Anterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 161. Dienstag> den 8. August� 1911 47] pelle der eroberen Lehrjahre. Roman von M. Andersen NexS. Pelle sah ihn an, bis es ihn in der Brust brannte. Dann nahm er den Meister auf seinen Arm und trug ihn vorsichtig hinaus in den Schneegang.„T-u bist stark. Du, Herr Tu meines Lebens!" Der Meister hielt sich krampfhaft fest, den einen Arm um seinen Hals, während er den anderen in der Luft schwenkte, herausfordernd wie der Kraftmensch im Zirkus.„Hip, hip," er war angesteckt von Pelles Kräften. Vorsichtig wühlte er in der glitzernden Wölbung, seine Augen schimmerten wie Eiskristall, aber in seinem magern Körper raste der Brand. Pelle fühlte es wie ein verzehrendes Feuer durch alle Glieder hindurch. Am nächsten Morgen führten sie den Gang ganz weiter bis an Bäcker Jörgens Treppe, und dann war die Verbindung mit der Umwelt fertig. Da drüben waren im Laufe der letzten vierundzwanzig Stunden große Dinge geschehen. Marie hatte sich bei dem Gedanken, daß der Untergang der Welt vielleicht nahe davor stand, so aufgeregt, daß sie eiligst den kleinen Jörgen in die Welt setzte. Der alte Jörgen war im siebenten Himmel: er mußte gleich hinüber und es er- zählen.„Ein wahrer Teufel ist er, mir wie aus den Augen geschnitten." „Das will ich schon glauben," rief Meister Andres aus und lachte.„Nun bist Du doch zufrieden, Onkel Jörgen?" Aber Jeppc nahm die Mitteilung sehr kühl auf. Ihm gefielen die Verhältnisse da drüben bei dem Bruder nicht. „Freut sich Sören über den Jungen?" fragte er vorsichtig. „Sören?" Der Bäcker stimmte ein schallendes Gelächter an.„Der denkt nur an das jüngste Gericht und betet zum lieben Gott, der!" Späterhin am Tage hörte man den Klang von Schaufeln. Die Arbeiter waren da draußen: sie säuberten den einen Bürgersteig so weit, daß man gerade hindurchkommen konnte. Die Fahrstraße hing oben in der Höhe des Daches. Nun konnte man ja wieder an den Hafen hinabkommen, das war ebenso, als wenn man nach einem Erstickungsanfall wieder Luft bekommen konnte. So weit das Auge reichte, breitete sich das Eis aus. Auf die hohe Kante gepackt und mit langen Schanzen starrte es dort, wo die Brandung gerast hatte. Ein Orkan war im Anzüge.„Gott sei Dank," sagten die alten Seeleute,„jetzt spaziert das Eis davon!" Aber es rührte sich nicht. Und dann wußte man ja, daß das ganze Meer zu- gefroren war. Da konnte kein offener Fleck so groß wie eine Tischplatte für den Sturm sein, um von dort aus seinen Angriff zu beginnen. Aber ein wunderlicher Anblick war es, das Meer tot und leblos daliegen zu sehen, wie eine steinerne Wüste mitten während dieses verheerenden Sturmes. Und eines Tages kam der erste Bauer zur Stadt und brachte Nachricht vom Lande. Die Gehöfte da draußen waren eingeschneit: man mußte sich einen Gang in das offene Feld hinaus graben und die Pferde eins nach dem andern da hin- durch führen: von Unglücksfällen wußte er jedoch nicht zu be- richten. Jeglicher Betrieb stockte, niemand konnte sich zu etwas gufraffen: es mußte auch gespart werden, namentlich an Kohlen und Petroleum, die beide auszugehen drohten. Tie Kalifleute hatten schon im Ansang der zweiten Woche gewarnt. Da begannen die Leute, zwecklose Taten zu verrichten. Sie bauten wunderliche Dinge aus Schnee oder begaben sich auf die Wanderung über das Eis von Stadt zu Stadt. Und eines Tages rüsteten sich ein Dutzend Männer, um mit dem Eisboot nach Schweden zu gehen und die Post zu holen. Man konnte die Nachricht von der Welt da draußen nicht länger entbehren. Auf Christiamö hatten sie die Notslaggen gehißt: man sammelte Vorräte, hier ein wenig, dort ein wenig, und rüstete sich, eine Erpedition hinüber zu senden. Nun kam die Not dahergcwandert. Sie wuchs aus dem verschlossenen Erdboden hervor und ward das einzige Ge sprächsthema. Aber nur die, die ihr Schäfchen einigermaßen im Trockenen hatten, sprachen darüber, die Notleidenden schwiegen. Man rief die Wohltätigkeit an: da waren ja löjerregravs fünftausend Kronen in der Kasse. Aber die waren nicht da. Reeder Monsen behauptete, Bjerregrav habe sie seinerzeit zurückerhalten. In Bjerregravs Nachlaß befand sich kein Beweis für das Gegenteil. Nun, die Leute wußten« ja auch nichts Bestimmtes, und die Sache gab immer reichlich Stoff zu einer Unterhaltung. Wie dem nun auch sein mochte, Monsen war der große Mann wie immer. Er gab tausend Kronen aus der eigenen Tasche für die Bedürftigen.- Ueber das Meer hin gingen viele Augen, aber die Männer mit dem Eisboot kehrten nicht zurück. Das Mystische „da draußen" hatte sie verschlungen. Es war, als sei die Welt ins Meer gesunken, dort hinter der holperigen Eis» 'läche, die bis an den Horizont reichte, lag jetzt der Abgrunds Die„Heiligen" waren die einzigen, die sich regten: sie hielten überfüllte Versammlungen ab und sprachen über den Untergang der Welt. Alles andere lag wie tot da. Wer kümmerte sich unter diesen Verhältnissen wohl um die Zu- kunft? In der Werkstatt saßen sie mit Ucberrock und Mütze und froren: der Rest Kohlen, der noch da war, mußte für den Meister aufgespart werden. Pelle war jeden Augenblick da- drinnen. Der Meister sprach nicht mehr viel, sondern lag da und warf sich hin und her, die Augen zur Decke empor- gerichtet. Aber sobald Pelle gegangen war, klopfte er wieder, Wie mag es jetzt wohl gehen?" fragte er müde.„Lauf nach dem Hafen und sieh, ob das Eis sich nicht bald lichtet. Es gibt o viel Kälte: die ganze Erde wird ja auf diese Weise ein Eisklumpcn.-- Heute abend halten sie gewiß wieder eine Versammlung über das jüngste Gericht ab. Laus hin und höre, wie sie darüber denken." Pelle lief und kam mit dem Bescheid, aber wenn er kam, hatte der Meister es in der Regel schon wieder vergessen. Von Zeit zu Zeit konnte er melden, daß das Meer als blauer Schimmer zu sehen sei, ganz hinten im Eis. Dann leuchtete es auf in den Augen des Meisters. Aber bei der nächsten Meldung war das Ganze wieder aus.„Das Meer frißt das Eis noch, das sollst Du sehen," sagte Meister Andres wie aus weiter Ferne.„Aber vielleicht kann es nicht so viel verdauen. Dann gewinnt die Kälte die Oberhand, und fertig sind wir!" Aber eines Morgens trieb die Eismasse dem Meere zu, und hundert Männer machten sich daran, die Einfahrt mit Dynamit von Eis zu säubern. Es waren drei Wochen der- gangen, seit man Post von der Außenwelt erhalten hatte, und der Dampfer ging aus, um nach Schweden zu fahren und Nachrichten einzuholen. Er wurde da draußen von dem Eis erfaßt und nach Süden zu gewalzt: vom Hafen aus konnten sie ihn in einem Zwischenraum von Tagen im Eisgang vor- überwandern sehen, bald nach Norden und bald nach Süden. Endlich zersprangen die schweren Banden ganz. Aber es war hart für die Erde und die Menschen, sich wieder auf- zurichten. Alles hatte einen Knacks bekommen. Der Meister konnte den Umschlag von dem scharfen Frost zur Tauluft nicht wieder verwinden. Wenn der Husten nicht in ihm zerrte, lag er ganz still da.„Ach, ich leide so schrecklich, Pelle!" klagte er flüsternd.„Schmerzen habe ich nicht, aber wie ich leide, Pelle!" Aber dann eines Morgens war er guter Laune.„Jetzt bin ich über den Wendepunkt hinaus," sagte er mit schwacher, aber festlicher Stimme.„Nun sollst Du nur sehen, wie schnell ich mich erhole. Welchen Tag haben wir heute eigentlich?— Donnerstag? Tod und Teufel, dann muß ich ja mein Los erneuern. Ich bin so leicht, die ganze Nacht bin ich durch die Luft geschwebt, und wenn ich nur die Augen schließe, dann fliege ich wieder. Das ist die Kraft in dem neuen Blut. Zum Sommer bin ich ganz gesund. Tann will ich hinaus und die Welt sehen! Aber, zum Teufel auch, das Beste kriegt man ja doch nie zu sehen, den Weltenraum und die Sterne und das alles! Dann müßte man ja fliegen können. Aber über Nacht bin ich dagewesen." Tann übermannte ihn der Husten wieder. Pelle mußte ihn aufrichten: bei jedem Stoß klang es wie ein nasses Klatschen in ihm. Er hielt die eine Hand aus Pelles Schulter und stützte die Stirn gegen seine Brust. Plötzlich verstummte der Husten, die weiße, knochige Hand krallte sich schmerzhaft in Pelles Schulter.„Pelle, Pelle!" stöhnte der Meister und sah ihn in schrecklicher Angst mit seinen brechenden Augen an. „Was er nun wohl sehen mag." dachte Pelle schaudernd und legte ihn in die Kissen zurück. 22. Dft genug rnuszte Pelle es bereuen, bah er sich mtf fünf Fahre als Lehrling verdungen hatte. Er hatte während feiner Lehrzeit hundert, wohl auch zweihundert Jungen in die Reihe der Gesellen ausrücken sehen; dann wurden sie sofort auf die Straße gesedt, während neue Lehrlinge vom Lande und aus der Stadt die Zahl wieder vollmachten. Da standen sie dann und sollten auf eigene Faust anfangen. In den meisten Fällen hatten sie nichts Ordentliches gelernt, sondern hatten nur dagesessen und das tägliche Brot für den Meister erarbeitet: nun sollten sie plätzlich dem Fach gegenüber die Verantwortung übernehnien. Emil war vor die Hunde ge- gangen, Peter war Landbricfträger und verdiente eine Krone den Tag: dafür mußte er fünf Meilen gehen. Wenn er nach Hause kam, konnte er sich mit Pfriem und Pechdraht hinsetzen und den Rest für den Lebensunterhalt während der Nacht ver- dienen. Viele verließen das Fach ganz. Sie hatten ihre besten Jugendjahre nutzlos mit Arbeit verbracht. Jens war es nicht besser ergangen wie den meisten. Er saß da und machte Flickarbeit als kleiner Meister: sie hungerten geradezu. Das Mädchen hatte kürzlich eine Fehlgeburt gehabt, und sie hatten nichts zu beißen und zu brechen. Wenn Pelle zu ihnen herauskam, saßen sie in der Regel da und starrten einander mit roten Augen an: über ihren bangen Köpfen hing die Polizei wie eine Drohung, weil sie ja nicht verheiratet waren. „Wenn ich mich nur auf Erdarbeiten verstünde," sagte Jens, „so würde ich aufs Land hinausgehen und bei einem Bauern dienen." Bei all seiner Sorglosigkeit konnte Pelle nicht um- hin, in all den andern sein eigenes Schicksal zu sehen: nur seine Anhänglichkeit an Meister Andres hatte� ihn verhindert, jgeißaus zu nehmen und etwas anderes anzufangen« .(Lortsctzung fo!gt.x Viplomatifcbe Verltäncligung. i. Cambon: Ich stelle also im Namen Frankreichs die Frage, auf die alles ankommt: Was will Deutschland in Agadir? K i d e r l e n: Ich werde die Frage beantworten, sobald Sie mir gesagt haben werden, was Frankreich in Fez will. Der Ver- trag von Algeciras...... C a m b o n Weiß schon, weiß schon. So kommen wir nicht weiter. Ich werde nicht sagen, was Frankreich will, Sie werden nicht verraten, was Deutschland will. Damit würden wir die Verhandlungen vor ihrem Weginn abbrechen muffen. Das wäre das Ende— Kiderlen:— unserer Herrlichkeit. Wenns keine VerHand- lungen gibt, werden die Völker fragen, wozu sie Diplomaten de- zahlen? C a m b o pj Sehen Sie, lieber Kidcrlcn, wir kommen uns sckon näher. Stellen wir die Frage so: WaS wollen Sie persönlich? Kid e r l en: Das Gleiche, wie Sie, verehrter Kollege. Zu« nächst vollständige Geheimhaltung unserer Verhand- lungen. Kein Sterbenswörtchen in die Presse! C a m b o n: Aber natürlich. Was würde man sonst von uns sagen! Uns Staatsmännern glaubt man nur so lange, daß wir Weltgeschichte machen, als niemand erfährt, w l e wir sie machen. K i d e r l e n: Das wäre Verrat von Geschäftsgeheimnissen. Das wäre der Krieg— Cambon:— gegen alle Diplomaten. K i d e r l e n: Ehrenwort, ich bringe kein Wort hinaus. Cambon(gibt ihm die Hand): Ehrenwort! (Kiderlen schickt an August Scherl folgende Note:.Die Vcrhandtungen zwischen dem französischen Botschafter und Herrn von Kiderlcn-Wächter haben unter den freundlichsten Auspizien begonnen. Ueber die wichtigsten Vorfragen wurde bereits in beiderseitigem Entgegenkommen eine völlige Einigung erzielt.) II. Kiderlen: Deutschland besteht auf einem Vertrag. Wir müssen einen billigen Vertrag schließen. Cambon: Darf ich mir die Frage erlauben, welchen In- Halt dieser Vertrag haben soll? K i d e r l e n: Das ist uns Wurscht. Tie Hauptsache ist-in Vertrag. Cambon: Hat Teutschland nicht an Algeciras genug? Kiderlen: Was wäre ich ohne Algeciras! C a m b o n: Ah, ich verstehe. Wir brauchen Verträge, wn wechselseitig behaupten zu können, daß sie verletzt werden. K l d e r l c n: Natürlich, gäbe es keine Verträge, so gäbe cS keine RechtSgründe, die wir anführen können, wenn wir Konflikte brauchen. Tie Staatsmänner wären überflüssig. Wir können ohne die internationale Moral nicht leben. C a m b o n: In der Tat, wir müssen eine Moral haben, um uns ihre Mißachtung vorwerfen zu können. Ich sehe die Notwen» digkcit eines neuen Vertrages ein. K i d e r l e n: Er ist die Vorbedingung für die Fortsetzung unseres Handwerks. C a m b o n: Aber ein Vertrag braucht sozusagen doch auch einen Inhalt. K i d e r l e n: Da liegt die Schwierigkeit. C a m b o n: Denken wir darüber nach. K i d e r l e n: Das ist sehr schwer... (Die„Kölnische Zeitung" meldet offiziös: Die Ver- Handlungen sind leider ins Stocken geraten. Die Schwierigkeiten einer Verständigung sind groß, wenn auch die Hoffnung nicht auf- gegeben zu werden braucht, daß sie nicht unüberwindlich find, Kaltes Blut und trockenes Pulver!) III. Kiderlen: Ich Habs. In dem Vertrag muß etwas von Kompensationen stehen. Cambon: Ganz meine Meinung: Kompensationen sind das Brot der Staatsmänner Kiderlen:— wie der Krieg unser Lebcnsclixier. Wenn wir den Leuten nicht einreden können, daß wir den Krieg zu ver» hindern vermögen, sind wir verloren. C a m b o n: Und wenn wir den Leuten den Krieg selbst nicht einreden könnten, wären wir auch nicht imstande, ihn durch Kom» pensationcn zu verhüten, und unser Betrieb wäre abermals bankerott. Kiderlen: Also, Frankreich muß uns als Kompensation eine Kolonie geben. C a m b o n: Mit Vergnügen. Indessen, wenn wir Deutsch- land eine Kolonie schenken, könnte man meinen, wir wären besiegt, wir hätten uns aus Angst unterworfen. Das erträgt die nationale Ehre des französischen Volkes nicht. K i d e r l e n: Unser deutsches Volk ist nicht so anspruchsvoll. das kümmert sich um solche Tinge nicht. Aber Majestät will einen Erfolg. Cambon(verbindlich): Dazu will ich gern behilflich sein, aber niemals auf Kosten der Ehre. Kiderlen: Wenn Sie uns keine Kolonie geben können» so müssen wir eben Kolonien tauschen. Cambon: Aha, weder Sieger noch Besiegte! Ein Ausweg! Was wollen Sie aber haben? K i d e r l e n: Wenn wir um ein Bißchen Kongo bitten dürften? Cambon: Und was bieten Sie dafür? K i d er l e n: Togo?! Cambon: Mein Herr, Sic wollen mich foppen. Kiderlen(inständig): Nehmen Sie Südwest-Afrika. Cambon: Um keinen Preis der Welt. Kiderlen(flehend): Nehmen Sie Kamerun? Cambon: Sagen Sie lieber: Nehmen Sie uns Kamerun ab! Kider len(bettelnd): Tie Marianen, Karolinen, Samoa?! C a m b o n:(zuckt die Achseln)..... Kiderlen(entschlossen): Deutschland besteht darauf, daß wir alle unsere Kolonien an Frankreich abtreten. Cambon: Das ist keine Kompensation, das ist eine Bclei» digung, und ein Raub obendrein! Kiderlen(bedeutsam): Wollen Sie unsere Kolonien haben oder nicht? Cambon(heftig): Nein, zum Teufel mit Ihren Kolonien. Wir habe» genug an den nnserigcn. Kiderlen: Sie müssen unsere Kolonien haben.(Feierlich): Wir Deutschen fürchten Gott, sonst...... C a m b o n: Sic vergessen, mein Herr, daß wir in Frankreich den Staat von der Kirche getrennt haben. Ich bin mithin ver« pflichtet, den lieben Gott aus dem Spiel zu lassen. Wie Fran- zoscn fürchten dagegen die deutschen Kolonien. So reich sind wir nicht, um uns den Luxus zu erlauben. Kiderlen: Entweder— oder... C a m b o n: Oder nicht... (Der„Matin" meldet aus Berlin: Tic Verhandlungen find ab- gebrochen. Die Ansprüche Deutschlands sind uncrsüllbar.) IV. Kiderlen: Wenn Sie unsere Kolonien nicht haben wollen. so müssen wir auf den Tausch verzichten. Dann nehmen wir auch nie und nimmer den Kongo. C a m b o n: Aber wir müssen doch zu irgend einem Ergebnis kommen. Wie ständen wir sonst da! ES gibt immer noch ein Mittel. Kiderlen: Ich weiß keines mehr C a m b o n: Der Status quo! Kiderlen(strahlend!: Daß mir das nicht gleich eingefallen! Der Status quo— das hilft uns beiden aus der Klemme. Aber der Status quo— mit Vertrag und Kompensationen! C a m b o n: Reden wir also von— Marokko. Kiderlen: Lassen wir Marokko aus dem Spiel, Majestät---- C a m b o n: Ich bin unterrichtet. Trotzdem ist Marokko eine ewige Fundgrube, eine unerschöpfliche Quelle für weitere diplo, malische Verwickelungen. Kiderlen: Wir dürfen den Quell nicht verstopfen. C a m b o n: Folglich miisien wir einen Vertrag schließen, in dem wir den Status quo ausdrücklich anerkennen. Marokko bleibt souverän. Teutschland läßt uns die politische Freiheit fried- lichen Einflusses im Lande. Kiderlen: Und die Kompensationen? C a m b o n: Sehr einfach! Wir teilen Marokko Wirtschaft- l i ch auf. Deutschland erhält den Süden. Wir überlassen Ihren wütigen Mannesmann gern den Berbern. Bedenken Sie die Vor- teile! Kiderlen: Herrlich, jeden Tag kann.es einen neuen Kon- flikt geben. Wirtschaftliche Aufteilung! Die Formel ist eine prächtige Lösung— E a m b o n:— weil sie jede Lösung verhindert! Kiderlen: Die Völker werden sich wundern, wie unent- bchrlich wir sind. Im Vertrauen, ich möchte Marokko nicht ge- schenkt haben. C a m b o n: Wir auch nicht. Wo bliebe da sonst die Rei- bungsfläche zwischen uns, die wir zur Aufrechterhaltung des diplo- malischen Betriebes brauchen. Kiderlen(übermütig): Es lebe die Reibungsfläche—- C a m b o n: der Völker und die Einheit— Kiderlen: von uns Staatsmännern! Der Krieg wird ab- gesagt. Die Diplomatie hat gerettet! C a m b o n:— ist gerettet? (Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung meldet die Erhebung des Herrn v. Kiderlen in den Grafenstand und die Verleihung des Schwarzen Adlerordcns an den französischen Bot- schaftcr in Berlin, Herrn Cambon.) Kicsr. (NachdruS verbolen.Z Waldbrände* Von F. Linke. In der Zeit der großen Hitze lesen wir von zahlreichen Wald- brändcn, die nicht nur im Deutschen Reiche, sondern überall da vorkommen, wo die Hitzewelle ihren Einfluß ausübt. Daß die Hitze geeignet ist, Waldorände zu begünstigen und hervorzurufen, ist bekannt. Ueberall. wo größere Haufen organischer Substanzen lagern, ist die Gefahr der Selbstentzündung gegeben, weil der Prozeß der Fäulnis in ihnen große Wärme erzeugt. Run steht unter den den Wald gefährdenden äußeren Einflüssen seiner Gefährlichkeit und Bedeutung nach das Feuer obenan. Trotz aller Aufsicht und aller nur erdenklichen Gcgcnmaßregeln werden� all- jährlich selbst noch in Deutschland in trockenen Jahren Tausende von Hektaren durch Waldbrände verwüstet. Die dadurch ent- stehenden Schäden an wirtschaftlichen Gütern sind nicht unbe- deutend; sie betragen in Preußen aber dennoch nicht ein Hundertstel des gesamten Feuerschadens überhaupt. In einigen Jahren haben sie jedoch eine Größe erreicht, die nicht unbeträchtlich ist, so daß sich, namentlich im Hinblick auf die amerikanische Waldtvirtschast, dieser Frage die öffentliche Aufmerksamkeit mehr zuioandte als bisher. In Preußen wird seit dem Jahre l881 eine Statistik der Brände aufgemacht, die auch für die Waldbrände Nachweise- ent- hält. Wenigstens war es so bis vor kurzem oder was man in der preußischen Statistik.vor kurzem" nennen mag. Die preu- ßiscke Statistik mahlt nämlich ebenso langsam wie die berühmten Mühlen Gottes. Ich glaube garantieren zu können, daß die Sta- tistik der Brände des Jabrcs 1910 im Jahre 1925 vorliegen wird. Bislang liegt die Statistik der Brände, die nicht ettva stagniert, sondern wirklich auch fortgesetzt wird, bereits bis 1898 vor. Die Waldbrände werden aber seit 1894- nicht mehr besonders berücksichtigt. Legen wir also in Ermangelung von besserem die Zahlen von 1881 bis 1894 zugrunde, so ersehen wir daraus, daß jahrlich in Preußen durchschnittlich 388 Waldbrände stattfanden, die 418 Besitzungen betrafen. Dabei wurden 1982 Hektar Fläche beschädigt und 383 207 M. Schaden verursacht. Diese Jahresdurchschtliits- zahlen mögen etwa die gleichen bleiben, da ja die waldbcstandene F'läch: ebenfalls sich wenig verändert. Naturgemäß sind die Schäden in den einzelnen Jahren sehr verschieden. 1884 belicf sich der Schaden auf nur 92 000 M., wohingegen er 1892 auf 1,4 Millionen Mark anschtvoll. Dabei sind alle Schäden berücksichtigt, die min- bestens 1 M. betragen. Aus den genaueren Zahlen ergibt sich, daß mit der Vermehrung der Brände eine viel größere der be- troffcncn Besitzungen zusammenfällt. Wie so oft täuschen aber die Durchschnitte. Eine Teilung nach natürlichen Gruppen zeigt, daß z. B. von den 157 Besitzungen, nach denen 1893 ein anderswo auLgcbrochcncr Waldbrand übertragen wurde, nicht weniger als 93 auf den einzigen Regierungsbezirk Aachen mit seinen 53 Bränden und 140 beschädigten Besitzungen fallen, wo eine starke Parzellierung des Grund und Bodens herrscht. Es waren eben hauptsächlich kleine Besitzungen, die in den schlimmen Jahren von Bränden betroffen wurden, etwa Brände kleiner Gehölze, Boden- lauf- oder Wipfelfcucr, die auf benachbarte Besitzungen über- gegriffen haben. Sonst ist zu bemerken, daß der Wert des Verlustes in jeder Hinsicht mit der Zahl der Brände zunimmt, so daß in schlimmen Jahren der Schaden auf 1 Hektar das anderthalbfache von dem in guten Jahren betragen hat. Vergleichen wir die Höhe der entstehenden Schäden mit denen der amerikanischen Waldbrände, auch mit denen in Rußland, Schweden und Griechenland, so erscheinen sie verschwindend. Namentlich in Amerika ist die Verwüstung des Waldes durch Wald» brände ungeheuer! Als die ersten Europäer auf dem neuen Erd» teile landeten, lag eine unermeßliche Waldfläche vor ihnen. Un- berührter, �ununterbrochener Wald erstreckte sich damals von der Südspitze Floridas bis zur Küste Labradors durch 35 Breiten- grade und von der Küste des atlantischen Ozeans bis zum Rands der Prärie, das sind volle zwanzig Längengrade. Der Wald be- deckte an Bodenfläche ursprünglich das Zehnfache des deutschen Reiches; was heute davon noch vorhanden ist, kann man nur schätzungsweise angeben; es mag immer noch ein Zehntel der ganzen Fläche sein, also etwa die Größe des deutschen Reiches, unbe- rührter WAd vorhanden sein. Der ursprüngliche Urwald stockte auf allen Bodenarten, im Gebirge» wie auf der Ebene. Kein Fels in den Allcghannybergen war zu steil, um nicht vereinzelte Bäume in seinem zerklüfteten Gestein zu ernähren; kein Boden der Ebene war zu mager und zu steinig, als daß nicht das Jahr- hunderte lange ungestörte Walten der Natur einen stattlichen Hocbwald hätte aufwachsen lassen. Nur sumpfige, den größten Teil des Jahre-Z unter Wasser gesetzte Tiefländer entbehrten des Baumwuchses. Mit Feucr� und Axt stürmte man aber darauf los, um möglichst rasch an Stelle des Segen bringenden herrlichen Waldes eine Steppe zu setzen. Heinrich Mahr sagt in seinem Buche über die Waldungen Amerikas:„Diese Tatsache verdient: als Dokument für spätere Generationen aufbewahrt zu werden; denn schon heute ist der Wald vielfach so gründlich vernichtet: worden, daß man überbaupt zweifeln könnte, ob in der Tat überall Wald die natürliche Bodenbedeckung bildet oder gebildet hätte." Um einen Begriff von der Größe der Verwüstungen in Amerika zu bekommen, sei nach Prof. Sargcnts Bericht mitgeteilt, daß in dem einzigen Jahre 1879/80 408 900 Hektar Wald niedergebrannt und dabei an Wert etwa 100 Millionen Mark vernichtet worden sind. Die Ursache der Waldbrände sind mannigfachster Art; Fahr» lässigkeit, Böswilligkeit, Egoismus sowie der Funkcnflug aus Loko» motiven sind die wichtigsten. Fahrlässige und böswillige Brand- stiftung fällt überall unter die allgemeinen Strafgesetze. Bös- Willigkeit festzustellen, ist sehr schwierig, weil Waldbrände ge- wohnlich erst spät entdeckt werden und dem Täter inzwischen Ge- legenheit gegeben ist, die Spuren seiner Tätigkeit zu verwischen. Weniger Böswilligkeit als unvernünftige Gewohnheit ist es, daß im Westen Amerikas die Jäger das sogenannte Underbrush, das Unterholz— das ist im Urwalde die zukünftige Waldgcneration — niederbrennen, um im Zielen weniger behindert zu sein! Anderswo werden die Wälder in Brand gesteckt, um das Wild nach bestimmten Regionen zusammenzutreiben! In Deutschland wird die unvorsichtige Handhabung brennender und glimmender Gegenstände, das Betreten des Waldes mit un» verwahrtem Feuer, insbesondere das Tabak- und Zigarrenraucher» im Walde während der trockenen Zeit, vielfach jedoch meist erfolg» los, untersagt. Der größte Teil aller Waldbrände namentlich irr der Nähe von Städten wird durch fahrlässiges Wegwerfen glim- mcnder Zigarrenreste und Zündhölzer veranlaßt. Die alte Gewohnheit des Heide- und Moorbrennens, ebenso das sogenannte Ucberlandbrennen in den Hackwaldungen, bcgün» stigcn die Feuersgcfahr wesentlich. In den östlichen Provinzen Preußens und der Probinz.Hannover führte das seinerzeit zu größeren Brandschäden. In Hannover wurde die Gefahr wesent- lich verstärkt durch ausgedehnte Nadelholzschonungen, welche der rasch erfolgten Aufforstung ehemaliger Hcideflächcn ihre Ent- stehung verdanken. In einzelnen Oberförstcreien ist sogar die Errichtung von Feuerwachtürmen nötig gewesen, aus denen wäh- rend der gefährlichsten Jahreszeit Beobachtungsmannschaften stationiert wurden, da in den betreffenden dünnbcfölkerten Gegenden alles daraus ankommt, die Waldbrände alsbald nach ihrem Entstehen zu entdecken. Das Moor- und Heidebrcnnen ist durck Forstpolizeigcsetzc jetzt nur unter Anwendung besonderer Vorsichtsmaßregeln gestattet. Die sonstigen Sichcrhcitsmaßregeln sind mannigfachster Art. So wird die Gründung von Niederlassungen und namentlich solchen von feuergefährlichen Anlagen innerhalb einer gewissen Entfer- nung vom Walde nur mit besonderer Genehmigung gestattet. Ge- werbliche Betriebe, die Feuer nötig haben, wie Köhlerei, Teer- scbwelerei usw., innerhalb des Waldes unterliegen besonderen Be» stinimungcn. Eine ganze Anzahl von Waldbränden wird alljährlich durch die Funken der Lokomotiven veranlaßt. Dank der getroffenen BorbcugungSmaßrcgcln aber hält bei uns zu Lande die Zahl der auf diese Weise entstehenden Brände mit der Vergrößerung des Bahnnctzcs nicht gleichen Schritt. Zudem wird durch die ver- schicdcnartigstcn Vorkehrungen solchen Schäden möglichst vorzu- beugen gesucht. Die eine Sorte wird an den Lokomotiven selbst getroffen und besteht in der Anordnung von Funkenfängern und stcherer Verschlüsse der Aschenkästen. Funtenfängcr werden nach verschiedenerlei Prinzipien konstruiert; entweder werden Draht- gitter über der Sckornstcinöffnung angebracht oder Siebe über der oberen Siedcrrohrreihc des Lokomotivkesscls, Kupferblechspiralcn im Schornstein(Strubescher Funkenfänacr) usw. Sodann schreibt der 8 19 der Betriebsordnung der Eisenbahnen Deutschlands, sowie die Vorschriften über den Fahrdienst das Verhalten des Lokomotiv- Personals vor. Danach ist an feuergefährlichen Stellen bei Wind das Heizen und der Gebrauch zugrntfachender Vorkehrungen v«i» boten. Diese Stellen sind für den Lokomotivführer dadurch kennt. lich gemacht, datz in der Höhe feines Gesichts die Telegraphen- stangen einen Meter hoch mit Weiher Oelfarbe umringelt sind. Leider sind bei der zunehmenden Leistung der Lokomotiven für manche Lokomotivführer diese Matzregeln nicht durchzuführen. So sind auch hier wie so vielfach die Sicherheitsmatzregeln wohl bor- Händen, aber nur auf dem Papier, während sie in Wirklichkeit undurchführbar sind. Längs des Bahnkörpers werden zur Erhöhung der Sicherheit Matzregeln ergriffen, weil es kaum zu vermeiden ist, datz glühende Kohlen- und Aschenteile aus der Lokomotive entfallen. Längs der Bahmkörpcr werden sogenannte Brandschutzstrcifen angelegt, in Nadelholzwaldungen häufig hinter und parallel mit diesen noch Feuergräben. 1,5 Meter breit und 0,4 Meter tief, gezogen, in denen alle 70 bis 100 Meter Ouergräben zur Verbindung mit dem wunden Boden der Schutzstreifen auslaufen. Die Breite der Schutzstreifen soll bei Nadelholz 21 Meter, bei Laubholz 15 Meter betragen. Sie sind in Deutschland allgemein vorgeschrieben und müssen von den Eisenbahnverwaltungen miterworben werden. Da jedoch durch die Forstverwaltung ihre Benutzung besser geschehen kann als durch die Eisenbahnen, werden die Schutzstreifen in neuerer Zeit an die Forstverwaltung zurückgegeben und von dieser mit lichtkronigcn Laubhölzern, wie Birken, Akazien, Eicheln usw., besetzt, von deren frischgrünen Laubhölzern man ein Abfangen der Funken erwartet. Der Boden der Schutzstreifen wird zur Ner- Hinderung von Bodenlauffeuern vollständig holzfrei erhalten, an besonders gefährlichen Stellen durch ständige Brandwächter. Der Schaden, den dennoch die Eisenbahn dem Waldkapital zufügt, ist ganz bedeutend. Wer heutzutage im amerikanischen Kontinent reist, muh sich an die Kohlensäulen zu beiden Seiten der Bahn gewöhnen: von der Bahn aus haben die Feuer un- zählige Male meilenweit in den Wald eingegriffen. Auf den älteren Bahnen verringerte sich die Feucrsgefahr alljährlich durch das ständige Niederbrennen der Bäume auf den Lichtungen zu beiden Seiten der Bahn. Die Löschung ausgebrochener Waldbrände erfolgt durch Aus- schlagen des Feuers mit grünen Zweigen, Bewerfen mit Erde, Ab- schneiden des Feuers mittels Aufhieb eines sogenannten Feuer- gestells. Ziehen von Gräben, Führung eines Gegenfeuers, bei Grdbränden auch durch Einleitung von Wasser. Die dazu nötigen Hilfskräfte sind in der Eile immer schwer herbeizuholen; deshalb bestehen in vielen Ländern gesetzliche Bestimmungen, die die Be- tvohner nahegelegener Ortsthaften verpflichten, bei Waldbränden sofortige Hilfe zu leisten. Das ist um so leichter, als sich noch immer eine grotze Reihe von Nutzungsbercchtigungen an die Forsten knüpfen. So verpflichtet Frankreich die Nutzungsberechtigten und bedroht sie im Weigerungssalle mit empfindlichen Freiheitsstrafen. In Preußen sind durch das Feld- und Forstpolizeigesctz alle Auf- geforderten zur Löschhilfe verpflichtet bei Androhung einer Geld- strafe bis zu 30 M. oder einer Haftstrafc bis zu 14 Tagen. Wie machtlos man trotzdem gegen Waldbrände, namentlich gegen Wipfelfcuer, ist, zeigte sich bei einem Brande im Mai 1889 in der Oberförsterei Hundshagen; der Brand durcheilte das Revier von einer Grenze bis zur entgegengesetzten mit einer Geschwindigkeit von 10 Kilometer in der Stunde; er erstreckte sich in verhält- vismätzig geringer Breite über 800 Hektar und machte den Ein- schlag von 19 425 Festmetern Derbholz nötig. Viele dabei beob- achteten Erscheinungen sind bis heute noch nicht genügend aufge- klärt; so ist es merkwürdig, datz der durch menschliches Zutun nicht aufgehaltene Brand sich nicht seitwärts ausdehnte, obwohl es dem Feuer an Nahrung dort nicht gefehlt hätte, und datz ein Wald- Brand in der Oberförsterei St. Andreasberg im Juli 1883, der sich über 22,5 Hektar ausdehnte, plötzlich ohne erkennbare Ursache erlosch. Wie bei anderen Mobilien und Immobilien sollte man an- gesichts der doch nicht ganz unbedeutenden Forstbrandschäden eine Wersicherung gegen solche Vorfülle vermuten, wenigstens für die der Gefahr einer gänzlichen Vernichtung ausgesetzten jungen Bestände. Acltere Bestände werden selten ganz vernichtet, da Stammfeuer zu den Seltenheiten gehört. Was jedoch die Brand- statistik hinsichtlich der Waldvcrsichcrung aufzuweisen hat, ist nicht gerade bedeutend. Während der Zeit von 1882 bis 1894 waren nur 32 Besitzungen mit einer Summe von 909 189 M. versichert. Die während dieser Zeit gezahlte Versicherungssumme betrug nur 45 639 M. Es war mithin nur ltz vom Tausend des gesamten Forstschadens versichert. Die Frage der Versicherung gegen Wald- brände ist aber wegen der hohen Versicherungsprämie noch immer offen; die Versicherung wird jetzt noch meist als unrentabel und nnzweckmätzig angesehen. Die Sache wird wahrscheinlich erst wieder akut und ventiliert werden, wenn der Geldwert des Holzes wie der aller Naturprodukte sich weiter gesteigert haben wird zu einer Höhe, die die Belastung einer Versicherungsprämie auszuhalten vermag. kleines feiriUeton. Plflisikasisches. Der Wasser st off Mantel der Erde. Die Erforschung de? LuftmeereS, nicht nur durch Ballons und Flugschiffe, die den Menschen selbst in mehr oder weniger grotze Höhen führen, sondern besonders durch unbemannte, sogenannte Pilotballons, die selbst» schreibende Apparate mit sich nehmen und so Nachrichten über di« Beschaffenheit sehr hoher Lustschichten bringen, hat während der letzten Jahrzehnte ein» grotze Erweiterung unserer Kenntnis der irdischen Atmosphäre herbeigeführt. Im großen und ganzen wird jetzt die Atmosphäre in zwei mächtige Schichten eingeteilt, in die Troposphäre bis zu 11 Kilometer Höhe und die Stratosphäre von 11 bis etwa 70 Kilometer Höhe. Allerdings ist man bis 70 Kilometer auch mit Pilotballons noch nicht annähernd gelangt, und diese Ziffer beruht daher nur auf schätzungsmätziger Berechnung. Die größte Höh» erreichte bisher ein Pilot- ballon von Belgien aus, der bis 29 Kilometer auf- stieg. Die beiden Schichten der Troposphäre und Strato- sphäre sind nicht nur ziemlich deutlich gegeneinander ab- gesetzt, sondern haben auch recht verschiedene Eigenschaften. In der Troposphäre spielt sich daS grotze Drama vom Werden und Ver- gehen der Wolken ab, wenigstens so weit die gewöhnlichen Formen in Betracht kommen. Außerdem nimmt, von vorübergehenden Ans- nahmen in der Nähe des Erdbodens zur Winterszeit abgesehen, die Temperatur in dieser Schicht stetig ab, bis sie 55 Grad unter dem Gefrierpunkt erreicht hat. Die Grenze gegen die darüber liegende Stratosphäre wird zuweilen deutlich sichtbar. Den meisten Wolken wird dort Halt geboten, und auch die Rauch- und Staubmassen, die bei großen Bulkanausbrüchen in die Luft gepafft werden, steigen nur bis zu dieser Grenze auf, um sich dann seitlich auszubreiten. Auch an den Dämmerungserscbeinungen läßt sich die Bedeutung dieser Grenze beobachten. Die Frage ist nun, wie die Atmosphäre jenseits jener Höhe von 70 Kilometer beschaffen ist. Datz sie dort noch nicht zu Ende sein kann, und daß nicht etwa der so- genannte leere Weltraum bereits anfängt, kann man aus der Tat- fache schlietzen, datz das Aufleuchten von Meteoren schon in bedeutend grötzerer Höhe bis zu 2000 Kilometern erfolgt. Ob sich nun die Stratosphäre ohne wesentliche Veränderung noch erheblich weiter hinauf erstreckt, oder ob dort wieder eine neue Schicht beginnt, das war bisher ganz ungewitz. Nach den Studien von Dr. A. Wegener in der„Physikalischen Zeitschrift" wäre die zweite Annahme wabr- scheinlich. Die Dämmerungscrscheinungen, die nach heftigen vulka- nischen Kataswophen in der Gestalt eigentümlicher Farben beobachtet worden sind und ihren wunderbarsten Ausdruck einige Jahre nach dem Ausbruch des Krakatau in der Sundastratze als leuchtende Nachwolken fanden, haben darauf schlietzen lassen, daß gerade in den Höhen unmittelbar jenseits von 70 Kilometern ganz neue Verhältnisse eintreten. Diese leuchtenden Wolken sind vielleicht als Massen von glühendem Wasserstoff zu erklären gewesen. Von den Bestandteilen des Luftnreeres ist die erst seit anderthalb Jahrzehnten allmählich bekannt gewordene Elementengruppe des Argon viel zu schwer, um in einer so großen Höhe noch vorhanden sein zu können. Der Stickstoff, der Hauptteil der unteren Schichten des LuftmeereS, könnte vielleicht bis 70 Kilometer hinauf reichen. Dann aber müßte eine Zone beginnen, die nur aus den leichtesten Gasen, nämlich vor- zugsweise dem Wasserstoff bestünde. Dieser Wasserstoffmantel der Erde würde auch die Schicht fein, in der die Meteore ihre leuchtende Bahn ziehen. Geographisches. Die Entwicklung deS T s ch a d s e e S. Der anläßlich des Marokkoschachers viel genannte Tschadsee in Afrika stellt i» geo- graphischer Hinsicht ein recht interessantes Objekt vor. Seine mehr oder minder genaue Erforschung datiert erst seit den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als eine englische Expedition nach Sudan drang und die erste Aufnahme des Sees machte. Nach der von ihr entworfenen Karte, die die„Deutsche Rund- schau für Geographie"(Heft 11) als Beilage zu einer Notiz über den Tschadsee bringt, ist der See von Osten nach Westen stark ausgedehnt und im Norden abgeplattet. Dieses Bild änderte sich im Laufe der Zeit beträchtlich, denn als der Deutsche Guüav Nachtigal 1871/72 den Sudan bereiste, fand er den dritten Teil des Sees, besonder« im Osten, von einem inselreiche» Archipel ein- genommen. Aber auch an der West- und Südseite zeigte die Lagunenküste grotze Schwankungen und war die Grenze zwischen Wasser und Land sehr schwer zu ziehen. Die neueste und beste Anfnahiite des ganzen D'chadseeS verdanken wir dem französischen Kapitän T i l h o, der 1907/09 im Auf- trage seiner Regierung arbeitete. Seine Karte zeigt, was schon die Aufnahme von Nachtigal als naheliegend erwiesen hatte: daß der See in fortschreitender Verkleinerung begriffen ist. Am stärksten ist der See im Norden eingeschrumpft, wo nahezu ein Drittel der See- fläche trocken liegt, oder nur von unzusammenhängenden Wasser- tümpeln eingenommen wird. Da der Tschad ein abfliitz- loser Becken ist, so ist das Zusammenschrumpfen der Wancr- fläche offenbar auf geminderten Zufluß und steigende Verdunstung des Wassers zurückzuführen. Diese beiden Erscheinungen stehen ihrerseits im engsten Zusammenhang mit jenen Klimaichwankungcn, die sich auch im Stande anderer Binnenseen und in den Gletscher- schwanknngen äußern. Die Erforschung aller dieser Vorgänge befindet sich zurzeit erst im AnfangSstadinm, und es wäre der geographischen und meteorologischen Wissenschaft wirklich gedient, wenn die Regie- rungen auch nur einen kleinen Teil der Mittel, die heule für Straf- expeditioncn und ähnliche schöne Dinge verpulvert werden, der fried- lichen Forschungsarbeit zuwenden wollten.______ Berant», Redakteur: Richard Barth, Berlin.— Druck«. Verlag: vorwärtsBuchdruckerei u.VerIagsanstalt Paul SingersrEo., Berlin 3VV.