Ur. 30. Kdomumtia,• Kedingungen: Abonntmenti- Preii pränumerando: vierteljährl. 3L0 Md, monatl. l.lvMt.« wöchenllich LS Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonnlag». Nummer mit Musirlener Sonnlag». Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Pbonnemenl: 3,30 Mark pro Quarial. Eingetragen in der Poft- Zettung», Preislifte für igoo unler Dr. 7S7l. Unier Kreuzband für Teutlchlcmd und Oefterretch. Ungarn 2 Marl, für da» übrige Au»land 3 Marl pro Monat. Erscheint Ugltch«ufter Monte««. Nevlinev Volksbl�tt. 17. Jahrg. Dl« Instrtlons- Gebühr deträgt für die fechSgefpaltsne Äotonel. zeiie oder deren Raum»0 Pfg., für politische und gewerlschaftltche Berein«. und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. „Slrinr Anseigeu» jede» Wort 5 Pfg. «nur das erste Wort setts. Inserate für die nächste Nummer müssen bi< i Uhr nachmittags inderExpedilionabgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen di» 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festlagen di» S Uhr vormittag» geöffnet. Frrnsprccher: Ami I, Ar. 1508, Telegramm. Adresse: ..Sorlaldrmokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19. Beutlz-Strafze 2. Dienstag, den 6. Februar 1900, Expedition: SW. 19, Veuttz-Strasze 3. Die Flotten-Denkschrift. ii. Nicht minder gesucht ist in der Regierungs-Denkschrift die Berechnung des Anteils, den der See Handel am Außen- haudel hat. Genaue, zuverlässige statistische Aufnahmen darüber giebt es nicht. Die„Berliner Korrespondenz" half sich deshalb vor einiger Zeit, als sie das Blockadegespenst wieder aus ihrem Argumcntenkasten hcrvorsuchte, damit, daß sie kurzweg den Anteil des deutschen Scehandels an der Gesamt- Ein- und Ausfuhr auf zwei Drittel der letzteren einschätzte. Solche bloßen Schätzungen ge- nügcn jedoch für eine offizielle Denkschrift nicht und zudem läßt sich auch leicht, wenn man es nicht gar so ungeschickt anfängt, noch etwas mehr hcrausrechnen. Die Denkschrift-Bearbciter stellen deshalb mit deutscher Gründlich- keit eine ellenlange Kalkulation zusammen. Sie teilen alle Länder, mit denen Deutschland Handel treibt, in vier Gruppen: 1. außereuropäische Länder, 2. europäische Länder ausschließlichen Seehandels. 3. europäische Länder überwiegenden See- � Handels, 4. europäische Länder überwiegenden oder ausschließlichen Land Handels. Zu der letzten Gruppe rechnet die Denkschrift kurzerhand nur die Schweiz, Oestreich-Ungarn, Belgien, Holland und Frankreich; alle übrigen Länder werden den ersten drei Gruppen beigezählt. Dann stellt die Denkschrift einfach den Wert des Handels, den wir mit der letzten Staatengruppe treiben, der Wertsumme unseres Gesamthandels mit den drei andern Gruppen gegenüber und findet so. unser Seehandel sei mit 70 P r o z e n t an unserni auswärtigen Handel beteiligt. Ein recht niedliches Exempel; schade nur, daß eS so ganz auf willkürlichen Suppositionen beruht! Je nachdem man ein Land der einen oder andern Gruppe zuteilt, verändert sich auch das Resultat. Rechnet man z. B. Rußland statt zur dritten, zur vierten Gruppe, sinkt sofort der Anteil des Seehandels am Gcsamtaußenhandel auf ca. 58 Prozent. Warum aber soll Rußland nicht der vierten oder Holland nicht der dritten Gruppe beigezählt werden? Die ganze Berechnung ist doch im Grunde nichts weiter, als oberflächliche Schätzung. Und was soll schließlich der Nachweis, daß der deutsche Handel einen günstigen Aufschwung nimmt; wird dadurch irgend etwas für die Berechtigung der jetzigen Flotten Vorlage erwiesen? Daß eine große Schlachtflotte nicht ein notwendiges Requisit der Entwicklung von Handel und Industrie ist. beweist am besten der Umstand, daß Deutsch land ohne solche Flotte seine Handelspositionen stetig ver stärkt, indes der Außenhandel Englands und Frankreichs, trotz ihrer Flotten und ihrer Kolonialerwerbungen, stehen bleibt. Englands Specialhandel betrug beispielsweise im Durch schnitt der Jahre 1889/91- 616,7, 1896/98= 631,4 Mil lionen Pfd. Sterl.; Frankreichs Außenhandel im Durchschnitt 1889/91— 8167, 1896/98 nur 7579 Millionen Franks. Und dasselbe gilt vom Schiffsverkehr, von der Ausdehnung der Reedereibetriebe usw. Selbstverständlich fehlt auch in der Denkschrift der Hin weis auf unsre lieblichen Kolonien nicht, einschließlich der um den Spottpreis von 17 Millionen Mark angekauften Karolinen. Sorgsam werden die Ausdehnungen dieser Gebiete in Quadratkilometern, die Einwohnerziffern, die Zahlj der Pflanzungen, Handelsfirmen, Kaufläden, der Missionen— letztere ist zweifellos von größter Bedeutung für die Beurteilung der Flottenprojekte— registriert, nur eins fehlt: die Angabe der enormen Summen, die Deutschland für diese Kolonien bisher ausgegeben hat und noch alljährlich zu deren Verwaltungskosten beisteuern muß. Vielleicht erschien die Geldfrage den Ausarbeitern der Denkschrift als Nebensache, oder auch es dünkte ihnen nicht recht ratsam, der Thatsache, daß Deutschland am Handel nach und von seiner ostafrikanischcn Besitzung nur mit etwas über 3 Millionen Mark beteiligt ist, die andre noch unangenehmere Thatsache hinzuzufügen, daß es diesen Handel mit über 6 Millionen Mark Verwaltungskosten bezahlen muß, also auf jede Mark des deutschen Handels 2 M. Verwaltungskosten entfallen. Solche geschäftlichen Ergebnisse waren ihnen anscheinend selbst zu wenig geeignet, eine mehrfache Milliardenforderung zu begründen. Desto ernsthafter bemüht sich die Denkschrift zu erweisen, daß der Wohlstand des deutschen Volkes zunimmt, specicll. daß der Aufschwung des deutschen Austenhandels in sehr erheblichem Uinfang den breite» Massen zu gute ge- kommen ist(in der Denkschrift ebenfalls fett gedruckt.) Wahrscheinlich hat ihren Verfassern vorgeschwebt, die Flotten- Vorlage fordere ja enorme Mittel, und folglich hätten sie auch die Verpflichtung � nachzuweisen, daß die Mehrbelastung leistungsfähigere Schultern trifft. Wie beweist nun die Denkschrift diesen Wohlstand der breiten Massen? Indem sie auf die Zunahme des Konsunis verschiedener Nahrungs- und Genußmittel hinweist, z. B. des Bieres. Tabaks, des Roggens, der Kartoffeln k. Dabei verfährt sie wieder recht merkwürdig. Obgleich bewiesen werden soll, daß der in den letzten Jahren eingetretene Aufschwung des Außen- Handels den„breiten Massen" zu gute gekommen ist, läßt sie sich doch, abgesehen von den beiden Artikeln Baumwolle und Jute, nirgends darauf ein, eine solche Konsumsteigerung für die letzten Jahre nachzuweisen. Vielmehr wird zu zeigen versucht, daß der heutige Konsum sich gegen den vor 10, 20 oder 25 Jahren gehoben hat, und zwar werden auch hier nicht, wie üblich. bestimmte Jahre oder Jahrfünfte neben- einander gestellt, sondern für die verschiedenen Artikel, je nach Belieben. verschiedene Vergleichungsjahre gewählt. So werden beim Tabak die Jahre 1881/82, 1885/86 und 1895/98 miteinander verglichen, beim Roggen und Weizen die Jahre 1879/84, 1889/94 und 1894/98, bei gesalzenen Heringen, Kaffee und Thee die Jahre 1876/81, 1881/85, 1896/98 usw. Was eine derartige Konsumstatistik wert ist, bedarf keiner Erörterung. Und noch eins fällt auf: die Nichtberücksichtigung des Fleischverbrauchs. Wenn irgend ein Konsum als Maßstab für die Lebenshaltung der untern Schichten gelten kann, dann unbedingt der Fleischkonsum. Doch wohliveislich schweigt sich darüber das offizielle Aktenstück aus und beweist lieber die Steigerung dcS Wohlbefindens der Arbeiter an ihrem vermehrten Konsum von Kartoffeln, Petroleum und gesalzenen Heringen. Auch ein Vergleich mit dem Konsum andrer Länder fehlt. In den andren Kapiteln, wo sich irgend ein Vorzug Deutschlands gegenüber seinen Konkurrenten herausdestillieren läßt, wird mit Vorliebe auf andre Staaten, besonders England, Bezug genommen. Hier fehlt der Vergleich vollkommen, obgleich doch gerade England eine sehr gute Verbrauchsstatistik besitzt. Sollte es dem Marine- Amt unangenehm gewesen sein mitteilen zu müssen, daß in England der Fleischkonsum pro Kopf der Bevölkerung um etwa 100 Prozent höher steht als in Deutschland, der Zuckerkonsum um über 200 Prozent, der Roggen- und Weizenkonsum um über 40 Prozent, der Reiskonsum um ca. 50 Prozent'i So bietet die Denkschrift, trotzdem sie eigentlich weder für, noch gegen die Flottenvorlage spricht und sich als einseitiger statistischer Versuch darstellt, doch in dem, wie sie ihre Zahlen gruppiert und was sie verschweigt, manches Interessante zur Beurleiligung der geistigen Qualitäten unsrer Regierungskreise. Ungenügenderes,»vie sie geleistet hat, konnte sie nicht gut leisten. Fast möchte man Mitleid mit jenen Professoren empfinden, die im Kampf um die Schlachtflotten-Vermehrung unter diesem Banner streiten. Aus England. London, den 1. Februar. „Sie werden mich nicht absetzen, um Dich auf den Thron zu bringen," soll Karl ll. einmal im Streit seinem Bruder und Thron- erbe» Jakob zugerufen haben. Gestern, am zweiten Tage der neuen Parlamentsseffio». hielt der Uuterstaatssekrctär des KriegSministcriumS. John Brodrick, dies Wort dem libcral-radikale» Abgeordneten, Sir Robert R e i ds, entgegen, der die Südafrika-Politik der Regierung schärfer angegriffen hätte als irgend einer seiner Kollegen auf den vorderen Bänken der Opposition. Reib, ein Jurist, der unter der liberalen Regierung Gcneralanwalt war, hatte unter anderm den Anspruch Englands auf die Oberhoheit über den Transvaalstaat für unberechtigt erklärt und gegen den Ausspruch Minister Balfours. die Regierung sei entschlossen, den Krieg solange fortzusetzen, bis Englands politische Vormacht absolut sichergestellt sei. Vcrivahruug eingelegt. Er hatte die Boercn verteidigt, den Jamesou-Ucbcrfall als schimpflich und verächtlich bezeichnet, und die Art, wie die parlamentarische Untersuchung— die berühmte Komödie der Nicht. Untcrsuchnttgskommission— über den letzteren geführt worden sei. als den größten Skandal rmd«ine Schande für das Land hingestellt. Kein Wunder, daß die Rede die Regierungspartei in Harnisch brachte und der Regierungsvertreter in die größte Hitze geriet. Aber recht hatte Mr. Brodrick trotzdem. Die Nation wird die jetzige Regierung nicht stürzen, um eine liberale ans Ruder zu bringen. Wenigstens nicht im gegenwärtigen Moment. Denn, wie Mr. Brodrick in der gleichen Rede sagte: die Negierung ist über da? Fundamental- princip' ihres Strebens in Südafrika einig, ivie steht es aber damit im liberalen Lager? Von den Liberalen ist eine Sektion fast noch kriegerischer gestimmt wie die TorieS. eine andre schwankt—„sitzt auf dem Zaune", wie das Sprichwort sagt—, und der Rest zerfällt in Anhänger einer Politik de« Nachgebe»? und Parteigänger deS Mr. Brad und seiner Bewegung für Friedensschluß um jeden' Preis(8top the war-movement). Die Liberalen sind kaum in der Negation— der Venirteilung der Ehamberlaiiischeu Politik— einig, geschweige denn in Bezug auf ein positives Pro- grainm für Südafrika. Selbst Sir Robert Reid sagte nur, ivas er nicht wollte. DaS aber widerspricht der von Mr. Campbell-Banner- man. dem Parteiführer, vorgestern auf Pression Balfours abgegebenen Erklärung, daß„wir alle darüber einig sind, daß das britische Reich die höchste Behörde in Südafrika zu sein hat". Man sieht, auf ivelche Zerfahrenheit ,m liberalen Lager man bei genauerer Untersuchung stößt. Ganz einig ist ja keine der poli- tischen Parteien und Gruppen Englands hinsichtlich deS Kriegs. Es giebt aus der äußersten Rechten einige Gegner dcS Kriegs und selbst auf der alleräußerste» Linken, unter den Socialisten. einige Ver- leidiger desselben. Man denke sich einen schräge» Strich von rechts nach links durch die Parteilagcr gezogen, der jedesmal am äußersten Ende kleine Reste läßt, denke sich die rechte» Felder am stärksten und die linke» am schwächsten besetzt, und mau hat ungefähr ein Bild der gegenwärtige» Gruppierung. In den Mittelfeldern ist die Einig- keit am bedenklichsten untergraben, da ist es, wie die Konservativen gern höhnen, heute Cambell und morgen Bannerman. Kein Mensch kann mit Bestimmtheit sagen, ob im entscheidenden Moment die Politik R o s e b e r y oder die Politik Harcourt-Morley durch- dringen würde. Unter diesen Umständen hat die sogenannte Adreßdebatte für die brennende Frage des Moments wenig Realität. Ein radikaler Liberaler, Lord Fitzmaurice, hat das übliche Mißtrauensvotum ein- gebracht— es bedauert die mangelnd« Voraussicht und Umsicht der Regierung bei den Verhandlungen mit dem Transvaal— aber seine Annahme würde niemand weniger gelegen kommen wie den Liberalen, die alsdann die Regierung zu übernehmen hätten. Indes ist daran gar nicht zu denken,' zumal die I r l ä n d e r, die gerade jetzt ihre lang erstrebte Einigung vollzogen haben, gegen das Amendement stimmen werden, weil es die Fortführung des Krieges billige. Sie haben ein eignes Amendement eingebracht,� das sich gegen diese aus- spricht, und der Radikale Stanhope hat einen Antrag gestellt, der eine Untersuchung des Verhaltens des Kolonialministeriums in der Transvaalfrage und Wiederaufnahme der Untersuchung über den Jameson-Han'del als letztes Mittel der Anbahnung einer Versöhnung mit dem Transvaal verlangt. Auf Annahme hat keiner dieser Anträge Aussicht. Die M e inung der Bevölkerung nach dem erneuten und mit so schweren Opfern erkauften Rückschlag von Spion Kop läßt sich schwer beurteilen. Das vorherrschende Gefühl ist Verdutztheit. Daneben hat sich eine gehörige Portion Ingrimm angesammelt, der aber keinen rechten Ausweg, kein Ziel finden kann. Die einen schimpfen auf die Generäle, die andern auf die Kriegsverwaltung, die dritten auf Chamberlain, ivieder andere auf Salisbury, aber ein konzentrierter Angriffspunkt fehlt. Inzwischen behält die Parole:„wir müssen es durch- kämpfen", vorläufig nocki ibre alte Krafr. Das heißt, sie behauptet sich, iveil keiner gern als Zurückweichender erscheinen will. Indes merkt man cö doch an vielen Zeichen, daß die Sache großen Kreise» anfängt, etwas zu kostspielig zu werden. Kommt nicht bald irgend ein Erfolg, so ist ein Umschwung in der Stimmung der k l e i n e n G c s ch ü f t s l e u t e zc. nicht ausgeschlossen. Die Einigung der I r l ä n d c r ist für� den Augenblick — bei der derzeitigen Verteilung der Parteien im Parla- ment— von keiner besonderen Bedeutniig. Hält sie aber Stand, so kann sie auf die Entwicklung der englischen Politik in den nächsten Jahren von großem Einfluß sein, denn dann wird Homerule wieder auf die Tagesordnuiig gesetzt, das nur deshalb von ihr verschwand, weil viele Liberale so lange nichts von ihm wissen wollten, als keine geeinte irische Partei da war, mit der darüber bestimmte Abmachung getroffen werden konnte. Eine Anzahl liberaler Blätter sprechen sich sebr befriedigt über die Einigung aus und lassen deutlich ihren Wunsch durchblicken, mit den irischen Nationalisten zur Verständigung zu komme«._ politische Mebeeficht» Berlin, den 5. Februar. Flotte und Handelsverträge. Unter allen haltlosen Argumenten, die seit der Kaiserrede vom 18. Oktober 1899 für die Notwendigkeit der Flottenver- doppelung angeführt werden, ist das vom Schutz des Handels das thörichtstc'. Der Export wird durch Handelsverträge ge- fördert, nicht durch Nickelstahlpanzer, das ist eine selbstver- ständliche Wahrheit, die nur die Unzurechnmigsfähigkett oder das Geschästsinteresse bestreiten kann. Das Sinnlose dieses Arguments erhält aber dadurch noch eine Steigerung, daß man heute eine Flotte zum Schutz des Handels bauen will, der in wenigen Jahren durch die sicher agrarisch gefärbte Handelspolitik gehemmt werden wird. Wir sollen sechs Milliarden für den Schutz des Handels ausgeben, über den wir dann die agrarische Blockade verhängen. Hätte das liberale Bürgertum eine Spur von taktischem Geschick, so würde es mit seiner Zustimmung zur Flotten- Vorlage wenigstens so lange warten, bis die Handelsverträge unter Dach und Fach sind, damit man sehen könne, ob als- dann überhaupt noch ein Handel da ist, der zu schützen sei. Die politischen Lehren, die das Junkertum im Kanalhandel gegeben, sind bei den Liberalen fruchtlos geblieben. Die Konservattven hatten gegen den Kanal an sich kaum etivas einzuwenden, aber sie sahen in ihm ein geeignetes Kompensattonsobjekt, um agrarisch günstige Handels- Verträge einzutauschen. Vergebens wiesen sämtliche Autori- täten darauf hin, baß der Mittelland-Kanal schon aus Gründen der Wchrhaftigkeit des Vaterlandes unverzüglich ge- baut werden müsse. Die Junker lachten über die Autoritäten.' Die Wchrhaftigkeit hat Zeit— erst die Handelsverträge, dann den Kanal. Und die Junker siegten mit dieser Taktik. Ganz anders die braven Liberalen. Sie bewilligen erst die Flotte zum Schutz des Handels, und werden sich dann vergebens gegen eine Handelspolitik aufbäumen, die nicht durch die Rücksicht auf die exportierende Industrie, sonder« durch das entgegengesetzte agrarische Interesse diktiert ist. Kein Liberaler wird sich erheben und zu den verbündeten Regierungen etwa wie folgt sprechen: „Mit großer Freude haben wir gehört, wie sehr den ver» bündeten Regierungen die Interessen der exportierenden Industrie am Herzen liegen. Die Verdoppelung der Flotte wird im wesent- lichen mit unsren gestiegenen Haiidelsintcressen begründet. Gewiß, eine Flotte ist gut. aber Handelsverträge sind besser. Alles was wir durch eine Vernichrung der Kriegsmarine etwa gewinnen könnten, würde durch eine agrarische Handelspolitik wieder zerstört werden. Daraus ergiebt sich, daß wir zunächst über die Handels- Verträge uns schlüssig werden müssen; erst dann werden wir über- sehen könne», wie groß unsre überseeischen Handelsinteressen sein werden und wie groß danach unsre Flotte sein muß, die jene Jnter» essen zu schützen hat. Wenn die jetzige Vorlage die Notwendigkeit der Vcrdoppckmig der Kriegsmarine aus der Zunahme unsreS Handels ableitet, wenn sie also einen engen Zusammenhang zwischen der Zahl der Kriegsschiffe und der Ziffer des Handels- verkchrö annimmt, so folgt daraus. daß wir erst dann wissen können, wie viel Schiffe wir haben müssen, sobald feststeht, welche Entwickelimg durch die neuen Handelsverträge veranlaßt werden wird. Wir sind aus diesem Grunde nicht in der Lage, im gegenwärtigen Augenblick einem Entwurf zustimmen zu können, deren Vorbedingung nicht erfüllt ist: i n d u st r i e- freundliche Handelspolitik. Vertagen wir somit einst- weilen den Plan. Das kann ahne Gefahr geschehen, wie ja gerade in den besten Jahren unserHandel trotz unsrer unzulänglichen Flotte erfreulich empor geblüht ist. Außerdem ist das Flottcngesctz von 1833 noch in Kraft. Man warte bis zu seinem Ablauf. Alsdann werden wir die Frage im Zusammenhang mit den Handelsverträgen ernst und gewissenhaft prüfen können." So ungefähr würde ein Liberaler sprechen, wenn unser liberales Bürgertum jemals gelernt hätte. Politik zu treiben — nach dem erfolgreichen Vorbild des Jnnkertums.— Die Lage der Bergarbeiter im Abgeordnetenhaus. Wie notwendig die endliche Erfüllung unserer Forderung auf Erlast eines Rcichs-Bcrggesctzes. ist, dafür liefert einen neuen Beweis die Debatte, die sich das Abgeordnetenhaus am Montag leistete. Es wurde die ziveite Beratung des Etats der Bergverwaltuug fortgefetzt und bei dieser Gelegen- heit auch die Frage der B e r h ü t u n g d e r U n f ä l l e i m Bergwerksbetriebe erörtert oder besser gesagt, ge- streift. Denn eine Erörterung ist das, was in dem Bour- geois- Parlament zu Tage gefördert wurde, schlvcrlich zu nennen. Auch im vorigen Jahre haben sich die Herren über das- selbe Theiua unterhalten. Damals aber haben sie unter dem frischen Eindruck der erschütternden Unfälle nicht gewagt, ihre arbeiterfeindliche Gesinnung zu offenbaren. Sie heuchelten Arbeiterfreundlichkeit und gestanden ein, dast vieles in der Bergverwaltuug recht faul sei. Heute war es anders, heute predigten sie wieder den einseitigen Unternehmerstandpunkt, ließen sie wieder einmal ihr wahres Herz erkennen, das nur für den Profit schlägt. Wehe dem. der es wagt, ihnen den Profit zu schmälern dadurch, dast er für Arbciterforderuugen eine Lanze bricht! Wie e i n Mann stehen die Grubenbarone, Bergwerksdirektoreu, Regierung und all' die andren Arbciterfeiude zusammen, um ihren Zorn auszulassen an dem Missethäter, der den Versuch macht, die Ruhe des Dreiklassen-Parlaments durch das Hineinziehen von Arbeiterfragen in die Debatte zu stören. Das mustte heute der Abg. Dasbach(C.) erfahren, der unter Hinweis auf den Prozest gegen die Verwaltung der Zeche„Unser Fritz" die skandalösen Zustände schilderte, die auf manchen Gruben herrschen, und scharfe Kritik übte au den äußerst milden Bestrafungen von Unternehmern, die unter Nichtbeachtung der Arbeiterschutzvorschriftcn mit dem Leben und der Gesundheit der Arbeiter ihr Spiel treiben. Nur durch die Hinzuziehung von Arbeiter-Dele- gierten könne dem jetzigen Zustand ein Ende gemacht werden. Diese Rede erregte den Zorn der gesamten Rechten niit Einschluß der Nationalliberalen. Allen voran fühlte sich der Bergwerksdirektor Dr. S ch u l tz- B o ch u m(natl.j verpflichtet, den Abg. Dasbach herunterzukanzeln. Er Ivarf ihm vor, daß es niit dem Feuer spielen heiße, wenn man angesichts des Streiks in uusrem Nachbarlaude und angesichts der Bewegung im Wurmrevier in dieser Weise auftrete. Ja. er brachte es sogar fertig, die Uebcrtrctungcn der Arbeitcrschutz-Vorschriftcn zu beschönigen und die„ehrenwerten" Beamten der Zeche „Borussia" in Schutz zu nehmen. Nicht ganz so scharf war naturgemäß die Erwiderung des Ministers Brefeld, der nicht leugnen konnte, daß zu Zeiten eines fieberhaften Betriebes die bcrgpolizcilichen Vor- schriften häufiger übertreten lvürden. Aber anstatt endlich einmal positive Vorschlüge für die Verhütung von Unfällen zu machen, schlug Herr Brefeld die bekannte Taktik aller preußischen Minister in Fragen des Arbeiterschutzes ein: er machte einige schöne Redensarten, die zu nichts verpflichten, und die im wesentlichen darauf hinauslaufen. mau müßte vorläufig weitere Erfahrungen sammeln. Das thut die Regierung nun nachgerade lange genug, sie erwägt und erwägt, kommt aber aus den: Erwägen nicht heraus. Andre Länder, England. Belgien und Frankreich haben uns längst überholt, dort sind längst Arbeiter- delegierte angestellt, aber in Preußen will man erst sehen, wie sich jene Institution! im Ausland bewährt. Inzwischen können noch Tausende von Bergarbeitern infolge der Vernachlässigung der selbstverständlichsten Kulturaufgabcn durch die Regierung ihr Leben einbüßen. Was thut'sik Die Grubcnbaroue wollen nun einmal vom Arbeiterschutz nichts wissen, und die Regierung, die vor dem Kapitalismus zu Kreuz gekrochen ist, nmß ihnen zu Willen sein. Wie der Minister Brefeld, so erklärten� sich auch die -lbgg. Jßmer(ff.), Schmieding(natl.), v. Bockel- berg(kons.) und natürlich auch der bekannte Scharfmacher Fetisch(kons.) gegen die Hinzuziehung von Ar- beiterdelegiertcn. Allgemein befürchteten die Herren davon ein Hineintragen socialdcmokratischcr Agitation"unter die Bergleute. Wie kurzsichtig! Als ob nicht das arbciter- feindliche Verhalten dieser„Volksvertreter" der Socialdemokratie weit mehr Anhänger zuführte, als irgend ein andres AgitationS- mittel. Bemerkenswert war es, daß kein einziger seiner Partei- freunde dem Abg. Dasbach zu Hilfe kam. selbst nicht der Socialpolitiker des Ccntrums, Herr Hitze. Unterstützung fand Abg. Dasbach nur bei dem Freisinnigen Dr. Max Hirsch, der jedoch, anstatt energisch für die Forderungen der Berg- arbeiter einzutreten und das Gebahren der Grubenbarone beim richtigen Wort zu nennen, sich wieder einmal in der Rolle eines Harnionie-Apostels gefiel. Wenn Dr. Hirsch auch durch die heutige Debatte nicht davon belehrt ist. daß die Gegen- sähe zwischen Arbeitern und Unternehmern unüberbrückbare sind, dann ist ihm freilich nicht zu helfen. Dienstag soll die Beratung des Bergetats zu Ende gc- führt werden, außerdem steht die zweite Lesung des Etats der Handels- und Gewerbe- Verwaltung aus der Tages- orduung.—- «# * Deutsches Weich. Gegen die Weltpolitik richtet die„K r e u z- Z e i t u n g" abermals einen nur leicht maskierten Angriff. Sie parodiert die famosen Statistiker der Flottenvorlage,' indem sie schreibt: „Wie'e n g li s ch e Statistiker, die besonders gern mit großen Zahlen umspringen, mitteilen, hat„ G r o ß- L o'n d o n" gegenwärtig 6 500 000 Einwohner und diese Zahl steigt im Jahr durchschnittlich um 80 000. Gleichzeitig erfahren wir aber auch, daß sich unter dieser Riesenmasse nicht weniger als 220 000, der Polizei als solche bekannte. Gewohnheitsverbrecher be- finden und daß unter 100 Londonern 31 überhaupt kein ge- f i ch e r t e s Dasein besitzen, d. h. im eigentlichsten Sinn des Worts genötigt sind, aus der Hand in den Mund zu lcbeiu sich , hinsichtlich ihres äußeren Fortkommens dem Zufall zu überlassen." Das ist eine Stichelei gegen die r e i ch s d e u t s ch e n Statistiker, die gern mit großen Zahlen umspringen und vom riesigen Bevölkerungszuwachs schwärmen. WoS gemeint ist, zeigt auch die Nntzanwendrmg des Blattes, die es daraus zieht, daß ein Drittel der englischen städtischen Massen kein gesichertes Dasein haben: „Das fällt um so schwerer ins Gewicht, als bei den auf die Ausfuhr berechneten Gewerbe- und Handelsverhältnisscn des Landes deren augenblicklicher Stand auch für einen sehr großen Teil der„sicherer" gestellten Bevölkerung maßgebend ist, mit anderen Worten: diese„sichere" Stellung ist vielfach bloßer Schein, und kann sich in jedem Augenblick in ihr Gegenteil verwandeln. Bei dem Ausbruch eines Weltkrieges z. B. würde dies, selbst wcuu Englands Küste», dank der Ueberlegenheit seiner See- streitkräfte, unnahbar blieben und die Lcbcnsmittclznfuhr nicht unterbrochen würde, thatsächlich fast unmittelbar gc- schehcn, d. h. es tviirde ei» Notstand ausbrechen, dessen Wirkung mir ein rascher Friedensschluß feilt könnte. Schon jetzt. Ivo ein solcher Notstand wegen des vergleichsweise nicht sehr bc- deutenden Einflnsjes der südafrikanischen Verwicklungen auf den englischen Gesanitverkchr nicht besteht, zeigt sich die Opfer- Willigkeit der Nation in keinem sehr glänzenden Licht. Wie also würde es werden, wenn infolge gestörter Geschäftsbeziehungeu im großen Stil Hunderttausende, ja vielleicht Millionen von Ar- beitern, Gewerbetreibenden und Angestellten ihren Unterhalt verlören? Der großstädtisch ausgestaltete„Industriestaat" ist nur so lange stark, als sich alles in normale n Bahnen bewegt. Auf das Außerordentliche ist er in keinem Fall vorbereitet." Die„Krcuz-Zcitung" spricht von England und meint das Deutsche Reich. Im Gegensatz zu den Flottenphantastcn legt sie gar keinen Wert auf den' Schutz der Lebcnsnrittelzufuhr. Das würde die Katastrophe doch mcht hindern, in die ei» Industriestaat durch einen Weltkrieg gestürzt würde. Welche Feigheit, daß die Agrarier trotzdem für die Flottcnvorlage eintreten!— Gerüchte. Ein Parlamcntsberichtcrstattcr teilt nnt: Aus Regierungskreisen verlautet, daß die K a n a l v o r l a g c Ende dieses Monats, spätestens Anfang März dem Abgeordnetenhailsc zugehen soll. Die Verzögerung ist vornehmlich durch Herrn v. Miguels Krankheit herbeigeführt, wegen deren wiederholt Konferenzen der „Kanalmiuister"— v. Miguel, v. Thielen, Brefeld, Freiherr» v. Hmnmcrstein— unterbleiben mußten. Auch dersStaatsiniiiisterial- sitzung am Montag konnte Herr v.> Miguel nicht beiwohueü. In parlamentarischen Kreisen wurde mit großer Bestimmtheit eine angebliche Acußcrung des Herrn v. Miguel erzählt, wonach er nach Erledigung der Kanalvorlagc beabsichtige, sich in das Privatleben zurückzuziehen und in Frankfurt a. M. Wohnung zu nehmen, wo der Minister vor einiger Zeit ein Gartengrundstück erworben und das Hans nach seinen Wünschen hat umbauen lassen. Ein Montagblatt deutet an, daß Herr T i r p i tz nicht mehr in die Lage kommen werde, im Reichstag seine Acnßcrungcn über das Flottcngesctz von 1838 zu hören. W i r würden alle diese Schicksalsschlägc mit Fassung ertragen.— Zwei heutige Flottcn-Telcgramme. Aus D a r m st a d t wird gemeldet: Der Großhcrzog hat dem Kaiser die vollzogene Eröffnung der Marine-Ausslellung angezeigt und den Wunsch hinzugefügt,„die Ausstellung möge das Interesse für die maritiutcn Aufgaben Deutsch- lands in weite Schichten der Bevölkerung tragen und das Vcr- ständnis fördern für die ans Kräftigung der Wehr zur See gerichteten Bestrebungen des Kaisers." Auf diese Anzeige ist folgende Antwort des Kaisers eingegangen: „Meinen Dank für Dein der Mariue-AuZstelluug in Deiner Residenz bethätigtcs Jutcrcffe! Die weitblickende Einmiitigkeit. mit welcher Deutschlands Fürsten meine ans Kräftigung unserer Wehr zur See gerichteten Bestrebungen teilen, hat de» gesunden Sin» des Volkes für das. was seiner Wohlfahrt iintzt, auch für Deutschlands maritime Anfgabeii geschärft. Tic von Dir eröffnete AnSstclllmg ist ein wesentliches Mittel zur Förderung solchen Vcr- ständnisscs." Ferner hat der Kaiser, wie aus W e i in a r gemeldet wird, auf die Mitteilung des Großhcrzogs, daß sich unter dem Protektorat des Erbgroßherzogs ein Flottenverein für das Großherzogtinn gebildet habe, folgendes Telegramm au de» Großhcrzog gesandt: „Es ist für mich eine große Freude ,?am Abend des heutigen TageS durch Dich zu erfahren, wie auch bei Deinen Landcsiindern das Verständnis für die. heutigen großen Aufgaben des deittschcn Volks sich kund thist durch die Gründung eines„Flottcnverciiis". inid daß es Dein Enkel, der Erbgroßherzog ist. der sich an die Spitze dieses patriotischen Unternehmens gestellt hat. Von ganzem Herzen danke ich Dir für diese Mitteilung".— Gchaltscrhöhnng für den Kaiser. Wie die„Verl. Börsen- Zeitung" erfährt, wird bcabsichligt, die Eivilliste für den König von Preußen durch einen ReickSziischuß aufzubessern. Das Gehalt be- trägt zur Zeit fast 16 Millioueil jährlich, wozu die Einnahmen aus dem Landbesitz konnnen.— Konservative Steucrwünsche. Die„Krenz-Zeitung" sagt nun auch ihre Meinung, wie sie sich die Aufbringuilg der Flotten- Milliarden denkt! „Daß dieser Weg(nämlich Aufnahme größerer Anleihen) seine Bedenken hat, läßt sich freilich nicht leugnen. Dasselbe gilt aber auch von allen andern Vorschlägen, die bisher gemacht worden find, wie Erhöhung der Matrikular- Beiträge, Reichs-Erbschaftsstener usw. Obwohl sich nun über alle Welt gegen jede Erhöhung oder Neueinführuna von i n- direkten Abgaben verwahrt, müssen wir doch sagen, daß es Massenartikel g i e b t. die eine gewisse Mehr- b e I a st u n g sehr toohl zu ertragen vermöchten, ohne die „schwachen Schultern" in fühlbarer Weise zu drücken. In erster Reihe gehört hierher der W e i u und das Bier, und uuttr gewissen Voraussetzungen wäre ohne Zweifel auch der Tabak zu nennen. Davon wollen die MehrhcitSparteie», vom Centrum bis zur Socialdemokratie, freilich nichts wiffen. nud wir sind ivcit eutferiit, in diesem Sinuc auf einen günstigen Umschwung zu rechnen." Die Regierungsbegründnng zur Flottcnvorlage hütet sich sorg- fältig. neue Verbrauchssteuern anzukündige». Die Regierung sucht den Schein zu erwecken, als ob neue Steuern überhaupt uichl nötig werden durch die Bewilligung der Mariucvermchrungcu. Wenn das konservative Hauptorgau dieses Spiel nicht mitmacht, sondern die Unvermeidlichkeit vermehrter Besteuerung von Bier und Tabak auL- spricht, so scheint eS fast, als sei es bemüht, die Aussichten der Vor- läge, die ihm ja bekanntlich gar nicht mehr bchagt, zu v e r- s ch l e ch t e r n.— Ter Trinkspruch dcS Erzbischofs. Die„Köln. Bölkszeitnng" stellt Betrachtungen darüber an, daß die gefälschte Lesart der Kaiscrredc des Erzbischofs von Köln überall Glauben gefunden habe. Der Erzbischof sollte zum Glück Wilhelms II., wie die„Rhein. Wests. Ztg." behauptete, für die Flotte gepredigt und betont haben, daß e-s„Pflicht" sei,„dem Mahnruf des Kaisers zu entsprechen". Jetzt schreibt das rheinische Centrnmsblatt: „Welchen Grad mutz auf der einen Seite der Byzantinis- mns selbst, auf der andern Seite die Voraussetzung der Ver- breitung byzantinischer Gesinnung erreicht haben, wenn die einen einen Trinkspruch, der solche Theorien ausspricht, ohne jeden Vor- behalt mit Jubel begrüßen, die andern ohne weiteres die Echtheit annehmen? Da» eine wie das andre ist ein erschreckendes Zeichen, welche Forschritte der Gedanke des schrankenlosen Absolutismus un dJmperialismus bereits in Deutsch- laud gemacht hat. Was immer der Kaiser will, das muß gc- schehen— das ist die politische Weisheit, welche die einen dem Redner„hoch anrechnen", während die andern die Prokla- mation eines solchen isatzcs nicht im mindesten auffallend finden. Was ist gegen diese bedingungslose„Führerschaft des Kaisers in allen die Volksseele bewegenden Fragen" die l e h r a m t I i ch e Unfehlbarkeit des hl. Stuhles?" � Das byzantinische Unfehlbarkeitsdogma ist in der That gefähr- licher und bösartiger als das päpstliche.—. � Der fällige Wechsel. Die katholische„Germania" fordert' wieder einmal, wie neuerdings vor jeder größeren Vorlage, die Auf- Hebung des Jesuitcngesctzes: „Durch ein gegenseitiges Entgegen komnicn sind bisher größere Konflikte ini inneren" politischen Leben vermieden worden. Die Parole„kein E u t g e g e n k o m m e n" bedeutet aber den ernsten Konflikt. Wollen die v e r a n t- wortlichen Leiter der ReichSregieruug auch die Verantwortung für diese Parole in dem gegenwärtigen Augenblick übernehmen. wo sie mehr als je zuvor ans ein„E n l g e g e n k o m m e n" seitens des andern Faktors der Gesetzgebung angewiesen sind? Die Enffchcidniig drängt. Der Bundesrat trägt in dieser Beziehung die alleinige Verantwortlichkeit gegenüber den Beschlüssen des Reichstags. Wir haben ein Recht darauf, die Beschlüsse des Bundesrats kennen zu lernen, bevor derselbe abermals ein Entgegenkommen des Reichstags in Anspruch nimmt, während er seinerseits ein Entgegenkommen dem Reichs- tage gegenüber ablehnt. Nun Hai der Bundesrat das Wort!" Wozu das tapfere Possenspicl! Hinter den großen Drohlvorten steckt ja doch nur der Anfang zur Kapitulation vor dem Scegcspciist.— Die Sittlichkeitsinflnenza. Die Polizei fährt fort, Kunst- werke auf ihren Gehalt an Sittlichkeit zu prüfen. Die„Tägliche Siundschau" berichtet: In dem Schaukasten der Kunsthandlnng von H. W. Roehlich, Hoslieferanten de s� Kaisers, Ecke Leipzigerstraße und Charlottenstraße, waren unlängst unter anderen Drucken ausgestellt Botticellis Venus und die gefesselte Andromache von Rubens(deren Originale in der B�c r l i n e r k ö n i g l i ch e n Gemälde-Galerie hängen), sowie Susanne im Bade(Münchner Alte Pinakothek). An einem Donnerstag erschien nun bei der Firma ein Polizist, bezeichnete die drei Bilder als anstößig und verlangte ihre Entfeniuiig aus dem Schankastcn. Internationale Nnternehmcrsolidarität. Der„Verein zur Wahrung indnftricllcr und gewerblicher. Interessen für Rcichenberg und Umgegend lBöhmcn)" hat sich beschwerdeführend an den„Central- verband deutscher Industrieller" gewandt, daß deutsche Unternehmer bei den jüngsten Streiks der Textilarbeiter Nordböhmens die Gc- lcgenhcit benutzt haben, um die Streikenden teils durch Anzeigen in dortigen Blättern, teils durch Agenten für sich angeworben haben. Die böhmischen Textilkapitalisteu sehen darin eine Unterstützung der Streikenden. Im Kampf„gegen die Uebcrgrifsc der Arbeiter"(die nichts als zehiistlindige Arbeitszeit und ein paar Pfennige Lohnzulage forderten)„sollte sich die gc- sanitc Industrie, auch weim sie verschiedenen Ländern augehört, solidarisch erachten". Die Leitung des Ceutralverbaudcs fordert deshalb alle dem Verbände angehörenden Texliliudustriellcn auf, in Zukunft bei Streiks in Oestreich keine streikenden Arbeiter mehr culszuiiehmcu oder anzuwerben. Diese Praxis der Untcriiehmer ist nicht mehr neu: in dem Riesenkampfc der dänischen Arbeiter wurde sie bereits angewendet. Den Arbeitern zur Lehre teilen ivir aber auch diesen Fall mit.— „Schwersio Strafe". Eine überaus harte Strafe hat vor einigen Tagen das Amtsgericht in Itzehoe über einen Angeklagten verhängt, der sich während des Streiks der Lederarbeiter iu Wilster zu einer Thäligkeil gegen einen„Arbeitswilligen" hinreißen ließ. Der Fall wird ivie folgt geschildert: Ter Arbeiter H. Tiedemann pasfierie eines Tags die Rum- slethcrstraßc, wo ihm Arbeitswillige begegneten. T. will von den- selben bedrängt worden sein und versetzte einem einen Stoß, so daß derselbe in den Graben fiel. Verletzt oder mißhandelt wurde der Arbeitswillige nicht. Weiter hat T. in einem Tauzlokale, in dem die Arbeitswilligen skandalicrten, einem derselben einen Faustschlag auf den Kopf versetzt. T. hat zwei Jahre Gefängnis er- halten und ist sofort in Haft genommen worden. Der Fall eriimert in der Härte der Beurteilung an das Löbtauer Urteil. Es wird niemand das Verhalten des Angeklagten billigen, aber vergebens sucht man ein Beispiel, wo weit schlimmere Roheiten aus gebildeten Kreisen mit gleicher Härte bestrast wurden. Blau denke nur an den in der letzten Soimtagsnummer erwähnten Fall des Jencnser Studenten, der cineii Handwerker aufs schwerste körperlich mißhandelt und verletzt hatte, und deuiioch nur zu 150 M. Geldstrafe verurteilt ivnrdc. Hier aber gehtauf 2 Jahre die Familie, die aus Frau und 4 Kindern besteht, ihres Ernährers verlustig, weil sein Vor- gehen unglücklicherweise mit einem Streik in Zusammenhang gebracht tvcrdcii kountc. Wäre dieser Umstand, der. für eine socialpolitisch aufgcklärte Rechtssprechung ein mildernder Umstand sein müßte. nicht vorhanden gewesen, wer weiß, ob es auch nur zu einem Straf- antrag gekommen wäre. Zwei weitere Angeklagte, die demselben Gericht zur Aburteilung überwiesen waren, erhielten der eine 4 Monate Gefängnis, der andre 14 Tage Gefängnis. Beide hatten„Arbeitswillige"„be- lcidigt" und„belästigt".— Des Schweißes des Edlen wert. Die„Krcnz-Zeitlmg" be- richtet: Graf K l i n ck o lv st r ö m. Mitglied des Reichstag?, welcher sich seit etwa 3 Wochen zur Heilung eines Gichtleidens in Aachen aufhält, ist neuerdings von einem heftigen Gichtanfall betroffen, ivelchcr ihn ans Zimmer fesselt. Trotzdem gedenkt Graf Klinckow- ström sich bestimmt an der Mitte Februar beginnenden zweiten Lesung der F l e i s ch s ch a n- K o m m i s s i o n Ivieder zu be- teiligen. Um der Fleischschau willen überwindet ein pflichttreuer Agrarier selbst die Pein der Podagra.— Die Sehnsucht nach der Socialdemokratie. Die Frei- siimigcn und National- Socialen möchten gar zu gern in ihrem Wasierwahn Socialdemokraten als Gefährten habe». So scll, dem „Berk. Tagebl." zufolge, ei» Rcdaclcnr niisres Breslauer Partei- Organs geänß.rt haben: „Würde der früher cininal verworfene Antrag Bebels jetzt vom Reichstage angenommen, daß eine Verstärkung der Flotte nur von den' hohen Einkommen über 6000 M: getragen werden sollte, dann würde allerdings die socialistische Partei gegen eine Flottenvermehrimg nicht viel cinziiwenden Häven." Demgcgcnüver erklärt Genosse Älüß. der gemeint war. daß seine Aeußcrnng völlig entstellt worden>ei; er steht auf dem pnncipiell avlehneiidcn Standpunkt der Gesamtpartei.— � Socialistcnbckäinpfnng in Ostpreußen. Ans Königsberg wird uns gcschricbeil: Wahres Entsetzen rief es Ende 1898 bei uiiscrir Gegnern hervor, als innre Königsberger Genossen ciiicn vor- züglich vcrtäßle» Agitationskalender in 50000 Exemplaren ans dem Lande verbreiteten. Andrerseits war die Freude der Landarbeiter eine außerordentlich große über die Gabe. Sofort wurden Polizei und Gerichte gegen den gefährlichen Kalender anfgebotcu. Ans vielen Hunderten von Hütten wurden die Kalender von Gendarmen und sonstigen Beamten heraus- geholt, nachdem dcS Jnsterburger Gericht die Beichlaguahme ausgesprochen hatte. Lange, lange Zeit verging, dem Verleger. Genossen Rakutl. ging aber keine Anklagelzu. Es ist noch in aller Gedächtnis, wie Graf K l i n ck o w st r ö m im Herrenhanse über den Kalender herfiel und beweglich klagte, daß keine Polizei und kein Staats- anwalt da war, als das Schriftchen verbreitet wurde. Ob die Klinckowströiujche Rede dazu beigetragen, kann man nicht wissen, jedenfalls erhielt Rakutt die Anklage nnd wurde zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Nur dadurch gelaugte das Gericht zu einer Verurteilung, daß es annahm, mit der Bezeichnung„ein Pfarrer" seien alle ostpreußischen evangelischen Geistlichen gc- menit. Die Beschlagnahme der Kalender wurde nicht ansge» sprechen. Nun fühlten sich Graf Klinckowstrom und noch ein paar oft- prcichischc GroWrundbesitzer durch Sätze beleidigt, in denen von „groß«! Herren" und„Rittergutsbesitzern" ganz allgemein ge- sprochen war. Das 5löuigsbergcr Gericht erachtete auch wirklich eine Beleidigung der Herren für vorliegend, verfügte die Beschlagnahme der Kalender, sprach aber Rakult frei, iveil er nicht wegen einer Sache zwcinml bestraft werden könne. Dieses tlrteil ist vom Reichsgericht aufgehoben, iveil nach Ansicht des obersten Gerichtshofs in diesem Falle eine zweimalige Verurteilung zulässig ist. Am Dienstag, den t>. d. M.. fast fünf Vierteljahre nach Verteilung des ÄalendcrS, steht der Verleger desselben abermals vor Gericht. Inzwischen ist der Kalender für 1900 erschienen. Von der Landbevölkerung ist derselbe mit Sehnsucht erwartet, mit viel gröstcrer Spannung sah aber die Polizei dem Erscheinen entgegen. Was nur irgend möglich war, geschah, uni zu erfahren, wann der Kalender erscheinen würde. Seit Monaten wurden die Expeditions- räume der„Völkstribiine" von Beamten der Kriminal- Polizei aufgesucht, um nach dem Kalender zu sehen oder zu frage». Daneben kamen andre Personen, um sich Kalender zu holen. Der Liebe Mühe war natürlich umsonst. Am Donnerstag, den 1- Februar wurde der Kalender in 45 000 Exem- plaren verschickt. Dann arbeiteten Polizei und Gerichb init einenr Eifer, von dem zu wünschen wäre, dost er auch bei andren Anlässen emfaltet würde. Am Sonnabend schon wurde auf Grund eines Gerichts- beschlusscs der Rest der Kalender beschlagnahmt. Anlast zur Beschlag» nähme ist. däst die Gosindc-L>rdnuug als„Ausnahmegesetz" bezeichnet ist!', dast gesagt ist. die Behörden machten den Fischern das Leben schiver. und eine Wendung über die Kolonialpolitik, die durchaus als harmlos zu bezeichnen ist. In den nächsten Tagen wird nun auf dem Lande in den Hütten der Arbeiter, Jnstlente, Fischer nsio. die Jagd ans den Kalender wieder beginnen. Dast aus diese Art dm Socialdemokratie nicht vernichtet wird, sollten freilich auch die Behörden schon einsehen. Aber sie glauben vorläufig an die Rätschläge des. Grafen Klinckowström, der in jeder Bestrafring eines Socialdcniokraten, und sei es mit einer gering- siigigeu Geldstrafe— natürlich ist ihnen eine hohe lieber— eine staalsrcttevde That erkennt. Die Zukunft wird lehren, wie tüchtig Graf Klinckowström für die Socialdemokratie in O st- preusteu gearbeitet hat.— Wegen MajcstätSbclcidigmig hatte sich Montag die Witwe Geheime Sauitätsrnt Martha Roller, verheiratet gewesene Gräfin Dombska aus�Srhöucberg vor der erste» Strafkammer am Landgericht l in Berlin zu verantworten. Frau Roller soll sich im vorigen Jahre zu ihrer Nachbarin, einer Frau Otto gegenüber mit thrcir Beziehungen zu hohen Herren des Hofes gerühmt und bei dieser Gelegenheit die beleidigende Aeustcnmg gcthan baben. Die Verhandlung, die unter Ansschlust der Oeffcnt- lichkeil stattfand, hat nach dein öffentlich verkündeten Urtcilslenor ergeben, dast die Angeklagte in Schönebcrg Zimmer vcrniietet. Dabei liebt sie cs, sich ihren Chambrcgarnisten gegenüber mit ihren hohen Äonnexioiien z» brüsten. Das möge sie auch der Frau Otto gegenüber gcthan haben, welche aber ihre Darstellung denuahcn eriveiterte, dast, wenn die letztere richtig wäre, eine schwere MajcftätSbeleidignng darin liegen würde. Nim ist aber Frau Otto wegen Hehlerei auf Anzeige der Frau Noller bestruft worden. Es herrschte also bereits eine Feindschaft zwischen den beiden Frauen, bevor Frau Otto die Anzeige wegen Majcstäts- beleidigung stellte. Dieser Zeugin sei daher nicht zu glauben, zumal die Angeklagte. Ur thatsächlich mit Herren bei Hofe in Be- zichungen gestanden hat, zu einem bei ihr wohiicuden Offizier, zu dem sie dieselbe Erzählung gemacht hat, nur gesagt hat, ein Prinz habe mit ihr in Beziehungen treten ivollen. Mangels ans- reichenden Beweises fei daher auf Freisprechung zu erkennen gc- Wesen.— Erinnerungen. Man schreibt uns: � AIS Wilhelm II. zuw Regierung berufen wurde, beeilten sich einige Leute, die Welt über de» neuen Herrn aufzuklären. Allen voran der„Erzieher" in einer„nach der Natur gezeichneten Skizze". Der Grundton der Charakteristik, die Hinzpeter von seinem Zögling gab, ist der: dast in Wilhelm II. ein ungemein kräftiger Charakter auf den Thron geraten fei.„Ans der Verbindung von welsischem, leicht in Energie migesctztem Starrsinn- und hohenzollernschcm, mit Idealismus gepaartem Eigenwille� wurde am 27. Januar 1850 ein menschliches Wesen geboren mit eigentümlich stark ausgeprägter In- dividnalität, welcher, durch nichts ivirklich verändert, selbst den mäch- ligstc» änstcren Eiufliisscn widerstehend, in ihrer Eigenart sich konsequent enlivickelt hat." Diese einleitenden Worte sind das Thema, das in den übrigen Ausführungen variiert wird. Auch den Einwirknngcn der Eltern und des Erziehers entzog sich der junge Prinz: Herr Hinzpeter vergleicht die Enttäuschung der Mutrer mu dem Unbehagen der Heime, die ein Euteuei ausgebrütet hat. Wiederholt und in ge- häuften Ausdrücken vermerkt Hinpeter Klagen über„Unbotmästig- keil" zc. Selbst den Gefühlen der Ehrfurcht und Dankbarkeit, mit welchen der Prinz dem Grostvater, dem Vater und dem Kanzler eiitgegeiikam, als diese sich hcrbeiliesten, ihn einzuweihen in ihre Ideen und Pläne,— selbst dieser Feuerprobe des Enthusiasmus trotzte das selbständige Wesen des jungen Mannes.„Der in Worten und Demonstrationen übersprudelnde Prinz ist in den Erschütterungen, die seinem Regierungsantritt vorhergingen, fast tragisch schnell zu einem gesetzte«, reservierten, würdevollen Fürsten ge- rcift. Wilhelm II. ist eine im echten Sinn souveräne Natur, die sich selbst bestimmt und selbst beherrscht." Dies öffentliche Zeugnis des Erziehers wurde bald von zwei Männern aus den Kressen des Grostgcivcrbes beglaubigt. Herr Douglas, welchem der Kaiser erlaubt hat. sich für einen Sprossen der berühmtesten Familie der feudalen Welt zu halten, und Herr Dr. Ritter, ivelchcr den technischen Grosthctricben eines schlesischen Magnaten vorstand, spannen den Faden Hinzpeters weiter. Douglas fühlte sich an Friedrich II. erinnert. Er erkennt ruhiges Glcichniast. völlige Unzugäuglichkeit für Schmeichelei und Liebedienerei, gesunden Blick für richtige Würdigung der an den Kaiser herantretenden Personen, energische Abivehr sicfc hervordrängenden Strebertums; er beglaubigt, dast der Kaiser niemand über Dinge das Wort verstatte oder jemand sein Ohr leihe, der nicht durch sein A in t berufe» sei, gerade ihm diese Angelegenheiten vorzutragen. Ritter aber schwärmt: er sieht den jungen Cäsar i» der Glorie eines grosten»ud majestätischen Helden,„hoch zu Rost, den Ernst der Verantwortung ans dem bronzenen Antlitz, ivelches doch so sonnig zu lächeln vermag beim Anblick Auserivähllcr",—,„ein fruchtbares Genie, einen liescu Verstand und einen zugleich erhabciicn und angenehmen Geschmack"—„Ausdauer in der Verfolgung wohlerwogener Ideen". Hieran knüpft Herr Riftcr die„goldenen Worte" des jungen Fürsten gegen Herrn v. Eyncrn:„Ob>mr nun Dank oder Undank für unsre Bestrebungen für die Aufbesserung des Wohles der arbeitende» Klassen ernten— in diesen Bestrebungen werde ich nicht erlahmen." Ritler erkennt schon damals dein Monarchen den Riihmeskraiiz zu und citiert ein dänisches Blatt, das am 28. Juni 1890 es für schicklich hielt, den eben zur Regierung gelangten Fürsten„mit den grostlen Herrschern der Geschichte ans die gleiche Höhe zu stellen". Inzwischen hat die Zeit den Grundton der Hinzpetcrschen Charakteristik gründlich Lügen gestraft. Hinzpeter wollte die Welt glauben machen, dast Wilhelm II. eine cholerische Natur sei, ein „starker Mann", von unbeugsamer Beharniiigskraft. Ein Blick in die Geschichte und in die Ersahrungen der Menschheit über Temperamente mid Eharatlere hätte den Erzieher darüber auf- klären müsse», dast die. Naturanlage seines Zöglings nicht den cholerischen, sondern den sanguinischen Temperamenten beizuzählen sei. die mit leicht entzündeter Energie und Begeisterung vielseitige Np i g» n g e n verbinden und deshalb sich nicht ans e i n Ziel festnageln lassen. Die Sanguiniker sind weit liebenswürdigere Naturen als die Choleriker, die Virtuosen der Ge- walt und der Menschen Verachtung. Welche? von diesen Temperamenten sich am besten für einen Staatsmann eignet, wollen wir schon des- halb nicht entscheiden, weil die Verschiedenheit der Umstände und Aufgaben auch verschiedene Männer fordert, und weil das waS die Umstände fordern von uns anders zu beurteilen ist als etwa von Herrn Baron von Stumm oder Herrn von Kröcher. Wenn Herr von Kröchcr die Bismarck schon Memoiren mit Nutzen gelesen hätte, würde er seine Rede über den starken Mann sich verkniffen haben. Denn der oberste Zweck der Memoiren ist der Nachweis, dast das sanguinische Temperament auf dem Throne einem Minister für eine rücksichtslose Gewaltpolitik nicht den nötigen Rückhalt giebt. Wer den e r st e n Band mit Aufmerksamkeit liest, der iveitz ganz genau, was in dem noch fehlenden dritten steht, nämlich etlva: Hüte sich jeder Staatsmann unter Wilhelin II. die Aufgabe zu übernehmen, einen Konflikt durchzuführen: er wird ebenso scheitern, wie Graf Brandenburg unter Friedrich Wilhelm IV. Für die stetige, ruhige und fortschrittliche Entwickelung des neuen Deutschen Reichs ist es ein groster Vorzug. dast für gewaltsame, jnnkerlichc Eingriffe undsUebergriffe, für blutige Henkersthaten im Charakter des' Herrschers die Vorbedingungen fehlen. Bismarck und Herr von Stumm mögen das für einen Mangel halten— der Bürger und Arbeiter wird anders urteilen und mit um so größerer Zuversicht thätig sein, um den Fortschritt der Nation auf dem sichersten Boden: das Streben und den Willen des Volks zu begründen und auf diesem Boden zu bewirken.— Ausland. Ocftrcich- Ungarn. Prag» 4. Februar. Auch die heutige Bürgcrmcistcrwahl hat zu keinem Ergebnis geführt. Nach der Wahl fanden Kund- gebimgen für und ivider Podlipuy statt. Menschenmengen, die sich aus dem Wenzclsplatze angesammelt hatten, Ivurdc» von der Polizei auseinandergetrieben. Vcrinntlich ivird nunmehr die Regierung den Gcmeinderat auflösen, da eine Majoritätsbildung weder für den alt- »och für den jiuigczechischcn Kandidalen möglich erscheint.— Frankreich. St. Mande, 4. Febr. Auf einem Bankett, das heute hier zu Ehren des Ministerpräsidenten Waldcck-Ronsscau und des Handels- Ministers Millerand von den Arbcitcrkanunern veranstaltet ivorden war. hielt Waldeck- Roussean eine Rede, in ivelchcr er zunächst ans die Solidarität hinwies, die zwischen der Entivicklung der Arbeiter- kammcr und dem republikanischen Gedanken bestehe, und dann ausführte, die jetzige. Regierung habe die Gewalt unter schwierigen Umständen übernommen. Sie habe die Republik gegen deren ständige Feinde verteidigen müssen. Es ivürden noch andre Proben n b e r st a n d e n>v e r d c n in ü s s c n, wo die Ge- waltthätigkeit der List Platz machen werde; diesen Proben dürfe aber ohne Furcht entgegengesehen werden, weil trotz der an ihr geübten Kritik die Republik nicht imfruchtbar gewesen sei, und die Tcinokratic, wenn sie eine Jnvcntnr der erzielten Erfolge machc, sich den Preis ihrer Aiistrcngnngcn nicht entreisten lassen werde. Die Ziikiilift sei nicht zu sürchtc», denn sie gehöre der Republik. sLebhafter Beifall.) Paris, 5. Februar. Fm Senat fand heute nachmittag Präsidentenwahl stall. Ter frühere Präsident F n I l i ö r e s wurde mit 176 Stimiucn wiedcrgelvählt. Der General Mercicr erhielt zivet Stimmen. Sstauleu. Madrid, 5. Februar. Vor der Präscktnr fand gestern eine Kundgebung zu Gnnstc» der Revision des Moutjnich-Prczcsscö statt, die ruhig verlausen ist. Eine graste Volksmenge Halle sich an- gesammelt, um der Ueberreichimg einer Protestnote an den Präfcktcn vcizuwohnen. Der Protest richtet sich dagegen, dast die Strafe der im Montjuich-Prozesje verurteilten Anarchisten nur herabgesetzt ivurdc. ES wurden die Rufe laut:„Es lebe die Gerechtigkeit! Nieder mit den Tpraimcn!"— Amerika. Washington, 5. Febr. England und die Bereinigten Staaten sind zu ciueiu frenndschaftlichen Abkomme» betreffend die Nicaragua- Kanalfrage gelaugt. Dasselbe läuft darauf hinaus, dast England seine A n s p c ü ch e auf die gemeinsame Kontrolle des Kanals ohne Gegenleistung a u f g i e b t.— Tie Uttsalsversichermkgs Kommission setzte ihre Beratungen am Montag fort bei Z 5b, der bestimmt, wie die Hohe der Rente zu berechnen ist. Dieser Berechnung soll zu Grunde gelegt werden derjenige Arbeitsverdienst, den der Vcr- letzte während des letzten JahrcS seiner Beschäftigung in dem Betriebe, in ivclchem der Unfall sich ereignete, durchschnittlich für den Arbeitstag bezogen hat. Hierbei soll der 4 Mark übersteigende B e t r a g n» r in i t e i n c m D r i t t e l berechnet werden, Die Socialdcmokratcn beantragten, diesen letzten«atz zu streichen, eventuell bei Ablehnung dieses Antrages statt 4 M. 7 M. zu setzen. Sic begründeten diesen Antrag mit dem Hinweis darauf, dast seit Erlast des llnfallversichermigs-Gesetzes die Lebensmittel be- deiitend teurer geivordcn sind und deshalb eine Summe von 4 M. durchaus nicht ausreicht. Die Abgg. Rösickc-Dessan und Trimdorn beantragen, dast der Lohn bis 5 M. pro Tag ganz berechnet »ud der höhere Betrag zur Hälfte angerechnet werde. Auch Abg. Liosickc weist auf die Steigerung der Lebensmittelpreise in den letzten Jahren hin und betont, dast der jetzige Zustand durchaus unberechtigt sei. Die Regierungsvertretcr bekämpfen sämtliche Abälidcrlingsanträge, weil sie zu graste Belastungen der Berufs- genossenschäften zur Folge habe» würden. Graf Posadowsky kündigt an, dast bei einer derartigen Belastung der Berufsgeiwssen- schaften die Zustimmung der Regierung nicht zu haben sein>v e r d e. Der nationalliberale Abg. Möller ivcist die Abändcrungsauträgc ebenfalls zurück, da ja das VerficherunaS- gesetz nur eine' Ablösung der Ärmeulasten seien solle. Sämtliche Anträge lverden abgelehnt, so dast eL bei dem bisherigen Zustand bleibt. War der Verletzte in einem Betriebe nicht ein volles Jahr, von dem Unglück ziirückgerechnet, beschäftigt, so ist für die Bcrcchuuug der Rente der Betrag zu Grunde zu legen. ivelchcr während dieses Zeitraums von einein Arbeiter derselben Art in einem gleichen Betriebe bezogen worden. Hierzu hat die Re- gierung folgenden Zusatz beantragt: Ist diese Berechnimg nicht möglich, so ist der 300 jache Betrag des Arbeitsverdienstes zu Grunde zu legen, ivelchen der Verletzte während der Dauer der Beschäftigung pro Tag bezogen hat. Dieser Zusatz wird ohne Debatte aiigeiiomnien.— Erreicht der Arbeitsverdienst den ortsüblichen Tagelohn der gewöhn- liche Tagearbeiter nicht, so ist der letztere zu Grunde zulegen. Dieses will ein socialdem akratischer Antrag nur für den Fall gelten lassen, dast der ortsübliche Tagelohn 1.50 M. oder mehr be- trägt. Beträgt er weniger, so ist 1,50 M. als Tagclohn zu Grunde zu legen. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt. Für jugendliche Personen— so verlangt der Regierungs- entwurf— soll die Rente bis' zum vollendeten 16. Lebensjahr des Verletzten nach dem für solche. festgesetzten Arbeitslohn be- messen und von diesem Zeitpunkt au nach dem ortsübliche» Tagclohn erwachsener Tagelöhner berechnet werden. Die Socialdemokratc» beantragen„ortsüblich" zu streichen. Es soll maßgebend sein nicht der sogenannte ortsübliche Tagelohn, sondern der Tagclohn, welcher in den betreffenden Berufen, denen der Verunglückte angehört, üblich ist. Auch dieser Antrag wird abgelehnt und die Regierungs- vorläge unverändert angenommen.' In dem Fall, dast der Arbeitsverdienst nicht den ortsüblichen Tagelohn gewöhnlicher Tagearbeiter erreicht, soll bei Berechnung der Rente für Personen, die v o r dem Unfall bereits teil- weise erwerbsunfähig waren, derjenige Teil des orts- üblichen TagelohnS zu Grunde gelegt werden, welcher dem Mast der bisherigen Erwerbsfähigkeit entspricht.— Die So c i a I de mo» kraten weisen darauf hin, daß diese Bestimmung ebenfalls eine Schädigung desjenigen Arbeiters zur Folge haben müsse, der bereits zum zweitenmale verunglückt sei. Der Vorschlag der Regierung wird jedoch unverändert angenommen. Der nächste Paragraph handelt von der Befugnis der B e r u s s g e n o s s e n s ch a f t e n, der Krankenlasse, welcher der Vcr- letzte angehört oder zuletzt angehört hat, gegen Ersatz der ihr da- durch erwachsenden Kosten die Fürsorge siir den Verletzten über den Beginn der 14. Woche hinaus bis zur Beendigung des Heilverfahrens in demjenigen Umfang zu übertragen, welchen die Berufsgcnosscn- schaft für geboten erachtet.— Die Socialdcmokraten verlangen zu diesem Verfahren die Zustimmung des Verletzten. Dieser Antrag wird aber abgelehnt. Eine ausgedehnte Debatte entsteht über den Z 5o, der den Zweck haben soll, eine Lücke auszufüllen. Der Streit dreht sich darum, welche Lücke hier in Betracht kommt. Es handelt sich nämlich um' diejenigen Verunglückten, deren Heilverfahren innerhalb der. erste>i 13 Wochen beendet ist. Dieselben erhalten vom Schluß des Heilverfahrens ab kein Krankengeld, Uufallrente beziehen sie unter ollen Umständen aber erst von der 13. Woche ab. Die Regierung beabsichtigt nun, dast die Berufsgcnossciischaften verpflichtet sein sollen, dem Verunglückten, der innerhalb der ersten 13 Wochen keine Krankenunterstützung mehr bekommt, von diesem Zeitpunkt an die Rente auszuzahlen, die ihm»ach Ablauf der 13. Woche zustehen würde. Die Mehrheit der Kommission will, dast auch dem Verunglückten, der innerhalb der 13 Wochen feine volle Erwerbsfähigkeit wiedererlangt, so lange eine Rente ausgezahlt wird, als er infolge des Unfalls erwerbsunfähig ist. Bei der Be- ratung über die Herabsetzung der Karenzzeit von 13 ans 4 Wochen hatte s. Z. der Staatssekretär ziigcgebeii, dast mit der jetzt in Rede stchcndcn Abänderung des RegierungsentwurfS der Wunsch der Mchrlseit der Kommission erfüllt werde. Heute erklärten die Kommissare, dast hier eine irrtümliche Aiiffassiing vorliege, dast die Regierung nur die Lücke für diejenigen Personen auszufüllen beabsichtige, welche nach Ablauf der 13 Wochen eine Rente be- kommen. Die große Bclasiung der Berufsgeiiossenschaften, welche die Kommission wünsche, könnte die Regisriing keinesfalls gutheißen. Die Mehrheit der Kommission blieb aber bei ihren, Standpunkt be- stehen, wenn auch die Beschlnßfassiing nach ausgesetzt wurde.. ft Im Falle der Tötung ist als Schadensersatz zu leisten: 1. als Sterbegeld das 20sache des nach 8 5b Abs. 1— 3 für den Arbeitstag ermittelten Vcrvicnstes. jedoch nniiidesteiis ein Betrag von 30 M. Die Socialdcmokratcn wollen das Sterbegeld auf das 30faÄe und mindestens auf 50 M. erhöhen. Mit dem bisherigen Betrag könnten die Stcrbekosten nicht bestritten werden. Die Er-� höhim'g auf das 30fache wird mit 9 gegen 9 Stimmen abgelehnt. Dafür stiminte» außer den Socialdeinokraten das CcntruN! und der Abg. Stöcker: dagegen auch die Freisinnigen. Die Erhöhung des Mindestbctrags auf 50 M. ivnrde mit 10 gegen 9 Stimmen a n g c n o m m e n. da der Vorsitzende. Abg. Roesicke, dafür stimmte. Hiirterlästt der Verstorbene eine Witwe oder Kinder» so beträgt die Rente für die Witwe bis zu deren Tode oder Wiedcrverheiratung,� sowie für jedes Hinterbliebene Kind bis zum zurückgelegten 15. Lebens- jähr je 20 Prozent des Arbeitsverdienstes. Die Socialdemokratc» beantragen eine Rente für jedes Kind/ zu dessen Unterhalt der Ver- storbcnc gesetzlich verpflichtet war. Nach dem Wortlaut der Vorlage würden uneheliche Kinder eine Rente nicht erhalten, obwohl sie doch für sie gerade am notwendigsten sei. Diese Aenderung wird abgelehnt. Ferner verlangen die Socialdeinokraten Auszahlung der Renie bis zum 21. Lebensjahr, d.h. bis zur selben Zeit, die auch das Bürgerliche Gesetzbuch für derartige Fälle vorgesehen hat. Da dies abgelehnt wird, beantragen sie Aus- zahiiing der Rente bis zun, 16. L e b e n s j a h r entsprechend der iniiidcr günstigen Bestiminuiig für uneheliche Kinder. Auch dieser Antrag wird abgelehnt, so daß die Arbeiterkinder schlechter gestellt sind, als nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch die unehelichen Kinder. Ebenfalls a b g e l e h n't wurde ein Antrag der Socialdeinokraten für die Witwen und Waise» die Rente ans SV Proz. zn erhöhen. Es bleibt bei de» 20 Proz. der Vorlage. Der Anspruch der Witwe ist ausgeschloffen, wenn die Ehe erst nach dem Uiifall geschlossen worden ist. Die Berufsgcnossenschaft kann jedoch in besonderen Fällen auch baiin die Rente gewähren. Die Socialdeinokraten wollen diesen Absatz streichen eventuell dahin abändern, dast bei einer solchen Ehe dann die Witwe eine Rente erhält, wenn sie vor dem llnfall mit dem Verstorbenen ver- lobt war oder in häuslicher Gcmcinschast mit ihm lebte. Diese Aenderung beabsichtigt schtverc Härten zu vermeiden, wird aber abgelehnt. Der nächste Absatz bestimmt: Der Anspruch aui die Witwenrente könne ganz oder teilweise abge- lehnt werden, wen» die Ehefrau seit mindestens einem Jahre vor dem Unfall ohne gesetzlichen Grund von der ehelichen Gemeinschaft sich ferngehalten und ohne Beihilfe des Ehemanns ihren Unterhalt gefunden hat. Dies ist eine Verschlechterung, die zu den uiiangcnehinstcn Unter- suchuiigcn über häusliche Verhältnisse und zuKonfliktenmitdeiiGerichten führen kann. Denn die Berufsgenossenschaft soll selbst entscheiden, ob ein gesetzlicher Grund für das Verhalten der Ehefrau vorlag oder nicht. Die Socialdcmokratcn beantragen daher die S t r e i ch u n g des ganzen Absatzes. Der Absatz wird jedoch unverändert an- g e Ii o m in m e n. Die Weilerberatung wird sodann auf Dienstag vertagt. Psivfvx Das kommt davon! Ans der Wahlbcwegnng i»> Kreise Calbe- Aschersleben wird der„Halberstädter Arbeiter-Zcitung" aus Schönebeck geschrieben: Bei der Geburtstagsfeier des Kaisers forderte ein Lehrer die Schulkinder ans, den Vätern zu sagen, sie möchten Placke wählen! Die Kinder machten sich auf der Straße darüber lustig und sagten: „Den lat man quasseln wat er tvill, mien Voder, der wählt doch Albert Schmidt und wenn er ook in Gommern sitt." Die OrdniingSbrüdcr— nationalliberal-koiiservativ-autisemitisch— scheinen sich jetzt auch für die politische Gleichberechtigung der Frauen zu erwärmen. Als unsre Parteigenossen kürzlich ans dem Lande Fing- blätter verbreiteten, begegneten sie Frauen, die Flugblätter für Placke austrugen. Sollte' sich Herr Placke verpflichtet haben, im Falle seiner Wahl einen Antrag auf Erteilung des Reichstags- Wahlrechts an die Frauen zu stellen? Gemeindcwahlc». Bei den Bürgerausschiisttvahle» in Königs« dach(Baden) wurden in der dritten Klasse 14 Parteigenossen mit über- groster Mehrheit gewählt. Für Hessen- Nassau hat eine damit beauftragte Kommission den Entwurf eines Gcmeiiidc-Wahlprogramms ausgearbeitet und stellt ihn jetzt zur Diskussion. Der Entwurf lehnt sich au die schon bestehenden Programme dieser Art in andern Landesteilen an. Parteiprcsse. Die Hamburgischcn Parteigenossen beschäftigten sich am 2. Februar in einer gemeinschaftlichen Versaminluiig der socialdemokratiichcn Vereine mit der Frage der Verbilligting des „Hamburger Echo". Das Blatt kostet gegenwärtig 36 Pf. pro Woche. Die Schlcnderkonkilreiiz der billigen„parteilosen" Klatsch- blätter, die schon für 50 Pf., ja für 40 Pf. pro Monat frei ins Hans geliefert werden, hat bewirkt, daß das„Echo" seit 1893 keinen Zu- wachs an Abonnenten erlangt hat, obwohl die Einwohnerzahl des Verbreitungsgebiets seit dieser Zeit um circa 80 000 gewachsen ist. Die Parteigenossen glauben deshalb, durch Herab- sctzung des Aboimcmeutspreiscs einen Fortschritt zu erzielen. Von den Ärcisvorständen ist der Vorschlag gemacht worden, den Preis auf 30 Pf. die Woche herabzusetzen. Da aber dabei gleichzeitig eine Reform des Kolportagcwcsens in Frage kommt, wofür die Vorstände ebenfalls detaillierte Vorschläge gemacht haben, so wird die Angelegenbeit kompliziert und komite daher auch in der ersten Versammlung nicht erledigt werden. Es wird deshalb dem- nächst eine zweite Versammlung veranstaltet werden. Der socialdemolratische Wahlkreis für I morgen von S— 9 Uhr im Bureau bei Pinzer, bei Verlust des Schluß- Wahlkreis hatte im vorigen Jahre stempels, vorzulegen. Auch findet daselbst in dieser Zeit � und an 17 224 M., worunter jedoch 5470 M. Wochentagen abends von 6—7 Uhr Auskunftserteilung über die Kalender sind. Die Ausgabe betrug Lohnbewegung statt. Die Lohnkommission. Pnrtei-Organisatio». den ersten Hainburgischen eine Gesamteinnahme von für„Wahren Jakob" und 15 140 M. Totcnliste der Partei. In L ö h n i tz im sächsischen Erzgebirge starb im 79. Lebensjahre der Genosse Wilhelm N v tz e l, der seit An fang der sechziger Jahre in der Parteibewegung gestanden hat. Freiwillig ans dem Leben geschieden ist in Glauchau in Sachsen der Genösse Julius D i e tz s ch. Er war Fabrikweber und ist infolge schlechter wirtschaftlicher Verhältnisse schwermütig geworden. In F o r ch h e i m sBadenj starb das Biirgeransschnßmitglied Gcnos Joseph Kästner. Alle drei waren wackere Kämpfer, die stets ihre Kräfte in den Dienst der Partei stellten. Tie Folge» dcö Unfalls, den der Abg. Molkenbuhr au dem Wege zum Reichstag erlitten hat, haben sich leider so ver- fchlimmert. daß er sich ins Krankenhaus begeben nmßte und daß eine Heilung vor mehreren Wochen nicht zu erwarten ist. Tie Stichwahl i» Waremme(Belgien) ist zu Ungunsten unserer Parteigenossen ausgefallen. Gen. MahsmanS wurde mit 760 Stimmen Majorität von dem Kandidaten der Klerikalen ge schlagen. Dies Resultat konnte nur erzielt werden durch das Ein treten der Liberalen für den klerikalen Kandidaten. Polizrilichrs, Gerichlliches ust». — Zu LO M. Geldstrafe wurde in Dessau Genosse Günther. Redacteur des„VolkSblatts", verurteilt, weil er eine schmutzige Handlung, welche der verabschiedete Lieutenant v. Oppel-Bronikowski eines Nachts im„Hosjägcr" zu Vernbnrg nach eigenem Geständnis vornahm, in Worten den Lesern mitteilte, welche wörtlich so in der Anklageschrift standen, ja mehr noch, welche er, um Kindern und Mädchen die Sache unverständlich zu machen, durch Bezeichnung des Hauptbcgriffs durch den bloßen Anfangsbuchstaben B. ab geschwächt hatte._ Der Streik der östreichischen Berg- arbeiter. > Aus Wien wird uns vom 4. Februar geschrieben: Es scheint. daß es der Regierung nun gelungen ist,' den Widerspruch der Ostrauer Unternehmer zu biegen. Nachdem sich der gestern ab gehaltene Ministerrat sehr eingehend mit dem Streik beschäftigt hatte, berief Herr v. Körbcr die Ostrauer Gcwerke zu sich Von den da„maßgebenden" Personen erschienen Herr v. Gul mann, dann Hofrat Faitfeles für die Nordbahn, Herr Walchcr für die erzherzoglichen Gruben und ein Graf Deym für die Larischschen Werke. Herr v. Körbcr hatte nun die Protze» in seinem Zimmer und er scheint ihnen da ernstlich ins Gewissen gc redet zu haben. Denn die Ge werke lassen ihren ab weichenden Standpunkt fallen. Bekanntlich wurden die Verhandlungen vor dem EinigungSamt vorige Woche abgebrochen, weil die Gclverke erklärt hatten, erst dann in sachliche Verhandlungen eintreten zu wollen, bis die Arbeiter die Arbeit aufgenommen haben werden. Diesen ebenso absurden wie perfiden Standpunkt verlassen nun die Herrschaften und er klären sich bereit, in sachliche Verhandlungen über d i Forderungen der Arbeiter zu treten. Das Einigungs amt dürfte also bereits Dienstag neuerlich zusanimentrcten, und die Verhandlungen— die ersten in diesem grandiosen Kampfe!— werden beginnen. Freilich, zu einer Einigung ist der noch weit. Die Gewcrke lassen erklären, daß sie. wohl in der Lohn' frage zu Konzessionen geneigt seien, aber die Achtftundeuschicht und Minimallohn verwerfen. Mit ein paar Kreuzer Lohnerhöhung ist aber dieser gewaltige Ausstand nicht zu erledigen I Die Lage des Streiks ist überall dieselbe, und man braucht auch nicht zu fürchten, daß sie sich an denr morgigen Montag einem für Streiks kritischen Tage, verschlimmern könnte. Die Gewalt maßregeln der Behörden dauern an; insbesondere in Böhmen werden die Verfolgungen immer ärger. So sind gestern in Brüx zwei Ar bester wegen„Bedrohung" von„Arbeitswilligen" zu sechs Monate ir schweren Kerkers verurteilt worden. ES ist dies das erste Mal, daß man den Widerstand gegen Streikbruch a l s E r p r e s s u n g deklariert; bis jetzt hat' man sich immer mit dem Koalitionsgesetz begnügt. Daß diese— inchsische Praxis nun auck nach Ocstreich hinübergreift, ist sicherlich ein Beweis. wie die Verwaltnng und die Justiz gleichmäßig sbestrebt sind, den Unternehmern zu helfen. Aber über dieses Schandurteil von Brüx wird man im Parlament schon ein ernstes Wort reden l Die Vorgänge im böhniisch-mährischcn Äohlengcbict rufen das lebhafte Jntcresie auch der deutschen Bergarbeiter wach. Vor allem wollen die hiesigen Bergarbeiter verhindern, daß durch Zufuhr deutscher Kohle die Widerstandsfähigkeit der Grubeninteresscnten in Oestreich gesteigert wird. In diesem Sinn hat der Vorstand des Berg- und Hüttenarbeitcr-Vcrbands seiner Zeit einen Aufruf an die Bergleute erlassen. Die Braunkohlenwerke in Zeitz und Weißcnfels haben, wie das von deutschen Unternehmern gar nicht anders zu erwarten war, dieser Stimmung ihrer Arbeiter keine Rechnung getragen und die Ausfuhr von Kohlen nach Ocstreich fortgesetzt. Infolgedessen droht für diese» Bezirk der Ausstand. Auch in dem sächsischen Kohlenrevier Oclsnitz— Lugan— Z w i ck a u ist eine rege Stimmung für die Geltendmachung einer Lohnforderung vorhanden; die Bergarbeiter wollen allem Anschein nach die günstige Gelegenheit zu einer bessern Gestaltung ihrer Arbeitsverhältnisse ausnützen. Wie uiiS tclegraphisch gemeldet wird, haben die Bergarbeiter dieses Reviers am Sonntag beschlossen, folgende Forderungen zu stellen: Zehn beziehuiigsweise 20 Proz. Zulage im Schichtlohn, mindestens 40 Proz. höhere Ausbeute im Gedinge(Accordarbeit). Achtstündige Schicht. Die Sympathie mit der Lohnbewegung der östreichischen Berg arbeiter ist in der deutschen Arbeiterschaft allgemein, der Verband der „Berg- und Hüttenarbeiter" hat bereit» in zwei Raten je 1000 M abgesandt und eS stellt auch den im Verband christlicher Berg- arbeiter Organisierten ein gutes Zeugnis aus, daß in der letzten Nummer des„Bergknappen", dem Vereins'organ dieserOrganisation.zum Sammeln freiwilliger Beiträge aufgefordert jwird. Diese verändert« Stellungnahme zu Streiks ist beachtenswert, hatte mn» doch lange Zeit die christliche» Bergarbeiter nur auf eine friedliche Verein darung vertröstet. Der Picsberger Streik hat den He/ en eine andre Auffassung eingeprägt und ihnen gezeigt, daß der> J>Ie Wille der Unternehmer eine sehr seltene Erscheinung in der Arbeiter- bewegimg ist. �* Wie», 5. Februar. Den Blättern zufolge dürfte der Ausstand im Ostrau-Karwiner Reviere durch weitgehende Konzessionen der Gcwcrle bald beigelegt sein. Das Einignngsamt tritt heule oder morgen zusammen. Man erhofft einen günstigen Erfolg desselben, da beide Parteien zu einem gütlichen Vergleich bereit sind. Vcrli» und iinigcgeud. An die Kleber(Tapezierer). Durch Beschluß einer Vcrsamm- lung, die am 4. Februar tagte, haben die Kleber Berlins bekundet, daß sie gewillt sind, in eine Lohnbewegung einzutreten. Den Zeit- Punkt zu bestimmen, soll der am Donnerstag, den 8. Februar, statt- findenden Versammlung vorbehalten bleiben. Zu dieser Vcrsamm- lung erbitten wir die Beteiligung aller Kleber. Ferner sind, soweit dies noch nicht geschehen ist, die Karten zum Reservefonds zu entnehmen und die erforderlichen Marken zu kleben. Der späteste Ab- rechnungsteriniii ist der nächste Sonnabend. DaS Bureau ist bei Pinzer, Schützenstraße 18/19, geöffnet von 6—7 Uhr abends. Sonntags von 10—12 Uhr werden in den Zahlstellen Meldungen ent- gegengenommeu. Arbeitslose haben ihre Karte jeden Sonnabend- Der Streik der Korbmacher in der Grllnbranche für Berlin und Umgegend dauert fort. Die Situation der Ausständigen ist eine günstige, so daß ein Mißerfolg vollständig ausgeschlossen ist, wenn die Kollegen außerhalb möglichst darauf achten(besonders gilt dies für Trebbin, Kötschenbroda und die Provinzen Schlesien und Sachsen) keine Arbeiten für Berlin und Umgegend anzufertigen. Eine Einigung hat sich bisher nur mit 3 Arbeitern herstellen lassen und es haben dort die Korbmacher die Arbeit aufgenommen. Im Ausstand befinden sich»och 60 Mann. Es wird deshalb ersucht, den Zuzug fern zu halten. Das Streikkomitee. Die Sattler der Firma Z e n d e r. Berlin, Alexandrinenstr. 25, befinden sich in Lohndifferenzen. Da man aus Breslau und Leipzig Ersatz anzuwerben trachtet, so werden die Sattler dieser Orte be- sonders gebeten, den Zuzug fernzuhalten. Die Agitationskommission. Die Sattler haben den Streik bei der Firma Pitter, Dresdenerstr. 35, für beendet erklärt, dagegen soll die Sperre über die Werlstatt mit aller Entschiedenheit durchgeführt werden. Es werden deshalb die Sattler gebeten, bei der Firma nicht in Arbeit zu treten. Deutsches Reich. Der Bcrgarbeiter-Streik im Wiirmgcbiet(Aachen) wird in der bekannten Manier von der„Kölnischen Zeitung" und der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung" als ein Werk aufhetzender Thätig- keit bezeichnet und besonders der Genosse Schröder dafiir� verantwortlich gemacht, der im Auftrage des„Berg- und Hütten- arbeiter-Verbandes" diese Thätigkeit ausgeübt haben soll. Das Organ des Berg- und Hllttenarbeiter-Vcrbandes, die„Berg- und Hütten- arbciter-Zcitung", bemerkt dazu: „Das ist von A bis Z gelogen! Schröder ist eigcnS im Wurmgebiet gewesen, um die aufgeregten Bergleute vor dem Ausstände zu warnen'. Er hat hingewiesen auf die Schwäche unscer Kaffe, die nicht für Strcikunterst'ützunq eingerichtet sei. Zudem nähmen die östreichischen Bergleute alle Kräfte in Anspruch. Schröder ist 14 Tage lang in, Revier gewesen, hat an allen Orten in vertrauten Kreisen Vorstellungen gemacht, nicht zu streiken. Aber es war vergebens! Warum war cS vergebens? Weil die Zechenlcitungcn. nachdem die Kandidaten der Bergleute bei der Berg- Gcwerbegerichts- Wahl siegten, nun aufgehetzt durch das„Echo" ünd den„Aachener Volks- frc'und" reinen Tisch macheu wollten mit den kleinen Anfängen der Arbeiterorganisation. Man ließ die Vertrauensleute der Arbeiter zu sich kommen, schüchterte sie mit Drohungen ein, ja man entließ 4 Bergleute, die das Verbrechen begangen, sich zu orgauisierc». Es ist einfach ein Skandal, wie heute in Deutschland das Vercinsrecht der Arbeiter mit den Füßen getreten wird. Wehren sich die Getretene» dann, so fällt die Preßmeute des Kapitals über uns her, behauptet wir hätten gehetzt, wir seien die Schuldigen, ivir ivolltcu den Ausstand. Diese Nichtswürdigkeiten finden weiteste Vor- brcitung, der gemaßrcgelte Arbeiter wird bei all' seiner Bedrückung noch ins Unrecht gesetzt, wenn ihm die Galle überläuft. Um keiner andren ursprünglichen Ursache willen als wegen der Maßregelung der Organisierten ist der Ausstand entstanden. Eine Schmach ist'es für Deutschland, daß seine arbeitende Bevölkerung zur Verteidigung ihrer ärmlichen Rechte zu den äußersten Mitteln greisen muß. Eine Schmach ist es für Deutschland, daß es eine Presse hat. die, anstatt energisch die Vergewaltigung der Arbeiter zurückzu- weisen, noch die Vergewaltiger in Schutz nimmt. So schreibt das große Schmutzloch, die„Kölnische Zeitung": „Mustergültig sind die Wohlfahrtseinrichtungen der Ver- einignngsgcscllschaft auf den verschiedenen Gebieten, die in dem Bestreben gipfeln, ihren Arbeitern den schweren Beruf unter ivie über Tage möglichst zu erleichtern und auch deren Angehörigen iverkthätigcs Interesse zuzuwenden. Wenn deshalb irgend ein Aus- stand unter der Mehrzahl der Arbeiter selbst, ganz abgesehen von der sonstigen Bevölkerung, keine Billigung, sondern strengste Miß- billigimg erfährt, so ist es der gegenwärtig durch einige Hetzer vom Zaune gebrochene und cS steht deshalb zu erwarten, daß sich die Verführten bald ans ihre wahre» Interessen besinnen und zur Arbeit zurückkehren werden." Damit werden die Thatsachen auf den Kopf gestellt! Lese man doch nur die amtlichen Berichte nach über das Aachener Bcrgrevier. Es hat schauderhaft hohe Krankenzifferu, die höchsten Preußens. Die staatlichen Bcrgbcamrcn äußerten sich sehr bedenklich über den Gesundheitszustand der Wurmberglcute. In dem Knapp- chaslS-Kasscnvorsiand herrschen die WcrkSbeamten, Bergarbeiter im wirkliche» Sinne des Wortes gicbt es darin nicht. So erhalten ver- heiratete Kranke ein Krankengeld bis zu 90 Pfennig pro Tag herunter. Gehe man doch hin ins Revier und betrachte die schwächlichen Gestalten der Bergleute, wie sie leben und sterben. Sie bringen de» allergrößten Teil der Kasseneinnahmen auf— und haben nichts zu sagen! Die Löhne sind einfach unglaublich niedrige für die dortigen teuren Verhältnisse. Am besten lehrt uns aber das Herz der Besitzer kennen die Thntsache, daß man, wenn junge Arbeiter abkehren, auch ihre auf dem Werke alt und grau gewordenen Väter entläßt! UuS maugelt der treffende Ausdruck für eine solche„Muster- gültigkeit." Nach den einlaufenden Berichten dürfte der Streik schon im Rückgänge sich befinden, da auf einigen Gruben die einfahrende Belegschaft sich ivicder vergrößert hat. Der Mangel einer Organi- satio'n macht sich stark fühlbar. Die Handschnhnmcher in Neuhaidensleben haben im wesentlichen ihre Forderungen durchgesetzt und sind die Differenzen damit beigelegt. Der Streik der KoufekttouSarbciter in S p e y e r ist beendet. Die Arbeiter erzielten eine Lohnzulage von 10 Proz. «»öland. Die Pariser WcltauSstcllnng wird auch einen Pavillon ent halten ftir die Gewerkschaften und Kooperativ-Genosscnschaftcn. Die Kammer hat für Transport, Aufstellung der Objekte, die von den Arbeitern ausgestellt werden sollen, ans Antrag des Handclsministers 200 000 Fr. beivilligt. Weitere 200000 Fr. zahlt der Staat zu den Kosten des Pavillons selbst._ Der Krieg. Die Londoner SonntngSblätter brachten Nachrichten ans Durban, wonach General B u l I e r in der Nackt zun, 2. d. M. den T u g e l a wieder überschritten habe und auf Ladysmith anrückte. Die viel- lunkcrndr„Daily Mail" erklärte bereits, auS Pietemiaritzburg er- ahren zu haben, daß Bullcr„sich zweifellos den Weg nach Ladysmith gesichert habe". Diese neuesten Hoffnungen der Engländer werden aber im Entstehen schon geknickt durch ein Londoner Telegramm vom Montagabend: DaS„Reutersche Bureau" erfähtt, daß im KriegSamt absolut keine B e st ä t i g u n g deS Gerüchts eingetroffen sei, nach welchem General Buller den Tugela wieder überschritten habe und auf Ladysmith marschiere. ES deute im Gegenteil alles darauf hin, daß die Lage an der Front ruhig und keine so- fortige Belvegung zu erwarten sei. Bezüglich der Meldung, daß die Geschütze deS Generals Buller in Ladysmith hörbar gewesen seien, wird angenommen, daß eS sich um Schieß- Übungen mit soeben an der Front eingetroffenen neuen Batterien handle." Ueber ein unbedeutendes Vorpostengefecht meldet das Reutersche Bureau auS SpearmanS Camp vom 8. d. M.:„Der Feind feuerte heute von den Hügeln auf einige Schwadronen berittener Infanterie, welche rekognoscierten. Verluste sind nicht zu verzeichnen. Die Boerc» fahren fori, das Gras auf der linken Seite des Monnt Alice zu verbrennen, um die Beobachtung deS Vormarsches unsrer Truppen zu ermöglichen."_ AuS Ladysmith wird vom 4, Februar gemeldet: Gestern wurde hier das Feuern der schweren Geschütze Bullers gehött.(Es waren nur Schießübungen.) Die Boeren stehen wieder in Massen bei Ladysmith und bringen noch eine Kanone nach dem Snrprisc-Hügel. Man ist hier zum Empfang der Boeren bereit, falls sie einen neuen Angriff wagen sollten; cS ist alles wohl. „Daily Telegraph" schreibt: Die Beschießung von Ladysmith dauert fort; sie ist aber unerheblich und richtet nur ganz geringen Schaden an. Bei Tag und bei Nacht werden zwischen den Lagern Bnllers und WhitcS häufig Mitteilungen ausgetauscht. Gemäß den Anordnungen Bullers und der maßgebenden Militärbehörden begleitet eine große für die Truppen in Ladysmith bestimmte Proviantkolonne die Entsatztruppen. Boeren im Zululande. Das„Reutersche Bureau" meldet aus Durban vom 3. d. M.: Die Regierung hat durch einen eingeborenen Läufer die Nach- richt erhalten, daß die Boeren Nqntil, den Sitz eines VerwaltungS- beamten im Znlnland, am 31, Januar angegriffen haben. Die Boeren, welche Artillerie führten, zwangen den Beamte», sich zu er- geben. Wie verlautet, wurde der Beamte und sein Stab gefangen genommen. Böse Zeiche». Der„Standard" meldet ans Durban vom 3. Februar:„Die Durbaner Zeitung„Weekly Review and Critic" ist auf An- ordnung des Kommandanten, Kapitän Percy Scott, wegen eines Artikels, in welchem Bnllers Verhalten im Fcldznge scharf kritisiert wird, unterdrückt worden. Die Burcans des Blattes wurden ver- schlössen und die Schlüssel von den Beamten in Verwahrung ge- nomlnen. In der Nähe vonKapstadt wurde auf eine englische Truppcnabteilnng geschossen. In englischen Regicrungskreiscir ruft dies große Besorgnisse hervor, weil dadurch der Beweis ge- liefert sei,' daß die Auflehnung bereits große Dimensionen an- genommen habe. Stellungnahme der Amerikaner? New-Dork, ö. Februar. In verschiedenen Städten der Ver« einigten Siaatcn wurden gestern Versammlungen abgehalten, die sich gegen Englands Politik aussprachen. In der„Academy of Music" zu New Dort sprach Miß Maud Gönne vor einer ge- waltigen, hauptsächlich aus Iren bestehenden Zuhörerschaft. Sie verurteilte schärfstenS Englands Politik und erklärte. eS sei jetzt d i e Zeit für die Iren gekommen, die Kettcn abzuwerfen. In einer Versammlung zu Buffalo bezeichnete der Führer der Heilsannee Bcllington Booth den Krieg in Südafrika als den un- gerechtesten, auf den je die Sonne geschienen habe. In einer behufs einer Sympathiekundgebung für die Boeren ein« berufenen und von etwa 3000 Personen besuchten Versammlung zu Baltimore hielten Mitglieder des Kongresses und andre hervorragende Persönlichkeiten Ansprachen, die jnbeld aufgenommen wurden. Für den Boeren- Unterstützlingsfonds wurden mehrere hundert Dollars gezeichnet. Der frühere Sekretär des Kricgsdepartements A l g e r erklärte in einer Unterredung mit einem Berichterstatter, daß er die Ein» Mischung namhafter amerikanischer Persönlichkeiten in die süd- afrilanischen Angelegenheiten niisjbillige. Er gedachte ferner mit größter Dankbarkeit der ivertvollen Freund- s ch a f'r Englands während des spanisch-amerikanischen Kriegs und machte B r y a n den Vorwurf, daß er zur Förderung seiner eigenen politischen Interessen eine antibritijche Stimmung im Lande hervorzurufen suche. Letzte Meldungen. Kapstadt, 5. Februar.(Meldung des„Renterschen BnreanS.") Nachfolgendes Telegramm ist hier ans Raauwport eingegangen: Hier in Reusburg und Hanover Noad herrscht große Thäligkeit wegen der Thatsache, daß eine starke Abteilung Infanterie abge- sandt wurde, nm von Norvals Port Besitz zu nehmen. Die Kavallerie, welche die Anfklärung dnrchgefiihrl hat, ist zurückgezogen worden, um die jrühcrc» Verluste wieder cinznbringcir.— In Kapstadt sind ferner Nachrichten eingegangen, daß die Boeren ColcSberg thatsächlich eingeschlossen haben. Alls iltlll englislhen Iktechus. London, 5. Februar. William Nedmoud fragt an, ob Balfonr irgend welche Schriftstücke vorzulegen oder Mitteilungen z» machen habe, betreffend die Unter« Handlungen über eine Tvipelalliance zwischen England, A m e r i k a und Deutschland, von der Chaniberlain zu Leiccster im Novcinbcr vorigen Jahres gesprochen. Balfonr erwidert, daß eine derartige Mitteilung niemals von Chamberlain gemacht worden sei. C b a in b e r l a i n wendet sich gegen Harcourts Rede, deren Ton und Art er in der gegenwärtigen Lage unangebracht findet.„Die Lage", fährt Redner fort,„ist zweifellos ernst, aber ich glaube nicht, daß daS Land in Gefahr ist. Ans feiten der überwältigenden Mehr- heit im Lande besteht der Wunsch, daß jeder Nerv angespannt werden soll, um den Krieg zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Harconrt, der sich an alle gewandt hat, die in diesem Krieg gelitten haben, aber auch an die Zu» schauer im Ausland, hat eine kritische Prüfung vorgenommen, bei der er alles, was wir für wichtig halten, beiseite gelassen hat, nm allen klar zu machen, daß dieser Krieg unmoralisch(Beifall bei den Iren) und ungerecht sei(erneuter Beifall bei den Iren), daß alle Opfer weggeworfen seien, und er findet Argumente für jene, die sich am Mißgeschick Englands weiden.(Beifall bei den Ministeriellen.) Das Haus ninimr alsdann die Debatte über das Amendement Fitzmaurice zum Adreßentwnrf wieder auf. Sir William Harconrt fuhrt aus, der Krieg sei eine Folge der Politik der Jahre 1881 bis 1895. DaS große Unglück sei, daß nian Leute um Rat gefragt habe, die auf der Seite der von den Urhebern des Jamcsonschen Einfalls bewohnten Straße ständen. Chamberlain unterbricht den Redner mit der Frage, ob er sagen wolle, daß die von ihni erwähnten Personen vom Kolonialamt befragt worden seien. Harconrt envidert, er habe gefragt, ob die besten Beurteiler Afrikas gefragt worden seien und habe gesagt, es seien nicht die besten Beurteiler gewesen, die man befragte.(Gelächter.) Harconrt fährt sodann fort, die militärischen Vorbereitungen hätten sich auf die Mißachtung des Charakters und der Hilfsquellen der Boeren gegründet. Uetzke Llarhvichkett und Dopefchrn. Kiel, 5. Februar.(W. T. B.) Die hiesige Handelskammer be- schloß einstimmig, eine Eingabe an den Reichstag zu richten, in welcher um Annahme der Flottendorlage gebeten wird. Krailöheim, 5. Februar. sW. T. B.) Vier Knaben ans Lautenbach brachen beim Schlittschuhlaufen im nahen Storchweiher ein und ertranken. Wien, 5. Februar,(v. H.) Die heutige BerständigungS- konferenz unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten v. Körber dauerte von 2 bis 4 Uhr und hatte lediglich einen informatorischen Charakter. Vertreten waren alle gemäßigten Parteien auS beiden Lagern. Wien, 5. Februar.(B. H.) Meldungen polnischer Blätter zu« folge wurden sämtliche Landcöchcfs angewiesen, alle Vorkehrungen zu treffen, daß erforderlichenfalls die Neuwahlen für de» Reichs- rat binnen sechs Wochen gänzlich durchgeführt werden können. Paris, 5. Februar.(B. H.) Ein Telegramm vom Senegal berichtet, daß der Gouverneur von Westafrika einen Automobil- wagen-Dienst für den Transport von Reisenden und Waren inauguriert hat. Die Wagen legen 15 Kilometer in der Stunde zurück. Buenos Aires, 5. Februar.(W. T. B.) Gestern kamen hier 219 Fälle von Sonnenstich vor, von denen 134 einen tödlichen Ausgang nahmen. Verantwortlicher Redactcur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu% Beilage« und Untrrhaltvngsblatt« ». 8«. u. Ktilize des Lmiilts" Kttliin WMM DM»° am A.bgeo�dneionhaus» 16. Sitzung vom S. Februar, 11 Uhr. Am Ministertifch: Brefeld. Ohne Diskussion werden zunächst in zweiter Lesung b c willigt die Etats des Kronsideikommis- Fonds der Landesvermessung und des Ministeriums f Ü auswärtige Angelegenheiten. Beim Etat der Lotterie-Ber Wallung regt Abg. Dr. Arendt sfk.) erneut an. die prenhiiche Verweliung möge doch endlich dahin wirken, dast der Bielgesialligkeit des Lollcric wc'eirs im Deutschen Reiche ein Ende bereitet werde. Ter richtigste ??eg wäre der Ucbergang aller einzelstaallichen Lotterien auf das buich. Er persönlich zweifle nicht an der Durchführbarkeit dieser Idee. Unterstaatssekretär Lchncrt erkennt an. dag der heutige Zustand viele llnaimehmlichkeiten mit sich bringe, aber cS sei sehr schwierig Abhilfe zu schassen. Den Versuch dazu habe die preußische Re gicrung wiederholt gemacht, sie sei aber immer auf Widerstand gc stoßen. Gcgcnivärtig schwebten wieder Verhandlungen mit dem Reich, aber er könne nicht jagen, ob der Erfolg diesmal ein andrer sein werde. Abg. Pleß(G.)[ficht schwer vcrstäudlichs tritt für A b s ch a f f u n g aller Lotterien ein. Abg. Rickcrt sfrs. Vg.) will den Gedanken der Schassung einer Rcichslottcrie nicht unwidersprochen lassen. Er hoffe, der Reichstag werde zu einem solchen Projekt niemals seine Zustimmung erteilen. Abg. Dr. Frh. v. Hccrcman sC.) kann bei der Aufhebung aller Lotterie» kaum den richtigen Ausweg sehen; eS würde dann nur um so mehr dem geheimen Spiel gefrohnt lvcrdcir. Der Etat wird hierauf bewilligt. Nach Erledigung einiger weiterer EtatStitcl wird die Donnerstag abgebrochene zweite Beratung des Etatö der Berg-, Hiittcn- nnd Salincnvcrwaltnng fortgesetzt.— Die Diskussion über daS Äapitcl„Bergwerke" dauert noch fort. Abg. Dasbach[C.) bemängelt es, daß nicht überall die Berieselung der Berg werke in ausreichendem Maße vorgenommen werde. Ju dein jetzt vorliegenden Bericht üvcr die Untersuchung der Ursachen des Grubcnunglücks ans der Zeche„Borussia"' bei Dortmund sei wieder einmal hervorgehoben worden, daß die Bc- r,cscluugsaulage mangelhaft gewesen sei.— Auf der Zeche „Unser Fritz" seien bei einer Revision skandalöse lieber» s ch r e i t n n g e n der bergpolizeilichen Vorschriften konstatiert worden; man habe dort jugendliche Arbeiter bis zu acht- zehn Stunden täglich beschäftigt und das durch Radierungen auf den ArbcitSzcttcln nachträglich zu cachicrcn gesucht. Eine wirksame ilontrolle der Durchführung der bergpolizeilichcn Borschristeu lasse sich nur durchführen, wenn die Arbeiter durch Delegierte dabei beteiligt würde». Der lviiiiistcr befürchte. damit wurde die s o- c i a l d c m o i r ali s ch e Agitation gestärkt werden; aber wie sich in der Industrie dieS bei den ArbeiterauSschüssen nicht bewahrheitet habe, so werde es auch bei den Bergarbeitern nicht zutreffen. Auch Socialdemokraten könnten übrigens ganz vernünftige Ansichten haben, Ivo es sich um Verhütung von Unfällen handle. Gerade die Gruben- besitzer sollten sich der Einstellung von Arveiterdelegierten nicht länger widersetzen, denn heute würde vielfach behauptet, es unterblieben viele Schutzmaßnahmen lediglich, um höhere Tantiemen für die Direktoren und Anfsichtsräto zn erzielen. Abg. Dr.«chultz-Bochnm siratl.) sauf der Tribüne sehr schivcr verständlich) hält im Interesse deL Friedens unter den Bergleuten die Zuziehung von Arbeiter- delegierten zur Bergaufsicht nicht für ratsam. Man möge nicht mit dem Feuer spielen. Die Ucberschichten auf der Zeche„lliner Fritz" seien durch den Wagenmangel nottvendig geworden, die Arbeiter selbst hätten die verstärkte Förderung gewünscht, um höhere Löhne zu erzielen. Ei» socialdcmolratischcr Rcdacteur habe behauptet, daß die Bcrgbcamteu sich Unregelmäßigkeiten hätten zn Schulden kontmcn lassen. Das Gerickst habe aber in dem Erkenntnis aus- drücklich als erwiesen angenommen, daß in allen in Frage ge- kommeneu Fällen ein Verschulden der Arbeiter vorgelegen habe. Nach seiner eigenen Erfahrung kann man bei den Bergarbeitern im allgemeinen nicht die nötigen Vorkcnutttissc in der Physik und Ehcnne voraussetzen, die sie zur Teilnahme an der Bergiusprktion besähigen können. Diese Arbeiter- Delegierten könnten weder für den Arbeit- gebcr, noch für die Arbeiter von Nutze» sein. Minister Brefeld giebt seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß immer noch Uebcr- trctuugen der bergpolizeilichen Vorschriften vorkommen. Es geschehe das vor allem in den Zeiten gesteigerter Produktion, bei Kohlen- not usw. Die Regierung sei aber bestrebt, alle solche Uebcrtrctnugen zur Bestrafung' zu bringen. Das sei auch bei den auf den Zechen„Borussia" und„Unser Fritz" konstatterten Ucber- tretungen geschehen, und er habe eingehende Vorschriften er- lassen, um für die Zukunft solche Unordnungen aus zuschließen. Speciell habe er für die ausreichende Berieseruug der Gruben Sorge getragen. Der betreffende Revierbeamte aber, dem die Aufficht über die Zeche„Borussia" oblag, sei inzwischen durch einen andern ersetzt worden. Auch der Betriebsleiter, der für die Unordnungen verantwortlich war, ist entlassen worden. Eine Aendc ruug in dem System der Bergaussicht sei vor der Hand nicht möglich; zunächst müsse das jetzige System der verstärkten Aust ficht durchgeführt werden, und erst dann könne man über die Zu zichuug von Arbeiterdclegicrten schlüssig werden. In Belgien habe»ian mit solchen zunächst wenig günstige Erfahrungen gemacht, die Arbeiter fänden sich aber allmählich besser in die Sache hinein. Bis abschließende Erfahrungen vorliegen, habe Preußen gar keine Veranlassung, die Sache zu überstürzen. tAcifall rechts und bei den Nationalliberalen.) Abg. Lohmann-Ottwciler(natl.)[schwer verständlich) erkennt an, daß die Regierung alles gethan habe, was in ihren Kräften stand, um die Bergaufsicht ivirksam zu gestalten. Bis in die kleinsten Einzelheiten könnten aber die Polizeiverorönungen nicht festge- legt werden. Gegen eine Beteiligung der Arbeiter an der Gruben- oussicht wolle er sich nicht grundiätzlich aussprechen. Aber es müsse eine Institution nach dem Muster der Gciverbegerichte geschaffen werden, in der ein Arbeiter neben einem Arbeitgeber unter einem unparteiischen Vorsitzenden sitzen müßte. Damit würde verhütet werden, daß die Einrichtung agitatorisch ausgebeutet werde. Abg. Dr. Hirsch sfrs. Vp.) hält eS für ganz unbedenklich. Arbeiter bei der Grubenaufsicht zu beteiligen. Die Bedenken der Gegner seien einfach dadurch zu ivider- legen, daß es ja nicht lauter Arbeiter seien, welche die Aufsicht führen sollen, sondern in Gemeinschaft mit den Beamten. Erfahrene Arbeiter. die mit den Verhältnissen de" Bergbaus hinreichend vertraut seien. seien jedensalls überall vorhanden. Man sollte endlich diesen Wunsch aller Bergarbeiter ersllllcu, und man werde sehen, daß die Ein- richtuu- zum Segen der Bergarbeiter nicht nur, sondern auch des dcutsi Bergbaues ausschlagen werde. Aber auch ein andrer Wuuj der Arbeiter muffe möglichst bald erfüllt werden: Die Verkürzung der Arbeitszeit, vor allem die Beschränkung der Ucber- und Neben schichten. Wenn in Westlalen die achtstündige Schichtdaner möglich gewesen sei, so müsse sie auch in andem Bezirken durchführbar sein. Unter zu langer Arbeitsdauer müsse die Sicherheit des Betriebs leiden, und die meisten Gruben- Unfälle kämen erfahrungsgemäß auch bei zu langer Ausdehnung der Schichten bor. Weiler ersticht Redner die Bergverivaltung, mil dem Bau bau Arbeiterwohnungen in der Nähe der Gruben in schnellerem Tempo vorzugehen. Schließlich weist Redner aus Grund der amtlichen Berichte der Staatsbergwerke nach, daß deren Erträge sich im Jahre 1837/38 um rund 25 Proz. gesteigert hätten; die Arbeitslöhne hüllen dagegen nur eine Sieigerung' von 2 bis 6 Proz. erfahren. Man könne es da den Arbcilern u i ch l v e r- argen, wenn sie weitere Lohnerhöhungen an- strebten. Abg. Jßmer(fk.) entnimmt im Gegensatz zum Vorredner den amtlichen Berickitcu, daß eine ganz wesentliche Sieigerung der Löhne für die Bergarbeiter eingetreten sei. Nach seiner Ansiibt seien die Arbeiter mit diesen Löhnerhöhuvaen durchaus angemessen au der Steigerung des Betriebs- gewinus beteiligt. Die Verkürzung der Schichten lasse sich keineswegs überall so leicht durchführen, wie Abg. Hirsch meine; sie liege oft'aucki gar nicht im Interesse der Arbeiter selbst. Die Verkürzung der Schichten werde nur mil Lohn-Reduzierungen ermöglicht werden können. Da würden die älteren Bergleute jedenfalls lieber eine Stunde länger arbeiten. Was die Bergaufsicht anbetreffe, so gehören dazu beträchtliche theoretische Kenntnisse, die man bei dem einfachen Bergarbeiter nicht borausietze» könne. Dieselben müßten mindestens einen Kursus an einer Bcrgschule absolbieren. Abg. Schmieding(natl.) warnt davor, die Löhue der Berg- arbciter zu spnmglvciie zu erhöhen. Schon jetzt habe die Lohst- erhöhung zur Folge, daß des Montags viele Arbeiter nicht ein- fahren. Abg. v. Bockclbcrg(kons.) spricht sich gegen die Zuziehiuig von Arbeiter-Delcgierten aus, die doch nur agitatorisch wirken würden. Minister Brefeld legt dar, daß die Mehrzahl der Unfälle auf den sogenaunten Stein- fall in den Gruben zurückzuführen sei. Er habe' eine Kommission zur llntersuchung dieser Erscheinung eingesetzt, diese habe jedoch ihre Arbeiten noch nicht beendet. Er hoffe aber, daß sie damit noch in diesem Jahre zu Ende kommen werde. ,h Abg. Feilsch(kons) spricht sich gegen die Einstellung von Arbciter-Dclcgirtcn aus. Auch im Baugelverbe agitiert mau ja jetzt für solche, aber gerade dort müsse er auf Grund seiner Erfahrungen sagen, daß ei» geivöhulicbcr Arbeiter unmöglich das Maß von theoretischen Kennt stissen besitzen Ivuue, das zur Ausübung einer sachgemäßen Aufsicht notwendig sei. Die ganze Einrichtung' solle nur der social- demokratischen Agitation' dienstbar gemacht werden. Das wollten seine Freunde verhütet wissen. Zu Coutrolcuren eigneten sich nur linabhängige Leute mit den gehörigen Kenntnissen. Die Arbeiter seien aber nicht unabhängig, sie hingen von ihrer Organisation ab uud würden nur das aussührcu, was diese ihnen vorschreibe. Darauf wird die Diskussion geschlossen und das Kapitel„Bergwerke" b e lv i l l i g t.— Ebenso debattclos die Kapitel„Salzwcrke",«Hütten",„Badc-Anstalten" uud Werke, welche mit andern Staaten gciuciuschaftlicb betrieben werden. Sodann wird die Weite rberntung bis Dienstag 11 Uhr vertagt.—(Außerdem Etat der Handels- und Gewerbe'- Verwaltung.) Schluß 4 Uhr._ Ans Amerika. New Pork, 20. Januar 1306. Uusre Ncpräsciltanten im. Kongreß beiluden sich mitten i» der P h i I i p p i u c n- D e b a t t e, welcher jedoch vom Publikum nur zeitweise eine geivisie Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Form, in welcher dergleichen Dinge im Kongreß erledigt werden, besteht in dein Einreichen irgend eines Antrags oder einer Ncsolutiou. Dieselbe kommt nun aber keineswegs sofort zur Erledigung, indem hinter- einander darüber diskntierr und dann abgestimmt wird, sondern sie bleibt wochenlang auf der TagcSordinln'g, wird gelegentlich, wenn der eine oder andre darüber spreche» will, hervorgeholt und dann wieder weggepackt,— während inzwischen fortwährend andre Geschäfte besorgt werden,— bis endlich das Haus sich überzeugt, daß genug darüber geschwatzt worden ist. Daun wird Tag uud Srunde bestimmt, wann eine Abstimmung stattzufinden hat. Inzwischen aber hat das Volk Gelegenheit, die Ansichten seiner verschiedenen Vertreter kennen zu crnen. Kommt einer derselben nicht zum Wort, iveil vorher .Schluß der Debatte" in oben beschriebener Form angenommen worden ist, so erbittet er sich oft— uud erhält auch— die Erlaubnis. seine nicht gehaltene Rede im amtlichen stenographischen Kongreßbericht zu veröffentlichen, die er dann als privilegierte porto- freie Sendung an seine Wähler verschickt. Die Philippiucn-Dcbatte fördert nur insofern Neues zu Tage, als sich immer deutlicher herausstellt, lvie die Eroberung der Philippinen von lauger Hand vorbereitet gewesen ist. Was jedoch die Gründe für oder gegen Annerion der Inseln betrifft, die natürlich mit denjenigen für oder gegen„Expansion" und„Imperialismus" zusanimensallen, so ist bisher uichls gesagt worden, was wir nicht schon ein Dutzend Mal gehört hätten. Höchstens daß die Frechheit der Jingos, welche die Eroberung der Philippinen a»S keinen: andern Grunde, als weil sie ein köstliches Nanbobjekt bilden, empfehlen, noch größer geworden ist, als früher. Im übrigen ivciß jedermann, daß das Problem ganz im Sinne der kapitalistischen Politiker, welche hinter Mac Kinley stehen, gelöst werden wird. Ein viel größeres Interesse, als die Philippinen-Politik der Regierung, erregt beim Publikum eine andere Angelegenheit, welche sich im Kongreß abspielt und sich jetzt der Entscheidung zuneigt. Ehe das Mormoncn-Territorium Utah im Jahre 1836 als Staat zur Union zugelassen ivurde, waren schon eine große Anzahl Christen anderer Couleur � von den Mormonen„Gentilos" gc- nannt— in das von den Mormone» fruchtbar gemachte Gebiet ein- gewandert. Damit begann dann eine energische Agitation gegen die Vielehen der Mormonen. Ehe nun Utah Staat wurde. kam man — wenn auch nicht in formeller Weise, weil das einer offiziellen An- crkciinung des Instituts der Vielehen gleichgekommen wäre— überein, daß alle die Taufende von bereits abgeschlossenen Vielehen, die man doch nicht auslösen oder deren Teilnehmer man doch nicht als Bi- resp. Trigomisten bestrafen konnte, stillschweigend geduldet, weitere aber nach den allgemein gültigen Gesetzen behandelt werden sollte». Tie Teilnehmer solcher bereits bestehenden Vielehen wurden nun auch keineswegs in ihren politischen Aspirationen geschädigt: im Gegenteil wurden viele von ihnen vom Präsidenten als Vereinigte Staaten-Beamt«(also nicht nur als Beamte des Staats Utah) bestätigt. Nun begab eS sich, daß bei der letzten Herbstwahl ein achter nnd rechter Mormone, mit drei lebenden Frauen,— allerdings sänitlich vor Eintritt Utahs als Staat in die Union gefreit,— Brigham H. Roberts, als Vertreter Utahs in das Repräsentantenhaus des Kongresses geivählt wurde. Man kann sich denken, daß darob das gesamte kirchliche Element in den Vereinigten Staaten in sittliche Entrüstung geriet. Ein Petitionsswrin ohne gleichen wurde in Scene gesetzt, sieben Millionen Unterschriften,„männlichen und weiblichen Geschlechts", ge- ammelt und der im letzten Dezember zusammengetretene Kongreß aufgefordert, den vielbeweibten Roberts unter keinen Umständen zuzulassen. Run sind sowohl Senat wie Repräsentantenhaus in Washington alleinige Richter über Zulassung ihrer Mitglieder.— natürlich gemäß den Vorschriften der Konstitution. Diese letztere schreibt gewisse Qualifikationen vor, welche die Gesetzgeber, in diesem Falle die Mit- glieder des Repräsentantenhauses, besttzm müssen: ein gewisses Alter. das Vereinigte Staaten-Bürgerrecht uud«in« Beglaubigung der betreffenden Behörde des Staates, für welchen der Repräsentant gewählt ist, daß leine Erwählung eine ordnungsmäßige war. Alle diele kcnstituticnellen Oualisikationcii besitzi Roberts, nach einstimmigem Zeugnis des für dieie Angelegenheit eingesetzten Unterluchnng?- Komitees Aber Kenstitution hin, Konstitution her! Handel! es sich doch um Millionen pon Stimmen, welche man verlieren könnte, wenn inan der Konstitution folgte. Und so empfiehlt das Untersuchungskomilee mit fiins Stimme» gegen zwei, daß Roberts nicht zugelassen werden solle. Und das Haus ivird zweifellos in nächster Woche dem entsprechend enlicheiden. Die zwei dissentierenden Stimmen verlangen, daß Roderts zugelassen, dann aber als„Verbrecher" ausgeschlossen werde. Das Verweigern der Zulassung ersorderl nur eine einfache Majorität, der nachherige Ausschluß aber eine von Zweidritteln. Das Komitee will alio sicher gehen. Geschieht nun das Erwartete, so ist damit ein Präzedenzfall geschaffen. dessen Bedeutung»och nicht abzusehen ist. Denn u. a. mag auch ein Mensch, welcher„die Grundlagen der Gesellschaft" uniergraben will als„Verbrecher" angesehen und nicht zugelassen iverden, trotzdem er alle konstitutionellen Qualifikationen zum Repräsentantc» besitzt.— Neulich ist das Resultat einer eingehenden Untersuchung Sach- verständiger über den Anteil, welchen die A r b c i t e r an der angeblich allgenreinen Prosperität genießen, veröffentlicht ivörden. Danach sind seit Jahr und Tag die Arbeits- löhne inr Durchschnitt um etwa fünf Prozent ge- stiegen, dagegen die Preise der notiveiidigcn Lebensbedürfnisse um' etwa 15'Proz. Die Arbeiter würden sich also noch schlechter stehen als früher, wenn nicht die größere«tetigkeit der Beschäftigung gegen früher einen geivissen Ausgleich herbeiführte.— In New Dork wird in nächster Zeit die Nachfrage nach Italienern sehr groß sein. Wir werden jetzt nämlich endlich wirklichen Schnellverkehr erhalten, da„Tamntanh" durch seine Ver- ttcter bei der Sache interessiert ist. Vor ei» paar Tagen ist einem der letzteren der Bau einer elektrischen Untergrundbahn zugeschlagen worden. Diese Bahn wird das ganze lmiggestreckte New Jork ans eine Länge von zirka 15 englischen Meilen durch- lausen, im oberen Teile abgegabelt auf zwei Routen. Die Arbeite» müssen innerhalb 30 Tagen beginnen, die Kosten werden auf 35 Millionen Dollars veranschlagt nnd das ganze gigantische Werk soll in drei Jahren vollendet sein. Die Stadl crhäli einen gewissen Prozentsatz von den Brntto-Einnahmen. Diesmal ist's ernst; und da vraucht man denn Erdarbeiter, was hierzulande mit Italienern fast identisch ist.—_ Socieilvs. Im Zeichen der Barbarei. Uebcr die Anwendung der Prügelstrafe für jugendliche Ucbellhätcr wird der„Social-Äor- rcspoiidcnz" geschrieben: „Während bei jugendlichen Verbrechern die Todesstrafe nicht mehr angelvendet wird, ist dagegen die Aiiwciidiing der Prügelstrafe gerade ihnen gegenüber noch eine ziemlich ver- breitete. Ungesetzlich ist sie jetzt in Frankreich, Italien, Deutsch- laiid. Oestreich-Ungar», Rußland. Schweden nnd der Schweiz. In Norwegen, Dänemark. England, Schottland, Irland und mehreren britischen Kolonien ist sie hingegen strafrechtlich anerkannt. In Nor- wegen kommt die Pcitschnng von Kindern zwischen zehn und fünfzehn Jahren sehr häufig vor. In Dänemark dürfen Mädchen bis zum zwölften, Knaben bis zum fünfzehnten, unter Umständen logar bis zum 18. Lebensjahr gepeitscht werden. Meines Wissens ist Dänemark das einzige„Kulturland", dessen Strafrecht daS Peitsckien von Mädchen ausdrücklich gestattet. 1833 tvncden in England rund ltOUO Kinder, in Schottland 335 Knaben zur Peitschung verurteilt. In Irland und den britischen Niederlassungen dagegen gelangt die Prügelstrafe höchst selten zur Anwendung; in der australischen Kolonie Victoria z. B. wurden zwi'chen 1873 und 1830 inSgeiamt bloß 44 jugendliche Personen ge- prügelt, in Neu-Südwales im Jahre 1830 keine einzige." Es ist kein Ruhm für England, an der Spitze der Kinderprügler zu marschieren. Im TrcSdncr Aerztcstrcik hat die Krcishaupimannschaft zu Ungunsten der Aerzte entschieden. Sie hat änsgesprochen, daß die ärztlichen BezirkSvercine nicht berechtigt sind, ihren Mitgliedern bindende Vorschriften über die Honorarsätze zn machen. Da eine ganze Anzahl Aerzte schon von vornherein bereit waren, die alten, durchaus anständige» Bedingungen der Eisenbahn-BetricbSkasse anzunehmen, so ist der Streit damit auch praktisch beigelegt. Der Erlast eines Wochcnpflcgermnen-Gesetzcs mit bindender Kraft im ganzen Deutschen Reich wird von der Vereinigung der deutschen Hebammen angestrebt, weil angeblich eine Anzahl Aerzte in Verbindung mit der nach alle» Seiten freien Wochenpflegerin die Hebnnuiicn ans den zahlungsfähigen Familien verdrängen. Um den Wochcnpflegcriinicn die Konkurrenz zu erschweren, verlangen die Hebammen in einem dem Reichstage eingereichten Gesetzentwurf strengere Vorschriften über die Vorbildung der Wochenpflcgcrinnen, staatliche Prüfung und Vereidigung derselben, sowie Beaufsichtigung durch den Kreisphysikus. Schließlich wird noch der Wunsch ausgesprochen, daß die Stadt- und Landgemeinden für die ärmere Bevölkerung Gcmciiidc-Wochenpfle erinncn mit einem festen JahrcSgchalt anstellen möchten, die dann auch in die staatliche Alters- nnd Jnbalideiwersichernng aufzunehmen wären.— Leider kann man den Hebammen den Vorwurf nicht ersparen, daß sie ihr berechtigtes Streben nach Verbesserung ihrer wirtschastlichen Lage mit reaktionärem Beiwerk verquicke». So verlangen sie u. a., daß keine Frau zum Hebammen- oder Woäienpflegcrinneu-Bernf zuge- lassen werden solle, die außerehelich geboren habe, sie mag im übrigen noch so vorzüglich für diese schwierige» Berufe be- fähigt sein. Das ist ein durchaus ungerechter und kleinlicher Stand- Punkt. Ein neues UnfallvcrsichernngS-Gcsctz ist dem schwedischen Reichstug von der Regierung zugegangen. Der schwedische„Social- demokratcn" wirft dabei einen Rückblick auf den Sisyphus- Kampf, der bisher in Schlveden um die VcrsicherungSgcsctze geführt ist. In: Jahre 1388 begann die Regierung ans vieles Drängen ans der Be- völkernng und in der Presse ein U n f a l I v c r s i ch c r n n g s- Gesetz für Industrie- Arbeiter auszuarbeiten, daS sie 1830 dem Reichstag vorlegte. Es wurde— abgelehnt von der konservativen Majorität. 1832 teilte ein zweiter,»och schlechterer Antrag dasselbe Los. Nun hatte die Regierung gutes Recht, die Angelegenheit beiseite zu legen und cuvaS anderes vorzimehmen, nämlich die Alters- und I n v a l i d i t ä t S v e r s i ch e r u n g. Dieser Antrag wurde 1835 vorgelegt und abgelehnt. 1838 kam ein ganz kläglicher Entwurf, er ivurde doch abgelehnt nnd schließlich wurde ein völliges Nichts, eine Art Armenimterstützung geschaffen. Nun soll wieder die llnsallversichcrung an die Reihe konimen, aber in einen» Entwurf, der rückschrittlich gegen die früheren ist. Noch 1880 verlangte man obligatorische Versicherung in einer llteichS-Versicherungsanstalt, jetzt handelt es sich nur noch, im ei» paar Paragraphen vo» der Ersatzpflicht der Arbeitgeber bei Unfällen, eine Pflicht, die sie durch eine Barsumme oder eine Leibrente oder durch Rückversicherung bei einer Anstalt erfüllen können. Schon der Antrag von 1830 ließ große Arbeiter- Massen unversichert, bematz die Entschädigung zn gering nnd machte sie von einem zu langen Ermutelungs-BerfaHreii abhängig, jetzt bleiben alle Erd-, Wald- und Scesahrls-Arbeiter ohne Schutz, die höchste Jahresunterstützung vei völliger Erwerbsunfähigkeit nnd höchsten Lohnberhältnisscn beträgt 300 Kr., die Wartezeit 2 Monate. Das ist der Fortichritt in der schivcdischen Socialpolitik, und ob dies Brodsämlein noch bewilligt werde» wird l Dokktles. Die hygienischeu Vortragskurse, welche dl«. Tentralkommission der Krankenkassen Berlins" ocranstalict. nehinen un:er sleigcnder Teilnahme der Arbeiterschaft ihren ungestörten Forlgang.' Am Donnerstag, den 1. Februar, fanden wiederum in vier Gemeinde- schulen Vorträge statt, in welchen con den Herren Dr. R a l! o w s k i. Byk, Löwcnthal und R e h s i s ch das Thema■ Ernährung iRahrmig und Genußinittel) in gemeinverständlicher Weise besprochen wurde. Die Vorträge waren durchweg gut besucht, zum grohen Teil sogar besser, als die ersten Vortragsabende. Erfre'ulicherweiie scheint auch gerade be> den Frauen ein regeres Interesse sich geltend zu»rächen. Die Diskussion bez. Fragestellung kam auch schon besser>n Flusi. als das erste Mal. Tie nächste» Vorträge, welche ebenfalls wieder das Thema: Ernährung behandeln, finde« Donnerstag. S Februar. statt es sprechen Herr Dr. B M ii l l e r b e t m in der 110./174. Ge- meindcschnle Schönhauser Alle« tSba. Dr. G Steinig in der 199. Gemeindeschnle. Stephanstr. 27! Dr. G M i e h n e r in der 40. Gemeindeichnle Gnciienaust:. 7 Am tolgendcn Donners- tag. den 15. Februar, folgen dann vier Vorträge über die„Hygiene des Kindes'� es iprechen über dieies Thema Dr. C S a u l m a n n28. Dr. N. A u e r b a ch in de, 84 Gcmeindeichule. Äcibelstr. SI/ZI. D. H. F r e n n d in der>13/127 Gcmeindeschule, Pankstr. 8 und Dr. O. M u g d« n in der>07 Gemeindeschnle. Geinhinerstr. 4. Wir machen nochmals daraus aufmerksam, dos; die Teil- nähme an diesen Kurien tür alle Krankenkassen-Mirglieder und deren Angehörige unentgeltlich ist, und daß eine Legitimation zum E i n I r i l t nicht e r s o r d e r l i ch ist Auch diejenigen, welche die bisherigen Vorträge versäumt haben. können nichtsdestoweniger an den solgendci, teilnehmen, da jeder einzelne Vortrag ein begrenztes Gebiet der Hygiene behandelt und für sich ein geschlossenes Ganzes darstellt. Ein städtischer Glanbenseifcrer. In der„Mark VolkSztg." berichtet jemand � Am 2 Februar ct., mittags 121/i nijt, begab ich mich zur Aumeldnug eines Gcburtsfalls nach dem Slandesanit lljinacifte. 8. Hier wurde ich von einem Hern, in ein Zimmer ge- führt, i» welchem sich zwei Herren befanden, welche die Eintragung des Geburtsfalls veranlagten. fVorivcg möchte ich bemerken, dag meine Frau protestantisch ivar und vor einem halben Jahr zu», katholischen Glauben übergetreten ist.) Nachdem der eine Herr mich über die Personalien befragt hatte und von mir erklärt war., Religion beider Eltern katholisch", sah der Beamte, dag in der HeiratSiirkniide die Religion meiner Frau als evangelisch bezeichnet war Nachdem ich ihn, ans fernere Fragen bcschicden. dag meine Frau zum latho- lifchcn Glauben übergetreten sei, erklärte er in brutalen Worten l ,,P f u i, d a s o l l t e s i ch I h r e F r a u was schäme n". Als ich mir diese Redensart enistlich verbat und de», Beamten erwiderte, dag die» ihn gar nichts angehe, erwiderte er:„dag er als cvan- gelischer Beainter dazu verpflichtet ret'p. berechtigt wäre, denn jeder Menscki soll bleiben wie er ist und dies hat doch Ihre Frau nur Ihre,- wegen gethan und das wäre ein Religionshandel und dazu sei ihm die Religioi» zu heilig." ES ist in Berlin ein Ivohl immerhin seltener Fall, dag ein Beamter sich über die nebensächliche Frage, was sein Mitmensch glaubt, in derart nngehöriger Weise ereifert Mirbachiadcn. Wie die„Volks-Zeitnng" hört, waren dieser Tage die Direktoren von dreien der grögtc» Speciolitäien. d ü h ir e n auf das Pollzeiprasidinm bcschiedc» worden. ES wurde ihnen dort eröffnet, dag es so ivie bisher mit der Art gcwiffci Darstelllingcn nicht weiter gehen könne. Es Iviirde dabei ans das Auftreten eines vielgenannten Sterns des Chansonncttengeiangcs hin- gewiesen; die Couplets der Dame wurde» gleichwie ihre Dckollc- ticrung als zu weitgehend bezeichnet, und es wurde bcinerkt. dag von nun ab mit erhöhter Strenge ans die Jnnehaltnng beslinimtcr Grenzen in der Wahl der Darbietmigen und ihrer Form geachtet werden würde. Auch andere Theater. z.B. das Residenz- Theater, sind crinahnt worden. Für die Konzcssionen der Beteiligten, so wurde ihnen eröffnet, könnte es imnngcnchme Folgen habe», wenn sie nicht den Jiiteulioncii der Polizei ans Versittlichuna der Bühnen nachkäinen. Wird sich nun aber das sittliche Niveau der„besseren Gesell- schaft" heben! lieber die Pockenkrankhcit, von der. wie noch ernmerlich fein wird, die f. Z. ini Passage-Panoptikum auftretenden Togo-?!cacr befallen worden waren, teilt der jetzt erschienene VcrwaltnngSbericht des städtische» Krankenhauses Moabit folgendes mit � Am 23. Mai 1898 wurde aus Veraiilaffinig des königl Polizcipräsid>nn,s die Neger-Truppe. bestehend ans 9 Männern, 2 Knaben»nd 2Z Frauen im Kranlenhanse aufgenvinmsn. Obgleich sämtlichc Mitglieder der Truppe bercils i» Afrika geimpft und teilweise zum zweitenmal geimpft waren i»id ein Teil Blatternarben anS der Kindheit zeigten, erwiesen sich bei der Einliefernng vier Männer und 1 1 Frauen an Pocken erkrankt. Während dcS Kranken- haiiS-AufenthaltS erkrankten»och ein Knabe und ein Mädchen. Die übrigen Mitglieder der Truppe wurden isoliert und blieben gesund. Weitere Ansteckungen im Rrankenhause traten nicht auf. Die Truppe konnte am 18 Juni gesund in die Heimat entlasse» werde». TaS Komttre für da» Märzdenkmal hat sich mit dein Gesuch, zur Herstellung eineS Gedenksteins ein Plätzchen onf dem Friedhof herzugeben, nunmehr a» die Stadlverordneten-Versammlnng gewandt, nachdem cS vom Magistrat abschlägig beschicdcn worden ist Zur Angrlegcnheft Sternbcrg schreibt die„Berl. Ztg." Alle Bemührnigcn.«ine H o s> e n t I a s s u n g des Bankiers August Eteniberg zu bewirken, sind bis jetzt ohne Eriolg geblieben, obwohl lehr beträchtliche Kautionen, man spricht von 300 000 M.. angeboten wurde». Allerdings scheint die Befürchtung einer Verdunklung deS Thatbestandes nicht grundlos zu sein, sind doch schon viele Zeugen. reich mit Geldmitteln versehen, ins Ausland gegangen. so datz die Uebersühnmg noch manche Schwierigkeiten mache» dürfte. AIS ein Versuch zur Verdunklung des Thatbestandes ist eS jedenfalls auch anzusehen, wenn die Zeugin Fonrn ayan als . ein« abgefeimte Schivindlerin dargestellt wird. Man verbreitet von ihr. dasj sie während ihres Aufenthalts in Innsbruck Hotel- schwindelcie» begangen haben soll. Nach um'ren Jnsormatione» haben Agenten des Sternberg in Jnbruck sich bemüht, die F. bei der dortigen Polizei sowohl wie bei dem Wirte, in dessen Hotel sie wohnte, als Diebin»ind Schwindlerin zu verdächtige». Hinzufügen wollen wir noch, daß neuerdings auch von Leuten, welche der Fischer nahestehe», der Versuch gemacht wild, diese berüchtigte Kupplerin alz verfolgte Unschuld hiiizuslcllc». Das neue Fernsprechamt I ist gestern früh 7 Uhr eröffnet und damit der Betrieb der alten Vermitielungsanstalten I und!a eingestellt worden. Das Amt I» ha! damit aufgehört zu existieren. Datjiene Amt ist zugleich die erste der grostei, VermilieluilgSansialte» für über 10 000 Teilnehmer, irelche den Dienst von je einen, raar von Doppelämtern übernehme» sollen Das neue Ann l befindet sich in einem neugebanten Saal deS Haupt-TelegraphengebäudeS an d„r Jägerstraste. Vom Ball in den Tob. In der Hollmannstraße 29 wohnte seit den, l. Oktober i» einem möblierten Zimmer eine junge Ameri, kanerin Marianne W.. die den Hausgencffcn als etwas absonderlich bekannt war. Sic hatte vor drei Jahren ihre Mutter durch Plötz- lichen Tod verloren, seitdem zeigte sie ein aufgeregtes Wesen. Ihren LebenSnntethalt erwarb sie sich mühsam durch Sprachunterricht. In der letzten Zeit unterhielt sie ein Liebesverhältnis mit einem jungen Arzte. Mit diesem besuchte sie cm Sonnabendabend einen Bau. sodann ein Kaffeehans. Dort geriet das Paar in Streit, und die junge Dame iam nni ö Uhr morgens in der gllistte» Aufregung • in einer Droschke nach Hause. Sie war kaum auf ihr Zimmer gegangen, als ihre Wirtin zivei Schüsse fallen hörte. Sie fand ihre Mieterin im Ballstaat schtver verletzt auf dem Sofa sitzem Aus zwei Wunden unterhalb des Herzens quoll daS Blut hervor und rieselte über die hellen Kleider herab. Flehentlich bat die Ver- wundete ihre Wirtin, doch den Revolver, der ihrer Hand entfallen war, zu nehmen und noch einmal aus sie zu schiebet». Die Frau brachte rasch den Revolver beiseite und benachrichtigte die Polizei. Ein Arzt, den diese holte, legte einen Notverband an und lieh die Schwerverletzte»ach dem Krankenhaus am Urban bringen. Auch die Begleiter des Wagens bat die Lebensmüde wiederholt, ihr doch eine Waffe zu holen, damit sie sich selbst den Tod geben könne, wenn andere es nicht thun wollten. Eine ZwangSinnung siir daS Töpfer- nnd Ofensetzer- Handwert tritt am 1, Mai b. I. für Berlin und Umgegend in Kraft. Sin schwerer Unfall im Borortbahn» Verkehr ist Sonntag auf der Strecke B e r l i n> O r a n i e n b u r g durch das Defekt- werden einer Maschine herbeigeführt worden. Ter Lokomotivführer Neun, nun sowie der Heizer Hermann Rudow haben hierbei durch das Ausströmen des Dampfes erhebliche Brandwunden erlitten. Durch das Liegenbleiben des Zuges wurde eine graste Betriebs- störung herbeigeführt; hervorzuheben ist, dast sich auch bei dieser Gelegenheit die Porichriftcn und Vorkehrungen, ivelche für den Fall einer in, Dienst eintretenden Verletzung von Angestellien der Staatsbahn bestehen. als unzulänglich erwiesen höbe». Ueber Einzelheiten ist folgendes zu berichten! Der von dem Unfall de- tronene Zug ist der den Steltiner Bahnhof um 9,45 Uhr verlassende Vorortzug. Ans der Fahrt zwischen Reinickendorf und Dalldorf härten die Passagiere plötzlich einen starken Knall; bald daraus kam der Zug zum Stehen. Von den Fenstern aus sah man, dast eine dichte Tampfwolke die Maschine umgab; das zur Stelle eilende Zug- personal fand die oben genannten beiden Perionen, welche sich an» der Lokomotive befunden hatten, nicht nnerheblich verletzt vor. Namentlich der Lokomotivführer hatte schwere Brandivuiiden davon- getragen Es stellte sich heraus, dast während der Fahrt ein Bolzen am Siedcrohr ans Gründen, die bis jetzt nicht ermittelt sind, heraus- gesprungen war; die in de» Rom», in dem sich beide Beamte be- fanden. ausströmenden Dämpfe hatten die Verletzungen zur Folge gehabt. Schwere Verbrühungen hatte namentlich der Lokomotivführer davongetragen. der ohne Rücksicht darauf, dast ihn der Strahl des Dampfes nmnittelhar iraf, feiner Pflicht entiprechcnd in heldemmiiigcr Aufopferung zum Ventil der Maschine rorgcdrnngen ivar und es geöffnet hatte. Tin Heilgehilfe. der ans der Sanitätswache in der Eichendorffstraste requiriert imirde. legte beitzcn Verunglückten, die sich noch auf der Maschine befanden. Notvcrbgtw- an. eine aus Hermsdorf telegrnphiich requirierte Masäiineffchleppte dann den Vorortzug dorthin Einem die Station passierenden, von Stralsund kommenden Schnellzug wurde dann das Haltesignal gegeben damit er Ncnniaun und Rudow nach Berlin »titnchmen tonnte. Auffallend ist nun. dast weder auf der ver- niiglücktei, Maschine Verbandszeug vorhanden war. noch dast in Berlin irgend welche Vorbercltpngcn für den Transport der beiden im Dienst rcrnnglllckten Beamten getroffen worden waren. Turch einen Säbelhieb ist von einem Schutz», aint ein 29 Jahre alter wohnnngsloscr Arbeiter Hugo Machner schwer verletzt worden. Dieser griff ans der Wache des 66 Polizeireviers in der Frankfurter Allee emen Beamte» tüätliefi an und erhielt von ihn, einen Säbel- hieb über den Kopf. Der Verwundete wurde als Polizeigefangencr nach dcc Charitö gebracht. Arbeiterrisiko. Von der SlaatSanwallschafi öcichlagnahmt worden ist die Leiche des 42 Jahre alten Maurers Friedrich Wein- mann au« der FriedrichSfelderstr. 42 Weinmaun arbeitete zuletzt auf einem Neubau i» der Motzslr. 68 Donnerstagabend bekam Frau Weinmaun durch einen Polizeibeainlen die Nachricht, dast ihr Mann verunglückt und nach dem.Krankenhans Bethanien gebracht worden sei Er war infolge eines Fehltritts von einen, drei Stock hohen Schornsteingernst herabgestürzt nnd hatte sich schwere Ver- letznnge» an, Kopf nnd an der Brust zugezogen. Diesen Verletzungen ist er in, Krankenbalis erlegen. Der Verunglückte hintcrlästt seine Fra». mit der er 17 Jahre in glückliche! The lcble. ini! sieben Kindern im Alter von 2 bis 16 Jahren. Telbstmordversuch einer Greisin. Infolge von Familien- streitigkeitcn stürzte sich die 82 Jahr alte Witwe Wilhelmine E. aus dem Fcnster der>»» erffen Stock eines Hanse» der Bcnsselftraste gc- lcgcnen Wohnung ihrer Tochter auf den Bürgersteig hinab und zog sich eine Gehirnerschütterung zu. Die alte Frau wurde ebenso lvie ihre Tochter, die aus Schreck von einer tiefen Beivusttlesigkeit be- 'allen worden war. auf Anordnung des Arztes in das Krankenhaus am Friedrichshzu! gebracht. In der Angelegenheit de» Gutsbesitzers Dahl meldet eine Korresvondeiiz; Leute, mit denen Dahl>>» Prozeß liegt nnd die ihm nicht wohlwollen, haben ihn zu Unrecht der Majestätsdelcidigung beschuldigt und dadurch seine Verhaftung herbeigeführt, die»acb Eni- lräslnng der Beichiikdigiing alsbald da» Landgericht ohne Bürg- schaftsfordernng wieder aiifgehobei, hat. Wie mit der Majestätsbeleidigung verhält es sich auch mit der Bezichtigung wegen Bc- trugS und Notzucht. In der Ncitbnhn schwer verunglückt ist am Sonnabend- nachinittag der Uutcrasstzier Tcschke von der ersten Schivadron des Gardc-Kürassicr-RegiiiientS. Bei eiiieni Hürdenfprnng stürzte sein Pferd und Tcschke fiel so unglücklich auf den Rücken, dast er sicki schwere innere und änstcre Verletzungen zuzog. Der Vernnglückte wurde mit einem Krankenwagen nach Tempelhof in das Garnison- lazarert I gebracht. Drnckfehler-Verichtigung. In dem Artikel„Von den Berliner M i e r s k a s er» e n" in Nr. 29 von, 4. Februar ist zu lese»:„in der Schöneberger Vorstadl U.S"(statt«chönhauser Vorstadt"). Toktor Faust im Cirku» Schuniann. Aus den ersten Blick erscheint es wie eine freche Verhöhnung aller Miiscii nnd Grazie», des gröstten Meisters Meislerstiick in die Manege zu zerren. Aber der Tirknsdichter hat der Entschuldigungen mancherlei. Er ist geschmackvoll genug, um alles zu vermeiden, was den grosten Goetbe veranlassen könnte, sich im Grabe umzudrehen. Die Majestät dieses Dichterfürsten bleibt unangetastet. Und was in, übrigen von Doktor Jaust vorhanden, was uns das -lte Volksbuch bietet. ist es nicht schnurrig, genug. nn, in einen, Schau-Fnstitul verwertet zu werden, das längst über die engen Grciizen der Pierdedresjur hinan» ist? Die moderne CirkuSkunst ist nicht mehr auf die Manege beschränkt: ihr steht eine Bühne, ihr stehen Maschinerien zur Verfüginig>- so gut. wie de»,'Thealer. So trat denn in der AussiattnngSrantvminie Zes Herrn August Siems der wisscnsdurstige Zauberkünstler wohlgemut au, daS Podium. ergötzte sich an Geisterspuk und Fabelgetier und ivnrde erst ängstlich, als die klassiiche Herrlichkeit de» feurigen Pluto sich vor ihn, anfthat. Der Gott der Unterivelt weist, ivaS de», vertrockneten Gelehrte» 'chlt. er giebt ihn, einen Lebemanii, den Mephistopheles. und eine Lebedamc. Mephistophela, auf den Weg. nnd nun geht es vom Bühnenrau», zur Manege, flott in den Strudel, Strudel'nein. Das erste Bild„Im Reiche der Liebe", das sich vor dem verjüngten Faust aufthut, ist ein Meisterstück der Tanzpoefie mid»nt zu dem Allerbeste» zu zählen, das in Farbcnlomposttion nnd geschmackvoller Gruppierung je auf eine Bühne gebracht worden ist. Weite: bringt das AusstattlingSslück ein mittelalterliches Schützenfest, auf welchem Faust und Mephistopheles sich als Wunderdoktoren auftbun und Schabernack verrichten. Ann geht es mit Hglloh und Hussa zum Hexensabbat auf den, Blocksberg, ei» Schatifpicl. das scmer Natur nach mehr wild und aufregend als schön zu nennen ist. Den noch wilderen Schlust des Stücks bildet die Höllenfahrt des Doktor Faust. Der Teufel läßt sich nicht lumpen und führt seinen werten Gast in das ntil allem Komfort der Neuzeit ausgestattete Hoslagcr unter gebührendem Auswand ein. Ballelt giebt es u, Hülle und Fülle, so dast es um so höher anzuschlagen ist. wenn viele zahlungsfähige Sünder trotz solches verführerischen LnxnS sich auf ihre alten Tage durch Kirchcnspenden einen Platz im Himmelreich zu sichern suchen. Ter Beifall, der die Ausführung Segleitete, war wohlverdient; Direktor Schumann kann sich zu einem Poeten, wie er ihn in Herrn Siems besitzt, gratulieren. Orgelkonzert. Mittwoch, den?. Fedruar, mittazS 12 Uhr, hält Herr Mustldirettor Otto Dicnel in der Marienlirche einen Orzelvortrag bei sreieo, Eintritt unter Mitwirkung der Konzertsängerinnen Frl. Marie Lindow und Frau Emuiy Maria Ehruhorst, des Oper'.i'üiigers Herrn Rich. Ttiisteck, des Violinisten Herrn Paul Thiele und des Organislen Herrn Paul Heuer. Aufgeführt werden: die Cr-rnoll-Phantasie von Bach, die 4 Sonate von Mendelssohn, das Hillersche Gebet, das Largo von Händel für Gesang, Violine und Orgel a. a. Feuerbcricht. Durchweg unbedeutende Brände waren es. die am Sonntag nnd Montag Alarniicrungen verursachten. K o t t b u s e r- st r a st e 6 halte ein Tisch Feuer gefangen, während Rosen- thalerst raste 31 ein kleiner Lokalbrand zu beseitigen war. Auf einem Wäscheboden in der M a r i a n n e n st r a st e 37 war ans nicht ermittelter Ursache Feuer ausgekommen, das einen kleinen Teil der Dachkonstruktion beschädigte, jedoch noch rechtzeitig abgelöscht werden konnte, bevor er größere Ausdehnung erlangte. Auf blinden Lärm waren Alarmierungen Georgen-Kirchhof. S ickin geilst r a st s 41, Wolde mar st rast eSl, Andrea» st raste 64 und Sankst raste 4 5 zurückzuführen. AnS den Siachbarvrten. Versammlungen in den Vororten. R u m m e IS b u r g- Stralau. Morgen Mittwoch findet im Cafs Bellevue als Protest gegen die F 1 o 1 1 e n o o r l a g e eine Volksversammliiira statt.— Chart Ottenburg, Die Frauen und Arbeiterinnen. spcciell die Genossinnen, werden ganz besonders auf die heute Dienstag, abends i.-z? Uhr, bei Herrn Wermcke, Bisinarckstr. 34, stattfindende Versammlung des„Freien Vereins für Naturheilknnde und Gcsnndhcits- pflege" aufmerksam gemacht.— Pankow. Bei Grostknrth. Berliner- straste 27. findet heute Abend S'ft Uhr. Leseabend des hiesigen „Arbeitervereins" statt.— T em p e I h o f- M a r i e n d o r f. Da uns an, Orte keine Versammlungslokale zur Verfügung stehen, werden die Genossen aufgefordert. Mittwoch die Berliner Volks- Versammlungen. die sich mit der Flottenvorlage beschäftigen, zahlreich zu besuchen. Zum Fall Lindenhayn. Auf die Mitteilungen aus Grünaus. die luir am Sonntag veröffentlichten, erhalten wir von Herrn Linden- Hayn folgende Zuschrift: Auf den Artikel vom 4. Februar habe ich zu erwidern, dast mein Lokal von der Grünauer Lokalkommission gesperrt worden ist, ohne dast mit mir verhandelt ivorden wäre. Natürlich lehne ich jetzt jede Verhandlung mit den Grünauer Genossen ab, stehe aber den Berlinern zu jeder Zeit zur Verfügung. Ich werde ihnen alles unterbreiten, damit sie dann ihr Urteil fällen können. Mein Wunsch wäre, dast die Berliner Genossen zu meiner Angelegenheit Stellung nehmen, denn dann würde der Schleier gelüftet werden. Die Klage ans Konzessionsentziehring ist nicht zurückgezogen. Ich hätte den„Vorwärts" nicht in Anspruch genominru. er steht mir zu hoch, um ihn niit derlei Sachen zu belästigen: ich dachte als Parteigenosse, die Genossen des Kreises würden dazu Stellung nehmen. Da dies nicht geschehen ist, so mutz ich allerdings den Ran», Ihres Blattes beanspruchen. Was sonst noch vorliegt, kann ich der Lcffentlichkcit nicht unter- breiten, bin aber bereit, es jeder Kommission vorzulegen. G. Lindenhayn, Gastwirt. Nach unsrer Meinung ist der Schleier des Geheimnisses ohne große Beschwerlichkeit zu lüften. Die Thatsache. dast Herr Linden- Hayn den Parteigenossen in Grünau sein Lokal nicht mehr zu Versammln Ii g e n zur Verfügung stellt, hat er n i ch t bestritten. Ist an dieser Thatsache aber nicht zu rütteln, so sind alle schönen Worte zwecklos, denn naturgemöst ist die Lokalfrage von keinem andren Umstände abhängig als von diese m. Im übrigen weist>a auch Herr Lindenhayn. daß in Berlin in der Lokalkommission eine Körperschaft und zwar die einzig z u st ä n d i g c vorhanden ist. der er seine Beschwerde unterbreitcii kann. Nebenher bemerken wir noch. dast die positive Behauptung, die Klage auf Konzessionsciitzichung sei zurück- gezogen, von uns garnicht ausgestellt worden ist und ja auch gar« nicht' aufgestellt werden konnte. Soviel über Herrn Lindenhayn. Nun sind wir noch in der Lage, in dieser ernfteir Angelegenheit auch dem humoristischen Element ein Plätzchen einznränmen. Herr A m t S v o r st e h e r v. Oppen in AdlerShof beehrt ui.S nämlich mit einer Zuschrift folgenden Inhalts: Die Ausführungen unter der Spitzmarke„Zum Fall Linden- Hayn" in der Nummer 29 Ihrer vortrefflichen Zeitung habe ich mit großem Vergnügen gelesen, wie dies i m in e r der Fall ist. wenn ich des Vorzugs teilhaftig werde, dast sich der„Vorwärts" mit mir beschäftigt. Leider must ich aber eine Berichtigung auf Grund des Prestgesctzcs fordern:«Es ist zu meinem Bedauern uuivahr, dast ich selbst vor die Thür des Lindcnhaynschen Lakais gefahren wäre. v. Oppen. Amtsvorsteher. Es ihnt unS leid, dast wir auf diese mehr al's liebenswürdigen Zeilen nicht mit der landesüblichen Floskel dienen können, dast das Vergnügen ganz ans unsrer Seite ist. Im Gegenteil. Ter privaten Bonhominie des Herrn v. Oppen alle Anerkennung; aber wir sind offenherzig genug, einzugestehen, dast uns.die. Beschäftigung mit dem Aintsvorsteher v. Oppen bisher sehr wenig Vergnügen gemacht hat. wie es ja für keinen anständigen Menschen eine Freude lein kann, wenn er einem Beamten, und gar einem höheren, wiederholt mit dem unerwiderten Vorwurf begegnen»inst, dast er in seinen A in I S h a u d l u n g e n gegen dasselbe Gesetz gefehlt hat. zu dessen Aufrechlerhaltung er vom Staate bestellt worden ist. Und daher wäre es uns auch noch viel lieber gewesen, wem, Herr v. Oppen in seinem Schreiben vom Sonntag statt des ziemlich nebensächliche» UmstandeS, daß er nicht bei Herrn Lindenhayn vor- gefahren, die bekam, icn schweren Vorwürfe hätte zurückweisen können. die wir früher gegen ihn erhoben haben, und die sowohl seinem An sehn als auch dem Ansehn des Staates, dem Herr o. Oppen dient, doch wahrlich wenig förderlich sind. Rixdorf. Aus dem Bericht der st ädti scheu Spar- lasse ist solgcndcS zu entnehmen: Im Jahre 1897 betrugen die Spareinkagen 196 833 M; im Jahre 1898 kamen 268 463 M. hinzu. Im Jahre 1899 erhöhte sich der nunmehr vorhandene Bestand von 461 296 M. um 806 387 M. so dast am Jahresschlnst sich der Gesamt. betrag der Spareinlagen auf 1 267 684 M. belief. Dazu kamen im Monat Januar 1900 noch 61 492 M. Die am 1. Februar vorhandenen 1 329 176 M. verteilen sicki aus 6032 Sparkassenbücher. Vom 1. April ob gewährt die Spa-..'asse für Rixdorser Grundstücke erst- itellige Hypotheken zu mcistigcm Zinsfust. Die Verlegung des K a t a st e r a m t s Berlin VI n a ch R i r- darf, um die schon die früher« Gemeindevertretung petitioniert hat, soll jetzt com Finanzminister-n Aussicht genommen sein. Sie ist nur noch abhängig von der Bischaffmig geeigneter Mielsräume. die möglichst in der Nähe des Amtsgerichts liegen sollen. Grauenhaft. Ueber einen selbst in heutiger Zeit laum glaub- lichen Fall menichlicheii Elends berichtet eine Korrespondeilz: Ein in einer Erdhöhle hausendes Ehepaar hat in der Nacht ruin Sonnabend die Schöneberger Kriminalpolizei bei einer Razzia ;i, dem noch unbebauten Stadtgebiet zwischen der Heinrich Kiepert» 'Waste und Willmersdorf unweit der als„Reu-Kamernn" bekannten Laubenkolonie aufgefunden. Als die Beamten jenseits der Lauben- kolonlr das freie Feld betraten, wurden sie durch das wütende Bellen mehrerer Hunde auf einen schwachen Feuerschein aufmerksam ge- macht. Sie fanden beim Näherkommen eine» niedrigen Erdhügcl. au dessen Ecken je eine Hundehütte init einem grosten Köter stand. während der Lichtschein aus einer Spalte hervordrang, die eine in den Hügel führende Thür freiliest. Nachdem die Beamten sich der Hunde erwehrt hatten, öffneten sie die Thür, prallte» aber vor dem pestilenzialischen Dunst, der ihucn entgegcnschlug. zurück. Sie sahen beim Scheine einer qualmende» Petroleumlampe i» eine in die Erde eingegrabene ziemlich geräumige Höhle, in welcher auf einem Hänfen Stroh und Lumpen zwei Menschen lagen und neben ihnen vier Schweine nebst einem Pferde, abgesehen von Ratten und sonstigem Ungeziefer. Die Beamten lieben die beiden Leute aus dem entsetzlichen Raum herauskommen und nun ergab sich, daß die beiden ein Ehepaar ivarcn, von dem derManns 68 Jahre, die Frau aber bereits 83 Jahre alt war. Der Mann ist. wie er erklärte, für einzelne der in.Nrn-Kainerun" errichteten„Lauben" ..Privatwächter", er habe in der Höhle seit nahezu zwei Jahren gc- haust, den Lebensunterhalt will er sich dadurch bcschafst haben, dah er sich in einem Restaurant Schönebergs die Küchen- und Tischabfällc als H u n d e f u t t e r erbat. Das Ehepaar wurde von den Beamten zunächst mit zur Wache genommen. Ei» Frommer, der seine Zeit begriffen hat. Auf eine sonder- bare Art hat in Lichtenberg bei Berlin der domizillose Arbeiter Albert Ast seinen Erwerb gesucht; er war vor einigen Wochen von Mahlsdorf, wo er sich vorübergehend aufgehalten hatte, nach Lichten- derg gekommen und hatte mit seiner Ehefrau und zwei Kindern im Alter von l'/s und 3 Jahren im Stalle eines Gasthofs Quartier genommen; seine geringe Habe bestand aus einem Kinderwagen und einigen Bcttstückcn. Nach einander wandte er sich nun an die beiden evangelischen Ortsgeistlichen und lieb das jüngere Kind, das, wie sich nachher herausstellte, anderswo schon katholisch getauft war, evangelisch taufe»; auch vom Geistlichen der Samaritergcmcinde wurde das Kind noch auf seinen Antrag gc- tauft. Damit die Geistlichen nicht Zeit hatten, Ermittelungen an- zustellen, simulierte der Schwindler jedesmal eine Nottaufe unter Hinweis auf den elenden Zustand des 5tindes, das dem Tode nahe sei. Bei jeder Taufe verstand er es, seine traurige Lage vor Augen führend, milde Gaben in reichlichem Maße zu erlangen, und darum lvar es ihn, auch nur zu thun gewesen. Einmal wurde Sonntags sogar eine Sammlung in der Kirche für ihn veranstaltet. Dieser Tage kam die Polizei hinter seine Schliche und verhaftete ihn. Die Familie vagabondicrte schon seit längerer Zeit. Die Frau mit den Kindern wurde anderweit untergebracht. Aus Steglitz wird berichtet: Die Ausgrabung einer Leiche bildet zur Zeit das Tagesgespräch. Es handelt sich um die Person des Brauereibcsitzers Zeidlcr, welcher 66 Jahre alt vor zwei Jahren verstorben ist und auf dem Steglitzer Kirchhofe seine Ruhestätte ge- fuudcn hat. Seit geraumer Zeit wollten die Gerüchte nicht verstummen, daß Z. keines natürlichen Todes gestorben sei. In einer Anzahl an die Staatsanlvaltschaft ll gerichteter Eingaben wird viel- mehr behauptet, daß er systematisch durch Einsührnng kleiner Dosen Giftes ums Leben gebracht tuorden sei. Heute soll die Obduktion lehren, ob an der Denunziation et»v«ü Wahres ist. Beim Schlittschuhlaufen sind Sonntag auf der Dahme die Kinder des Stations-Assisteuten Wilhelm Kcrgcr, Fricdrichstraßc 10 in Grünau verunglückt. Drei der Kleinen wurden gerettet, der vierte. ein achtjähriger Knabe, ist leider ertrunken. Gerichks-Äettung. Ein Fall, der in der Kriminalgeschichte noch nicht vor gekommen sein dürfte, beschäftigte gestern die 131. Abteilung des Schöffengerichts. An eincnr Dezember- Nachmittage des vorige» Jahres bemerkte der Kriminalbeamte Hilprccht im Wcrtheimschen Bazar eine junge Dame, die sich höchst ausfallend benahm. Sic blickte sich fortwährend scheu um, während sie init einer Verkäuferin unterhandelte und»ahm bald den einen, bald den andern der vor ihr ausgebreiteten Gegenstände in die Hände, um sie mit unsicherer. nervöser Hast wieder hinzulegen. Endlich sah der sie beobachtende Beamte, wie die junge Dame eine kleine Pclzboa unter ihrcui Mantel verschwinden ließ, sich von der Verkäuferin verabschiedete und dem Ausgange zuging. An der Thür hielt der Beamte sie an. Die junge Dame war kcincsivcgs befangen, lächelnden Mundes gab sie die Boa wieder heraus und ließ sich zum Polizei- bureau führen. Hier n, achte sie folgende Angaben: Sie sei die 22jährige Schriftstellerin Marie Gr..'die sich vorwiegend mit dem Verfassen von Romanen und Sittenbildern beschäftige, lim die Ge- fühle einer Ladcndicbin möglichst naturgetreu schildern zu können. habe sie selbst eine» Diebstahl ausführen wollen. Wenn sie mit der Boa davongekommen wäre, würde sie dieselbe dem Wcrtheimschen Geschäft wieder zugeschickt haben. Der Gedanke, den ge- stohlenen Gegenstand zu behalten, sei ihr nie gekommen. Diese Angaben wiederholte der Angeklagte im Termine. Sie schien es interessant zu finden, daß sie nun auch die Gefühle einer Auge klagten kennen lernen konnte. Der Zeuge Hilprecht hatte den Ein druck gewonnen, daß die Angeklagte lhahächlich nur aus Wissenschaft lichem Interesse die That begangen habe. Sie habe sich dabei mit kindischer Unbeholfenheit benonimc» und sicher sei sie keine gc- werbsmäßige Ladcndiebin. Der Staatsanwalt hielt es durch das ganze Benehmen der Angeklagten keineswegs für un- glaubwürdig. daß sie sich von psychologischen Beweg gründen zu der unbesonnenen Handlung habe verleiten lassen, aber als Diebstahl sei ihre That immerhin zu kennzeichnen. Wohin solle es führen, wenn Künstler oder Schrift- steller strafbare Handlungen begehen würden, nur um die Gefühle des Thäters niiinisch oder durch schriftliche Schilderung möglichst getreu wiedergeben zu können? Er beantrage gegen die Angeklagte einen Tag Gefängnis. Während der Beratung des Gerichtshofs richtete der Staatsanwalt an die Angeklagte die Frage, ob sie sich vielleicht auf ihren Hausarzt berufen wolle.„Nein, ich danke Ihnen, Herr Stoatsanlvalt, ich bin völlig gesund," lautete die Antwort. Der Gerichtshof schenkte der Angeklagten i» betreff deS angegebenen Beweggrundes Glauben, es sei aber ftaglich, ob sie die Absicht, den entwendeten Gegenstand zurückzuschicken.' ausgeführt haben würde. Ein Diebstahl sei erwiese» und es müsse auf da§ zulässig niedrigste Strafmaß— ein Tag Gefängnis— erkannt werden. Der Verurteilten sei anheim zu geben. im Gnadenlvege eine Umwandlung der Freiheitsstrafe in eine Geldstrafe anzustreben. Zu unlösbaren Widerspruche» zwischen den Gutachten zweier Schreibsachverständigen kam es wieder einmal in einer Verhandlung wegen schwerer Urkundenfälschung, welche den Ziegeleibesitzcr Kohlmetz aus Frankfurt a./O. vor die vierte Strafkammer des Landgerichts I führte. K. baute im Jahre 1807 in Frankfurt a./O. eine Dampfzicgclei und bestellte die erforderlichen Maschinen in der Fabrik von Mar n. Thcd. Müller in Sommerfeld. Der Kaufpreis von 14 000 M. sollte im wesent- lichc» durch Wechsel gedeckt werden, von denen bei jedesmaliger Fälligkeit ein Drittel in bar zu zahlen war, während der Restbetrag jeder fälligen Wechselfumme durch ProlongationSacceptc vom Augeklagten zu decken war. Als in dieser Weise schon mehrere Wechsel des Angeklagten im Unrlauf ivarcn. stellten sich beiderseits Zahlungsschwierigkeiten heraus, so daß einerseits die vom Angeklagten acceptierten Wechsel nur sehr schwer diSkontierbar waren, während anderseits die Gebr. Müller die Gefälligkeit deS Angeklagten in der Weise in Anspruch nehmen mußten. daß sie ihn um sein Gefälligkeitsaccept baten. Die Gebr. Müller ivurde» ivegc» eines Wechsels über 340 M. von dritter Seite verklagt und verurteilt, sie behaupteten aber nachträglich, daß der Acccptvcrmerk vom Angeklagten gefälscht sei. Der gerichtliche Schrcibsachverständige Sekretär A l t r i ch t e r begutachtete auch in der That, daß die Worte„Gebr. Müller" auf den: Wechsel gefälscht seien und daß an zahlreichen Einzelheiten der sichere Beivei« dafür erbrachter- scheine, daß nur der Angeklagt� diese Worte geschrieben haben könne. Dem gegenüber beriefen sich Rechtsanwalt Hauptmann- Frank- furt a. O. und Dr. S ch w i n d t- Berlin als Verteidiger auf das Gutachten des gerichtlichen Schreibsachvcrsiändigcn Rechnungsrat Junge. Dieser bcgntachteie mit derselben Bestimmtheit.' daß gewisse Anzeichen däsür sprächen, daß der Fabrikant Theodor- Müller den Acceptvermerl geschrieben habe, hingegen keinerlei Beweis stir eine Thäterschaft des Angeklagten aus den Schriftzügen zu entnehmen sei. Trotz dieser Widersprüche hielt der Staatsanwalt den Angeklagten für überführt und beantragte zwei Monate Gefängnis.— Der Gerichtshof schloß sich dem belastenden Gut- achten um so weniger an, als durch die Verteidigung der Nachweis erbracht wurde, daß Gebrüder Müller dem Angeklagten auch Blanco- Acccpte gegeben hatten, zu denen sehr wohl auch der angeblich ge- fälschte Wechsel gehört haben lonnte. Der Angeklagte wuxde daher freigesprochen.-_ Vvvsammlungvn. Deutsche Metallarbeiter- Gewerkschaft. Am 31. Januar tagte eine Versammlung der Maschinenformcr. in der die Vertreter der„Deutschen Metallarbeiter- Gewerlschaft" zum Anschluß an die Organisation aufforderten. Sodann wählte die Versammlung zur bcsfcren Vertretung ihrer besonderen Angelegenheiten innerhalb der Deutschen Metallarbeiter- Gewerkschaft eine aus fünf Personen be« stehende Agitationskommission. Eine öffentliche Versammlung, der Kupferschmiede tagte am Sonntag bei Feind. Weinstraße, in der Frl. A I tm a n n über „Die gute' alte Zeit" referierte. Eine Diskussion über de» mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag wurde nicht beliebt. Die Einnahme» des Dispositionsfonds betrugen nach dem hierauf folgenden Bericht inklusive des alten Bestandes von 1907 M. im letzten halben Jahr 3188,86 M.. die Ausgaben, darunter 610 M. für Unterstützung an die Kupferschmiede in Bremen, Flensburg und Wien und an andere Gemerschasten, insgesamt 719,94 M., sodaß ein Bestand von 2468.92 M. verbleibt. Im ganzen verflossenen Jahre wurden samt dem frühem Bestand von 2272,34 M. die Summe von 4267,63 M. vereinnahmt und 1798,71 M., darunter etwa 1500 M. für Unterstützung verausgabt. Auf Anregung der Kommission ist auch in den übrigen Städten die hier übliche Quittungskarte eingeführt worden, so daß diese Karte auch an den andern Orten beniitzt werden kann. Den Ausständigen in Flensburg bewilligte die Versammlung als dritte Rate' eine Unterstützung von 30 M. Als Bczirkskassicrer für den Süden wurde W. Kühne gewählt. Nachdem der Delegierte Fritz den Bericht über die Thätigkcit der Gewerkschaftskommission gegeben hatte, wurde beschlossen, daß dem Jnnnngsgcscllen-Aussiimß die durch seine Thätigkcit entstehenden Unkosten ersetzt werde» sollen. Der Holzarbeiter-Verband lgahlstellc Berlin) hielt am Sonn- tag eine Generalversammlung im Fcenpalast ab. Aus dem vom Kassierer Micke erstatteten Rechenschaftsbericht für das kV. Quartal 1899 ist hervorzuheben: Die Lokalkasie hatte eine Einnahme von 63 366,60 M.(darunter 44 522.09 M. Bestand vom vorigen Quartal). Tie Ausgabe bctmg 9216,07 M.. bleibt ein Bestand von 54150,53 M. Unter den Ansgabc» befinde» sich folgende Posten: Verwaltung 1192.42 M., Agitation 1611.13 M.. Streikunterstützung 4566,48 M. simd von der Hanptkasie 7712,65 M.), sonstige Ausgaben 1846,04 M.— Die Mitgliederzahl, die am 1. Januar 1899 8251 betrug, war am Jahresschluß ans 11317 gestiegen. Dieselben verteilen sich auf die einzelnen Branchen tvie folgt: Bürsten- und Pinselmacher 59, Drechsler 644, .«orbmacher 107, Korkarbcitcr 10. Stellmacher 207, Tischler 8389, Möbclvolicrcr 77, Klavierarbcitcr 280, Mechanikarbeilcr 82, Maschincnarbciter 132, Einsetzer 120, Pcrlmutterarbciter 62, Bodcnlegcr 106, Modelltischler 77, Diverse 149.— Glocke, der den Vorslandsbcricht erstattete, teilte unter anderm mit: Die Organisationen der Holzarbeiter, der Möbelpolierer und der Maschinen- arlieiter haben ein Äartcllvcrhältnis auf folgender Grundlage ad- geschlossen: Die Möbelpolicrcr und die Maschnienarbeiter- rutsendc» regelmäßig zu den Sitzungen deS Holzarbeiter- Verbandes sc einen Delegierten behufü Wnhrnchinnng der gemeinsainc» Werkstatt- Interessen. Bei� allgemeinen Streiks unterstützen sich die Organisationen gegenseitig. nachdem vorher eine gclneinsame Beratung der Vorstände stattgcfniidcn hat. Bei der Arbeits- vermittelnng sind vollberechtigte Mitglieder gleichberechtigt. Bei Wahlen und Vertretungen zu Körperschaften(Gcwerbegcricht, Jnnnngsausschnß usw.) werden die Kandidaten gemeinsam aufgestellt. Solange das Kartell besteht, sind die Organisationsstrcitigkeiten in den Wcrljtcllcn zu unterlassen.— Weiter tcille Glocke mit, daß der Vorstand aus der Reihe der von einer früheren Gpncralverfnniinlnng aufgestellten Mitgliedern für den Jiinungsansschuß die folgenden bestimmt � hat: Als Vertreter: Arndt, Engmanii, Geppert, Klinger, Lokc, Stnschc, Matthcs, Moni», Zimpel(Maschinenarbciter), Weber(Polierer). Als Ersatz- männer: Hascloph, Eulcnfeld, Borchardt. Zaskc.— Den Bericht der Kontrollkommission erstattete Ma a ß: Es haben 41 geschäftliche und 258 Wcrlstatisitzungen stattgefunden. Zu den letzteren sind 883 Weristellen eingeladen ivorden, aber nur 3403 Kollegen ans 469 Wcrksiellcn erschienen. Es habe sich gezeigt, daß ein grvßcr Teil der Organisierten den Einladiiiigen nicht Folgcfteistct.— Bei der Arbeits» vermittelnng im vierten Quartal standen den 1254 Angeboten 807 Nachfragen gegenüber. Während deS ganzen Jahres sind 3682 Nachfragen nach Arbeitskräften eingcgangcu.— AuS der Bibliothek find im vierten Quartal.904 Bücher entliehen ivorden.— Hierauf berichtete» die Vertreter der einzelneii Branchen, dann wurden folgende Wahlen vollzogen: Erster Bevollmächtigter: Glocke. ziveiter Bevollmächtigter: Tabbcrt; Rcndant: Micke: erster Schrift- sührcr: Nissen; Beisitzer: König. Zirkel, Hcrtcr; Revisoren: Post, Kunze. Nachdem Stnschc einen kurzen Bericht des Ganvorstandes gegeben hatte, erfolgte die Neuwahl dieser Körperschaft mittels Stimm- zettel. Das Wahlrcsultat konnte in der Versanunkmg nicht mehr festgestellt iverdcn. Ferner wurde eine Liste von Kandidaten der Delcgierten zum Vcrbandstag aufgestellt. Die Wahl derselben soll in der nächsten außerordentliche» Generalversammlung vollzogen werden.— Zaske teilte mit, daß er auf das Amt eines Ersatzmannes zum JmumgSauSfchnß verzichte. Tie Tapezierer(Kleber) hielten am Sonntagnachmittag eine sehr gut besuchte Versammlung ab. um über die Lohnbewegung z» beraten. Strasser schilderte die Lohn- und Arbeitsverhältnisse, wie sie im Verlaufe der letzten Jahre, durch die fortwährende Teilung der Arbeit und der daraus sich ergebenden Absonderung der cinzelne» Berusszweige, sich euttvickeltcn. Gerade in der Kleber- brauche im Tapczierergcwerbe seien die Zustände noch am schlimmste», weil der Andrang und die gegenseitigen Lohnnnterbietuiigcn zu dieser Beschäftigung, aus einer Anzahl anderer Berufsziveige, am stärksten sei. Die ungleichmäßige Arbeitsgelegenheit bringe es mit sich, daß in letzter Zelt oft biS zu 18 Stunden am Tage gearbeitet werden nnißte, während der JahrcSverdicnst eines Arbeiters bei eiuer Arbeitsgelegenheit von etiva sieben Monate» höchstens 800—850 M. beträgt. Bei alledem sei«S in neuerer Zeit immer mehr üblich geworden. daß der Arbeiter eigenes Rüst- und Werkzeug/ sowie Arbeits- Materialien beschaffen soll. Diesen unhaltbar gewordenen Uebekständen ein Ende zu niacheii, sei gegernvärtig die denkbar günstigste Gelegenheit, da von über 740 Bauten etwa 400 bis zum 1. April fertig sein müssen. Da sich nickt nur eine Anzahl Jimungsmeister, sondern sogar der Ober- meister der Zwangsinnung für eine Lohnaufbesserung erklärt habe, fei mit Sicherheit' z» erwarten, daß der von den Arbeitern auf- gestellte Lvhntarif sowie die übrigen Forderungen: Erhöhung der Löhne, Verkürzmia und gleichmaßige Verteilung der Arbeitszeit, bei möglichster Beseitigung der Accordarbeit, alsbald anerkannt werden. An die mit lebhaftem Beifall auf- genommenen AnSführnngen knüpfte sich eine längere und oft lebhaste Besprechung, in der n. a. die beiden Jnnungsmeister Haube und Feder die Fordcrungcir der Arbeiter anerkannten. Einige Mitglieder vomBerband der Tapezierer erklärten, daß die kombinierte Versammlung de» Tapezierer-Verbandes sich mit dem Borgehen der Kleber solidarisch erklärt habe. Einstimmig an- genommen wurde eine Resolution des Inhalts, daß alle Kleber im Einverständnis mit de» aufgestellten Forderungen es für ihre Pflicht erachten, die baldige Durchfühnmg derselbe» zu er- strebe» und sich der Organisation der Kleber Berlins und Umgegend anzuschließen. Bis zu der am D o» n e r s t a g, den 8. Februar., abends S Uhr. stattftndendcn Versamm- l u n g werden noch Flugblätter auf allen Bauten verteilt werden. Zur nächste» Versammlung sollen sämtliche Meister ein- geladen werden. Vevmifltzkes- Auf dem Ball erschossen. Aus Kiel wird uns berichtet:! Auf verbrecherische Uebcrnmt, Nachsucht oder Eifersucht dürfte die. That zurückzusiihreu sein, der in der Nacht vom Sonnabend auf Sonntag ein junges blühendes Menschenleben zum Opfer gefallen ist. Die plattdeutsche Vereinigung„Jungs holt fast", aus den sog. bessrcn Kreisen. Kauflcuten, Lehrern usw. sich rekrutierend, hatte in den..Reichshallen" ein Ball fest arrangiert. GegenfV-l Uhr nachts wurde durch einen von außen in den erleuchteten Saal abgegebenen Schuß die 20 jährige Tochter eines Kieler Beamten, die in der Nähe des Fensters gestanden, getroffen, so daß sie nachzehn Minuten den Geist aufgab. Das Fest wurde polizeilich ge- schlössen. Bisher sind noch keine Anhaltspunkte zur Ermittelung deS Thäters gefunden." Wie" weiter berichtet wird, ist die Getötete die Tochter deS GefängnisberwalterS Streih. Als Mörder ist ein in der Holsten- Apotheke angestellter Apotheker verhaftet. AuS Antwerpen wird gemeldet: Mehrere hiesige Diamanten- Händler haben durch den Krach der Frankfurter Diamaittenhändlcr Verluste in Höhe von einer Million Frank erlitten. Uebrr eine Feuersbrunst wird aus New Jork berichtet:> Im Geschäftsviertel von St. L o u i,'s brach Sonntag früh Feuer aus, welches einen Verlust von mehr als einer halben Million Dollars verursachte. Zwei Feuertvehrleuie wurden von einstürzenden Wände» erschlagen, man befürchtet, daß ein dritter verbrannt ist. Unter den beschädigten Gebäuden befindet sich das der deutsch- amerikanischen Bank. Vierzig Schiffe untergegangen. Nach in Antwerpen ein- gelaufene» Depeschen sind an der japanischen Küste infolge der letzten Stürme ungefähr 40 Schiffe mltergegcmgen, wobei ca. 200 Personen ums Leben kamen. Ein internationaler HauSbesiücrtag soll während der Pariset Weltansstellung in Paris stattfinden, zu dein auch an den Bund der Berliner Grundbcsitzervercine eine Einladung ergangen ist. Ans Tiflis wird depeschiert: In drei Dörfern des Kreises Achalkalak wiederholten sich vorgestern Abend starke unterirdische Erdstöße, durch welche mehrere Häuser zerstört wurden. Bier unter den Trümmern verschüttete vauern konnten gerettet werden. Der Rcdactcnr der„Deutsch- Asiatischen Warte" in Tsingtau, Eggers, war, lvie wir seiner Zeit mitteilten, wegen Be» lcidigung des Gouverneurs des Kiautschou- Gebiets zu drei Wochen Gefängnis verurteilt worden. Wie das Blatt jetzt mitteilt, hob das kaiserliche Generalkonsulat in Shangai als Berufnngsinstaiiz das Urteil des kaijerlichcil Gerichts in Kiautschou aus und erkannte gegen den Beklagten auf 50 Dollars Geldstrafe. Marktpreise von Berlin am 3. Februar IVVV »ach Erinittlililgcil deS tgl. Polizeipräsidiums. ")Meize» D.-(!tr. *;9i0flße» FiutcrMerpe Hafer gut mittel .. gering Nichlflroh, Heu ff&rticii -j-iLprisedohneu tA'iiiicii Kartosseln, uciie Pliiditttjch, Nein« t kg do. Bauch„ ) Eimittelt pro 15,20 14,30 14.- 15,— 14,10 13,20 4,16 7,- 40,— 45,— 70,— ?,- 1,60 1,20 Tonne 14- 13,70 13- 14,20 13,30 12,50 3,82 4,70 25,— 25,— 30,— 5,— 1,20 1.- von Schweinesleisch . fleisch Hammelfleisch Butter Eier Ikarpseu Aale Aander Hechle Barsch« Schleie Bleie Krebse lbg 60 sttick »l-e per Schock 1,60 1,80 1,60 2,60 6.- 2,20 2,80 2,50 1,80 1,60 2,80 1,40 12,- 1,10 1,- 1,- 2- 3,- 1- 1,40 1,- 1- 0,80 1,40 0,80 3.- der Centralpelle der Preich. Laud- wirtfchafttkaunnern— Notierungssielle— und umgerechnet vom Polizei- Präsidium für den Teppelcentner. f) Kleinhandelspreise. Produkten niarkt vom 5. Februar. Im Getreideverlehr war da» Geschäft heute ziemlich leblos, die Tendenz abgeschwächt auf milderes Welter und bedeutendes Weizennngebot aus dem Jnlande. Auch russischer Roggen war wiederum stark offeriert. Auffcrdem veranlagten matte Auolandomeiduiigell, insbesondere aus New Jork und Chicago, RealisationL- lust. wobei Weizen t M., Roggen 0,75 M. im Preise geworfen wurden. Hafer war 0.50 M. biNlger zu haben. Rübül lag still nominell unverändert. Am S p i r i t u s m a r k t machte sich steigende Nachsrmze für Loco- Ware geltend. Der Preis für 70er stieg um lO Pf. aus 47 M. Umsatz ca. 20 000 Liler. K-ortosselfabrikate. Feuchte Kartoffelstärke 10,50 M. la reine Kartoffelstärke disponibel und Februar 19.75 M., April-Mai 20,25 M. Ab- fallende'Prima-Qualitälen Stärke und Mehl 17,50—18,50 M. per 100 Kilo- graimu. Eier-Bericht vom 5. Februar. Normale Eler je nach Qualität von 4,40— 4.60 M. per Schock. Aussortierte kleine Ware je nach Qualität von 3,80 bis 3.90 M. per Schock. Kalleier je nach Qualität von 0,00 bis 0.00 M. per Schock. Tendenz: Still. tvtttcriing siiberstlht vom V. Februar IS00. morgeu»« Ily.r. Statioueil 1 i «2 Swiliemdi Hamburg Berlin (Oiesbadm München Wie» s S i-? 7s4 SSO 752 SO 754 SO 764 755 753 SS SW till Welter 1 Schnee 1 wollig 2 Nebel Ichcdcckt 3siicdcckt -bedeckt SL |M st o 0 1 3 -2 2 Siaiionen „ s |E | Ä I I Haparandal757N Petersburg 757 Cork Aberdeen Paris 7S4PNO 757 MW 7S1NO Welter 2 Nebel IsJchne« 4ihcitrr 3616.6(5 /Regen SLettcr-Prognose für DienStag, de» 6. Februar 1900. Mild, jedoch vorherrschend wolkig mit leichten Regensällm schwache» südliche» Winden. Berliner Wetterburea >4« S � i t» gi -24 -5 1 —3 3 und u. Briefkasten der Redaktion. Wir bitte» bei jeder Ansrage eine Chiffre(zwei Buchstabe» oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die letzte Abonnevlentsouittuiig beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beant- wartet und schristliche Antwort wird nicht erteilt. Die juristische Sprechstunde findet Montag. Dienstag uub Freitag von 0—8 llhr abends statt. Friedrich Schreiner. Tischler, stnher in München, vermutlich jetzt in Berlin wohnhast, wird in jeincm eigenen Jliteesse schleunigst um feine Adresse ersucht. Genosfen werden gebeten, ihn auf diese Notiz auimerkfam zu machen. Johann Knapp. München, Entenbachstr. 155/0. — Jacob. Wiffen wir mcht; wenden Sie sich an Ihren Verttauelismann. — H. O. I. Die gesamte Mietsvertrags-Steinpclgebühr beträgt bei einer jährlichen Miete von 300— 500 M. nicht eine Mark, sondern eine halbe Marl, 50 Pf. Weigert Ihr Vermieter die Annahme, so»lachen nicht Sie sich fuafbar. 2. Nein. 3. Ihr Vertrag enthält die dettefieude Bestimmung. —<£. 9t. 99. 1. und 2. Nötig ist Pab und Geld. Zwecks Ausstellung des Passes wenden Sie sich an daS Polizeipräsidium. 3. Die Beiörderungs, preise ersehen Sie auS den» Kursbuch und aus Hamburger Zestmigen. Wcpn Sie nicht etwa 3—400 Mark bei der Laudung vorrätig haben, kann es Ihnen passieren, daß Sie nicht eingelaffen werden.—/- Uhr: Versammlung beider Filialen. Wlllnle Nord: Brunnenstrafte 188. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen Paul John über:„Die Stellung des Menschen in der Natur." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 177/4 Filiale Süd: Markgrafenstraste 83 bei Lorenz. Tages- Ordnung: 1. Dortrag. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 3 Diskussion. 3, Verschiedenes._ Berliner Genornnsetiafts-Bäckerei. Am Sonntag, den 18. Februar, vormittags 11 Uhr, in unscrm Comptoir, Reue Hochstraste 18: 368-L AuKerordentliche General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Umänderung der Bilanz pro 1898/99. 2. Verschiedenes. Berliner Genossenschaft».- Bäckereiv erden, und wollte man alle diese Leute ins Gefängnis bringen, dann würden letztere kaum ausreichen." Der Vorsitzende stellt noch fest, daß der Angeklagte v. Kriegsheim in einer Woche 11 Uhren und 18 goldne Äctteii versetzt hat. In der NachmittagSsitzung iverden mehrere BetrngSfälle erörtert, bei denen hauptsächlich v. Kriegshcim. in einem Falle aber auch der Angeklagte v. Wißmann beteiligt ist. Es handelt sich um die Entnahme von Juwelen von dem Juwelier W o lffs o h n, um den Bezug von Hausbedürfnissen«. ES fallen dem Angeklagten v. Kriegshcim auch mehrere Fälle zur Last. in denen er Geldgeschäfte junger Offiziere, die sich in vorübergehender Verlegenheit befänden, zu deren Schaden und zum eigenen Vorteile besorgt haben soll. Der Angeklagte bestreitet in jedem einzelnen Fall' die Absicht der VernlögenSbeschädigung. Allgemeineres Interesse bieten alle diese Fälle nicht. Die Verhandlung wird am Dienstag fortgesetzt._ Vevfsttnmlnngen. Im Bericht über die kombinierte Versammlung dcS V e r- bau des der Tapezierer am 30. Januar muß es heißen: Der von dem Klebeverein ausgearbeitete Tarif ivird für vollberechtigt anerkannt und gemeinschaftliches Vorgehen beschlossen. Die Beschluß- fassung über die Lohnbewegung der Polsterer und Dekorateure bleibt der nächsten kombinierten Versammlung überlassen. Arbeitcr-TSiigerbiind Berlins und der Umgegend. Vorsitzender: Rich. Thate, Schöncberg, Grunewaldstr. S9. Erster Kassierer Gottfried Borts, Skalitzerstr. 113. Aste Ncnderungen im Vereinskalender sind zu richten an O. Jsaack, Sttelitzerstr. 15, Hol II. Dicnötag, abends 9—11: Uebungsstunde und Ausnahme neuer Blitglieder.—„Gerechtigkeit"(Westen), Wewer, Bülowstr. 59.—„Olympia�, Zimmermann, Grüner Weg 29.— „Hand in Hand I", Richter, Marianncnstr. 41.—„Krenzberg", Eckhardt, Märiendorferstr. 5.—„Edelweiß", Stehmann, Melchior- straße 15.—„Echo I", Msindncr, Linienstr. 19.—„Wiederhall", Schnieder, Admiralstr. 21.—„Freiheit H", Schmauscr, Adlershof, Bismarckstraße 16.—„Myrthenblätter", Spät, Georgenkirchstr. 65.—„Unverzagt II", Moabiter Klubhaus, Bcnsielstr. 9.—„Freies Lied", Friedrichsbcrg, Schuh- mann, Frankfurter Allee 181.—„Rothe Nelke I", Obst. Schöncberg, Grüne- waldstr. 110.—„Rothe Nelke II", Rosin, Ruppinerstr. 42.—„Vorwärts IV", Schulze, Rathenow, Jägerstr. 25.—„Alpenglocke", Gold, Große Frank- surterstr. 133.-„Eichenkranz I". Jean Potllon, Prmzlau, Schnellesir. 67. —„Weddtnger Hawwnie", Milbrodt, Müllerstr. 7.—„Vorwärts VIII' Schurbaum, Marwitz in der Mark.—„Akazie"(gemischter Chor), Scholz, Nailnynstr. 6.-„Sangeslnst II". Kalähne, Trtststraße 41. —„Weiße Rose", Malchin, Reinickendorf, Residenzstraße 101a._— „Arbetter-Maibund", Htemkc, Rowawes, Wallstraße,—„Glasarbeiter", Zeidler, Köpenick, Miiggelheimerstr. 29.-„Esmeralda", Baatz, Cotheniusstr. 3.- „Kreuzberger Harmonie", Mühring, Admiralstr. 18 o.—„Nord-Ost", Göbel. Landsberger Allee 156.-„Liederlust II", Renfer, Turmstr. 69.-„Freie Feldblume", Vatterroth, Skalitzerstr. 51/52.-„Freiheitsklänge", Sommer. Griinstr. 20.-„Einig", Scheere, Blumenstr. 38.-„Morgenroth"(gem. Chor), Rummelsburg, Thiele, Türrschmidt- und Mozaristraßen- Ecke.—„Cäcilia"(gem. Chor), Brandenburg a./S., Vettermann, Wilhelms- dorferstr. III.—„Rixdorfer Männerchor II", Ripdorf, Nitfchc, Hermannstraße- und Münchencrstraßen- Ecke.—„Schneeglöckchen II", Potsdam, Hahn, Spandauerstr. 33.-„Textilia", Restaurant Waldemar- straße 27.-„Froh-Hoffnung", Faller. Pastasstr. 16.-„Lyra II", Char- lottenburg, Bartsch, scesenheimerstr. II.—„Einigkeit II", Rielecke, Müller- straße 66.—„Verband Deutscher Gastwirthsgehilfcn", Mörschel, Jüdenstr. 35. —„Vereinigte Sänger", Deutsch- Wilmersdorf, Witte, Berlinerstr. 40.— „Sangeslust II", Bergemann, Pasewalkcrslr. 3.-„Rosenrot", Ouade, Schwedenstr. IIa.— Männer-Quartctt-Gesangvorein„Septime", Karmel, Görlitzerstr. 75.-„Alpenröschen", Hilgenfeld, Bergstr, 60,-„Sencfelder I", Schiller, Rosenthalerstr. 57.-„Verein der Kupferschmiede", Feind, Wein- straße II. Zlrbeiter-Nancherdund Berlins und der Umgegend. Aenderunge» int Vcreinskalender sind zu richten an Eugen Raschle, Rixdorf, Mahlower- straße 1, IV. Dienstag: RauchN,„Eldorado", Grüner Weg 120, Ebeling.—„Grüne Eiche", Urbanstr. 51, Pech.—„Ambalema", Forster- straße 19, Uckel.— Neuer Berliner Nauchklub", Reichcubergerstr. 146, Droggc.—„Phönix", Schöneberg, Hauptstraße 97, Nutz.— „Domingo", Waldemarsw. 16, Tanchert.—„Rote Rose", Boeckhstr. 21, KrebS.-„Kollegia", Reichenbergcrstr. 157, Bergner.-„Einigkeit I", Rixdorf, Hcrmannstr. 232, Zacher.—„Korea", Weidenweg 45. Schmilka.— „Waldmeister", Marienburgerstraße 16, Gütz.—„Neuer Hain", Langenbeck- straße 4, Techtmeicr.—„Bmderbund", Grünauerstr. 5, Gallowsky.— „Blütenduft", Cotheniusstr. 1, Fedtle.-„Ruhiga", Vritzerstraße 46, Herzog. —„Pseifenkops", Falkensteinstr. 5, Gonell,—„Gemütlichkeit I", Wiener- straße 7, Gläser.-„Diana", Schätz, Brcmerstr. 71.-„Immergrün", Skalitzerstr. 35, Penkwitt.—„Kairo", Buttmannstr. 9, Englcr.—„Blaue Wolle IV", Putbuserstr. 30, Reimann.-„Blaue Wolke H", Rigaerstr. 125, Klar.-„Nordpol", Schulstr. 116, Haubottcr.-„Beilchenblau", Wins- straße 56, Dimke.-„Berouika", Skalitzerstr. 22. Rau.-„Krästiger Zug". Skalitzerstr. 102, Fröbcl.-„Eldorado I", Grüner Weg 25, Beel.- „Portoriko", Langestr. 23, Gursch.-„Weichselduft H", Köslinerstr. 3, Krabbenhöft.—„Seegras", Liegnitzerstr. 18, Manegold.—„Felsensest", Duiickerstr. 2, Kurze.-„Bolldamps", Zorndorferstr. 8, Schulz.-„Lustige Brüder", Weißensee, Charlottenburgerstr. 91, Helmke.—«Fidele Brüder", Graudenzerstr. 2, Dcvioll. Gesang-, Turn- nnd gesellige Bereine. Dienstag: Gesangverem „Maiglöckchen Nord", Kranz, Dunkerstr. 8.- Neuer Berliner Schachklub, Stralauerstr. 3-6.- Musikvereiii„Frtsch-Auf", Lehmann, Neicheilbergcr- straße 19. Gesangverein„Jhnscher Humor", Krumrey, Landsberger Platz 5. Arbeiter-Schwiuimervuud. Anfragen an E. Brätle,«chulstr. 24i Dienstag: Schwimnikkub„Vorwärts", abends 7 llhr Volks-Badeanstalt SchillingSbrücke.— Schwimmklub„Neptun"(Weißensee), abends 7 Uhr Volks-Vadeanstalt Moabit, Turmstr. 85a. Arbeitcr-Turiierbund. Dicuskag: Tumv.„Fichte", Berlin, abds. 8—10 llbr: 2. Männerabt.: Skalitzerstr. 55/56; 4. Männerabt.: Moabit, Sieniensstr. 20; 5. Männerabt.: Ackerstr. 67; 6. Männerabt.: Stallschreiber- straße 54; I. Lehrlingsabt.: Friedenstr. 37; 3. Lehrlingsabt.: Boeckh- straße 17/20; 6. LehrlingLabt.: Reichenbergerstr. 67/70; 1. Damen- abteilung: Marianuenufer la.— Tumv.„Eiche", Küpenick, Männer- u. Jugend- abteilung: Kleiws Hotel(Wilhelmsplatz), abds. 7V--9�. Uhr: Uebungsst. —„Freie Tumerschast Rixdorf- Britz", Bcthge, Britz, Chausieestr. 39, 6'/, biS 8Vz Uhr: 2. Schülerinnen-Abteilung, 8»/- bis 10'/, Uhr: 2. Frauen- Abteilung.—„Tilwerschaft d. V. Nereus"(gegründet 1882), Männerabt., Reichenbergerstr. 131/132, abds. 8-10 Uhr., Dauienabt. Manteuffelstr. 7; abds. 8—10 Uhr.— Tumv.„Froh und Frei", Groß- Lichterfelde, Pagel, Chausieestr. 104, abends 8V2 bis IG/z Uhr.-„Freie Tumerschast" in Friedrichsseldc, abends 8»/,— IG/, Uhr, bei Bube. Priiizen-Allee 30. Arbeitcr-Iteuographeiivercine.„Stolze"(Einigungssystenl), Luisen- städtisches Klubhaus, Auneustr. 16, abeitds S1/, Uhr. Ggidh-Bereittignng. Dienstag, den 6. Februar 8»/, Uhr abend» Diskilssionsabend Niederwallstr. 20.„M. v. Egidys Stellung zur Frauen- frage"- Rcserentin Frau Deutsch. Gäste willkommen. Bureau AngefteUte der Gerichtsvollzieher. DienStag, den 6. d. M., abends 8>/z Uhr, Alte Jakobstr. 75(Feuersteins Festsäle). Tagesordnung: I. Die Uiugesialtung des GerichtSvollzicherwesens und ihre Einwirkung auf die Verhältnisse der Angestellten, 2. DiSkuffio», 3. Beratung und Beschluß� sasiung über eine an daö preußische Abgeordnetenhaus zu richtende Petition. I Wo KaiTee getrunken wird, empfiehlt es sieh sowohl aus Ge- sundheits- wie aus Sparsamkeits- Etlcksichten, den wohlschmeckenden Kathreiners Malzkaffee zu verwenden. Mnk2M.L reell und gewissenhaft, plombieren 1 M. Zahnziehen völlig»chmerzlo». Sprechstunden 8—8. Ii«wge, Blumenstr. 25, Ecke MarkuLstraße. Maurer- oder Zimmerpoliere. Kleine Ba,»stellen°uch Ecken chöneberg Baugeld bimg zu verkauf«». Reflektanten wollen ihre Adresse abgebe» suh O. 8 in der Exp. d. Bl. diarlotteiiburg!! ___ ührmachep Kunstmann, Wallstrasse 1. Reparaturen schnell, durchaus zuverlässig nnd nicht teuer.[* Blumenhandlnug und Kranzbindcrei von s343(5L� Otto Knabe 10 a Admiral- Strasse 10 a empfiehlt WidmungS kränze, Sträuße, KotillonS, Topfgewächse aller Art. liraiisbkiidereK n. 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Allen denen, die sich durch mangelhafter, schwer verdaulicher, zu heißer ober Lebensweise ei» Magenleiden, wie: Magenikalarrh, Magenkrampf, Magenschmerzen, fckivere Uerdanung oder Uerfchlrimung zugezogen haben, sei hiermit em gutes Hausmittel empföhle», dessen vorzügliche Wirkungen schon seit vielen Jahren erprobt sind. Es ist dies das bekannte Verdamtngs- und Ktutmmguugsuutte!. der Hubert Nllrich'sche Kräuter-Wei«. Dieser KrUntcr-Wctn ist uns vorxit�Uchen, Iielll fumlencn Krilntern mit grutcin Wein bereitet, und belebt den Yordannnzxsorpranisnins des Beiiscben, ohne ein Abführmittel xu sein. Krauter-Wein bosclticrt StbrnnRen In den BliitKcfiissen, reinigt das ICIut von verdorbenen krankmachenden Stoffen nnd wirkt fbrdernd auf die iKenbildnng; gesunden Blutes. Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter- Weins werden Magenübel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen, seine Anwendung anderen scharfen, ätzenden, Be- sundheit zerstörenden Mitteln vorzuziehen. Shiuptome, wie: Kopfschmerzen, Anfstoftcn. Sodbrennen. Blähungen, Uebclkeit mit Erbreche», die bei chronische»(veralteten) Magenleiden um so heftiger auftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. >wd deren niiangenehme Folgen, wie Beklemmung, odtUlllötttlölllUilg Kolikschmerzen, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, sowie Blutanstanungen in Leber, Milz und Psortaderspstem(Hämorrhoidalleiden) werden durch Kräuter-Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuler-Wein behebt Nnverdanltchkcit, verleiht dem Verdaunngsivstem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl untauglich« Stoffe a»S dem Magen und den Gedärmen. Sf Lageres. bleiches Aussehen, Klutmaugel, Ent' sind meist die Folge schlechter Verdauung, mangelhaster Blutbildimg und klUstaUg etncs krankhaften ZustandeS der Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkeit unter nervöser Abspannung und GemüthSverstimiunng, sowie häufigen Kopsschuterze», schlaf» losen Nächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. Kräuter-Wein Riebt der geschwächten Lebenskrast einen frischen Impuls. MF" Kräuter-Wein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Srnähnmg, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und vcrdcffert die Blut- bildung, beruhigt die erregten Nerve» und schafft dem Kranken Lebenslust. Zahlreiche Au- erlennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kräutcr-Wein ist zu haben in Flaschen 5 1,25 und 1,75 M. in sämmtlichen Apotheken von Berlin und Berlins Bororten, sowie in Preußen, ganz Deutschland und im Auslände in den Apotheken. Auch versendet die Firma„Hubert Ullrich, Leipzig, Weststraste 82", 3 und mehr Flaschen Kräuier-Wein zu Originalpreilcn nach allen Orten Deutschlands porto- und kifteftei. W?- Vor Nachahmnngen wird gewarnt 1 Man verlange ausdrücklich Sjjy* Hubert Ullrlch'afchew"WQ Kräuter-Wein._ Mein Kräuter-Wein ist kein Geheimmittel; seine Beftandtheile sind: Malagawein 440,0, Weinsprit 100,0, Glyceri» 100,0, Rothwen» 240,0, Ebereschenfaft 150,0, Kirschsaft 320,0, Manna 30,0, Fenchel, Anis, Helenenwurzel,-meril. Kraftwurzel, Enzianwurzel, Kalmuswurzel»a 10,0. Diese Beftandtheile misch- man. 61932» Kür den Inhalt der Inserate iiberniinint die Ztedaktio» dem Vnbliknin gegenüber keinerlei Vermitüiortnug. Tszeakev. Dienstag, 6. Februar, Opernhaus. Mignon, Ans. 7�2 Uhr. Schauspielhaus. Ei» Soiüiner- nachtstraum, Anfang 7r/z Uhr, Deutsches. Der Probekandidat, An- sang 7l/z Uhr, Lessing. Als ich wiederkam... 'Anfang 7l/z Uhr, Berliner. Das Erbe. Anfang 7'/2 Uhr, Neues. Nackte Kunst, Anfang 7-/2 Uhr, Schiller. Der zerbrochene Krug, Hieraus: Amphitryon, Ansang 8 Uhr, Weste». Der Zigeunerbaron, An- sang 7-/2 Uhr. Thalia. Im Hiimnelhos. Anfang 71/2 Uhr, Mesidenz. Die Dame von Maxim, Ansang 7'/j Uhr, Lnisen. Kcan, Anfang 8 Uhr, Central. Die kleine Excellenz, Ans, 71/, Uhr, Carl Weift. Die Jagd nach dem Gluck oder: Die Diebin, Ansang 7V- Uhr. Bictoria. Berliner Bilder, Anfang 8 Uhr, Friedrich- Wilhelmstädtisches. Im weihen Riifj'l oder: Als ich wiederkam, Anfang 8 Uhr, Metropol. Specialitätenvorstellnng. Die verkehrte Welt, Anfang 8 Uhr, Apollo. Specialitäten- Vorstellung. Im Reiche des Jndra, Ansang 7-/2 Uhr, Palast. Specialitäten- Vorstellung, Der selige Zwiebelmann, Ansang 8-/2 Uhr. Oleichshallc». Stettiner Sänger, Anfang 8 Uhr, Passage- Panoptiknn«. Special!- lälen-Vorstellung, Urania. Jnvalidenstr. 57/ß2. Täglich abendö von S— U> Uhr: Sternwarte, Taubenstrafte 48/ckS. Abends 8 Uhr:»Von den Alpen zum Vesuv". Thalia-Theater. Tel. AmtIVa 6440. Dresckenerstr. 73/70. täglich: Noch nie dagewesener Possen- Lacherfolg k Jul Himiuelhof. Thomas, Thielscher, HelmerdMg, Junkermann, Paulmüller. Anfang 7Vz Uhr, Morgen und folgende Tage: Im Hiinmelhof. CarlWeiss-Theatep Gr. Franksnrtcrstrafte I3Ä. Novität! Novität! Die Jagd nach dem Glück oder: Die Diebin. Realistisches Ausstattungsstück mit Ges. in 7'Bildern von Carl Weiß, Musik von L, Fall, Anfang 8 Uhr, Vorzugsbillets haben Gültigkeit, Im Tunnel v, 7 Uhr ab llreiüonrert. Morgen: D-eselbe Vorstellung, Sonnabcndnachmittag 4Uyr: Kinder- Vorstellung, Rothkäppchen. Märchen- spiel mit Gesang und Tanz in sechs Bildern von Willy Laug, Kl, Preise, Schiiltr-Theilttr tWalluer-Thcater). DieitStag, abends 8 Uhr: Der«eebcOeheue Krug. Lustspiel in 1 Akt v, Heinr, v, Kleist, Hierauf: rAil>phitr)'«n. Lustspiel in 3 Akten nach Moliöre von Heinrich von Kleist, Mittwoch, abends 8 Uhr: Der zerbrochene Krug. Hierauf: Amphitryon. Donners tag, abends 3 Uhr: .Freudvoll und Icidvoll. Palast-Theater früher Feen- Palast; Siirgiir. 22. Großer Erfolg des neuen F e b r u u r- P r o g r a m m s. Erstklassige Specialitäten. Neu! Sceuen vom, Neu! Krlegzecliauplatr In Transvaal. Um 8>/z Uhr! Novität! GroßerBeisall! Direktor, Mob. Winkler u, Wilb. Gräbel in derurlomischenFastnachts-Bnrlcsle: Der selige Ziviebellllailil. Ans, 71/2 Ichr. Vorverkauf v,U-1 Uhr, Sonnabend nach der Vorstellung: ZW- Tanz. Mittwoch, den 21. Februar: Benefiz für die beliebte Soubrette»elene Voss, Einmalige Aufführung„Im weissen liossl", Urania Dauben Strasse 48/40. Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen zum Vesuv". Hörsaal: Dr. Nass„Die Zuckerfabrikation". Invalidcnstr. 67/60: Tag!. Stern wart©. Nachmittags 5—10 Uhr. m— CASTANS iPANOPTICUMI g\cn! A'eu! Xen! I Ein Riese der englischen Armee Sergeant Tb. Dalroy 3 m 30 cm hoch! Oberbayrische Säuger > und Schuhplattler• Gesellschaft. Anatomisclies Museum. Im Passage-Panopticum geöffnet 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Montag u. Dienstag abends 8 Uhr; Vortrag eines hiesigen Arztes: „lieber das menschliche Auge". Montag für Herren, Dienstag für Damen. Cvtitval Ijcalcu Direktion: Jose Ferenczy. Die kleine Exceiienz. Operette in drei Akten von Richard Heuberger, Anfang 71/2 Uhr: Morgen und folgende Tage: Die kleine Exccllenz, Sonntagnachmittag 3 Uhr zu halben Preisen: Der Dettelstudent. Operette von C, Millöcker, Ml. Noacks Theater, Brunnenstraße 16. Mutter und Sohn. Schauspiel in 5 Akten von Charlotte Birch-Pseiffer, Wieden Sonntag, Dienstag und Donnerstag nach der Vorstellung: Tanzkränzche». Apollo-Theater. Heute zum SO. male; km Reiche des Indra. Ferner: Schwestern Serini. Hill u. Hüll. Dell Oro. I,a Fagotte. Dagmar Hansen. DW- Acquaniarinofls.-MG Der Kosmograph, Neueste Aufnahmen vom Transvaalkriege. Ephraim Thompson. Anfang VsS Uhr. t •-...------------... Sohne Berufsst: R. Wagner, Natur- Htilvechhttll. Haut-, Harn- u Blasenleiden. Frauen Krankheit., heilt sicher Beruföstärung, s3444L' Wallstrahe 23, g-2,s-S,St,S-2 \ Civ�kus Schumann. Heute, Dienstag, den 6, Februar cr,, abends präc, 7l/z Uhr: Gr. Moustre• Vorstellung. Ganz besonders gewähltes Programm, Zum Schluß, zum 4, Male: Dr. Faust. Eine romantisch-phantastische Handlung in 3 Abteilungen mit teilweiser Benutzung des Heinrich Heineschen Tanzpoems gleichen Namens und des Slmrockschen Volksbuches, vonAugust Siems. In Scene gesetzt vom Direktor Albert Schumann und Hof- Ballettmeister Siems. Regie Ballett- meister Reisinger, Musik von Heper, 1, Akt: Im Studierzimmer des Dr. llaust, Schluß des Aktes: Im Reiche der Liebe, 2. Akt: Ein Schützenfest Im 16, Jahrhundert endet mit der Entführung des Dr, Faust, 3, Akt:. Die Herzogin von Parma; daraus folgend der Hexensabbath aus dem Blocksberge. Faust« HUIlenfahrt. Reichshallen. Täglich: Stcttlner Sänger Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr Entree 50 Pfennig, Vorverlauf 40 Pf. iSnftrliztS iskipiw! Sanssouci Kottbuserstr. 4 a. Heute Dienstag: Hottniänns MHeutsche Ziiilger Ballettratten. Tiehste liebe Hanne. Präsident Krüg er. Mittwoch: läeiiie Soiree. Wedding-Papk> Müller- S t r a s s e 178� && Norddeutsehe Säng/er. 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