Nnlerhattungsblatt des Nr. 160. Sonnabend, den 19. August. 1911 lNachdru« vervoken.7 sq Pelle der Gröberen Lehrjahre. Roman öon M. Andersen Nexo. �Willst Du denn den Heidhof verlassen, Vater," fragte Relle still. „Sie haben ihn mir ja weggenommen," erwiderte Lasse jammernd.„Ich konnte das Termingeld bei allen diesen Sorgen nicht schaffen, und nun hat ihre Geduld ein Ende. Aus purer Gnade erlaubten sie mir nur so lange zu bleiben, bis Karna ausgekämpft hatte und glücklich in die Erde ge- kommen war. Jeder konnte ja sehen, daß es sich nicht mehr um viele Tage handelte." „Wenn es nur die Zinsen sind," sagte©ort,„ich habe ein paar Hundert 5kronen, die ich für mleine alten Tage zusammengespart habe." „Jeht ist es zu spät, das Gehöft wird schon auf einen anderen Mann übertragen. Und selbst, wenn das nicht der Fall wäre, was sollte ich jetzt da wohl ohne Karna? Ich bin zu nichts mehr zu gebrauchen!" „Wir wollen zusarmnen hinausziehen, Vater!" sagte Pelle und erhob den Kopf. „Nein, ich ziehe nirgends mehr hin als nach dem Kirch- Hof. Ich tauge doch zu nichts mehr. Meinen Hof haben sie mir genommen, und Karna hat sich darauf totgearbeitet, und ich selbst habe meine letzten Kräfte dort niedergelegt. Und dann haben sie ihn mir einfach weggenommen!" „Ich will schon für uns beide arbeiten. Du sollst es gut haben und Deine alten Tage genießen!" Pelle sah licht in die Ferne. Lasse schüttelte den Kopf.„Ich kann nichts mehr aus mir herausquetschen, ich laß es liegen und gehe weiter!" „Ich mache den Vorschlag, daß wir nach der Stadt gehen," sagte©ort.„Oben an der Kirche jinden wir sicher einen Mann, der uns da hinfährt." Sie sammelten ihre Sachen zusammen und machten sich auf die Wanderung. Lasse ging hinter den andern drein und redete vor sich hin: von Zeit zu Zeit brach er in eine Klage aus. Dann trat Pelle schweigend an ihn heran und faßte ihn bei der Hand. „Niemand ist da, der sich unserer annimmt und uns gute Ratschläge gibt. Im Gegenteil, sie sehen es gern, wenn wir unser Leben und unser Glück zusetzen, wenn sie nur ein paar Schilling dabei verdienen können. Selbst die Obrig- kcit ninimt sich des armen Mannes nicht an. Er ist nur dazu da, daß sie alle auf ihm l)erumhacken und jeder mit seinem Raub davonfliegen kann. Was machen sie sich daraus, daß sie Not und Unglück und Untergang über uns bringen?-- Wenn sie nur ihre Steuern und Hinsen bekommen. Ich könnt mit kaltem Blut jedem von ihnen das Messer in die Kehle stoßen!" So fuhr er noch eine Weile fort, sich steigernd, und brach dann zusammen wie ein Keines Kind.- 15. ©ie wohnten bei©ort, der sein eigene? kleines HauS oben in Byvangen besaß: der kleine Wanderschuhmacher wußte nicht, was er ihnen alles zugute tun sollte. Lasse hockte immer so zwecklos umher. Er konnte keine Ruhe finden und sich gar nicht fassen: von Zeit zu Zeit mußte er in Klagen ausbrechen. Er war ganz hinfällig geworden und konnte den Löffel nicht mehr zum Munde führen, ohne zu ver- schütten. Wenn sie ihn ein wenig zerstreuen wollten, war er eigensinnig. „Nun müssen wir doch sehen, daß wir Deine Sachen holen," sagten die beiden einmal über das andere. Es ist kein Sinn darin, daß Tu der Gemeinde Dein Mobilar schenkst." „Aber Lasse wollte eS nicht.„Haben sie mir all das andere genommen, so können sie das auch noch bekommen! Ich will auch nicht wieder dahin und mich von allen be- mitleiden lassen!" ©ort. .Aber Du machst Dich ja selbst zum Bettler," sagte „Das haben' sie ja auch gewollt. Mögen sie nun ihren Willen bekommen! Sie werden we.il einmal Rechenschaft dafür ablegen müssen." Da verschaffte sich denn Pelle ein Fuhrwerk und fuhr selbst hin, um die Sachen zu holen. Es war ein ganzes Fuder. Mutter Bengtas grüne Kiste fand er oben auf dem Boden, dort stand sie voller Garnknäule. Es war so wunder- lich sie wiederzusehen: seit vielen Jahren hatte er seiner Mutter keinen Gedanken geschenkt. Tie will ich als Reise- kiste haben, dachte er und nahm sie mit. Lasse stand vor der Tür, als er gefahren kam.„Sieh nur, was ich Dir hier alles bringe, Vater!" rief er und knallte lustig mit der Peitsche. Aber Lasse ging hinein, ohne ein Wort zu sagen. Als sie abgeladen hatten und sich'nach ihm umsehen wollten, war er ins Bett gekrochen. Er lag mit dem Gesicht nach der Wand gewendet und wollte nicht sprechend Pelle erzählte allerlei Neuigkeiten vom Heidhof, um etwas Leben in ihn hineinzubringen.„Nun hat die Ge- meinde den Heidhof dem Hügelbauer für fünftausend Kronen verkauft und sie sagen, daß er ein gutes Geschäft gemvcht hat. Er soll doppelt so viel wert sein. Er will selbst da wohnen und seinem Sohn den Hügelhof überlassen." Lasse wandte den Kopf halb um.„Ja. jetzt wächst da was. Jetzt ernten sie Tausende, und denn muß ja der Bauer drüberkommen," sagte er verbittert.„Aber es ist auch gut gedüngter Boden. Karna hat sich verhoben und starb mir weg. So gut wie wir zusammen eingefahren waren; ihre tausend Kronen gingen auch drauf, und ich bin nun ein armes Wrack. Das alles wurde in den öden Felsboden ge- legt, so daß er zu guter und mildtätiger Erde würde. Und dann zieht der Bauer ein, nun mag er da schon wohnen. Wir armen Läuse haben ihm den Weg bereitet. Sind wir vielleicht zu was anderem da? Toren sind wir, daß wir uns noch aufregen über so etwas.-- Aber, wie ich den Fleck geliebt habe!" Lasse brach plötzlich in Tränen aus. „Nun nvußt Du vernünftig sein und sehen, daß Du wieder fröhlich wirst," sagte©ort.„Die schlechten� Zeiten für den armen Mann sind bald vorbei. Es wird eine Zeit kommen, wo sich niemand für den andern totzuarbeiten braucht, wo jeder das erntet, was er selbst gesäet hat. Was für einen Schaden hast Tu denn gelitten? Denn Du bist ja auf der richtigen Seite und hast Tausend? von Kronen, auf die Du einen Wechsel ziehen kannst. Es wäre doch schlimmer, wenn Du andern was schuldig wärest!" „Ich erlebe die Zeit wohl nicht mehr," sagte Lasse und richtete sich auf den Ellbogen auf. „Vielleicht Du und ich nicht, denn die, die sich auf der Wanderung befinden, müssen ja in der Wüste sterben! Aber darum sind wir doch Gottes auserwähltes Volk, wir Armen. Und Pelle, der wird das gelobte Land schon zu sehen bekommen!" „Jetzt solltest Du mit hineinkommen und sehen, wie wir es eingerichtet haben," sagte Pelle. Lasse stand müde auf und ging mit ihnen. Sie hatten eine von Sorts leeren Stuben mit Lasses Sachen eingerichtete Es sah ganz gemütlich aus. „Wir haben uns gedacht, daß Du hier wohnen solltest, bis Pelle da drüben gut in Gang gekommen ist," sagte©ort. „Nein, zu danken brauchst Du nicht! Ich freue mich, daß ich Gesellschaft habe, das kannst Du doch wohl begreifen!" „Ter liebe Gott wird es Dir vergelten!" sagte Lasse mit zitternder Stimme.„Auf andere als auf ihn, können wir Äermsten ja keine Anweisung geben." Pelle hatte keine Ruhe mehr, er konnte seinen Sinn nicht länger zügeln, er mußte hinaus.„Wenn Du mir so viel geben willst, wie die Fahrkarte kostet, weil ich Dir geholfen habe," sagte er zu©ort, dann reise ich n?ch heute Abend." ©ort gab ihm dreißig Kronen.„Das ist die Hälfte von dem, was wir eingenommen haben." „So viel kommt mir nicht zu." sagte Pelle.„Du bist doch der Meister und hast Werkzeug gehalten und alles." „Ich will nicht von anderer Hände Arbeit Men, sondern nur Eon meiner eigenen,® enlgegr.vie Sort, und schob ihm Zias Geld hii»—,„Willst Du beim so reisen, wie Du gehst und stehst?" „9hm, ich habe jl; Geld in Unmenge," sagte Pelle froh. '„So viel Geld habe ich noch nie auf einmal besessen! Dafür kann man manch ein Kleidungsstück bekommen." „Aber das Geld darfst Du nicht anrühren. Fünf Kronen kannst Du für die Reise und dergleichen gebrauchen; den Rest mußt Du aufheben, damit Du der Zukunft ruhig entgegen- sehen kannst! In Kopenhagen verdient man wohl Geld genug." „Er ist immer ein leichtsinniger Bursche gewesen," sagte Lasse bekümmert.„Damals als er hierher in die Stadt in die Lehre kam, hatte er fünf Kronen, und wofür er die aus- gegeben hatte, darüber konnte er nie so recht Rechenschaft ablegen." Sort lachte. „Tann reise ich, wie ich gehe und stehe!" rief Pelle resolut aus. Aber das war auch verkehrt. Er konnte es den beiden gar nicht recht machen, sie waren wie zwei besorgte Gluckhennen. * An Wasche fehlte es nicht, als Lasse erst an seine Vor- röte dachte. Karna hatte gut für ihn gesorgt.„Aber es wird wohl reichlich kurz sein für Deinen langen Leib. Es ist nicht mehr so wie damals, als Du von Stengarden fortzogst, da mußten wir einen Saum in meine Hemden für Dich legen." Mit dem Schnhzeug sah es auch übel aus; es ging nicht an, daß ein jschustergesell mit solchen Trittlingen ankam, werai er Arbeit suchte. Sort und Pelle mußten ein Paar an- ständige Stiefel machen.„Wir müssen uns Zeit lassen," sagte Sort.„Bedenke! Sie müssen vor dem Urteil der Haupt- stadt bestehen können." Pelle war ungeduldig und wollte die Arbeit gern schnell von der Hand haben. „Dann handelt es sich nur noch um einen neuen Anzug. Den kaufst Du fertig auf Kredit," sagte Sort.„Lasse und ich werden gut genug sein als Bürge für einen Anzug." Am Abend, ehe er reisen wollte, gingen er und Lasse aus, um Dues zu besuchen. Sie wählten die Zeit, wo sie sicher waren, Tue selbst anzutreffen. Aus Anna machten sie sich beide nicht viel. Als sie nach dem Hause herabkamen, iahen sie einen alten, feingekleideten Herrn in die Haustür hinein- treten. „Das ist der Konsul." sagte Pelle,„der ihnen vorwärts geholfen hat. Dann ist Tue mit den Pferden fort, und wir sind gewiß nicht willkommen." „Steht es so mit ihnen?" sagte Lasse und blieb jäh stehen. >,Dann tut mir Tue leid, wenn er erst den Zusammenhang erfährt. Er wird gewiß finden, daß er seine Selbständigkeit zu teuer erkauft hat. Ach ja, der Preis ist hart für den, der vorwärts will. Möchte es Dir nun da drüben gut gehen, mein Junge." Sie waren zur Kirche herabgekommen. Dort hielt ein Wagen mit grünen Pflanzen; zwei Mäner trugen sie irr ein Wohnhaus.„Was geht denn hier Feierliches vor?" fragte Pelle... „Hier soll morgen feine Hochzeit sein," antwortete einer von den Männern/., Kaufmann Laus Tochter heiratet diesen Wichtigtuer, Carlsen heißt er ja wohl, und ein armer Bursche ist er, so wie wir. Aber glaubst Du, daß er uns überhaupt ansieht? Wenn Dreck zu Ehren kommt, dann ist nicht damit auszukommen. Nun ist er ja auch Teilhaber im Geschäft geworden."- (Schluß folgt.) (Zeder das Blut. Von Dr. A. L i p s ch ü tz. I. DaS Blut ein besonderer Saft ist, weiß jedennann. ES hat ja auch gar wichtige Aufgaben im Getriebe des Lebens deS viel- zelligen Organismus zu erfüllen. ES ist der Vermittler zwischen den einzelnen Organen und Zellen, die sich im Zellenstaat des OrganiS- mus in ihre Arbeit geteilt haben und voneinander in Abhängigkeit geraten sind. Eine jede Zell? braucht Nährstoffe, die im Magen und Tarni vorgearbeitet werden, und ihr fertig zubereitet zugeführt werden mästen. Die Zelle braucht auch einen gasförmigen Nährstoff, den Sauerstoff: den bringt ihr das Blut von den Lungen aus inS HauS— das machen die roten Blutkörperchen genau so emsig wie der Bäckerjuuge, der unS die Semmeln ins Haus trägt. Aber auch die Schlacken, die im Leben, beim Zerfall der lebendigen Substanz— das eigentlich da? Leben ist— entstehen, muffen herausgewaschen werde«». Da ist auch das Blut zur Stelle. ES holt die Schlacken, die den Zellen das Leben vergiften können, aus ihnen heraus, führt fie in Leber und Niere, wo sie verarbeitet und ungiftig gemacht und dann schließlich ausgeschieden werden. Das ist nun ein großer und vielseitiger Betrieb, dem das Blut gerecht werden muß. Und dabei sind es im ganzen fünf Liter Blut, mit denen den vielfachen Anforderungen des 70 Kilo schweren Menschen entsprochen werden muß. Da hilft die fleißige Arbeit des HerzenS aus: mit großer Geschwindigkeit treibt das Herz, das eine Saug- und Druckpumpe ist, die Blutmasse durch die Blutgefäße, durch die winzig kleinen Kapillaren oder Haar- aefäße, die in alle Organe eindringen. Siebzig bis fünfundsiebzig mal schlägt das Herz in der Minute, und da es mit jedem Schlage etwa 75 Kubikzentimeter Blut— etwa so viel wie ein halbes Glas Wasser— in die große Körperarterie(die Aorta) treibt, so kann cS alle fünf Liter Blut in kaum einer Minute zu den Zellen und Organen führen. In kaum einer Minute sind alle fünf Liter einmal im Körper herumgewesen, haben den Zellen die Nähr» stoffe gebracht, die Schlacke herausgeholt und an die EntgistungS- und Ausscheidungsorgane abgegeben. IL Um die Versorgung der Körperzellen mit genügend Sauerstoff, ohne den ja die Zellen nicht leben können, zu gewährleisten, sind besondere Einrichtungen geschaffen: die sauerstoffaufnehmende Fläche ist im Blut möglichst weit ausgebreitet. Diese Fläche find die roten Blutkörperchen. Indem der Smierstoffänger und-Vermittler deS Blutes, der rote Blutfarbstoff oder das Hämoglobin, nicht in dicken, großen Klumpen, sondern in dünner Schicht, in Form der roten Blutkörperchen, oder besser Blutscheiben, zwischen Lunge und Körper- zellen kreist, ist eine möglichst ausgedehnte Berühnmg zwischen dem Sauerstoff der Lust und dem Hämoglobin einerseits, zwischen diesem und den Körperzellen andererseits gegeben. In einem Kubil- zentimeter Blut sind 5?n der englischen Marine führte nicht zum ersehnten Erfolge, so daß beide ihre Arbeiten aufgeben mußten, da sie keine Mittel mehr für weitere Versuche zur Ver- fügung hatten. Cort starb gänzlich verarmt im Jahre 1800. Erst andere unverdiente Leute heimsten die Hunderte und Tausende von Millionen ein, die Corts Pionierarbeit zum Teil mit zu verdanken waren. Zu jener Zeit nahm auch r!e Textilindustrie einen gewaltigen Aufschwung, namentlich durch die Einführung des damals neuen billigen Rohstoffes, der Baumwolle. Nachdem vorher schon so- genannte Streckwalzen verwendet wurden, gelang 1767 Hargreaves die Erfindung der ersten brauchbaren Spinnmaschine, die unter dem Namen Jenny-Maschine bekannt ist. Kurz daraus gelang es Arckwright, diese Maschine weiter zu verbeyern und damit die sogenannte Watermaschine, eine durch Wasserkraft angetriebene Garnspinnmaschinc, zu schaffen. In der Zeit von 1774 bis 1779 hatte Crompton den genialen Gedanken, die Anordnung der aus- ziehbarcn Wagen an Hargreaves Jcnnymaschine und das Walzen« streckwcrk von Arckwright zu vereinigen; er schuf damit die so- genannte Mule-Maschine, die die Grundlage der modernen Scl- faktoren bildet. Gegen Ausgang des Jahrhunderts nahm der Pfarrer Cartwright Patente ai-f den ersten mechanischen Web- stubl und eine Wollkrempelmqpchine. womit der jungen empor- blühenden Textilindustrie der Weg zur heutigen Entwicklung vor- gezeichnet wurde. Das eigentliche kapitalistische Zeitalter aber wurde erst durch die Dampfmaschine aus der Taufe gehoben. Die gewaltige in der Kohle geborgene Energiemenge mußte erst zur Verfügung stehen und einigermaßen ausgebeutet werden können, um die Ent- Wicklung zuwege zu bringen, in der wir jetzt stehen. Papin konstruierte seine atmosphärische Kolbenmasannc, bei der der Luft- druck noch eine erhebliche Rolle spielte. Einen neuen Weg schlug jedoch Savcry 1698 ein, indem er eine Dampfpumpe schuf, die in der Wirkungsweise an unsere heutigen Pulsomcter erinnert. Ihr liegt der Gedanke zugrunde, einerseits eine Lustleere durch die Kondensation von Wasscrdampf zu erzeugen und andererseits die AusdehnungSkrast des Dampfes zu benutzen� um Wasser zu heben. Der ungeheure Brennstoffverbrauch der Saverymaschine führte 1712 Newcoincn in Verbindung mit Cawlcy darauf, die atmo- sphärische Kolbcnmaschine, die sogenannte Feucrmaschine, mir Balanzierübertragung zu schaffen, die dann von Smcaton weiter verbessert wurde. Die wichtigste Erfindung auf diesem Gebiete machte jedoch James Watt mit seiner einfach wirkenden Dampf- Maschine, die er 1769 zum Patent anmeldete. Das wesentliche Neue an dieser Maschine bestand in dem vom Zylinder völlig getrennten Condensator. Diese geniale Erfindung�gab den An- stoß zu der gewaltigen Entwicklung der gesamten Technik bis zu unserer Zeit und brachte einen Umschwung hervor, wie er kaum seinesgleichen findet. Soweit Matschoß. Das Tempo der heutigen Entwicklung ist natürlich ein ganz anderes als früher. Wenn jetzt ein neues Gebiet erschlossen wird. dann stürzen sich die Erfinder und Konstrukteure mit Heißhunger darauf und gewöhnlich dauert es nur ein oder wenige Jahrzehnte, bis das ganze Gebiet zu einer Vollendung gediehen ist, die nur noch langsanicn Ausbau übrig läßt. So war es bei der Funken- telegraphie. so beim Automobil und bei vielen anderen kleinen Sachen. Aber unser kapitalistisches Tempo wird am besten schon durch die Dinge charakterisiert, die es hervorbringt: Fuukentcle- graphie. Elektrische Schnellbahn, Automobil und Äeroplan. Alles geht daruf hinaus, die Intensität des Lebens ins schier ungcmeyene zu steigern, Zeit zu sparen und damit zu schaffen und vorwärts zu dringen. Verkürzen wir die Zeit für gewisse Verrichtungen, so gewinne» wir zweifelsohne gewaltig, mehr als durch eine neue Erfindung selbst von größter Tragweite. Und die Möglichkeiten, die uns die neueren physikalischen und chemischen Entdeckungen in Aussicht zu stellen vermögen(Radioaktivität), sind fast ohne Ende. .kleines feuUleton. Ans dem Pflanzenreich. Was Ob st kerne sind und was sie werden. Wie in jedem Sommer, so hat man auch diesmal wieder weidlich auf die — 640— Kirschkerne geschimpft, die heimtückisch auf der liegen und dem nichtsahnenden Wanderer oft gefährlich tt» den. Allerdings ist es der Mensch selbst, der so leichtsinnig mit t«n Oöstkernen um- geht; find sie ihm doch zu nichts mehr nütze und lästig. Dabei der- gifit der Obstesser ganz, daß gerade der Kern im Grunde das wich- tigste am Obst ist, daß er den Samen umschliefit, der allein die Fortpflanzung der Frucht auf natürlichem Wege ermöglicht. Die Bedeutung des Kernes kommt schon darin zum Ausdruck, daß die Obstsorten nicht nach ihrem Fleisch, sondern nach ihren Samen eingeteilt werden in Kernobst und Steinobst. Dieser Unter- schied bedarf keiner weiteren Erläuterung. Ueberdics weiß sowohl der Obstzüchter wie der Chemiker sehr nützlichen Gebrauch auch von den Obstkernen zu machen. Die verschiedenen Obstarten sind allerdings in dieser Beziehung nicht alle gleich nützlich; so ist mit Aepfel- und Birnenkernen nicht allzuviel anzufangen. Immerhin kann aus Birncnkernen ein wohlschmeckendes Oel gepreßt werden. Anders ist es dagegen mit der Quitte. Aus ihren Kernen gewinnt man einen Sckleim, der in der Arzneikunde als kühlendes Mittel gilt. Auch in der KoSmetik war der OuittenMeim früher sehr gesucht; jetzt ist er völlig aus der Mode gekommen. Heutzutage benutzen ihn die Appreteure als ein vorzügliches Mittel für alle Faserstoffe, die, in Quittenkernabkochung gewaschen und zwischen Papier getrocknet, einen zarten Glanz annehmen. Eine Südfrucht, die bei unseren Kindern nicht wenig beliebt ist. das Johannisbrot, liefert aus ihren Kernen einen ahn- lichen, allerdings etwas gröberen Schleim. Teils zu den Süd- fruchten gehörig, teils einheimische Obstarten sind Pfirsiche und Aprikosen. Auch deren Kerne haben ihren Handelswert. Die Pfirsichkerne geben gebrannt eine feine Malerfarbe, das Pfirsich- kcrnschwarz. Es gibt ja nicht wenige Maler, die zu den künstlichen Farbstoffen kein rechtes Zutrauen haben und nur auf die„Natur Produkte" schwören. Von besonderer Bedeutung sind die Mandel kerne. Ihre vielseitige Verwendung in der Koch- und Konditor kunst ist allbekannt. Nicht so bekannt ist. daß die angeblichen Mandelkerne oft genug auf dem— Aprikosenbaum gewachsen sind. Nicht minder wichtig wie für den Zuckerbäcker und Marzixanfabrl kanten sind die bitteren Mandeln für den Apotheker. Jeder der schon einmal längere Zeit auf die Herstellung eines Rezeptes hat sparten müssen und sich dabei die lateinisch beschriebenen weihen Gefäße in der Apotheke etwas näher angesehen hat, wird darunter eins mit der Aufschrift„.Am>cl»Isc. amar." gesunden haben, was auf deutsch„bittere Mandeln" heißt. Man gewinnt aus den Mandelkernen physiologisch wirksame Bittcrftossc und Blausäure. Weiler wird darmis Mandelöl und Maiidclklcic bereitet. Aus den Kirsch- und Pflaumenkernen wird das Kirschwasser und das Zwetschgcnwasser gebrannt, eine landwirtschaftliche Industrie, die besonders in Baden, im Elsaß, in der Schweiz und in Frank- reich betrieben wird. Bittermairdel-, Aprikosen- und Kirschkerne enthalten Stoffe, die so interessant sind, daß sich die größten Chemiker damit ein- gehend beschäftigt haben. Man findet oft angegeben, daß die ge- rannten Kerne Blausäure, das furchtbare, augcnblick'.ich tödlich wirkende Gift, enthalten. Das ist in dieser Form nicht richtig. �ic genannten Kerne enthalten eine Verbindung, die aus Bitter- nandelöl, Blausäure und Traubenzucker zusammengesetzt ist. Diese Verbindung heißt Amvgdalin, ein Name, der von �mxgckalus communis, der botanischen Bezeichnung des Mandelbvumcs, her- geleitet ist. Diese Verbindung ist an und für sich unschädlich. In den Kernen ist nun aber noch ein Stoff enthalten, der diese Ver- bindung zerlegt und das Gift freimacht: das Emulsin. Dieses ■f Mulsin ist ein Ferment. So werden organische Stoffe genannt, üe chemische Prozesse einleiten, ohne selbst daran teilzunehmen. Las Emulsin nun ist es, das die unschädliche Verbindung Amyg- 'alin zerlegt und die Blausäure zur Geltung kommen läßt. Justus >on Liebig, BerzeliuS und andere große Chemiker haben sich mit Inlcrsuchungcn dieser Stoffe besck'äftigt. In neuerer Zeit fand der Berliner Chemiker Emil Fischer eine Tatsache, die für die organische Chemie von größter Wichiigkcit ist. Er ließ auf das Amygdalin nicht das— aus Aprikosenkcrnen rein dargestellte— Emulsin. sondern das auch die Alkoholgärung hervorrufende Fcr- ment der Hefe, die Hescmaltase, einwirken. Dabei zeigte sich, daß das Amygdalin nicht völlig abgespalten wurde, sondern nur den Traubenzucker abgab, während Blausäure und Benzaldehyd ver- einigt bleiben. Das war nicht weiter erstaunlich. Als die geschil- dcrlc Spaltung vor sich gegangen war. änderte Fischer die Ver- suchsbedingungen, und nun wirkte die Hescmaltase nickt zerstörend, sondern aufbauend, synthetisch statt cnalytisck. Dasselbe Ferment, das erst gespalten hatte, veranlaßte die Bestondteilc. sich wieder zum Amygdalin zu vereinigen. Das war deshalb eine böchft bedeut- saine Entdeckung, weil auf Grund von Tbeorien vorausgesagt wor- den war, das; diese Wirkung eintreten müsse. Diese chemische Lei- stung ist in ihrer Art nicht minder bedeutungsvoll, als es für die Astronomie etwa die rechnerische Entdeckung des Planeten Neptun durck Leverricr gewesen ist, der die teisächliche Aujfindung des er- rechneten Sternes durch Galle fskgre. Schach. Unter Leitung von S. Ata Pin. H. Rink. mbedeigb Weiß zieht und erzwingt Remis. Löswng.(12. August. Amelung, Weiß: KlZ; TgS; Lc5. Schwarz; Khl; Bh2. Weiß zieht und gewinnt.) 1. Kgi, Kg2; 2. TIS!, hlD(2...... Khl; 3. Tf2, Kgl; 4. Ta2t, Khl; 5. Ld6 je.); 3. Tf2t, Kgl; 4. Kg3, Dd5; 5. Tföf nebst 3+- Sckacknachrichten. Am 21. August beginnt da? inter- nationale Meistertiirnier in Karlsbad. Die Preise betragen in Kronen: 3000, 2000. 1400, 1000, 800. 000. 500. 400, 300. Riccgambit. DaS theoretische Ergebnis de? Forschung?- turnicrS in München ist von manchen Fackblättern nicht genau an» gegeben worden, weshalb wir uns veranlaßt fühlen, die einscklägigen Ausführungen unserer Schachspaltcn vom 29. Juli und vom S. August in schachtcchnischer Beziebung zu ergänzen. Zu diesem Zwecke be- dienen wir uns der Glossen zur nächstfolgenden Partie. Ricegambit. Am 23. Juli im Turnier zu München gespielt. S. Alapin 1. e2— o4 2. f2— f4 3. Sgl— f3 4. h2-h4! 5. Sß-eS! R. Spielmann e7— c5 e5Xf4 I g"-g5! g5— g4 Das.Kiescritzligambit" ist wohl die einzige theoretisch korrekte Foirn des angenommenen»KöntgSgamoits», die bei bestem Spiel aus beide» Seiten zum Remis ausreicht. 5...... Sg8— f6 6. Lfl— c4 d7— d5 7. c4Xdö Lf8— d6 8. 0—0..... 8. 62—64 1 genügt sicher zum Remis. Ob auch der Tcrtzng l. R i c e g a vi b i t") zum Remis ausreicht, ist das Thema der For- schung. 8. S. Dkl— el 10. c2— c3 11. 62—64 12. DdlXg4! Daß 12. Ld6Xe5 DdS-e7 SfO— ht» 1 Sb8— d7 I 867—101 LXdlf zum 33. Ted, TXe«; 34. fXeSD, DXo8' ____ 35, h7, Dh8; 36. 817 und gewinnt !febatte»r: Berlin.— Druck u. Verlag: vorwürtSBuchdruckerelu.Berlag»anftaltPauiSingertCo�BerllnL�,. Gewinn nicht ausreicht, hat sich durch ein BeratungSturnier in New Kork schon ergeben. 13. Vg4— e2••••• Bisher waren die Züge beiderseits vorgeschrieben. Zu crsorschen war, ob der von Rlapin Herrührende Text- zug das RemiS für Weis retten lann, nachdem andere Svcntualtläten (DXc& oder Dg5) als nugenügend sich erwiesen hatten. 13...... SfG— g4 14. De2Xe5!..... Sonst folgt DXh4 mit Vernichtung. 14...... Sg4Xe5 15. TelXaö Lc8— 06 Das„Dcntiche Bochenschach" be- hauptet: das Forschungsturnier hätte ergeben, das.Ricegamdit" reiche zum RemiS nicht aus, jallS Schwarz aus Behauptung der Dame spielt (wie in gegenwärtiger Parti« also). Für den Fall, dag Schwarz die Dame gegcnopsert, um sich mit der Qualität zu begnügen, verweisen wir aus die Partie unserer Spalte vom 29. Juli mit folgender Ergänzung zu deren Glossen: 15..... DXoS; 16. dXe5, TgS; 17. K£2, Lf5; 18. Lböf(18. Lc'i?, Lo4l-c.) 18..... c6; 19. dXc6, 0—0—0; 20. cXh7t, KXbT; 21. 862. Sg3 (21.... TdS; 22. al! m) 22. Sb3 je. Weiß hat genügenden Lauenieisatz für die Qualität. 10. Lhl— 62!..... Aus 16. dXc6 folgt 10..... n-ß! 16...... Sh5— g7 Oder 16..... DXh4; 17. Sf3, Dg3!: 18. dXe6, 16; 19. Te2!,Tg8; 20. Tk2 ic. Be6 ist sehr stark. 17. 862— ß 1)07—16 Um den Bf4 zu decken. 18. d5Xe6 f7Xe6 19. Lei— 62 0-0-0 20. Tal-ol TdS—«8 21. h4— h5 Df6-h6 Sonst To4 nebst Eroberung des Bf4. 22. g2— g4 Kc8— b8 Ein umiuher Zug, der sich rächt. 23. Kgl—£2 Th8-f8 24. Toi— hl Dh6— 16 Erzwungen, da gl— g5 droht. 25. h5— b6 Tß— 17 26. Lc4— 631 Te8— g8 27. Ld3Xh7 TgS— h8 Durch das Opfer des Bh7 suchk Schwarz statt Pcrlust des Sgl nur mit dem Berluit von Qualität davon- zukommen. Dieser Zweck wird zwar erreicht, aber die Partie wird sosort unhaltbar. 28. gl— g5 29. g5— g6 so. gexn 31. Sß-g5! Aus 31____ Th«(31____ DX 32. ffiDf) folgt 32. TXe6!,_ Df6— e7 Sg7— 15 Th8Xh7 Ausgegeben.