Unterhaltmgsölatt des Horwärts Nr. 89. Donnerstag, den 9. Mai. 1912 ——■ I■-------------.■■ihm......... I l mmmmmm—mm jCSlatliSnid verboten.? 16] Suitana, Ein arabisches Frauenschicksal von Emil Rasmussen. Marcel wurde es nicht müde. Abdallah anzusehen. Wenn er sprach, leuchteten zwei kerngesunde Zahnreihen doppelt weiß in der dunklen Bronze des Antlitzes. Es war, als be- trachte man ein Kunstwerk. Als das Dunkel einfiel und farbige Laternen in dem vornehm geschmückten Marmorhofe angebrannt wurden, be- reute Marcel nicht mehr, zu dem Feste gegangen zu sein. Obwohl für niemanden als für Marcel Wein auf dem Tische stand der Koran verbietet den Arabern den Wein- genuß—. war nun. da alle satt waren, Stimmung in die Gesellschaft gekommen. Sie sprachen leise, sie blickten mit funkelnden Blicken um sich her, als hätte die Enthaltsamkeit vom Wein!die Fähigkeit in ihnen erzeugt, sich in bloßer Schönheit zu be- rauschen. Während die Tische aus dem Patio fortgetragen werden, versammeln sich alle in dem großen Saale der unteren Etage i>es Vorderhauses. Hier erscheint plötzlich Si Hamza, um seine Gäste zu begrüßen.'. Dies kommt Nur vollständig unerwartet. Er wirft seinen Bernus über Abdallahs Kopf und bringt ihn aus dem Wege; denn er hat seinen künftigen Schwager auf eigene Hand eingeladen, um Sultana Gelegenheit zu geben, ihn zu sehen. Er war nämlich überzeugt, daß sie sich dann gleich trösten würde. Hamza unterhält sich nur mit Marcel, den er mit Komplimenten überhäuft, so daß dieser kaum zu Worte kommt. Er fühlt sich ganz ermattet von dieser übersiroiifm- den Liebenswürdigkeit, deren Ursache er sich überdies nicht ganz erklären kann. Die beiden kleinen Mohrinnen bieten den in kleinen Gruppen umherstehenden und erwartungsvoll plaudernden Gästen Kaffee, Eiswasser und Zigaretten an. Endlich hört man einen Wagen draußen auf der Straße halten. Si Hamza öffnet selbst....... Er nimmt sich nur Zeit, die vier jüdischen Tänzerinnen vertraulich zu begrüßen und willkommen zu heißen. Während Nur seine Verpflichtungen übernimmt, nimmt Si Hamza von seinen Gästen Abschied— zur größten Er- leichterung der Jugend. Auch er muß die Nacht in Dar sokna fthosna bei seiner Gattin verbringen, um seinen Ehekontrakt nach dem Buchstaben zu erfüllen. Nachdem die Tänzerinnen bewirtet worden und die drei jüdischen Spielleute angekommen waren, begann die Musik in dem großen Vorderhaussaale. Aber der ungeheure leere Raum warf den Schall drei- und viermal zurück. Der Kopf der Zuhörer wurde wie eine Schmiede, aber die Musik konnte man nicht unterscheiden. Erst weit auf der Straße draußen löste sich der Spektakel in Melodien auf, was eine Ansamm- lung herzensvergnügter Neger bewies, die nach dem richtigen Takt der Weise obsköne Tänze tanzten. Nur beschloß infolgedessen, das Fest in die an den Mar- morhof stoßenden Gemächer zu verlegen, was auch den weite- .ren Vorteil hatte, daß der Lärm nicht so sehr auf die Straße dringen konnte. Man ließ sich in dem ersten Saale nieder, in demselben Räume, in welchem die Eltern zu schlafen pflegten. Marcel fühlte sich immer noch wie ein Frosch im Meere: aber nachdem er sich erst entschlossen, bloß passiver Zuschauer zu sein, fand er reichlichen Swff für seine schönheitsdurstige Seele. Er saß abseits und beobachtete, dachte, war eitel Auge und Ohr. Das einzige, was er wünschte, war, taub zu fein, denn die Musik war barbarisch, alles dagegen, was er vor sich sab, so cüarakreristisch. der Raum selbst so verführerisch raffi- nie«, so üppig lockend wie der Orient des Märchens es nur fein kann. Eigentümlich war die Form des Saales. Ein länglicher Raum, nahm er die ganze Breite des Hofes ein und erweiterte sich mitten vor der Eingangstüre zu einer fünf Meter tiefen, viereckigen Nische von der Breite des Zimmers. Legte man drei Würfel nebeneinander und den vierten auf den mittleren, so hatte man also die Kontur, die den Grundplan des Saales darstellte. Dieser hatte folglich drei Außenseiten, von deren mittlerer man die beiden anderen nicht sehen konnte. Vielleicht war eben dies die Absicht des Architekten, denn an jeder dieser Seiten stand ein pompöses venetianisches Ehebett. Es stand der Quer in der ganzen Breite des Saales, wandte aber seine Fassade mit den bis an die Decke reichenden Goldsäulen und schweren Seidenvorhängen dem Räume zu. Seine Ausstattung machte übrigens die Auffassung des Arabers verständlich, der, weit entfernt von dem Sckücklichkeitsgefühl der Europäer, ein Bett ungeniert mitten in einen Prachtsaal postiert. Die ganze Nische trug den Charakter eines koketten kleinen Damen- boudoirs mit breiten weichlichen Divans auf allen drei Seiten und einem niederen syrischen Tische aus Ebenholz mit zise- lierter Silbereinlegung. Den ganzen Fußboden bedeckten Teppiche in den echten antiken Farben und Mustern aus Keruans guten Zeiten. Die Wände waren mit seegrüner Fayence bekleidet und oben lief ein Fries mit Koransprüchcn in ultramarinblauer kusischer Schrift. Die weiße, von einem ungeheueren Sitzenüberwurf von Arabesken bedeckte Stuck- Wölbung, deren Rippen in kühn abfallenden Stalaktiten mün- deten, war ein Kunstwerk für sich. In der Mitte des Saales erhob die Wölbung sich zu einer Kuppe! mit Lukarnen aus farbigem GlaS. Die Möbel waren nicht disharmonisch wie in den meisten Harems, die nun durch Lehnstühle und große Spiegelschränke sizilianischen Ursprungs verunstaltet lverden. An einer Wand stand eine ungeheuere Truhe, grün mit knall- roten Blumenornamenten: an der entgegengesetzten erhoben sich zwei Etageren mit vcnefianischen Gläsern. Ter ganze übrige Raum war frei: nur in den Ecken standen ein Tischchen und ein ausgehauenes, umfangreiches Bronzckohlenbecken mit spitz zulaufendem Deckel, beide leicht zu transportieren. An der Wand über Si Hamzas Bett hing ein Prachtsattel mit in den Steigbügeln befestigten Sporen und ein Paar rote �-affianreiterstiefel. Silberdamaszierte Pistolen und veraltete Gewehre mit eingelegten Kolben und Läufen von unglaub- sicher Länge schmückten da und dort die mit Gewebe über- zogenen Wände. Auf einem Ehrenplätze hing ein kunstfertig geschmiedeter mittelalterlicher Torschlüssel, einen ganzen Fuß lang,— nach der Familientradition der Schlüssel zu dem Kastell in Andalusien, das das Geschlecht El Askari besessen hatte, ehe es aus Spanien Vertrieben worden war. Unter der Decke lief ein schmales Regal oder Gesimse, auf welchem Kannen und Teebretter aus getriebenem Silber und blaue dekorierte Fayencevascn aus Nabeul aufgestellt waren. Tie Gäste in ihren bunten orientalischen Trachten gaben dem Bilde Leben. Sie lagen oder saßen stumm lauschend in kleinen Gruppen auf den Teppichen des Fußbodens, in male- rische, anmutige Stellungen versunken, die das Geheimnis der Araber find. Zwischen all diesen trägen Paschas fuhren die schwarzen kleinen Mädchen umher wie zwei stobolde. die den Menschen- kindern allerlei gute Gaben bringen. Für diesen hatten sie ein Glas mit Pfefferminz, für jenen Eiswasser mit Granaten- saft oder eingelegten Erdbeeren: für Leckermäuler eine Silberschüssel voll Rahat Lutum mit Mandeln oder kan- dicrtcn Rosenblättern. Trotz der fürstlichen Gewänder, mit denen Sultana sie ausgestattet, waren sie Repräsentanten des Straßcnwitzes und der zweifelhaftesten Einfälle. Sie hatten die Aufgabe, den Saal zu parfümieren, was sie in der Weise besorgten, daß sie den Mund mit Jasminefsenz füllten und ihn als Brunnen, die Gäste als Zielscheiben betrachteten. Ten letzten Mundvoll schluckten sie. wobei sie als äußeres Kenn- zeichen des brenuenden Wohlbehagens, das ihren schwarzen Leib durchrieselte, die Augen verdrehten. Ihre beliebteste Kunst bestand aber in gewissen schnurrigen Lauten, die sie auf der Straße gelernt hatten. Sie schmolzen damit sämtliche Wachsmas reu. bis diese sich zu einem breiten Lachen verzogen. Die Nische blieb den Kindern Israels serviert. Auf dem einen Divan saßest der Reihe nach die vier TaKzKinnM Sie seltsam scheckige Tropenvogel. Wotoohl sie in voller Kriegsbemalung waren, ließ es sich nicht »«Hehlett. daß drei von ihnen bereits eine lange Reihe von keldzügen und kaum lauter siegreiche hinter sich hatten�. Die Berts dagegen war dazu angetan, die Ehre des Stammes zu Bttm. Ihre Augenbrauen waren gemalt, sonst war das Ant- 81 ohne Farbe und Schminke, um den Teint nicht zu zer- ren, der rosig und weiß, von der unendlichen Zartheit einer Gardenia war. Ihre Augen lachten wie rinnende Bäche in d« Sonne, besaßen jene rührende Unschuld, die das Herz der Männer überfließen macht; sie war erst fünfzehn Jahre. Die Züge waren saftig voll, noch nicht übertrieben oder verlöscht Von dem barbarischen Fett. Ihre Schönheit war geradezu er- «reifend. Solche Blumen wachsen in El Hara, dem stinkenden Tums-Ghetto, und sonst nirgends in der Welt. In diesem Frauentypus hat die Natur ihr Aeußerstes erreicht. Konnte «S einen traurig stimmen, die anderen drei zu sehen, eingedenk »ihrer, die e i n m a l die schöne Helmschmiederin war", so bot diese eine Schönheitsoffenbarung Augenweide für ein ganzes Leben. Auf dem letzten Divan saß die Musik: Schlagzither, Bio- kkne und Tamburin; ihnen gegenüber der Dirigent an einem greulich schrillen Teufelchen von einem Harmonium, das die Melodie in parallelen Oktaven kreischte und pfiff. Der Bio- linist strich dieselbe Melodie auf seinem Instrument, das er zwischen den Beinen stehen hatte, wie andere Musiker das Violoncell und den Kontrabaß, während die Damen eben die- selben Töne ohne Sinn und Klang mitschrien— es war eine endlose Erzählung von der Eroberung Spaniens durch die Araber— mit geschlossenen Augen und vorgestrecktem Halse aus voller Kehle schrien. Verzweiflung in jeder Grimmasse. An den pathetischeren Stellen brüllte die ganze Musik im Chor mit. Das Tamburin hielt den Takt. Dies war der musika- tische Teil der Unterhaltung. Von Zeit zu Zeit brachen sie ab, vermutlich wenn sie durstig waren, denn in der Musik war nichts, was einen Ab- schluß bezeichnen konnte. Die Schönen benlltzten die Pause, um der Reihe nach die Beine zu strecken,— dies war der Tanz. Auf demselben Flecke stchend und in ein Seidentuch beißend, dessen Zipfel sie mit den Fingerspitzen vor ihre Schultern hielten, trippelten sie umher auf einem Paar Pantoffeln, die allein jeder Vorstellung von Tanz Hohn sprachen, ließen sich von allen Seiten besehen, wackelten mit der Brust und be- schrieben lotrechte Kreise mit dem Magen, dessen fleisch- sarbenes Trikot unter Bolero und Bluse zum Vorschein kam. Dieser Tanz— wenn man ihn mit diesem Namen ehren will — symbolisierte nichts, gab keiner Leidenschaft Ausdruck. Er war nichts als eine dumme und geschmacklose Ausstellung eines Weibes, wie sie nur bei einem Volke denkbar ist, das fürs Alltägliche Weiber nicht zu sehen bekommt. Wähend alle Studenten, vor Entzücken tief atmend, rings umher saßen und lagen, mußte Marcel darüber philo- sophiercn, zu welchem barocken Zerrbild die Kunst doch wird. wenn die Pulsader durchschnitten ist, die sie mit dem Herzen des Volkes vereint. Araber hatten diesen Tanz und diese Melodien ersonnen, aber die Araber selbst singen und tanzen nicht. Tanzt der Araber, so geschieht es in der Zäuia, in der Kapelle, m Gemeinschaft mit seiner religiösen Bruderschaft, um in Extase zu kommen und einen Augenblick die Vereini- gung mit Allah zu kosten. Aber die Extase, die ruhend das Erhabene erreicht, ist in der Bewegung ausnahmslos häßlich. Der sich drchende und wie ein Kreisel schnurrende Derwisch oder der Aissauta, der auf seinen Kopf loshämmert, bieten keine Grundlage für eine Kunst. Und außerhalb des Heilig- tums tanzt bloß die Kurtisane und die Jüdin die Tänze des Volkes. � Der Beduine singt. Reich und freudig entströmt die Me- lodie seiner Brust. Hier wäre ein Erdreich für Musik. Aber die Melodien werden geboren, gehen von Mund zu Mund. entarten und sterben. Nur die Fremden schreiben sie hie und da nieder. Zur Kunst werden sie nie. Denn der wohlerzogene Araber singt nicht, und wäre er selbst der Musik kundig und hörte er es in seinem Innern noch so süß singen und klingen. so würde er es verächtlich finden, für unwissende Bauern Musik zu schreiben. Daher sterben diese Künste mit dem Islam oder werden barock. Es gibt keine Kunst, deren Träger bloß Dirnen und Beduinen find« Um Mitternacht bezahlte Nur die Musikankm, um sie zu verabschieden. Die Damen blieben. Sie mischten sich nun zwanglos unter die Gäste. Ohne Spur von Ehrfurcht bestiegen sie zwei zu zwei die feierlichen Ehebetten und ließen sich von dieser erhabenen Stätte herab von den Studenten hofieren, die, zu ihren Füßen gruppiert, sie mit süßer und zierlicher Rede unterhielten. Marcel war längst des Orients satt und wollte gehen, als Abdallah auf ihn zu kam und ohne irgendeinen Ueber- gang einen hitzigen Frontangriff auf ihn eröffnete. „Warum predigt Deine Mutter den Arabern? Glaubt Ihr, daß Ihr uns zum Abfall von Gott verleiten könnt?/ lFortsetzung folgt.) Oie Ausstellung der ßerUner Sezefflon» i. Diese Ausstellung will der Jugend eine Gasse machen. Solche Vernunft hat ihr den Tadel derer gebracht, die sich nicht gern be- unruhigen lassen. Es ist gar komisch; vor zehn Jaren noch� vor fünfzehn gar, haben sie den Liebermann verlacht und bedroht. Und» heute nun, da den Liebermann zu verlachen, lächerlich machte, be- rufen sie ihn als Schutzheiligen gegen die abermals Neuen, die ev selber in seinen Tempel eingelassen Er tat es vielleicht ungern; aber er tat es immerhin. Weil er eben weiß, daß die Kunst eine EntWickelung hat und sie auch braucht. Und dann: er kann'S immer: noch ertragen; die Fungen töten ihn noch nicht. Wie eS falsch ist, die Stürmenden für morallos und patagonierhaft zu achten, sc» wäre es töricht, Liebermann und seinen, Kreis für veraltet zu, erklären. Er zeigt gerade diesmal drei Bilder, wie sie nur eines Meisters Hand zu schaffen vermochte.»Ter Reiter" wurde mit nervöser Animalität dem Leben entrissen. Das Herrenbildnis zeigt) die kühle Objektivität, die dem Modell die Herrschaft über den vir» tuosen Pinsel einräumt. Der Korso auf dem Monte Pincio der- deutlicht das Bekenntnis, das Liebcrmann einst tat:.Mit einem einzigen Pferdebein steht und fällt mein Bild. Ich komponiere genau so wie die andern; bloß, man sieht es nicht so." Man möchte aber sagen» daß man es diesmal beinahe siehtc Dieses römische Gesellschaftsleben war für Liebermann ein ungewohnter Stoff, und so gelang ihm nicht ganz, das Skelett des Bildes zu verbergen. Die Art, wie er rechtsum Rand durch die dorthin gestellten Zuschauer das Bild einbaut und räumlich begrenzt, ferner die starke Betonung der Tiefenachse, die durch die Zylinder der aneinander vorüber- fahrenden Kutscher direkt auf die Kuppel von St. Peter trifft, das sind nicht völlig verarbeitete Kompositionsmotive. Trotzdem ist dies Bild ein klassisches Dokument des deutschen Impressionismus. Nichts ist darin von italienischer Süßigkeit ober Koketterie und doch ist es erfüllt vom Temperament des Augenblicks.— Von den eigentlichen Liebermannschülern ist O p p l e r noch immer nicht mehr als gerade erträglich Kardorfs wahrt konsequent sein achten?» wertes Niveau. In dem„Gartenrestaurant" strebt er danach, sich einiges von der raumgliederigen Geometrie Brockhusens anzueignen. Seine große Leinewand, auf der ein« Mutter mit ihrem Säugling zu sehen»st, entbehrt des Zusammenhanges; eS wirb durch das Detail, durch den Wippstuhl, das Sofa, den rosa verhangenen Kinderkorb, den Tcppich, den Tisch die Vase zersprengt. C o r i n t h, auch eine: der Väter, zeigt Gutes neben Geallcr- tem. Der.Hymnus aus Michelangelo", der nichts anderes ist als ein Blumenstilleben, aus dem ein GipÄkopf herauÄblickt, wirkt wie eine schlechte Tapeziererarbcit; es läßt sich durch technische Voll- endung im einzelnen die Stumpfheit des Ganzen nicht überwinden. Die.Tändelei" ist interessant, weil sie zeigt, wie Corinth, dieser Rubensnachkömmling, nach dem Rokoko entartet. Die ein wenig unter Lebensgröße herabgcdrückte Bettszene hat etwas Kandiertes und zugleich ettvas Verspieltes. Sie wirkt zeitlich unecht, weil eben sich an ihr die Leichtflüssigkeit dieser scheinbar modernen Malerei bewährt. Viel gegenwärtiger und schon darum gesünder ist der .Blick auf die Elbe bei Altona". Zwar wurde dies Stück dampfenden und rasselnden Lebens mit beinahe verletzender Gleichgültigkeit, mit» der kalten Gewöhnung des Fachmannes, gemalt; aber es ist doch ausgezeichnet gemacht: Akademie des Impressionismus. Durch den schönen silbrigen Ton ist es sogar einiges mehr: die Sinnenfrcnde einer Malerei, der eS wirklich gleichgülhg, ob ein Stück Ochsenifleisch oder eine Madonna eingcfangen werden soll. Dem gleichen Ge« schlecht gehört das große Bildnis von Hagenbeck an. Es ist gewisi sehr ähnlich; der Typ de» befräften Wasserkantlers ist glänzend ge» troffen. Dieser Mund redet breit und langsam. Und dazu zur Seelencharakterisierung ein Seelöwe, ein fetter und speckiger Koloß, nag und spiegelnd, mit einem borstigen Schnupperbart. Das Panorama, das Corinth hinter diese Gruppe spannte, Eisbären, Eisberge und Renntiere, mehrt den fleischlichen Humor dieser Schilderei.— Eine Karikatur von Corinth ist Artur Degner. Er ist ein derber, .ein frecher, beinah zotiger Patron. Wie er hei einem.Frauenraub" efrtcn Kert auf Leu Fingern pfeifen, kaZ hat Schone; unI koch läßt sich schwer sc:asn> ob Deiner ein hoffnungsvolles Talent ist. Innere Maßlosigkeit ist nie aussichtsreich. Da bedeutet De ck- mann, der auch von Corinth kommt, denn doch eine andere Qualität. Obgleich er diesmal kaum glücklich vertreten ist. Das große Herrenporträt zeigt ihn immerhin als einen ebenso fest zu- packenden wie geistreich konstruierenden Gestalter. In dem Kopf dieses Mannes, in den gekniffenen Augen, in den vollen� willens- starken Lippen lebt eine Modellierkraft, wie sie Beckmann sonst nur in seinen kleinformatigen Lithographien aufbringt. Daß aber diese Lithographien Beckmanns eigentlich Begabung sind, zeigt(und wie oft geschah das schon) die große Komposition einer Amazonenschlacht. Ohne Zweifel, es gibt darauf glänzend gemalte Fleischteile und energisch modellierte Bewegungen; aber dem Ganzen mangelt der umfassende Rhythmus. Gruppen stehen nebeneinander; aber sie bedingen sich nur äußerlich. Etwa so, wie auf dem Doppelbildnis das blaue Glas durch die Rothaarigkeit des Mannes gefordert wird. Von Linde-Walter zu reden ist im Rahmen dieser Aus- stellung nicht ganz leicht; bei den Moabitern gehörte er in den Ehrensaal, hier wirkt er matt. Aehnlich steht es um B r e y e r. Auf einem seiner Stilleben(Nr. 29) gibt er trefflich das Stoffliche eines keramischen Gefäßes; wenn er aber dann bei einem lebensgroßen ToppelbildniS auch nur durch eine Blumenvase und eine gelbe Dose zu interessieren vermag, so ist das zu wenig. Philipp Franck malt mit eindringender Konsequenz seine„Badenden Knaben"; und die Hübners bleiben rückhaltlos die Alten. Was freilich bei Heinrich, der nun schon jahrelang aus Paretz, Ostasien und modernem Kunstgewerbe eine Schmackhafiigkeit bereitet, langsam langweilig wird. Dagegen wirkt Pottner diesmal sehr luftig; seine Elsternbilder zeigen eine witzige Beobachtung in gewandtem Arrangement. Solche Geschicklichkeit befremdet ein wenig bei einem der diesjährigen Trübner. Man denkt bei diesem Künstler zu- nächst immer an jene strotzenden, Pferdekörper oder jene von Grün überquellenden Landschaften, die er mit wuchtigen Pinselstrichen modelliert; diesmal sieht man ihn, sich an den glitzernden und par- fümierien Einzelheiten eines Boudoirs ergötzen Toch zeigen zwei Landschaften vom Starnberger See, daß Trübner noch immer die große männliche Art zu wahren weiß.— Seltsam liegt der Fall Kalchreuth. Ein überaus anständiger Maler, ganz erfüllt von Gefühl und Innerlichkeit; aus Gesundheit müde und krank, ohne dekadent zu sein. Eine milde Qualität, aber keine Spur von jenem schönen Wahnsinn, der eigentlich der Kunst das ewige Leben gibt. Man kann hier sehr gut mit ihm einen van Gogh vergleichen, die „Arlesienne". Wie sind diese beiden Fraucnbildnisse, Kalchreuths Tochter in dünnblauem Kleid auf einem Grund von kaum spür- barem Grün, und diese ungeheure Frau in der Rassigkcit ihrer Linie, riesenhaft stehend, inmitten gelber Fanfaren, wie sind diese beiden Werke so verschieden. Swei Welten, die einander kaum verstehen können, und doch b°!d« geschichlich determiniert sind. Kalchreuth, das Symbol eines milden Bürgertums; van Gogh, der Prophet revolutionären Dranges, ein Umpflüger, ein Brandstifter, ein Held. RobertBreuer. Hus dem JVIaikafcrleben. Wir haben heuer ein Schaltjahr. Das schenkt uns einen Tag mehr und Legionen jener braunen Gesellen, die in gleichem Maße die Lust der Knaben, Sperlinge und Fledermäuse sind wie der Verdruß des Obstzüchtcrs, des Landwirts und Forstmannes. Mit ihnen wollen wir uns einmal beschäftigen, nicht vom Standpunkte des Zehnjährigen aus, der seine Gesammelten in„Kaiser" und „Könige", in„Mohren" und.Müller" unterschied und danach bewertete, sondern wir wollen einen Einblick tun in das Leben eines KäferS, der sich bei uns einer Popularität erfreut wie kein zweiter seines Geschlechts. Man sagt: das Schaltjahr ist ein Maikäferjahr. Das stimmt nur beziehungsweise, denn nicht immer und nicht überall ist das der Fall. Bedingt werden die sogenannten Maikäferjahrc auch „Flugjahre" genannt, durch die Entwickelungsdauer des Insekts, die bei un?— in Nord- und Mitteldeutschland— vierjährig ist und in der Mark Brandenburg, in der Provinz wie im Königreich Sachsen und in Thüringen allerdings mit den Schaltjahren zu- sammenfallen. Es wurden beispielsweise als solche notiert 1864, 1868 usw. Pommersche Maikäferjahrc waren 1859. 1863 usw., während in Westfalen und im Münsterland massenhaftes Auf- treten des Käfers in den Jahren 1358, 1862, 1866, 1876 und 1874 stattfand. Anders gestalten sich die Verhältnisse für den Süden und Südwesten Deutschlands und für die übrigen noch südlicher gelegenen autzerdeutschen Länder Europas. Da es bekanntlich im Süden wärmer als im Norden und in unserem Erdteile der Westen wärmer als der Osten ist, so reichen in den letztgenannten Ländern mit durchschnittlich einigen Graden mehr mittlerer JahreS- temperatur drei Jahre für die Entwickelung des Käfers aus. Hier kehren also nach drei Jahren die Flugjahre wieder. So sind in Württemberg die Jahre 1857, 1866, 1863, 1866, 1869 usw. als solche aufgezeichnet worden. Daß selbst für kleinere Gebiete die Maikäferzahre verschieden sein können, beweist da? Auftreten des Käfers in der Schweiz. Südlich und östlich vom Vierwaldstätter See dehnt sich das eine Maikäfergebiet auS; als Flugzeiten notierte man 1832, 1835, 1838, 1841 usw. und nennt sie„Urner Flugjahre". DaL andere Gebiet erstreckt sich über die westliche und nördliche Schweiz; hier spricht man von.Berner Flugjahren", die auf 1831. W4, 1837, 1540 usw. fielen. Schließ sich gtht es ein„Baseler Flugjahr"(1836, 1833, 1836 usw.), das in Frankreich bis au den Jura und den Rhein beobachtet worden ist. Aber auch im nord- westlichen Deutschland bedarf der Maikäfer nur dreier Jahre zu seiner EntWickelung, so trat er unter anderem an der Weser in den Jahren 1838, 1841, 1844 usw. in Massen auf. Aber, keine Regel ohne Ausnahme. Auch in der EntWicke. lungsdauer unseres Maikäfers kommen Unregelmäßigkeiten vor. und selbst in rauheren Gegenden wird ausnahmsweise und unter noch nicht aufgeklärten Verhältnissen die vierjährige Entwickelungs- Periode auf eine dreijährige abgekürzt. Man hat das um ein Jahr verfrühte massenhafte Auftreten als„Vorflugjahr" bezeichnet. Solche Vorflugjahre beobachtete man in Pommern 1862, in der Pro. vinz Sachsen 1867 u. a. Merkwürdigerweise waren die ihnen folgenden Jahre„Maikäferjahre" in des Wortes vollster Bedeutung. Es ist ein ekelerregender Eindruck, den die Ueberfülle von Maikäfern hervorruft, zumal wenn bereits an einem sonnigen Nachmittage unter ihnen dasselbe rege Leben herrscht wie sonst. wenn ihrer weniger sind, nur zur Abendzeit. In Klumpen sitzen sie, krabbelnd und sich balgend, auf- und übereinander; handelt es sich doch darum, das letzte Grün noch für den hungrigen Magen zn erobern oder eines Weibchens Herr zu werden. Hier fällt ein sich balgender faustgroßer Knäuel zur Erde herab, in wilder Gier sich durcheinander wälzend, dort hängt ein vereintes Pärchen in schein» bar apathischer Ruhe, allerwärts fliegen einzelne Individuen um- her, teils um einen anderen Weideplatz aufzusuchen, teils, wenn es Männchen sind, ein Weibchen zu finden, dem eS seine Gunst antrage. Dazwischen hört man die grünschwarzen Kotklümpchen gleich einem Regen durch das Blattwerk rieseln; den Boden unter der Baumkrone bedeckend, verbreiten sie weithin einen Übeln Geruch. Die Mehrzahl der Individuen ruht tagsüber von den nächtlichen Orgien aus und sitzt dann so lose auf und unter den Blättern, daß man sie durch kurzes Erschüttern des Baumes dutzendweise zu Fall bringen kann. Dieses Treiben wiederholt sich den ganzen Mai hindurch, dann verschwinden die Käfer wieder von der Schau- bühne der Natur. Etwa acht Tage nach erfolgter Paarung begiebt sich das Weib- chen in die Erde und setzt hier die 25— 36 weißen, runden Eier ab, die au Größe ungefähr einem Hanfkorn gleichkommen. Da die Brutstätte stets an einem der Sonne ausgesetzten Platze aus- gewählt wird, entwickeln sich die Eier nach durchschnittlich 4—6 Wochen, so daß vom Juli an die Lärvchen auskriechen. Diese schlanken und etwas behaarten Wesen bleiben bis zur Uebcrwintc- rung gesellig beisammen, nähren sich von Humuserde oder zarten Würzelchen und verfallen nach der ersten Häutung in den Winter- schlaf. Ungefähr im Mai des folgenden Jahres tritt die zweite Häutung ein. Während die Tiere bis dahin meist unbeachtet blieben, merkt man ihre Gegenwart von nun an um so deutlicher. Da sie sich von ihrer GcburtSstätte nicht weit entfernen, weiden sie die Würzclchen und Wurzeln aller nur erreichbaren Pflanzen ab. Im späteren Alter vermögen sie sogar daumendicke Holz. wurzeln zu durchnagen; natürlich gehen sie nur gezwungen daran. denn saftige Knollen, wie Kartoffeln, Kohl-, Steck- und Mohrrüben sind bequemer zu verzehren und auch nahrhafter. Beim Bearbeiten des Feldes, des Gartens usw. fällt die nun schon fast ausgewachsene Larve, die man Engerling, Inger und Ouatte nennt, unangenehm auf. Der schmutzigweiße, hinten starr bauchwärts eingekrümmte und verdickte Körper besteht aus zwölf Ringen, deren sechs vordere durch zwei Querfalten dreiteilig erscheinen, während die folgen- den glatt und mit einzelnen Haaren besetzt sind. Die beiden letzten und dickeren bilden den sogenannken„Sack", der mit dem durch- scheinenden schwarzblauen Darminhalt gefüllt ist. Der halbrunde Kopf ist augenlos und hat sehr kräftige, meißelförmige Kinnbacken. Nur die drei ersten Körperringe tragen verhältnismäß-g lange, in einer Klaue endende Füße. Jederseits eines jeden Körperringcs ist ein Luft- oder Atemloch, von dem aus sich durch das Innere des Körpers zahlreiche Lufttanäle erstrecken. Ihre Umrandung, die Beinspitzcn und der Kopf sind gelbbraun gefärbt. Nach der zweiten Ueberwinterung treibt es der Engerling noch schlimmer und von den dritten bis zur Bollwüchsigkeit spottet seine Freßgier jedweder Schilderung. Ueberall sind die Spuren des Nimmersatts merkbar, Auf den Feldern zerstört er die zarten Wurzeln der Saat wie die Hackfrüchte, in den Gärten verwüstet er die Gemüsebeete, in den Schonungen des Waldes frißt er die Wurzeln der Saatpflanzen weg und vernichtet die gelegten Eicheln, Buchen usw., und auf den Wiesen lassen große vergilbte Flächen seine verheerende Tätigkeit erkennen. Im Juni oder Juli nach der dritten Häutung geht der Enger- ling tiefer in die Erde hinab und arbeitet sich eine kleine Höhlung aus, in der er zum vierten- und letzten Male seine Haut abstreift. Nunmehr verwandelt er sich zur Puppe. In diesem Stadium ver- harrt er aber nicht lange, denn schon im August, spätestens im September hat sich der Käfer entwickelt. Dieser verweilt in der Erde bis zum nächsten Mai, in dem er erscheint, um zu— fressen. Da der Käfer schon im September ausgebildet ist, darf es nichü wunder nehmen, daß bereits im zeitigen Frühjahr beim Pflügen des Feldes oder beim Umgraben des Gartens Maikäfer gefunden werden. Es sind dies die sogenannten Redaktionsmaikäfer, die als „erste" den papierenen Blätterwald durchschwirren. Sobald der Mai mit seinem frischen Grün an Baum und Strauch seinen Ein» zug gehalten hat, erscheint der Käfer auf dem Plan. Er ist schier — 356— ctt allen Bäumen und Strauchern zu finden, doch hat er auch ffeine LicblinZsbSume.' RoUsstcknie, Ahorn, Pappel, We-dc, unter den Obstbäumen die Pflaumenbäume,' im Wulde sind es Eichen, Buchen, Hainbuchen, Dirken und Eschen. Sind in Flugjabren diese Bäume kahlgefressen, so geht eS an das Eichengcbiisch, an die Hasel- sträuchcr und was sonst noch vorhanden, denn in solchen Jahren werden auch solche Laubhölzer befallen, die in anderen Jahren verschont bleiben. Selbstverständlich bietet der Mensch alles auf, diesem Schäd- lling seiner Kulturen mit aller Macht entgegenzuarbeiten. Als eines der besten Mittel hat sich immer noch das Abschütteln der Käfer des Morgens oder an kühlen Tagen, wenn die Tiere regungslos an den Blättern hängen, bewährt. Einige Zahlen mögen beweisen, mit welchem Erfolg man den Vernichtungskrieg auf diese Weise geführt hat. In Württemberg wurden in einem Jahre 230 902 000 Stück getötet. Im Flugjahre 1808 wurden im Ouedlinburgischen 33 340 000 Käfer abgeschüttelt, und im Flugjahr 1860 berechnete man die im Halleschen geöleten Käfer auf 21 850 200 Stück. Im Leipziger Krcisbczirkc veranstaltete man 1304 eine Sammlung und meint dadurch 378 594 000 Käfer vernichtet zu haben. Am umfangreichsten wurde im Flugjahr 1808 das Sammeln im Bereiche des landwirtschaflichen Vereins der Provinz Sachsen und der an- haitischen Länder auf eine von Halle ausgehende Anregung betrieben und die aktenmätzig belegte Menge von 30 000 Zentnern zusammen- gebracht, die etwa einer Summe von 1590 Million Käfern ent sprechen würde. Dieser letzte Feldzug hat entschieden gewirkt. Flugjahre, wie sie mitgeteilt wurden, sind seitdem nicht mehr vor gekommen. Wohl zeigen sich in solchen noch Maikäfer, mitunter auch in Mengen, aber im Vergleiche zu den früheren Jahren nur wenig, und cS dürfte für unsere Gegenden die Zeit nicht mehr fern sein, wo die Flugjahre der Maikäfer nur noch in den Chroniken fortleben. Da der Maikäfer in seinem Larvenzustand wohl noch schäd licher ist, denn als ausgebildetes Insekt, so sollte man die Enger linge in keinem Jahre unbeachtet lassen und sie sammeln. Da der Engerling freiwillig nie ans Tageslicht kommt, ist er auch den Tieren, die ihn gern fressen, wie den Hühnern, Vögeln und Schweinen, wenig zugänglich. Als der einzige regelrechte Ver tilgcr käme nur der Maulwurf in Betracht, wenn er ihn bei mästen- haftem Auftreten nur nicht überdrüssig bekäme. Krähen, Dohlen und Stare müssen warten, bis er ihnen durch Umarbeiten des Bodens erreichbar gemacht wird; dann tun sie aber das ihrige aus vollen Kräften. Mehr schon ist der Käfer denen preisgegeben, die ihn, wenigstens eine Zeitlang, gern als Nahrung nehmen, wie die Fledermäuse. Eulen, Stare, Sperlinge. Würger. Krähen, Falken, Spechte, Enten, Pfauen, Hühner und mancher Insekten- fresser unter den übrigen Vögeln; auch gewisse Säuger, wie Füchse, Marder, Dachse. Igel und Schweine verschmähen ihn nicht. .6. Sch. Kleines feuilleton, Hauswirtschaft. Hartgekochte Eier gelten als sehr unverdaulich. Sie sind'eS aber nur dann, wenn sie nicht genügend zerkleinert in den Magen gelangen. Sehr oft werden harte Eier ihrer derben Konsistenz wegen nicht ordentlich gekaut. DaS gut zerkleinerte harte Ei verletzt nach der Verdaulichkeitstabelle von Ewald den Magen in derselben Zeit wie rohe oder Spiegeleier oder Ejerknchcn, d. h. in 2—3 Stunden. Am besten ist eS, wenn die Hausfrau karte Eier gehackt auf den Tisch bringt. Sie können mit Schnittlauch oder mit gehacktem Bücklingnnd Salz'gemischtwerdenjund gebcnsto einen vorzüglichen reellen Belag für das Butterbrot. Luch eine Mischung von gehackten harten Eiern, gehacktem rohen Schinken, geriebenem Käse, Butter. Salz und ein wenig gewiegter Petersilie schmeckt zu Weitz- und Schwarzbrot vortrefflich. Zu einer F r ü h l i n g S s ch n i t t e gehören autzer harten Eiern und Schnitllauch auch noch gesalzene RadicSchenscheibcn, die obenauf gelegt werden. F rü h l i n g S e i e r. Eier werden in 8 Minuten hartgekocht, in kaltem Wasser abgeschreckt und der Länge nach mit der Schale durchschnitten. Eiweitz und Eigelb werden vorsichtig aus den Schalen gelöst und init Schnittlaiich sim Rotfall mit ein wenig Zwiebel) ge- hackt. Man würzt mit Salz lind etwas Pfeffer, mischt alles sorg- fältig uiiterciuander. gibt in jede Eierschale ein crbseiigrotzes Stückchen Butter und füllt doS Gehackte fest hinein. In einer Pfanne lätzr man Butter zergehen, legt die Eier mit der offenen Seite hinein, we»det sie nach 1—2 Minuten um und lätzt sie auch von unken beih werden. Dazu gibt man Bratkartoffeln. Man rechnet für dieses sehr schmackhafte Gericht ein bis zwei Eier für die Person. m. U. Raturwiffenschaftliches. D i e Verwand! nng einer Blume in Blätter. Von den vielen und tiefgehenden nawrwissmschaftlichcii Be- obachtungen, die dem Genius Goethe? zu verdanken find, nimmt die Metamorphose der Pflanzen einen hohen Rang ein. Wie Goethe on einem auf dem Lido bei Venedig gefundenen Schädel die Ent- stehung der Schädelknochen aus Wirbeln ablas, so ergründete er an den Pflanzen die Umwandlung von Laubblättern in Kelch» blätter, von KelchblSitern in Blumenblätter, von Blättern in Domen usw. Ein ncueS merkwürdiges Beispiel für einen derartigen Vorgang auS einer besonderen Ursache hat der japanische Botaniker Kusano im Journal der landwirtschaftlichen Hochschule in Tokio er- bracht. Es handelt sich dabei um die Verwandlung einer Blüte m ein Bündel von blattähnlichen Organen durch den Einflutz eine? Schmarotzers aus der Klasse der Pilze. Die Pflanze war ein Prunus(Steinobstgattung) von der in Japan und Korea heimischen, aber auch bei uns gem gezüchteten Art Prunus rnurne, die sich nicht nur durch ihren hohen Wuchs, sondern auch durch die eigenartige Form und schöne Farbe der Blüten auszeichnet. Auf den japanischen Gemälden wird dieser Baum mit Vorliebe dargestellt. Nun haust auf den jungen Knospen des Mumebaumes ein Pilz, unter dem die Entwicklung der Blüten leidet, und zwar in der an- gedeuteten Weise, datz entweder ein Teil ihrer Organe oder alle eine blattähnliche Beschaffenheit annehmen. Zuweilen entstehen dadurch Blüten von ganz erstaunlicher Grütze, an denen nicht ein einziges Blüten- blatt zu sehen ist, vielmehr nur grüne Blätter oder blattähnliche Triebe, die über und über mit gelben Knötchen des Pilzes bedeckt sind. Goethe würde seine helle Freude an dieser Beobachtung ge> habt und daraus einen weiteren starken Nachweis für feine Theorie geschöpft haben, datz sich die Kelch- und Blumenblätter aus gewöhn« lichen Blättern entwickelt haben. Die Wachstumshemmung, die hier durch den Pilz verursacht wird, äutzert sich eben in einer Rückbildung der Blütenorgane. Völkerkunde. Grutzworte. Wir haben in Deutschland eine Unmenge Grntzformeln, die nach Provinz und Stamm verschieden sind und nach Gelegenheit und Tageszeit wechseln. Einige sind hübsch und gehaltvoll, wie„Grütz Gott" oder das„Glück auf" der Bergleute. andere ziemlich abgeschmackt, wie das kurze„Mahlzeit!" Am häufigsten bcgrützt man sich, wie auch bei den Franzosen, Engländern und Italienern und anderen Völkern Europas, durch das Nennen der Tageszeit„Guten Tag",«Bon jour" usw. Schöner waren jeden- falls die Grütze der klassischen Nationen. Die Römer gebrauchten svs und vale, die Griechen das freundliche Ctunrs(freue dich). Im modernen Griechenland wird obllre, ebkiroto als Abschiedsgrutz gebraucht, Fremden gegenüber auch wohl Lalin patricka(glückliche Heimkehr. wörtlich„gutes Vaterland"). Sonst ist der BewilltommnungSgrutz Xnlimoro(guten Tag) und Xskoso eines(Sei willkommen). Moham- medanische Völker bieten einander den Friedensgrutz Lalein aleikum. In Brasilien heitzt eS zum Abschied Ati lo�o(BiS nachher I), auf den SandwichSinseln sagt man.AIcka öS(Ich liebe dich), indes die Eingeborenen Reuseelands, die Maori, während sie Nase an Rase reiben, Dsnakoo sagen, d. i.„Du bist du". Der Araber wünicht „Buid el bela alik"(Jedes Uebel sei dir ferne). Höchst charakte- ristisch sind einzelne afrikanische Grutzformcln. Der stolze Zulukaffer konstatiert einfach:„8aku bona"(Wir sehen dich), der Betschuane bittet„Tumslta"(Sei mein Freund), am sonderbarsten aber berührt der Grutz der Wahehe. Sie schätzen das Rind so hoch, datz sie einen Angesehenen mit den Worten grützen:„Aze zenga"(„Sei gegrützt, du Rindvieh".) Medizinisches. Der Chauffeurbruch. Wie fast jeder Beruf seine be- sonderen Krankheiten erzeugt, so haben auch die einzelnen sportlichen Ausübungen ihre ergcnen Unglücksfälle. Im Automobilbetrieb zeigte sich am häufigsten bald nach seinem großen Aufschwung vor etwa zehn Jahren der Eintritt eines Bruchs des Handgelenks, der den Namen des Chauffeurbruchs unter den Aerzten erhalten hat. Eigent- lich bedurfte eS dieser Benennung nicht, da dieser Bruch schon früher in seiner Eigenart bekannt gewesen war und auch seinen Namen (ColleSscher Bruch) erhalten hatte. Er ist aber jetzt bei der Aus- Übung des Krastwagcnbetriebes so viel häufiger geworden, datz fich der neue Name dafür durchgesetzt hat. Durch die Möglichkeit, kknochenbrüche mit Hilfe der Röntgenstrahlen genau zu studieren, ist in den letzten Jahren eine volle Aufklärung über die Einzelheiten diese? Schadens gewonnen worden. Der Bruch tritt stets infolge eines Zurückschlage»? der ExplofionSflamme ein, wodurch die Hand- kurbel plötzlich in die entgegengesetzte Richtung gcstotzen wird. Die eigentliche llriache ist eine vorzeitige Epplosion im Zylinder, gc- wohnlich dadurch, datz der Zündverstellhebel zu weit vorgestellt wird. Eine andere Veranlassung kann aber auch ein Kurz- schlntz in der elektrischen Bedrahtung sein. Der Bruch er- folgt immer im Augenblick, wenn die Handkurbel abwärts angeschoben wird. indem ein Schlag gegen die Handfläche erfolgt, der sich nach dem Speichenbein dc-Z Unterarmes fortpflanzt. Die Folge ist die Absplitteruiig cineS dreieckigen Knochenstückes an der Daumemcite deS Handgelenkes. Wenn diese Verletzrnsg als typischer Chanffeurbruch bezeichnet wird, so treten doch auch mancherlei Lbivcichungcn ein, namentlich kann die Beschädigung eine weit berwickeltcre werden. AuS diesem Grunde ist auch eine Untersuchung mit Röntgenstrahlen unter allen Umständen sofort vor- zunehmen. UebrigenS ist in Amerika kürzlich eine Erfindung gemacht worden, die solche Unglücksfälle verhüten soll. Kerantwortt. Redakteur: Albert Wachs, Berlin.— Druck u. Verlag: vorwärtsBuchdruckere!U.Verlagöansla.u Paul SmgcräCoJverUnLW.