NnterhaltungsMatt des Vorwärts Nr. 181. Dienstag� den 19. September. 1911 l?tachdruck versolen.) 1B] Vor dem Sturm. Roman von M. E. 8 e I l e G r a z i e. Auch im Haus des Georg Jilly wurde gebacken und ge- schmort; aber nur, weil es so Brauch war und die„Freund'" «nun einmal geladen waren. Sonst, du lieber Gott! Welch ein Kirchtag, an dem der Vater„'s Arrest" hatte! Durch den tguspruch des Bruders getröstet, hatte sich Jury so lange als imöglich aufrecht gehalten. Je näher der Tag aber kam, desto «unwirscher und trübsinniger wurde der alte Mann. Da hätte jman einmal aufatmen können im Kreise der Kinder und Enkel... sich einmal ganz frei fühlen. Drei Tage ohne Robot! Und wenn es nur auf ihn angekommen wäre! Aber seine Alte ging herum, tat, als ob sie weiß Gott wie tapfer iwär' und liest doch eine Träne nach der anderen in den �.Weitling" fallen, in dem sie das„Bacht" anrührte. Seine Aelteste hätte sich auch endgültig versprechen sollen an diesem Tag. Und die Enkel wären dabei gesessen und hätten mit hellen Augen in alles dreingeschaut. Er gab das Gebetbuch kaum mehr aus der Hand, wenn er todmüde heimkehrte. Aber was half es? Er hatte sie doch nie aufbringen können, die Vollkommenheit des Hannes! Da tief drinnen fast ein böser Wurm, ein Wurm aus der Zeit, da der deutsche Bauer noch ein freier Mann gewesen, wenn auch ein Heide. Und diesen Wurm hatte ihm selbst der Herr Pfarrer nicht weg- «taufen können! So mustte es sein... Denn als guter Ehrist sagte er sich natürlich selbst, daß er„unbotmäßig" gewesen, «und daß ihm der Herr Graf nicht so leichthin verzeihen könne, worüber ihm auch sein Beichtvater einen Sermon halten würde. Aber der Wurm war nun einmal drinnen und war stärker. Und, merkwürdig: Seine Resl, die sonst ein so braves, frommes Weib war, selbst seine Resl schlug sich diesmal auf die Seite des Wurmes. „Geh' zum Herrn Pforrer, wonnst d'r von mir nit rot'n loss'n willst!" hatte ihm sein Bruder Hannes gesagt. Damit war er gestern heimgekommen. Nun lag nur mehr ein Tag zwischen dem Kirchtag und dem Arrest, was tun? Sanft und ruhig setzte er seinem Weib alles auseinander und mit der Verschämtheit eines bestraften Jungen meinte er zuletzt:„'s wird holt do nix übri bleib'n, Resl!" Die Bäuerin riß den Kochlöffel aus dem„Bacht" und warf ihn über die Länge des ganzen Tisches, daß Mauntsch, der HauSkatcr, der in einem alten„Simiperl" seinen Mittags- schlaf hielt, wie besessen zum offenen Fenster hinausfuhr. „Der Herr Pforrer," schrie Resl,„der Herr Pforrer! Der wird natürli sog'n, wos der Hannes g'sogt Hot. Mos soll i ober für a G'sicht moch'n, wann dem Michl seine Kinder «ach'n Aehnl frog'n? Er is eing'spirrt, enker Aehnl! Am Kirrito!" „Dös muastt' jo nit sog'n," tvarf Jury kleinlaut ein. „Und zu wos is denn der Schriftensteller von Schönboch do? Vor dem hob'n do olle Ongst, a der Justizär. Geh' holt z' eahm und lost d'r a Schrift aufsetz'n, nachher wer'n m'r seh'gn." So kam es, daß Jury nicht zum Herrn Pfarrer grng, wenn er auch nicht gleich zum Schreiber von Schönbach' lief. Aber das Wort, das zum Widerstand reizte, war nun einmal gefallen. Sein Weib selbst hatte es gesprochen— und da sollte er, der Mann, weniger„Kuraschi" hab'n?„Die Resl kunt' mir jo ins G'sicht spuck'n" dachte er. So bekam der „böse Wurm" auch von außen Nahrung. Den ganzen Tag trug Jüry das mit sich herum, suchte der Versuchung Herr zu werden, sagte sich hundertmal, daß ein armer Bauer ja doch nichts ausrichten würde gegen einen Herrn— nie etwas ausgerichtet hatte, soweit die Jillys zurückdenken konnten, focht seinen Kampf in der schweren, bedachtsamen Art, die die angeborene Vorsicht des Unter- drückten ist und— unterlag doch! „Bis der Klee on'baut is und die Glock'n z' Obend läuten, wird mir's richtige einfoll'n," sagte er sich tagsüber vor. Als aber der Abend kam, schien es ihm, als hätte er trotz seines guten Kampfes, trotz aller Vorwürfe und Einwürfe, die ihm sein Verstand und seine christliche Ergebung gemacht, doch immer an den„Schreiber" gedacht und den Trotz seiner de- leidigten Mannheit! So kam es, daß der Wurm stärker blieb, und selbst die Engelstimmen, die er immer im Aveläuten zu hören meinte, ihn weder beschwichtigen, noch zurückhalten konnten. Es mustte wohl ein besonders giftiger Wurm sein, der ihm am Herzen fraß. Um nicht daheim aufs neue den Jammer ansehen za müssen, wusch er sich am Ufer der Jaispitz Hände und Füße, barg sein Gerät im Feld und eilte gen Schönbach, wo der Schreiber daheim war. An der Gemarkung des Schönbachschen Dominiums stand ein kleines Dildstöckl, vor dem immer ein Lämpchen brannte, Es barg ein Bild der„Unbefleckten Empfängnis" und zeigte die Gottesmutter als Siegerin über die alte Schlange, der ihr magdlicher Fuß den Kopf zertrat. Die„Frau Gräfin selig" hatte das Bildstöckl gestiftet und die Hände frommer Weibsleute sorgten dafür, dast es nie ungeschmückt stand. So lange Blumen blühten, hingen Kränze und Sträuße an dem Bildstöckl, und der Betschemel, der zu einsamer Andacht im Felde einlud, trug deutliche Spuren der Benützung. Es war auch so seltsam still und schön da! Uralte Eichen und Buchen nickten vom Waldsaum über das Bild, Buschwerk und wilder Hafer wuchsen bis zu halben Höhe des Stödls empor. Im Sommer nickten große, verträumte Glockenblumen zwischen dem grünen Gewirr der Halme, und stolze Königskerzen hielten einsame Wache. Im Frühling aber öffneten hier die ersten Veilchen und Primeln die Kelche und sahen mit from- men Blumenaugen zu der Gebcnedeiten auf wie jetzt. „Willst no anmol bei uns'rer liab'n Frau onfrog'n," dachte Jüry, als er bei der Waldandacht vorüberkam,„'leicht gibt's d'r a Zoacha(Zeichen)"! Sie sollte ja schon vielen geholfen haben, warum nicht ihm? Gingen in Schönbach und Lorowitz doch manche herum, die bihaupteten, daß schon ein Trunk aus der Quelle, die zu Füßen der Gottesmutter entsprang,„den Kopf klar mache". Mit einem Seufzer sank er ins Knie. ?lber— es war merkwürdig, er brachte es zu keiner rechtem Andacht, so sehr auch Ort und Zeit danach gestimmt waren. Erst liefen seine Augen mit ihm davon, dann bekam er es in den Ohren. Zuletzt wurde der ganze Mensch ein einziger Aufruhr. Denn was er sah und hörte, begann plötzlich wie in einer seltsamen Sprache zu ihm zu reden, wenn er auch nicht mehr sah und keinen Ton mehr hörte als Tag für Tag. Das endlose Grün der Aeckcr und Wiesen, hier und dort das Braun aufgewühlter Schollen und über all das, wie mit feiner Flüsterstimme hinwegeilend, der Heidewind, der diese un» zählbaren Halme bewegte, ineinanderwirrte, dieses ganze, schaukelnde Meer, das eine einzige Fruchtbarkeit war— das liebe Brot, für das man sich plagte! Wieviel aber blieb einem davon? Umsonst sagte Jury ein Ave Maria nach dem anderen her. Sein Gebet kam nur von den Lippen, seine Seele aber krampfte, je länger je mehr ein dumpfer Haß zusammen und eine Scham, die an der innersten Empfindung seiner Mannheit fraß. Da fronten sie und roboteten, Geschlecht um Geschlecht, düngten die fremden Aecker mit ihrem Schweiß, mußten dabei- stehen, wenn der Verwalter von ihren eigenen Aeckern den „Zehent" holte, beugten sich die Nacken krumm und bekamen doch von dem„gnädigen Herrn" nichts dafür zu spüren als Mißachtung und Fußtritte. Die Diener aber waren meist noch schlimmer als die Herren, und das„Recht der Untertanen� stand nur auf dem Papier. Zwar war es eine starke Hand gewesen, die es mit festen Zügen dort niedergeschrieben die Hand der großen Kaiserin. Aber— auch da waren die Diener schlimmer als die Herren. Mehr als das Recht, galt der„Brauch" im Lande', und so viele Richter es auch gab— für die Herren war jeder zu haben, für den Bauer nicht einmal der Anwalt, den ihm das Landesgesetz selbst bestellte. Und dieser endlose Jnstanzenzug! Die Schikanen, mit denen jeder Bauer von seiner Herrschast bedroht wurde, sowie er sich aufmachte, sein Recht zu suchen! Alles und alle ließ man los gegen ihn— selbst den Herrn Pfarrer! � In Lorowitz hatten sie ja, Gott sei Dank! emen wirklichen' Mann Gottes, den Cyrill Weiß. Aber würde n, cht auch er ihm in diesem einen Falle zur Geduld geraten haben?„L�eid der G'schcitere, Iilly Vetter!" Cr Horte ihn förmlich. Es lag also in dem Glauben, zu dem er sich bekannte. Was der Staat nicht band, hielt die Kirche fest, mit Ketten, die noch enger waren. So lief auch die Armut„zwischen Pontius und Pilatus" hin und her. Aber hatte Christus das gewollt? Konnte er es wollen? Diese Herrschaft der einen— dieses Mend der anderen? Es war nicht auszudenken. Und der Heidewind lief noch immer über die Halme und raunte dein Knienden zu, was er auf all diesen Schollen er- litten und erduldet. Er und die Seinen, von Geschlecht zu Geschlecht. Wohin kam man aber, wenn man blofz immer .„Ja" nickte und den Nacken krumm beugte? Jeder Ochs der Herrschaft ging in einem leichteren Joch. Denn solch ein Stück Vieh kostete Geld, wenn es siel. Der Bauer allein war billiges Fleisch. Starb der Vater, standen die Söhne bereit. Nicht einmal die Töchter waren frei. Wie ein Gezische! und Geseufz kam es über die Saaten her, die dieses saure Brot trugen.„Denk' daran— denk' daran!" Der Acker dort hieß noch heute das„Blutackerl". Dort hatte ein Kavalier einmal eigenhändig einen Bauernsohn zu Tode gepeitscht, weil er ihm bei einem— Mädel im Wege war. Das ging freilich in graue Zeiten zurück. Die Ueber- lieferung aber hielt es noch immer in schauernder Erinnerung fest. Und konnte, was einmal war, nicht wieder werden? Wohl hatte Kaiser Josef die Leibeigenschaft aufgehoben. Aber war es deshalb wirklich um so viel besser geworden? Und wie viele„verbriefte Rechte" wurden überhaupt nie entsiegelt, bloß, weil—„der Brauch dawider war"! Nicht einmal hei- raten konnte man, wen und wohin man wollte. Wie gut, daß er für seine Aelteste die Lizenz erhalten, bevor der Herr Graf sie gesehen! Die hätte sonst wohl nie ihren„Entlaßbrief" bekommen.. Darum jetzt die Quälereien, weil ihm das Wild entging. lFortsetzung folgt.!! (NachdruZ verbalen. 1 in Meisterin. Der große unförmige Kopf machte es häßlich, und wenn Nach- barsfrauen sie auch trösten wollten:..Häßliche Kinder werden hübsche Leute!" so vermochte sie doch nie das geheime Weh zu über- winden, das beim Anblick des Kindes ihr Herz überschlich. Als die ersten Zähnchen zum Durchbruch kommen wollten, stellten sich epileptische Krämpfe ein. Der Arzt schüttelte, als er das Kind untersucht hatte, den Kopf, forschte eingehend nach Eltern und Voreltern der beiden Ehegatten und ließ, da er ihn nicht kannte, den Mann kommen. Ein Blick in das gedunsene, schnapsrote Gesicht, in die wässerigen, unsicheren Augen mit den rotumrändertcn Lidern erklärte ihm alles. Das Verhalten des Arztes, der über seinen Befund noch kein Wort geäußert hatte, erfüllte die Mutter mit quälender Angst; je größer die aber wurde, je heftiger sie bangte um das Kind und um fein Schicksal, um so fester verschloß sie ihr Herz, sie sagte nichts und fragte nichts, wartete nur. Doktor Härtung hatte ein Rezept verschrieben, gab ihr An- Weisungen über den Gebrauch der Medizin, und wie sie bei Wieder- kehr der Krämpfe sich verhalten sollte. Unverwandt, mit forderndem Blick, sah sie den Arzt an, der wohl fühlte, was sie zu wissen begehrte, und ihr die herbe Wahrheit gern erspart hätte; aber sie zwang ihn, und er wußte nur einen Zuspruch für die schwer geprüfte Mutter: „Bitten Sie den lieben Gott, Frau, daß er den armen Wurm Lecht bald zu sich nimmt!" Eine fahle Blässe überzog ihr Gesicht und ließ die harten Züge darin noch schärfer hervortreten, daß sie wie mit dem Messer hineingeschnitten erschienen. „Was hats mit dem Kinde?" fragte sie rauh. " Er zuckte die Achseln und sah sie von der Seite her mit schnell prüfendem Blicke flüchtig an. „'s ist schwer zu sagen— einer Mutter!" „Ich wills wissen!" Die unheimlichen Augen hielten ihn in hartem Ztvang. „Wenns am Leben bliebe, würds geistig ein Vissel schwach 'bleiben." Sie gab der Wahrheit, die er so vorsichtig umschrieb, den brutalen Namen:,, „Blödsinnig?" Er nickte nur und griff nach Stock und Huf.' „Ich erwart's Drittel' stieß sie knapp hervor. Und als er erschrocken sie ansah, fragte sie Hartz „Wirds auch so?" Und wies dabei mit dem Kopfe nach dem Bcttlein in der Ecke. „Liebe Frau, das kann ich nicht wissen!" wich er unsicher aus. „Sie Wissens! Sie müsscns wissen!" St« sah ihn nicht Wehr an. ihr Blick ging ig eine zukünftige Ferne, als sähe sie dort schon das Kindlein, das sie noch in» Schöße trug. Und doch spürte der Arzt, welche Kraft von der Frau ausging, welchen Zwang sie auszuüben vermochte, und er meinte, daß sie diese Kraft anwenden müßte, um ihrem Schicksal zu entfliehen. Dicht an sie herantretend, fragte er leise, daß der Meister es nicht hören konnte, der im Schnapsdusel vor sich hinbrütcnd auf einem Stuhl in der Fensternische hockte: „Warum üben Sie keinen Einfluß auf Ihren Mann aus?! Warum zwingen Sie ihn nicht, daß er das Trinken läßt?" Jäh wandte sie ihm den Blick zu und sah ihn an wie Eine, die plötzlich alle Quellen ihres Unglücks erkennt: fremde und eigene Sünde. „Ist das schuld?" „Vielleicht!" Und nach einem langen Blick auf den Trinker: „Mir scheints: gewiß!" Da war es. als hätte sie einen schweren Schlag gegen den Kopf bekommen; ein heftiges Zittern ging durch sie hin. Jnl ihrer furchtbaren Bedeutung blitzartig erhellt, stand eine mächtigs Szene vor den Augen ihrer Seele: die durch den Alkohol geweckte Begehrlichkeit hatte den Rausch der Sinne in der Entbehrenden entzündet, und sie war ihm zu eigen geworden. Nun kam zu der Scham, die sie nie ganz überwinden konnte, wenn sie solcher Stunden dachte, die grausame Erkenntnis, daß sie mit ihrer Liebo an einem Unschuldigen, dem alle Last nun aufgebürdet wurde� gesündigt hatte. Dabei brach alle Kraft in der Starken zusammen; durch ihre Glieder ging ein Schlaffwerden, ein Sichlösen, als wollte ihr Körper in einzelne Stücke auseinander fallen. Mutlos, verzweifelt stieß sie zwischen fest aufeinander ge« bissenen Zähnen hervor: „Dann... wirds... auch so!" Und es wurde so. Nur daß es sich nicht erst so lange quälen mußte wie sein Brüderchen, das nach schweren, immer heftiger und häufiger werdenden Krämpfen wenig Wochen vor feiner Geburk dahingerafft worden war. Es brachte die Krämpfe mit auf dis Welt, und sie vernichteten schon innerhalb weniger Stunden sein junges Leben.. Sie hat kein Heiz, sagten die Leute im Dorfe, als sie die Meisterin bei diesem doppelten Unglück, dem bittersten, das eine Mütter treffen kann, stumm und tränenlos sahen. Kein Schrei der Verzweiflung, nicht einmal ein Wort der Klage brach von den krampfhaft zusammengepreßten Lippen, und die düstere Glut, die tief auf dem Grunde ihrer Augen brannte, verbargen die Lider scheu vor jedem. Sie hatte sich und ihre Kraft wiedergefunden. Kaum war sie von dem Wochenbett aufgestanden, suchte sie Doktor Härtung auf und forderte von ihm Aufklärung über die Ursachen ihres schweren Schicksals. Klar wollte sie sehen, auch im einzelnen, und bis in die letzten Gründe hinab, um handeln zw können., Der Arzt tat, was sie wollte und wunderte sich, wie rasch die einfache Frau alles begriff. Er unterstützte seine Aufklärungs- arbeit, von der er nur Gutes erhoffen konnte, durch populär ge- schriebene Schriften der Antialkoholbewegung, und wen» er auch der Anficht war, daß in diesen Heften der Propaganda zuliebe manches einseitig und übertrieben dargestellt wurde, sp meinte ec doch, daß in diesem Falle ein Zuviel immer vom Uebel sein könne. Doktor Härtung ließ sich auch den Meister kommen und redete ihm unter Vorhaltung des schtveren Unheils, das er bereits an- gerichtet hatte, scharf ins Gewissen. Der Haltlose wurde zwar sehr kleinlaut und gelobte hoch und heilig Besserung; aber die guten Vorsätze hatten bei ihm keinen Bestand.; So nahm denn Frau Rother allein Sen Kampf mik ihren! Manne wieder auf, fest entschlossen, ihn zu einem Ende zu führen, so oder so. Trotz aller Not und alles grausamen Jammers, deip seine unselige Leidenschaft über sie gebracht hatte, bewahrte sie ihn» noch immer in ihrem Herzen eine scheue, tiefe Liebe, und nie konnte sie ihm das selige Glück vergessen, das er ihr geschenkt hatte, indeni er sie zum Weibe nahm. i Diese Liebe gab ihr immer neu Mut unk> Kraft, daß sie nicht erlahmte in ihrem Bemühen.; Zu tief aber hatte die schlimme Neigung sich eingewurzelt ich der widerstandsunfähigen Seele des Meisters, zu lange hatte die Frau sich alles Einflusses auf ihn begeben, daß es ihr hätte ge« lingen können, ihn auf bessere Wege zu führen._ Dazu kam noch, daß sie gegen einen Einfluß ankämpfe� mußte, den sie nicht kannte oder doch nicht in seinen ganzen Ge, fährlichkeit kannte: Meister Rother war so völlig unter die Ge, walt seines Freundes des Glück-Schusters geraten, daß er kaum noch etwas anderes dachte und tat. als der Kleine wollte. Der freute sich der Macht, die er über den Tischler besaß. Und doch» hatte er keinerlei äußerlich erkennbares Interesse daran: er brauchte den allezeit bereitwilligen Lacher nicht mehr, der ihm zum Erfolge vcrhalf, wenn seine Schnaken und Witze einmal da- neben schlugen, denn nun war er seiner Kunst so sicher geworden. daß er die Wirkung immer in der Hand hatte. Irgendwelchen pekuniären Vorteil konnte er von Nother auch nicht ziehen, da dieser keine Verfügung über das Einkommen mehr hatte unk» seltcp mehr Meld besaß, als er für sich brauchte. So Meist« manche?, daß es doch Wohl ein echtes und tiefes Freukdschafts- gefühl ijein müsse, was ihn veranlatztc, so treu und fest zu dem Tischlermeister zu halten. Er schien auch eigentlich kein schlimmer Geselle, der lustige Verzählsel-Schuster; wenigstens konnte niemand im Dorfe ihm etwas Böses nachsagen. Nur daß er viel in den Wirtshäusern hockte und andere, die sich gern verführen liehen, durch seine Er- zählkunst darin festhielt; aber das rechneten nur die Frauen und Mütter der Verführten ihm als Sünde an. Selten kam er be- trunken heim, und man wußte auch nichts davon, daß er je die Seinen schlecht behandelt hätte, wie manche Männer leicht tun, wenn sie die halbe Nacht in der Kneipe gesessen und sich mit Alkohol vollgesogen haben. Ten größeren Teil des Tages nützte er fleißig, um die nötige Arbeit zu schaffen, die ihm, seinem Werbe und der kleinen Grete das tägliche Brot gab. Sah es bei ihm auch immer ärmlich und ein wenig liederlich aus, so wußten Eingeweihte, daß er ein paar Groschen auf der hohen Kante liegen hatte, an die nicht gerührt werden durfte. Niemand vermochte, dem Schlauen in die Seele zu schauen, über die er geschickt die Schleier einer geheuchelten Biederkeit gezogen hielt. Er war als Kind schon so gewesen: nur niemand seine wahren Meinungen und Absichten erfahren lassen I Nur ■immer den Schein einer einfältigen Gutmütigkeit wahren, die keinem lebenden Wesen ein Härlein zu krümmen imstande ist. Aber tief in seinem Herzen, sich selbst vielleicht uneingcstanden, lebten schlechte Triebe: Rachsucht und Haß, eine unbändige Lust zum Herrschen, zum Tyrannisieren, eine Wollust an eigener Grau- samkcit. �Fortsetzung folgt.)) Geologilcbc Alanäerung im flaming. Zu den verrufensten Gebieten, was Mangel an landschaftlichen Reizen anlangt, zählt der Fläming; kein Wunder, daß in ihm der wandernde Tourist noch zu den seltenen Erscheinungen zählt. Das braucht bei einer geologischen Exkursion, die ja in erster Linie Lern- zwecken dienen soll, kein Hinderungsgrund zu sein; auch die ein- tönigste Gegend vermag Material in Hülle und Fülle zu bieten, das sie dem Forscher anziehend macht. Aber der Fläming ist doch besser als sein Ruf. Wer gewohnt ist, nur glatt beschotterte ' Chausseen zu belaufen, wird davon allerdings nichts merken. Ab- seits der Hauptstraßen dagegen findet der Wanderer Ueberraschun- gen und landschaftliche Schönheiten, die ihn ganz vergessen lassen, daß er in.des heiligen römischen Reiches Streusandbüchse" weilt. In mancher Beziehung am interessantesten ist ja der Fläming im Frühjahr zur Zeit der Schneeschmelze, wenn Schluchten und Täler von brausenden Gewässern erfüllt sind; aber dann ist er in vielen Gegenden schwer passierbar, die Wiesen grundlos, die Felder bc- stellt. Vorzuziehen ist der frühe Herbst mit seinen sonnigen und noch genügend langen Tagen; gelblich leuchten da die Stoppelfelder auf den Höhen und Hängen, über die weidende Schafe langsam dahinziehen, ganze Strecken weit, manchmal stundenlang wandert man zwischen blühendem, duftendem Heidekraut, das späte Bienen umschwärmen, und zwischen das düstere Grün der Kiefer mischt sich das herbstliche Gold der Birke. Ter Fläming hat seinen Namen von flämischen, d. h. nieder- ländischcn Ansiedlern, die im 12. Jahrhundert in vereinzelten Ko- lonicn hier wie auch anderwärts sich niederließen. Bon diesen Kolonien, deren urkundlich zwei, bei Jüterbog und Krakau, nach- gewiesen sind, ging dann der Name auf das ganze, einen ziemlich einheitlichen Charakter tragende Sandplateau über. Es ist durch- aus falsch, wie es von einigen Autoren noch gegenwärtig geschieht, zu behaupten, daß holländische Eigentümlichkeiten in Sitten, Tracht und Sprache sich im Fläming erhalten hätten. Dazu war die holländische Kolonisation zu unbedeutend, und. was an altererbtem Kulturhausrat von der Bevölkerung bewahrt wurde, klingt viel eher an das Wendische, denn an das Niederdeutsche an. Ueber die geographische Abgrenzung des Flämings hat man sich erst neuerdings geeinigt; danach sind seine Grenzen: im Süden und Norden das alte Breslau-Magdcburger, bezw. Glogau-Ba- ruther-Urstromtal, im Osten die Dahme, im Westen die Elbe. Er ist nur ein Teil eines mannigfach zerrissenen Höhenzuges, der sich im Nordwesten bis zur Lüneburger Heide hinzieht und nach Süd- osten im Lausitzcr Rücken seine Fortsetzung findet. Man hat früher unter der losen Sandbcdcckung dieser Gebiete einen alten Gebirgs- gug vermutet. Diese Ansicht hat als unhaltbar fallen gelassen wer- den müssen; die verschiedentlich angestellten Bohrungen haben selbst in größeren Tiefen— von wenigen Ausnahmen abgesehen— nur relativ junge Gesteinsschichten angetroffen. Die lockere Sand- und Mergeldecke hat eine Mächtigkeit von durchschnittlich SO Metern; darunter befinden sich etwa 100— ISO Meter dicke Tertiärschichten, vorwiegend aus Tonen und Braunkohlen bestehend. Noch ältere Ablagerungen sind fast ausschließlich aus Bohrlöckern bekannt, wo z. B. bei Pietzpuhl in 1S4, bei Dahme in 319 Metern Tiefe der Buntsandstein erreicht wurde. Aus diesem ungenügenden Material läßt sich die geologische Vergangenheit hxs Flämings in den älte- ren Perioden der Erdgeschichte nur ungenügend erschließen; g«- nauer bekannt sind dagegen seine Schicksale in der Neuzeit dch: Erde, der Tertiär- und Diluvialperiode. Von der Jurazeit bis zum Beginn des Tertiärs war der Fläming festländischer Boden; in der ersten Hälfte des Tertiärs tauchte er wie das ganze nord- deutsche Flachland allmählich ins Meer; immer tiefer sank der Boder; über dem Sand der Küste schlugen sich in immer größeren Massen Schlammschichten nieder, aus denen die besondciK im Süden des Flämings verbreiteten Septarientonlager hervorgingen, deren Aequivalente wir in der Nähe von Berlin bei Lübars, Buckow, Freicnwalde haben. In derselben Zeit, in der sich die Auffaltung der Alpen vollzog, hob sich auch der mittlere Teil des norddeutschen Flachlandes aus dem Meere heraus und bildete ein sumpfiges, von oerlandenden Seebecken erfülltes Morastgebiet, aus dessen Ver» torfung die Braunkohlcnlager entstanden, die im ganzen Fläming vorkommen. Wahrscheinlich wurden die so entstandenen Schichten in der Folge durch gcbirgsbildende Vorgänge mannigfach zusammen- geschoben oder in anderer Weise gestört, auch scheint ein großer Teil von ihnen der Abtragung anheimgefallen zu sein. Doch rührt die heutige Oberflächengestaltung des Flämings wie des ganzen norddeutschen Flachlandes erst von der folgenden Periode, der Eis- zeit, her, in der gewaltige Gletschermasscn zu wiederholten Malen von Norden her vordrangen und in der Zeit der Hauptvereisung bis zu den deutschen Mittelgebirgen den Boden bedeckten. Die Gletscher brachten von ihrem Wege, im Eis als Moräne einge» froren, eine Menge größtenteils zerkleinerten Gesteinsmaterials mit, das sie nach ihrem Abschmelzen liegen ließen und das den mit Steinen(.Geschieben") gespickten Geschiebemcrgcl bildet. Da intz Fläming von verschiedenen Stellen zwei Gcschiebcmergellager milj einer in einer Zeit wärmeren Klimas gebildeten Ablagerung da« zwischen festgestellt worden sind, müssen wir eine mindestens zwei» malige Vereisung annehmen. Dem ganzen Befund nach zül schließen, lag der Fläming zur Zeit der Hauptvereisung— üben Spuren aus der vorhergehenden ist nichts bekannt— unter eincmt mächtigen, wohl mehr als tausend Meter dicken Gletscherpanzen begraben. Als dann die Gletscher abschmolzen und das Gcbieil von Süden nach Norden zu allmählich eisfrei wurde, nahm auch diq Pflanzen- und Tierlvelt davon in dieser Zwischeneiszeit wieder Be-i sitz; Flüsse schwemmten Muschelschalen zusammen, und verschieden«! Torfbildungen sind aus verlandeten Seen der damaligen Zeit be« kannt. Allerhand fremdartige Tiere, wie Mammut und Rhino« zeros, lebten damals zusammen mit dem Eiszeitmenschen auch imi norddeutschen Flachland. Das ging so Jahrtausende hindurch, bis die Gletscher in einer kälteren Epoche wieder einen Vorstoß machten. Diesmal erlahmte ihre Kraft aber früher: in der Gegend des Flä- ming auf einer Linie, die ungefähr durch Lüneburger Heide-Flä» ming-Lauisihcr Rücken bezeichnet ist, machten sie Halt und blieben da längere Zeit stationär. Tie Schmelzwasser, die von ihnen, ab. flössen, furchten das südlichste der Urstromtäler, das Breslau-Mag- deburger, tief aus. Ter von Norden her zugeschobene Schutt aber häufte sich am Eisrande zu einem gewaltigen Endmoränenwall und stauchte dabei in Verbindung mit dem Druck des Eises— beide zusammen mögen wohl über 100 Atmosphären betragen haben— die unterlagerndcn, ziemlich plastischen Braunkohle- und Tonschich, ten teilweise hoch auf, so daß die oben charakterisierte breite und hohe Zone diluvialer Ablagerungen entstand. Diese wurde häufig überflutet, und dabei wurde das feinere Material vom Wasser weggetragen, so daß auf den Höhen nur Sand mit grobem Geröll übrig blieb. Mit dem erneuten Abschmelzen der Gletscher wurde der Eisrand weiter nach Norden, etwa auf die Fläche Zauche-Tel- tow, verlegt; das südliche Urstromtal versandete, während vom Schmelzwasser nun ein zweites, mehr nördlich gelegenes, das Glo- gau-Baruther, benutzt wurde. Hier hinein ergossen sich auch die vom Fläming nach Norden abfließenden Gewässer, die sich in den Steilabfall des Höhenzuges teilweise sehr tief ein- schnitten, so das früher zusammenhängende Plateau zerglie- derten und ihm seinen durchaus unruhigen Charakter verliehen. Da die Vegetation damals von den lockeren Ablagerungen kaum Besitz ergriffen hatte, setzte das Einschneiden der Wasserläufe, die Erosion, gleich sebr energisch ein und schus auf diese Weise die erste Anlage zu den sür den Fläming so eigentümlichen Trockentäler», den Rummeln, deren Entwickclung auch heute noch nicht abge- schlössen ist. Ueberhaupt hat die Nacheiszeit noch sehr viel zu der Obcrslächengestaltung des Gebiets beigetragen. Die ehemaligen, breiten Urstromtäler sind größtenteils vertorf oder versandet; den lockeren Sand trieben die Winde hierhin und dorthin und häuften ihn zu langen Dünenzügen auf, die besonders sür das Gebiet nord» östlich von Luckenwalde(lange Horst, Schlage-, Kesselberge) charak« teristisch sind.' Wir können bei einer eintägigen Exkursion diese geologische Entwickclung des Fläming, soweit sie die Eiszeit und die Nacheis» zeit angeht, verfolgen, wenn wir folgenden Weg einschlagen. Am besten benutzen wir einen Frühzug der Wetzlarer Bahn, 4.11 ab Schlesischen Bahnhof oder S.SO Uhr ab Charlottenburg, und fahren bis Baitz, biegen am Bahnhos gleich südlich den Feldweg ein unb wandern über Ncschholz nach Mörz.Neue und Komthur-Mühle; Dahnsdorf, Lühnsdorf, Ncucndors; von hier die Neuendorfer Rummel hinauf nach Garrey; über Kl.-Marzahns, Rabenstein nach Raben, das Planctal aufwärts in der Brautrummel, dann an Berg- holz vorbei nach Bclzig; von da Rückfahrt nach Berlin. Gute Fuß» gänger brauchen zu der Tour etwa 8 Stunden. Etwas kürzer, aber nicht so lohnend ist die Tour, wenn man sie in umgekehrt« Rich» lung macht, bei Belzig beginnt und K.5S Uhr abends von Dahnsdorf Aber Bclzig zurückfährt. Gleichfalls recht interessant und in etwa 6— C Stunden auszuführen ist eine Wanderung nach dem zuerst Gemachten Vorschlag bis Garrey. dann östlich abbiegen über Zixdorf hinaus bis dahin, wo man nach etwa 25 Minuten links den Weg Lobbese-Hohenwcrbig kreuzt; diesen verfolgt man nach Norden und trifft ein paar hundert Meter weiter rechts vom Wege eine Gut ausgebildete Rummel, das Weiße Tal, die sich über Hohen- werbig bis Nicmegk verfolgen läßt; von Niemcgk dann Rückfahrt mit der Bahn über Bclzig. Gutes Kartenmaterial ist für diese Wanderungen Bedingung, da Wegweiser im Fläming selten sind und man sich in dem Labyrinth der Rummeln nur allzuleicht ver- läuft(auch ist deshalb die Mitnahme eines Kompasses empfehlens- tvert). Von Karten sind am genauesten die sog. Meßtischblätter im Maßstab 1: 25 000— d. h. 4 Zentimeter der Karte— 1 Kilometer in der Natur—;»rfordcrlich zu den oben beschriebenen Touren sind die Blätter 2172, 2173, 2171 a 1 M.; es genügt aber auch die Generalstabskarte 1:100 000, Blatt 310, Bclzig, llmdruckausgabe a 50 Pf., vorrätig bei Eisenschmidt, Dorotheenstr. 70A, und Schropp, ßägerstr. 61. Im folgenden sei ausführlich auf die an erster Stelle borge- kchlagene Tour eingegangen. Wir durchfahren mit dem Zug bis kurz vor Brück die sandige Hochfläche der Jauche, die in vielem an den Fläming erinnert, seine Höhe allerdings nirgends erreicht. Bei Brück überquert die Bahn das Glogau-Baruther Urstromtal, das früher einmal von der Oder durchflössen wurde, die sich dann weiter uordtvcstlich durck das heutige Elbtal in die Nordsee ergoß. Bei Brück ist die engste Stell- des sumpfigen Flutztals, das hier nur e Iva drei Kilometer breit ist; diese Tatsache erklärt das Vorhan- --nsein und den Namen der Stadt. Das Urstromtal war Ursprung- Itch viel breiter, aber die Plane, die bei Nicmegk den eigentlichen Fläming verläßt, hat im Laufe der Jahrtausende riesige Schutt- imssen talabwärts verfrachtet, die sich dcltaartig in Form eines Fächers bis in die Gegend von Brück erstrecken und sich in dem Höhenunterschied gegen das Haupttal deutlich bemerkbar machen. Von Baitz aus wandern wir über diesen Schuttkegel hinweg, der aus Sand besteht, in dem stellenweise KieS und gröberes Geröll ein- gelagert sind. Häufig erheben sich darüber noch mehr oder minder scharf abgesetzte Sandwälle, vom Wind erzeugte Dünenbildungen, »eicht als solche erkennbar, da sie nur aus Sand ohne Beimengung gröberen Materials bestehen. Gleich hinter Mörz biegen wir links ob und gehen an dem vertorftcn Tal der Plane entlang über Neue Mühle bis zur Chaussee Dahnsdorf-Niemegk; hier, in der Nähe der Komthur-Mühle, befinden sich zu beiden Seiten?er Chaussee unter dem etwa zwei Meter dicken- Deltafchuttkcgel der Plane Süßwasser- ablagerungen der letzten, wärmeren Zwischeneiszeit. Besonders in dem kalkigen Torf nördlich der Chaussee werden ziemlich viele Or- ganismenreste gefun?en, vor allem Pflanzenabdrücke, Schnecken und Muscheln. Der Kalkmergel enthält 70— 85 Proz. Kalk und wird zum Verbessern der Ackerkrume in dem kalkarmen TalsanLboden benutzt. Von der Komthurmühle geht man nach dem Weg Dahns- borf-Lühnsdorf. Zwischen beiden Dörfern östlich des WegeS be. (findet sich eine Eisenockergrube, die rötliche Farbe deS Feldweges leitet sicher dahin. Auch der Eisenocker, dessen Mächtigkeit hier etwa 30 Meter beträgt, ist eine Bildung der letzten Zwischeneiszeit, die in einem Becken mit stark eisenhaltigem Wasser vor sich ging. (Bei der Wcrder-Mühle überschreiten wir das Planetal und erreichen nach einer halben Stunde Neucndorf, verlassen das Dorf in südlicher Richtung auf dem nach Garrey führenden Wege, biegen aber nach kurzer Strecke links in einem an einem Dünenzug entlang führen- den Fußweg ein und befinden uns am Ausgang der Neuendorfer Rummel(der Ursprung des Wortes ist noch nicht völlig geklärt, tvahrscheinlich stammt es aus dem Niederdeutschen und ,st gleich- bedeutend mit Furche, Rinne). Etwa einen Kilometer führt der Weg durch Kieferkuscheln; wo diese enden, sehen wir schon die «eigentliche Runimel als breites, nach Süden zu immer schmäler »verdendcs Trockcntal vor uns. An einzelnen Stellen oben am Rande des Ostabhanges sind Sand und Gerölle. sicher erst vor ganz kurzer Zeit zu den sogenannten Schollenstcinen, einer Art iKonglomeratbildung infolge Eindringens kalkhaltiger Sickerwasser zusammengebacken. Immer steiler werden nun die Böschungen. (immer enger rücken die Seitcnwände zusammen, die fast senkrecht (abbrechen und, wenn auch nur bis 20 Meter hoch, den Eindruck (eines HochgebirgStales erwecken. Terrassenartige Absähe und tpfadc ziehen sich an den Seiten entlang, die aber nicht geologischen Ursprungs sind, sondern den hier zahlreich weidenden Schafen ihr (Dasein verdanken. Bald hier, bald da zweigt sich ein Seitental ab, besonders in südöstlicher Richtung sind sie häufig und scheinen sich (da auch noch weiter zu verzioeigen und zu vertiefen, wie man an dem Südende der Reucndorfer Rummel ganz deutlich sehen kann. Jedes Jahr brechen da die Ränder mehr ab; der Weg Garrey. Nie- megk beschreibt heute schon hier einen nach Westen offenen Bogen und wird wohl noch mehr nach Osten hinübergedrängt werden. (Einige Rummelembrhonen zeigen sich dann noch auf dem Wege von (Garrey nach Rabenstein, der Ruine einer Burg, die einst das Dlanetal bei der Germanisation der Mark sicherte. Von Dorf Klaben aus verfolgen wir das Planetal aufwärts, am besten zu- mächst den Feldweg Raben-Grubo entlang, und bemerken, wie daS Wiefental allmählich in das Trockental der Brautrnmmel übergeht. kver größte Teil dieser ziemlich breiten Rummel ist in Wiese und Keranr«. Redakteur: Richer v Barth, Berlin.— Druck u. Verlag: Weide verwandelt oder mit Kiefern bepflanzt, nur der Teil zwischen Grubo und Bcrgholz trägt noch den ursprünglichen romantisch- wilden Heidccharaklcr. Etwa zwei Kilometer vor Grubo führt ein Fußweg in ihren Tälboden hinein. Auch hier lasse man sich durch Seitentäler nicht verleiten, sondern gehe gerade aus immer in nörd- licher Richtung weiter, bis man auf den Weg Grubo-Bergholz- Belzig trifft, der zum Schluß— er führt meist über ausgeschlämm« ten Geschiebemergel— noch einen schönen Ueberblick über den Flä- ming selbst und sein nördliches Borland bietet, eg. Kleines f euilleton* Biologisches. D i e Ungleichheit der Menschenrassen. In London tagte vor kurzem der erste Internationale Rassenkongreß, der es sich zur Aufgabe gestellt hatte, die Einheit der menschlichen Rasse zu er- weisen, und damit zu einer Begründung einer allgemeinen Har- moni« zwischen Rassen und Völkern beizutragen. Das philanthropi- (che Endziel dieser Idee, die sehr nach dem 18. Jahrhundert schmeckt, ist der ewige Friede. Die im letzten Jahrzehnt aufblühende Rassen- biologie und Rassenhygiene scheint, soweit Resultate heute schon vorliegen, zu ganz entgegengesetzten Schlüssen zu kommen. Ja, die Rassenhygieniker sind geradezu auf dem besten Wege, Rassen- fanatiker zu werden. Für sie liegen in der Zugehörigkeit zu einer Rasse die tiefsten Lebenswurzeln einer Gemeinschaft, deren Bastar» dicrung zum Ruin und zum Unterliegen im Kampfe ums Dasein führt. Der bekannte Baseler Anthropologe, Professor Kollmann, der keineswegs zu der extremen Richtung der Rassentheoretiker gehört, unternimmt es im Archiv für Rassen- und Gcsellschoftsbiologie. rwch einmal die naturwissenschaftlichen Unterlagen für die Un- glerchheit der verschiedenen Menschenrassen zu rrörtern. Vor vielen Jahrtausenden entwickelten sich aus einer Horoe als Produkte der Variabilität drei Rassen, die weiße, die schwarze und die gelbe. Diese wanderten und breiteten sich dort aus, wo sie noch heute ihre Wohn- sitze haben. Ihre Unterschiede stammen aus der ersten Zeit der EntWickelung und sind spezifisch und dauernd. Ein Weißer wird immer nur Weiße erzeugen. Allerdings sind die verschiedenen Rassen blutsverwandt, sie können sich untereinander kreuzen und — im Gegensatz zu früheren Anschauungen— fruchtbare Bastarde produzieren. Doch diese Bastardgenerationen stehen nicht am Be- ginn der Rassentrennung, sondern sind spätere, zufällige Produkte, entstanden durch das Nebeneinanderwobnen. Um so wahrschein- licher wird die Distanz zwischen den verschiedenen Rassen, als man heute nicht mehr annehmen kann, daß sämtliche Menschen von einem einzigen Paare abstammen. Die verschwenderische Natur hat den Menschen wohl gleich aus Hunderten und Tausenden einer Vor- menschenstufe hervorgehen lassen. Stellt man sich gar auf die Seite der Polygenisten, die einen polyphyletischen Ursprung für den Menschen annehmen, d. h. ihn nicht von einer einzigen Voraffenart, sondern noch von anderen verschiedenen Formen ableiten, so ver- größcrt sich die Distanz immer mehr. Die naturwissenschaftlichen Tatsachen, die sich aus der Beirach- tung der äußeren Form ergeben, sind der These von den Rassen- Verschiedenheiten durchaus günstig. Nimmt man als Vergleichs- objckt die weiße Rasse, so wird man die afrikanische Rasse wegen der vorgewölbten Stirn nicht mit Unrecht infantil nennen dürfen. Kehlkopf, Augen und Muskeln des Negers sind von den gleichen Organen des Europäers verschieden. Am meisten differenziert ist daS Gehirn. Es ist kleiner, leichter im Gewicht und primitiver in seinen Windungen. Aehnliche Differenzen bestehen zwischen weißer und gelber Rasse. Neben dieser somatischen Verschiedenheit besteht jedoch auch eine psychische. Aber dieser Difsercnzierungsprozeß— und die? betonen die Rassenbiologen stark— hat nicht bei den Rassen haltgemacht, sondern er erstreckt sich auf die einzelne Rasse und läßt Unterrassen und Lokalrassen entstehen, die ihre besonderen Züge tragen. Vergleicht man etwa die Schädel von Franzosen mit denen von Bayern, so findet man zunächst bei beiden alle Schädel- formen von den Langköpfen bis zu den extremen Kurzköpfen. Die Ahnen sind die gleichen, aus den nämlichen Unterrassen der weißen Hcmptrasse sind neue Lokalrassen entstanden. Auf beiden Seiten stehen die Nachkommen der langschädcligen Zimbrer, desgleichen die anderen, die aus dem Diluvium stammen und in den Höhlen der Dordogne gefunden wurden(mit tiefliegenden Augen und breitem Gesicht). Dann kommen mittelköpsige Keltcnschädel und schließlich zwei Sorten von Kurzschädel, von denen die eine vom Osten her kam, die andere von den Küsten des Mittelmeeres. In Bayern sind nur 8 Proz. Langköpfe, in Frankreich nahezu die doppelte Zahl; die mittellangen Köpfe sind in Frankreich fast dreimal so häufig; um- gekehrt sind die bayerischen Kurzschädel gegen die französischen mit 82 Proz. in der lleberzahl. Die Verschiedenheiten in der physischen Konstitution bedeuten etwas für das Leben eines Volkes, für seine Sitten und Gewohn» heiten. Angesichts dieser Tatsachen muß nach Kollmanns Ueber» zeugung die naturwissenschaftliche Betrachtung vollständig darauf verzichten, eine Gleichheit zwischen den Völkern oder den Haupt- und Unterrassen nachweisen zu wollen. Sie sind verschieden von ihrem ersten Auftreten an und werden es bleiben, so lange sie de» Erdball mit ihrem Leben erfüllen._ SorwärtsBuchdruckerei u.Verlagsanstalt Paul Singer�Co.,Berlin SW*