NnterhaltMgsblatt des'Vorwärts Nr. 99. Dienstag den 21. Mal. 1912 vtaeddru» 6K6oten.| 2S] Suitana* Ein ütabischeS Früuenschicksal von Emil RaSmussen. Ihr gemaltes Antlitz war kaum zu erkennen. Die ge- geschwärzten Wimpern und die tintenschwarzen gemalten Augenbrauen, deren regelmäßige fingerdicke Bögen sich über der Nasenwurzel begegneten, veränderten den ganzen Aus» druck. Die natürliche Farbe des Mundes und der Wangen war versteckt unter einer glänzenden Schicht von Fettschminke. Risja hatte über die Farbenwahl dieser Gewänder ge- jubelt, die übrigens mit dem guten arabischen Geschmack in Widerspruch stand. Bluse und Bolero prunkten in einer knallroten Granatblütenfarbe und die bauschigen Beinkleider waren von schwerer, zitronengelber, gemusterter Seide. Eine kleine goldgestickte Takrita aus rotem Samt saß kokett auf dem schwarzen Haar. Sie hatte beschlossen, ihrem Bräutigam sogleich bei seinem Eintritt gerade ins Gesicht zu blicken, schlug aber doch vor dem fremden Manne die Augen nieder. „Ich grüße Dich, Sultana, Du mein Weib auf Erden, mein Weib auch im Paradiese, so Allah es will," sagte Ab- dallah mit bebender Stimme, indem er die Hand ehrerbietig an seine Brust führte. Sultana bewegte die Lippen, ohne daß ein Wort hör- Kar wurde. Als aber Abdallah zu ihr hintrat und aufs Knie fiel und bewundernd zu ihr aufsah, als wollte er sprechen, da beugte sie sich ganz vor und nahm sein Haupt zwischen ihre beiden Hände. „Laß mich Deine Augen sehen, Sidi Abdallah!" Ein Zittern durchfuhr beide bei dieser ersten Berührung. Sie spiegelten sich eines in des anderen Augen und suchten auf den Grund der Seele zu dringen, die durch den Blick ihre stumme Sprache redete. Denn was in diesem Blicke lag, war beider Schicksal. „Deine Augen sind sanft, Sidi Abdallah, und Du wirst immer gut gegen mich sein, nicht wahr? Bedenke, daß. wenn ich nun d�s Haus verlasse, ich niemand, niemand auf der Welt habe als Dich!" Abdallah beugte sich noch tiefer, hob ihren kleinen Fuß mit dem silbergestickten Pantoffel und setzte ihn auf seine Schulter. „Dies ist meine Stellung Dir gegenüber, o Sultana. Alles, was Du in meinem Hause befiehlst, das geschieht. Alles, was Du verlangst, ist schon Dein. Denn Du bist kein Weib wie die anderen. Du bist eine Huri, die Allah— hochgepriesen sei sein Name!— mir aus seinem Paradies gesandt hat, um mein Haus zu schmücken und die Tage meines Erdenlebens rinnen zu machen, wie der feine Wüstensand zwischen den Fingern rinnt." „Ich bin ein Hauch, ich bin ein elender Wurm, ich bin der Sand unter Deiner Fußsohle, und Du bist ein Freund Allahs— hochgepriesen sei sein Name in Ewigkeit der Ewig- keitenl Ich bin zu gering für die Ehre. Deine Augen auf mir ruhen zu sehen. Ich bin nicht würdig des Glückes, Deine Sklavin zu heißen. Aber in meiner Geringheit und in dem Wenigen, was ich vermag, will ich Dir treu sein wie die Erde, die Du trittst. Wenn Dein Roß Dir ergeben ist, ich will es tausendfach mehr sein. Mein höchstes Glück soll sein, Deinem gnädigen Befehl zu lauschen und blind zu gehorchen." „Wie es nur eine Sonne am Himmel gibt und keine andere, so gibt es nur eine Sultana— er weilte lange bei ihrem Namen, der„Herrscherin" bedeutet— in meinem Hause und keinen Willen als den ihrigen allein." Mit diesen Worten erhob er sich und zog sie so ehrerbietig und vorsichtig an sich, als fürchte er, ihre Seidenpracht zu zer- knüllen. Sultana aber schlang heftig die Arme um seinen Hals und reichte ihm ihren Mund zu einem langen und innigen Kusse. Auf einem niedrigen orientalischen Tische stand ein Ser Vierbrett aus getriebenem Silber mit dem Brautbecher, den die Mutter den beiden Verlobten reichen soll. heä Abdallah nahm ihn selbst und bot ihn Sultana an. Sie trank daraus mit in seinen Augen ruhendem Blicks worauf er aus demselben Becher trank. Nach dieser symbolischen Handlung, die ihre künstige Ge* meinschast in allen Dingen des Lebens ausdrückte, nahmt Abdallah Abschied und zog sich zurück, feierlich gestimmt und voll glücklichen Stolzes auf seine Braut. Kaum war er fort, als Lalla Uarda und die Hennena eintraten. Sultana stieg von ihrem Throne herab, und die Damen halfen ihr das Brautbett richten, wo sie in vollem Pomp und Staat die ganze Nacht ganz allein zur Parade liegen sollte. Denn wenn auch die mohammedanische Hochzeit—«infolge der starken Sinne des Mannes und des kindlichen Alters der jugendlichen Braut selten eines gewissen Anstrichs von Brutalität— und häufig etwas weit Aergerem— entbehrt, so hat man wenigstens der bräutlichen Furchtsamkeit das Zugeständnis gemacht, den Hochzeitstag selbst zu einem harm- losen, wenn auch langweiligen Feste zu gestalten. Der Islam ist stolz auf diese Sitte, ohne doch selbst das entwürdigende Verhältnis zu fassen, das diese Sitte — auch in halbbarbarischen Ländern wie Sizilien— fast zur Notwendigkeit gemacht und aufrechterhalten hat. Aber mit Recht rühmt sich der wohlerzogene Muslim, seiner Braut, selbst wenn sie seinen Armen schon übergeben ist, stets eine Frist zu gewähren, die ihr womöglich Gelegen- heit geben kann, ihm zuerst ihr Herz zu schenken. Nur selten geschieht es, will er damit behaupten, daß ein gebildeler Mann seines Glaubens wie so mancher europäische Bräuti- gam ein Weib und seine Ehre durch den unwissenden und unendlich dummen Egoismus einer einzigen Nacht zugrunde richtet. Sultana war daher so ruhig wie nur je. Konnte sie sich auch nicht einbilden, ganz glücklich zu sein, so hatte doch ihre erste Begegnung mit Abdallah ihr Mut und Trost für die Zukunft gegeben. Sie war dahin gelangt, sich selbst den steten Refrain der anderen zu wiederholen: daß sie das glücklichste Mädchen in> Tunis sein sollte. Indessen war diese Nacht nicht zu Träumen und Grübe- leien geeignet. Die eingeladenen Damen scharten sich ab- wechselnd um ihr Bett, um die Braut zu bewundern und die langsamen Stunden der Nacht zu kürzen. Unterdessen wurde den männlichen Gästen im großen Saale des Vorderhauses ein üppiges Festmahl serviert. So weit man bei einem arabischen Feste, unter all diesen priesterlich feierlichen Turbanen, die ihre Gefühle so gut zu verbergen wissen, von Stimmung sprechen kann, ließ sich ohne Uebertreibung behaupten, daß man sich an diesem Abend vor- läufig stark dem Gefrierpunkt näherte. Ein Araber verzweifelt niemals ganz, und Si Hamza benahm sich denn auch mit beherrschter und lächelnder Würde, wie es einem Manne ansteht. Aber dennoch war es nicht zu verkennen, daß der Trunk, den das Leben ihm«in letzter Zelt reichte, keiner von den süßen und wohlschmeckenden war. Amor, nicht der himmlische, sondern der Zauberer, zerriß ihm die Seele. Nachdem die ersten sieben Tage vergangen waren, er- klärte er, die Geister seien zu stark. Hamza müsse Zleira unverzüglich aus dem Hause schicken, und überdies müsse ein Filter destilliert werden, der den Zauber brechen könne. Dazu brauche es einer Locke von Hamzas und einer Locks von Zleiras Haar. Aber schon den nächsten Tag zeigte cs sich, daß der Böse in leibhaftiger Person Hamza verfolgte. Ueber Nacht hatte der„Wurmfrcsser" sich im Filter entwickelt und beide Ham> locken verschlungen. Amor brachte das Biest in einer Flasche mit. Der„Wurmfreüer" sah aus wie ein Igel und war schwarz wie der Teufel. Die gesamte schwarze Magie kannte kein untrüglicheres Vorzeichen kommender � Schrecknisse, als wenn der Wurm sich in einem Filter entwickelte. Amor gab Hamza nun klar und deutlich zu verstehen, daß der Böse, wahrscheinlich erzürnt, daß Hamza ein so aus- gezeichnetes Weib wie Aeribs vchr sich gestoßen, rhu ob f kleinen Finger gebunden hntte. Um ihn zu befreien, mußte man eine„Bindung" vornehmen. Ein solche„Bindung" war indessen eine ziemlich kostspielige Geschichte, da sie mit Lebens- gefahr verbunden war. Aus Freundschaft und in Anbetracht dessen, daß es sich um die Seelenrettung eines Gläubigen handle, wollte Amor sie jedoch um fünfhundert Frank aus- führen. Würde sie nicht vorgenommen, so war Hamza nicht bloß rettungslos verurteilt, am nächsten Tage seinen letzten Seufzer zu tun, sondern seine Seele würde auch in die fünfte Hölle hinabfahren, um in aller Ewigkeit dort zu verbleiben. feierte, hielt Amor ben Ahmes eben bei seiner geheimnis- vollen Bindung-- die mißglücken konnte. Ta erforderte es allerdings Rückgrat, umherzugehen und zn lächeln und Hamza zu heißen. Zum Glück ahnten seine Gäste nichts von dem Zauberer. Auch fiel es keinen von ihnen ein, die Gattin ihres Hausherrn bloß zu nennen oder in anderer Weise seines Familienlebens Erwähnung zu tun. Aber hinter ihrer Verschwiegenheit und Diskretion fiel es Hamza nicht schwer, zu lesen, w i e viel sie wußten, s o viel, daß er hinter seinem Rücken ihrem Gelächter preis- gegeben war. Nachdem die Herren gespeist hatten, verlegte man den Schauplatz des Festes in den Marmorhof und die umgeben- den Säle, während den Damen gleichzeitig in den oberen, ihnen reservierten Räumen aufgetischt wurde. Ter durch unzählige farbige Glaslämpchen erhellte Hos wirkte wie ein Märchen. Die in ihre milchweißen Bernusse drapierten stummen Gäste ließen sich in kleinen Gruppen um die feierliche, rosen- umwundene Zypresse nieder. Die ältesten und ehrwürdigsten kauerten oder lagen auf weichen Diwans, die unter dem Säulengang der Mauern aufgestellt waren. Kleine schwarze und maurische Knaben und Mädchen, darunter Abdallahs zehn hramsatragende Knaben, alle in die Farben von Kolibris oder tropischen Schmetterlingen ge- kleidet, huschten umher und boten den Gästen Zigarren, arabischen Kaffee und allerlei eiskalte Erfrischungen. Hn einer Ecke des Hofes unter den violetten Kaskaden der in wahnwitziger Ueppigkeit blühenden Baugainvilliers waren Diwans und kleine Tische für die Musik und die unaus- weichlichen Almkes aufgestellt. Es wurde spät, gegen Mitternacht, ehe sie kamen. Es waren dies nämlich nicht die gewöhnlichen städtischen Sing- und Tanzkünstlerinnen, die stets auf den Glocken- schlag bereit standen. Nein, mitten in all seiner Qual hatte Hamza sich als der Grandseigneur und Sohn eines Card er- wiesen, der er ja im Grunde war, und hatte zur Unterhaltung seiner Gäste einen Fund getan, indem er die Damen einer ägyptischen Truppe engagierte, die just in dieser Woche auf der Opernbühne der italienischen Kolonie in Avenue de France arabische Komödie spielten und sangen. Und nicht bloß die Damen und die Musik hatte er ein- geladen, sondern auch den ersten Schauspieler der Truppe, der zugleich Tenor war. aus welchem Grunde man ihn als einen singenden Beduinen an passenden Stellen des Shake- speareschen Othello auftreten ließ, um das Interesse dieses Stückes für das arabische Publikum zu heben. Sie hatten an demselben Abend Komödie gespielt und kamen aus diesem Grunde spät. Als sie aber nun da waren, ging es wie ein Sausen und Lispeln durch den Hof. Der Beduine aus Othello l Jawohl, Hamza war groß in seinem Unglück! Ein frei- gebiger und fürsorglicher WirtI Und der Tenor stellte ihre Spannung auf keine allzu lange Probe. Er stand sogleich auf und sang eine Liebes- klage. lFortsetzung folgt.) Hud dem Liebesleben in der Vo�elwelt. Seitdem Darwin auf die Beziebungen hingewiesen hatte, die der Gesang der Vögel und die Veränderungen im äußeren Aussehen der'Männcken zum FortpslanzungSgeschäft haben, ist man immer wieder zu diesem Thema zurückgekehrt. Neuerdings hat Dr. Gengler in einem Bändchen über»Das Liebesleben in der Vogel» weit'*) diese Dinge in sehr schöner Weise au-b einem weiteren Kreise zugänglich gemacht. Jedem Vogelfreunde kann daS Bändchen empfohlen werden. Aus seinem interessanten Inhalt sei in folgendem einiges erzählt: Wenn der Frühling kommt, beginnt die Brutzeit der Vögel. Lauter und klarer als sonst erschallt dann der Gesang der Männchen, die ein buntes Hochzeitskleid anhaben. Die Art und Weife, wie gesungen wird, ist außerordentlich verschieden. Während z. B. die Nachtigall ein vom Menschen anerkannter Meister des Gesanges ist, der ganze Strophen singt, deren Melodien von vielen Untersuchern des Vogelgesanges auf Notenpapier gebracht worden find, lasien andere Vögel in der Brunstzeit nur einzelne kurze Rufe erschallen. Zu diesen gehört zunächst der allbekannte Kuckuck. Auch daS Geschrei und das laute Krächzen der Raben, der Paradiesvögel und der meisten Raubvögel find Lockrufe in der Brunstzeit. ES gibt aber auch Vögel, die.Jnsirumenialmufik' veranstalten, z. B. der Specht:.Die liebebedürstigen Männchen setzen sich an da« untere Ende eines dürren, nicht zu dicken Astes und schlagen mit ihrem Schnabel in hockender Bewegung mit unglaublicher Schnelligkeit auf das frei in die Lust ragende Endstück des Astes. Dieser kommt da- durch in schwingende Bewegung, und eS entsteht ein Schnurren, daS je nach der Größe und Kraft des musizierenden Spechtes eiuen höheren oder tieferen Ton hat. Man kann zur FrübjahrSzeit durch Nachahmung dieses Schnurrens rasch die eifersüchtigen Specht- Männchen herbeirufen.' Einen llebergang von Vokal- zu Instrumental» mufik, wie Gengier sich ausdrückt, bildet ein nordamerikanische» Wild- Huhn, das Präriehuhn..Diesem hat die Natur einen eigenen Apparat verliehen, um seinen Balzrufen die nötige Klangfülle zu geben. Der Hohn hat zu beiden Seilen des Halses nackte Hautiäcke, die mit der Luftröhre in Verbindung stehen. Beginnt er nun zu balzen, so bläht er diese Säcke auf, daß sie Orangen ähneln, öffnet den Schnabel und läßt«in tiefrollendes Trommeln erschallen. Während dieses Trommelns leeren sich die Lustsäcke und müssen stets wieder neugestillr werden. Nach der Paarungszeit schrumpfen die Säcke bedeutend zusammen, um sich erst wieder zu Beginn einer neuen Liebesperiode zu vergrößern". Bei niachen Vögeln singt nicht nur das Männchen, sondern auch daS Weibchen. Es gibt richtige Duettsänger unter den Vögeln. Aber.ein ostafrikanischer Sänger, der auch die Fähigkeit befitzt, srenide Vogelstimmen nachzuahmen, geht noch über das Duett hin- aus. Es vereinigen fich bisweilen zwei Paare zum gemeinschast- lichen Mufizieren. Sie sitzen dann dicht beieinander, die Männchen wetteifern im Gesänge, während die Weibchen in einfacher Weise einsollen. Die Tukane oder Psefferstesier in Südamerika konzertieren zuweilen in Gesellschaften von vier bis fünf Exemplaren. Einer von ihnen macht von einem höheren Sitze herab den Kapellmeister und beginnt zu rufen, die anderen fallen dann nacheinander, manchmal auch zwei zu gleicher Zeit in verschiedenen Tonarten ein'. Aber der Chorgesang klappt doch doch nicht so recht, denn.daS Ganze ist und bleibt trotz des guten Willens der Veranstalter nur ein mißtönendes Geschrei". Der Gesang der Männchen in der Brunstzeit ist gewöhnlich von eigentümlichen Körperstellungen begleitet, auch dann, wenn er, wie z. B. bei dem krächzenden Raben, bloß ein kurzer Lockruf ist. Diese eigentümlichen Körperstellungen finden eine großzügigere Aus- geitaltung in den sogenannten Liebesspielen der Vögel, die als Tänze, Kämpfe und Flugkünste in die Erscheinung treten. Vor allem ist hier die Entfaltung des Kopsschmucks der Männchen zu nennen, der auS Federn oder aus fleischiger oder horniger Masse bestehr..Diese Zierden spielen bei der Liebeswerbung meist eine mehr oder minder bedeutende Rolle. Sehen wir nur den gewöhn- lichen zahmen Truthahn an. dem von seiner nackten Stirne über den Schnabel ein mächtiger Hautzipsel herabhängt. Während der Bogel balzt, strafft fich dieses Anhängsel und färb» fich lebhast rot, verschönt also das Aussehen des Hahnes. Die Satyrhühn« haben nicht nur einen Schopf und kleine Hörnchen am Kopf als Schmuck. sondern auch noch eine prachtvoll gefärbte nackte Kehle, die bei der Werbung aufgeblasen wird und dadurch dem Vogel ein schönes, vollkommen fremdartiges Aussehen verleiht. Sehnlich wie dem Trut- Hahn hängt auch einem südamerikanislben Glockenvogel ein langer Hautwulst vom Schnabel herab, der in der Erregung sich strafft und wie eine Kerze gerade in die Höhe steht. Andere Gattungen haben nackie Hautwülste. Lappen und ähnliche Gebilde als Zierat." Auch durch Entfaltung ihres Federschmuckes können die Männchen ihr ganzes Aussehen verändern. Namentlich schön zeigt daS der Para- diesvogel. Glänzend ist die Entfaltung des Schwanzfederschmuckes beim Pfau und den Fasanen, ein Schauspiel, daS man häufig in den Zoologischen Gärten zu sehen bekommt. Wer nun von den Bogelmännchen auf die Sinne des Weibchens nicht durch Entfaltung von Federschmuck wirken kann, weil er keinen hat, der ist auf andere Werbemittel angewiesen, z. B. auf den .Tan,". So macht es z. B. auch unser Haussperling..Ihm hat der Schöpfer keinen Gesang gegeben, er ruft deshalb, wenn er balzend sein Weibchen umhüpft. leinen nicht gerade melodischen Lock- ruf in rascher Folge. Dabei sträubt er etwas daS Gefieder, läßt die Flügel hängen, stelzt den Schwanz, so weit es geht, in die Höhe. Es wird hierbei die schöne aschgraue Färbung des UnterrückenS und Bürzels in ihrer ganzen Ausdehnung sichtbar, so daß der verachtete •).Naturwissenschaftliche Wegweiser', Verlag von Strecker und Schröder, Stuttgart. Preis geb. 1,40 M. Spatz eine» ganz hübschen Anblick gewährt.... Etwas hübschere Tänze führen Ammern, Lerchen und Stelzen auf." Auch die Tauben und Häbne treiben solch' tändelndes Liebesspiel. Die Enten auf dem Wasser führen richtige.Geiellickafisspiele" aus. Die Liebes- spiele zeigen eine sehr große Mannigfaltigkeit: ein Necken, Tändeln, Jagen, Hüpfen und Haschen, wenn man dies Liebesspiel, die Tänze der verschiedenen Bogelarten betrachtet.»Ganz merkwürdige Liebesipiele führen die in Südamerika heimischen, in felsigen Gebirgsstrecken lebenden Klippenvögel auf. Diese ven'ammeln sich an bestimmten Plätzen in beiden Geschlechtern, um der Tanziust zu frönen. Auf der glatten Fläche eines Felsblocks befindet sich der Tanzplatz, auf den um- stehenden Büschen und anderen erhabenen Stellen fitzen die zu- schauenden Männchen und Weibchen. Nur die ersteren tanzen, indem sie auf dem FelSblock munter in die Höhe hüpfen, mit den Füßen scharren, die Flügel lüften und mit dem Schwanz ein Rad schlagen. Ist ein Tänzer ermüdet, so tritt er ab und begibt sich in die Reihe der Zuschauer, von denen sofort ein anderes Männchen die Bühne betritt." Ein eigenartiger Tänzer ist auch der Strauß: »Das große, stattliche Männchen mit dem prächtigen Federschmuck umtanzt ein Weibchen mit erhobenen, in zitternde Bewegungen der- setzten Flügeln unier allerlei sonderbaren Sprüngen und grotesken Gebärden. Dann läßt es sich vor dem Weibchen in hockender Stellung auf seine Fußwurzeln nieder, bewegt Hals und Kopf in nickender Weise, zittert wie frierend am ganzen Körper, sträubt alle Federn und schlägt mit den Flügeln. Während dieses Spiels stößt das Männchen noch mit zurückgehaltenem Hals und geschlossenem Schnabel bei stark aufgeblähter Kehle dumpfe, lrommelartige Töne aus." Ein überaus lebhafter Gesell im Liebesspiel ist der kleine Kolibri. Sie .werden zur Liebeszeit im höchsten Grade aufgeregt und vollführen Taten oder versuchen solche zu vollführen, daß man an plötzlich auf« tretenden Größenwahn der kleinen, buntschillernden Geschöpfe denken muß. Die Eifersucht macht die winzigen Vögelchen direkt wütend, und die Männchen stürzen sich blindwütig aufeinander.... Die einmal durch Kampf und Liebe erregten Männchen verfolgen nicht nur ihresgleichen, sondern auch Vögel, die doppelt und dreifach und noch mehrmals so groß sind als sie selbst." Es ist belauscht worden, daß ein Kolibri einen Habicht angriff und in die Flucht schlug. flehte und die Revolution. Die folgenden Gedanken Fichtes sind den beiden politischen Schriften Fichtes entnommen, die 17S3 ohne seinen Namen erschienen. l. Zurückforderung der Denkfreiheit von den Fürsten Europens, die sie bisher unterdrückten. Eine Rede Helio- polie, im letzten Jahre der alten Finsterniß(1793). 2. Beitrag zur Berichtigung der Urtheile deL Publi- cumS über die französische Revolution. Erster Theil: ur Beurtheilung ihrer Rechtmäßigkeit. Erstes Heft. rste Auflage 1793. Zweite um nichts veränderte Auf- läge 1785. Beide Schriften fehlen in allen Neudrucken und find auch in der gegenwärtig in Leipzig erscheinenden großen Fichtc-AuSgabe unterdrückt. Den Anschauungen dieser Erstlingswerke ist Fichte bis zu seinem Tode treu geblieben. Unterdrückung der Denkfreiheit und Revolution. Hemmt man den Fortgang des menschlichen Geistes, so find nnr zwei Fälle möglich: der erstere, unwahrscheinlichere— wir bleiben stehen, wo wir waren, wir geben alle Ansprüche auf Ver- Minderung unseres Elends und Erhöhung unserer Glückseligkeit auf; wir lassen uns die Grenzen setzen, über die wir nicht schreiten wollen;— oder der zweite, weit wahrscheinlichere: der zurück- gehaltene Gang der Natur bricht gewaltsam durch und vernichtet alles, was ihm im Wege steht, die Menschheit rächt sich auf das grausamste an ihren Unterdrückern, Revolutionen werden not- wendig. Denkfreiheit daS unveräußerlich st e Recht. Ihr Völker, alles, alleS gebt hin, nur nicht die Denkfreiheit. Immer gebt Eure Söhne in die wilde Schlacht, um sich mit Men- scheu zu würgen, die sie nie beleidigten, oder von Seuchen entweder aufgezehrt zu werden, oder sie in Eure friedlichen Wohnungen als eine Beute mit zurückzubringen; immer entreißt Euer letztes Stückchen Brot dem hungernden Kinde und gebt eS dem Hunde des Günstlings— gebt, gebt alles hin; nur dieses vom Himmel abstammende Palladium der Menschheit, dieses Unterpfand, daß Ihr noch ein anderes Los bevorstehe, als Duldung tragen und zer- knirscht werden,— nur dieses behauptet. Da» GotteSgnadentum. Eine der ersten Quellen Eures Elendes ist die, daß Ihr von ihnen(den Fürsten) und ihren Helfern viel zu hohe Begriffe habt... DaS töpnt Ihr sicher glauben, daß sie von dem, was sie wissen sollten, von ihrer eigenen wahren Bestimmung, von Men- fchenwert und Menschenrechten, weniger wissen, als der Ununter- richtcste unter Euch. Wie sollten sie so etwas je erfahren?— sie, für die rnav eine eigene Wahrheit hat, die Licht durch die Grund- sätze, auf welche die allgemeine Menschenwahrheit sich gründet, son- dern durch die Staatsverfassung, die Lage, das politische System ihres Landes bestimmt wird, sie, deren Köpfe man von Jugend auf mühsam die allgemeine Menschenform nimmt, und ihm die- jenige einpreßt, in welche allein eine solche Wahrheit paßt,— in deren zartes Herz man von Jugend auf die Maxime einprägt: Alle, die Menschen. Sire, die Sie da sehen, find für Sie da, sind Ihr Eigentum. Wie sollten sie, wenn sie auch erführen, je Kraft haben, es zu begreifen?— sie, deren Geiste man künstlich durch eine er- schlaffende Sittenlehre, durch frühe Wollüste, und, wenn sie für diese verstimmt sind, durch späteren Aberglauben seine Schwung, kraft raubt. Man ist versucht, ein stets fortdauerndes Wunder der Fürsehung anzunehmen, wenn man in der Geschichte doch so un« � gleich mehr bloß schwache, als böse Fürsten antrifft; und ich wenig, stens rechne den Fürsten alle Laster, die ste nicht haben, für Tugenden an, und danke ihnen für alles das Böse, das sie mir nicht tun. Die Mission der Fürsten. Kündigt doch jenem ersten Vorurteile, woraus alle unsere Nebel folgen, jener giftigen Quelle alles unseres Elendes, jenem Satze: daß es die Bestimmung der Fürsten sei, für unsere Glück- seligkeit zu wachen, den unversöhnlichsten Krieg an; verfolgt ihn in alle die Schlupfwinkel, durch das ganze System unseres Wissens, in die er sich versteckt hat, bis er von der Erde vertilgt, und zur Hölle zurückgekehrt sei, daher er kam. Die Stellvertreter GotteS. Die Zeiten der Barbarei find vorbei, Ihr Völker, wo man Euch im Namen Gottes anzukündigen wagte, Ihr seiet Herden Vieh, die Gott deswegen auf die Erde gesetzt habe, um einem Dutzend Göttersöhnen zum Tragen ihrer Lasten, zu Knechten und Mägden ihrer Bequemlichkeit, und endlich zum Abschlachten zu dienen; daß Gott sein unbezweifeltes Eigentumsrecht über Euch an diese über- tragen habe, und daß sie Kraft eines göttlichen Rechtes, und als seine Stellvertreter, Euch für Eure Sünden peinigten.... Ihr habt... gelernt, daß Ihr die Stärkeren seid, und sie die Schwächeren; daß ihre Stärke in Euren Armen ist, und daß sie elend und hilflos dastehen, wenn Ihr diese sinken laßt. Der christliche Staat. Ein Staat, der die Krücke der Religion borgt, zeig! uns nichts weiter, als daß er lahm ist. Wer uns um Gottes und un« serer Seligkeit willen beschwört, seinen Befehlen zu gehorchen, der gesteht uns, daß er selbst nicht Kraft habe, uns zum Gehorsam zu nötigen; sonst würde er es tun, ohne Gott zu Hilfe zu rufen. Judentum. Fast durch alle Länder von Europa verbreitet sich ein mäch» tiger, feindselig gesinnter Staat, der mit allen übrigen im be» standigem Kriege steht, und der in manchem fürchterlich schwer auß die Bürger drückt, es ist das Judentum.... Von so einem Volke sollte sich etwas anderes erwarten lassen, als was wir sehen, daß in einem Staate, wo der unumschränkte König mir meine väter» liche Hütte nicht nehmen darf, und wo ich gegen den allmächtigen Minister mein Recht erhalte, der erste Jude, dem es gefällt, mich ungestraft ausplündert. (Note.) Fern sei von diesen Blättern der Gifthauch der Im tolercmz, wie er es von meinem Herzen ist! Derjenige Jude, de» über die festen, man möchte sagen, unübersteiglichen Verschan» zungen, die vor ihm liegen, zur allgemeinen Gerechtig« keitS-, Menschen- und Wahrheitsliebe hindurch- dringt, ist ein Held und ein Heiliger. Ich weiß nicht, ob«s deren gab oder gibt. Ich will es glauben, sobald ich sie sehe. Nur ver- kaufe man mir nicht schönen Schein für Realität!— Möchten doch immer die Juden nicht an Jesum Christum, möchten sie doch sogar an keinen Gott glauben, wenn sie nur nicht an zwei verschiedene Sittengesetze und an einen menschenfeindlichen Gott glaubten.— Menschenrechte müssen sie haben, ob sie gleich uns dieselben nicht zugestehen: denn sie sind Menschen, und ihre Ungerechtigkeit berechtigt uns nicht, ihnen gleich zu werden. Zwinge keinen Juden wider seinen Willen, und leide nicht, daß es geschehe, wo Du der nächste bist, der es hindern kann; das bist Du ihm schlechterdings schuldig... Aber ihnen Bürgerrechte zu geben, dazu sehe ich wenig. stens kein Mittel, als daS, in einer Nacht ihnen allen die Köpfe abzuschneiden und andere aufzusetzen, in denen auch nicht eine jüdische Idee sei. Um uns von ihnen au schützen, dazu sehe ich wieder kein anderes Mittel, als ihnen thr gelobtes Land zu er« obern und sie alle dahin zu schicken. Die wahren Majestätsverbrecher. Lernt doch endlich kennen Eure wahren Feinde, die einzigen Majestätsverbrecher, die einzigen Schänder Eurer geheiligten Rechte und Eurer Personen. Es sind diejenigen, die Euch anraten, Eure Völker in der Blindheit und Unwissenheit zu lassen, neue Irrtümer unter sie auszustreuen, die freie Untersuchung aller Art zu hindern und zu verbieten... Wer einem Fürsten anrät, den Fortgang der Aufklarung unter seinem Volke zu hemmen, sagt ihm ins Angesicht: Deine Forderungen find von der Art, daß sie den gesunden Menschen- verstand empören...; Deine Grundsätze und Deine Handlungs- arten leiden kein Licht...; laß das Volk ja nicht klüger werden. sonst übersieht es Dich; Finsternis und Nacht ist Dein Element, das mußt Du um Dich her zu verbreiten suchen; vor dem Tage mußtest . Du entfliehen. - 884— Das Meisterstück bar Monarchie Fhb unterwieset Millionen,— und das ist baS Meisterstück, »vorauf Ihr Euch am meisten zugute tut— in der Kunst sich«ms einen Wink rechts und links zu schwenken, aneinander geschloffen wie Mauern sich plötzlich wieder zu trennen, und in der fürchterlichen Fertigkeit zu würgen; um sie gegen alles zu brauchen, was Euren Willen nicht als sein Gesetz anerkennen will. Wer arbeitet, soll nicht essen. Die ungeheure Verschwendung, die bisher an der Tafel eines Königs geherrscht hatte, wurde in etwas eingeschränkt, und Leute, tdte nie eine Tafel hatten, noch haben werden, wie jene eingeschränkte. bedauerten diesen König; eine Königin hatte eine kurze Zeitlang Mangel an einigen Kleidungsstücken, und diejenigen, welche sehr glücklich gewesen wären, wenn sie diesen Mangel hätten teilen dürfen, beklagten ihr Elend. Fehlt es auch unserem Zettalter an manchen lobenswürdigen Eigenschaften, so scheint wenigstens die Gutmütigkeit nicht darunter zu gehören!— Setzt man etwa bei diesen Klagen ganz unbedingt das System voraus, daß nun einmal eine gewisse Klasse von Sterblichen, ich weih nicht welches Recht habe, alle Bedürfnisse, die die ausschweifendste Einbildungskraft nur irgend sich erdichten könne, zu befriedigen; daß eine zweite nur nicht ganz so viele, als diese; eine dritte nur nicht ganz so viele, als die zweite, usw. haben müsse, bis man endlich zu einer herabkomme, die das Allerunentbehrlichste entbehren müsse um jenen höheren Sterb- Stehen das Allerentbehrlichste liefern zu können? Oder setzt man diesen Rechtsgrund bloh in die Gewohnheit, und schlicht so, weil eine Familie bisher das Unentbehrlichste von Millionen Familien verzehrt hat, so mühte sie notwendig fortfahren, eS zu verzehren? Eine auffallende Folgenlosigkeit in unserer DenkungSart ist es immer, dah viele so empfindlich für das Elend einer Königin sind, die einmal kein frisches Linnen hat, und den Mangel einer anderen Mutter, die dem Vaterlandc auch gesunde Kinder gebar, welche sie selbst in Lumpen gehüllt, nackend vor sich herumgehen steht, indes rn ihren Brüsten aus Mangel an Unterhalt die Nahrung austrocknet, die das Jüngstgeborcne mit entkräftetem Wimmern fordert— dah »vir diesen Mangel sehr natürlich finden.— Solche Leute sind cS gewohnt, sie wissen eS nicht besser, sagt mit stickender Stimm« ver satte Wollüstling, während er seinen köstlichen Wein schlürft: aber ida? ist nicht wahr; an den Hunger gewöhnt man sich nie, an wider- natürliche Nahrungsmittel, an das Hinschwinden aller Kräfb und alles Mute?, an Blöhen in strenger Jahreszeit gewöhnt man sich nie. Twh nicht essen solle, wer nicht arbeitet, fand Herr R. naiv; er erlaube unS, nicht weniger naiv zu finden, dah allein der, toelcher arbeitet, nicht essen oder das Unehbarste essen soll. Unsterblichkeit. Gehe doch mein Name verloren, und die Silben desselben wollen nicht über die Zungen der Nachwelt, wenn nur in der grohcn Kette der Vervollkommnung meines Brudergeschlechtes meine Existenz ein Glied ausmacht, in welches sich Glieder schlingen bis in die Ewigkeit hinaus, wenn es auch keiner weih, wenn es nur so ist. Freigeist. Es kommt nicht darauf an, was man glaube, sondern auS welchen Gründen man eS glaube, um ein Freigeist zu sein. Wer der Autorität glaubt, sei sein Glaubensbekenntnis so kurz es wolle, ist ein Gläubiger; wer nur seiner eigenen Vernunft glaubt, ist ein Freigeist. Wenn jemand an den Esel des Mohammed oder an die unbefleckte En vfängmS der Jungfrau Maria oder an die Gottheit des Apis gslaubt, weil er durch eigenes Nachdenken von der Wahr- heit dieser Sätze sich überzeugt zu haben wähnt, so ist er ein Frei- geist; und wenn jemand auch weiter nichts glaubt, als dah ein Gott sei, weil er etwa in der Bibel, die er auf die Aussage der Kirche hin für Gottes Wort hält, nichts weiter findet, so ist er ein Gläubiger. Entweder— oder. Lungenlatigkeik erschiverenhen Gasen, ave Forscher Fnr u«se?t YS» zwungen. Prof. Mallado unternahm zunächst vom Rande de» Kraters aus eingehende Beobachtungen, um die zu einem Abstieg günstigste Stelle festzustellen. Er entschloh sich schliehlich seinen Versuch an der südöstlichen Kraterwand zu unternehmen und hat fernen Plan am Mittwoch auch mit Hilfe eine» Dieners vom Ob» servatorium ausgeführt. Um neun Uhr vormittag» begann der Abstieg. Ein 140 Meter langes Seil wurde an der Zkratertvand hinabgelassen, und an diesem Seile begannen die beiden Männer in die rauchende Tiefe hinabzuklettern. Nach 120 Meter stieß man auf ein mächtiges, weit vorspringendes Lavahorn, einen Fels- Vorsprung, der sich mehr als 100 Meter weit in die Tiefe schob. Der Gelehrte mit seinem Gefährten sucht« dies Hindernis zu überwinden, indem er auf diesem Vorsprung südwärts bordran» bis er auf einen steil abfallenden lockeren Lavaabhang kam, der sich in einem Winkel von 80— 90 Grad in die Tiefe streckte. Ueber dies« fast senkrecht abfallende Schuttmasse wurde nun ein etwa 100 Meter langes Seil hinabgelassen, mit dessen Hilfe Prof. Mallada bi» zu der Stelle des gewaltigen Bergrutsches hinabkletterte, der am 12. März 1911 die innere Architektur de? 5draterS vollkommen ver» änderte. Der Bergrutsch führt bis zur Tiefe des Kraters hinab. Um elf Uhr war die Sohle erreicht. Der Gelehrte blieb gegen zwei Stunden in der Tiefe dek Kraters, um hier seine Beobachtungen vorzunehmen, die sich sowohl auf Barometerschwanvungen als auch die Temperaturen der Fumarolen erstreckten. Die Wärme der Rauchwolken schwankte an verschiedeneu Stellen zwischen 90 und 93 Grad. Die Tiefe des Kraters beträgt ungefähr 300 Meter, die Ergebnisse der genauen Messungen werden in den nächsten Tagen veröffentlicht. Ehe der schwierige Aufstieg angetreten wurde, setzte der Gelehrte in die Mitte des Kraters eine rote Flagge, die als Punkt für die Höhenmessung dienen wird. Der Aufstieg stellte an die Kraft und an die turnerischen Fähigkeiten der beiden Männer gewaltige Anforderungen. Aber das schlimmste war die Wirkung der aus den Fumarolen ausströmenden Gase, die den Atem hemmen, die Lunge reizen und die körperliche Widerstandskraft zu er- schüttern drohen. Astronomische?. Sobald wir unS irgendeinen Sah, als bor aller Untersuchung vorher ausgemacht, aufdringen lassen, müssen wir entweder auf alle gesunde Logik Verzicht tun oder den gröbsten, härtesten KatholiziS- muS annehmen._ Kleines Feuilleton. Geologisches. Forschungen im Krater des VesubS. Schon öfl ist von kühnen Gelehrten der Versuch unternommen worden, in den Krater dcS Vesuvs hinabzusteigen, aber biHer war eS noch niemand gelungen, den Boden des KraterS zu erreichen. Jetzt hat der ita- Sienische Vulkanologe Prof. Alessandro M a l l a d a. der im König. lichen Vcsuv-Observatorium arbeitet, das kühne Wagnis glücklich vollbracht hat die Tiefe des Kraters erreicht und eine Fülle wert- voller wissenschaftlicher Beobachtungen anstellen können. Der letzte Ausbruch vom Jahre 1900 hat die Formen des gewaltigen Krater- schlundes stark berändert, die Wände fallen bis zu großer Tief« steil ab und sind überall von zahllosen Fumarolen durchbrochen, aus den-n heiße Schwefel- und Wasserdämpfe aufsteigen. Die Dämpfe werden dichter, je tiefer man in den Krater hinabsteigt und die je tiefer man in.............. zahlreichen Steinrutsche haben bisher in Verbindung mit diesen die_ Kerantwortl. Redakteur; Alhert Wachs, Berlin.— Drjlck g- Perlag: vorwärtsBuchdruckereig.VerlagsanstaltUavlStngerckEo.,BerlinL>V, Die Jahreszeit der hellen Nächte. Die Dauer der Dämmerung sowohl vor Sonnenausgang als nach Sonnenuntergang nimmt von den Polen nach dem Lequator hin allmählich ab, und das plötzliche Einfallen namentlich der Dunkelheit am Abend wird von jedem Besucher der Tropen als etwas Besonderes empfunden. Die Dämmerung ist im allgemeinen eine Folge des Vorhandenseins der Atmosphäre. Auf einem Planeten, der nicht von einem Luft« oder anderen GaSmeer umgeben ist, kann auch keine Dämmerung statt- finden. ES braucht kaum gesagt zu werden, daß die für die Lebewelt über- Haupt unentbehrliche Atmosphäre auch in dieser Hinsicht dem Menschen gute Dienste leistet, indem fie die Helligkeitsdauer des TageS mehr oder weniger erheblich verlängert. Dazu kommt noch, daß die Atmosphäre in einer noch nicht ganz aufgeklärten Weise selbst in den Nachtstunden den Eintritt völliger Dunkelheit meist verhindert. Wenn in Schilderungen irgendwelcher Art von einer absoluten Finsternis oder einer völlig schwarzen Nacht die Rede ist, so liegt meist eine Uebertrcibung vor. In astronomischem Sinne versteht man unter der Dämmerung den Zeitraum zwischen dem eigentlichen Untergang der Sonne und dem Augenblick deS völligen Verschwinden» ihrer Strahlen für den Horizont eine» OrteS. Nach der Berechnung müßte die Dämmerung aufhören, wenn die Sonne sich 18 Grad unter dem Horizont befindet. Die Zeit, in der die Sonne diesen Weg unter dem Horizont zurücklegt, hängt nun aber in erster Linie von der geographischen Breite ab. An den Polen würde ohne das Vorhandensem der Atmosphäre sechs Monate Tag und sechs Monate Nacht herrschen. Hier zeigt sich der wohllälige Einfluß am meisten, da durch ihn die Nacht auf zwei Monate abgekürzt wtrd. In den übrigen vier Monaten hat der Pol gewissermaßen zwei Monate Morgen- dämmerung und 2 Monate Abenddämmerung. Noch bis zum SO. Breiten» grad hinab dauert die Dämmerung im Sommer vom Sonnenuntergang bis zum Sonnenaufgang. DaS ist die Zeit der hellen Nächte. Im übrigen schwankt die Dauer der Dämmerung in den gemäßigten Zonen im allgemeinen zwischen 1'/, und etwa? über 2 Stunden. Daß die Dämmerung mit der Annäherung an den Aequator immer kürzer werden muß, ergibt sich aus der Ueherlegung, daß am Aeqimtor die Sonne fast ganz oder fast senkrecht unter den Horizont sinkt; daher braucht sie auch nur etwa» über eine Stunde, um den Weg bis 18 Grad unter den Horizont zurückzulegen. Diese auf Berechnung fußende Angabe scheint aber noch in Widerspruch zu stehen mit den tat« sächlichen Beobachtungen, da die Dauer der Dämmerung in den Tropen niedriger sein soll. Nach den genauen Bestimmungen dauert sie unter dem Aequator nicht mehr al» 20 Minuten und bei reiner Lust sogar oft nur eine Vietelstunde. So lauten wenigstens die Fest- ftellungen sogar der besten astronomischen Lehrbücher. Die Harvard« Sternwarte hat in den letzten Jahren in ihrer Tochteranstalt zu Arequipa auf dem Hochland in Peru sorgfältige Beobachtungen über die Dauer der Dämmerung anstellen lassen und dies« haben ergeben, daß die tropische Dämmerung tatsächlich länger ist. als man bisher annahm, und demnach mit den Forderungm der Berechnung über- einstimmt.