Unlerhaltungsblatt des Horwärts Nr. 109. Sonnabend, den 8. Juni. 1912 lvachdrus xervoken.! m Suitana. Ein arabisches Frauenschicksal von Emil Rasmussen. m Sein Kopf zeigte eine Mißbildung, wie man sie häufig bei Idioten findet.*) Der Hinterkopf verlängerte sich fast zylinderförmig um eine ganze Viertelelle nach rückwärts und war von einem langen schmutzigen Streifen. Zeug umwickelt. Wäre nicht ganz hinten das Haar zu sehen gewesen, so hätte man gedacht, eine Art Zylinderhut sei auf irgendeine geheim- irisvolle Art auf der zurüchveichenden tierischen Stirne angebracht. Die blauen, aufgeschwollenen Lippen des dicken Mundes standen halb offen. Die breite flachgedrückte Nase rann. Die Augen waren zwei stumpfe fahle Kugeln mit zerfließenden Farben und ohne Blick. Ein unbeschreiblicher Panzer von Schmutz und Lumpen bedeckte den Körper. Ursprünglich hatte man wohl dem Hei- ligen ein neues Hemd über das schmutzige gezogen, um ihn überhaupt in der Moschee unter Menschen zeigen zu können. Allmählich waren sie zu einer unappetitlichen Schichte ver- klebt und verfault, deren stinkende Masse man nicht mehr mit einem ganzen Kleidungsstück überziehen konnte, sondern mit reinen Leinenfetzen benähen- mußte, um sie zu bedecken. Dies Gehäuse von Schmutz gab dem heiligen Manne die bucklige Unförmigkeit einer verkrüppelten, verwahrlosten Mißgeburt. Vor ihm standen zwei blinde Musikanten und bliesen ihm Zhre Rohrflöten mitten ins Gesicht, während er mit seinen ausdruckslosen Fischaugen und seinem offenen Munde dasaß und ganz langsam den Kopf nach den Seiten drehte, wie eine Schildkröte, die sich umsieht. Er schien nicht aufzufassen, daß Fremde da seien, noch weniger, was sie wollten: nicht einmal eine Spur von animalischer Freude über das wärmende Feuer oder die zitternden Flötentöne war auf seinem Gesicht zu lesen. Die eine der Frauen trocknete ihm die Nase, wie man es einem Kinde tut. Darauf überließ man ihn eine Weile den Blinden. Abdallah opferte eigenhändig und unter Hersagen der ersten Koransure den feisten Widder, inMn er ihm die Kehle durchschnitt. Die Beduinen- enthäuteten ihn und nahmen die Ein- geWeide heraus. Dann schnitt Abdallah einen Braten heraus, der sogleich über die Glut gelegt wurde, um zu schmoren. Den, Rest nahmen die Frauen an sich als Opfer für Si Sadok und seine Zäuia. Als das Fleisch gebraten war, ließen alle sich um das Feuer nieder und speisten. Der gierig mit grunzenden Lauten essende Heilige wurde abwechselnd von beiden Frauen gefüttert: sie waren seine Ehe- frau-en und schienen ihn gut zu behandeln. Er dankte nicht, zeigte sich aber auch nicht ungeduldig. Es entschlüpfte ihm überhaupt kein menschliches Wort. Viel- leicht konnte er gar nicht sprechen. Als man aufhörte, Fleisch in ihn zu füllen, blieb er unbeweglich, mit offenem Munde und offenen Augen sitzen. Zuletzt bekam er Kaffee, und seine Augen belebten ffich.--- Da? Opfer war gebracht, und Sultana dachte, sie könnten nun mit gutem Gewissen und neuer Hoffnung zum Duar heimkehren-, um zu schlafen. Es fiel ihr nicht ein, daß die Zeremonie jetzt erst beginnen sollte. Von den beiden Frauen geführt, wälzte Si Sadok sich mit schweren Schritten in die Zäuia, wo man ihn in einen europäischen Lehnstuhl setzte— sicherlich ein Dankgeschenk für "s Um diese Schilderung zu glauben, muß der Leser wissen. daß viele mohammedanische Marobus(Heilige)— sie kommen im ganzen Islam am häufigsten in Tunis vor— Geisteskranke find. Die Araber sind im Ganzen geneigt. Geisteskranke als Heilige zu betrachten, von der Betrachtung ausgehend, daß, wenn Allah ihren Verstand zu sich genommen, dies ein Zeichen seiner besonderen Sehnsucht oder Liebe sei. Die hier gegebene Schilderung ist oas korrekte Porträt emes Marabu. Der Verfasser. irgendein Wunder—, der sich in dieser Umgebung höchst b'e- fremdlich ausnahm. Abdallah führte Sultana hinein und sagte ihr erst jetzb. daß sie hier allein mit dem Marabu übernachten solle. Ep würde sie am nächsten Morgen holen-. Sie neigte ohne Einwendung das Haupt, aber es durch» fuhr sie kalt. Abdallah und die Frauen wünschten Gutenacht und gingen. Sie hörte sie den Vorhof verlassen und die Pforte hinter sich absperren. Sie war allein mit dem heiligen Mann, in dem sie jetzt nur ein vernunftloses Ungeheuer sah. Gefährlich war er indessen wohl nicht, tröstete sie sich, da Abdallah sie mit ihm allein ließ. Sie legte sich auf einige Teppiche, die auf dem Fußboden für sie ausgebreitet waren, und sah sich um. Der weißgetünchte Raum war kreisrund und kuppel- förmig gewölbt. Vor der gen- Mekka gewendeten Betnische lag ein Marabu begraben. Dort stand hinter einem vier- eckigen- Eisengitter ein mit roten Blumenornamenten ge- schmücktet Sarg. In den kleineren Nischen an der Mauer waren starke, mit grünen und roten Farben- dekorierte Wachs» lichter aufgestellt, die Abdallah, wie sie wußte, aus Gaffa mit- gebracht hatte. An die Mauer gelehnt, standen zwei Seidenfahnen mit Stickereien. Das war alles. Si Sadok saß und glotzte vor sichchin, beständig den Kopf ganz langsam hin und herbewegend, wie von einem inwcn- digen Uhrwerk reguliert. Sultana sah er nicht an und schien ihre Anwesenheit nicht zu ahnen-. Dennoch fühlte sie, wie sie leise über den ganzen Körper zu zittern begann. Ein kalter Schweiß drang aus allen ihren Poren, und sie mußte die Hände fest an das Kinn pressen, um nicht mit den Zähnen zu klappern. Unten vom Duar hörte sie die heulenden Wachthunde: schwiegen sie aber einen- Augenblick, so lag die Lautlosigkeit über ihr wie ein Berg. Es roch übel von der schweinischen Bekleidung des Hei- ligen. Da drinnen in den ältesten Schichten krochen wohl Würmer und wärmten sich an diesem unflätigen Körper, der dreißig Jahre lang kein Wasser gesehen. Sie fand es seltsam, daß ein Mann, der solcherart das Reinlichkeitsgebot des Korans brach, heilig werden- konnte: aber ein besonderer Freund Allahs durfte sich wohl mehr er- lauben als andere Gläubige. Allmählich mochte sie sich mit den Umgebungen vertraut! und nickte sogar ein. Sie erwachte sofort wieder mit dem Gefühl, daß der Ma- rabu sie anstarre. Es erwies sich jedoch nur als ein Ausfluß ihrer nervösen Unruhe. Er saß nach wie vor ruhig da, ganz wach, seinen unförmlichen Kopf hin und her wiegend. Wieder schlummerte sie ein, schläfrig von der ungewohnten Bewegung in freier Luft. Als sie wiederum die Augen aufschlug, war es nicht ohne Grund. Das Ungeheuer mußte sie endlich erspäht haben. ES war aus seinem Lehnstuhl hervorgekrochen, stand über ihr Lager gebeugt und starrte sie unter kleinen unheil» verkünd-en-den Grunzlauten unverwandt an. � Sultana richtete sich augenblicklich auf wie eine Schlange. die sich zur Verteidigung bereit macht. Das unheimliche Wesen focht mit setnen unbehilflichen- Armen nach ihr und stellte sich ihr in den Weg.. Da vergaß sie all seine Göttlichkeit und streckte ihn mit einem Schlag ins Gesicht zu Boden, wo er umherrollte, zornig und hilflos grunzend, außerstande auszustehen. Sultana lief in den Vorhof hinaus, wo das Feuer noch glimmte. Die Pforte war versperrt. Sie kletterte über die Mauer und lief in das Dunkel hinaus, dem Hundegekläff folgen-d...... Sie wagte sich aus Furcht vor den Hunden nicht ly die Nähe der Zelte, sondern irrte bis Morgengrauen draußen um- her, um sich warm zu lmlten..-.-** Da sah sie Abdallah im Sturmschritt aus der Zäu«0 kommm. wo et sie vergebens gesucht hatte. Er war die ganze Nacht umhergewandert, während die beiden Frauen in einem kleinen Wohnräume hinter der Zäuia schliefen. Drohend fragte er sie, was st? denn mit dem Marabu ge- ?an habe. Sultana wußte, daß Si Sadok selbst nicht imstande war, sie anzuklagen.„Als ich bei Tagesgrauen ausstand," sagte sie unschuldig,„saß er ruhig in seinem Stuhle und schlief. Ich schlich mich fort, um ihn nicht zu wecken." „Ich hatte Dir gesagt, Du solltest bleiben, bis ich käme. Nun sind die Beduinen wach und sehen uns. Ich will nicht den ganzen Duav zum Mitwisser haben, daß ich bei einem fremden Marabu Hilfe suche. Ich hatte die notwendigen Zeugen bezahlt, um ihr Schweigen zu erkaufen." „Ich war so bange, Sidi!" sagte sie demütig. Abdallah fuhr fort zu schelten, während sie dem Duar zu- 'gingen, wo alle Beduinen sie erstaunt ansahen. An demselben Tormittag ritten sie heim nach Gaffa. 22. Es kam eine Nacht, die Gaffa viele Jahre nicht vergaß. Abdallah weilte bei seinen Verwandten, den Hamama- Nomaden. Sultana war allein mit Mabruka, die das breite Alkovenbett mit ihr teilte. Gleich nach Mittag hatte es in Sturzströmen zu regnen begonnen, wie bei einem Tropenwolkenbruch. Es war keine Rede, daß das knisterdürre Haus solch un- erwarteten Wassermassen trotzen konnte. Das Wasser stand in Teichen auf dem flachen Dache bis hinauf an den Rand der niederen Brustwehr, und die Palmenstämme der Decken schwankten ganz bedrohlich unter dem Gewichte. Die arme Ziege war in der Küche untergebracht worden. Die Gazelle lag schaudernd und pfeifend neben Suitanas Bett. Durch alle Ritzen und Fugen sickerte das Wasser in die Zimmer hinab, wo alles Hausgerät, das hohl war und Wasser halten konnte, aufgestellt war, um die Nässe aufzufangen. Mitten in das breite Rauschen des Regens draußen im Hofe scholl dies taktfeste Tröpfeln und Plätschern drinnen wie eine stille, aber unverdrossene Mahnung, sich nicht allzu fest aus die Haltbarkeit des Daches zu verlassen. Sultana lag da und betete, daß Abdallah kommen möge. Sie war voll Unruhe. Seit jener vor fünf Wochen in der Zäuia verbrachten Nacht befand sie sich überhaupt nicht mehr so wohl wie früher. (Fortsetzung folgt.) McKt und Mnge. Ein Beitrag zur Kenntnis t>es Theaters. Von Erich Schlaikjer. In literarischen Kreisen kann man manchen Seufzer darüber hören, daß das Theater in der künstlerischen Oeffcntlichkeit einen so breiten Raum einnimmt. Lyrische Artisten und Höhenmenschen zitieren gern ein Wort Strindbergs, der das Theater ein Bilder- buch für die geistig Armen nannte. Das Theater ist ihnen nicht exklnsiv, nicht geistesaristokratisch genug, und sie belieben es zu verachten, da sie es nun doch einmal nicht beseitigen können. Wir haben nicht die Absicht, mit diesen Zeilen eine Bertcidi- gung des Theaters zu schreiben, das wir in bestimmten konkreten Erscheinungsformen an dieser und an anderen Stellen oft genug bekämpft haben. Ebensowenig freilich denken wir uns an der blitz- dummen Verachtung der artistischen Höhenmenschen zu beteiligen. Allein der Umstand,� daß so respektable Köpfe wie Aeschylos, Shake- speare, Lessing, Schiller, Goethe. Kleist. Hebbel, Anzengruber und Ibsen für das Theater geschrieben haben, will uns genügend er- scheinen, um die Verachtung den artistischen Trotteln als ein Spielzeug der Eitelkeit zu überlassen. Wir wollen in dieser Arbeit weder für noch gegen das Theater Stellung nehmen, um so mehr aber den Versuch zu machen, seine eminente Macht zu e r k l ä r e n. So sehr nämlich diese Macht gerade in unseren Tagen empfunden, beklagt und betont worden ist, so wenig ist uns in der ästhetischen Literatur eine Erklärung bekannt geworden, die den Dingen auf den Grund ginge. Man hat allerlei Aeußerlichkeiten herbeigeschleppt, die leicht wahrzunehmen waren, weil sie an der Oberfläche lagen, den tieferen Grund der Erscheinung aber hat man nicht einmal geahnt, ge- schweige denn begriffen. Sofern man diese Tatsache als peinlich empfinden sollte, kann vielleicht entschuldigend eingewendet werden, daß es überhaupt nicht die Sache der Aesthetik ist, dieses Problem � aufzuhellen. Es ist zum mindesten ein Grenz Problem und gehört meines Erachtens mehr dem Historiker und sozialen Forscher, «lS gerade dem Aesthetiker. Wer nur mit rein ästhetischen Waffen ausgerüstet ist, wird immer zu mehr oder weniger unfruchtbaren Deklamationen verurteilt sein. Es versteht sich von selbst, daß ein nicht geringer Teil der Bühnenmacht in der besonderen Art der dramatischen Kunst steckt, vor allem in der Alliance des Dichterworts mit der lebendigen Er» scheinung des Schauspielers. Im Zusammenhang dieser Arbeit aber darf sie uns nichts angehen, weil wir über eine ganz andere Quelle der Macht Klarheit verbreiten möchten., Die Theatcrmacht, die in der Schaubühne selber konzentriert ist, soll ausscheiden, damit wir uns um so besser mit der Macht befassen können, die im Zuschauerraum lieot. So sonderbar es nämlich klingen mag: der stärkste Teil der Theatermacht hängt nicht mit der Bühne, sondern mit dem Zuschauerraum zusammen. Um das zu begreifen, müssen wir einen Weg einschlagen, der viel- leicht scheinbar ein Umweg ist, in Wirklichkeit aber mitten in das Problem hineinführt., Denken wir uns irgendwo, meinetwegen auf dem Tempel» hofer Felde in Berlin, eine riesengroße Menschenmenge versammelt. Irgendwo in dieser Menschenmenge entstehen nun Unruhe und Angst. Nur die Nächststehenden wissen, um was es sich handelt, aber Unruhe und Angst verbreiten sich trotzdem wie der- möge einer unsichtbaren Leitung durch die ganze Versammlung. Handelt es sich um eine geringfügige Ursache, wird weiter nichts daraus entstehen, als daß die mehr entfernt Stehenden aufhorchen, den Kopf wenden, ftagend um sich blicken, mit einem Wort leicht beunruhigt werden. Handelt es sich aber um mehr, ist die Woge der Unruhe, die vom Herd der Unruhe ausgeht, sehr stark, kann die ganze riesenhafte Menschenmenge von einem grauenvollen Schrecken gepackt werden und sich blindlings in ihr eigenes Ver- derben stürzen, obwohl niemand von ihnen weiß, um was eS sich eigentlich handelt. Die Unruhe, die Furcht, die Angst, die Heiterkeitsausbrüche, die in einer großen Versammlung entstehen, teilen sich mit und pflanzensichfort. Was das bedeutet, soll um der größeren Klarheit willen an einem konkreten Beispiel erläutert werden. Wir wollen uns einen armen Kerl denken, der eine verwahr» loste Jugend gehabt hat, der durch Hunger, Elend und übermäßige Arbeit geistig zurückgeblieben ist. Ob es wohl nützen würde, einem solchen Mann ein gedrucktes Buch von den Leiden der Armut in die Hand zu geben? Es würde offenbar gar nichts nützen, absolut nichts, da er gar nicht imstande wäre, es zu lesen. Nun nehmen wir aber an, daß derselbe Mann in eine Ver» s a m m l u n g geht, in der von den Leiden der Armut geredet wird. Wir nehmen weiter an, daß ein guter Redner auf der Tribüne steht, der die Leidenschaften seiner Zuhörer zu erregen weiß. Wenn dann in der versammelten Menge Wut und Ingrimm ent- stehen, wenn die Herzen anfangen, vor Zorn und leidenschaftlicher Entrüstung zu beben, dann teilt sich die starke Stimmung der Menge auch dem geistig zurückgebliebenen Menschen mit, und selbst in seinen Geist fällt ein Strahl der Erkenntnis von der Rot, unter der er sein ganzes Leben lang gelitten hat. Wenn einen Menschen eine Moße Versammlung umgibt, ist er nicht mehr er selber. Die Stimmungen der ganzen Versammlung strömen in einer unsicht- baren Leitung durch seinen ganzen Körper und heben sein Gefühl und mitunter auch seinen Ver- st and auf eine Höhe, die beide aus sich selbst heraus niemals erreicht hätten. Wer diese Macht der Menschenmenge erkennen will, braucht nur an die Revolutionen zu denken. Der ein» z e l n e Arbeiter oder der einzelne Bürger hätten niemals den Mut gefunden, so in den Tod zu gehen, wie es in den Revolutionen geschieht. Wenn sie sich aber in einer wild bewegten Menge be- finden, dann können sie es plötzlich, dann hebt und trägt sie die Menge, und ihr Mut wird mit dem Mut der ganzen Menge multi- pliziert. Es ist diese unerhörte Macht der Menge, die von der burcaukratischen Verbohrtheit der Reaktion immer wieder über- sehen wird. Diese fast mystische Macht der Menge ist für die Demokratig eine ebenso erfreuliche, wie für die Reaktion peinliche Tatsache. Man braucht übrigens gar nicht zum großen Beispiel der Revolutionen greifen, man kann ruhig ein Beispiel aus dem All- tag wählen, wenn man die Macht der Menge erkennen will. Wenn irgendein Mensch auf der Straße eine brutale Handlung begeht, etwa ein kleines Mädchen mißhandelt, wird es schwerlich zu mehr als einem Wortwechsel oder einer polizeilichen Meldung kommen, wenn er sich nur einem einzelnen Zuschauer gegenüber befindet. Ist aber eine große Volksmenge Zeuge der Roheit, dann» setzt es Prügel, auch wenn jeder einzelne in der Menge durch- aus nicht zu Tätlichkeiten n»igt. Wir sprachen bisher von Vorgängen, bei denen die Macht der Menge die tapferen und heroischen Instinkte der Menschen multipliziert: es ist selbstverständlich, daß sie genau in derselben Weise auch die bestialischen Instinkte in schreckenerregender Weise zu entfesseln vermag. Die widerwärtigen Akte der amerika- nischen Lynchjustiz hätte nie ein einzelner fertig gebracht. Nur die zum Tier gewordene Menge vermochte es. Es kommt in jedem Fall darauf an, von welchen Tendenzen die Menge beherrscht wird. Eine banale Menge zwingt selbst dem vornehmsten und stärksten Geist etwas von ihrer eigenen Banalität auf, sosern er von ihr umgeben ist. Wir alle lassen uns im Zirkus Tlownspäße ge» Kllen, die uns in der Stille unseres Arbeitszimmers kein Schrift- ller bieten dürste. Die Menge multipliziert, aber sie multipliziert nicht nur die guten, sondern auch die rohen Instinkte. Was folgt daraus f irr das Theater? Das Theater ist mit der Mtenge verbündet, die Macht der Menge steht in seinem Dienst, und daraus resultiert in erster Linie seine ungeheure Macht. Man kann ruhig sagen, daß die Zuschauer, wenn sie von der Menge des Theaters umgeben sind, S h a k e- spearewirkungen an sich erfahren, deren sie als einzelne in der Abgeschiedenheit des Zimmers gar nicht fähig gewesen wären. Andererseits können sie aber auch so r o h und banal sein, wie sie es als einzelne n i e zu sein vermöchten. Nicht einmal ein roher Mensch würde einen verunglückten Schriftsteller so grausam verhöhnen können, wie es anständige Menschen ohne weiteres tun, sobald sie im Theater zur Menge geworden sind. Der blöde Possenkram, der unter Umständen im Theater das Publikum entzückt, würde von jedem einzelnen unbedingt abgelehnt werden usw. Wer diesen Gedankengang begriffen hat, wird nicht mehr die Macht des Theaters beseitigen wollen, weil es ihm bewußt sein muß, daß er damit auf Granit beißt. Ebensowenig wird er die Bühne verachten, weil sich die riesenhafte historische Macht der Menge überhaupt nur von einem Trottel verachten läßt. Er wird die Macht anerkennen und mit allen Kräften bemüht sein, sie in den Dienst des tragischen Ernstes und der vornehmen oder doch wenigstens harmlosen Heiterkeit zu stellen. Denn er weiß, daß es sich hier um nationale Werte von großem Rang handelt. Kaden und Schwimmen» Allerlei Merkregeln. Die Sonnenstrahlen, die im Winter nur ganz schräg unseren Teil der Erde streiften, nur oberflächlich mit demselben etwas zu tun hatten, fallen nun immer gerader und leuchten mehr denn je in die Winkel, wo Menschen hausen und die man Wohnungen nennt. Jetzt kommt die Zeit, wo wir uns hinausschnen aus der dumpfigen engen Bude. Hinaus, um durch die Felder, durch die Auer zu schweifen, frische Luft einzusaugen, frei zu atmen. Nun können wir wieder mit dem Ränzel auf dem Rücken ins Freie wandern, neue Kräfte sammeln und unser Blut durch Kicfernozon auffrischen. Wieder Htznnen wir unsere Glieder noch einem an- strengenden Marsche in einem Fluß oder See erfrischenr Daher ist es auch an der Zeit, aus die Gefahren, die ein solches Bad im reißenden Fluß oder im stillen, aber tiefen Waldsec mit sich bringt, hinzuweisen. Es sollen nicht immer Wagehalsigkeit, Uebcrmut oder Selbst- Überschätzung daran schuld sein, daß jedes Jahr beim Baden und Schwimmen viele ihren Tod finden. Es kommt auch auf die Bade- Verhältnisse an, die schuld an den vielen Unfällen des Sommers sind. Oft erscheint es fast unverständlich, wie ein durch seine Ge- wandtheit und Ausdauer bekannter Schwimmer plötzlich lautlos in die Tiefe versinkt und nichts mehr von sich sehen und hören läßt. Die meisten Unfälle im Wasser sind allerdings auf Fahrlässig- keit zurückzuführen. Eine alte Regel sägt, daß man nicht mit erhitztem Körper ins Wasser gehen darf. Trotzdem begehen sehr viele diesen Fehler, vielleicht weil sie meinen, daß ihr Körper genügend trainiert oder abgehärtet ist. Die Natur des Menschen läßt sich aber niemals zu Unnatürlichkeiten erziehen. Ost, aber nicht immer bleibt das Eintauchen des erhitzten Körpers ungestraft. Die Temperatur des Fluß- oder Seewassers bleibt selbst im wärmsten Sommer um mindestens 1b Grad hinter der durchschnittlichen Blutwärme zurück. Für einen erhitzten Körper ist die Differenz noch größer. Wenn also die verhältnismäßig kühle Flut unsere Haut umspült, ziehen sich die Blutgefäße zusammen und drängen das Blut nach den inneren Organen. Selbstverständlich wird die Herz- und Lungentätigkeit dadurch sehr erschwert und becinflußü Hinzu kommt noch, daß die kühle Temperatur auch nicht ohne Einfluß auf die Nerven bleibt. Wenn der Körper erhitzt ist, arbeitet das Herz schon ohnehin unruhig, und so ist eine Katastrophe leicht mög- lich Es kommen dann Ohnmachts- und Schwindelanfälle selbst bei Personen vor, die vorher nie so etwas kannten, und lautlos versinkt der Körper bei stockendem Atem in die Tiefe. Darum ist Vorficht am Platze. Man ziehe sich langsam aus und lasse den Körper gründlich abkühlen. Man kann ruhig so lange warten, bis dem Körper die Luft etwas unbehaglich kühl wird und die Lust zum Baden schwindet. Wenn man dann hineingeht und sich im Wasser tüchtig bewegt, ist das Behagen um so größer und jede Gefahr für Leben und Gesundheit ausgeschlossen. Eine zweite grobe Fahrlässigkeit ist es, mit vollem Magen große Strecken durchschwimmen zu wollen. In der Regel glaubt man. daß die üblen Folgen dieser Fahrlässigkeit nur Kopfschmerzen und Verdauungsbeschwerden, wie Aufstoßen aus dem Magen, sind. Tatsächlich kann aber auch der Tod die Folge sein. Beim Schwimmen haben die Atemmusleln doppelt soviel Arbeit zu leisten als in der Luft. Denn �uM Verdrängen des Wassers vom Körper muß sich der Brustkorb bei der Einatmung ausdehnen, und dazu gehört doppelt soviel Kraft als zum Verdrängen der atmo» sphärischen Luft. Ein voller Magen drückt gegen daS Zwerchfell und macht eine Ausdehnung des Brustkastens nach unten, die sag. Bauchatmung, fast unmöglich. Die Tätigkeit des ZweMÜÜ�die für die Atmung außerordentlich wichtig ist, wird vollstandkg'Win- gelegt und tieferes Atemholen unmöglich gemacht. Da beim Schwimmen tiefe Atemzüge jedoch unbedingt nötig sind, verlangt der Körper solche und strengt sich übermäßig ohne Erfolg an. Da-, durch werden die Nerven gereizt, Angst-, und Schwindelgefühl treten ein. Ohnmachtsanfälle und lautloses Untersinken können auch hiev die Folgen sein. Festgestellt ist, daß die Atmungsorgane im Wasser viel mehr angestrengt werden und daher beim Dauerschwimmen auch tadel- los funktionieren müssen. Viele wissen vielleicht auch aus Er» fahrung, daß man nach einer Anstrengung im Wasser. Schwimmen. Tauchen oder Springen, viel mehr erholungsbedürftig ist, speziell was die Atmung anlangt, als bei körperlichen Bewegungen dieser Art auf dem Lande. Gerade des richtigen Atemholens wegen können es viele gute Schwimmer nicht zu Dauerschwimmern bringen. Ein voller Magen kann einem Dauerschwimmer sehr ge- fährlich werden. Darum gehe man nie mit einein vollen Magen zum Schwimmen, sondern warte mindestens zwei Stunden oder begnüge sich mit einem bloßen Erfrischungsbad. Wenn jemand es zum Dauerschwimmer bringen will, so müssen erstens seine Atmungsorgane gut funktionieren, und zweitens darf er nicht mit vollem Magen oder hartem Leib ins Wasser gehen. Früher nahm man an, daß Leute, die ertrinken, an und für sich an Krämpfen, Schwindel- oder Ohnmachtsanfällen leiden. Es ist aber festgestellt, daß Unfälle den gesündesten Schwimmern passieren. Jedem Dauerschwimmer ist anzuraten, seine Tour nur mit Bootbegleitung oder so, daß ihm das Erreichen des Ufers leichll möglich ist, zu machen. Ein triftiger Grund hierzu ist noch die Willenscrmüdung. Jeder, der es schon unternommen hat. i/i» bis 1 Stunde zu schwimmen, wird wissen, daß 10 bis 15 Minuten nach dem Antritt einer Tour eine ziemlich empfindliche Körpcrschwäche einsetzt, die zu überwinden große Energie erfordert. Dazu ist jedoch ein zum Schwimmen einwandfreier Körper nötig und vor allem immer Vorsicht. Zur Vorsicht ist auch jedem zu raten, der das Wasser, in das er sich begibt, nicht genau kennt. Man vermeide es grundsätzlich. mit dem Grund des Wassers Fühlung zu nehmen, als habe man es mit einer Kunstbadeanstalt, wo der Grund ausgemauert ist, zu tun. Besonders gefährlich ist es, in Waldfeen Kopfsprllngc zu machen oder zu tauchen. Schlammiger Boden, Schlingpflanzen« Holzpsähle, überhaupt alle Unebenheiten, die ein natürliches Wasser aufweist, können leicht zu schweren Unfällen führen. Man beuge vor und führe Kunstsprünge nur in der dazu geschaffenen, Badeanstalt aus, oder tauche nur da, wo man die Bodenverhältnisse. genau kennt. Sprünge von großen Erhöhungen sind überhaupt ge-- fährlich und können leicht zu Ohrenkrankheiten führen,— also nichts übertreiben! Zum Hinausschwimmen ungeeignet sind fast alle Waldseen, Zum größten Teil sind sie sehr schlammig und dicht mit Schling- pflanzen bewachsen. Jeder Schwimmer, der einmal damit zu tun hatte, kennt die Gefahren, die der schlammige oder mit Schling- pflanzen bewachsene See mit sich bringt. Selbst die kühnsten und besten Schwimmer, die sich auch gegen Schlingpflanzen sicher fühlten, haben oft ihre Tollkühnheit mit dem Leben bezahlen müssen. Wenn jemand in Gefahr kommt, so überfällt selbst den energischsten Menschen Angst und Unruhe. Das Naturgesetz, das jedem Schwimmer, der sich ruhig verhält, zugute kommt, lautet: Der menschliche Körper ist etwas leichter als die von ihm vcr- drängte Waffcrmenge. Bei jeder Gefahr also vor allen Dingen, Ruhe, und nur das Gesicht aus dem Wasser gesteckt. Dies gilt für Schwimmer, die in Schlingpflanzen, und für Nichtschwimmer, die durch Unvorsichtigkeit in tiefere Stellen geraten sind.� Denn beide verschlechtern durch ängstliches Bewegen, wobei sie größtenteils die Hände Hochstrecken, ihre Lage. Ist man in Schlingpflanzen geraten und behält seine Ruhe, so werden sie auch nicht allzu gefährlich. Infolge unruhiger Bewegungen jedoch umschlingen sie Beine. Schenkel und zuletzt den Leib. Die Statistik weist nach, daß die meisten Unfälle, die sich all- jährlich im Sommer beim Schwimmen und Baden ereignen, aus Fahrlässigkeit zurückzuführen sind. Durch zweckmäßiges Verhalten vor und beim Baden können die meisten Unfälle vermieden werden. Das Schwimmen ist die schönste, den jtörper vollständig durch- arbeitende Leibesübung. Seine Pflege und Anleitung dazu, speziell! für die Jugend, ist eine der vornehmsten Kulturaufgaben. Die körperlichen und hygienischen Vorteile, die dem Freibad ent- sprießen, sind auch schon genügend nachgewiesen worden. Darum auf in die Freibäder, laßt Euch von Wasser. Luft und Sonne be- handeln und von allem, was Euch äußerlich und innerlich bedrückt. befreien! Wenn jemand, der an dem freien und munteren Leben im Freibad, wo beide Geschlechter gleichmäßig sich der Natur er- freuen, Anstoß nimmt, der möge sich den Sinnspruch der Bade» engel merken: Wir find frisch und urgesunb Und verzeih'n den Leuten, Wenn ein böser Lästermuntl mm ES will anders deuten.» 8» — 436— «Vi rsm Jid Kleines Feuilleton. SiNtmatograph tmb Schattenspiel. Der unaufhaltsame SiexeS izuff des Kinematographen dürste im Orient über kurz und lang die beliebteste Volksbelustigung. daS Schattenspiel völlig von der Bild- fläche verdrängen. Wer in Kairo bisher die Lust verspürte, die Eingeborenen in ihrem eigentlichen Elemente zu beobachten, der pflegte ein kleines Cafö in der Nähe des FischmarkteS aufzusuchen, in dem er, eingepfercht unter dem schlimmsten Gesindel der ägyptischen Mettopole, einem echten orientalischen Schattenspiele beiwohnen konnte. Die Bühne dieses primitiven Volkstheaters besteht aus einem straffgespannten, durchscheinenden weihen Stoff, an den »nit Hilfe von kurzen Stäbchen die Figuren gepreßt werden. Diese selbst werden aus getrockneter durchscheinender Haut, die auS Indien gekommen fein soll, hergestellt; sie sind bunt bemalt und gewöhnlich sehr sorgfältig ausgeschnitten. Wenn die Figuren von den ganz nahe an den Borhang herangerückten Oellampen grell beleuchtet werden, erscheinen sie dem Zuschauer, der davor sitzt, in den natürlichen Farben. Da in dem finsteren Räume eine richtige Abschätzung der Entfernung nur schwer möglich ist, glaubt man oft bei einem solchen Schattenspiel Personen in Lebensgröße vor fich zu sehen. In ihrer Wirkung sind diese uralten orientalischen Spiele also ein rechtes Gegenstück zu dem modernen Kinemato- graphen. Der Leiter des Spiels läßt die einzelnen auf- tretenden Figuren ihre Rolle sprechen, und wenn er nur einigermaßen imstande ist, verschiedene Stimmen zu markieren, so kann er einen recht bedeutenden Grad von Illusion erwecken. Die zur Aufführung gelangenden Stücke sind volkstümliche Possen; einige von ihnen sind höchst phantastisch und grotesk, andere be- weisen dagegen eine erstaunlich realistische Beobachtung des täglichen Lebens. Mehrere stehende Figuren pflegen, wie in jeder Volks- komödie, stets wiederzukehren; so vor allem der derbe Spaßmacher. im Türkischen KarogöS genannt, und fein Gegenstück, der vornehme und höfliche Effendi. Neben ihnen tteten abwechselnd alle Völker- schaften und Berufsklassen des Orients auf. Es ist begreiflich, baß die Schattenspiele auch die Aufmerksamkeit der Gelehrten in hohem Grade erregt haben, beim die schönen alten Figuren sind oft ganz hervorragende Produkte der volkstümlichen Malerei, und die Texte stellen eine unerschöpfliche Fundgrube für den Sprachforscher unh. Kulturhistoriker dar. Der Berliner Anthropologe Professor v. Luschan zum Beispiel hat sich eingehend mit den türkischen Schattenspielen beschäftigt und besitzt eine hervorragende Sammlung von seltenen antiken Figuren. Da solche Schattenspiele im ganzen mohammedanischen Orient verbreitet sind, sich aber auch in Ostasien und in Java finden, hat man die Frage eifrig diskutiert, wo die Heimat dieser originellen Volkskunst zu suchen sei. Am plausibelsten scheint die Annahme LuschanS zu fein, der China als Heimat der Schattenspiele betrachtet und vernmtet, daß sie durch die Mongolen- züge in den nahen Orient gebracht worden sind. Natürlich stammt nur die Technik des Schattenspiels aus Ostafien; die Stücke sind überall von einheimischen Dichtern verfaßt. Bei dem vielfachen Interesse, das die Schattenspiele erwecken, ist eS überaus bedauerlich, daß sie jetzt allenthalben im Verschwinden begriffen find. Hoffentlich gelingt es wenigstens, die wichtigsten Texte aufzuzeichnen und mög- kichst viele von den alten Figuren für die europäischen Sammlungen zu sichern. Volkswirtschaft. Der Fortschritt der Stahlgetvinnung der Erde. Der neue Präsident des Eisen- und Stahlinstituts bat bei der letzten FrühjahrSsitzung eine Uebersicht über die Entwickelung der Stahl- industrie in den einzelnen Ländern gegeben. Im Jahr 1870 wurden auf der ganzen Erde erst rund 600000 Tonnen an Stahlbarren er- zeugt, wovon auf England 250 000, auf Deutschland 170000, auf Frankreich nicht ganz 100000, auf die Vereinigten Staaten gar erst 39 000 und auf Oesterreich-Ungarn 22 000 Tonnen entfielen. Im folgenden Jahrzehnt erat bereits ein ungeheuerer Auf- schwung und eine vollständige Veränderung auch in der Reihenfolge der Ziffern ein. Der mächtige Antrieb wurde durch die Entdeckung und Benutzung des basischen Verfahrens gegeben. 1880 belief sich die Ausbeute auf rund 4 Millionen Tonnen. England stand mit 1230000 Tonnen eben noch an der Spitze, schon aber dicht gefolgt von den Vereinigten Staaten mit fast 1200000 Tonnen, während Deutschland mit 760000 Tonnen an die dritte Stelle zurückgefallen war. Im nächsten Jahrzehnt wurde die Stahlerzeugung verdreifacht, nämlich bis auf 12 Millionen Tonnen. Dann traten im letzten Jahrzehnt des Jahrhunderts wieder wichtige Erfindungen und Ver- lbefferuugen ein, und der dadurch bedingte Fortschritt zeigte sich namentlich in den Bereinigten Staaten und in Deutschland. Jene steigerten ihre Stählgewinnung von 4 auf 10, dieses von 2 auf S'/z Millionen Tonnen, und jetzt wurde England ins Hintertteffeu gedrängt. Die Benutzung der beiden Hauptverfahreir lvaren in den drei Ländern sehr verschieden. Bis zum Jahre 1910 stieg in den Vereinigten Staaten die Herstellung von saurem Beffemerstahl von 6Vs auf 9V2, dagegen die von basischem Stahl von 2l/2 auf 15 Millionen Tonnen. Deutschland hat das Bessemerstahl am stärksten entwickelt, nämlich bis zu 8 Millionen Tonnen, während die Gewinnung von basischem Flammofenstahl(im SiemenS-Martin- Ofen) von 2 auf 5 Millionen Tonnen stieg. Das zweite Verfahren war in England da» einzige, das einen beträchtlichen Aufschwung erfuhr, nämlich von 300000 auf l1/» Millionen Tonnen. DaS basische Verfahren bringt jetzt schpa mehr als die Hälfte der ge« samten Stahlerzeugung. Scbacb* Unter Leitung von S. Alaptn. Holm. d» d o t n t» d• I g Weiß zieht und gewinnt. Lösung. 1. 06, KXaß; 2. Le5, Kb5; 3. 67, Ta8t; 4. KXg7. Kc6; B. Kf7, Kd7; 6. b4, To8; 7. Lf6, Tb8; 8. bB und gewinnt. Im folgenden bringen wir einige Partien aus dem inter- P i st h a n: Droht 2ch mittels SgZsi was nur rn nationalen Turnier Dameubauerneröfinung. A. Rubinstein. R. Spielmann. 1. 62— cl4 c7— cB Nicht sonderlich empfehlenswert. 2. 64—65..... Mit e2— e4 kommt man zur „Sizilianischen". Mit 2. Sk3, 65 zun„Daneengambit-' in der Rück- Hand. Beide Fälle ergeben für Weiß ein sehr gutes Spiel; auch der Text- zug ist gut. 2...... 67— 66 3. c2— c4 g7— g6 4. e2—©4..... In Bettacht kommt das Manöver Lei— 62— oZ. 4...... Lf8— g7 5. Dkl— 63 67-66 6. Sbl— o3 Sg8— 67 7. Sgl—«2 66X65 8. e4X65..... Der Länferbauer konnte mit gutem Spiel wiedevxrhmen. 8...... Sb3— 67 9£2_£4? Der Keim de» Verlustes. Besser war b2— b3 nebst event. Lei— b2. 9. 10. S62— g3 11. 0-0 12. Sg3— e4 13. L63Xe4 14. Kgl-hl S67— f6 h7— h5 h5— h.4 Sf6Xo4 Lg7— 64t So7— 15 eine Folge des schwachen 9. Zuge» von Weiß ist. 15. Ls4Xkö Le8XkS 16. Dkl— elf Ke8-f3 17. 1)61— kS..... Verhältnismäßig besser war Le3. 17...... h.4— h3 18. g2— g3..... g2— g4 geht nicht wegen vb4. 13...... 1)63-67 19. Lei-62 L£5-g4 20. D£3— fl..... 20.£>63, DfD; 20...... 21. Tal— cl 22. Ld2-e3 23. b2— b3 24. Le3— f2?? Der entscheidende Fehler. Mit vk2 war noch Widerstand zu 21. VXV?, Lt3ch. 1)67—15 Kf8—©8 Ld4— fö Th8-e8 Lg4— fSf Lf3-g2 Lg2Xfl Df5— 63 D63— f3 I Df3— hlf Dhl-g2t Dg2Xglt DglXb2t Bierspringerspiek. (Schwarz). 1. o2— e4,©7— c5; Sg8—£6; 4. Lfl— bB, Lf8-b4 4...... aß; 5. LXS, dcß; 8. 0-0, DXe5; 9. Tel, Le6; leisten. 24...... 25. Khl-gl 26. TelXeS 27. Te8Xa8 28. Ta8— 68 29. KglXfl 30. Le3— gl 31, Kfi-el 32. Kel-62 Aufgegeben. E. Cohn(Weiß). Johner 2. Sgl—£3, Sb8— c6; 3. Sbl— c3, (Salwe spielte gegen Spielmann 6. SXeB, SXe4; 7. SXS, Dd4; 10. 63, 0—0—0; 11. Sg5, Df5; 12. SXI-, fe6; 13. De2, Te8 und Spielmann bot Remis an, was auch akzepfiert wurde), 5.0—0, 0-0; 6. 62—63, 67—66; 7. Lei— gö, Sc6— e7(7...... LXS; 8. bc3, L67 nebst event. Sc6— e7 gibt ein gleiches Spiel); 8. Sk3— h4, c7— c6; 9. Lb5— c4# So?— g6; 10. Sh4Xg6, h7Xg6: 11. 12—£4. D68— b6; 12. Kgl— hl. Sf6-g4; 13. 1)61—13, Lb4Xo3; 14. b2Xc3, Sg4-e3; 15.£4—151, Se3Xc4; 16. 15-16 1, g7X16; 17. D13Xf6, Db6— 6816X68. T18X68: 19. LgäXdS, Sc4— eS; 20.TH-13, Se3Xc2; 21. Tal— cl, Sc2— aä; 22. Ld8-e7, Lo8-e6; 23. c3— c4. Schwarz gab auf, da er noch den Sa3 verliert. Russisch. Johner(Weiß), Ma r s h a l l(Schwarz). 1. 64, 65; 2. 813. 816; 3. SXeb. 66; 4. 813, SXe4; 5. 64. dB; 6. L63. Ld6; 7. 0-0, Lg4; 8. c4, 0-0; 9. cdB, 15; 10. h3, Lh5; 11. So3, 867; 12. 3X64, 1Xe4; 13. LXe4, 316; 14. L15, Kh8; 15. Db3, 8X65; 16. Lgö, Le7; 17. LXL, SXL; 18. Le4, LXS; 19. LXL, 815; 20. LXb7?, Tb8; 21.£>65. D16; 22. Tacl?, 8X64; 23. Tc4, o5; 24. Kh2, T168; 25.£>64. Te8; 26. Dd5, Te5. Weiß gab auf. VerantwortsiNedakteur: Albert Wachs, Berlin.— Druck u. VerlagtvorwartsBuchdruckereiu.VerlagSanstnltPaulSingeräCo., Berlin 81V.