Anterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 24. Sonnabend den 3 Februar. 1912 (Nachdruck Verdorr».? 24] pelle der Gröberer# Der grofte Kampf. Roman von Martin AnderfenNexö. Es tat ihm so innerlich Wohl, in ihrem Heim aufgenom- men zu werden, wo sich hinter dem robusten Kopenhagener Humor ganz patriarchalische Zustände versteckten. Alles be- ruhte auf Ordnung in Ehrerbietung gegen die Eltern, nament- lich gegen den Vater, der das entscheidende Wort in allen Fragen hatte und seinen eigenen Platz, auf den sich niemand anders setzte. Wenn er von seiner Arbeit heimkehrte, weit- eiferten die erwachsenen Söhne noch immer, wer ihm seine Pantoffeln bringen sollte, und die Frau hatte stets einen Extrabissen für ihn. Der jüngste Sohn Frederik, der bald ausgelernt hatte, freute sich wie ein Kind auf den Tag, wo er Geselle wurde und Brüderschaft mit dem Alten trinken konnte. Sie bewohnten eine neue, geräumige Dreizimmer- Wohnung mit Mädck)enstube: für Pelle, der daran gewöhnt war, seine Kameraden hier drüben in einem. Zimnier mit Küche hausen zu sehen, war dies ein gewisses Erlebnis. Die Söhne bekamen zu Hause Kost und Logis, sie schliefen in der Mädchenstube. Die Häuslichkeit war mit gemeinsamen Kräften aufgebaut und zusammen gehalten. Wenn sich die Familie unbedingt vor dem Hausherrn beugte, so geschah dies nicht aus Unterwürfigkeit, sie taten nur dasselbe wie alle anderen. Stolpe war in seinem Fach der erste Mann, ein an- gesehener Arbeiter, der Veteran der Bewegung. Seine Worte blieben von selbst stehen. Ellen war die einzige, die seine Oberhcrrlichkeit nicht respektierte, sondern ihn niutig abspeiste, oft ohne irgendeinen anderen Zweck, als um ihm zu widerspreck>en. Sie war das einzige Mädel in der Familie und das Nestküchlein, das machte sie sich zunutzen. Zuweilen sah es aus, als werde Stolpe zum äußersten gebracht, als wolle er sie in seinem Zorn zermalmen: aber er unterwarf sich ihr stets. Ueber Pelle war er sehr froh. Er bewunderte im ge- Heimen die Tochter nur um so mehr.„Da siehst Du, daß was an dem Mädel dran ist, Mutter! Sie versteht es, sich einen Manu zu wählen," konnte er begeistert ausrufen. „Ja, ich habe auch gar nichts dagegen," erwiderte Frau Stolpe.„Ein bißchen bäuerisch ist er ja noch immer, aber das läuft er sich wohl noch ab." „Bäuerisch— der? Nein, Du kannst mir glauben, er weiß, was er will. Da l>at sie wahrhaftig ihren Herrn ge- funden!" sagte Stolpe triumphierend. In den beiden Brüdern fand Pelle ein paar treue Käme- raden, die nicht umhinkonnten, zu ihm aufzusehen. Mit der Sperre ging es so lala. Hofschuhniacher Meyer antwortete damit, daß er die Meister zu einer Versammlung zusammenberief, um einen Meisterverein zu bilden, der den Mitgliedern des Gewerkschaftsvereins die Arbeit verweigern sollte. Dann wäre die Sache ja mit einem Schlage tot ge- Wesen. So weit kam es jedoch nicht. Tie kleinen Meister fürchteten sich, daß die Gesellen sich dann niederlassen und «ihnen Konkurrenz machen würden. Instinktiv fürchteten sie auch die großen Meister mehr als die Gesellen und scheuten sich, mit ihnen in den Verein einzutreten. Die Bewegung innerhalb der Industrie schlug die Richtung ein, alles auf wenige Hände zu vereinen und die kleinen Geschäfte tot zu machen. Die kleinen Meister hatten noch ein Hühnchen mit Meyer zu pflücken, der das Geschäft auf ihre Kosten in die Höhe gebracht hatte. Durch Meister Beck erfuhr Pelle, waS sich zwischen den Meistern zutrug. Meyer hatte auch verlangt, daß Beck Pelle verabschieden solle, aber dem wollte er sich nicht unterwerfen. „Ich kann ja eigentlich nicht über Sie klagen," sagte er. „Ihr Fachvereinswesen mag ich nicht— das sollten Sie lieber nachlassen. Aber mit Ihrer Arbeit bin ich wohl zufrieden. Ich habe mich immer bemüht, Gerechtigkeit nach allen Seiten zu erweisen. Wenn Sie dem Hofschuhmachcrmcister die Füße unter dem Leib wegschlagen, dann wollen wir kleinen Meister all? Ihrem Verein dankbar sein. Der frißt uns auf," Ihm die Füße unter dem Leib abzuschlagen, das ließ sich nun freilich nicht machen. Er trieb im Gegenteil die schwächeren Mitglieder aus dem Verein hinaus und hatte immer Arbeiter genug— zum Teil Schweden, die er sich ver- schrieben hctte und denen er einen hohen Arbeitslohn zahlen mußte. Die Heimarbeit machte es ihm unmöglich, ihm so recht zu Leibe zu kommen. Pelle und der Vorsitzende patroul- lierten abwechselnd vor dem Lager zu der Zeit, wo die Arbeit abgeliefert wurde, um auszukundschaften, wer bei ihm ar« beitete. Es gelang ihnen auch, ihm einige wegzuschnappen und sie zur Vernunft zu bringen oder ihre Namen im„Ar- beiter" zu veröffenllichen. Aber dann schickten die Gesellen ihre Frauen und Kinder mit der Arbeit hin. Da war nichts Rechtes anzufangen. Es kostete Meyer große Summen, das Geschäft im Gang zu behalten, aber der Fachverein litt doch am meisten. Er war noch nicht stark in seinen Fugen: und die kleinen Meister icharten sich um Meyer und wollten die Mitglieder des Fachvereins nicht beschäftigen, so lange die Sperre währte. So wurde sie denn aufgehoben. Das war eine Niederlage: aber etwas hatte Pelle doch dabei gelernt! Der Stärkste trug den Sieg davon und ihr Zusammenhalten war noch nicht ausreichend gewesen. Es mußte geredet, agitiert, es mußten Versammlungen abgehalten werden! Der Trieb zu dem Neuen veranlaßte sie wohl, sich zusammen zu scharen, aber ihr Ehrbegriff war noch nicht ent- wickelt. Der geringste Widerstand zerstreute sie. Er verlor den Mut nicht: es mußte fast wieder von neuem angefangen werden: das war das Ganze. Am Morgen, nachdem die Niederlage eine Tatsache ge- worden, war er schon frühe auf. In den Beschluß, mit dop- pelter Kraft darauf loszugehen, hatte er sich sozusagen hineingeschlafen, der saß ihm im Körper und legte Nachdruck in seine Hammerschläge! Er Pfiff, während ihm die Arbeit schnell von der Hand ging. Das Fenster stand offen, damit die nächt- licben Dünste herausschlüpsen konnten, auf den Dächern lag Reif, die Sterne schimmerten oben an dem kalten Himmel. Aber Pelle fror nicht! Er hatte eben die„Familie" geweckt und hörte sie da drmnen rumoren. Draußen auf dem Gang fing man an, schlaftrunken herumzutaumeln. Pelle pfiff den Marsch, gestern Abend hatte er den letzten Abtrag seiner Schuld an Sort geschickt und gleichzeitig an Vater Lasse ganz bestimmt geschrieben, daß er jetzt kommen solle, jetzt tage es! Marie kam und reichte ihm den Kaffee durch die Tür. „Guten Morgen," rief sie munter durch die Türspalte.„Heute kriegen wir schönes Wetter, Pelle!" Sie war noch nicht ganz angekleidet und ließ sich nicht sehen. Die Jungen nickten ihm Guten Morgen zu, ehe sie fortliefen. Karl hatte die Weste und Jacke unter dem Arm. Diese Kleidungsstücke pflegte er immer anzuziehen, wenn er die Treppe hinabging. Als es Tag geworden war, kam Marie herein und brachte das Zimmer in Ordnung. Sie unterhielt ihn, während sie scheuerte. „Hör mal, Marie!" rief Pelle plötzlich aus.„Ellen ist ja gestern hier gewesen und hat Dich gebeten, inir einen Bescheid zu überbringen, wenn ich nach Hause käme. Das hast Du ja gar nicht getan." Maries Gesicht wurde hart, aber sie antwortete nicht. „Es war nun ein reiner Zufall, daß ich ihr gestern be- gegnetc, sonst hätten wir uns verfehlt." „Dann werde ich es wohl vergessen haben," erwiderte Marie mürrisch. „Ja, vergessen hast Du es freilich. Aber das ist nun schon das zweite Mal in dieser Woche, Du bist wohl verliebt?" fügte er lachend hinzu. Marie wandte ihm den Rücken zu.„Ich habe nichts mit ihr zu schaffen—, ich schulde ihr nichts!" rief sie plötzlich trotzig aus.„Und ich will auch nicht Deine Stube länger rein machen, laß sie das doch tun!" Sie nahm den Scheuereimer und den Schrupper und lief in ihre eigene Stube hinein. Nach einer Weile ertönte ihre Stimme da drinnen: er glaubte erst. sie trällerte eine Melodie vor sich hin, aber dann war eS Schluchzen... Er eilte hinein, sie lag auf ihrem Bett und weinte, biß in das Kopfkissen und schlug mit den rauhen Händen wüteiid nach ihm. Ihr magerer Körper brannte wie im Fieber, „Du bist ja krank, liebe Marie," sagte Pelle besorgt und] legte ihr die Hand auf die Stirn.«Du solltest zu Bett gehen und etwas zum Schwitzen einnehmen. Ich will es Dir wohl warm machen." Sie war wirklich krank, die Augen brannten trocken und ihre Hände waren naßkalt. Aber sie wollte von nichts hören. „Geh Du Deiner Wege!" sagte sie wütend„und kümmere Dich um Deine Arbeit. Latz mich in Ruh!" Sie hatte ihm den Rücken zugewendet und stieß trotzig mit der Schulter nach ihm.„Geh Du doch lieber hin und streichle Ellen," rief sie plötzlich aus und lachte boshaft. „Warum bist Du so, Marie," sagte Pelle betrübt.„Du bist ja ganz schlecht." Sie bohrte das Gesicht in die Betten und wollte ihn weder sehen, noch antwortete sie ihm. Tann ging er an seine Arbeit. Nach einer Weile kam sie und begann mit dem Rein- machen. Sie stieß hart mit den Gegenständen herum. Eine Arbeit, die er zum Trocknen an den Ofen gestellt hatte, riß sie nieder und sah ihn dabei schadenfroh von der Seite an. Dann fiel eine Tasse mit Kleister herunter und zerbrach. Sie tut es absichtlich, dachte er betrübt und schabte den Kleister in eine leere Dose auf. Sie stand da und betrachtete ihn mit bösen, stechenden Augen. Er begab sich wieder an seine Arbeit und tat, als sei nichts geschehen. Auf einmal fühlte er ihre dünnen Arme um seinen Hals.„Verzeih mir," sagte sie weinend und barg ihr Gesicht an seiner Schulter. „Na, na, es ist ja nichts Schlimmes geschehen. Die alte, dumme Tasse," sagte er tröstend und streichelte ihren Kopf. „Du konntest ja auch nichts dafür." Aber da brach sie ganz zusammen, es sah sl» aus, als wolle das Weinen ihren dünnen Körper vernichten.„Ja, ich habe es mit Willen getan!" brüllte sie,„und den Stiefel habe ich auch mit Willen hingeworfen und mit Willen habe ich Dir gestern nicht Bescheid gesagt. Ich könnte Dir gern noch mehr zu Leide tun, ich bin so schlecht! schlecht! schlecht! Warum gibt mir auch niemand eine Tracht Prügel? Wenn Du nur ein- mal so ordentlich böse auf mich werden wolltest!" Sie war ganz außer sich und wußte nicht, was sie sagte. „Hör einmal, jetzt solltest Tu vernünftig sein!" sagte Pelle bestimmt,„denn dies hier ist nicht amüsant. Ich hatte mich darauf gefreut, heute zu Hause zu sein und bei Dir zu arbeiten— und dann kriegst Du Zufälle genaic wie die feinen Frauenzimmer!" Sie unterdrückte das Weinen mit einer ge- waltfamen Anstrengung und ging dann in ihre Stube hinein, leise schluchzend. Gleich darauf kam sie wieder herein mit einer gerissenen Tasse für den Kleister und einer kleinen Blech- dose, mit einer Spalte im Deckel. Das war ihr Geldkasten. „Nimm das," sagte sie und schob ihm die Schachtel auf den Schoß.„Denn kannst Du Dir Leisten kaufe?« und brauchst nicht um Arbeit bei den kleinen Meistern zu betteln. Hier in der„Arche" gibt es genug Arbeit." lFortsetzung folgt.) tliuqdrucl vcrdoltn.) CKaclsdn-1>Iiirat. 6] Von Leo Tolstoi. 4. Auf der Flucht vor den gegen ihn ouSgesandtcn Muridcn Schamylö begriffen, hatte Chadschi-Murat drei Nächte schlaflos verbracht, und als nun Sado ihm gute Nacht wünschte und das Zimmer verließ, siel der Gast sogleich in tiefen Schlaf. Er schlief in seinen Kleidern, auf die Hand gestützt, den Ellbogen in die roten Daunenkissen vergrabend, die ihm der Hausherr zurecht- gelegt hatte. An der Wand, ganz in seiner Nähe, hatte Eldar sich niedergelegt. Eldar lag, die kräftigen jungen Schultern breit aus- streckend, auf dem Rücken, und seine hohe Brust mit den schwarzen Patronen auf der weißen Tscherkeska lag höher als der frisch rasierte'. bläulich schimmernde Kopf, der von dem Kisten herab- geglitten' war. Seine mit leichtem Flaum bedeckte Oberlippe stand, wie bei einem Kinde, ab, und sein Mund schloß und öffnete sich abwechselnd, als schlürfe er etwas. Auch er schlief, gleich Chadschi-Murat, in den Kleidern, mit der Pistole und dem Dolch im Gürtel. Das Feuer im Kamin verglomm, und das Lämpche» in der Nische schimmerte kaum merklich. Mitten in der Nacht knarrte die Tür des Gastzimmers. Chadschi-Murat fuhr sogleich empor und griff zu seiner Pistole. Sado war es, der. kaum hörbar über den Estrich schreitend, ins Zimmer getreten war. „Was gibt es?" fragte Chadschi-Murat mit einer Miene, als hätte er überhaupt lxst, Auge geschlossen. „Wir müssen Rat halten." sagte Sado, während er sich bor ' Chadschi-Murat nicderkauerte.„Eine Frau hat vom Dache aus ' gesehen, wie Du ankamst; sie hat es ihrem Manne erzählt, und nun weiß es das ganze Dorf, daß. Du hier bist. Soeben kam die Nachbarin zu meiner Frau und erKhlte ihr, daß die Aeltesten in der Moschee darüber beraten, ob sie Dich nicht festnehmen sollen." „Dann' uß ich ausbrechen," sagte Chadschi-Murat. „Die Pferde sind bereit," sagte Sado und verließ rasch das Gastzimmer. „Eldar," rief Chadschi-Murat leise seinen Gefährten. Als Eldar die Stimme seines Murschids vernahm und seinen eigenen Namen hörte, sprang er auf die kräftigen Beine empor und schob die Lammfellmütze auf dem Kopfe zurecht. Chadschi-Murat jegte seine Waffen an und nahm den Filzmantel um. Eldar folgte feinem Beispiel, und beide traten aus der Hütte unter das Schutz- dach. Der schwarzäugige Knabe führte ihre Pferde vor. Als der Hufschlag der Pferde auf der festgestampften Straße erklang, er- schien ein Kopf in der Nachbarhütte, und gleich darauf lief ein Mann, mit den Holzschuhen klappernd, bergan nach der Moschee. Der Blond war nicht sichtbar, nur die Sterne schimmerten hell von dem schwarzen Himmel, und im Dunkel sah nian die Umrisse der Hausdächer und der über die übrigen Gebäude emporragenden Moschee mit dem Minarett im oberen Teil des Torfes. Von der Mofchce her ließen sich laute Stimmen vernehmen. Chadschi-Murat zog sein Gewehr an, setzte den Fuß in den schmalen Steigbügel, schwang sich leicht aufs Pferd und setzte sich in dem hohen Sattclpolster zurecht. „Gott vergelt»", sagte er, zu seinem Gastfreund gewandt. während sein rechter Fuß gewohnheitsmäßig den zweiten Steig- bügel suchte. Tann berührte er mit seiner Peitsche ganz leicht die Schulter des Knaben, der sein Pferd hielt, zum Zeichen, daß er zur Seite treten solle. Ter Knabe trat zurück und das Pferd wandte sich, als wenn es schon wüßte, was es zu tun hätte, mit raschem Schritt aus dem Seitengäßchen nach der Hauptstraße. Eldar ritt hinterher, während Sado in seinem Pelze, rasch die Arme hin und her schwenkend und abwechselnd von einer Seite der schmalen Straße nach der anderen laufend, ihnen folgte. An einer Ausfahrt, die auf die Straße hinausging, zeigte sich ein beweglicher Schatten, dann ein zweiter. „Halt! Wer da? Bleib stehen!" rief eine Stimme, und ein paar Gestalten traten den Reitern in den Weg. Statt stehen zu bleiben, zog Chadschi-Murat seine Pistole aus dem Gürtel, trieb sein Pferd an und sprengte gerade auf die Leute los, die ihm den Weg versperrten. Sie liefen zur Seite, und ohne sich umzusehen jagte Chadschi-Murat in raschem Paßgang bergab, die Straße entlang. Eldar folgte ihm in scharfem Trabe. Zwei Schüsse fielen hinter ihnen, und zwei Kugeln pfiffen vor- über, trafen jedoch keinen von ihnen. El>adschi-Murat ritt in dem- selben Tempo weiter. Als er etwa dreihundert Schritte zurück- gelegt hatte, hielt er sein Pferd, das ein wenig außer Atem ge- kommen war, einen Augenblick an und lauschte in die Ferne. Vor ihm rauschte in der Tiefe ein rasch fließendes Wasser. Hinter ihm krähten die Hähne im Dorfe. Dunh diese Laute hindurch ließ sich plötzlich der Hufschlag von Pferden und ein Gewirr von mensch- lickcn Stimmen, die vom Dorfe her immer näher kamen, ver- nehmen. Chadschi-Murat trieb sein Pferd a» und ritt, immer in derselben raschen Gangart, weiter. Die Verfolger jagten im Galopp heran und hatten Chadschi-Murat bald erreicht. Es waren an die zwanzig Reiter, die ihm nachsetzten, lauter Einwohner des Dorfes. die beschlossen hatten, Chadschi-Murat festzunehmen oder sich um vor Schamvl gerechtfertigt dazustehen, wenigstens so zu stellen, als wollten sie ihn festnehmen. Als sie so nahe herangekommen waren, daß sie im Dunkeln zu sehen waren, machte Chadschi-Murat halt, ließ den Zügel sinken, streifte mit einem raschen Griff der linken Hand das Futteral von seiner Büchse ab und zog sie mit der rechten heraus. Eldar tat desgleichen. „Was wollt Ihr?" rief Chadschi-Murat.„Mich festnehmen? Nun— so nehmt mich festl" Und er riß die Büchse an die Schulter. Die Torfbewohner blieben stehen. Di« Büchse im Arm. ritt Chadschi-Murat weiter, einen Abhang hinunter, der auf den Grund einer Schlucht führte. Die Verfolger ritten hinterher, ohne sich ihm zu nähern. Als Chadschi-Murat jenseits der Schlucht war, riefen sie ihm zu, er möchte doch anhören, was sie ihm zu sagen hätten. Als Antwort darauf schoß Chadschi-Murat seine Büchse ab und galoppierte davon. Als er fein Pferd anhielt, hörte er nichts mehr von seinen Verfolgern, auch die Hähne waren nicht mehr zu hören; dafür klang das Rauschen des WafferS im Walde jetzt vernehmlicher, und von Zeit zu Zeit ertönte der klagende Schrei eines UhuS. Die dunkle Wand des Waldes schien in nächste Nähe gerückt. Es war jener Wald, in dem Chadschi-Murat von seinen Muriden erwartet wurde. Als er den Waldrand erreicht hatte, machte er halt, holte tief Atem, ließ einen lauten Pfiff ertönen und horchte in die Nacht hinaus. Im nächsten Augenblicke schon ertönte ein gleicher Pfiff aus dem Walde. Chadschi-Murat bog vom Wege ab und ritt quer durch den Wald. Als er etwa hundert Schritte zurückgelegt hatte, sah er ein Feuer zwischen den Baum. stammen schimmern: menschlicbe Gestalten lagerten um das Feuer, dessen Schein auf ein in der Nähe grasendes, an drei Beinen ge- sesseltes, jedoch sattelfertiges Pferd fiel. Es waren vier Mjanner, die um das Feuer herumsaßen. .Einer von ihnen erhob sich rasch, kam auf Chadschi-Murat zu und 95 •inff nach seinem Ziigel und Steigbügel. Es war Chadschi-Murats Blutsbruder Chanefi, der sein Hauswesen und seine Güter ver- waltete. „Löscht das Feuer aus", sagte Chadschi-Murat, während er vom Pserde stieg. Die Leute am Feuer begannen sogleich, dieses auszulöschen, indem sie den brennenden Haufen auseinanderwarfen und die glimmenden Aeste austraten. „Ist Bata hier gewesen?", fragte Chadschi-Murat, auf den Filzmantel zutretend, der auf der Erde hingebrcitet lag. „Ja. Er ist schon lange fort, mit Chan-Mahoma." „Welchen Weg haben sie eingeschlagen?" „Diesen da", antwortete Chanefi— er zeigte nach einer Richtung, die jener entgegengesetzt war, aus der Chadschi-Murat gekommen. „Es ist gut", sagte Chadschi-Murat und begann seine Büchse zu laden.„Wir müssen Wvcben ausstellen, sie haben mir nach- gesetzt", sprach er dann zu emem der Männer, der noch damit be- schäftigt war, das Feuer auszulöschen. Es war der Tschetschenze Hamsalo, den Chadschi-Murat an- gesprochen hatte. Hamsalo ging zu dem Filzmantel, ergriff eine im Futteral steckende Büchse, die dort lag und begab sich schweigend an den Rand der Lichtung, imch jener Seite, von der Chadschi- Murat hergekommen war. Eldar, der abgestiegen war und sein Pferd, wie auch dasjenige Chadschi-Murats, mit hochgestrecktcm Kopfe an den Bäumen in der Nähe festgebunden hatte, begab sich gleichfalls mit der Büchse über der Schulter an den Rand der Lichtung. Das Feuer war ausgelöscht, und der Wald erschien nun nicht mehr so schwarz wie vorher. Am Himmel blinkten, wenn auch nur mit schwachem Schimmer, die Sterne. Chadschi-Murat sah zu den Sternen auf— er suchte das Siebengestirn, das bereits bis zur Hälfte des Himmels empor- gestiegen war. Sie sagten ihm, datz es lange nach Mitternacht sei, und daß es längst Zeit sei, das Nachtgebet zu verrichten� Er ließ sich von Chanefi das Becken reichen, das stets beim Gepäck mit- geführt wurde, zog seinen Filzmantel an und begab sich an das Wasser. Er zog seine Schuhe aus und nahm die Fusswaschung vor. worauf er mit blossen Füssen auf dem ausgebreiteten Filzmantel niederhockte und zunächst, Augen und Ohren mit den Fingern zu- haltend, mit nach Osten gewandtem Gesicht das übliche Gebet sprach. Als er das Gebet beendet hatte, kehrte er an den Lagerplatz zurüch setzte sich dort neben den Sätteln und Ouersäcken auf den Filzmantel, stützte die Ellbogen auf die Knie, liess den Kopf sinken und vertiefte sich in seine Gedanken. Chadschi-Murat hatte stets an sein Glück geglaubt. Wenn er etwas unternahm, war er von vornherein fest davon überzeugt, dass der Erfolg ihm sicher sei, und er hatte in der Tat während seines stürmischen, von Kampf und Streit bewegten Lebens fast immer Glück gehabt. Und er hoffte, dass es auch diesmal nicht anders sein würde. Er stellte sich vor, dass er mit den Truppen, »ie ihm Woronzow zur Verfügung stellte, gegen Schamyl ziehen. ihn gefangen nehmen und an ihm Rache nehmen würde, dass als- dann der Zar ihn dafür belohnen und er nickt nur über Awaricn, sondern auch über die gedemütigte Tschetschna herrschen würde. Mit diesen Gedanken beschäftigt, war er unversehens eingeschlafen. (Fortsetzung folgt.) Qrimlilcbes Leben» Bon Fritz Kummer. Wahl und Korruption der Beamten- Der Weg zur höchsten Stelle der Bcamtcnhierarchie steht, theoretisch wenigstens, jedermann offen; nur die Angehörigen der verachteten Klassen(Theatcrspieler, Barbiere und Bootsleute) machen eine Ausnahme. Weder Rang noch Geburt oder Kapital spielt dabei eine Rolle; Bildung allem ist massgebend. Auf die Möglichkeit, die höchste Stelle im Staate erklimmen zu können, wird in der Schule ständig hingewiesen, um den Lerneifer anzu- spornen. Freilich sind im heutigen China die Aussichten eines mittellosen Kandidaten auf eine seinem Bildungsgrad entsprechende Stelle herzlich gering. Er mag noch so hoch gebildet und fähig sein und die drei vorgeschriebenen Examen bestanden haben, so wird er dennoch vergeblich auf einen Platz warten können, wenn er nicht Mittel genug aufzubringen imstande ist, um die Gunst und Fürsprache hoher Gönner zu erkaufen. Uebrigens werden auch zeitweise offizielle Stellungen von der Regierung an den Meistbietenden losgeschlagen, um mit dem Erlös die stets leere Staatskasse zu füllen. Ehrlichkeit ist in der Beamtensphäre eine gar seltene Pflanze. Auch wenn der Beamte von Haus aus ck�arakterfest und unbcstech- lich sein sollte, kann er es nur schwer, nein gar nicht bleiben. Das Gehalt steht in keinem Verhältnis zu den vielen Verpslich- tungen und Ausgaben. Der Salär des Statthalters einer Pro- vinz mit vielen Millionen Einwohnern ist nicht viel höher als der eines europäischen Burcaugehilfen. Davon hat er seine vom > Staate erhaltenen Amtsgebäude in Ordnung zu ha.ten, Leibwache ' und eine Schar von Dienstboten zu besolden, den Unterhalt für sich und seine zahlreiche Familie zu bestreiten. Geschenke für seine Vorgesetzten in Peking zu kaufen und, da er eine Pension nicht bekommt, einen Notgroschen für alle Fälle zurückzulegen. Um alle diese Ausgaben bestreiten zu können, tut er, loas alle anderen nicht lassen: er nimmt Geschenke von seinen Untergebenen an, ja ist herzlich froh, wenn ihm solche angeboten werden. Für die Bürger ist es im Laufe der Zeit selbstverständlich geworden, daß nur mit Geschenken in der Hand dem Beamten ein Anliegen er- folgreich vorgetragen werden kann. Was die Bürger freiwillig bringen, was ihnen gelegentlich zwangsweise abgeknüpft wird, mag nach und nach zu hohen Sum- nien anwachsen, ist aber bei weitem nicht ausreichend, die Bedürf- nisse oder Habsuckt der Mandarinen zu befriedigen. Sie müssten keine schlaue Asiaten sein, wenn sie nicht andere und ergiebigere ! Geldquellen zu erschlietzen imstande wären. Die Ucbertragung von öffentlichen Arbeiten und Konzessionen an in- und ausländische Firmen hängt im wesentlichen von der Höhe der„Gratifilation" für den Beamten ab. Am einträglichsten und dauernd ist die Brandschatzung der Steuerzahler. Die von der Zentralregierung für jeden Bezirk fixierten Steuerbeträgc werden um das mehr- fache erhöht und eingezogen und nach eigenem Gutdünken ver- wandt. Justizwesen. Die chinesische Gesetzgebung muh, wenn man den verschiedenen Autoren glauben darf, seine vielseitigen Zwecke in vorzüglicher Weise erfüllen.„Wir kennen kaum ein europäisches Gesetzbuch, das gleichzeitig so vollständig und so folgerichtig, oder das so gänz- lich frei ist von Verworrenheit. Bigotterie und Fiktion. In allem was sich auf politische Freiheit oder individuelle Unabhängigkeit bezieht, ist es allerdings schrecklich mangelhaft, aber es scheint gleichweis wirksam und mild in bczug auf die Unterdrückung von Unordnung und sanfte Zügelung einer zahlreichen Bevölke'.ung." Das Gesetzbuch zerfällt in Grundgesetze(Lut) und in Reben- gesetze(Lai), wovon die einen permanente Geltung haben, während die anderen alle fünf Jahre einer Aenderung unterworfen sind. Das Lob, das der chinesischen Gesetzgebung gespendet wird, scheint sehr dcplaziert, sobald sie mit europäischem Auge betrachtet wird. Man findet nur ihresgleichen in der Gesetzgebung unseres Mittel- alters. Sie basiert noch auf Grundsätzen, und wird noch von An» schaumigen beherrscht, die bei uns längst aufgegeben worden sind. Nach der modernen Auffassung ist ein Angeklagter so lange als unschuldig zu betrachten und zu behandeln, als er nicht überführt und verurteilt ist, in China gilt das Gegenteil; bei uns kann auch bei geringsten Vergehen die richterliche Entscheidung angerufen werden, dort spricht oft ein kleiner Beamter selbstherrlich und end- gültig das Urteil und lässt es auch gleich vollziehen. Eine ge'vöhn- liche Straf« für kleine Uebeltäter besteht in der Durchprügelung durch die Strassen. Im Machtbereich der Mandschus ist die Tortur noch allgemein in Anwendung. Die Folterknechte unseres Mitte!» alters erscheinen als humane Gesellen im Vergleich mit ihren, Kumpanen im heutigen China. Die nur noch in unseren Museen zu findenden Marterwerkzeuge find heute in China noch in den Gerichtshöfen in Gebrauch und werden mit einer Raffiniertheit angewendet, wie sie nur asiatische Findigkeit und Blutrünscigkeit erfinden konnte. Und warum wird gefoltert? So lange der Angeschuldigte nicht gesteht, kann er nach der chinesischen Auffassung nicht gerichtet werden. Den(Entlastungs-ZZeugen Glauben schenken, scheint dem asiatischen Richter zu gewagt. Es ist der Meinung, dass durch körperliche Schmerzen die Wahrheit gelockert werden kann. So wird der Angeklagt« so lange gefoltert, bis er das von ihm ver- langte Verbrechen zugibt oder zugrunde gegangen ist. Der arme Teufel, der der Justiz in die Hände fällt, hat sehr geringe Aus- sichten bald wieder loszukommen. Auch wenn er das gesteht, waS seine Häscher von ihm verlangen, ist sein Schicksal überaus traurig. In den Gesängnissen ist von sanitären Einrichtungen nichts zu entdecken, die Nahrung ist vollständig unzureichend, und die Be- Handlung durch die habsüchtigen Wärter ist nur dann erträglich, wenn sie durch Geschenke milde gestimmt werden� können. Gar mancher der Gefangenen wird ein vorzeitiges Opfer des Todes. In China fallen Köpfe wegen Verbrechen, die in Europa mit Ein- sperrung als genügend bestraft erachtet werden. In den Gerichts- Höfen kann man die Folterwerkzeuge, wie Halsbrcttcr(Canguc), Holzgcstelle zum Erdrosseln, Blöcke usw. allenthalben stehen sehen. Nicht selten werden Gefangene auf offener Strasse oder vor den Gerichten in den Block gelegt oder mit dem Halsbrett angetan in einen von jeden Passanten sichtbaren Holzkäfig gesperrt. Das Land der vielen Sprachen. In Europa ist man geneigt anzunehmen, China bilde ein einziges Sprachgebiet, das vielleicht eine Anzahl Dialekte, im Grunde aber doch eine Hauptsprache habe. Dies ist nun nicht der Fall. Wenn die Sprachverworrcnheit nun auch nicht so gross ist wie in Indien, so ist sie doch immerhin grösser als in dem nationenreichen Europa. An die achtzig verschiedene Sprachen werden gesprochen, die wieder in Dialekte und Unterdialekte zer« fallen, die oft von den direkt neben ihrem Geltungsbereich wohnenden Leuten nicht verstanden werden. Der Mangel eines I einheitlichen Verständigungsmittcls ist eines der grössten Hinder- 'nisse sür nationale Bewegungen. Die gm weitesten verbreitet« — 96— «spräche ist das Mandarin. Es ist in dieser oder jener Form in fünfzehn von den adstzehn Provinzen anzutreffen. Freilich ist sein Wert als Berständigringsmitiel auch sehr gering, weil feine Dialekte zu unterschiedlict» sind. Bei allen Beamten von einiger Bedeutung ist die Kenntnis des Mandarin'' Borbedingung. Dadurch wird die Pekinger Mundart des Mandarin zur offiziellen Sprache, zum Latein Chinas. Da der Beamte nicht immer de» Dialekt seines Bezirks kennen kann, so bedient er sich im Verkehr mit der Bürgerschaft eines Dolmetschers; die Bürger desgleichen. So grast auch die Schwierigkeiten der chinesischen Sprachen für den Europäer sind, er wird sie immer noch eher meistern lernen als der Chinese eine europäische Sprache. Die linguistischen Talente des Sohnes des Landes mit den vielen Sprachen sollen weit hinter denen der Weißen zurückstehen. Es kann vorkommen. dast ein Weiher von einem Gericht als Dolmetscher für zwei Chi- nesen fungiert. Er konnte in relativ kurzer Zeit zwei Mund- arten erlernen, während die Eingeborenen nicht imstande waren, den Dialekt, der an der Grenze ihrer engeren Heimat Geltung hat, sich anzueignen. Die Unterschiede und Schwierigkeiten der chinesischen Sprachen hier auch nur kurz anzudeuten, ist kein Platz. Nur einige ihrer charakteristischsten Merkmale sollen in ein paar Sätzen angedeutet werden. „Allen cbinesischen Sprachen ist die Ausschcidrmg von über- flüssigen Worte,', in nuein Satz gemeinsam, zur äußersten Kon- fusion der europäischen Studenten und Sprecher.... Zum Bei- spiel sagen wir: Komm! wenn wir meinen: Komm hierher, oder komm zu mir. Auch der Chinese sagi z. B.: Kecoo! oder: Kceoo loh! tvenn er etwas Bestimmtes erklären will, aber daS loh ist nicht zu übersetzen. Das Keeoo ist das wichtigste Wort. Es besagt einfach: Gerufen? Der Chinese weist, an wen es gerichtet ist und versteht was der Sprecher meint, nämlich: Du bist gerufen, oder: Jemand ruft dich. Das Objekt wird aus dem Satze gelassen. wenn es klgr ist, auf wen oder waS es sich bezieht. Dieser Grund- satz läuft durch alle D'alekte. Der Chinese sucht Atem und Worte zu sparen. Dann hat das Chinesische praktisch weder Zeiten, noch Zahl, Geschlecht oder Modus. Rauwlich gibt es Mittel diese zu zeigen, wenn es notwendig sein sollte, notwendig vom chine- fischen Standpunkt, der sehr verschieden ist von unserer Auffassung von den Notwendigkeiten c ner Sprache,.. Die Art. wie der Chinese seine Sprache handhabt, ist ein Ueberbleibsel des Mittel- alters. Er hält es mit de? Vergangenheit, und sein Stil, soweit er die Sprache betrifft, basiert, nein, ist identisch mit dem, ivas vor hundert, nein, tausend Jahren galt.... EL kommt selten vor. daß ein Ausländer, der doch hauptsächlich nach China geht, um die verhältnismäßig tote Sprache, die Schriftsprache, zu er- lernen, die gesprochene Sprache sich aneignet. Die eine wider- spricht negiert, verzerrt die andre. Die Beherrschung einer von beiden allein verlangt beinahe das Studium eines Lebens." Diese Schwierigkeiten sind zum guten Teil die Ursache der Unkenntnis im Lesen und Schreiben. Die Jungen der arbeitenden Klassen, die nur die baren Sübsistenzmittel verdienen, kommen nicht zur Erlernung des Lesens, oder wenn es möglich ist, sie zur Schule zu schicken, endet ihr Unterricht schon, wenn sie ein bißchen Stammeln fick, angeeignet haben. Nock viel weniger als die Knaben werden die so gering geschätzten Mädchen in die Schule gesandt. Die Analphabeten mögen neunzig Prozent der Bck- völkerung ausmachen. Schaeb. Unter Leitung von S. Alapin. C. Schlechter. «b edofgh 2+(P-SPS l> L ö s n n g.(27. Januar. Jesperseu. Weiß: KM; Tc2; Lo-t; Le7; SgS; BB a6, b2, f6, g3. Schwarz: Ka7; Bat: LbS; BB; a5, b5, c7, f7, gt. Weiß am Zuge gewinnt.) 1. Lb7, DXT: 2. LeSf, DXD; 3. Se7, Dliäf; 4. KXD, Kb6; 5, SeSf, Kc5; 6. a7( LXa7; 7. SXL je. Schachnachrichten. Im Gambitturnier von Abbazia hat Duras im Läusergambit eine wichtige theoretische Neuerung ge- bracht, die unsere Vchauptungeu vom 30. Dezember und t>. Januar iu entscheidend beweiskräftiger Weise bestätigt. Nach l. eZ— et, e7— e5; Z. iZ— kt, eZ Xit!; Z. llil— ct haben wir nämlich die „ M o r p h h s ch e" Verteidigung mit 3...... Sf6! als die einzig richtige empfohlen i hingegen die übliche Verteidigung mit Z...... d7— dS; 4. LctXdö, Dd8— htf(?)! S. Kel— kl. gT—g5 als minderwertig erklärt. Nach der Neuerung von DuraS, in 6. vdl— tZM bestehend, wird dies sofort einleuchtend; denn der Durassche Damen- zug enthält die dreifache Drohung von Bo3, Db3(57 und b7) und g2— g3. Gegen solch gchäufies Drohen ist kein Kraut ge- wachsen. DaS Ergebnis des e r st e n Turnus, iu dem jeder Teilnehmer mit jedem anderen eine Partie wechselte, war: Spielrnmw-j- II1/» Reti 8'/o, Flamberg-j- 7, Duras, v. g-Wymarm, Roselli+ b1/». Lowtzky, Ayholm+ 5. E. Cohn-s- 4V» Leonhardt+ t, Szekely + 3l/s- Der zweite Tunis, in dem die Spieler die Farbe wechseln, hat begonnen. Nachstehend zwei Partien des Turnier?: Mnziogambit. Reti. F l a m b e r g. 1. g2— et. e7— e5; 2. 52-54, '3. Sgl— 13 g7— g5I t. Lfl— ct..... Besser 4. Iii! zur Sprengung der schwarzen Bauern. 4...... gö-gt? Ein gefährliches S'.bentcuer statt dessen 4... Lg71 den Vorteil konsolidiert. 5. 0—0!..... Dies ist„Miiziogainbit".(Mit ö. Lo2 entsteht das o»ambit„Saloio".) 2...... d7— d5 Die Lehrbücher geben ö.... gXk?! G. DXf3, B56; 7. e5, DXe5; 8. d3, Lh6; 9. 1-62. Se7; 10. Sc3, SbcO; 11. Tael, D55 angeblich zu- amlften von Schwarz an. Jedoch wird hierbei der Tjchigorin'che?ln- griff mit U. Ldä, KdH; 12. 0(3— e2! nicht berücksichtigt, der eher zugimsten von Weiß entscheidet. 6. otXdo! gtXkS 7. DdlXß Lf8— 66 8. 62-64 Dd8— 56 Auch bei 8.... So7; 9. I-Xtt. LXB; 10. DXB, 0-0; 11. BhG, Sg6; 12. g3?e. behauptet Weih einen mächtigen Angriff. 9. BIS— etf BkC— e7 10. Sbl— c3 Sb8— 67 11. LclXft Be7X©4 12. SoSXet LdGXft 13. TflX« 57— 55 Weiß drohte Tel(13.... Se7; 14. 66). 14. TflXfö Sg8-e7 13. Tal— el! Sd7— bG Oder 15..... SXT; IC, 8661. K58:: 17. T98+, Kg7; 18. SXSf, K56; 19. TXT, KXS; 20, TXb7 mit 4 Bauern für die Figur. 10. Lc4-b5t Ke8— 63 1-67: 17. Te5, L,