Dr. 35. Adomuments-Kedingungen: Abonnements-Preti pränumerando: Vierteljahrs 8,30 SU!., monatl. 1,10 Ml., wöchentlich 28 91b. frei tu» Hau«. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags» Nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- «lbonnement: 3,so Marl pro Quartal. Singelragen in der Post- ZettungS- Preisliste für 1300 unter Dr. 7371. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrig« Ausland S Marl pro Monat. Erscheint täglich sicher»anlag». Derlinev Volksbl�kt. 17. Jahrg. Die Insertlons-Gkliahr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel- zeile oder deren Raum so Pfg., für politifch« und gewerkschaftliche Vereins» und Berfammlungs- Anzeigen 20 Pfg, ..Kleine Anfeigen� jede» Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fettj. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 1 Uhr nachmittags in dorExpedltion abgegeben werden. Die Erpcdtlton ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher! Nmk I, Nr. 1503. Telegramm- Adresse: „Sorialdemokrat Berlin» Centraiorgan der sociatdemokratiMen Partei Deutschtands. Nedalitio»! SW. 19, Sciith-Strasjr 2. In der Schwebe. Noch eine dritte ausgedehnte Sitzung widmete der Reichs tag der Flotteuvorlage. Aber Neues oder Entscheidendes für ihr zukünftiges Geschick trat nicht zu Tage. Das Centrum beteiligte sich nicht mehr an der Debatte; es überließ den Freunden und Gegnern der Vorlage, sich in eifrigem Rede gefecht zu erhitzen, es hielt sich in kühler Vorsicht zurück und will seine Künste erst hinter den Coulissen der Kommissions beratung erweisen. Denl Centrum es glcichzuthun bemühte sich offenbar— die Regierung. Sie befleißigte sich einer auffälligen Zurück- Haltung. Während aber die Zurückhaltung der Centrumspartei ein Anzeichen der Zuversicht ist. an andrer Stelle wirkungsvoll auftreten zu können, ist die Zurückhaltung der Regierung nur aus U n s i ch e r h e i t und Schwäche zu erklären. Wenn die Flottensache wirklich, wie man vorgiebt, eine Volkssache wäre, so hätte die Regierung doch mit Aufwand aller ihrer Streitkräfte in das Redeturnier eintreten müssen. Am ersten und zweiten Tag der Debatte konnte noch angenonimcn werden, die Regierung spare ihre Trümpfe und werde nach Anhörung der Opposition versuchen, etwas zu sagen. Doch weder Graf V ü l o w noch Herr v. T h i e l m a n n— vom Reichskanzler, der die ganze Sitzung hindurch anwesend War und mit lobenswerter Andacht den Rednern des Hauses zuhörte, nicht zu reden— bemühten sich nicht im geringsten um die Verteidigung des Gesetzentwurf: Wahrscheinlich schwiegen sie, weil sie bestinimte Erklärungen über die Stellungnahme der Reichsregiening zu den auf Herabrninderung der Forderungen und auf besondere Kosten deckung abzielenden Wünschen der ausschlaggebenden Partei im jetzigen Stadium der Beratung nicht abgeben konnten. Jeden falls aber erweckte die geflissentliche Zurückhaltung jener Regierungsvertreter— trotz aller Herausforderungen aus dem Hause— den Eindruck, als ob der Regierungseifer für dje Durchsetzung der neuen Pläne bereits eine bedeutende Temperaturherabsetzung erfahren habe. Die ganze Last der Vertretung der Vorlage wurde dem unglückseligen Marinesekretär überlassen, dessen Bered- samkeit mit jedem neuen Rcdeversuch ebenso abnimmt, wie die Unklarheit und Zusanimcnhanglosigkeit seiner Gedanken — sofern hier von Gedanken gesprochen werden darf— im Wachsen ist. Hilfe fand Herr Tirpitz nur durch den Grafen P o s a d o>v s k y, der den Beweis liefern wollte, daß er ebenso gut gegen die Flotteuvorlage zu reden verstehe, wie sein Kollege vom Flottenfach. Schwieg das Centrum und hielt sich die Regierung im tintergrund, so traten um so zahlreicher und redseliger allerlei lottenschwärmer auf, die zum Ueberdruß alle Thorhciten und Widersprüche wiederholten, die ihre Partcizeitungen und Flugblätter ihnen vorgesprochen hatten. Immerhin finden sich in ihren Reden einige Bemerkungen, die einer Erwähnung nicht ganz unwert sind. Da erklärte der Freiherr v. Wangen- heim, das Oberhaupt der Bündler, die Flottenvorlage, ob- schon sie die Landwirtschaft schlver benachteilige, sei aus „nattonalen Gesichtspunkten" gerechtferttgt, und die Bündler, die niemals Schacherpolitik getrieben hätten, würden auch jetzt nicht an ihre privaten Interessen denken. Den Kommentar aber zu dieser patriotischen Erklärung gab der Bundesführer, indem er eine notwendige Ergänzung der Flotten Vorlage durch ein„Programm künftiger Wirtschaftspolitik" forderte. Hieß es früher: Kein Kanitz— keine Kähne!, so lautet jetzt die Losung: Keine Flottenvermehrung ohne bindende Zusage erhöhter Getreide zölle! der natioualliberale Graf O rio la aber bekämpfte die Flotten- gegner nicht nur mit dem durchschlagenden Grunde, daß die Regierung allein wissen könne, was für die Flotte nötig sei, sondern auch mit der Absage gegen die„graue Theorie" der Friedensfreunde. Theorien und aus ernster Forschung er- wachsendes einheitliches Denken, das ist freilich der national- liberalen Verworrenheit ein verhaßtes Ding. Statt sich mit Theorien herumzuschlagen, gilt ihr nur das„goldne Leben"; und goldner Gewinn winkt allerdings reichlich aus der praktisch begeisterten Flottenagitation. Was die sonstigen.Flottcnfür- sprecher, der Vertreter der aristokratischen Konservativen Graf v. Stolberg und der Vertreter des grobschlächtigen Mittelstands-Konservattvismns N i ß l e r erzählten, hatte keine Bedeutung. Aus den Reihen der Flottengegner kamen drei Redner zu Wort. Der Welfe v. Hodenberg erklärte sich gegen eine Welt- und Erweiterungspolittk, die schwere Kriegs- gcfahr herbeiführe, und machte die sehr richtige Bemerkung, daß die Fürsten es nicht schwer hätten, für unabsehbare Flottenpläne in Telegrammen und Reden zu agitieren, da sie den richtigen Begriff von Geld und Geldeswert nicht besitzen könnten. Der süddeutsche Volksparteiler Konrad H a u ß- mann wendete sich besonders gegen die Verletzung der kon- stituttonellen Rechte des Reichstags durch die Bewilligung von Marineforderungen auf lange Jahre hinaus. Außer diesen beiden bürgerlichen Rednern sprach unser Bebel. Konnte selbstverständlich die Rede unsers Parteigenossen keine unerwarteten Wendungen für das Geschick der Vorlage herbeiführen, so liegt ihre Bedeutung darin, daß sie weit hinaus über den augenblicklich beratenen Flottenentwurf führte und eine Welt- und Gesellschaftsanschauung aufbaute, die im Princip derjenigen widerspricht, welche in den Flottcnvermehrungs-Plänen zum Ausdruck gelangt. Zunächst wandte sich Bebel in scharfen Worten gegen das C e n t r u m. dessen weites Entgegenkommen, dessen ewiges Diplomatisieren und Vermitteln in Marinefragen der Regierunc den Mut zu immer ungeheuerlicheren Forderungen geweckt habe Dann wies er ans den Worten des Staatssekretärs Tirpitz nach, daß die Regierung auch die jetzt geforderte Flotte noch als eine schwache Flotte einschätze, daß mit mathematischer Gewißheit immer neue und gewaltigere Seerüstungen gefordert werden würden. Diese unaufhörlichen Rüstungen müßten schließlich zum fürchterlichsten Weltkrieg führen, in dem Deutschland unterliegen müßte, wenn es neben großen Land mächten auch eine große Seemacht, wenn es insbesondere England zum Feinde habe. Wir müssen mit England gute Beziehungen erhalten und das sei leicht, denn auch England würde ebenso wie Deutschland durch den Abbruch der beider festigen Handelsbeziehungen die furchtbarsten Schädigungen erleiden. Die Rede Bebels gipfelte in einer ebenso klar geRchten wie zündend vorgetragenen Darstellung einer wirklichen Friedenspolitik im Gegensatz zu jeuer Vernunft- und aussichtslosen Politik der scheinbaren und völkeraussangenden Friedenssicherung durch Wahnsinnige Kriegsrüstungen. Der Friede wird nicht gewährleistet durch Armee und Flotte, sondern durch die Verschlingung der tausendfachen materiellen und wirtschaftlichen Interessen der Völker. Und das Ziel des Friedens ist nicht die schließliche Machtgcwinnung einer Nation über die andre, sondern die solidarische Ge mcinschaftsarbeit aller Nationen im Dienste der Menschheit� kultur. Im übrigen fertigte Bebel alle die Scheingründe der Marine-Interessenten und Marine-Phaiitasten einen nach dem andern treffend ab; von der angeblichen veränderten Welt- läge bis zu den Vorteilen, welche die Arbeiter haben sollten. Schließlich ließ er auch Herrn Bassermann glatt abfallen, der Tags zuvor durch mißverständliche Auffassung eines gleich- gültigen Artikels eilte Flottruneigung in socialdemokratischen Kreisen entdecken zu können gehofft hatte. Zweierlei heitere Arabesken rankten sich durch die Flottendcbatte. Graf Oriola. ein nationalliberaler Agrarier, hatte am Freitag gleich den übrigen Abgeordneten das Ver- brechen begangen, die Rede des Bauernbündlers Hilpert mit fröhlichem Lachen zu begleiten. Das hatte Herrn Lieberiuann von Sonueuberg aufgestoßen und schon gestern suchte der Graf vergeblich sein Lachen als nicht bös gemeint zu entschilldigen. Aber der antisemittsche Agrarier Lieberiuann hielt den national- liberalen Agrarier Oriola fest beim Schöpfe und heute erklärte nun der Graf, er habe nicht über den agrarischen Inhalt der Hilpcrt-Rede gelacht, sondern über die Art des Redners. So glaubte sich der Graf gerettet. Aber unerbittlich erklärte nunmehr Herr Liebermaun: Uni so schlimmer I lieber einen echten Bauern wie Hilpert zu lachen,>veil er nicht die ge- wandte Ausdruckswcise eines langjährigen Parlanieutariers habe. das kennzeichne die gräfliche Banernneigung. Der Herr Graf meldete sich nochmals zu einer persönlichen Bemerkung, aber als er aufgerufen wurde, wußte er nichts mehr zusagen, schwieg, setzte sich. Tie Banern im Wahlkreise des hochgeborenen Agrariers werden es ihm nimmermehr vergeben, daß er einen der Ihren ausgelacht hat. Armer Oriola! Noch böser erging es dem agrarischen Hahn. Die „Germania" hatte ausgeplaudert, daß ein bündlerisch- kon- servativer Abgeordneter sich sehr flotten- unfreundlich aus- gesprochen und das Centrnm aufgefordert habe, gegen Flottenforderuugen zu stimmen. Abg. v. W a n g e n h e i ni erklärte nun diese Behauptung als unwahr. Da trat der schlesische Centrumsabgeordnete S z m u l a auf und erklärte: Dr. Hahn, der Direktor des Bundes der Land- Wirte, habe ihm gesagt, er solle doch sorgen, daß er in seiner Fraktton möglichst viele Mitglieder gegen die gräftliche(oder: häßliche) Fslotte bekomme. Das agrarische "ähnchen saß gräßlich in der Klemme. Es suchte Hilfe bei iebcrmann v. Sonnenberg; lange brauchte dieser in solchen Gcschäftchcn nicht unerfahrene Herr, um seinem Schützling bei- zubringen, was er wirklich gesagt habe. Endlich gelang das schwierige Werk und Herr Dr. Hahn erklärte, nur gesagt zu haben:„Wenn Ihnen die Flotte unangenehm ist, so stimmen Sic doch dagegen." Homerisches Lachen schallte dem agra- rischen Hahn als Antwort zurück. Uebrigens. zur Ehre des Bündlerdirektors sei es gesagt, er hat ein Gewissen, allerdings ein schlechtes, denn er versuchte dem Reichstage vor- zuschwatzen, daß es sich überhaupt um„keine ernst- hafte Aussprache" handelte; es seien„unverbindliche, harmlose Worte" gewesen:c. Der Harmlose wehrte sich verzweifelt dagegen, daß man ihn und seine Worte etwa ernst nehmen könnte. Dabei redete er sich immer tiefer hinein und das Lachen auf allen Seiten des Hauses quittierte das tragi- komische Gezappel des kecken Hähnchens, das ant Haken der gräßlichen Flotte festsitzt. Auf dieses ergötzliche Nachspiel erfolgte die Verweisung der Flotteunovelle'an die Budgctkommission. Dort wird ihr Schicksal davon abhängen, ob die Regierung geneigt ist, durch Herabsetzung ihrer Fordeningen dem Eentrum die Zustimmung zu erleichtern. Das Centrum wird es sicherlich nicht an einem Iveiteren Entgegenkonimen fehlen lassen. Vorläufig bleibt noch alles in der Schwebe. Expedition: 19, Veuth-Steasze 3. Weltpolitik. In der eben verflossenen Woche hat der Kamps um die uferlosen Flottcupläne cme» gewissen Abschlntz erreicht. Das Proletariat hat in imposanten Versammlungen gegen die Politik der Abenteuer protestiert, die wasserpatriotischcn Professoren haben ihr Pulver ver- schoflen, so viel sie davon in den Magazinen ihrer Gelchrsanileit besaßen, und der Reichstag hat die erste Lesung der Flottennovelle hinter sich. Das Ergebnis von alledem ist für die Gegner des Wasser- Patriotismus recht günstig, lieber allen Zweifel hinaus steht fest, erstens daß die Flotteuvorlage einen vernichtenden Angriff auf die Rechte der Volksvertretung nnteniinnnt, und zweitens daß die un- geheuren Kosten des ungeheuerlichen Plans auf die Schultern der arbeitenden Klassen fallen tverdcn. Das Gerede von der Reichs- Einkommen- oder Reichs- Erbschaftssteuer, aus der die Flotteukosten gedeckt werden sollen, ist ein Kindcrmärchen für die national-sociale Kinderstube: auch nicht eine der bürgerliche« Parteien denkt ernsthaft daran,»voran anch nichts geändert»väre, wenn wirklich dies oder jenes kleine Frattiöiichc», wohl»viflend. daß es sich den LnxuS straflos gestatten darf, mit dem Gedanken an solche Stenern kokettieren sollte. Insoweit ist die Regierung ja anch ganz ehrlich, als sie die finanzielle Deckung ihrer neuen Flottcnnovelle in neuen Anleihen und den lanfeiideii RcichSeiiiiiahmen, d. h. also in den Taschen des Proletariats sucht. Denn da die laufenden Reichs- einnahmen namentlich aus der Bestencrung notivendiger Lebens- mittel fließen und die Zinsen die neuen Anleiheit natürlich anch ans dieser Onelle gezahlt»Verden müflen, so ist das Einmaleins nicht einfacher und unbestreitbarer, als daß die arbeitenden Klassen aber« malS die Zeche der besitzenden Klaffen bezahlen sollen. Diese beiden Gesichtspunkte genügte» schon jeder für sich, geschweige denn beide zusainme»»,«in das klare nud uiulmlvundene Rein der Arbeiterklasse zu rechtfertigen. Sie darf sich nicht selbst für die misera contrilmens plebs, für den elenden, zum Steuer- zahlen verdannnten Pöbel halten, den die hochmögeiideii Patrioten in ihr sehen, und sie darf die koiistitlitionelleii Rechte der Bolksvertretung nickit mit jener frivolen Leichiigkcit preisgebe«, die einen so großen Teil der deutschen Bourgeoisie zu seiner Schande vor den Bourgeoisien andrer Kulturvölker auszeichnet. Der Ein- wand der Flotteiijn-ofessoreii. daß die Arbeiterklasse ja auch ihre» Vorteil bei dem Bau der neuen Schiffe haben»verde, läuft ans den n»cnschci»frci>iidlichci, Vorschlag hinans, daß die Arbeiter ihr Erst- geburtSrccht»in ein Linsengericht verschachern sollen. Das Proletariat- soll die Spani»!ing der goldnen Kette, woran es von der Bourgeoisie dahcrgeschlcift wird, für den Augenblick ein wenig erleichteri», um den Preis, daß die Wucht der Kette auf die Dauer um so schivcrer»vird! Man muß über die Naivetät dieser gelehrten Männer stanncii. vorausgesetzt, daß es bei allen»virklich nur Naibctät ist, die heute noch der Socialdcmokratie zn bieten»vagen,»vas von ihr schon ü» ihren Kinderjabrcn mit verdientem Hohn und Spott znrnckgeivicsen ivorden ist. So»vichtig»»»in aber auch die finanziellen und die kon- titniionellen Frage» sind, die bei der Flottcnvorlage ins Spiel koinnien. und so vollkonnnen schlüssig sie allein schon die ablehnende Stellung der Arbeiterklasse rechtfertige», so»veiiig darf»na» sich darüber täuschen, daß»vir damit noch nicht ans Ende oder selbst nur an de» Anfang dcS Endes gelangt sind. Hinter der Flotten- Vorlage stehen sehr mächtige Interessen, die cntschloflcn sind, sich ehr rücksichtslos durchzusetzen. Es»viirde hier zu»vcit führen und zunächst anch nur unfruchtbare Konjekturalpolitik sein,»venn»vir im einzelnen lintersuchen»vollten,»vie sich die Dinge in der nächsten Zukunft entivickeln werden; eS genügt, die beiden Endresultate ins Auge zu fassen. die überhaupt möglich sind. Entweder»vird die Flottenvorlage ganz oder niit nnlvescntlichcn Aenderungen angenomnien,»vas bei der Schiväche und Uiiznvcrlässigkeit der bürgerlichen Parteien sehr wohl möglich ist, und dann haben»vir in zlvei Jahren eine neueste Flottenvorlage, wie denn Herr Tirpitz schon in, Reichstag von der etzt geplanten Verinchrung der Flotte gesagt hat, sie schaffe nur eine immer noch schwache Flotte. Oder die Flottcnvorlage»vird nn Reichstage, sei es abgelehnt, sei es mit so»vcsentlichen Aenderungen angenommen, daß die Flotteiiiiitereisenten dabei ihre Rechnung nicht inden, dann»vird der Reichstag anfgelöst,»uobei auf die Schiväche und Unzuvcrlässigleit des spießbürgerlichen Wählers und auf einen KartcllreichStag gerechnet»vird, der„des Weltineers stolze Flotte" mit .Kettenllang" vom Stapel lassen und dafür sorge»»verde, daß die neuen Panzer das Wahlrecht der deutschen Arbeiterklasse noch vor dem„perfiden Albion" in den Grund bohren. An diesen drohenden Gefahren»vird natürlich nichts dadurck geändert, daß die Scharfmacher sich augenblicklich etlvas zurückhalten oder auch zurückgehalten»verden. Diese sehr durchsichtige Taktik, die »veiter nichts beweist, als daß der Flottenplan sogar seinen Interessenten abschreckend genug erscheint, um sie entgegen ihrer sonstigen Ge- »vohnhcit den zu betölpelndc» Arbeitern ein freundliches Gesicht chneidcn zn lassen, kann die Arbeiter zu keinen»„Entgcgeiikonnnen" veranlassen: eine solche Ennuchenpolitil hat die Arbeiterklasse nie ge« trieben und»vird sie niemals treiben; sich dafür zu begeistern, über- läßt sie den national-socialen und profcfloralcn Flotten- chivärmcrn. Will sie sich selbst treu bleiben und will sie ihre große Zukunft sichern, so»nuß sie an ihrer principicllcn Politik festhalten, und zwar»ach ihrer alten Geiuohnhcit an jener echt principicllcn Politik, die nnter vollkommener Wahrung aller Grund- atze zugleich allen praktischen Möglichkeiten gerecht»vird. Hieran» .olgt aber, daß eine rein defensive Stellung in den finanziellen und konstitutionellen Fragen für sie gegenüber der Flotteuvorlage nicht genügt. Diese defensive Stellling»nüßte der konsequente Liberalismus — hätten die anders einen in Deutschland!— auch«imiehme». Die Socialdemokratic muß mehr Ihun, sowohl weil sie mehr ver als auch weil sür sie mehr auf dem Spiel steht■ Dcyigcmaß hat die Resolution, die in voriger Woche von den Berliner Arbeitern pcgen die Flottenvorlage gefaßt worden ist, bei ihrer notgedrungen kurzen Fassung die konstitutionelle» und finanziellen Seiten der Sache gar nicht oder nur nebensächlich berührt und das Schwergewicht ihres Protestes in die Verurteilung derjenigen Tendenzen gelegt, die unter dem Schlagwort der Wcltpolitit zusannnciigesaßr werden. Von diesem Schlagwort, gilt in erster Reihe: Hier ist der Feind Nicht als ob die Socialdcmokratie sich vor einem Schlagwort fürchtete, ruohl aber weil der liberale Philister sich durch Schlagworte ins Bockshorn jagen laßt. Beweis die Wahlen von 1878 und 1887, wo üch die. Spießbürger durch die lächerlichsten Schlagworte derartig hypnotisieren ließen, daß sie, ihre eißencn Interessen mit Füßen tretend, ins Garn der Reaktion rannten. Dann ober ist das Schlag wort der Weltpolitik eben nur die Maske für jene mächtigen Interesse», die rücksichtslos entschlossen sind, die Flottenvorlage durchzusetzen, und— was nicht übersehen werden darf— dabei iclbst wieder unter einem unerbittlichen Zwang historischer Not wcndigkeit stehe». Gorade dies hat die proletarische Opposition seit jeher vor der bürgerlichen vorausgehabt, daß sie sich nie mit der unfruchtbaren Defensive begnügt hat, auf den papieruen Schein ihres Rechts zu pochen, sondern daß sie sich stets in die Politik ihrer Gegner hincinzudcuken vermocht nud die gegebene Situation»ach allen Richtungen zu durchdringen gewußt hat, wodurch allein sie ihren Gegnern immer überlegen geblieben ist. Wenn die liberale Opposition sich begnügt zu sagen: Die Weltpolitik, die sich in de» uferlosen Flottenpläncn verkörpert, ist eine windige Projckteumacherci, so das ganz richtig, aber auch ganz von der Oberfläche geschöpft. Erst indem die proletarische Opposition prüft, woher diese ivindige Projektcnmacherci kommt, indem sie sich über die ernsthaften Ursachen klar wird, die in noch so lächerlichen Wirkungen hervortreten, gewinnt sie den festen Boden, worauf sie der falschen und gegeiiwärtig mächtigen Wcltpolitik die richtige und auf die Dauer siegreiche Welt- Politik entgegenzusetzen vermag. Dieser ihrer allbewährten Methode istdie Socialdemokratie in dem politischen Kampfs der letzten Monate treu geblieben, und ihre Organe haben das Schlagwort det Wcltpolitik in allen möglichen Richtungen gründlich zerpflückt. Gleichwohl mag es nützlich sein, augenblicklich, wo der Kampf zu einer Art Stillstand gekommen ist noch einmal die wesentlichsten Gesichtspunkte zusammenzufassen, um d-e es sich bei der sogenannten Weltpolitik handelt. Es würde jedoch ermüdend sein und zur Wiederholung oft schon gesagter Dil zwingen, wenn wir alle die Redensarten der Flottcnschlvnrmcr der Reihe nach untersuchen wollte»; wir ziehen es vor, eine» kürzeren Weg einzuschlagen, indem wir die historische Entwicklung der kapita- listischen Wcltpolitik in ihren großen Zügen vorfolgcn lassen und i» je einen, Artikel die Wcltpolitik des kapitalistischen Absolutismus. die Weltpolitik des bürgerlichen Handelskapitals, die Welt Politik der großen Industrie und die Wcltpolitik des krachenden Kapitalismus beleuchten. Auf diesem Wege brauchen wir die Redensarten des gegcnwäriigcn WasscrpatriotiSmns nur da mit einem Wort zu berühren, wo sie von den historischen Thatsacheu totgeschlagen werde», und neben allen Anuehmlichkeitcu dieser sununarischen Methode haben wir noch den Vorteil, klaren Einblick in die Ursachen zu gewinnen, aus denen sich sowohl die reaktionäre Weltpolitik dcS Deutschen Reichs ivie die revolutionäre Weltpolitik des deirtschen Proletariats erklärt. A!>sZikiJisze Berlin, den 1». Februar. Das unsaubere Doppelspiel, das die konservativen Agrarier hinsichtlicki der Flottenvorlage treiben, ist im Reichstag vor dem ganzen Volk eullarvt worden Vielleicht werden sie künstig vorsichtiger reden und schreiben. Durchweg Gegner der Flottenvortage schwelgen sie iiinatio nalen Phrasen, während sie in maskicrteli Zeitungsartikeln und privaten Gesprächen gegen das große nationale Werk intriguiercn. Die elende Feigheit der Gesellschaft wird nur durch den eklen Byzantinismus imd die erstaunliche Beschränktheit übertroffest. Mit der mutigen Opposition gegen die Äanalvorlage haben sie sich offenbar vollständig erschöpft und darum gefallen' sie sich nun in niedrigen heuchlerischen Spekulationen auf die Hosgunst. Die„Kreuz- Z e i t u n g" schreibt heute über unsre Protcstversammlungcu: „Der iu großem Stile uiiternommcue Versuch der jedenfalls von der socialdemokratischen Mcinlmgsfreihcit und Urteils- föhigkcit noch viel zu optimistisch dciikcndc» Professoren, die „Genossen" mit„Gcisteswaffcu" zu bekämpfen, ist auf der ganzen Linie.fehlgeschlagen. Darüber darf man sich nicht täuschen. Es ist dies eben ein Glied mehr in der Kette der Bc- iveise dafür, daß einer rein auf Verhetzung nud UiizufriedenheitS- erregung dressierten Agitationsparlei gegenüber noch so scharfe n»d noch so trefflich geführte„Goisteswaffen" gar nichts ausrichten... Die Socialdemokratie bildet eben mit vollen, Bc- wußtscin und n,it großer Konsequenz eine Well für sich, und wem, man nicht kräftigere Mittel und gangbarere Wege alö den Gcistrrkampf findet, um die Arbeiterschaft von der socialdemokratischen Fiihning und Verführung zu trennen, wird »lan nicht dazu gelangen, die Verführten ivicdcr dem nationalen Gedanken zurückzuerobcr». Gleichwofil wäre cö als ein guter Erfolg des letzten Versuchs der Professoren, durch geistige Waffen in socialdemokratischen Bersammlnngci, etwas auszurichten, zu begrüßen. wenn man sich des Mißerfolges und seiner Ursache klar bewußt würde und für die Zukunft ciiti'prcchciidc Lehren daraus Zöge." Mit gemoinorcr Peru die ist kaum jemals der Ruf nach dem starken Mann, nach„kräftigem! Mitteln" des Staatsstreichs, des Ausnyhmegesetzes,' der brutalen Unterdrückung erhoben worden, als hier anläßlich der Haltung der Socialdcmokratie zur Flottenvorlage, gegen die doch die Kon- scrvativcn genau so feindlich gesinnt sind wie wir selbst, Wenk, auch aus sehr wenig lauteren und knltur- förderlichen Gründen. Nach ocn Vorgängen im Reichstag wird die„Kreuz- Zeitung" künftig vielleicht ein wenig vorsichtiger sein. Statt sich über die„Wasserscheu" der Arbeiter heuchlerisch aufzu- regen— um oben einen guten Eindruck zu machen— soll sie lieber erst ihre eignen Parteigänger im Lande für die Flotte begeistern. Einstweilen hat auf dem stachen Lande keine einzige konservative Versammlung zur Agitation für die Welt- Politik stattgefunden. Fürchtet man, mit— faulen Aepfeln begrüßt zu werden?—_ Das prcnßifchc Abgeordnetenhaus beendete Sonnabend die Spccialberatnng des Etats der Justizver- waltimg. Die Debatte war recht belanglos. Bein, Titel„Gehalt des Ministers" wurde noch von verschiedenen Seiten Beschwerde über die Höhe der Gcrichtskosten geführt, das zu milde Urteil einer Berliner Slraskammer gegen einen Sittlichkensatlentätcr kritisiert und ein langer Mandarinenstreit darüber ansgefochten, ob die Präsi- denton der Lberlandcsgerichte. die Herren der Znstizprovmzen. nicht in eine höhere Rangstufe gehörten, als die S cnatsprästd enten jüngst geschaffenen Reichs- MiliiärgdeS erichts. Bei den fest» gendcn Kapiteln des Etats wurde es noch ärger; da regten sich die verschiedenen Kirchturmsinteressen und in langen Reden' wurde die Notwendigkeit des Neubaues eines Gerichts in diesem oder jenem Landstädtchen erwogen. In diese laug wciligen und breiten Erorterinigei, fiel die Anregung dcS freisimiMu Abg.'G o l d s ch in i d t, die Lage der Kanzliste». Diätare, Bogen sebreiber und Aktcnheftcr zu verbessern. Vom Rcgierimgstisch wurde sehr kühl erwidert, daß daran nicht zu denken sei. Der Andrang der Eivilversorgnngsbcrechtigtcn zu dieser„Laufbahn" sei besonders in Berlin so groß, daß die Leute eben sehr lange auf feste Aiistellnug warten müßten. Womit die Sache erledigt war.— Am M o u tag werden die Etats der direkten und indirekten Stenern beraten.— Tic„Notleidenden" nnd der agrarische„Notstand". Der bündlerischc Notstaudsjainmcr im Cirkus Busch steht uns wieder bevor und in den nächsten Tagen werden die agrarischen Blätter wiederun, wiederhallen'von den Klagen übe die steigende„Notlage" der Großgrundbesitzer. Angesichts dessen ist es nicht uninteressant, sich vor Augen zu führen, was die berufenen Vertreter der agrarischen Interessen, die Land w i r t s ch a s t s k a m m e r n, über den„Notstand" der Land Wirtschaft sagen. Der bayrische Land Wirtschafts rat schreibt: „Wie im vorjährigen Bericht, so kann auch jetzt konstatiert werden, daß sich die Lage der Landwirtschaft günstiger gestaltete n»d im allgemeinen eine Wendung zum Besseren eingetreten ist." Die L a n d w i r t s ch a f t s k a mm e r für Ostpreußen bekennt ebenfalls diese günstigere Gestaltung,„da der Ernte Ertrag und die Preise für landwirtschaftliche Produkte b e friedige ndere waren". Die L a n d w i r t s ch a f ts k a m m e r für W e st p r e u ß e n sagt: „„Bereits in, vorigen Jahr konnten wir mitteilen, daß durch ein Anziehen der Preise für Getreide, Vieb und Spiritus eine kleine Besserung im landwirtschaftlichen Gewerbe sich zeigte. Diese hat ebenfalls'für das Berichtsjahr, wenn auch mit einigen Schwankungen, und in, Verein mit einer relativ günstigen Ernte wieder den Landwirten cinigei, Mut eingeflößt. Die L a n d w i r t f ch a f t s k a m m e r sür Pommern konstatiert: „In wirtschaftlicher Beziehung muß das verflosienc Jahr nl ein besseres denn sciiic Vorgänger eingeschätzt werden. Die Witterungsverhältnisse waren im ganzen günstig u»d, wenn auch in den emzcluen Gegenden der Provinz verschiede!,, so ließen sie doch überall verhältnismäßig reiche Getreide- und Fnttcr- ernten zu." Die L a n d w i r t s ch a f t s k a m m e r für Schlesien nmink die Preise„einigermaßen lohnend", und die La n dwirtschaftskammerfür die Provinz Sachsen sagte; „Immerhin ist der bessere Stand der Getreidepreise der Landivirtschaft besonders dadurch zu statten gekommen, daß im allgemeinen die Ernte eine gute Mittclcriite war nnd die Erträgnisse ans der Feldwirtschaft sich, dadurch befriedigend gestalteten. Auch die Einnahmen aus der inneren Wirtschaft zeigten eine Steigerung, weil sich in, Sommer ganz allmählig die Vieh- preise von ihrem seitherigen Tiefstände erholten und einen flotten und lohnenden Absatz aller Art. namentlich für Schweine, brachten." Die LandwirtschaftskammerfürSchleswig- H o l st e i n sprach von einem„im ganzen etwas g ü n st i- g c r e n Bilde" als die„leisten letztverflossenen Jähre boten: „Die Viehprcisc hielten sich bei reckt reger Nachfrage sür Zucht-, Nutz- und Schlachtvieh ans angcnicssencr Höhe." Etwas gepreßt klingen dieseZugeständnisse. Die agrarisschen Kreise sind eben nicht so dumm, das Lob der fetten Jähre mit vollen Backen auszuposaunen. Indessen: Zugeständnisse der Profite, die seit zwei Jahren und länger die Großgrundbesitzer einheimsen, sind es darum doch. Für die schreienden Cirkus- agrarier bestehen freilich die Berichte ihrer Interessen- Vertretungen nur dann, wenn sie das Echo des bündlerischen Notstandsjammers sind.— Deutsches Reich. Die Papicrflut. Wie wir schon angekündigt, bereitet der Flottenverein eine gewaltige Beschießung des Volkes mir Papiervsrovscn vor. Tie mehrfach er- wähnte Broschüre von Hans HartmqUn wird in ungehenrer Auslage überall gedruckt. Während eine Berliner Druckerei iVj Millionen in billigster Ausstattung herstellt— mit den, anfgedrnckten Preis von iO Pf.— wird in Brannschweig eine bessere Ausgabe für den Preis von 13 Pf. gedruckt. Natürlich wird alles gratis verbreitet. In welcher Weise die Flilgblatt-Berbreitniig vor sich gehen soll, das zeigt das solgenoe Aktenstück, das die„Leipziger Volkszeitung" veröffentlicht: „Streng vertraulich! Leipzig, Januar 1900. Geehrter Herr! Das Präsidium des deutschen FlottcnvcrcinS hat beschkosscn, am 10.(15.?) Februar d. I. an die gesamte deutsche Arbeiterschaft eine Flugschrift zu vertreiben, die rein sachlich und in keiner Weise agitatorisch die Frage behandeln soll, welche Bedeutung und welchen Nutzen die Schaffung einer st a r k e n deutschen Flotte für unsre Arbeiterschaft haben ivird. Es wird darin dargelegt sein, wie ein weiteres Emporkommen nnsres deutschen Arbeitcr- standcs und eine Verbesserung seiner Lebens- Haltung nur möglich i st. wen» unsre deutsche Flotte und damit unser Handel und Industrie bedeutend erstarkt. Mit Genehmigung des Herrn Präsidenten der hiesigen Handelskammer hat nun am 18. d. M. in d e r e n R ä n in e n eine vertrauliche Besprechung stattgefunden, an der die Vertreter folgender Finnen teilgenontmen haben:(Folgen die Firmen.) Die Erschienenen haben sich einftiimnig bereit erklärt, an der Verbreitung dieser Schrift mitzuwirken und dieselben in ihren Fabrik e'i, verteilen zu lassen, auch sonst dem Unter- iiehnicn ihre volle moralische und finanzielle Unterstützung zu- gesagt. Wir erlauben n»S deshalb, mich an Sie mit der Bitte heran- zutreten, den beifolgenden Fragebogen möglichst umgehend auszufüllen und an uns zurückgelangen zu lassen. Indem wir Ihnen im voraus sür Ihre liebenswürdige Bereit- Willigkeit zur Unterstützung dieses vaterländischen Unternehmens nusren besten Dank sagen, bitten wir Sie gleichzeitig im Interesse dcS Gelingens desselben, diese Mit- tcilimg als eine durchaus vertrauliche betrachten zu wollen. Mit vorzüglicher Hochachtimg Deutscher Flottenverein(Geschäftsstelle Leipzig) (gez.) E. v. B r c s s e Ii S d o r f. Der Fragebogen lautet:_ 1. Sind Sie bereit, die Broschüre an Ihre männlichen volljährigen Arbeiter in Ihrer Fabrik zu verteilen oder auf Ihre Kosten per Post in deren Wohnung zu senden? 2. Wie vieler Exemplare bedürfen Sie in diesem Falle? 3. Würden Sie"im verncincilden Falle bereit sein. unS die Adressen ihrer männlichen volljährigen Arbeiter zur Vcrfügliiig zu stelle», damit wir selbst an diese die Schrift ver- senden resp. verteilen? 4. Sind Sie in diesem Fall bereit, zu den hierdurch er- wachsenden Kosten einen Beitrag zu leisten? Im Fall der Bejahung der Fragen 3 und 4 bitten wir die Liste Ihrer Arbeiter bez. den Beitrag an die G e s ch ä s t s st e I l e des deutschen Flotten Vereins, Brühl 23, I., gelangen zu lassen. Am meisten wäre nnS gedient, wem, Sie die Broschüre selbst an Ihre Arbeiter verteilen oder diesen per Post zu- schicken würde», da uns dadurch viel Arbeit und Kosten erspart blieben." Der Inhalt des Machwerks, mit dem der Flottenvercin die Arbeiter zu„ü b c r ra sch e n" gedenkt, ist so blödsiiiiiig-verlogen. daß die Zuuiudiiig,„volljährige" Arbeiter könnten dadurch belehrt werden, nur auf die irrige Schätzung der Einsicht des Proletariats nach den, Maßstäbe der Intelligenz der Marine-Agitatoren und -Lieferanten zurückgeführt werden kann.—- Die Vaterschaft der Wcltpolitik nimmt in der„Täglichen Rundschau" Dr. Karl Peters sür sich in Anspruch. Und zwar mit vollem Recht. Er hat schon vor mehr als zehn Jahren die Politik der Bnlow und Tirpitz verfochten, wurde freilich damals ausgelacht. Er selbst weist darauf hin, daß er 1896 40EMillioncn für die Flotte verlangt hat, aber auf den Widerspruch der Abgg. Hammacher und Prinz Arenberg gestoßen sei. Jetzt sei man für mehr als das Doppelte, obwohi sich seit 1396 d,c Weltlage nicht wesentlich ver- schoben habe. Der Sprößling, der von den heutigen Machthabern alimentiert wird, ist in der That seines natürlichen Erzeugers würdig.— Flotten-Karueval. Dem Künstlerfest der Düsse!-> d o r f e r Maler, der„Malkasten"- Redoute wird diesmal„der Triumph" der„Ha u s a" als„Idee" zu Grunde liegen. Und zwar wird diese Karnevals-Jdee mit besonderer Rücksicht auf die F! o t t c n v o r l a g e durchgeführt' werden. Es soll eine Narrenmahunng sür das 20. Jahrhundert werden,„das dem Deut- scheu Reich" die ihm gebührende Stellung einer ersten Weltmacht mit Hilfe einer starken Kriegsmarine einräumen wird, dem hanseatischen Wahlspruch wieder aufnehmend: Mein Feld ist die Welt!" Wenn es nun nicht seitens der Großindustriellen und des Berliner Hofes Aufträge für die„freien" Künstler Düsseldorfs regnet!— Centrnm und Flottenvorlage. Die„Köln. Volkszeitung" konstatiert, daß die Centrums-Fraktion hinsichtlich des entscheidenden Punkte?, der Deckniigsfragc, völlig geschlossen auftritt. „Das ist eine Thatsache von der größten Bedeutung. um so mehr als diese Geschlossenheit in dem gleichen Umfange bei früheren Gelegenheiten nicht vorhanden war. sondern die Fraktion mehrfach in zwei sich gegenseitig neutralisierende Hälften sich spaltete, wodurch sie ihre ziffernmäßig ausschlaggebende Stellung einbüßte. Daß dadurch der C ewtrum s p r e s s e ihre Aufgabe auf das äußerste erschwert war, braucht wohl nicht ausdrücklich hervorgehoben zu Iverden." Die„Köln. Volksztg." erklärt daim mit aller Entschiedenheit. daß das Centrnm für eine Flotte auf Pump nicht zu haben sei.— Das Wasserwettrüstc». Die„TüneS" kündigen gegenüber der deutschen Flottenvorlage eine Vermehrung der englischen Flotte an. Da wären also die sechs Milliarden, die unsre Lorlage fordert, bereits wieder zu wenig.— Ausführung der Gewerbe- OrdnuugS- Novellen. Der Bundesrat wird sich, wie offiziös mitgeteilt wird, in naher Zeit mit der Beratung von zwei Verordnungen zu befassen haben, welche sich auf die Ansfühnulg von Gewcrbc-Ordimngs-Novellcn beziehen. Einmal wird cS sich um eine kaiserliche Verordnung handeln, welche den Rest des H a n d w e r ks o r g a n i s a t i o n s- G e s c tz e s vom Jahre 1897 in«eltniig bringen soll. Bekanntlich sollen an, 1. April d. I. die Handwerkskammern in Thätigkeit treten. Damit dies möglich wird, ist es nötig, den auf sie bezüglichen Ab- schnitt des Handwerksorganisations- Gesetzes in Kraft an setzen. Gleichzeitig sollen übrigens auch die Bcstinlnmngen über den Meistertitel nnd die allgemeinen Vorschriften über die Lehrlings- Verhältnisse zur Einführung kommen. Die zweite Verordnung wird sich auf die Novelle vom Jahre 1891- beziehen. In dieser ist bestimmt, daß die Vorschriften über Arbeiterschutz und über die g c w e r b Ii ch e An fsich t auch auf die Werkstätten mit Motorciivetrieb ansgedehnt werden sollen. In der in Aussicht stehenden Verordnung wird es sich um die Ausführmig dieser Bc- stimmung handeln, iii welcher dem Bundesrate das Recht vorbehalten ist. für gewisse Arten von Betrieben Ausnahmen von bestimmten Vorschriften nachzulassen. Warenhausstcuer. Der Gesetzentwurf, betreffend die Bcstcncriliig der Warenhäuser, ist im Staatsmimsterium durch- beraten, soll die Genehmigung durch den König erhalten haben und demnächst dem Landtag vorgelegt werden. Einen Gesetzentwurf gegen de» Bertragsbrnch landwirt-: schaftlicher Arbeiter hat soeben nach.derühmtci, Mustern die Re- gienmg in Bramnchweig dem braunschtveigischc» Landtag zugehen lassen. In dem Entwurf werden Strafen bis zu dreißig Mark ventuell zehn Tag e n Haft für solche Arbeiter vor- gesehen, die widerrechtlich den Antritt der Arbeit ver- weigern oder die Arbeit verlassen; auch soll die zwang?- >v e'i s e Zuführung derselben durch die Landespolizeibehörden auf Kosten der Arbeiter und auf Antrag des Arbeitgebers „lässig fein. In beiden Fällen muß der Antrag binnen einer'Woche nach Begehung der strafbaren Handlung gestellt icin. Ferner soll mit einer Goldstrafe bis zu 130 Mark oder mit Haft bis zu 6 Wochen bestraft werden, Iver landwirtschaftliche Arbeiter zur widerrechtlichen Verweigerung des Autritts der Arbeit oder zum widerrechtlichen Verlassen derselben o e r l e i t e t oder leer landwirtschaftliche Arbeiter, von denen er weiß oder den Umständen nach annehmen muß, daß sie bei einem andern Arbeitgeber widerrechtlich den Antritt der Arbeit verweigert oder die Arbeit verlassen haben, für einen Zeitraum in Arbeit nimmt, wo die Vertragsbrüchigen Arbeiter dem andern Arbeitgeber zur Arbeit verpflichtet sind. Im ersteren Falle soll der Arbeitgeber sür den Schaden verantwortlich sein und neben dem. Arbeiter als Gesamt- chnldner haften. Es soll angeblich an der Annahme des Entwurfs kein Zweifel ein, und das ist ja auch gern zu glauben, da für die Ver- klavung der Landarbeiter in den deutschen Parlamenten immer leicht Mehrheiten der bürgerlichen Abgeordneten zusammen zu bringen sind.— Die Meldungen über neuere Eisenbahner-Entlassungen in Sachsen, die wir gestern unter Bernfung auf bürgerlich« Blätter gaben, erweisen sich als unwahr. Die„Sächs. Arbeitcrztg." hat Er- lnndigungen eingezogen und diese AuSIunft erhalten. Die Alarm- nachr'icht ging von den„Dresdener Neuesten Nachrichten" ouS.— Die Aushebung der Kohleiianöfuhrtarife beabsichtigt nach der„Köln. Ztg." die preußische StaatSbahnvcrwaltnng. Sie waren ursprünglich eingeführt, so wird die Maßregel begründet, um Uiisen, Kohlenzechen, als sie im Inland keinen genügenden Absatzmarkt fanden, den Wettbewerb im Auslande zur Herabsetzung ihrer Selbst- kosten und zur Erhaltung ihrer großen Arbeiterschar zu erleichten, und zu ermöglichen. Sie haben jetzt ihren Zweck erfüllt und sind unnötig geworden, seit es den Kohlenzechen nicht einmal mehr ge- lingt, den Inlandsbedarf zu befriedigen. �— Chronik der MajestätSbclcidigiuigS-Prozcffe. Die Druckschrift„Parisiaua, deutsche Verse aus Paris", von Oskar Panizza, wurde vom Landgericht München 1 wegen Majestätsbeleidigung beschlagnahmt. Gegen Panizza wurde ein Haftbefehl erlassen. Der Schriftsteller wohnt aber, weit vorm Schuß, in Paris.—_ Ausland. Die Adrcsidebatte im englischen Unt erhauS ist am Freitag zu Ende gegangen und hat, wie zu erwarten war. mit einem Siege der Regierung geendet. Balfaur beantragte am Freitag SchM der Debatte und die Adresse wurde darauf mit 229 gegen 39 Stimme» angenommen. Die Minorität bestand aus J r län d e rn. Jin lvcitcrn Verlauf erklärt B a l s o u r:„llusre Information vom Kriegsschauplatz weist auf die.Thätsache hin, daß Buller den Vor- marsch ans der Stellung, Lid er am Mittwoch einnahm, nicht beeile. (Inzwischen hat er sich' mit dem Rückmarsch beeilt, Red,). Wir haben eS nicht für recht gehalten, in ihn wegen detaillierter Angaben über seine Operationen zu dringen; auch würden wir, falls er uns solche Angaben inachte/ sie zu veröffentlichen nicht früher für geeignet halten, bis die Operationen vollendet sind." London, 10. Februar, Heute nachmittag fand im Auswärtigen Amt ein Kabincttsrät statt, an welchem sämtliche Minister mit Aus- nähme der Lords Cadogan und Ashbourne teilnahmen. Frankreich. Noch immer Estcrhazy. Estcrhazh verlangte vom Justiz- minister, daß er gegen ihn aus Grund des Spionagegesetzes eine Untersuchung wegen des Bordereaus einleite, das er im Auftrage des Obersten S a n d h e r r an S ck w a r z k o p p e n ge- richtet und das fälschlich, D r e y f u S zugeschrieben worden sei. Die von Schwarzkoppcu empfangenen 200 000 Fr.(?) habe er mit 4 AssocieS geteilt. Auch das Schriftstück des Geheim- Dossiers„cette Canaille-de D." betreffe ihn. Er will sich st e l l e n. wenn.er wegen der andern gegen ihn schwebenden Angelegenheiten einen Gcleitbrief erhält. Man glaubt, die Regierung werde dein Ersuchen Folge geben. Der Schritt EstcrhazyS erregt hier große Sensation. PariS, 10, Februar, Der Socialist Rouanct richtete an den Ministerpräsidenten eiir Schreiben, in welchem er ankündigt, er werde i hn am kommenden Montag über die antirepublikanischen Kundgebungen und die ungehörige Sprache kirchlicher Würdenträger interpellieren.— Schweden. Stockholm, 10, Februar. Beide Kammern lehnten heute den Antrag Hcdiu auf Einleitung von Verhandlungen mit Teutschland betreffend die Stadt W i's m a r ab. Türkei. Ter tliontcnegriuische Gesandte machte bei der Pforte Vor- stellungcn wegen des Einfalls einer Albancscnbande, welche einen Montenegriner getötet und einen Gendarm verwundet haben soll.— Vvtchsksg. (Schluß ans der 1. Beilage.) Staatssekretär Tirpit;: Der Herr Vorredner hat ja. was die Frage der Flottenver- Mehrung anlangt, nichts weseiulich Neues hinzugesügt(Lachen links) und so werde» Sie.auch von mir nicht erwarten lönneu, daß ich zur Sache neues sage,(Gryße, Heiterkeit; Sehr richtig! links.) Ali eine Bemerkung dcS Herrn Vorredners möchte ich aber doch näher eingehen, � Er drückte sich so aus, alS ob bei der Beratung des ersten FlottcngesctzeS gewissermaßen eine Täuschung von feiten der Regierung vorgelegen hätte, als ob die Regierung es gewußt hätte. daß eine neue Vorlage bereits geplant>var. oder vielmehr er. drückte es konditional aus, wenn sie es gewußt hätte, dann würde es eine Täuschung sein. Gegen einen derartigen Gedanken muß ich entschieden Verwahrung einlegen,(Lachen links.) Sic Begründung des ersicn Flottcngesetzcs sogt ausdrücklich:„Da der Sollbestand nicht nach künftigen Be- diirfiüsjeu, sondern nach dem heutigen Secintcveff'o zu bemesitn ist, müßte derselbe schon jetzt vorbanden sein". Die Begniiidlulg hat also ausdrücklich mit den damaligen Seeinteressen gerechnet. Wenn wir damals bereits die Absicht gehabt hätten, nach drei Jahren mit Renforderungcn zu kommen, so wäre eS doch einfacher gewesen, statt des Septcnnat, woraus uachher ein Sexennat wurde, ein Tricnnat vorzuschlagen, dann hätten wir jetzt völlig'freie Hand, Der Herr Vorpedner ist dann iveiter auf die militärische Bedeutung zurückgekommen, die ich nach dem Flottcngesctz von lö98 der Flotte beigelegt hätte, In der Begründung jener Vorlage ist ausdrücklich ausgeführt, daß cS sich lediglich um eine Aiisfallflotte handle. Eine solche Ausfall- flotte zieht sich vor eiiinn übermächtigen Gegner zurück und wagt nur gelegentlich einen Ausfall, Jetzt allerdings liegt ja ein Unter- schied in der Anffaisuiig vor. wir schätzen jetzt die Gefahr höher als damals. Diese Auffassung hat sich in uns von Monat zu Monat. von Halbjahr zu Halbjahr so verdichtet, daß daraus, dann diese. Vorlage culftmideu ist. Wir. sind jetzt der Ansicht, daß die Flotte so stark sein mnß, daß sie die Nordsee seihst frei holten kann gegen jede Sdemachr..(Aha! links.) Die Flotte bleibt schwach an Zahl, weil sie lediglich� den Charakter der politischen Defensive behält. Ich habe gestern aber ausgeführt, daß wir' diese numerische Schwache ersetzen toollcn durch eine innere Stärke, die erreicht wird durch eine vorzügliche Ausbildung und eine feste ge- schlojscne Organisation, Tamil glauben wir den Zweck der Vorlage, die Freihaltüng der Nordsee gegen jeglichen Feind, erreichen zu können. Es handelt sich darum, jetzt ein Ganzes zu schaffen, nicht darum einzelne Schiffe hinzuzufügen, und deshalb muß auch das Ziel dieses Baues grundsätzlich genehmigt sein. Bei einem Hansbau kann man doch auch nur da»», das Fundament legen, wenn man sicher ist. später in der Lage zu jcin weilcrzubauen. Herr Bebel hat mir vor- geworfen, daß ich mich für die Entwicklung unseres SchiffsbaugS so iutercssicre. Ja. das thue ich von gaiizcüi Herzen und werbe cS auch weiter thun. Ich halte diese Entwicklung für außerordentlich wichtig für die Entwicklung unseres gesamten Handels, Ter Schiffsbau mnß«über die Leistung dessen stehen, Ivos durchschnittlich in normaler Zeit gebraucht wird, damit wir auch mal stärker bancn und die Weltkonjunktur ausnutze» können. Herr Bebel sprach von einer Hypertrophie des Schiffsbaus. Wir bezichen aber noch 30 Proz. der Schiffe von auswärtigen Werften, während unser Ziel ist, daß däS Änslani» nach nusren Werften Aufträge giebt,— Ter, Nutze», den die Arbeiter durch die vermehrte Arbeitsgelegenheit von der Flottenvorlage habe», ist der kleinste. Ter Hänptvorteil für die Arbeiter liegt darin, daß die Flotte einen Schutz der gesamten Weltwirtschaft Deutschlands abgeben soll, der wieder unsrer ge- samten Arbeiterschaft zu gute kommt.(Sehr richtig! rechts.) Abg. Frhr. v. Wangcuhcim(dk.): Ich habe nur eine persönliche Erklärung abzugeben. Die Nach- richt der„Germania", daß ich oder Herr Doktor Hahn in perfider Weise beim Eeütrnm für. die Ablehnimg der Flotteiworlage gehetzt haben sollen, ist frei erfunden nnd erlogen. Ich weiß nickü. Ivos größer ist. die Gemeinheit, der Gesinnung oder die Dumm- heit der Erfinder.(Sehr richtig rechts.)' Wer für die Ab- lehuiing der Flottcnvorlage hetzte, das würde de» schlvcrsten Vorwurf verdienen. Die Laudmirtschaft wird durch die Borlage schwer belastet. Sie kann eS aber nicht über sich gewinnen, in einer solch nationalen Frage die materiellen Interessen voranzustellen. Das ist auch der Standpunkt des Bundes der Landwirte. Aus nationalen Gründen wird die Landwirtschaft alle Lasten, die sie noch tragen kann, ans sich nehmen. Sache einer nationalen Wirtschaftspolitik wird es sein, die Land- tvirtfchaft in den Stand zu setzen, Lasten tragen zu können, daß sie nicht eines Tags erklären mnß: Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren. Ich bedaure, daß die Rede des Herrn Hilpert neulich fo ausgelacht worden ist. Sie verdiente eS nicht, denn ihr Gedankengang ivac richtig aus der Not der kleinbäuer- lichen Besitzer heraus eiupsimdeii. Thatsache ist, daß in weiten Kreisen der ländlichen Bevöllemng Rtiststimmung gegen die Vorlage besteht. Die Landwirtschaft erwartet nun endlich Hilfe von der Regierung. Vor allem muß nun das Fleischschaugesetz eingeführt werden. Die Zukunft des deutschen Vaterlands wurzelt in der heimischen Erde, nicht über den Wassern. Die wirtschaftliche Selbständigkeit Deutschlands muß vor allem gewahrt iverden. Wenn das Großkapital lvcit hinausgehen will, muß cS das auf eigne Gefahr thun. Wir können keine der-englischen Flotte ähnliche ans' die Beine stelle». Herr Bebel hat uns Freundschaft mit England angeraten. Ich rate zur Vorsicht, damit uns nicht einmal der liebevolle englische Arm die Kehle zuschnürt. Noch ein paar Worte zur Deckungsfrage. Ich bin nicht für Anleihen, sondern für Stenern, die denen auferlegt iverden, die den Hauptvortcil von der Flotte haben werden. Vielleicht besteuert man auch die Flotteiirchen nach Länge und Wert, ganz gleich ob sie für oder gegen die Flotte gehalten werden.(Heiterkeit.) Herr Bebel sagte, seine Partei sei die Partei des Friedens. Vielleicht zeigt er das zuerst im Inland und läßt ab von der Verhetzung zwischen den eiiizelnen Ständen, damit würde auch manche Gclvaltthätigkeit ver- mieden werden.(Sehr richtig, rechts.) Herr Bebel hat das Interesse der Arbeiter am Flottcnbau'geleugnet. Ich kenne viele Arbeiter, die aus eigenstem Interesse flott'cnfrcnndlich sind.(Beifall rechts.) Abg. Szmnla(C.): Ich mnß ans die Worte des Abg. v. Wangenhein, die er Ein- gangs feiner Rede gesprochen hat, erwidern und stelle ihnen die ein- fache folgende Thatsache entgegen. Ich habe mit dem Abg. Dr. Hahn im Foyer des Abgeordnetenhauses über die ländliche Arbeiterfrage gesprochen. Bei dieser Gelegenheit hat mir Dr. Hahn gesagt:„Ach, hätten wir nur erst die gräßliche Flotte weg. Sehen Sie doch zu, daß Sic möglichst viele Ihrer Fraktionsmitglicdcr bestimmen, gegen die Flotte zu stimmen.(Hört, hört! im Centrum und links.) Ich habe mich für verpflichtet gehalten, meiner Fraktion in vertraulicher Weise von diesem Gespräch Mitteilung zu machen, damit sie über die Stimmung, die über die Flottcnvorlage auch anderswo herrscht,' unterrichtet sei. Für die Veröffentlichung dieser vertraulichen Mitteilung durch die Preise kann ich nichts. an ihr habe ich keinen Teil. Ich finde es unbegreiflich, daß Herr von Wangenheim, ohne Zeuge dieser Uilterrednng gewesen zu sein, hier solche Worte gebraucht hat, und gebe meiner Entrüstung über diese Worte Ausdruck. Ich appelliere an das Hans und frage Sie, Ivcm schenken Sie mehr Glauben. mir, einem alten in Ehren grau geivordenen Manne, oder Herrn Dr. Hahn, der lvegcn seiner Redscligleit hinlänglich bekannt ist.(Bravo! im Centrum nnd links.) Abg. Hauffmann(südd. Bolksp.): Der Herr v. Wangcnhcim hat es zwar gckcngnet, aber anS seiner Rede klang eS doch deutlich heraus: die Bündler erwarten Gegen- dienste von der Rcgiening. Der Wechsel der Agrarier wird sicherlich präsentiert werden. Die Debatte hat sich von persönlicher Polemik ferngehalten, nur Herr Tirpitz hat Herrn Richter Person- lich angegriffen. Es wird in der Geschickte»och von Herrn Richter die Rede sein, wenn Herr Tirpitz längst vergessen ist.(Sehr richtig! links.) Der Abgeordnete Richter ist der verdienstvolle Vertreter des konstitnt'ioncllcn PrincipS, das hier wieder nicht gewahrt ist, und er verdient dafür unser» Dank. (Sehr richtig! links.) Herr Tirpitz hat gestern zn erkennen gegeben, daß die ncue Flotte auch nichr ausreichen wird. Es wird zu einer Verdoppelung des doppelten Flotten- geschwadcrs kommen. Um so ivcniger sind»vir geneigt, uns jetzt schon ans 10 Jahre zu binden. Die Gründe, die die Regierung an- führt, sind bei jeder Vorlage die gleickcn. Es sind allgemeine Wahrheiten, die man uns erst gar nicht zn erzählen braucht. (Sehr richtig! links.) Der Abg. Bafserinann hat behauptet, auch in meiner Partei sei Neigung für die Flottcnvorlage vorhanden, und hat sich aus eine Stelle iii der„Franks. Ztg." berufen. Ich verlese die Stelle:„Wir haben nie bestritten, daß die Zunahme des Außenhandels auch den Marine-Etat beeinflusse» muß. Darüber besteht keine Mcimmgsvcrschicdcnhcit in Deutschland." Diese An- schauung der„Frkf. Ztg." ist auch die meine. Aber daraus folgt doch durchaus nicht die Zustimmung zn dieser Vorlage. Früher ivar cS am Rcgiernngstisch üblich, auf den Dreibund hinzmveiscn. Heute Höpen wir kein Wort vom Dreibund, sondern nur noch vom Dreizack, als wenn bei ihm Hilfe zu finde» ist.(Große Heiterkeit links.) Gefördert wird die Mariiiestimnmng von de» Alldeutschen, den RüstiiiigSfanarikern und den Secpoetcn(Heiterkeit), die besonders alle weiblichen Zeituugs- leser begeistern. Sie lohen auf Weisung in Begeisterung ans, wie die Oltoberfener.(Heiterkeit links.) Dazu kommt die berechtigte Antipathie im deutschen Volke gegen die gegenwärtige englische Politik. Und die Negierimg lvill die momentane Mißstimmiiilg gegen England, die der Boereilkrieg wachgernscii hat. iin deutschen Herzen aus- nutzen. Es ist bei den Deutschen nicht Neid ans England, sondern chrliche, sittlich berechtigte Entrüslnng.(Sehr richtig, links.) Chamberlain hat durch seine dilcttantcnhafte Politik des englischen Wcltprotzentunis England völlig isoliert. Hoffen. wir, daß er nicht dauernd das Steucrrndcr führt. Für uns sind die könstittttioiielleii m»d finanziellen Bedenken gegen die Verdoppelmig der Schlocklflotte nnd die Fcftlcgnng rnif 16 Jahre entscheidend. Daß sich die Mariiievcrwaituiig ein Ziel setzt, wird ihrniemaiid verübeln. Siehätte ihre Aiisichtcn ja in einer Deiikschrift niederlegen kömicn, aber sie verlangt, daß wir uns heute ans einen gc- tvaltigen Plan in allen scineu Entwicklmigsstadien festlegen sollen. (Sehr richtig! links.l Die Vorlage zeigt nicht Vertrauen zum Reichstage, sondern das stärkste Mißtrauen. Nicht nur ivir sollen uns binde», binden sollen ivir auch unsre dritten Nachfolger noch.(Sehr gut! links.) Herr Nickcrt erklärt, er fühle sich nicht gebunden. Oh, es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotte»!(Sehr gut! links.) Große konsti- tutionelle Kämpfe werden durch diese Vorlage für die Znkuiift heraufbeschworen. Wem, das Gesetz erst einmal- angenommen ist. dann werden Sie ja sehen, ivie es auSgelcgr wird. Das vorige Gesetz und die jetzige Novelle ziisäinmeii ergeben ein gesetzgeberisches Werk, das in den Raritätenkasten gehört. Im Gesetz steht: Der Reichstag ist nicht verpflichtet,»ichr zn geben. In der Allonge, in der Novelle. aber steht: Er verpflichtet' sich, mehr zn geben nnd zwar ans 16 Jahre.(Heiterkeit links.) Die Vorlage bedeutet die Minderung des konstitutioncllcu Einflusses ans ein wichtiges Gebiet dcS RüstungSwesciis. Herr Baffermainr droht mit dem starken Mm,», der sonst daS Wahlrecht n»d die, Konstitution ganz beseitigen könnte. Nun. wenn der starke Mann kommt, dann findet er schon halb gethane Arbeit, ivenii die schiöqchen Männer von heule de» koiistitutionelleii Einfluß so beschränken, wie sie es durch Znstimmmig zu dieser Borlage thun wollen. Wir haben zn der gegenwärtigen Regicrimg iveder' in technischer noch in militärischer Hinsicht Vertrauen. Der absolute Wille setzt sich immer nichr durch. Umsomchr müssen wir die kulturellen Gcsichtspmikte betone». Ich habe hier eine Aeußerung aus allerhöchste», kaiserlichen Munde. J»,„Reichs- Anzeiger" hat sie allerdings nicht gestanden, weil sie von einen, auswärtigen Kaiser, den, Zaren Nikolaus II., herrührt. (Große Heiterkeit.) Redner verliest unter wachsender llnruhe deS Hauses, besonders der Rechten, eine sehr umfangreiche Stelle aus de», FricdcnSulauifcst» bis ihn die Glocke dcS Vorsitzenden unter- bricht.... Präsident Graf Bollestrcm! Sie dürfen diö Vorlesung nicht bis ins Unendliche ausdehncii. (Heiterkeit.) Kurze Sätze dürfen Sic verlesen, aber doch nicht ganze lange Ansprache». �' Abg. Hauffmann: Diese Worte auS kaiserlichein Munde fassen zusammen, was die Empfindung der kulturellen Kreise aller Länder ist. Unsre neuen Rüstungen können nur das Wahns i n„ige W e t t r ü st e>, a u ch aus d e m W a s s e r steigern. Auch von diesem Gesichtspunkte aus stimmen wir gegen die Vorlage!(Bravo! links). Staatssekretär Graf von Posadowsky: Der Vorredner sagte, er köintte zu uns von der Regierung kein Vertrauen haben, weder in technischer„och in militärischer Bc- -iehnng. Das hat mich gewundert. Denn ganz Europa, die ganze Welt hat zu unsen, militärischen Leistungen das größte Vertrauen und kein Land hat eine glorreichere Kriegsgeschichte als unser Vater- land. In der Zeitung habe ich gelesen, Herr Haußmam, oder ein FraktionSgenosse von ihm habe gesagt, die Gedanken hat die Social- demokratie eigentlich von der süddeiitschen Volkspartei, An diese Zeittlvgsltkiürc hat mich die heutige. Rede.HaußmannS erinnert. Er hat genau io ablchiiciid wie Herr Bebel gesprochen,' nnr ist. mir Herr Bebel verständlicher, denn er geht bön ganz anderen Auffassungen ans.. Er negiert den heutigen Staat, was doch Herr, Haußmai», nicht thut. Herr Haiißinai», hat hier sehr viel von konstitutionellen Bedenken gesprochen. Ich'hin auch' kdnstittitlvirell, aber wem, ich so kleinliche Bedenken geltend machen sollte, würde ich die Bedeutung der Vorlage gar nicht erkenne». Was ist i» der KonfliktSzcit gegen die Reorganisation der Armee nicht auch alles gesagt worden. Hätten Ivir aber nicht die Neorganisatioi, bekommen. wäre Preußen nicht groß geworden nnd ohne ein großes Preußen wären ivir nicht zu einem Deutschen Reich gekommen.(Lcbh. Widerspruch links. Ruf links: Indemnität; Lebhaftes Bravo rechts.) Noch einige Bemerkungen zu Herrn Bebel. Ich habe mir überlegt, ob ich über- Haupt etwas entgegnen soll, denn Herr Bebel begann seine Rede: Wir werden gegen jede Flottenvorlage stimmen. Mit einem solchen Standpunkt ist überhaupt uicksi zu rechten. Herr Bebel hat sonst viel vorgebracht, was mit der Vorlage nur sehr entfernt iin Zuswnmenhange steht. Dazu gehört auch der Fall mit dem Buchhalter des Fabrikbesitzers Löwe. Ich kenne Herrn Löwe nicht, aber ich meine,- man sollte- ihn erst hören, ehe man ein Urteil fällt. Es ist bedauerlich, daß solch unsubstailtiierte Angriffe hier erhoben werden, ohne daß sich der Angegriffene recht- fertigen kann. WaS Herr Bebel über die Kültnraufgaben gesagt hat, halte ich für recht wertlos. so lauge sich i», engen Raum die Sachen noch so hart stoße» wie bei uns.(Sehr richtig! rechts.) Wem, Herr Bebel zum Schluß Bemerkungen über die Monarchie gc- macht hat. so meine ich, wir können jeden Tag Gott auf den Knien danken, daff wir noch eine starke Monarchie haben und die Tendenzen des Herrn Bebel noch nicht die Oberhand gewonnen habe». Denn sollten sie herrschend iverden, dann werden erst recht die schönen Knlturpläne zusammenfallen, die uns- hier Herr Bebel an die Wand gemalt hat.(Lebhafter Beifall rechts; Zischen links.) Abg. Riffler(Bahr. Bauernbuiid) will sich seine Entscheidung über die Lorlage noch vorbehalten. Die Not der Landwirtschaft ist zu groß, im, der Vorlage jubelnd- zü- stimme» zu köimen. Ich kam, die Regierung nur warnen, die Industrie auf Kosten der Landwirtschaft zu sehr zu begünstigen. Andrerseits ist anzuerkennen, daß Deutschland in militärisch schwieriger Lage ist und ein unglücklicher Krieg iveit mehr kosten würde, als die ganze Flotteiworlage. Deckung muß aber beschafft werden, ohne daß die schwachen Schultern belastet werden.- Der Bauernstand verlangt von der Regiernng, wem, er der Vorlage zustimmt, Hilie durch günstige Handelsverträge, ein Flcischschau-Gesetz und andre Dinge. Staatssekretär Tiepift wendet sich gegen den Abg. Haußmaun- und bestreitet, daß die Flottcnvorlage von 1898 ein zwischen Regierung und Reichstag ab- geschlosscuer Pakt gewesen sei, wonach sich die Regierung verpflichtet habe, bis zun, Ablauf des Scptciiuats nichts mehr zu fordern. Herr Richter habe das am 7. Dezember ausdrücklich aiierkaiiuk. Abg. Freiherr' b. Hodeuberg(Welse): Im Gegensatz zun» Staatssekretär. Grafen v. Posadowsky muß ich sagen. Herr Bebel hat heute nicht so sehr als social- demokratischer Partcifiihrer, sondern in ehr als guter Deutscher nnd echter Friedensfreund gesprochen. Wir sind gegen eine zn schnelle Vermehrung dxr Flotte, weil wir glauben, daß die Güte der Schiffe darunter leiden muß, ebenso wie die Aus- bildnng der Mannschaften und Offiziere. Die Agitation für die Vorlage hat ein trauriges Bild gezeigt. Servilismns und Mangel an eigeucin Urteil waren besonders hervorstechend- Tie Koste» sind ungeheuer. Ich muß es bedoncr», daß in vielen fürstlichen Familien der Sinn sür Geld und Geldeswert fehlt. Ich muß cS ferner bedauern, daß sich Herr Wigand, der Direktor des Bremer Lloyd, interviewen läßt, um für dix Flotte zu agitieren. Wir wollen auch vorsichtig sein mit der Weltmachtspolitik.- Denn wohin eine solche Weltmachtspolitik führt, zeigt„nS England. Die Dcckungsfrage ist für uns nnr z!, lösen durch Erhöhinig der Matrikularbeiträgo. Wer die Suppe ein- gebrockt hat, soll sie auch ausessen. Eingebrockt hat uns die Vorlage die Zustimmung der Einzelregierungen. Diese mögen sich mit ihre» Landtagen anSeiiiaiidersetze,,. Vielleicht werden die Regierungen dann weniger den Berliner Einwirkungen zugänglich sein als jetzt. Wenn der Abgeordnete Hahn dem Abg. Sziiinl'a gesagtZ hat, ach wäre nur erst die gräßliche Flotte weg, so hat er damit nicht als Direktor des Bundes der Landwirte, aber als hannoverscher Abgeordneter das Richtige gesagt, den» die ganze hannoversche Laudmirtschaft will von der Flotteuvvrlage»ichtö missen. Wir sind für Koni- missioiiSberätniig und hoffe», daß die Vorlage dort recht lange bleiben wird. Inzwischen iverden wir den Etat in aller Ruhe fertig machen, lind wenn man uns dann ii» Mai oder Juni nach Hause schickt, wir sind für eine Aiiflösimg gerüstet.(Beifall links.)- Abg. Graf v. Stolberg(kons.): ■- Der» Abgeordneten v. Hodcnberg � bemerke, ich, daß auch wir Freunde der Flottcnvorlage Friedensfreunde sind. Die Vorlage ist nicht gegen irgend eine besiinimte Macht gerichtet. Wir sind nicht konfliktslüstcnr. Mit Verwunderung habe ich gelesci,. daß ich bei der letzten Militärvorlage zu einem Konflikt aiifgcpuiicht haben soll. Ich verkehre viel und höflich mit Abgeordneten andrer Parteien. Ich kann mich auf alle Privat- gespräche nicht besinnen, aber ich erkläre feierlich, ich habe nie. die Absicht gehabt, wegen des Abstrichs der 7000 Mami zn einen, Konflikt zu drängen. Dafür hielt ich daS ganze Objekt nicht für geeignet. Die F l o t t e n a g i t a t i o i, hat der Vorläge mehr geschadet als genutzt. Die Landwirtschaft ist in Not und deshalb ist dort die Stinuming der Vorlage nicht günstig. Sie hofft aber auf giiustigere Zeiten und ist bereit, nationale Opfcp zn bringe», Abg. Graf v. Oriola(natl.): De», Abg. Bebel erwidere ich, von, Servilismns ist bei uns bei dieser Vorlage nicht die Rede. Auch die in Not befindliche Land- wmchast Hai sich auS ernsten Erwägungen heraus im Interesse der „üüonalei, Wohlfahrt wem, auch schweren Herzens für die Neu- belasiiing erklärt. Sie erwartet dafür günstigere Handelsverträge. Sie verlangt gleiche Berücksichtigung wje die Industrie. Hierauf wird die Debatte geschlossen. Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Dr. Hahn(wildkons.): Der Güte des Herrn Präsidenten habe ich die Einsicht in das Stenogramm der Rede des Abg. Szmnla zu verdanken Er hat da eine Aeußerniig von mir citicrt, ich hätte mit ihm über die Arbeiter- 'rage gesprochen und wäre dann fortgefahren:„Ach", hätten wir nur erst die häßliche oder gräßliche Flotte weg. Sehen-Sie doch zn, daß Sie möglichst viele Ihrer FraktioiiSmitglieder bestimmen, gegen die Flotte zu stimmen. Wer„sich-kennt(Lebhaftes Lachen links) wird von mir nicht annchmei,, daß ich der deutschen Sprache in dieser Weise Geivalt anzuth,», im Stande bin.(Lebhafter Wider- sprnch links.) Aber auch inhaltlich ist diese Wiedergabe des Gespräches nicht zutreffend. Es war eine ganz uiwerbindliche Hilter- Haltung, soviel ich mich erinnere hier im Foyer des Reichstages. Sie werden mir gestatten müsse», das Gespräch nach meiner llrinnermm hier wiederzugeben.(Lachen links und im Centrum.) Herr-Sznml» beschwerte sich bei inir darüber, daß die Biindler keine polnischen Arbeiter bei sich aniiehnie» und beklagt sich, daß ich in Bundes- versanimlnngei, für die Flotteiworlage Sffmmiing gemacht hätte. Er sagte mir, wenn ich nach Oberschlesien konmici, sollte. N'iirde mau mich aushängen.(Große Heiterkeit.) Ich erwiderte ihm: Wenn Ihnen die Flotte so»nangenehm ist. dam, stiniine» Sie doch selber dagegen. Ich glaube, das frische Gedächtnis- eines 40 jährigen hat mehr Anspruch aus Beachtung, als das schon etwas müde ge- lv o r d e n e Gedächtnis e',„ c s'-S ieb zi'g j ä h r i g e»! Wci», der Herr Abgeordnete Hansinanli, ohne meine Erwiderung-ab.sil- lvarte», schon über mich abgeurteilt hat und gemeint hat, er glaube Herr» Szutula mehr als mir, so zeigt daS ein so geringes Maß von Rechtlichkeit, daß ich mich mit ihm aus eine iveitere Diskussion nicht einlasse» kann. Abg. Szmula(C.): Wenn Herr Abg. Hahn so wirr im Kopfe ist. daß er sich an seine Aeußerungen nicht mehr richtig erinnern kann, so thut mir daS leid. Präsident Graf Ballestrcm: Herr Abg. SZmula, Sie dürfen einem Abgeordneten nicht vor- werfen, daß er wirr im Kopfe sei.(Heiterkeit.) Abg. Szmnla(fortfahrend) Ich habe nicht gesagt, man würde ihn aufhängen, sondern man würde ihn mit faulen Aepfeln schmeißen und diese Aeußcrung ist hier im Ncichstagsfoyer gefallen. Die Unterredung, die ich mit ihm über die Flottenfrage hatie, hat aber im p r e u ß i- scheu Landtagsfoher stattgefunden. Ich bekräftige noch ein- mal und zwar mit meinem Ehrenwort, daß Herr Hahn die Aeußerung genau so gcthan hat, wie ich sie hier wiedergegeben habe. Ich hätte die ganze Sache hier nicht zur Sprache gebracht, wenn nicht Herr v. Wangenheim in so uuqualifizicrbarcr Weise gegen mich vorgegangen wäre. Ich hätte von ihm als Ehrenmann erwartet, daß er jetzt sein Bedauern ausspricht. Abg. Dr. Hahn: Ich kann mich nicht auf jedes einzelne Wort besinnen, dazu bin ich zu vorsichtig. Ich bin auch zu vorsichtig, um zu be- haupten, daß meine Aeußcrung wörtlich so gefallen ist, wie ich sie vorhin erivähnt habe, aber ich bleibe dabei, dem Sinne nach war sie nicht anders, als ich gesagt habe. Es ivar eben eine scherzhafte ganz harmlose Aenßcrniig(Rufe links: Ja wohl, harmlos). Wohin sollte es aber führen, wenn jedes Foyergespräch in öffentlicher Sitzung zum Gegenstand von Erörterungen gemacht werden könnte. Abg. Basscrmann(natl.) bleibt bei seiner Behauptung stehen, daß sowohl Herr Roiher und Herr Frey sich mindestens bedingt für eine Flotteiwermehrung aus- gesprochen haben. Abg. Hanssinann(slldd. Vp.) erklärt, daß er die ihm vom Grafen Posadowsky in den Mund ge- legten Worte, was die Socialdemolratie sage, habe sie eigentlich von der süddeutschen Volkspartei, niemals irgendlvie gebraucht habe. Abg. Freiherr v. Wangcnhctw(B. d. L.) erklärt, daß sich seine Aeußerungen nur gegen die Artilel der„Germania" gerichtet hätten und nicht gegen die Person des Abg. Szmula. Die Vorlage wird der Bndgetkoinmisnon überwiesen. Räch st e Sitzung: Mvmag 1 Uhr(Freinidschafisvcrtrag der Saiuoa-Atte. Interpellation der Polen wegen der Dolmetschfrage) Schluß 7 Uhr. Vstvkvi-MÄttzv ilszken. Partei-Organisation. Die Parteigenossen Königsbergs haben eine Abänderung der Partci-Organisation in der Weise bcichlosien, daß die Leitung der Partcigcschäftc in Zukunft vom Vorstande des Wahlvereins in Gemeinschaft mit dem Vertrauensmann ausgeübt wird. Für Parteizwecke gingen aus Zwickau ein: Aon den Lustigen am Berge 452,61. Heinrich 11,10. Jacob 150.—. St.-Anivalt 10.—. Böttcher 1,70. E. B. 11,83. Hutmacher 2,—. Päckel 5,—. Adam 5.—. R. M. 5,80. E. B. 6,—. Mai- zeiiung—.40. Papicrkiste Schedewitz 7,58. M. G. 2.—. Papicrkistc Planitz—.79. Heinrich 1,—. H. G. 5,50. Papierkiste Zwickau 2,50. Baurat 10.—. Robert 2,—. Pius der Rote 1.—. Franz Backwa 8,—. Emil 2,50. Setzer- und Drnckcrperfonal„S. V." 34,30. Windhorst 2,—. Ein Hüttenarbeiter 20,—. Cainsdorf 1,50. Arb. 28. Z. 300,78. Reinsdorf 4,30. Lohr 9,35. Feiner Davd 19 75. Robert M. 7,70. Julius 10,10. Tillncr 6,45. Summa M. 1115,56. Polizeiliches, Gerichtliches n l'w. � Wegen Beleidigung der Polizeibehörde wurde der verantwortliche Redacteur des Halberstädtcr Partciblatts, Genosse Gustav Haupt, vom Landgericht zu 300 M. Geldstrafe eventuell 30 Tagen Gefängnis verurteilt. — Wegen Uebertrctung des bayrischen Vcrcinsgesctzes wurden in München Genosse Ricthmüllcr zu 3 Vi. und'Genosse Grammel zu 4 M. Geldstrafe verurteilt. Tie strafbaren Handlungen wurden darin gefunden, daß die Verurteilten Versammlungen von Sektionen des Socialdemokratischcn Vereins München veranstaltet haben, ohne den Vorschriften des Vcrcinsgcsetzes über Anzeige und dergleichen erfüllt zu haben. Die Verurteilten glaubten sich nicht dazu verpflichtet, weil sie annahmen, daß die Sektionen keine selbständigen Vereine seien, während das Gericht sie dafür erklärte. Der Streik der östreichischett Berg- arbeiter. AuS Wie» wird uns vom 9. Februar geschrieben: Nun wird sich die Situation in O st r a u entscheiden. Wie bereits mitgeteilt, hat Baron L' E l v e r t die Bereitwilligkeit der Negierung verkündet, dem Neichsrat noch in diesem Jahre'ein Gesetz auf Ab- kürzung der Arbeitszeit im Bergbau vorzulegen und für dessen An- »ahme im Parlamente zu wirken. Die Arbeiter haben nun auf der einen Seite die nicht unbedeutenden Konzessionen in der Lohnfrage — eine Lohnaufbesserung von zwölf Prozent, freies Gelcuchte, Deputatkohle und eine Regulierung der Gedinge— und das Versprechen der Regierung auf Einbringung jener Gesetznovelle, die nach der Sachlage nur die Achtstundcnschicht bringen kann. Auf der andern Seite haben sie die ungebrochene Kraft des Streiks, die ihnen eine Konzession iii der Arbeitszeit vielleicht erringen kann. Sie werden sich also zu entscheiden haben, ob sie die wertvollen Errungen- schaften in Sicherheit bringen und die Forderung der Verkürzung der Arbeitszeit zu vertagen bereit sein werden, oder ob sie den Streik fortzusetzen haben, um auch in derFrage der Arbeitszeit ein Zugeständnis, zu erlangen. Es ist schwer zu sagen, welche Entscheidung die Arbeiter treffen sollen. Denn einesteils ist es begreiflich, daß sie nicht be- friedigt sein können, wenn ihre allerwichligste Forderung kein- Er- füllung sindct; anderntcils sind aber die'erreichten Zugeständnisse so stark ins Gewicht fallend, daß es schwer angeht, sie als gleich- gültige Sache zu behandeln. Die heutige Sitziing des Einigungsamts wird darüber Aufschluß geben, für welches Vorgehen sich die Arbeiter entschieden haben. Die Entscheidung im Ostrauer Revier würde natürlich auf die andern Streikgebiete sehr wesentlich einwirken, denn die wichtigste und schwierigste Frage, die Frage der Arbeitsdauer, wäre mit'der Annahme der Vorschläge, die in Ostrau die Gewcrke machen, eigentlich gelöst. Die Regierung will offenbar methodisch vorgehen, erst das Feuer Ostrau ablöschen, um dann die andern Herrschaften ins Gebet zu nehmen. Von einein Nachlassen, ja nur�Ermatten der Streikenden ist, was das wertvollste ist, keine Spur; entiveder wird der Streik beendigt durch eine Verständigung, oder es wird weiter gestreikt werden. Abbröckeln oder versumpfen tvird dieser Kampf ganz sicher- lich nicht. Wie groß die Teilnahme der organisierten Arbeiterschaft an dieseni größeren Ausstande Oestreichs ist� zeigt sich auch in den Sammlungen. Die„Arbeiter- Zeitung" allein weist bereits den Betrag von 73 000 Kronen auf. ivährend die östreichische Gelverkschaftskommission über rund 57 000 Kronen quittiert. Gestern haben die Buchdrucker, allerdings die bestorganisierte Arbeiter- schichte, beschlossen, dem Streikfonds sofort 10 000 Kronen zu überweisen und weiter allwöchentlich so lange 1000 Kronen zu geben, so lange der Streik dauert. Es ist dies ein Beispiel von Solidarität, das die größte Anerkennung verdient und die Geber hoch ehrt. Wenn sich nicht im letzten Augenblick die Sachlage wendet, so wird in den steirischcn Revieren der Alpinen Montangesellschaft der Streik gleichfalls ausbrechen. Die Gesellsckaft ist bereit, folgende Zugeständnisse zu bewilligen: Erhöhung der Schichtlöhne um 10 und 530 Heller, wöchentliche Vorschußzahlung, freien Brennstoff nach Bedarf, Für Sonntagsschichten anderthalbfache Entlohnung. Die übrigen Forderungen, die freilich die wichtigsten sind: Minimallöhne, die achtstündige Arbeitszeit einschließlich Ein- und Ausfahrt, freie Wohnung' oder Ouartiergeld, Anerkennung der Vertrauensmänner, Freigabe des 1. Mai, wurden, abgelehnt. Die Arbeiter haben sich noch nicht entschlossen, ob sie sich mit diesen kleinen Ver- besserungen ihres Arbeilsverhältnisses zufrieden geben wollen; wahr- schcinlich' ist es nicht. Wien, 10. Februar.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Verhandlungen vor dem Einigungsamte in T e s ch e n wurden heute fortgesetzt. Die Arbeiter haben ihre Forderungen bezüglich der Gedingstellung schriftlich vorgelegt, sie gipfeln darin, daß die Gedinge so bemessen sein miiffen, daß ein Minimalverdienst für Hauer von 2 Gulden, für Hundestoßer von 1,50 Gulden und Schlepper 90 Kreuzer herauskommt. Ueber die Vorschläge berät ein Unterausschuß, doch ist eine Verständigung nicht sehr wahrscheinlich. Das Einigungsamt tritt heute abend noch einmal zusammen. Montag werden die Verhandlungen fortgesetzt; morgen wird in Ostrau ein großes Meeting abgehalten, das wohl für den weiteren Gang der Dinge entscheidend sein wird. Aus Deutschland liegen über* die Lohnbewegung der Bergleute folgende Meldungen vor: Am Donnerstagabend traf in Halle als Beauftragter des Vor- standes des„Berg- und Hüitcnarbciier- Verbandes" der Redacteur Otto Hue ein, der sowohl mit den Vertrauensleuten der Bergleute als mit den Bergiuspcktoren in Unterhandlungen behufs Ausgleichs der Differenzen trat. 2lm Freitagmitlag halte Hue mit den: Berginspeklor des Bezirks Westlich- Halle. dem Bergrat Humperdinck eine Besprechung, in welcher letzterer zu- sagte, sofort mit den Zechenverwaltungen in Verbindung zu treten, um dann Hue Bescheid zu geben, ob und tvenn die Grubenbesitzer mit den Arbeitern eine Konferenz abzuhalten gedenken. Der Bergrat sprach sich befriedigend darüber aus, daß er durch Hue von dem Stand der Dinge in Kenntnis gesetzt sei. Er habe das größte Interesse an dem friedlichen Ausgang der Angelegen- heit. Kommt die Konferenz zu stände, so werden aus jedem Bezirk Abgeordnete der Arbeiter darait teilnehmen. Hue ermahnt die Bergleute in Mitteldeutschland, sich ruhig zu verivalten und nicht voreilig die Arbeit einzustellen. Erst möge die E i u i g u n g s- konferenz stattfinden. Hue wird dann noch die' weiteren Instruktionen geben. Die Konferenz wird voraussichtlich Montag stattfinden. Dagegen finden die sächsischen Bergarbeiter bei den Unter- nchniern kein Entgegenkommen. So wird uns aus Zwickau telegraphisch gemeldet: Der Verein für bergbauliche Interessen lehnte eS ab, mit der geivähltcn Kommission der Bergarbeiter in Verhandlung zu treten. Man wies darauf hin, daß die Vertretung der Belegschaft gesetzlich geregelt sei und dement- sprechende Korporationen vorhanden seien. Sollten aber diese Arbcitcrvcrtrcter Forderungen bei den Werken stellen, so müßte dies Verlangen in allen Teilen abgelehnt werden. Diese schroffe, hoch- mütig ablehnende Antivort hat die Lage sehr kritisch gestaltet, heute Sonntag werden zwei große Versammlungen über die nun einzu- schlagenden Maßnahmen entscheiden. LlMzvs. Berlin und Umgegend. An die Kleber(Tapezierer) k Die Kleber lvcrdcn ersucht, zu der an, Montag, den 12. Februar, vormittags 10 Uhr, bei Pastcr, Jnsclslr. 10. stattfindenden Vcrsanmilnng vollzählig zu erscheinen. Es haben sich an der Versayunlung alle Kollegen zu beteiligen, ganz gleich, ob der Meister bewilligt hat oder nicht. In der Versarnm- lung werden die ArbeitSberechligungskarten ausgegeben. Die Bau- arbeiter aller Brauchen werden ersucht, falls Kleber am Montag- morgen zur Arbeit erscheinen, diese auf die Versammlung hinzu- Ivciscn, und solvcit es möglich, sich die Arbeitsvcrcchtignugskartcn der Kleber vorzeigen zu lassen. Die Lohnkommission. Achtung, Kürschner k Seit dem 3. Februar stehen 650 Z richtcr von Leipzig und Umgegend iin Streik, und lvcrdcn bis zum 14. d. M. sämtliche Zurichter an dem Kampf sich beteiligen. Unter- zcichnctcr ersucht deshalb, den Zuzug nach Leipzig scriizuhalten. Der Vertrauensmann der Berliner Kürschner. H. Wicr, Weber- straße 29. Deutsches Ncich. Tic Arbeitslosigkeit unter den Tabakarbcitern wird be- leuchtet durch eine Statistik, die der deutsche Tabakarbeiter-Verband als Grundlage für die Erörterung der Arbeitslosenunterftützung auf- genommen hat. Danach waren in der Zeit von: 1. Oktober bis 31. Dezember 1893 von 13 078 Mitgliedern, die sich an der Erhebung beteiligten, 1414 insgesamt 31 026 Tage arbeitslos. Als Ursache der Arbeitslosigkeit wird angegeben: Krankheit in 675 Fällen mit 14 479 Tagen(46,66 Proz. aller arbeitslosen Tage), Arbeitsniangel iii 644 Fällen mit 10 263 Tagen(83,08 Proz), Streik in III Fällen mit 4394 Tagen(14,16 Proz.), Maß- regelung in 36 Fällen niit 1116 Tagen(3,59 Proz.). persönliche Differenzen in 60 Fällen mit 772 Tagen<2,48 Proz.). Da bei der Arbeitslosenunterstützung nur die Fälle von Arbeitsniangel in Betracht konimen, so sind diese in der Statistik besonders berücksichtigt, und ist die Dauer der Arbeitslosigkeit aus Arbeitsniangel im einzelnen wie folgt aufgeführt: In 354 Fällen 1— 10 Tage, in 134 Fällen 11—20 Tage, in 86 Fällen 21—40 Tage, in 70 Fällen 41— 78 Tage. In dem Vierteljahr vom 1. Januar bis 31. März 1899 beteiligten sich an der Erhebung 10 276 Mitglieder. Davon hatten 1306 eine Arbeitslosigkeit von 24 720 Tagen zn verzeichnen. Die Ursache war: Krankheit in 813 Fällen mit 15 041 Tagen(60.3 Proz.). Arbeitsniangel in 420 Fällen mit 7723 Tagen(31,2 Proz.). Streik in 44 Fällen mit 429 Tagen(1.7 Proz.), Maßregelung in 59 Fällen mit 970 Tagen(3,9 Proz.), persönliche Differenzen in 29 Fällen mit 557 Tagen'<2,2 Proz.). Die Arbeitslosigkeit aus Arbeitsniangel dauerte in 159 Fällen 1— 10 Tage, in 141 Fällen 11—20 Tage, in 80 Fällen 21—40 Tage, in 40 Fällen 41—78 Tage. Ccntrnuisprcsse kontra christliche Gewerkschaftsbewegung. Aus Krefeld wird uns geschrieben: Wie wir schon mitgeteilt, ist in Strälen, an der holländischen Grenze, bei der Firma Terlinden ein Streik ausgebrochen. Nachdem nun diese Nachricht voni„Vorwärts" in andre Zeitungen übergegangen, bringen die Centrumsblätter am Rhein Artikel, wonach'die Dar- stellniig des„Vorwärts" eine falsche sei. Nicht 1,40— 1,50 M. wäre der Durchschnittsverdienst der Llrbeitcr gewesen, sondern fleißige Arbeiter hätten bis 4,50 M. verdient. Der Durchschnittslohn für Arbeiter unter 16 Jahren betrage 1,22 M., und für ältere Arbeiter 2,22 M. Nur einige Hetzer wollten die blühende Industrie dort in Strälen zu Grunde richten. Bücher und Lohnlisten wären geprüft und alles sei befunden worden, wie der Unternehmer es erklärt habe. Die irre geführten Arbeiter hätten ihr Unrecht schon eingesehen und spräche» wieder um Arbeit vor. Soweit die nntcritchmerfreundliche Centrumspresse, welche keinen organisierten Buchdrucker in ihrer Offizin duldet. Wir behaupten nun, daß unsre Notiz über die Verhältnisse bei dem Unternehmer Terlinden nach unfern weiteren Untersuchungen noch zu rosig gefärbt waren. Und in dieser Behauptung werden ivir von der„Westdeutschen Arbeiterztg." in M.-Gladbach unterstützt. Diese Zeitung, welche von dem katholffchen Arbcitersekretär Giesbcrtz und dem Kaplan Müller geleitet wird, veröffentlicht die Löhne einer Anzahl Arbeiter. Es stellt sich da heraus, daß einige Arbeiter über 20 Jahre von 94 Pf. bis 2,05 M. tnglicki verdienten. Den höchsten Verdienst erzielte nur ein Arbeiter. 5bie Arbeiter von 16 bis 20 Jahren verdienten von 52 Pf. bis 1,62M. Diesen Satz vcrdienteauchnurciner und der nächstfolgende hat einen Verdienst von 1,30 M. Arbeiter unter 16 Jahren verdiente» durchschnittlich 50 Pf. Horrende Löhne erzielten auÄ die Arbeiterinnen. Die Arbeiterinnen über 16 Jahren erlangten 65 bis 70 Pf. und unter 16 Jahren 40 Pf. pro Tag. Diese Zahlen ergeben wohl die Richtigkeit unsrer Notiz. Weiter wollen wir noch anführen, daß der Unternehmer bei seiner Berechnung wohl die Löhne der Werksührer, Vorarbeiter und sonstige» Angestellter mit den Löhnen der Arbeiter vermengt hatte, und durch diese Berechnung zu dem höheren Durchschnittslohn kam. Wir erleben nun das schöne Schauspiel, daß die politische Presse des Centrums auf feiten des Unternehmers Terlinden steht, und die christliche Gewerkschaftspresse diesen Herrn in sehr scharfer Weise bekämpft. Der Konflikt ist erklärlich, denn die. christliche GewcrkschaftSpresse kann die Arbeiter nicht so mißhandeln, es sei denn, daß sie ihren Einfluß ganz aufs Spiel setzt. Uebrigens hat der angegriffene Fabrikant dem Redacteur dcS GeiverkfchäftsblattS die Klage angedroht und dürften somit die Herren von der christlichen Gewerkschastspresse auch das Vergnügen haben, das Walten unsrer Justiz kennen zu lernen, ein Vergnügen, das sonst nur uns blüht. Ter Streik der Berizarbeiier auf der Charlottengrnbe bei Czernitz(Kreis Rybnik) ist schon wieder erloschen, er hat also nur einen Tag gedauert. Von cinein Ergebnis des Streiks ist nichts bekannt. Ein neuer Bergarbeiter-Streik ist auf einer Eisenerz- förderung bei Vobrowniki bei Tarnowitz ausgebrochen. Die Beleg- schaft der Förderung bcläuft sich auf über 200 Mau», die sämtlich streiken. Das Werk gehört der Oberschlesischen Eisenindustrie, A.-G. für Bergbau und Hütteubetrieb, Gleiivitz. Ausland. Ein großer Ausstand in der Eisenindustrie, dem sich auch die Kohlenarbeiter anschließen dürften, ist in Reschitza(Ungarn) im Entstchen begriffen. Vorläufig befinden sich 2000 Eiseuarbciter im Streik. Sie verlangen: Einführung der Souutagsruhe, zehn- stündige Arbeitszeit, Entscheidung von Fachgenosse» über die Ab- schätznng der Akkordarbeiten, Lohnminimum von 160 Heller nach dreijähriger Beschäftigung. ferner ciitsprechende Lohnerhöhung je nach der Branche und humane Behandlung durch die Vorgesetzten. Dehnt sich der Streik auf die Bergwerke aus, so werden 12 000 Arbeiter in Mitleidenschaft gezogen. Voin Kviegsschauplaij liegen jetzt genauere Meldungen über den abermaligen Rückzug der Bullcrschcn Armee über den T u g e l a vor. AuS Springficld wird von Freitag über London telegraphiert: Die Stellung der britischen Truppen nördlich vom Tugcla kyiinte nicht gehalten werden. Die Verstärkungslruppe», die über den Fluß gesandt worden Ivareu, gingen direkt auf die Kette der Lauf- gräben zu, aber infolge der starken Stellung des Feindes auf den Brakfontcin-Hügelii zur Linken ivar es den britischen Truppen un- möglich, weiter vorzurücken, wenn nicht nutzlos große Verluste an Menschenleben aufs Spiel gesetzt lvcrdcn sollten. Der Feind beschoß fortwährend die Stellung der britischen Truppen. Mehrere Geschosse des„Langen Tom" fielen' in die Transportkolonne, vier derselben zerplatzten auf dem Sivartskop, doch konnte der Feind die dort auf- gestellten britischen Geschütze nicht in seinen Schicßbereich bekommen. Die Kanonade war fürchterlich. Die gesamte britische Artillerie ivar in Thätigkcit, aber sie konnte den„Langen Tom' und die andern Geschütze des Feindes nicht zum Schiveigcn bringen. Die Bocren schössen sortivährcnd mit Nordenfclds Geschützen auf die britische Infanterie. M i t t>v o ch n a ch ni i t t a g beschloß der britische General, den Vormarsch nicht zu forcieren. Die Transport- kolonne trat alsdann den Ziiickzng an nnd in der Nacht verließ die Infanterie den Baal Krantz. Tie Ileberlegenheit des f e j n d l i ch e» G e s ch ü tz f e u e r L hatte den Vormarsch unmöglich gemacht. Wird eS Bullcr noch einmal gelüsten, das Spiel zu wieder- holen? Vom mittleren Kriegsschauplatz. Ein Telegramm des FeldmarschallS Roberts vom Donnerstag bestätigt, daß die Boeren von General Gatacre ain 3. d. M. bei Peiihock und am Vogelfluß znrückgeivorfen ivnrden. General Gatacre hat seiner Meldung an Roberts»och hinzugefügt, daß beide Anßcnpostc» völlig gesichert feie». Feldniarschall Roberts legt sodaini dar. der Ziveck der Be- ivegmig Macdonalds nach dem K o o d o o s- B e r g e sei der gc- ivcsen, den Feind abzuschneiden, ivclchcr die Bahnlinie bei� Bel- niont bedrohte, sich aber zurückzog vor den Hochländern unter Oberst Bradwood. Tie Stellung beherrschte die Furt über den Riet-Flntz. Der Feind versuchte vergebens, die Hochländer ans ihrer Stellniig zn drängen. Auf das Anstichen Macdonalds brachte General Babingion am 7. d. M. Verstärkungen, um die Hochländer zn nntcrftützen.' Der Feind wurde zurückgetrieben und räumte später seine Stellung. In cineni Rcuterschen Telegranim ans Rensburg voni Freitag heißt es: Es ist ein Irrtum mizmiehmen, daß die englischen Truppen die Bocren im Gebiet von Colcöbcrg irgendwie uniziiigclt hielten. Der Feind steht in einem großen Bogen nördlich der Stadt nnd be- herrscht alle Zugänge zum Oraiije-Frcistaat. Er ist i» leb- hastcr Thätigkcit nnd bedroht den rechten englischen Flügel. Gestern trafen 50 Berittene von dem australischen Kontingent auf über- wältigeude feindliche Uebermacht; sie wnrdeit unter einem Hagel von Geschosfeit von Kopse zu Kopfe getrieben. London, 19. Februar.(Voss. Ztg.) In maßgcbciiden nnlitä- rischcn Kreisen wird geglaubt, der Marsch auf Vlociiifontein werde kaum noch rechtzeitig erfolgen können, nm Ladysmith z n retten. Falls Buller dies iiicht zu thuit vermöge durch Einnahme der Bccrcnwerke auf dem Lndcrbrook nnd GrobelerLkloof, m ü f f e 2 a d y f m i t h fallen. ** Durban, 10. Febniar. Die Boeren haben sich des Sitze? der Behörden in Jnkandhla(Zululand) bemächtigt. Dem Ortsvorsteher gelang es vorher, das Pulverniagazin in die Luft zu sprengen und init den Polizcibeamtcn nach Eshowe zn �entkommen. London, 10. Februar. Privatmeldnngen aus Johannes- bürg besagen, daß sämtliche G e s ch ü tz e bei Blocinfontein und Johannesburg, welche zur Verteidigniig aufgestellt waren, nach dem Kriegsschauplatz abgesäiidt worden sind, da nian der Ansicht ist, daß dieselben zur Verteidigung der Städte nicht not- >v e n d i g sind. Letzte Meldungen. London, 10. Februar. Die Abendblätter melden atiS Spearmans Camp vom 9. Februar: Die Truppen des Generals Buller befinden sich ivieder südlich vom Tugcla, aber mir zeitweilig. Der Rück- zng bedeutet nur eine Aeiidermig der Taktik, deren Not- wendigkeit sich ergab aus den Jiiforniatiöiien, welche durch die Vorwärtsbewegung erlangt wurden. Die ganze Truppenmasse tvird bald wieder in Thätigkeit treten. Die englischen Verluste sind nicht nennenswert._ Uvlzke TlszszLichtett und Depesitzen. Eger, 10. Februar.(B. H.) Sämtliche Gemeindevertretuiigeii des Egerlandes beabsichtigen die Abscnduiig eines Protestes a» die Regierung gegen die Einführung der czcchifchen Sprache und jede Verkümmerung der verbrieften Rechte des Egerlandes. Paris, 10. Februar.(W. T. B.) Die Kommission der Depu- tiertciikammer, welche mit der Prüfung der Akten betreffend die Bcrnrtcilnng DvroulsdeS beauftragt war, hat mit 7 gegen 3 Stimmen beschlossen, der Depiitiertcnkammer vorzuschlagen, Dsroulsde seines Mandats für verlustig z» erklären. Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Jnfcratentctl verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin. Hierzu 4 Bcilaaeu und tliiterhaltnngsblatt. Nr. 35. 17. Mmn. 1. Ktilllge VeirszskÄg. 145. Sitzung vom 1V. Februar 1900, 1 Uhr. Am BimdcZratstisch: Tirpitz, Graf PosadowSky. Die erste Beratung der F I o t t e n v o r l a g c»vird fortgesetzt. Abg. Graf Tchwcrin-Löwib st.): Nach bcn Erklänmgen des Herrn Abg. Schädlcr, der die Vor- läge mit der Aussicht auf eine wenig freundliche Behandlung in die Kommission schicken wollte, war das Schicksal der Vorlage ja bereits besiegelt. Ich will nur einige Ausführungen »lachen, um im Lande falschen Vorstellungen über uusre Stellung zu der Vorlage entgegen zu treten. Zu einer Hurra- ftimmuug liegt fiir uns keine Veranlassung vor. Wenn wir aus den ungeheuren Abstand sehen, der sich in der Entwicklung der Exvorlindujtrie und der abwärtSgehcudcn Entwicklung der Land- Wirtschaft zeigt, so»iub uns ein gewisses Gefühl der Bitterkeit üverkonimeu, besonders wenn wir bedenke», dag diese Entwicklung zu venneiden gewesen wäre, wenn man die Fehler der WirtschaftS- Voliltl des Grafen Caprivi, die wir immer bckänipft haben, nicht begangen hätte._ Wenn wir auch mit der Vorlage einverstanden suid, so haben ivir doch einige Bedenken gegen die Begründung oericlbcn in der Denkschrift. Diese Begründung legt viel zu sehr das Schwergewicht auf die wirtschaftliche und viel zu wenig auf die natlonole Bedeutung der Vorlage. DaS unselige Argument, das in der Presse für die Vorlage angerührt wurde, dah nämlich die Grtrcidcvrrsorgung des Landes für den Kriegsfall durch eine grojze Flotte sicher gestellt werden mutzte, hat sich ja die Begründung nicht angeeignet, im Gegenteil, es wird dort der Beweis dafür erbracht, dag das Getreide z» denjenigen Wareugattungcn gehört, die zum grvtztcn Teil auf deni Landwege eingeführt werden. Es wird aber in der ganzen Vorlage so dargestellt als wenn die Zukunft nnsrcr ganzen' Exportindustrie von der Flottenvermehrung abhängig wäre. Demgegenüber mug ich vollkommen dem Herrn Abg. Llichicr recht geben. 6q| dies Argument dadurch widerlegt wird. datz die bisherige Entwicklung der Exportindustric ohne eine starke flotte vor sich gegangen ist. Fiir mich ist das nationale Interesse bei meiner Stellung zur Flotten- vennehrung entscheidend. Nachdem lvir in die Reihe der Kolonial- reiche eingetreten sind, müssen wir die Versichenmg gegen die Be- r'.ntrachtignng unserer Machtstellung auch auf das Meer' ausdehnen. Nichter wies zur Begründung seiner Stellung auf das Ver- �geforderten Flotte zur Handelsflotte hin.' Uusre Kriegs- flotte joll sich doch aber erst in 20 Jahren verdoppeln und lvir müssen annehmen, datz sich die Handelsflotte entsprechend ihrer bisherigen Bernlehrnng in diesen 20 Jahren ebenfalls erheblich verqrötzert. Wir hofsen im Interesse unsrer Weltmachtstellung, datz die' Vorlage in der einen oder ander» Forin zur Annahme gelangt.(Bravo! rechts.) Abg. Bebel(Soc.): . Graf Arnim sagte gestern, die Junker seien für die Flotte. wir auf der linken Seite lehnten sie ab. Eewitz, so war cS immer und so wird es auch bleiben. Wen» auch die Herren auf der Rechten einige Bedenken gegen solche Vorlagen haben, so werden sie doch immer dafür stimmen, weil sie von der Bewilligimg solcher Vorlagen zugleich eine Stärkung ihrer Klassenstelluug' er- warten, weit sie die Vorteile davon haben, weil ihre ganze sociale und politische Position dadurch ivesentlich gestärkt wird. Wir da- gegen lchiicn solche Vorlagen ab, ivcil sie von einer Regierung ge- fordert werden, zu der wir kein Vertrauen haben, weil die ge- forderten Mittel für bessere und wichtigere Zwecke verlvcndct werden lonnten, und weil diese Mittel in einer Weise erhoben werden, gegen. die wir uiiS ganz entschieden wenden müssen. Das sind kurz'die Priiicipicllen Gründe, die meine Partei dazu bestimmt haben und ocstinlmcn werden, gegen solche Vorlagen zu stimmen. Es war mir aus den AuSführunge» des Herrn Vorredners intercflant. datz er er- klärte, es sei der Fehler der Wirtschaftspolitik des Grafen Caprivi gewesen, datz die indilstricllc Entwicklung eine» Verlauf ge- nomnien habe, wie wir ihn jetzt sehen. Aber gerade diese industielle Entwicklung, die durch die neuen Handelsverträge inauguriert wurde, ist der lvcseutlichstc Grund. wcShalb die Flotten- verinchrung jetzt gefordert wird, und demnach inützte der Abg. Graf Schwerin gegen die Vorlage stimmen. Innerlich sind'ja die Herreil auf der Rechten auch dagegen(Unruhe rechts, sehr richtig links!), aber sie haben nicht die nötige Energie, nm offen da- gegen aufzutreten.— Weiter meinte der Herr Vorredner, nachdem r.1 Herr Schädler so feindselig gegen die Vorlage auSgesprockic» habe.� fei ihr Schicksal besiegelt. Geivih hat Herr Sckiädler sehr fcharje Worte der Aerurteilnng gegen die Flottcnpolitik der Rc- giermig gehabt, aber er hat doch andrerseits es klar imd deutlich merken lassen, datz das Ccntrum an eine pure Ablehnniig der Bor- läge nicht denkt, datz es eine» Weg zur Verständigung schon finden wird. Und die Regicrniig wird sich noch, wenn fie das Ganze nicht bekomnicn kann, vorläufig mit eiiiem iecil begnügen, genau so wie bei der letzten Militär- vorläge. Daraus, datz die ganze Vorlage nicht von heute auf morgen verwirklicht werden kann, ergiebt sich ja auch leicht ein Weg zur Verständigung. Freilich, nach den Ereignist'en der letzte» Jahre hätte man erwarten können, datz in diesem Augenblick daS Ccntrum eine andre Stellung eiiigeiiommen hätte. Ich' erinnere Sie insbesondere on die geradezu erzürnte Haltung des Abg. Lieber, als ich vor einem Jahre hier den Gedanken anöspracki, datz eine neue Flotten- vorläge in Aussicht stände, und welche Töne der Entrüstung er fand, was geschehen würde, wen» das U>, erwartete doch eintreten würde. Nu», das linerwarmc ist ciiigetrelen imd stau eines klaren Nein hören wir vom Ceiitrnm eine Antwort, wie sie in ähn- lichcr Weise bereits bei der letzten Militär- und Marincvorlage ge- geben wurde, man wird sich ivieder auf daS Diplomatisieren. das Tcmporisiercn und Vermitteln ciiilassen und daS Ende vom Lied wird«vieder die Bewilligung der Vorlage in der Haupt- fache fein.(Sehr richtig! bei den Socialdemohaten.) Das Centnim baue um so mehr eine ablehnende Haltung einnehmen sollen, als diese neue Vorlage zweifellos ganz allgemein überrascht hat und im diainctralfte» Gegeniotz zu allen früheren Erklärungen von feiten der Regierung fleht. Gegenüber den Anfordermigen, die diese Vor- Inge an die Leistungsfähigkeit der Nation in phhsij'cher und niaterieller Beziehung stellt, wäre es nicht mehr wie recht und billig gewesen, einmal das deutsche Volk zu frage», wie es zu der Vorlage steht, daS heißt nicht erst abzuwarten, ob der Reichstag aufgelöst wird, soudern eine solche Auflösnng verlangen, daniii die Wähler entscheiden könneii. Wenn dann das Volk bei den Wahlen entscheidet. datz es bereit ist. die Lasten zu tragen, dann wäre die Regierung im Rechte, dann mützte bewilligt werden, im anderen Falle nicht, dann mützte die Rcgicrnng vernünftigerweise zurücktreten. Für niemand, der die Motive der Vorlage gelesen hat, und ins- bescn'ere die gestrige Erklärung des Herrn Staatssekretärs gehört hat, ist es zlvcifelhafl, datz niit dieser Vorlage noch lange nicht daS Ictzle Wort gesprochen, datz dieser zweiten Vorlage eine dritte und vierte unabwendbar folgen wird.(Sehr richtig! bei den Socialdeniokraten.) Ich sage folgen wird und folgen nuitz, ans dem einfachen Grunde, iveil alle Reden, alle Erörterungen, die hier gepflogen sind, darauf hinausgehen, datz heute als se'lbstverständlich angesehen wird, was früher im ganzen dentscheii Volke, die Regiernng eingeschlossen als unmöglich angesehen wurde, nämlich, datz eine Kotte geschaffen werden müsse, die grotz und »nächtig gcuiig ist, es im Dffcnfivkampfe mit der grötzten Flotte. also der englischen, äufznnehnicn. Das ist das Ziel, das»i»h klar und deutlich ausgesprochen werden, damit das deutsche Volk weitz, wie die Dinge liegen. Früher hat man sich stets damit begnügt zu erklären, ivir wollen eine Flotte, die ausreicht, vm die deutschen Küste» vor jedem Ueberfall zu schützen. im„vmSrls" Als dann die bestehende Flottenvorlage kam, wurde ge- sagt:.Wir müssen die Ost- und Nordsee schützen und dazu brauchen wir eine Schlachtflotte von zwei Geschwadern. Der Staatssekretär hat zwar versucht, seine Erklärungen, die er hier im Hause und in der Kommission gegeben hat, abzuschwächen. Nach den mancherlei Sünden, die der Staatssekretär i» der Flottenvorlage auf dem Gewissen hat, sollte er doch nicht noch die Sünde hinzu- fügen, seine eigenen Ausflührnnge» abschwächen zu' wollen.(Sehr gut! bei d. Soc.) Nein, Herr Staatssekretär, diese Worte liegen so festgenagelt i» den Akten des Reichstags, datz alle Jnterpretationskünste nicht darüber hinweghelfen. lSehr richtig I bei den Soc.). Der Staatssekretär sagte klar imd bestimmt: „Wenn wir eine Flotte haben, wie sie hier gefordert wird, dann schaffen wir Deutschland eine Seemacht, gegen die offensiv gegen unsre Küsten vorzugehen, selbst eine Seemacht ersten Ranges sich dreimal besinnen würde." Das ist ganz deutlich, und der Staatssekretär hat gestern noch eine Reihe von Aeutzernngen gemocht, die sehr beachtenswert sind. Er sagte, die gegenwärtige Flotte sei nicht stark genug, um eS mit der stärksten Seemacht aufncbincii zu können.„Zahleimiätzig ist uii're Flotte der geforderten Zahl nach noch schwach." Sie habe» beiout, wir miisscn eine starke Flotte haben und wenn der Staatssekretär es ans- gesprochen hat, datz auch die neue Flotte noch schivach au Zahl ist, dann haben Sie die Perspektive, die notweiidigerwcise konnueii mutz. Ich nilltz allerdings hervorheben, datz in der ganze» Bcivcguiig von Aufaug. a» es einer war. der zielbewußt auf das Ziel hingesteuert ist. Mir ist eine Rede, die in der Mariue-Akadcinie in Kiel im Jahre 1389 gehalten wurde, erst in den letzten Wochen bekannt ge- worden. In jener Rede, die ich ein Programm nennen möchte, ist klar nnd deutlich ausgesprochen ivorden, wohin in Wirklichkeit gezielt werde» soll. Da heißt es, datz es bei der deutschen Flotte darauf ankomme, altprentzisch znr eiicrgischru Offensive drängende Elemente zur Geltung kommen zu lassen. Wie die Kavallerie dcS Landhceres, mützte die Flotte ihre konzentrierten Kräfte einsetzen, nni im Nahkamps erschöpfend den Feind zu vernichten.(Hörr! hört! bei de» Social- demokraten.) Weiler heißt es, es wäre nnter Umständen die Entsendung eines kompakten a»S besten Schiffen bestehenden Ge- schwaders nötig, um dem Feinde weit entgegen zu gehen, nm seine Dispositionen zu zerstören. Nach diesem Programm ist bisher von den leitenden Stellen klar und bewußt gearbeitet ivorden. und es fragt sich mir, ob die Herren, die scitdcni hier vor dem Reichstag gestanden haben, voii diesem wahren nnd wirklichen Progrannn gewußt haben. Ist das voranszusetzen, dann mützte man allerdings aussprechen, datz bisher i» Sachen der Flottenvorlage der Reichstag bctvnsst hinterS Licht geführt ist.(Sehr richtig! bei den Socialdemo- kratcn.) Wenn ich nun in Vergleich stelle. was gestern klar nnd deutlich aus den Worten dcS StaatSsckrc.ärS hervorging, dann ist es mir unzweifelhaft, datz auch dieser Vorlage noch weitergehende Vor- lagen folgen werden. Auch die CentriimSpartei, die Äbgg. Gräbel. Dr. Lieber usw. haben cS nachdrücklich betont, datz cS un- möglich für Deutschland sei, eine Flotte zu schaffen, die stark genug wäre, im Fall eines Seekriegs mit den Flotten Frankreichs und Rntzlands zugleich es ailfziinehmen, weil Teutschland immer eingekeilt zwischen Frankreich und Rntzland, jeden Ailgenblick bereit sein i»ntz. gegen diese beiden Mächte ans dein Lande zu kämpfen. Man sah cS bisher stets ein, datz cS untnöglich fei, so kolossale Mittel aufzu.bringe», um mit gleichen Kräften rieben einem Landkrieg auch ans Leben und Tod zugleich einen Seekrieg gegen Frankreich und Nutzland zu führen. So fordert nia» von uns uligcniesicne Bewilligungen ans der einen Seite für das Landhecr, ans der andren Seite für die Flotte, ohne sich die Frage vorzulegen, was iverden soll, wenn wir in der That ernsthaft in die Lage versetzt werden sollten, von diesen Mittel» gleichzeitig Gebrauch machen zu inüsscn. Graf Caprivi hat 1893 bei der damatige» Militärvorlage in der nnchdrücklichstcii Weise erklärt: Wenn es zu einem enropLiichc» Kriege kommt, wird der letzte Maim am ersten Tage der Äriegserklärung unter Waffen gerufen. Wenn wir nun gezwungen sei» sollten. 4'/s Millionen Männer unter die Waffen zu nifeii. wie fmni da ein verniinftiger Mensch sage», datz wir bei den rlcieuhaftcu Kosten cincö LandkricacS gleichzeitig eturn Seekrieg aushalten können?(Sehr richtig! links.) Das ist doch ein Ding der Unmöglichkeit. Und wie kau» man sich die Situation vorstellen, daß Deutschland in die Lage käme, eine» isolierten Krieg mit Eugland zu führen, ohne datz andre europäischen Mächte einzugreifen bereit oder gezwungen wären? Wenn dieser undcnkbare Fall eintreten sollte, daß Deutschland mit England allein Krieg führte, datz ein großer Seekrieg zwischen beiden Ländern unabivciidbar wäre, so würden unsre Nachbarn in Osten und Westen die beiden Staaten verbluten lassen, weil sie wisse», an dem Tage, wo Deutschland ohnmächtig am Boden liegt, ist die Zeit gekommen. Ivo Frankreich und Rntzland über Deutschland herfallen (Staatssekretär v. Ttrpih reibt sich lachend die Hände und schlägt aus die Knie. Darauf große Heiterkeit, giirnfe rechts: Weil ivir eben einen Krieg mit England fürchten müssen, brauche» wir eine starke Flotte.) Nein, England sollte unser natürlichster Binidcsgciiosse sei».«Znrus des Abg. Kropatscheck.) Ja wohl, Herr Kropatschcck, auch Sie haben diese Ansicht vertreten. Ich kie Jbre Zeitung, n»d da stand z. B. zu lesen, datz ei» erusthnstcr Kouslikt mit England das größte Unglück für Deutschland wäre.(Hört, hört l links;' Uu- ruhe rechts.) Präsident Graf Ballcstrcm: Ich möchte die Herren ditten, Privatgespräche zu vermeiden und den Redner anzuhören nnd dann ihn in eine? Rede zu wider- lege», wen» rS Ihnen möglich ist.(Sehr richtig! und Bravo.' links.) Abg. Bebel(fortfahrend): Deutschland kann niemals in die Lage kommen, auch nur annähernd mit seiner Flotte das zu leisten, was England bisher bereits geleistet hat und im Laufe der nächsten Jahrzehnte leiste» kann. Darüber spricht sich klar aus eine Broschüre, die in diesen Tagen erschienen ist. eine Broschüre, die betitelt ist: „Deutschlands See-Jntercssen und Sceniocht" von Kapitän z, D. DiiboiS. Bei der Abfassung dieser Broschüre ivar der gegnwärtige Flottenplan noch nicht bekannt. DuboiS stellt Vergleiche an zivischen der deutschen Flotte und denen Englands und Rußlands. Danach hat Deutschland zur Zeit 17 Linienschiffe. England 69. Frankreich 39, Rußland 24, Nordamerika 17. Dubois meint, wenn eS zu einem Seekrieg zwischen England imd Deutschland känie und England auch nur•/« seiner Seckräfte gegen Deutschland verwenden wollte. England iviirde trotzdem eine gewaltige Uebcrmacht haben, nnd Deutschlands Flotte iviirde in kurzer Zeit vollständig vernichtet sein.— Während nun die Broschüre gedruckt wird, kommt der neue Flottenpla». Da sagt Dnbois, eS sei gut, datz»och ein zweites Geschwader gebaut werden wolle; dann würden sich die Kräfte einigermatzen ausgleichen. Mit andern Worten: Aber auch dann würden die deutschen Kräfte noch schwach sein, lind dabei wird immer noch vorausgesetzt, datz England nicht ebenfalls weiter rüstet. Da sagen z.B. die englische„Tnnes": Jede Vennehrung der Flotten einer Großmacht mutz die Verstärkung der englischen'Flotte zur Folge haben. Dann bedenke man: Würden nusre Werften auch doppelt so grotz sein, sie werden an Leistungsfähigkeit immer hinter den englischen Werften zurückbleiben. England rüstet natürlich weiter. Auf den englischen Wersten werden zu Zeit 90 Schiffe gebaut. Mit Recht schrieben da die„Daily News": Wenn der deutsche Flottenplan 1916 ausgeführt ist, wird sich herausstellen, datz das Verhälttns der Stücke der deutschen nnd englischen Flotte genau dasselbe ist wie heute. Mir andern Worten: Wenn Deutschland seine Flotte vermehrt, wird England seine Flotte anch vermehren. Wir sehen also hier bei der Flotte dasselbe Schauspiel, das wir auf dem europäischen Festland bei den Landheeren erlebt haben. Geht Deutschland mit Flottenrüswngeu vor. so stacheil eS die andern Mächte zu gleichem Borgchen an. So nimmt das Wettrüste» feinen Smlliz, 11. Mm 1909. Fortgang und nicht nur beim Landheer, sondern auch bei der Flotte. Auf Seite 28 seiner Broschüre weist Herr Dubois ferner darauf hin. daß England auch dadurch einen Vorspriing habe, daß es im Besitz aller überseeischen Kabel sei. Wollen wir schließlich auch eigne Kabel banen, die abermals Hunderte von Millionen kosten? Das müßten wir aber, wollen wir England znr See gewachsen sein. Mir ist der ganze mit einem Male gegen England angeschlagene Ton um so uu'begreiflichcr. als»ieuiaild bestreite» kamt, daß gerade das, Ivas angeblich durch die starke Flotte geschützr werden soll, der deutsche Handel, specicll mit Eugland in großartigster und frcundschastlicher Beziehung steht. Wie stellt sich denn Dcntschllinds Welthandel in Bezug ans England? Von dem gcsaintcn deutschen Welthandel im Jahre 1898 hat Giwtz- britannien allein 45,2 Proz. Einfuhr»ach Deutschland gehabt. tuid von nnserm Ausfuhrhandel hat Grotzbritaunicn volle 20 Proz. für sich in Anspruch genommeit. Dazu kommen aber noch seine Kolonien, so datz wir sagen können, allein die Zerstörung des Handels mit Engkand und seinen Kolonien würde zahlreiche Export« industrien Deutschlands vollständig ruinieren.(Sehr richtig! links.) Da ist es unbegreiflich, lvie in gewissen Kreisen der Eiigländerhätz in einer Weise austritt, als hätten wir in der ganzen Welt keiiieit ärgeren Feind als England. Die Haltung Englands im Boereukrieg hat gewiß unsrerseits die schärfste Verurteilung gesiuidcu. Aber es ist doch ein großer Iluterfchied, ob ich einem Laude in einer seiner Handlungen unrecht gebe oder ob.ich diesem Laude in jeder Beziehung feindlich gcgcnübertrcle. Und mehr noch als das Uebergcwicht � der englischen Flotte hätten wir zu fürchten, wenn Eiigland dieselben handelspolitische» Wege einschlagen wollte, die Deutschland seither eingeschlagen hat. (Lebhafte Znstiinmung links.) Auch von diesem Gesichtspunkte haben wir alle Veranlassung, mit den Engländern Friede und Freundschaft zu halten. Man hat im Lauf der Debatte auf die zum Theil ge- hässigcn Aeutzcruugen einzelner Peeßorgaue Englands gegen Deutsch- land verwiesen. Sie wissen über, in England herrscht absolut Pretzsreiheit, und anch die Engländer bestehen nicht anö gleich klugen Leuten. Es giebt auch bei ihnen Duuline nnd Chauvinisten, geitqu wie bei uns. Wohin sollten wir kommen, wenn z. B. die Rede, die Herr Lieberntamt v. Souneuberg bei der Interpellation über die Beschlagnahme der ReichSpost-Daiiwser gegen England gehalten hat, in England als Stimmung Deutschlands aufgcfatzt würde? � Die englische Presse weitz vollständig die politische Bedentniigslosigkeit dcS Abgeordneten Liebermauu v. Souneuberg zu schätzen.(Heiterkeit links.)'Sie ivcitz, daß. wenn die Sliischauuugeli seiner Partei zur Gclttmg kommen, Deutschland von dein zwanzigsten ins sechzehnte Jahrhundert zurückgeführt würde. Da möchte ich Ihnen eine andre englische Stimme vorführen; den„Daily Telegraph". Der schreibt:„Keine Nation hat je eine neue Acra mit solchen Gefühlen trininphicreudc» Rückblicks eröffnet, wie sie die 60Millioilcn des deutschen Volks an diesem RenjahrStag beselen". Und dieses Urteil steht Nicht allein. In der englischen Presse finden wir einen Geist der Objektivität. den wir in der deutschen Presse vergeblich suchcn.(Sehr richtig! links.) Datz demgegenüber England mit Rücksicht ans seine eigene Eut- Wickelung iiiit Neid auf'uns sieht, das begreift man wohl. Wer sieht denn gern, datz er allmählich von der erste» Stelle, die er unzählige Iahte' lang eingenommen hat, allmählich verdrängt oder eingeholt wird? Ich halte»ttch besonders verpflichtet, das auszusprechen. ivcil gerade ivir immer als antinational und aiitipatriotisch gelten. Ich habe schon in der ersten Auflage meine« Buches, die mm schon 22 Jahre zurückliegt, ausgesprochen, daß � die gcmze äußere Entwickelung Deutschland darauf hindränge, die erste Stelle in Europa einzunehmeli. Wir sind die Objektiven, wir kennen die Elemente und wisien sie in nnserm Volke voll zu schätze»; wir sind auch bereit, nach allen Richtungen hin weiter zu helfen, nur nicht auf dein von Ihnen betretene» Weg, DaS mitcr- scheidet imS von einander Ter Abgeordnete Bassermaiin hat eine Begründung der Vorluge damit verflicht, datz er sagte, es seien in den zwei Jahren Dinge passiert, die eine ganz andre Sitnatioil geschaffen haben. Es wurde auch vom Grafen Bülow � inSbesonders ans den spanisch-amcrikanischen Krieg hingewiescil. Ja, was hat denn der nuS für Üchrcn gegeben? Daß ein Staat wie Amerika, mit den»iodcnistcn Machtmitteln ausgerüstet, über einen zcr» nilteten nnd vermoderte» Staat wie Spanien herfallen ihn imd zu» snmmeiffchlagcii könne!(Sehr richtig! links.) Haben Hie etwas andres erwartet? Das ist doch ganz natürlich. Der Krieg hat weiter gezeigt, datz die ganz modern mid vorzüglich ausgerüstete Flotte'Amerikas nicht im stände war, gegenüber den spanischen Ländbefestiguiigen das geringste aiiszurlchteii.?lber wie dann die spanische Flotte aus der Mausefalle, in der sie steckte, heraus'- »ultztei da mar es den Amerikanern ein leichte«, sie binnen ein paar Stmiden vollständig in Grund zu bohren. Mir hat der spanisch-anierikanische Krieg antzerdem auch noch ge- zeigt, wie eS einmal künftig aussehen wird, wenn Kriege auf der Höchste ausgekämpft werde». Wenn mit diesen„»geheuren Koloffen. die von Jähr zu Jahr komplizierter nnd kostspieliger werden, eine Hochseeschlacht geschlagen ivird und eS einem der feindlichen Schiffe gelingt, eine» der großen Ziickcrhüte ans Deck an die rechte Stelle zuwerfen, dann ist mit einein Schlage der Riese hilflos wie ein Kind in der Badewanne.(Sehr richtig! und Heiterkeit bei den Socialdemokratei».) Die Kosten, die für ihn aufgewendet sind, sind verloren nnd seine Besatzung reltungslöS dem Untergänge verfallen.— Wenn man immer sagt, die großen Armee» haben den Frieden erhalten nnd dasselbe iverdcn große Flotte» thnn, dam, ver- wechselt man die Ursache mit der Wirkung. WaS uns bisher den Frieden erhalten hat, ist cinsach der Uniständ, daß die inatericllen, die ivirtschnftlichen. die socialen die geisligei,. Interesse» zwischen den großen Kulturvölkern heute so milllonciffältig verschlungen und so identisch mit einander geworden sind, datz jede Störung in diesem RiesenorgnnisinnS so gewaltige Slückichläge auf alle Lebensbezichnngen der in Frage kommenden Nnttonen ansübcn ivürde, datz der bloße Gedanke, eine solche Störung hervorznrnfe», Angst und Schrecken verbreitet.(Sehr richtig! links.) In dem Matze, wie die friedlichen Bezichlliigen der Völker, genährt durch die Handelsbeziehuiigen nnd den Austausch der Kulturprodukte, immer inniger iverden, wächst die Unmöglichkeit, Störungen herbeizuführen, die Kriegsschiffe sind gezwungen, höchstens Paradeschiffe abzugeben. weil es eben Leute giebt, die sich das»icnschliche Leben gar nicht vorstellen können ohne große Armeen, Paraden von schönen Schisfeil, schöne Kavallericgefechte, die in der Praxis mit einem kolossale» Kladderadatsch enden würden(Große Heiterkeit); es giebt eine ganze Menge von Leute», die durch diese Dinge mächtige sociale, wirtschaftliche Vorteile haben imd die die menschliche Gesellschaft schal und langweilig finden würden ohne die Pracht- vollen glänzenden Uniforme», die obligaten Orden und ähnliche Dinge.(Sehr gut! links.) Wenn je das Wort des Herrn v. Pütt- kainer:„dahinter lauert die sociale Nevolution". eininal wahr würde, daim au dein Tage, wo die Völker, mit ihren utigehemeli Machtmitteln ousgerüstet. gegen einander rücken, das gesamte wirtschaftliche nnd sociale Leven der Nation zu Boden liegt, HmigerSnot, Arbeitsnot, Elend und Verzweiflimg a» allen Ecken»nd Ende» ausbricht. ivcil Millionen von Ernährern unter die Fahne gerufen sind, wo alle die kolossalen Nachteile, die heranskommen, einen Zustand der Gnhning mid Uiiziifriedcnheit, ein Ferment dct Revolution in alle Kreise der Gesellschaft tragen, datz ein dcrarttger Krieg daS letzte Ereignis wäre, das die bürgerliche Gesellschaft überhaupt noch zu überwinden im stände wäre. Damit wäre dann an- die Wurzel ihres weiteren FortkouimeuS die Axt gelegt.(Bravo! bei den Socialdcmokraten.) Man hat zur Begründung der Borlage auf die Beschlagnahme der Postdampfer hingewiesen. Vom englischen Standpunkt aus war dies ein so dummer Streich, daß sogar der Glaube des Herrn Hilpert, die Sache sei von deutscher Seite angezettelt worden, beim Volke große Wahrscheinlichkeit bekommen konnte. Herr Bassermann suchte den neuen Flottcupion auch damit zu rechtsertigcu, datz«r sagte, es hätten viele Leute seiner Zeit den ersten Plan für unflenügend gehalten. Das kann sein. Ich entsinne mich, daß ein Adnural a, D, damals schrieb: lvaS da gefordert wird� ist viel zu tvcuig, wir»uissen nundcsteus das Dreifache haben, Bisher sind aber derartige Gründe für den Reichstag nicht maß- gebend gewesen und gerade die Nationallibcralen haben in diesen Fragen immer die Herren von der Negirrung als die rnaßgebenden Autoritäten angesehen, Tie habe» noch nie versucht, irgend eine Marine- oder Militärvorlage abzulehnen.(Sehr richtig! bci den Soc,) Sie sind immer für alle Bcivilligungen zu haben gewesen, gestützt auf die Autorität der Negiernüg, auf die Verantwortlichkeit der Verwaltung. Aber das; sehr maßgebende Leute in Ihrer eignen Partei vor zwei Jahren anders dachten, das beweist die Rede, die Herr von Bennigsen am 24, März 1898 hier bei der Bc ratung der Flottenvorlage gehalten hat. Er hat darin der lieber zcugiiiig Ausdruck verliehen, daß damit ein dauernder Abschluß gewonnen sei. tHört. hört!) Wollen Sie ihn heute desavonicrcu, Herr Bassermmin? Allerdings hat eS Bennigsen, wenn ich recht unterrichtet bin, fertig gebracht, für den neuesten Flotreilplan einzutreten Ja, bei den Ratlonalliberalen ist ja eben alles möglich.(Sehr gut! und große Heiterkeit links.) Ebenso hieß es in einem Telegramm, das der Kaiser am 29, März l8W an de» Bürgermeister von Bremen sandte — es ist im.NeichS-Aiizcigcr" veröffentlicht(Heiterkeit)— über die Wirkung des eben angenvunucnen FlottcngcsetzcS:„ so wird die deutsche Flotte uns den Frieden zur See und danüt die Entwicklung der Schiftahrt sichern.. Auch hier steht positiv die Erklärung, daß �. Flottcuvorlage, wie sie damals bewilligt worden ist, vollständig ausreiche. Die Haltlosigkeit der Ausführungen der Herren v. Levctzoiv, Basscrmann und andrer, daß die Verstärkung der Flotte ivcsentlich zur Bündnisfähigkcit Deutschlands beitrage, ilt von Herrn Richter gestern dargelegt worden. Soweit die Rationen nicht vorziehen, zu einander isoliert zu stehen, sind die Bündnisse bereits gegeben und es ist eine auerkanntc Thatsache. daß. ivenii jemals ans dem europäische» Festlande ein Krieg zwischen rivalisierenden Nationen ausbrechen sollte, England seiner eignen Interessen wegen auf deutscher Seite stehen würde. Die ganze Vorlage geht von dein Gedanken aiiS, der deutsche Handel bedürfe eines größeren Schutzes als bisher. Wäre daS richtig, so hätte doch der deutsche Handel in erster Linie eine Stär kimg der Flotte verlangt.(Sehr richtig! links.) Weisen Sie niir mir emeit Fall nach, wo das geschehen ist.(Sehr richtig! links.) -lein, die Agitation für die Flotte ist von der Stelle ausgegangen, von der auch alle Agitation für die Armccvergrößerung ausgegangen ist. Dadurch sind die deutschen Handeltreibenden gc uotigr worden, ihr Einverständnis mit cincr solchen Flotte zn erklären. Wenn man irgendwo den Wert internationaler Bc zlehinigeil zu würdigen in der Lage ist, dann in unscru HaiidclLslädtcn, wo mau nicht den iiatioualboruicrtcu Stand Punkt des Alldeutschen Verbandes kennt.(Sehr richtig! liuls.) Jutcrnaliouale Meuschcn. d. h. Weltbürger, moderne Mcuschc» die tagen sich wen» ihr unser Jutcrcssc schiiltcu wollt, dann bleibt unS mit eurer Flotte»ud eurer Armee vom Halse. Wäre es nchtig, daß gerade in der Flotte daS ivcscutlichc Moment für die Enttvtckliiug des Handels läge, so hätten die Länder, die dte größten Flotte» haben, in ihrer handelspolitischen Eni- wialung auch die größten Fortschritte machen müssen. Aber während Deutschland ohne seine Flotte im Laus voll drei Jahrzehutru riuc» märchcuhaftcu Aufschwung in seinem Handel aufweist, hat England uur einen verhältuiSmäßig kleinen Fort- schritt, Frankreich in de» lchteu Jahre» sogar einen Rückschritt gemacht. Der englische Handel ist von 712 Millionen Pfund Sterling i» den Jahren 1882—1884. ü» Durchschnitt am749Mill. in den Jahren 1890 bis 1898 gewachsen, also im Durchschnitt um 4 Proz. Auch die Kolonien ivcrdcn in die Erörterung gezogen, obgleich die Kolonien tnr Deutschland so glit wie kemen Wert haben.(Sehr richtig!) Englaild hat eine» Kolonialbesitz nut einer Bevölkerung von circa 800 Millionen Menschen, die konsnmsähig mid kultltrcll fortgeschritten 'It. Die Einfuhr ist trotzdem von öö Millionen auf 93 Millionen herabgegangc» und die Ausfuhr von 87 Millionen auf 84 Millionen. Während mir Deutschen atso ohne Flotte in den englischen Kolonien unser» Absatz vergrößern, bat das Mutterland ,emc» Handel zurückgehe» sehen. Dabei ist Thatsache, daß der en�ltsche Kolonialbesitz um 2 600000 ciiglischc Quadratnieile» vergrößert ist und die Ausgabe» für die Koloiiicu in diesem Zeitraum um 193 Millionen Mark jährlich gelvachscn sind. Wenn irgend etwas, so beweisen diese Zahlen, daß die Theorie», auf denen die Vorlage anfgcbaur ist. falsch find.(Sehr richtig!) Ebenso steht es mir Frankreich. Frankreich hat seine Flotte sortgesetzt gesteigert und seine Kolonien vergrößert und trotz- den, ist seine Ehifnbr von 1881 83 ans 1896/98 nm 580 Millionen Frank und seine Anssnhr in demselben Zeitraum nm rund 84 Millionen Frank gefalle». Wenn überhaupt irgend etwas gegen eine Flotte spricht. so ist es die o f f i z i e l l e D e>, k s ch r i f t. t'Sehr richtig! linls.> Bei richtiger Veurteilung der darin enthaltenen Zahlen wird man finden, baß gerade das Gegenteil von dem daraus geschlossen werde» »mit, was die Regierniig daraus schließt. Es ist von einen, der Herren Vorredner bemerkt worden. daß im Vergleich zu dem Schlitz, der dm englischen' Handelsschiffen gewährt werden müsse, heute die englische Flotte schwächer ist als diejenige Flotte, die wir nach ÄuSfühnliig des FlottenplanS von 1898 haben werden. Das Tonnengehalt der englischen Handelsflotte ,st övsinal so groß wie der Deutschlands. Danach müßte die eng- Ilsche Flotte 6'/s,naI so stark sein als die Deutschlands. Die englische Flotte ist aber ungefähr nur viermal so stark als die deutsche nach dem in Ailssiihrniig begriffenen Flotlenplaii. Wie steht es aber mit dem Schutz des Handels? Sobald einmal ein Krieg droht, dann ist schon die Störung da,»nid ist der Krieg ausgebrochen, so bat der größte Teil der Flotte andres zu thun als die einzelnen Handels- Ichiffc zn verfolgen. Bor einiger Zeit erklärte der englische Admiral Hornby im Parlament, Englaitd wäre selbst mit der größten Kriegsflotte außer stände, seinen Handel zn schützen(Hört! bört! links), weil es unmöglich wäre, eine so große Flotte zn banc», nm dem Handel Schill, gewähre» zu können. Wem, allein der englische Handel im Mitteln, eer ausreichend geschützt werden sollte, müßte England ollein in, Mürel- »>eer über 500 Kreuzer haben. Die ganze englische Flotte hat aber heute kau«, 150 Kreuzer, also ist gar kein Gedanke, daß ein solcher Schutz, wie sich ihn setzt nnsre Wasierphantastc» ei»- bilden, überhaupt je möglich sein wird.(Sehr richtig! links.) ES ist gar nicht daran z» denke», daß irgend eine Mackt der Welt die Mittel aufbringen kann, die hier zn Gm, ste» der Flotte„>,« gewandt sind. Alle maßgebenden Völker sind fest entschlossen, eine friedliche Politik zn unterstütze» und alle andern Mächte dc,zu zn nötigen. Da macht eS denn einen eigentilmlichen Eindruck, wenn z. B. im vorigen Jahr umiiittelbar»ach der Haager Fricdenksnserenz von einer sehr maßgebende» Stelle erklärt wurde, der beste Schutz für den Frieden, viel besser als die Hanger Konferenz, sei eine starke Schlacht flotte.(Hört, hört! links.) Nu» mochte ich einmal hier an die Vertreter der verschiedenen Parteien eine Frage richte». Von Ihnen gehen im», er eine ganze Reihe zu den Friede,, Slongressru. Ich habe»och nie gehört, daß nur ein einziger dieser Herren hier anfgelretcn iväre und von, Standpunkt dieser Friedens- koiifermz sein Wort in die Wagschale geworfen hätte. tSehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Das ist überhaupt da« Lächerliche bei der ganzen Demo» st ratio». Man kommt zusammen, amüsiert sich gut, ißt gut, trinkt gut, hält rühr- selige Reden und geht dann anS einander in der Annahme, eine weltbewegende That gethan zu habe», und wenn man nach Hanse ins Parlament kommt, dann stimmt man flottweg für alle Militär- und Marinevorlagcn.(Sehr richtig! bei de» Socialdcmo» kratcn.) Ich glaube, ein' größerer Widerspruch und eine größere Halbheit ist überhaupt nicht dmkbar. Sie spreche», vor Ihren Wählern von der Notwendigkeit großer Flotteiiriistungei, und von der fortwährenden Bedrohung des europäische» Friedens. Wir aber crttärcn, wir wollen, daß Friede sei; wir wollen die Völker belchrc,,. daß Friede» ihre Lebcnöintereffeu fördert, daß Krieg sie zerstört.. Wir wollen eine Basis internationaler Beziehnnge» errichten, weil< die alten nach jeder Richtung hin verdorben sind. �Das ist der ge? s Arbeitsbedingungen hergestellt werde.(Sehr wahr! bei den Social» waltige Unterschied, der nlis'vön Ihnen trennt.(Sehr richtig I bei den Socialdemokraten.) Der christliche Gott ist ein Gott aller Menschen, und von diesem. Ihrem eignen Standpunkt aus müßten Sie den größten Eifer anwende», nm von diesen Grund- sätzen Ihrer eignen Religion im politischen und internationalen Leben den Völkern zun, Frieden zu verhelfen.— Herr Bassermam, hat gesagt, die Flotte sei im Grunde genommen nichts andres als eine Versicherungsprämie des KanfmaimS für die friedliche Entlvicklung des Unternehmens. Dam, mögen aber auch a h l e n, richtig I dies e n igen die Versicherungsprämie b e z n der e n G u n st c n sie notwendig wird.(Ses bei den Socialdemokraten.) Wir stehen gar nicht ans dem Stand pnnkt. Unter Umständen wird die Nation die Pflicht haben, all gemeine Interessen zn Wasser und zn Lande zu schützen; aber mit andern Mitteln, als das gegenwärtig der Fall ist. Daß die starke Zunahme der deutschen Bevölkennig nicht für die neue Flottenvorlage spricht, scheint mir eben- falls klar zu sein. Ans der' einen Seite eine starke »ahme der Bevölkerung, auf der andern Seite eine starke Zunahme der Ansivanderung, und das deutsche Volk befindet sich dabei ganz wohl. Industrie n»d Landwirtschast wird es möglich sein, Deutschland ans eine unabsehbare Zeit hinaus durch die eigne Pro- duktio» ernähre» zn können.(Hört! hört! rechts.) Man braucht also nicht anSzuwandern; ivcm, man aber auswandert, dann geht man nicht in nnsre Kolonien, die angeblich durch nnsre Flotte gc schützt werden sollen(Heiterkeit linls), sondern anders wohin, wo man keine Millionen braucht und Ihre Flotte erst recht nicht. Der Herr Graf Schlverin har vorhin in seiner Rede das große Wort gelassen ausgesprochen, 23 Millionen Deutsche in. Auslände bedürfen des Schutzes der Flotte. Ja, Herr Graf, iver hat Ihnen dem, das weiß gemacht?(Heiterkeit links.)— Die vielen Millioncii, die, wie Sie meine», geschützt iv erden müssen, sind höchstens 3 Millionen, die andren 20, die Sie»och dazu gegeben haben, bleiben für immer in den Länder», in denen sie ansässig geworden sind, und spielen für Deutschland keine Rolle mehr. Bei diesen drei Millionen sind»och die deutschen Reichsangehöngei, in den europäischen Staaten, in Eng land, in Frankreich, in Rußland usw., also auch für sie brauchen mir keine Flotte, Das ist wieder eine schöne Zahl, diese 23 Millionen arme verlorene Dentschen(Heiterkeit), die in der Welt umherirren und warten, bis ein Kriegsschiff kommt und ihnen zeigt, daß wir väterlich an sie denken.(Heiterkeit.) Nein, so liegt die Sache in Wirklichkeit nicht»>id der notwendige chittz ist schon heute in ausreichender Weise gegeben. Merkwürdiger.veise hat man auch ans die Leistungsfähig- k e i t der deutschen Werften Bezug genommen. Wir haben stets darauf gewiesen, wie gefährlich es fei, wem, das Reich durch forcierte Floltmbmiten die Privaten nötige, inmier größere An- lagen zn machen; dadurch wird fortgesetzt eine Ueberproduktim, erzeugt, und es herrscht heute schon eine Art Hypertrophie in den Anlagen der Werften. Durch die neue Flottcnvorlage wird diese Hypertrophie nach forciert.(Sehr gut!) Besonders unheilvoll hat�ii, dieser Richtung die sogen. FühlungSreise des Herrn Staatssekretär Tirpitz im Laufe des letzten Frühjahrs gewirkt. (Widerspruch)— ja wohl. sofort sind Eriveiterluigsbautc» vorge- iiommel, worden. Dadurch haben die Herren eine moralische Verantwortung übernommen, die sie gar nicht tragen können. Das ist gerade ein wunder Punkt in der Lage der Arbeiter. Einmal daS Heber,„ast von Arbeit, daß sie darunter zuiammbrechcn imd dann wieder Arbeitölosigkeit. die Unmöglichkeit. Beschäftignng zn finden. Dieser Zustand wird durch die Art und Weise, ivie hier die Flotteiivermchrimg forciert werden soll, nur noch verschlimmert. Ganz besonders wird gerade bei dieser Vorlage ans den großen Nutzen hingewiesen, den die Arbeiter davon haben sollen. Eirec, 70 000 Arbeiter sollen direkt oder indirekt durch die neue Vor- läge Beschäftigung erhalte». Ja, man könnte noch weiter gehen und sagen, der innere Konsum hängt davon ab. Gewiß, wo Arbeit neu entsteht, sind Arbeitskräfte nötig und das ist für die Arbeiter sehr angenehm. Wenn die Sacke so einfach läge, wäre es unbegreiflich, weshalb mir gegen die Vorlage wären. Es komm, aber daraus an, für welche Zwecke man Arbeit schafft, i Schr richtig! bei den Socialdemokraten) ob für kulturfeindliche oder knltnrfördcrnde Zwecke. Wenn Sie nm Arbeit verlegen find, ivcmi eS keine Arbeit für Flotte und Heer mehr geben sollte, so können wir Ihne» Vorschlüge in Hülle und Fülle machen. Deutsch- land braucht innerhalb der nächsten 15 bis 20 Jahre mindestens 15- bis 20 000 Schulhäuscr über das hin- ans, was die Komumnei, zn bauen im stände find. Nehmen Sie jährlich den Bau von 300 Schulhäusern zn je 60 000 M. durchschnittlich, dann haben Sie 48 Millionen Mark. Wir brauchen Hospitäler. Rckonvalcsccntciianstaltcn, Tchwindsuchtsanstalten. Dadurch würden Familienvnter— Mütter— Kinder erhol, cn bleiben, die Armcnlasicn vermindert werden. Bewilligen Sie jähr- lich die Kleinigkeit von 100 Hospitalen a 500 000 M.. macht jährlich 50 Millionen; bewilligen Sie iveiter die Kleinigkeit von 60 ErboluiigSaiistalte», a 500 000 M.. macht 30 Millionen. iese drei Posten zusammen würden jährlich 120 Millionen Ausgabe» erfordern, gegenüber 100 Millioiie». die die Flotte mit alleni was drnin und dran hängt, jährlich kosten würde. Wir wollen das Gc- werbe, die Industrie, die Landwirtschaft heben. Schaffen Sie jähr- lich 100 Ackerbanschnlei, a 300 000 M.. so haben sie wieder 30 Millionen, schaffen Sie LehrliiigSanstalten für unser Gewerbe ti»d nnsre Industrie, woran jetzt Mangel herrscht. Sie würden erstanncit. zn welchen Hunderten von Millionen Ausgaben Sie koinmen würden. Denken Sie an die Bodeninelivratioucu. Per- kchrsmittel, Unterstützung für Sinnst und Wissenschaft, wofür beute die notwendigstcii Snuimcn fehlen. Arbeit in Hülle und Fülle! Biel mehr Gelb, als selbst die Flottcnvorlage fordert, hätten wir nötig, nm nur einigennaßell die Knlturanfgabcn zn befriedigen, und dabei ist noch gar nichts SocialistischeS enthalten. tHeiterkcit.) DaS köimen Sie alles ans dem Boden der heutigen Gcscllichaftsordmmg thun. Freilich, Sie würden lins schließlich damit in die Hände arbeiten. Wenn Sie heute auf der Höbe der Kultur stehen, wenn sie gebildet, umsichtig. weitblickend sind, da»» stellen Sie auch Anfordcrnngc» an die gesell- schaftlichm Einrichtnngen. Dann werden auch diese umgestaltet ivcrdcit. Sa ergiebt sich eins ans dem andern. Aber das wollen Sie nicht. Für knttiirfördcrude Zwecke geschieht Ihnen immer zuviel. dafür haben Sie kein Geld.(Sehr richtig! bei den Socialdemoiraten.) Dagegen wirken die drohmden Ausgaben schon heute kultnrhcnnnend in dm einzelnen Staaten. Im sächsische» Landtage ist der Plan aufgetaucht, man will 20 Millionen von den einmalige» Ausgaben für Knlturanfgabcn streiche». Im badische» Landtage hat man die Erhöblmg der WohiumgSgelder der Beamten tind die Erhöhung der Wilwmpmsionm zurückgewiesen, weil dafür neben der Flotte keine Mittel mehr übrig bleiben. Wenn das jetzt schon geschieht, wie soll es erst werden, wenn die Eiiinahmci, stocken und die lieber» schlisse ivegsallen? Die Laste» werden dam, ans die Schultern der arbritcildm Klassen abgewälzt werden. Dann iönnte man wenigstens bei dem Ricsmprofit. den die Unternehmer ans den Flotten haben, bessere Bezahlung und Behandlung der Arbeiter ver- langen. Ein Flugblatt an die Direktion des Vulkans und der Lderwerke verlangt Festsetzung der Arbeitszeit ans täglich 10 Stunden und für notwendige Ueberstuiiden einen Zuschlag von 25 Prozent der Löhne. Für die Aecordarbeit wird verlangt. die Preise 5 bis 30 Prozent böhcr zn fassen. In der Begründung wird gesagt. daß die Leute in gciimdhcicschädigendcr Weise 14 bis 16 Stmiden am Tage und selbst die Nackte durcharbeiten müssen.(Hört! bört! bei den Socialdemokraten.) Nach einer Berechnung kamen auf jeden Tag durchschnittlich t 7 Arbeitsstunden.(Hört! hört! bei dm Social- denio traten.) Das ist heute der Znstand auf den, Vulkan. das ist die Folge der Flottcnlreibcrei seitens der Regierung. Um keine neue» Ausgaben zn machen, nicht»c»e Arbeitskräfte einsiellm zu müsse», werden die Arbeiter ,»_ gcradczn nnmenschlichrr, skandalöser Weise ansgrbentet.(Sehr wahr! bei de» Social- demokraten.) Dagegen protestieren mir und verlangen im Minimum, daß die Regierung dafür sorge, daß die Flotte unter menschenwürdigen demokraten.) In der Waffeufabrik der Firma Löwe u. Co., die an den nc, im Flottmeiurichtungen gewaltig verdient, wurde vor einigen Tagen einem 58 jährigen Bnchhälter, der 27 Jahre im Ge- schüft war. nur deshalb gekündigt, weil er nicht mehr voll leistmigssähig war. Aus Not erschoß sich der Mann mid feine Frau und seine Kinder fallen heute der Armenpflege anHeim.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) DaS sind die Herren, die Millionen jährlich ans der Florte ziehen »nd ihre Beamten so hartherzig behandeln. Da sollen wir für diese Art der Vermehrung voller Begeisterung eintreten? Wem, hier wieder so mit dem Patriotismus geprahlt wird: wenn es Internationale giebt, dann sind es nnsre Waffen- und Mnnitionsfabrikanten. (Sehr richtig! links.) Bei Ausbruch des BocrenkriegeS wurde es einer mgliichm Fabrik zum Vorwurf gemacht, daß sie lange vor Ausbruch des Krieges an die Boeren Gewehre und Munition geliefert habe, Ivomit jetzt englische Soldaten totgeschossen würden. Wem, es das Unglück will, daß unsere Söhne und Enkel zum Kriege gerufen werden und auf den Brachfeldern die Todeswnnde empfangen, dam, find es in so und so vielen Fällen deutsche Gewehre, deutsche Kanonen, deutsche Kugeln, mit denen sie erschösse» werden.(Sehr richtig! links.)� Es sind das die internationalen Kapitalisten, die Leute, die kein Vaterland keimen, die ihr Vaterland„ach der Höhe des Profits be- messen, den sie finden, die Waffen und Munition für alle Mächte liefern, christlich brüderlich. Du sollst Deinen Nächsten lieben als Dich selbst. So wird die Nächstenliebe gehandhobt. Wenn Herr Bassermam, geglaubt hat, sich auf Preßänßernngen beziehen zu können, die nach seiner Meimnig ihm recht geben, muß ich ihm auch hier auf das entschiedenste widersprechen. Er hat sich auf die„Socialistischei, Monatshefte" bezogen, die ein Parleiblatt seien. Er wird aber auf ihrer Umschlagsseite den Satz finden:„Die „Soc. Monatshefte" sind ihrem Progranini entsprechend eijt freies Disklissionsorgail für alle Anschauungen des Socialismns. Die Redaktion kann sich mithiit nicht mit dem Inhalt aller Aussätze ein- verstandeit erklären, denen sie Aufnahme gewährt." Das Blatt hat offiziell mit der focialdemokratischcn Partei nichts zn thnn.(Sehr richtig! bei den Sociald.) Das Blatt hat niemals den Anspruch gemacht, eilt offizielles Organ zu sei», und wenn die Herren es ver- langt hätten, wäre der Parteivorstand wohl nicht daraus eingegangen. Richtig ist. daß eine Reihe Parteigenossen für das Blatt gearbeitet haben', und für das. ivas sie schreiben, sind sie natürlich der Partei Verantlvortlich. Nun ist aber der Artikel von N o t h e r. der speciell angeführt wurde, von eiiiem Herrn, den in nnsrerFrakti on niemand kennt. Und außerdem besagt sein Artikel auch nicht, was er nach Herrn Bassermann besage» soll. Herr Bassermmin hat sich dann noch ans den Herrn Ernst Frei berufen. Ich bitte, Ihnen ans dessen Aufsatz in den„Monatsheften" folgende Zeile» verlesen zu können: Daß aber die socialistische Gescllichaft durch Kanonen. Panzer und Torpedos aufgerichtet werden konnte, glaubt doch ivohl Rother»nr schwach. Die Arbeiterklasse thnt gut daran, sich den Flotteiiplänen gegenüber ablehnend zu verhalte». Sie hat nichts dabei zu gc- wimien, aber viel zn verlieren." Genau das Gegenteil steht also in dem Artikel, was Herr Baffermann hcransgekesen hat. (Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Als dritten Kroiizmgm hat Herr Bassermam, dann nieinen Kollegen Schippcl angeführt und auf eine Reihe von Aenßerimgen desselben in der Mitirärdebatle auf dein Haimoverschen Parteitag � Bezug genommen. Es ist zuzugeben, daß Schippe! in der Frage der Uederproduktion Anschamuigm entwickelt, die nicht allgemein übliche Partei-Anschamuigm sind, aber er hat sie nicht zum crsteninal mtmickclt, sie sind lange vor ihm von sehr bckanntm Lcnten in der Partei als Tendenz der gegmmärtigm kapitalistischen Gcsellschastsordnnlig dargestellt worden. Es ist aber Schippet nicht eingefallen, diese Ausführungen i» der Gestalt zu machen, daß daraus geschlossen werden könnte, er sei gewillt, für irgend eine Militär- oder gar Marincvorlage einzutreten. Nein, der Abg. Schippet sagt wörtlich: Natürlich macht uns das den Militarismus nicht angenehmer. ivndern um so unangenehmer.(Hört! bört! bei den Socialdemokraten.) Daö ist doch alles andre, als eine Znstimnmng. Er geht weiter, er citicrt einen andern Theoretilcr, ich rufe dazwischen:„Muß man dafür eine stehende Armee halte»?" und Schippe! antwortet:„Nun, ich habe schon erklärt, daß mir niemals ein so einfältiger Gedanke eingefallen ist." Das ist die klare, glatte Ablchiunig des Versuchs, iich für die stehende Armee zn engagieren! Noch ein andres! Schippe! ist mit uns vor ein paar Tagen in einer jener 19 Flottenversaminluiigm für nnsre Resolution ein- getreten. Ja. wenn das richtig ist, was Herr Bassermmin Schippet unterstellt, dann müßte Schippe! der größte Hnllnuke sein, und da- gegen verwahre ich ihn ans das allerentschicdenste. Herr Bassermann hol also gar nichts bewiesen.(Sehr richtig! links.) Der Geist, der in Deutschland herrscht und mit solche und ähnliche Vorlagen bringt, wird am besten charakterisiert durch die That- fache, daß ans der preußischen Königshynme der Vers heraus- gelassen wird:„Nicht Roß.»licht Reisige schützen die steile Höh..." Das ist der Geist des vorigen Jahrhmidcrts. der Geist deS Abso- liltisinns, der Geist des Jmperialisums, das ist der Geist, wie er im kaiscrlichm Rom geherrscht hat, von dem schon einer der hervor- ragendstm Schriftsteller jener Zeit sagt: „Biegsam werden wir vom Kaiser nach jeder beliebigen Seite gelenkt und schmiegen uns schirm Vorgange an; denn ihm wünschen ivir lieb zn sein, seinen Beifall zn erwerben, Ivos solche, die ihm »»ähnlich sind, nicht erhoffen dürfen. Durch fortgesetzte Fügsam- keit sind wir dahin gekommen, daß fast die ganze Welt nach den Sitten deS Einzelne» lebt."(Sehr richtig I links.) lind werden nicht auch die Schnnrrbärte bei»nS nach der Sitte des Einzelnen getragen?(Stürmische Heiterkeit). Ist man nicht bereits in Deutschland i» r ö in i s ch e Z e i t e n gekommen(Sehr gut! links), in die Zeiten des ByzmltiniSmnS, des ScrviliSmnS?(Sehr gut! links). � Meine Herren! Einem solche» System steht das Wesen, der innere Kern ver Socialdcmokratie total feindlich gegenüber, unter solchen Umständen gebt die Socialdenwkratie niemals durch das kaildinische Joch einer Flotten- oder Heeresvorlage. Wir fordern die Ablehnung ohne ilommissionöbcratuiig!(Langa»halte»der Beifall bei dm Socialdemokraten.) (Schluß siehe Haiiptblatt.) Arbeiter, Parteigenosse»! Nächsten Mittwoch finden im 35.»nd 44. Kommniial-Wahlbczirl Nachwahlen zur Stadtverordneten- Bersammliing statt. Als Kandidaten der socialdcmokratischm Arbeiterschaft sind aufgestellt: im 35. Bezirk(Schönhauser und Rosenthaler Vorstadt) Reichs- tags-Abgcordiieter Einannel Wnrm, Kirchbachstr. 16; im 44. Bezirk(Moabit) Expedient Th. Glocke, Lausitzer- straße 52. II», die beiden Bezirke ist ein heißer Kampf entbrannt. Außer unsrcii Kandidaten bewerbe» sich FreisiiiiiSphilistcr, Antisemiten und Natiomil-Sociale nm das Mandat. Die lebhafte Agitation, die von bürgerlicher Seite betrieben wird, läßt auf eine zahlreiche Beteiligung an der Mahl schlicßm und fordert daher die ganze Anfmerksamkeit der Arbeiterschaft heraus. In einer stattlichen Reihe Vcrsauim- iuiigeu sind wir ans dein Plan gewesen und für unsere Ziele ein- getreten: überall hat sich gezeigt, daß unsrer Kandidatur die besten Aussichten blühen, daß die Bevölkernng in der S o c i a l d e m o- kratie die eiitzige konsequente Vertreterin aller N i ch t b e s i tz e n d e n sieht. Da gilt cS in den weiiigm Tagen, die uns von der Wahlhandlung treitnen, vor allen Dingen die Hausagitation zn betreiben, die Wählcrschafl auf die Bc- dcntimg der Wahl, sowie ans die»och stattfindenden V e r s a m m- I u»i g e il ansmerksam zu machen. Geschieht dies mir der erfordcr» lichcn Umsicht, dann können ivir sicher sein, den bedentsameil Er- folgen vom November vorigen Jahres neue Siege hinzu» zufügen.— Thne daher ein jeder s-�ie Pflicht! Im 2. Wahlkrels spricht am Dienstag bei Habel, Berg- maimslraße S/7 der Llbg, H o ä) über:„Resörin der Unfall- v e r s i ch e r u n g". Am Mittwoch findet in Sanssouci, Kottbnserstrafie ia, eine Volksversammlung statt, in der Genossin Zetkin- Stutt- gart über Ardeiterinnenschntz, Franenrechte und illasienkampf sprechen wird. Die Genossen und Genossinnen werden aufgefordert, für zahlreichen Bestich dieser wichtigen Versammlmig zu agitieren. Die Vertrauensperson. 4. Berliner Ncichötags-Wafjlkrcis(Cften). Den Mitgliedern znr Nachricht, dast nnsre Versannnlnng am nächsten Dienstag stattfindet. Genosse Lt. Schmidt hat das Referat übernommen. Zahl- reiches Erscheinen ist erforderlich. Gaste haben Zutritt. Alles andere siehe Inserat. Der Vorstand. Sechster Wahlkreis! Schönhauser und Roscnthalcr Vor- stadt. Montag, abends 8 Uhr, findet im Berliner Prater, Kastanien- Allee 7—9, eine öffentliche Kommunalwähler-Versamm Inn g statt, in welcher Reichstags- Abgeordneter Paul Singe referiert. Es ist Pflicht aller Parteigenossen, recht rege für diese Versammlung zu agitieren. Diejenigen Partcigenosien, welche am Mittwoch helfen können, wollen sich morgens 8' Uhr bei Rain low. Schönhauser Allee 13S, und bei� Bachgänger, Swincmünder straffe 34. einfinden. Das Komitee. Freie Volksbühne. Die Vorstellung der 3. Abteilung findet heute nachmittag 2�Ai Uhr im Lessing- Theater statt.„Rosmers Holm" gelangt znr Anfführnng.— Die 7. Serie der Vorstellungen im Carl Wciff- Theater beginnt für die erste Abteilung heute nachmittag 23/4 Uhr. Aufgeführt wird Hamlet, Trauerspiel von William Shakespeare. Die Vorstellungen folgen am 18. und 25. Februar, am 4., 11, und 18. März. Der Vorstand. G. Mitkler. Arbeiter-Bildiingsschulc. Heute abend 7 Uhr in Feuersteins Feslsaal, Alte Jakobstr. 75, SB ort rag des Schriftstellers C a l w e über: Die Arbeiterorganisation und ihr Einfluß ans die Börse. Einem Tage wahrhaft patriotischer Begeisterung geht der gutgesinnte Teil der Berliner Bevölkerung von neuem entgegen. Hiesige Blätter ineldcn nämlich: Auf Befehl des Kaisers wird dem Prinzen Heinrich in Berlin ein besonders fcier licher Empfang bereitet werde». Fürst Hohenlohe mit dem gesamten Staatsininistcrium— die Minister in groffer Uniform — werden den Prinzen auf dem Bahnhof bcgrüffcn, ebenso die Präsidenten des Reichstags und beider H ä n s e r d e s Landtags. Ferner ist bestimmt lvorden, daff am Dienstag alle öffentlichen Gebäude z u flaggen haben. Was ivird der F l o t t c n v e r e i n an diesem denkwürdigen Tage beginnen? Kann die zweijährige Militärdiciistzeit noch verringert werden? Die Hinfälligkeit der konservativen Lamentationen gegen die zweijährige Dienstzeit hat sich.neuerdings aus manchem Beispiel ergeben. Zu den vielen Beweisen, ivelche darthn», daff die zwei jährige Dienstzeit noch zu laug ist, möge sich ein neuer gesellen. Uns wird geschrieben: Im königlichen Schauspielhaus e werden zu Stücken, die viele Sta listen erfordern, Grenadiere oder Füsiliere der hiesigen G a r n i s o n herangezogen. Die Vorstcllungc» liege» außerhalb der Dicnststuuden, jedoch innerhalb der Ruhestunden des Soldaten. Doch auch zu den Proben »enaufznführendcr Dramen erscheinen nicht selten 49, 50. auch 60 Soldaten. Neulich fand in Gegenwart de Kaisers eine Hauptprobe zu Major Lauff's Drama„Eisen- zahn" statt. Bei dieser Gelegenheit äußerte sich der Kaiser u u- zufrieden über den A u s ni a r s ch des Militärs im letzten Bilde.� Obcrrcgisierir Grube benutzte den Anlaß, um sich darüber zu beschweren, daß niemals d i e i c l b e n S o l d a t e n, die an einer Probe oder einer Vorstellung mitgewirkt hätten, bei der nächsten Gelegenheit zur Mitwirkung erschienen; die Regie habe daher immer ucueS Material zurechtzlistntzcn. Als der Kaiser von dieser Beschwerde vernahm, wandte er sich sofort an einen Herrn seiner Begleitung und ivics ihn an. dafür zu sorgen, daß die TruppcnkommandoS gehalten werden, immer die nämlichen Leute als Statisten zu stellen. Selbstverständlich wird die neue Anordnung genau befolgt. ES ist wohl klar, daß die Trnpp'enkommandos bis dahin glaubten, im Interesse des Dienstes in der Auswahl des für die königlichen Schauspiele bestimmten Maimschastsmaterials ständig ivechseln zu müssen. Ebenso klar ist aber auch, daß der Kaiser, also der oberste Kriegsherr, auf keinen Fall die Aenderung dieses Brauches anbefohlen hätte, wenn er nicht fest überzeugt wäre, daß der militärischen Ausbildung der Statisten auch fortan nicht der geringste Schade ii erwächst. Ein Antrag ans Vermehrung des tierärztliche» Unter- suchungSpersonals auf dem städtischen Schlachthof ist von der Verwaltung gestellt worden. Das UntersuchungSpersonal genügt schon lange nicht den gestellten Anforderungen: seit vielen Jahren ist trotz der enormen Zunahme des zu untersuchenden Schlachtviehs eine Vermehrung des tierärztlichen Personals nicht erfolgt. Der nunmehr gestellte Antrag geht dahin, daff die Zahl der'auf dem Viehhof aiijsustelleiide» Tierärzte um 3/», d. h. um 23 Personen vennehrt wird. Zur Kraukcuhauöuot. Bei Rundfragen zur Morgenstunde ergeben sich jetzt ans allen Berliner Krankenhäusern zusammen meist kaum 10 leere Betten, die natürlich längst belegt sind, tvenn irgend ein Kranker später ans sie hingewiesen wird. Bei der Centrale der Nettmigsgesellschast gehen von 8 Uhr morgens bis 3 Uhr nach mittags etwa 180 Anfragen nach Betten ein. Ein Teil der Hilfesuchenden kann täglich bei den mittags stattfindenden Eni- lassungen der Genesenen untergebracht werden: der Rest muff ver tröstet werden. Würdige Zustände für die Reichshauplstadt! Kampf für Ordnung, Religion«nd Sitte. Der in dem Duell im Grunewald verletzte Oberlienlenant Heinrich v. R. soll bereits soiveit hergestellt sein, daff eine Lebensgefahr nicht mehr besteht. Ein Berichterstatter erzählt zu diesem Falle noch, daff v. R. nach seiner Genesung einen»veitcrcn„Ehrenhandel" aus- zutragen hat. In diesem Fall sein Gegner der Sohn eines k o nun a n d i e r e n d e n G e n e r a l s sein. v. R. war seiner Zeit auch in die Sache verwickelt, ivelche die Verabschiedung des Erbprinzen Alfred von S a ch s c n- K o b n r g- G o t h a des Lieutenants von Götze und des Oberlientenants Edler von der Planitz vom I. Gardcrcgiincnt zu Fuß im Gefolge hatte.— Ob diese An- gaben vollständig wahrheitSgetren sind, lassen wir dahingestellt. Bis zu gewissen Grenzen. Im„L o ka l- A u z ei g er" vom Sonnabendabend steht zu lesen:„Ein Abonnent ans dem Süden schreibt uns: Ihr Blatr ist stets bei der Hand, alle Schäden b i s zu gewissen Grenzen aufzudecken." Eine so boshafte Charakteristik des„Lokal- Anzeigers" ist uns lange nicht vorgekommen. Sie trifft aber den Nagel auf den Kopf. Herr Obcrregicruugörat Tübben, der Vorsitzende der Ein- kommensteuer-VeranlagungSkomnnssion ist gestern an einem Schlaganfall gestorben. Mit ihm ist ein Märtyrer dahingegangen. Alle Härten der heutigen Steuerwirtschaft hatte er. der Schuldlose, mir seinem Namen zu decken. Der Bankier Angust Sternberg hatte, wie bereits mitgeteilt wurde, für seine Entlassung aus der IlntersuchnngShaft eine Bürg- schaft von einer Million Mark angebatcn. Auch diese anfferordcntlich Hobe Bürgschaft, die selbst für einen achtzehnfachen Millionär nicht gerade eine Kleinigkeit bedeutet, ist zurückgewiesen lvorden. Einige Anhänger Sternbergs zeigen zwar deutlich, daff es ibncn auf Geld nicht aukoinnit. Sie verbessern aber dadurch die Lage des Ver- hafteten keineswegs. Die Sacke steht aber auch ohnehin für Sternberg so schlecht, daff ihm alle seine Millionen nicht Helsen können. Die Uniersuchiing ist sehr umständlich. Da mehrere Kinder, die als Zeugen in Betracht kommen, nicht mehr in Berlin wohnen, so müssen die Vernehmungen oft durch einen ersuchten Richter bewirkt werden. Das Belastungsmaterial, das so von mehreren Seiten zusammengekommen ist, hat sich stark ver- dichtet. Auch für einige der eifrigsten Parteigänger des Bankiers wird die rührige Wirksamkeit für den Verhafteten wohl noch recht unangenehme Folgen haben. Wie die Herren zu Werke gehen, dafür nur zwei Beispiel. Vor einigen Tagen erschien ein Unterhändler, Direktor L., bei einer Dame in der Dcsiauerstrahe, die als Belastungs zeugin vernommen worden ist, zeigte ihr eine mit Tausendmarkschcinen gespickte Brieftasche und fragte sie, ob sie ihm nicht Entlastungs- inaterial znr Verfügung stellen könne. Der Herr erbot sich, etwaige Auslagen reichlich zu ersetzen, da Sternberg ja Millionär sei. hatte jedoch kein Glück, die Dame wies vielmehr den Versucher ent- schieden zurück und zeigte ihn: die Thür. Ein andrer Versuch wurde in einer Schule gemacht, die ein zwölfjähriges Mädchen besucht. Ein Herr machte sich unter dein Vorwande. daff er das Kind einer Erb- schaft wegen sprechen müsse, an den Rektor und den Lehrer, die die Lage der Dinge noch nicht kannten, heran, und erhielt so Zutritt zu dem Mädchen. Er lieff sich dann, wie sich später herausstellte, er- klären, was Sternberg mit ihm gemacht hatte, und versuchte, das Kind zu beeinflussen mtd einzuschüchtern. Es steht auch fest, daff.die Fischer nach New Dork abgeschoben worden ist. Abgesandte Stern- bcrgs erschienen bei ihrkkurz vor. Abgang des Pariser Schnellzugs. Sie war gerade im Radfabreranzug, fand aber die Bedingungen so günstig, daff sie sich eutschloff, den Herren sofort zu folgen.' Sie warf nur noch rasch einen Mantel um und fuhr mit ihren Begleitern zum Bahnhofe, wo man zum Zuge noch gerade zurecht kam. Die Herren brachten ihren Schützling über Paris nach London und von dort an Bord eines Amerika-Dampsers, der sie nach New Jork weiter abschob. So und ähnlich wird in dieser Angelegenheit gearbeitet. Mit der Herstelliing besonderer Vorortgeleise ans der Stettiner»nd Nordbahn wird jetzt endlich der Anfang gemacht. Der Eisenbahmninister hat die Eisenbahndircktion Berlin beauftragt, den erforderlichen Grund und Boden für die Herstellung der Vorort- geleise zu erwerben. Der Kommcrzicnrat Anton Wölfl, welcher seit Jahren in der Lazaretftation des Plötzensecr Gefängnisses an einer Zucker- krankheit darniederliegt, hat dreiviertel seiner Strafe, etwa 8 Jahre, demnächst verbiifft. Sein der Aufsichtskommission eingereichter Antrag ans Entlassung wird(wie ein Reporter wissen will) in den nächsten Tagen zur Beratung kommen. Wolff war im Jahre 1892 wegen betrügerischen Bankrotts zu zehn Jahren Gesängnih verurteilt worden. Eine SchrcckcnSscene spielte sich gestern gegen Abend im nordwestlichen Flügel des Moabiter Kriminalgerichts ab. Ein bc nichtigter und vielfach vorbestrafter Kuppler, der 32jährige„Kellner" Hermann H e n n i g, zuletzt in Schöneberg aufhältlich, war wegen gewerbsmäffiger Kuppelei angeklagt und wurde von der zweiten Strafkammer am Landgericht Ii zu z w e i n n d e i n e in halben Jahre Gefängnis verurteilt. Die Verhandlung gegen ihn war bie letzte des Tages gewesen und es dämmerte bereits, als der �Zcrnrtcilte wieder nach dem Uittersuchungsgcfänguis zurückgeführt wurde, dabei hielt er sich— anscheiueud um sich zu schützen— an das Treppengeländer an. Dieses ist so niedrig, daff ein mittelgroher Mensch darüber hinwcgstcigen kann. Daher gelang es dem Ver- urteilten auch, ohne daff jemand ihn daran verhindern konnte, s i ch ii b e r d a s Geländer hinab zu stürzen. Wäre er richtig gefallen, dann muffte er zivct Etagen tief in das Souterrain hinab- stürzen, aber er überschlug sich auf der ersten Treppe und blieb am Fuffe derselben auf dem Gesätz sitzen. Wäre er mit dem Kopfe auf- geschlagen, dann hätte er sich den Schädel zertt'ümmern müssen. Immerhin hatte er schwere innere Verletzungen erlitten. Ein rätselhafter Todesfall hat zu umfangreichen Polizei- lichcn Feststellungen geführt. Seit dem Oktober vorigen JahreS wohnte die geschiedene Frau Therese Kühlt ng, die trotz ihrer 43 Jahre von dem Ertrage der Prostitution lebte, und die den gleichaltrigen Handelsmann Fritz Bausgies bei sich beherbergte, im ersten Stock ans dem Hose des Hauses Mehncrstr. 6/7. In der Nacht zum 9. d. Mts.. etwa um 12 Uhr hörten Nachbarn beide Personen noch laut sprechen. Um 2 Uhr erschien B. bei der Nachbarin, Frau Meihner, um in erregter Weise Hilfe zu erbitten. Man fand die Kiihling angekleidet und tot vor ihrem Bette liegen. Ihren Mund bedeckte dicker Schaum. Acrztliche Hilfe konnte nichts mehr ans- richten. Da nun budd Personen öfter mit einander Streit hatten. so hat die Polizei im Anschluh an die barläufig nicht festzustelleude Todesursache eingehende Vernehmungen vorgenommen. Etwa 5000 Blechbüchsen mit Etiketts der Firma Jandorf u. Co. wurden vorgestern bei den Ansschachttmgen für die Anlage der Friedelstraffe, die über die Köllnischen Wiesen' nach dem Maybach- Ufer führt, aufgestinden. Die Firma stellte fest, daff die Büchsen, welche Kaffeebohne» enthalten hatten und als Reklame in Berliner Haushaltungen zur Verteilung gelangen sollten, einfach weggeworfen worden waren, nachdem sie ihres Inhalts beraubt waren. Durch die Glätte schwer verunglückt ist gestern, Sonnabend- vonnittag um 11 Uhr die Rciitnerin Bertha Klewe au§ der Stnlcr- 'traffe 73 zu Charlatteiiburg. Mit dem Stadtbahuznge nach Berlin gekammen, um Besuche zu machen, fiel sie in der Nähe des Bahn- Hofes Fricdrichstraffe auf dem Bürgersteige hin und zag sich einen Unterschenkel- und Schlüsselbeiiibruch und Nippenqnetschuiigcn zu. Ein Koppscher Rettungswagen brachte die Verunglückte nach der Professor Wolffschcn Privatklinik Am Cirkns 9. Ei» früherer Offizier als Betrüger verfolgt. Der Unter- suchnngsrichter in Thorn ersucht um Abdruck folgender Notiz: Der frühere Jngenienrosfizier Hellmuth Wessel, etiva 30 Jahre alt, 1,60 Meter grotz, blondes Haar, kleinen blonden Schmirrbtt, ge- bogene Nase, blaue Augen, untersetzte Gestalt, Sprache deutsch und ranzösisch. dunkler Anzug, madefarbigcr Ucberzieher, schwarzer, weicher Filzhut, wegen Betrugs und Urkmidenfälschnng in gcricht- licher Unterftichnng, ist ans dem Transport nach Tborn auf dem Bahnhof in Posen entsprungen. Der Untersuchungsrichter in Thor» ersticht um Ermittelung und Ergreifung des Wessel und sofortige Benachrichtigung. Für die Ergcifung ist eine Belohnung von 500 M. ausgesetzt. Fcnerbericht. Durch Unvorstchligkeit waren Sonnabend- nachinittag in einem Keller des Hauses Oranienst raffe 188 Spähue iii Brand geraten, der eine latale Verqualmung herbeiführte und nur dadurch bekänipft werden konnte, daff die Löschmaimschasren unter Benutzung von Rauchhelmen vordrangen. Ans dem Heimwege von der Brandstelle, und zwar an einer Ecke der Wicnerstraffe, söbliig der Wassenvagen des achten Zuges um, wobei ein Wehrmaun leichte Verletzungen davontrug. Seine übrigen Kameraden retteten sich rechtzeitig durch Abspringen. Gegen Mittag kam Händel- t r a ff e 16 auf dem Dachboden ein Schadenfeuer anö. das mehrere Verschlüge lind einen Teil der Dachkanstniktion einäscherte. Kurz vorher brannte Höchst raffe 21/24 auf dem Hofe der Gregory- Brauerei eine Teertonne. Freitagabend gingen Scharrenstr. 14 einige Möbelstücke in Flammen auf. Ei» brennender Fabrik- 'ckiornstein verursachte einen Alarm nach Mühlenst raffe 66. Später wurde die Wobr ans nnbedeutender Veranlassung noch nach Ritter st raffe 74/75 und M o n b i j o u p I a tz 10 geriife». Urania. Im wisseiischaftliKen Theater wird mit Ausnahme von Mittwoch das neue dekorative Ausstattungsstück„Bon den Alpen zum Vesuv" gegeben. Am Mittwoch findet der 12. Centenar- Vortrag statt, und zwar wird Herr Direktor Dr. SpieS sprechen über„Die Geschichte des elettttschen Stroms". Im Hörsaal werden folgende Borträge gehalten werden: Dienstag: Herr Dr. G. Naß:„Eisen und Stahl".— DannerStag: Herr Dr. P. Spics:„Elektrisches Licht".— Freitag: Herr Dr. P. Schwahu: „Die Gleb'chcr und ihre Tbätigkett".— Sonnabeiid: Herr Professor Dr. C. Müller:„Naturgeschichte unsrer Kleidung". Aus de» Nachbarorte». Parteigcnösfischcs aus den Vororte». Johannisthal. lieber die Flottenvorlage spricht ReichStagS-Abgeordneter R o s en o w in einer Versammlung am Dienstagabend 8 Uhr im im Senftlebenschen Lokal zu Johannisthal. Die Genossen werden ersucht, zu einer Flugblattverbreitung am Montagabend 71/2 Uhr im Restanrant von Mcrtins, Roonstr. 2, zu erscheinen.— Steglitz-Friedenau. Am nächsten Dienstag- abend 8l/2 Uhr hält der Arbeiter-Bildiingsverein bei Grube, Kaiser- Allee, eine Versammlung ab mit einem Vortrag über Gelverbe- Schiedsgerichte. Znr Lokalfrage in de» Vororte». Von der Lokalkornmissian gehen uns folgende Mitteilungen zu: Schöneberg. Ter Rod- fahrcrklub„Frei Weg" veranstaltet am 17. Februar im Lokal Wilhelmshof einen Maskenball. Wir machen darauf aufmerksam, daff genanntes Lokal zu Versammlungen nicht zu haben ist.— G r/- L i ch t e r f e l d e. Seit einigen Tagen hat die Arbeiterschaft Lichterfeldes und Lankwitz ein zweites Lokal neben dem von Pagel, Ehansseestraffe, nämlich das Restanrant Lö wendorf, Viktoria- straffe, am Bahnhof Lanklvitz, erhalten. Somit ist auch diesem Teil des Ortes Gelegenheit gegeben, sich lebhafter zu bethätigen. Wir machen noch darauf aufmerksam, daff die Arbeiter der Firnia Siemens u. Halske', Gr.-Lichtcrfelder elektrische Bahnen am Orte, am 3. März in Hennings Festsäleu, einem gesperrten Lokal, ihr Winter- Vergnügen abhalten. Schöncberg. Zur Pariser Welt- Ausstellung beschloh der Magistrat, die Entsendung einer Anzahl gelernter Handwerker zu Stüdieuzwccken aus Mitteln der Stadtgcmcinde finanziell zu unter- stützen. Die Aronfche Braudrniue in Nixdorf hat schon wiederum die Thätigkeit der Feuerwehr in Anspruch genommen. Schon seit mehreren Tagen ivnrde beobachtet, daff ans den im Innern der Ruine liegenden Trümmern Ltanchwolken emporstiegen. Gestern schlugen nun plötzlich die hellen Flammen heraus. Mannschaften der freiwilligen Feuerwehr, sowie die bei dem Abriff der Ruine be- schäftigten Arbeiter konnten das Feuer mit leichter Mühe ablöschen. An den eigentliche» Brandherd können jedoch die Maiinschaftcu nicht früher herankommen, als bis die Mauern gänzlich abgetragen sind. In Pankow beriet die Gemeindevertretmig in ihrer letzten Sitzung über einen Antrag unsres Parteigenossen Eichler, ihn ans Grund des ß 42 der Landgemeinde-Ordming in die Wählerliste einzutragen. Nach diesem Paragraphen kann einem Wähler auch dann mit Zustimmung der Gemeindevertretung das Wahlrecht ver- liehen werden, wenn er noch kein Jahr in der Gemeinde seinen Wohnsitz hat. Diese Voraussetzung trifft ans nnsern Parteigenossen ebenso zu, ivie seiner Zeit � ans den Rechtsanwalt Hofsmann, dem damals von der Gcmeindevertrctnng das Wahlrecht verliehen worden ist. Hierauf wurde ausdrücklich hin- gewiesen. Die Gemeindevertretung lehnte den Antrag jedoch ab, nachdem ihr Mitglied Professor Vogt das sehr klassenstaatliche Ar- gument vorgebracht hatte, daff es dem Gesetzgeber gar nicht ein- gefallen sei, dasselbe Recht, das dem RechtSanivalt Hoffmann gewährt worden sei, auch einem Wähler der dritten Klasse einzuräumen. Abgelehnt wurde ebenfalls der von socialdeniokrati- scher Seite gestellte Antrag, die G em ei n d e r at s w a h k e n an einem Sonntag stattfinden zu lassen; jedoch gab die Gemeinde- Vertretung dem für den Fall der Ablehnung dieses Antrags gestellten Eventualanträge statt, wonach die Wahlhandlung in die Stunden von 12 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends stattzufinden hol. Als Wahltag soll ein Montag im Monat März angesetzt werden. Einem andern socialdemokratischen Antrag, das Wahllokal des ersten Bezirks in die Mitte des sehr'ausgedehnten Bezirks zu verlegen, wurde ebenfalls stattgegeben. Ferner ivnrde mitgeteilt, daff im ersten Bezirk der dritten Abteilung ein Nichtängese ssener gewählt werden kann, ivährend im zweiten Bezirk ein An g e s e s jene r gewählt werden muff. Der Frau des seit 24 Jahren in der Gemeinde angestellten Polizeisergeante» Süffkow, der vor kurzem gestorben ist, wurden ganze 300 M. jährlich als Pension bewilligt. Beantragt waren 470 M. In der Erwägung aber, daff die Frau nach die Reinigung der Räume ini Amtshause besorgt, tvurden 300 M. als genügend betrachtet. Der Frau eines andern verstorbene» Gemeindebeamten wurde eine dauernde Jahrespension von 180 M. bewilligt. Ein Ge- such des Gemcindegärtners und Schnldieners Völzke um feste Anstellung mit Pension wurde abgelehnt.— Die Voltsschullehrer Pankows baten in einem Gesuch an die Gemeindevertretung im Hinblick auf die hohen Mietspreise um eine Teuerungszulage zum Wohnungszufchuff. Der Antrag wurde abgelehnt, abgelehnt von denselben Leuten, die Hauseigentümer und Gcmeindevertreter zugleich sind und ganz genau wissen,' daß die Mieten in kurzer Zeit um 50 bis 75 Proz. ge- stiegen sind! Wege» vielfacher Unterschlagungen wurde in Potsdam der Brigadeschreiber G erlach von der 2. Garde-Kavallerie-Brigade verhaftet. Gerlach, der Sergeant im 3. Garde-Ulanen-Regimeut war, hat sich durch das Spiel ruiniert. Er machte viele Schulden, und als er sich nicht mehr zu helfen muffte, unterschlug er Geldbeträge, die er in dienstlicher Eigenschaft' erhalten hatte. Seine Unredlichkeiten kamen dadurch an den Tag, daff er van dem Gehalt eines höheren Vorgesetzten, mit dessen Abhebung er betraut war, 400 M. zurück- behielt mit der Erklärung, er würde den Betrag am nächsten Tage abliefern. Gerlach hoffte am Abend im Spiel zu gewinnen, fand sich aber darin enttäuscht. Die gerichtschcmische Untersuchung der ausgegrabenen Leichen- teile des Brauereibesitzers Zeidler, ivelche dem Chemiker Dr. Jeserich zur Prüfung ans etwa dem Verstorbenen beigebrachtes Gift gerichtS- seits übergeben lvorden sind, wird vier Wochen in Anspruch nehmen. Hierbei möge erwähnt sein, daff Gift in dem Magen einer Leiche, wie die gerichtSärztliche Praxis lehrt, noch acht Jahre nach dein ein- getretenen Tode nachweisbar ist. Ein gewisienloscr Baunnternchmcr. Polizeilich inhibiert wurde die Ausführung eines Baues in der G o ff l e r st ra ff e zu Friedenau, weil der betreffende Bauuiiternehiner Lehm an Stelle von Kalk zur Bindung der Steine verwendet hat. Sorinleo. Kapitalgcwinnr. Die Hamburg- Amerikanische Paketfahrt- Aktiengesellschaft machte im abgelausencii Geschäftsjahre eine» Netto- gewinn von 18 Millionen Marl ans ein Aktienkapital von 65 Millionen Mark. Der Gewinn ist um 4 Millionen Mark höher wie im vorher- gegangenen Jahre. Bauarbeitcrschntz. Für die Stadt Mühlheim a. Rh. ist eine Polizcivcrordmmg erlassen worden. in der die Errichtung von Bon- bndcn und Aborten bei Baute» vorgeschrieben wird. Die Beschaffen- heit der Einrichtungen ist näher bestimmt. Dann wird für die Zeit vom 15. November bis 15. März der Bcrschlnff der Thür- und Fensterüfsnnugc» bei Aussiihruug von Junenarbeiten angeordnet und die Arbeit bei offenen Coakbfeuem verboten. Zuwiderhandlungen werden mit höchstens 30 M. bestraft. «villerungSüderfich» vom Iv. Februar 1SVV. morgens« Nhr. Siatlonen s?" Welter teS! c � »» § a Haparanda Petersburg Cor! Abcrdcm Paris 74!>NO 762 A 748 NNO 755 WNW 76091 »bedeckt gedeckt SNebel Shlb.bed l wolkig -11 -7 0 -7 -7 «»etter.Prognose f»r Sonntag, vc» Ii. Wevrnar iumw. Etwas gelinder, ziemlich trübe nnt Schneefällen und schwachen südöp- lichen Winden. B erliner W e i l e r b» r e a n. V�areqhau� /vWartheirrj. Berlin, Leipzigerstr. 132/133.« Rosenthalerstr. 27/29 u. 54.« Oranienetr. 53/54. Poneüan« Sias« Steingut« jfj gezackt, tief und flach Pf, 5# bunt mit Gold 8, 10> 13 Vorratstöfiiieo,-t gom 48 � Essig- und Oelfiasclien, � mit go* 4ö � Gswiirztonnen, �eiss m� gow 18 Pf. Salz* und ffieiilmastan. �15, mit gom l,so m-, ffiÜClltöpfe, bunt mit Gold 10 Pf. Milolitöpfe, weiss mit Goid 13 pf- Satztöpfe, 3 stück 48 h. Kinderserfices mit bunten Figuren 85 n Wassergläser 5 und 7?<.. geschliffen 15«4 22 Blerbecher uut Goldrand 8 kfl Bleröeclier» geschliffen 25 � Rumflasciien 12 � Butterdosen 20, 25, 28 geschüffen Bfl Pf. Käseglocken, geschüffen 50 pf- igdosen 13 pf. f ß und 7 Pf. Waschgamituren, 3,75, dekoriert> 5 Teile mit bunten Blumenmustern 5,25 6, 9 Mk. I SatZtÖpfe, bunt mit Gold, 6 Stück 1, 25 Mk. Brotkörbe, o�i, bunt, mit Goid, 45 p� BrOttelier, bunt, mit Gold oder Majolika, 18 Ff. Tafelsemces, für 6 Personen, mit Gold, 7,75 Mk. Kompottscbalen, bunt, mit gow, 20 Pf. Kannen-Untersätze, bunt, mit gow. 18 pt lassen, bunt, mit gow, 12 pf. Kaffeebecher,*<»*". 6, 7, 8 pf. SpeiSeteller, tief und flach, 7 Pf- Dessertteller, weiss, ßpf. weiss, 5 Pf* Tafelservices, fein dekoriert, für 6 Personen Olk., für 12 Personen 40, 55. 75 Mk. i\ Die Preise sind streng fest, sehr billig und in Zahlen an den Waareu gezeichnet. WM-. VI« 14. SSIcuIar-prel»» >i,i« igen(Aufiae« 1 Million) Ober ge» samt« Bekleidung wird koetenlo» und portofrei zugesandt. f.;- s I'x x>> rTL Chaus seestrasse 24a u. 25 11 Brückenstrasse 11 20 Gr. Frankfnrterstr. 20 zwischen Invalidenstrasso u. Friedrich-Wilholmstädt. Theater. zwischen Jannowitzbrücke n. Köpnickerstrasso (Ecke Eungestrasso). Ecke Kopponstrasse, am Börger-Hospital Fabrikation und Maas-Anfertigung guter Herren- und Knaben-Bekleidung. En grOS. En dotnil. Lieferanten an Garderoben-Geschäfte, Vereine, Institute und ausländische Gesellschaften. ExpOft. IlUpOrt. Einsegnungs-Anzüge unübertroffen reichhaltige Auswahl in Satin, Eipsgarn, Tuchen, Kammgarn, Cheviots, Drapes, Meltons usw., je nach Grösse und Qualität 30,—, 25,—, 20,—, 15,—, 12,— Ball-Kleidung. Schwarze JackeU-inzflge 18,1: Ii;::; 10»k. Sehwarze Rock-Anzflge Up, t*:-, 21»k. Schwarze Kehreck- Anzüge 58.1; Ui; 30»K. Schwarze Frack-Aozllge Sf;i; U:~: 28 Schwarze Hosen 3 mu. so Schwarze Westen 4,-, 3�. 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Druck und Verlag von Max Babing i» Berliii. ilt.35. 17. 2. Seilkje des„loiiitts" berliner MIKsdlR». mm im. Nunpk und LVl�enfchÄfk. Musik. Ecltcn hat die menschliche Phantasie solche Orgien ge- fämficu wie im Aufbau der Figur des Teufels. Höchst reich und höchst arm zugleich, furchtbar mächtig und zugleich jämmerlich ab- hnngig von Hilfsmitteln und Bedingungen, verschlagen gescheit und schlicsilich loch wieder so dumm, so naiv dumm: mit allerhand Kombinationen auS diesen Zügen wandert Sataus Figur durch Sage, Märchen, Dichtung und schließlich hiutvicdcr durch die Wirklichkeit der reproduktiven Phantasie. Tas Aufbäumcu selbständiger, in ihren achtuugswerten Konflikte» von irdischen Gewalten geschlagener Menschen, die verzweifelnd nach Hilfe in ihrem guten Streben suchen, zieht jene» Höllcngott herbei, läßt seine Macht groß werden und schließlich doch Immer dahiusinken vor höherer Macht-- ein Ausdruck des Volksbelvnßtfeins, daß das Niuge» des Unterdrückten trotz seines Vergehens gegen bestehende Ordnungen doch schließlich Erlösung finden muß. So cutfallcle sich die Faust- Sage bis zu Goethes Lebenswerk; so wanderten andre Teufclshisloricn durch die Littcratur; und eine der volkstümlichsten das Märchen vom Bärenhäuter, präsentiert sich uns jetzt neuerdings sogar in zwei einander äußerlich ähnlichen Opern. Tie eine ist gedichtet und komponiert von Richard Wagner Sohn Siegfried. Sie erschien unsreS Wissens 1898, errang in München, Leipzig. Wien und wohl noch in andren Städten schöne, doch viel- bestrittene Erfolge. Berlin bleibt dahinter immer noch zurück; über die Wiener Aufführung haben ivir bereits berichtet. Die andre Oper, ini Gegensatz zur vorigen direkt als„Oper" bezeichnet, um ein Jahr früher erschienen, ist gediebtet von einem durch westfälische Dialekt- dichtnngen, durch eine Oper„Eist" vom Jahr 1892 und durch andres bekannt gewordenen Arzt Hermann Wette in Köln und ist komponiert von dem Träger eines ebenfalls hochkliugendcn musikalischen Familieirnameiis von Arnold Mendelssohn, einem Abkömmling der seit mehr als einem Jahrhundert im deutschen Geistesleben wirksanien Familie Da geht es nun ohne ein Vergleichen nicht ab, um so weniger, als der Gegensatz, den in halbvergangenen Zeiten der Musikgeschichte die Namen Felix Mendelssohn und Richard Wagner bildeteii, hier zum großen Teil wieder auftaucht. Weltes Textbuchs„läßt sich gut an". Die leichtsüs-igc Anmut deS Romantikers Felix scheint sogar diese Dichtung beeinflußt zu haben Die Dillion ist in ihrem Grundzug reizend, fast prächtig. Doch je weiter man in ihr lieft, desto klarer wird es einem, daß gerade die Dramatik nicht ihre stärkste Seite bildet. Sie ist geradezu oft kantateu- Haft, und Felix wäre da wohl mitVergniigen hineingefallen. Sie hält auch in Spannung, und man ist begierig.' wie sich der Held, der im vorletzten Augenblick wieder sein Pew mit deni erlösenden Mädel hat, von unten nach oben ringen wird. Mau ist auf vieles gefaßt; allein daß die Kösung des Knotens so pointculos, so entwicklungslos, sc rhetorisch oberflächlich geschieht, wie durch diese gehalllose Wendung hätte man doch nicht gedacht. Und greift man dann lvieder zu Sieq- fricd Wagners Textbuch, so fühlt man erst ganz. Inas ein Drama 'st, ein Drama schlechtlveg, wie es immer Wagner der Alte verlangt und geschaffen hatte, und wie es. treu der' Familie. Wagner der Junge geschaffen hat. Nim wickelt sich«nS das übrige folgerichtig ab. Im„Theater des Westens" ertönen in derPremiere des Meudelssohnschen „Bärenhäuters" am Freitag, den 9. d. Rä. die neuen Klänge. Die Musik„läßt sich nicht gut au"; der erste Akt ist überaus malt — man kann sich den Beifall, der lang dauern muß, che er den Komponisten und de» Dichter hcrausziviiigt. nicht mit rechten Dingen erklären. Daun hebt sich die Musik; die Vorspiele zum 2. und zum S.Akt find sehr inhaltsreiche Werkchen; die Cbörc. an denen die Oper so reiche ist ivie nicht bald eine, werde» immer hübscher, die schlicht volksmäßigen Weisen— die doch immer im Ganzen eingebettet und keine bloßen„Niiniinern" sind— werde» innncr zahlreicher. Das Orchester bietet die interessantcsteu Charakteristiken auf: hartes TcufelSblcch, weiches Mürchcuholz, süße Liebes Violinen und tief geheimnisvoll das Kontrafagott lassen den Kritiker bedauern, daß er wieder auf einmal Hören hin über eine Fülle von Gutgemachten urteilen muß. Nun brauchten wir »iir noch jedesmal wissen, ivozu denn eigentlich die droben auf der Bühne und die drunten im Orchester sich so furchtbar auirege», lvozu denn diese endlosen Gesangsdebatten eigentlich da sind, und was denn eigentlich neben allen diesen Episoden als Drama übrig bleibt. Ich ivciß es nicht; mindestens ivcuig, sehr wenig.... Zwischen der trefflichen Regie und den' mancherlei vorbei getroffenen Chören stand eine Reihe der verschiedeusien Darsteller Icislniigen. Johanna B r a ck e ii h a m m e r als des Teufels Groß- nmlter war die„Alte" und war die„Junge" in vorzüglicher Weise. E e l m a v. Scheidt war als«cnnchen gleich ihr von Anfaug bis zu Ende gut. Neben ihrem sonoren, einer Klarinette ähnlichen Sopran hatte die etwa flache, helle, herbe, so zwischen Flügclhorn 'Nid Oboe klingende hohe Barytonstinnne Robert Leonhards keine gliickliche Position. Er spielte den Bärenhäuter im Anfang recht matt, bekam aber in der Tragik des weiteren Verlaufs manchen großen Zug. Friedrich Schwabe, ein tieferer, aber für seine Rolle doch noch zu wenig baßartigcr Baryton fand sich in den Satan allmählig ebenfalls hinein, allerdings mehr in den kleinen Reiiomniierlyrannen als in den das Gute schaffenden großen Bösen. Noch etwa ein Dutzend singende technische und sonstige Mitwirkende seien mit einem Strich od ihrer Beiträge anerkannt. Tie Direktion hatte doppelte Besetzung der Hauptrollen. zum verläßlichen Alternieren, augcküiidigt und hat daran wohl getha». Hoffentlich ivird man sich dies im Patcnt-Abfage-OperuhanS unter den Linden sä notsm nehmen.—' SZ- Vevssttninlttttsett. Cä»c VolkSvcrsamiulniig tagte am Freitag im Swincmündcr Gesellschafishans, in der der Reichstags- Abgeordnete Wurm über die bevorftchcndc Stadtbcrordnetcii- Ersatzwahl im flö. Kommunal» Wahlbezirk referierte. In trefflicher Weise erläuterte der Redner nnsrc Forderungen auf konnnnnalem Gebiet imd vcrivicS demgegenüber ans die zahlreichen Mängel im Schiiltveien, im Ver- kehrs- und Siibmissionswesen. in Bezug auf Gesundheitspflege und Wvhnimgsvrrhältnisse«., für deren Beseiligiing die freisinnige Majorität im Roten Hanse kcincsivegS eingetreten ist. Durch lebhaften Beifall erklärte die Versannnlniia ihr Einverständnis mit den Alisfühnmgcn des Referenten. Da sich Gegner nicht zum Wort meldeten, ivurde von einer Diskussion Abstand genommen. Nachdem der Vorsitzende noch zur regen Beteiligung an der am Sonntag stattfindenden Fliigblattvcrbrcitnng aufgefordert hatte, erfolgte der Schluß der Versamnilung mit einem Hoch auf die Socialdcmokralie. Tie an HolzbcavbcitmigSiiiaschinrn beschäftigten Arbeiter hielten am Freitag eine sehr gilt besuchte Versamnilnug ab, um über die AnSsperrmig der Arbeiter in der Meyerschen Fabrik zn ver- lhandrln. Jäck erstattete eine» anSiührlichen Bericht über die Streitigkeiten, die keine Erledignng finden konnten, iveil Herr Meyer die Vorgeschlageitc Einigung vor dem EinigungSamt ab- lehnte. � Dafür sei aber Herrn Meyer Plötzlich der menschen- freundliche Gedanke gekommen, eine mit 30 000 Mark bc- grüudcte Wohlfahrtseinrichtnng für seine Arbeiter zu stiften, ivofür er von der in seinem eignen Hanse sich befindlichen„Dentschcn Tischlerincister-Zeituiift" in überschwenglicher Weise gelobt wurde. Gegen die Organisierte», die nicht im„Gewcrkvercin" sind, wie seine eignen Meister je., hat Herr M. eine unüberwindliche Abneigung. Hat doch dieser Gewerkverein sogar ein..streikendes" Mitglied trotz sechzehnjähriger Mitgliedschaft ausgeschlossen. Der AuLgoschlossenc wird mm vom Holzarbeiter- Verband Unterstützung erhalten. Sehr si'cgesgewiß äußert sich der Buchhalter der Firma dahin:„Na. die Lumpen werden wohl bald kommen, die sind so schon halb verhungert!" Diese und ähnliche Mit teilmtgen über die Verhältnisse in der Fabrik von Meyer wurden in der Besprcchnng von einer Anzahl Redner noch ergänzt und zum einmütigen Ausharren aufgefordert. Schließlich gelangte eine Re solution zur Annahme, die zur Fortsetzung des Ausstands auf fordert. Ter Verband aller im Handels- nnd Tranöportgcwevbc beschäftigten Hilfsarbeiter(Bureau: Konimandantenstr. 23 1) hielt am 6. Februar seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab Dr. Wehl sprach über:„Der AlkoholismuS und die moderne Arbeiterbewegung." Den trefflichen Ausführungen folgte die sehr gut besuchte' Versammlung mit großer Aufmerksamkeit. Sodann ivurde die Maßregelung der orgamsirten Hausdiener bei A. Werthcnn besprochen. Rein bemerkte, daß die früher von der Firma ein geführten Verbesserungen betreffs der Lohn- nnd Arbeitsbedingungen beseitigt sind nnd an Stelle dessen eine äußerst strenge Arbeits- ordnung mit vielen Strafbestimmungen eingeführt ist.' Außerdem ist ein Prämieiisystem eingeführt, welches der Denunziation Thür nnd Thor öffnet. Löhne von 14, 16 und 18 Mark für erwachsene Arbeiter sind keine Seltenheiten, während früher 100 Mark pro Monat für Unverheiratete und IIS für Verheiratete gezahlt wurden. Vor allem aber hat es Erbiiternng hervorgerufen,' daß tüchtige Hausdiener wegen ihrer Zugehörigkeit zur Organisation aufs Pflaster gesetzt werden. So ivurde das Mitglied Fischer, welcher Kommissions- Mitglied bei Wcrtheim,' entlassen. Der Vertreter der Organisation, der behufs Rücksprache bei Herrn Wcrtheim vorsprach, wurde von diesem nicht angehört. Rein unterbreitete eine Resolution, dahingehend, eine Kommission zu wählen, welche noch einmal mit der Firma Wcrtheim verhandeln soll. A l b o l d t wünscht, von einer Kommission Abstand zu nehmen und den Verti'r bei dem Getverkschaftskartcll zu beauftragen, die Sache dort anhängig zu machen. Fischer, Schulze, Rudolf, bei Wertheim beschäftigt rcsp. beschäftigt gewesen, bestätigen die Ausführungen des Referenten. Die Resolution Rein Ivurde angenommen, der Antrag Alboldt wird der Kommiision Überwiesen. Straube teilt mit, daß am 24. Februar ein Maskenball bei Keller stattfindet. Das Andenken des verstorbenen Kollegen Angcrmann wurde in der üblichen Weise geehrt. Giile öffentliche Versammlung der Handlungsgehilfe» nnd Gehilfinnen tagte am Dienstag in den Armirihallcn. Nach dem Bericht, den der Vertrauensmann A. K o h n erstattete, haben während seiner Thäligkcit 14 Versammlungen stattgefunden. Die Eimiabmcn betrugen 797,17 M., die Ausgaben 724,60 M., so daß ein Bestand von 72.51 M. verbleibt. Von der Nenwahl eines Vertrauens Mannes wurde Abstand genommen nnd an dessen Stelle eine Agitation� kommisfion von 5 Personen mit dem Recht der Kooptation gewählt. Dieser Kommission wurde auch, nachdem vorher die Aufgaben der selben erörtert worden waren, der Kassenbcstand des bisherigen Ver IrailenSmannS übertviesen. Hierauf berichteten H i n tz e und M a a ß über die Thätigkeit der Berliner Gcwcrkschaftskommission. Mit dein Verhalten der Delegierten erklärte sich die Versnmnilnng einvcr- standen. Da Hintze eine Wiederwahl ablehnte, wurde Ma aß als Delegierter nnd Ka lis li als Stellvertreter'geioählt. Nachdem noch beschlossen ivordc» tvar, das Nixdorfcr GctvcrkschaftSkartcll zn er- suchen, die Angelegenheit nnt dem Warenhans Aron lvciter zu betreiben, erfolgte der Schluß der Versammlung. Tic HanSdicncr»nid Parker centraler Richtung hatten am 6. Februar eine gutbesnchte Versammlung anberaumt, in welcher Abgeordneter iHosenoiv einen mit Beifall anfgcnonnnciieu Vortrag hielt über: Was haben die Hausdiener nnd Packer bezüglich der Verkürzung ihrer Arbeitszeit von den gesetzgebenden Körperschaften n erwarten? Der Refereut kritisierte die Schädlichkeit der über- mäßigen langen Arbeitszeit nnd betonte, daß es nur im Interesse des gesamten Handelsstaiides sei, wenn der von der socialdcmokrntischen Fraktion bei der Beratnn'g der Gewerbe Novelle geforderte Nchtnhr-Ladeiischlnß durchgeführt rcsp. eingeführt würde. Des weiteren besprach Referent, wie notwendig es auch wäre, die Sitzgelegenheit für die Angestellten einzuführen, da durch das 15—20 Stimden lange Stehen hinter den Ladentischen vielfach Krankheiten entständen. Wenn es auch bei den jetzigen Beratungen im Reichstage abgelehnt sei, auf diese Forderungen einzugehen.' so müssen sie dock, immer lvieder auss neue' erhoben werden. Werner, Schumann, Meyer sprachen in der Diskussion im Sinne des Referenten nnd forderten zum Anschluß an die Organi 'ation ans. Ter Textilarbeiter-Verband(Filiale II) hatte am 27. Januar eine Sitzung anberaumt, in der der Kassenbericht verlesen wurde. Tie Einnahmen betrugen 1187,70 M. Die Ansgaben 396.06 M. Die Filiale zählt 500 Mitglieder. AnS dem Jahresbericht ist hervor znhcben, daß die Filiale drei Streiks geführt hat. Im Januar bei der Firma Gutfeld, der nach dreiwöchentlicher Dance zu Gunsten der Arbeiter beendet wurde, im Februar bei der Firma Benjamin u. Co., der schon nach zweitägiger Dauer zn Gunsten der Arbeiter beendet wurde, und schließlich bei der Finna Fcibisch, wo nach 14toöchemlicher Dnner die Arbeiter den Kampf aufgeben mußte». Von diesen Kollegen sind noch 13 zn unterstützen. Bei der Wahl der Borstands- Mitglieder wurde Otto Gnast zum Vorsitzende» gewählt. Holzarbeiter-Verband. Die Branche dcr Biiffctt- nnd Schreib- tisch», acher beschloß am 5. d. M. die Festsetzung bestimmter Accord- preise für einfache und einzelne besondere Arbeiten vorzunehmen. Die Branche der K o r k e n a r b e i t e r verhandelte am 5. d. M. über die Lohndiffcrciizen bei zwei Firmen. In dem einen Geschäft ist eine Verständigung erzielt, es soll hier die 10 stündige Arbeitszeit eingeführt werden. ES wurde aber befürwortet, die Gctvährung von Kost gegen entsprechende Entschädigung abzuschaffen. In dem Geschäft von Hartniaiin sind die Arbeiter seit dem 30. Januar im Ausstand. In den Bericht über de» Vcrbandötag der Steinsetzer hat sich ein Irrtum eingeschlichen. Es muß heißen: Die Zahl der Steinsetzer in den Orten mit Organisation betrug 4750 oder circa 40 Proz. aller Steinsetzer. Davon ist die H ä I f l e organisiert. Groff-Lichterfrlde. Im hiesigen socialdcmokratischcii AgitationS- verein hielt am 6. d. M. Max Schütte einen beifällig aufgenommeneu Vortrag über das Socialistengcsetz. Beim Punkt BereinSangelegen- hctten mahnte der Vorsitzende Wenzel die Mitglieder, sich gründlich an der Agitation für die Kommnnnlivahlcn durch Verbreitung von s lngblättcrn u. drrgl. zu beteiligen. Erörtert wurden sodann die Lokalsrage und die Frage der lokalen Organisation. Elf Mitglieder wurden neu aufgeiiommen. Rixdorf. Die Mbbclpoliercr beschäftigten sich in der Verbands» versamnilnug ani 5. Februar mit dem AuSstnnde bei der Firma Laborenz. Es wurde mitgeteilt, daß die Gerüchte, die Streikende» wären iviedcr in die Fabril zurückgekehrt, unrichtig sind. Der AuS- taud dauert vielmehr fort und soll die Sperre mit großer Gc- iviffenhnftigkeit durchgeführt werden. Nach Erledigung dieser An» gelegenheir wurde die Wahl deS Bevollmächtigten vollzogen, die auf das Mitglied Paul John fiel. Zum Schluß gelangten Mißstände in einigen Werkstätten zur Besprechung. Nixdorf. Wie im Geschäft von Max Aron die An» estellten behandelt werden. Mit diesem Thema de» chäftigte sich am 1. Februar eine Versammlung,, die auch von Frauen ehr gut besucht ivar. Das Referat batte Kaumianii Maas über« nommcii. Redner wies daraus hin, daß die Veranlassung zur Er- Lrterung des Themas die Mitteilung gegeben habe, daß nach dem Brande im Aronschcn Waronhause de» Angestellten bedeutet ivurde, eine Weiterzahlung des Gehalts erfolge nicht, auch könne für die verbrannte Garderobe der Angestellten keine Entschädigimg gewährt werden. Da Herr Aron von der Eiiibenffmig der Bersamnilnug Kiiiide erhielt, erklärte er sich bereit, einige Angestellte namhaft zu machen, die über die Zustände in seinem Geschäft Auskunft geben sollten. Das Anerbieten ivurde angenommen. Die Erschienenen wurden unter Anführung des Geschäftsführers N o r e n b e r g. der es nicht zuließ, daß die Ängestellten einzeln vernommen wurden, ausgefragt. Die Aussagen waren äußerst zurückhaltend, und ei-st später, als die tveiblicheii Angestellten ohne Aussicht des Geschäftsführers veniommen wurden, ergab sich, daß Herr Aron die verbrannten Sachen seinen Angestellten mit dem Gclde einer vorhandenen Strafkasse ersetzen wollte, später aber überhaupt jeden Ersatz ablehnte. Der Referent führte nun ans, daß dieses Verhalten, so inhuman es auch sei. nnd so wenig es mit dem Nechtsbewnßtsmi der Arbeiterschaft übereinstimme» mag. gesetzlich zulässig sei. Auch die Entkassuiig der Angestellten mit Bezahlung des Gehalts mir bis zum Tage des Brandes ist gesetzlich nicht unberechtigt. Es sei eine klaffende Lücke in der Gesetzgebimg. von der Herr Aron Gebrauch niarbe. Es läge hierin noch kein Grund, gegen ihn vorzugchen,>, en i die Untersuchimg nicht unerhörte Miß st ä Ii de in seinem Geschäfte ergeben hätte. Die Strafkassc, ans der der Brandschaden der Angestellten anfänglich ge- tilgt werden sollte, bestand aus den Groschen der Angestellten. Die Geschäftszeit war von 8 Uhr morgens bis 9 Uhr abends festgesetzt. Wer morgens zu spät kam. mußte für je 5 Minuten 10 Pf. Strafe zahlen. Der vereinbarte Geschäftsschlns; wurde aber fast nie ein- gehalten nnd für monatesange Nacharbeit bis 10 und 11 Uhr nachts ivurde kein Pfennig vcrgütigt. Dann verlas der Referent den Kontrakt, den Herr Aron mit seinen Angestellten abschließt. Er enthält folgende Konkurrenz- klauscl: „Bei einem eventnellen Abgänge verpflichtet sich X. X. innerhalb ztvci Jahren kein Geschäft in Rixdorf oder dessen zwcimeiligem Um- kreise zu etablieren oder sich direkt oder indirekt zu beteiligen und darf auch während dieser Zeit keine Stellung in ähnlichem Geschäft annehmen bei einer Konventionalstrafe von 5000 M. Ferner, falls X. X. seinen Posten nicht angetreten oder die verein- bavte Kündigung nicht eingehalten hat, so hat derselbe eine Buße vom dreifachen Monatsgehalt zu zahlen.(Wörtlich!) Ebenso ungesetzlich wie diese Bestimmung ist die Vereinbarnng, daß in Krankheitsfällen das Gehalt nicht bezahlt wird. Die unter diesen Bedingnngcii, bei kargem Lohn arbeitenden Angestellten mußten obendrein die univürdigste Behandlung über sich ergehen lassen. Schimpftvorte gemeinster Art beliebte Herr Aron zur Titnlicrung seiner Angestellten. Die Heizung. in eiiizclnci! Abteilungen war so unzureichend, daß eine bitterliche Kälte herrsche. Für zerbrochene Gegenstände mußte das Personal aufkommen. Rein Unternehmer würde� es wagen, einem Arbeiter eine derartige Behandlung zn bieten, die die Handlungsgehilfen und Gc- hilfinnen acdnldig ertragen. Die scharfe Kritik, die der Redner an all diesen Mißständen übte, fand in der Versammlung lebhafte Zustimnnmgl Während in der Diskussion zwei Angestellte Herrn Aron in Schutz nahmen. bestätigte eine weiblickie Angestellte in schlichter Weise die Angaben deS Referenten. Die Genosien Schulte und Häuser teilen mit, daß die zur Verteidigung des Herrn Aron verurteilten Auge- stellten ihre KoNeginnc», die den Mut besitzen, die Wahrheit zu sagen, im Saal beschimpften. In seinem Schlußlvort kennzeichnete der Referent gebührend diese HandlungSlveise, indem dieser darauf hiiv* wies. daß seine Darstellung volle Bestätigung gefunden habe. Sodann wurde eine Resolution angenommen, in der sich die Versammlung zustinnnend zn den Ansführnngen des Referenten erklärt und da» Verhalten des Herrn Aron entschieden verurteilt. Die Angelegenheit soll weiter vom Rixdorfer Geivcrlschaftskartell verfolgt werden.__ Veremskaleuder. vlrbciter-BUdnngs-Tchnle. Neue Rofestr. 3. Montag. Geschichte siMere deutsche Kulturgeschichte). Bortragender: Schriflsteller Heinrich C n n o w.— Bibliothek L— 9 Uhr. Beginn des Unterrichts 9 Uhr, Ende 11 Uhr. 'Zlvbeitcr-Siiiigerbiind Berlins und der Unigegend. Erster Vor- sitzender: Rlch. Tbate, Schvuebera, Grimewaldstr. 99. Erster Kassierer: Avttsrted Boris, Skalitzerstriche IIS. Alle Aendemugcn im VerctnSkalenbcr sind zn richten an O. Jsaack, Strelitzcrstr. 1b, Hof II. Montag, abends 9— II Uhr, UebuiigSsniiide und Ausnahme»euer Mitglieder.—„Zukunft II", Steglitz, Kaiscrhallcn, Albrcchlstr. 130.—„Harmonie", Schulz, Höchstestr. 3V. —„Tonblüte", Hcutschel, Lübbcntrstraße 18.—„Liedeösreihctt II", Strausberg, Magnus, Wilhelmstrafte.-„Freya II"(gemischter Chor). Rusch, Kichtestr. 19.-„Solidarität", Lconhnrdt, Beuthsir. 10.-„Berliner Damenchor Harmonie", Rosin, Schönholzerstr. 42.—„Vorwärts III", Lichtenberg- Friedrichsfelde, Schulz, PriNzen-Ällee 6.—„Concordla", Henfel, Holluiann- sirafte 33.—„Alpeublume" Neu-Wciftensee, Sturm, Lothrmgeustr. 33. —„Note Rose", Prinzen-Alice 44.—„Liedeslust III", Alt-Mieniefe, Saß, Grüimuerstr. 19 a.—..Vorwärts IX" Charlottenburg. Beter, Wallstr. 94,— „Der Sattler", Conrad, Marsiliusstr. 8, Ecke Blankeufelderswahe.—„Ein- tracht III", Niedcr-Schönewcidc, Strecker, Grünauerftr. 5. Rrbcitcr-Rauckierbiiiid Berlin» und der Umgegend. Aeiidernngen im Vercinstalender sind zu richten an Eugen Ralchke, Rixdorf, Mahlow«, strafte 1, 4 Trcvpcu,— Montag, abds. von 9—11 Uhr: Klub-Abcnd und Ansnahme neuer Mitglieder:„Abguß I", Schulz, Höchstestraße 33.— svtdele Kolvinstcn", Klinge, Kvlontestr. 137.—„Blaue Schleife", DembieSky, GSrlttz-rstr. öS.—„Grüne Linde", Kosseda, Drontheimerstr. In.— „Morgenrot", Rolland, Landsberger Allee 44.—„Eintracht", Kienast, Zorndurferslr. 9.—„Palmerio", Pätzold, Prenzlauer Allee 43.—„Wieder- sehn". Weber, Neu-Weißensee, Friedrichstr. 35.—„Vorwärts II", Walisch,. Adalbcrtstr. 4. Arbeiter- Tnriirebnnd. Sonntag: Timiv.„Nichte", Ltchtenbcrg, Asche, Weißenkeeer Weg; jeden Sonntag von 3 Uhr an volksthümliches Turneu.— Montag: Turnv.„Fichte", Berlin, abends von 8—10 Uhr, Mäinicr- Abt., Reichenbergerstr. 131; tz. Damen-Abt., Ackerstr. 67.; 7. LehrlingS-Abt., Wasserthorstr. 31.— Turnerschast des Vereins„NereuS", 2. LehrltiigS-Abtetlinig abends 8—10 Uhr Dieffenbachstr. 51. Arbeiter- Schwimmerbuiid. Montag: Schwtnnnkl.„Vorwärts",. Damen-Abt., abends 7 Uhr, VolkSbadcanstalt. Schilltngsbrttckc.— Schwimm- ilnb„Nord", Damen-Abt., abends 7 Uhr, Volksbadeanstnlt Moabit, Turm- strafte 85 a. Arbeiter< Steuographcitvcrcin„Stolze«.(EinigitngSsvstem.) Sonntag: Bezirk„Norden", bei Äletnert, Schulstr. 29, vorm. 10 Uhr. Koiisumverei» Berlin-Nord(Eingetragene Genosienschast mit be- schränkler Haftpflicht). Vinetaplatz 1. Aufnahmen werden dort anfter Sonntags jederzeit vollzogen. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine. Sonntag. Berliner Prlvat-Theatergesellschaft„Alpenrose", nachmittags 4 Uhr, Schmidt, Prinzen- Allee 33.— Bergnügmigsvcrcin„Allcmania", 6 Uhr, Englischcr Hos, Neue Roßstr. 3.— Montag. Gesangverein„Nord-Melodta", I. Mierkc, Schon- hauscr Allee 101. Verein der Trrchölcrineister VerlinS und Unigegend. Jeden zweiten Montag im Monat, Künigstädttscheö Kasino, Holzmarttstr. 72. .Hnniantstische Gemeinde, Mvhreiistrafte 47, im oberen Saal de» Brandenburger Hauses. Montag, den 12. Februar, abends 8'/, Uhr, ge- Iclliger Abend, au welchem Herr Dr. R. P e n z i g eine Borleffnig fnnnori- stischer Skizzen vornehmen wird.— Gäste, Damen und Herren, sind will- kommen. Der Zutritt ist frei. Allgctncine Volks-Kranrenkaffe(E. H. 126) in Liquidation. Ver- kammlung am Sonntag, den 11. Februar, mittags 1 Uhr, bei Niiliiaim, Brunne» str. 183. Deutsche Gesellschaft für öffentliche GesnntheitSpflege. Montag, den 12. Februar, abend» 71/z Uhr, im Hygieiüschen Institut, Kiosterstr. 36, l. Tageöordmmg: Herr Dr. George Meyer: Krankentraiispvrtwescn und anitätspolizci. «ltgemetne FainiliemSterbe-Kasse. Heute Zahltag: Ackerstr. 123 bei Diele. Mafsenre, Heilgehilfen, Mnsseii rinnen. Krankcnwiirter und Bernfsgenoff'en. Versammlung am Montag, de» 12. Februar, abends 10 Uhr, bei Pohl, Rosenthalerstr. 11/12. Taaesordnimg: Konstiiliierung der Zahlstelle. Samariter KnrsnS für Arbeiter und Arbeitcrinnei». Morgen Montag, abendS 9 Uhr, UcdiiligSstnnde in der Centrale, DreSdcnefttr. 45. Vortrag des Herrn Dr. Stulz über: Berbrennungen, Erfrierungen, Blitzichlag, Hitzschlag und Beschädtgungen durch Elektricität. Nachher pral- tische Uebimgen. «eiitrnl-Kranten- und Sterbekafse für Frauen und Mädchen in Dentschland. Verwaltung Berlin I Montag, den 12. Februar, abends 8 Uhr, Central-Festsäle, Oramenstr. 180, Mitglicdcr-Versammlung. Uür de» Inhalt der Inserate tiftetHiuiuit die Redaktion dem Vnbliknin gegenüber keinerlei Berantiuortnng. Tsjvnkvv. Gonntag, IL Februar. Freie Bolkobühne. Lessing- Theater. 3. Abteilung(graue Karten): Nosuiersholm. Anfang 3-/. Uhr. C a r l W e i b- T h c a t e r. l. Ab- teiluug(rote Karten): Hamlet. Anfang 23/< Uhr. Operuhan«. Die Afrilanerin. An- sang?>/, Uhr. Montag: Carmen. »chanspiclhans. Faust.(1. Teil.) Ansang 7 Uhr. Montag: Wie die Alten sungen. Neues LPer»- Theater«Kroll). Narcih. Anfang 7!/, Uhr. Zdentseties. Schluck und Jau. An fang?>/, Uhr. Nachm. 2>/z Uhr: Kollege Crampton Montag: Der Probekandidat. Lessing. Der Pfarrer von Kirchfeld Ansang 7>/, Uhr. Montag: Im weihen Röh l. Verlincr. König Heinrich. Anfang 7-/- Uhr. Nachm. 2V» Uhr: Zaza. Montag: Der goldene Käfig. Neues. Nackte Kunst. Anfang 7-/- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Hofgunst. Montag: Nackte Kunst. Schiller. In Behandlung. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Di« Jungfrau von Orleans. Montag: Amphitryon. Der zcr brochcne Krug. Weste». Der Zigcunerbaron. An fang 7'/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Undine Montag: Der Bärenhäuter. Thalia. Im Himmelhof. Ansang 7-/, Uhr. Montag: Dieselbe Borstcllung. Residenz. Die Dame von Maxim Anfang 71/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Ter Schlafwagen Controleur. Montag: Die Dame von Maxim Luisen. Minna von Barnhelm. Au fang 8 Uhr. Nachni 3 Uhr: Die Ahnsrau. Montag: Minna von Barnhelm Central. Die kleine Exrellenz. Aus 7'/, Uhr. Nachvi 3 Uhr: Der Bcttetstudent. Montag: Die kleine Excellenz. Carl Weis). Die Jagd»acki dem «luck oder: Die Diebin. Anfang 7V, Uhr Montag: Dieselbe Vorstellung. Velle-Alliaiicc. Freund Frih. An- fang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Victoria. Berliner Bilder. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3r/z Uhr: Die Waise von , Lowood. ' Montag: Berliner Bilder. Frledrich- WtlheliustädtischeS. Allein in London. Ansang 8 Uhr. , Nach« 3>/2Uhr: Der Glöckner von ] Notre-Dame. Montag: Allein in London. Metropol. Specialitätenvorstellung Die verkehrte Welt. Anfang 7'/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Apollo. Specialiläten- Vorstellung. Im Reiche des Jndra. Ansang TV, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Palast. Specialttäten- Borstellnng. Ansang 8 Uhr. N«ichühalle». SIettiner Sänger. Anfang 7 Uhr. Passage, Paiiopliknm. Spcciali- täten-Vorstellung. llrauia. Jnvalidcnslr. i»7/kus Schumann. Heute, Sonntag, «A grosise � Gala- Vorstollimi Nachm. 3>/j und abends 7-. de» II. Februar: hrliiante»Z gen WW 71;, Uhr. In beiden Vorstellungen: Gleich reichhaltiges abwechselndes Programm und Dir. Alb. Schumann mit seinen unerreicht dastehend. Originaldressuren. Nachm. 1 Kind frei, jedes weitere Kind: Halbe Preise(außer Galerie). Sloends jedoch: Volle Preise. Nachm. zum Schluß: Auf vielseitiges Ver- langen, die reizende Pantomime: im Weihnachtebazar od. Die Puppen- f ü nigin. Abends?>/, Uhr: Zum S. Aiale: »p. Eine romantisch-phantastische Hand- lung in 3 Abteil. I» Scene gesetzt vom Direktor Albert Schumann und Hofballcttmeistcr Siems. Regie Ballett- meistcr Remnger. l.Alt: Im Studierzimmer des Dr.Faust Im Deiche der Uebe. Alt; Ein Schützenfest im 16. Jahrhundert. 3. Akt: Die Herzogin von Parma; der Haxensabbat aus dem Blocksberge. FanstS Höllenfahrt. Montag: Gala» Sport» Vorstellung und Dr. Fauet. Urania Taiibonatrasse 48/40. Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen zum Vesuv". Montag: Dasselbe. Invulidcnsitr. 57/02: Tägl. Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. Clrkns Busch. Heute, Sonntag, den U. Februar: Zwei gr. Gala-Vorstell., nachm. 4 uns abends 7»/. Uhr. Nachm. 4 Uhr ein Kind unt w Jahren frei. Olnuipische piele. Außerdem in beiden Vorstell. Der Feuerpriuz Mr. Rlvalli. Die Viatweef-Akrobaten-Trouve?c. Abds. 71/. Uhr: Die Camorrs. Welt Jockev- Akt Amateur• Konkurrenz• Reiten. 50 M. Prämie. Die weiße Dame. CASTANS IpanoptigümI ! Xcn! Sicu!| ■d Riese der englischen Armee Sergeant Th. Dalroy 2 m 30 cm hoch! Oberbayrisclie Sänger und Schuhplattler• Gesellschaft. Anatomiscte Musenn. Im Passage-Panopticum geöffnet 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Montag u. Dienstag abends 8 Uhr; Vortrag eines hiesigen Arztes; Ueber Veränderungen Im Körper durch Modethorhelten u. Alkohol. Montag für Herren, Dienstag: für Damen. 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Donnerstag: Gr. Bali Ausschneiden! BiS 18./2. erhält Jnhab. dieser Annonce Ackerftr.132 1 Loh- Tanniubad ärztlich cmpf. gegen Haut-, Blut- und Frauenkrankheiten, Gicht u. Rheuma- tismus, Blasenleiden, veraltete Geschlechtslrankh. u. Folgen der Queckfilberkurcu umsonst. Zu gleicher Zeit empfehle alle andren Medizin, sowie Dampf- nnd. Hcistluftbäder täglich siir Damen u. Herrn b. abends 9 Uhr. Bäder f. Krauten k. C. Richter. persönlich, fr. Spandauerdr. 6. Probebad möglichst vormittags. 35502*_ Freie Volksbühne. I Heute, nachmittag B/« Uhr: 3. Abtcilnng im Theater: Rosmersholm. 1 Abteilung im Carl Wciss-Thcatcr: Hamlet, Prinz von Dänemark Licssing- Heine- Aheud. I I Sonnabend, den 17. März, in der Brauerei Friedrichshain. � Vortrag über Heinrich Heine. Recitation und Gesangs- a, Vorträge, Kammermusik etc. W Festmarken nur für Mitglieder sind in allen Zahlstellen vom 15. Februar ab erhältlich. 228/12 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Arbeiter-Bildungsschule. Sonntag, den 11. Fcbraar, abends 7 Chr. im Cokal von Herzberg, Alte Jakobstr. 75: Vortrag des Schriftstellers R. Calwer über: Die Arbeiterbewegung in ihrem Einfluss auf die Börse. Nach dem Vortrag: Gemütl. Beisammensein u.Tanz. Fintritt 10 Pf. 4/9 Garderobe 10 Pf. Achtung! Töpfer. Achtung! Am Sonntag, den 11. Februar 1900, in Louis Kellers Festsälen, Koppcnstrastc Nr. 29: (Bv. ZVtntev Vergnügen veranstaltet von der Filiale Berlin dcS Centralverbandcs der Töpfer Teutschlands bestehend in Vakol» und! Instrumental- Konzert unter Mitwirkung des Gesangvereins„Liedertafel Freie Sänger', sowie „Steinmetz Quarteti-Sänger und HumoristeiU. Anfang deS Konzerts präcise ö Uhr. Nach dem Konzert grosser Hall (zwei Orchester).— Billet inklusive Tanz Herren 50, Damen 30 Pfg. Billcts sind zu haben in der Haupt Zahlstelle Neue Fricdrichstrastc 20 bei Preust. sowie in allen übrigen Zahlstellen und im Lokal des Herrn Sürst««, Koppenstraste 28. Da keine öffentliche Kassa stattfindet, werden die Kollegen ersucht, sich vorher mit Billcts zu versehen. Programm an der Kontrolle gratis. 195 5 Das Komitee. F. A.: C. Thiele. Schnegelsbergs Feslsäle, Inhaber:.71 a x Schindler.— Telephon: Amt IV Nr. 1132. Heute: Groster Ball als Specialität: Pfannknchcnrcgcn verbunden mit Schlangen- und Apfelsinen-Regen und diversen Ueberraschungen. Täglich: Specialitäten-Borstclluug. Entree frei. Empsehle den geehrten Gewerkschaften, Vereinen, Fabriken meine Säle.'300 und 1200 Personen faffcud(mit Buhne» zu Setfnmni- jungen und Festlichkeiten jeder Art. 3382L* May Klipips Fest-Säle, fUOA miCm Hasenheide 13, 14, 15. Im nciirn Festsaal. Eingang Hasenhcide 13, jeden Sonntag: 4Sr. Instromentnl-Kon/.ert. Anfang 0 Uhr. Entree 30 Pf., Vorverkauf 25 Pf.— Nach dem Konzert Tannkränscben!— In den Nr. 14 und 15 belegenen Sälen jeden Sonntag: türosser Dali! Anfang 4 Uhr, Ende 2 Uhr.— Empsehle meine gesamten Säle Vereinen und Gesellschaften zu Versammlungen und Festlichkeiten.— Die OstcrfeicAage sind noch zu Matinerö zu vergeben l3449L>j Hax Kllem Hoilinanns Volksgarten, Westend am Spandauerberg:, Kastanien Allee 1. empfiehlt den geehrten Brreiueu von Charlottendnrz seine«äle zn Festlichkeiten und Bersammluiigen in jeder Größe. Jeden Sonntag: Nall. 33818*] Entree frei. 2 heizbare Winter-Kegelbahnen.(Sonnabende zu Maskenbälle» noch frei.) Yereinsbrauepei-Äusscliank Rixdorf ——• Graste Säle. Mittwochs und Sonntags— � Gr. Frei-Konzerl. Vi*---—„... (\\ Vorzügliche H'' Köche, Kegelbahnen .»ud sonstige diverse Bc- --- lnstiguugcu. 36278*] " py Grosse Eisbahn."TPS Pferdebahn vom Moritzplatz für 10 Pf. bis zur Brauerei. � LamariterMrsllS»L» II für Arbeiter und Arbeiterinnen. W Heute abend 6>/, Uhr bei Ncumann, Bnmnenstraste 150: Vortrag deS Herrn Dr. med. Situ l« über:„Der Nährstoffbedarf des Mensche» und die cinzcinen Nahrungsmittel*'. Nachher: Gemütliches Beisammensein«nd Tanz. 155/1 Der Vorstand. sind os, welche verfitlscbtenCitronen* 1 saft(zar Kur u. Haus�ebrAurhj«lo j echten verkaufen. VerJ.angen Sie| bitte Kurplan und Dankschreiboti! Geheilter(Gicht-, Rheumatismus-, Fettsucht-, Magenleidende u s. w.) durch Trültjjschs alkoholfreie Citronon saftkar gratis und I2.T&-üUzsch, Borlin K., Boyens olV4i.w0' 1 franko. 1 enstr.a«. J Alhambra Wallnertheater-Mtrasse 15 Jeden Sonntag und Donnestag: Gr. Extra-Ball bei dopoclt besetztem Großes Orchester. Anfang 5 Uhr. -j-85 A. Kamettat. So mhiltZevo Siedemoilil? Fn der Fricdenstraste nicht mehr! Wo wohnt er denn jetzt? Er wohnt jetzt Zlorndorierstr.58.EckeLä>vesir. und empfiehlt sein[3612S*- Seiß-u.BalM Bikr-Lokal BereinSzimmer zur Verfügung. Reell! Ejgarreu. Reell! Billigste Bczugsauclle für Wicdervcrk. Preislag. v. Ml. 20, 22, 24, 28, 30 usw. p.Millc. Uebern. ganz.Geschäftseinrichl. Hein�eimann dt Co., Clgan-en- fabrlk, Berlin SW., Lrandendurgstr. 44, prt., a. d. 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Zei- tungsfrage. 4. Verschiedenes. Uin püuktl. u zahlr. Ersch. ersucht 03/3 Der Vorstand. AviS für Cigarrcn Fabrikanten. Verein Berliner Glgarren-Sortlsrsr, und Sortlsrerlnnsn. Der unentgeltliche Arbeilsnachweis befindci sich jetzt Swinemünderstr. 41 b. Albert Werner, Cig.-Gesch. s2352b lcnte können viel Geld sparen wenn sie beim Einkauf»icine grosten Warenvorräte in leppielien. pai'liei'en, Kspilineii. lioeli-, Divan- u, Steppdecken, Läufer-, Möbel- u. Dekorations- Stoffen, Bett-Vorlagen, Fell-Vorlagen, sowie gemalte u. gewebte welche in vorzügliche» O.»alitäteu und in Pracht- vollen Mustern zu ganz bkhellttilb herabgesttzteil Preise» nalh ßattgehabter ziiventiir zum Verkauf stehen, in Augenschein nehmen. J. Adler Teppich haus r. 20-21 (dicht am Rathaus). -•- Special abteil uo g:: Dekorationen werden in iiiodernsteiu Stil n. anf das eleganteste anter Bcrechnnng der Sclbstaaslagcn sofort ausgc fuhrt. 1898— Berlin. Prämiiert fllr hervorragend« Leistungen. Kgl. Preuss. 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Februar, nachmittags V/i Uhr, bei Niest. Webcrstr. 17: d-iresse«Lleiitl. Tages-Ordnung: l. Geschästs- und.«kasscnbcricht der Lohnkauimisffon. 2 Neuwahl der Lohnkommission und der Revisoren. Welche Aussicht auf Erfolg haben wir bei einem streik bezw. Boykott Referent: Kollege Zlvst.. 4. Ver- fchiedencs.— Zutritt zu dieser sowie allen folgenden öffentlichen Versammlungen bis zum Ausbruch des Streiks haben nur solche Kollegen, die sich im Besitz einer Streikkarte beffndcn. Zlin Eingange etrciffflrtenuub Streikmarken käuflich. zur Versammlung sind 23ö3b £}&- Für Arbeitslose werden gegen Vorzcigllng der Altersversicheriingskarte Sonntags und Donnerstags von 3— t> Uhr bei Drescher, Linienstr. 213, sowie Krüger, Waffinannstr. 34, Streikkarten unentgeltlich aus- gestellt. In den Bersominlungeu können Arbcitsloscnkarten nicht ausgestellt werden. Mit Brudergrub: Die Lohukommissiou. Ictitlffig 1 K.WahMreis. tclitiiiig! Zlontas, den 12. Februar, abends 8 Uhr, iui Berliner Prnter, Kastanien-Allee 7—9; Grefte Kemmmmlwiihler- Bersammlnng. Tages- Ordnung: 1. Die bevorstehende Stadtverordnetenwahl im kiZ. Kommnnalwahl-Bczirk. sReferent: Reickistags-Abgcordncter Panl Singer. 2. Diskussion. 219/8 Alle Wähler des Bezirks sind hieran eingeladen. Das BSahlkomitec. Achtung! Moabit. Achtung i Dienstag, den 13. Zebruar cr.. abends 8 Uhr: Ki'osse öffentl. KommungiMIei'-Vöi'SWmliiiig in den Arminiushallen, Brcmcrstraße Nr. 72— 7S. Tagesordnu ug: 1. Die bevorstehende Stadtverordncteiiwahl im 44. Koiiimiinal-Wahlbezirk. Referent: Reichstags-Abgeordnetcr Prit» Snheil. 2. Diskusfion.- Wähler der 44. Wahlbezirks, erscheint zahlreich in dieser Versammlung. 219/7 Bas Wahlkomitee. SotialdemobraMer Mahlmetn für den 2. Derliner Reichstags-Mahlbreis. Dienstag, den 14. Februar, abends 8>/2 Uhr: IM" Vevkomlnlung"MZ bei Ravel; Bergmaünstraste 8/7. Tagesordnung 1 Vortrag. 2. Diskussion 3. Verschiedenes. Gäste(Herrens haben Zuttitt.. 238/4 Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. N/B Die Mitglieder ohne Unterschied werden aufgefordert, sofort. mindestens aber im Verlauf dieser Woche ihre Wohnungen auf den Zahl- stellen eintragen zu. lasten. Zotialdemokratlscher Mahlverein für den 5. Derliner Reichstags-Wahlkreis. Donnerstag, den 18. Februar. abendS 8'/, Uhr: Versammlung''Mk im Lokal«tzaargs Säle, Sttexanderplat». Eing. Alexanderplah. Tages-Ordnung: 1 Vortrag des Genoisen Br. Alkred Bernstein über Syphilis und Tuberkulose. 2. Diskussmn. 3. VereinSangelegenheiten. Neue Mitglieder werden ausgenouiinen. 24ö/2 Zahlreickien Besuch erwartet Ter Borstand. AM«!)iin Wahlkreis. A�u»« Sonntag, den 11. Februar, abends 6 Uhr: OeHiclie Yersamniliini für Frauen und inner im Kolbcrger Salon, Kolbcrgcrstr. 23. Vortrag des Genossen Br. Alfred Bernstein über: Syphilis, Tuberkulose und Alkoftolismuö in socialistischcr Beleuchtung.— Diskussion. Nach der Versammlung: CSemätllehes Beisammensein. Zur Deckung der Unkosten Tellersammluug 1/lO'_ Die VertrauenSperso». Verband der Fabrik-, Land-, Hilfsarbeiter und -Arbeiterinnen Deutschlands. Den Mitgliedern der Zahlstelle Berlin zur Nachricht, daß die MonatS- Versammlung für Februar ausfällt, an deren Stelle beteiligen wir uns an der zum 11. Februar in dem Ko Iberger Salon einberufenen Versammlung der weiblichen Vertrauensperson. Es ist Pflicht aller Mitglieder, zahlreich zu erscheinen und besonders ihre Frauen mitzubringen. ___ Bie Ortsverwaltong. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Morgen Montag, abend» 8>/, Nhr. bei Cohn, Beuthstr. 20-31: Sltziuis; der Orts- VerwaltuiB a*. Achtung! Uolks- Nersammlung Mittwoch, 14. d. M.. abends 8'/y Uhr, in„Sanssouci", Kottbuscrstr. 4». Tages-Ordnilug: Vortrag der Genossin Klara Zetkin über„Arbciterinnenschutz, Frauen- recht und die Befreiung der Arbeiterklasse" 1/2 Genossen und Genossinnen, agitiert für zahlreicheir Besuch dieser Ver- sammlung. Ble Vertranenspcrson. Kleber(Tapezierer)! Montag, den 12. Februar, vormittags 1« Uhr, bei Paster, Jnselstrastc 10: Oeffenk.£>c£imniuUtUQ. Tages-Ordnung: 1 SituattonSbericht der Lohnbewegung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes Pflicht aller Kleber und Kundenarbciter ist es, zu erscheinen, da da- selbst Ausgabe der Legitimation und Berechttgungskarte erfolgt. 101/1 Die gemeinsame Sohnkommisfto«. Rerdaiid der an Dolzkearkeltungs-Maschinen beschaftiglen Arbetter Berlins u. Umg. Montag, den 12. Februar, abends 8Vs Uhr, im„Eliglischen Garten", Alexanberstraße 27 c: Ülitglieder-VersaMmInng. TagcS-Ordnung:- 1. Vortrag des Sollegcn Zlmpcl über„dos neue Jnvalidcngeictz". 2. Dislusiion. 3. GewcrkschastlicycS.[82/7 ZablreiäieS Erscheinen ist notwendig. Ber Vorstand. Achtung! Scfimelder! Achtung! Montag, de» 12. Februar, abends 8', 2 Uhr, im Lchützeenhuus, I.inienstpsssv 3» Große öffentliche Vtrsammimig aller Herren- und Knaben-Konsektions-Schneider. Einberufen vom Verein der Herrn- u. Kuabeil-Konfektiolis-Schiieider. Tagcs-Ordnung:[2330l> 1. Die Entwicklung und der heutige Standpunkt der Konfektion. 2. Die Lage der hausindnstrielleii Konkeklions-Schiicider, der Zrueck der Organisatioi'. und wie stellen sich die Kollegen zu der Forderung von Betriebs- Werkstcllen? Ber Vorstand. Verhant! dewtselier Schneider u. gehneiderinnen Achkiinq! Verbsndsmikglievev! Dresse VeritZ»ihdsversNKSKht4RiiZx am Dienstag, den 13. Februar, abends S Uhr, in Cohns Pestsälen, BeutHstraste 20. T a g e S- O r d n n n g: l. Berichterstattung über das Anschreiben an die Unternehmer betr. Betriebswerkstätte». 2. Stellungnahme hierzu und Beschlußfassung über unser demnächstiges Vorgehen. 3. Wahl eines Mitglieds zur AgitatioüSkommtsfion. Mitgliedsbuch legitimiert! Ohne dasselbe kein Zutritt. 162/2 Bie©rtsyerwaltuiig. Konsum-Verein Berlin-Süd. (E. CS. in. b. H.) Montag, den 10. Februar, abends 8V2 Uhr: Ausserordentlielie GeReral-Versamminog im Bickelschm kl Saal, Hascnheide Nr. 52�3. TageS-Ordnung: I. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Die Eröffnung der 1. Verkaufsstelle. 3. Beschlußfassung über Anschluß an die Hamburger Groß-Einkanss-Gesellschaft und andere geschäftl. Unternehmungen 4. Verschiedenes. 265/13 Ber Vorstand. Voran 4i Produktiv und Einkaufs-vlcnossenschaft für Radfahrer. Aoutag, 12. Februar, abends 9 Uhr 2326b Nlonats- Dovfnininlitttn n„Piiglisehen«arten", Alexandcrstr. 27 a. Dienstag, 13. Februar, abends 0 Uhr, im Lnisenstadtischcn Konzcrthausc, Alte Jalobstrasic Nr. 37: ilniudiniNln Mnminnx der Filialen Berlins. Tagcs-Ordnung: Pnsre StcIInngnahme zur Frühjahrs Saison. Mitgliedsbuch legitimiert. Aufnahme neuer Mitglieder daselbst. Achtmig! Schmiede. Achtung! Dienstag, den 13. Februar er., abcudö S> s Uhr Vertrauensiinner-Yersanlnni! der Tisclimaclier im Englischen Garten(oberer Saal». Alexandcrstr. 37«. Tagcs-Ordnung: Unire Forderungen betreffs de» prozentualen Aufschlags. - Die VeriraiiensmänNcr werden ersucht, ihren Werkstatt- Tarif lnitzuvringe». Dienstag, den 13. Februar er., abends 8 Uhr: Vertranensmäiioai' Vamaiailaaz der Kaftettmobel- itttb Spiegel-Branche in de»„Arininhalleii.". Komniaiidantenstr. 30. Tagesordnung: Unsre Forderungen. Jeder Veitrauensmaiin muß den Tarif mitbringen. Montag, de» 12. Februar, abends O Uhr: • v.-»ii.... tz?i. i /&» i der Bezirke Süden nnd Südost bei.tiöhring. Admiralftraste 18 o. TageSordn irn g: linste Lohubewegillig Die Kollegen werden«flicht, sich von den Werkstätten aus direkt dort- hin zu begeben. Montag, 12. Februar cr., abends 8 Uhr: Branchenversaminliing der KammmaGher im Lokale des Herrn Oiold, Gr. Frankfurterstr. 133. Tagesordnung: I Bortrag über:„Lohn- und Accordarbeit". 2. Tisluffion. 3. Verschiedenes. Friedrichsberg. Mittwoch, den 14. Februar, abcudS 0 Uhr, bei Panten, Frankfurter Allee 171: Bezlrks-Versamiuliuig. Tagesordnung: 1. Vortrag über. Unsre Forderungen. 2. Diskussion. 3. Wcrkstaltangclcgcnhciteu und Verschiedenes. Jede Werkstatt muß vertreten sein. 78/7 Bie Ortsvem altnng. Montag, den 12. Februar, abends 8 Uhr. in de»..Arminhallen", Komniandaiitenftr. 30 Große öffentliche Versammlung der Teppich- und Littoleum-Leger Berlins. Um zahlreiches Erscheinen bittet 2293b Ber Finherarer. 2 grofle öffentl. Berfammlungen aller in der Schmicdcrei bcschäft. Personen Berlins u. Umg. DonuerStag, den 18. Februar, abends 8 Nhr, in Kellers Fcftsälen (oberer Saal», Koppenstraste 30. Freitag, den 10. Februar, abends 8 Uhr. im Moabite.r Klnbhausc. Bciiiiclstraste 0. TageS-Orduuiig: 1 Die Lage der Schmiede und wie vcrbeffern wir sie? Referent Kollege T-ange aus Hamburg. 2. Diskussion und Ausnahme neuer Mitglieder. 176,2 Es ist Pflicht eines jeden Kollegen in dieser Versqmmluug zu erscheinen Der Eiuberufcr. Acbtung:, Pntzei*! CnittttlBKliaiiii deutsilier Mlism. WM I.) Die Kollegen werden daraus a»sin erlsam gemacht, daß die Ergänzung der abgelaufenen Mitgliedsbücher in der Rvsenthalerstraße 57 bei Schiller erfolgt. Ein scder Kollege hat sich bis zur nächste» Mitgliederversammlung mit einem neuen Buch zu versehen. Die Ausgabe der neuen Mitgliedsbücher erfolgt nur im Bureau.- 134/3 Bie ürtliehe Verwaltung. Ncht,«»!,:-WU aar- Achtung: Kistenrnacher. Am Montag, den 12. Februar, abends 8Vs Uhr, im Lokal des Herrn Stechert, Andrcasstr. 21: General- Versammlung. Tages-Ordniing: 94/4 l. Bericht des Vorstandes vom verflossenen Fahr. 2. Abrechnung vom 4 Quartal. 3. Abstiuickung über Einführung von Arbeitsloseu-Untcr- stüyuiig. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert."ME Das Erscheinen aller Mit � Vorst: gliedcr ist notwendig. Der »and. J. A.: Karl lucleel, Sonnabend, den 17. Februar, in den„Andreas- Fcstsälen", Audreasstrahc Nr. 21: Lipossen �iVeenep Kllssleen-Vsll. Anfang 8>/., Uhr. Um 12 Uhr Demaskiexuug. Kaffecpause. Billcts a 50 Ps. sind bei sämtlichen Vorstaudömiiglicdcrn, sowie im Arbeitsnachweis Breslauerstraße 28, zu haben. Um zahlreiche Beteiligung bittet_ Ber Vorstand. Achtung, BananschlSger: Am Dienstag, den 13. Februar, abends Ö1/* Uhr, im Lokal des Herrn Bnske. Grenadierstraste 33: Große öffentliche Versammlung TageS-Ordnung: 1. Bericht der Revisoren und Kassenbericht. 2. Verschiedenes. Die ArbcitSbcrechtigungSkarten werden in der Versammlung ausgegeben. 33/10_ Bie l.ohnkoniniisslon. NAiWmiil„Mehr Licht!" Beute, Sonntag, den 11. Februar, abends 8 Ihr, im Lokal des Herrn Bnske, Grcnadierstrafte S3: IM" Vensammlung. Tages-Ordnung: Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Fmil „Bilder aus dem deutschen Bauernkrieg von 1525" Nachher: Geselliges Beisammensein. Gäste willkommen. Marmor- nnd Granitarbeiter. DienStag. den 13. d. M.. abends 8 Uhr. bei Cohn, Veuthstr. 19: OrKoiRtlirlh« Vrrfsam inliBiüg. Tages- Ordnung: 1. Bericht über die Perhandlungen mit den Unternehmern auf dem Gc- wcrbegcricht. 2. Stellungnahme zum Kongreß. 172/5 Pflicht eines jeden Kollegen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Ber Vertrauensmann. I®vKam«ihtenM'aAhKlK«! Dienstag, de» 13. Februar, abends 8/ si Uhr, Reue Roststrnstc 3: Oeffentliche Bevfauiullnttg. T a g c s- O r d Ii u n g: 1. Svocialisterte Abrechnung vom Streik. Wie stellen wir uns zur Gründung eines Reservefonds v 2. Stclüyiguahme zur deutsch-östscichiichen Posauiciiteii-Kousercnz in Bucht, alz. Wahl eines Delegierten. 3. Mißstände in vcrichiedcncn Wcrlstcllcn.— Ilm puiiltlichesEiicheüien bittet 153/1 Bei» Biiifecrnfor. Fritz Borger, RumiuelSVing, Türrichmidtstr. 37. Achtung! �Imiaierer. Achtung! Central-Kranken- und Sterbckasfe der Zimmerer lOertlichc Verwaltung Berlin). Montag, den 12. Februar, abends 8 Uhr. tu den„Rrminhallen", Rommaudanteiistraftc Nr. SO: IVI I ß: g I ii e ll e n- V e If K a rn rn ß SH SB g. Tagesordnung: 1. Abrechuiina vom 4. Quartal 1899. 2. Wahl der Revisoren. 3. Vortrag über Jnvaliditäts- und Allersvcrsicheruiigö-Gesetz. Die Bersammlmig wird pünktlich eröffnet.— Mitgliedsbuch legitimiert. 259/2 Der Vorstand. A. Gruse, Bärnimstr. 41a. Rosenow über: [120/6 I Achtung;'! � Aclitung! Grofter Vortrag für Männer _ im HJT Nene» Natttrheilverei»"Wß Charlottcnburg-Berli» lVorsttzende 11. Ruhe) 2ZZ1b im„Xöslwsr Lot", Berliu Kösliuerstr. 8. Montag, den 12. Februar, abends 8i/s Uhr, spricht Herr L. Toujes, Vertreter der Naturheilkunde, über Die Krffilkhciteü des lilällnlicheil mld lveibliche» Geschlechts. Fntree 13 Pf. Entree 15 Pf. ggr Es versäume niemand, diesen iniseeffaiiten Vortrag zu besuchen. lim zahlreichen Besuch bittet �. Per Vorstand. �XfttMn Q BS 10 Jahre Garantie. Vollkommen schmerzloses Zahn- / n»Iii- t ziehen I M. Plomben 1,50 M Tellz. wöchentl. IM. bUllHW b Zahnarzt Wolf, leipzigerstr. 130. Sprechst, 9-7 Beachtenswert für die Konfirmation! Schwarze und weisse in üb erra sehen d reicher Auswahl und bekannter Preiswürdigkeit. � Sa Welssenberg, 125, Gr. Frankfurterstraße 135. WMM■ m Special-Geschäft für Damen-Kleiderstoffe. Cognac selber zn machen. 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Februar rormmai» liei 40 040[/all 40 644 und 17» oi» stall 17!» 09» "110043 127 85 851 479 500 76 602 709 17 826 949 1 Im weivlimrabe verdltebev! 2 Ve«,»« ja SOOO 9», 111065 161 79 221 824 404 688 884 911 11*088 498 I 4 z» v""'— 1000 SSI-, 5 JU 600 SRI Beranlwortlicher Rcdacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Zi. Glocke in Äerlin. Druck und Berlag von Max Babing in Berlin..* üt. 35. i7. IchMs. 3. Killlge des„Mmlirts" Kttlmer Alksbllltt. 11 1!.«». Die Zterztekammer für Berlin rmd die Prodinz Brandenburg, die gcstcm in Gegenwart des Obcrpräsidentcn der Provinz zu einer Sitzung versammelt war. beschäftigte sich nüt zwei Gegenständen von allgemeinem Interesse. Professor Dr. Ko hm ann' referierte über den Antrag der Aerzte- kannuer der Provinz Sachsen, betreffend eine Reform der ge-I durtshilflichen Ordnung im preußischen Staat. Der Antrag bezweckt in erster Reihe eine Reform des Hebammen- Wesens durch Zuführung reiferer, moralischerer, intellektuell höher stehender Kräfte. Redner bestreitet, daß die unzweifelhaft vor- handenen Mängel hierdurch behoben werden können, vielmehr sollen den Hebammen alle diejenigen Manipulationen entzogen bleiben, wclwe eine sorgfältigere Behandlung durch den Arzt notwendig machen. Eine Aufbessung der materiellen Lage sei jedoch den Heb- animen zuzubilligen, so weit das Freizügigkeitsgcsetz dem nicht entgegenstehe. In zweiter Reihe wird verlangt, das; für u n- bemittelte Wöchnerinnen freie Hilfeleistung und Lieferung von Wäsche, Medikamenten usw. herbeigeführt wird. Hierzu will Redner empfehlen, im allgemeinen auszusprechen, dah die sociale Fürsorge auf die unbemittelten Wöchnerinnen weiter ausgedehnt wird. Die Kammer beschließt hierüber im Sinne des Referenten. . Et folgt dann die Beratung über den wichtigen Antrag des GeschäftsansschnsseS der Berliner ärztlichen Ctandcsvereine. Danach wird die Aerztckamnier im Hinblick auf de» Entwurf eines Vertrages des Vereins der Bankbeamten in Berlin ersucht, zu erklären, daß eS der Würde des ärztlichen Standes nicht ent- spricht, privaten Vereinigungen, welche onS nicht nachweisbar u n b e m i tt e l t e n M i t g Ii e d e ru bestehen, andere Honorar- sätze als die der Gebührenordnung vom 13. Mai 1836 zu gewähren. Der Referent hierüber, Dr. Joachim, erwähnt hierzu die Uincr- bietnngcn, welche in den. letzten Jahren, aus Acrztekreiscn gemacht worden sind, und betont dann, daß der hiesige Bankbeamten- Verein ans verhältnismäßig gut sitmrtcn Mitgliedern besteht und sogar eigene Klnbränme besitzt. Wie der Bankbeamten- Verein hätten aber auch andere wohlhabende Vereinigungen das Bestreben, die ärztliche Behandlung ihren M't- gliedern zu den Mi'nimaliätzen der Gebührenordnung zu erstreben. Wenn auch diese Sätze Unbemittelten zuzngcstcbcn>ei, solle doch seitens der Kammer ausgesprochen werden, daß die Gewährung dieser Sätze an Bemittelte der Würde dcS ärztlichen Standes � widerspreche. Es solle daher eine Konimission von sieben Mitgliedern eingesetzt werden behufs Prüfung der ärztlichen Verträge mit privaten Vereinigungen. Bc- mängelte Verträge müßten dem ärztlichen Ehrengericht unterbreitet werden. Die P r ü fung der Verträge mit den Kranken- fassen solle einstweilen bei Seite bleiben, müsse aber auch in absehbarer Zeit erfolgen, da auch hier manche minderwertige Bewilligungen vorlägen. In der Tis- knssion verlaugt Dr. S t e r n b e r g, daß die Arbeit der vor- geschlagenen Koinmission auf die' Krankenkassen aus- gedehnt wird, um der Regierung Material bierüber für eine Vcrbesscrnng der Gesetzgebung muerbreiteir zu können. Der Oberpräsident nimmt hierauf das Wort und bemängelt die Fassung dcS ersten Antrags, niit dessen Absicht er im Grunde durch- aus einverstanden ist. Es gebe enic ärztliche Hilfeleistung, die trotz ihrer geringen Bezahlung nicht die Würde des ärzt- lichen Standes verletze. Als Bevormundung erscheine ihm geradezu die vorgeschlagene Prüfung aller Verträge mit allen Privatvcreiucn. Dr. Munter betont dagegen, daß die Aerzte durchaus ihre Interessen wahren müssen. Er habe ein Mitglied eines Kriegervereins behandelt, einen wohlsitnierten Manu, der ib>u erklärte, er Hobe einen Arzt vom Verein-Hnrü�SOM. das Jahr. Es handle sich nicht um züustlerisch'e Maßnahmen, soudern um die Sorge für Weib und Kind. Der Obcrpräsidcnt erklärt ün Laufe .der Diskussion noch, daß die Aerztekammcr gar n i ch t da ö Recht bat. den Arzt zur Vorlage eines mit einem privaten Verein geschlossenen Vertrags zu zwingen. Damit aber wurde die Thätigkeit der vorgeschlagenen Kommission fraglich. Bei der Abstimmung beschließt die Kammer, den Antrag des GeschäftSauSschusseS der ärztlichen StandcSvereine hinsichiljch des B a n k b e a m t e n- V e r c i ns anzunehmen, ebenso eine Kommission von sieben Mitgliedern zur Prüfung der Verträge von Aerzleu mit anderen Vereinen zu wäblen, welche ihre Thätigkeit hinsichtlich Beschaffung von Material auch aus die Krarrkenka s s e n erstrecken soll. Bemerkt sei noch, daß. die Acrztckammcr zur Unterstützung für notleidende Berliner Aerzte die Summe von 20 000 M. auswarf. Prozeß v. Kriegsheii» imd Genosse«. Zehnter T a g. Die heutige Verhandlnug stößt nach Wiederanfnahme der Sitzung sofort ans Schwierigkeiten. Ter Angekl. Wißmann erklärt, daß er in-olge eines unglücklicheil FamilienverhältilisscS geistig und körperlich so gebrochen sei, daß es ihm unmöglich sei, seine Gedanken zusammen« zufnsic». Ancki der Angeklagte v. KriegSheim erllärt, daß sein GesnildbeitSzustand ein derartig schlechter sei, daß er der Verhandlung nicht mit der genügenden Anfmerlsamkcit zu folgen vermöge. Ter Gerichtshof beschließt, die Verhandlung gegen Wißmann für heute auszusetzen und gegen v. KriegSheim nur einige Stunden zu verhandeln. Die weitere Verhandlung drehte sich um Wcchselschwindeleien. die v. KriegSheim au einem Offizier verübt hatte, von dem er um Vermittelung eineS DarlchnS ersucht ivordeu war. Der Fall liegt ähnlich wie die in den vorigen Tagen behandelten. Der Offizier ist um 3000 M. geschädigt worden. Gevulzks Leitung» DaS neueste vom Polizeikampf mit Kollekteuprozeffen. Unbefugte Veraustaltuiig einer öffentlichen Kollekte wurde mehreren Hallenser Parteigenossen vorgeworfen, weil sie einen Aufruf zu Gunsten der dänischen Arbeiter im„Volksblatt für Halle" erlasse» hatten. Die Angeklagten(Hayn und Genossen) sollten sich dadurch gegen eine Regicrnngs- Polizeiverordnung vergangen haben, i lchx die Veranstaltung östentlichcr Kollekten ohne die hohe o! ligkeilllche Erlaubnis mit Strafe bedrohe. Die Strafkammer in Halle sprach die Angeklagten frei und führte ans, die öffent- l i ch e A u s f o r d e r u n g zur Hergabe von Geld genüge noch n i cb t, den Begriff der Kollekte zu erfüllen. Derartige Aufrnfc zu Gunsten von Personen und jetzt auch sogar zu Gunsten von Völkern enthielten die Zeitungen sehr häufig, ohne daß man beim Lesen daran denke, es handle sich um eine Kollekte. Zum Kollektiercn gehöre notwendig ein p e r s ö n pj ch e s Bemühen bei andern Leuten, wodurch diese belästigt würden.— Die Staats- mnvaltschaft legte Revision ein. der sich der Oberstaatsanwalt am Kammergericht anschloß, indem er geltend machte, schon solche Aufrufe in Zeitungen könnten als B e- lästig u n g empfunden werden. Sehr viele große Firmen hielten sich beispielsweise verpflichtet, Beiträge zu leisten, wenn in den Zeitungen zu llnterstützungen aufgefordert werde. Dann fei hier noch zu berücksichtigen, daß auch SammelbonS aus- gegeben worden seien. Man sei also an das Publikum herangegangen. Das Kammergericht gab der Revision der Etaatsanlvaktschaft statt, als es die Vorentscheidung aufhob und die Sache für»och nicht spruchreif erklärte. Sie wurde indessen nicht an das Landgericht in Halle, sondern an das in N a u»> b n r g zu nochmaliger Verhandlung ii»d Entscheidung verwiesen. Zur Begründung führte der Präsident aus, es.liege der Verdacht vor", daß das Landgericht Halle den Begriff der Kollekte verkannt oder zu eng auf- gefaßt habe. Der Senat gebe zu, daß eine öffcntliche Änfforde- rung und eine Annahme von Beiträgen nicht hinreiche, die An- nähme einer Kollekte zu rechtferiigen. Es müßte dazu mindestens noch eine Sammlerthätigkeit festgestellt werde». Das Landgericht müsse die erforderlichen Nachprüfungen vornehmen. Prozest Scholl und Genossen. Vor der achten Strafkammer des Landgerichts I gelangte gestern die bereits mehrfach vertagte Strafsache gegen den„Bankier und Losehändler" Joseph Scholl zum Abschluß. Neben ihm hatten seine Ehefrau Minna Scholl, sowie der Kaufmann Franz Paul auf der Anklagebank Platz zn nehmen. Die beiden letzteren waren der gcmeinschastlichen Urkundenfälschung und deS Betrugs in einem Fall, Scholl war des vollendeten Betrugs in 21 und des' versuchten Betrugs in 9 Fällen beschuldigt. Schöll hat die Gerichte schon vielfach beschäftigt. Er war ursprünglich Webergesclle, fühlte sich aber zu etwa? Höherem geboren und gründete zunächst in Eraudenz, dann in' Berlin eine„Staatslotterie- Effektenhandlung". Er befaßte sich lediglich mit dem Vertrieb von Prämienlosen, aber in so unreeller Weise, daß er mehrfach wegen Lottcrievergehens, Betruges und vernichten Betruges bestraft wurde. Als Scholl im Jahre 1883 eine Gefängnisstrafe verbüßte, wurde über sein Vermögen der Konkurs eröffnet. Das Verfahren endete damit, daß lediglich die bevorrechtigten Gläubiger befriedigt winden, die übrigen hatten mit ihren Forderungen in Höhe von 113(XXI Mark vollständig daS Nachsehen. Wahrend seines Aufenthalts im Ge- fängnisse zu Plötzensce hatte Scholl den Kaufmann Paul kennen gelernt, der ebenfalls eine Strafe wegen Betrugs verbüßte Mit diesem verabredete er, daß sie nach ihrer Entlasimig wiederum ein Bankgeschäft gründen wollten. Aber die Ausführung dieses Vorhabens lag noch in weiter Ferne, denn Scholl halte noch 2 Jahre 7 Monate Gefängnis zu verbüßen, außerdem noch glen -f)Speilcboh»en. tA'iN'c» Kartassrln, neue Rindslcisch, Zlenle 1 kg do, Banch„ *) EnniUclt pro wittschastSlaninicrn— NoticrnngSsjclle— nnd inngerechuet vom Polizei- priisidnnn für den Toppeiccutner. ß) Äleinhandcisprcile, Produkten markt vom 10, Februar. Der Getreide markt verkehrte in schwacher Tendenz bei stark ausgeprägter Geschäftsstille Zu dem fortdauernden Jnlandsangcbot gesellten sich reichliche Weizcnoffcrten auS Argentinien, die sich etwas billiger stellten, Dazu kam der neuerliche Schneefall, weicher als giinsiig für die Saaten angesehen wird. Weizen und Roggen waren im. Preise um eine Kleinigkeit niedriger. Größere Schwankungen verhinderte die totale Lcblosizkeit des Geschäfts, Auch Hafer lag äußerst still und wenig verändert. Rüböl ciwaS schwächer, Am SpirituS markt winden 200090 Liter 70er loco mit 47 M. (-f 0,10) gehandelt. Städtischer Schlachtvieh markt, Berlin, 10, Februar 1900. Auitlichcr Bericht der Direktion, Zum Berkans ftanden: 4986 Rinder, 1388 Kälber, 7383 Schafe, 9459 Schweine, Bezahlt wurden für 100 Psund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfund in Pf.): Für Rinder: Ochsen: a) vollflelschige, ausgemästete, höchsten Schlachtwcrtcs, höchstens 7 Jahre alt 61-65, b) junge fleischige, nicht ausgemästete nnd ältere aiisgemästete 57—61; e) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 55—56; ck) gering genährte jeden Alters 50—54,— Bullen: a) vollfleifchigc höchsten Schlachiwertcs 59-63; b) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 54—58; c) gering genährte 50—53.— Färse» und Kühe: ai vollflcischige, ausgemäslcte Färicn höchsten Schlachtwerts 00—00; b) vollsteischigc, ansgcniästeic Kühe höchsten SchlachtwcrtcS itS zu 7 Jahren 53—54; ci allere anSgeniästete Kühe und wenig gut ciltwickelte jüngere Kühe und Färsen 51-53; ck) mäßig genährte Kühe und Färsen 48-50; e) gering gcnäbrle Kühe nnd Färsen 44—46,— Kälber: a) feinste Masi- kälber(Voiam.chiiinst) und beste Saugkälber 72—74, b) mittlere Mästkälter und gutejSauglälbcr 65—69, e) geringe Saugkälber 55—60, d) ältere, gering genähri:(Fresier) 45-50,— Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Mass- hairwel 01—64, b) ältere Masthannnel 65—60, o) mäßig genährie Hammel und Schafe iMcrzschnle) 49—54, d) Holsteiuer Nicderungs- >cl:ase(Ldbendgewicht) 00—00,— Schweine: a) vollfleischige, der feineren Rasten und deren Kreuzungen im Alter bis zu l1/« Jahren 00—46, b) Käser 00-00, c) fleischige 44-45, d) gering entwickcitc 40—43, e) Sauen 41-43, Die Deriobung meiner Tochter ciibetb mit Herrn Lugen Orabimann erkläre icn für aufgehoben, 2328b Frau Sehwimeier, geb. Nagel. Hiclduich die ttaurtge Nachricht, daß»lein lieber Onkel, der Maler Msimez Markau am 8. d, M, sanft entschlafen ist, Dies zeigt um stille Teilnahine bittend an Die ttauerndc Nichte 2345b Gertrud Schätz, Die Beerdigung findet am Sonntag 4 Uhr von der Leichenhalle des St, Georgcn-Kirchhoss, Landsberger Allee auS statt, Allen Freunden und Bekannten die traurige Mitleilung, daß meine liebe Frau, unsre gute Mutter n. Tochter Fksi'tl»»» Imnxc geb, Kay am 9. d, M. im Krankcnhause ver- storbcn ist.— Die Beerdigung findet am Montag, den 12, d, M,, von der Leichenhalle der Zionsgenicinde in Nlederschönhansen ans statt, s2356b 01« trauernden Nlnterblsebonsn. Danksagung. Für die rege Beteiligung und zahl reichen Kranzspendc» bei der Becrdi- gung meines lieben Mannes uitd unsres gute» Vaters ?sul t.sngen insbesondere dem Gesangverein Vor- wärtS Vll für de» erhebenden Grab- aesang sprechen hiermit ihren besten Dank aus 3732L ld», I.miKr.r liebst Km dem, BlerhuiiM zum Krlaugcr Oraiiienstr. 108. �rnte grotzcs SÜT" Bockfeat-Wsil mit Ncvcrraschungcn. 37372 Großartige Mittag- und Abendkarte, Hierzu tadct ergebcnst ein .Uax Piinltz. Aug. Brede. Sf Empf, d,». Parteigen, mein W,- u, B,- Bierlokal, Vereinsz, zu vergeben. Allen Freunden, Bekannien und Gönnern die ergebene Anzeige, daß ich Lortzingstr. L8 ein Meist- und Bayrischbier-Lokal eröffnet habe. Auch ist ci» Bereinszimmer zu vergeben, ES ladet frenndltchst ein Pnauz Kclimttolrei*, früher Restaurateur zum Nußbaum, Weist- u. Be.yrischbter-Lokal Gnstav liadewlg. Kommaudantenstraste 02 an der Alten Jakobstraße, VcreiuSziiniuer mit Piano f Pers, Tel,: Amt 4a, 6591. 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Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. ».& ii, MW 4. Mze des Jimätfei" Kerlim JolWliitt.*•••'•<■"•»>■»'* Jamiar Llnkevm neuvpten Nuvs. 3. l». 8. S. Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse Kandzioca- Zaborze wegen Beschimpfung lirchlicher Einrichtungen zc. neun Monale Gefängnis. Halle. Genosse Weißmann wegen Beleidigung 5 M, Geldstrafe. Magdeburg. Wegen Beleidigung deS preußischen Staats- ministernims Genosse Haupt 200 M. Geldstrafe. ssfrankenberg. Dreher Bühle und Fonner Wolf, beide ans Leipzig,>e 1 Monat Gefängnis wegen Vergehens gegen § 453 der Gcwerbc-Ordnung. Hanau. 6 Genossen wegen Vergehens gegen da? Vereins« gesetz je 20 M. Geldstrafe. O.uedlinburg. 20 M. Geldstrafe ein Maurer wegen Bc« leidigung des Major? Placke. Erfurt. Wegen unerlaubten KollektierenS die Genossen S t e g e m a n ii und P a p p e je 45 Di. Geldstrafe. Roftoek. Wegen Beleidigung eines Gutsbesitzers Genosse Schmidt 200 M. Geldstrafe. Bochum. Genosse Möller 75 M. Geldstrafe wegen Ver« gehenS gegen das Vereinsgesetz.— 3 M. Geldstrafe' Genosse L a n g s ch o o ß wegen Kolleltierens. Kiel. Genosse Korn wegen Beleidigung eines Nachtwächters 30 M. Geldstrafe. Dessau. 400 M. Geldstrafe Genosse Günther wegen Be- leidigung der Polizeibehörde. Herford. Wegen Vergehens gegen das VcreinSgesetz Genosse Hvfsmann 45 M. Geldstrafe. 10. 44. 43. IL. 20. 25. 20. Erfurt. 45 M. Geldstrafe Genosse Schmidt wegen un- 1 erlaubten Kolleltierens. Offenbach. Genosse O u e s f e l wegen Beleidigung eines Pfarrers 400 M. Geldstrafe. Bremerhaveu. Wegen Beleidigung von Matrosen Genosse D i t t m a n n 40 M. Geldstrafe. Köln. 44 Tage Gefängnis Genosse H o f r i ch t e r wegen Beleidigung des Reichskanzlers. Zeitz. Tischler Rothländer 45 Mark Geldstrafe wegen unerlaubten Sammclns. Itzehoe. Die Gerber Winkler, Jens und Köhler aus Wilfter 3, 0 bezlv. 2 Monat Gefängnis wegen Beleidigung bezw. Verletzung von Streikbrechern. Dresden. Genosse Haenisch wegen Beleidigung des Amts- blattsverlegers 450 M. Geldstrafe. Coburg. Genosse Walter 40 M. Geldstrafe wegen Be- leidigung eines Gymnasiale». Berlin. 3 Genossen je 5 M. Geldstrafe in der Nevisions- instanz wegen llcbertretnng der hannoverschen Sabbat- Ordnimg. Plauen. Ein Töpfer wegen Bedrohung eiueS Arbeitswilligen 10 Tage Gefängnis. Sagau. 0 Monate Gefängnis Genosse H aeckel wegen Beleidigung eines Polizcibcaiiitcn. Leipzig. In der Rcvistonsinstaiiz Genosse Weißmann- Halle 4 Monate Gefängnis wegen Beleidigung einiger Ncfereudarc. Hrrboru. ,,£in Maurer wegen Hausfriedensbruchs 2 Wochen Gefängnis. Frciberg i. E. Je 4 Tage Hast zwei Genossen wegen Ver iibung groben UiifngS. „ Itzehoe. Wegen des gleichen Vergehens Genosse K e m m e r 20 M. Geldstrafe. 40 M. Geldstrafe Genosse Otte wegen Uebertretung einer Polizeiverordnung. 27. Einbeck. Drei Genossen je 10 M. Geldstrafe wegen Ver- letzung der Sabbatordnung. 30. Kiel. Genosse Korn wegen Beleidigung des Grafen Posa- dowsky 2 Monate Gefängnis. „ Rudolstadt. 4 Wochen Gefängnis Genosse L e v h« Saalfeld wegen Beleidigung des Oberbürgermeisters in Weimar. » Leipzig. In der Nevisionsinstanz Genosse Höckel- Sagau 0 Monate Gefängnis wegen Beleidigung eines Polizeibeamten. , Dortmund. Zwei Genossen je 30 M. Geldstrafe wegen Ver- aehcns gegen das Preßgesetz. 34. Itzehoe. 2 Jahre, 4 Monate bezw. 44 Tage Gefängnis drei Lederarbeiter ans Wilfter wegen Mißhandlung bezw. Be- leidigung von Sireikbrcchcrn. „ Solingen. Wegen Vergehens gegen K 453 der Gewerbe Ordnung ein Fonner 3 Wochen Gefängnis. „ Dessau. 50 Mark Geldstrafe Genosse Günther wegen Wi.t.r gäbe einer Stelle aus einer Anklageschrift. » Leipzig. In der Berufuiigsinstanz der Former Birkigt 4 Woche Gefängnss wegen Beleidigung von Streikbrechern. Insgesamt wurden erkannt auf 5 Jahre, 9 Monate, 3 Wochen und 4 Tage Gefängnis und 1583 M. Geldstrafe. Berlin, den 0. Februar 1900. Der Parteivorstand. 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