Unterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 14. Sonnabend den 20. Januar 1912 tNachdruck verdolea.) 14] pelle der Gröberer. Der große Kampf. Noman vonMartinAnderfenNexö. Aus einem Bretterstapel heraus drang ein ersticktes Brüllen und der Laut von Schlägen. Pelle wollte abbiegen, Per Kofod aber krallte ihn fest, packte ihn beim Arm und zog ihn mit sich. Drinnen zwischen den Kohlenstapeln waren drei Kohlen- arbeiter im Begriff, einen Kameraden zu prügeln. Er schrie nicht, sondern brüllte wie erstickt jedesmal, wenn er einen Schlag erhielt. Das Blut floß ihm über das Gesicht. „Como onl" rief Per Kofod und zog die Hosen in die Höhe: dann stürzte er sich mit einem Brüllen in den Haufen hinein und fing an. drauflos zu dreschen. Es war wie eine Explosion mit nachfolgendem Steinregen. Der Heulpeter hatte da draußen gelernt, seine Kräfte zu gebrauchen. So konnte nur ein Seemann drauflosprügeln. Es war unmög- lich zu sagen, wohin die Schläge fallen würden: aber sie saßen alle. Pelle stand einen Augenblick da und riß Mund und Augen auf über diese Unbändigkeit. Dann stürzte auch er sich in die Prügelei, und die drei Arbeiter machten sich aus dem Staube. „Zum Teufel auchl Warum hast Du Dich da hinein- gemischt?" sagte Pelle ärgerlich, als es überstanden war und er dastand und sich seinen Kragen zurechtzupfte. „Das weiß ich nicht," erwiderte Heulpeter.„Aber es tut einem wohl keinen Schaden, wenn man sich mal ein bißchen rührt." In der Hitze des Kampfes hätten sie den Ueberfallenen beinahe vergessen: der lag zusammengesunken am Fuße des Holzstapels und gab keinen Laut von sich. Sie stellten ihn wieder auf die Beine, mußten ihn aber aufrecht halten: er stand so schlaff da. als schlafe er. und die Augen glotzten sie dumm an. Ein schweres Schnarchen ging von ihm aus. und bei jedem Atemzug bildete das Blut zwei rote Blasen vor seinen Nasenlöchern. Bon Zeit zu Zeit knirschte er mit den Zähnen, dann verdrehten sich die Augen und das Weiße schimmerte unheimlich in seinem kohlengeschwärzten Gesicht. Der Seemann schalt ihn aus, und das half insofern, als er nun auf den Beinen stehen konnte. Sie zogen einen roten Lappen aus seiner offenstehenden Jackentasche und trockneten ihm das schlimmste Blut ab.„Was für einer bist Du denn, zum Teufel, daß Du keine Ohrfeige vertragen kannst?" sagte Per Kofod. „Ich Hab ja gar nicht geschrien." sagte der Mann lallend. Seine Lippen waren zu einem Rüssel angeschwollen. „Du hast aber auch nicht wiedergeschlagen! Du siehst doch aus. als hättest Du Kräfte genug. Entweder langt man selbst um sich, oder man schreit so. daß andere herzukommen können. Verstanden, Kamerad?" „Ich wollte die Polizei nicht dahinein mischen: denn ich hatte ja Prügel verdient. Sie schlugen bloß so verdammt doll, und als ich fiel, brauchten sie meine Holzschuhe zum Schlagen." Er wohnte in der Saxogade. und sie nahmen ihn jeder unter einem Arm.„Wenn ich nun bloß nicht krank werde!" stöhnte er von Zeit zu Zeit.„Ich bin wie Mus und Grus inwendig!" Dann mußten sie stehen bleiben, während er sich erbrach. Da war eine Firma, für die er und die Kameraden nicht mehr löschen wollten, weil sie den Arbeitslohn herabgesetzt hatte. Sie waren ihrer nur vier, die diese Arbeitsverwcige- rung durchsetzen wollten: aber was konnte das nützen, wenn andere sofort ihre Stellung einnahmen. Die vier konnten her- umspazieren und die großen Herren spielen, weiter kani nichts dabei heraus. Aber natürlich, er hatte sein Wort gegeben, und darum hatte er auch nicht wiedcrgeschlagen. Tie drei hatten anderswo Arbeit gesunden, und da ging er wieder zu der Firma hin und kroch zu Kreuz. Warum sollte er auch müßig umhergehen und den Tag totschlagen, wenn die zu Hause nichts zu essen hatten? Er verstand sich den Teufel auch auf das neue Wesen: aber Verrat war es ja, denn er hatte ja sein Wort gegeben. Sie schlugen bloß so verdammt doll und stießen ihn mit den Holzschuhen in die Magengrube. So fuhr er fort zu fabeln, wie ein Delirierender, während sie mit ihm abzogen. Bei d;r Sarogade wurden sie von einem Schutzmann angehalten, aber Per Kofod erzählte ihm schnell eine Geschichte, daß der Mann die Löschgerätschaften an de» Kopf gekriegt habe. Er wohnte oben unter dem Dach. Als sie aufschlössen, richtete sich eine Wöchnerin in dem eisernen Bett auf und starrte sie entsetzt an. Sie war blutlos und mager: als sie den Zustand des Mannes sah, brach sie in herz» zerreißendes Weinen aus.„Er ist nüch.'ern," sagte Pelle, um sie zu trösten,„er ist nur ein wenig zu Schaden gekommen!" Sie brachten ihn in die Küche hinaus und badeten seinen Kopf über der Abwasche mit kaltem Wasser. Aber mit Per Kofods Hiilfe sah es nur sehr schwach aus: jedesmal wenn das Weinen der Frau zu ihnen herüberdrang, hielt er Hilfslos inne und wandte den Kopf dem Ausgang zu. und plötzlich warf er das Ganze hin und stürzte kopfüber die Hintertreppe hinunter. '„Was war das eigentlich mit Dir?" fragte Pelle ärger- lich, als auch er herunter gekomnien war. Per Kofod stand unten vor der Haustür und wartete. „Du hast am Ende nicht gehört, daß sie Gesangbuchvcrse sang. Du Rindvieh! Aber das hast Du doch woll gesehen, daß sie ganz aufrecht im Bett saß und wie Wachs aussah? Es is 'ne Schweinerei,'ne infame Schweinerei! Und er hat doch auch nicht nötig, sie zum Weinen zu bringen. Ich hatt' die größte Lust, ihn durchzudreschen, so windelweich wie er schon war. Zum Teufel auchl Was braucht' er sein Wort zu brechen?" „Weil sie hungert. Per!" sagte Pelle ernsthaft.„Das kommt hier in dieser verdammten Stadt häufig vor. Per Kofod glotzte ihn an und pfiff.„Pfui, Satan! Frau und Kind, und die ganze Geschichte ohne Eisen, was? Und im Wochenbett. Sie waren ja eben verheiratet, das konnte man ja sehen! Pfui Deubel! Solche Flitterwochen, nee, so'n Unglück!" Er stand da und wühlte ganz tief in seiner Hosentasche und holte eine Handvoll heraus: Kautabak und Staubflockeu und Strcichholzstinmneln und mitten dazwischen einen ver» knüllten Zehnkronenschcin. „Ja, wahrhaftigen Gott," rief er aus und fischte den Zettel heraus.„Ich glaubte, die Mächens hätten mich über Nacht ganz blank gemacht. Ach, Pelle, geh Du'rauf und er- zähl' ihnen irgend'ne Geschichte: ich selbst kann es nich gut; denn siehst Du. wenn ich die Frauenzimmer recht kenne, so hört sie in den ersten vierundzwanzig Stunden nicht auf mit Weinen. Das ist der letzte Rest von der Heuer. Aber— ach was— scheiß— morgen gehen wir ja in See!" „Sic hörte zu weinen auf, als ich mit dem Geld kam." er- widerte Pelle, als er hinunter kam. „Na, denn war es ja nur gut. Wir Seeleute sind schlimme Biester, weißt Tu: wir verrichten unsere Geschäfte auf Por- zellan und essen unsere Butter auf dem Teereimer, aber darum sind wir doch— denn ich will nun mal sagen, ich hätt' mich nich um die Sache gekümmert und hätt' mir heute abend für das Geld'ne süße Nacht gemacht----" Per Kofod schwieg plötzlich: er kaute auf dem Priem, als setze er seine schwierige Philosophie inwendig fort.„Scheiß noch mal und morgen gehen wir in See!" sagte er plötzlich. Sie gingen nach dem Alleenbcrg hinaus und setzten sich in den Garten. Pelle bestellte Bier.„Ein l?aar Seidel kann ich wohl spendieren, wenn ich einen guten Kameraden treffe," sagte er. „sonst spar ich aber wie besessen. Ich muß sehen, daß ich meinen alten Vater hier herüber kriege: er ißt daheim das Gnadenbrot." „So? Dein Pater lebt noch? Ich kann ihn mir noch so deutlich vorstellen. Er hatte eine Zeitlang eine Liebschaft mit Madame Olsen, aber dann kam Bootsmann Olsen unerwartet nach Hause: sie glaubte, er wäre draußen geblieben." Pelle lachte. Es war viel Wasser ins Meer gelaufen seit jener Zeit. Jetzt schämte er sich nicht mehr über Vater Lasscs dummen Streich. � Ringsumher aus den Zelten im Garten strahlte Licht. Junge Paare sanierten umher und ließen sich wahrsagen, versuchten sich am Glücksrad oder ließen ihr Bild von den Silhouettenausschneidern anfertigen. Beim Karussell wir- betten Kreischen und Musik und Unterröcke bunt durchein- ander. Hin und wieder erhob sich ein mächtigek' Ausrufer mit seinen Wunderschrecknissen über das Ganze, und vom Sängerinnenpavillon hörte man die gesprungenen, ange- strengten Stimmen früherer„Sterne". Kleine, jämmerliche Lebemänner kamen atemlos daher, drängten sich durch die Volksmenge und verschwanden in dem Pavillon, dem Mann an der Billettklappe vertraulich zunickend. „Hier ist es eigentlich ganz nett," sagte Per Kofod.„Ihr habt das doch verdammt gut an Landl" In dem breiten Gang unter den Bäumen schlenderten Soldaten und Lehrlinge und junge Arbeiter, hin und wieder wohl auch ein Student auf und nieder, hin und her, und lugten zu den Dionstniädchen hinüber, die sich zu beiden Seiten ausgestellt hatten und Arm in Arm in kleinen Gruppen da- standen. Die Augen schickten manch eine Botschaft hin und her, ehe man stehen blieb und ein Wort sagte. Vielleicht wandte sich das Mädchen ab, dann war die Geschichte aus. und der Jüngling begann seine Künste wieder von vorn. Vielleicht flog sie auch mit in eine der geschlossenen Lauben hinein, um Kaffee zu trinken, oder hinüber nach dem Karussell. Da waren noch mehrere von da drüben aus der Heimat. Jedesmal wenn Pelle die sichere Stimme des Bornholmer Mädchens hörte, regte sich sein Herz, wie ein Vogel, der auffliegen will. Plötzlich fiel ihm sein Kummer ein. Ich hätte wohl Lust, heute abend auf die ganze Geschichte zu pfeifen. Sieh mal die Beiden, Perl" Da standen zwei Mädchen Arm in Arm an einem Baum, ganz in der Nähe ihres Tisches. Sie wiegten sich einander entgegen und sahen wieder und wieder zu den beiden jungen Leuten hinüber. «Fortsetzung folgt.) Das„clunkeifte" �onctan. Tin neuer Prozetz schiebt da-Z Oftende der Tbemsestadt wieder in den Vordergrund des öffentlichen Jntereffes. Meier Abromovitch, ein rusfischer Gemüsehändler, soll den Go.stwirtsbesiyern«alomon und Annie Millstein in den frühen Morgenstunden Mittwoch am 27. Dezember den Garaus gemacht haben. Die Zeugenschaft ergab, daß im Souierain des Gewölbes Hazardspiele vor sich gingen— am Morgen des 27. fand man das Ehepaar in einem rückwärtigen Schlafzimmer tot liegen. Die Schlafkainmcr brannte lichterloh. Der Angeklagte, der inzwischen schwer erkrankt ist, leugnet die Be- schuldigung. Der Londoner möchte am liebsten nie etwas von Tastend hören. Zu gewöhnlichen Zeiten scheint eS überhaupt nicht für ihn zu existieren, aber jetzt ist neuerdings lein Interesse dafür ausgeflammt. Er empfindet nagende Gewissensbisse über das bisherige„laissez faire, laissez passer'-Stjftem. Er gelangt zur Ueberzeugung, daß man diesen mit Eiterbeulen bebasreten Körperteil endlich einmal gründlich ausheilen sollte. Diese hiiliianitäre Stimmung hält allerdings nur so lange an, als der Prozetz dauert. Sind die Gerichtsverhandlungen einmal vorbei und hat die hohe Justiz den Urteilsspruch über den Angeklagten Abromovitch gefällt, so nehmen die Dinge wieder ihren gewöhnlichen alten Lauf.... Das ist um so merlwürdiger, als man aus der City, dem Herzen der Hauptstadt, im Amobus in kaum fünf Minuten mitten in das Elendviertel hineingerät. Zunächst geht es durch HoundS- d i t ch, die„Hundsgnibe", Anno darumal der Schindanger der Londoner Hundeschafl; jetzt aber trägt HoundSditch ein durchaus modernes Gepräge, friedliche Nürnberger Svielioorengeschäfle reihen sich aneinander, woraus die dortigen Haunerer ihren täglichen Bedarf decken. In die eigentliche Tiefe der.Hunds« grribe" müffcn wir geraten, ehe das wahrhaft Jntereffante anfängt. Ww befinden uns dort auf einem Trödelmarkt. w,e wir ihn noch nie geschaut. Die.Alte Kleiderbörse" grüßt und. Ihr Vorrat könnte wohl die ganze Welt versorgen. Ein paär Schritte weiter, und Berge von Unter wüsche. Binden. Hosen- träger» türmen fich vor uns auf. Berge, die uns den«tcu, rauben Von allen Seiten gellt und joblr es:.Für zwei Schilling, nur zwei Schilling ein Paar Hosen, ein Paar Hosen, wunderschöne Hosen für zwei Schilling, nur zwei Schilling I' Wonach wir gleich in die S ch u h w e l t geraten. Wenn wir uns nicht läuschen, hat sich hier alles Schuhwerk aus der weiten Erde ein Rendezvous zu einem Massenmeeting gegeben. Ohne daß wir wissen wie, treiben uns die spülenderr Menschen- wogen durch Winkelgassen in ein Viertel, wo wir uns tausend Meilen weg von London, wo wir uns im Orient wähneil. Das ist die be- rühmte Petticoat-Lane, die»Uiuerrocksgaffe'. Offiziell fcheim sich diese schmeichelhafte Bezeichnung keiner besonderen Beliebtheit erfreut zu haben, weshalb man sie tn Middlefex Street umtaufte. Die Unigebung aber nennt das Kind stets beim alten Namen. Sie ist beim Unterrock geblieben und spricht in aller Ebrerbiewng nur von Petticoat Lane. Und diese Ebrfurcht wird uns ganz verständlich, wenn wir die Lane betreten, die ganz eine Welt für fich bedeutet. Denn schon am Eingang schlägt ein solches Kauderwelsch, ein deraniger Mischmasch von Tönen und Sprachen an un'er Ohr, eine derartige Unmasse der verschiedensten Eindrücke betäubt Hirn und Auge, derarlige Düfte beleidigen den Geruchssinn, daß es uns zuerst an jeder Sammlung gebricht. Rur nach und nach nehmen die Dinge wieder festere Formen für unS an. und wir wollen es wagen, ein Bild hiervon zu geben, so gut und schlecht es eben geht. In erstickender Enge zieht fich die Lane bin. Die Häuser scheinen in die Wolken zu ragen, sie find erdrückend bleigrau. Ein endloser Schwärm von Gaffern. Weibern. Kindern. Käufern. Malroi'en, Soldaten aus Stadt und Land flutet im wüsten Wirbel auf beiden Seiten durcheinander. Offene Oclflammen züngeln aus duiilcln Kandelabern und spielen auf den Gesichtern der Vorbei» wallenden her und hin. Eine furchtbare Katzenmusik erfüllt die Luft, wenn überhaupt von Luft in der Lane die Rede sein kann. Da ichrillen ineinander die Mitzklänge von Weckerubrglocken. Bicyclesignalen, guiekenden Grammophonen. Darein mischen sich Pistolenpeknaller, Malroicn- und Soldatenflüche, Anpreisungen von Händlern, schwnng» volle Ansprachen der Versteigerer, wüstes Gebeul von Hausierern. dröhnendes Gelächter der Zuhörerschasl. Versuchen wir es. einige Rufe aufzufaiige«.„Goldene Uhr. echte goldene Uhr!"—.Herr- liche grüne Erbten, grüne Erbsen, gekocht, nur einen Penny, einen Penny, einen Penny l"—.Königliche Pelze, echter Pracht» voller Hermelin—.Hutnadeln!"—.Früchten-Geleel"— .Album« I"—.Bild de« Königs und der Königin nur einen Penny!'—.Köstliche Austern, der Teller für einen halben Penny!'—.Unzerbrechlicher Kamm und Spiegel, Penny, Penny, Penny!"—.Notizbuch mit Bleistift, Bleistift und Notizbuch"—.Trinkt den sützen Lilör von Levy I'—.Opern- gucker in allen Preislagen!"—.Grandiose Entdeckung aus Wales, Heilung aller Brustübel, Heilung von Asthma, Austen, Bronchitis. Siechen. Kommen Sie zu mir. kommen Sie zu mir. Sosort soll mich der Schlag treffen, sollten Sie finden, ich hätte Sie betrogen I' —»Melonen, saftige Melonen, die Sckmiltc nur einen Penny!"— .Gute Ubr, goldene Uhr, fünf Schilling, bitte nur fünf Schilling!' —.Kitzliche Geschichten, kitzliche Geschichten für einen Penny!'— .Hosen, Lederhoien. Unterhosen, alle Hosen der Welt nur bei Cohen!' —.Limonade. Limonade, sütz und herrlich, nur einen Penny!'— .Lesen Sie den.Tägliche» Lügner'(das Blair gegen die»Daily Mail'j l'—.Kaufen Sie Schokolade und Süßigkeiten für Jhre Ge- liebte I' So wird gejohlt, gefeilscht, gegesien, getrunken, gesungen! So drängen sich verschiedene Welten durcheinander Don Schauen wir bejahrte Juden in weilen Gebctmänteln, die sie preisbieten. Am Markte halten die starkbeleibten Hausmütter Gemüie, Obst und Fische feil, in unnachahmlicher Hallung schreiten Judenmädchen mit kohlschwarzen Augen und prächtigem Feuer im Blick an uns vorüber. Wohin wir den Blick schweifen lasien: Ueberall Charaktergestalten, wie wir sie nur auf alten Gemälden bewunder». Wir ziehen zu einer Gruppe weiter. DaS sind die Sulrionäre. Die zappeln wahrhaftig an Händen und Füßen. Sie brüllen fich so heiser, daß wir denken könnten, sie über- lebten eS nicht mehr.»Going, going, going, gone', erklärt der Versteigerer und klopft mit seinem Hämmerchen noch etwas wie eine Besläligung hinzu, nachdem er seinem Jungen vom Lande eine wenlose Uhr zu einem beträchtlichen Preise angehängt bar. Diese Versteigerer flößen uns einen gewalligen Respekt ein. Mit einem Blick angeln sie ihr Opfer auS der Menge. Man kam« von diesen Psychologen viel lernen. Aber vielleicht noch köstlicher sind die.Zahnärzte". Wer einen böten Zahn hat. dem wird er dort gratis gezogen I Wenn diese erbauliche Operation statt- findet, sammelt fich natürlich stets eine Menge um den Dollar und seinen Patienten. Höchst ergötzlich gestalte, sich die Srene, wenn zuletzt der Arzt sein Oprer auch noch beschenlt. Manche Knäblein erhalten auf diese Weise vom Dottor Pülvercheu und oft noch Geld für Süßigkeiten. Auf diese Weise bnugl der Quacksalber Pillen, Mixturen und sonderbare Tränklein an. Und mancher Ziischaner be- neidet dann den Glücklichen, dem ein Zahn gezogen worden... Wenn wir ein paar Straßenzüge noch tiefer ins Ostend hinein- ziehen, gelangen wir auf eine sonderbare Stätte, wo es aus allen Ecken und Enden gackert und winselt Da find wir am Hunde-, Katzen-, Tauben- und Hühnermarkt,„Club Row" geheißen. Man sieht viel Trauriges, viel erdrückend Melancholisches in London, aber io kläglich dreinschauende Hunde wie hier kann man weit und breit suchen. Wir wußten vorher nicht, daß eS unter den Hunden genau so wie unter den Menschen eine Aristokratie und ein Pro- letariat gibt. Hier haben wir wohl die erbärmlichsten Proletarierhunde vor uns. Es gibt stachelige Zungen, die vor der bösen Bebaupmng nicht zurückickieuen, es wären hier lauter gestohlene Hunde beisammen. Tatsäckilich spricht etwas Derartiges aus den Augen der armen Tiere. Bielleicht stehen ste wirklich unter dem furckitbaren Bewußtsein des verschachcrtwerdenS Ja, manche stachligen Zungen versteigen sich noch weiter, fie wollen behaupten, in Petticoat Lane und in Club Row kämen überhaupt nur gestohleile Dinge auf den Markt. Aber ein Herr, der neben mir stehend die Hunde- geseflschaft betrachtet, hat eine noch boshaftere Zunge und meint: „Wenn Sie etwas in Petticoat einlaufen, so geiltneht eS leickn. da st Sie beim Rachhausegehen einen Griff in Ihre Tasche tun und finden, man hätte Sie nach dem Verlaffen der Lane um die eingekauften Sachen— erleichtert. Doch das Eine können Sie mir glauben, selten kommen Sie aus der Lane ganz allein nach Hause!* K. W. kwnger. Von D r. A. L i p s ch ü tz. l. Alle? Leben besteht in Zerfall und Wiederaufbau der lebendigen Substanz. Darum bedarf eS für daS Leben der ständigen Zufuhr von Stoffen, die als Ersatz für die verfallene,.verlebte' lebendige Substanz eintreten. Darum nehmen wir Nahrung auf. Die Nahrung der Trere mutz alle Stoffe entbalten, die im Organismus vor- kommen: vor allem Eiweiß, dann Kohlenhydrate und Fette, Waffer und Salze. Nimmt der Organismus einige Zeit keine Nahrung zu sich, so dast er keinen Ersatz für die im Leben aufgebrauchte lebendige Substanz seines Körpers erhält, so sprechen wir von Hunger. Ebenso, wenn die Menge der Nahrung geringer ist, alS die verbrauchte Körpersubstanz: auch ungenügende Ernährung ist Hunger. Hunger also ist vorhanden, wo ungenügender Ersatz der verbrauchten Körperstoffe stattfindet. Da der Organismus im Hunger keinen Eriay für die oer- brauchte lebendige Substanz bekommt, die ihm in Form der Stoff- wechlelprodukte wie Kohlensäure, Waffer, Harnstoff und anderer Aus'cheiduugsprodukte verlätzt, so ist klar, datz dos Gewicht der Tiere im Hunger abnehmen mutz. Schltetzlich wird die Grenze er- reicht, wo der Verlust an Stoffen so grotz geworden ist, datz der Organismus stirbt: das ist im großen und ganzen der Fall, wenn das Gewicht der Tiere auf 40 Proz. des anfänglichen Gewichtes herabgesunken ist. Das haben Laboratoriumsveriuchs gezeigt, die ein fronzöfiicher Forscher schon vor 60 Jahren angestellt hat. Der Verlust an lebendiger Substanz, an brennbaren organischen Stoffen beträgt dabei noch mehr als 60 Proz., denn der Körper verliert im Hunger weniger an Woffer und an Salzen als an organische» Stoffen, so daß der Körper des Hmigertieres im Verhältnis zu seinem Gesamtgewicht mehr Daffer und Salze enthält, als der Körper des wohlgenährte» Tieres. Ich stellte hier folgenden Versuch an. Eure große Anzahl kleiner Aale wurde in zwei Gruppen geteilt. Die erste Gruppe wurde gleich getötet, und durch die chemische Analy'e wurde die Menge organischer Sloffe ermittelt, die im Durchichnilt auf einen Aal komnit. Die zweite Gruppe ließ ich in gewöhnlichem Leitungswasser in einem Aquarium hungern. Nach sechs Wochen wurden die Hungertiere gelötet, und ihr Bestand an organischen Stoffen wurde ermittelt. Da zeigte eS sich nun. datz. wo das Gewicht der Tiere erst ans etwa 45 Proz. des anfänglichen Gewichtes herabgesunken war. der Bestand an organischen Stoffen nur noch 35 Proz. dcS anfänglichen organi'chen Stossbrstandes betrug. lind doch war damit die Grenze des Lebens noch nicht erreicht I Von meinen ll2 Aalen waren erst neun eingegangen. Als diele neun Tiere, die den Hungertod gestmben waren, auf ihren Bestand an organischen Stoffen untersucht wurden, da hatten fie gar nur noch 23' Proz. des durchschnitt ilchen Bestandes an organischen Stoffen. Diese grohe Anpaffungsfähigkeit zeigt sich auch noch in der Tat« fache, datz die Gewichtsabnahme der einzelnen Körperorgane im Hunger nichl gleich ist; die einen erfahren einen grötzereu, die anderen einen geringeren Gewichtsverlust. Schon seit langen Jahren kennt man hier die bezeichneten Vcruche von Voit. Als Bcr'uchs- tiere dienten ihm Tauben ein und desselben Beleges. Eine Anzahl von Tauben wurde getötet und ihre Organe einzeln gewogen. Eine zweihe Gruppe von Tauben lictz Voit hungern. Als sie den Hungertod gestorben waren, wurden auch ihre Organe einzeln ge« wogen. Aus einem Vergleich beider Zoblenrcihen ergibt sich dann die Gewichtsabnahme der einzelneit Organe. Do zeigte es sich, datz das Fett beinahe ganz geichwunden war. von den Muskeln etlva 40 Proz.. voit der Leber etwa 65, von Haut, Nieren und Lungen etwa 25 und von den.Knochen 17 Proz. Vom Nervensystem dagegen waren blotz 2 Proz. geschwunden Es ffndet im vielzelligen Organismns im Hunger ge- wiffermatzen ein Kampf der Zellen untereinander statt. in dem Sinne, datz die einen Zellen, wie z. B. die Nervenzellen, fähig stnd, alle im Organismus vorhandenen Neiervetloffe des Körpers, wie z. B. das Fett, an fich zu reißen und sogar vielleicht auch noch die lebendige Substanz anderer Zellen für sich zu ver- werten wisien. Auch schon bei der Beobachtung einzelliger Lebe- wei'en kann man fich überzeugen, daß nicht alle Teile der Zelle in gleichem Matze in, Hunger schwinden. Zuerst schwinden die weuiger wichtigen keile, dann die Wimperdärchen. und wenn das Protoplasma schon ganz zerklüftcr erscheint, begimil auch der Kern der Zelle zu leiden..Man steht, wie sich die Zelle beim Hunget noch lange gegen den Nniergang wehrt rmd sich bis zun, letzten Augenblick noch die Möglichkeit einer Rettung sichert." sBcrworu: Allgemeine Physiologie.) Man darf nun natürlich nicht annehmet� datz die Zelle das bewußt zu leisten weiß l Oder gar aus den Ge» danken versallen, daß die Nervenzellen nur darum eine Gewichts» abnabme von bl> tz 2 Proz. ur. Hunger erleiden, weil sie eben als Nervenzellen so surchlbar gefcheir sind und so eine plumpe Muskel« oder Lederzelle zu übertrumpfen wiffen. Wir müssen hier vielmehr gewisse chemiiche Mechanismen voraussetzen, die als Anpaffungs» erscheinuug im Laure von Jahrmillionen erworben worden sind. Der Hunger ist nämlich nicht bloß eine Ericheiilung, wie fie der Forscher gewollt im Laboralonumsvenuche beobachten kann. Der Hunger ist eine in der Ralur außerordentlich verbreitete Erscheinung. Man denke vor allem an den Winterschlaf deS Hamffers, des Murmeltieres und anderer. Auch von den Schlangen und von den Amphibien wiffeu wir, datz sie längere Hungerperioden durchmachen. Emen periodisch wiederkehrenden Hunger kennen wir auch bei den Fischen. Sehr bekannt sino hier die Berhältniffe beim Lachs, der sich zum Loichgeschäit vom Meer in den Rhein begibt und dabei monatelang keine Nahrung zu sich nimmt. Neuerdings bat Pros. Raidisch iu Kiel durch die Umeriuchimg einiger tausend Fische sSchollenj gezeigt, daß auch unabhängig vom Laich» geichäft und im offenen Meere ein sehr weitgeheuver Hunger periodisch bei de» Schollen wiederkehrt. Auch die Fiicke. die dauernd im Süßwasser lebe», machen zuweilen, namentlich wohl im Winler. Hungerperioden durch. Ich»urersuchte im Januar frisch» gefangene kleine Karpfen aus einein Berliner Tümpel und fand, datz die Tiere gegenüber gurgenäorten Karpflem. die auch im Fange drin waren, einen Gewichlsnnrersch-.ed von bis 50 Proz. aufwiesen. Als ich gar blotz die organischen Stoffe der noch gur erhaltenen Tiere mit den der verhungerten verglich, da zeigte es sich, datz die Tiere in der freien Ramr bis 63 Proz. ihrer brennbaren organischen Stoffe im Lebensprozeffe verbrauchen, auf einen Bestaild von blotz 37 Proz. beruittersinken können. Also das Ergebnis, das man im Laboralorium fand, bestätigte sich in der freien Nalur sehr wohl. II. Wir haben bisher blotz den Fall betrachtet, wo die Organismen vollkommenen Hunger leiden. Von viel weittragenderer Bedeutung find aber wohl jene Hungerzustände, in denen es dem Organismus an demeinen oder anderen Bestand» teile der Nahrung mangelt, während die anderen in genügender oder iogar übcrichüisiger Menge vorhanden sind. Praktisch wichtig find namentlich die Fälle, wo irgend ein Nähr» stoff, wenn er auch in der Robrung nicht gänzlich fehlt, so doch sür den Bedarf deS Organismus nicht ausreicht. Fehlt Eiweiß in der Nahrung gänzlich, so mutz der Orga» niSmus ichließlich den Hungertod sterben. Der tierische Organismus braucht ihn unbedingt in der Nahrung. Auch bloß nicht vollauf genügende Zufuhr von Eiweiß bedeutet allinählichen Körperschwund. Der Organismns verliert Tag für Tag geringe Mengen von Eiweiß, und schließlich erliegt der sieche Körper leicht irgendeiner äußeren Schädlichkeit. Der direkte Hungerrod ist selten die Folge nicht vollauf genügender Eiweitzzusuur. Es unterliegt gar keinem Zweifel, datz teilweiser Eiweitzhunger in den ärmeren Bolksklassen eine häufig anzutreffende Erscheinung ist. Kohlenhydrate und Fette können in der Nahrung fehlen, ohne datz der Organismus dadurch direkt benachleiligl würde. Sie. können durch bestimmte Mengen Eiweiß in der Nahrung ersetzt werden. Pflüger fütterte dreiviertel Jahr einen Hund blotz mit feltarmem Pferdefleisch und ließ dabei den Hund tage- und Wochen- lang schwere Arbeit verrichlcu. Der Hnnd blieb dabei bei voller Gesundheit. Für den Menichen ist es natürlich nicht zuträglich, eine Nadrung blotz aus Eiweiß zu genießen, er zsehl die gemischte Nahrung vor. Aber je noch Sitte und Gebrauch wird der eine oder andere organische Nährstoff mehr berücksichtigt. So genießen z. B. die Eskimos eine kohlenhydratarme Nahiung, fie befinden sich eigent» lich im Kuhlenhydrathunger und«netzen die Kohlenhydrale reichlich durch Feit. Iii genügender Menge mutz in der Nahrung Wasser vor- Händen sein. Waffer ist eine allgemeine Lebeusbedingnng. 60 bis 70 Proz. unseres Körpers find Woffer: einen Kübel von 50 Liter köiinrc ma» mit dem Wasser eines einzigen Menichen füllen. Ohne Waffer kein Leben: die lebenoige Substanz ist von zähflüssiger Koii'istenz. Auch für den Blut- und Lymphstrom, für die Bildung der Vcrdaunngsiätte, des HariimasKrs. des Schweißes bedars eS des Wassers. ES nimmt der Mensch täglich 1—2 Liter Wasser zu sich. Das Hungen, bei Wafferzusubr ist leichter als ohne Wasser» zufubr. Die Wirkungen des Waffcrhungers, des uubesriedigten TiirsteS kennt ein jeder aus cigeuer Erfahrung. Unter den Pflanzen in trockene» Gegenden treffen wir sehr zahlreich die Erscheinung an. datz die Pflanze über eine vielgestaltige Reihe von Einrichtungen in ihrem Körverbau verfügt, um sich eine« ausreichenden Wassergehalt zu sichern. Von großer Bedeutung ist die Zufuhr von Salzen.� Unser Körper besieht bis zu ö Proz. aus Salzen, auf die Trockensubfianz deS Körpers bere met id. h. auf den Körper nach Verdampfmig des Waffers) find da., bis 20 Proz. Salze. In den ausgclrocknere» Knochen stnd 65 und mehr Proz. Salze enthalten. Schon vor Jahren hat Förster die Folgen drS Salzhungers studiert. Er fütterte zwei Hunde mit den Flei'chriicknänSen die be» der Zubereitung von � Liebigs Fleiichextrakt verbleiben. ES find dann auS dem Fleische . sämtliche Salze— bis ans(einen ganz unbedeutenden Rest— aus- ' gelaugt. Obgleich die Tiere an sämlliche« anderen Nährstoffen, wie Eiweiß. Koblenbhdrate, Fett und Wasser genug Eckamen, starben sie doch nach 2(5 Tagen. Während wir Eier einen vollkommenen Salzhunger vor uns haben, wie er im natürlichen Leben wohl nichi vorkommt, lind von praktischer Bedeutung jene Fälle, wo es sich um den Mangel an einzelnen Salzen handelt. Daran denken immer wieder die Kinderärzte, denn namentlich im Wachstum bedarf es einer Zu fubr ganz bestimmter Mengen von den einzelnen Salzen. Eine Meihe von Forschern hat Tiere in Kalkhunger versetzt, um seine Folgen am wachsenden Tiere zu studieren. Die Hunde dekamen an allen genug, nur nicht an Kalksalzen. Das erreicht man schon einfach dadurch, daß man sie ausschliefe' lick mit Fleisch füttert, das sehr geringe Mengen von Kalk enthält und den Anforderungen des wachsenden TiereS allein nicht geniigen kann. Die Tiere wuchsen trotz deS KalkhungerS un- (verdrossen weiter, bekamen aber krumme Beine, weil die Knochen nicht fest werden konnten— es fehlte ihnen dazu an den nötigen Kalksalzen. In anderen Versuchen, die Prof. W. Heubner lind ich ausgeführt haben, wurden Hunde, die nur noch Muttermilch ge- trunken hatten, in Phosphorhunger gebracht. Sie be- kamen keine phospborsauren Salze und keine Nabrnngsmittel, die viel phospdorhallige Stoffe enthalten, blofe Reis, Hllhnereiweiß, Pflanzenfett und Salze mit Ausnahme der phosphorhaltigen. Der wachsende Organismus braucht aber phosphorhaltiges Material, einmal zum Aukbau der Knochen und dann für das Wachsrmn und die Vermehrung der Körperzellen. ES enthält nämlich der Zellkern phosphorhaltiges Eiweiß, und wenn die Zellen sich teilen und sich vermehren wollen, müssen sie sich neues Phosphoreiweife zimmern können. Trotzdem nun die Hunde um ein Vielfaches weniger an phosphorhaltigen Nährstoffen bekamen. al» eS sich normalerweise gehört, wuchsen sie trotzdem weiter und gwar genau so schnell wie Hunde, denen es an nichts in der Nahrung mangelte. Die Zellen der Musleln deS Gehirns usw. bei den Hunden im Phosphorhunger hatten eS also verstanden, sämtliche ganz geringen Phosphormengen der Nahrung an sich zu reifeen und nicht» für die Ablagerung in den Knocken übrig zu lasten. So konnten die Tiere groß wachsen nnd neue Zellen mit Zellkernen »immern. Nur bekamen sie krumme Beine, weil ihre Knochen weich blieben. DaS ist der.Kampf der Zellen" im Organismus, nur muß man dabei nicht an ein bewußtes Kämpfen oder gar an ein Schlacht« getümmel denken! Die Kinderärzte haben sich schon seit Jahrzehnten gefragt, ob nicht die Knochenerkrankungen, die im Wachstum so häusig ist, die Rachitis oder englische Krankheit eine Folge eine» SalzhungerS, B. eines Kalkhungers sei, zumal man ja rm LaboratoriuinSbestand ei Kalk- oder Phospborbunger Knochenweichheit bei den Tieren er« zielen könne. ES haben aber eingebende Untersuchungen der besten toricher gezeigt, daß d�ese külstlichen Knochenstörungen bei den irren keine englische Kran.geit sind. Einem Kinde, das englische Krankheil hat, kann man mit der Nahrung überreichliche Mengen von den nötigen Salzen verabfolgen, und trotzdem bleiben seine Knochen weich und krank: die Knochensubstanz ist eben unfähig, die Salze aufzunehmen und abzulagern. Die englische Krankheit wird vielnrehr durch die schlechten äufeeren Lebensbedingungen hervorgerufen, in denen die ärmeren Bolksklaffen leben: durch Mangel an frischer Lust, durch Mangel an Sonne und Licht, an guter Pflege.__ Schach* Unter Leitung von S. Als Pin. I. Dölau. ab od« ffb I; Weiß zieht und gewinnt. Lösung. sObige» Diagramm. Ein schlvierigeS und inter- «ffanteS Endspiel.) 1. KAI. Dg8(1...... KgS; 2. DXDf, KXD; 8. Kd8): 2. Dd6I(Der einzige Gewinnzug.) 2..... Df8I (Die Haupwcrleidigung von Sckwarz besteht in Pattko.nbinationen.) 8 vdb I, Kh8; 4. DeS, Kg8(es drohte evenl. DeS); 5. De7!; Kh7; 6 Dd6 i, DaS; 7, Ke7. Db8; 8 Dc6, DaS; 9. Dc71, Db8 'Veraniivortl. Redakteur: Albert Wachs, Berlin.— Druck u. Verlage (g...... KgS; 10. DdSf, Kh7; IL Ke8, Delf; 12. Kf8, DMf; 18. De7, DbSf; 14. DeS. Dblf; 15. KXf7«.); 10. DdÖl, DbS (10...... Db7t; 11. KfS it.); 11. Dd7I, Do4; 12. KfS, KhS; 13. DXf7, Do5t: 14. De7, DcSf; 16. DeSI, Dd7; 16. De5!, Dc7; 17. De«!, DdSf; 18. Kf7I, Kh7; 19. De4 l. Dd?-); 20. De?!. DeS; 21. Da7I, DaS; 22. Dd7, DgSf; 23. Ke7 nebst eventuell f6— 17 je. Die Nebenvarianten werden die Leser von selbst leicht finden. Schachnachrichten. Am Gambit-Turnier von Abbazia nehmen 12 Spieler teil. Hierunter nur die bekannten Meister E. Cohn, DuraS, Leonhardt und Spielmann. Sodann: v. Fregmann und Flamberg(zwei sehr starke russische Spieler), Lowtzky(erster Sieger im Kölner Hauptturnier), Reti(ein geistreicher junger Spieler aus Wien), Rjholm(ein bekannter schwediscber Amateur), und die ziemlich unbekannten Größen: Auerbach, Rolelli und Szebelly.(Das Königsgambit ist vorwiegend ein Gebiet der Amateure. Uebrigens kursieren Gerüchte, wonach daS Komitee des „Casiue des Etrangers" manche Anmeldungen von Meistern zu» gunsten anderer Teilnehmer abgelehnt habe, die außer Schach auch Hazardspielen huldigen... Jedoch werden in das Turnier- buch anstandshalber nur Schachpartien oufgeitommen werden... Es ist in der Redaktion der»Wiener Schachzeilung"(Wien IX. Schwarzfpanierstr. 15) zum Preise von 3 Kr. zu subskribieren.) Im ungarischen Badeorte P y st i a n wird am 19. Mai d. I. ein internationales Meisterturnier aus 13—20 Teilnehmern unter Turnierleitung von G. Maroczh beginnen. Preise: 3000, 2000, 1400, 1000, 700, 400, 300, 250, 150 und 100 Kronen. Außerdem haben sämtliche Teilnehmer freien Aufenthalt auf Kosten de» Komitees. Damengambit. Im Karlsbader Turnier mit einem L-chönheitSpreiS ausgezeichnet. Duz-ChotimirSkl. Calw». 1. d2— d4 2, c2— c4 8. Sbl— öS 4. c4Xd5 5. Sgl— f3 d7— d6 e7— 06? «-7—05? e6Xd5 Zur Ergänzung und Berichtigung unserer AuSsührungen vom 13. Januar nachstehendes: b. 64X05, LgL— f6 1 (5...... Leß; 6. ei, Sf6; 7, ed5, SXd5; 8, 8X8, LX8; 10. Lo3, Sc6; 11. Sh3, LXo5?;«12. LXL, Da5t; 13 b4. SXbi; 14. De2+ I nebst even». Ddbf je.) 6. Lei— e3, Sb8— a6 j 7. Tal— et!, LcS— a6; 8. 061— a4t!«Auch 8. Sai hat seinen Haken in Form von: 8---- Sei I 9. a3, DaSf; 10. bi— aus Sc3 folgt LXcS-lO...... SXbi; 11. aXbi, DXbif; 12. So3, SXS; 13. Dd2, Sa2; 14. Tal, DXDt! 15. LXD, di je.) 8...... 0d8—67(oder 8...... Ld7; 9. Da3 oder 8...... Sd7; 9. bi-c.) 9. SoZ-dS, LkS— e7; 10. Sgl—(3(Angängig ist auch 10. Ldi, 0—0; 11. biic. Nicht aber 10. Ldi. 0—0; IL e3? wegen 11---- SXvS; 12. LX8, To8 jc.) 10... Sf6— gi(Auf 10____ 0-0 folgt 11. SeS nebst event. c5— c6) 11. Le3— 64, 17-18; 12. e2-e3. 0-0; 13. c8— c«(Auch einfach Le2 oder h2— h3 genügt» 13..... b7Xc8 (13..... Lb4t?; 14. DXLI) 14. Oa4X*8, C»Xb5(14.... Lbif?; 15 8o3); 15. LllXbS, Le7— b4t; 16. L64— öS, 067—«7; 17. 0-6 ic. Weiß behauptet leicht den Bauer. 5.....» SbS— atz? Vorzuziehen 8(8 oder oXdi. 6. g2— gS..... Von O, Rubinstein herrührend. Einlacher ist: 4. 64XC5, 65-64 (6.... 816; 7, Lo3, Lg4: 6 Sdi je.) 7. 8c3—•4, LI8XCS(7.... Dd5; 8 e3, Lg4; 9. Le2 ic.) t. Sa4Xc8. 068— aSf; 9. 061-62. Da5Xc5; 10. B2—■>.(Auch einlach 10. e3 erlangt da» etwa« bessere Spiel) 16... Le8—«5(10.... ab ver« bindert nicht IL b4l) 11. b2-b4, Oc6— b8; 12. Lei— b2, Ta8-68: 16 062—63!(13. Tdl, Lb3) 13.... SgS— 67; 14. Tal-61 je (14.... 815; 16. g4, S1e7; 16. Tel, h5; 17. eS, 815; 18. Lh3 tc.) Weiß gewinnt den Ldi. 6...... SgS— ffl 7. Lfl— g2 e6Xd4! Da» übliche 7.... Le6; 8. 0—0, b6(sonst Lg5) ist für Weiß wegen 9. b3I nebst event Lb2 günstiger. 8. Sf3Xd4 US— c5 9. SdiXcS..... Vesser 9. SbS, Lbi; 10. 0-0 IC. 9...... b7Xc6 10. Ddl— a4, DdS— b6 Einfacher Ld7. 11. 0— 0 0—0 12. h2— h3?..... Besser 12. a3, Sg4; 13. Dli ic. 12....•• LcS— e6 13. Da4— c2 DbS— d? Einfacher Ld6 oder Ldi. 14. Sc3Xd5 16. TflXk2 18. Lei— eS 17. Lg2Xe4 18. Kgl-h2 Lc5Xf2t c6Xd5 Sf6— e4 d6Xe4 Ta8— cS Zuerst T1d8 hätte manches verhütet. 19. Dc2— d2 TIS— d8 20. Le3— d4 LeCXhS 21. Tal— dl..... 21. KXL, DdTf nebst DXL. 21...... Lh3-g4? Mit 21... Le61; 22. Dg5, 16; 23. TXI6, TXL; 24. TXT, DXb2 hätte schwarz die bisber ver« d t e n st v o i l gespielte Partie be« hauptet.(Schwarz stand besser!...) 22. Dd2— g5(7—15? (Hätte Schwarz mit 22.... TXLI; 23. TXT, h5 jc. die Gefahr erkannt, die Partie wäre nie. ganz abgesehen vom noch immer, weiset« hasten Resultat, preisgekrönt. Ein Beweis dafür, daß manche preisgekrönte Leistung im Schach nur Sache eine» glücklichen Geschenk« de» Gegner« ist.... Nun kommt die Glanzleistung l) 28. Ld4Xg71 TdSXdl Li Lg7-«6t KgS— 17 25. Dg6Xg4!..... Damengewlnn ergibt nur Reml» (Tc8— ol) 25,..... KI7— e8 20. Dg4X»t Ke6— d5 27. Tf2—(AI Kd5—«58 28. Tf4Xe4 Tdl— d6 29. Le5— döfl Ko5— b5 Üluch Schwarz spielt meisterhafL KXL geht nicht wegen Te6s- ncbst De2f-. 80. Te4— dtf Kb5— aß! 81. Df5-f3 Td5-b5 3L... Dc6; 32. DaSf, Ta5; 33. DdSf, Tb5; 34. a4 tc. 32. Tb 4— a4t Ka6— bß 83. D13— eSf Kbß— eß 34. Ta4Xa7 Db7— bß 86. Ldö— c5l Dbß— d8 Sonst De6+ nebst a3— a4t. 88. b2— b4 Ausgegeben. vorwärteBuchdruckereiu.Verlagsanst»ltPaulS>l>geröiCo..BerlinSVV.