Anlerhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 100. Sonnabend, den 25. Mai. 1912 lNachdrucl vervolen.l 21] Suitana. Ein arabisches Frauenschicksal von Emil Rasmussen. Während Sultana mit Mabruka das kniende Kamel be- stieg und von den gastfreundlichen Frauen Abschied nahm, die sie in Gossa zu besuchen versprachen, grübelte sie unauf- hörlich darüber nach, wo Abdallah sich wohl aufhalte und warum er sich nicht sehen lasse. Eine Frage nach ihm wäre unschicklich gewesen, und keine der Frauen sprach aus eigenem Antrieb. Kaum waren sie aus dem Hause, als Musik erscholl. Ein Trommelschläger und drei Flötenspieler aus In Salah marschierten spielend vor dem Kamele, das in ge- tränkter Majestät dahinschrttt, gedemütigt von den baumeln- den Eisenglojen, mit denen man es behangen hatte wie einen Hofnarren, im übrigen jedoch, den ganzen Aufzug sichtlich als eitel Tand und Mummenschanz erachtend, aus seiner stoischen Philosophie heraus die gesamte Bande zum Teufel zu wün- scheu schien. Neben dem Kamel tanzte ein Neger und schlug den Takt dazu mit zwei schmiedeeisernen Kastagnetten von Fußlänge. Vier Kaninchenselle baumelten ihm um den Magen und seinen Kopf mit den mit glühendem Eisen tätowierten Man- gen, die ihn als frischen Import aus dem Sudan kennzeich- neten, bedeckte ein barocker spitzköpfiger Federnhut, der halb so lang war wie er selbst. Er fand seinen eigenen Tanz un- glaublich komisch, und sein Negergrinsen steckte seinen tam- burinschlagenden gleichfarbigen Begleiter an. Die ganze Schar der Beduinenweiber folgte der Braut unter lauten Freudentönen, die bloß mit dem Glucksen von Hennen zu vergleichen waren. Alle waren barfüßig, aber mit großen« barbarischen Schmuckstücken behangen, und die dunkeln, blauen und roten Mlahfas fielen wie antike Ge- wänder um die schlanken Körper. Sie waren erst wenige Minuten geritten, als Suitana einen Reiter in weißem Bernus, aber grünem Turban und langem weißen, um die Wangen flatternden Schleier auf einem schnaubenden Schimmelhengst ihnen entgegen- sprengen sah. Es war Abdallah, der Roß und Turban gewechselt hatte. Zum erstenmal und mit bebendem Staunen sah sie ihn die grüne Farbe anlegen, die nur diejenigen das Recht zu tragen hatten, die von dem Propheten stammen. Abdallah hatte bisher von dieser seiner vornehmen Her- kunft nicht das geringste verlauten lassen, und Sultana er- klärte sich dies Schweigen nicht als Bescheidenheit, auch nicht als Gleichgültigkeit, sondern als einen wohlberechneten Plan, um Eindruck auf sie zu machen und sie durch stets neue Ueber- raschungen, die er bereit hielt, für sich zu gewinnen. Aber obwohl sie seine Taktik durchschaute, verringerte dies die Wirkung nicht. Im Gegenteil, sie rechnete es ihm hoch an, daß er sich nicht bloß eine Braut als Eigentum kaufen wollte, sondern bestrebt war, ihr Herz zu erobern, ihre Liebe auf ehr- liche Art zu gewinnen. Er saß so ruhig wie eine Säule auf seinem tanzenden Renner und lächelte zu seiner Braut empor, deren Stimme er wohl hörte, obgleich sie selbst unter dem Baldachin ver- steckt war. Er hatte zu melden, daß die umwohnenden Stämme seine Hochzeit mit Kunstritten, Kriegsspiclen und Turnier, kurz gesagt mit einer arabischen„Fantasia" feiern wollten. Nun begriff Sultana, worum das Dorf die ganze Nacht im Fieber gewesen war. Vor sich auf der Ebene sah sie in kurzer Entfernung eine Hecrschar weißgekleideter Beduinen mit ihren Weibern und Kindern auftauchen. Zu Tausenden tvaren sie im Laufe der Nacht langen Weges zusammengeströmt, und einzelne waren Abdallah sogar aus Gasfa entgegengerittcn. Als die Scharen der von dem jungen Marabu begleiteten Baldachins ansichtig wurden, stieg ein Gesang aus tausend Kehlen. Das wogende, lärmende Menschenmeer öffnete sich vor dem Kamele und schloß sich wieder. Da fühlte Sultana etwas wie Stolz, während Mabrukcl nahe war, vor Glück den Verstand zu verlieren, Mitten in der dichten Versammlung ließ man einen großen länglichen 5lreis offen. An jedem Ende des Kreises hielten etwa zehn Reiter auf ihren Rossen, welche kunstfertig gestickte Sattel und lang- schleppende Söidenschabracken trugen. Die Reiter waren in schneeweißem Festbernus erschienen, einige mit eigentümlichen Helmen aus Straußenfedern auf dem Kopfe. Das ganze Untergesicht war von dünnen- Schleiern verhüllt. Sobald Abdallah und seine Braut die ihnen reservierten Plätze erreicht hatten, nahm das Spiel seinen Anfang. Die beiden Reiterscharen stürmten unter wildem Kriegsgeheul in vollem Galopp aufeinander los, einige mit gezogenen Säbeln, andere mit Pistolen oder langen silber- damaszierten Büchsen, die sie über den Köpfen schwängern Mitten im Kreise prallten sie zusammen, feuerten die Pistoleit in die Luft, wandten die langen Büchsenläufe zur Erde und schössen sie zwischen den Beinen der Rosse, die, scheu und' nervös von den Schüssen, dem Kriegslärm und Pulver- rauch, schnaubend und sich bäumend mit den Vorderbeinen ausschlugen, in das Gras ab.. Dieses Wirrwarr sah lebensgefährlich aus, währte jedoch nur wenige spannende Augenblicke, während derer man kaum Zeit hatte, sich über das Geschehene klar zu werden. Die Rosse bekamen die Sporen in die Flanken und' sprengten zu je ihrer Richtung aus dem Kreise, der sich vor ihnen öffnete. Nun sah man, daß ein Pferd ohne Reiter war. Mittels im Kreise lag ein junger Mann regungslos still. Sultana glaubte im ersten Augenblick, dies gehöre mit zum Spiel, aber sogleich eilte man von allen Seiten hinzu und trug den Verwundeten vor Abdallah hin, als erwarten alle von ihm allein Hilfe und Beistand. Er selbst war augenscheinlich derselben Meinung. Er sprang vom Pferde und untersuchte den jungen Mann, der ohne eine Klage, bleich aber mit offenen, ruhigen Augen, auf der Erde lag. Das eine Schenkelbein war gebrochen. Abdallah fügte es mit überlegener Ruhe zusammen, als habe er nie anderes im Leben getan als Knochen zusammen- zusetzen und legte einen vorläufigen Verband an. Sultana hatte in ihrem Eifer, zu sehen, den Balda'chick zerrissen. Erst als sie dem Blick des jungen Mannes be- gegnete, erinnerte sie sich, daß sie unbedacht ihr Antlitz ent- blößt hatte und zog sich errötend zurück. Der leidenschaftliche Blick des bartlosen Helden gab ihr einen Stich ins Herz. Die leichenblasse Farbe veredelte sein Antlitz und rief ihr Mitleid wach. Ihretwegen war es ja geschehen, daß er seine jungen Glieder aufs Spiel gesetzt hatte. Eine Bahre wurde in aller Eile bereitet, und zwei Männer trugen ihn nach El Gettar. Abdallah stieg wieder zu Pferde, und Sultana erfuhr, daß der Verwundete Zaied ben Bu-Kris heiße und ein vor- nehmer junger Mann aus Gasfa sei. Dieser unglückliche Zwischenfall verdarb Sultana den Rest der Festspiele. Sie legte ihm die Bedeutung eines bösen Omens bei und mußte wieder an den getöteten Delphin denken. Für alle anderen war es, als sei nichts geschehen. Die dressierten Pferde wurden weiter vorgeritten und zeigten all ihre Künste. Eines konnte niederknien und ein Taschentuch aufheben. Ein milchweißes, schlankes, nervöses Pferd aus der Wüste spielte eine ganze Komödie: es fiel mit großer Bravour auf dem Schlachtfclde und blieb tot liegen. Nach neuen Gefechten zwischen Fußvolk und Reitern gab man ein spannendes kleines Zwischenspiel zum Besten, da? Liebesabenteuer des Löwen. Aber die Hauptnummer des Tages war doch die Dar- stellung einer Brautentführung, deren rittlerlicher Brauch noch heutzutage unter den Wüstenbeduinen herrscht. Sultana folgte schlaff dem ganzen Schauspiel. Sie ja? alles, genoß es aber nicht, Sie sah die Zukunft sich entgegenstarren mit gelben kölschen Augen. Wieder ging es weiter. Gaffa zu. Das Terrain stieg Mehr und mehr gegen die inneren Hochebenen an, die sich Vor ihnen gegen den Himmel erhoben. Abdallah ritt voran neben seiner Braut. Hinter ihnen tcogte ein Meer von weißen Reitern. Suitana war nur stumm vor Spannung, bleich vor Un- geduld. Noch ungeduldiger aber war ihr künftiger Heimatsort. Er konnte nicht stille sitzen, bis sie kam. Er kam ihr ent- gegengewandert. Auf weite, weite Entfernung sah man die weißen Mäntel in der Sonne leuchten. Als die beiden Scharen sich einander näherten, war es, als trüge der Wind hie und da einen Klang von Liedern mit sich. Der Klang wurde zu einem Stimmengebraus, einem dröhnenden Ernst. Es waren keine Liebeslieder, die da erschollen.- Ein Pilgerzug wallte ihnen entgegen. Ein Voll in weißen Gewändern mit heiligem Sang auf den Lippen. Es folgte wehenden roten und grünen Fahnen mit dem Halbmonde und mit glänzenden Messingkugeln, ehrwürdigen alten Seidenbannern mit eingestickten Koransprüchen. Und es sang Litaneien, die allen Marabus Gruß und Frieden entboten: dem größten aller Marubas Abd El Kader Djilcmi, Abdallahs Vater und Abdallah selbst. Die Scharen stießen zusammen, schloßen Abdallah ein, und zwangen ihn, sein Pferd anzuhalten. Mit einer undurchdringlichen Miene, scheinbar uner- schüttert, saß er ruhig da und blickte hinaus über dies Heer von Gläubigen, diese Tausende Ergebener, die ihn begrüßten wie einen König und sich drängten, den Zipfel seines Bernus zu küssen. � Diese unerwartete, schwellende Stimmung trug und hob Sultana wie die Welle an Kerkennas Strand. Ter Rausch des Volls riß sie hin, und ohne bettübt zu sein, brach sie in Tränen aus. 13. Sultana war noch nicht viele Tage in Abdallahs Hause, als sie sich heimisch und mit ihrem Schicksal versöhnt fühlte. Altklug sagte sie sich selbst, daß die Zukunft nie so schwarz sei, wie man glaube. Mabruka hatte das ihrige getan, um die Wirkungen dieser jähen Verpflanzung in neues Erdreich zu mildern. Aber was hätte selbst i h r Trost zu bedeuten gehabt, wenn Abdallah sich als der Tyrann entschleiert hätte, der in so manchem mohammedanischen Hanse die Peitsche schwingtl Daß er dies nicht war, sah sie sogleich. Die Worte, die er zu ihr sprach, als sie auf dem Brauk- kröne saß. waren feierlich und hochgestimmt gewesen. Es lag nur allzu nahe, sie als ttaditionelle Festlyrik zu betrachten. Aber seine ganze Haltung deutete daruf hin, daß er sie ernst nahm und dem Buchstaben nach zu erfüllen gesonnen war. Er suchte früh und spät ihre Nähe. Des Morgens ging er gleich in die Zäeuia, die so nahe lag, daß man sie von der Terrasie aus sehen konnte. Sie be- stand aus einem Vorhofe, der von drei Flügeln mit kleinen Kammern umgeben war, und einem größeren,'mit blendend weißem Kalkputz stets neugctünchten, viereckigen, von einer flachgedrückten Kuppel überwölbten Hauptgebäude. (Fortsetzung folgt.) sNachdruS verboten.) Keim Köni�stufcb» Von E l i s a b e th Hehdemann. Möhrin g. Ein Brummer lag Hedda Müllncr surrend in den Ohren, daß sie ihm doch das Fenster aufmachen und ihn in die Straße ent- wischen lassen möchte, wo Mailäfer um die Pfingstbüsche an den Haustüren schwirrten, und ein paar Barfüßler immer noch Kalmus und Möschenkränze anSschrien. Aber das Mädchen hatte keine Zeit und kein Nachdenken für den kleinen Kerl, mit den blauen zitternden Flügeldecken— so am Vorabend von Pfingsten und Schiitzenwiese— als einzige Putzmamsell bei Madame Leman. Es kam auch noch immer wieder eine neue Sache, die nicht ab- zulehnen war, und die alte Frau Leman hatte es um sie der- dient, daß sie aushiekt, bis der letzte Hut abgeliefert war, und daß keine Mark in ein anderes Geschäft getragen wurde. Nun trat Madame Leman durch die Ladentür und legte noch einen Hut und Federn und Spitzen auf den Tisch. .Fräulein Hete, also recht solide— Sie wissen doch, für die Frau Zimmermeister Krüsel, die geborene Beermann." Hete Müllner hob für einen Augenblick die übernächtig schweren Lider und verzog die blutlosen Lippen ein wenig. Sie nahm auch den soliden schwarzen Basthut gleich in Arbeit und legte das Baby- Hütchen, an dem sie mit Moosröschen herumprobiert hatte, zur Seite. Sie hatte der Frau von Wilhelm Krüsel auch den Standes- amtshut und all die andern Frauenhütchen garniert, und sie würde ihr auch demnächst die Kinderhütchen aufstecken müssen, vielleicht mit blauen Bändchen oder auch mit rosa— je nachdem, ob bei Wilhelm Krüsel ein Bub oder eine Deern im appetitlichen Wiegenkörbchen lag. Die Sippe Beermann-Küsel war eine uran- gesessene, vielgliedrige Kundschaft von Madame Leman, die das große Putzgeschäft in Haidehogen hat. Und Hete Müllner aß Madame Lemans Brot. Hete Müllner war eigentlich so ein Nesthaken gewesen, dem man jeden Bissen an den Schnabel bringt, und der nicht daran denkt, daß er eines Nachts ohne Mutters Flügelschutz warm werden muß. Sie war das einzige Kind— und die Mutter war eine Witwe. Aber die Mutter, die eine kleine Penston, vormittags einen Kindergarten und nachmittgas ein paar Handarbeitsschülerinnen gehabt hatte, starb eines Nachts wie von ungefähr—, und das Mädel schrie sich halb tot in seiner Angst, ohne Mutter auf der Welt zu sein. Ein paar Wochen hatte Hete keinen andern Weg, als den zum Kirchhof, und keine andere Sehnsucht, als die, wie ein treuer Hund auf einem Grab zu sterben. Als aber die paar hundert Mark für das erste hilflose Allein» sein von der Sparkasse geholt werden mußten, kam das.Sich-aufS- Leben-bestnnen" und wies mit seinem Wegweiserarm in die große Masse der Tagelöhner des Lebens. Und weil fie ein wenig Putz machen konnte und die richtigen schnellen weißen Finger dazu hatte, ging fie ins Geschäft zu Ma» dame Jeanne Leman. Nun sehnte sie sich nach jemand, bei dem ihr einsames Angst» leben zur Ruhe gekommen wäre,— nach einem, der fie gebeten hätte, m seinen vier Wänden zu hocken, und die vier Wände nach Fraucnart zu putzen. Als sie aber merkte, daß so etwaS ein alberner Wunsch ser. hoffte sie, es möchte einer kommen, der dieS oder das aus ihrem Leben machte, wenn es nur nicht so ohne Liebhaben bliebe. Eine Schönheit war sie ja nicht, aber es war etwas Gehütetes, etwas Feines, Reines an ihr. Ihr Haar war hell und locker wie Maricnhaar, weil die Mutter es gepflegt und gewaschen hatte, und ihre Augen waren jungfräulich. Einige der andern aus der Arbeiisstube der Madame Leman hatten den Blick der Berührten und manchmal, in der Montagsfrühe zumeist, auch einen Zug, der an saloppe Kleider denken ließ, die man durch Dick und Dünn gezerrt. Hete saß unter ihnen, ein wenig steif und tugendsicher zuerst. ein wenig neugierig erst und eines Tages neidisch? Und da war eine, die war stärker, auS Hetes Ton. aus guter Familie. Die hatte«in nervöses Luftschiffernäschen, Lippen mit dem Amorschwung und Farben wie das liebe Leben einer Dresdner Vogelwiese. Und Sontag um Sonntag ging fie zum Tanz nach Liebemühle, wo auch die Söhne der Haidehegcner Vornehmen tanzten. Die brachte es der Hete auch bei, daß man das Leben im Schnellwalzer nehmen muß— da tanzte Hete eines Sonntags auch— billige Valencienncs an einem koketten Unterrock und in einem dünnen Foulardfähnchen, um daS fie eine ganze Zeit von schlecht riechenden Schmalzstullen lebte— fie. die Hete Müllner aus dem Hause, das einen kräftigen Mittagstisch gehabt hatte, die Hete, für die nur die teuren Trinkeier früher gekauft wurden. Als dann die Freundschaft zwischen der Trude Kleeberg und der Hete Müllner so eng wurde, daß mein und dein die Grenzen verwischten, krochen sie zusammen in einer Stube, bei den alten, fckrön erhaltenen Möbeln, die zu Frau Müllners Zeiten für die Staub- und Flicgentage ihre Schutzdccken gehabt hatten. Aber die Schonzeit war vorüber— für die Hete auch— die stand nun auch frei für Sonne und dicken Landstratzenstaub und verblaßte.., Madame Jeanne Leman war einmal eine Hanne Lehmann und Lausmädel gewesen in ihrer Berliner Vorvergangenheit. Sie hatte ihre eigene kleine Weltgeschichte erlebt und war in Haide- hegen eine anständige, gutgeachtete Frau. Die ließ eines Abends nach Feierabend Hete Müllner in ihr Privatzimmer kommen und sah sie sich von oben bis unten an. .Des Menschen Wille ist sein Himmelreich", sagte sie als ab- schließendes Wort zu ihrer unheimlichen Revue, und das Mädchen fuhr mit den unruhigen Blicken von einer Stubcnecke in die andere und wartete auf die Kündigung zum ersten des kommenden Mo- nats und dachte dabei, daß fie in Liebemühle, wo fie ins Unglück gegangen war, auch ins Wasser gehen würde. „Ich frage nicht, und Sie brauchen mir auch gar nichts zu sagen. Ich weiß schon—— ixt Klceberg habe ich gekündigt— werde doch nicht den Ruf meines altes Geschäfts aufs Spiel setzen, um--" Und nun kam eS— und Hete Müllner wünschte, daß es erst sei, damit sie noch vor Abend nach Liebesmühle gehen könne, wo es nachts so graulich ist, selbst wenn man zärtlich zu zweien geht. Aber Madame Leman rückte dem Mädchen einen Sessel hin und sagte mit einer anderen Stimme: „Sie können bleiben, Sie Mutlerlose, und ich werde Ihnen helfen, daß Sie Wer den Berg kommen. Aber Sie sollen mir nichts sagen von--- von dem Mann. Es wird ein Haide- hegener sein, der in seine Sippe heiratet. Und Sie sollen ihm zeigen, daß Sie sich nicht unterkriegen lassen. Keinen roten Dreier sollen Sie von dem Kerl nehmen. Verstanden? Sie haben's nicht nötig, Sie mit den Fingern und den Augen! So— — und wenn Sie mögen, können Sie die Hinterstube bei mir kriegen— aber-- erst reinen Tisch gemacht." Der machte sich von selbst bald rein in ihrer Lage— und Wilhelm Krüsel, der flotte junge Zimmermeister, dem's überall glückte, haratete eine Halbverwandte. Eine gute Wegstunde aber von Haidehegen lief ein flachs- blondes Dirnchen seine ersten Schuhe auf der Dorfstraße entzwei. Für das Dirnchen war der weiße Hut. der warten mußte, bis der schwarze für die Frau Krüsel fertig war. Und der Frau Zimmermeister Krüsel gefiel der Hut so— grau in schwarz und schwarz in grau—, ganz reservierte, selbst- verständliche Wohlhabenheit. Sic hatte ihn sich gleich aus der Arbeitsstube geholt, weil die alte Leman nicht im Laden war. Da hatte sie den Kinderhut gesehen und ihn hin und her gedreht. „Wirklich niedlich, Fräulein, und dabei so billiges Material! Wohl für das Kleine von'nem Lehrer oder sonst'nem kleinen Beamten?" „Nein!" Es wäre ihr fast über die herben Lippen gefahren, daß ihr Hütchen auch in die Sippe Krüsel-Beermann gehörte. Aber die junge lustige Frau war schon bei einem andern Thema. Sie hatte die ganze Verwandschaft beute abend im Garten bei Lampions zur ersten Pfingstbowle im Ehestand. Und jedem Jungen hatte sie Waldmeister abgekauft, aus reinem llebcrmut, und ihr Mann hatte die Bowle viel zu früh angesetzt aus lauter Ungeduld und Glück. Sonst verstand er sich auf Bowlen! Aber diesmal be- kam sie nicht viel ab von der Maibowle— diesmal nicht! Und wenn der Schützenzapfenstreich vor der Tür des Schützenkönigs einsetzte, kam das Hoch auf-- und sie lachte und drehte wieder den Kinderbut hin und her. Da nahm Hete Müllner ihr das billige Ding aus der Hand, fast grob, und deckte seine bescheidene Schönheit mit weißem Seiden- Papier zu. Als sie dann gleich darauf die Frau zur Tür be- gleitete und sah, wie die hübsch war in Unerfahrenheit und Glück und daran dachte, wie verzerrt und nervös sie damals gewesen war, blieb ihr der stereotype Gruß im Halse stecken. Es war ibr auch, als hänge sich eine groß« Ürenzspinne just in den Winkeln ihre? Herzens, der hell war vcm Glück über ihr schönes Kind. Und sie ging in die Hinterstube und drückte sich in die Fenster- ecke und hockte wie vorher mit müdem Rücken und müden Augen- lidern über ihrem Arbeitsrest und wartete aus den Tusch aus dem«Krummen Steig", wo das Fest beim Schützenkönig anhebt. Ihre ganze Grausamkeit würde sie gegen den Tusch schmettern. und bielleicht erhörte sie Gott, zu dem sie trotz allem noch Sonntag um Sonntag ging, und Wilhelm Krüsels Kind wurde ein.Krüppel, oder es war ein Totgeborenes, bei dessen Anblick sich das Gesicht der Frau verzerren würde, wie es das ihre einmal tat, daß es nie wieder seine alten Glückslinien fand. Oder--- wie sie doch hübsch war, die Frau--- wenn--- Man würde bei ihnen im Geschäft die Trauerhüte und den Leichenpntz bestellen, und durch ihre Hände würde der Schleier gehen, der bei der lustigen Hochzeit die verlogenen Glücksrissc bekam. Ja —— das! Wilhelm Krüsels Frau totl Und sein Kind ohne Mutter, die seine Schönheit putzt und pflegt und dannv wenn es groß ist, ein Auge darauf hat. wer mit ihm tanzt. Denn es würde ein Mädchen sein— und Wilhelm Krüsel würde Hete Müllners Schicksal an ihm erleben I Und dann lackte das Mädchen auf in einem trocknen Hohn. Im Putzgeschäft wird man phantastisch! Es wird bei Wilhelm Krüsel alle? glatt und gut und normal gehen, und wenn sie bei Madame Leman im Geschäft blieb, würde sie seinem Mädel hübsche teure Hüte garnieren. Und ihr Mädel? Sckön sollt es werden— wunderschön durch verzehnfachte Liebe. Und Hete Müllner reckte ibren müden, mürben Körvev, und über ihre vcrbärmtcn Lippen kam ein feiner, froher Ton— sie wußte auch nichts mehr von der Spinne in ibrcr kleinen Frcudenecke. Die dustigsten Kleider sollt ih? Mädel tragen Jahr um Jahr im Äinderzug zur Sckützcnwicse. Und ein Kränze! aus Acvsel- bluten oder so etwas über die Maßen Zartes, das keiner anrühren darf. Und einer aus der Sippe Krüsel-Beermann wird den Vogel abschießen und sie sich als seine Königin zum Kindcrtanz auf die Pfingstwiese holen, wo man seine Pfingstgroschen um eine Eintags- frcude verwürfelt. „Aber anrühren soll ihr.Kränze! keiner!" Dal Und sie riß das Fenster aus! Die Straßen zitterten sckon vom 5kLnigstusch, und die Leute liefen dem»Krummen Steig" zu. wo die angesessenen Ha idehegen er noch ihre altmodischen. hundertwinkligen Häuser haben, die ein Spruch segnet, und wo ein bröckelnder abgedankter Heiliger im immer kühlen Fliesenflur steht, über den im Sommer, wenn die Tür zum Hof offen steht, ein grünes Schimmern läuft. Denn d-z hinten in vornehmer HciliAeit hüten sie ihre tiefen Gärten mit den vielen glitzernden Glaskugeln und den JahrhundertSbämnen und den Blumen, die von einer Mode in die andere kommen. Und eine alte Lcbensauf- fassung lagert hier, wie alte Jahrgänge in einem vornehmen Wein- keller. Und von hier flog der Schützentusch über die kleine Stadt und brachte sie auf die flinken frohen Füße. Aber Hete Müllner blieb am Arbeitsplatz, hatte das weiße Hüt- chen mit den Moosrosen in der Hand und sagte halb in Angst mit einem leisen Drohen: »Aber das Kränze! sollt ihr nicht anrühren l"- Suter unä scklecbter Gelekmack. Ja, wenn sich das eine wie das andere mit wenigen Worten deutlich sagen ließe; wie leicht wäre es dann, das Schlechte zu meiden und das Gute zu ergreifen. Aber nun ist es leider so, daß gerade in den Fragen des Geschmackes Anarchie und Despotismus dicht nebeneinander wohnen und daß sich nur selten beweisen läßr. warum cllvas wirklich geschmacklos ist. Wenn zum Exempel irgend ein Kloster annonciert: Käse von pnnsizierten Händen reuiger Mädchen bereitet und mit Gebet- und Messebons ausgestattet— so ist das sicherlich geschmacklos: aber es gehört solcherlei nicht zu dem, was wir eigentlich meinen. Wir meinen gut oder schlecht von der Form, von dem optischen Ausdruck, von den Verhältnissen der Linien und Farben, vom Rhythmus: wir meinen zugleich gut und schlecht, was die Qualität, das Material, die Technik, die Nutzbarkeit, angebt. Und da eben fragt es sich: gibt es Gesetze. Oder ist es so, wie Anatole France sagt: Alle Aesthetik ist ein Luftschloß. Sagen wir getrost, daß es solche Gesetze gibt; sie find sozusagen in der menschlichen Natur begründet, so etwas wie kategorische Imperative. Es wird niemand Pasewalker Bitterbier für besser achten als Münchner Hof- bräu; niemand wird Zelluloid höher schätzen als Elfenbein: und es wird auch niemand, der auch nur etwas davon versieht, übersehen, daß, trotz aller Achnlichkeit, Rubens sehr viel besser ist als JordaenS. Es ist schon richtig, daß es so etwas wie absolute Maßstäbe für die Qualität gibt. Und es war auch gut und nötig, daß sich im Laufe der letzten zehn Jahre Leute fanden, die dem Publikum predigten, was guter und was schlechter Geschmack sei. Wenn dabei auch manche Torheit unterlief, wenn Snobs eine Aesthetik der Krawatte jonglierten und Pedanten sich bis zu der Kunst im Leben der Leiche verstiegen, so war doch im allgemeinen die Propaganda des guten Geschmacks ge- sund und nüchiern. Eines ihrer wichtigsten Lehrmittel war daS System von Beispiel und Gegenbeispiel. Man zeigte den Leuten ein schönes Bauernhaus der Vergangenheit und daneben einen jener roh gemauerten, mit scheußlicher Pappe eingedeckten Kästen, wie man sie jetzt macht: das wirkte. Oder man zeigte ein Monstrum von Muschclmöbel neben einer Arbeit von Bruno Paul; das überzeugte. Gewiß, dies Verfahren hat etwa? Grobes, hat etwa? von einer Kapuzinade; aber eS ist probat. In Stuttgart bat man danach sogar ein Museum ein- gerichtet, wenigstens einen Teil des Houies. Und jetzt hat der Direktor dieser Stuttgarter Schreckenskammer die Fülle seines Materials zu einem umfangreichen Buch geordnet: Guter und schlechter Geschniack im Ku n st ge werbe. Von Gustav E. P a z a u r e k. lDeutsche VerlagSanstalt, Stuttgart.) ES ist ganz amüiant, in diesem leider etwas dick geratenen Buch zu blättern. Da leien wir zunächst mancherlei über wunderliche Matenale. Was haben die Menschen doch schon alles benutzt, um daraus nach ihrer Meinung ein Kunstwerk zu machen. AuS Schädeln und Mcnichenknochen hat man in Grufikapellen ganze Wände mit Ornamenten bedeckt, hat aus entrenkten Schenkeln Kronleuchter ge» baut, hat aus Schulterblättern Wappenschilder gefügt. Die zärt« lichsten Dinge flocht man aus Menschenhaar, Blümchen und Gratulationskarten, auch Uhrketten zur Erinncrung an diesen oder jenen. sUnd hielt die Indianer und Skalpjäger für Barbaren.) Auch die Haut des Menschen blieb nicht ungenutzt; raffinierte Bibliophilen ließen sich kostbare Bücher in Meiischenfell binden. Gegen solcherlei sind Möbel aus Hirschgeweih beiiiahe etwas Harmloses. Hingegen scheint es sckon wieder bedenklicher, wenn Damen lebende Scklnngen als glitzerndes Halsband unilegen oder wenn sie brasilianische, an goldene Ketten gefesselte Leuchikäfer im Haar nisten lasten. Merkwürdig ist auch oft genug das, waS die Kochkünstler und Zuckerbäcker fabrizieren. Trinmpybögcn aus Kuchen oder Schweineschmalz, die Lorelcy aus Käse und Butler, das ist gar nickts Seltenes. Und was kami man alles auS Marzipan und Schokolad« machen. Kieselsteine, Rosen, Tamcnhüte, Heringe und Zwiebeln. Auf Schinken aber läßt sich das Bild Bismarcks aus- schneiden und mit Zucker ausgießen. Zu einer anderen Gattung des Matcrialniißbrailches gehören dann wieder die sogenannten „Pimpeleien". Da baut sich jemand ein Haus aus zehntausend Bierflaschen oder patriotische Engländerinnen nähen aus Stoffresten von den Kakiröckeu der Burenkämpfer Sofakiffen. Eine pietätvolle 4uü- Tante läßt bis Evs:lingSsK«he deS Neffen galvanisieren, und fjpüere Töchter kleben aus Zigarrenbauchbinden das Stinibol des preußischen Adlers, So etwas heißt man„Freistundenkunst". Ihr opfern auch die Pastorenfrauen, wenn sie, wie Mchrink so niedlich sagt, in ihren Kränzchen den Ring um den Saturn häkeln. Etwas anderes sind dann wieder die funktionellen Lägen. Zum Beispiel: da steht ein Schrank, ausgerüstet mit Säulen. Oeffnet man die Türen, so drehen sich die tragenden Architekturtcile lustig heraus, ohne daß eS einen Einsturz gibt. Und dann die Konstruktions- attrappen: Dackel als Hutbürsten. Neger als Likörflaschen. Damen vis Bierkrüge. Im Stuttgarter Museum steht sogar ein Ofen, der »tue eine richtige Ritterrüstung aussieht und daneben ein anderer in der Gestalt einer leibhaftigen VenuS, die keusch errötet, wenn das Feuer sthr in die Seele schlägt. Was bedeutet neben solchen Meister- stücken der Zeppclinballon als Bclcucbtungskörpcr. Es mag der Proben aus dieser Sammlung des geschmacklichen Blödsinns genug sein. Nur eins sei noch verzeichnet, nämlich das Mittel, das Thomas Theodor Heine empfahl, um alles Geschmack- lose geschmackvoll zu machen. Pazaurek hat e? registriert, eS lautet also:„Jeder Gegenstand, der den Schönheitssinn der deutschen Frau oder Jungfrau verletzen könnte, läßt sich durch Bepinselung mit flüssiger Goldbronze alsbald in eine wahre Augenweide ver- »vandeln, loährend Gegenstände, die schon an sich schön sind, durch die Bronzierung geradezu niedlich werden." Ii. Lr. kleines feiriUewu. Volkskunde. Bon, Pfingstochsen.„Aufgedonnert wic'n Psingstochse" ist eine landläufige Redensart, mir der man die ganz bestinante Vor- stellung eines übertrieben und geschinackloS geputzten Menschen ver- bindet. Die Volkskunde aber wird durch diesen drastischen Satz auf mancherlei Probleme geführt, die den Helden dieser Redensart, den vielgenannten Pfingstochsen, zum Mittelpunkt haben. DaS Pfingstfest hat ja von jeher im Hirtenleben eine große Rolle gespielt, denn um diese Zeit wurde das Vieh wieder aus die Weide getrieben. Zum Pfingstfest wird daher daS Vieh bekränzt oder auch nnt Schellen geschmückt; die Pferde und Kühe, die am Pfingstmorgen auf die Weide getrieben werden, er- halten die sogenannte„Tauschleife", einen Maienbuich an dem Schweif. Auch die Hammel werden vielfach mit Blumen aufgeputzt; für einzelne Orte des Kreises Harburg wie des Kreises Minden ist die Pfingstsitte bezeugt, daß die beste, am meisten Milch gebende Kuh durch einen Kranz ausgezeichnet wird. Ein festlicher Umzug der geschmückten Tiere schließt sich an; bei den Pfiugst- lustbarkeiten der Hirten werden sogar auf freiem Felde Wettkäms�e von Bullen veranstaltet. Unter all den Tieren der Herden hat nun aber der Ochse seine bedeutende Stellung im Psingstbrauch erhalten. Namentlich im Braunschweigi- schen und im Mecklenburgischen häuft man auf den würdigen Wiederkäuer die höchsten Ehren. Die Metzger führen bereits mehrere Tage vor dem Fest den fettesten Dorfochsen im bunten Aufputz, an den vergoldete!» Hörnern mit Blunienkränzen, Tüchern und Bändern geschmückt, durch die Straßen, und von allen Seiten eilt man herbei, um das Festster zu bewundern und durch allerlei Tand, den»nan ihm anhängt, seine Toilette noch zu vervollständigen. Wieso der Ochse gerade zu solcher Auszeichnung kommt, haben die beiden Folkloristen A. Kuhn und W. Scdwartz tn ihrer großen Sammlung norddeutscher Sagen, Märchen und Gebräuche auS altmythologischen Vorstellungen erklärt. Zweifel- los geht ja das Herumführen der geschmückten Tiere auf Opfer zurück, die in der heidnischen Zeit zur Feier dcö Frühlingsfestes dargebracht wurden. Das läßt sich aus heute noch vorhandenen Sprüchen zum Beispiel auch für den Hammel nachweisen, der als„PingSbötel" in manchen Gegenden im Psingstbrauch eine große Rolle spielt. Der feierliche Umzug und die Schmückung des Ochsen soll nun mit dem germanischen Wotankultus in Verbindung stehen, denn Wotan, der Gott der Ernte, war auch zugleich Gott de? Ackerbaus und der Vieh« zucht und ihm wurden vorzugsweise Rinderopfer geschlachtet. Der Ochse, der hauptsächlich in den Fastnacht- und Psingstbräuchen auftritt, war also ein dein Wotan heiliges Tier. Wenn aber heute der Pfingst- ochse zum Symbol menschlicher Eitelkeiten und Untugenden geworden ist, so hat auch fiir diese Bedeutung der Volksbrauch bereits vor- gearbeitet. In einigen Gegenden, so im südlichen Lüneburg im Kreise Gifhorn, sind'es die zu spät am Pfingstmorgen ausgelassenen Kühe, die mit Laub bekränzt werden.„DaS ist dann ein wahres Gaudium für die jungen Burschen. Die Mädchen, die ain Morgen nicht mit dem Melken fertig waren, als der Hirt blies, müssen alle Sticheleien tlber sich ergehen lassen. Durch das Bekränzen ihrer Kühe sind sie al» Langschläferinncn im ganzen Dorf bekannt geworden." Ebenso wird vielfach der Hirte, der bei dem allgemeinen WettauStreiben des Viehs am Pfingstsonntag als letzter aus den Federn steigt, nicht nur„Pfingstliimmel",„PfingstfuchS" oder„Pfingstesel", sondern auch »Pfingstochse" genannt. So haftete dem Namen des in der Vergangenheil geehrten Wotan-TiereS bereits ein leiser beleidigender Beigeschmack an und die Fülle der bunten Zierrate, die dem Ochsen beim festlichen Umgang angehäugt wurden, legte den drastischen Vergleich sehr nahe. Schach* Unter Leitung von S. Alapin. ab oüokßsd Weiß zieht und gewinnt. Lösung. In dieser zwischen Alapin und Rubi»stein im V i st y a n e r Turnier vorgekommenen Stellung konnte Weiß mit 1. Kd4 den Bauer mit wahrscheinlicher Gewinnstellung behaupten. (In Wirklichkeit geschah 28. DaSZ mit Remisschluß, weil Weiß solgendernrahen rechnete.) 1...... SbSf?(Sc6I) 2. Kc4, SXLt: 3. KXT, SXT; 4. c«, Ke7(5. Kb6?, SXe3; 6. c7, Sdöf, 7. SXo7 zc. Jedoch Weiß gewann doch in dieser Variante.) Nämlich 5. KaSI, Kd8; 6. Kb7 nebst c6— c7t— c8D. Ein lehrreicher Rechenfehler. S ch a ch n a ch r i ch t e n. In der Mitgliederversammlung des Berliner Vereins wurde der Anschluß an den neu gegründeten Arbeiter« Schachbund debattiert. Viele Redner bezeichneten den Passus der Satzungen, der da lautet:„Von der Ausiiahme sind ausgeschlossen Personen und Vereine, welche Gegner der Ziele und Bestrebungen der modernen Arbeiter» bewegung sind", als„Kautschukparagraphen". Man möchte den politiichen Gegensatz zu anderen Schachbünden viel schärfer in den Satzungen ausgedrückt sehen. Der Anschluß wurde jedoch genehmigt, nachdem der Bundesvorsitzende R. Oehlschläger erklärt hatte, die obligatorisch gciverkschaftlich und parteipolitisch organisierte Vorstand« sckaft würde dafür sorgen, daß nicht der„Kautschuk", sondern der Paragraph zur Anwendung käme. DaS internationale Meiftcrturnier zn P i st h a n(Ungarn) hat am 20. Mai begonnen. Die Beteiligung ist auS folgendem Stand nach den ersten fünf Runden ersichtlich: Rubinstein 4; Marshall 3'/,; Glapin, Breyer, DuraS, Hromadka, Schlechter, Spielmann, Teich- mann, Dates je 3; Balla, Lowtzki je 2'/,; Cohn, Sterk je 2; BaraSz, Salve je 1'/,: Leonhard 1; Johner V». Nachstehend Partien au» dem Turnier: Muziogambit. R. Spielmann. P. Leonhard. i. 04, e5; 2. fl, ef4; 3. Sf3, eS; 4. I,c4(h4I), 4..... g4(Lg? I), 5. 0-0. 6...... d7— d5 5...... gf3; 6. DXf3, vktz; 7. e5, DXeS! 8. d3, Lh6; 9. Sc3, Se7; 10. Ld2, Sbc6; Ii. Tael, Df6; 12. Sd5, Kd8; 13. De2 1 zu- §u»sten von Weiß; z. B. 13...... IXS: 14. LX8, DXI-i 15. Lc3 nebst event. Lief. 6. Lc4Xd5..... Auch oXd5 ist sehr stark. 7. OdlXkS 8. vk3Xtt S. Sbl— c3 10. d2— d3 Bei 10. R4Xß Sg8— f6 Lf8-e7 o7— c8 Lc8— e6 oXdS; ll. SXdß, SXS; 12.Dxnt, Kd7; 13. DX8+. Ke8 2c. muß Weiß Remis durch ewiges Schach halten. 11. Ld5— b3 12. o4— e5 13. So3Xd5 14.<:2—a4 15. d3— d4 Der Berlustzng. Sb8-a6 Sf6— d5 Le6Xd6 Ld5— e8 Th8— g8? Mit 15.,.. Sc7 nebst ed. Dd7 und 0—0—0 tonnte Schwarz den Angriff abschlagen. 16. d4— d5! c6Xd5 17. Lb3— a4t Ke8— f8 18. Df4— höf Tg8— g7 19. Dh6Xe6 Sa6— o5 20. De6-h3 Sc6Xa4 21. Lei— h0 d5Xc4 22. Lh6Xg7t KfSXg? 23. Dh3~g4t Kg7— h8 24. TflXf7 Dd8— böf 25. Kgl— hl Ta8— g8 26. Dg4— 15 Tg8— g7 27. Tf7Xe7 I Sa4Xb2 27.... TXT; 28. 1)184-. 28.«>5—eS Db6— d8 29. Te7Xg7 Kh8Xg7 30. Df5— Hf Ausgegeben. Hier noch eine scharf gespielte Partte. Damengambit. Lowtzki— Marshall. 1. d4. 65; 2. c4, 08; 3. Sc3, 816; 4. Lg». Le7; 5. e3. Sbd7; 6. 813, 0-0; 7. Tel, a6; 8. Se5?(c6 1) 8.... SXS; 9. de5, 867; 10. LXL?(besser L14) 10.... DXL; 11. cd5, SXeö; 12. 14?(Harakiri! Verhältnismäßig besser war ds6 nebst Lo2) 12.... Sg6; 13. Ld3, Td8 1; 14. LXS, hg6; 15. DI3, od6; 16. 8X65. TXSI; 17. DXT, DXeSf: 18. Kdl, Lglf; 19. Kc2, Lluf; 20. Kdl, DXI4; 21. Tc4, Dg5(droht sowohl Td8 al» Lglf) 22. Td4, c6; 23. D13, Te8; 24. g4?, Lo4 I; 25. I)o2(25. TXL, Ddöf) 25.... DeS; 26. DXL, DXD; 27. TXD, TXT; 28. h3, 15; 29. Kd2, K17; 30. Tgl. K16; 31. Tg3, TdSf; 32. Ko2, 14; 33. Tb3, b5; 34. h4, g5; 35. hb. Ke5; 36. Ta3, aö I Aufgegeben (wegen 37. TXa5. Ta4 mit Turmtausch)._ Lerantwortl. Redakteur: Albert Wachs, Berlin.— Druck u. Verlag: vorwärtSBuchdruckerelu.Verlagsansti:ltPautS»ngerchEo.,Berl»nL>V„