merkwürdige Kombinationen zu Tage, nicht bloß wie z. B. bei der Firma F. A- BrockhauS in Leipzig alle Formen der VervielfälttgungSkunst und deS Buchhandels, sondern auch Maschiiiciifabrikeli, � die Buch- druckereien für den eigenen Bedarf ini Getriebe haben, wie z. B. die vereinigten Maschinenfabriken Nürnberg und Augsburg mit ihrer Filiale in Gustausburg. Die Hamburg«Amerika-Linie in Hamburg beschäftigte 8145 Personen, darunter 3 Geschäftsleiter. 267 kaufmännische Angestellte, 826 technische Angestellte und 7049 Arbeiter, das sind aber nur die Personen, die am Land beschäftigt sind. Zu diesen kommen die auf den 80 Qceandampfern beschäftigten 6120 Mann, und die auf den 76 Flnßdanipfeni, See- und Flußschlcppern beschäftigten 373 Mann; am Lande werden 26 Kraftmaschinen mit 1135 Pferdestärken. 12 Dynamos von 1074 Volt und 3272 Amperen und 213 Arbeits- Maschinen verwendet. Die Oceandampser verfügen über Kraftmaschinen mit 253 710 Pferdestärken, die 76 Fluh- dampfer usiv. mit 6731 Pferdestärken. Der Raumgehalt sämtlicher Schiffe beträgt 437 805 Registertons. Von 1886 bis 1899 hat sich die Zahl der Oceandanipfer von 25 auf 80, die der Brutto« tons von 67 237 auf 411 966, das Atticukapital von 20,6 Millionen auf 78l/« Millionen vennehrt, die Zahl der Reisen von 154 auf 365, die der zurückgelegten Seemeile» von 1400 000 auf 3 510 000, die der beförderten Güter von 503 862 ans 2 388 640 Kubikmeter ver- mehrt, während die Anzahl der Passagiere von über 48 000 auf bloß 74 000 unter sehr starkem Wechsel in den Zwischcnjahren wuchs wegen des Rückgangs der überseeischen Auswanderung. Mit einige» Bemerkungen über die Deutsche Bank in Berlin wollen wir schließen. Dieselbe beschäftigt 1625 Personen, daS Aktien« kapital hat sich von 15 000 000 M. auf 150 Millionen erhöht. Die Reserven derselben bettagen 46 500 000, 31 Proz. deS gegenwärtigen Aktienkapitals; vom Jahre 1893 bis 1893 stieg die Anzahl der Couten von 29 934 auf 53 800, der Gesanittimsatz von 29 aus 44 000 000 000 M. Gegen diese Betriebe— und sie mehren sich von Jahr zu Jahr — wird jede Mittelstandspolitik vergebens ankämpfen trotz der Führung dieser Beivegmig durch so große Geister, wie die Herren Dr. Hahn, Oertel und Genossen.— Br. Wolfs nub Hirsch. In dem Prozeh wegen Diebstahls von Depeschcnmaterial, in dem sich die Bureaus Wolfs und Hirsch gegenüber stehen, brachte der weitere Verlauf der Verhandlungen eine Reihe Indizien, aus denen hervorzugehen scheint, dah das Bureau Hirsch Wolffsche Nachrichten benutzt hat. Auf Befragen des Rechtsanwalt Wcrthancr er- klart Zeuge, Direktor Dr. M antler. dah das Wolffsche Telegraphen- Bureau eine Ll k t ren g e f e II s ch a f t mit einem Grundkapital von einer Million Mark fei. Ein Teil der Aktien befindete sich in den Händen des Herrn v. Bleich- rode r._ Auf Befragen des Verteidigers Dr. Sello, ob der Zeuge einen einzigen Fall angeben kann, in welchen» nachzuweisen ist, sah das Hirschsche Bureau eine Nachricht aus dem Wölfischen Bureau benutzt habe, erwidert der Zeuge, dah er hierzu anher Stande sei, weil er sich»richt darum gekümmert habe. Zeuge Redactcnr Ehreutraut» der früher bei der„B e r l i n e r A b c n d p o st" angestellt Ivar. giebi an, dah er vor ctlva zwölf Jahren in» Hirschsche» Bureau während der Vormittagsstunden beschäftigt war. Als Rcdactcur der gc- nannten Zeitung habe er auch die Wölfischen Depeschen bezogen und es sei vorgekommen, dah er diese Depeschen auch für das Hirschsche Bureau benutzt habe. Auf die Frage, ivie oft dies ge- schehcn sei, erklärt der Zeilge, dah er sein Zeugnis hierüber ver- weigere, da er befürchte, sich s o n st s c l b st einer st r a f b a r e n Handlung bezichtigen zu müssen. Wegen körperlicher Angegrifienfieit des Zeugen wird dessen weitere Vernehmung aus- gesetzt.— Der folgende Zeuge, Rcdactenr Palm aus Herbesthal bekundet, dah er viele Nachrichten— während des spanisch- amerika irischen Krieges bisweilen 20 mal täglich— dem Hirschschcn Bureau telephonisch übermittelt habe. Die Nachrichten wurden von London nach Paris, von dort nach Brüssel, dann nach Herbesthal und von dort durch ihn nach Berlin tclephoniert. Die ganze Verbindung habe jedesmal etwa eine Stunde in Anspruch ge- nommen. Rechtsanwalt B r o d u i tz richtet an den Zeugen die Frage, ob er nicht einmal eine Depesche erdichtete» Inhalts an Hirsch gerichtet habe. Der Zeuge bejaht dic§. Er habe versuchen wollen, ob die Angestellten des Hirschsche» Bureaus treu seien und chabe deshalb an eine»» Sonntag in» März 1898 au Hirsch eine Depesche abgesandt, woiiach Oberst Picquard in türkische Dienste ge- treten sei. Am Montag darauf hätten schon viele Zeitungen die erfundene Nachricht wiedergegeben und aus den» davorgesetztcn W habe er migenounncn, dah sie aus den» Wölfischen Bureau stamme. Es könne also nur eine Durchstecherei zwischen den Angestellten des Hirschscheu und Wölfischen Bureaus vorgelegen haben. Der Angeklagte Hirsch tvcist auS der Tclephonabrcchnung»»ach, dah ihn» die Verurteilung D r c h f u S' um 4 Uhr 51 Minute»» zugegangen ist. Direktor Dr. Mautler erklärt, dah dein Wolfischen Tclegrapheirbureau die Nachricht erst um 6 Uhr 7 Minuten gc- worden ist. Bei der Fortsetzung der Verhandlung überreicht Direktor Dr. M a i» t l c r einen Band der Depeschen des Wölfischen Bureaus, um zu beweisen, dah die von der Gegenseite erwähnte Depesche betr. den Oberst Piquard darin nicht enthalten sei.— Darauf wird der Redactcnr Paul Störmer vernommen, der früher längere Zeit im Hirschsche» Bureau beschäftigt war. Er bekundet, dah das letztere häufig Ausziigc aus Wölfischen Depeschen an seine Kunde» verschickt habe. Die Druck-Exemplare der Wölfischen Depeschen seien gewöhnlich von den, Boten Oskar Müller gebracht worden, sie hätten sich meistens in einem Umschlage der„Berliner Zeitung" befunden, in welcher damals der Zeuge Ehrentrant thätig gewesen sei.— Justizrat Dr. Sello behauptet. dah der Zeuge Stornier ohne Wissen seiner Chefs für auswärtige Zeitungen Leitartikel geschrieben»ud dazu wahrscheinlich seine Kenntnis aus dem N a ch r i ch t e n- M a t e r i a I des Hirschscheu Bureaus benutzt habe. Dies fei durch einen Zufall erst bekannt geworden. Auf Befragen erklärt der Zeuge, dah er seine Wahr- »ehmungen iibcr die widerrechtliche Benutzung Wolfischer Depeschen gelegentlich einen, Angestellten deS Wölfischen Bureaus, Herrn Stcllbogen, mitgeteilt habe.— Rechtsanwalt B r o d n i tz stellt' durch Befragen des Zeugen folgendes fest: Der Zeuge ist früher Postbeamter'ge- ivesen und wegen Unterschlagung cutlassen und zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er ist dann durch Vermittlung einer dritten Person bei Hirsch angekommen und hat ein Anfangsgehalt von 100 M.. später 220 M. erhalten. Rechtsanwalt B ro dnitz überreicht fcnier eine Reihe von Briefen des Zeugen an das Hirschsche Bureau: in den» einen derselben erkennt Zeuge an, dah er Geldeingänge, die er für dasselbe in Empfang genommen, im Be- trage von etwa 200 M. nicht a b g e f n h r r habe. In anderen Briefen, die nach seiner Entlassung geschrieben sind, verlangte Zeuge eine ihm angeblich znstchende Geldsumme von 1100 M., widrigenfalls er gewisse Vorgänge in» Hirschscheu Bureau verraten würde. In einem andern Briefe droht er niit gerichtlichen Schritten, falls er nicht binnen drei Tagen dos Geld erhalte; er hat es aber nicht erhalten und solche Schritte nicht nnternommeu. Auf Befragen des- Direktors M a u t l e r erklärt der Zeuge Stürmer, dah im Hirschschcn Bureau eine Instruktion bestanden habe, für die„Elbinger Zeitung" Wölfisches Material zu verwenden. Der Augekl. Hirsch sucht diese Beschuldigung zu entkräften. Es»vird alsdann nochmals der Redactcur Pank Ehren» traut als Zeuge vernomme» und festgestellt, dah derselbe f. Z. Redactcur der „Berliner Abeudpost� und gleichzeitig im Hirschsche» Bureau thätig ivar. Die„Berliner Abendpost" erscheint in demselben Verlage, wie die„Berliner Zeitung", es sind dort zwei Exemplare der Wölfischen Depeschen vor- handen und der Zeuge soll nun beinahe täglich mit seinein eigenen Manuskript auch Wolff'sches Material an Hirsch geschickt haben. Er giebt dies zu, meint aber, dah dies nur geschehen sei, wenn ein Wölfischer Nachrichtcnzettel in der Redaktion unbenutzt übrig ge- blieben war oder wenn etwas Besonderes vorlag, was nach seiner Meinung Interesse für Hirsch haben konnte. Er sei dazu niemals von Hirsch aufgefordert worden, letzterer habe allerdings auck niemals seiner Verwunderung über diese Znsendnng Wölfischen Materials Ausdruck gegeben. In einem Falle habe Herr Hirsch ihm gesagt, dah er die Wölfischen Sachen nicht gebrauchen könne. Der Zeuge erklärt, dah er sich gesagt habe, Hirsch werde ein Interesse daran haben, zu sehen,»vie Wolfs die eine oder die andre Sache behandle. Eine Anfinge des Justizrats Dr. Sello beantwortet der Zeuge dahin, dah es sich immer um Material handle, ivelchcs schon durch die Zeitung benutzt worden war.— Direktor Montier bezwcifelr dies stark und begründet seine Ansicht, dah von den zwei Exemplaren, die die„Berliner Zeitung" und die„Berliner Abendpost" erhalten, nur eins in der Redaktion benutzt werde, das andre in seinem Ur- zustande an Hirsch geschickt worden sein dürfte. A»:ch ein Nebenberuf. Zeuge Oskar Müller ist Bote im Bureau Hirsch und hat an der Börse den Angeklagten Dörfert kennen gelernt. Er sei an der Fondsbörse beschäftigt gewesen und habe Dörfert gebeten, ihn» die Kurse von der Produktenbörse zu sammeln, damit er in der Itage sei, den Börsenlenten, die ihn vielfach danach fragten, die Kurse ■fagen zu lönnen. Dörfert habe ihn» anherdcn» abends die Fondsbörsen- Kur sc und Tendenzberichte geben lassen, über die er dann den ihn» des Abends be- gegn enden Börsenspekulanten gegen gutes Trink- g e l d Auskunft gegeben habe. Dörfert habe auherdcn» mehrfach tur ihn Briefe bei Butzke abgegeben, die Börscimachrichten ent- hielten. Diese Nachrichten habe er aber in» eigenen Interesse ver- wendet, aber nie dem Bureau Hirsch gegeben.— Auf Befragen des JustizratS Dr. Sello erklärt der Zeuge, dah er„fest- Kundschaft" nicht habe; er sei nur abends in der Friedrichstraße vielfach von ihm bekannten Börsenlenten nach Kursen, Börscntendenz, Ursachen der' Schwankungen sc. gefragt worden. Der Zeuge bestätigt weiter auf Befragen, dah er, wie andere Bote», seinen Bekannten zum An- kauf oder Verkauf bestimmter Papiere geraten habe. Bleichröder. Ii» der Belvelsaiifnahme kommt weiter zur Sprache, dah vom Augcklagtei» Hirsch bezw. dessen Bruder Schritte»llternommeit»vorden seien, um zu ermitteln, ob nicht auch im Wölfischen Bureau Uil- rcgelmähigkei, vorgehen. So ist u. a. Redactenr W c d e k i n d, der seiner Zeit bei Wolff thätig gewesen, von dem Bruder des Au- geklagten Hirsch aufgesucht worden, ohne dah letzterer Erfolg hatte. Auch der jetzige Hilfsarbeiter im Finanzministerium Hans Unruh, der vor zehn Jahre» in Wolfis Bureau angestellt war, ist eines Tags zu Hirsch bestellt worden. Er hat bei dieser Gelegenheit Herrn Hirsch erzählt, dah seines Wissens in» Wölfischen Bureau nach einer g e- h e i»» e n Instruktion wichtige politische Nachrichten, die auf die Börse von E i n f l u h sein könnten, vor ihrer Veröffent- lichimg dem Hanse Bleich r öder vorztilegen seien. Er hat bei dieser Gelegenheit weiter erzählt: Als einmal eine Depesche aus Argentinien eingclanfcn und veröfie>»tlichl worden sei, ohne erst dein Hanse Bleichröder vorgelegt worden zu sein, sei darüber großer Lärm gewesen und der für dieses Verfahre» Verantwortliche cnt- lasten worden.— Rechtsanwalt Brodnitz wünscht zu wissen. ob nicht wichtige politische Depesche», die bei Wolfi einlaufen, vor ihrer Vcrvffentlichniic» den Behörden vorpelegt werden müsse»». Von dieser Fragestellung wird aber Abstand geuomme», weil nach Ansicht des Gerichts die Frage mit dieser Anklage gar nichts zu thun habe. Eine romantische Geschichte. Nach einigen Zeugen, deren Aussagen ohne Belang sind, lvird der Uhrmacher Gustav Most veruoinmeo. Der Sohn des- selben ist neun Jahre als Bote bei Hirsch thätig gewesen und dann plötzlich entlassen worden. Die Anklage vermutet, dah dieser Bote an» meisten von begangenen Unregelmähigkeitei» wisse und deS- halb veranlaht»vorden sei,' aus Berlin z n verschwinden. AiigcklagterHirsch behauptet, dah diese Entlajsmig darauf zurückzuführen sei, dah Most, der in» Bureau„Hermann" gerufen wurde, eine Denunziation wegen II e b e r t r e t u n g der S onntag S- ruhe erstattet habe. Der Zenge Most(Laterj bekundet: Der Sohn fei am 11. Inn» v. I. nach Hanfe gelommen lmd habe mitgeteilt, dah er plötzlich entlassen sei. Ans die Frage nach dein Grunde habe der Sohn geantwortet: Er könne den Grund nicht sagen, er habe sein E h r e n lv o r t gegeben, darüber nicht zu sprechen. Er habe auch gleich' seine» Koffer gepackt und sei an demselben Tage abgereist— angeblich nach Hamburg. Wo er G c l d z u r R c i s e her hatte, w i s s e er nicht. Auf eine ErkuudigNug bei Herr» Hirsch habe dieser geantwortet, man solle sich nur nicht beunruhigen, die Eni- lassung sei erfolgt, iveil der Sohn sich v o r la u t betragen habe. Von den» Sohne hat die Familie dann lange nichts gehört, endlich ist von ihm ei» Brief aus Antwerpen eingegangei», in welchem er»niiteilte, dah es ihn» gut gehe und er alles Ücbrigc mündlich mitteilen werde, da er in einigen Wochen zurückkehren würde. Als dies nicht geschah. hat die Schwester an den Bruder geschrieben. der Brief ist aber als unbestellbar zurückgekommen. Dann hat die Schwester, Mieze Most, nach Amsterdam an den Wirt des Bruders geschrieben und darauf einen in französischer Sprache verfahtcn Brief des Wirts erhalten, den Prof. N o r»n a n n verdolmetscht. Darin hciht es: der Sohn sei abgereist, nnbekannt wohin, er sei auch nicht zurückgekehrt und man wisse nicht, lvas aus ihin geworden sei. Er sei mit einen» Herrn»nit schwarzem Vollbart abgereist, habe angeblich nach Paris gehen wollen, solle aber in Rotterdam sich aufhalten. Während seiner Anwesenheit in Antwerpen habe er nicht gearbeitet, habe aber jede Woche von dem Herrn, mit dem er abgereist sei, Geldbricfe erhalten, vor seiner Abreise habe er sich neue Kleider gekaust. Der Brief war adressiert„Monsieur Mieze Most k Berlin".— Frau M o st»nid ihre Tochter bestätigen die Aussage des Gatten und Vaters. Der Zeuge Palm ans Hcrbcsthal erklärt, dah er nicht der in dem Ant- iverpencr Briefe als„Patron" deS jmigen Most bezeichnete Mann fei. Tokstles» Ein kommunaler Mcssiaö? Tie Rede, die der Oberbürgermeister K i r s ch n e r in der ersten Stadtverordnetcu- Sitzung dieses Jahres bei der Ein- sührung der neu gewählten Stadtverordneten gehalten hat, ist, wie sich jetzt heränsstellt, von manchen Leute» sehr ernst genommen worden. Besonders in dem Satze von den„Ausgaben der socialen Fürsorge", deren Lösung Herr Kirschucr in Ans- sicht- stellte, erblicken einige Schwärmer mehr als nur schöne Worte, wie sie bei solchen Gelegenheiten gemacht zu werden pflegen. ' Offen gestanden: wir haben geglaubt, die oberbürgermeifterliche Verheißung lvürde von der gesamten Berliner Bevölkerung min- bestens- ebeiiso rasch wieder vergessen werden, ivie sie vcrumtlich von dem Herrn Oberbürgermeister selber tvicdcr verarffei» worden ist. Das Häuslei» der N at i o n a l- S o ci a le n hat aber jene Redeblume sogar s o ernst gciiomnic». dah sie jetzt in Moabit bei der S t a d t v e r o r d>, e t e i»- W a h l Geschäfte damit mächen zu köiiiiei» glauben. Sie stempeln den schönredenden Oberbürgermeister in ihrer' Hcrzenscillfalt beinahe zu einer Art von k o m n» u n a l e m Messias, auf den alles, was cS in Berlin an Mühseligen imd Beladcnen giebt, seine Hossnung setzen darf, und sie möchten dem Glanben an diesen vermeintlichen Retter aus aller Not und Be- drängnis nicht nur in den Kreisen des sogenannten Mittelstandes. sondern auch in den Reihen der Arbeiter Anhänger werbe». Nim ist Herr Kirschner zweifellos ein sehr tüchtiger Mann. Vielleicht wäre er sogar wirklich in» stände, jene„Anfgabcn der ocialci» Fürsorge" ihrer Lösung entgegcnzuführcn. Aber wo hat er dein» bisher gezeigt, dah er etwas Derartiges ernstlich will? Er hat weder als Bürgermeister noch als unbestätigter Obcrbiirger- meijtcr irgend etwas gethan. Ivos darauf schlichen liehe, dah er stets der socialen Pflichten eingedenk ist, die eine Komniniie wie Berlin hat. Wird er als bestätigter Oberbürgermeister init eitlem Male euici» andern Standpunkt eiiiiichme»? lind selbst wem» e r enistlich wollte. waS er in seiner Rede ver- heihen hat, so liegt doch der Schwerpunkt der städtischen Verwaltung nicht beju» Oberbürgermeister noch überhaupt in, Magistratskollegium, andern in der S t a d t v e r o r d n e t e n- V e r s a III m l u n g. Kein Oberbürgermeister wird ein Rcforinprogramni durchsetzen können, wenn die Stadtvcrordileteii-Versanmilmig Widerstand leistet, ivie andrerseits auch kein Oberbürgenneister sich dauernd dem Wunsch nach Nefonnen widersetzen kam», wenn die Stadtverorducteu-Ver- soimnknng darauf hindrängt. Wer kommunale Reformei» verlangt und erwartet, der verlange und erwarte sie also von der Stadt- verordneten-VersaminklNig! Was man von der Berliner Gtadtverordueten-Bersammlung— von der s r e» s i n n i g e n Mehrheit, die in ihr herrscht— er- warten darf, das ist hinreichend bekannt. Der Berliner Komiimnal- sreisinn hat noch niemals auf Reformen h i>» g e d r ä n g t. Er hat oft genug sogar das Gegenteil gethau und»vird auch in Zukuiist noch leider oft das Gegenteil zu thun suchen, bis seine Herrschaft gebrochen ist Genau so viel und geiia» so wenig, wie von diesem Freisiim, darf man aber von Herrn Kirschner erwarten. Er wird niemals weiter als bis zu den» Piiiikte gehen, Ivo er bei der freisinnigen Mehrheit noch auf Unterstützung rechnen kann, und das ist eben nicht»ueit. Er darf nicht weiter gehen»nid— davon find wir überzeugt— er w i l l es auch gar nicht. Er ist ja „Geist von ihrem Geist". Daraus ergiebt sich dann aber von selbst, wie wenig die Freunde kommunaler Reformen auch von den Männern, die sich jetzt gewissermahen als O b e r b ü r g e r m e» st e r- Partei aufihun, zu erwarten haben— so radikal sich diese Leutchen im übrigen aeberden. Als im Jahre 1898 der Berliner Rektorcnverein Herrn Kirschner auS Anlah seiner Wahl zun» Oberbürgermeister begkückmiiiischte, äußerte dieser sich in seiner Antwort speciell über die Notwendigkeit von Schulreformen. Er hob hervor, es miifie dabei„mit Vorsicht" verfahren werden, die SchulverwaWng dürfe„nie rilhen, aber auch nie h a st e u". In diesen Worten kommen die oberbürgeruleisterlichei» Grniidsätze klar zum Ausdruck. Herr Kirschucr gilt als ein Gegner„ililgestüiiiei» Dräugens", als ein Mann der '.Mähigung" und der„Bcsouneiiheit". Er hat in der That bereits mehrfach gezeigt, daß er es vortrefflich versteht. Reform- w ü us ch e i» m it seinen beschwichtigenden Darlegungen erfolgreich zu begegnen. Wiederholt haben erst seine Ausführungeil es der freisinnige» Mehrheit der Stadtverordneten,- Versamiiilung ermöglicht, ihr ablehnendes Votum nlit Anstand abgeben zu köiluen. Wie sehr Herr Kirschucr in die Bahnen dieser Mehrheit ivandeln will, das beweist Übrigens auch jene Einführungsrede. Er hebt nachdrücklich hervor, dah bei der Lösung der socialen Aufgaben die Stenerkraft der Bürgerschaft berücksichtigt werden müsse. Was diese an sich durchaus zu billigende Aeuhernng in diesen» Zusammenhailge und aus diescin Mimde zu bedeuten hat, das weih jeder, der das Walten des Freisinns in der Berliner Koimminakverwaltung keimt. Die Rücksicht a n f den Geld- beute! der Besitzenden wird die Richtschnur sein, an die sich die freisinnige Mehrheit der Stadtverorineten-Bersammlung und der Magistrat samt Herrn Kirschucr bei der Lösung der socialen Aufgaben halten werden. Wer auf einen solchen„Messias" seine Hoffnung setzt u»d andre zu derselben Thorheit verleiteu will, der verdient den Namen eines„betrogenen Betrügers"! Im Wöchnerinueuheim am Urban, das feit 22/» Jahren besteht, ist in dicscn Tagen die tausendste Entbindung erfolgt. Die städtische Schnldepntation, an deren Spitze Ober- bürgermeifter Kirschner steht und welcher anher je fünf Stadt- räten»ud Geistlichen, zehn Stadtverordneie und elf Bürgerdeputierte. in, ganzen also ieinschliehlich eines Magistratsasiessors) 33� Mitglieder angehören, sollte, ivie erinnerlich, durch Beschluß der Stadt- verordneten- Versammlung und des Magistrats vor zivei Jahren »in zwei Mitglieder(je einen Stadtverordneten und einen Bürger- deputierten) verstärkt werde». Es wurde dann auch der Stadt- verordnete Singer in die Schuldeputation gewählt, die Wahl aber von der Aufsichtsbehörde zu Unrecht nicht bestätigt. Die Stadtverordueten-Versanmiluilg lehnte in» Sommer v. I. die von» Magfilrat beantragte Vornahme einer auderweitci» Wahl ab. Jetzt hat' sich der mutige Stadtvcrorducteii-AuSschuh entschlossen, die in Aussicht genommene Verstärkung doch vorzunehmen angeblich in Anbciracht der Vcrmehnmg der Schulen einerseits und der Arbeiis- last der Schnldepiitatioi» andrerseits. Der Ausschuh hat daher den Stadtv. Fritscki(an Stelle Singers) i» Vorschlag gebracht. Für den verstorbenen Juslizrat Dr. Horwitz, der cven falls der Schul- dcputatioi» angehörle, ist der Stadtv. Rechtsanwalt Cassel vor« geschlagen worden. I» Zukinift wird die Deputation dann aus 32 Mitgliedern bestehen. Für die Boercn. 174 770,77 M. beträgt die Summe, welche bisher für die verwundeten resp. die Hinterbliebenen der gefallenen Boercn bei den» Ceutralkoniitce der Deillschen Vereine vom Rothen Kreuz eingegangen ist. Eine Enquete über Dienftboteubchandlung veranstaltet Privaidocent Dr. S t i l l i ch von der Humboldtakademie. Herr Dr. Stillich bemüht sich, von den Dienstboten, ohne dah sie von der Herrschaft beeinflußt werden, u. a. über folgeiidejFragci» Ailsluiist zu erhalten:„Wann stehen Sie früh ans? Im Sommer? im Winter? — Wann hören Sie abends auf zu arbeiten? In» Sommer? Im Winter?— Müssen Sie öfters länger aufbleiben, zum Beispiel wegen Gesellschaften. AuSseins der Herrschaft:c.?— Wie jjft dürfte längeres Aufbleiben im Jahre vorkommen?— Haben Sie manchmal vis nach Mirternacht warten müsicn?— Wie oft und wie lauge haben Sie freien Ausgang?— Bekommen Sie mittags dieselbe' Kost wie Ihre Herrschaft?— Können Sie sich satt essen? — Wie ist der Rann». in dem Sic schlafen, beschaffen? Höhe, Breite, Länge Ihres Schlafzimmers in Metern, Größe imd Lage des Fensters? Beschreiben Sie bitte Ihr Zimmer möglichst genau. — Läßt Ihre Herrschaft von Leuten außerhalb des Hauses(Nicht- dicnstbotcn) folgende Arbeiten ganz oder teilweise ausftihren(die von diesen Rich'tdicifitboten ausgeführteii Arbeiten sind zu durch- streichen): Waschen— Plänen�— Frisieren— Ausbessern— Backe»— Kleiderbürsten und Stiefelputzci»— Kohlentragen— Scheuern(großes Reinemachcu)— Kochen bei Gesellschaften Feiisterputzen— Tcppiche, Matratzen:c. ansklopfcn?— Habe» Sic sich über unrichtige Zeugnisse zu beschweren gehabt?— Hat sich die Polizei einmal in Ihr Dienstverhältnis einzumischen gehabt?— Haben Sie schlechte Erfahrungen bei der Erlangung einer Dienststelle gemacht?— Sind Sie von Ihrer Herrschaft immer gut behandelt worden?— Welche Gründe köiiiien Sic angeben, ivarini» nicht mehr Mädchen sich dem häuslichen Dienst ividinen?" In diesen Fragen wittert die den» Priigelkultus ergebene „Deutsche Tageszeilimg" Menschlichkeit und schilt daher wie ein Rohrsperling. Diese Thatsache braucht wohl nur registriert zu werden, um alle gesitteten Menschen zur Förderung der Enquete zu veranlassen. UnS will sogar dünken, daß an dieser Förderung anch solche Dicnstgeder, deren Gewissen rein ist, ein Interesse haben müssen. Beim Baden vom Schlage gerührt wurde der auS Friedenau gebürtige, 23 Jahre alte Droguist Willh. Hartwig. Der junge Mann nahm gestern kurz nach 12 Uhr in der Voltsbadeanstalt in der Thurm- straßc ein Wannenbad. Da er sich»ach einer halben Stunde noch nicht wieder' sehen ließ, so sah der Badewärtcr sich nach ihm um und fand ihn mit den» Gesicht nach uiitei» tot in der Wanne liegend. Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg. Die von dem Tcltoiver Kreistag eingesetzte Kommission von 14 Mitgliedern zur Vorberatung der Teltoiu-Kanal-Vor- läge hat die Annahme der Borlage mit 12 gegen 2 Stimmen be- schlössen. Ter 31 Jahre alte Kutscher Karl I. wurde gestern Nach- mittag am Strandufer, in der Nähe der Lyuarftrahe. an einem Zaun- hängend aufgefuiiden»nd sofort abgeschnitten. Einem Schutzmann gelang es. den Lebensmüden, der noch schwache Lebenszeichen von sich gab. wieder zum Bewußtsein zu bringen. Krankheit scheint die Veranlassung zur That J.'s gewesen zu sein. Ein juugcS Opfer des BanberufS. Eiucii tödlichen Aus- gang hat ein Baimusall genommen, der sich am Dieiistagnachmütag um 4 Uhr ans einem Grimdstüct in der Feurigstrahs zu Schöneberg ereignete. Tort ist bei eine»» Neubau, den der Gärtnereibcsitzer Liidicke errichten lägt, der Zinsnerpolier Wahl aus der-Hanptstr. 104 beschäftigt. Ein Sohn des Poliers, der Iii Jahre alle Ziuuner- lehrling Karl Wahl, hatte beim Aufbau der Rüstung geholfen. Um 4 Uhr nachniittagö war man damit fertig. Während der alte Wahl unten stand, machte sich sein Sohn oben' in der Höhe des viertel» Stocks an einer Stange der Rüstung zu schaffen. Plötzlich stürzte der junge Mann, wahrscheinlich infolge der Glätte, die nach den» Schneefall herrschte, in die Tiefe hinab. Mit eine»» Schädelbruch und schweren Verletzimgen an der Brust wurde er nach dem' Elisabeth-Kraiikcnhans gebracht. Hier ist« seiner Verletzung erlegen. Ein früherer Rittmeister tvcgcn VkajcstätSbelcidigung verhaftet. Wegen Majestätsbeleidigimg. Betrugs und Vcibrcchcils nach§ 176 be» Strafgesetzbuchs ist der frühere Rlttmeifter Gustav Dahle aus der Wiclaudstrahe 4 zu C h a r l o t t e n b ur g bei- hastet worden. Dahle hat leine rühniliche militärische Vcrgongcli- heit. Bereits als junacr Ossizier beutete er altere Kameraden durch „Kralvattengeschäft" aiis. So brachte ei eiueii Major, der nnt»h'i». einem Proviuzial-Kavalleriercgiment attaehörte. um sein ganzes Hab und Gut. Diese unsauberen Geschäfte führten dahm. oatz Dahle auS dem Osfizirrcorps cntfcrut'wurde. Von den DarlehnS- lind Wechselgeschafien wandte er sich nun dem Güterhandel und den Grundslücksschicbungen zu. Hierbei trat er auch in Wer- bindung mit Herrn I u h a c z, der schon in verschiedenen Prozessen eine Rolle spielte. Von Jnhacz kaufte er auch das Gut Alt- Thymen in Mecklenburg, das einmal dem jungen Cirkus- direktor Ernst Renz gehört hat. Umfangreiche Spekulationen betrieb Dahle auch mit Baugelände in Wilmersdorf und Charlotten- bürg. Böse Erfahrungen hat dabei ein Zimmcrmeister Kluge aus Wilmersdorf gemacht, der um seine Grundstücke kam, während Dahle ein ziemlich reicher Mann wurde. In dem Hause Wiclandstr. 4, das auch aus dem Besitze Kluges in den des ehemaligen Rittmeisters übergegangen ist, wohnte dieser unangemeldet bei seiner Wirtschafterin, einer Modistin Marie Schramm. Der Majestätsbeleidigung machte er sich angeblich in einem Gespräch über die Kanalvorlage schuldig, die er heftig bekämpfte. Seine Aeußerungen wurden von mehreren Seiten angezeigt. Der Vorwurf des' Betrugs hängt mit den Grundstücksschiebungcn zusammen. Diescrtwcgen schweben auch noch mehrere Civilprozesse. In einem wurde erst am Montag verhandelt. Unterdessen wurde Dahle von der Kriminalpolizei bereits scharf be- obachtet. Am Dienstag nahmen mehrere Beamte ihn in seiner Wohnung fest. Zum Besten dcS seit vier Jahren kranken Kollegen E., der bereits von seiner Kasse ausgesteuert ist. veranstalten die Tischler der Werkstatt von Schultz in der Fruchistrasze ani Sonn- tag eine Matinee in der Königs dank, Frankfurterstr. 117. Es darf wohl erwartet werden, datz diese wehlthätige Leraustältung zahlreich von der Arbeiterschaft besucht wird. Der Vertraueusmauu Berlin IV., Südost. Berliner Eebiirtc». Im Jahre l8S3 sind in Berlin, nach den bis jctzt� vorliegenden Meldungen, über 49 lOO Kinder lebend und rund 1770 tot, also zusammen noch nicht St 000 Kinder geboren worden. Dagegen wurden im Jahre l89S, nach der letzten darüber veröffentlichten Feststellung des Berliner Statistischen Amts, 49 491 Kinder lebend und 1789 tot, zusammen 51 280 Kinder ge- boren. Die oben für 1899 ongegcbencii Zahlen können sich durch verspätet eingehende Meldungen nur noch unwesentlich erhöhen, so dag sich für dieses Jahr ein absoluter Rückgang der Zabl der Geborenen crgiebt. Seit dem Jahre 1891, in dem hier 53 535 Kinder geboren wmdeu sdavon 51 978 lebend»nd 1557 tot», ist die Zahl der Geba«encn fast nnnnterbpochcn absolut zurückgegangen. Rur die JahM 1896, 1897, 1898 machten eine Ausnahme. Im Zeichen der«ocialrcform macht sich der Tiergarten zur l-tzigen Winterszeit recht hübsch. Man sieht dort täglich in der @cc(cub von der Vcndlcrstraste bis zur Roufsean-Fusel etliche zwanzig Pioniere nebst zlvci Unteroffizieren beim Baumfällen bc- ichäftlgf. Da wohl kann, cnizunchincn ist, dag diese Arbeit mit der militärischen Ausbildung der Soldaten im Zusammenhang steht, so ist gcivist die Frage gestattet, ob zur Zeit unter den Steuer- z a h lern, keine itcule vorhanden sind, ivelche gegen anSkönimIichen ttohn sich zum Baumfällen bereit finden würden? Theater und'Bergnügnngen. Im Deutschen Theater ist heute die Prcimerc von Gerhart Hauptmaiinö„Schluck und Jan".— Im e- ch i l I e r- T h c a t e r wird diesen Soiwtaguachuiittag„Cwricmie" ge- geheit,' AuSmihiliSweise wird, da sehr viele Auslagen vorliegen, bereits heute die nächste Aufführung von„Die Jungfrau von Orleans", die am 11. Februar, und die nächst- Aunübrnng von..Wilhelm Test", die am 25. Februar stattfindet, angezeigt. Die erste Aufführung von„Fröschweiler" ,st inmniehr denuitiv für Freitag, den n. d. M., angesent.— Im C i r t u s Schumann wird heut- das Aus staltungsstück I.Dr. Faust" zuerst gegeben. Feucrbcricht. Frcitogmittag cnistand B e s s e I st r a g e 13 in- folge Explosion eines Lfens ein Ziimncrbrand, der Möbel, und Kleidungsstücke einäscherte, aber grogcn Iliiifffng nicht erlangte, da die i;cner>vehr rasch zur Stelle war. W a r s ch a u e r st r a g e 45 halte ein Posten Brennmatcrial Feuer gefangen, während gleichzeitig Landsberger st raste 39 eine Petroleumlampe explodierte, ohne indes wesentlichen Schaden zu verursachen. Nach L e b u s e r- st r a st e 15 wurde die Wehr gerufen, weil hier Seegras im Boden- taut» in Brand geraten war, der auch einen Teil der Dach- konstruktion einäscherte. Sie ndaler st raste 16 war ein Labenbrand zu Beseitigen, der Cigarrenkisten zerstörte. Ein brennender Kohlen- kästen verursachte einen Alarm nach W i l h c l m st r a st e 37. Domierstägi.achmittag gingen P o t s d a m c r st r a st e 1 13 Gardinen und Möbel in Flommen aus. Durch übergekochtes Fett entstand Reichen berger st raste 101 in cincr Bäckerei ein kleiner Brand, der schnell abgelöscht werden koliute. L i n i enst r a st e 232 war ein unbedeutender Zinimerbrand abzulöschen. Anstcrdcm erfolgte noch Alarm nach Schönhauser Allee 122 und G r o st- beeren st ratze 30. wobei es sich um blinden Lärm bezw. cineu Schoriisteinbrand handelte. Ans de» Nachbarorte, Parteiversammluugcn in den Vororten. Sonntag, nach- mittags 3 Uhr, findet in Woltersdorf(im Rieck-Wcrderschcn Saale) eine Volksversammlung statt, in der Reichstags- Abgeordneter Stadthagen über das Thema:„Wohin führt der Kurs?" sprechen wird.— In W e i st e n s c c fällt wegen der Flottenversnmm- lung die für Dienstag geplante Versammlung ans. Tie Arbeitnehmer- Beisitzer des Schön eöerger G e- tverbegerichts haben an den Magistrat und Stadtverordnete eine Eingabe gerichtet, worin sie ersuchen, die Entschädigung für Wahrnehmung der Termine auf fünf r c s p. sechs Mark zu erhöhen, ,llm eS dem Beisitzer auch fcrnerbin zu er- möglichen, dast er mit ganzer Kraft sein Wissen und Können der Rechtsprechung zur Versnguiig stellen kann. Die beantragte Eilt- schädignng ist eine den socialen Verhältnissen soivie denen Schone- dcrgs vollständig gerechtfertigte. Bei der steigenden Zuiiahmc der Eiinvohiicrschaft, der regen Thärigleit im allgemeinen, ist es voraus- zusehen, dast das Geiverbcgericht mehr als je in Anspruch ge- nommen und es den Beisitzern bei Ausdehilnng der Termine ün- möglich gemacht' wird, ihre Arbeitsstätte aufzusuchen. Weiter wird. die Einsetzung eines Ausschusses verlangt. Die Stadt- verordneten werden sich kommenden Montag mit der Eingabe bc- schäftigtcu. Die Erhebungen, welche über die gewerbliche Bc- schäftignug von Schulkinder» der Magistrat von Schöneberg bat nnstellcn lassen, um für die auch dort in Aussicht genommene P o li z e i v e r o r d n u n g zur Beschränkung der Kinder- arbeit erst bestimmte linterlagen zu erhalten, haben auch in dieser Stadt ein erstaunliches Ergebnis gehabt und den Beweis dafür gc- liesert, dast gerade auch für Schöneberg die Einschränkung der Erwcrbsthätigkeit der Schulkinder ein dringendes Bedürfnis ist, da das Resultat der Fesistcllimgcn noch weit über die Erwartungen der städtischen Behörden hinonsgegongcii ist. Die in sämtlichen Schöneberger Volksschulen vorgenommene Befragung der Kinder hat nämlich ergeben, daß von den etwa 7400 Schülern, welche zur Zeit der Feststellung insgesamt die Anstalten besuchte», nicht weniger als 848, mithin f a st 12 Pro z., mit gewerblicken Ar- betten beschäftigt wurden, und zivar 522 Knaben und 316 Mädchen. Davon standen im Alter von 6—7 Jahren 11 Kinder. 7 bis 8, Jähren 41. 8—9 Jahren 52, 9— 10 Jahren 86. 10—11 Jahren 103, Ii— 12 Jahren 138. 12— 13 Jahren 192, 13-14 Jahren 189 und über 14 Jahren 36 Kinder. Der Art des Erwerbes nach wurden beschäftigt: als Zeitungsträger 205. zum Milchaustrage» 185. zum Frnhstückanstragcn 232, zum Bicranstragen 2. zom' Segel- aufstellen 32, mit Ausivartedienst 80, mit Bedienung in Wirtschaften 4, als Laufburschen bezw.-Mädchen 69 und mit sonstigen Arbeiten 71. Di- Dauer der Beschäftigung aber differierte zwischen Va und— 9 S tunden! Denn es waren von diesen Kiudern täglich im Durchschnitt thätig: l/z Stunde 35 Kinder. 1 Std. 135 Kinder. 2 Std. 320. 3 Std. 123. 4 Std. 81. 5 Std. 45. 6 Std. 50. 7 Std. 29. 8 Std. 14 und neun Stunden sechs Kinder, und zivar traten v o r 6l/a U h r m o r- gans 505 Kinder ihre Beschästigring an Und 57 waren noch abends nach S Uhr gewerblich thätig,' während 452 Kinder in den zwischen- liegenden Tageszeiten beschäftigt wurden. Diese Zahlen, welche mit krasser Deutlichkeit für sich selbst sprechen, haben dem Magistrat wie. der kgl. Pottzeidstekiion die Notwendigkeit des baldigen Erlasses einer Verordnung zur Beschränkung der Erwerbsthätigkeit von Schulkindern hoffentlich noch, mehr nahegelegt, als es schon'durch die allgemeinen Erörterungen der Frage geschehen war. Die Gemeinde Wilmersdorf beabsichtigt, zur Berbesstirung der Straßenbeleuchtung des Ortes in allen Teilen desselben 78 weitere Strastenlaternen zu errichten.— Die Eröffnung der neuen höheren Lehranstalt wird jetzt definitiv zu Ostern dieses Jahres"und zivar mit den beiden untersten Klasse» Sexta und Qu i nfa erfolgen. Die Anstalt, welche später zur Reform- schule ausgebaut werden soll, wird ans diesem Grunde, ivie es bisher bei allen solchen Anstalten geschehen ist, zunächst als Real- schule begründet werden, während die weitere Ausgestaltung zum Reformgymnasium, die erst in zwei Jahren mit der Aufsetznng der Tertien beginnen kann und in einer Fortführung der Anstalt als Realschule und Gymnasnim bestehen würde, einer späteren Beschlnstfasjung der Gemeinde ivie auch noch einer besonderen Prüfimg und Genehmigung des Kultusministers vorbehalten bleibt.— Zu einer Stiftnng ist der Gemeinde von einer Frau Hauptmann Clansins ein Kapital von 3600 M. mit der Bedingung überwiesen worden, dast die Stiftung den Namen„Gabriele Clailsins- Stiftung" er- halten soll und ans den Zinsen armen Kraulen beiderlei Ge- schlcchts und Berufs Unterkunft und Verpflegung in einem Kranken- Hanfe gewährt werden. Tie Brandruine in der Prinz Handjerystratze zu R i x d o r f ist jetzt bis zur Hälfte abgetragen worden, so dast die Gefahr eines Einsturzes beseitigt zu sein scheint. Die Absperrung deS Brandpläffes ist daher am Donnerstag aufgehoben worden. In Charlottenburg hat der Stadtverordnete Buchdinckerei- besitzer Krebs, gewählt von der'dritten Abteilimg im ersten Wahl- bezirk, ivegcn Ueberhäufmig mit Bernssgeschäste» sein Mandat nieder- gelegt. Er war der einzige konservative Stadtverordnete in unsrcr Aachbarstadt. Die Angelegenheit des Oberfcuerwerkers Ecfniaun von der königlichen Geschostsabrik in Spandau hat einen Ivesentlich Hann- loseren Ausgang genommen, als da§ gestern erwähnte Gerücht von seiner Bestrafung vermuten liest. Eckinmiu ist nur zn 14 Tage ge- lniden Arrests verurteilt worden und hat in seinem militärischen Verhältnis keinerlei Bciiachtciligniig erfahren. Er ist zum Aitillcric- dcpot in Küstrin versetzt worden. Ncbcr die Ansstudung der Leiche des im Gatower See crtrnnkci'.cil OberlientenantS v. Triinibach haben dessen Angehörige, die schon wiederholt am Secnfcr geweilt habe», eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt. Tie Fischer, welche schon mehrere Tage danach suchten, ineinen, dast die Strömung den Toten schon weit hinweg getrieben habe. Eine» gefährlichen Fund machten gestern in der Nähe der Stadt R a n e ii zwei Schiilknabcn: cS war eine K a n o» en ku g c k. die sie aushoben und bis in die Gegend der Gasanstalt trans- portiericn. Hier bemerkte sie der Gymnasiakprofeffor Zibale, der in in dem Gcschost eine nnkrepierte. vollständig gefüllte, 21 Ccntimeter lange Granate erkannte. Er nahm den gefährlichen Gegenstand so- fort in Beschlag und dracbtc ihn in sichere Verwahrung, woraus der Fund dem Kommando dcS Döberitzcr Uebnugsplatzes angezeigt wurde. Da der Fundort selbst außer dem Bcrcirb der Schußweite des Schießplatzes liegt, so ist anznnchmen, dast sich ein Dieb das Ge- ichost angeeignet und vorläufig in der Nähe der Stadt beiseite ge- schafft hatte. Entwendetes Jnsantcricgcwchr. Auf Antrag der Direktion der königlichen Gcwehrfabrik in Span da.« begaben sich gestern Polizcibcamtc nach der Wohnung eines Schlossers dieser Fabrik, um HanSsnchnng nach entwendeten Gclvcbrteilen vorzunehmen. Der Vcr» dächtigte, der vermutlich von- einem Äallegitzi denunziert worden war, gab ein noch unvollständiges Jufantcricgewehr dcS neuesten Modells freiwillig heraus. Die Spandauer Stadtvcrordnetrn-Versammlnng füllten am Donnerstag allein die hnuptsächlich von socialdcmokratischer Seite geführten Debatten über den Hanptctat pro 1900/1901 aus. Bei der Beratung beantragte S ck> r ö er würdigende Behandlung nachfühlen. Sie ist völlig nnbescholten, noch nicinals bestrast. Im Kampfe für ihre politischen und gesellschaftlichen Ideale kollidiert sie mit einem veralteten, reaktionären Gesetz, von dessen Bestehen lw/ioo aller Lstaatsvnrger keine Ahnung haben. daS eine harmlose Handlimg, Ankleben von Zetteln oder Verteilung von Aufrufen ohne vorherige polizeiliche Erlaubnis mit GefängiiiSstrasc bedroht. Wegen solchem.Quark kann man in Deutschland ins GesängniS geworfen und bei dieser Ge- Icgcnheit wie ein Stück Vieh behandelt werden. Welcher anständige Mensch möchte darüber nicht in hellen Zorn geraten! Aber auch von diesen besonderen Umständen abgesehen— ganz allgemein ist solche Bchandlimg der weiblichen Gefangenen empörend, allem Schamgefühl hohnsprechend und selbst Prostituierten gegenüber nnangebracht.' Die Notwendigkeit der Untersuchung im allgemeinen soll keineswegs bestritten werden; aber es kann sehr wohl eine AuS- wohl getroffen werden und es mutz vor allen Dingen mit der nötigen Rücksicht verfahren werden, es darf nicht so alle Menschenwürde mit Füßen getreten werden.' Und zur Untersuchung von Frauen müssen nnbedingt weibliche Aerzte angestellt werden. Eine Petition an die russische Ncgiernug wegen Errichtung von Univcrsitätstnrsen für Frauen in Kiew wird von einer Anzahl bissischer Damen vorbereitet. Zn diesem Zweck werden Erhebmigen über die Zahl der russischen Stndentinnen aus dem Süden Rußlands gemacht. welche an den auswärtigen Ilniversitäteii. besonders in Deutschland, der Schweiz und Frankreich studieren. Man will damit den Beweis führen, daß die Errichtung einer Franeiiuniversität in Kiew- eine Notwendigkeit ist. Im Postdicnft von Großbritannien sind gegenwärtig etipa 30 000 Frauen angestellt! das ist etwa ein Fünftel aller Beamten und Arbeiter, die die englische Postberwaltiing beschäftigt. Frauen in öffcutlichen Acmter». In der Stadt Beattie im Norden der Bereinigten Staaten hatte die letzte Stadtrat-wahl daS Reftiltal. daß der gesainte Stadtrat sMagistraft jetzt aus Frauen be- steht und auch zum Bürgermeister eine Frau gewählt wurde. Vevmifrfjkes» Wieder zwei Grubcnunfällc. In der bei M a r k i r ch ge- legenen Grube„Gabe Gottcö" ivurde durch einen zu früh los- achenden Schuß ein Bergmann getötet und ein zweiter am Kops schwer verletzt.— In dem TagcSbau der Grube„Anna" bei Höh ii sieben entstand ein Dammrutsch, wobei der Arbeiter Dciitschmann ans Barneberg verschüttet wurde. Obgleich die Rettungsarveiten sofort aufgenommen wurden, ioimle man- Deutsch- mann nur als Leiche ans Tageslicht sördern. Der Verunglückte hinterläßt Frau und drei Kinder. Soldaten- Selbstmorde. In Worms hat sich erst kürzlich ein Soldat der 10. Compagnie des dortigen Jnfanlerie-Rcgiments vom Zuge üverfahren lassen. Jetzt hat sich ein Soldat derselben Com» pagnie mittels Revolvers erschossen.— In Oels in Schlesien haben in den beiden letzten Tagen des Januar drei Personen Selbstmord verübt:«in Rekrut der Bursche eines Rittmeisters vom Dragoner» Regimen! und die Geliebte des Burschen, die sich aus Gram über diesen Verlust erhängte. Naphta-Exvloftou. Aus Antwerpen wird berichtet: In» folge einer hesrigcn Navhtba-Erploffon wurde eine hiesige Spiritus- und Parftimcrie'abr'.k in Brand gesetzt. Beim Einsturz des HauseS kam eins Pcrio-i um« Leben. Der Schaden ist sehr bedeutend. Trichiucuerkranknngrn. Wie mau aus Görlitz melde», sind in Grost-Slhönau gegen sünzig Perionen msolge des Geimsscs von trichinösem Fleisch erkrankt! eine daben. eine Fabrikarbeiterin, ist bereits gestorben. Die gerichtliche Untersuchung des Falles ist ein« geleitet. Zwei Dampfer vermiglückt. Ein großer unbekannter Dampfer ist bei B-rhöfi gestrandet. Ter BergnngZdanipfer„Rügen", ist zur Hilsekeisning abgegangen.— Der„Seit" meldet aus Madrid: Ter spanische Pcikclpostdampf«. Amelta" ist mft dem französischen Dampfer„OTn&eS* zusammengestoßen. Die»Amella* ist gesunken. Die Mannschaft konnte gerettet werden. i Postraub. Ans Konstantinopel wird gemeldet: Ein Freitagvormittag mit dem Postzuge eingetroffener und an die französische Post adressierter Bricfbeutel, der eingeschriebene Briefe enthielt, ist erbrochen aufgefunden worden. Einige an hiesige Bank- jUnufcr adressierte Briefe waren erbrochen und ihres Jnhalis beraubt. LLelche Beträge geraubt worden sind und wo die Thal rerübt worden ist, hat noch nicht festgestellt werden können. SlnS der deutschen PollSschnle. von Zeit zu Zeit ver- öffentlichen bürgcrlicbe Blätter zum Amüsement ihrer Lehrer be- fonders fehlerhafte S ch ü l e r- A u f sä tz e. So auch neulich die „Oberels. Landesztg." in Mülhausen: „Unser Kaiser"— so lautete da? Aufsatzthema einer hiesigen Schule. Nachdem das Thema reiflich durchgesprochen war. tistelte eine kleine Elsässerin folgende Littcratnrprcbe zusammen:„Am 27. Januar war unser Kaiser das Licht der Welt. Seine schönste Jugend brachte er ans Fricdrichskron. Hier verfertigte er Klaflen dienste er wasch den Schwamm spitzte die Kreide und putzte auch wohl die Tafel. Fleiß und Pünktlichkeit bringen den fleißigen eine Denkmünze. Da wurde er Offizier. DaS Regiment schickte unser Kaiser in die niiiversität nach Bonn. Sie traten zum zweitemnal in das Regi- ment ein. Im Jahre 1888 wurde er wach. Seitdem wurde er ein gerechter Fürst. sDen Frieden.) Er Pfleg den Frieden als Frömmigkeit zu besehlcn." Dieser Aussatz lehrt von neuem zweierlei. Erstens daß den Kindenl nnter der falschen Etikette„Deutsche Geschichte" Hohen- zollerii-VerherrIrchung in solcher Fülle beigebracht wird, daß sie mit dem besten Willen nicht im stände sind, den trockiien Anckdotcnkram zu verdauen. Zweitens aber läßt die im scherzhaften Gewände gebrachte Mitteilung die traurige Thatsache erkennen, daß Religion und Patriotismus im Unterricht einen so breiten Raum einnehmen, daß die Pflege der deutschen Sprache und andrer notwendiger und nützlicher Dinge über Gebühr vernachlässigt wird. Man wende nicht ein, daß der Mülhauser Fall besonders kratz liege. Es dürfte in Deutschland nur selten ein 14 jähriges Kind zu finden sein, das bei seiner Entlassung aus der Gemeindeschule im stände wäre, ohne ganz grobe grammatische und orthographische Fehler einen einfachen Brief zu schreiben. Marktpreise von«erlin am t. Fcirnar 1900 nach Ermittlimzin des tgl. PollzelprSstdiinuS. »)WeIzen D-Ctr. »)Moggen„ Fmicr-Gerste» Heier gut, „ mittel« . gering. Ntckitstroh, He». t)®r6(en tsgpeiftdchnen. «Liitfen« SlnvloPtln vcn« Simdklcuch. Slciilt l kg do. Beuch, ») Einiitlelt pro Tonne von der Eentralyelle der Preuh Lend- wlrllibnftSkenimcrn— Nonerungsstelle— und umgerechnet vom Polizei- presidNiw sür den Torpeleenn�er ch) aleiliheiidelöprelse Produktenmirkt vom 2 Fedruer Getreide konnte sich heut- leicht befelligen. da die strengeren NachlfrSste die Belürchtting nahe legen dev die weben erös-nete Schisiehrt wieder eingestellt werden könnte Jnlolge des katholische» Feiertags fehlte die Anregung von verickiedenen Märkten des Anölaudes, wie Wten� Budavest u a m.. und am hiesigen Platz? blieb daS Geschält sehr still Einige Posten SheriffwetzenS und rnjsischen Roggens wurden nach hier verschlosien. wobei beii? Artilel 0,25 bis 0,50 M höher gehalten wurden Hafer war ohne Geschäft. Rüiöl auf Realisierungen weitere O.ZO M weichend Am Spiriluömarkt wurden ca 28 000 Liter 70er loco mit 4(5,90(unverändert) gehandelt. Die ringsreien Händler bleiben eifrigst be- müht, den Nachweis zu führen, dag SpiriruZ auch außerhalb deS Ringes ;u guten Preisen leicht umerziibringe:, ist Briefkasten der Kedakkion. Tie juristische Sprechstunde findet Montag. DleuStag und Freitag von 6—8 llhr abends statt. Wette. Eine solche Zunlt hat es nicht gegeben. B. M. Buttericks Schnittmuster, llommandantenstr 8ö Beachten Sie Seite 204 Th IV des Adreßbuchs Scppel. Fragestellung zu unllar. Vielleicht mündlich? T, St. 14. Nehmen Sie dach einfach das Berliner Adreßbuch her Was an solchen Verciniglnigen hier etwa besteht, finden Sie darin K. Woldenlicrg. Die Weigerung, einen eingeschriebenen oder sonstigen Brief auzunchmen, ist unklug, da sie keinerlei Rechtsefiekt bewirken kaun i rechtlich liegt die Sache gerade so, als ob Sic den Brief anaeneuinmi hätten, wenngleich r-ie inkoige der von Ihnen verschuldete» Nichtannahme deL BriekS Kenntnis von dessen Inhalt nicht haben. Nach Ihrer Schilde« rung steht Ihrem Schwiegersohn kein Anspruch gegen Sie zu.— Ernst Elstermann. Sie müssen kleben.— S. 60. Sprechen Sie mit der Vor- ladmig in der juristischen Sprechstunde vor.— Genosse 81. 1. Trauzeugen brauchen ebenso wenig wie andre Zeugen männlichen Geschlechts zu sein. 2 Auch einer sich wieder verheiratenden Frau sind die Klcbebeiträg« zu er- statten— O. O. C. Am 1 Januar 1891.— Tatldorf. Sie sind im Irrtum Eine kammergerichtliche Entscheidung darüber, ob die 50 M. sogenannter Kinderabzug, die bei der Steuerveranlagung erfolgen, bei der Frage der Wahlberechtigung zuzurecbimi sind, existiert überhaupt nicht. Wohl aber hat das Lber-Verwaltungsgericht in einem iür die Arbeiter un- Künsiigen Sinne daS Steuergekey dahin ausgelegt, dah auch bei Eni- icheidiinz der WahlberechtigungSfragr der n i e d r i g e r e Satz zur Anrcch- ming kommt. Wer 680 M Einkommen hat. iusolge des KinderabzugS aber unter 600 M. steuert, ist danach nicht wahlberechtigt.— M. Stettin. Ja. — F. B. 196. l. Ja 2 Sie könnten sich unter Schilderung der Sach- läge an daS Vormuudichastsgeriebt wenden 3 Erben waren der Vater und das fiüid 4 Ein weiteres Recht, als aus 2 hervorgeht, steht Ihnen nicht zu Ihr Schwiegersohn ist nicht verpflichtet, Ihnen ieinen Aufenthalt anzuzeigen i sein SchenkungSverboi Ist wertlos— S. 100. 1. Es ist nicht ersichtlich, worauf Sie glauben klagen zu können 2 Nein. 3 Gegen den Vater ja. gegen Sie nirbt.— H. F. 23. 1. und 2 Ja 3. Wenn das Mädchen innerhalb eines Jahres zieht oder Veranlasiung zu einer Kündigung in dieser Zeit giebt io kann das Weihnachtsgelcbenk im Gebwte der alt- preuhischei! Gesinde-Ordnimg aus den Loh» angerechnet werden.— Friedrich 1000. Ein BetriebZiimall kann bei der Sachloge als vorliegend erachtet werden. Die Witwe(oll ihre Rechte geltend macben— C. H. 100. 1 In drei Monaten von der Stiaithat ab ver>ährt die Versalgnug von Ueberlretunze» Die VerjäbrnngSirist wird aber durch jede teilens des Ge- richts gegen den Thäter gerichtete Handlung unterbrechen Liegt eine ab-, geuneilte Uebertrelung vor. so beträgt die Frist zwei Jahre. 2. Nein. Wttteriingönbersich» vori» S. Februar 1000»norgcnS«tthr. o L j ca S si i 1 Stationen gol=x |l|§= Swine,»de Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien 700 SO 758!O 759-SO 754 O 753 Still 759!NW Weiler 3 wolkig Zbedeett 3bedeckt 2hlb bed 44>edec!t — iNebel •äS c-- » ö ia dt o -3 -2 -3 1 -4 -l Siaiione» Lg a ß Havaranda Petersburg Eork Aberdee» Paris S S 763 NW 7571_ 755'o 76137® 7S0ONO Wetter 2 wolkig b!w0lklg s heiter 2iRegm -» w~ = 5. »i> 5* -16 *3 -1 3 Wetter- Prognose für Souiiabond, de» 3. Februar 1900. Etwas wärmer, ziemlich trübe mit Niederschlägen und mäßigen östlichen Winden süb- Infolge seiner eigenartige» patentierten Herstcllnngötveise besitzt Kathrciners Malzkaffee in hohem Grade Geschmack und Aroma dcö Bohnenkaffees und ist für diese» entschieden der beste Ersatz bczw. Znsatz. Cevtrill-Krailkeil-«. Sterbe- kiljse her Tischler:c. Ortsverwaltung Berlin H. Sonntagt, Scn 4. Februar im vormittags 10 Uhr 1--- Herr« Tolksdorf 58 Lokal deS Görlttzerstr. Mitglieder- Persluimtoiig. TageS-Ordniing: 1. Abrechnung vom IV. Quartal 1899. 2. Ersatzwahl von 2 Beitrag- sammlern. 3. Berich. Kassenangelcgcnh. Mitgliedsbuch legitimier». Besonders werden die Mitglieder auf§ 11, Ziff. 5, Abs. 2 des neuen Statuts ausmerlsam gemacht. Um zahlr. u. pünktl. Ersch. ersucht 184/51 Die OrtSvertualtung CeiMmin der Bildliaoer Deutsclilands. )HF* Torliinfisc Anzeige. Sonnabend, den 10. März 1900. in Sanssonci, Kottbuserstl 4a; Bauernfesi. Entree 50 Pf. Die VerginUginngeikoinnilsslon der VerwaltangsHtelle Berlin. Bekanntniaclaung. Ordentliche Ceneralyersammlang der Orts-Krankenkasse fite de» Cewerbebetrieb der Killlsleute, Handelsleute und Motheker tag. den 13_ abends 8,/, Uhr, m den Armin hallen, Konimandanteiistr. 20. Tagesordnung: 1. Beschlußfassung über die ärztliche Behandlung der Kassenmitglicder für das Jahr 1900. 2. Genehmigung der Berhaltungsregeln sür erkrankte Mit- gltcder, 3. Erhöhung der Gehälter für zwei Beamte, 4. Antrag Schul, zke und Genossen:„Smd die Mitglieder der Orts-Krankenkasse refp. deren Ver- treter bereit, im Princip zu erklären, daß sie als Controlcure weibliche Per- sonen anstellen wollen?" 5. Wahl der Revisoren zur Prüfung der Rech- nung des Jahres 1899, 0. Autrag des Borstands auf Abänderung de« S 04 deS Statuts. 7. Wahl von ») drei Vorstandsmitgliedern seitens der Arbeitgeber und zwar: 1. Er- gänzunaswahl von einem Vorstands- Mitglied biS Ende 1901. 2. Sieuwahl von zwei Borstandsmitgliedern bis Ende 1902. d) sieben Vorstandömit- gliedern seitens der Kassenulitglieder und zwar: 1. Ergänzungswahl von einem Borstandsmitnlicd bis Ende 1900. 2. Ergänzungswahl von zwei Borsiandsmitgliedern bis Ende 1901. 3. Reuwahl von vier Vorstandsmit- gliedern bis Ende 1902. f2130b Der Vorstand. Werner, Cust. Knebel, Aug. Borfitzenher. Schriftführer. Be�tauratiou ist billig zu verkauseu. Gegend in der Brunneustraße. Zu erfrage» Stral- sunderstr. 68 im Cigarren-Geschäft. FrQhstUcks-Suppen GemOse» und Krafisuppen Bouillon-Kapseln Suppen-WQrze stets vorrätig bei A. ilainhold(vorm E. W. Eltreich), M., Prinzen-Allee und Ecke Bellermannetrasse. AG Zlufsehen erregende Neuhheit. Breis nur 5 M Diese Trompeleli-Fansarcn-Harmonika, 35 cm hoch, hat einen ganz großartig'krästigen 2chörlgen niodulationSfähigen Orgeltmi. 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Tie Parteigenossen werden es an reger Agitation nicht fehlen lassen. Vorab gilt es, die Wählerschaft zum Nachsehen der Wähler- listen zu veranlassen. Dies ist besonders notwendig, um Stö- ruugcn im Wahllokal zu vermeiden. Der 35. K o m mu n a l- W a h l b e z i r k umsaht die Stadt- bezirke 245. 246, 246—253. Dieselben enthalten folgende Strotzen in der Schönhauser V orsta d t: Odcrbergerstr. 6—32 uud 34—46; Ebcrswalderstratze ausschließlich Nr. 24; Lychenerstr. 2— 133; Raumer- firatze 1—16 und 52—56; Lettestratze Eägrundstück an der Lychener- strotze: Pappcl-Allce 1—146; Danzigerstr. 88; Buchholzcrstratze; Guciststratzc; Gethsemnncstratze; Greifeuhagenerstratzc; Stargarder- stratze 1—26 und 64—32! Schönhauser Allee 46—144, Die W ä h l e r l i st e ii für diese Straßen liegen zur Einsicht auS bei Mars, Kastanien-Allee 66. In der R o s e n i h a l e r V o r st a d t umfaßt der Bezirk die Straizcn: Beruanerstr. 25 und 27— 48 und 51— 83; Sivineiiiünder- stratze 24— 34 und 66— 106; Biuetoplatz; Ruppinerstr. 11— 23 und 26—30; Wolgasterstr. 1—13; Wollinerstr. 22—37 und 38—46; Stralsunderstr. 1—13 und 60—66; Brunnenstr. 50—65 und 123 bis 138. Die Listen für diese Strotzen liegen zur Einsicht aus bei Bachgänger, Swincmiinderstr. 34. Der 44. Bezirk umfaßt die Stadtbezirke 263— 298. Diese Bezirke enthalten folgende Straßen: 2VZ. Birkeustr. 31—49. Brcdowstr. 14—35, Brcmerstr. 26—57, Enidenerstr. 15— 38, Quitzowstr. 79—108, Siemcnsstr. 11— 42, Straße 4a(Abt. VIII), llnionplatz, Wiclefstr. 1—26 und 29—54, Wilhelmshavencrstr. 17—46. 2114. Emdenerstr. 1—14 und 39—54, Ottostr. 1—3 und 20, STuniistr. 36—54 und 67— 85, Waldenserstr. 2— 20 und 25— 42. 295. Arininiusplatz, Straße Ani Arminiusplatz, Bredow- straße 1—13 und 36—50, Brcmerstr. 1— 19 und 58—76, Buggen- kiogcnstratze, Jonasstratzc, Turmstr. 28—35, Waldenserstr. 1 und 43, Wilhelnishavenerstr. 1—16 und 47—60. 296. Birkeustr. 60 und 61. Lübeckerstr. 1-21 und 35-52, Perlebergerstr. 33, 34, 36, 33. 40, 41, Stromstr. 11-16 u. 49-62, Turmstr. 21—27. 297. Lübeckerstr. 22—24 u. 27- 34, Perlebergerstr. 35, 37 u. 39, Stromstr. 17—33 u. 85—48. 298. Birkeustr. 17—30 und 50—59, Havclbergcrstr. 1—9 und 30—40, Lübeckerstr. 25 und 26, Perlebergerstr. 26, Putlitzstratzc, Quitzowstr. 115, Salzwcdelerstraße, Stcndalerstr. 11, Stcphanstr. 27 bis 45, Stephan-Platz, Stromstr. 33a u. 34. Die Wählerlisten für den 44. Bezirk liegen aus bei P f a r r, Putlitzstr. 10. Versäume niemand, die Listen nachzusehen I Da nach den Listen vom Juli 1866 gewählt wird, so ersuchen wir die Wähler, welche verzogen sind, beim Wählen ihre alte Wohnung anzugeben. Ferner ist es iiotwciidig, daß die Wähler die L e g i t i in a t i o n s- karten, die der Magistrat ihnen zuschickt, aufbewahren. Wer bis zum 10. Februar eine solche Karte nicht erhalten hat, wolle sich unter Beifügung einer Legitimation(Stcucrzettel. Mietskontrakt) an die Genossen wenden, bei denen die Listen zur Durchsicht auslicgen. Auf zur Agitation! Ve�fsinmlungen. In einer gut besuchten Volksversammlung, die am DonneiStag im„Prater" tagte, sprach Reichstags- Abgeordneter Wurm über Kommunalpolitik. Der Referent zeigte in trefilicher Weise, welche wichtige Aufgaben die Kommune zu erfüllen habe. Er wieS nach, wie notwendig es sei, daß auch in der Kommunal- Verwaltung eine verständige Socialpolitik walte, damit nicht nur einzelne Kreise, sondern die Gemeinde sich zum Vorteil der Gesamtheit entwickele. Mit scharseu Worten geißelte er unter allseitiger Zustimmung die unzähligen llnterlassungssunden der jetzigen Stadtverwaltung im Ver- kehrs- und Schulwesen, das lässige Zuschauen beim Bodenwucher und den anderii Spekulationsunternehmungen. In der folgenden Di-kussiou schilderte B o r g m a n n das reaktionäre Gebahren der jetzigen liberalen Stadtverwaltung. Sodann wurde Genosse W u r m einstimmig zum Kandidaten für den 35. Kommunalwahl-Bezirk auf- gestellt uiid in das Wahlkomitee Mars, Kunst, Dobcolaw, Steiniger, Weynhfaupt, Bachgänger uud Morgen- stet n entsandt. Mit einem begeisternden Hoch auf die Social- demokratie schloß die imposante Versammlung. Die Berliner Micterpartei— unter dieser Firma ziehen die National-Socialen in den Kommunalwahlkampf im 44. Bezirk— hielt am Donnerstag eine Versammlung in der Brauerei Moabit ab. Der Besuch war ein guter, aber etwa die Hälfte der Anwesenden gehörten der Socialdemokratie an. Pfarrer Naumann, der den ein- iciteudcn Vortrag hielt, entwickelte ün wesentlichen das Programm der(Bodeureformer und empfahl Damaschke als denjenigen, der von diesem Standpunkt aus die Wohnungsfrage und als früherer Lehrer die Schulaugclegenheiten in der Stadtverordneten- Versamm- lung als Fachmann behandeln könne. Der Kandidat Damaschke selber vertröstete die Anwesenden wegen der Darlegung seines kommunalen Programms aus die Versammlungen, die noch abgehalten werden sollen, und, um bei den Arbeitern Stimmung zu machen, stellte er sich als Mann aus dem Volke und Arbeiterfreund vor. Unser Kandidat, Genosse Glocke, der hierauf das Wort nahm, legte den Unterschied zwischen Socialdemokratie und National-Socialen dar, und wies daraus hin, daß die bodenreformerischen Forderungen, lue ich e Naumann hier vorführte, sich gar nicht ohne Mitwirkung der gesetzgebenden Körperslbaften verwirklichen ließen, daß es also nicht zutrefte, wenn sich die Micterpartei als unpolitisch bezeichne. Niemand verdenke es den National-Socialen, wenn sie einen Sitz' im Roten Hause zu erlangen suchen, und wenn wir auch dem, was sie auf konimunalem Gebiet zu thun gedenken, zustimmen können, so werde uns das nicht hindern, auf Grund unsres weitergehenden Programms in den Wahlkampf einzutreten und den Wahlkreis wieder zu erobern. Nachdem hierauf ein Biirgcrpartcilcr cscsprochcn hatte, vertrat noch Genosse Augustin den Staudpunlt der Socialdemokratie. Er schloß mit der Bcmerküna: Herr Damaschke habe an die Bürger- schaft appelliert. Er(Redner) werde sich freuen, ivcuii die Bürgerschaft sich so ivcit aufraffe, um für einen National-Socialen zu stimmen. Die Arbeiter dagegen wissen, daß sie am besten vertreten sind durch cincii Socialdcmokratcii. Die Debatte, die auf beiden Seiten durchaus sachlich und ohne Leidenschaft geführt wurde, währte bis nach Mitternacht. Der Contralvcrband der Handels-, Transport- uud Ver- kehrsarbcitcr hielt ani Sonntag, den 23. d. M., seine Jahres- Gcuernlvcrsaniinlung im Englischen Garten ab, welche von mehr als 500 Mitgliedern besucht war. Aus dein Bericht des Bc- vollniächtigten Ocrtel'war zu entnehmen, daß im Jahre 1896 61 Bersommlniigen, 205 Betriebsbcspicchungen und 48 Sitzungen der Ortsverwaltung stattfanden. Die Milglicdcrzahl ist im Laufe des Jahres von 1300 auf 2732 gestiegen. Von 4 größeren Lohnbewegungen wurden 3 mit Erfolg durchgeführt. Die Mitglieder setzen sich zn- sainmen ans: 614 Nollkutschern und Spcditionsarbeitern, 142 Mehl- und Getreidckütscherii, 758 Kohlcnarbcitcrn, 68 Möbeltransport- arbcitern, 604 Hatisdicncrii und Packern, 448 Straßeiibahu-Au- angestellten, 08 Bierkutschern, Kcllcrarbcitcrn:c. Rechtsschutz wurde in 15 Fällen gewährt. in 14 Fällen wegen Uebertretuug des ß 316 Gefährdung eines EiscnbahntrauSports. Hierbei wurden elf Freisprechungen erzielt. An Unterstützungen wurden im ganzen für Berlin 3448' M. ausgegeben." Es winde sodann mitgeteilt, daß die Mitglieder Sommerfeld und Adler verstorben seien, das Andenken derselben wurde von der Versammlung in der üblichen Weise geehrt. Aus dem Kassenbericht für das 4. Quartal 1399 ist folgendes zu entnehmen: Die Einnahmen betrugen 6940,53 M., die Ausgaben 5762,14 M,; darunter befinden sich 3456,70 M., die an die Haupt- lasse abgeliefert sind. Der Bestand in der Ortskasse beträgt gegenwärtig 1178,41 M. Die Jahresabrechnung ergab an Einnahmen 18822,82 M., an Ausgaben 17 644,41 M, Hervorzuheben ist. daß davon 8879,10 M. an die Hauptkasse abgeliefert und 1180,30 M. für Kranken- nnterstützniig ausgegeben wurden. Nach einer lebhaften Dislussion über den Bericht unterbreitete Werner eine llcbersicht über den Stellennachweis. Danach wurden im 4. Quartal 279 Stellen ge- meldet. Der Branche nach wurden verlangt IlO Hausdiener und Packer. 80 Kutscher, 54 Arbeiter. 35 Laus- und Arbeitsburschen. 115 Stellen wurden für fest besetzt, 35 zur Aushilfe. Nicht besetzt werden konnten 86 Stellen, weil passende Kräfte fehlten. Bei 35 Stellen war der Lohn zn niedrig. Bei den besetzten Stellen betrug der Höchstlohn 27 M., der niedrigste 15 M., der Durchschnittslohn pro Woche 21,40 Wk. Die längste Arbeitszeit betrug 17, die kürzeste 10 Sluiideit.Jini Durchschnitt IS'/s Stunden. Im Lause des Jahres 1899 wurden an Stellen 1087 gemeldet, davon besetzt für fest 386 und zur Aushilfe 137. Der Durchschnittslohn im Jahre betrug bei den besetzten Stellen im ersten Quartal 19,10 M., im zweiten 18.90, im dritten 19,00 und im vierten Quartal 21,49 M. Das Steigen de? Durchschnittslohns ist lediglich ans die mit Erfolg durchgeführten Lohn- b e tv e g u n g e n zurückzuführen. In Anbetracht des Wachs- tnms des Verbandes mußte ein zweiter Beamter im Bureau provisorisch eingestellt werden. Die Versammlung wählte Iah. H o f f m a n n. Für die Ortsverwaltuug wurden vorgeschlagen als Bevollmächtigter bis 1. April Rod. Oerie I, als zweiter Bevoll- niächtigtcr A d o I f B l e ck, als Kassierer W e r n e r, als Schrift- führcr Lang kau. Nach einer Mitteilung, daß Exemplare der neuesten Polizei-Straßenordnung in Taschenformat zum Preise von 10 Pf. im Bürcnu des Verbandes. Bischofstr. 13, I zu haben seien, erfolgte Schluß der Versammlung.-- Pankow. Am 30. Januar fand bei Settckorn. Schönhanscn, eine öffentl. Versammlung des Arbeitervereins statt. Genosse Kotzke sprach über:„Was will die Socialdemokratie"? Redner ging vgn dem Ausspruch des Grafen Oriola aus, die Socialdemokratie ist keine politische Partei, sie ist die einzige, welche kein Programm hat. Redner' bemerkt, daß allein schon in dem Wort„Socialdemokrat" esn ganzes Programm enthalten sei und giebt dann einen geschichtlichen Rückblick. Nachdem der Vortragende in packender Schilderung die Entrechtung der Arbeiterklasse dargelegt hatte, kommt derselbe zu dem Schluß, daß die Befreiung der Arbeiterklasse nur durch ihre eigene Kraft geschehen kann.- Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 4, Febmar, vorm. 8l/z Uhr im obere» Sanl des„Englischen Gartens", Alexaiiderstrahe 27c, Versammlung: Freireligiöse Vorlesung.— Um IG/« Uhr vormittags ebendaselbst Vortrag des Herrn Wilhelm Bölsche„Die Wclträsel". Gäste. Damen und Herren sehr Ivilltoiiiiiien Humanistische Gemeinde. Mohrcnstrahe 47, im oberen Saal des Brandenburger Hauses. Sonntag, den 4. Februar, vormittags 10V, Ahr, Herr Dr. Rudolph Penzig, zweiter Bortrag seines Vortragszyklus:„Huma- nismus und Katechismus". Der Mißbrauch der Heiligen. Gäste, Damen und Herren haben freien Zutritt. Tocialdcmokratischcr Agitationsverein für de» Reichstags- Wahlkreis Stralsnnd-Franzburg-Nügen. Sonntags denj 4. Februar, vorm. 10 Uhr bei Ramlow, Schönhauser Allee 135, Stgung. Gäste willkommen.._. Verein der Buchdrucker und Schriftgicster für Rixdorf- Britz. Vercinsversamiulnug ani Sonntag ,1 den 4. Februar, nachmittags I Uhr, im Apollo-Thealcr, Hermaiinstraße 43— 50(kleiner Saal). Tagesordnung: Denionstrationsvortrag des Zahnarztes Herrn Dr. Semmel.— Geschäft- lichcs.- Reimincrationen.- Verschiedenes.— Aufnahme neuer Mit- glieder. Ceiitralverein der im Adressenwesen und verwandte» Branche» Beschäftigte», Berlin. Sonnabend, den 3. Februar, abends 8 Uhr bei Keriichcu, Wallstr. 57, Versammlung. Deutscher Holzarbeiter-Verband. H (Zahlstelle Berlin). Sonutag. 4. Fcbrnar, vormittags 10 Uhr, im Fccn-Palast, Burg- und W-lsgaugstrasteu-Eckc: General- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Kassenbericht des Reudauten. 2. Bericht des Vorstandes, der Bczirls- keitcr, der Werkstatt-Kontrolllomuiission uud des Aibeitovecmittlers. 3. Ersatzwahlen zur Ortsverwaltuug. 4. Nomiiiicriing der Delegierten zum Wer- bmidstag. 5. Bericht des Gauvorstandes. ö. Wahl des GauvorstandcS. SJSP' Nur(Eintritt mit Mitgliedsbuch.-"VSO Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 77/2_ Die Ortsvenvaltnns. |W Doemslev."HSV Die Gesamt-Kommisfion der Drechsler Berlins wird ersucht vor ter Generalversammlung um«'/»Uhr vormittags bei Mörschel, Juden- straße 35, zu eurer Besprechung zu erscheinen. Verband der Möbelpolierer. Bontag;, den 5. Febrnnr, abends 81/, Uhr: Versaiiuiiluiig iu M i x et o r t\ im Rcstallraltt Babenschucidcr. Herrmaimstraße 197. Tages-Ordnung: 1. Dortrag des Genossen dahn:„An der Scholle des Jahrhunderts". 2. Diskussion. 3. Bericht über die Lage des Streiks bei der Firma Laborenz. 4, Verschiedenes._ 145/8 Am Sonntag den 4. Febrnnr. vormittags 10 Uhr, findet für die Kollegen der Zahlstelle Friedrichsberg eine Morgru- fprache statt und zwar im Lokal des Herrn Heinicke. Eile Friedrich Karlstraße._ Am Bittwoch, den 7. Febrnar, abends 8 Uhr: Vertrattettsmantter-Sitznng Friedrichsbcrgcrstratze 11. Diejenigen Kollegen, welche ihre Kontrollkarten noch nicht umgetauscht haben, werden ersucht, dieses schleunigst zu thun. ver Verstand, __ I. A.: K. Höker, Admiralstraße IS. teilt her MMilisttn, Heizer uitb Berussgeilch» Berlins und Fnigcgcnd. Sonntag, den 4. Februar er., nachmittags pünktlich 5 Uhr, in Tohnt gestsäleii. Beuihstrafte 20: 138/3 Forlsetzung der GeneralYersainmlung. Toges-Ordnung: Verhandlung der eingegangenen Anträge, Wahl von zwei Delegierten zum Verbandstage in Nürnberg. Wahl des Vergnügungs- komitees und dreier Mitglieder als Beschwerdekommission für den Arbeits- Nachweis. Der Borstaud. Möbel und Polsterwarett. R°-ll.«rb«». Ganze Einrichtungen zu billigen Preisen. s345SL* Frans Tntzaner, Brunnenstraß« 152, Seefische Volksnahrung.{ unserer Dampfer ermöglichen uns Cabliau p. Pftl. äo Pf., im Ansohn. 22-25 Pf., Seliellfisclie p. Pfd.£5-35 Pf. während dieser und kommender Woche in ,,n9crcn ,,luriS2cLS.l,kauf**te,IeB Andere Fisohsorten— auch Steinbutt, Seezungen, Tarbutt, Scholle etc.— ebenfalls billig. isetoei- Eeseilscliaft„Nordsee". telind der Mnk-, LltttH- HiWrbtiter u. Arbeiterim Dcntillilands W'iSf Die Beerdigung des Kollegen Emil Mühl findet am Sonntag nachmittag ZV, Uhr von der Halle des Gemeinde- Kirchhofes in Plötzensce(gegenüber der Strafanstalt) statt. Die Kollegen besonders der A. E.G. werden ersucht, sich zahlreich zu beteiligen. _ Dle Ortsverwaltuug. Tapezierer. Dienstag, den 6. Februar 1900, abcndS«>/- Uhr: B e r f a m m lung beider Filialen. Filiale Mord: Briiiiiienstrnhe 188. Tages-Ordnung: 1. Varlrag des Genosscii Paul Jahn über„Die Stellung des Menschen in der Natur". 2. Diskussion. 3. LerschiedencS. 177/4 Filiale Süd; Markgrafenstratze 83 bei Lorenz. Tages-Ordunng: 1. Vortrag Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Achtung! Kleber Achtung �Tapezierer). Sonntag, 4. Febr., mittag« 1% Uhr, bei Fast er, Jnlelstr. 16: Oeffentl. Vevsnntinlung. TageS-Ordunng: 1. Der bevorstehende Streik der Kleberbrauche. 2. Diskussion � Die Bauarbeiter sämtlicher Berufe sind hiermit eingeladen.— Es ist Pflicht sämtlicher Kleber zu erscheinen. 2l8Zb 88. Die Zahlstellen der Kleber befinden sich ln solgcndcn Stadtteilen, Sonntagvorinittag 10— 12 Uhr: dl. Lychenerstr.>33, Stlberiiagcl; Xl). Frank- furter Allee 70, George; SO. i 19, Pinzer. Wienerstr. 31, Stephau; C. Schützenstr. 18 u. Der Einbernfcr Strasser. Achlimgl Töpfer! Achtung! Vom Mouiag, den B. Februar, ab bestndct sich das Buicau der Filiale Berlin des Eentralvcrbandes der Töpfer Aiene Friedrieh. Strasse 20. 195/3 Arbeitsnachwels nachmittags von 5—6 Uhr, Sonnabend 4—5. Bibllotbek täglich außer Sonnabend von 6-7 Uhr. Der Filialvorstand. Ctlltrllslicrbgilh her Thstr DtiitslhiolldS. Filiale Berlin. Dos Mitglied Albert Pohlenz starb am 31. Januar nach längerer Krankheit.— Die Beerdigung sindet Sonntag, den 4. Febr., nachm. 3 Uhr von der Halle des Friedhofes der Markils-Gem., Hoheiischöiihaitseu bei Wilhclmsberg statt. Um rege Beteilig. der Mitgl. ersucht Ter Borsiand. starb der Am 28. Januar 1906 unser lieber Kollege, Schriftsetzer Msrij Wallmg im 23. Lebensjahre. Die Beerdigung findet statt am Soiniiag, den 4. Februar, nachm. 3 Uhr, von der Halle des Begräbnisplatzes d. Kaiser Wilhelm- Äedächtniskirche in Westend, Neuer Fürsten- brunnenveg. 2l7gb De« Personal d. Buchdruckeref Otto v. Holten. Daiiksagnng. Allen Vciwandien und Kollegen für die zahlreiche Beteiligung bei der Bc- crdiguiig meines lieben Mannes, des Steindrnckers InliuS Müller meinen herzlichen Dank. ___ Ww. Lnise Müller nebft«inb. Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder- Gutcuiteriewareil-Jlldustrie beschcift. Arbeiter uiid Arbeiteriuueil Delltschlands. Zahlstelle Berlin. Unsere für DicnStag. den 6. Februar, Bersammluiig Nillt ans.— Die nächste «0. Fedriiar statt. Unsere Blbllotheh ist von jetzt ab MitlwochS von 6—8 Uhr abends und Sonnabends von 6—9 Uhr abends geöffnet. Toinitag, 18. Februar, nachmittags 4 Uhr, in der neuen«Urania", Taubeustraße 48/49: Vertrag:.Hon den Alpen bis m Vesuv" VillctS a«0 Pf.(inkl. Warderobe) sind von heute ab in den Zahlstellen sowie im Bureau, Annenstr. 50, zu haben. 23/8____ Die Ortsvcrwaltn n g. festgesetzte Miiglicdcr- Dersammluiig findet am �vkwiig! Vereine. Achtung! Aonuenbergs Parkschlöftchen, Treptow, 3K28L» empfiehlt sein Etablistcnient für alle vorkommenden Vereius-Fcstlichkeiten unter den coulantestcn Bedingungen. A. Ronnenberg. Mr den Inhalt der Inserate »bernimmt die Siedaktion dem Vublirnni gegenüber keinerlei ! Veranlwortnng. Tszenkev. Sonnabend, 3, Februar. Opernhaus. König Drosselbart. Ratbold. Anfang 7>/z Uhr. Gchanspielhaus. Wie' die Alten sunge». Anfang?V- llhr. Deutsches. Schluck und Jau. An- fang 7>/z Uhr. Lesfing. Fastnacht. Vorher! Die sittliche Forderung. Ans.?>/, Uhr. Berliner. Zaza. Anfang T/j Uhr Nachm. 3 Uhr: Libussa. Neues. Nackte Kunst. Ansang 7V- Uhr. Schiller. Amphitryon. Hieraus: Der zerbrochene Krug. Ansang 8 Uhr. Weste». Die weihe Dame. An- sang 7Vz Uhr. Thalia. Im Himutelhof. Ansang 7l/z Uhr. Residenz. Die Dame von Maxim. Ansang 7r/, Uhr. Luise». Minna von Bamhelm. An- fang 8 Uhr. Central. Die kleine Exccllenz. Ans 7-/- Ubr. Carl Weis?. Die Jagd nach dem Glück oder: Die Diebin. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung: Schneewittchen und die sieben Zwerge. Victoria. Berliner Bilder. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmstiidtisches. Ein gesunder Junge. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Tischlein deck Dich, Esclein streck Dich, Knüppel aus dem Sack! Metropol. Specialitätenvorstellung. Die verlehrte Welt. Anfang 8 Uhr. Apollo. Specialitäten- Vorstellung. Im Reiche deS Jnbra. Anfang . 7V2 Uhr. Palast. Specialitäten- Borstellung. Anfang 7V, Uhr. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage> Panoptikum. Speciali- töten-Vorslellung. Urania. Jnvalidenftr. S7/«S. Täglich abends von S-10 Uhr: Sternivarte. Tanbcnstrafte 48/4». Abends « Uhr:„Bon den Alpen zum Vesuv". Jui Hörsaal: Prof. Dr. Müller: „Naturgeschichtliches über unser Haus". Tlhisltl'-Thelittt (Wallner-Theater». Sonnabend, abends 3 Uhr: ver zerbrochene Krug. Lustspiel in 1 Akt v. Heinr. v. Kleist. Hierauf:.Amphltrz-on. Lustspiel in 3 Akten nach Moliere von Heinrich von Kleist. Sonntag, nacki mittags 3 Uhr: Cz'prlenne. Abends 8 Uhr: Die Gronsstadtlnft. Montag, abends 8 Uhr: Das Käthchen von Heilbronn. Crtltrnl T hreltev Direktion: 4o»e perenerv, Abends 7'/. Uhr: Ii« kleine Excellenz. Operette in drei Akten von Richard Hellberger. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Sonntagnachm. 3 Uhr zu halben Preisen: Der Detteistndent. Operette von C. Millöckcr. Ilnanis Tanbcnstrasso 48/40. Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen zum Veeuv". Hörsaal: Prof. Dr. MUller:„Naturgeschichtliches über unser Haus". Invalidcnstr. 67/6:6: Täfll. Sternwarte. Nachmittags S— 10 Uhr. Tassage-Fanoptlcii; Geöffnet 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Anatomisches Museum Dienstags für Damen. Passage�Thealer: Der Haarathlet Sascha und 15 erstklassige Debüts. Vorstellung 7— IG/z Uhr. Thalia-Theater. Tel. AmtIVa 6440, Dresdenerstr. 73/73. Täglich: Noch nie dagewesener Possen- Lacherfolg! Im Himmelhof. Thomas, Thielscher, Helmerding, Junkermanu, Paulmüller. _ Anfang 7'/a Uhr._ Mfitropol-tatfir Behrenstrasse 55/57. zmitergr.MetrWl-Theater Masken-Ball. Anfang 10 Uhr. Sonntag und folgende Tage: Die verkehrte Welt mit der feenhaften Truppen- Revue. CsrlW eiss-Theatep Gr. Franks, irtcrstrasie 138. Nachmittags 4 Uhr: Kindervorstellung. Zuni unwiderruflich letzten Male: Schneewittcho» und die sieben Zwerge. Zaubermärchen mit Gesang in 7 Bildern von Zimmermann. Novität! Abends 8 Uhr: Novität! Die Jagd nach dem Glück. Realistisches Ausstattungsstück mit Ges. in 7 Bildern o. Carl Weih. Musik v. L. Fall. Vorzugsbill. Hab. Gültigkeit. Im Tunnel v. 7 Uhr an Prelkenzert. Sonntagnachm. S'A Uhr: Lenore. Kl. Preise. Nsst-Iheatep früher Feen-Palast, Burgstr. 22. Das große neue Sensations- Peh mar- Programm. Erstklassige Specialitäten. Liebende Photographien. Scenen vom Krieg in Transvaal. Nach Schluß der Vorstellung, um IG/z Uhr: Palast- Theater- AI»8lLei»-V»KI. Viele Ueberraschungcn. Preis- Der- tcilung von wertvollen Gegenständen. Anfang 7l/z Uhr. Vorverkauf 11—1 Uhr. llntree; Vorstellung u. Ball 50 Pf. Ehren-Vorzugskarlen und Gutscheine sind gültig. SV Mittwoch, den 21. Februar: Benefiz für die beliebte Soubrette Helene Voss. J«! en! g P" CASTANS Spanopticum [STea! Neu! Ken Ein Riese der englischen Armee Sergeant Tb. Dalroy 2 m SO cm hoch! Oberbayrisclie Sänger und Schuhplattler- Gesellschaft. Relohshallen. Täglich: Stettlncr Sänger Ansang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pfennig. Vorvcrlaus 40 Pf. Cirkus Schumann. Heute Sonnabend, den 3. Februar, abends präc.?>/, llhr: SW Gala-Premiere"WQ Doctor Faust. Eine romantisch- phantastische Handlung in 3 Abteilungen mit teilweiser Benutzung des H e: n r i ch Heine scheu Tanzpoems gleichen Namens und des S i m r o ck ichen Volksbuches von A u g u st Siems. In Scene gesetzt vom Direktor Albert Schumann und Hosballcttmeister S i e m s. Regie: Ballettmeister Rcisinger. Musik von H e Y e r. Die gesamte Ausstattung an Kostümen, Möbeln und Reauisiten ist von der Firma Hugo Baruch& C o., Hoflieferanten, Berlin. Die prächtigen neuen Dekorationen aus den Ateliers des Herrn Georg Handlich, Breslau, die Installation der Belcuchtungs- und Lichteffekte von der Firma Schwabe& Co., Berlin. 1. Alt: Im Stndlerximmer des Dr. Faust. Schluß de? Aktes: Im Reiche der Liebe. 2. Alt: Hin Schützenfest im 16. Jahrhundert, endet mit Entführung des Dr. Faust. 3. Akt: Die Herzogin von Parma, darauf folgend: Der Herenfabbat auf dem Dlocksberge. Mausts HöllonfAhrt. !?nr gefl. Deachtung! Die zur Premiere bestellten Villets müssen bis spätestens heute abend 6 Uhr an der Kasse in Empfang genommen werden, da dieselben der kolossalen Nachfrage wegen nicht länger reserviert werden können. Morgen Sonntag: 2 grosse Borstellungen. Nackm. 3>/z Uhr und abends 7l/z Uhr. Nachmittags: Die reizende Pantomime: Im BZeihnachtsbazar oder: Die Puppenkönigin. Nachmittags ei» Kind frei. Abends 7>/, Uhr: Zum zweiten Male: MF' Df*> Faust. W. Noacks Theaterl Brunnenstraße 16. Sonnabend, den 3. Februar: Wegen PrlvatfestUchkeit keine Vorstellung. Sonntag: Goldene Berge. f Cirkns Busch. Heute, Sonnabend, den 3. Februar, abends?% Uhr: High Life Evening. Neues Programm! Zum l. Male: Nenuette ä cheval, große Quadrille gor. mit 12 Schulpserden. Die weiße Dame. Die Matwccf- Akrobaten- Troupe..Der Feuerprüiz Mr. lllvalll. Der Original-Welt-Jockep-Akt. Zum Schluß: Die Oamorra. Apollo-Theatsr. Anfang 7Vs Uhr. La Fagette, Soubrette. Luigi Dell Oro, Instrumental. Ackuamarlnoffs, Gesangs- Ensemble. Schwestern Sorlnl, Duettist. Ephraim Thompson mit seinen Elefanten. Dagmar Hansen, Soubrette. Dlamantine, Flammentänzerin. Hill u. HuII, Brcentrics. DerKosniograph, Neue Bilder aus dem Transvaal- kriege.— Um 9 Uhr: Im Reiche des Indra. Vorverkauf im Theater, beim Invalidendank u. Künstlerdank. Jeder Arbeiter Jeder Handwerker sollte x«r Arbeit die Lederhosc Herhules tragen. Mein-Verkauf. Sehr starke Ware in praktischen grauen u. braunen Streifen. Hinleu u. vorn am Bund aus einem Stück gearbeitet. Nr:l::i)pse u. Kappnähte. Feste Leder-Pilot-Taichen, die Hose /bei Entnahm- vonl /§ OBf 5ft l 6 Stück 26 Ml I � lOU. 50 Echt indigoblaueS Jackett für Maschinisten, Montnire:c. IM. 99 Eckt indigoblaue Hose dito. IM. 59 Prima Manchestsr Hose 8,—, 4M. 75 Gefüttert. Manchest.-Jackett 13,—!l,— Aerztc- Kittel, gebleicht. lessel 2 M. Maler-Kittel in Leincn-Art. s M. 25 Mechaniker-Kittel(braun).. 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