Anterhaltungsblatt des Torwärts Nr. 234� Sonnabend fen 2. Dezember 1911 WaiSintS»ertofeit.J i5] Die Guten von Gutenburg. Von Hermann Kurz. Da kam an Simon das Bedauern. Das war auch eine solch alte arme Seele, arm und wertlos wie er. Hastig schob er ihr das Glas hin. „Trink, es soll Dir gut tun," sagte er mitleidig. Die Beitel setzte sich hin zu ihm und begann zu reden. Da die Beitel herumkam unter den Leuten, wußte sie, daß dem Simon im Gemüte böse war. Und da sie den Simon kannte, dachte sie sich, was und wo's dem fehlte. Sie fragte nach allerlei Gered: „Brauchst Du Geld, Simon?" Simon schaute das Judenweib an und dann kam ihm der Gedanke, was Christen nicht tun, tut ein Jude. „Hast Du Geld, Beitel?" ..Wiediel?" „Zweihundert", sagte der Simon rasch. „Hundertfiinfzig Hab ich, das-ist mein alles, wenn ich es verliere, kann ich nicht mehr einkaufen. Hundert kann ich Dir geben davon." UUd Simon nahm das Geld, und von diesem Tage an dachte er über mancherlei anders denn früher. Die Doktorin schrieb dem Simon eine Quittung aus und versprach, mit dem Rest zu warten. Aber kaum war Simon weg, da gab sie Bescheid aus dem Amt, daß man für den Rest beim Simon pfänden müsse. Denn sie hatte für die Seligkeit ihres Abgeschiedenen eine Stiftung von tausend Mark ge- macht. Und diese Stiftung wollte die Doktorin an faulen Rechnungen aus dem Buche ihres Seligen herausschinden. Als der Simon die Anzeige bekam, daß er gepfändet würde, wenn nicht bis zum Termin der Rest der Doktor» rechnung eingezahlt sei. da stieß er einen greulichen Fluch aus aus die Treulosigkeit der Menschen. Doch faßte er seinen Entschluß. Jetzt wußte er, was tun. Das Geld der Beitel durfte nicht verloren gehen. Und auch nicht den Kindern das Dach über den Häuptern. Er schritt aus zum Bleicher. Der schaute mißtrauisch zu Simon auf: „Hast Du Dir's überlegt. Simon?" „Gih die zweibundert Mark, Bleicher," sagte der Simon mit rauher Stimme,„und dann schlag das Holz! Aber kein Reislein mehr als ich gesagt habe." Der Bleicher gab in aller Eile das Geld. Freude und Gier waren aus seinem Gesicht zu lesen. Das war doch etwas anderes. Für diese Bagatelle konnte er ein ganzes Jahr ungesorgt leben. Als der Simon das Geld hatte, schaute er den Bleicher ernst an. Dann sagte er langsam: „Hör', Bleicher! Ich bin in Rot. Sonst hätte ich nicht mitgemacht. Schlag' das Holz. Du hast meine Hilfe. Aber komm' nicht mehr zum zweitenmal. Und wenn Du ein Wort ausbringst, dann denk' an meine Büchse, dann bist Du mein. Denk' daran, Bleicher, und komm' kein zweites Mal!" Simon zahlte auf dem Amt die Schuld und das Dach blieb ihm sicher über seinem Haupte. Doch war seit diesen Tagen eine Bitternis wie noch nie in sein Herz gekommen. Er grollte den Menschen und seinen Rachsten zuvor. Als er der Beitel ihr Geld gab. sagte er zu ihr:„Beitel. wenn Dir jemand etwas zu leid tut oder wenn Du kein Dach hast, komm' zu mir." Da verwunderte sich die Beitel baß. Denn bis jetzt hatte sie für das wenige, das sie auslieh, nur Prozente und Grobheiten bekonimen, sonst nichts. Der Findling aber hörte von den harten Reden seines Vaters Sinion. und in seinem Gerzen erwachte das Mit- gefiihl. Er hatte den Trieb zu Helsen und wußte nicht wie. So stolperte und zögerte er ain letzten Missionstage der Schule zu. Der Mond stand noch am Himniel und er schaute darein, denn er battc einen eigenen Gedanken. So stand er und grübelte, und er konnte nicht klug werden aus dem, was er dachte. Da machte der Seppetoni: „Hoi Qchs! Halt, wenn der Lausbub uns nicht sieht!" Der Findling sprang mit einem hurtigen Satz zur Seite. Der Ochs hatte ihn unverhofft hinterni Ohr mit rauher Zunge geleckt. Und wie er os dastand, kam einer der PatreS der Mission daher i er faßte den Seppetoni am Rockknopf: „Seid Ihr ein Christ?" fragte er. „Ja," machte der Seppi. „Wißt' Ihr, was heute ist?" „Samstag. Pater." „Nein, ein heiliger Tag, ein sehr heiliger Tag. Mission, und Ihr Heide, Ihr arbeitet, ja, schämt Ihr Euch nicht, heh?" Der Seppetoni kratzte sich am Ohr. dann schaut? er den Pater an und kratzte sich wieder. Darauf sagte der Seppi gelassen: „Hoi Ochs, vorwärts! Pater, wenn Ihr mitfahren wollt, Holz holen, seid Ihr höflichst eingeladen!" Und vorwärts ging der Ochs, und der Pater hatte das Nachsehen. Aber er griff an seinen Rosenkranz und ging zum Waldhiiterbaus. Dort machte dere Pater Anisette,— er bieß so, weil er süße Schnäpse liebte,— sehr schlimme Erfahrungen. Näher ließ er sich nie darüber aus. Auf jeden Fall gab er dem Simon auch nicht auf alle Fragen Antwort. Und der Simon kam nach wie vor nicht mehr zur Beicht, seit der Missionswoche erst recht nicht. Als der Findling so am Straßengraben saß. kam der Altenbergcr Bürgermeister. Der Findling wollte sich rasch drücken. Aber der Altenberger Herr faßte ihn am Kragen: „Hallo, Strolch, die Schul geschwänzt?" Verlegen schaute der Findling nieder: „Nicht mit Fleiß," sagte er. „So, warum denn?" Da blitzte im Findling sein Gedanke wieder auf; erregt fragte er: „Wißt Ihr, wie viele Leitern man braucht, um auf den Mond zu kommen? Glaubt Ihr, es gebe überhaupt so viel, heh?" Verwundert fragte der Altenberger. „Warum willst Du denn auf den Mond, Bub, warum?" Der Findling meinte weinerlich: „Weil's dem Vater Simon nimmer gut gefällt hier unten." „So, wer sagt denn Dir, daß es ihm nimmer gefällt?" „Er selbst." „So. so." Nach einer Weile Besinnen hieß der Altenberger Bürger- meister den Findling rasch nach der Schule lausen. Er selbst ging zum Simon und hatte eine lange, lange Unterredung. Wäre der gute und eifrige Pater Anisette nach dem Altenberger Bürgermeister zum Simon gekommen, die Fragen wären nicht so hart gewesen, und er selbst hätte lieber als jetzt an den Simon gedacht. Der Ketzer, die Nachwehen der Mission und des Erhard Freitegang zur Liesi. Nach acht Tagen war die Missionswoche�in Gutenburg glücklich zu ihrem Abschlüsse gekommen. Am Sonntag hielten sie die letzte große Predigt. Die Patres ermahnten die treuen Schafe Roms, auch in Zukunft Schafe zu bleiben und Irr» lehren nie anzuhören. Hölle, Schwefel, Teufel und Seelen- Pein waren die Aussicht der Abtrünnigen. Kreideweiß horch- tcn die Leute von Gntcnburg, welche Schrecken ihrer nach dem Tode harren konnten. Denn der Pater Anisette hatte zu den schon bestehenden noch einige neue entdeckt. Und darum warfen sie sich hin, tief neigten sie ihre Häupter und gelobten festzuhalten an ihrem Glauben. Am Montag gedachten die Missionspatres von Dübels- bach in einer Frühandacht der Verstorbenen. Und mit einem großen Pomp und Gepränge rückten sie in Prozession aus durch das Städtlein nach dem Kirchhof. Und da geschah es gcradff, daß der versoffene Totengräber ein Grab ausschaufelte, gleich breit, lang und tief wie alle die anderen, wie das sein nmßte nach dem Gesetze. Dennoch qiüö ein Raunen und Flüstern durch die Menge beim An- blick des Grabes. Viele blieben stehen, und ein altes Weib, die Dorfrätsch, schrie gellend: >.Webe. unser Friedhof ist unrein durch das Ketzergrab 1" Da stutzten die Patres. Das Gebete- und Rosenkranz- geleier hörte auf. und alle drängten sie sich zusammen.. Einer der Patres fragte, was mit diesem Grab los sei. Die Ratsch keiferte grell und glaubenseisrig. voller un- duldsamer Religionsbegeisterung:..Ein Fremder ist gestern hier angekommen, von weit her, und heute kommt der Sarg mit seinem Weib, und beide sind Ketzerbrut, die Gott ver- dämme!" Da standen die Patres und schauten sich bedeutsam an. frohlockend und zukunftssicher. Aber einige leise Worte unter fich bestimmten sie zu handeln, wie das Gesetz gebot. (Fortsetzung folgt.) Von neuen Bilderbüchern- Bemerkenswerte Fortschritte. Die Arbeit der deutschen Jugendschriften-Ausschüssc trägt gute Frucht. Einmal, weil sie das Gute, befreit vom berghohen Wust des Schlechten, sichtbar machen und dann, weil sie so augenfälllg zeigen, wo es am Guten fehlt. Mit klaren Zielen wird jetzt daran gearbeitet, die Lücken auszufüllen. Die ganz wohlfeilen Quellen- b ü ch e r, die Heinrich Wolgast im Münchner Verlag der Jugend- blatte r seit zwei Jahren herausgibt, haben zuerst umsichtig und weitplanig die dringlich nötige Arbeit begonnen. Ten 25 Pfennig- Bündchen der Quellen folgten vor Jahresfrist die Schaffstcinschcn Blauen und Grünen Bändchen, die 30 Pfennig tosten. Beide Sammlungen wenden sich in der Hauptsache an die Schul- fugend aller Altersstufen. Die Wolgastschcn Hefte find bis auf eins bildcrlos, und auch bei den Schaffsteinschen ist trotz der ein- gestreuten Federzeichnungen Max Slevogts der Text durchaus das Wichtigste. Beide Sammlungen, die in diesem Jahre tüchtig weiter- gewachsen sind, bedeuten natürlich für die geistige Erziehung des Prolctaricrkindes sehr viel, und diesen Ruhm, Hilfe in der Not zu bringen, wird nun auch ein drittes Unternehmen haben, das den Kindern, die wenig oder gar nicht lesen können, dienen will, also vorweg Bücher mit Bildern, mit bunten Bildern zu ganz niedrigen Preisen auf den Markt bringt. Die breiten Markbände der Samm- lung..Das deutsche Bilderbuch", die der Scholzsche Verlag in Mainz herausgibt, sind sehr bekannt geworden; aber die eine Mark, die sie kosten und wirtlich auch wert sind, ist für unzählige Proletariereltcrn immer noch unerschwinglich. Jetzt hat nun der Scholzsche Verlag eine Sammlung„V o! k s- B i l d e r bü ch e r" begründet die künstlerisch den Stil und Wert seiner Deutschen Bilderbücher haben, im Format nur ein Drittel Neiner sind als diese und nur 5v Pf. kosten. Das ist eine Verlcgertat von grötztcr Bedeutung. Hier mutz nun besonders die Arbeiterschaft ihr Verständnis für echte Kulturwerte fördernd einsetzen. Von den sieben mit grotzcn, farbigen Bildern und kleinen Strichzeichnungen reich belebten Volksbilderbüchern, mit denen das Unternehmen de- ginnt, bringt eines Ticrbilder von Rappftein:„Unsere Haustiere", das andere ein buntes Allerlei von Hand Schroedter zu alten Kinderreimen:„Fröhlicher Reigen". Dann gibts drei Bücher Märchen und Sagen: eins enthält Rotkäppchen und Snecwiltchen, das andere Dornröschen und Hänfel und Grete!, beide mit strich- derben und farbträftigen Bildern, weiter hat Arpad Schmid- bammcr zu dem Gedichte Kopischs von den Heinzelmännchen ein Buch geschaffen, das mit seinem höchst fidelen Koboldtreibcn wahr- scheiiilich den Apfel abschietzcn wird. Endlich bringt die Reihe für die kleinsten Bilderbuchschützen noch zwei unzerreitzbare Pappbücher, eins mit den Kappsteinschcn Hausticrbildern, das andere—„Heiteres Spiel"— mit Schmidhammerschen Kobolz- und Pardauzbildcrn zu Solstschen Reimen in Schreibschrift(zu bv Pf.). Ein Wunsch, der vor Jahresfrist an dieser Stelle ausgesprochen wurde, ist mit diesen Unzerreitzbaren erstmals und gleich in vortrefflicher Weis« verwirklicht worden. Kinderreime. Die Dolgastschc Sammlung„Schöne alte Kinder- reime" mit den farbigen Bildern von Josef Mauder hat sich allgemeine Liebe erworben. Die Sammlung kostet 60 Pf. Jetzt ist dies Büchlein, das keiner Mutter und keinem Kinde unbekannt bleiben sollte, auch in die Quellenbücher«ingerciht worden. Farbige Bilder, die der Kritik standhalten, lietzen sich freilich für 25 Pf. nicht geben. Rolf Wintlcr hat dafür den Reimen launige Strichzeichnungen gesellt, die vortrefflich gelungen und wieder- gegeben sind. Auch ein Büchlein Nätselreime— über drci- hundert— ist jetzt in den Quellen herausgekommen. llincr den Dichtern neuer Kindcrreimc ist Adolf Holst der unerschöpflichste, und er weitz auch mit unfehlbarer Sicherheit Wort und Wendung und Einfall in der'Sphäre des kindlichen Geistes �u holten, den er erfreuen will. Davon überzeugen wieder die Vierzeiler, die er zu Hans Schroedter S unzerreißbarem Buch ssür die ganz Kleinen:„Mein erstes Buch" und zu Schmid» Hammers ebenfalls unzerreitzbarem„Guck hinein!" verfatzt hat(beide bei Josef Scholz. Mainz, je 2 M.). Schroedter setzt auf jedes Blatt eine Einzelheit aus der noch engen Anschauungswelt des Kindes; grotz und in kräftig eindringlichen, guten Farben bildet er sie ab. Schmidhammer hält sich an lustige Spielszenen, immer mit derber Ausgelassenheit, die dem strammen Vollblut seines Kindsvolks sehr glaubwürdig angepatzt ist. Sichtlich mit Begeiste- rung hat sich derselbe Künstler auch an dem von Nicolaus Hevning- sen zusammengestellten Buch„Lustige Vers lein"(Scholz, 1 M.) beteiligt. Henningsen hat aus alter Volkslyrik eine Schütte grotesker Scherzgedichte ausgelesen und da hat Schmidhammers Humor nun seinem Wahlspruch:„Je toller, je besser" vollends Macht über sich eingeräumt. Datz Kinder sich an den Versen von verkehrter Welt ergötzen, weitz man ja. So sollte man meinen, die Bilder lägen auf ihrem Wege. Das Kind weitz aber noch nichts von den Grenzen des Wirklichen und belebt die Dinge mit un- beschränkter Freiheit der Phantasie. So wird es manches als selbst- verständlich und eben nicht lustig wunderbar empfinden, wo dem Erwachsenen die humoristische Kehrseite der ernsthaften Wirklich-- keit erquicklich sickstbar wird. Das Buch patzt jedenfalls erst für das über die ersten Lesestufen vorgerückte Kindesalter. Ein Buch mit heiteren Reimen hat auch Gertrud Caspari mit Bildern versehen, ihr einziges Bilderbuch in diesem Jahre. Alte und neue Reime sind gewählt und ein fröhlich umsonnteS „Guten Morgen" lacht den Beschauer vom Umschlag her an. Schön und licht ist auch dieses Caspari-Buch wieder. Es hat eine so frische, buntfarbene Sauberkeit, datz man ihm schon deshalb die beste Wirkung aus das kindliche Gefühlsleben zutrauen zu dürsew glaubt. Gertrud Casparis Farben klingen wie kleine silberne Glocken. In heimlichem Freuen schaltet ihr Humor mit den hcrzi- gen Drolligkeiten der Kindcrwclt. Das 32 Seiten starke Buch kostet 2,80 Mk., unzcrreitzbar auf starke Pappe gezogen um 1 M. mehr. In Alfred Hahns Verlag, Leipzig, ist es erschienen. Mit silhouetticrten Szenen, in deren Stoffen sich Neigungen der Poccizcit ergchen, wartet„DaS schwarze Bilderbuch" des Münchener Verlages von Martin Mörike auf(4 M.), das in seinem kräftig fchwarz bedruckten braunen Gewände und der grünen Schutzhülle wirffam absticht von der Schar der anderen Bilderbücher dieses Jahres. Die Bilder Rolf Hörschelmanns sind in allen Teilen sicher durchgeführt, sie erzählen so klar, datz man die Ber- nusschen Reime, die bis aus ein Frühlingstanzlicdchen gar nicht gelungen sind, sehr wohl entbehren könnte. Im humoristischen Aus- druck der Gesichtsprofile ist Hörschclmann wenig reich. Aber in den Baumsilhouetten ist der Zeichner prächtig, da ist er jedem Baum gewachsen und daS gilt auch von der Bewegung und Charakteristik der Körper. Besonders schön ist der uralte Lindenbaum mit dem rennenden Einhorn und dem erschreckten Schneiderlein und dann der Frühlingstanz der Kinder auf dem jungen Rasen. Bildergeschichten. Wieder Hai E r n st K r e i d o l f seiner fcingestimmien Blumen- lust ein beglückendes Bilderbuch abgewonnen. Aus den alten finni- gen Bolksnamen unserer Blumen und aus ihren merkwürdigen Formen und lichtschöncn Farben find zwar zarte Märchen herausge- träumt und in schlichtinnige Vcrslein gejatzt. In eine Welt von lieblichen Elfenwcsen und spatzig-spukhaften Kobolden führt dieses Buch, dasjich„Ein Gartentraum" nennt(Schaffstein, Köln. 5 M.). Sechzehn Märchen sind geträumt, und einiges von den immer szenisch gcschlopcnen Bildern ist geradezu entzückend in seiner sorgsam wägenden Kunst und seinem fast ehrfurchtsvoll sinnenden Humor. Das Schönste ist das Blatt der Pfingstrose mit der jung-mütterlich anmutigen, sitzenden Gestalt und den dickkugli- gen Knospen, aus denen Kinderchen mit Nachthäubchen und weihen Schlafröckchen geworden sind. Kreidoljs Märchenknnst wurzelt bodenständig in der frühen deutschen Malerei. Seine Mädchen- Wesen haben ganz den Duft keuscher Reinheit, der in jenen alten Bildern webt. Und so klingen auch seine klar-reinen Farben so harmonisch zusammen, wie der Natur unmittelbar abgelauschte Laute. Auf die Schöpferin des lieben Büchleins vom„HänSchen in» Blaubeercnwald" hat man viel Hoffnung gesetzt, und die hat nicht getrogen. Der Wald ist Else BeSkowS eigentliche Welt. Sie liebt ihn aus der Seele des KindeS heraus. Denn der Wald, frei- lieh der alte, urwüchsige, der sich nach feinem eigenen Willen auf- baut, der ist das eigentliche Märchenland, er mit seinen absonder- lichen Gewächsen, seinen geheimnisvollen Schlupswinkeln und seinem großen und kleinen Getier. Bon dieser Welt erzählt die farbige Kunst Else Beskows in dem Buche:„Aus Erdmänn» l e i n s Klaus e", das in die auf feine Ausführung bedachte»» München« Künstler-Bilderbücher des Georg W. Dictrichschen Ber- lages eingegliedert worden ist«Preis 3,50 M.). Mit fraulich-frohen Augen schaut sie das kleine Kindcrvolk an. Ihren Stift und Pinsel führt dos hcrzbcglückte Lächeln über die naive Wichtigfeit,, von dem all das drollige Wollen und Bewegen der kindlichen Lebens- bctätigung erfüllt ist. Dem schönen Buche ist ein nach dem Schtoe» dischen gearbeiteter Text beigegeben, der noch einmal auf den naive» Ausdruck hin überarbeitet werden mutzte. Tie Erinnerung an daS vorm Jahre gut geglückte Buch vom »Sandmännlein" erweckt Anneliese L e w i n S k i s„W e i tz t Du, wieviel Stcrnlein stehen?"(Schreiber, Eßlingen 2 M.) Das erzählt von den Spielen der Stcrncnünder auf ihrer Himmelswiese. In weingelben Kapuzenkleidchen trippeln die kleinen Ge- fchöpfe dahin; jedes trägt an einem Häkchen sein strahlendes Stern- lein. Sie haben viel Kurzweil da oben auf weißen Wolkenschiff- chen, in Gesellschaft des großen Bären, beim schrecklichen Kometen- besuch und dergleichen, bis sie zuletzt ihre Laternchen putzen und wieder ins Bett schlüpfen. Die Bilder find freundlich ausgedacht und gut ausgeführt: an den Begleitversen von Gertrud Klett hat man seine Freude: sie erzählen gut und tun dem Ohre wohl. An neuer Märchenbilderkunst beschert uns die Sanunlung deutscher Bilderbücher des Scholzschen Verlages ein neues stim- mungsdolles Stück: Das Märchen.Schnecweißchen und Rosenrot"(1 M.). In verhaltenen stillen Farben hat Lena Bauernfeind aus dem Zauber der Bergwalddänunerung, die das Märchen durchwebt,«ine Reihe sehr feiner Bilder gewonnen; die kindlich-jungsräuliche Anmut ihrer Mädchengestaltc» hebt sich keusch und licht von dieser dämmernden Umwelt ab. Dem Verlage von Schreiber in Eßlingen, der in den letzten Jahren besonders für eine kindliche Sckjerenkunst gewirkt hat, entstammt ein„Klei- nes Märchenbuch", das zu einigen Grimmschen und anderen Märchen eine Reihe schwarzer Bilder gibt, die L. Müller- H e i n tz e geschnitten hat(80 Pf.). Die Bilder verraten in Umriß und Bewegung das sicherste Gefühl für die charakteristischen Linien der Wirklichkeit. Sie sind szenisch ungemein lebendig und erfreuen durch einen naiven Humor, wie ihn die Sphäre des Märchens fordert. Wilhelm K o tz d e hat es unternommen,„Gullivers Reisen" so zu erzählen, daß die Swiftsche Geschichte nun schon für d,e früheren kindlichen Altersstufen paßt(Scholz. Mainz, 3 M.). Eine solche Ausgabe fehlte bisher. Hans Schroedter hat farbige und andere Bilder dazu gefertigt, die an sich gut sind; nur sollte mehr von den erstaunlickcn Erlebnissen Gullivers im Bilde mitge- teilt sein, eben weil fich's um ein Buch für die Kleinen handelt, und dann möchte man auch die Gestalten der Zwerge und Riesen nicht bloß kleiner oder größer als Menschen, sondern im Aussehen mehr ins Sagenhafte gerückt sehen. Schroedter war für die Auf- gäbe nicht humoristisch genug. Eine Märchengeschichte, die in den deutschen Ostseeprovinzen Rußlands zu Hause scheint, wird in dem Buche:.Just, der Färberlehrling" erzählt(Dietrich, München. 3.50 M.). Der Lehrling hat echtes Eulenspicgelblut. Er ist ein Schalksnarr, dem es Spaß macht, genau nach dem Wort der Aufträge zu handeln und der solchermaßen zu den unheimlichsten Färberkünsten gelangt. Der Schalkswitz bringt ihn schließlich in die Gewalt einer Waldhcie, hilft ihm aber auch wieder heraus. Die Bilder find mit wohlgerüstetcm Sinn fürs Spukhast-Lustige ge- schaffen, auch in der Verwendung der Farben. Ter Verlag der„Münchener Jugend" hat wieder eins seiner bekannten Bücher„Märchen ohne Worte" aus den Bild- schätzen der„Jugend" zusammengestellt(l,50 M.), diesmal nach den Wünschen der Berliner freien Lehrervereinigung für Kunstpfleg«. und diese dritte Folge sticht die beiden ersten an Güte aus. Fast jedes der 24 Bilder hat im besten Märchrnsinne erzählende Kraft. auch die, die zu bekannten Märchen keine Beziehung haben. So können die Bilder nach zwei Seiten hin nützen: sie bringen die Phantasie in sreischöpferische Bewegung und sie erhöhen auch die Kunst, sich in Bilder mit Herz und Sinn hineinzuleben. Auch alte Mappen sind in diesem Jahre auf Bildergeschichten hin durchstöbert worden. Aus den Anfängen Wilhelm Büschs wurden ganze Bündel Zeichnungen spaßigen Inhalts gefunden und in zwei Bänden herausgegeben, einer bei Braun u. Schneider in München als dritter Band„Kunterbunt", der andere bei Walter Fiedler in Leipzig unter dem Titel„Lustige Bilder- geschichten und allerlei Humor e"(6 M.). Taö sind natürlich vor allem auch für Twschs künstlerische Entwickclung wichtig« Veröffentlichungen, und an Büschs Anfänge wird man auch erinnert beim Durchblättern der höchst vergnüglichen Bilder- geschichten, die aus des alten Rudolf Töpffer. des Genfer Malers und Novellisten, Schaffen wieder aus Licht geholt werden. Töpffer hat in seinen humoristischen Gelüsten viel Aehnlichkeit mit Busch. Seine Lust am wirbelnden Gejage und Gepurzel führt in gerader Linie zu Busch hinüber. Töpffers„Fahrten und Abend- teuer des Herrn Steckelbein" sind in achter Auflage bei F. A. Brockhauö in Leipzig erschienen,(Z M). An diesem Bilder- buch kann sich klein und groß herzstärkend freuen. Auch Otto Ernst hat wieder ein Kirtberbuch verfaßt. Er will,'daß Jung und Alt sich freuen an dem Schwankbuche„Der Kinder Schlaraffenland", zu dem der Zeichner Hans Schroedter erfrischend farbige große Bilder und lustig u,ck> ernsthaft auf den Sinn des Erzählten abgestimmte Rahmen geschaffen hat. Bon diesen Rahmen wäre aber noch zu sagen, daß sie bei der Schlaraffengeschichie mit ihrer Wiederkehr auf zeder Seite der Absicht des Erzählers im Wege sind. Der Reiz des Schlaraffentums aber besteht in derf«tstaunlichsten lleberrafchungen. Otto Ernst kennt sich in den Einrichtungen des Schlaraffenlandes erbaulich gut aus. Dt« grimmbärtigen Schutzleute, die im Winter im Freien aufgestellt sind, damit die Jungen passende Zielscheiben sür ihre Schneckälle haben, diese zweckmäßig beamteten'Herrschaften lernt man gern kennen. DaS Titelblatt des Buches sollte nicht ver- schweigen, daß noch eine zweite Geschichte in dem Buche steht:„Ein Märchen vom König Winter". Dieser König ist ein ausgemachter finsterer Selbstherrscher, ein schwerer Reaktionär, der mit rüden Gcwatlstreichen dem nahenden Rebellen Lenz den hellen Wcklspaß glaubt verleiden zu können, was ihm natürlich schmählich miß- lingk. Diese Geschichte ist in ihrer festen Geschlossenheit und klaren Symbolik ein kleines Meisterstück Ernstscher Erzählcrkunst, von dem das Buch gekrönt wird. Das Buch, bei Josef Scholz verlegt, kostet 3 Mark. Beschäftigungsbücher. An guten Malbüchern, solchen, die durchaus nur dem Farben- sinn der Kinder dienen wollen, ist heute kein Mangel. Das Kind soll lernen, daß ein Malpinsel etwas anderes ist als ein Zeichen- stist. Ueber alles ängstliche Tifteln soll es hinausgebracht werden zu einem freien, dreisten Bewegen der Hand. Ter Zweck der Aus- maltätigkeit ist ein Gesühlserziehen, das dem Zusammengehen von Auge und Hand zugute kommt. Besonders klar dienen diesem Ziele die vom Verlage der Vereinigten KuiP-Anstaltcw in München herausgegebenen„Münchrner Malbücher von Bruno M ander. Die Bilder sind mit derbschwarzcn Umrissen und inneren gliedernden Linien gezeichnet und gehen allem verwickelten Aufsetzen der Farben aus dem Wege. Die Geduld des malenden Kindes wird nicht mißbraucht; die Möglichkeit, ein Bild schnell und sauber fertigzumachen, und das durch die Art der Zeichnung vor» bereitete kräftig wirkende Ergebnis, dürften die Lust beim Aus- malen zu beharren, gut unterstützen. Für die erste Malstufe ist das erste �iergarten-Malbuch" urib einiges aus dein Malbuch „Haustiere" bestimmt, der höheren Stufe, die schon mehrere Farben handhaben, Farbtöne abwandeln und Farben ohne vorgezeichnete Kontur abgrenzen kann, ist ein zweites„Tiergarten- Malbuch" und ein Buch„Geflügel" gegeben. Für eine dritte Stufe sind„Märchen- Malbücher" geschaffen. Die Bilder dieser Bücher stellen natürlich Szenen mit mehreren Figuren und allerlei umgebenden Dingen dar und gehen auch über die Verwendung der reinen Grundfarben zu den Mischtönen vorwärts. Aber die Schwierigkeiten sind nicht töricht groß. Jedes dieser in starke Pappe gebundenen Malbücher kostet 1 M. Bei Schreiber in Eßlingen erschien dann ein Heft „Stimmungen inder Natu r", zum Ausmalen für größere Kinder. Sie gehen über die elementaren Aufgaben hinaus. Neben jades Vorbild sind zwei llmrißdrucke gestellt, eins zum Ausmalen nach dem Vorbilde, das zweite, um die Landschaft in den Farben einer anderen Stinnnung als der im Borbilde gegebenen zu ver- gegenwärtigen. Die Aufgabe soll anregen, zu eingehender selb- ständiger Beobachtung der Ratur. Sie setzt den begleitenden Lehrer voraus. Sollte aber das, was dies Borlagebuch will, nicht schon jenseits der Beschäftigung mit Malbüchern liegen? Ter Spieltrieb des Kindes stellt die Kräfte bereit, die ein ge- regclter Arbeitsunterricht aufzunehmen und in zwanglosem Leiten weiter zu entwickeln hat. Körperliche und geistige Bedürfnisse spornen jenen Trieb, uttd im Spiel der Hand ist die Verbindung beider bedeutsam fichtbar. So hat die Pflege der Handarbeit im Kindesalter eine ungeheure individuelle Wichtigkeit und sie hat nun auch auf Grund von wachsender psychologischer Einsicht eine große Verfeinerung erfahren. Wertvolle Pionierarbeit hat bc- wiesen, wie systematisch sie geordnet werden kann. Dankbar be- grüßen wir die drei Hefte.Handarbeit für Knaben und Mädchen" in denen Praktiker über„Papparbcit",„Radelarbeit" und.Puppenschneiderei" und„Spielzeug aus eigener Hand" sprechen(B. G. Teubner, Leipzig, je 1 M.). In dieser Praxis hat der Grundsatz geherrscht, die Fähigkeit des ArbeitcnS auS eigenem Denken und Fühlen und Willen heraus nicht zu hemmen. Handarbeit soll von Gehirnavbeit begleitet sein, und was das Kind arbeitet, soll von vornherein seine praitischc Bedeutung haben, kind- liche Handarbeit soll nicht bloß eine Schule zu technischer Fertig- keit sein, sondern auch ein, Mittel der Gcschmacksbildung. Der häuslichen Unterhaltung mit Kindern ist K. Dören» wellS Büchlein„Spiel und Spaß uttö noch etwas" gewidmet. In anderer Buchform hoben sie schon frü-hcr lebhaften Beifall gc- fundew. Jetzt ist der Stoff nach drei kindlichen Altersstufen in drei Hefte abgeteilt: eins für die ganz Kleinen, das andere für Kinder von 6 bis 8 Jahren, das dritte für die Größeren. Sprech-, Reim-. Fragespicle aller Art. Rätsel und Rcchcnscherzc,«täbchenlegereien, kleine übcrvafchende Kunststücke, Gesellschaftsspiele— all das, was man für die häusliche�frohe Beschäftigung zumal im Winter sucht. und außerdem auch Spiele im Freien, steckt in den drei Heften, deren jedes— bei Teubner in Leipzig erschienen— 80 Pf. kostet. Der Inhalt der Hefte ist so reich, daß er allen Ansprüchen vollauf genügen wird. D. kleines Feuilleton. Meteorologisches. Vom Nebel und seiner Entstehung. Eine der un- liebsamsten Beigaben unfcrcs Winters ist fein Reichtum an trüben Nebeltagcn. Während sich die Sonn« in der kalten Jahreszeit ohnehin bei unS sehr selten macht, bringen uns die Ncbrltage vollends um das bißchen Licht, das uns das Tagesgcftirn durch Wolkenhüven zustrahlt. Und es fehlt in keinem Winter, nmnent- lich in den großen Industriestädten, an Tagen, die durch dichte Ncbelschwadcn selbst um die Mittagszeit in dämmeriges Halbdunkel getaucht sind. Eine solche Finsternis herrschte Donnerstag wieder einmal in Berlin, wo es allwinicrlich einige solcher Tage zu geben pflegt, an denen man selbst in der miimglichen stunde der tun so- — 93G— lichcn Beleuchtung nicht entratcn kann. Slber gegenüber anberen Großstädten steht Berlin in dieser Hinsicht immer noch günstig fco; so ist Hamburg wegen seiner geringen Entfernung vom Meere weitaus reicher an nebligen Tagen, und berüchtigt ist ja vor allem London wegen seines Nebels, der dort mit einer Dichtig- keit auftritt, wie man sie nirgendwo sonst kennt. Eine Eigentümlich- ieit des Londoner Nebels ist seine gelblich-graue Farbe, die die Licht- undurchlässigkeit erhöht und dadurch gelegentlich eine geradezu un- durchdringliche Finsternis herbeiführt, die den Riesenverkcbr Londons lahm legt und zu zahlreichen Unfällen im Stratzcngctricbe führt. Der Londoner nennt diesen gelblichen Nebel ob seines charakteristischen Aussehens treffend„Erbsensuppe"; sein Duft ist allerdings weniger angenehm als sein Name; denn ein ganz eigen- artiges Gemisch von Nauch, Nuß und Feuchtigkeit drängt sich an den Ncbcltagen unliebsam den Niechorganen der Londoner auf. Die Nebelbckämpfung bildet in der englischen Hauptstadt eines der wichtigsten Probleme; kostet die Finsternis an zahlreichen Tagen des Jahres die Nation doch ganz gewaltige Summen für künst- liche Beleuchtung. Aber so viel man auch schon versucht hat, um den Nebel einzuschränken, ein praktischer Erfolg ist bisher nicht erzielt worden; im Gegenteil! Die Zahl der Londoner Nebeltage vermehrt sich von Jahr zu Jahr. Sie betrug jährlich in dein Jahrfünft von 1871 bis 187S 51 Tage, von 1886 bis 1890 74 Tage. Seither ist die Zahl der Londoner Ncbeltage weiter gestiegen und umfaßt bereits mehr als drei volle Monate im Jahr. Der Grund für diese nicht nur in ökonomischer, sondern auch in hygienischer Beziehung sehr unliebsame Erscheinung liegt in der wachsenden Industrialisierung der Stadt. Da der gleiche Vor- gang auch in Berlin zu beobachten ist, so mutz auch hier leider mit einer Zunahme der Ncbeltage gerechnet werden; ohnehin zeigte der jüngste Nebeltag in Berlin schon ganz das Aussehen der be- rüchtigten, gclbgrauen Londoner Nebel. Wenn man bedenkt, welch ungeheure Mengen von Kohlcnrauch in einer solchen Millionen- ftadt andauernd in die Atmosphäre übergehen, so wird es begreif- lich, daß die Nebclbildung nirgendwo einen günstigeren Boden findet als in den Groß- und Industriestädten. Denn der Wasser- 'dampf der Atmosphäre bedarf zur Kondensation unbedingt eines äußeren Anstoßes, des sog. Kondensationskcrnes, um den herum sich das winzige Nebclbläschen anordnen kann. Die winzigen Staubpartikelchen im Lustraum, die sich von den Essen der Fabriken überall hin ausbreiten, und die größtenteils aus allerkleinsten stiußtcilchcn bestehen, bilden bei der Kondensation des atmosphäri- schen Wasserdampfes eine ausschlaggebende Nolle. Hinzu kommt noch der feine, aufgewirbelte Straßenstaub, der allerdings gerade an den schlimmsten Ncbcltagen weniger in Betracht kommt, weil eben an solchen Tagen die Straßen feucht und die Staubteilchen zu Schlamm gebunden sind. Natürlich bilden fast alle anderen Beimischungen der Atmosphäre Kondensationskcrnc. So ist im Londoner Nebel der eigentliche Grund der lichtundurchlässigen gelben Farbe der große Gehalt der Atmosphäre an ölhaltigen Kohlen- tvasserstoffverbindungen. die sich um die Wasscrbläschen legen und sie trüben. Die ölige Hülle der Nebclbläschen verhindert auch die Berdampfung der Wasserbläschen durch die Sonnenstrahlen', so daß sie sich in London auch dann noch halten, wenn die Lust bereits Vicht mehr mit Wasscrdampf gesättigt ist. Man spricht in solchen Fällen dann von trockenem Nebel, weil die Atmosphäre dann auch für die persönliche Empfindung nicht mehr den Eindruck der Feuch- tigkcit macht. Die Reihe unangenehmer Beimischungen des Nebels ist aber damit nicht erschöpft. Auch schweflige Säure, von der z. B. 1,5 bis L Milligramm in 1 Kubikmeter Luft zu Berlin enthalten ist, sowie reine Schwefelsäure sind namentlich im Nebel enthalten. Die geringe Beimischung genügt, daß alles, was mit den Säuren in Berührung kommt, zerfressen wird. Hausanstrich, Wandgemälde, Denkmäler und dergl. werden infolgedessen langsam, aber sicher zerstört. Während z, B. die Wandgemälde im Berliner Alten Museum oft aufgefrischt werden müssen, zeigen, wie Professor Kaßncr betont, vierzig Jahre alte Bilder an den Kirchen der Balkanhalbinscl noch ein ganz reines Weiß; denn dort wird aus- schließlich mit Holz gefeuert. Sckilimmer noch als bei Nebel, der sich immerhin nach verhältnismäßig kurzer Zeit verzieht, wirken diese schwefligsäurigen Beimischungen beim Schnee, weil der oft wochenlang auf Marmordcnkmälern und Stcinverzicruugen liegen dlcibt. Eins der großartigsten Baudenkmäler Teutschlands, der Kölner Dom. erleidet durch solche Beimischungen der Atmo- fphäre andauernd große Beschädigungen, die jahrelange Rcpara- luren notwendig machen. Der Dom liegt nämlich insofern bc- fonders ungünstig, als er fast unniittelbar am Rheinufer und gleich- zeitig neben dem verkehrsreichen Hauptbahnhof steht. Ein günstigeres Gebiet zur Nebelbildung kann es also gar nicht geben. Die meteorologische Ursache des Nebels bildet gewöhnlich ruhige unbewegte Lust in Verbindung mit einer Abkühlung des Bodens und der ihm benachbarten Luftschicht. Infolgedessen sinkt, da die Abkühlung sich nach oben hin ausbreitet, die Luft zu Boden, und !der in ihr enthaltene Wasserdampf kommt bei der Abkühlung zur Kondensation� es bildet sich Nebel, der sich entsprechend der fort- schreitenden Abkühlung nach oben ausbreitet. Im allgemeinen herrscht im Winter bei Ncbclwetter hoher Luftdruck; namentlich -im Kern der Hochdruckgebiete ist es in der kalten Jahreszeit häufig neblig. Scbach* Unter Leitung von S. Alapin. I. Behling. ab cd« f(f h abcdefgh Weiß zieht und gewinnt. Spanische Partie. Im kkarlsbader Tuniicr mit einem der Schönheitspreise ausgezeichnet. 81. Burn. e7— e5 Sb8— c6 a7— a6 Sg3-f6 hat 5. De5; 6 Lb3, Leo; E. Cohn, t. o2— e4 2. Sgl—£3 3. Lfl— b5 4. Lb5— a4 5. 0—0 Besser« Aussichten ». B. 5...... b.> I, I 6. a4, Tb8; 7. ab5, ab5; 8. Sc3, 0—0; 9. d3!, Sd4; 10 SXS, ed4! 11. Sd5, SXS; 12. LXS, c6; 13. Lb3, d5; 14.0—0, Le6; 15. Lfl 2C.~ hat eine gesündere Baucrnstellung. 5...... Lf8— 07 Die„Deutsche Schachzcitung' be- bauvtet, der Zug sei im Karlsbader Turnier widerlegt worden, weshalb man zu 5...... SXe4 zurückkehren müsse. Es ist richtig, daß 5...... SXcl; 6. d4, b5; 7. Lb3, dö; 8. deS(oder 8.»4, 8X64 1, 9. SXS. ed4: 10. Sc3, SXS; 11. bc3, Le6 je.); 8...... Le6; 9. c3, Sc5; 10. Lc2. Lg4; nebst cvent. Se6 jc. dem Schwarzcu ein jreiereS spiel vcrschafsl a!S der Text- zug. 8Iber auch der lctzlcrc ist bis letzt nicht erschöpscnd widerlegt worden, wie auS nachstehenden Glossen erbellt.(5. 0—0 ist eben nicht der stärkste Zug sür Weiß gewesen.) 6. Dkl— dl b7— b5 7. La4-b3 67— äS In Betracht käme auch 7..... 0—0; 8. c3(oder 8. Ld5, SXI-: 9 edo, Sb4; 10. 8-3. Lb7; 11. XXeö, Lf6; 12. Tf5(h5), g6 ec.); 8..... Lb7; ac2, da; 11. säS. 9. 64. Sa5; 10. ed4 ic. 8. c2— c3 Se6— a5 9. Lb3— c2 c7— cB 10. 62-63..... Auf 10. 64(von LaSkcr und Tarrasch befürwortet) kann folgen: 10...... Dc7; 11. Sbd2, 0—0; 12. Sfl, Lb7; 13. Sg3, Tfc8; 14. 855 (es drohte ed4); 14...... Lf8; 15. Lg5, Se8; 16. Tel, 56; 17. Le3, Sc4?c. Schwarz hat ein verteidigungs« sähigcS Spiel. 10...... 0-0 11. Sbl— 62 Sa5— c6 Nur dieser allgemein übliche Rück- zug, der zwei Tempi kostet, ver» ichtechtert die Lage von Schwarz. Das richtlgc Beisahren besteht in Le7 nebst Lb7, Tfc8 und eventuell Lf8 bczw. 808. Der Königsslügel ist dann genügend verteidigt und schwarz kann nun aus dem Damen- lüget operieren. 12. 862-51..... Aus 12. De2(.Deutsche Schach- zeitung") folgt 12...... Se8; 13 Sfl, L56I 14. Se3(g3), Sc7 nebst cvent. 66— 65. 12...... TIS— e8 Schwarz tonnte mit 12...... 651; 13. ed5, DXd5; 14. Lb3, Dd6 ohne Nachteil fortsetzen. 13. 8kl— g3 Le7— 58 Auch jetzt(sowohl als bei 13. 8o3) kam 13...... 65 in Betracht. 14. 63-64 15. 64-65 16. a2— a4 17. D61-e2 18. a4Xb5 19. h2— h3 D68~c7 Sc6— b8 Ta8— a7 Ta7-b7 a6Xb5 . sj—e6 Eine unnütze Schwächung, statt derer eo— e4 nebst cvent. 8b8— 67 — c5 angebracht war. 20. Lei—©3 L58-g7 21. 853— h2 856—67 Plausibler war Sb8— 67. 22. De2— 62 Besser c5— o4. 23. b2— b3 1 24. Toi— 51 25. c3— c4 26. Sh2— g4 867— b6? Sb6— 67 b5— b4 867-58 Dc7-e7? LXS 1 war bedeutend besser. 27. Le3-h6 Lg7— h8? 28. Lh6— g5 57—56 Dies verliert die Partie(LXS l). 29. Sgl— höf Kg8-g7 30. Lg5-h4 De7— 68 31. 52—54 1..... Nachdem Schwarz so viele schwache Züge gemacht bat. beendet nun Weiß die Pdrtie in glanzvollem Stile. 31...... Kg7Xh6 32. f4Xe5t g6-g5 33. e5— 06 1..... Droht e4— e5 nebst SfSf. 33...... Kh6— g7 34. Tf 1X561 g5Xh4 35. Dd2Xg5t 858— gO 36. e4— e5 1..... Droht TXSf. 36...... Kg7—g9 37. Sg3-h5 Lh8— g7 Aus 37..... LXT solgt 38. oXk6! ic. 38. Tat— 51 39. Lc2Xg8 40. DgSXgd 41. Tf6— 57 I 42. Tfixn d6X©5 h7Xg6 Lc8Xe8 Ta7Xf7 Aufgegeben. Die Partie ist von Weiß sehr schön gespielt. Besonders der Schluß ver- dient den Preis. Für die Beurteilung der E r ö s s ii u n g» v a r i t. n t e ist die Partie jedoch wenig maßgebend. Lösung de? beutigen Diagramms. 1 K63, Kfl(1.... g3; 2. 54 k.); S. KJ2+,' Kgl; 3. 54 1,(3..... gfS; 4. Sc3, Kf2; 5. Se4t, Kgl; 6. Kc3, 52; 7. Sg5 nebst Sh34r); 4. Ld7, Kfl; 5. Lh3, Tgl(5. Kgl, 55 je.); 6. Lg4 I, Tbl; 7. Le2t, Kgl; 8. 8-3. Kf2; 9. Se4t, Kgl; 10. Sg5, Kf2; 11. Sh3+. Ein schöne» Meisterwerk! Le?antw. Redakteur: Richard Barth, Berlin.— Druck u. Verlag: l!orwärtsBuchdruckere>u.PerlagsanilaltPaulSlngerä!Eo.,Berlln8VV.