Wnterhattlmgsblatt des Jorwürls Nr. 135. Sonnabend, den 13. Juli. 1911 (RatS&ciut SccüoUoJ 31] pelle der Srobercn Lehrjahre. Bfoman öon M. Andersen NexZ. i>?och gemütlicher kann es an Werktagsabenden sein. Da trennt das Feuer auch noch nach acht offensichtlich im Ofen. die Lampe strahlt, und Marten ist auch da. Dann kommen sie von allen Seiten und sprechen einen Augenblick vor. und die hindernde Kälte weckt alle großen Erinnerungen in ihnen. es ist, als ziehe sich die Welt selbst in der warmen Werkstatt zusammen. Jeppe beschwört seine Lehrjahre in der Haupt- stadt herauf und berichtet von dem großen Bankrott! ganz bis in den Anfang des Jahrhunderts führt er sie zurück, in eine alte, wunderliche Hauptstadt, wo alte Leute mit Perücken gingen, wo das Tariende immer in der Luft hing und sich herumdrehte, und die Lehrlinge ihr Leben fristeten, indem sie des Sonntags vor den Türen der Bürger bettelten. Ja, das waren Zeiten! Und er kommt in die Heimat zurück und will sich als Meister niederlassen, aber die Zunft will es ihm nicht gestatten, er ist zu jung. Da geht er als Koch auf See und kommt da hinunter, wo die Sonne so heiß brennt, daß das Pech in den Fugen kocht, und man sich auf dem Verdeck die Füße verbrennt. Eine lustige Bande find sie, und Jeppe steht nicht hinter den anderen zurück, so klein er ist. In Malaga stürmen sie eine Wirtschaft, werfen alle Spanier aus den Fenstern hinaus und treiben ihre Kurzweil mit den Mädchen, bis die ganze Stadt über sie herfällt, und sie 1p das Boot fliehen müssen. Jeppe kann nicht mitkommen, und das Boot stößt ab: er muß ins Wasser springen und zu ihnen hinausschwimmen. Die Messer fallen platschend um ihn herum ins Wasser, und eins setzt sich zitternd in seinem Schulterblatt fest. Wenn Jeppe bis hierher gelangt, fängt er immer an, den Rock abzustreifen und die Narbe zu zeigen, Meister Andres hält ihn zurück. Pelle und Morien haben die Geschichte mehrmals gehört, können sie aber immer wieder hören. Und Bäcker Jörgen, der die meiste Zeit seines Lebens Bootsmann auf den großen Nord- und Südmeerfahrern ge- Wesen ist, wirft mit Handspille und Eisbären und schwarzen Schönen aus Westindien um sich. Er setzt die Sville in Gang, so daß der mächtige Dreimaster auf der Reede von Hanava die Segel lichtet, und in einem jeden Zuhörer wer- den die Segel gelichtet. O, hoi. ho, Ihr Leute, Die Spille in Gang! Laßt weinen das Mädel, Stimmt an den Gesang! So wandern sie rund herum, zwölf Mann, die Brust gegen die schwere Hairdspane geklemmt; der Anker wird ge- lichtet und das Segel füllt sich mit Wind, und hinter feinen Worten schimmern die Züge eines Liebchens in jedem Hafen hervor. Bjcrregrav kann nichts tun, als sich bekreuzigen, er, der nie etwas ausgerichtet hat, als für die Armen zu fühlen; aber in den Augen des jungen Meisters reist alles— rund um die Welt hermn, rund um die Welt herum. Und Holzfuß- Larsen, der im Winter der wohlhabende Rentenzehrer in blauer Seemannsjacke und Pelzmütze ist, im Frühling aber aus seinem hübschen, massiv gebauten Hause als armer Leier- kastenmann in die Welt hinausfliegt, berichtet von dem Tier- gartenhügel und der abenteuerlichen Holmstraße und von sonderkmren Wesen, die sich aus den Kehrichtkasten in den Hinterhöfen der Hauptstadt ernähren. Aber in Pelles Körper knackt es. wenn er sich nur rührt. die Knochen schieben nach und verlangen, sich zu strecken, er hat Wachstum und Unruhe an allen Ecken und Enden. Er ist der Erste, zu dem der Frühlig kommt, eines Tages meldet er sich in ihm als Verwunderung darüber, wie er wohl aus- sehen mag. Pelle hat sich nie zuvor diese Frage gestellt, und die Spiegelscherbe, die er sich von dem Glaser erbettelt hat, bei dein er Schabeglas holt, sogt ihm nichts Rechtes. Er hat im Grunde selbst daS Gefühl, daß er unmöglich ist. Er fängt an, auf die Auffassung, die andere von seinem Aeußeren haben, zu achten, hin und wieder sieht ihm ja nial ein Mädchen nach, und seine Wangen sind nicht mehr so dick« daß sich Witze darüber machen lassen. Das blonde Haar istl gewellt, die Gliickslocke in der Stirn verrät sich noch als! kleiner, widerspenstiger Strich; die Ohren sind noch immer schrecklich groß, und es nützt nichts, daß er die Mütze darübev zieht, um sie an den Kopf zu pressen. Aber er ist gut ge». wachsen und groß für sein Alter, die Werkstattluft hat seine Frische nicht unterkriegen können; und vor nichts in der Welt ist er bange, namentlich wenn er wütend wird. Er ersinnt hunderterlei Arten von Sport, um die Forderungen deS Körpers zu befriedigen, aber es verschlägt nicht. Wenn ey sich nur nach dem Haimner niederbeugt, so spricht es in alle» Gelenken mit. Aber dann birst eines Tages das Eis und treibt inS Meer. Die Schiffe werden aufgewkelt und proviantiert und gehen denselben Weg, und die Leute in der Stadt erwachen zu Vorstellungen von neuem Leben und beginnen an grünende Wälder und Sommerputz zu denken. Und eines Tages kommen die Fischerboote! Sie kommen aus Hellavik und Nogefund und aus den anderen Orten da» drüben an der schwedischen Küste, über das Meer dahin- gestrichen. Keck durchqueren sie das Wasser mit den wunder» lichen lateinischen Segeln in schrägem Flug, gleich hungrigen Seevögeln, die das Meer mit der einen Flllgelspitze streifen bei ihrem Spähen nach Beute. Eine Meile seewärts nehmen die Fischer der Stadt sie mit Flintenschüssen in Empfang, sie erhalten keine Erlaubnis, im Bootshafen vor Anker zu gehen, sondern müssen sich einen Platz in dem alten Schiffshafen mieten und ihre Fanggerätschaften zum Trocknen nach Norden zu ausbreiten! Die Handwerker strömen zusammen und reden über diese fremden Räuber, die aus einem ärmeren Lands kommen und den Kindern der Stadt das Brot vor dem Munde wegnehmen, abgehärtet, wie sie sind, voll Mut, bei jeglichem Wetter und mit Erfolg auszufahren. Das tun sie in jedem Frühling, und wenn sie sich mit Heringen versorgen wollen, so handeln sie mit den Schweden, die verkaufen billiger als die Einheimischen.„Vertragen unsere Fisck?er vielleicht ledernes Schuhzeng?" fragte Jeppe,„die gehen an Sonn- und Wochen» tag in Holzschuhstiefeln, das tun sie. Mögen die Holzschuh» macher mit ihnen handeln, ich kaufe, wo es am billigsten ist." Es ist, als komme der Frühling in eigener Person an» gestiegen in diesen mageren, sehnigen Gestalten, die singend durch die Straßen gehen, um den kleinlichen Neid der Stadt herauszufordern. Jedes Boot hat Frauen mit, um die Gerät» schaften zu reinigen und auszubesiern, und sie ziehen in« Scharen an der Werkstatt vorüber, um die alten Logis draußen im Armenvicrtel bei„Krafts" aufzusuchen. In Pelles Herzen kommt und geht es beim Anblick dieser jungen Weiber, mit hübschen Pantoffeln an den Füßen, mit schwarzen Tüchern um die ovalen Gesichter und vielen schönen Farben in der Klcidertracht. Es taucht so vieles in seinem Innern auf, dunkle Erinnerungen aus seiner Kindheit, wo olles dagelegen hat, wie ausgelöschte, hingehauchte Sagen von etwas, das er erlebt hat und dessen er sich nicht mehr entsinnen kann, es ist wie ein warmer Atemhauch aus einem anderen, unbekannten Dasein. Geschieht es dann, daß die eine oder andere ein kleines Kind auf dem Arm hat, so hat die Stadt was zum Reden. Ist es wieder Kaufmann Lund, so wie im vergangenen Jahre. er, der seitdem nicht anders als der Heringshändler heißt? Oder ist es ein sechzehnjähriger Lehrling, eine Schande füv Pastor und Lehrer, die ihn eben erst entlassen haben? Dann zieht Jens von bannen mit seiner Handharmonik«� Pelle beeilt sich mit dem Aufräumen, er und Morien eilei» hinaus nach demGalgenhügel, Hand in Hand, denn Morien wir!* es sckpver, so schnell zu laufen. Alles, was die Stadt an anspruchsloser Jugend besitzt, ist da; aber die schwedischen Mäd» chen gehen allen voran. Sie können sich schwingen, daß bis Pantoffel fliegen, kleine Kämpfe werden um sie ausgekochten, Aber des Sonnabends gehen die Fischerboote nicht in See, dann kommen die Männer mit funkensprühenden Brauen und« fordern ihre Weiber, und dann werden große Schlachten geschlagen. Pelle geht mit Haut und Haar hierin auf, hier findet er die Bewegung, die sein Körper bei seinem Handwerke so hart entbehrt hat. Er hat einen wahren Heißhunger auf Held«»» taten und rückt den Kämpfenden so nahe auf den Leib, daß hin und wieder eine Ohrfeige auch für ihn abfällt. Er tanzt rnit Marten und faßt Mut, auch ein Mädchen aukrufordern, er ist geniert und macht die köstlichsten Bocksprünge beim Danz, um drüber hinwegzukommen, mitten im Tanz nimmt er Reißaus und läßt das Mädchen stehen.„Verteufelter Affe," sagen die Erwachsenen und lachen hinter ihm drein. Er hat eine eigene Manier, auf all diese Sorglosigkeit einzu'- gehen, die das Leben fein Recht nehmen läßt, ohne Gedanken an morgen und an das nächste Jahr. Will einmal eine mannsfrohe Frauensperson feine Jugend einsangen,� so schlägt er hinten aus und ist mit ein paar übermütigen Sprüngen auf und davon. Aber er kann so von Herzen mit- singen, wenn sie in Gruppen heimziehen, Männer und Frauen, eng umschlungen, und er und Marten kommen hinterdrein, auch sie die Arme umeinander geschlungen. � Dann spannt der Mond seine Lichtbrücke über die See, und im Nadelwalde, wo weißer Nebel über den Wipfeln liegt, wogt der Gesang von allen Steigen und gelangt zu wiegendem Ausdruck in der verschiedenen Gangart der wandernden Paare; aufdringlich schwer in seinem Inhalt, aber getragen von den leichtesten Herzen, so recht ein Gesang, um darin sein Glück auszusingen: „Steck auf, steck auf Dein goldblondes Haar, Einen Sohn sollst Du haben, eh' um das Jahr; Da hilft Dir kein Jammern und Klagen! In vierzig Wochen da komm ich nach Haus, Und seh, wie es dann mit Dir sieht aus. Die vierzig Wochen, die gingen dahin, Da ward die Jungfrau gar traurig zu Sinn, Da begann sie zu jammern und klagen--:— � Und weiter geht es durch die Stadt dahin, Paar um Paar, wie ihnen der Sinn steht. Die krummen, stillen Gassen hallen wieder von Sterbe- und Liebesliedcrn, so daß die alten Bürgerleute den Kopf vom Kissen erheben, die Nachtmütze zur Seite schieben und sich bedenklich schütteln müssen über all diesen Leichtsinn. Aber die Jugend fühlt nichts dabei, sie saust und schwärmt nur weiter mit ihrem siedenden Blut. Und eines Tages bekommen die Alten Recht; das Blut ist aus dem Sieden gekommen, und da stehen sie und die Folgen, und fordern Vaterschaft und Unterhalt.„Haben wir's nicht gesagt?" sagen die Alten; aber die Jungen senken den Kopf und sehen einem langen, verkrüppelten Dasein entgegen, mit übereilter Heirat oder ständigen Zahlungen an eine fremde Frauenspersoen, während ihnen ihr ganzes Leben lang ein Schimmer der Herabsetzung und Lächerlichkeit anhaftet, mit Ehe und Verkehr unter ihrem Stande. Sie reden nicht mehr davon, in die Welt hinauszuziehen und sich eigene Wege zu bahnen; haben sie sich den Alten gegenüber auf die Hinter- beine gesetzt und Platz für ihre Jugend gefordert, so gehen sie jetzt wieder demütig im Gespann mit gesenktem Kopf, be- schämt mit den Augen zwinkernd über ihre einzige Helden- tat. Und die, die dies nicht zu tragen vermögen, müssen zu nächtlicher Zeit das Land verlassen oder sich frei schwören. /(Fortsetzung folgt.j,' (Nachdruck verbolen.) i] Der Vater. Von C. V i e b i g. ' WaZ fiel dem KammercrS Toni ein, den Spaß so zu stören? Das war gegen die Abred! Man war empört. Der Joses hielt sich die schmerzende Backe, des Toni Eisenfingcr hatten füns schwellende Striemen darauf gezeichnet. Wenn einer an solchem Spatz keinen Gefallen fand, sollte er eben nicht herkommen, Fastnacht, Masken- frcihcit! „Schmeitzt hän eraus, dän Schkandalmacher, schmeißt hän eraus!" Der Toni widersehte sich nicht, er war wie benommen. Er sah nur noch, wie man am Josef, der eine bildhübsche Dirne war »nit seinem in der Mitte gescheitelten welligen Haar und dem ab- rasierten Schnurrbärtchcn, herumtröstete und wie der sich dem einen Deines auf den Schatz setzte. Dann sah er nichts mehr. Er lkag drautzen auf der Gaste, er wutzte nicht wie. Und als er lang- sam wieder auf die Fütze gekommen war. sich den Rücken rieb, der ahn schmerzte, wutzte er immer noch nicht, warum ihm die Scham tvic feurige Lohe in das Gesicht schlug, er fühlte sie brennen. Ge- senkten Kopfes, als hätte auch er sich zu schämen, schlich er nach Haus.---- Würde es mit fem Aergernis denn niemals ein Ende nehmen? Jetzt ward es Frühjahr. Der Ortsvorsteher, der Deines, war ge- witz, wenn so ein Mensch wie der Josef noch länger hier herum- tungerte, steckte er das ganze Dorf an mit seiner Manier. Der AeineS stellte wieder den Antrag, den unnützen Brotester fort- zuschasfcn— daß er seine Tochter mit ihm erwischt hatte, das der- schwieg er wohlweislich—, ach ja, die Sitten waren nicht mehr so löblich wie dazumal! Drei Taler konnte man ihm ja als Weg- zchrung geben, aber dann sollte er auch allein sehen, wie er weiterkam. Mit einigem Widerstreben zwar hörte man des Deines An« trag, aber doch ging man drauf ein. Man war nun selber dahinter gekommen: Es war wirklich bester, er war nicht mehr hier. ES war nicht einer zu Scheidweiler, den er nicht gebrandschatzt hätte. Wenn er so schön tat und bettelte, hatte man eben nicht nein sagen können. Aber nun wars genug damit! Und nun hingen ja auch an den Haselbüschen die goldbepuderten Räupchen, das erste Mesen- schaumkraut zeigte sich am.Sammctbach, unter den aützgeschossenen Jungtrieben der alten Lohhecke blühten die weitzen Glöckchen der Anemonen. Jetzt war gerade zum Wandern die rechte Zeit, es war nicht zu kalt, nicht zu heitz. Auf dem letzten Buckel Scheidweiler Landes standen sie unS sahen dem Scheidenden nach. Bis wo die Hasborner Grenze an- fängt, hatten ihm etliche das Geleit gegeben; der Peter aus Christenpflicht, der Hannes aus Dummheit, der Michel, weil er zu guter Letzt noch sein gezeichnetes Kartenspiel wieder an sich zu bringen dachte. Ein Deines aus Neugier, zwei Mücklener aus Gewöhnung, der Noldes aus lauter Betrunkenheit und noch ein paar andere, die eben mitliefen, weil jene mitliefen. Von der Höhe des Ackers sahen sie den Schlendcrschritten des Josef nach» sahen es, wie er mit dem eben geschnittenen Stecken in die Schlehenbüsche hieb, daß es wie Blütcnschnee in die Luft wirbelte, und schickten sich dann erst zur Umkehr an, als hinter der nächsten Bodenwelle der Wanderer gänzlich verschwunden war. Da ging er hin auf Nimmerwiedersehen! Ein wenig betrübt waren sie» und so begossen wie Kinder, denen ihr liebstes Spielzeug abhanden gekommen ist. Der Toni war nicht zum Geleit mitgegangen— waS ging ihn der Scheidweiler Josef an? Aber es traf sich, daß er gerade heute auf dem Acker des Bruders pflügte, der sich wie ein Zwickel weit ins Hasborner Land hineinschiebt. Hier ging er unweit der Straß? hinter seinem Gespann. Er war das letzte, was der Ausziehende von Scheidweiler zu sehen bekam. Aber die beiden riefen sich-nicht zu, sie grüßten sich nicht. Der Toni schien keine Augen zu haben für anderes als für die Furche, die er eben zog. Er und der Josef, sie konnten sich nicht gut leiden. Ein halbes Jahr war ins Land gegangen, man hatte nicht? mehr von dem Josef gehört, und selbst die, die ein besonderes Jntereste an ihm genommen hatten, waren des froh. Aber siehe. che es ganz Winter wurde, war er wieder da. Und so blaß, und so abgeristen, so heruntergekommen und elend, daß maus wohl ein- sah, man mutzte ihn für die kalte Zeit dabehalten im Nest. Wenn es Frühling wurde, mutzte er wieder fort. Und so geschah es noch manchesmal; er kam immer wieder. Der Scheidweiler Josef kannte sein Recht, er pochte darauf: Die durften ihn nicht hinausstoßen. Solange es ihm gefiel, solange blieb er auch hier! Aber er hatte sich jetzt endlich doch dazu bereitfinden lassen. wenigstens cttoas zu tun. Er machte Botengänge fürs Dorf, er läutete die Glocke und arbeitete ab und zu auf Gelegenheit. immer nur leichte Arbeit. Wozu sollte er sich so anstrengen? Da? hatte er ja nicht nötig. Der Toni Kammerer sah ihn manchesmal am Dorfanger faul in der Sonne liegen, wenn er selber, schwcitzüberströmt, daS schwere Grastuch mit Grünfutter aufgehuckt, vom Feld hereinkam. Dann verzog sich sein Gesicht zu einer verächtlichen Grimasse: Wie konnte ein gesunder Meisch dem Herrgott so den Tag abstehlen?! Aber zugleich mit der Verachtung zuckte auch noch ein anderes Gefühl auf: Könnte er dem da doch von dem Schaffensdrang ab- geben, der ihn selber, auch wenn er hätte rasten dürfen, allezeit umtrieb! Der ihm die Arbeit das sein ließ, darum es wert war zu leben. Arbeit, Arbeit— wenn der Josef doch arbeiten wollte! Dann würden sich seine Glieder auch straffen, das Mark in den Knochen fester werden. Wahrhaftig, er, der an die fünfundzwanzig Jahre älter war als der Josef, war doch noch ein anderer Kerl! Kämmerers Toni reckte seinen Buckel gerade und warf mit einem kraftvollen Ruck die bleischwere Last wie spielend von der einen Schulter auf die andere herum. Das war nicht schwer, aber schwer ward es ihm, so schwer, daß eS ihm mit Qual fast den Atem be- drängte, zuzusehen, wie der Josef nichts tat.— Es war in der nächsten Gemeinderatssitzung, als sie beim alten Deines wie gewohnt auf den Bänken am langen Tisch saßen, als es an die Stubcntür pochte. Der Toni vom Kammererhof trat herein. Er hatte seinen Arbeitskittel noch an, der so geflickt und bescheiden war wie ein Kncchtsgewand, doch die Sonntags- mutze hatte er aufgesetzt; und sauber gewaschen war er, und ein Gesicht machte er, als ginge er in die Kirche. Eine leichte Verlegenheit kam in seine Mienen, sie sahen ihn alle erstaunt an: Was wollte denn der? Er zögerte einen Augenblick, aber dann kam er dicht an den Tisch heran und sagte feierlich laut:„Deines, ech motz Eich eweil cbbes saon. Hei. Un Eich annern aach!" Er schaute rundum. „Int Wirtshaus giehn ech jao net mich. Mer trifft hän jao alle- weil drin, dän Josef. Et is mer verleibt!" Sie sahen ihn noch verwunderter an: Das hatten sie nie ge- wüßt, daß dem Toni am Wirtsh«x/Sgehen gelegen Mar. Kein Wruder, der JakoV, schüttelte den Kopf: Ein komischer Kerl, der Toni, was störte ihn denn der Josef beim Wirtshausgehen?! Sie Verstanden ihn alle nicht. Aber der Toni fuhr fort, ganz flüssig, er mußte eS sich oft genug vorgesagt haben:„Dan Josef gift mit der Zeit en Lump. Mer darf dat net leiden. Et is dat einzige, hän krieht en Frau. En ordentlich Weibsbild, dat hän in Räsong hält. Ech kenner ein'. Arm is se, äwer se is en ordentlich Mensch. Et is die Luzia, die beim Müller unnen am Sammetbaach dient. Ech haon als met ihr gered't. Se duht et. On dat—" er zog immer mit der gleichen feierlichen Miene aus der Tasche ein Lederbeutelchen und setzte es Jo fest auf den Tisch, daß man die Geldstücke drin klappern hörte yiit silbernem Klang—„dat gewen ech derzu." War der Toni verrückt? Der Kammercrhofbauer sprang von Ler Bank in die Höhe: Nein, das litt er nicht, litt er unter keinen Umständen, daß der Bruder sein bißchen Erspartes also vertat! Aber der Toni blieb fest, ein hartnäckiger Wille sprach aus dem ruhigen Blick seiner Augen, aus der ein wenig gekniffenen, schmalen Linie des Mundes: Das schenkte er dem jungen Paar. Und was gaben die andern dazu? Fragend sah er sich um. Der war wohl närrisch?! Die ganze Geschichte war vom Toni Verrückt, so verrückt, daß man sie ja kaum glauben konnte! Der Toni Kammerer hatte sich gereckt, sehr ernsthaft sah er der Reihe nach die Dorfältesten an. Er hob wie bittend die Hände: „Gäwt ihm en Frau! Helft ihm derzul Ech haon et bedaach un bedaach so manniche Nacht— et kann ihm neist anneres nutzen. Vor en ordentlich Fraul" Es war komisch, daß der griesgrämige Junggeselle so warm fürs Heiraten sprach. Und doch lachte kein Mensch. In des Toni Augen war ein Glanz gekommen, ihm, dem Wortkargen, flosien heut die Worte vom Mund, sie strömten dahin wie ein Bach, der sich endlich vom Eise befreit hat. Peter Deines sah nachdenklich drein: hm, ja, dem Toni schien die Sache wirklich am Herzen zu liegen, und man hatte doch nie gewußt, daß der um den Josef sich kümmere. Aber recht hatte er — gut war es von ihm und klug— sicherlich war es das Beste, Van spannte den Josef ins Ehejoch.-- (Fortsetzung folgt.Z Rclnbold ßegae. Eine Weltberühmtheit, von der es still geworden ist, feiert am IS. Juli den achtzigsten Geburtstag. Es ist kaum zu viel behauptet von den eingeschworenen konservativen Bewunderern, daß wie Rauch in der ersten, Begas in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahr» Hunderts die deutsche offizielle Plastik beherrscht habe. Sagen wir statt dessen preußische und kaiserliche Plastik, so stimmt es sogar ganz genau. Es gibt eine Gegend im Zentrum Berlins, wo man aller hundert Schritte über ein Werk von Begas stolpert. Das Schillerdenkmal vor dem Schauspielhaus, die Gruppe an der Börse, in der Ruhmeshalle die Borussia. Das große Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm gegenüber dem Schloß, die Grabmäler Kaiser riedrichS und Bismarcks in Raschdorffs schlimmem Dom, die ermania auf dem Reichstagsgebäude, das Bismarckdenkmal davor und der Neptunbrunnen am Schloß! Braucht es mehr, um zu be- legen, daß Begas der offizielle Bildhauer des preußisch-deutschen Imperiums ist? Alles Mehr an Geist und Können zugegeben, feit 1870 rückte er immer deutlicher in die gefährliche Parallele mit Anton von Werner, er wurde der Repräsentant kaiserlich aner» kannter Hofkunst„Unser Michelangelo!" Vor dem Krieg 7t), in den er— schon eingezogen— wicht mit mußte, weil er den Schiller, der mir von all seinen Berliner Denkmälern das relativ liebste ist, zu vollenden hatte— vor 1870 tvar Reinhold Begas aber auch einmal ein Kunstrevolutionär! In den fünfziger Jahren Freund und Ouartettgenosse der Feuerbach und Böcklin in Rom, waren seine sinnenfrischen, lebendig bewegten Genrcplastiken, die immer mehr als aus der Antike aus Barockgefühlen ihre Stilanregung zogen, ein erfrischender Gegen- stoß gegen den mattlebigen preußischen Klassizismus derer, die auf Schinkel und Rauch gefolgt waren. Und der kräftige Realismus, der aus starker Sinnlichkeit dieses lebensfrohen Hünen kam, hat ihn dann später noch etwa in der Büste Menzels und der Moltkes Werke schaffen lasten, deren teilweise Aeußerlichcs wir ja heute auch schon sehen, die wir aber doch als lebendige Leistungen zu respektieren haben. Auch im Neptunbrunnen am Berliner Schloß ist etwas von dem saftigen derbfrohen Leben, da» aus so mancher massiver Barockplastik zu unfern Sinnen spricht, ohne unsere Seele groß weiter zu bewegen. Sobald aber die Aufgaben später mehr verlangten, versagte Begas. Das ist wohl seine Klippe, daß es unter dieser starken künstlerischen Sinnlichkeit, dieser frischen Kraft keine Tiefen gab, kein wesenhaftes und eigentümliches inneres Erleben war, das seine Formgebilde prägte.„Kraft" allein genügt noch nicht zur Monumentalität. Das beweist so recht Begas' Berliner Bismarck. Um den forschen Mann da oben wird sichtbar lscine Wirkung störend) ein Athlet mit einer Kugel, eine lesende Frau auf einer Sphinx, eine mit einem Tiger. Sie alle„bedeuten" natürlich etwas, der Mann einen Atlas und so weiter, sie sind„A"egoricn". Ran Sagt nicht den Vergleich mit den Gefestelten am Sockel des Großen Kurfürsten boN Schlüter. Die sprechen unmittelbar, sind! Symbole! Es ist das leer Dekorative, das prunkhaft Aeußerliche, das auch den entsetzt, der die Dinge rein als Kunst sieht, das heißt daraufhin, ob die vorauszusetzenden Gefühle hier stark, eigen und ehrlich gestaltet sind. Das Nationaldenkmal für Wilhelm l. ist nicht einmal als rein dekorative Prunkanlage zu retten. Es gibt auf einem ziemlich engen Räume eine Mastenentfaltung, die vielleicht am Ende einer Via triumptialis einen gewissen repräsentativen Effekt machen könnte. Vielleicht ist auch aus dem ersten Stock des Schlosses ein leidlich geschlossener Eindruck zu gewinnen. Was der gemeine Sterbliche sieht, ist von der Vorderseite außer dem Sockelreiter eine Architektur,� die überall mit Durchblicken durchbrochen ist, deren Masten möglichst aufgelöst sind und deren viele historische Schmuckformen und bekrönende plastische Gruppen aufgeregt durch- einander schrck�i. Von der Rückseite, von jenseits des Spree- kanals, hört sich dieser Formenspektakel noch wirrer und unhar» monischer an. Welch unklares, lächerliches Gezappel der Silhouette geben diese Adler, diese Embleme, diese fahnentragenden Rosse- lenkerinnen usw. Und sehen wir die Dinge einzeln, so ist ihr SchönheitsrhythmuS ein leerer„Schmiß", den man wirklich ohne alle Bemühung tieferer geistiger Kräfte zu„treffen" vermag. Ist nicht etwas von der Selbsterkenntnis solchen Sachverhaltes aus den jüngsthin getanen Aeußerungen des nun achtzigjährigen Künstlers zu hören:„Begas rühmt sich nach, daß ihm eigentlich niemals von der Stirne heiß der Schweiß geronnen sei, im Grunde habe er immer lieber gemalt und musiziert und das Leben gepackt, wo cS am interessantesten sein soll. Wenn aber der Geist oder ein hoher Besteller über ihn kam, habe er in Tagen und Wochen ge- schafft, worüber sich andere Jahre quälen." Die Kunst, als Mittel ein schönes und interessantes Leben zu haben— auch eine Auffassung l Aber wo ist der wirklich Große, der seine Kunst so sah? Innerhalb der kaiserlich preußischen Hofkunst ist aber der heute Achtzigjährige noch immer der weitaus Bedeutendste. C, M, Die GebeimmlTe der Cbcops- pyramide. Seit vier Jahrtausenden fast blickt nun die Cheopsphramide. dieS ehrwürdige Wahrzeickicn uralter ägyptischer Kultur, herab auf das Treiben der kleinen Menscklcin, die zu ihren Füßen Schlachten schlugen und Feste feierten. Während all dieser Zeit hat sie in ihren, Inneren Geheimnisse verborgen, deren tiefes Dunkel erst jetzt ganz gelüftet wird. Die Lösung dieser Rätsel, die die Pyramide der Wissenschaft und der Menschheit aufgegeben, ist hauptsächlich der langjährigen Arbeit eines amerikanischen Archäologen Dow C o w i n g t o n zu danken, der seit 1902 sein'Zelt im Schatten der großen Pyramide aufgeschlagen hat, ihr Inneres, ihre„Ein- geweide" gleichsam, mit rastlosem Eifer durchsucht und noch jetzt damit beschäftigt ist, die letzten Gänge und Galerien des Riesen- baues von den Trümmern der Jahrtausende zu befreien. Wie der Gelehrte in einem ausführlichen Bericht über seine neunjährigen Forschungen mitteilt, sind ihm bereits bedeutende Entdeckungen ge- lungen, die sich sowohl auf die ursprüngliche äußere wie auf die innere Gestalt der Pyramide beziehen. Die Arbeit der Maurer ist an diesem Meisterwerk der Technik noch heute so bewundernswürdig wie vor 4000 Jahren. Zwanzig Jahre lang haben 100 000 Arbeiter diese Steine geschichtet, haben dieses Fundament von 701 Fuß Aus- dehnung gelegt, die 210 Steingänge gebaut aus prächtigen Kalksreinblöcken, 85 Millionen Kubikfuß Stein sind dabei ver» wendet worden, ohne alle Hilfsmittel und Maschinen, wie sie die moderne Baukunst besitzt. 2 300 000 einzelne Blöcke etwa waren es, die zur Errichtung des Bauwerkes notwendig wurden. Wienach ihrer Vollendung die Außenseite der Pyramide beschaffen war, hatte man bisher nicht gewußt. Nur daß der ursprüngliche Steinbelag fort tvar, stand fest; er ist durch die Jahrtausende hin fast völlig abgetragen worden und hat dazu gedient, so mancher Moschee von Aegypten ein prächtiges Gewand zu verleihen. Covington gelang es dadurch, daß er die an der Pyramide aufgehäuften Trümmer beiseite schaffte, die einzige noch völlig unberührte Stelle an der nördlichen Basis zu entdecken, die von der gütigen Hand der Zeit den räuberischen Steinsuchern ver- borgen worden war.- So konnte er denn feststellen, daß die ganze Pyramide früher mit weißem Kalkstein bedeckt war; sie muß so einen wundervollen leuchtenden Anblick geboten haben: als das Grab des Cheops fertig war, schimmerte es so weiß wie ein Marmorpalast unserer Tage. Heute ist diese Pracht ge- schwunden. Bei der Wegschaffung der Trümmerhaufen, die diesen weißen Belag verdeckten, wurden interessante alte Reliquien gciunden. GHenstände aus Bronze und Terrakotta, zwei Wagen, wie sie Maurer gebrauchen, uralte Flaschen, die wohl die Arbeiter in der glühenden Sonnenhitze geleert haben mochten. Nach der glücklichen Ansllärung des ursprünglichen Aeußeren der Pyramide wandte sich Covington der Erforschung des Inneren zu. Als Zugang benutzte er jenen gewaltsam gebrochenen Weg, den der Kalif Mamun 818 n. Chr. angelegt hatte, um als Erster in bt» christlichen Stero in die Tiefen deS SteiimngeheuerS einzudringen. Der Amerikaner drang dann bis zu jener geheimnisvollen Kammer, die unterhalb der eigentlichen Pyramide in den Ferien htneingehauen ist. Der Schatten deS TodcS lastet auf diesem unterirdischen Raum, besten eigentliche Bedeutung für die Aegypter uns unbekannt ist. Der schmale Zugang zu dieser Kammer, der 350 Fusz lang ist. kann jetzt von vorsichtigen Besuchern benutzt werden, die auf Händen und Füfcen durch den 4 Fuß hohen und kaum 3 Fuh breiten Gang hin- durchkriechen wollen. Bon diesem Gemach führt ein Brunnenschacht noch tiefer in die Erde herab. Als er von den aufgehäuften Trümmern befreit war, drang sogleich ein Strom frischer Luft her- ein, der die Temperawr von 32 Grad auf 25 herabsetzte. Als dann Covington auch den südlichen Luftschacht, der zum Zimmer des Königs führt, reinigte, sank die Temperatur wieder um einige Grade. Dieser 174 Fuh lange Schacht, der zu der grotzen Grabkammer des Königs führt, ist jetzt zum erstenmal ftei von allen Trümmern und ohne allzu große Beschwerlichkeit zugänglich. In den Lust- strömen, die durch diese Schächte dringen, bemerkte der Forscher zu seinen» Erstaunen musikalische Klänge. Die Luft im Süd- schacht brachte eine bestimmte Note hervor wie eine Aeolsharfe. Es war also Berechnung der Aegypter, in diesem Durchgang den Wind aufzufangen und einen Ton hervorzurufen, der mit dem von dem nördlichen Luftschaft erzeugten Ton harmonisch zusammenklang. Unter der Königsmauer im Herzen der Pyramide liegt die Grabkammer der Königin, zu der fich Covingion ebenfalls den Zugang bahnte. Bei dem Reinigen dieses Durchgangs von 152 Fuß wurden eine Reihe merkwürdiger Gegenstände gefunden, deren wichtigster ein kleines eisernes Armband ist, vielleicht auch eine Schmuck kette, die ein Kind um den Fuß trug. Dieses Stück, der älteste bearbeitete Eisengegen st and. der bisher bekannt geworden ist, lag in dem Zement des 84. Ganges. Schon früher hatte ein Ingenieur Hill im 103. Gang ein flaches Eisenslück gefunden, das aber keine Spuren künstlerischer Bearbeitung «mswies. Ueber der Königskammer, die 35 zu 17 und 19 Fuß mißt und aus poliertem Granit mit genau IVO Blöcken aufgeführt ist, erheben sich noch fünf andere Kamniern von denen die Decke der einen immer den Boden der anderen bildet. Die Granitplatten der Decken find sorgfältig poliert, die des Fuß- bodens sind rauh und uneben gelassen. Diese Kammern, die 1763 von Davidson entdeckt wurden, gehören ebenfalls zu den Geheim- nisten der CheopSphramide. Nicht niinder mysteriös ist die große, Iehr sorgsam gebaute Galerie mit ihren überhängenden Stein- chichten und den großen Granitpflöckcn; Covington glaubt, daß die hier befindlichen Granitplatlen früher mit Inschriften bedeckt waren, die ausgemeißelt wurden. Er hat einen Stein entdeckt, der noch Spuren einer ehemaligen Inschrift enthält. In der kleinen birnenförmigen Grotte in dem unterirdischen Brunnen- schacht befindet sich ein Granitblock, der mit großer Mühe hierher heruntergebracht worden sein muß. Bier weitere solcher Granit- blocke, alle mit Bohrlöchern versehen, wurden in dein unter- irdischen Gange schon von Flinders Pelrie gefunden. Covington glaubt, daß sie eine wichtige Rolle bei dem Bau der Pyramide ge» spielt haben. So enthält der Riesenbau gar manche Wunder und Ueberraschungen, von denen man sich ftüher nichts hatte träumen lasten. Manche seit Jahrtausenden bewahrte Geheimnisse hat er bereits verraten müsten, andere harren noch der Lösung. Scbacb. Unter Leitung von S. Alapin. O. Dehler. »b cdofgh ab cde fgh Weiß am Zuge erzwingt Remis. Schachnachrichten. Bon den ersten 6 Partie» des Matches Schlechter— Tarrasch sind 4 remis geworden und jeder hat »ine gewonnen. Das Komitee des großen internationalen Turniers S it Karlsbad, das am 20. August beginnen soll, hat die Absicht, olche Meister nicht zuzulasten, die mn Kölner gemischten Turnier für vergntw. Richard Barth, Berlin.— Druck u. Verlag: Meister und Richtmeister teilnehmen würben, daS am 17. Juli sie- ginnt und fich bis Mitte August ausdehnen wird. DaS Karlsbader Komitee steht auf dem Standpunkt, daß eine so kurze Erholungspause ungenügend und daß die unbedingt eintretende Ueberanstrengung ge- sundheitswidrig ist. Das seit kurzem erschienene Turnierbuch bon San S e b a st i a n(Verlag von Wedekind. Berlin S. 14. 6 M.) ist von I. Mieses und Dr. L e w i t t herausgegeben. In Anbetracht deS sehr prompten Erscheinens(drei Monate nach Schluß des Turniers) ist das Buch sehr gut glossiert, was wir dem grübelnden Fleiß und der peinlichen analytischen Genauigkeit von Dr. Lewitt zuschreiben. Da das Turnier von San Sebastian in bezug auf die Qualität der Teilnehmer fast einzig dasteht, können wir da? Buch zum Studium nur warm empfehlen. Auch Meister MieseS hat das Seinige getan, um das Buch wertvoll und interessant zu gestalten. Das Buch ent- hält allerlei Register und Zusammenstellungen, wodurch das Auf» finden der Partien, Eröffnungen, sogar der Endspiele(!) äußerst er» leichtert wird. Eine statistische Ueberficht beweist, daß von den 49 entschiedenen Partien des Turniers(56 wurden remis) Weiß im Verhältnis bon 28 zu 21 die Oberhand hatte. Je stärker die Teilnehmer find(und mit dem Fortschritt der schachanalhtischen Forschungen), macht es sich immer mehr bemerkbar, daß die Anfangs» ftellung der Steine wegen des Unterschieds im Tempo zugunsten der Anziehenden als nicht ganz korrekt zu betrachten ist. Aus dem Buch erfahren wir, daß Dr. Tarrasch, der bekanntlich die«Französische Partie" öffentlich als inkorrekt bezeichnet hatte, fich zu bekehren scheint, indem er m e h r m a l s als Nachziehender»Französisch" ge- spielt hat. Der Preis des Buche? ist etwas hoch, was jedoch von der Qualität weit gemacht wird. Herr Fahrn» hat in ML>»chen einen Weltrekord im Simultan» spiel geschaffen, indem er 160(I) Partien gleichzeitig gespielt und in 7'/, Stunden beendet hat.(55 gewonnen, 6 verloren, 39 remis.) Herr R. Spielmann hat den Match gegen Alapin mit 6'/z gegen S'/a gewonnen. Mit dem neuen Spielmodus(daS Analysieren während der Partie selbst) muß man noch weitere Er- fahrungen sammeln. Man darf nämlich das Analysier-Recht im Anfang der Partie mir»nit größter Vorsicht gebrauchen; son,l kommt man in die Lage(wegen der dennoch beschränkten Bedenkzeit a tswpa ziehen zu müsse n. An diesem Umstände ist Alapin diesmal ge« scheitert. Jminerhin hat sich der Modus insofern belvährt, als er bedeutend bessere Partien liefert. Man vergleiche z. B. die nach- stehende schlechteste Partie deS WeltkampfeS(die siebente), deren Schluß beide Teile in ärgster Zeitnot spielen mußten, mit der nächst- folgenden Partie Schlechter— Tarrasch. (Spielmann, Weiß.) 1. ei, s6; 2. 64, 65; 3. Zo3, Lk6; 4. e5, Sfd7; 5.£4, c5; 6. 6Xc5, Sc6; 7. a3,£6(eine Neuerung); 8. 1,63, g6; 9. eX£6. VXk« J 10. Sb5, Tb8; 11.£5--- S6e5 1 (11...... gXfö; 12. Sc7t, K68?; 13. Lgö! sc.) 12. Le3, gXfS; 13. Sh3 1, a6(vorsichtiger Dg7); 14. Sc7t I, K67; 15. 8X65, eXd5; 16. 0— 0, Kc7; 17. 8£4, Le6(Alapin wollte dem Remis»i»it 17...... Df7; 18. LXf5 1, I-Xko; 19. 8X65)-. Ko3; 20. Sböf, Kc7; 21. Sdöf ic. ausweichen I); 18. LXf5 1. DXf5(eine inter- eflante Opferkoinbiimtion. mn dem Gegner den Angriff zu entreißen; 18...... Sf31; 19. DXfS I, DX£5: 20. Dg3, Kc8 hielt die Figur); 19. 3X65f-. DX65; 20. �Xkö. P63; 21. Vb5 1. Qg7; 22. Lf4, Thg8; 23. TXe5, LXe5; 24. LXeöf, SXe5; 25. DXoof, Ko8; 28. g3, Lc6; 27. Tel, Tgf8(nun erst kommt die Idee des Damenopfers zum Ausdruck: es droht T62); 28. Dc3, T£7(Von nun an begann für Alapin das a tempo-zUHcn. Richtig war h7— h5!); 29. g4 1, Tg8; 30. hS, Ko8(30...... h5; 31. De5 droht Deöf). Der Schluß ist wegen arger Zeitnot nicht notiert worden. Beim 45. Zuge stand Alapin in einer undeckbaren Matt- Position, aber Spielmaun hatte die Zeit überschritte,». Die SchiedS- richter erklärten die Zeitüberschreitung für belanglos und sprachen die Partie Spielnrann zu. Dieser Prozeß beeinflußte sehr das Resultat des Matches. Erste Matchpartie Schlechter(Weiß)— T a r r a s ch. Spanisch. 1. e4. eä; 2. Sf3, ScO; 3. Lb5, a6; 4. La4, SfO; 5. Sc3, Lb4; 6. 0—0, 0-0; 7. 63, 66; 8. Se2, Se7; 9. Sg3, Sg6; 10. c3, La5; 11. 64, c6; 12. h3, TfeS; 13. Lb3, h6; 14.£e3(Eine fade Eröffnungspbase) 14.... 65; 15. 8Xo5, 8Xo5; 16. 6Xs5, 3Xs4; 17. 8Xv4. 6Xo4; 18.£4. I-e6; 19. LXe6, TXe6; 20. Db3, D63: 21. T£el, Db5; 22. Tadl(Das Mittelspiel hatte einen Anlauf auf Lebhaftigkeit genommen. Jedoch unterläßt jetzt Weiß mit 1-64 den Re4 zu gewinnen. Von Dr. E. Lasker angegeben.) 22.... T63; 23. TX68t, LX68; 24. Tdl, Lh4: 25. DXb5, cXb5; 26. g4 (Besser TdT) 26....£6; 27. eX£6(Noch immer war T67 ausfichls» voller) 27.... I-X£6(DaS Mittelspiel ist äußerst mäßig gewesen. Das nun folgende Endspiel bietet endlich einige spannende Momente) 23. K£2. b4!; 29. cXb4, LXb2; 30. T68t, Kh7; 31. 1x14, To6 1; 32. Ke3, LX64t: 33. KXd4, Tc2: 34. KXe4, TXa2; 35. Td7, b5; 36.£5, Kg8; 37. Ta7, Te2t; 38. Kf3, Tb2; 30. Kg3, TXb4, 40. Kh4, Tc4(Es drohte Kh4— h5— g6) 41. TXa6, Kf7; 42. Tb6; Tc5 Renris. Dies ist der D u r ch s ch n i t t S t h p u S der meisten Meisterpartien, die mit dem jetzigen SpiclmoduS(Verbot deS Analy- sierenS) entstehen.— Für den Tarrasch— Schlechter-Match beträgt der Preisfonds allein 4000 M.... Die obige Partie»st der Lohn!... Briefkasten. Herr Johann Wallrabenheim, Ungarn. Neusatz, Stefansgasie 7, sucht Korrespondenzpartien mit Arbeiterfchachspielerr». VorwärtsBuchdruckerei u.VerlagsanstaltPaul SmgeräiCo., Berlin