Anlerhaltungsblatt des Nr. 220. Sonnabende den 11. November. 1911 lNachdruck verbalen.) 1] Die Guten von Gutenburg. Von Hermantt Kurz. Die Grete von Pippsdorf am Rhein. Der taube Pfarrer, von dem sie im Dorfe sagten, er mache alles falsch im Amte, statt Hohn ginge er Huscht, mit den Chorbuben und auch allein, statt ja sage er nein, und von A bis Z sei es eben nicht recht, der alte Pfarrer hörte nicht nur schlecht, er war auch halbblind und zitterig und vergaß alles. Dieser taube Pfarrer von Pippsdorf am Rhein gab sie zusammen. Die Grete mit dem Krumen-Hannes. Des Karl-Frie- ders Grete war nicht schön, aber sie war ein wenig dumm und hatte einen netten Batzen. Denn der Karl-Frieder hatte gestohlen wie ein Rabe, auch sein Vater und Großvater, das lag in der Familie. Langlebig waren sie auch nicht. Das tat dem Hannes weiter nichts ab, denn dem war das Geld die Hauptsache. Im Anfange machte er schon verliebte Augen. Darum schnäbelten die beiden Eheleute auch eine Zeitlang wie die Turteltauben und gingen früh zu Bett. Das sagte wenigstens die Bas, und die wußte alles, was vorging in Pippsdorf am Rhein. Tagsüber führte der Krumen-Hannes ein gutes Leben. „Er tat wie ein Herr und das Geld warf er hinaus." So sagten die Leute, wenn er ihnen den Rücken wandte im Wirtshaus und sie vorher mit ihm gezecht hatten. Besonders ließ er das Geld fliegen, als die Grete„so weit war". „Wenn man zwar gerecht sein will." meinte der Adler- Wirt, bei dem der Hannes das meiste Geld liegen ließ,„muß man sagen, ein anderer hätte es auch nicht besser gemacht." In Wirklichkeit war aber die Sache so gekommen: Als der Hannes ungefähr das halbe Vermögen der Grete durchgebracht hatte, begann er nachzudenken. Und bekanntlich findet ein jeder, der sucht. Auch der Krumen-Hannes fand, was er brauchte. Er fand, daß der alte gute Pfarrer ihn ganz falsch zu- sammengegeben hätte mit der Grete. Wenn es der Pfarrer ja schon recht gemeint hatte, das galt nicht: verheiratet war darum das junge Ehepaar Hans und Grete doch nicht. So fing der Hannes zu denken an, als die Grete im sechsten Monat ging und„häßlich wie ein Pferd" wurde. Das sägte einmal die Tochter vom Kreuzwirt zum Hannes, als sie. ihm nahe dem Morgengrauen in ihrer Kammer den Hut zum Abschied in die Hand drückte. Tann sagte der Hannes, als er daran dachte, daß nun schon das halbe Geld flöten war, daß es einfach nicht„urig" mit der Heirat und er gar nicht getraut sei. Sogar das Wetter war danach gewesen am Hochzeitstag, man denke sich, im Januar, und Blitz und Donner und Schnee. Das konnte einfach nicht richtig sein. Tann gefiel ihm der Gedanke nicht, daß er nun arbeiten müsse, um Frau und bald auch Kind zu ernähren. Und diese Frau war ja gar nicht seine Frau. Aber als er so zu denken begann, lebte er getrost noch herrlich drauflos aus der Frau, die gar nicht seine Frau war, ihrem. Geldbeutel. „Und die Grete, das dumme Luder, gab ihm auch noch den letzten Heller", sagte die Bas, als es nun eines Morgens auch mit Hannes„so weit war". Niemand konnte das begreifen, daß die Grete alles für den Hannes hergab. Und dennoch war das Rätsel so einfach zu lösen. Die Grete hatte den Hannes lieb. Ter Hannes aber brannte mit dem letzten Geld der Grete durch nach Ainerika. Tie Grete blieb allein. Und aus Schreck, als sie von des Hannes Flucht hörte, siel sie hin, so lang sie war. Einige Stunden später kam der Sohn dieser Liebe zur Welt. Ter kleine Frieder. Aber iiberwinden konnte die Grete ihr Weh trotzdem nicht. Es nagte ihr am Hezreu und ließ ihr keine Ruh':. Weinen war ihr Tag und Seufzen ihre Nacht. Wohl war sie dumm, aber ein Menschenherz hatte auch sie und das war ge- scheit genug zur Liebe gewesen. Jetzt war es auch zum Weh recht. Ein letzter Trost war ihr der kleine Frieder im Anfang« Im Anfang nur. Dann, es war einige Wochen nach des Hannes Flucht, kam die Post in das Haus der Grete. Die Bas war dabei ge» Wesen. Gerade als die Grete den kleinen Frieder rein legte, war es. Sie sagte noch, als sie den häßlichen Knaben, der wie ein Affe aussah, in die Höhe hob und verküßte:„O Du mein Heiland!" Die Bas brummte dazu:„Bei dem der Teufel Pate stand!" Da kam der Briefbote mit einem Brief vom Hannes« Kurz und bündig teilte der mit, daß er sich als nicht der« heiratet ansehe und eine andere drüben nehme, denn der Pfarrer habe Fehler gemacht bei der Trauung. Sie, die Grete, solle sich nun an den Pfarrer halten für den Schaden« Da ging der Bas ein Licht auf. Jetzt wußte sie, woran sie war nnt des Kreuzwirts Tochter. Die war mit dem Hannes und nun nahm er die zur Frau. Die würde halt auch„so weit sein" von ihm. Aber diese Entdeckung, so groß sie war, ließ die Bas doch noch sehen, daß bei der Grete auch nicht mehr alles recht war. Tie Grete war bleich und ihre Augen waren erloschen', der Mund zitterte und die Hände bebten. So saß sie da und sagte nichts. Da rannte die Bas gegenüber zum Adlerwirt und holte Schnaps. Sie fand auch noch Zeit, in, Adler rasch zu er- zählen, was drüben loS War. Als sie wieder zur Grete kam, war alles noch gleich, die Grete saß immer noch gleich dumm da wie vorher. Sie saß noch gleich, als ihr die Bas ein Trinkglas Schnaps aufnötigte und sie es ausgetrunken hatte. So saß die Grete noch, als die Bas zum zweitenmal Schnaps vom Adlerwirt holte. „Eins muß man dem Adlerwirt lassen," sagte die Bas, „den Schnaps gab er umsonst, er hat doch noch ein gutes Herz." Als der Abend kam, war die Bas berauscht und legte sich ein wenig auf das Bett der Grete. Das kleine Kindlein nahm die Bas zu sich. Die Grete aber saß und staunte und machte große Augen« So nach Mitternacht stand sie auf, trat an das Bett heran und nahm ihren„Heiland", den kleinen Frieder, heraus aus den Federn auf ihren Arm. Tonn ging sie weg von Pippsdorf am Rhein. Auf die Landstraße ging sie, immer vorwärts, vorwärts. Immer geradeaus ging sie, das Kind auf dem Arm. Durch den Ortsbann kam sie, links und rechts Flur und Felder, dann durch den Wald. Sie ging voran, ohne umzu-. sehen noch den Nachtgespenstern, die sie sonst fürchtete. Auch erschrak sie nicht, als im Wald mit klatschendem Flügelschlag ein Nachtvogel aufschreckte. Sie hörte nichts und sah nichts. Nur der Gedanke erfüllte sie, vocanzügehen. weiter, weiter, unermiidlich weiter zu ihrem Manne. Ten Brief hielt sie verballt in der Hand. Dahin, wo der Brief herkam, dorthin wollte sie. Der Morgen graute. Immer noch ging die Grete voran. Sie war unempfindlich gegen alle Mühe und fühlte weder Hunger noch Müdigkeit. Voran wollte sie, immer weiter, weiter. Gegen Mittag kam sie durch ein kleines Städtchen. - Jedermann, der ihr begegnete, sah verwundert auf Grete. Sic sah wcgmüde und abgerissen aus. Ihr billiger Hausrock aus Kattun war unten zerschlissen, die Tuchschuhe waren nur noch Fetzen. Tie Buben, die ihr in die Quere kamen, schrien ihr nach. Und besonders gute Bürger schüttelten ob solcher Verwahrlosung das Haupt. Sie aber sah nichts und hörte nichts. In ihr war nur eine ungeheure Macht, die zu ihrem Willen wurde. � Weiter ihm entgegen! Ihre Liebe und dunkle Gefühle trieben sie voran Gegen Abend begegneten ihr änf der Landstraße zwei berittene Gendarmen. Die hielten die Grete an. Dumm sah das Weib auf. Sie verstand nicht. Itws die Leute von ihr wollten. Sie sagte nichts und wollte Weitergehn. Da hielten die Gendarmen das Weib zurück. Barsch fragten sie nach Papieren. Da riß die Grete sich los und raunte seldein, wild und angstvoll. Tie Gendarmen ritten ihr nach und faßten das Weib derb an. Da schrie die Grete wild auf und gell. Sie schlug mit einer Hand um sich und mit der anderen preßte sie ihr Kind an sich. Aber alle ihre Mühe nützte sie wenig. Die Gendarmen fesselten die Landstreicherin und führten sie nach der Wache. Und da war die Grete wie mit einem Male still und ruhig. Nur leise kam ihr ein Weinen an. Das war alles. Auch auf der Wache war sie still und weinte nur. Nur noch weinen konnte sie. Auch ihr Kind begann zu wimmern. Sie hörte nichts. Barsch hieß sie der Gendarm das Kind stillen. Grete hörte nicht hin, noch verstand sie den Mann. In ihr war eii� dunkle Nacht aufgegangen. Schwarz und düster. Alles, alles war ausgelöscht in ihrem Gemüte, nur ein unsägliches, trauriges, weinerliches Weh war in ihr er- wacht, das quälte sie und sie weinte unaufhörlich. Als die Polizei kein Wort aus dem Weib herausbekam, schickten sie nach dem Polizeiarzt. Der Arzt ließ die Landstreicherin im Irrenhaus unter- bringen. Dort verstarb sie bald. Aber all ihr Tun und Treiben bis zur Agonie war grämliches Weinen. Der Findling von G Ulenburg. Als die verrückte Landstreicherin ins Narrenhaus abge- liefert wurde, mußten die Gutenburger den Säugling, den das Weib mit sich geschleppt hatte, behalten. Es war schon ordentlich frisch gewesen, als die Gendarmen Weib und Kind einfingen. Die gute Obrigkeit von Gutenburg hoffte deshalb wohlgemut, der kleine Knabe würde eine solche Erkältung weghaben, uni ein schönes Grab auf dem Friedhof von Guten- bürg auszufüllen. Vorerst übergab die Behörde das Kind der Hebamme. Aber der Findling tat den Guten von Gutenburg den Gefallen mit dem Sterben nicht. Er blieb am Leben, und mit argem Geschrei verlangte er seiner leiblichen Bedürf- nisse Befriedigung. Da ward das Gemüt der Obrigkeit weniger wohlgemut, und sie verlegte sich auf das Nachdenken, wie dem Schaden zu begegnen sei. Und als die Hebamme nach einer Woche eine Rechnung für Milch und AbWartung stellte, die bedenklich hoch für den Gemeindesäckel war, meinte der Bürgermeister:„Der Bub sauft ja mehr Milch als ein Mästkalb." Aber die Hebamme machte Krach und wollte Geld, andernfalls sie den Findling der Obrigkeit aufs Rathaus bringe. Da zahlten die Stadtväter. Noch am selbigen Tage hatten sie eine geheime Per- sammlung im Rathaus, setzten ihre wichtigsten Gesichter auf und waren iu corpore anzuschauen, als hätten sie über Krieg riild Frieden der Nation zu bestimmen« (Fortsetzung folgt.! 80 bat ein jecler seinen Kummer. 3s Von D. A i s m a n.'"ig Deutsch von Werner Peter Larsen.\ V.' Nach einer Stunde war der Gottesdienst beendet. Und Staunen, Unruhe, ja tiefstes Befremden erfüllten Klara Moissejewna, als sie beim Verlassen des Domes von weitem die Miene ihres Mannes sah. Diese Miene war traurig, mürrisch und finster... „Was ist denn los?... Was in aller Welt ist passiert?" fragte sich 5ilara Moisscjewna angstvoll. Sie drängte sich eilig durch die Menge und erwischte ihren Mann bei der Hand. „Lasar... Tu!... Was ist denn los?"', Lasar N ironowitsch antwortete nicht. Sein Gesicht aber wurde womöglich noch finsterer. „Was ist denn geschehen? Mein Gottl... MaZ hast Tu denn? So sprich dochl" „Warte", sagte der Konsul schroff.„Na, so Karte doch ge- fälligst! Laß uns voL allem mal aus dem Gedränge hsftfM kommen l" Sie gingen miteinander auf die andere Seite hinüber, wo detl Wagen wartete und stiegen ein. Nach einer Weile sagte der Konsul, ohne seine Frau an zu, sehen, noch immer völlig zerknirscht und bleich: «Nach was habe ich denn nun ausgesehen?� „Wie? Du?..." „Ja, ich. ich!.. Frau Zipkes starrte ihren Mann fassungslos Nl, „Nach was hast Du denn ausgesehen?" „Nach was wohl! Wie wohl! Wie irgendein Strolch— tvig ein Strauchdieb— wie ein hergelaufener Vagabund—— Frau Zipkes war sprachlos. War denn ihr Mann nicht herrlich gewesen? Hatte er nicht ausgesehen wie ein junger Gott, wie ein Minister? „Ich verstehe Dich nicht", sagte sie. „Du verstehst nicht?!" schrie Lasar Mironowitsch.„Natürlich! Weil Du dumm— weil Tu eine Gans bistl Weil Du Stroh und Grütze im Kopf hast, weil Du unfähig bist, die einfachsten Tinge zu verstehen..." Die Pferde bogen auf das Holzpflaster ein, und der Waget, rollte fast geräuschlos dahin. Die Sonne schien trotz des De-- zembertages warm und hell. Es war klares trockenes Wetter, und auf der Sonnenseite der Straße promenierte aus Anlaß des Fest« tages eine geputzte Menge. „Sie versteht nichtl" grollte der Konsul.„Ter Stadthaupl« mann— den Stadthauptmann hast Tu doch wohl gesehen? Nun, wie sieht der aus? Hier-- allein solche Epaulettenl" Lasar Mironowitsch machte eine Bewegung, nach der mant annehmen mußte, die Epauletten hingen dem Stadthauptmanir bis über die Finger herab. „Aber Lasar", stammelte Klara Moissejewna entsetzk,„um> Himmelswillen, das ist doch auch der Stadthauptmann l Das ist doch die Behörde!..." „So—? Und ich? Und meine Würde? Bin ich etwa kein? Behörde? Bin ich etwa keine offizielle Persönlichkeit? Antworte mir, ich frage Dich: bin ich das oder bin ich das nicht?" Ach, Klara Moissejewna verstand kein einziges Work.... „Dem chilenischen Untertanen gegenüber bin ich Vorgesetzter und Behörde! Und nach was sehe ich aus? Wie laufe ich umher? Im Frack!... Ist das nicht geradezu lächerlich? Als Vertreter? einer auswärtigen Macht— im Frack?!" Tie Pferde nickten von Zeit zu Zeit mit den Köpfen und liefert den gewohnten flinken Trab; auf der Sonnenseite der Straße aber wogte nach wie vor die bunte lichtüberflutete Menge. „Im Frack!... Wenn ich mir im Restaurant ein Kotelelk bestelle, ja meinetwegen einen Hcringsschwanz, so serviert man mir diesen Heringsschwanz auch im Frack...'n Tag!" antwortete er mürrisch auf irgendeinen Gruß, indem er knapp den Zeige» finger an den Hutrand brachte. „Und dazu— um im Frack einherzukaufen— dazu also bist ich Konsul? Dafür habe ich mich gequält und geplackt—?l"' Ja, nun verstand auch Klara Moissejewna..., In der Tat— ein Frack.... Ich bitte einen Menschen mir zu sagen: was ist ein Frack? Ein Frack ist ein Frack. Nichts mehr. � Und Klara Moissejewna ließ geknickt den Kopf hängen., V, Vl. � � Zu.Hause lief Lasar Mironowitsch lange im Wohnzimmeö auf und ab, riß und zerrte den Frack hin und her und zeterte: „Du standest weitab— Du standest im Publikum— darum hast Du nichts gesehen: der belgische Vizekonsul zum Beispiel— und dabei ist er doch schließlich bloß Lizekonsull— na, wie sieht er aus?— Blaue Hosen mit goldenem Längsstreifen— so breit — und dazu unter dem Rock einen Degen." „Einen Degen sogar?" „Oder der österreichische Konsul mit dem Dreispitz! Oder der rumänische Generalkonsul l Das sieht doch nach was aus! Ja, Chazkelcwitsch— selbst der verlauste Chazkclewitsch. der nicht den zehnten Teil dessen hat. was bei mir auf dem Kehricht liegt,— selbst der läuft umher mit gesticktem Kragen und roter Uniform» brüst I Und ich— ich muß dastehen im Frack, wie ein verhungerter Handlungsgehilfe, den ich draußen an der Tür betteln lasse...?" Nun saß auch schon Klara Moissejewna finster und grollend da. Die gigantischen in den Berliner Brustpanzer verstauten Melonen hoben und senkten sich stürmisch. Bisweilen seuszte ihre Inhaberin tief auf und dann begann auch ihr volles Doppelkinn zu wogen und zu wanken. „Bei Licht besehen", sagte der Konsul mit gedämpstev Stimme,„bei Licht besehen ist ja dies ganze Chile ein großes Drecknest l" Klara Moissejewna fuhr zusammen und sprang auf. „Lasar!" bat sie flehentlich und blickte sich in Todesangst um „Um Himmelswillen..." „Ein Drecknest, sage ich!" Lasar Mironowitsch stampfte zornig auf. „Jawohl, ein Drecknestl... Ter Vertreter eines Staates im Frack I Hat man schon so was gesehen! Das ist Schuld dM Regierung l Sie versteht nicht, ihr Ansehen zu wahrer.,» Tjttt Zipkcs bekam ein dickeS Kontorbuch zu fassen und schleuderte es gegen das Pariser Postament aus echter Bronze. „Negierung I Staat I Schöner Staat I... Um was ist es ihm denn im Grunde schade? Verlan« ich etwa, daß er mir eine Amtstracht macht? Auf seine Nechnullg womöglich? Verlange ich etwa das? Ich habe, gottlob, satt zu essen! Und zu der Amtshose reicht es auch noch... Und um ihr ganzes Mimsterhun von Kopf bis zu Füßen einzukleiden, auch noch.... Und zu einer Hose für den Präsidenten auch noch.... Wenn aber da drüben nichts als Narren sitzen, ohne Einsicht und Verstand, dann mag sie der Teufel holen!" Klara Moissejewna lief inzwischen von einem Ende des Wohn- gimmers zum anderen und schlug die Türen zu. „Tn solltest doch lieber leiser sprechen", mahnte sie. Aus ihrem bleichen, verängstigten Gesicht hätte ein un- befangener Beobachter schließen müssen, daß in den Nebenzimmern ganze Trupps von Chilenen hausten, die samt und sonders da- standen und begierig die Ohren spitzten. „Der Teufel mag sie holen!" schrie Lasar Mironowitsch.„Ich brauche sie nicht. Ich für meine Person finde jederzeit einen anderen Staat..." Er riß sich den Frack vom Leibe und schleuderte ihn mit einem energischen Wurf gegen den großen Kaktustopf. Tiefer Kaktus- topf jedoch stammte nicht aus Paris, sondern war ein Erzeugnis einheimischen Fleißes. „Und weißt Tu auch, warum sie keine Trachten haben?" fragte er plötzlich.„Weißt Dm warum?" „Wie soll ich denn das wissen?" „Weil sie eben— Sozialdemokraten sindl� Lasar Mironowitsch kreuzte die Arme über die Brust, stellte das eine Bein in der Art Napoleons vor und blickte seine Frau durchbohrend an. „Dieselbe Sorte wie dieser verlauste Boriska Lewitin... Freiheit! Republik!... Demokratische Republik!... Da brauchen sie schon keinen Anstand mehr! Und keine Vorgesetzten und keine Behörde, wozu auch? Freiheit— das ist das einzige— ganz wie unsere hier.... O, Pest und Cholera...!" So marschierte Herr Zipkes mit gekreuzten Armen noch lange im Zimmer auf und ab. (Fortsetzung folgt.J! Hua den Hnfangen der preußifcben Industrie. In seinen Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Hauses Bran- denburg schreibt Friedrich II., daß von den 400 000 Franzosen, die ihr Vaterland nach dem Mdcrruf des Ediktes von Nantes ver- ließen, zirka 20 000 nach Brandenburg flüchteten. Sie waren nicht die Reichsten der Hugenotten, aber die Betriebsamsten, und er fügt wörtlich hinzu:„Sie halfen unsere verödeten Städte wieder bevölkern, und verschafften uns die Manufakturen, welche uns mangelten." Selbstverständlich haben die französischen Flüchtlinge unsere Industrie nicht auf einmal zu einer Exportindustrie entwickelt. sondern erst das Land industriell selbständig gemacht. Bis zum Jahre 1685/86 war wohl Frankreich Lieferant von ganz Europa für alle Arten BeklcidungSstoffe. In Reims waren zu dieser Zeit 1812 Webstühle, nach Abgang der Hugenotten blieben nur noch 050 übrig. Der Kurfürst von Brandenburg, der den französischen Flüchtlingen eine Zuflucht anbieten ließ, ging systc- matisch vor in der Anwerbung von gelernten Manufakturarbeitern. Es entstanden in Brandenburg unter seiner Regierung 47 fran- zäsische Kolonien. Die Hauptniederlassungen waren Berlin und Umgebung, Magdeburg, Stettin und Halle, sowie alle kleinen Städte der Uckermark, wo sich die meisten französischen Tabak- bauer niederließen. In Halle befindet sich jetzt noch eine große Tuchfabrik, über deren Tür man in Stein gehauen die Inschrift liest: Mit Privilegium vom 14. 2. 1687. Die Bewohner der Stadt Halle machten den Franzosen zuerst Schwierigkeiten, aber bald ver- söhnten sie sich mit den Fabrikinhabern, die viele deutsche Hände beschäftigten und zwar in Sammetfabriken, Bandfabriken, Gerbe- reien usw. Im Jahre 1700 beschäftigten die Tuchfabriken der Hugenotten Elaparede, Vallcntin und Andre mit 34 Webstühlen über 100 Ar- beiter und 400 Spinnerinnen; im Jahre 1700 waren in Magde- bürg schon 700 Webstühle in Tätigkeit, die jährlich 13 000 Dutzend Paar Strümpfe fabrizierten und im Verhältnis dazu wollene Stoffe aller Art, besonders Tucharbeiten. Erwähnt seien noch die Tapetenfabrik von Müsset und die Hutfabrik Pellu. Durch Edikt vom 6. Juni 1721 beschließt König Friedrich Wilhelm l., Zirkulare drucken zu lassen, um französische Kolonisten für Stettin anzuwerben. Er stiftete 50 Webstühle für„Ma- nufacturierS" gegen einen Zins von 2 Talern pro Jahr. Im näch- stcn Jahre drohte er mit Gewalt die feindliche Strömung gegen die Fremden zu brechen, und wir sehen in dem Bericht der Stadt an den König zwei Jahre später, 1723, daß die Stadt von den 89 fran- zösiichen Familien einen Nutzen VSS 13 316 Talern hatte, und daß die Kolonie an Akzisen jährlich 4753 Taler zahlte. Am Rande des Berichts schrieb der König:„'Lrcs bonus". In ganz Brandenburg blühte bald die Tabakindustric, die sich hoch entwickelte. In der kleinen Stadt Neuhaldensleben wurden im Jahre 1793 1312 Zentner trockene Tabakblätter versteuert, zum damaligen Preise von 6 Talern waren es 10 875 Taler. Nach Berlin und Umgebung zogen die meisten Kolonisten; im Jahre 1700 zählte Berlin mit Militär rund 22 000 Einwohner, dar« unter 4292 Hugenotten, also wohl ein Fünftel der Bevölkerung. Hier waren auch die Strumpffabrikanten und Arbeiter am zahl-! reichsten. Es gab 104 Goldarbeiter, Juweliere und Steinschneider! zählte man 52, Posamentiere 20, Friseure und Perückenmachcr 36,, Bäcker 24. Das erste Hotel wurde von einem Hugenotten begründet» und nannte sich Hotel de Paris; dann etablierten sich 19 anders Gastwirte. In der Französischen Straße waren allein 50 Huge« notten Hausbesitzer. Sie stellten an die Wohnhäuser größere An-- forderungen, als zur damaligen Zeit hier in Berlin üblich, und bauten sich daher vielfach ihre Häuser selbst. 82 Kaufleute waren überall in der Stadt verstreut, ebenfalls 24 Bäcker, die feineres Brot herstellten als bisher bekannt war; 17 Brauer richteten Brauereien in der Umgebung ein; einem gelang es, das später so beliebte..Berliner Weißbier" zu erfinden. 27 Gärtner bauten zum ersten Male in der Umgebung von Berlin Gemüse an, und zeigten hier die Kunst der Anlage von Mistbeeten und Treibhäusern. Im Jahre 1781/82 ließ der Berliner Uhrenfabrikant Havekac in Friedrichtal bei Oranienburg 13 Häuser bauen für Uhrmacher, die er auf seine Kosten aus Frankreich kommen ließ, der beste Beweis» daß die einsichtigen Industriellen den Vorteil erkannten, den sie aus der feineren Kunst der Franzosen ziehen konnten. Von der Zeit an, wo die französischen Kolonisten in Köpenick Färbereien und Zeugdruckereien errichteten, und sich 42 Schneider in Berlin niederließen, bezogen die Edelleute und Beamten ihre Kleider nicht mehr aus Frankreich. Weniger Erfolg hatten die Franzosen, die Maulbeerplantagen in Moabit anlegten, obgleich im Jahre 1703 Jean Lagier in Köpenick eine Produktion von 5—6 Pfund Kokons erzielte. Tie Fabrikation von Lein- und Rübsamenök war bor ihnen in Brandenburg unbekannt. In Prenzlau errichteten sie die erste Oelmühle. Die ersten in Zinnformen gegossenen Lichte wurden hier von David und Toussaint hergestellt, und später in 43 anderen Fabriken. Im Schlosse Monbijou sehen wir noch Spiegel, die aus der ersten Glashütte in Neustadt stammen. In der jetzigen Uni« versitätsstraße zu Berlin richtete Charles Vignes eine Tapeten« fabrik ein, die mehrere hundert Arbeiter beschäftigte und nicht nur für ganz Deutschland fabrizierte, sondern auch nach Rußland« Schweden und Dänemark exportierte. Besonders blühte ein Handels- und Industriezweig der Hug» notten, nämlich die Kurzwaren. Metallarbeiter, Waffenarbeitev und Schlosser erhielten vielfach Privilegien. Bis 1700 war die deutsche Goldschmiedckunst nur in Augsburg und in Nürnberg ver« treten. In diesem Jahre etablierten sich 62 selbständige französischs Meister in Brandenburg. Die Kupferschmiede hatten auch hervor, ragende Vertreter, und der Metallguß erhielt durch die französi« scheu Refugies große Förderung. Ebenso die Emailmalerei. Erwähnt sei noch, daß das Königliche Leihhaus von einem Franzosen begründet wurde, als Bankhaus für kleine Leute; es hieß Adressenburcau._ � Kleines f euilleton. Sozialhygiene. Kindersterblichkeit und Wohnungsberhält» nisse. Die abnormen Witterungsverhältnisse des vergangenen Sommers haben natürlich besondere Einwirkungen aus den Gesund« heitszustand der Bevölkerung gehabt; namentlich machte sich eine überaus hohe Säuglingssterblichkeit bemerkbar. Darüber sind nun mehrere Untersuchungen veröffentlicht worden, von denen die be» merkenswerteste die des Arztes Dr. R i e t s ch e l- Dresden in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift' ist. Abweichend von den bisherigen Lehrmeinungen über den sommerlichen Anstieg der Säug- lingssterblichkeit findet Dr. Rietschel den Grund dafür in den elenden Wohnungsverhältnissen, unter denen nament« lich die proletarische Bevölkerung besonders schwer zu leiden hat. Die Säuglingssterblichkeit hat zwar bei uns seit 1863 in Stadt und Land einen andauernden Rückgang zu' verzeichnen. aber trotzdem macht sich jedesmal im Sommer ein Anstieg bemerk» bar, und zwar merkwürdigerweise nur in der Stadt. Auch ist die Abnahme der Sommerstecblichkeit merklich geringer als die allgemeine Säuglingssterblichkeit. Derartige Beobachtungen haben schon früh die Aufmerksamkeit der Aerzte wachgerufen, und schon im Jahre 1789 beschäftigte man sich in Amerika mit dieser Erscheinung. Sie wurde aber lange Zeit in Europa als spezifisch amerikanische Krankheit angesehen, da man sie bei« spielsiveise in Deutschland nicht vorfand. Hier trat sie erst mit dem Einsetzen des industriell! n ÄufichwungS zutage. Wie die soeben abgeschlossenen Untersuchungen nachweisen, ist die hohe SäuglingSste.'blichkeit in auffallend vielen Fällen auf einzelne Stadtviertel, Straßen, ja sogar einzelne Häuser beschränkt. außerdem aber wiederum ablängig von der Lusttemperatur, das heißt zusaiiunenfasseiid betrachtet, von dem WohnungSllima. — 880— Rietsche! stellte wiederholt fest, daß die Wohnungstemperatilren in sehr vielen Proletarierwohnungen im Sommer noch bedeutend höher waren als die Außentemperatur, was sich aus der häufig anzutreffenden gleichzeitigen Berwendung eineS einzelnen Raumes als Koch-, Wohii» und Schlafraum leicht erklären läßt. Diese durch die Notlage der arbeitenden Bevölkerung bedingte mi- gesunde SSohugclegeilheit macht sich auch im Winter geltend, wo der- artige Tropentemperaturen, verbunden niit schlechter, verbrauchter Luft in Proletarierwohnungen sich sehr oft beinerkbar machten. Nicht die Zersetzung der Milch, die die Kinder zuweilen im Sommer trinken müssen, inacht krank— leicht angesäuerte Milch ist keineswegs schädlich, ja Buttermilch ist sogar in den modernen Kiiiderkliniken ein direkt unentbehrliches Nähr- imd Heilmittel geworden. Vielmehr ist eS die Einwirkung der Hitze, die echte Hitzschläge, Krämpfe usw. bei den Säuglingen erzeugt und in so verhängnisvoller Weise die Sterblichkeitskurve erhöht, indem sie die allgemeine� Widerstandskrast des Körpers gegen Schüdignugen von außen herabsetzt. Unterstützt wird diese Ansicht Rietschels durch die Angabe von Dr. L i e f m a n n in der„Medizinischen Klinik", der feststellte, daß die Kinder, die im K e l l e r wohnten, eine nur wenig vermehrte Sterblichkeit zeigten, obwohl diese doch oft dieselbe auf dem Trans- Port angesäuerte Milch trinken mußten. Neben leichter Kleidung im Sommer und kühlenden Bädern, die man den Kleinen verabreichen soll und welche eigentlich nur als Palliativmittel Geltung haben, muß vor allem für eine gründliche, großzügige Wohnungsreform zugunsten derer Sorge getragen werden, die im„Jahrhundert der Hygiene" noch in stickigen, allen sanitären Borschriften hohnsprechenden Räunien zu hausen gezwungen sind. Kz. Hauswirtschaft. P o I e N t a. Wenn Kartoffeln und Gemüse schlecht geraten und teuer sind, wird die denkende Hausfrau die Mehlspeisen stärker für den täglichen Tisch heranziehen. Unter diesen gibt es eine ganze Anzahl sehr einfach herzustellender Gerichte, die sich in früheren Zeiten in Deutschland allgemeiner Beliebtheit erfreuten, bis sie so zusagen aus der Mode kamen, weil die Kartoffel sie mehr und mehr verdrängte. Hirsebrei, Buchweizengrütze, Habermus sind solche alten Volksspciseu. Ganz in Vergessenheit geraten ist der Maisbrey der zu Anfang de? 18. Jahrhunderts noch ein bekanntes norddeutsches Gericht ivar, dem damals nur der Buchweizenbrci Konkurrenz machte. In anderen Ländern hat der Maisbrdi in, Lauf der Zeiten nichts von seiner Volkstümlichkeit eingebüßt, so in Irland, in den Ver- einigten Staaten, vor allem aber in Italien, wo der Maisbrei unter dem Namen Polenta eine der beliebtesten National- speisen ist. Au Nährwert steht der Mais unseren einheimischen Körner- fruchte» nicht nach. Sein Eiweißgehalt ist etwas geringer als der von Weizen, Roggen, Gerste und Hafer, aber Mais übertrifft sie im Gehalt an Fett und Kohlehydrate lStärke und Zucker). So ist er also ein durchaus empfehlenswertes kräftige« Nahrungsmittel. MaiSgrics von hochgelber Farbe, der zur Herstellung von Polenta verwendet wird, kostet in größeren Kolonialwarcngeschästcn 17 Pf. das Pfund.'/« Pfund MaiSgries reicht für 2 Personen. Polenta in Milch.'/« Pfund MaiSgries wird unter ständigem Quirlen in knapp Liter kochender Milch geschüttet. Eine Prise Salz wird hinzugefügt, nach Belieben auch ein Stückchen Zimmt. Unter fleißigem Rühren ivird die Polenta einige Minuten durchgekocht und der zugedeckte Topf dann für 1>/z Stunden in einen anderen, passenden Topf mit kochendem Wasser auf kleines Feuer gestellt oder man gibt das Gericht für 2 Stunden in die Kochkiste. Man würzt beim Anrichten noch mit etwas Zucker und reicht geschmortes frisches Obst oder Backobst dazu. W a s s e r p o l e n t a.>/« Pfund MaiSgries wird in knapp Liter kochenden WasserS wie oben angegeben gar gemacht. Man fügt Salz und etwas Fett hinzu. Diese Polenta paßt als Zuspeise zu Schmorfleisch, Rouladen, Gulasch, Ragout und desgleichen. Gebackene Polenta wird aus erkalteten Resten hergestellt. Man schneidet sie in Scheiben, wälzt sie in Mehl und bäckt sie in Fett zu hellbrauner Farbe. Die Milchpolenta bestreut man mit feinem Zucker, die Wasserpolenta mit geriebenem Parmesan- oder Schweizerköse. Diese Zugabe von geriebenem Käse nach italienischer Sitte erhöht nicht nur Nährkrast und Wohlgeschmack der Speise. sondern bewirkt auch, daß die Nährstoffe der Polenta— bei Macca- roni und Reis mit Käse ist dasselbe der Fall— im Körper voll- kommener ausgenutzt werden. m. kt Scbacb. Unter Leitung von S. Alapin. Schachklub von Montreal. Sckiachnachrichtcn. Auf den Schlußpaffus unserer Aeuße- rungen in der Schachspalte vom 30. September reagiert das Organ des Deutschen Schachbundes, die„Deutschen Schachblätter" in Nr. 8 in folgender, auf eine politische Denunziation hinaus- laufende Weise:„Der seit einiger Zeit in München lebende russische S o z i a l i st Alapin benutzt natürlich auch das eben beendete glän- zdnde Karlsbader Turnier dazu, um in gewohnter Weise gegen den Kerantw. Redakteur Deutschen Schachhund zu Hetzen. Das in seinem Leiborgan, dem Berliner„Vorwärts" enthaltene Elaborat ist ein so glückliches Gemisch von Bosheit und Unverstand, daß wir es unseren Lesern doch nicht vorenthalten wollen. Es lautet buch st üblich:„Es folgt nun das Zitat aus unserer Spalte vom 30. September:„Zu Ehren des Karlsbader Komitees(Herr V. Tietz) sei erwähnt, daß es mit den Traditionen des Deutschen Schachbundes*) gebrochen hat und, anstatt dio Turnierfonds mit Festessen und Ausflügen zu vergeuden, lieber darauf bedacht Ivar, das Geld zur tcilweisen Deckung der Spesen aller Nichlpreisträger zu verwenden. So fielen diesmal die Fresserei, die Toaste auf Potentaten und sonstiger K l i m» bim weg... Man kommt nicht essenS- oder sch'watzens- halber zu einem Schachturnier, sondern uin Spiclleistungen zu vollbringen. Und die-s ist diesmal reichlich geschehen... Der Vor- sitzende des Deutschen Schachbundes war nur zwei Tage Gast und verschwand, weil es keine Gelegenheit gab, gegen die„Prosessions- spieler" Reden zu hallen... Die„Professionsspicler" sind näm- sich Leute, die ihre Liebhaberei(I) zum Elbach so weit treiben, daß sie der Sache, wie begeisterte Derwische, ihre Karriere, Zeit, Mühe und sonst alles opfern! Aus der„Philippika" gegen diese Fakire deS Schachs machen sich die„A m a t e u r e"(?) des Deutschen Schachbundes eine ehrenvolle(?)„P r o f e s s i o n".... Lopiontü sat!... S. Alapin." Nach diesem Zitat fügen die„Deutschen Schachblätter"(Prof. Gebhardt in Koburg) noch folgendes von sich hinzu:„Allerdings! Lapionti sat! Habeat sibi! Ein jedes Tierchen hat sein Pläsierchen." Wir gestatten uns hierauf nur folgende? zu erwidern: 1. Wir danken Herrn Prof. Gebhardt dafür, saß er durch den Nachdruck des obigen ZitatS für die von uns auch jetzt vollauf vertretenen Ideen auch in Kreisen seiner Leser Propaganda gemacht hat. 2. In unseren oben zitierten Worten ist kein„Hetzen", sondern nur eine Mißbilligung enthalten. Diese Mißbilligung bezieht sich übrigens keineswegs auf den„Deutschen Schachbnnd" als solchen, sondern nur auf die jetzige Bundesverwaltung. Prof. Gebhardt konnte auch keine» Zweifel hierüber hegen. Wir verweisen auf die ihm sicherlich bekannten Aeußernngen unserer Schachspalte vom 5. November 1810 gelegentlich seines ungualifizierbaren Vor- gehens gegen den toten(!) Meister Swiderski. Jene Aeuße- rungen lauteten buchstäblich wie folgt:„Es ist nicht richtig zu sagen. Meister Swiderski sei kein Freund und Gönner des Deutschen Schachbundes gewesen. Im Gegenteil, wie sämtliche Meister hatte er für den Deutschen Schach bund als Institution nur Gefühle aufrichtiger und warmer Synipathie. Richtig ist vielmehr, daß der verstorbene Meister— in lieber» einstimmung mit der überwiegenden Majorität seiner Kollegen übrigens— kein Freund und Gönner der gegenwärtigen Verwaltung des Deutschen Schachbundes war. Und hierin liegt ein Riesenunterschied." Auf dem Standpunkte dieses.RiesenunterschledS'(!) stehen wir auch jetzt noch. 3. Dieser Standpunkt wird auch nicht von unS allein eingenommen. Am 17. Oktober 1911 hat nämlich die diesjährige Generalversammlung der„Berliner Schachgesellschaft" (also ein durchaus bürgerliches Institut!) mit über- wiegender Majorität den offiziellen Beschluß gefaßt: „Für die Dauer der Amtsführung von Professor Gebhardt aus dem Deutschen Schachbunde au«- zutreten." Schwerlich dürfte es jemanden einfallen, die „Berliner Schachgescllschaft" als eine Gesellschaft„russischer Sozialisten" zu denunzieren I... Zur Mißbilligung der Allüren von Professor Gebhardt bedarf es gar nicht der hohen sozialistischen Ethik I Die Ethik der bürgerlichen Parteien genügt vollauf dazu. (pj-sSx■;) *) Wir geben gerne zu. daß»mS hier ein bedauerlicher Schreib- fehler unterlaufen ist, indem wir sagen wollten: mit den Tradi- tionen der B u n d e s v c r w a l t u u g(!) des Deutschen Schach« bundcs. Richard Barth, Berlin.— Druck u. Verlag: VorwärtsBuchdruckcreiu.Verlagsanjtalt Paul Singgr�Eo., Berlin SW.