Anterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 195. Sonnak'-nd. den 7. Oktober� 1911 (Rathdrock tecSotwJ 27] Vor dem Sturm. Roman von M. E. d e l l e G r a z i e. Da— sie atmete auf. Eines der Mädchen mußte eine besonders lustige Geschichte erzählen, dtznn plötzlich hielten alle ein, wandten die Köpfe, lachten.... Als sie die Arbeit wieder aufnahmen, klaubten sie nach der entgegengesetzten Richtung weiter. Keine hatte ihr Schwinge entdeckt. „Wonn's Mittog wird, san's firti," dachte die Annalicse, ».und wonn s' hoamgcngan, schleich' i außi und klaub' o, wos s' stehn'n loss'n hob'n." Das sagte sie sich so vor. Aber mein Gott! Wußte sie selbst in diesem Augenblick, was sie wollte oder nicht wollte? Und wenn sie es wußte— würde sie es deshalb auch— können? So mir nichts dir nichts da hinausgehen und ruhig ein Tagewerk aufnehmen, als wäre nichts geschehen? Das Tagewerk, das ihr sonst Gott gesegnet und ihr gutes Gewissen leicht gemacht I So leicht und schön, daß ihr in heiligen Stunden oft war, als ginge ihr Schutzengel selbst hinter ihr her: Schritt für Schritt mit weit entbrcitetcn Schwingen, die leuchtenden Hände wie zum Segen erhoben. „Sei fleißig, Annaliese, ich bring's vor den Herrn!" Vas hatte er nun vor den Herrn zu bringen? Mit einem dumpfen Quallaut schlug sie beide Hände ins Antlitz und weinte, weinte.... Weinte du. Tränen, die sie in jener unbewachten Stunde so nahe gefühlt. Wieder näherten sich die Klaubenden der Hütte, nun von der anderen Seite, kamen näher und näher, so n.he, daß die Annaliese jede Stimme erkannte, und das Geruschel der Röcke hören konnte, die draußen an die Bohlen streiften. „Ob wer drinn' is?" hörte sie eine sagen. Ihr Blut erstarrte. „Der Gros is jo schon hoamgonga." warf eine andere ein. „Host'n'leicht g'seh'n?" „Wia i hergonga bin, do is er durch die Lokva hoam." „Na," lachte eine Dritte auf....„Is nit ollemol a Moannsbild d'rin!" „Wißt's no, wer d' letzte g'west is?" fragte eine dunkle Frauenstimme. Und das Mitleid, das in diesen Worten er- zitterte, legte sich plötzlich wie Bergeslast auf die Brust der -Horchenden. Da kam die Antwort. Zehn Stimmen zugleich nannten die Unglückliche— laut, rücksichtslos, halb mitleidig, halb wegwerfend. Eine ganz junge, ganz helle Stimnie lachte kogar auf dabei. „So treten s' nacher mi z'samm'!" dachte die Annaliese. Doch sie mußte still stehen, ganz still, und eine Träne um Träne ihre Qual hinunterschlucken. Nicht einmal aufschluchzen durfte sie niehr. So nahe waren dL Klaubenden. „Die kriagt irtzt weiter koane Schläg'I" kam es wieder von draußen herein. „G'schiacht ihr gonz recht!" rief ein Mädchen dazwischen; hart, bell, mit der ganzen Unbarmherzigkeit der Jugend. „Dös is die Zöllner Kathl!" dachte die Horchende. Und wieder stieg ein dumpfer Haß in ihr empor. Was machte es aus, daß die draußen eine andere meinten? Es ivaren auch ihre Richtcrinnen. „Menscher, lost's auf— Zwölife läuten f!" krähte plötzlich ein altes Weiblein. Eine Weile blieb es still. Offenbar horchte jede nach derselben Richtung. Die Zöllner Kathl wurde zuerst laut.„Meiner Scel'," staunte sie und, mit einem.tiefen Seufzer der Erleichterung: „Dös is heunt' g'schwind ganga!" „Jo, wonn ma viele sau!" „Wonn uns der Drab nit so spat ausg'schickt Hütt', war's no g'schwiuder'ganga," kkähte wieder die Alte.„Sunst Hot ma nia g'schwind g'nua do sein könna. Heunt... na, heunt Hot erst die Sunn' auf die Bleamcln scheina muassen." „Ah, die Sunn'I- Weil holt der Herr Gros Hot nit g'siört sein woll'n beim Jog'n... „Red'ts nit erst long daher, doß ma cndli hoamkämmon!" Wieder rauschten draußen die Röcke, als hätte sich Plötz» lich Flug Tauben niedergelassen, „Irtzt heb'n s' d' Schwing'n auf'n Kopf," dachte die Annaliese. Wenn sie fort waren, wer weiß vielleicht wurde auch ihr leichter. Da plötzlich schrie eine auf. „Jessas und's Ave Maria....!?" Ein Augenblick tiefen, feierlichen Schweigens folgte. Deutlich hörte die Annaliese, wie die Schwingen wieder niedergestellt wurden und die Weiber draußen ins Knie sanken, Ruck um Ruck, eine nach der anderen, während das Geläute der fernen Mittagsglockcn gedämpft, aber deutlich über die fonnige Heide hinging— ein sanft rufender, Heimat- sicher Laut. Sie mußte nicht draußen sein, die Annaliese, um das alles zu sehen und zu empfinden. Mehr als einmal war auch sie so ins Knie gesunken— mitten im Feld, und hatte Hände und Augen zum Himmel erhoben, während die sonnige Ein- samkeft wie leuchtender Gottcsfriede über den Seelen lag, die der unbefleckten Mutter des Heilands huldigten. ..Gegrüßet sei'st du Maria, du bist voll der Gnaden— der Herr ist mit dir...." Laut, feierlich klang es zu ihr herein und zwang auch sie auf's Knie, riß auch ihr die Worte von den Lippen, die Worte des Glaubens, den sie so lang' in uncntweihter Seele getragen und die sie nun so mühsam, so qualvoll herausstieß, als wären es blutende Fetzen ihres zuckenden Herzens. „Du bist gebenedeit unter den Weibern.«. und ge» benedeit ist die Frucht deines Leibes...." „Jesus!" fiel es draußen in der Stille hinein— sonor, feierlich, wie mit einer Stimme gesprochen. Wieder eine kleine Pause, in der die Betenden Atem holten, dann laut und gleichsam himmelstürmend des Eng- lischen Grußes Schluß.... „Heilige Maria Mutter Gottes, bitt' für uns arme Sünder...." Immer tiefer war das Haupt der Annaliese während des Gebetes herabgesunken, imnier tiefer. Nun schlug es mir einein erstickten Wchlaut an die Dielen und ihr bebender Körper glitt nach. So lag sie da und weinte in die Erde hinein, was sie dem Himmel nicht mehr anvertrauen konnte. Endlich wurde es draußen still. Die Annalicse erhob sich, lauschte, noch am Boden kauernd, den Stimmen nach, die ferner und ferner der- klangen, bis nichts mehr um sie war, als das tiefe Schweigen der Heide. Nichts und niemand, den sie zu fürchten hatte... „Irtzt außi, und d' Schwinga g'holt und—" Wie seltsam, daß sie das Wort„heim" nickt einmal mebr zu denken wagte! Mit den Gedanken förmlich umkehrte, so oft sie dahin kam! Und sie hatte dock) keinen anderen Ort auf Gottes ganzer, weiter Welt, wenn sie nicht in der«Schweiz- Hütte" bleiben wollte. „Die Scktzveighütte— die Schweighiitte— die Schwcig» hüttc," wirbelte es durch ihren Kopf. Kam immer wieder. schrill, eintönig, wie draußen das mittägliche Gezirp der Zi- kaden, als gäb' es ringsum kein Entrinnen mehr. Mit bebenden Händen streifte sie die Röcke über, fuhr in ihren Spenzer, an dem da und dort noch die klebrigen Spuren verschütteten Weines hafteten.„Die wasch ich beim Teich weg," dachte sie wie im Fieber.„Beim Teich..." die Rosala hatte so scharfe Augen. Und hatte man schon jemals gebärt, daß man vöm Klauben— Weinspuren heimbrachte? Wie ekel und schal es nur roch, das Zeug! Und da— knapp über der Brust, der lang ani Faden hcrabbaumelnde Knopf, auch ein Zeuge der wüsten, zähen Gier, die sie entweiht. Eine tiefe Röte stieg in ihr Antlitz— so rasch und heftig. daß ihr das Blut förmlich vor den Augen flimmerte. Dazu das nun fast geisterhafte Schweigen um sie. Und diese zwei entsetzlichen Fliegen, die immer wieder wie ratlos gegen die Scheiden stießen, sich auch keinen Ausweg wußten... ganz wie sie! Wie unheimlich, daß ihr zuweilen gerade so war, als wären dies gar keine Fliegen, sondern ihre eigenen Ge- danken.„Ich werd' noch verrückt," dachte sie. Und ganz heimlich, ganz leise antwortete etwas in ihrer Seele:„Wenn du es nur würdest, Annaliesel Wenn du es nur würdest!" Aber das mar ja schon... nicht mehr emszuhalten war das!.___... v Mit einem Sprung stand sie vor der Tur. schob, den — i Riegel zurück: hinaus! Doch als es nun galt, diese Tür wirklich zu öffnen, sank ihre Hand wie gelähmt herab. Wenn nun doch jemand draußen wäre? Und sie da herauskommen sah... aus der..Schweighütte"! So weit sie durchs Fenster spähen konnte— war die Heide leer. Aber hinter der Hütte? Wenn da zufällig nur eines der Weiber zurückgeblieben war? Oder sonst jemand des Weges kam.... Wieder duckte sie sich, lauschte mit angezogenem Atem in die dumpfe Stille hinaus. ..Schweighütte— Schiveighütte— Schweighütte," zirpten ihr von draußen die Zikaden entgegen. Daß ihr dieses unheimliche Aufzischen der Einsamkeit früher nie aufgefallen war? Aber freilich, nun ging die Sünde mit ihr. Endlich wagte sie es. die Tür bis auf einen Spalt zu öffnen. Alles still ringsum. Und wenn jemand etwa von ferne herankam! Rasch trat sie heraus, bückte sich, begann. langsam vorwärtsschreitend, im Gras zu klauben. „Kümmel und Menthe.... Kümmel und Menthe," dachte sie. Wie schrecklich, daß die Weiber gerade da herum alles abgeklaubt hatten. Hinter ihr fuhren die zwei großen Fliegen aus der Hütte heraus. Sie hörte das Gesumm, sah ihnen nach, wie sie iin stahlschimmernden Panzer ihres Brustschildes über das Gras dahinfchwirrten. „Tie haben's g'seh'n," dachte sie. Und wieder stieg dieser dumpfe, wahnsinnige Haß in ihr auf. gegen alles, was lebte. Nicht einmal solche Fliegen würde sie künstig anseh'n können, ohne daran zu denken. Ja— das war die Sünde! Ihr Blick suchte noch einmal Nähe und Ferne ab. Zu ihrem Schreck sah sie, daß sie die Tür nur zugezogen, nicht ein- geklinkt hatte. Wie sie plötzlich knarrte! Ihr war. das ganze Torf müßte das gehört haben! „Fort, fort," dachte sie wieder. Ja so— ihre Schwinge. und die klebrigen Flecken an ihrem Spenzer und— plötzlich begann sie zu laufen: die Sonnenstrahlen stachen auf sie herab, der Heidewind ging wie sausend zwischen ihren Armen durch, etwas Fremdes, Unsichtbares und doch Entsetzliches schien neben ihr herzulaufen. „Diese Angst," dachte sie.„Mein Gott, diese Angst!" Aber— dort blitzte schon das Wasser auf. ragte der moosige Pflock aus dem Schilf, an dem der Kahn lag. Rechts davon hatte sie ihre Schwinge ins Rohr gestellt. Wenn sie die nur wieder hatte und noch ein paar Hände voll Kümmel und Menthe drin.... Wer wußte, wann sie gekommen, wer durfte sie fragen, warum sie noch dageblieben? Wie ein Alp fiel es ihr von der Seele. (Fortsetzung folgt.)' verbolen.1 25] Die Milterin. „Paul!" schrie cs auf, zornig und flehend zugleich, als eS fühlte, baß er sich lösen wollte von ihm. Da erst traf wie erwachend sein Blick die schlanke, schmeidige Gestalt, die ihn umwand und hielt, und er wurd» sich des Kampfes bewußt, in den er plötzlich geworfen worden. Unfähig, sich zu entscheiden, ging sein Blick ratlos, haltlos f"irischen den beiden Frauen hin und her, bald von den brennenden ugen der Geliebten gelockt, bald von dem neuen Glanz der Mutter gebannt. ..Komm hecm, Paule," mahnte sie noch einmal mit leiserer Stimme. Gr fühlte, wie die Angst um ihn in der Gequälten wuchs und den Glanz wieder löschte, der sich über ihre Miene gebreitet hatte; «r hörte, wie der liebe, bittende Klastg mählich in ihrem Rufe erstarb. Auf seinem fahlen Gesicht spiegelte sich der Kampf Wider, der in ihm tobte, ihn hin und her riß und allen Halt nahm. Da rankte das Mädchen, das kein Auge von ihm ließ, sich an (hm in die Höhe, umklammerte seinen Hals und raunte ihm mit füßer, verheißender Stimme ins Ohr: „Bleib bei mir, Paule, gelt? Mein blcibste, gelt? Mein Paule!" Der Dust, der ihrem vollen Haar entströmte, die schmiegsame Weichheit, die lockende Glut ihres Körpers, der sich fest, in woll- lüstigen Windungen an ihn preßte, halfen ihr werben, versetzten »hn in sinnverwirrenden Rausch. Nur durch Nebel noch sah er ferne, ganz ferne das Gesicht der Mutter, das allen Glanz und alle Weickcheit wieder verloren hatte. Langsam ließ er sicb auf den Stuhl niederziehen; der Mutter mahnende Augen ertranken ihm in den Nebeln, die sich um seine Sinne gelegt hatten. .Paul?"» V- xj*-*. sr■ 3- Ihr scharfer Ruf, der alle Härte und Kälte den früher wieder-- hatte, riß ihn aus dem Taumel; die weichen Mädchenarme aber fesselten ihn noch immer, und er war zu schwach, sich von ihnen zu befreien. Das Hohngclächier des Schusters, der den Sieg der Tochter schon für gewiß nahm, antwortete ihr. „Gelt?" rief er triumphiclend,„die hält'n feste!" Da wandte sich die Frau langsam dem altcu Gegner zu; fast war es, als zögere sie einen Augenblick, mit ihm sich in Streit ein- zulassen. Dann aber sah sie ihm mit ihrem kalten, klaren Blick fest in die Augen. ..Kuppler!" sagte sie verächtlich. Der Kleine antwortete nur mit einem Hohnlachen und wandte sich dem Burschen zu, dessen er jetzt sicher zu sein meinte: „Gelt, Paule, hi�; is's schöner als d'rheeme bei der Alten?" Vielstimmiges Gelächter der Gäste und Zuschauer, die sich neu- gierig hinzugedrängt hatten und um die Streitenden einen dichter, Kreis bildeten, gab ihm recht. Man atmete befreit, daß der Glück- Schuster mit diesem Wort in die spannungsvolle Stille wieder Leben gebracht hatte und war ihm dankbar dafür. Da trat die Meisterin mit einem Schritte so dicht an den Höhnenden heran, als dies möglich war. „Gelt?" fragte sie,„mit Schnaps habt Ihr mir den Jungen schon betrunken gemacht, wie er noch a kleener Junge war, jetzt macht Jhr'n mit- Eurem Mädel betrunken!" „Mit Bier ooch!" lachte einer im Hintergrunde, ein Neid- Hammel, der dem Tischlerssohn weder das Bier noch das Mädel gönnte. Die Mädchen kicherten, und ein paar Männerstimmen lachten kurz und rauh aus. „Sumpf-Paule!" schrie ein anderer Bursche, versteckte sich aller schnell hinter den breiten Rücken seiner Vorderleute. Der Name stach den Paul, daß er mit einem Wutschrci auf- fuhr, sich roh von den fest an ihn sich klamnierndcn Mädchenhändcn befreite und mit einem Satze über den Tisch weg an die Seite der Mutter sprang, Bier- und Schnapsgläser, gefüllte wie leere, zu Boden reißend. Kreischend fuhr die Menge auseinander. „Wer hat mich hier zubenannt!" schrie er atemlos vor Wut. Die Augen blitzten kampfluftig in dem zornroten Gesicht. Gleich niederschlagen hätte er den mögen, der ihm das angetan; seine Unterarme, an denen die groben Fäuste wie Klötze hingen, bogen sich nach oben, als krümmten sie sich unter der Krast, die in ihnen war Da aber knallte ihm wie Pcitschcnschlag der Befehl der Mutter um die Ohren: „Stille biste!" Er duckte sich, aber zufrieden geben wellte er sich nicht: „Ich laß mir keinen Zunamen geben!" „Den haste verdient!" Alles lachte laut auf. Der Paul aber starrte mit dem gleichen Blick wie damals, als er in der Schule bekennen svllte, daß er betrunken gewesen war, die Mutter an, nur daß ibm diesmal nicbt die Tränen in die Augen schössen: Er senkte de:: Kops und schwieg. Die Arme sanken ihm schlaff herab und die Fäuste öffneten sich, als wäre plötzl:ch alle Kraft aus ihm gewickp:::. „Bedank Dich bei dem da," wies die Mutter auf den Glück- Schuster, der alle Vorgänge mit tückisch lauernden Blicken beoo- achtete,„daß der Zuname wieder ausgekommen is. Deinen Vater hat er zugrunde gcriclstct. Dich will er auch fertig machen! A Lump sollste werden wie Dein Vater!" Scharf und hart warf sie die Schande des Vaters vor allem Volk dem Sohne ins Gesicht. Unsicher, fragend sah er nach dem Vater der Geliebten hinüber uud begegnete einem höhnisch lächeln- den Blick. „Der Vater iS allcene a Lump geworden," schrie der Scbustcr, nun allmählich in Wut geratend,„und der Sohn w:rd ooch allecne einer werden!" � Die Beschimpfung traf den Paul wie ein Schlag; ehe er aber etwas erwidern konnte, wußte die Mutter den Gegner zum Schweigen zu bringen. „Wer hat denn geholfen die Wechsel fälschen, hä?" Ganz fahl wurde der Schuster mit emcm Male, und die Hand, die eben das Schnapsglas zum Munde führen wollte, sank kraftlos nieder, daß die wasscrhelle Flüssigkeit zum Teil verschüttet wurde. „Das is noch nicht verjährt, Schuster!" drohte die Frau und ihre Augen blitzten.„Da gibt» noch immer Zuchthaus drauf. Schreibt's Euch hinter die Ohren!" Wie ein Häuflein Unglück hockte plötzlich der Verschreckte und stierte auf seine Gegnerin; auch ein kurzes, gequältes Auftack-en half ihm nicht über das Pcinvolle hinweg. Die aber wandte sich wieder dem Sohne zu: „Komm, Paul," sagte sie,„wir giehn beem jetzt?" Der Bursche folgte der zux Tür Schreitenden, ohne ein Wort zu erwidern; nur als hinter ihm das Gelächter losbrach, zuckte er zusammen, aber er wandte sich nicht um, ließ nur den Kopf hängen. Da schrie die Grete plötzlich auf. „Pauli... Paule!... Bleib da... bei mir!" Wie ein Wirbelwind sprang sie auf, um llen Tisch herum, alle beifeuc fegend, die ihr im Wege standen, und zur Tür. „Paul!" schrie sie noch einmal. Der Bursche der wer schon hinaus, und die Haustür fiel schwer ins Schloß hinter Mutter und Sohn. Da packte das Mädchen eine sinnlose Wut. Ten schlanken Leib nach vorn gestreckt, die Fäuste zornig auf und nieder schlagend, so stand sie und starrte mit glühenden Augen durch die Tür- öffnung in den dunkeln Schlund des Hausslures. „Tu... Du...!" stieß sie zwischen fest aufeinander gebissenen Zähnen hervor. Plötzlich aber warf sie den Kopf zurück und brach in ein gelles, hartes Lachen aus. Verzweifelt klang es und wie ein Schluchzen; doch löste sich in diesem tollen Lachen die Wut, es wurde freier und leichter. „Vater!" schrie die Grete und wirbelte wie toll um sich selbst: „Jetzt will ich tanzen!" 10. Mutier und Sohn gingen in den nächsten Tagen stille neben- einander her und redeten nicht von dem, was vorgefallen war. Sie fühlten beide: das Band, das früher sie verbunden, und das durch das Erlebnis des Paul mit der Grete vom Glück-Schuster zerrissen worden, war noch immer nicht neu geschlungen; sie hatten beide das Vertrauen zueinander vesloren. Das empfand die Mutter schmerzlich; sie sehnte sich nach deS Sohnes Liebe, die sie, wie sie wohl wußte, nicht mehr lange würde genießen können. Und mit banger Sorge fragte sie sich, waS werden sollte, wenn sie nicht mehr war. Wenn sie seine Liebe nicht wiedergewann, sein Vertrauen zu ihr, den Glauben an das Gute ihres Wbllens, dann war all das Schwere vergeblich gewesen, das sie für ihn getan, und wenn er ihres Zwanges sich ledig fühlte, würde er doch wieder der Macht des Schusters verfallen. Ihr Ein- flutz auf ihn, der Zwang ihres Willens mußte für ihn bestehen bleiben, auch wenn ihr Leib im Grabe moderte. Sie mußte im Leben bleiben um ihn und in ihm, auch über den Tod hinaus. Während die Mutter in schwerer Sorge um ihn sich auf ihrem Loger wälzte, nahm der Paulis stumpf und gleichgültig hin, daß etwas zwischen ihm und ihr stand, was sie nicht zusammcntommen ließ. Er konnte den ersten tiefen Schmerz seines Lebens so schnell nicht verwinden, und nicht gleich wieder Wege finden zu der, die ihm, hart und grausam, sein schönstes Glück zerstört hatte; er konnte es um so weniger verwinden, als er niemand hatte, mit dem er sich aussprechen" konnte. Das hatte ihn immer am ehesten befreit, wenn er reden durste von dem, was auf ihm lastete. Dem Joseph hatte Frau Rother gleich am nächsten Morgen Arbeitsbuch und Geld, das er zu verlangen hatte, neben die Kaffee- tasse legen und ihm sagen lassen, in einer Stunde möge er das Haus verlassen haben. Da sie den Paul, um ihn von dem Gesellen sernzuhalten, zu sanitätsrat Härtung nach Alt-Hcinrichau geschickt, hatte der Joseph keine Gelegenheit gefunden, den Geiser seiner Wut von sich zu speien und dem jungen Burschen das Schicksal seines � Vaters zu verraten. Aber sie wußte, über kurz oder lang würde er einem der beiden, dem Verzählscl-Schuster oder dem Joseph doch in die Hände laufen, und wein: die ibm erst ihr Gift ins Lhr träufelten, war ihr des Sohnes Liebe ganz verloren. Sic mußte darum reden, und es wurde �hr doch so unsäglich schwer, zu reden von dem, was ihres Lebens Schicksal gewesen war und heute noch fast ebenso schwer auf ihr lag als am Anfang. So verschob sie es von einer Stunde zur anderen, von einem Tage zum anderen, und wurde ständig unruhiger und aufgeregter. (Fortsetzung solgt.), kleines feiiiUew�. Architektur. Gin modernes Theater. Die Errichtung eines neuen Theaters gehört zumeist weniger der Architektur als dem Bau- geschäft. Die meisten Theater werden von solchen Leuten gebaut. die gute Beziehungen zum Kapital haben. Weit mehr als bei anderen Objekten entscheidet bei der Vergebung eines Theaters die Frage: kann der Bewerber ein Erhebliches zur Finanzierung bei- tragen. Und daneben spielen oft genug die Beziehungen zur Bau- Polizei und zu ähnlichen Instanzen eine entscheidende Rolle. Man darf getrost behaupten, daß der Theatcrbau so recht und gottes- sürchtig im Zeichen der Schiebungen steht. Wenn ein Beispiel per- langt wird, so sagen wir: die Charlottenburger Oper. Zum anderen üben die Mäccne ihren nicht gerade immer nütz- lichcn Einfluß. Das gilt besonders für die Hoftheatcr. Sprich: Berlin. Da erben sich die Unfähigen nebst den Pompöfen wie eine ewige Krankheit fort; und wir sehen mit Schaudern Mißgeburten, wie die von Kiel oder Jreiburg. Bei solcher Konstellation am Theaterhimmcl ist es dann doppelt erfreulich, wenn einmal ein Neubau in die richtigen Hände kommt. Das gelang bereits hier und da; wir denken an die Bauten von Littmann, besonders an das Charlottenburger Eckillertheater, wir denken an das HauS der Kammerspicle von William Müller, an Kaufmanns Hebbelthcatcr. Wir dürfen künftighin auch das neue Etadtthcatcr von Bremerhaven zitieren, abermals ein Werk von Oskar Kaufmann. Dieses Theater wurde am vergangenen Sonnabend eröffnet mrd bracht: dem Baumeister einen großen Erfolg. Es ist ohne Zweifel ein bedeutender Fortschritt über das Heboe'theater hin- aus. Die dort angewandten Prinzipien kamen hier zur Reife. Fragen wir: wodurch charakterisiert sich Kaufmanns neuer Theater- bau als ein spezifisch moderner. Zunächst dadurch, daß er die Gesetze, die wir allgemein von der Art unserer Zeit fordern, befolgte. Das Haus wurde als ein Raumgcbilde und als ein Gefüge aus Stein gedacht. Während die Theater der schlimmen Zeiten dem blöden Puppenspiel und der Kulisseurcißerei, dazu dem Schwulst an Dekorationen und Füttern verfallen waren, wirbt Kaufmann um die reine Form. Er will nicht durch symbolische Weiber, die über den Türen kleben und an den Wänden hinaufklettern, der Sinn des Hauses deuten; die nackten Mauern sollen den Rhythmus feierlicher Stunden und heiterer Feste verkündigen. Gewiß, auch Kaufmann läßt den Pla- stiker gewähren, auch er profiliert und gibt den Flächen schönen Reichtum. Das Entscheidende aber geschah, bevor die Dekoration gedacht wurde; oder, richtiger gesagt: die Dekoration blieb nie Zu- tat, ist stets. architektonisches Glied. Daher kommt es, daß man die Fassade als eine Einheit empfindet und zugleich als Projektion der dahinter liegenden Räumlichkeit. Durch ein halbes, sich her- vorwölbendes Oval, das im Parterre fünf Türen zum Kassen- räum, im Oberteil die hochstoßenden Fenster des Foyer enthält, entfaltet sich ein gebändigtes Pathos. Das Haus erhebt seinen Anspruch als eine Sonderheit, als eine Stätte der seltenen Stun- den, angeschaut zu werden; es tut dies mit doppeltem Erfolg, weil Kaufmann sehr geschickt durch eine kleine aber wirksame Platz- bildung ihm Raum im Straßenbild schuf. Die gleiche Baugcsinnung waltet im Innern des Hauses. Hier entscheidet sie sich am Grundriß, an der Disposition der Räume. Es gibt kaum etwas Schwierigeres, als den Grundriß eines Theaters zu bestimmen. Unzähligen Paragraphen, zu einem großen Teil sehr notwendigen, ist zu genügen. Der Willkür sind enge Grenzen gesetzt. Gerade darum aber bewährt sich an diesem Teil der?lufgabc die Fähigkeit des Architekten, dessen Beruf ja dahin geht: Konventionen zu variieren, ihnen immer wirksamere und geistreichere Lösungen zu finden. Solches Lob darf Kaufmann für das Bremerhavener Theater verlangen. Den offenbaren Fehler des Hcbbelthcaters, das Zusammenstoßen der Billcttkaufcndcn mit den Passanten zum zweiten Rang, hat er klug vermieden. Und nicht etwa dadurch, daß dieics Theater überhaupt keinen zweiten Rang bekam. Es bekam dafür ein großes Hintcrparkett; zu diesem sind die Zugänge von dem Hauptkasscnraum abgesondert worden, sie wurden unter ihm hindurchgcführt. �Lamit sichert Kaufmann dem Theater eine möglichst schnelle Entleerung, ein: beaucme Ztr- kulation. Das aber ist die Absicht jener Vorschriften und die For- dcrung mannigfack-er Erfahrungen. Dazu kommt die Disposition des eigentlichen Bühncnapparates. Auch hier bat Kaufmann mit ::lativ geringen Mitteln viel erreicht. Die Magazine für die Dekorationen liegen so, daß jede unnütze Arbeit vermieden und das Zutragen und Fortstellcn möglichst schnell vollzogen werden kann. Die Garderoben der Schauspieler befreit Kaufmann von der Ungebühr verwinkelter Enge; wir treffen menschenwürdige, hygienisch untadelige Zimmer. Diese Andeutungen werden genügen, um zu zeigen, daß Kauf- mann das Programm eines modernen Theaters erfüllte. Er tat es in Schönbeit. Dafür zeugt vor allem der Zuschauerraum. Wiederum: ein Raum und kein Rummelplatz. Tie Wandungen umfangen uns mit ihrem blonden Leuchten; wir fühlen uns gut aufgehoben. Wir fühlen uns dem Alltag um einige Grade ent» rückt; wir fühlen den Zwang zur Bühne. Alle Linien, die Brüstungen der Logen, die Tendenz der Seitenwändc, besonders die monumentale Flächigkeit des Proszeniums, alles drängt, die Bühnenöffnung anzuschauen. Ein schwerer Rahmen aus EbenholK steht fest und feierlich in Erwartung der kommenden Bilder. .R. Q. Aus der Vorzeit. Die Deutung prähi st arischer Werkzeuge. Aus ein neues Gebiet in der vergleichenden Forichung, in dem voraus- sichtlich noch viele Ueberraschuugen für den PräHistoriker zu erwarten sind, verweist Dr. H. Pfeiffer-Weimar in zwei längeren AbHand- lnngcn, die kürzlich in der Zeitschrift für Ethnologie erschienen find. Pfeiffer zieht systematisch noch im Gebrauch befindliche Geräte heimischer und fremdländischer Kultur zur Bestimmung und Er» klärnng prähistorischer Objekte heran. Er geht dabei von der durchaus begründeten Annahme aus, daß die typische Grundform der Geräte für die einzelnen manuellen Verrichtungen sich— solange der moderne Maschinenbetrieb sich nicht geltend machte— erhalten mußte;„denn der technische Angriff aus das Arbeitsmalerial hat seit Jahrtausenden mit stets sich gleich bleibenden Faktoren rechnen müssen, als da find z. B. die Physika- lffchen Gesetze für die Spaltung des Feuersteins, die gleiche Struktur von Knochen. Holz ulw." Gewiß, es sind auch schon Versuche ge- macht worden, prähistorischen Geräten aus Grund von moderner» eine Deutung zu geben; da« bat aber zu manchen falschen Schlüssel» geführt, da man nur die oberflächliche Achnlichkeit in Betracht zog. Pfeiffer hat nun eine Methode angewandt, die in ihrer verblüffender» Einfachheit wie daS Ei des Kolumbus wirkt. Es genügt ihm nicht die Aehnlichkeit der Formen,'ihm kommt es auf die praktische Ver- wcndbarkeit an. darauf, ob die zu bcstimmci-den Werkzeugtyyen für den ihnen zugeschriebenen Zweck tanglich waren. DaS kann natürlich ambesten durch ptctktiich: Nachprüfung am ArbeitSmaterial selbst unter Zu» — 780— ziehung dölkerkuudlicher Parallelen geschehen; und so läßt Pfeiffer „geübte Handwerker mit den prähistorischen Geräten wirklich arbeiten und ihr Urteil abgeben". Seine Ausführungen sind auch deshalb so bemerkenswert, weil er im Gegensatz zu der seitherigen Uebung bei der Deutung der Geräte nicht den Waffen- und Kultstandpunkt betont, sondern mehr an die auch dem primitiven Menschen viel wichtigere tägliche Beschaffung von Nahrung und Wohnung denkt. So ist ihm z. B. eine annehmbare Erklärung der bisher so rätsei- hasten sog. Kommandostäbe gelungen. Dieses eigentümliche Gerät, meist ein kunstgerecht durchbohrtes Geweihstück, vornehmlich aus dem Ende der alteren Steinzeit(Beispiele davon im Berliner Vvlkerkundemuseum), wurde seither teils als Schmuckstück, teils als Prnnkwaffe oder dergl. gedeutet. Pfeiffer weist nun auf ein ganz ähnliches Instrument hin, das nicht allein bei niedrigstehenden Völkern der Gegenwart, sondern auch»och in einzelnen heimischen Korbflechterwerlstäiten zum Biegen der Gerten verwandt wird. Außer diesen gut begründeten Hypothesen haben die Arbeiten Pfeiffers noch das Verdienst, auf eine Lücke hingewiesen zu haben, die von der Volkskunde in Verbindung mit den Museen in der allerkürzesten Zeit geschlossen Iverden muß. Wir besitzen in reichen Samnilungen die Geräte und Waffen der obskursten Negerstämme und stercoskopische, linematographische und phonographische Aufnahmen berichten uns von ihrem Leben und Treiben. Und unsere eigene Heimat kennen wir nicht. Wer etwa in einem unserer großen Museen nach den Werkzeugen suchte, mit denen ein Sattler, ein Schuhmacher, ein Schmied, ein Stellmacher arbeitet, er würde bei- nahe überall vergebens suchen. Und doch toäre eine Sammlung. eine umfassende Sammlung solcher Typen mit genauer Angabe des Ramens und des Zwecks, wozu sie verwandt wurden, für die Kultur- geschichte unbedingt nötig; wer weiß, ob sie bei der rasenden Eni- Wickelung unserer Technik in zwei oder drei Jahrzehnten»och aufzu- treiben sind. Aus dem Pflanzeuleven. Neues über die Herbstfärbung der Blätter. Wieder flattert in diesen Herbsttagen das rote Laub welk und müde hernieder und erweckt melancholische Stimmungen von der Ver- gänglichkeit alles Irdischen. Aber dies in roten Farben einen letzten glühenden Scheideblick uns schenkende Laub gibt nicht nur zu lyrisckwn Enipfindungen Anlaß, sondern beschäftigt auch die Wissenschaft, die der Herbstfärbung des Laubes in den letzten Jahren eifrige Studien gewidmet hat. In der„Nature" berichtet Henri Coupin über die neuesten Resultate dieser Forschungen. Der Farbstoff, dessen Vorhandensein das herbstliche Rotwerdcn der Blätter hervorruft, ist das Anthocyan oder Blumcnblau, eine Form der Stärkezuckerverbindung, die in diesem Augenblick in den Zellen der Blätter und besonders in der Epidermis erscheint. Die Be- dingungen dieser Veränderung sind in der letzten Zeit viel be- achtet worden. Hohl und Haberlandt schrieben dem Wechsel der niedrigen Nachttemperaturen und dem kräftigen Licht des Tages eine hervorragende Bedeutung dabei zu. Diese Anschauungen er- hielten experimentelle Beweiskraft durch die Versuche von Gaston Vonnier, der das Rotwerden der Blätter bei verschiedenen Pslanzcnarten hervorbrachte, indem er sie während des Tages einem kräftigen Licht und während der Nacht der Wirkung niedriger Temperaturen aussetzte. Die Rolle, die jeder dieser beiden Fai- koren, Temperatur und Licht gesondert, bei der Erzeugung des Blumcnblau hervorbringt, hat Overton untersucht. Er ließ Licht und niedrige Temperatur getrennt auf eine bekannte Wasser- pflanze, Hydrocharis, einWirten, und erkannte, daß beide Faktoren in demselben Sinne Veränderungen hervorbringen, d. h. daß das starke Licht ebenso das Rotwerden begünstigt, selbst wenn die Tem- peratur die gleiche bleibt, wie das Einwirken der niederen Tem- peraturen ohne Lichteinstuß. Derselbe Physiologe und ebenso Molliard und Palladine haben außerdem gezeigt, daß das gleiche unter ganz beliebigen Licht- und Wärmebcdingungen eintritt, wenn man die Pflanzen durch zuckerhaltige Lösungen kultiviert. Durch diese Erkenntnis ist N. Combes veranlaßt worden, eine chemische Analyse der Pflanzen, die von Natur rot werden, vorzunehmen. Er hat festgestellt, daß die Erzeugung des roten Farbstoffes, die durch verschiedene Ursachen hervorgerufen wird, in allen Fällen von einer Vermehrung der Kohlenwasserstoffverbindungen begleitet ist. Die Analyse hat einwandfrei erwiesen, daß in den roten Blättern hie Mengen von Zucker und Stärkezuckcr beträchtlich größer sind alS in den grünen Blättern derselben Pflanze. Es scheint also, daß man die Bildung des Blumenblaus für die Folgeerscheinung einer Vermehrung der zuckerhaltigen Verbindungen ansehen muß; die Wirkung des Zuckers scheint die Beschleunigung der Oxy- dationSprozesse zu bedingen. Es ist seltsam, daß eine nützliche. Substanz, wie der Stärkezucker, sich in den Blättern vermehrt, die rot Iverden und zu sterben bestimmt sind; logischer würde eS im Haushalt der Natur erscheinen, wenn diese Produkte sich im Stamm oder in der Wurzel sammeln würden, die den Winter überleben. Aber tS hat den Anschein, als ob die Pflanzen Gründe haben, die unsere Vernunft nicht ahnt. Der Beweis dafür ist, daß ähn- liche Phänomene sich bei allen Blättern zeigen, die im Herbst herab. fallen. Scbacd. Unier Leitung von S. Akapsn. H. Pech. ad c d e f g h 2+(ö®— ftlld I) Eine der wichtigsten theoretischen Errungenschaften des Karlsbader Turniers bestand in der eifrigen Kultivierung der v o n uns besürwoneten Verteidigung des Daniengambits mit 1.<3.2—64, 67—<35; 2. c2— c4, c7— c6 1, die in der überwiegenden Majorität der Fälle mit genügendem Erfolg zur Anwendung kam. Diese Spielweise wird jedoch von Dr. Tarrasch im„Lokal-Anzeiger" als .minderwertig" bezeichnet und zwar mit der e i n z i g e n(!) Be- gründung: �Sie nehme dem schwarzen Damenspringer das Ent- wickelungsfeld c6, wesbalb der Bauer nach öS gehöre".— Wenn auch die von Dr. Tarrasch hervorgehobene Schattenseite des Zuges 2...... c7— c6 zugegeben werden muß. so kann die Schluß- solgerung der.Minderwertigkeit" wenigstens a priori d. h. ohne konkrete Varianten mäßige Ausführung doch nicht anerkannt werden. Denn als Mittel zur Freihalwng des oö gibt Dr. Tarrasch die„Postierung des Bauern»ach oö" an, was den Zug 2.... s7— e6 unerläßlich macht.(1. 64, 65; 2. c4, e6; 3. Sc3, c5 oder die Zug- Umstellung 1. 64, 65; 2. c4, c5; 8. Sc3, e6 sc.) Jedoch durch 2...... e7— e6 wird augenscheinlich dem schwarzen Damenläufer fast jede Bewegungsfreiheit genommen. Wodurch ist aber bewiesen. daß die Einschränkung der Enlwickeluiigsfreiheit deS 8b3 für Schwarz nachieiliger ist als die des I.08? Im Gegenteil, auf den ersten Blick dürste erscheinen, daß dem Lb8 noch zwei andere Entwickeluiigs- fclder