Zlnierhaltungsblatt des vorwärts Nr. 239. Sonnabend den 9. Dezember 1911 — (Nachdruck verboten.) so] Oie Guten von Gutenburg. Von Sermann Kurz. Da waren die Guten von Gutenburg nicht wenig der- blufft. Keiner tvarf mehr. Einer fchaute den andqm an. Der Fremde aber sagte lächelnd: „Heut mittag geh ich zum Amte und verklag Euch!" Da ging einer nach dem andern weg, und alle schworen hoch und heilig, keinen Stein in der Hand gehabt, geschweige denn geworfen zu hohen. Aber dies nützte nicht viel. Der Amtmann brachte die Leute doch zum Sprechen. Und da die ersten nicht alleine an der Zeche zehren wollten, kam einer so allgemach nach dem andern zum Zahlen, und wie alles fertig war, wurden's teure Scheiben. Das Aergste aber war den Gutenburgern, daß der Fremde die Entschädigungssumme der evangelischen Kirche nach Altenberg gab. Und das war doch olles gut guten- burgisches katholisches Geld, das trotzdem der Altenberger Kirche den Magen nicht verdarb. Von da an hatte der Fremde Ruhe. Nach wie vor trieb er sein Wesen in Gutenburg. Aber wenige. Tage nach dem Fenstereinwerfen kam der Knecht von Attenberg herüber zum Fremden: Es wär mit dein Altenberger Herrn recht schlimm bestellt, er glaube, der sei am Abschnappen, und der Fremde möchte doch einmal rasch mit hinüberkommen, das Fuhrwerk warte unten. Drüben in Attenberg lag der Bürgermeister auf dem Sterbebett. Die Krankheit und das Alter hatten ihm arg zugesetzt, und er war in sich zusammengefallen, schmal und hinfällig geworden. Auch das Zickzack- und Rundhcrumgehen um den geraden, etwas beschwerlichen Weg der Tugend voller holpriger Pflastersteine, worüber schon so manch Menschenkind stolperte und defekt wurde, das Wallen auf den verbotenen Rosenivegeu trug nicht wenig bei an dem Hinscheiden des einst so schönen Mannes. Doch machte er darum kein dummes Gesicht und fing auch nicht zu beten an, um auf diese Weise einen besseren Kontrakt von unserm Herrgott herauszuschinden, wie dies ja sonst ein beliebtes Mittelchen ist, wenn der Tatterich an die Guten kommt, sozusagen die beste Schmiere der Räder, auf welchen wir ins Jenseits rollen. Der Altenberger wußte, daß er nichts Rares war, er wußte aber auch, woher die andern das Fett ihrer Güte haben, wovon sie triefen. Daruni legte er sich auf den Rücken, als es mit ihm so weit war, streckte die Nase in die Höhe, pfiff noch einmal auf diese Welt, und so in Positur gesetzt, erwartete er den Gevatter Tod. Lange redete er mit dem Fremden unter vier Augen. Dann händigte er ihm einige Blätter Papiere aus, diejenigen, welche er vor wenigen Tagen geschrieben hatte. Es war fein Testament. Der Altenberger Bürgermeister lag seit einer Stunde im Ende. Er hörte nichts mehr und sah nichts. Das Leben der Seele war erloschen, nur noch der Leib hatte das Sterben vor sich. Der Fremde saß am Bette und sann vor sich hin. Weh war dem Manne im Herzen. Und er gedachte um Jahre zurück. An den Tag dachte er, allda sein Weib gestorben war. Gerade so war er auch dort am Bette gesessen und hatte nicht glauben können, daß ein Leben am Auslöschen sei. Er konnte nicht glauben, daß Gott so grausam sei. Aber dann war das Große geschehen. Der Tod war durch das Zimmer gegangen, und fassungslos hatte der Fremde das Sterben gesehen. Und seit jener Stunde war sein Leben gebrochen. Und nun saß er wieder an einem Sterbebette, und da erkannte er, wie tot sein Inneres war. Reif der Ernte. � Kein Beben überkam ihn im Angesicht des Sterbenden und auch keine Furcht noch Verlangen am eigenen Sein. Und er freute sich da und wußte, daß auch ihm bal-d die Stunde der Erlösung käme. Und er wollte dann hinsinken in die Arme der ewigen Ruhe wie ein müder Streiter, den ein stärkerer Sieger geschlagen. Um Mittag herum swrb der Altenberger Herr. Da gab es ein Jammern im Hause. Die Haushälterin, die Mägde und die Knechte standen da und erschauerten in der Nähe des Todes. Alle dachten sie an das eigene Ich und wie jung oder alt sie waren, alle scheuten vor dem Gehen. Denn alle, alle, wie arm sie da standen, hatten sie die Hoffnung. Die Hoffnung auf irgend— irgendetwas Gutes, das ihrer noch harrte und das sie ernten wollten. Keine Enttäuschung hatte ihnen bis heute diese Hoffnung genommen. Der Fremde aber drückte seinem Freunde die Augen zu und nahm die Papiere an sich. Dann ging er weg. Aber über seinem Gesichte lag ein Lächeln, denn er dachte an die Zukunft des Findels. Und da ward es ihm aufs neue klar, daß einer ein guter Mensch sein kann, was auch die Mitwelt an ihm auszusetzen hat. Denn zum Schlüsse: was kann denn der Gockel dafür, wenn ihm der Kamm schwillt? Gerade so gut wie dem Gockel hatte aber der liebe gute Herrgott, der alle Dinge voraussieht, in Wohlbedächtigkeit auch den Altenberger Herrn gemacht. Darum ist es besser, wenn die Nachwelt auch diesem armen Schächer seine Sünden vergibt. Also dachte der Fremde. Das Eicrrennen und der Findling mit den zwei Madlenen. Der Viktor Fürchtemich Unbekannt ging in sein zwanzig- stes Lebensjahr. Bis anhin stolperte er wie so mancher andere in sonnigen Jünglingsträumen perloren durch sein junges bliihendes Leben. Bei dem Fremden, der nun beinahe fünfzehn Jahre in Gutcnburg sein Wesen trieb und unter inancherlei Phantasterei in der Leute Köpfe spukte, aber darum nichtsdestoweniger immer noch der Fremde war, bei diesem Manne war der Findling in die Schule der Weisheit gegangen. Der Fremde war nun zwar noch lange nicht der weiseste der Weisen, aber für die Gutenburger und ihre Umgebung reichte sein Licht aus. Darum goß der Fremde, als er sein Ab- sterben nahe gekommen hielt, das Oel seiner Lampe in die- jcnige des Findlings und hoffte so das Licht zu verbessern, da er große Stücke auf den neuen Docht hielt. „Aber und Wenn" sind nun zwar ganz harmlose Wörtchen. Doch ist mit Leichtigkeit aus der Weltgeschichte zu ersehen, welch große Pläne zunichte wurden, wenn hintcnan das oder jenes der beiden Wörtlein als vernichtendes Ding nachlief. Beim Findling waren die Wenn nnd Aber die Liebe, die zum erstenmal in sein verwundetes Herz einzog und in ihm Genilltsstürme hervorrief. Und die Geschichte war so einfach und harmlos gekommen wie noch nichts auf der Welt: oder wie vielleicht schon vieles. Denn im Blicke lag der Zauber verborgen. Als ihre Augen mit den seinigen zusammentrafen, gab's Feuer und der Funken flog in die Pulverkammer der Liebe im Herzen des Findlings und richtete dort Zerstörung und Verwirrung an. Darüber gab's ein Staunen und Seufzen und die Unruhe wurde groß. Denn die Liebe ist eine arge Tyrannin und guält ab und zu einen ihrer Lieblinge mit ganz besonderem Vergnügen..- Doch ist das Feuerfangen immer eine ausgezeichnet lustige Sache für den Fernstehenden, der sein Teil schon früher wegbekam und nun in beqemem Frieden lebt. Und noch ver- gniiglicher wird das alles, wenn der Blitz aus heiterem Himmel konimt und da einschlägt, wo anher die Philosophen, die Klassiker und andere ebenso nützliche, aber dürre, mit Vorwörtern gedüngte Sachen Hausen. Da ist's dann immer, als wäre all diese Wissenschaft Stroh, der Mensch, den's trifft, die Scheune und daS Brändlein ein Vergnügungsfeuerlein für Unbeteiligte. Auf alle Fälle war der Findling ein solches Scheunen- brändlein. Aber ein Unterschied war doch zwischen einem solchen und dem jungen Burschen. Das Sä>eunenfeuerlein macht nur in der Nacht eine schöne Röte, der Findel aber verbreitete diese Farbe zu jeder Tageszeit, wo es auch war, er brauchte nur in der Ferne einen Schürzenzipfel zu er- spähen, den er für einen gewissen hielt. Doch bleibt dieses immerhin ein Rätsel nnd gab den besten Hoffnungen Raum: angedichtet hatte der Findling diesen Schürzenzipfel nie. Nicht etwa deshalb, weil er keine Muße dazu gehabt hätte, beileibe nicht. Denn der Findling hatte ein Luderleben, behauptete der Sepptzoni; und die Rätsch fügte dem noch hinzu, daß jeweilen daS schlechteste Stück das größte Glück habe. Doch hätten die beiden zu- gegriffen und ja gesagt, wenn der Findling mit ihnen ge- tauscht hätte. Der Findling führte zwar niemand in diese Versuchung. Er lebte vielmehr, wie er nach dem Buchstaben, den man ihm einige Tage nach dem Tode des Altenberger Herrn auf dem Amtsgericht an den Kopf geschmissen, zu leben hatte. Und dieses Leben bestand darin: recht viel zu lernen und lein gescheiter Kopf zu werden, nebenbei aber vernünftig zu Men und zu trinken, um einen anständigen Menschen zu machen. Damit dieses möglich war, wurde jeden Monat bis zu zweihundert Mark verwendet. Für Entgelt an den Simon ein Teil und zum Studium das andere. Das ganze einzurichten wurde dem Fremden überlassen. Weitere Mitteilungen nach Zeiten Zu angemessener Frist behielt sich der Amtsrichter vor. Als er dieses sagte, schaute er den Fremden an und lächelte leicht. Der Simon verstand diesen Schlußsatz nicht und dachte weiter nimmer daran, als er so aus den Sorgen hinauskam und einmal essen und trinken durfte, was sein bescheidenes Herz begehrte. Denn soweit reichte des Findlings Zu- schul aus. Der Fremde ging um so vorsichtiger mit dem Burschen um, als dieser gutes Verständnis zeigte. Und als die Zeit da war, mutzte der Findling noch in anderer Herren Schule, und sein Rucksack für den Verstand schwoll an wie der Bauch eines jungen Hundes nach dem Fressen. Und als der Findling das Reifezeugnis hinter sich gebracht hatte und nun zur Hochschule spazieren konnte oder auch gleich in das Leben hinein, war der Bursch bald zwanzig Jahre und der Fremde alt genug. Der Findling trug mit fünf seiner Kameraden den Schrein des Fremden hinaus zum Kirchhof, und der Toten- gröber baute dem Manne dort an der Seite seines Weibes ein stilles, kleines Haus. Am Tage nach dem Begräbnis war die Musterung. Der Findling mutzte sein Jahr dienen. Darum durfte er auch den Eiertanz der Rekruten mitmachen, wie dies so Sitte war in Gutenburg. Und da schlug der Blitz, die Liebe, in das Herz des Findlings ein. Das kani so. (Fortsetzung folgt.) IVene CHandbUder/* Die Sammlungen farbiger Steinzcichnungen, die NUN seit mehr als einem Jahrzehnt von den Leipziger Verlagsanstaltcn von T e u b n e r und Boigtländer herausgegeben werden. haben auch in diesem Jahre durch gute Blatter eine Bereicherung erfahren, aus der für die Aufhellung des Arbeiterheims Gewinn zu ziehen ist. Die Sammlungen Pflegen vor allem das landschaft- liche Bild, das mit kräftig-freudigen Farben wirkt und von nahen Schönheiten der Natur, in die das Auge sich gern sestsinnt, in weite herrliche Fernen hinführt. Diese Bilder machen so recht den seeli- scheu Bedarf des Stadtmenschen aus, der das Grau, die Enge und den rüden Lärm seiner Alltagswelt durch ein Gegengewicht abzu- mildern sucht. Von diesem Zusammenhang kann man sich in jeder der Ausstellungen guter Wandbilder überzeugen, die von den Ar- Leitern veranstaltet werden. All die Bilder mit städtischem In- halt— Straßen, Türme, Tore— werden aufmerksam betrachtet, aber eigentlich nur selten gekauft. Auch das Bild mit genrehasten Szenen fesselt nur im Vorübergehen. Früher war das einmal ganz anders. Da sollte das Bild etwas Lustiges oder Ernstes in deutlicheni Vorgänge erzählen. Die Macht, die früher der äußere Vorgang des Bildes ausübte, ist jetzt der Farbe zugefallen. Man kommt darauf. wenn man sieht, wie die Entscheidung fällt, wenn ein Käufer die Wahl hat zwischen einer farbigen Sicinzeichnung und der Repro- duktion eines jandschaftlichen Gemäldes, das nur im Tonwert, nicht in der Farbe wiedergegeben ist. Da zieht meist das künstlerisch be- deutendere Reproduktionsbild gegen das farbige Steinbild den kürzeren. Heute wendet in Arbeiterkreisen der Kauf sich beson- Hers gern den Stcinzeichnungen mittlerer Größe zu. Das An- gebot der Verleger sorgt denn auch hier ausgiebig für Auswahl. Heuer ist der Bilderschatz wieder um einige Frühlingsland- ischaften vermehrt worden, die zuerst genannt sein mögen, weil es Dem Frühling so gebührt. Franz Hoch liebt die klare, sonnig aufgeschlossene Weite. Er gibt einen Maimorgen in Ober- chayern" lTeubner. b M.). lleber hügeliges, begrüntes Land geht der Blick ins Bild. Eine Gruppe silbergrau überblühter «Bäume siebt im Vordergrund; noch ist das dunkle reiche Geäst hinter dem' Gedränge der Blüten sichtbar. Vereinzelt über den buckligen Rasen hin sind andere Baumgruppen verstreut, lichtgrün, *) Tie Ausstellung von Wandbildern und Jugendschrifien im Gewerkschaftshause ist geöffnet: Sonnabend und die ganze nächste Woche von 6— 9 Uhr. schneeweiß, knospengebräunt. Ein stilles, weißes Kirchlein auf der Höhe zwischen Bäumen, ein stiller See am Fuße des Hügels, droben in den Lüften gekielte weiße Wolken, ruhig schwebend, und fern hinter braunem Waldlande blaulicht beschneit die Kette der Ajpen — das alles gibt einen auf Ruhe gestimmten Zusammenklang, aus dem es versonnen einer glückvollen Zeit entgegenharrt. Ein an- deres Frühlingsbild„Unter Blütenbäumen" stammt von U. Weber, von demselben, der sich in den letzten Jahren mit anderen Frühlingsbildern die Herzen im Fluge eroberte. Wieder steht ein umzäuntes dörfliches Haus zwischen weißrosig blühenden Obstbäumen, und diesmal ist dem Maler die Aufgabe bildmäßig besonders gut gelungen. Das Bild(4 M.) ist bei Voigtländer in Leipzig erschienen, und dieser Verlag hat auch ein größeres Blatt „Unter Birken"(b M.) von Ed. Deventer- Zehlendotf herausgebracht. Ein Waldausgang von mächtigen alten Birken mit smaragdgrünem jungem Hängelaub gibt den Durchblick auf eine breite Gebirgskette mit beschneitem Kamm. Droben durch! das Birkengrün quillt leuchtendes Himmelblau, unten zieht ein brauner, bewachsener Weg, mit hellen Blüten. Von der Macht der weiten Landschaft, in die das Dorf wie ein Zierrat eingelassen ist, zeugen zwei große Bilder. In schwerer Fülle drängt sich entschlummerndes Grün von Büschen, Bäumen und Felderbrciten aus dem Bilde„Abendsonne" von F. Bauer(Teubner, ö M.). Letztes volles Sonnenglühn läßt die rgoten Dachfirste, die weißen Giebeldreiecke, die goldbraunen Baum- Wipfel aufleuchten. Der umbuschte Weiher im Vordergrunde, die Waldfläche oben am Horizont, alles geht schon in die großen wuch- tigen Massen vorgerückter Dämmerstunde ein.„Im hohen Schwarzwalde" verweilt Karl Biese(Voigtländer, ö M.j. Zwischen grünem Wiesengrund und breitwellenden reifen Korn- ackern liegt ein Gehöft mit tief herabgehcnder Strohdachung, an� gedrückt an ein Gehölz mächtig wipfelnder Laubbäume. Vachwassev ist zur Linken ans ein Mühlrad geleitet und weckt mit dem zer- karrten Wege, der am Walde herab auf die Landstraße zieht, das Gefühl der Höhe, die sich seitlich ins Tal senkt. Der gelbe Post- wagen, der von drei Schimmeln gezogen auf der quer durchs Bild schneidenden Landstraße sichtbar ist, redet davon, daß hier noch ein Stück alter Zeit gegenwärtig lebt. Oben am Horizont dehnt sich stundenweit alter dichter Wald. Das Bild ist landschaftlich sehr echt. Ein etwas kleineres Bild von W. Rögge, ein„Abend- spaziergang"(Teubner, 5 M.), arbeitet auch die Schönheit heraus, die das sinkende Sonnenlicht über Turm, Dach und Giebel eines Bergdörfleins ausgießt. In goldigen Leuchtfarben von Rot und Gelb vcratmet der Tag seine letzte Minute. Ein greiser Mann, über dessen Scheitel der Strahl hingeht, schreitet ins Licht sinnend der sinkenden Sonne nach. In dem Bilde webt in feinen Tönen die Musik im schweigenden All verklingenden Lebens. Ins Dorfinnere führt H. Prentzels Bild„Im Schwa» ben lande"(Teubner, S M.): ein Stück Straße mit traulichen Häusern, eins mit vorspringenden Giebeln, grünen Holzläden, rot-, blühenden Blumen vor den Fenstern kleiner Stuben und im Gärt- chen vor der Tür, und mit Kindern am Straßenrand, die einer Schar pickender Hühner und Enten zuschauen. Anton Glück zeigt ein„Kleines S ch w a r z w a l d h a u s"(Voigtländer, 4 M.)» alt und proletarisch, mit bewachsenem Strohdach und herbstkahlen Bäumchen zur Seite und zwei vorübergehenden bäuerlichen Leuten. Eine Dorfstraße in boller Mittagsonne mit heimkehrendem Ochsen- gespann und anderen Zeichen der Arbeitspause zeichnete H. Frey- tag:„M i t tagstu n d e"(Voigtländer, 2,fj0 M.) Die Sonns prallt blendend auf die hcllgetünchten Wände und roten Ziegel, dächer. Der„Bach im Winter" von C. Felder(Teubner. 2,50 M.). giebt ein Stück Schneelandschaft. Im Eise des BacheS spiegelt sich ein beschneiter Brückensteg. Kahle Bäume strecken ihr Geäst in die winterlich tote Luft. Häuser mit Schneedächern steheir in der weißen Weite. Auf das hohe Meer hinaus bringen 2 Bilder des Voigtländer- schen Verlages(je 5 Mk.). Die„Bark" von A. L i e d t k e ist Herr- lich. Eine feste Brise liegt in den Segeln. Prall drängen sie vor- wärts: man fühlt das schaumrauschende Gleiten des Schiffes. Dia Segel drängen der Sonne entgegen, die gelbrot aus ihrem Leinen und auf dem Bug der Bark brennt. Die See wallt m tausend spie- lenden Wellen voll lebhafter Farben, die auf Himmel. Wolken und! Segel gestimmt sind. Anderes will die Wasserweite auf dem Bilde Otto L e i b e r s sagen.„Nordische Fischerboote" liegen verankert draußen auf mattglatter See. In dämmerigem Nebelbraun heben sich ihre nadelschlanken Mäste, die einfachen Segel wie Sil- houetten gegen den nebelfarbenen Himmel und die Ferne ver- schwimmende Küste mit ab. Die See schläft. Hafcnruhe sichert! die Boote. Mehrere Bilder sind der altehrwürdigen Wucht von Bauwerken vergangener Zeiten abgewonnen. Ein großes Blatt von A. Lieb- mann: die„Alte Nheinbrücke b e i Laufcnburg" (Teubner, 6 Mk.), nehmen wir um des Gegenstandes willen dankbar hin. Freilich ist der farbige Reiz des Blattes nur gering. DaS Brückenstück auf Prentzels Bild„Am Neckar"(Teubner, 4 M.> — man schaut von unten her empor zu dem alten Steinwerke der Brücke und zu einer Gruppe aneinander gedrängter Häuser— ist in seiner sonnig-ehrbaren gesunden Festigkeit gut erfaßt. Auch Ulrich Webers„Stadttor"(Voigtländer, 2,50 M.) ist reizvoll geglückt. Breitbeinig gespreizt wie ein von seiner Tüchtigkeit überzeugter wohlbeleibter Wachmann steht der Torturm da und unten über Mauer und Staket wölbt sich so idyllisch blauer Flieder und weißer Hollunder. Ein Stuck schneeglänzender Mondnacht schildert Bendrat mit vollem Gelingen in seinem„Krantor in D a n z i g"(Teubner, 2.50 M.). Der lichtleuchtende Schnee auf dem Dach zu feiten des düsteren Turmes und unten am dunklen Bau und im engen Torbogen die warme Goldigkeit des Laternenlichts, das gibt einen höchst harmonischen Zusammenklang. Die Fülle, die die Steinnatur des Baues empfinden läßt, geht den Beckertschen Bildern, der„Dresdener Frauenkirche" und des „Zwingertores"(beide bei Teubner, 2,50 M.) leider sehr ab. Zeno D i e m e r s ägyptische„Pyramiden"(Voigtländer, 5 M.) mit dem Fernblick über ein Trümmerfeld pharaonischer Herrlich- Zeit kann der historischen Anschauung gute Dienste leisten. In den Vorzugsdrucken des„K u n st w a r t s" ist in den letzten Jahren eine kleine Reihe farbiger Bilderwiedergaben heraus- gekommen, die ein seelischer Zusammenhang verbindet. Die Bilder sind im Stoffe verschieden, aber in ihrem menschlichen Jnnenlaut schwingen verwandte Töne, die aus der gleichen sphärischen Höhe zu kommen scheinen. Nebeneinander klingend geben sie eine Melodie heiligster Stunden des Lebens, die über den Alltag, die Enge der Zeit, die Abhängigkeit von aller Umwelt hinausführen und den, Men- scheu ganz seinen schöpferischen Kräften anvertrauen. Sie wollen ihr Recht, sich zu betätigen, und zeigen, ihm Weit und Zeit zu seinen Füßen, aus großer schweigender Höhe her. Nahe führen sie ihn an die großen Geheimnisse des Daseins heran. Solche Bilder waren Weltis„Penaten"(3 M.), Thomas'„Wundervogel"(1 M.), Hofmanns„Sonnenuntergang"(2,50 M.). Menschenleben und Weltenraum erschlossen sie dem Gefühl in unsagbar ernsten, rätsel- schönen Weiten. Nun ist ein neuer farbiger Druck erschienen, den 'ich in diesen Rahmen einfügen möchte. M. A. St r e m e l s Blatt „G o e t h e z i m m e r"(3 M.) gibt mehr als nur den feingestimmten Durchblick durch die seltsame Stille einiger Räume des Dichterhauses in Weimar. Hier sind Räume, die nicht mit dem Tode dessen, der sie bewohnte, leer wurden von den Wesen, die seinem Denken und Fühlen verkettet waren. Die Schönheit und Tiefe der plastischen Werke, die dort aufgestellt sind, die Bildnisse vertrauter, geliebter Menschen, die heitere Sicherheit der stillen, farbig abgestimmten Räume, die'ns Gartengrün hinausschauen, all das geht in einem Klang zusammen, der ein Leben bezeugt, das unfaßbar gegenwärtig .ist. Die Arbeit, die sich in der Herausgabe dieser Bilder ausdrückt, gipfelt in der mächtig gelungenen Feuerbach-Mappe, dem großen ,.Kunstwart"-Ereignis dieses Jahres. Von den Gestalten der Feuerbachschen„Kunst der Sehnsucht" sagt Avenarius, sie seien „ganz Erscheinung eines Gefühls von Leben, und für die künstle- rische Verarbeitung der Bildinhalte prägt er das Wort vom„Ein- sänftigen des Reichbewegten in Harmonie". Feuerbach ringt sich über alles irdisch Aeußerliche und Bedrenzte empor zu der Sphäre der letzten, höchsten Entwickelungsmöglichkeiten menschlicher Lebens- anhalte. Er malte das Gedankengefühl, das vom Wirklichen sich zu jenen idealen Zielhöhen hinanarbeitete. Die„Kunstwart"-Mappe spricht von den Hemmungen, die bis heute herauf der Verbreitung Feuerbachscher Kunst im Wege gewesen sind: von dem„unbedingten Widerspruch des Eigentümers der Urheberrechte" und von den inneren Widerständen, die noch jetzt zwischen vielen Suchenden und dieser Zkunst stehen. Vielleicht darf man sagen: wenn einmal Schiller seinem größten kulturellen Werte nach weithin begriffen und empfunden sein wird, so werden auch die Tore zu Feuerbach aufspringen, und dann wird wohl der Gedanke reifen, den Maler neben den Dichterdenker auf einen Sockel zu stellen. Die Feuerbach- Mappe mit ihren dreißig herrlichen großen Blättern und den etwa vierzig kleineren Bildern, neben dem Text von Avenarius, soll und mag in dieser Richtung wirken. Sie kostet 12 M., zu viel nicht für das Werk, aber doch für viele. Aber da helfen nun die M eist er- bilder((je 26 Pf.) über die Kluft hinweg: unter den 12 neuen Blättern(die auch den Goethekopf Stielers und das Schillerbild Sambergers bringen) sind nicht weniger als sechs Feuerbachbilder, und zwar bedeutende wie die„Iphigenie", die„Medca auf der Flucht".„Dantes Tod", die„Pieta", die„Melancholie" und die „Erinnerung an Tivoli". Also genug zum Anlegen einer kleinen Feuerbach-Mappe in der Hausbilderei. Ein Bild von zartem lyrischem Reiz, das als Vorzugsdruck erschien(1 M.), ist Willibald Krains„Stille Stund e". Man schaut in ein Zimmer mit freundlich-schlichten alten Möbelstücken, duftig-weißen Gardinen und mancherlei Dingen, die mit ihren cinfach-schönen Farben die heimliche Freude dessen bezeugen, der sie in seiner Nähe haben wollte. In dem Räume webt ein Hauch der Jugend. Das würde man fühlen, auch wenn der Maler nicht die Gestalt des Jünglings in das Bild gefügt hätte, der zum Fenster hinträumt. Ein köstliches Erinnern erfüllt ihn, daS nur die un- gestörte Stille schenken kann. Und nun ist es, als haste an all den Dingen des Raumes die Bereitschaft, solch ein Erinnern an liebe Stunden und Menschen leise anzufachen. K, kleines feuilleton. Die Meinungen des Ku-Hung-Ming. Ter Sklave oder der noch nicht kultivierte Mensch tut nichts Böses, weil er in dieser Welt die Knute oder die Polizei fürchtet wie das höllische Feuer in der nächsten. Aber der freie Mann der neuen Kultur ist der, für den weder Knute noch Polizei noch höllisches Feuer mehr nötig ist. Er tut recht, weil ex das Recht? tun liebt; er kuk nichts Böses, nichk au? der Triebfeder ebner knechtisch gemeinen Furcht, sondern'weil er es haßt, BöseS zc> tun. Er' kann leben ohne Herrscher, aber er lebt nicht ohne Gesetze. Daher nennen die Chinesen einen Gebildeten Köntzu. Kön ist dasselbe Wort wie das deutsche König und bedeutet einen königlichen Mann. Ohne offene Tür des Intellekts gibt es keine wahre En- Weiterung des Geistes, und ohne wahre Erweiterung des Geistes gibt es keinen Fortschritt. Konfuzius sagt: Unter wirklich Ge>> bildeten gibt es keine Rassenunterschiede. » Der Fuchsverstand ist tauglich zum Bau von Eisenbahnen. Baumwollspinnereien und elektrischen Maschinen, aber man sollte ihm niemals Einfluß gestatten auf irgend ein Gebiet, das mit der Kultur zu tun hat, da er unmenschlich ist und nicht weiß« was Erbarmen heißt. Weil dieser Fuchsverstand ohne Feinheit und Zartheit, der gegenwärtig die Macht ist über das Leben de« Völker und das Schicksal der Kultur, nicht weiß, was Erbarmen ist, können wir verstehen, warum gebildete und zivilisierte Menschen kein Einsehen dafür haben, daß es nicht nur unmoralisch undi schlecht, sondern auch geschmacklos und unschön ist, nur auf Ver, Mehrung der eigenen Bequemlichkeit, des eigenen Luxus, dev eigenen Pracht auS zu sein, während andere menschliche Wesen ringsum tatsächlich Hungers sterben oder auf das äußerste Existenz, Minimum beschränkt sind, und weshalb sie es über sich bringen« um diese Bequemlichkeit, diesen Luxus und diese Pracht zu ver» mehren, Handel und Eisenbahnen andern Völkern aufzuzwingen ohne Rücksicht auf deren Volksleben. Der Hochmut eines Aristokraten mag einem gemeinen Haufen von Ladenbengeln oder Krämern Schrecken einflößen, aber aller Heroismus und alle Kampftüchtigkeit eines Aristokraten, der gegen das soziale Unrecht eines Volkes blind ist oder sich blind stält, kann nichts ausrichten gegen die göttliche Gerechtigkeit, die simme» einer Revolution zugrunde liegt, einerlei ob sie in Rußland aus- bricht oder in Schanghai in Straßcntumulten an die Obcrflächs steigt. Recht und Unrecht kommen so sehr durcheinander bei Tu- Multen und Revolutionen, daß man ebensosehr des Auges bedarf, um recht zu sehen, als der Hand, um recht zu treffen, sonst kann man seine gepanzerte Faust, selbst wenn der Panzer vom besten Kruppschen Stahl wäre, zerbrechen an der göttlichen Gerechtigkeit, Nach einer Revolution sind die�Leute fähig, freiere und un- abhängigere Gesichtspunkte zu wählen. * Ich war bei vielen Unterredungen gegenwärtig, die christlicho Missionare in China mit Generalgouverneuren, Gouverneure,« und allen Arten von Beamten hatten, doch habe ich nie gehört. daß die überragende Bedeutung der Gerechtigkeit im Christentum als Unterhaltungsthema gewählt worden wäre. Das gmize Gfc» rede betraf Eisenbahnen, Wissenschaft. Finanzen, Medizin. Tech, nische Bildung und Fußbindcn der Frauen. * Meine Erfahrungen mit Fremden, die sich Freunde Chinas und der Chinesen nennen, haben den Satz des Dr. Johnson bei stätigt: Patriotismus fei oft die letzte Zuflucht eines Schurkew. Hier in China ist jedenfalls die Freundschaft für die Chinese,« oft die letzte Zuflucht eines Europäers ohne Anstellung. Aus Ku-Hung-Ming, Chinas Verteidigung (Jena bei Diederichs). Geologisches. Ueber das Altern und Sterben der Gebirge hielt dieser Tage Professor Dr. Albert Heim im Schweizerischen Alpenklub einen sehr interessanten Vortrag. Früher— so führte er aus— meinte man, die Alpen müßten vom Aeltesten sein. Dann bewiesen Versteinerungsfunde, daß geologisch gesprochen, sehr junge MeereSabsätze im Innern der Alpen cingcfaltet sind und bis über 3000 Meter hoch liegen. Schon daß die Alpen noch da sind, beweist ihre geologische Jugendlichkeit. Der Vorgang der Türmung der Gebirge(vulkanische Ausbrüche oder Bewegung der Erdrinde) und der Vorgang der AbWitterung arbeiten gleichzeitig nebeneinander. Die AbWitterung besteht aus zlvei einander unterstützenden, aber ai, sich sehr verschiedenen Vorgängen, aus Erosion durch fließendes Wasser, das mittels der Geschiebe nur die Rinnen und Talgründo einschneidet und die hineinfallenden Trümmer ausspült, und auS Verwitterung, die die Gehänge abschrägt und die Oberflächen noch der Festigkeit der Gesteine modelliert. In den MuldeNfalien des Juragebirges liegen noch Reste vo,« Molasseschichtcn. Tie Molasse(Sandstein) ging einst über den ganzen Iura hinweg; sie ist von den Ketten abgewittert. Dies«! Kette» tvären sonst noch einige hundert Meter höher. In den Alpen zeigen die nördlichen Ketten(Säntis-Pilatus) ähnliche Er- scheinungen. Schon hat die Verwitterung tiefer hinein abgetragen und die Platten der festeren Gesteine aas den weicheren Massen herausgeschält. Davon rühren die scharfen Formen dieser Bergs her. Der Mürtschenstock ist nur noch eine mauerförmige Ruine von einer etwa 600 Meter mächtigen Kalksteinplatte, die sich einst bis ins Rheintal fortsetzte. Ueber dem Tödi fehlen die Bifcrten- stockkreide, die Glarnerschiefer, der Sernifit des Kijrpsstockes, dt» 856— LMrtschcnacsteme und die Churfirstengesteine«nd noch mehr, zu- sammeil über 400 Meter. Das Finsteraarhorn entspricht der höher gelegenen Basis des Tödi. Ueber seinem Gipfel fehlen 5000 bis K000 Meter Gestein. Aus diesen und vielen anderen Beispielen geht hervor, daß das. was in den Zentralalpen heute noch über Meeresspiegclniveau hervorragt, kaum ein Fünftel dessen ist, was einst über Meer aufgestaut loar. Vier Fünftel sind abgewittert. Ursprüngliche Oberflächengestalt ist nirgends mehr zu finden; alle jetzige Oberflächengestalt ist aus einem ursprünglich mächtigeren, plumperen Gebirgskörper durch die AbWitterung herausmodelliert worden. Die Berge sind die zwischen den Talfurchen gebliebenen Siuinenreste. Wo liegt nun aber der Schutt? Die Molassekonglomerate von Rigi, Roßberg und Speer, die Molastesandsteine des schweizerischen Mittellandes bis über Jura und Rhein hinaus sind die älteren Abschwcmmprodukte. Die Rhcmcbcnen von Basel bis Holland, die Poebenc, das Rhoncdelta und die Donauanschwcmniungen bis ins Meer hinaus sind viele Hunderte von Metern dicker Alpcuschutt, und ausgedehnte Ablagerungen am Grunde der Meere um Europa herum aus diluvialer und jüngerer Zeit sind zu einem großen Teil ab- geschwemmter Verwitterungsschutt aus den Alpen... Greift das sanderfrestende Meer an ein Gebirge, so erzeugt es Steilküste, die ■immer einwärts greift, und alles, was über das Meercsnivcau ragt, wird zerstört, abrasiert von der Erdoberfläche und mit jüngeren Mcerabsätzen bedeckt. Der Feftlandstod des Gebirges läßt als Leiche ein welliges Hügelland zurück, der MeercStod einen untiefen Mecrgrund, der später wieder Festlandsebene werden kann. Der Harz ist ein Rest eines gewaltigen Alpengebirges, das von den Ablagerungen der Triaszeit, also um drei bis vier geologische Perioden früher als die Alpen aufgefaltet worden war. West- und Osttcil ist vom Meere abgetragen; der noch vorhandene mittlere Ouerwcst zeigt die tiefgehende Faltung quer zu dem noch gcblie- denen Rumpf verlaufend. Der Ural ist ein Rumpfgebirge, das von Osten her durch das sibirische Tertiärmeer abgetragen und in seinen vom Meer verschonten Resten zu Hügelland zusammengeschwunden -ist. Der Schwarzwald zeigt in seinen tieferen Teilen ebenfalls die Faltenstruktur und die aufgerichteten Schichten eines früheren Kettengebirges von alpinem Charakter. Dann ist alles abgewittert und abgetragen worden und das Land in der Triaszeit unter Meer versunken. Erst nach der Jurazeit tauchte es wieder auf und stieg langsam zum jetzigen Plateaugcbirge auf. An Stelle eines ab- gestorbenen Kettengebirgcl bat sich hier ein neues Gebirge anderer Art erhoben. Schweden, Finnland, Schottland, die Ardennen, die Bretagne, der Taunus zeigen ähnliche Erscheinungen. Sie alle sind Zn ihrer Faltung viel, viel älter als die Alpen und fast ganz von Abwittcrung abgetragen. Physikalisches. Die Bestimmung der Temperatur von Himmelskörper in war das Thema eines Vortrage?, den Prof. Schaum-Lcipzig kürzlich in der Treptower Sternwarte hielt. Temperaturen pflegt man mittels Thermometer zu mcsten, die man für weite Meßbereiche und zu hoher Vollkommenheit aus- gebildet hat. Für hohe Temperaturen kommen in erster Linie die Gasthermometer in Betracht, bei denen die Ausdehnung einer Gasmasse(Luft, Stick, oder SBasscrstoff) als Maß der Temperatur benutzt wird. Diese Thermometer finden eine Grenze ihres Meß- bereicheS in der Widerstandsfähigkeit der Gefäßwandungen gegen Wärme. Mit ihrer Hilfe kann man unter Anwendung von Iridium bis zu 2000 Grad kommen, man bleibt also weit unter den höchsten Temperaturen, die schon auf der Erde vorkommen. Die Hitze im elektrischen Lichtbogen beträgt 4000 Grad. Auch andere Tcmperaturmcßmethoden, z. B. die auf elektrischen Wider- istandsbestimmungen beruhenden, kranken daran, daß man mit ihnen keine Temperaturen messen kann, die über den Schmelzpunkt der zu ihrem Aufbau erforderlichen Materialien hinausgehen. So hohe Temperaturen hat man daher auf andere Weise zu be- stimmen gelernt. Man benutzt zu diesem Zwecke die Kenntnisse, die uns die Physik über die Strahlung der Körper gelehrt hat. Mit deren Hilfe haben wir das Studium der bloßen Scktätzung der Himmels- körp-r überwunden und sind in daS der wirklich wissenschaftlichen Bestimmung durch Messung eingetreten. Die Schätzungen der Sonnentemperatur lagen früher zwischen 4500 und mehreren Millionen Gradl Die verschiedensten Meßmethoden haben aber für die Sonne sehr nahe übereinstimmende Resultate gezeitigt und ergeben, daß die Sonnenoberfläche etwa 5500 bis 6000 Grad heiß sein muß. Die Sonne gehört zu den gelben Sternen; eS gibt aber auch rote und weiße Sterne. Die besagten Gesetze »ehren nun, daß die Farbe der Sterne ganz bestimmte Abhängig. keiten von der Temperatur hat, wie etwa ein glühendes Eisen. daß im heißesten Zustand« weißglühend, im niedersten leuchtend rot ist. Die Messungen typischer Vertreter der Farben unter den Sternen ergab für den weißglänzenden Sirius 7200 Grad, für die gelblich-toeiße Wega 6000 Grad, für den roten Aldebaran L500 Grad und für den dunklen Arcturus 2100 Grad. Ei handelt sich hier aber nur um die Oberslächenten, peratur; die Kerne dieser Sternkörper haben fsther Temperaturen von Millionen Graden.— Aber nicht bloß die selbstleuchtenden Himmelskörper können auf diese Weise uniersucht werden, sondern auch die im erborgten Lullt leuchtenden Planeten. Verantwortl. Redakteur: Albert Wachs, Berlin.— Druck u. Verlag: Scbacb. Unter Leitung von S. Alapin. C. C. 0. ab ede t g h Weiß zieht und gewinnt. Schachnachrichten. Dr. Ein. Laskcr und I. Capablanca stehen in Verhandlungen über einen Wettkampf um die Weltmeister« schaft.— Im Februar 1912 soll in San Sebastian ein internatio- nales Turnier beginnen. llnregelmätzige Eröffnung. Die nachstehende Korrespondenz- Partie, in der der berühmte, seither nen'Iorbrne Schachtheoretiker Dr. Max Lange die schwarzen Steine südrss wurde zwar schon vor vielen Jahren gespielt, ist aber wenig bekannt. Sie wurde zur Ausprobierung der damals fast ganz unbekannte» Eröffnung gespielt. )r. Max Lange f o7— oö S. Alapin 1. o2— e4 2. Sgl— e2..... Diese Eröffnung beißt seither„Ala- PinZ Eröffnung". Sie ist korrekt und bietet siir Schwarz mehrere Herein. fälle, die wir zur Instruktion unserer Leser in den nachstehenden Glossen kurz andeulen: 2...... Sb8— cO Am besten gilt folgende Vcrteidi- lN'ng-2..... Sg8— f6; 3. kS— kl. Sf6X®4(Oder 3..... ofl; 4. 8X14, 8X«4?! 5. De'2, Do7; 0. Sd5, Do5; 7. Sb c3, c6; 8. d4! und ge« winnt); 4. dZ— d3, Sb4—c5(Oder 4..... Dh4t?; 5. g3, SXg3: 6. 8X3. ef4; 7. Dh5 1, De7+; 8. So2, gC; 9. vk3, g5; 10. h4;c. Weiß gewinnt); 5. f4Xe5, d7— d5; 6. d3— d4. Sc5— e6 1(Der Zug ist von A. R u d i n st e i n. Aus das plausible 6..... 8s4; 7. Sd2. f5 folgt 8. 3X3. fX©l: 9. Sf4 und «eitz steht besser, z. B. 9..... Lfö, 10. Le2 nebst evnt. Lg4 2e.); 7. Lei — e3. o7— o5; 8. c2— o3, Sb8— c6; 9. g2— g3, Lf8-e7; 10. Lft— g-2, c5Xd4; 11. c3Xd4. 0-0; 12. Sbl — c3, Se6— c7; 13. 0—0?e. Annähernd gleiches Spiel. Zur Kenntnis der Eröffnung nach. stehend einige andere bemerkenswerte Fortsehungen: 2..... Lf8— c5; 3. d2— dl(Oder auch 3, c3); 3..... 8a«— kS(Sc6 ergibt„Schottisch"); 1. Sdl— b3, Sf6Xel; 5. LÜ-dS, Dd8— s?(Beim Nehmen auf 12 geht eine Figur verloren); S. Ddl— e2 (0-0 l). Lf8— blf; 7. e2-e3. Sei — c5;8. Lol-e3, SdSXdSf; 9 De2 Xd3, Lbl— d6; 10. Sbl— d2-c. Aeiff hat guten Angriff für da» Bauernopfer. Oder 2..... f7-f5(2.... d5; 3. oXdö. DXdö; 4- Sb c3, De6; 5. dl, edl; 6. 8b5 2c.); 3. olXß, 67— dö; 4. d2— dl. eS— o4; 5. So2 — g3, Sg8-f6; 6. Lei— gö. Lf8— e7; 7. Sg3— ho, 0-0; 8. LgSXkS nebst evnt. g2— gl. Weiß steht gut. Erwähnt sei noch folgender Herein. fall: 2.... Sffi; 3. kl. eil; 4. SX». Do?; 5. Le2, DXel; 6. 0— 0, LcSf; 7. Khl, 0— 0; 8. Sc3, Deo fmu d2— dl zu parieren); 9. 863, De7, 10. SXL, DX3: 11. dl, Da5; 12. TXS:, gXfS; 13. Lh6, Te8; 11. Ld3, 66; 15. Df3. Weiß gewinnt.— 3. d2— d4..... Oder auch 3. 8bc3, Lc5(sonst 12— kl): 4. Sa4 20. 3...... D(38-h4 3..... edll; 4. 8X61. Sf6! je. ergibt„Schottisch". 4. 64-65 Lf8— c5 5. So2— g8 Sc6— e7 6. Sbl— 62 Dh4— f6 7. 52-53! Df6-h4 8. 862— b3 Lc5— b6 9. 65-66 So7— c6 10. c2— c4 c7X66 11. D61Xd6 Sg8— 56 12. KelXdl! S56-h5 ES drohte SgO— foXglf. 13. Sg3— 55 Dh4— 68 1 Auf 13..... V52? gewinnt der Problcmzug 11. Oa3Il wegen 14.... I.e7(eS drohte S66f); 15. Le3 mit Damengewinn. 14. g2— g4 g7— g6 15. S56— e3 Dd8— 56 16. D66XW Sh5Xf8 17. c4— c5 I Lb6— 68 18. Se3— c4 67—66! Beachtenswert ist: 18..... Lo7; 19. Sd6t, LXS; 20. oXd6, b6; 21. I.bS, Tg8; 22. Lg5 2c. 19. Sc4— döf Ke8— e7 20. g4— g6 21. s4XaS 22. L51— c4 1 23. Sb3Xc5 24. Sc5— v4f 25. Lei— 62 26. a2—»3 27. 65— döf 28. Ld2— c3 29. Lc3Xe5 30. Se4— 56 31. g5Xk6! 32. Tal— ol 33. Lc4— b5 I 84. Tbl— el 856-67 ScO— b4 Sd7Xo5 Ke7Xd6 Kd6— e7 a7— a5 Sb4— a6 Ko7— 58 h7-he I Tb 8— h7 Ld8Xf6 Lc8— 67 Sa6— b8 Sb8— c6 f Th7— h8 Etwas besser war Td3. Der Text- zitg ermöglichte folgenden glänzenden Schluß: 35. LXS. l-Xl-; 3«. TXL. bXoS-: 37. 67, Td8; 38. Ld6t,KgS; 39. TeTI, gol; 40. Kc2, Kh7 4L Kc3!. Kg6: 42. Ko4. KXkß; 43. Kc5, hö; 44. KXc6, g4; 45. kg, hg; 46. Tc2, Kg6; 47. Lei, TaS; 48. b4. Schwarz gab auf. vorwärtsBuchdruckerei u.Verlagsanstalt Paul SingersiCo., Berlin 8VV.