Unterhaltungsblatt des'Vorwärts Nr. 192. Mittwoch den 4. Oktober 1911 unter dem Tor'�es Schlosses nachgerufen. Ein Kniff, der sie bis zuletzt in Sorge und Spannung erhalten und auch das leiseste Miß- trauen in ihrer Seele ersticken sollte. Der Mann, der si. so hinter sich herlaufen ließ, konnte nicht mehr verliebt s.in. Das sollte sich die hochmütige Dirne sagen. Und sie sagte sichs auch, während sie jetzt dahinschritt, immer tiefer in die Einsamkeit hinein, ganz allein mit sich und ihren Gedanken. Was nützte es auch, wenn der Schönbacher Schreiber die Sache in die Hand nahm? Der hatte schon so vieles vcr- dorben! Und kam man endlich zu seinem Recht, kostet«, es einen Haufen Geld. Die Herrschaft aber behielt den Baiur dennoch unter der Fuchtel, bis zuletzt. Da war � es schon besser, m�n bat um gnädige Nachsicht und brachte alles wieder ins alte Gleis. Auch wenn es der Vater anders wollte. So ganz von ihren Gedanken eingesponnen, fiel es der Annaliese nicht einmal auf, daß sie noch inimer allein blieb, weder vor sich noch hinter sich eines der alten Weiber oder Mädchen sah. die man mit ihr zur„Klaubung" befohlen. Sie war wohl auch um vieles früher aufgebrochen als die anderen und wenn sie es recht bedachte, war es nicht bloß die Angst, den gnädigen Herrn zu verpassen, die sie so früh aufgejagt hatte. Auch ihrer Eitelkeit siel ein Teil daran zu, der Eitel- keit, die sich so lange in der Vorstellung gefallen, daß es dev „gnädige Herr" schier nicht mehr aushalten könne ohne sie. Wenn er sie aber da draußen wieder nicht an sich heranließ? Ihr vielleicht gar ein barsches Wort gab oder sie wieder fort- tvcisen ließ, wie gestern, ivährend sie auf den Knien va ihm lag. die Hände gefaltet! Wenn nun gar die anderen schon da wären! Sie konnte ihnen ja nicht die Augen verbinden. Abends würde es das ganze Dorf wissen und wie die Men- schen sind... Am Ende hieß es vielleicht noch, daß sie seilst den Herrn Grafen ins Gerede gebracht! Kam eines nur so recht ins Unglück hinein, fanden sich immer noch einmal so viel Hände als nötig, den lieben Nächsten zu steinigen. „O Maria," betete sie:„Nur das nicht— nur das nicht!" Ja, wenn alles so kommen sollte, wie sie es wünschte und brauchte— mußte fast ein Wunder geschehen! Da und dort piepsten schon leise die Vögel auf. Aecker und Wiesen gaben einen herben Duft von sich. Die silbemen Schleier, die bisher wie eine glatte Decke über den grünen Flächen gelegen, begannen sich im Morgenwind zu heben und wie durchsichtige Gestalten emporzurecken. Als glitte ein grauer Gcspensterrcigen dahin, vom ersten Lichtstrahl aufge- scheucht, Hand in Hand, mit lang nachflatternden Ge- wändern. „Nur schon dort sein, nur schon dort sein!" dachte die Annaliese. Als sie jedoch einen Blick nach rückwärts marf, merkte sie, daß sie noch immer die-Sinzige war, die auf dem langen Wege dahinlicf. Die Strecke vor ihr ober war doch um vieles kürzer geworden und der Wald, er bisher wie eine dunkle Mauer am Horizont gestanden, bekam langsam Farbe und Form und begann mit den grünen Zweigen herüberzu- winken. Wie ein geheimnisvolles Nicken war's, das che wieder Ruhe gab und eine Gewähr schien für die Erfüllung dessen, was sie von diesem schweren Gang erwartete. Schon stieg der Pfad langsam an. Die Weizenfelder wurden von den Wiesen abgelöst: ihnen folgten die Kartoffel- äcker. Zulebt versank der Weg in einer Mulde. Hatte sie die hinter sich, stand sie schon am Rande des Waldes.� Dann ging es immer tiefer in das grüne Schweigen hinein, über knorrige Wurzeln, unter aufschauernden Wipfeln dahin bis plötzlich die Heide im goldigen Schimmer der Ginster- und Kümmel- blütcn dalag, still, atemlos, wie verzaubert,„Oedung Pe- trowitz"! Plötzlich flog ihr ein leiser Schrei über die Lippen. Dort stand ja die Jagdkalesche des gnädigen Herrn. Knapp am Rande der Mulde. Die Pferde grasten die Böschung ab. Der Kutscher saß am Bock und duselte vor sich hin. „Da bin ich!" dachte das Mädchen. Und während ihr Blick noch einmal den ganzen, langen Weg zurücklief, atmete sie wie erlöst auf.„Niemand wird es sehen, niemand!" dachte sie und sie lief förmlich an der Kutsche vorüber, bis Brom- beerhecken und Haselbüsche mit leisem Geraun hinter ihr zu- sammenschlugen. Von den Zweigen, die im Morgenwind langsam auf- und nicderwippten, fiel ihr der Tau ins Gesicht, blanke, frische Tropfen, die ihr die brennende Stirn kühlten. Ein Wald- kauz, der sich zu lang auf der Jagd herumgetrieben, huschte torkelnden Fluges on ihr vorüber, wie geblendet von der Tageshelle, die allmählich auch in die grüne Wildnis einbrach. Da und dort hob ein äsendes Reh den Kopf und sah mit großen Augen nach ihr. wie unschlüssig, ob es fliehen oer stehen bleiben solle. Die Schmetterlinge hingen noch mit ge- schlossencn Flügeln on den Blumen. Aber Käfer und Fliegen begannen schon die Stille mit ihrem cintöyigen Gesumme zu erfüllen. Nun stöhnte eine Rohrdommel aus. Ganz deutlich klang ihr Ruf durch das Dickicht herüber. Da waren die Teiche nicht mehr weit und mit ihnen die Oedung. Hatte der Graf den Hahn angesprungen, ließ er sich von ! seinem Leibstzger wieder über den Teich nach der Jagdhütte ! rudern. Auch das hatte der Mexikaner der Annaliefe gesagt. — ,vv— damit sie ja genau wisse, wo und wie lange sie zu warten habe. „So still wie's noch ist, muß ich ja auch den Hahn hören," dachte sie, während sie auf die Oedung zuschritt.„Den Hahn und den Schuß...." Fiel er da nicht eben mitten in dos Schweigen hinein, dumpf knallend und dann langsam der- rollend� Aber nein: Es war nur ihr eigenes Blut, das plötzlich so seltsam laut wurde in den Ohren, daß sie allerlei Laute und Stimmen und Gott weiß was zu hören meinte! Tief aufatmend blieb sie stehen, stellte die Schwinge ins Gros und preßte die Hände eine ganze Weile wider die hochgehende Brust.„Ausschnaufen," dachte sie«ausschnaufen!" Sie war ja wirklich wie toll gelaufen! Aber das seltsame Gehämmer ihrer Pulse kam nicht zur Ruhe. In den Ohren sang es weiter... leise, feine, fremde Stimmen, als hätte sich Plötz- lich irgendwo dos Tor zu einem spukhasten Reich geöffnet und sie stünde nun da, wie gelähmt und hörte, was Menschen sonst nicht zu hören pflegen. Ein Grauen überkam sie und doch war auch eine Art geheimer Lust dabei, daß ihr plötzlich schien, als stünde sie neben sich selbst und starre mit zwei auf- gerissenen Augen eine andere Annaliese an, die sie war und doch wieder nicht. „Was will ich denn?" fragte sie sich.... Da klang es zu ihr herüber und riß sie empor....„Tek— tek, tek— tek— tef— tef!" als schlüge man zwei harte Stäbe gegeneinander, der Hahn! Nun war es Zeit, hinauszukommen, wenn sie im rechten Augenblick am Ufer stehen sollte. Aber der Hahn mußte doch entfernter bäumen als sie glaubte. Oder der gnädige Herr ging ihn nur sehr langsam an.„Tek— tek, tek— tek, tek. tek," klang es immer wieder durch die Sttlle herüber. Warum ihr plötzlich war. als sehe sie den Grafen, obwohl sie mit geschlossenen Augen dastand, die nackten Füße schon mitten im weichen Heidemoos. O ja, es mochte schon eine Lust sein, an eine Beute so heranzuschleichen, miten in dieser tiefen, atemlosen Stille! Die ganze Seele von einem Wunsch erfüllt; von einem Begehren, das den Menschen förmlich wie blind mit sich forttrug.„Tek— tek, tek— tek. tek, tek." Und das Tier saß da und ahnte nichts. War selbst eitel Lust und Begehren. Der Tod aber kam näher und näher. „Geduld gehört dazu," dachte die Annoliese.„Geduld bei so viel Mer." Und wieder sah sie den Jäger vor sich.... Schön war er schon, der gnädige Herr. Schön und stolz. So ein Mann, dem nichts entkam, was er ernstlich wollte. Auch sie hatte er einmäl gewollt. Warum ihn da die Geduld ver-. lassen? Sie machte sich eine Sünde daraus, wie sie so dastand und auch an das dachte, jetzt an das denken mußte, ob sie wollte oder nicht. „Tek— tek. tek— tek. tek. tek...." Aber... war das nicht ein Glück für sie. daß es so ge- kommen? Wenn er wieder hinter einer anderen herlief, hatte sie Ruhe. Wie hätte sie diesen Gang sonst wagen können? Wieder blieb ihr der Atem aus, begann das Blut in ihren Ohren zu singen, leise, leise, wie mit einer fernen, fremden Stimme. Und dieser Alp. der auf ihrer Brust lag! Das Frösteln, das ihr durch die Glieder lief... das Geraun und Gezische!, das über den blühenden Ginster und Kümmel her- kam. „Oedung Petrowitz!" Sie schrak zusammen, schlug ein Kreuz. Wenn die Leute recht hätten, und es wirklich nicht geheuer war hier? Mit ein paar raschen Sätzen sprang sie über das Gekräut hinweg, bis sie am anderen Ufer des Teiches stand. Und drüben ging es weiter.... Nur daß die harten Balztöne nun allmählich zu einem lockenden Geschnalz wurden. Dann wieder dieses tiefe, beklommene Schweigen, als täte sich ein Abgrund auf, um irgendeinen Schreck hervorzuspeien, einem bösen Geist den Weg freizugeben. Wie eine heiße Welle schlug ihr das Blut in die Wangen, benahm ihr den Atem— beklemmte ihr das Herz... ließ sie plötzlich wieder zusammenschauern, als ränne ihr Eis durch Mark und Bein. Nun ja, sie hatte noch nie allein gesprochen mit einem so stolzen, strengen Herrn. Und wenn sie einmal gemeint hatte, daß das nicht so schwer wäre... nun ließ er sie's fühlen! Der Hahn war nur eitel Lust, wußte von nichts. Aber wie... wenn der Schuß dort drüben knallte, der Jäger seine Beute hatte und das Nuder die trägen Wellen des Teiches klatschend auseinanderschlug. Wie es ihr dann wohl zumute sein wird?(Fortsetzung folgt.) (Nachdruck tttdottn] 22] Die JVIeirtmn* Der Paul ließ sich überreden; aber er schüttelte sich doch mchi wenig, als er einen Schluck heruntergewürgt hatte. Das war dies« mal kein.Süßer", wie gestern.„Alter Breslauer", meinte der Joseph. Der brannte, als wenn man Feuer verschluckt hätte. Hinterher tat ihm der Schluck aber doch gut, und.es dauertet nicht lange, nahm er einen zweiten aus der Flasche. Verschwommen, nebelhaft tauchte ein Bild vor ihm auf aus denb Dämmer der Erinnerung: wie er dem Glück-Schuster einmal im Kretscham das Schnapsglas aus der Hand geschlagen hatte, das der ihm an die Lippen zwingen wollte. Er erzählte dem Joseph diese Erinnerung. Der lachte dazu unS meinte: „Als Junge is man nu manchmal su tumm!" „Ach, weißte: die Mutter. Die hatte mirsch doch strenge ver« boten!" Heute empfand ers: die Mutter war bei dieser Mrtshausszeno nicht dabei gewesen, aber an seiner Seite gespürt hatte er sie doch, gefühlt hatte er, wie sie ihn zwang. Immer hatte sie ihn gezwun- gen! Es war plötzlich etwas in ihm, was gegen diesen Zwang sich wehrte, was ihn treiben wollte, ihn abzuschütteln. Da riß der Joseph ihn aus diesen auswühlenden Gedanken: „Na gell,'s war gemütlich gestern!" Des Burschen Gesicht strahlte in der Erinnerung. „Fein warschl" „So eine Zicke mach ber öfter jetzt, na gell?" Da erlosch jäh der Glanz in Pauls Augen wieder, und er fühlte aufs neue die Härte des Zwanges, unter dem er stand: „Wenn ock die Mutter nich immer gleich asu tücksch wäre!" „Du bist doch kein kleiner Junge nich!" Da begehrte der Paul ärgerlich auf und schlug mit der Fans? auf das Brett, das er gerade abschrubben wollte: „Bloß wissen mächt ich, was sie gegen a Glück-Schnster eigen t« lich hat!" Der Joseph schupste spöttisch lächelnd mit den Achseln: „Was wird sie halt haben gegen ihn!?" und er sah dabei zwinkernd zum Paule hinüber. „Daß er manchmal halt einen Schnaps hinter die Binde gießt, das wirds ganze sein!" „Das is doch aber kein Grund," wurde der Paul wild. Solche Ungerechtigkeit konnte ihn mächtig erbosen. Und der Joseph bestätigte ihm die Richtigkeit seines Gefühls: „Nee, a Grund is das nich!" „Na also! Js'der Mann vielleicht verwegen schlecht, hä? Liegt er vielleicht Tag für Tag betrunken im Straßengraben, hä? IS er verwegen liederlich, hä? Andre, die treibeas viel schlimmer, gegen die is sie nich so! Sie gönnt'n ja auch keen(jutes Wort, aber a Schuster, ich sag Dir, a Schuster haßt sie, als warsch der leibhastige Satan!" „Ju, das stimmt, da haste recht!" nickte eifrig der Joseph. „Aber warum denn, hä? Warum denn, frag ich Dich!" Der Bursche erboste sich immer mehr. Noch nie hatte er bisher darüber nachgedacht, wie sehr die Mutter gegen Bier und S-bnaps war, wie sie eher einen Diebstahl, vielleicht gar Mord und Totschlag verzieh, als Trunksucht. Er hatte diese Ansichten der Mutter immer als etwas Sclbswerstöndliches hingenommen, dem man sich fügen mutzte; heute kamen ihm zum ersten Male Gedanken darüber und er konnte die Mutter nicht begreifen. „IS denn der Schnaps eine Sünde, hä?" eiferte er sich immer tiefer in einen wütenden Trotz gegen den Zwang der Mutter hinein. „Wird man denn schlecht, wenn man einen trinkt? Ich Hab nn gestern auch Schnaps getrunken! Haste was gemerkt, daß ich schlechter geworden bin, hä? Haste was gemerkt, hä?" Er war ganz dicht an den Joseph herangetreten und blitzte ihn mit feinen zornigen Augen an. daß dem hätte angst und bange werden können, wenn er sich nicht so unbändig gefreut hätte darüber. „Skee," lachte er,„ich nich! Wer frag ock die Mutter, was die dazu meinen tut!" „Aber weißte: lustig macht er, der Schnaps! So viel gelacht Hab ich Dir in meinem ganzen Leben noch nich wie gestern Mendl" „Das glaub ich Dir uffs irschte Wort!" „Aber siehste, das is'S eben: Lachen und Lustigsein, daS is nischt für meine Mutter. Die Hab ich �>ir wirklich noch nich a einziges Mal lachen sehn. DeS kenn ich gar nich an ihr. Und mir gönnt sie auch kein Vergnügen, aber auch kein bissest Ock immer schuften, schuften und wieder schuften! Arbeite und bete! Das iS ihr Sprüche!. Aber's Arbeiten kommt bei ihr immer zuirscht. Wer arbeiten tut, der kommt uff keine tummen Gedanken nich, meint sie immer!" Der Joseph riß mehr und mehr Maul und Augen auf: War das der Paul, der da vor ihm redete? Der �ahme, gutmütige, ge- horsame Paul, dessen dritte? Wort immer war: die Mutter hats gesagt! Die Mutter mag das nicht! Die Mutter will das so!? Der Bursche war ja ganz rabiat geworden, gar nicht zum Wieder- erkennen! „Pürschcl, wart ab, wenn Dich die Mutter amal so Hort! drohte er dem Erregten lachend. m>- t,!'' ' Den schreckte«r aber nicht. „Sie soll mich hören," schrie er heftig werdend.»Ich wer'sch shr schon amal sagen. Oder denkste etwan, ich sagö ihr nich? Ich will mich anrnl lustig fein! Wozu is man denn jung? Ich will auch amal was haben vom Leben! Wozu lebt man denn? Doch nich bloß zum Arbeiten! Man lebt ja ohnedaS bloß einmal!" „Gelt?" lachte der Joseph,„aus die gescheiten Gedanken hat Dich erst die Grete gebracht!" Der Paul wurde feuerrot und wollte ausweichen; aber der .Geselle hielt ihn fest: „Gibs ock zu! Ick habS ja gleich gemerkt und Glück-Karle auch!" „Hat er was gemerkt?" fragte der Bursche erschrocken. Der Joseph wollte sich ausschütten vor Lachen: „Da? hätt ja gar a blinder Hesse fein müssen, der bei euch beiden nischt gemerkt hätte!" Schüchtern vertraulich kam der Paul näher. „Du," fragte er verlegen, ohne den Freund anzusehen,„was meinste: ob... ob er mir... sie geben tat?" „Heiraten willst sie?" tat der Joseph, lustig verschmitzt die Augen zukneifend, ganz verwundert. „Nu freilich! Was denn sonst?" „Wenn aber die Mutter nich will?" Das Geficht des Burschen verfinsterte sich. „Da hat sie mir nischt reinzureden. Da hängt mein Lebens- glücke dran! Da versteh ich keinen Spaß nich!" Der Joseph blieb bei seinen Zweifeln: „Ich alaubs nich, daß sie's zugibt!" Das brachte den Paul erst recht in Harnisch und trieb ihn— so wollte eS der Joseph— noch tiefer hinein in den Trotz gegen die Mutter. „Weißte denn schon, ob die Grete Dich will!" Er schmunzelte verschmitzt: „Ich denk schon!" „Hast sie schon gefragt?" „Gefragt nu grade nich!" „Da tät ich sie nu aber doch schon lieber fragen!" riet der Joseph und trat dicht an den jungen Burschen heran:„Weißte," flüsterte er und fuchtelte dabei, um seinen Worten Nachdruck zu geben, mit der Faust ihm vor dem Gesicht aus und ab.„weißte was? Heute Abend geht der Karle aus Moschwitz in a Kretscham, da is sie allein d'rheeme. Wenn ich an Deiner Stelle wär, ich tät Hingehn und tät sie fragen!" „Meinste?" fragte der Paul zaghaft und sah dem Gesellen prüfend in das Gesicht, ob er es ernstlich meine. „Nu, aber sehr!" Da er in den Mienen seines Bertrauten nur treuherzigen Ernst las, wie der Joseph ihn so gut zu heucheln verstand, war er fest ent- schloffen, am Abend sein Glück zu versuchen. Nun war die schlechte Stimmung vom Morgen mit einem Male Verflogen; lustig pfeifend handhabte er fleißig Schrubber und Rauh- dank, und als sein erregtes Blut ihm einmal im Ohre zu fingen anhub, fragte er scherzend: „In welchem Ohre klingts?" „Im rechten!" riet der Geselle. „Stimmt!" „Da red't einS was von Dir," lachte der Joseph verschmitzt, „was Gutes!" Auch der Paul lachte und wußte wohl, wen der Freund meinte. „Prost!" schrie der und griff nach der Flasche.„Dadruff trinken wir amall" Er reichte sie dem Tischlerssohn und der tat ohne Zögern einen tüchtigen Schluck; diesmal brannte der Schnaps schon nicht mehr so wie zuerst.— Der alte Volksglaube, der dem Paul«ine gute Nachrede ge- weissagt, hatte diesmal recht: in derselben Stunde redeten der Glück-Schuster und seine Tochter miteinander von dem Sohne der Rother-Tischlern. „Er gefällt mir!" hatte das Mädchen dem Vater erklärt.„Ich will ihn!" „Heiraten?" fragte der lauernd und überflog, von unten auf- sehend, mit rasch prüfendem Blick das energische Gesicht der Tochter. Die aber blitzte ihn mit ihren blanken Augen nicht schlecht an: „Was denn sonst?" „Wenn die Alte nich wär," zweifelte der Schuster. „Die Heirat ich nich!" „Der Paul muß, was sie Willi" Da trat die Grete vor den Vater hin und straffte den jugend- schönen, schlanken Körper. „Bin ich nischt?" fragte sie. In den energisch blitzenden Augen, in der ganzen siegessicheren Haltung des Mädchens las der Schuster, daß seine Tochter vor ihm stand, die wollte, was er wollte, was er als Glück für sie, als Rache für sich selbst ersehnte. Da glaubte er an ihren Sieg, und ein wildes Leuchten des Triumphes überflog sein von tausend feinen Linien zerschnittenes Gesicht.— Von nun an war der Paul völlig im Bann der Schusterleute. Wie verwandelt schien der Bursche. Die Mutter, die sonst ihn so völlig in der Gewalt gehabt hatte, vermochte nichts mehr über ihn. Nicht einmal die Sorge um ihr Befinden, das fast von Tag zu Tag schlechter wurde, vermochte mehr, ihn nach Feierabend oder an Sonntagen an ihr Bett zu fesseln. AIS wenn er gar nicht sähe, daß sie krank, daß sie dem Tode verfallen war, akS wenn die Liebe zu ihr mit der Furcht vor ihrem Zwang völlig aus seinem Herzen qjt» wichen wäre. (Fortsetzung folgt.), Oer I�aiibenKolomrt als Gärtner und Klcxnturzücbtera Winterschutz. In der Regel stellen sich die ersten Nachtfröste anfangs Oktober ein. In diesem Jahre, das za vom Frühling bis jetzt unberechenbare Launen zeigte, überraschte uns der erste Nachtfrost bereits im zweiten Drittel des September. Wtts im Gemüsegarten nicht ganz frostfest war, das Laub der Kartoffeln, der Gurken und Kürbisse und die Tomaten, das fiel ihm zum Opfer. Aber em solcher Früh- frost erschüttert auch vielfach das sonstige Pflanzenleben, ohne daß wir es zunächst merken, dem, in seinem Gefolge tritt Stillstand im Wachstum fast aller Gewächse ein, und der energische Laubsall der Bäume folgt ihm auf dem Fuße. Wenn die Blätter fallen, stellt der Garten die letzten Anforderungen an seine Pfleger. Es heißt dann einerseits Maßnahmen zu treffen, die unsere Lieblinge gegen harten Frost schützen, andererseits aber auch den letzten Teil der Ernte einzuheimsen und sachgemäß zu versorgen. In unseren Zier- gärten werden nicht mehr viele Pflanzen angebaut, die eines nach- haltigen Winterschutzes benötigen. Schutzbedürftig find hier in erster Linie die feineren Rosen; zu ihnen gehören weder die Schling» rosen, noch die direkt von den verschiedenen Wildrosenarten ab« stammenden Strauch- oder Buschrosen, die sich jedem Winter ge« wachsen zeigen, sondern nur die feineren Hochstamm- und Gruppen- rosen. Tee-, Noisett- und Bourbonrosen sind am empfindlichsten die am meisten angepflanzten Teehybrid- und Remontantrosen, so» wie die Monatsrosen vertragen schon eine gute Portion Winter« kälte. Vorsicht ist aber, wie man zu sagen pflegt, auch bei ihnen besser als Nachsicht; deshalb bietet man ihnen Schutz. Da di« Blätter der Gartenrosen sehr festsitzen, und oft noch im Dezember nicht fallen wollen, aber auch n,cht mit eingeschlagen werden dürfen� weil sie sonst Fäulnis hervorrufen, entblättert man jetzt alle Rosen- krönen. Sie bleiben dann blattlos stehen, bis ernstliche Fräst» drohen. Dann erst werden die Hochstammrosen von den Stäben losgebunden und vorsichtig mit den Kronen zur Erde niedergelegt, worauf man die Kronen vollständig mit lockerer Erde bedeckt. Wo es nötig ist, wird der Stamm zunächst mit einem Holzhaken an der Erde verankert. Hat man alte unbiegsame Stämme, die beim Umlegen zu brechen drohen, so läßt man sie am Pfahl stehen und bindet die Krone in Fichten- oder Wacholderzweige ein. Stroh ist zu vermeiden, da dieses die Mäuse anlockt, weiche Knospen und Zweige im Winter aonagcn. Niedrige Rosen werden am besten in der Weife geschützt, daß man die umgebende Erde Pyramiden- förmig an die Krone heranzieht. Aus dem so gebildeten maul- wurfsartigen Erdhügel dürfen die Zweigenden ruhig heraussehen« da im Frühling doch ein starker Rückschnitt erfolgt. Von anderen Ziersträuchern, die einigen Winterschutzes be» dürfen, kommen noch verschiedene immergrüne Gehölze in Frage: die Alpenrosen, Stechpalmen, Kirschenlorbcer und ähnliche. Die Erfahrung hat gelehrt, daß diese Pflanzen im Winter weit mehr durch Trockenheit, als durch Frost leiden. Bei ihnen kommt e» darauf an, jetzt wiederholt gründlich zu gießen. Diese Arbeit wird solange fortgesetzt, bis man sich nach einigen Tagen davon über» zeugt hat, daß das fast allenthalben staubtrockene Erdreich wieder mit Wasser gesättigt ist. Nunmehr wartet man ab, bis der Winter Ernst macht und das Erdreich einige Zentimeter tief gefroren ist. Dann gibt man den in Frage kommenden Gehölzen eine tüchtige Laubdecke um den Wurzelhals. Der Durchmesser dieser Decke soll etwa dem der Krone des zu schützenden Strauche? entsprechen. Die immergrün beblätterten Zweige bedürfen keines besonderen Schutzes. Die beregte Laubdecke soll nur das tiefere Eindringen des Frostes, d. h. das Ausfrieren des Wurzelballens verhindern. Dadurch bleibt den Wurzeln die Möglichkeit, das den immergrünen Blättern von der trockenen Winterluft entzogene Wasser zu ersetzen, was eine gute Durchwinterung verbürgt. Die jetzt zu pflanzenden Blumenzwiebeln, wie Hyazinthen, Tulpen, Narzissen, Safran. Schneeglöckchen usw., sind für eine leichte Bodendecke dankbar. Man legt diese Zwiebeln jetzt, sobald es frostig wird, etwa ö Zentimeter tief in gut gegrabenes Erdreich und wartet dann gleichfalls ab, bis das Beet oberflächlich gefroren ist. Dann gibt man ihm eine Decke aus Laub oder halb verrottetem Pferdemist. Diese Zwiebeln arbeiten nämlich während des ganzen Winters, d. h. sie bewurzeln sich in der kalten Jahreszeit und bilden ihre Triebspitzen vor, welche im kommenden Frühling die Blüten bringen. Diese Vorarbeit ist aber nur möglich, wenn man das tiefe Eindringen des Frostes in den Boden verhindert. linier unseren Gartenstauden gibt es nicht viel schutzbedürftige mehr. Im allgemeinen benötigen nur die aus hochalpinen Regionen stammenden Kräuter eines leichten Winterschutzes, der am besten in Form einer dünnen, trockenen Laubdecke gegeben wird. Man darf nicht glauben, daß diese Gewächse im Hinblick auf die beträchtlichen Höhenlagen, in welchen sie vorkommen, winterhart seien. In den Hochalpen schützt sie bis in den Sommer hinein eine gewaltige Schneedecke, ivährend bei uns im Tale der Schnee bei großer Kälte meistens kehlt. Dieser Barfrost ist es, der das Leben der Alpen- kräuter bedroht und unter dessen Einwirkung auch unsere zweijährigen Frühlingsblüher, die Stiefmütterchen und Bergitzmeinnicht, häufig vernichtet werden, weshalb man auch diesen eine ähnliche Decke gibt. Der beste Schutz würden freilich dünne Fichten- oder Tannen- zweige sein, doch sind diese in unserer Mark schwer zu beschaffen. Man lege aber die Schutzdecke erst auf, wenn es not tut und nehme sie vorübergehend ab, wenn SchneefdJ oder Tauwetter eintritt; denn an milden Tagen faulen zarte Kräuter unter der Decke. Im Obstgarten werden jetzt die spätesten Winterfrüchte ab- genommen. Zunächst von entlaubten Bäumen, während man bei Bäumen, die noch gesundes Laub zeigen, mit der Ernte wartet. bis der Mnter Ernst macht. Zeigt der Mutterbodcn noch gute Bc- laubung, so ist mit Weiterentwickelung des Winterobstes zu rechnen, welchem zetzt auch der langentbehrte Regen zugute kommt. Erst Nachtfröste von 3— 5 Grad nötigen zu sofortiger Abnahme des Kernobstes von belaubten Bäumen. Wenn der Mnter vor der Tür steht, so greift Prietzke zu einem gewaltigen Eimer, in welchem er aus Aetzkalk und Wasser eine weiße Flüssigkeit wie Kalkmilch bereitet, dann nimmt er einen, an langer Stange befestigten Tüncher- oder Weißnerpinsel, taucht ihn in die Brühe und streicht damit seine Obstbaumstämme und die Hauptäste der Krone an. Dann nimmt er noch die Baumspritze, füllt sie mit der gleichen Brühe, um auch die klemen Kronenverzweigungen da- mit zu bespritzen. Ist das alles geschehen, so traut sich Frau Prietzke om späten Abend kaum noch in den Garten hinein, denn die bleichen Stämme sehen nun im Mondenlicht wie Leichensteine aus, zwischen welchen Gespenster zu huschen scheinen, die ihr Herz mit Grausen erfüllen. Ich habe Prietzke aber erklärt, daß er sich die ganze Arbeit des Kalkens der Bäume ruhig sparen kann. Eingehende Versuche, die erst neuerdings wieder in umfassender Weise in der königlichen Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau in Geisen- heim am Rhein ausgeführt wurden, haben den Beweis geliefert, daß das Kalken der Obstbäume weder Schildläuse von Raupeneiern, Puppen und sonstige Insektenbrut irgendwie zu beeinträchtigen vermag. Auch unter dem Kalkanstrich fühlt sich diese ganze Höllen- brut, wie man zu sagen pflegt, sauwohl und versteht es auch, im folgenden Frühling von hier aus den Weg in die weite Welt zu finden. Um dem Kalkanstrich insektentötende Kraft zu verleihen, müßte man ihm schon reichlich Lysol oder Creosol zusetzen. Da ober die mit Kalk angestrichenen Bäume abscheulich aussehen, so verzichte man lieber auf diese Anstreicherarbeit. In ungewöhnlich strengen Wntern hat der Kalkanstrich an frostempfindlichen Baumen einigen Zweck; er kann da Frostplatten und Frostrisse verhindern, die mitunter entstehen, wenn nach bitterkalter Nacht bereits in der Morgenfrühe die Sonne die Wolken durchbricht, die Stämme be- Strahlt und erwärmt. Die weiße Farbe des Kalkanstriches wirft ue Sonnenstrahlen zurück und verhindert dadurch die unvermittelte Erwärmung der befrorenen Stämme und Aeste. Auch wenn alte, rissige Stämme mit Moos und Flechten bewachsen sind, was man immer als krankhafte Erscheinung ansehen muß. greife man zum Kalkanstrich. Er hat in diesem Falle aber nur dann Erfolg, wenn man vorher mit einem eisernen Instrument, der Baumscharre, vorsichtig die rissige, abgestorbene Rinde bis auf die gesunden Teile vom Stamm und den Hauptästen entfernt und danach die gereinig- ten Teile mit einer Stahldrahtbürstc gründlich abbürstet Nun erst gibt man den Kalkanstrich, der in diesem Fall die zurückgebliebenen Mvos- und Flechtenteile über Winter vollständig abtötet. Alle unsere Obstbäume brauchen in normalen Wintern keinen eigentlichen Mnterschutz. Tritt aber ungewöhnliche Kälte ein. bedecke man Pfirsiche und Aprikosen so weit als möglich, und gebe den Birnen, die auf die frostempfindlichen Quitten veredelt wurden — es sind dies meist nur Spaliere und Pyramiden— die oben bereits genannte Bodendecke. Edle Weintreiben bindet man auf jeden Fall, nachdem sie entlaubt sind, vom Spalier ab. schneidet sie gleich endgültig, weil sie nach dem Frühjahrsschnitt stark bluten würden, und deckt sie nach Eintritt strenger Kälte om besten mit Packlcinwand. Diele Arbeit wird sehr erleichtert, wenn man die niedergelegten Triebe zuvor an mehreren Stellen locker zusammen bindet. Im Gemüsegarten bleibt eigentlich nichts Schutzbedürftiges stehen. Breitlauch oder Porree, Grünkohl und auch Rosenkohl halten bem Froste stand. Zwiebeln sind längst eingeerntet, abgetrocknet und werden so aufbewahrt. Kopfkohl jeder Art läßt man noch draußen, bis es wirklich frostig wird, dann wird er zu langer Aufbewahrung nicht abgeschnitten, wie es meist geschieht, sondern mit den Wiurzeln ausgegraben, von den losen Blättern befreit, so daß nur die festen Köpfe bleiben und danach am besten in luftigem Keller eingeschlagen. An solchen Kellern fehlt es aber in Groß- Berlin. Unsere Keller sind elende kleine Verschlage, mit welchen sich nichts anfangen läßt. In diesem Falle greift man zur Ueber- Winterung in Gruben. Diese Art der Ueberwinterung erfordert ober grundwassersreies Gartenland. In diesem, wenn es sein kann. on der trockensten Stelle des Gartens, wirft man eine quadratige 60— SO Zentimeter tiefe Grube aus. deren Größe sich nach der Menge des zu überwinternden Gemüses richtet. Die beim Ausheben der Grube sreiwerdende Erde setzt man an den Rändern dämm- artig an und schlägt sie fest. Ist diese Erdarbeit beendet,'so ebnet man den Boden in der Grube. Hiernach schlägt man alle Kohl- gewächse Kopf an Kopf nebeneinander ein, ferner Sellerie, Rüben jeder Art, Petersilienwurzeln und auch Breitlauch für den nächsten Bedarf, da er sich später aus gefrorenem Boden nicht ausnehmen läßt. Die Grube bleibt zunächst offen, erst bei Frost deckt man sie mit alten Brettern ab und bedeckt dann diese noch mit Laub oder Dung. Bei milder Wtterung wird die Decke gelüftet, vorübergehend auch ganz abgenommen, dann sieht man auch die Gemüse nach und putzt sie durch, falls sich Fäulnis eingestellt hat. Läßt sich des hohen Grundwasserstandes halber keine Grube auswerfen, so legt man die ausgegrabenen und von losen Blättern befreiten Kohlköpfe in zwei Reihen auf ein Beet, Kopf gegen Kopf, und bedeckt sie dann reichlich mit Erde. Bei großer Ernte kann man 3— i Doppelreihen nebeneinander legen und auf die untere Lage, nachdem sie mit Erde abgedeckt ist, noch eine zweite und dritte Lage aufschichten. Auch die ausgenommenen Wurzeln kann man, nachdem oie Blattschöpfe nebst Herz abgeschnitten und die Schnitt- flächen abgetrocknet sind, auf dem Gartenland zu kegelförmigen Haufen aufschütten, worauf sie mit einer stärkeren Schicht festzu- schlagender Erde abgedeckt werden. Bei starkem Frost muß man diese und die Kohlhügel noch mit Laub oder strohigem Dünger eindecken. �_ Hd. Kleines feuiUeton. Archäologisches. Der schwarze Stein vom Forum. Auf dem Forum Ro- manum wurde im Jahr 18SV ein eigentümlicher Fund gemawt, der seit« dem viel Kopfzerbrechens verursacht und die Veranlassung zu zahl- reicken Schriften gegeben bat. Er erhielt nach seiner Farbe den Namen Niger Lapis oder schwarzer Stein. Er besteht aus einer Tafel aus schwarzem Marmor, unter der eine Anzahl von Resten unzweifelhaft hohen Alters gefunden wurde. Das größte Aufsehen unter ihnen erregte eine zerbrochene rechteckig behauene Stele, die eine rätselhafte und auch bis auf den Heuligen Tag noch nicht entzifferte Inschrift trug. Nicht weit davon kamen andere Dinge zum Vorschein, die al« Opfergaben zu denken sind und wahrscheinlich aus weiter Ferne zu irgendwelchen Zwecken hierher gebracht waren. Sie bestehen namentlich in kleinen Bildern aus Ton, Bein oder Bronze, umgeben von einer Schicht Flußsand. Bis dahin vermutete man an dieier Stelle das Grab des RomuluS oder seines Pflege- vaterS Faustulus. Nach Ausgrabungen, die jetzt der italienische Archäologe Boni ausgeführt und in einem Brief an die„TimeS* beschrieben hat, würden diese Funde ganz ander? zu erklären sein. Dieser Altertumsforscher meint, daß sich an diesem Platz die Rednerbühnen befanden, die zu Beginn deS Bürgerkrieges um das Jahr 124 v. Chr. durch die Patrizier zerstört wurden. Die Ipäteren Reste stammen wahrscheinlich aus den Zeiten, in denen das römische Voll das Forum— durch ein geeignetes Opfer, von der Befleckung durch die Todesopfer deS Bürgerkriegs entsühnen wollte. SS wurde damals nach der Stadl Enna in Sizilien zu dem dortigen Tempel der Demeter ge- sandl, um von der Göttin ein Orakel einzuholen, wonach diese Ent- sühnung des Forums geschehen könnte. Der„schwarze Stein' mit seinem Beiwerk stell: wahrscheinlich die Ausführung dieses Orakels dar. Aus dem Pflanzenleben. Parthenogenesis, da? heißt, die Entstehung reifer fort- pflanzungSsähiger Samen ohne voraufgegangener Befruchtung, ist, wie neuere Forschungen dargetan haben, im Pflanzenreich eine durchaus nicht seltene Erscheinung. Bei vereinzelten Pflanzen ist das Vorkommen solcher Jungfernfrüchte schon seit langem bekannt, so beim Löwenzahn und bei der Gurke; eine umfangreiche Liste von dergleichen Pflanzen konnte aber erst in neuester Zeit festgelegt werden. Hinsichtlich der Art. wie diese Jungfernfrüchte entstehen. lassen sich die Pflanzen in verschiedene Gruppen einteilen. Da sind Pflanzen, bei denen das männliche Geschlecht vollständig entwickelt ist, solche die den vorhandenen Befruchtungsstaub nicht zur Reife kommen lassen, und endlich solche, die ihre männlichen Organe total verkümmern ließen, so daß nicht einmal Blütenstaub ge- bildet wird. Die Jungfernfrüchtigkeit setzt die Pflanzen in Stand, auch dann Samen zu erzeugen, wenn die Befruchtung ausbleibt; sie ist des» halb auch bei Pflanzen üblich, bei denen die Befruchtung durch irgend welche Umstände erschwert wird. Bei dergleichen Pflanzen stellt sich die Jungfernfrüchtigkeit im Notfalle ein, d. h. wenn die Befruchtung ausbleibt. Das Bekanntwerden solcher Pflanzen hat die Forscher zu der Annahme veranlaßt, daß ursprüng« sich die Anlage zur Erzeugung von Jungfernfrüchten ganz allgemein unter den Samenpflanzen verbreitet gewesen ist; bei jenen Pflanzen aber, die sich wegen der Befruchtung keine Sorgen zu machen haben, ist die Anlage zur Jungfernfrüchtigkeit wieder unter« drückt worden. Da bei der Verschmelzung männlicher und weiblicher Fort» Pflanzungszellen die in diesen Zellen nur zur Hälfte anwesenden Vererbungsträger wieder auf die für die betreffende Pflanze typisch« Zahl zusammenkommen, darf in der Anlage zur Jungfernfruchl die Zahl der Vererbungsträger nicht geteilt sein. In der Tat konnte durch Beobachtungen festgestellt werden, daß solche Anlagen die je» weil? typische Zahl von Vererbungsträgern besitzen._ h. h. Lerantw. Redakteur: Richard Barth, Berlin.— Druck u. Verlag: vorwärtsBuchdruckereiu.VerIagsanstaltPaulSingerärCo..BerlinSW.