Anterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 210. Sonnabend � den 23. Oktober. 1911 Wuchdrull Mtbolen.) *2} Vor dem Sturm. Roman von M. E. L e l l e G r a z i e. Aber nein, nein. Auch er hatte ihm nichts mehr zu sagen --- auch er nicht! Er hing ja selbst am Kreuz, wie alle, die arm und elend waren. Und ob die Menschen dieses Kmiz später auch erhoben— in jener letzten, fürchterlichsten Stunde hatte auch er sich nicht helfen können. Nicht helfen wollen— raunte ihm noch einmal sein alter Glaube zu. Leise, scheu, wie mit der zitterigen Stimme eines Greises. Aber Jury wußte das jetzt besser. Wie es damals die Juden besser zu wissen glaubten«.„Steig' vom Kreuze, wenn Du Gottes Sohn bist..." Er machte einen Schritt nach vorwärts, trat auf etwas Festes: der Kranz— Annaliesens Kranz! Wieder packte ihn der Schmerz wie ein wildes Tier, schlug ihm die Pranken ins Herz, in das weiche Vaterherz, in dem nun noch eine andere Wunde brannte, ein Feuer lohte, an dem sich alles entzünden konnte: der Haß, der Wahnsinn, das— Verbrechen. Oder wußte er, was er hm würde, wenn der„gnädige Herr" ihm zufällig in den Weg kam? Was der Birron getan hat! schrie es in ihm auf, und wie eine Lust war es, diesem Schrei nachzuhorchen: so recht tief in sich hinein— in die Slbgründe hinab, in denen kein Gott mehr wohnte, keine Angst vor einer Tat, die hier unten nicht schlecht sein mußte, weil sie dort oben dafür galt. Wo oben? Langsam, wie frierend, zog er die alten Schultern empor: stierte in die aschfarbene Dämmerung hinein, lächelte vor sich hin, halb blöd«, halb schmerzlich. Wo— oben? Ja, wenn er das noch gewußt hätte!{gx, der seinen Gott und seinen Himmel verloren. Nur die Erde spürte er noch, diese Erde, auf der solches möglich war! Sein stummer Blick lief die Gräberreihen entlang, bekam plötzlich wieder Leben. Wer— war er denn wirklich so dumm gewesen, all seine Tage lang, daß er nicht einmal das gesehen, was ihm der Friedhof selbst entgegenhielt— mit dem Grab und jenem dort und diesem da? Dieser uralte Bauern- friedhof? Unter dem versunben'en Hügel dort lag der alte Naz. 's Petern Tommerl sein Naz. tme die Leute ihn einmal ge- heißen, nach uraltem Brauch dem Namen des Enkels zugleich jene des Vaters und Großvaters anfügend. Wenn Jury eine Weile nachdachte— und er war ja selbst schon ein alter Mann — konnte er sich des Naz noch recht gut entsinnen, obwohl Jillys Jüry damals noch keine sechs Jahre zählte. Aber's Petern Tommerl sein Naz, ja, ja, den sah er noch immer vor sich! Sah ihn vor sich, wie er ihn in seiner Kindheit geseh'n, als eine Art Schreckbild. Nicht weil's Petern Tommert sein Naz etwa so„schiach" gewesen. Behüte! Der tiefgebeugte Nacken des Alten trug das schönste, sanfteste Greisenantlitz, da? man sich nur denken konnte. Die Angst kam vielmehr von den Drohworten der Mütter her, die ihre ungebärdigen Jungen mit dem Ruf zu schrecken pflegte:„Seid's stad, sunst kinunt der gnädige Herr und haut enk bucklet, wia's Petern Tommerl sein Naz.!" Das war so gang und gäbe im Dorf. Kein Mensch fand etwas dabei— selbst der Enkel des„gnädigen Herrn" lächelte, wenn er vorüberging und über irgendeinen Zaun hinweg zufällig jene Worte hörte. Denn, es ließ sich nicht leugnen — was die Mütter ihren Rangen androhten, war wirklich ge schehen. Anno so und so viel hatte der„gnädige Herr von dazumal" den kleinen Naz„bucklet" schlagen lassen, weil er der Geliebten des gnädigen Herrn nicht„küss' die Hand" ge- sagt, wie eben Kinder tun, die zu Hause reden hören— sie wissen nicht, was, und sich in ihrer Unschuld danach gehaben — sie missen nicht, warum! Und die Bauern von damals wären noch so hündisch, daß's Petern Trommerl sein Weib selbst zum Herrn Grafen ging und unter einer Flut von Tränen und Beteuerungen für die„gnädige Straf'" dankte, mit dem Bemerken, daß es „no long nit gnua Prllgl g'west war'nl" 's Petern Tommerl NazenS armer„Buckel" schien ein« anderen Meinung zu sein. Denn die schwache Wirbelsäule begann sich schön langsam zu krümmen— immer tiefer, immer devoter... bis's Petern Tommerl sein Naz ein- für allenlöf wußte, wofür er und seinesgleichen einen„Buck t" hatten. Wie gut sich Jüry plötzlich entsann, so lang das auch schon her war, bis auf das immer gleiche Lächeln des Alten. So gut, daß ihm plötzlich die ganze Seele davon brannte— von diesem immer gleich geduldigen, gleich wehen Lächeln. Wie magisch angezogen wankte er dem verlassenen GraB zu, sank davor ins Knie... dös lvor's Petern Tommerl sein Naz, murmelte er wie geistesabwesend vor sich hin. Und er war seinerzeit an ihm vorübcrgegang, hatte sich nichts gedacht dabei— nicht als Kind, nicht als Mann. Warum war ihm plötzlich, als müßte er sich ins Gesicht dafür schlagen? Aber beten— nein, beten konnte er nicht mehr, nickst ein einziges Vaterunser. Mockste unser Herrgott dazuschau'n, welch Aus» kunft über seine Vorsehung und Güte er dem armen„Buckel" gab, der sich unter diesem Hügel ein- sür allemal verkrochen f Berge von Blumen hätte Jüry auf den zusammen- gebrochenen Hügel häufen mögen. Doch er hatte nur die paar Astern für seine Annaliese, das bißchen Sinngrün und Efeu. So brach er einige Blüten aus den? Kranz und ließ sie zwischn die Brombeeren gleiten, die wirr und dornig den kleinen Hügel überrankten. Er erhob sich, taumelte weiter. Wie von einem einziger» dumpfen Instinkt fortgeschoben, der ihn zu jenen drängte, zu denen auch er jetzt gehörte— zu den Entwürdigten und Niedergetretenen. Vor einem ganz kleinen, ganz schmalen Grab blieb er wieder stehen, und das war— das war. Er hatte den Finger wie nachsinnend an die Lippen gelegt. Nim biß er plötzlich hinein. Unter dem Hügel lag ein Kind, das ein Heger des „gnädigen Herrn" langsam zu Tode geprügelt, weil— ja weil es eben nicht sein Kind war. Wollte die Mütter sich des kleinen Märtyrers annehmen— drohte ihr der Gatte, sie selbst totzuschlagen und dann erst noch olles zu verrawn So schwieg sie, sah zu— ließ es gescheh'n. Sie brauchte nicht allzu lange zuzuschauen. Aber ihr selbst wurde„z'letzt nit guat davon", wie die Leute sagten« Ein Jahr später trug man auch sie heraus. „'s Walloner sein Weib!" stieß Jüry hervor. Es war. als griff ihm eins an die Kehle, stieß ihn zurück. War ihm die nicht auch ein Aergernis gewesen, so oft sie ihm über den« Weg lief? Einmal! Wann? Wie lang ihm das alles her schien, nun er da stand, ein ganz anderer, ganz— Fremder, einer, den er selbst noch nicht recht kannte. Aber... man hatte sie doch in die geweihte Erde betten dürfen. Sie war eines natürlichen Todes gestorben, wie man so sagte, wäh- rend... Erst jetzt trat die ganze schreckensvolle Wahrheit in sein mühsam arbeitendes Gehirn. Gab seine Scham und sein .Haß langsam, langsam auch dem letzten Raum: der Besinnung des Zusammenhanges zwischen Birrons Enthüllung und Annaliesens letzter Tat. Nicht ertrunken war sein Kind— die Schande hatte es in den Tod gejagt, die Schande I Er legte die bebende Hand vor die Augen, wie um besser zu sehen. Sah alles so gut mit einemmal, als war' er selbsii dabei gewesen, wie sie anS der„Schweighütte" schlich, weiter und immer weiter lief, dem Tod entgegen. „Annaliese!" schrie er auf, über das entsetzliche Gesicht die Wirklichkeit vergessend, inachte einen grotesken Satz über all die armen' Hügel hinüber, stolperte über Kreuze und niedergebrochene Grabsteine, streckte die Arme aus, wie nach einem vor ihm herflüchtenden Schemen.... Wollte sie fassen, zurückreißen— und fand sich plötzlich mit dem Oualschrei des Erwachenden am Grabe seines Kindes wieder. „Und dös— und dös" stammelte er. Seine Sttimne brach— die zitternden Vaterhände strichen mit einer Gebärde tastender Zärtlichkeit über die stierenden Schollen hin..» „dös wor Jurys Annaliese!" Sein Haupt sank nach vorne, der zitternde Kiefer schlug an den Rand des Hügels, seine Tränen machten die harte Erde weich.... Aber Annaliese blieb stumm. Ms er sich erhob, sah die Nacht vom Himmel. Dex Bebel - 838- gas se'ltta ftalfc Schleppe über die'Gräber, 5er Wind war ein« geschlafen, wie ein müde geweintes Kind. Stumm legte Jury seinen Kranz auf den Hügel, sah um sich mit einem weiten, starren Blick. Das waren die Toten. Mit denen hatte er gelebt bis heute, ohne es zu wissen, still, stumm, geduldig. Nun mußte er hinab und den Lebenden sagen, wie es sei, wenn man vom Tod erwache, denn sie sahen ja auch nichts, lebten weiter, einen Tag wie den anderen; still, swmm, geduldig, ein zweiter Friedhof; gerade nur. daß seine Toten herumgingen und sich alle Sonntag vom Pfarrer etwas weiß machen ließen. Nun wollte er ihnen die Augen öffnen. Mochten nur wieder die Gendarmen kommen und die Draben und all die anderen Totengräber und Totenwächter der öffent- Cichet» Ordnung und einer„gnädigen Obrigkeit"! Er fürchtete sich nicht mehr— nein, denn er war ein solcher geworden, der alles verloren hatte, und nun kam, um das alles wieder zurückzufordern,- Die hatten sich vor ihm zu fürchten. Vor ihm, der nicht einmal einen Gott mehr hatte! Mit tastenden' Schritten fand er zwischen den Gräbern heraus, schritt an dem ragenden Kreuz vorüber, ohne es mit einem frommen Gruß zu ehren. Wozu auch? Das war nicht rnehr der Gott, der mif Golgatha für die Armen und Elenden sein Blut vergossen hatte, das war ein Gott für die„gnädigen Herren", darum ließen sie ihn überall aufstellen, natürlich, damit ja kein Armer und Elender vergaß,„daß auch sein Reich nicht von dieser Welt sei". Diese Welt hatten die„gnä» digen Herren" unter sich geteilt, bis auf der armen Leute Kinder, die einen schlugen sie„bucklet", die anderen... Aber nein, nein, nein. Er durfte nickch daran denken, nicht jetzt, wenn er nicht wahnsinnig werden wollte. „Schön stad sein," sagte er sich,„und schlau, und oll's hübsch einfädeln, wie die gnäd'gen Herr'n, bis amol die große Auferstehung do war,'s letzte G'richtl" Als er zwischen das Friedhofstor trat, raschelte es im Gras. Ein dunkler, geschmeidiger Tierkörper glitt an ihm vorüber, tauchte im Dunkel unter, verschwand.„Ein Marder," dachte Jury. Unter allem Raubzeug war gerade dieses ihm stets das verhaßteste gewesen, weil es sich so lautlos heran- zuschleichen wußte, so grausam würgte, nicht bloß, um seinen Hunger zu stillen, aus reiner Gier nach Blut. Einmal hatte Jüry seinesgleichen im Hühnerstall erwischt. Plötzlich sah'er alles wieder: die lachenden Augen des Würgers, in deren Pupillen die Wollust des Vertilgers glänzte, die letzten Zuckungen der Opfer....„So kunnt i' irtzt über dem liegen!" gurgelte es in ihm auf. Noch leise, scheu, wie ein Laut aus abgründigen Tiefen. f£r blieb stehen, schloß mit zarter Hand das Tor hinter sich, als könnte seine Annaliese erwackten, wenn es allzu hart zufiele. Plötzlich gab es ihm förmlich einen Ruck. Er hatte den Birron nach jener Tat auf freiem Felde festgenommen, ihn bei sich eingeschlossen und gehütet, wohl gehütet, damit er nicht am Ende auch den„gnädigen Herrn" anginge. Er lachte, dumpf, heiser... war das wirklich er gewesen? Unglaublich, was man alles erlebte— an sich! Wie zwei Menschen, die einander nie gekannt und nie gesehen, stand der eine Jüry hüben, der andere drüben— un� nicht einmal Gottes Macht fand mehr von dem einen zu dem'anderen. Durch die dicke Luft kam ein weiches Getön. Die Kirchen- glocke läutete den Abendgruß der Erde an die Mutter des Herrn. Noch zu Mittag hatte sich Jüry mit zitternder Hand die Mütze vom Haupt gerissen, um zu beten— mitten' im Sturm, auf freiem Felde. Auch jetzt überkam ihn etwas. Aber er kniff die Augen ein und rührte keine Hand; drückte sich im Dunkeln weiter. Es war die letzte bäuerliche Empfin- dung, die sich in ihm regte: die Scheu vor dem offenen Bruch. Aber seine Zähne knirschten aneinander:„Justament nitl" .(Jortsetzung folgt.) (Nochdruck vkrvoltn.l Sines Arbeiters Aleib. (Schluß.) Etwa ein Jahr war vergangen, da klopfte eS eines Abends an Karl Wilhelm Försters Tür. Ein hochgewachsener Mann trat ein. „Frau Marie Förster?" fragte er und verneigte sich beklommen vor der Frau, über deren Wangen eine schnelle Bläsie huschle. .Die bin ich I Und was wünschen Sie von mir, Herr Reinhold Wolfram?" Einen Augenblick räusperte sich der Andere verlegen. Dann fuhr er fort: � .Ich möchte meinen Sohn von Ihnen zurück haben. Frau Förster I" Wieder erschien die Bläsie auf Ihren Wangen. „Ihren Sohn?" „Ja I Meine Verbältnisie haben sich gebessert;«r kann wieder bei mir leben und es soll ihm gut gehen--" ES flammte in ihren Augen auf. „Zum zweitenmal wolle» Sie mir den Knaben nehmen? Jetzt, nachdem er sich an uns gewohnt, nachdem er mich als seine Mutter lieben gelernt hat?" Ein kühles Lächeln spielte um die blasien Lippen Wolframs. „Kinder vergessen schnell l" sagte er. .Aber sie gehe» auch leicht zugrunde, wenn man sie beständig aus einem Boden hinüberpflanzt in einen anderen." „ES ist der väterliche Boden", fiel Wolfram ein. „Kein sicherer Boden. Herr Wolfram", entgegnete Marie mit leiser Schärfe,.wie die Vergangenheit gelehrt hat." „Aber diesmal wird er sicher sein." Einen Augenblick überlegte Frau Marie, ehe sie antwortete: „Und wenn ich den Knaben nicht herausgebe?" fragte sie. Herr Wolfram zuckte die Achseln. .Sie werden anderen Sinnes werden— ich will Sie reich ent» schädigen--* Da fuhr Frau Marie auf. „Geld? Ach. das Machtmittel der Reichen? Gehen Sie, Herr, bei mir verfängt das nicht! Gehen Sie!" Herr Wolfram ging. Frau Marie aber stürzte fliegenden AtemS in die Kammer, wo ihre Kinder schliefen, beugte sich auf den schlummernden Reinhold nieder, und heftig und stürniisch tat sie es, daß der Knabe davon erwachte und sie verwundert anschaute. Sie aber zag ihn an sich und fragte: .Bei wem willst Du bleiben, Kind? Bei Deiner Mutter oder Deinem Vater?" Hoch auf horchte der Knabe. „Mein Vater?" fragte er..Ist er denn wieder da?" .Ja, ja l Und bei wem willst Du bleiben, mein Liebling?" „Bei meiner Mutter l Bei Dir I" Da neigte sie sich über ihn und lange lagen sie in stummer Umarmung.-- Herr Wolfram aber war stärker als die beiden. Er erwirkte eine gerichtliche Verfügung, nach der ihm das Kind gegen Zahlung einer angemessenen Entschädigung für die im vergangenen Jahr auf- gewendeten Unterhaltskosten auszuliefern sei. Und mit dieser Verfügung in der Hand kam er wieder. „Ich bitte um meinen Sohn I" sagte er. „ES ist auch mein Sohn I" „Das Gericht spricht ihn mir zu I" „Und ich habe ihn mir durch die Mutterliebe erobert! Wo aber war ihre Vatcrliebe für das Kind? Gaben Sie es nicht leichten Herzens dahin, als Ihr Lebensschiff ein Leck erhielt? Gaben Sie es nicht dahin, weil Sie nicht den Mut hatten, ihm wirklich Vater und Ernährer zu sein? Und jetzt, wo das Kind Sie fast vergesien, wo es sich an uns gewöhnt, wo eS uns sein Herz geschenkt hat, jetzt kehren Sie wieder und verlangen das Kind, dessen Liebe Sie«rkhi mehr haben?" Herr Wolfram senkte die Stirn. ,DaS Gericht--*, sagte er stockend. Frau Marie wandte ihm den Rücken. .Lasten Sie das Gericht nur kommen!" .Sehr wohl I Ihr Wille geschehe— das Gericht wird kommen." Und das Gericht kam und nahm ihr den Knaben. Aber zwei Tage darauf war er zurück. Wie einst vor Jahresfrist der Mutter, so war er jetzt dem fremdgewordenen Vater davongelaufen. .Ich bleibe bei Dir, Mutter," rief er und klammerte sich angst« voll an sie. Und wieder kam das Gericht. Aber als der Gerichtsvollzieher den Knaben holen wollte, sprang er davon, und ehe ihn jemand halten konnte, stürzte er sich in den nahen, reibenden Bergstrom. Auf und nieder sah man sein lockige? Haupt tauchen. Ein Schrei aus Frauenmund, im Nu war die Mutter bei ihm, und nun kämpfte sie mit den Wellen und ihr Kind.---- Die Elemente waren freundlicher als die Menschen: sie gaben ihr den Sohn wieder. Mit Heldenmut entriß sie ihm dem Tode. Aber schon am anderen Tage war der Gerichtsvollzieher aufs neue da. „Ich muß gehorchen I' sagte er bedauernd. Da gab Frau Marie das Kind heraus. .Nehmen Sie ihn!" sprach sie..Ich bin nur eines armen Arbeiters Weib und kann nichts gegen die Ucbermacht l Der Knabe soll mit Ihnen gehen I" Und freundlich sprach sie dem Kinde zu, so daß eS dem Gerichtsvollzieher folgte. Tränenden AugeS aber sah Frau Marie dem Davonschreitenden nach.--- Wieder waren Monate vergangen. Da kam ein Brief..Rein» hold liegt im Sterben. Kommen Sie zu ihm." Frau Marie fuhr hin. Und da sie vor dem keuchenden, in schwerem Fieber liegenden Knaben stand, sagte sie ruhig: .Er wird nicht sterben! Er soll nicht sterben!" Sie wich nicht mehr von seinem Bett. Am vierten Tage ließ das Fieber nach, der Knabe schlug das Auge auf: „Mulier, meine Mutier!" schrie er.»Bist Du da? Bleib doch! Ohne Dich mutz ich ja sterben!" Sie küßt« ihn und legte ihm die Hand sauf die fieberheiße Stirn. Und dann erhob fie fich und trat festen Schrittes vor Herrn Reinhold Wolfram: „Wem soll das Kind gehören?* fragte sie.„Das Kind, dem ich zweimal das Leben rettete und das an mir hängt?" Der Angeredete neigte die Stirn: »Es soll Ihnen sein, Frau Marie I Ich verzichte! Denn ich sehe, Ihre Liebe ist stärker, als die meine— sie hat den Tod be- zwungen— das kann die meine nicht!" Leisen Schrittes ging er aus dem Zimmer. Frau Marie aber neigte sich über den Knaben und fragte ihn: „Willst Du hier bleiben, Reinhold, oder bei mir?" Kein Wort sprach der Knabe, aber seine Arme legte er um die Mutter und herzte fie so stürmisch, daß fie sich seiner Liebkosungen erwehren mutzte. So aber kam eS, daß eine tapfere Frau sich endlich ihr Kind erobert hatte.-- Lcbcnspaufcn« Von C. S ch e n k l i n g. Geburt— Leben— Tod, das sind die drei Etappen im Kreis- lauf der organischen Natur, aber es gibt noch eine wohl nicht weniger wichtige, die wir an diesem oder jenem Geschöpf beobachten können.„Lebenspause" dürfte man diese wichtige Einrichtung in der Natur nennen können, nach der Organismen ohne Schädigung durch vollständige Unterbrechung aller Lebensvorgänge in einen zeit- weisen Ruhestand versetzt werden. Mehr als anderthalbtausend Jahre hat eine solche bekannt gewordene Lebenspause gewährt. Beim Anlegen eines Weinbergs in der Dordogne stieß man auf römische Gräber und fand in den steinernen Sarkophagen Haufen von Samenkörnern. Die Schädel der Skelette ruhten darauf wie auf Kissen. Der Archäologe Audierne schloß aus verschiedenen Umständen, daß die Körner aus dem dritten oder vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung stammten, und beob- achtete, daß die von ihm in Papier gehüllten Körner nach einigen Tagen zu keimen begannen. Nach einer anderen Mitteilung brachte man in England fast zu derselben Zeit Samen aus einem Blei- sarge des 12. Jahrhunderts zum Keimen. Sie waren also 800 Jahre keimfähig geblieben. Daß die Körner, die Schliemann in Hissarlik und auf Kreta fand, wie auch der Weizen aus den ägyptischen Königsgräbern wie der aus Herkulanum und Pompeji nicht zum Keimen gebracht wurden, läßt fich unschwer erklären. Aber noch durch manch anderes Beispiel könnte dieser Zustand der Leblosigkeit an ruhenden Pflanzensamen gezeigt werden. Auch im Tierreiche finden wir solche Erscheinungen, wennschon diese den erwähnten nur bis zu einem gewissen Punkte ähnlich sind. Zahlreiche Gliedertiere befitzen die wunderbare Fähigkeit, nament- lich als Eier, jahrelang zu schlummern und bei Anfeuchtung wieder zu erwachen. Sind die scheinbar vollständig vertrockneten Würmer im Sande, die Räderticrchen in den Dachrinnen, die Bärtierchen zwischen trocknen Baumrinden und die Millionen von winzigen Wesen im Straßenstaube, die im regenlosen, taufreien Hochsommer lange ausharren müssen, ohne zu leben, weil ihnen der Nährboden und die Grundbedingung alles Stoffwechsels, das Wasser, fehlt, vielleicht etwas anderes? Tot sind sie nicht, denn ein Regenguß belebt fie von neuem! Gerade in der Zeit, in der wir jetzt leben, ist für so manches Geschöpf eine Lebenspause eingetreten, und wir können so vielfach beobachten, wie eS sich vor den kostleeren und kalten Tagen des Winters zu schützen weiß. Es lag in der Natur der Sache, daß sich die Naturforscher älterer und neuerer Zeit mit dem Wesen des Winterschlafes der Tiere beschäftigten. Eine ganze Reihe klangvoller Namen könnte angeführt werden, deren Träger eingehende Untersuchungen über diesen Zustand anstellten. Man weiß, daß es zwei Ursachen sind, die ihn veranlassen, die herabgesetzte Temperatur und der durch diese veranlaßte Mangel an Nahrung. Durch die Kälte werden die einjährigen Pflanzen völlig vernichtet und auch die dauernden oder perennierenden in einen Winterscksiaf versetzt. Dieser Umstand hat zur Folge, daß mit den Pflanzen die Pflanzenfresser verschwinden. Diese Ruhe der Vegetarier, oer sie meist in sicheren Verstecken pflegen, nötigt wieder eine Reihe von Fleischfressern, einige Zeit von der Bühne des öffentlichen Lebens abzutreten— aber bei weitem nicht alle. Die Vögel gehen diesem Zustande durch Wanderungen nach dem Süden aus dem Wege, und auch die Säugetiere über- wintern meist nicht in einem lethargischen Zustande. Von unseren Fledermäusen wissen wir, daß sie an milden Wintertagen zum Vor- schein kommen, aber nach kurzem Ausflug ihre Wintcrverstecke wieder aufsuchen, um weiter zu schlafen. Auch die Ansicht, daß der Bär einen ununterbrochenen festen Winterschlaf halte, ist längst widerlegt. Wenn er auch nicht gleich anderen Schläfern sein Winterlager verläßt, so ist sein Schlaf doch so leise, daß er selbst beim geringsten Geräusch erwacht. Im festen Schlafe aber ver- bringen Igel, Ziese, Bilche und Murmeltiere den Winter, während andere Nager, wie Hamster und Eichhörnchen, nur in den kältesten Tagen schlummern. Andere Säuger, z. B. der Maulwurf, schlafen im Winter nichf, sondern folgen ihren Keutetieren tiefer in bie Erde, werden also für uns unsichtbar. Aus dem schwankenden Verhalten, mit dem der Winterschlaf bei den Säugern auftritt, und der Tatsache, daß er solche, die sich während der kalten Jahreszeit zu erhalten vermögen, auch wenn sie klein sind— wie die Mäuscarten— nicht befällt, wohl aber oft größere, daher auch gegen die Kälte eigentlich widerstandsfähigere, ergibt sich mit größter Wahrscheinlichkeit, ja fast mit absoluter Sicherheit, daß die Kälte direkt nicht von wesentlichem Einfluß ist. Anders liegt die Sache bei den Reptilien und Amphibien. Das sind, wie man gewöhnlich sagt,„kaltblütige" Tiere, richtiger gesagt sind es„wechselwarme, poikilothcrme", und die Temperatur ihres Blutes richtet sich nach der Luftwärme, indem sie mit dieser steigt und fällt. Graf Münster, der behufs Untersuchung der Blutwärme auf seinen Bärenjagden stets ein Thermometer mit sich führte. konnte bei den erlegten Tieren während des Dezember und Januar immer noch eine Temperatur von 3S— 40 Grad Celsius konstatieren. Bei Schlangen und Eidechsen aber und bei Laubfröschen und Kröten sinkt mit der umgebenden Temperatur die Blutwärme be- trächtlich; schon bei 10 Grad Celsius werden fie äußerst träge, und bei einer anhaltenden, um noch einige Grade geringeren Luftwärme sind ihre Lebensvorrichtungen ganz gelähmt; fie versinken in Lethargie. Auch Fische hat man in diesem Zustande gefunden. Sie scheinen also, obgleich auch wechselwarmc Tiere, viel resistenter gegen die. Abkühlung zu sein als die wechselwarmen Reptilien und Amphibien. Der Schlammpeizker, der Aal, die Schleie und der Karpfen halten einen Winterschlaf, tief im Schlamm der Gewässer eingewühlt, während die Forelle noch bei 3 Grad Celsius das Ge- birgsbächlein durchhuscht. Unter den Fischen gibt es sogar Arten, die selbst ein teilweises oder vollständiges Einfrieren zu ertragen vermögen. Diese Lebenspause im Eise scheint ihnen nicht nur nicht zu schaden, sie ermöglicht ihnen vielmehr, selbst nach strengsten Wintern die Wiederaufnahme der Lebensarbeit im Frühling, ver- hindert also den Hungertod und die Fäulnis. Wie steht es nun mit den Insekten? In irgendeinem Zu- stand müssen auch sie des kommenden Frühlings erharren, und er- staunlich ist die Mannigfaltigkeit der Schutzmittel, deren sie sich bedienen. Unter der dichten Laubdecke im Walde haben sich an ge- schützten Orten Käfer, Wespen, Fliegen und Spinnen in großen Mengen eingefunden, um hier zu überwintern. Auch im Mulm angefaulter Bäume findet sich ein ganzes Konsortium von Winter- schläfern: Hummeln, meist trächtige Weibchen, die den Frühling erwarten, um ihrer Bestimmung zu genügen und dann zu sterben, zusammengerollte Tausendfüße, Asseln und viele andere, die einer fröhlichen Auferstehung entgegensehen. Aber nicht der GeselligkeitÄ- trieb führte die Tierchen zusammen, denn wie wir sehen, sind es Vertreter der verschiedenen Arten, Gattungen und Klassen— bisweilen liegen die grimmigsten Feinde nebeneinander—, sondern dcv ausreichenden Schutz gewährende Versteck. Die Mehrzahl der kurz» lebigen Insekten verbringt die Winterzeit im Larven- oder Puppen« zustande, in welchen Entwicklungsstadicn die Tiere viel Widerstands- fähiger gegen die Kälte, zu sein scheinen, auch geschütztere Orte auf» suchen können, wie als JmagineS svoll entwickelte Insekten). Suchen wir z. B. im Winter ein Gartenhäuschen auf, so können wir be» obachten, wie die verschiedensten Jnsektenarten in den verschiedensten Entwicklungsstadien des künftigen Frühlings erharren. Ein gelbeS Gespinst im Winkel birgt Spinneneier— und wie find sie vom Muttertiere geschützt? Um das ihnen zunächst liegende, dichte, feste und gelbe Gespinst zieht sich noch ein lockermaschiges, viel weit» läufigeres. Ein schlechter Wärmeleiter, lose um einen gegen Kälte leicht empfindlichen Gegenstand gefügt, schützt ihn besser, als wenn er oder auch ein guter Wärmeleiter dem Gegenstand anläge. Der» artige Gespinste finden sich aber nicht nur bei Spinnenciern, man beobachtet sie vielmehr bei vielen überwinternden Gliedertieren. Auch hat man gefunden, daß überwinternde Eier eine stärkere Schale besitzen als solche, deren Inwohner schon während des Sommers auskriechen. Bei den Puppen einer Schlupfwcspenart ist dieses bestimmt nachgewiesen. Während einen Teil bereits im Herbst die Wespe liefert, überdauert der andere Teil den Winter, und diese haben eine weit kräftigere Schale als jene. Recht interessant find auch die Zustände, in denen die verschie» denen Schmetterlinge überwintern. In den laublosen Kronen unserer Obstbäume sind im Winter fetzenartige Gebilde zu sehen, scheinbar aus grauer Watte bestehend. Das sind die gemeinsamen Wintcrnestrr der Raupen des sogenannten Goldafters, die anfäng» lich schneeweiß waren, aber durch Staub und Ruß das schmutzige Aussehen erhielten. Wenn im Frühling die lauen Tage kommen, dann verlassen die Räupchen ihre gemeinsame Winierwohnung, erklettern die noch kahlen Spitzen der Aeste, lassen sich von der Sonne durchwärmen und beginnen ihre verheerende. Tätigkeit an den eben aufbrechenden Knospen. Rauhe Tage des wetterwendischen April treiben sie in das Winterguariier zurück, das sie bei kommendem warmem Wetter von neuem verlassen— nunmehr für immer. Ganz besonders merkwürdig sind aber in dieser Hinsicht die schönen Raupen der verschiedenen Glucken, der Kupfcrgluckc, die Raupe deS Brombeer-, Eichen- und RingclspinncrS. Sie überwintern im halb- erwachsenen Zustande, ganz frei, flach an die Aesichen ihrer Nah- rungspflanzen angedrückt, und sie mit ihren Bauchfüßen und dem Nachschstber fest umklammernd. Sie können zu kleinen Stöcken zusammenfrieren, daß man sie zerbrechen kann, aber selbst ia tz«? - 840— grimmigsten Kalk geHen- sie«ichl zugrunde, sondern erwachen in der milden Jahreszeit zu neuem Leben. Nicht minder widerstandsfähig sind die Puppen der Weißlinge. Frei und offen hängen sie überall im Garien. an der Mauer, am Pfosten der Gartenlaube, an Baum» stammen. Bei zunehmender Kälte gefrieren sie, daß sie klappern, tut nichts— scheint die Sonne wieder wärmer, dann entschlüpft ihnen der Falter. Manche Puppen, wie die der Schwärmer. Eulen und Spanner, ruhen ohne jeglichen Schutz im gefrorenen Erdreich, andere find von einer aus losen Erdkrümchen bestehenden Hülle um» geben und dritte stecken sogar in recht festen Gehäusen. Aber auch im ausgebildeten Zustande überwintern die Schmetterlinge. Hat man Glück, so kann man an einem Baumstamm sitzend, einen Zitron envogel finden, und im Gartenhaus, im Holz» schuppen usw. entdeckt man nicht selten, zu seiner Uebcrraschung ein rein ausgefärbtes Tagpfauenauge, kleine Sommerkanten und andere, im Frühling fliegende häufigere Arten mehr. Allerding« sitzen die Tierchen still und unbeweglich. In dem Gartenhäuschen, das wir zu unserer Exkursion erkoren, gibt e« aber noch viele andere Insekten, die alS Jmagines überwintern. Sie nehmen dazu eine«tellung ein, wie einstens im Ei Spinnen ziehen ihre Beine dicht an den kugiigen Hinterleib an. Wespen und ihre Verwandten krümmen Beine und Fühler unter den Leib, schlagen die Flügel unter den Hinterleib zwischen die Beine und biegen die Wrperenden gegeneinander, kurz, alle ihre Organe befinden sich in der Lage, die sie in der reifen Puppe ein- nehmen. Und auch von den Säugetieren wissen wir. datz sie sich zum Winterschlaf zusammenrollen, wie die Frucht im Mutterleibe. Unter den Käfern gibt es nicht wemge, die bereits im Herbste dem Puppenzustand Valet sagen, sich aber während des Winters an sicherem Orte verbergen und mit den ersten Sonnenstrahlen auf der Bildfläche erscheinen. Dahin gehört in erster Linie der bekannte Redaktiousfreund, der Maikäfer. Forbscr wie Pallas. Saissy und in neuerer Zeit auch F«el haben Säugetiere künstlich in Lethargie zu versetzen vermocht, und sindige Köpfe haben schon seit allen Zeiten— leider bis jetzt noch vergeblich— spintisiert und spekuliert und experimentiert, um eine so praktische Einrichtung auch für den Menschen nutzbar zu machen. ES wäre wahrhaftig nicht übel, wenn wir, vielleicht auch nicht für so lange Zeit wie der Visionär West, den Bellamys Einbildungs- traft so tief hypnotisierte, dasi er in einem unterirdischen Gewölbe von 1887 bis zum Jahre 2000 ohir, Antisepsis der Verwesung und Mumifikation trotzte, auch einmal erwachen könnten aus einem Zustande, der nicht Schlaf, nicht Tod, nicht Scheintod genannt werden kann— wissend, dass die an Ausgaben so reiche Winterzeit higter uns und der goldene Frühling vor uns liegt. kleines Feuilleton. Sprachwissenschaftliches. Die Deutung des KrankheitS namenS.Gicht Die Bedeutung des Wortes.Gicht" als Kranlheitsname ist heute bekanntlich in der ärztlichen Wissenschaft festgelegt; wenn auch die Volkssprache noch allenthalben eine Menge wesentlich verschiedener Krankheiten, so besonders Rheumatismus, Gliederreitzen, Hüftweh. und in der Mehrzahlform.Gichter" die Krämpfe und Zuckungen namentlich bei kleinen Kindern mit diesem Wort bezeichnet.>o dient cS doch als ärztlicher Kunstausdruck nur noch zur Bezeichnung einer bestimmten Krankheit, nämlich der„Arthritis uratica", die in der Ablagerung harnsaurer Salze im Körper und den dadurch hervor» gerufenen Folgewirkungen ihre Eigentümlichkeit hat. Anders steht eS dagegen mit der Deutung des Wortes, die bisher wenigstens zwar zu sehr vielen Erklärungsversuchen, aber zu keiner annehm» baren Lösung geführt hat. Zivar war man sich unter Fachleute» darüber klar, daß das Wort auS deutschem Sprachstoff abzuleite» fein müsse, doch waren die gemachten Versuche keineswegs über- zeugend. In der.Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur"(Bd. öS. Heft 2) hat nun Prof. PrimuS Lessiak in Freiburg i. Schw. dem sprachlichen und sachlichen Ursprung dieses Wortes eine inhaltreiche Studie gewidmet, die allem Anscheine nach die endgültige Aufklärung gibt. Nach Leisiak gehört die Gicht in der Vorstellung unserer Vorfahren zu jenen Krankheüen. die ihren Ursprung in einer Besprechung oder Verherung hohen, und wofür der»Hexen- schütz" das noch heute deutliche bekanntest« Beispiel ist; in dieser Vor» siellung wurzelt daher auch der Name.Bichl" selbst, der aus den noch in.beichten" und anderen Wörtern erhaltenen alten Wortstamm .jeden" oder.gehen" zurückgeht, der ursprünglich.sprechen, sagen, bekennen", lveiterhin aocc»besprechen, bezaubern, verhexen" usf. be- deutet..Gicht" oder in manchen Mundarten arnb.Vergibt", bedeutet also ursprünglich gar nichts anderes als.Zauber, Be- sprechung, Berhexung". was dann zu der Bedeutung der Krankheit oder der verschiedene» Krankheiten führte, die man als die Wirkung solcher Verhexung ansah. Dieser Ursprung deS Wortes geht besonders deutlich aus einer stabreimendcn Beschwörungsformel aus den iüdösterreicbisch-m Alpen hervor, wo.Vcrgichl" und.Vcr- meinte(von.vermeinen"-- BöseS denkeni zusammen von der Mutter Maria vom Menschen weg und auf die Felsen binverbannt werden. So erklärt sich wohl auch daS alte Wort.Suune gihl"(Sonnen- güht), da? meist als.Sonnenwende" gedeutet wird, aber eigentlich wohl ebenfalls;.Sonnenzauber. Sonnenbeschwörung" bedeute!. Sebaeb* Unter Leitung von S. Alapin. Henri Rink. Weitz zieht und gewinnt. Di« letzte Nummer der.Wiener Schachzeiiung" bringt folgende interessante Partie von theoretischer Bedeutung: iDamengombit. AttakinZki. Desendaron. t. 62-64 67— 6S 2. c2— o4 e?— e6 3. Sbl— c» c7— cö 4. Sgl— f3 c5Xd4 5. SßXd4 eS-eö 6. S64— b5 65-64 7. Sc3— 65 Sb8— aö 8. e2—e3..... In der Partie Notlevi-Splelmann zu Karlsbad 1911 geschah: 8. vag, L67; 9. g3, Lc0; 10. Lg2, 8e7 l; 11. 0— Ol, Dd7; 12. 84, SXäh; ia sX6S. LXb5; 14, DXbö, DXb5; 15. oXb5, Sc5 jc. Weitz hat keinen «orteil. 8...... Sg8—£0 9. S65Xf6t..... Gut ist auch 9. 0X64. SXS! 10. oX65, DXd5; 11. dX«5, Lblf; 12. Soä, DXeSf; 13. De2?c. 9...... DdSX» 10. e3X64..... In Betracht kommt auch 10.»Z, Lc5; 11. eX64, LX64: 12. 8XL-c. 10...... Lk8-b4t 11. Lei— 62 03X64 12. Ld2Xb4..... Aus 12. a3 folgt 12.---- 0-01; ia«Xb4. Te8+ jc. Oder 12. a3, 0-0; 13. LXb4, SXb4. 14. aXb4, Te8+; 15. Le2, Lg4; 16. 13, 63; 17. DXd3, DXb2; 18. Rß, Lß I; 19.DXß,TXe2t: 20. KgS.TXgäf; 21. Kh3, Tg«; 22. Togl, Th6f; 23. Kg3, Tg6t; 24. Kh3, Th6t JC. 12...... Sa6Xb4 18. Sb6— oTf..... Am stärksten ist hier Ds2f l 18...... K08— 68 14. So7Xa8 Th8— e8t 16. Lfl— e2 Lc8-g4I Minder gut ist 15..... 63: ft. 0-0, TX«2; 17. Da4, Sc«; 1& Ddö nebst event. DdSf(oder auch 18. o5 nebst «vent. D14 ic) 16. 12— f3?..... Am besten war hier 16. 0—01, liXL:(17..... TXL; 18. Db3) 17. Dal, Sc6; 18. b4, LXT; 19. TXL, K08; 20. bb. Kb8: 21. 8o7, KXS; 22. bX-S. DXcO; 23. DXa7, DXc4; 24. Tbl ic. 10...... 64—63 17. 0—0 TeSXeS 18. 13XZ4 Df0— d4t 18..... DXb2?; 19. Kbl, TXg«; 20. D13 it. 19. Kgl— hl D64—©4 19..... 8c2; 2a m s©3: 21. DgL 62; 22. Tdl, Ke8; 23. h3, f6;(Sonst TXf7) 24. o5! nebst«Beut b2— b4 — b5-— b6— Sc7 2C. 20. Tfl— gl 63—62 21. D6l-a4 Sb4— 63 22. Tal— kl Sd3-f2t 23. TflXfS Te2Xf2 24. h2— h3..... 24. DXa7?, rXg2t!:c. 24...... 1)04-64 25. Da4-a5t Kd3-e7 1 26..... b«?; 27. DXa', 61D; 23. DXbSf, DXD; 29. TXVf nebst SXD-c. 26. Sa8— o7..... Auch 26. Da3+ nutzt nicht«, z. B. 26. DaSf, Kd7; 27. Da4+, Ke7; 28. Da3t, KKI; 29. Db3l, KgSI; 30. Ddll, DXa41; 31. Dblf, Kh6 jc, 26...... 62— dlD 27. Sc7-d5t Ke7-e8 1 27..... Ke6?; 2a Tel+, Te2!: 29. S14+ ,c.. h 28. Da5-c7 Jetzt würde auf 28. Tsls wort 28..... Te2! genügen. DdlXglt 8. Teil die« Aul. 29. KhtXgl 30. Kgl— hl 31. Khl— h3 82. Do7Xe5 83. Sbl— c8 Sonst Te5— 08. 88...... 84. b2— b3 85. Kh2— gl..... Oder 35. 8b5, a6; 36. Sdöf, Kd7; 87. SXb7, Kc7 u. 85...... Tf2-e2+! Te2— elf Dd4-e5t TelXeS Te5— c6 Tc5— 08 Te6— elf 36. Kgl—£1 36. Kh2. Kd7 je. 36...... 87. Sc3— b5 38. Kf2— gl 39. Sbö-döf 40. Sd6Xb7 41. Sb7— dSf 42. 868X17 48. Sf7-g5 44. SgöXW Aufgegeben. Zur Vermeidung der oben ange. deuteten schwierigen Varianten Pflegt man nach 1. 64, 65: 2-«4, 06; 3. 8-3. eö mit 4. oX65. vSXdö; 5. 813. 8c6; 6. g3, 816; 7. Lg21, I-06: 8. 0— 0, h6(von E Laster zur Verhinderung von LgS angegeben) fortzusetzen Weitz cilangl aber mit S. bS! nebst l,d2 da» besser« Spiet T0I-0I Toi— e2s To2Xa2 Ke8— 67 Kd7— 06 Kcö— c5 Ta2-ba Tb2Xb3 a7— a5 Beraniw. Redakteur: Richard Barth, Berlim— Druck u. Verlag: VorwärtSBuchdruckereiu.BerlagsanstaltPaulSingerchEo.�SerllnSW.