Mnterhaltungsblatt des Nr. 153. Sonnabend, den 12. August. 1911 51] pelle der Eroberer. Lehrjahre. Rsman von M. Andersen N e z ö. Ein alter weißbärtiMr Mann bestieg die Rednertribüne hinten im Saal.„Das ist er selber," flüsterten sie rings- umher und beeilten sich auszuhusten und die Kleinen zu der- anlassen, den Mund leer zu essen. Er nahm das Weinen des kleinen Kindes zum Ausgangspunkt:„Mutter, ich bin so hungrig l" Das sei die Stimme der Welt, der große, schreck- liche Ruf, in den Mund eines Kindes gelegt. Er sähe nicht einen einzigen, der sich nicht unter diesem Rufe aus dem Munde seiner Nächsten gewunden habe, und aus Angst, ihn wieder zu hören, sich das Brot fürs ganze Leben habe sichern wollen— und zurückgeschlagen sei. Sie sähen nur nicht Gottes Hand, wenn dieser liebevoll den nackten Hunger in einen Hunger nach Glück umwandle. Sie seien ja die Armut, und die Armen sind Gottes auserwähltes Volk. Deswegen müßten sie in der Wüste wandern und blind fragen:„Wo ist das Land?" Aber der Lichtschimmer, dem sie vertraulich folgten, sei nicht das irdische Glück! Gott selber führe sie rund herum, bis ihr Hunger zu dem rechten Hunger ge- läutert sei, zu dem Hunger der Seele nach dem ewigen Glück! Sie verstanden nicht viel von dem, was er-sagte', aber feine Worte lösten etwas in ihnen aus, so daß sie in lebhafte Änterhaltung über die alltäglichen Dinge gerieten. Plötzlich aber schwieg das heiße Summen, ein kleiner, buckliger Mann war auf eine Bank geklettert und sah mit lächelnden Augen über sie hinaus. Das war Sort, der Wanderschuhmacher aus Bywangen. „Wir wollen fröhlich sein." sagte er und sehte ein drolli- «es Gesicht auf.„Gottes Kinder sind immer fröhlich, mit wie viel Bösem sie auch zu kämpfen haben, und sie kann kein Uu- «liick treffen. Gott ist die Freude?" Er fing an zu lachen, ausgelassen wie ein Kind: und alle lachten mit, der eine steckte den andern an. Sie konnten sich nicht beherrschen, es war, als sei eine ungeheure Lustigkeit über das Ganze hinweggegangen. Die kleinen Kinder sahen die Erwachsenen an und lachten, so daß es in ihren kleinen Kehlen von Schleim und Husten kochte.„Er ist ein richtiger Clown," sagten die Männer zu ihren Frauen, während ihr Gesicht ein breites Lächeln war.„Aber er hat ein gutes Herz!" Auf der Dank neben Pelle saß eine stille Familie, Mann „nd Frau und drei Kinder, die ir-ohlerzogen durch ihre kleinen, hautlosen Nasen atmeten. Die Eltern waren kleine Leute und es lag etwas nach innen Gewandtes über ihnen, als seien sie beständig bemüht, sich noch kleiner zu machen. Pelle kannte sie ein wenig und kam ins Gespräch mit ihnen. Der Mann war Tonarbciter, und sie wohnten in einer der elenden Hütten draußen bei„Krafts". „Ja, das ist wahr mit dem Glück," sagte die Frau.„Ein- mal träumten wir ja auch davon, ein tvenig vorwärts zu kommen, so daß wir unser Auskomnien gesichert hätten: wir scharrten auch ein wenig Geld zusammen, das uns gute Leute borgten, und richteten einen kleinen Laden ein, dem ich vor- stand, während Vater auf Arbeit ging. Aber es wollte nicht gehen, niemand stützte uns, wir bekamen schlechtere Waren, weil wir arm waren, und tver macht sich wohl etwas daraus, bei armen Leuten zu kaufen. Wir mußten die Sache auf- geben und saßen tief in Schulden, an denen wir noch jetzt abzuzahlen haben, fünfzig Oere jede Woche, und dabei können wir bleiben, solange wir leben, denn die Zinsen summen sich ja fortwährend auf. Aber ehrliche Leute sind wir doch, Gott Lob!" schloß sie. Der Mann beteiligte sich nicht an der Unter- Haltung.. Ihre letzte Bemerkung war vielleicht durch einen Mann veranlaßt, der still eintrat und sich aus eine Bank im Hinter- grund drückte: denn er war kein ehrlicher Mann. Er lzatte wegen Diebstahl bei Wasser und Brot gesessen: es war der „Stehle-Jakob", der vor ungefähr zehn Jahren die Fensterscheibe von Meister Jeppes guter Stube eingedrückt und em Paar Lackschuhe für seine Frau gestohlen hatte. Er hatte von einem feinen Mann gehört, der seiner Braut ein solches Paar geschenkt hatte, und da wollte er doch versuchen, wie es war, wenn man auch einmal ein schönes Geschenk macht«, ein Geschenk, das soviel Wert war, wie ein Verdienst in zwei Wochen— das hatte er vor Gericht erklärt.„Schafskopf," sagte Jeppe immer noch, wenn die Rede darauf kam,„da kriegt solche elende Laus plötzlich Größenwahn und will groß- artige Geschenke machen, wenn es noch für die Braut gewesen wäre! Aber für seine Frau!— Na, er hat seine Strafe bis auf den letzten Tag verbüßt, trotz Andres." Ja, die Strafe lMtte er gründlich auskosten müssen, nicht einmal hier wollte jemand neben ihm sitzen! Pelle sah ihn an und wunderte sich darüber, daß er selber so ziemlich über die seine hinweggekommen war. Die Erinnerung in ihm lag nur noch in den Augen der Leute, wenn sie mit ihm sprachen. Aber jetzt ging Schmied Dam hin und fetzte sich neben den Stehle-Jakob, und sie saßen Hand in Hand da und fliisterten. Und da drüben saß eine und nickte Pelle so freundlich zu. Das war die mit den Tanzschuhen: der junge Mann hatte sie wieder verlassen, und nun war sie hier gestrandet. mit ihrem Tanz war es aus. Aber sie war dankbar gegen Pelle, sein Anblick hatte süße Erinnerungen in ihr wachge- rufen: das sah man der Stimmung an, die über Mund und Augen lag. Pelle selbst ward weicher jstl Sinn, während er hier saß� Etwas in ihm schmolz: ein stilles, verhaltenes Glücksgefühl beschlich ihn. Das war ja auch ein Mensch, der in seiner Schuld zu sein glaubte, obwohl ihr alles in die Brüche ge, gangen war. Als sich die Versammlung um halb zehn Uhr trennte, stand sie draußen im Gespräch init einer Frau. Sie kam auf Pelle zu und gab ihm die Hand.„Wollen wir nicht ein Stück zusammen gehen?" fragte sie. Sie kannte offenbar seinen Zustand, er las Mitleid in ihrem Blick.„Komin mit mir," sagte sie. als ihre Wege sich trennten.„Ich Hab ein Stück Bratwurst, das gegessen werden muß. Und wir sind ja alle beide einsam." Zögernd ging er mit, ein wenig feindlich diesem Neuen und Frcniden gegenüber. Als er aber erst in ihrer kleinen Stube saß, fühlte er sich dort sehr wohl. Zierlich und weiß stand das Bett an der Wand. Sie selber ging im Zimmer hin und her und briet die Bratwurst im Öfen, während sie unverzagten Herzens darauf losplauderte. Der geht nicht alles so leicht in die Brüche, dachte Pelle und sah sich ganz froh an ihrer Gestalt. Sie hielten eine vergnügliche Mahlzeit ab, und Pelle wollte sie in seiner Dankbarkeit umarmen, aber sie schob seine Hände fort.„Spar Dir das auf," sagte sie lächelnd.„Ich bin eine ältliche Witwe und Tu bist nichts weiter als ein Kind. Willst Du mir eine Freude machen, so finde Dich selbst wieder! Es ist unrecht, daß Du so herumgehst und faulenzst, so jung und nett, wie Tu bist! Jetzt geh nur nach Hause, denn ich muß morgen früh auf und an meine Arbeit gehen."-- Pelle besuchte sie fast jeden Abend. Sie hatte eine eklige Angewohnheit, an seiner Schlaffheit zu rütteln, war aber dafür auch wieder stärkend durch ihre sich immer gleich bleibende schlichte Weise, alles hinzunehmen. Sie verschaffte ihm hin und wieder ein Stück Arbeit und freute sich immer, wenn sie ihr ärmliches Essen mit ihm teilen konnte.„Eine wie ich bat das Bedürfnis, hin und wieder einmal eine Mannsperson an ihrem Tischende zu haben," sagte sie.„Die Finger laß nur davon, Du bist mir nichts schuldig." Sic bemäkelte auch seine Kleider.„Das fällt Dir ja bald alles vom Leibe herunter, warum ziehst Du nicht was anderes an und läßt mich das nachsehen?" „Ich l)abe nichts tveiter als dies," sagte Pelle und schämte sich einmal wieder. Am Sonnabendabend mußte er ans seinen Lumpen raus und splitternackt in das Bett kriechen. Da half kein Weigern: sie nahm das Hemd und alles andere und steckte es in einen Kübel Wasser. Die halbe Nacht brachte sie da- mit zu, alles zu säubern. Pelle lag im Bett, das Deckbett bis an das Kinn herausgezogen und sah ihr zu.-�bm war so wunderlich zu Mute: sie hängte die ganze Geschichte zum Trocknen ar den Ofen und richtete sich selbst dann ein Lager auf ein paar Stühlen her. Als er mitten am Vormittag ciwachte, saß sie am Fenster und flickte seine Kleider, „Nun, wie hast Du denn über Nacht gelegen?" fragte Pelle ein wenig bekümmert. „Ausgezeichnet! Weißt Du. was ich mir heute morgen ausgedacht habe? Du sollst Dein Zimmer kündigen und hier bleiben, bis Tu Dich selbst wieder gefunden hast. Einmal mußt Du Dich doch wohl ausgeruht haben." lachte sie neckend.„Das Zimmer ist eine unnötige Ausgabe. Wie Du siehst, ist hier Platz genug für zwei." Aber das wollte Pelle nicht. Sich von einer Frau unter- halten lassen, davon wollte er nichts wissen.„Denn glauben die Leute ja, daß da was zwischen uns los ist und nehmen Anstoß daran," sagte er. „Laß sie das nur tun," erwiderte sie mit ihrem fröhlichen Lachen.„Wenn ich ein gutes Gewissen habe, ist es mir gleichgültig, was die andern denken." .(Lortsetzung foIßt.H (Nachdruck»erboten.) Die Jüngste. Von M. D a l t i. Nun, da ein Vries die Rückkehr ihrer ältesten Tochter Luise angezeigt, stieß die Mutter die Kinder aus der einen Ecke in die andere. Sie rupfte zwei fette Hühner und holte die Einmachtöpfe aus dem Keller, die auf einem Brett in der Reihe standen und die schönsten Früchte enthielten. Ei, der Tausend, man mußte doch der Tochter zeigen, daß man ihre Heimkehr in größter Ungeduld er- wartete, daß man nicht knauserig war und der Tochter Tank wußte, die den Eltern so brav geholfen, ein kleines Besitztum zu erwerben. Luise war ein leichtfertiges Mädchen und gegen den Willen der Eltern nach Paris gegangen. Doch da die Ungehorsame dort so viel Geld verdiente, und ihr Ruf als ehrsame Bauersleute nicht dadurch befleckt wurde, hegten sie nur Bewunderung für sie. Und dann hatten sie sich doch auch das Gütchen gekauft von dem Gelde, das sie schickte! Es ist ja ein zu schönes Gefühl, eigene Aecker zu besitzen, wenn sie im Sonnenschein daliegen, der sie mit so leuchtenden Strahlen befruchtet, daß man mit den Augen blinzeln muß. Das Geld, das man dafür gegeben, roch ja nicht!... Der Grund und Boden liegt dem Bauern inniger am Herzen als die menschliche Tugend, und der Stolz des Besitzes besänftigt alle Gewissensbisse. Luise hatte ihre Eltern mit sechzehn Jahren verlassen, um in Paris in Stellung zu gehen. Sie war ein schönes Mädchen— eine jener lebenskräftigen, gesunden Naturen, die dem unnatürlichen Stadtleben widerstehen. Das Durcheinander im sechsten Stockwerk, die Lasterhaftigkeit der Herrschaften, die ohne Scham von den Dienstboten breitgetreten wurde, die heuchlerischen Gesichter jener Weltdamen, die ihre Sittenlosigkeit vor dem so gering geschätzten Personal keineswegs verbargen— alles dies waren Momente, die über Luisens Tugend- hastigkeit entschieden. Sie war bei einer fürstlich ausgchaltcnen Kokotte in Dienst getreten, und dort lernte sie die Gehcintnisse jener Illusion kennen, die die Männer so hoch bezahlten. Sie beschloß nun, ihre Schönheit und Jugend in schlauer Weise auszubeuten. Die maß- lose Verschwendung, die sie bei ihrer Herrin mitmachte, lehrte sie sparsamer zu sein. Sie wollte Geld zusammenraffen, um Land zu kaufen. Schöne Wiesen, Felder und Wälder mit kühlem, wohligem Schatten, vor allem einen Bauernhof, wo Schafe und Kühe abends in langem Zuge heimkehrten, die Euter von Milch geschlvellt, als seien sie sich bewußt, ihrem Herrn das verwandelte Produkt seiner Aecker treu ins Haus zu tragen. Luis« empfand eine unendliche Liebe für die fruchtbare Erde, die sie von Kindesbeinen an beackert und die ihr ihre Kraft, ihre Schönheit gegeben. Und mit einem dankbaren Gefühl sagte sie sich, sie könnte ihr wohl einige Gewissensmahnungen opfern. Für den ersten Monatslohn schaffte sie sich kokette Kleider an. Ihre Jugend und Frische, vor allem ihr gewolltes freies Wesen kamen ihr zu Hilfe— sie fand Liebhaber. Der erste belohnte sie aus Dankbarkeit— vielleicht auch aus Verwunderung, der erste zu sein— mit einem Tausendfrankschein. Einen Teil davon schickte sie den Eltern, damit sie sich die Wiese des Nachbars kaufen konnten, die neben ihrem Hof lag. In unregelmäßigen Zwischenräumen schickte sie auch ferner Geld, für das die Alten Grund kauften. Sie besaßen nun Eigen. tum, und sie erzählten gern, daß sie es ihrer so intelligenten Tochter verdankten, die nur das Glück der Eltern wollte. Der Omnibus brachte Luise bis vor das Hoftor, wo die Eltern, die Brüder und Maria, die Jüngste. Spalier bildeten, wie Soldaten mit präsentiertem Gewehr. In ihren Augen lag eine furchtsame Bewunderung— es war die gewisse Befangenheit der einfachen Landleute, die sich eleganten Städtern gegenübersehen. Während der Kutscher zwei große, messingbcschlagene Koffer ablud, warf sich die junge Dame der Bäuerin in die Arme— eine unbekannte Erregung schnürte ihr den Hals zu. Sie umarmte die ganze Familie, wunderte sich, wie groß die Kleinen geworden tparen, die sie von unten herauf anblickten, und ihre Augen hefteten sich schließlich auf die Jüngste, Achtzehnjährige, flnl ernstem, edlem Antlitz— eine schwermütige Schönheit. Es wurde gegessen und Kaffe getrunken, und Luise sprach schon von ihrer Absicht, einen großen Hof zu kaufen. „Ich habe da zehntausend Franks," sagte sie,.und kann bar bezahlen." Die Alten waren ganz geblendet. Im Vorbeigehen betastete die Mutter verstohlen den Stoff des Reisekostiuns, und ihre Augen schienen zu sagen:„Es ist Stoff zu mindestens zehn Franks die Elle. Man hat ja die ganze Hand voll..." Die Alten bekamen einen heidenmäßigen Respekt vor dieser Tochter, die von Tausendfrankscheinen sprach, wie sie selbst von Franks, und sie dachten gar nicht daran, zu fragen, womit sie das viele Geld eigentlich verdiene. Die kleinen Brüder sahen sie geniert an und wagten gar nicht vor dieser großen Dame aus Paris nach Herzenslust zu essen. Nachdem die Mutter schließlich einige kleine Gläser von der in ihrer Gegend besonders guten Spezialmarke getrunken, blickte sie mit Stolz auf ihre älteste Tochter, und sagte auf die Jüngste deutend: „Die wird es nicht so weit bringen wie Du. Dafür ist sie viel zu dumm... Und dann auch hat sie uns gar nicht ein bißchen gern. Sie will sich nämlich mit einem Habenichts der- heiraten, einem Taugenichts, der nichts besitzt als seine schönen Augen. Dafür kann sie keinen Hof kaufen, nicht wahr? Nimiu Du sie doch mal ins Gebet. Auf Dich hört sie vielleicht..." Luise wendete sich zu der Schwester, und die beiden Alten näherten sich einander neugierig, während die kleinen Brüder sich rauften und balgten, um sich gegenseitig Mut zu machen, denn sie wollten die schöne Dame aus Paris um die Schlüssel zu diesen herrlichen Koffern bitten, die wohl viel Wunderschönes enthalten mußten. Wilhelm, der Kleinste, nahm das silberne Damentäschchen, zu- erst respektvoll, dann, als er sah, daß er keine Schelte bekam, wurde er dreister und schüttete den Inhalt auf eine Ecke des Kamins. Mit bebenden Händen bemächtigten sie sich des Schlüssel- bundes. Doch da sie aus Angst vor Schlägen höchst ungeschickt zu Werke gingen, dauerte es geraume Zeit, bevor sie die Kofser aufbekamen. Luise sah schweigend ihre kleine Schwester an. die den Kopf senkte wie eine Verbrechcrin, die sich der Schwere ihres Ver- brechcns noch nicht bewußt ist— furchtsam und eingeschüchtert erwartete sie die Vorwürfe, die die Alten noch nicht auszusprechen wagten. Luise war sicher, daß die Eltern ihr beipflichteten, was sie auch sagen mochte, und sprach in überlegenem Tone: „Arme Moria, Du bist ein Dummkopf. Der Wert der Männer wird nur bestimmt von dem Gelde, das sie uns geben. Die Liebe! Ach, das war in früheren Zeiten einmal!... Be- herzige nur meinen Rat: mache es wie ich. Sieh mich doch nur: ich brauche es nur zu sagen, und ich habe alles, was ich mir wünsche. Meine Ringe sind kein Doubleegold, was? Sie blitzen... Dieser ist allein dreitausend Frank wert. Betaste mein Kleid. Und eine Wohnung habe ich, die jährlich zehntausend Frank kostet. Du mit Deinem Madonnengcficht könntest Gold in Barren machen..." Als es den drei kleinen Brüdern endlich gelang, die Koffer aufzuschließen, waren sie von ihrem Erfolg ganz berauscht und zogen den Inhalt in kunterbuntem Durcheinander heraus. Die Alten standen ganz sprachlos da vor dieser feinen Wäsche. den Spitzen und Seidenkleidern, die die Kinder ans Licht zogen. Ihre Bewunderung kannte keine Grenzen, bei diesem nicht im entferntesten geahnten Luxus. Die Jüngste ober schaute ruhigen Blickes hin und dachte: „Mich reizt das nicht, ich kann es ganz gut entbehren." Die Rangen hatten jetzt eine Brieftasche entdeckt. Sie streuten die Banknoten umher, die die Eltern schnell wieder aufhoben und sorgfältig zusammenfalteten. „Du siehst, böser Eigensinn," sagten sie zu der Jüngsten,„wenn Du auf Luise hören wolltest, wären wir bald steinreich. Wir hätten Land, so viel Land..." Auch Maria hätte gern Geld besessen, und sie sagte leise: „Gewiß, ich möchte auch gern viel verdienen, und könnte dann meinen Johannes heiraten. Sag doch... wie fängst Du es denn eigentlich an?" „O, das ist gar nicht schwer." antwortete die Aeltere. Doch als sie es näher erklären sollte, befiel sie ein gewisses schon vergessenes Gefühl der Scham, der Schande, und schnürte ihr den Hals zu vor dem alten Vater und der Mutter, die mit glän» zenden Augen ängstlich und gespannt ihrer Antwort harrten. „Ich... ich... sage es Dir... nachher." Und als sie vom Tisch aufstanden, raunte die Mutter Mariq in? Ohr: „Höre gut zu, was Luise Dir sagt, und mache eS auch so wie siel" Da die Aelteste von der Reise müde war und sich ausruhen wollte, wies man ihr das große Bett an, das Brautbett, neu be, zogen, dessen feine Tücher einen frischen Wäschegeruch ausströmten. Während Luise schlief, wuschen Maria und die Mutter Schüsseln und räumten alles weg— sie taten, al» wären sie die Mägde der Pariserin,> „Sie ftat so schöne Sachen!" sagte die Mutter bewundernd. »Wir müssen uns sehr in acht nehmen mit der feinen Wäsche, wenn wir sie waschen. Sie ist ja schöner wie das Altartuch. Du sollst sehen, auch Du wirst so schöne Kleider haben, und da Du ja jünger bist als sie, werden sie Dir noch viel besser stehen!" fügte sie er- mutigend hinzu. Und Maria sagte: „Sie tut sich Fett auf die Backen. Als sie sich vorhin wusch, hat sie drei Waschschüsseln voll Wasser gebraucht. Ihr Gesicht war ganz rein. Aber sie hat es sich wieder mit Farbe eingerieben. Man kannte sie gar nicht wieder. Warum mag sie das Wohl eioent- lich tun?" „Latz sie gewähren." meinte die Mutter nachsichtig.„Wir sind Bauern und verstehen nichts davon. In der Stadt geht alles anders zu wie bei uns. Darfst nichts sagen, sonst wird sie am Ende noch böse! Aber tue, wie sie Dir sagt...." Um sich zu amüsieren, zog Luise ihrer Schwester am nächsten Tage eine prachtvolle Robe an, ein Korsett und duftige Unterröcke, die die Jüngste nicht zu berühren wagte. Sie frisierte sie und setzte ihr einen mit herrlichen Federn garnierten Hut auf. Maria kannte sich gar nicht wieder. Ihre kleine, schlichte Seele steckte ganz hilflos in all dem Putz, und die Jüngste fing an zu weinen. Die Schminke schmolz nun und breitete sich auf ihren frischen Wangen aus wie Tusche, so datz sie vor ihrem Spiegelbild erschrak. Luise hänselte sie und schalt sie aus: „Aber man heult doch nicht, wenn man Rot aufgelegt hat!" Die Alten waren glücklich in dem Gedanken, datz sie nun bald einen Hof kaufen würden. In einer Ecke stritten sich die drei kleinen Brüder um die kost- baren Spielsachen, die die Dame ihnen mitgebracht und die sie nicht anfassen sollten— sie sahen sie an, wie man den Christus in der Kirche betrachtet. Luises Ankunft stimmte die Mädchen auf den Nachbarhöfen träumerisch, und manche Bauersleute warfen ihren Kindern einei� verächtlichen Blick zu. Nachdem sie ihre Ferien glücklich verlebt, kehrte Luise nach Paris zurück. Die Alten liefen nun der Jüngsten keine Ruhe. Die fieber- hafte Habsucht peinigte sie. Sie wollten reich, steinreich werden, und Maria mutzte endlich nachgeben. Bei der Abreise hatte man für sie mehr Ermahnungen als Worte des Abschieds. Luise hatte ihrer Schwester verboten, ohne vorherige Benach- richtigung zu kommen, wegen der Dienstboten: „Du wirst natürlich nicht etwa sagen, datz wir Mädchen vom Lande sind. In Paris kennt man mich nur unter dem Namen Luisa von Aubreys...." Liebe Eltern! Ich bitte Euch um Entschuldigung, datz ich nicht eher schrieb. Ich fürchte, mein Brief wird Euch Kummer machen, und bitte Euch um Verzeihung. Als ich vor sechs Monaten in Paris ankam, besuchte ich Luise. Aber ich sah sofort ein, datz ich ihrem Beispiel nie folgen kann. Ich will es übrigens auch gar nicht, sondern möchte mich lieber verheiraten mit dem, den ich liebe. In dem Hause, wo ich hier diene, wurde ein Diener gesucht, und ich habe Johannes gc- schrieben, er solle diese Stellung so in meiner Nähe annehmen. Er kommt dieser Tage, und mein Lohn geiügt für die Hochzeit. Er hat seine Papiere schon, und ich möchte Euch herzlichst bitten, mir die meinigen baldmöglichst zu schicken. Wir werden beide ehrlich arbeiten und uns stets bestreben, sparsam zu sein. Ich ziehe dieses Dasein dem meiner Schwester vor. Verzeiht mir, liebe Eltern. Wenn ich Euch Kummer mache, o geschieht es gegen meinen Willen, denn ich wiederhole, ich a n n es nnn einmal nicht. Viele Küsse für Wilhelm und Ludwig, und für Euch die herzlichsten Grütze von Eurer Euch achtenden Tochter Maria. Nachdem sie diesen Brief gelesen, waren die Alten ganz be- stürzt. „Einen Hausknecht zu heiraten." meinte der Vater,„wo ihre Schwester Grafen und Barone hat....! Hahaha, das Geld ddr Jüngsten werden wir bequem zählen können!" „Ach, mein armer Alter," versetzte die Mutter,„wir wollen uns nicht umbringen! Es ist ja nun einmal so, datz es in jeder Familie ein schlechtes» ungeratenes Kind gibt!"— (Berechtigte Uebersetzung von H. Hesse.) Zur Physiologie der Ditzc. Von Dr. van Trotz. Die unerhörte Hitzeperiode dieses Sommer?, die nun schon mehrere Wockien in ununterbrochener Heftigkeit anhält, fordert täg- lich neue Opfer. Die Zeitungen find voll von Berichten über Todesfälle und schwere Erkrankungen infolge der ungewohnte« Hitzeeinwirkung. Nun braucht man wirklich nicht alle diese Mik« teilungen als bare Münze hinzunehmen. Jeder, der in diesen Wochen plötzlich im Freien erkrankt, wird auf das Konto des Hitz- schlags gebracht, ohne datz in allen Fällen die Hitze wirklich die Ur- sache der Erkrankung abgibt. Dennoch ist natürlich die Zahl der Erkrankungen recht hoch. Um zu einer Einsicht m das Wesen des Hitzschlages zu kom- men, mutz man den menschlichen oder auch den tierischen Organis- mus als eine Wärmemaschine betrachten. Bekanntlich wird durch jede Arbeit Wärme erzeugt. Diese Wärme aber hat die Eigen- schaft, dorthin abzuslietzen, wo eine niedere Temperatur besteht. Ter geheizte Ofen gibt an das kühlere Zimmer seine Wärme ab und erwärmt es. teils durch Strahlung, teils durch Leitung, indem der Ofen Gegenstände, die an ihn dicht herangebracht werden, er- wärmt. Auch der menschliche Organismus gibt Wärme durch Lei- tung und Strahlung ab. Woher rührt diese? Ihre Quelle, das Heizmaterial, ist die Nahrung. Sie ersetzt verlorengegangene Bau- steine(der Organe) und liefert zweitens Spannkräfte, die den Kör- per zur Leistung von Arbeit befähigen. Ohne weiteres ist aber die Nahrung, wie wir sie einnehmen, zur Erfüllung dieser Aufgaben nicht fähig. Sie mutz erst umgewandelt werden. Diese chemischen Prozesse nennen wir Verdauung. Die zerlegende Tätigkeit an der Nahrung produziert nnn Wärme. Und zwar ist die auf diese Weise im Verlaufe von 24 Stunden von einem erwachsenen Menschen ge- bildete Wärmemenge stets nahezu dieselbe. Sie würde genügen. um 30 Liter Wasser mit einer Temperatur von 10 Grad Celsius zum Kochen zu bringen, d. h. auf 100 Grad Celsius zu erhitzen. Als wissenschaftliches Einheitsmatz für die Wärmemenge ist die Kalorie eingeführt, diejenige Wärmemenge, die nötig ist, einen Liter Wasser von einer gegebenen Temperatur um 1 Grad Celsius zu erhöhen. Von solchen Wärmeeinheiten produziert die täglich aufgenommene Nahrung 2700 bis 3000. Werden weniger Kalorien gebildet, so ist die Ernährung nicht ausreichend. Ein stark arbeitender Mensch bedarf einer grösseren Menge Nahrung. Durch seine erhöhte Muskelleistung liefert er auch mehr Wärme. Das Problem ist nun dieses: Was geschieht mit diesen Wärme- mengen? Würden sie im Organismus aufgespeichert bleiben, so würden sie ihn bald zerstören, indem das Eiweitz der Zellen und des Blutes gerinnt. Zu einem kleineren Teil werden sie verwandt zur Erwärmung der eingeatmeten kühleren Luft in den Bronchien und der in den Verdauungsschlauch eingebrachten Speisen. Eine weitere Wärmecntzichung findet zugleich mit dem Abstotzen der Abfallstoffe in den Exkrementen und im Harn statt. Allein diese Verluste würden den Organismus vor Ueberhitzung zu schützen noch nicht im stände sein. Das Organ, das diese Leistung über- nimmt und ausführt, ist die Hau t. Ihre grosse Oberfläche, beim Menschen 1,5 Quadratmeter, gestattet Strahlung und Leitung in weitestem Masse. 05 Proz. aller im Körper gebildeten Wärme wird auf diesem Wege an die Aussenwelt abgegeben. An die Körperober- fläche wird die Wärme durch ein ausserordentlich reich verzweigtes Netz von feinsten Blutgefässen geführt, die wie die Heizschlangen und Radiatoren der modernen Heisswasserheizung infolge ihrer grossen Oberfläche befähigt sind, viel Wärme abzugeben. Diese Ventilicrung genügt aber noch keineswegs. Es gelingt nicht völlig, die abzuführende Wärme durch Leitung oder Strah- lung abzuführen. Als bedeutsame Hilfsorgane zum Zwecke der Wärmeregulation sind nun die S ch w e i tz d r ü s e n in die Haut eingeschaltet. Ihre Funktion besteht darin, flüssigen Schweitz ab- zusondern. Dadurch wird der Wassergehalt des Blutes und der Säfte reguliert und eine zu grosse Vcrwässerung vermieden. Auch verlassen auf diesem Wege gewisse Giftstoffe den Körper. Aber sobald die Schweissdrüsen in Tätigkeit sind— und sie sind es eigent- lich andauernd—, dienen sie einer zweiten Aufgabe: der Wärmeregulation. Wenn ein Tropfen auf eine heisse Platte fällt, verdunstet er; so auch der Schweitz, der sich aus den Drüsen- öffifungen über die warme Hautoberfläche ergictzt. Kaum aber hat die Drüse ihn entleert, so verdunstet er. Bei dem Bcrdunstungs- prozetz aber wird Wärme gebunden. Der Endeffekt ist also der, datz eine Abkühlung eintritt. Eine derartige Schlveihproduktion und Verdunstung geht, wie gesagt, unaufhörlich vor sich. ?erspirmio insensibilis, unmerkliche Ausdünstung, nennt diesen Vorgang die Phlssiologic. Der Apparat ist aber bis zu gewissem Grade sehr wohl der Steigerung seiner Leistungen fähig. Produ- ziert der Organismus mehr Hitze als gewöhnlich, z. B. bei an. strengender Muskelarbeit, oder ist die Leitung und Strahlung bc- hindert, so wird die Schweitzsekrction stärker, um durch die Bereit- stcllung größerer Mengen von Flüssigkeit zur Verduusrung noch die Tempcraturcrnicdrigung zu bewirken. Wird soviel Schweiß produziert, dass er nicht mehr verdunsten kann, sondern in Tropfen oder gar Strömen den Körper herab- rinnt, so liegt eigentlich schon eine Störung vor. Denn dieser Schweiß verdunstet ja gar nicht, kühlt also auch nicht ab. Die Abfuhr der Wärme durch Leitung und Strahlung sowie auf dem Wege der Wasserverdunstung führt in die umgebende Atmosphäre. In unseren Zonen ist gewöhnlich, auch bei normaler Sommcrwärme, die Lufttemperatur erheblich niedriger als die des Körpers. Daher kann diese auch nach jener hin abfließen. Nur in tropischen Gebieten wird die Körperwärme von der Luftwärme übertrofsen. Dort werden an den„H i tz e p o I e n" Temperaturen bis zu 50 Grad Celsius gemessen. Wochenlang herrschen an ge» wissen Stellen Indiens Tagcstcmperaturen von 50 Grad Celsius. Aber sie»exden ertrage«, ebenjq wie Hei� Aiid Maschiniste» sich ücr Feuerglut der Kessel anpassen können. Ja, sogar eine Hitze von 100 Grad während 20 Minuten wirkt noch nicht schädigend. Dann jnujj natürlich die Schweißvcrdunstnng die ganze Wärmeregulierung übernehmen. Alles kommt letzten Endes aus das Funktionieren jener an. Nicht nur in den Tropen, sondern ebensosehr in unseren gemäßigten Zonen. Die Verdunstung ist aber abhängig von dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Zwar wächst mit steigender Temperatur die Fähigkeit der Luft, Wafferdampf in sich aufzu- nehmen, allein, wenn die.relative Feuchtigkeit" der Luft mehr als KS Proz. beträgt, ist vom Körper aus die Verdunstung behindert und hört bei höheren Feuchtigkeitsgraden völlig auf. Dann ist also auch die Tätigkeit der Schivcißdrüsen vergebens. Solche Luftver- Hältnisse empfinden wir als schwül. Sie sind bezeichnend für die Gewitterlage. In den Dschungeln Indiens, in den Urwäldern Wrasiliens herrscht derartiges Klima. Die Hitzwelle, die in den letzten Wochen über Mitteleuropa gezogen ist, hat eine relativ hohe Feuchtigkeit der Luft nicht mit sich gebracht. Es hat wohl mehr heiße Tage als gewöhnlich, aber doch nicht viel mehr schwüle Tage gegeben. Die Versager der Wärme- rcgulation, die sich in Hitzschlägen und ähnlichen Erkrankungen kund taten, find daher entweder auf einen leicht aus dem Gleich- gewicht zu bringenden Organismus oder ein unzweckmäßiges Vcr- halten gegenüber den ungewohnten Bedingungen zurückzuführen. Ist die Wärmeabgabe durch ein äußeres Hindernis, das in dem Milieu liegt, oder" durch einen inneren Schaden der Maschine be- schränkt, und dauert dieser Zustand längere Zeit fort, so erkrankt der Organismus unter den Zeichen der Wärmestauung am Hitz- «schlage. Wohl zu unterscheiden ist dabei vom Hitzschlage der Sonnenstich. Für das Zustandekommen des Hitzschlages ist vor allen Dingen die hohe Feuchtigkeit der umgebenden Luft vcr- antwortlich, die die Schweißverdunstung aufhebt. Nicht aber ist eS nötig, daß die Sonne scheint, sondern auch unter bedecktem Himmel ereignen sich Hitzschläge. Sonnenstich aber kann nur bei direkter Bestrahlung auftreten. Anderseits ist dazu keine besondere Luft- feuchtigkeit notwendig, sondern es genügt die hohe Temperatur, die auf der Körperoberfläche unter Einwirkung der auffallenden Sonnenstrahlen entsteht. Es ist also auch nicht die Wärnieabgabe des Organismus gestört, sondern dieser wird vielmehr von außen überhitzt. Liegen die überhitzten Punkte am Kopfe, wie das häufig ist, so wird das Zentralnervensystem, das gegen derartige Temperaturerhöhungen besonder? empfindlich ist, lädiert. Es kommt dann nicht selten zu plötzlichen Todesfällen. Gegen den Sonnen- stich befitzt der Organismus keine Schutzmittel wie gegen den Hitz- schlag. Im Gegenteil, um diesen zu vermeiden, arbeiten die Rcgu- katoren mit höchster Jntenfivität, wenn Gefahr im Anzüge ist. Das Herz schlägt dann schneller, die Gefäße sind prall mit Blut gefüllt, die Atmung ist beschleunigt, die Schweißdrüsen überschwemmen die Körperoberfläche mit ihrem Sekrete. Gelingt der Ausgleich dennoch nicht nach einer gewissen Zeit, so erlahmen die Hilfswerk- zeuge: Der Schweiß versiegt, die Haut wird trocken und glanzlos, der Atem keuchend. Unter den Zeichen von Herzschwäche stürzt der Betroffene zusammen. Häufig folgen dann Delirien oder Bc- wußtlofigkeit, die zum Tode führen. Es ist nicht unmöglich und auch nicht allzu schwierig, sich vor den schweren Schädigungen der Wärmestauung zu schützen, wenn «man sich ihre Entstehungsursachcn vergegenwärtigt. Zunächst kann man einem durch Krankheit geschivächten Organismus nicht zumuten, die einem Gesunden mögliche Arbeit zu leisten. Er wird schon vorher bei Verhältnissen des Klimas versagen, die jener noch zu bewältigen vermag. Der Kranke oder der Rekonvaleszent, der Greis und da? Kind meide es, sich heißem und schwülem Wetter auszusetzen. Aber auch der Gesunde muß sich gewisse Reserven auferlegen, was seine Arbeitsleistung betrifft. Wo ein äußerer Zwang gebietet, wird der Körper bis zum äußersten angespannt, und so die Vorbedingungen für das Entstehen einer Wärmestauung gegeben. Deswegen stellt das Militär eine ausgezeichnete Domäne für den Hitzschlag. So entstehen bei einer mar- schierender. Truppe schon Hitzschläge, wenn das Tagesklima weder heiß noch schwül:st. Ein übriges tut die Kleidung, die in unfern Zonen hauptsächlich als Kälteschutz, nicht aber als Wärmeschutz ge- dacht ist. Dieser Äältcfchutz verringert die Abgabe der Wärme durch Strahlung und Leitung um t>as Dreifache; ja, er hebt sie ganz auf, wenn die Kleidungs- und Ausrüstungsstücke durch die Sonnenstrahlen erwärmt sind. So bleibt nur noch die Schweiß- Verdunstung. Aber diese wird dadurch herabgesetzt oder verhindert, »daß ein Teil des Schweißes in die Poren der den Körper um- schließenden Kleidungsstücke dringt und sie dauernd feucht erhält. Es wäre aber falsch, zu glauben, daß die schädlichen Faktoren un- zweckmäßiger Kleidung nur bei dem Soldaten sich geltend machen. Auch der Zivilist folgt mit seiner Garderobe durchaus nicht den An- sprächen der Hygiene. Au? dem Gesagten ergeben sich ohne weiteres die vorbeugenden Maßnahmen gegen dir Wärmestauung. Die Kleidungsstücke müssen lose sein und stels geöffnet werden können, um der bewegten Luft Zutritt zu gestatten. Je lockerer »md lufthaltiger ihr Gewebe ist, um so zweckmäßiger sind die zur Anfertigung verwandten Stoffe. Flüssigkeit dem erhitzten Körper zuzuführen, ist wünschenswert, um die Schweißsckretion aufrecht- &« erhalten und einer Emdickuug des Blutes und Entziehung von atzen vorzubeugen. Die Furcht, die man bis vor nicht allzulanger Zeit davor hatte. Erhitzten zu trinken zu geben, ist unbegründet. «ur darf der Trunk weder zu kühl noch zu reichlich sein. Schach. Unter Leitung von S. Alapin. F. Amelung. »bocko fgii 8 8 7 7 « 6 B 5 4 4 8 3 t 2 i 1 Lösung(5. Juli H. Rink. Weiß— IQrg; VZ7; DZ?; Schwarz— Kf4; vaZ; Lb2; BB d5. e5. Weiß zieht und gewinnt.) 1. Dg7— gS-r, Kf4— et(1.... Kfö; 2. TfTf nebst Vg4j- und Tßf) 2. To7— a7I!, Da2Xa7(2.... La3; 3. Dg4t nebst TaSf. Oder 2.... Dc4; 3. Ta4! nebst Dg4t) 8. Dg3— gOfl, Ke4-I3; 4. Dgk— g2t, Kf3—£4; 5. Dg2— gif ic. Schach» anrichten. Im Kölner Hauptturnier hat H. Lowtzki aus Leipzig den ersten Preis und somit auch die Meister- würde errungen. Nach ihm kamen v. Freimaim, Rotlevi, Esser und Hromadka ex aequo. Der Nkatch Tarrasch— Schlechter ist als unentschieden bei 10 Remisen und beiderseits je 3 gewonnenen Partien abgebrochen. Es handelt sich um Meister allerersten Ranges. Die Welt kann keine besseren Namen ausweisen. Um zu veranschaulichen, was selbst solche Meister beim Verbote des AnalysierenS öffentlich leisten, sei folgende 106 j!)-zügige Partie zitiert. Wegen der gewaltigen Zahl der Textzüge müssen wir(von ,?* abgesehen) auf ausführliche Glossen verzichten, bemerken jedoch im allgemeinen als R eg e l. daß. wenn wenigjtens eine der Parteien ohne grobe Fehler spielt, eine Schachpartie nie mehr als etwa 40— 45 Züge bis zur klaren Entscheidung dauern laun. D a m e n g a m b i t.<9. Matchpartie. Schlechter— Weiß; Tar- rasch— Schwarz.) 1. 64, 66; 2. 164, c5(lio!); 3. e3, Db0; 4. Sc3, e6(4.... DXb2?, 5. Sbö); 5. LXb8, TXbS; 6. Lböt. Ld7; 7. IiXd7t, KXd7; 8. Tbl, Sf6; 9. Sf3, L66; 10. 0-0, Ke7; 11. De2, Thd8; 12. dXe5, DXoö; 13. e4, 64; 14. Sb5? (Ein V e r s e b e n. das nur zufällig kein« Figur kostet) 14.... 63!; 16. cX63, vXbö; 16. e5, LXeö; 17. SXeö, Td5; 18. TIel, Tc8?? sKönnte so etwa? beim Aualvsiermodus passieren?...) 19. SXk7I. voS; 20. Seb, Dc2; 21. Dc3, Dc7; 22. Tbcl, Tc5; 23. TKoö, DXc5; 24. 64. Dd5; 25. DaSf, Ke8; 26. DXa7, 867; 27. 863{h3!), To4; 28. Sf4?? sNach dem einen kommt sofort der andere.) 28.... Vs4:: 29. Xkl. 0X14; 30. VXb7. DX64; 31. TXeöf, Kf7; 32. Tel, V63ff: 33. Kgl, V62; 84. Kfl, Dd3t; 35. Kgl, Dd2; 36. Kfl, DdSf; 37. Kgl. D42; 38. Kfl, Tbl; 39. Do6, 816; 40. Dc7+, Kg6; 41. Dg3t, Tg4; 42. Db3, Td4 (42.... TXf?2!); 43. h3, T63; 44. Do4, Td5; 45. Db3, T/5; 46. Te2, Dclf; 47. Tel, 1)62; 48. Te2, Dclf; 49. Toi, D62; 50. Te2, Dclf; 51. Tel, Dc5.(Hätte Schwarz eine Ahnung ge- habt, was ihm noch in dieser.Meisterpartie'" passieren kann, er würde dem Remis nicht ausweichen....) 52. Vg3-f, KIT; 53. Kgl, Dc2; 54. De3, DXb2??(Jetzt ist wieder Swwarz an der Reihe....) 55. g4, Tdö; 56. g5, 1)62.(Verhältnismäßig noch am besten!) 57. gXk6, DXe8; 56. TXe3, KX'6; 59. Ta3, I>5? (Am besten war h6 nebst evcnt. Kf8— g6— h7 und Postierung des TurnieS auf der a-Reih«. Weiß hätte dann nie gewinnen können.) 60. Kg2, gö?(Die Bauern ziehen nur, um dem Gegner später AngrfffSolqe'te abzugeben.) 6t. Ta8, Td3; 62. n4, TaB; 63. a5, h4??(Kg? 1); 64. at>, Kg7; 65. k3. Kh7; 66. Kf2, Kg?; 67. Ke2. Kh7; 68. a7, Kg7; 69. Kd2, Kh7; 70. Kc2, Kg?; 71. Kb2, Ta6; 72. Kc3, Tal; 73. Kbi Ta2; 74. Kbö, Tal; 75. Ko6, Ta5; 76. Kd8, Tal; 77. Ke6, Taö; 78. Te8 1, Taöf.(Wie gern hätte jetzt Schwarz die Bauern auf g7 und h6 stehe« l... Auf 78. TX»? folgt 78.... Te71- mit Turmtausch und Gewinn.) 79. Klö. TXa7. (Me gerne hätte jetzt Schwarz den Bauer aus b5 stehen; dann hätte er Taä-f spielen können, ohne Kgl zuzulassen.) 80. KXgö, TaS; 81. Kg4, Tb3; 82. Te4, Kg6; 83. TcOf, Kg?; 84.£4, TgSf; 85. KXb4.(Die.Angriffsobjekte" fallen....) 85.... Tgl; 86. Te3, Kfö; 87. Tg3, Tal; 88. Kg4I TaS; 89. Tb8, TgSf; 90. Kk3, Tgl; 61. Tböf, Kf5; 92. Tböf, Kf6; 63. Tb8, Tflf; 94. Kg4, Tglf; 95. Kbö, Tg7; 66. TfSf, Ko7; 97. Tf5, KeO; 68. Tg3, Th7t: 66. Kg6!. TXh3; 100. Teöf; Kd6; 101. Tel,Th8; 102.£5, Tg8f; 103. K/7. TaS; 104.£6, TaTf; 105. Kg6, Ta2; 106.(b) n. Aufgegeben._ lverantw. Redakteur: Richard Barth, Berlin.— Druck u. Verlag: VorwärtSBuchdruckercin.VerlagSanstaltPa>tlSingersiCo.,PerItuLV)(. Weiß zieht und gewinnt.