Ar. 38 Absmttments- Dedingnngen: Abonnements- Preis pränumerando: Pierteljährb 3,30 Ml,, monatl, l.ioMl,, wöchentlich W Psg,(rei ins HauS. Sinzeine Nummer S Psg. Sonntags- Nummer mit illuNrtcrler Sonntags- Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg, Polt- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1900 unter Dr. 7971. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterretch- Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland s Marl pro Monat, SrCchrlul täglich nuster»onlngo. Devlinev Volksblatk. 17. AakrK. Dir Anftrtioiis- Gebühr beträgt für die fechSgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum so Pfg,, für politische und gewertfchaftliche Verein«- und Versammlung«-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Knfeigru" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Jnlerats für die nächste Nummer mülfen biS i Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen btSSUhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt l, Dr. 1S0S. Telegramm-Adresse: „Sorinldemostrnl Sellin" Centraiorgan d-er sociatdemokratiMen Partei Deutschtands. Kedakkion: SW. 19. Veuth-Skraye 2. Donnerstag, den 15. Febrnar 1900. Expedition: SW. 19, Venklj-Skraste 3. Deutsch- englische Handelsbeziehungen In den„Volkswirtschaftlichen Zeitfragcn" beschäftigt sich der Assistent der Kölner Handelskammer Dr, Paul Arndt aus Anlaß der dcutsch-englischen Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Handelsvertrages— der alte ist bekanntlich am 30, Juli 1898 außer Kraft getreten und nur einsttveilen verlängert worden— mit der Frage, welcher Art die Handclsbczichnngen zivischen Deutschland und dem britischen Weltreich sind und wie eine Zollvereinignng Englands mit seinen Kolonien an dessen Welthandel voraussichtlich zurückwirken würde. Eine Er örterung der letzten Frage, die der Verfasser schon vor ungefähr zwei Monaten in einem Vortrage in der hiesigen„Volkswirtschaftlichen Gesellschaft" behandelt hat, würde hier zu weit führen; dagegen lohnt es sich recht wohl, einen Blick auf die statistischen Berechnungen zu iverfen, die Arndt über den Umfang des deutschen Handels mit England und den englischen Kolonien anstellt, nicht nur weil über die Natur dieses Handels vielfach, ganz irrige Vor stellungen bestehen. sondern weil sich auch neuerdings in den Kreisen unsrer Flottenenthusiasten und scekriegSbcgeisterten Welt Politiker eine gefährliche Uuterschätzung der Bedeutung geltend macht die unsre Handelsbeziehungen zu England für unsre heutigen Wirt schaftsverhältnisse haben, T h a t s ä ch l i ch g i e b t es kaum z w e Länder, die so sehr an der Äufrcchterhaltung friedlichen Handelsverkehrs nrit einande' interessiert sind, wie Deutschland und England Zur Beurteilung des Wertes des Ein- und Ausfuhrhandels Deutschlands mir England und seinen Kolonien reicht weder die deutsche noch die englische Handelsstatistik aus, wie sich auch bei einem Vergleich beider sofort zeigt. Während z, B. die deutsche Statistik die Einsuhr Deutschlands aus England söhne Edelmetalle) in 1898 auf 566 Millionen Mark angiebt, stellt sie sich nach englischer Berechnung auf 33,3 Millionen Pfd, Sterl. Ein ähnlicher Unterschied besteht anch zwischen den Ziffern der deutschen Warenausfuhr nach England, Nach der deutschen Berechnung betrug der Export nach dein Vcr- einigten Königreich 741 Millionen Mark, nach englischer 28.5 Millionen Pfd. Sterl. Die Unterschiede erklären sich teils ans falschen Angaben der Dcklaranten über den wirklichen Bcstiinmungsort der Waren, teils ans den verschiedenen Methoden der deutschen und englischen statistischen Aemter, Während z, B, das deutsche Amt als Herkunfts- lnnd der Waren dasjenige Land ansieht, aus dessen Gebiet die Versendung der Waren mit der Bestimmung nach dem deutschen Zollgebiet erfolgt ist, gilt umgekehrt in England dasjenige Land als Herkunftsland. aus deni die Ware direkt nach England verschifft ivorden ist. So werden denn z.B. manche Waren, die von Deutschland aus über holländische oder belgische Häfen in England eingeführt werden, dort als holländische bezw, belgische gerechnet, und andrerseits ivicder Waren, als deren Bcstimniungsort bei der Ausfuhr ans Deutschland englische Häfen angegeben wnrden, in England als Einfuhrgut aus Deutsch land nicht niitgezählt, da sie von den englischen Häfen aus nach den Kolonien oder andern Ländern wcitcrgcsandt werden. Dafür hat allerdings die englische Handclsstalistik einen großen Vorzug: sie unterscheidet die Ausfuhr der Waren englischen Ursprungs von der Wiederausfuhr kolonialer und frenider Waren. Bei der Berechnung des Unifanges des Handels Deutschlands niit England und den englischen Kolonien legt nun Dr, Arndt die Ergebnisse der deutschen Slatistik zu Grunde und sucht sie dann an der Hand der englischen Statistik durch eine Abschätzung derjenigen Warenwerte zu ergänzen, welche scheinbar aus England, that- sächlich aber aus den englischen Kolonie» nach Deutschland gelangen, bezw. ans Teutschland scheinbar nach England, thatsächlich aber nach den englischen Kolonien gehen. Es betrug der Wert der Einfuhr Deutschlands ans England und den englischen Kolonien und der Wert der Ausfuhr Deutschlands in diese Gebiete»ach der deutschen Handelsstatistik sin Millionen Mark): Nach fast allgcnieincr Ansicht setz: England in Deutschland vor- wiegend Industriewaren, vornehmlich Fertigfabrikate, ab; in Wirk- lichkeit ist es umgekehrt, nicht nur die englischen Kolonien auch Eng- land selbst liefern vor alleni Rohstoffe und Halbfabrikate nach Deutschland: Wolle, Garne verschiedenster Art, Gold, Steinkohlen, Reis, Rohbaumwolle, Jute, Kautschuk und Guttapercha Zc. Aber ein großer Teil dieser Rohstoffe und Halbfabrikate sind nicht englisches Erzeugnis; sie sind erst in England von den englischen Kolonien oder aus andren Ländern eingeführt und werden später wieder ausgeführt. Wie stark sind nun, ganz abgesehen von ihrem direkten Export nach Deutschland, die englischen Kolonien an dieser englischen Ausfuhr«ach Deutschland beteiligt? Um für die Beantwortung dieser Frage einen Anhalt zu gewinnen, stellt Dr. Arndt für eine Reihe der wichtigsten englischen Ein- und Ans- fuhrartikel fest, wie viel von ihnen im Jahre 1898 aus den Kolonien eingeführt ist. wie viel davon aus England Wieden»« ausgeführt wurde und in wie weit an dieser WiederausfuhrTcutschlnnd.Holland und Belgien participierten. Die beiden letzten Länder werden deshalb hinzugezogen, weil der in der englische» Slatistik ermittelte Handel Englands mit Deutschlands im wesentlichen mir den über deutsche Häfen vermittelten englischen Handel repräsentiert, bekanntlich aber nimmt eine große Anzähl der nach dem industriellen Westen Deutsch- lands bestimmten Waren den Weg über Belgien und Holland. Das Resultat, zu dem Dr. Arndt bei dieser Untersuchung gelangt ist, zeigt folgende Tabelle: II. Ausfuhr Selbstverständlich hat die Berechnung Arndts keine absolute Gültigkeit; sie kann nur auf annähcrnde Nichtigkeit Anspruch machen; immerhin zeigt sie, daß, im Gegensatz zur geivöhnlichen Ansicht. Englands Export nach Deutschland zu einein sehr großen Teil aus Produkten seiner Kolonien besteht, während Deutschlands Ausfuhr nach England nur in sehr geringem Maße von dort weiter nach den englischen Kolonien geht, und zweitens, daß der Verbranch Deutsch- lands an englischen Kolonialprodukten den Konsum von Waren englischen Ursprnngs bei weitem übersteigt. Im 13 570 Ans dieser Aufstellung crgiebt sich, daß in den meisten der genannten Artikel die Einfuhr ans den Kolonien die ganze Wieder- ausfuhr Englands übersteigt; wo dies aber nicht zutrifft, könnte wenigstens sinit Ausnahme von Kaffee) die Ausfuhr nach Deutschland Holland-Belgicn ans den Einfuhren der Kolonien gedeckt werden. Damit ist nun natürlich nicht gesagt, daß dies letztere thatsächlich der Fall ist; sicherlich stammt ein großer Teil der angegebenen Aus iihr nach den drei Ländern nicht ans den Kolonien, sondern aus fremden Gebieten, wohl aber zeigt die Aufstellung, daß ein ganz wesentlicher Prozentsatz der Waren, die England uns liefert, ans seinen Kolonien tesührt ist, daß es gewissermaßen als Zwischenhändler fungiert. In derselben Weise sucht dann Arndt Aufschluß darüber zu ge- neu, welche Waren hauptsächlich von Dcntschland-Holland-Belgicn i England ausgcführl werden und welche Mengen von diesen lkcln England wieder nach seinen Kolonien exportiert. Auch hier eist sich die gewöhnliche Annahme als unzutreffend. Nicht Roh- .je noch Halbfabrikate führt Deutschland vornehmlich nach England aus, sondern Ganzfabrikatc und Gcnnßmittel, und nicht der größere dieser Fabrikate geht von England ans weiter»ach dessen rien, sondern nur ein recht kleiner Prozentsatz. Es ist hier nicht ich, die lange Liste der Einfuhrartikel aus Dcntschland-Holland- en aufzunehmen, die der Verfasser zusammenstellt; wir müssen ruf das Endresultat beschränken. Danach crgiebt sich, daß der en mit 67�/2 Millionen Pfd. Sterl. beteiligt waren, nur eine eraussuhr in diesen Artikeln von 33.8 Millionen Pfd. Sterl. niberstcht, und hiervon nur für 4,5 Millionen Pfd. Sterl. n nach den englische» Kolonien gegangen sind; das heißt, es n von den aus Dcutschland-Holland-Belgien nach England ein- rtcn genannten Waren höchstens 6 Proz. weiter nach den englischen Kolonien exportiert ivorden sein. Ans Grund dieses Ergebnisses sucht nun Dr. Arndt die An- gaben der amtlichen deutschen Statistik über den Handel Deutschlands mit England und seinen Kolonien zu korrigieren, indem er die Unter- scheidung der englischen Statistik zwischen Waren englischen, britisch- kolonialen und fremden Ursprungs bei der Berechnung der Ein- und Ausfuhr Deutschlands in Anwendung bringt. Das Ergebnis ist olgendes sin Millionen Mark): _ I. E i n f u h r_ PoUkifcho Meberfichk. Berlin, den 14. Februar. Reichstag. Reichstag wurde am Mittwoch die Beratung des Kolonialetats fortgesetzt. Die Regierung verlangt erhebliche Mittel für die Fortsührnng der unrentabeln U s a m b a r a- bahn und zu Vorarbeiten für eine o st a f ri k a n i s ch e C e n t r a l b a h n. Tie Bedeutung der Bewilligung dieser Summen liegt darin, daß der Reichstag auf Jahre hinaus finanziell überaus stark engagiert werden würde. Große Geneigtheit zur Bewilligung hat sich bis jetzt im Reichstage nicht gezeigt, trotzdem eine ganze � Reihe zum Teil merkwürdiger Freunde des Bahnbaucs in Ostasrika gegen die ablehnende Haltung des Centrums und der ganzen linken Seite des Hanfes für die geforderten Summen sich ins Zeug legten. Für das Centrum sprach der Abgeordnete D a's b a ch entschieden gegen die Titel 3 und 5 des Extra- Ordinariums; er ließ sich auch dann nicht erweichen, als der Direktor des Kolonialamts sich auf„die kulturellen Rücksichten" zurückzog und die Interessen der Missionen gegen den Bau ausspielte. Ganz eindringlich warnte Abg. Richter vor der dem Reichstag zugeninteten Bähst, in ganz und gar unwirtschaftliche Unter- nehmungen der Kolonien Geld auf Kosten des Reichs hinein- zustecken, nachdem die deutschen Kapitalisten doch diese An- lagen in nnsren Kolonien für noch schlechter erachteten, wie solche in exotischen Werten. Die Centraibahn werde ja wohl vor- läufig noch recht bescheiden als Küstenstechbahn bezeichnet, aber diese Stechbahn wächst sich nach der Absicht einfluß- reicher Kolonialpolitiker zu einer Centralbahn ans. Der Kolonialdirektor wehrte sich gegen diese Aufdeckung des wahren Charakters der Stechbahn, doch machte Abg. Bebel dem Eindruck dieser Versichcrungeu auf den Reichstag ein rasches Ende. Auf welchem Standpunkte der Kolonialdirektor stehe, sei ganz gleich- gültig; hier gehe es nichtanderswiemitdenregierungsseitigcnBer- sicherungen bei der Flottenvorlage: Die Stechbahn habe nur Sinn als Anfang der Centraibahn, und die Centralbahn konime mit oder ohne Herrn v. Buchka als Leiter des Kolonialamts. Die Ausführungen des Grafen A r n i m ver- glich Abg. Bebel mit Phantasien, wie sie einem Primaner oder gar eineni Quartaner anstehen. Als man schon am Schlüsse der Debatte zu sein glaubte, erhob sich noch der Abgeordnete von Siemens, Direktor der Deutschen Bank, zu einer Rede, augenscheinlich um seinem Freund Oechelhäuser, der als freiwilliger Regierungskommisfar am BundesratStische saß und seinen Lieblingsplan, die oft- afrikanische Centralbahn, von den verschiedenen Rednern so unbarmherzig zerzausen sah, beizuspringcn. Herr v. Siemens wollte n u r davon sprechen, warum die Deutsche Bank, die seiner Zeit den Bahnbau beginnen wollte, heute von der Ausführung des Plans zurückgekommen sei. Aber zu diesem Zweck holte er gar weit aus, hielt dem deutschen Reichstag eine wirtschaftspolitische Vorlesung, geißelte die kurzsichtigen„Philister" in und außer dem Hause, die für Deutschlands Kolonialbesitz nichts opfern wollen, und schreckte auch nicht vor dem Gelächter zurück, von dem seine Rede aus Eugen Richters Siethen fleißig begleitet wurde. Als er endlich am Schluß seiner Ausführungen wieder auf den Bahnbau zurückkam, da erfuhr man, daß die Deutsche Bank zu der Wirt- schaftlichen Zukunft der Bahn jedenfalls zur Zeit nicht das- jenige Zutrauen hat, um das Privatkapital zum Bau der- selben zu animieren. Wohl aber mutete er dies Zutrauen dem Reichstage zu, von dem er die Mittel für die Bahn ver- langte. Auf dieses eigenartige Verhältnis eines ersten Ver- treters der deutschen Bankwelt nagelte der Abg. Bebel Herrn v. Siemens unter lebhafter Zustimmung des Hauses fest. G erade die Rede zszs Abg. v. Siemens spreche schlagend gegen eine Bewilligung; in ihr sei offen ausgesprochen, daß es sich nur um die Centralbahn als solche und nicht um eine bescheidne Stichbahn handle. Der Reichstag aber habe alle Ver- anlassung, die Mittel zu dem Bau zu verweigern, nachdem sich herausgestellt habe, daß die deutsche Finanz- weit, an ihrer Spitze Herr von Siemens, zwar wohl Reichsmittel für koloniale Zwecke empfehle, aber sich äugst- lich hüte, an solchen unrentablen' Projekten, wie sie die Kolonialfreunde betreiben, ihr eigenes Kapital zu riskieren. — Die Titel 3 und 5 des Extra- Ordinariums werden dann auf Antrag Richters an die Budgetkommission verwiesen.— Wilhelm II und Prinz Heinrich. Der Kaiser hat zum Empfange seines aus China zurück- gekehrten Bruders eine Rede gehalten, deren Hauptsätze, wie schon mitgeteilt, lallten: „Der freudige und begeisterte Empfang aller Schichten »neiner Residenzstadt Berlin giebt Dir Zeugnis davon, niit ivelch liebevollen» Interesse unser ganzes Volk Dich in der Erfüllung Deiner numnchr gelösten Aufgabe begleitet hat. Der Empfang hat aber noch eine tiefere Bedeutung. Er ist ein unzweideutiger Fingerzeig dafür, wie gross das VerständmS für die Stärkung unsrer Seegeltung in der Bevölkerung gclvordcn ist. Taö deutsche Volk ist mit seinen Fürsten und scinciu Kaiser darüber willcnseintg, dast es in seiner»lächiigcn Enlwirtlung ciuc» neue» Markstein setzen will in der Schaffung einer grossen, den Bedürfnisse» entsprechende» Flotte. Wie Kaiser Wilhelm der Große uns die Waffe schuf, mit dcreu Hilfe wir ivicder Schwarz- Weih- Rot geworden sind, io schickt das deutsche Volk sich au, die Wehr sich zu schmieden, durch die es, so Gott will, in alle Ewigkeit Schivarz- Wcih-Rot bleiben kann, in» In- und im Auslände. Bei Deiner Heimkehr findest Dil ein blühend Knäblein in den Armen Deiner Gattin. Mögest Dil als Pate für den neuen Zuwachs nusrer jungen Flotte denselben sich unter Gottes Schutz in voller Stärke eiitlvickel» sehen. Hurra!" Wenn man davon absieht, daß das deutsche Volk, ja vielleicht sogar einige deutsche Fürsten, durchaus nicht mit dem Kaiser willenseinig sind, die neue Marincvorlage anzunehmen, so füll! hauptsächlich die Zurückhaltung ans, die der Kaiser dies« nial gegenüber seinen früheren teinperamentvollen Aeiißerimgen bewahrt. Wie schon die Tirpitz und Posadowsky im Reichs- tag jedes Wort der Drohung vermieden, so fehlt auch in der kaiserlichen Rede die Ankündigung eines Durchfcchtens unter allen Umständeit. Man deitke nur au die kaiserlichen Aeußenmgen zur Zuchthaus- und namentlich zur Kanal- Vorlage. In den Dortmunder Reden erklärte der Kaiser, daß seine Regierung und er fest und unerschütterlich ent- schlössen seien, den Mittelland-Kanal zur Durchführung zu bringen. Und indem er an die Hanscr erinnerte, die auch zu Gunsten des Kanals citiert wurde, beteuerte Wilhelm II., es solle die Macht des„einem Willen gehorchenden Reichs" „auch für dieses grohe Werk ,nit voller Wucht eingesetzt werde». Dafür werde ich stehen." Trotzdem wurde das große Werk von den Konservativen zu Falle gebracht, und es folgte nicht einmal eine Auflösung des Abgeordneten- Hauses darauf. Wenn man an diese Manifestationen des unbeugsamen Willens denkt, so wirkt die jetzige gelinde Sprache anffällig. Unpolitisch, aber ebenso ausfällig ist die Antwort des Prinzen Heinrich ans den kaiserlichen Trinkspruch. Die Antwort wird sehr verspätet bekannt. Wahrscheinlich hat sie Redaktionsschwierigkeiten bereitet, die jedoch auch in dem vom „Reichs- Anzeiger" veröffentlichten Wortlaut nicht ganz über- wunden sind, der also aussieht: „Eure Majestät wollen»nir allergnädigst gestatte», meinen unterthänigsten, tiefgefühltesten und herzlichsten Dank für die gnädigen Worte ausziisprcchc», sowie für den Empfang, den Eure Majestät heute für mich zu befehlen geruht haben. Der größte Sporn meiner bisherigen Thätigkeit war der, daß ich ivußte, Eure Majestät standen hinter mir. wie hinter Eurer Majestät Flotte. Dieser Gedanke befähigte mich solvohl, ivic die Offiziercorps im Auslände, zn immcr nencn, erfrischenden, crmntigcndc» Thatcn. Auch »nöchte ich nicht verfehlen, am heutigen Tage, da ich das erste- mal wieder in Gegenwart Eurer Majestät sein darf, auszusprechen, wie patriotische und treue Unterthancn jene Deutsche sind, die ich in Ostasicn verlasse» habe, um nach meiner Heimat zurückzukehren. Eurer Majestät danke ich ferner für das unentwegte Wer- trauen, welches mir während der beiden vergangenen Jahre bezeugt Ivordcn ist, und ich versichere, daß, wo es auch sein möge, jedweder Dienst für Eure' Majestät und für das Batcrlnnd mich auch in Zukunft auf dem Posten finde» wird. Oft erklang im fernen Osten der Ruf, der die Dcntschc» draußen und uns Kameraden in Ostasicn beseelte bei gemein- snmem Zusammensein, bei festlichen Anlässen: Dieser Ruf ma« auch heute kaut erschallen! Mit Genehniigung Eurer Majestät fordere ich die Herren ans, mit mir einzristimmen in den Ruf: Seine Majestät unser allcrgnädigster Kaiser und Herr Hurra— Hurra— Hurra!" Die immer neuen erfrischenden, ermutigenden Thaten, die Prinz Heinrich sich selbst und dem Offizicrcorps im Ausland »lachsagt, sind im einzeluen bisher nicht bekannt geworden.— An» der BaterlandSlosen-Zeit. Anläßlich der Rückkehr des Prinzen Heinrich wird an die Kaiserdepeschc erinnert, die er am 24. April 1897 an Bord dcS Flaggschiffs König Wilhelm, das zur Jubilmims-Feier seiner Großmutter nach England gehen sollte, der Maimschaft vorlas: „Ich bedauere tief, daß ich Dir zn der Feier kein besseres Schiff als den König Wilhelm zur Verfügung stellen kann, Ivährend andre Nationen mit ihren stolzen Kriegsschiffen glänzen iverden. Das ist die Folge des tranrigc» Verhaltens jener VatcrlandSloscn, die die Anschaffung der notivendigsten Schisse z» hintertreiben wissen. Ich werde aber nicht eher rasten, bis ich meine Marine auf dieselbe Höhe gebracht habe, ans der sich die Armee befindet." Jetzt glaubt sich der Kaiser mit dem Volk jener VaterlandSloscn tvlllenseinig.— Eine Socialistendcbatte im Jnnkerparlamcnt. Die heute fortgesetzte Debatte über den Titel„Gehalt des Ministers de? Innern" orehte sich fast anSschließlich um die Ve- kämpfnng der Socialdemokratic niit Hilfe des anitlichcn RegicrniigS- apparats. Anlaß dazu bot der bom Abg. Kopsch(frs. Vp.) zur Sprache gebrachte Fall ans Ostpreußen, wo auf Veranlassung des Regierungspräsidenten von Gunlbinncii der Kreisschnlinspektor die ihm lniterstelltcn Lehrer zur Verbreitung des agrarisch- anti- semitischen.Volksfreund" aufgefordert hatte. Es ist klar, daß ei» solches Verfahren selbst dann, lvenn den Lehrern das betreffende Schreiben jiicht aus amtlichem Wege portofrei jzugcstcllt worden wäre, zn den schwersten Bedenken Anlaß gebe» müßte. Der neue Minister des Innern jedoch ist andrer Meinung, der Herr ans dein Westen hat sich auffallend schnell die Allüren cincS ostprenßiscben Junkers angeeignet. Formell erklärte sich Freiherr von Rheinbaben zwar mit dem Verhalte» des RtgiernngS- Präsidenten von Gnnibinnen nicht einverstanden, in at erste ll jedoch billigte er eS vollkommen nndZsprach thmIsomie dem Landrat und dem Krciöschnlinspektor seine volle Anerkennung aus, da gerade in Ostpreußen die Socialdemokratic planmäßig darauf ausgehe, die Bevölkerung gegen einander zu Hetzen. Der lebhafte Betfall auf der Stechten bewies, daß der neue Minister ein Mann nach dein Herzen der Junker ist. Ermnntcrt durch diesen Beifall ergriff er im Laufe der Debatte nochmals daS Wort, um eine Rede gegen die Socialdemokratie zn halten und es als Pflicht der Beamten zn bezeichnen, der„zielbewußten Verhetzung' durch die Socialdemokratie entgegenzutreten. In ganz ähntichcm Sinne äußerte sich auch einer seiner Kommissare. Uns ist es im- verständlich, wozu man zur Vernichtung einer„vorübergehenden Er- scheinung' den ganzen Beamtenapparat mobil machen muß. Denn nunmehr werden alle Landräte und natürlich auch die untern Behörden sich beeilen, den Weisungen ihres Herrn und Meisters eifrig zu folgen. Immerhin fühlen wir uns dem Minister gegenüber für seine Offen- Herzigkeit zu Dank verpflichtet. Unterliegen werde» wir in diesem Kampf nicht. Mag der Minister noch so kampflustig sein, Ruhm wird er dabei nicht ernten. Das Verhalten des Freiherm v. Rheinbaben fand entschiedene Mißbilligung auf der gesamten Linken bis in die Reihen der Nationatliberalen hinein. Die Abgg. Dr. Friedberg stil.j, jR i ck e r t (sis. Vg.), Dr. Barth(st. Vg.) und G o l d sch m i d t(fr. Vp.) gingen ihm scharf zu Leibe, letzterer allerdings in so ungeschickter Weise, daß er fortgesetzt Lachsalven ans allen Seiten des Hauses hervorrief. Die Worte des Ministers riefen u. a. auch einen der Kanalrebcllen, den gematzrcgelten Regierungspräsidenten v. Jagow, auf den Plan, der seine Zeit wieder gekommen glaubt und durch eine wütende Philippica gegen die Socialdemokratie sich für eine etwa frei werdende höhere Stelle in empfehlende Erinnerung brachte. Noch ein andrer hoher Negierungsbcamter, der vortragende Rat im Reichsamt des Innern, Abg. Kelch(k.), sprach dem Minister seine Anerkennung aus»md forderte gleichzeitig die bürgerlichen Parteien auf, bei zukünftige» Wahllämpfei, geschlossen gegen die Socialdemokratie zu stehe». Die Debatte wird morgen fortgesetzt. »« Deutsches Weich. Vom parlamentarische» Schießplatz wird gemeldet, daß die Affaire Szmnla-Hahn in ein neues Stadiinn getreten ist. Der pistolenwütige Abgeordnete Dr. Hahn, der in seinem Civilverhältnis die Interessen des Bundes der Landwirte lvahrniinmt, hat, da der Abg. Szmula sich nicht ans die Schießerei einlnsscn will, sich als Oberlientenant der Reserve gefühlt und den Ehrenrat seines Regiments mit dcrAngelegcnhcit befaßt. Unter Assistenz deS Abg. Liebennann v. Sonnenburg— ivahrscheinlich übt dieser Herr die Funktion des Kartcllträgers ans— hat Dr. Hahn am Dienstag- abend ein Schreiben an den Ehrcnrat seines Regiments gerichtet. Vennntlich hat Herr Dr. Hahn den militärischen Ehrenrat zur Ent- scheidnng der Frage aufgefordert, ob ein Offizier als Parlamentarier seine Kollegen privatim zu einem Votum veranlassen darf, welches er selbst öffentlich wiederholt als gegen die Ehre lind Würde der Nation verstoßend gekennzeichnet hat. Auf die Antwort des Ehren- ratS wird nicht nur der Abgeordnete Dr. Hahn gespannt sein.— Nach der„Deutschen Tageszeitung" soll die Angelegenheit Szninla-Hahn durch Austausch gegenseitiger Erklärungen erledigt worden sein._ Alle Puppen müssen tanzen! Die'Flottenagitation zieht imnter weitere Kreise in de» Bereich der Wasserbcgcisterung. Auch die Berliner Stadtverwaltung sollte ihr Schärflein.zu dem Flotten- rummel beitragen und Beamte zn Flottenpredigten. beurlauben. Für den bei der Armeiidircktion, Abteilung für das Arbeitshaus be- schäftigtcn Hilfsarbeiter Lieutenant a. D. v. Korbach,(denselben, der bereits in den Berliner Protcstversaininlnilgcn aufgetreten ist), hat der Admiral Hollmann einen Urlaub nachgesucht, damit Herr v. Korbach dem Volte den Segen der Mi lliardenfordenliig klar machen kann. Der Herr Admiral hat jedoch keine Gegenliebe gefnude». da die Arbeitskraft des Herrn Korbach zu wertvoll für die Stadt Berlin ist, um der Wnsscrpolitik zur Verfügung gestellt zu iverden. Hoffentlich findet der agirationslustige Admiral andre Magistrate, die es sich zur Ehre anrechnen, die ans den Stenern der Bürger bezahlten Bc- amtc» dem Flottensport dienstbar zu machen.— Sphinx-OffiziöscS. Die„Berliner Korrespondenz" äußert sich über die DcckungSstage, von der miste Flottcnagitatorcn durchaus »ichtS wissen wolle», wie folgt: „Der Redner des Ccnrrnms stellte, wie»ach den bisherigen Alislassniigen der Presse dieser Partei zn erwarten war, die DcckungSstage in den Vordergrund. WaS diesen Punkt anbelangt, darf die Zuversicht gehegt Iverden, daß eine gedrihliche Lösung in der Budgetkoininissioli gefunden wird."... Die einzige gedeihliche Lösung im Sinne der EcntrnmSpreffe wäre doch nun die Einführung einer ReichS-Flottensteucr auf die höheren Einkommen und Vermöge». Wollen die verbündeten Re- gicnliigcn sich darauf cinlaffeil? Der Satz, der nnmittelbar in der Äuslassiing der„Berliner Korrcsp." darauf fußt, widerlegt alle der- artigen Vcrniiltimgen; er lautet: „Bedenken, das deutsche Volk sei nicht im stände, die durch die Vorlage hervorgerufene Last zn tragen» können doch ernst- Haft nicht geltend gemacht werden." Wenn man vom„deutschen Volke" redet, das die Lasten tragen könne, so»icint»nan stets das proletarische Voll, dessen Lebensmittel besteuert werden. Die Hoffnung auf eine gedeihliche Lösung in dieser Form wird doch aber das Ceiitrum, so wenig man ihm sonst trauen mag. gründlich zu Schanden machen. In demselben Artikel erklärt der Offiziosus:„Ohne eine starke Flotte baue» wir unser Hans auf Sand." Nun, ans Sand kann man ganz hübsche Häuser bauen, nimmermehr aber auf Wasser.— Konservative Flottengcgner. Abg. v. Lcvctzow hatte die glistimmuiig zur Flottenvorlage nur im Namen des aller« größten Teils der konservativen Fraktion angekündigt. Die „Deutsche Tageszeitung" betont jetzt ausdrücklich, daß die bisher nicht zustimmenden konservativen Abgeordneten tcilicsiocgs die Leiter des Bundes der Landwirte seien, sondern andere Mitglieder der konservativen Partei. Die Bedenken dieser konservativen Minder- heit gegen die in der Flottenvorlage geforderte Marinever« stärknng sind im Reichstag vom bayrischen Abg. Nißler vorgebracht worden.— Agrarier contra Flotte. Die„Deutsche Tageszeitung" bringt lviedermn eine» Leitartikel. unterzeichnet von Martini, Oberst a. D.j ans deni die liefe Abneigung in Bündlcrkrciscn gegen die rapiden Flottenverniehrunge» spricht. Oberst Martini ist sehr unzufricdc», daß die Flottenvorlage mit der Notwendigkeit, die deutsche Erltährung sicher zu stellen, begründet werde. Dcntschland dürfe sich nur ans sich selbst stellen, es könne alles produzieren, was es brauche.„Auch die stärkste Flotte bietet keine Sicherheit, wenn diejenigen Länder, ans die wir zu unsrer Ernährung angewicscn sind, zn nnscrn Feinden gehören, ebenso wenig wie sie die Gefahren und Zufälligkeiten eines langen Seetransports mit Sicherheit beseitigen kann. In den 20 Jahre», welche für die Flottenverstärkuiig in Aussicht genommen sind, kann die deutsche Landwirtschaft so erstarken und dadurch den Wohlstand in den breiten Schichten des Volks dcrinaßcn heben, daß wir jeder Blockade mit Ruhe entgegensehen könne n. Aber deshalb wollen ivir nicht etwa in uliseri» Rüstnngen zur See einen Stillstand eintreten lasten, denn Stillstand ist iininer Rückschritt. Eine allmähliche Verstärkung unsrer Flotte tvird auch in weiteste» landwirtschaftlichen Kreisen als Notivendiqkcit anerkannt. Aber die Gröste»md Plötzlichkeit dieser Vor- läge erschreckt." Ja, der Oberst weiß auch die Social- demokrakie gegen die Flotte auszuspielen. Wenn Handel und Industrie immer mehr gefördert iverden, so wachse zn- gleich die Socialdemokratie; eine„vorübergehende Erscheinung" sei diese mir— im A g r a r st a a t e. Der' agrarische Flotteiiärger macht also der Regierung bereits den Vonvnrf der Soeialistim- örderung. Diese Art Flottenbckälnpfung ist vielleicht gar nicht so nnschlan bei der bekannten Soctalistcnallgst ail sehr einflußreichen Stellen des Reichs. Die„Deutsche Tageszeitung" erklärt natürlich, daß sie sich mit dem Inhalt des Artikels ihres BundcsstcnndcS nicht identifizieren könne. Aber solche Stimmungsbilder aus dem Lande lassen daS patriotische Opfer der Zustimmung zur Flottenvorlage um so größer erscheinen und berechtigen zu um so dreisteren agrarischen Forde- rungen. Hierauf kommt es ja auch in erster Linie'an. Wenigstens soll die Flottcnbcwilligung den Agrariern teuer bezahlt werden.— Ccntrum und Decknngsfrnge. Die„Köln. Volksztg." schreibt, wie aus Köln telegraphiert wird, zur Deckungsfrage bezüglich der Flottenvorlage, das Centruin habe gegen eine Reichs-Flottensteuer, welche als eine Reichs- Einkommensteuer oder Reichs- Vermögenssteuer mit entsprechender Progression nach oben erhoben erhoben würde, nichts einzuwenden. Hier komme mir das förderalistischc Bedenken in Betracht. Vielleicht lasse sich dasselbe dadurch beheben, daß seitens des Reichs lediglich die Grund- sätze für die Beschaffung des eventuelle» Bedarfs festgelegt werden, die Aufbringung des erforderlichen SteuerquantumS aber den Einzel- staaten unter Anpassung an deren direktes Stenevsystein überlassen bleibe. Wenn das Centrum nur den„eventuellen" Bedarf auf diese Weise gedeckt wissen will, so kann es sich die ganze Deckungskomödie ersparen. ES kommt darauf an, die G e s a in t k o st e n des Plans, unabhängig von den sonstigen Einuahmen des Reichs, durch eine direkte Besteuerung der Besitzenden aufzubringen und dies gesetzlich festzulegen.—_ Schutz dem Handel im AnSland— N n t e r d rü cku n g des Handels im Inland, so will es die reichs-prenßische Widerspruchs- iveisheit. Während man Milliarden aufwenden will, nm den Handel im Ausland zu schützen, der auch ohnedies gesichert ist, versucht man bei uns durch willkürliche Umsatzsteuern die höheren Betriebs- formen dcS Handels zu zerstören, die Flottenvorlage und der Ent- wnrf der WarenhauSstcner erwürgen sich einander in ihren Begründungen. Vielleicht wandert der deutsche Julandshandcl nnmnchr nach Ueberseeländern ans, wo er durch die Flotte geschützt, während er in der Heimat durch Mtqnel bedrängt tvird. Es ist dasselbe Spiel, ivie niil den famosen„Deutschen im Auslande". Wehe, wenn denen ein Haar gekrümmt wird! Hin- gegen mißhandelt man die Deutschen im Jnlaiide durch Znchthaus- Vorlage nnd Gcivaltakte aller Art. Die Mobilmachimg Nomö wird wie Anno 1887 beim Sep- tennat versucht. Das päpstliche römische Blatt„Osservatore Romano" drückt die lebhafte Hoffnung ans, daß die Flotten- Vorlage vom Reichstag angenommen werde. Die europäische Lage lasse eine starke Flotte für Dcntschland u n e n t- b e h r l i ch erscheinen. Auch das Centrum verkenne dies keineswegs und werde sich in der Koininissio« leicht mit der Regierung vcr- ständigen, falls diese befriedigende Anfschliisse über die finanzielle Seite der Frage gebe. 1887 wies die deutsche Centrnmspartei mit aller Schroffheit die Einmischung der päpstlichen Diploinntcii zurück.— Vchördliche Fkoticilagitation wird im Harz getrieben. Auf Anweisung eines Krcisdircktors„sammeln" die Gemeindevorsteher Beitrittserklärungen für den Flottcnvcrcin. So wird die Flotte zur Galeere. Katholische Geistliche alck Flottcnagiiatorcn. Ans Elsaß- Lothringen tvird uns geschrieben: Nun ist sie gefunden, die Formel, unter der auch die katholische Klerisei des Reichs die Pro- pnganda für die»ferloieu Flottcnpläne der Regierung aufnehmen kann. Der katholische Geistliche des lothringischen Ortes Ott- Weiler hielt vor einigen Tagen eine Rede, in der es heißt: „Auch eine starke Flotte will der Kaiser im Interesse des Reiches nnd zn», Schutze der Missionare bei ihrer hatten und gefährlichen Glanbcnsvcrbrcitnngs- und Civilisationsarbcit. D i e' M i s s i o n a r e schützen n n d helfen, welch ein erhabenes Werk! Ist doch dieses Werk die Zuwendung der Früchte der Erlösung an die Völker, die noch in den Finsternissen nnd im Schatten des Todes sitzen. Wie schön für alle C h r i st e n. durch Gebet und Scherflein sich an diesem Werke zu beteiligen!" Das ist in der That mehr, als mau von einem Abbö unsrer aiinckncttcn Provinzen, dem Amtskollcgen jener rcichsländischcn Polksvcrlrctcr, verlangen kann, deren Haltnng im Reichstag nach der jüngste» Puttkanicr-Rcde„nicht so ist, daß die Festigkeit ihrer deutsch- patriotischen Gesinnung außer Zweifel sei\ Wäre diese SinncS- wondlung nicht des Preises genug, nni dem elsaß-lothringischcn Volke dafür die Aufhebung des D i kta tu rp a r a g ra p h e n zu gewähren?— Zu den Koloinalskandalen. Die beiden Offiziere, ans die Genosse Bebel am Dienstag bei der Beratung des Kolonialctats anspielte, sind die Hanptlcnte K a n n e n b e r g nnd W e g n e r. Daß gegen diese beide» wegen ihrer Thatcn in den Kolonien Unter- s u ch u n g eingeleitet ist, mußte der Direktor des Kolonialamts, Herr v. Buchka ans die private Anfrage Bebels zugeben, er bestritt nur, daß die von letztrein angegebenen Thatsachen der Sachlage entsprechen. Fest steht aber, daß cS sich in beiden Fällen nin Grausam- ! e i t e n handelt, die die beiden Offiziere gegen Eingeborene be- gangen habe»; fest steht ferner, daß die beiden Offiziere sich in Deutschland befinden nnd sich ihres Leben freuen, d. h. daß von einer Untcrsnchnngs Haft keine Rede ist. Behauptet wird, daß man Bedenken habe, mit der Energie gegen die beiden Uebelthätcr vorzugeben, die die Schivere der Handlungen erfordert, weil die ehr cinflnßrcicheii Hiiitcrmänner der beiden Offiziere alles anfbicteii, ie dem Arm der Gerechtigkeit zn entziehen. Bebel ivird bei der dritten Lesung des Etats abermals auf die Sache znriickkommen nnd kategorisch verlangen, daß von feiten des Direktors des Kolonial- amts Anftläriing gegeben wird, wenn er abermals bestreitet, daß die von Bebel ffvieder vorzubringenden Thatsachen � nicht ganz der Wirklichkeit entsprächen. Jedenfalls ist es außerordentlich merk- würdig, daß die Kolonial-Verivaltnng sich krampfhaft bemüht, über Vorgänge Dunkelheit zn erhalten, über die Klarheit zu erlangen der Reichstag nnd das Volk, ans dessen Kosten die Kolonien unterhalten iverden, ein Recht haben. » Zum Fall Arenberg bemerkt die„Tägliche Rundschau" auf die Mitteilung des.crolonialdirektors v. Bnchka, daß Arcndcrg beim Austritt ans dem Heeresdienst das Zeugnis„Betragen gilt" ge- habt habe: „Herr v. Bnchla hätte z. B. nicht die Thatsache verschweigen sollen, daß Prinz Arenberg in Münster der Frau seines WachtiiicistcrS einen Tritt vor dr» Leib gegeben hat »nid deswegen den Rat erhielt, abzugehen. Wenn Herr v. Buchka heute die Verantwortung für die Entsendnng deS von Natur nicht bösariigen, aber im angetrunkenen Zustande stets zu Gewaltthätigkeiten u c i g e n d e n Prinzen Arenberg i» die Kolonien' ganz allein auf sich nimmt, so mag das. vom dienstlichen Gesichtspunkt ans betrachtet, sehr löblich sein: aber die Verdienste des Herrn v. Richthofen nm diese Entscilvimg hätte er deswegen nicht völlig zu verschweigen brauchen."— Eine nenc Milititrsordernng.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Der„Schief. Volks-Ztg." wird aus Verlin geincldct, es werde be- abstchtigt, sänitliche Jäger bataillone niit je einer Maschine n geivehrbatterie zu sechs Gewehre» ansznrüsten und bei jedem Jägerbataillon eine besondere Kompagnie oder Ab- tcilnng. der die Batterie überwiesen ivird, zu bilden. Dies würde eine Verstärkung des L a n d h c e r e S mit neunzehn Maschinengcwehrbattericn der Linie und voraussichtlich mit der gleichen Anzahl für die im Mobilmachnngsfall aufzustellenden Jäger- dataillone der Reserve, mithin um 33 Masckiinengewehrbatterien er- fordern. Auch für die Infanterie soll die Maßregel für später be- absichtigt sein.— Die grüne Juleruatiouale. In einer der agrarischen Ver- einigungeu, die in dieser Woche in Berlin tagen, hat der Professor Ru'hländ pathetisch den agrarischen Jnternationalis- mus gepredigt: Die Zukunft der modernen Kulturtvelt hängt davon ab, ob es gelingt, die Herrschaft der goldnen Jiiteruatioiiale zu beseitigen. Wie aber könne dies geschehen? U n s r e Diplomaten sind dazu nicht fähig. Sie sind alle nur ge- ivohnt, Utiliiätspolitik zu treiben. Auch die Gesetzgebung eines einzelnen Staats kann hier wenig leisten. Dem internationalen Großkapital gegenüber gicbt es nur eine wirksame Beschwörungsformel, und das ist das Programm, Trust gegen Trust, Ring gegen Ring?(Stürmischer Beifall.) Die heute bestehende unheilvolle Weltherrschaft des interuationaleu Großkapitals muß und kann nur beseitigt werden durch die Weltherrschaft der Bauer» in dem Sinne, in dem auch Fürst Bismarck sich als„Bauer" bezeichnet hat l(Anhaltender lebhafter Beifall.) Wie sich Herr Ruhland die Ausführung dieses Gedankens denkt, ist nicht klar, da ja die Landbesitzer der verschiedenen Länder im Gegensatz zu den Proletariern, die überall international empfinden, in nationalen Engherzigkeiten befangen sind. Trotzdem ist anzu- erkennen, wenn die Agrarier den Nutzen des Internationalismus ein- sehen und sich zu ihm bekennen, auf die Gefahr hin, unter die vater- lmidSlosen Gesellen geworfen zu werden.— Der frühere Minister des Innern Herrfurth ist, 70 Jahre alt. am Mittwoch nach längerer Krankheit verstorben. Er hatte 1883 nach der Entlassung Puttkamers die Leitung des Ministeriums übernommen. Sein wichtigstes Werk war die neue Land- g c in e i n d e- O r d n u n g. So unzweifelhaft konservativ Herr Herrfurth war, so machte er sich doch durch eine gewisse politische Wohlauständigkeit bei seinen eigenen Parteigenossen mißliebig und wurde von ihnen mehrfach scharf bekämpft. Als Herrfurth 1892 mit den Miquelschen Steuerreforniplänen nicht einverstanden war, nahm er seine Entlassung. Er ist Verfasser mehrerer vcrwalinngsrechtlichcr Schriften.—_ Ausweisung von Inländern. Der Genosse F a l l e n b e ck in Dresden, der im vorjährigen Maurerstreil wegen geringfügiger thätlicher Beleidigung eines Streik- brechers zu der außerordentlichen Strafe von fünf Monaten per- urteilt wurde, ist durch Verfügung der Polizcidirektion Dresden mit dreitägiger Frist aus Dresden ausgewiesen worden. Fallenbeck ist nicht etwa ein„lästig gewordener" Ausländer, er ist ein geaichter Sachse und wohnt überdies schon sieben Jahre un- unterbrochen in Dresden. Die Ausweisung stützt sich auf das bekannte Vagabnndengesetz aus dem Jahre 1839, das den Polizeibehörden das Recht giebt, be- strafte Personen aus ihrem bisherigen Aufenthaltsorte auszuweisen, Ivenn anzunehmen ist, daß ihnen der Aufenthalt an diesem Orte in besonderer Weise Gelegenheit zu neuen Gesetzcsverletzungen geben werde. ES ist dasselbe Gesetz, das vor einigen Jahren in dem aufsehen- erregenden Falle Rosenow mit Hilfe der gewagtesten Auslegungskünste zur Anwendung kam. Das Gesetz ist nach den ausdrücklichen Versicherungen der Regierungsvertreter, die seiner Zeit im Landtag auf Provokation der socialdemokratischcn Abgeordneten abgegeben wurden, nur dazu bestimmt, den Polizeibehörden ein Mittel an die Hand zu geben, um sich arbeitsscheuer und dergleichen Personen zu entledigen und sollte keineswegs zu politischen Maßregelungen bestimmt sein. Trotzdem wurde es gegen Genosse» Roscnoiv auS rein politischen Gründen angewendet und wird jetzt wieder gegen Genossen Fallcn- bcck aus rein politischen Gründen angewendet. Wie im Fall Rosenow, so kommt auch im vorliegenden Fall noch eine gewaltsame, dem Wortlaut widersprechende Auslegung hinzu, um die Anwendung zu ermöglichen. DaS Gesetz soll nach seinem Wortlaut nicht anwendbar sein auf Personen, die mindestens 2 Jahre im Orte wohnen und in dieser Zeit einen„ständigen, ehrbaren Erwerb" gehabt haben. Fallenbeck wohnt, wie bemerkt, schon seit 7 Jahren in Dresden und hatte als ehrlicher Arbeiter stets seinen„ständigen, ehrbaren Erlverb". Doch das macht der Dresner Polizei keine Sorgen— sie braucht eine Handhabe gegen die Arbeiterbewegung und darum schafft sie fich eine; sie braucht ein eignes Socialistengcsctz und darum macht sie sich einS. Aber braucht sie auch Erbitterung in der Arbeiterklasse? Muß es nicht im höchsten Grade erbittern, daß ein ehrenhafter Arbeiter wegen einer Lappalie, die in der Erregung des Lohnkampfes ihre Erklärung findet(F. hatte einen Streikbrecher gestoßen), erst zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt und dann wie ein Hund davon- gejagt, von HauS und Familie gerissen, um seine Existenz gebracht wird? Wie schön paßt daS zu dem Flottentamtam, für den man sich krampfhaft bemüht, die Arbeitermasscn einzufangen mit patriotischen Flausen l_ Die„Kreuz- Zeitung" giebt heute zu, daß die Social- beniokratie nicht verantivortlich gemacht werden kann, wenn ein Privaluntcriiehmcn, wie die„Berliner Geuossenschnftö-Bäckerci", hohe Profite macht. Sie stellt sich dumm und sagt, es könne auch niemand einfallen, uns dafür verantwortlich zu machen. Und doch hat sie es von vornherein gcthnn und sie hätte auch gar keine Ver- anlassnng gehabt, etwas zu der Angelegenheit zu sagen, wenn sie uns nicht dafür verantwortlich machen wollte. Daß wir solche Profit- Wirtschaft billigten, wie die„Kreuz-Zeitung" weiter behauptet, ist eine blanke Lüge, wie jeder, der unsre erste Notiz zur Sache ge- lesen hat, zugeben mutz.— Karlsruhe, 13. Februar.(Eig. Berh Heute fand im badischen Landtag die regelmäßig wiederkehrende OrdcnSdebattc statt. Seit vielen Jahren stellt das Centrum den Antrag auf Zulassung von Orden inid ordensähnliche» Kongregationen, ohne daß die Regierung bis jetzt Neigung gezeigt hätte, von der Befugnis, die ihr gesetzlich zu Gebote steht, Gebrauch zu machen. Der Führer der National- liberalen, Abg. F i e i e r, hatte einen glücklichen Tag. In einer mit viel Humor und SarkasmuS durchwürzten Rede sprach er entschieden gegen die Zulassung von Orden. Die Regierung erklärte kurz, daß sie zur Zeit nichr in der Lage sei, den Wünschen des CcutrninS entgegenzukommen, da sie bei einer evcnt. Zulassung von Klöstern und Orden ciniy Störung des konfessionellen Friedens befürchte. Obwohl die Mchichcit für den Antrag des EeutruiuS ist, wird die Regicrung eS beim alten lassen und tvir werden deshalb auch auf dem nächsten Landtag eine Wiederholung der Ordcusdebatte bckonnncn!— Die LaudtagSwahl in Breslau. Die WahlprufnugS-Kommisstou dcö Abgcordiictcuhauscs erklärte am Mittwoch die Wahlen derAbgg. Schmiedcr, Gothein und W c t c k a m p für die Stadt Breslau mit 11 gegen 1 Stimme für ungültig. Im Mai v.J. war die Wahl beanständet und die Staats- regierung ersucht worden, Beweis darüber zu erheben, ob„während des Wahlaktes an verschiedenen Tische» im Wahllokal Geld ausgezahlt worden ist, insbesondere an den Tischen der socialistischen Partei". Die Beweiserhebung ergab iubczug darauf ein negative» Resultat. ES ist vielmehr nur erwiesen worden, daß nach dem 3. Wahlakt die Socialdcinokraten an ihre Wahtmänncr aus der eigenen Partei- lasse für entgangenen Arbeitsverdienst und bare Auslagen während des Itstiindigen Wahlakts eine Entschädigung von 5—6 M. gezahlt haben. Entgegen der Stellungnahme der Kommission vom Mai vorigen Jahres legte die Majorität derselben jetzt den entscheidenden Wert darauf, daß die socialistische Partei vor der Wahl der Abgeordneten den Beschluß gefaßt habe, ihren Wahlmännern überhaupt eine Entschädigung zu zahlen, die außer den baren Aus- lagen noch den entgangenen Arbeitsverdienst des Tages darstelle. Die socialistischen Stimmen waren entscheidend für das Wahl- crgebnis. Welche Ungeschicklichkeit oder welche Wahlbeeinflussung in jener Erstattimg von Auslagen und Arbeitslohnverlust liegen soll, ist schlechter- dings nicht erfindlich. Die nächste Wahl wird den Konservativen keine Freude bereiten.—_ Von Samoa liefen dieser Tage sehr ungünstige Nachrichten ein. Ganz anders lauten die jetzt offiziös verbreiteten Mitteilungen aus A p i a vom 7. Februar: Zur Feier des Geburtstages des deutschen Kaisers entsandten beide samoanische Parteien Deputationen angesehener Häuptlinge, darunter Tamasese, in das deutsche Konsulat, um ihre Unterwerfung unter die deutsche Herrschaft zu erklären, und ihre Glückwünsche zu'dem Tage zu überbringen. Auf den Inseln Upolu und Sawaii herrscht völlige Ruhe. Man wird ja sehen.— Ausland. Auucxiou der Mandschurei. Die halboffiziöse, meist gut unterrichtete„Rossija" erklärt, daß die Regierung demnächst bereit sei, die Mandschurei als„russisches Gebiet" zu proklamiere». Die verwitwete Kaiserin von China habe ein fanatisches Manifest erlassen, in welchem den Chinesen die Abkehr von Europa und allem Fremdländischen empfohlen werde. Die kulturelle Mission der europäischen Staaten sei hiermit bedroht und daher halte es Rußland, daS bereits der geographischen Ver- Hältnisse wegen sich hierzu in erster Linie berufen fühle, für seine Pflicht, nötigenfalls sei» Kultur werk in A s i c n m i t b e w a f f n e t e r Gewalt z u e r z w i n g e n.„Als nach dem japanisch-chiiiestschen Kriege," meint aber das genannte Blatt weiter,„sich die europäischen Mächte in China„Einflußsphären" abgrenzten, fiel auf den Anteil Rußlands die Mandschurei mit der Liaotung-Halbinscl. Eine Einflußsphäre ist natürlich eine vortreffliche Sache, aber jetzt haben tvir mehr nötig. Wir müssen von der Einflußsphäre zur„Sphäre des volle» Besitzes" übergehen." Die Engländer haben sich niemals geniert, ihrem Besitz diejenigen Territorien hinzuzufügen, in welchen die Einflußsphäre allein sich für ihre Macht als ungenügend erwies. Weshalb sollten wir nicht die Mandschurei als russisches Besitztum erklären? Dies jetzt zu thun, wird nnS um so leichter fallen, als nicht eine der im fernen Osten interessierten Mächte es für nötig finden wird, ans diesem Anlaß Protest zu erheben. England i st durch den Krieg lahm gelegt, Frankreich ist unser Buiidcsgciiossc, Deutschland tvünscht jetzt weniger als je gegen uns vorzugehen und Japan end- lich hat schon mit uusrer Bewilligung genügenden Ersatz in Korea. WaS aber China selbst betrifft, so wird man cS in Peking schwerlich für vorteilhaft erachten, sich mit Rußland, diesem mächtigen Nach- bar», nicht zu verständigen." Frankreich. DaS französische Ministerium hat bei den Verhandlungen in der Depiltiertenkammcr vom Dienstag wieder recht günstig abge- schnitten. Duquesnay fragte an wegen der Unruhen auf Martinique und verlangte Abberufung des dortigen Gouvcr- neurs und General-Prokurators. Der Minister für die Kolonien, Dccrais, erwiderte, man müsse gxnauc Nachrichten abwarten; die Ordinnig sei wiederhergestellt und die Garnison zur Anfrechth�timg derselben ausreichend. Guibcrt(Deputierter für Martinique) will die Anfrage in eine Interpellation umgewandelt sehen. Ministerpräsident Waldeck-Rousscau forderte Verlagimg der Interpellation und die Kninmer beschloß d e m g c in ä ß. Die Kammer ging darauf zur Beratung des Budgets des Kricgsministeriums über. Paris, 14. Februar. Deputjertenkammer. In der heutigen Sitzung wurde die Debatte über daS Hccrcsbudget fortgesetzt. Der Berichterstatter Pcllctau konstatierte, daß keiner von den Rcdiicrii die bisher zur Debatte das Wort ergriffen, die Notwendig- kcit einer Reform der Militärverwaltung, aus die er in sciiicm Bc- riebt hingewiesen, bestritten habe. Pcllctau sagt ferner, daß die Zahl der aus dem Unteroffiziersstaiide hervorgehenden Offiziere geringer sei als unter dem Kaiserreich. Diesem Umstände könne nur dadurch abgeholfen werden, daß der Kriegsminister allein über das Avancemeiit bestimme. Die Fortsetzung der Debatte tvird so- dann auf morgen vertagt. Paris. 14. Februar. Wie in juristischen Kreisen versickert wird. soll der Zola-Prozcsi wegen der bevorstehenden Amnestie vertagt werden. Paris. 14. Februar. Der Erzbischof von Lyon hat einen Hirtenbrief veröffentlicht, welcher seines politischen Charakters wegen beanstandet wurde und die Regierung vcraulasicn dürfte, gegen den Erzbischof vorzugehen. Belgien.. Ucber turbulcnte Auftritte in der Brüsseler Dcpntiertenkammer wird vom Mittwoch auS Brüffel ge- meldet: Bei der Beratung über die Erneiicrimg des Privilegs der Natioiialbank kam es heute in der Kammer zu einem erregten Auf- tritt. Am Schliisse der gestrigen Sitzung hatten der Eisenbahn- minister L i e b a e r t und der socialistische Deputierte Denis heftige Worte gewechselt; im Verfolg dieses Zwistes cnt- stand heute ein thätlicher Zusammenstoß zwischen Socialistcn und einigen Mitgliedern der Rechten, die sich gegenseitig gröblich be- 'chinipfteii. Tie Sitzung mußte deshalb unterbrochen werden. Nachdem die Sitzung der Kammer tvicdcr aufgenomiiieii worden war, erklärte der Präsident, daß er angesichts des thät- lichcn Angriffs des socialistischen Abgeordnetcu Dcmblon auf den Abgeordneten de Wiart die zeitweilige Ausschließung Demblons von den Sitzungen der Kammer beantrage. Dcmbwn rühmt sich, de Wiart gcohrfeigt zu haben, tvas letzterer bestreitet. Die Kammer beschließt dann mit 70 gegen 20 Stimmen die Ausschlicstinig Dem- blous. Dieser weigert sich, den Saal zu vcrlafsen, lvorauf der Präsident die Sitzung aufhebt. Dänemark. Verkauf dänischer Insel» an Amerika. Kopenhagen, 13. Februar. Gegenüber der auswärts verbreiteten Meldung. dem dänischen Reichstag werde noch vor Ablauf der gegenwärtigen Session eine Vorlage betreffend den Verkauf der d ä n i t ch- w e st- indischen Inseln an Amerika für 12 Millionen Kronen unterbreitet werden, erfährt„Nitzaus Bureau", die Vcrkaufssiage sei bei der dänischen Negierung noch in keiner Weise angeregt worden. Die dänische Regierung nehme in der Frage eine passive Haltung ein.— Portugal. Lissabon, 14. Februar. Der K o l o n i a I m i n i st e r erwiderte in der DeputicrteNkammer gegenüber dein Antrag Ferreira Almcida, betreffend den Verkauf eines Teiles der Koloiiien. daß die Re- gierung und die öffentliche Meinimg dem Antrag ablehnend gegen- überstehen. In namentlicher Abstinminng wurde dann der Antrag Almcida«Nstimmig verworfen. Ruhlitud. Die UnterA rückung Finnlands. Für die Zustände in Finn- land bezeichnend ist eine Verfügung des russischen Geiicralgouverneurs in H e l s i n g f o r S an die dortige Ober-Preßverwaltniig, die Ccusorcn darauf hinzuweisen, daß Artikel, welche nicht- genau der im Reskript des Generalgouverncnrs vom 8. Juni 18S9 ausgedrückten Willens- Meinung des Zaren entsprechen, nicht zulässig sind. Ferner hat der? Gciieralgouvcrneiir ein Reskript des Zaren veröffentlicht, welches die„unpassenden" Be- merkungen der L a n d t a g s st ä n d e über die bevorstehende Rc- organisation des Militärwcscus tadelt und als in Widerspruch stehend mit der Sachlage bezeichnet, da Finnland einen integrierenden, im- abtrennbaren Teil Rußlands bildet. Der Zar erwartet von dem Generalgonverneiir energisches Handeln, durch welches in der Be- völkerung Finnlands die Auffassung von der wahren Bedeutung der zur Stärkung der Bande zwischen dem Reich und dem Großfürstcntum ergriffenen Maßnahmen befestigt werde.— A�bgeovdnvkenhNus. 24. S i tz u n g v o m 14. F e b r u a r, 11 U h r. Am Miiiistertisch: Frhr. v. R h e i n b a b e n. Die Specialberatung dcS Etats des M i n i st e r i u m S d c S Innern wird fortgesetzt, unv zwar noch bei dem Titel „Minister". Abg. Kopsch(freis. Vp.) beschwert sich darüber, daß in Ostpreußen ein Kreis-Schul- inspektor in Ragnit auf Anordnung des Landrats amtlich den Lehrern seines Bezirks eine Aufforderung zum Abonnement auf das konservative Blatt„Der VolkSfrcuud" zu- gestellt hat. Es sei dock ein Mißbrauch der Amtsgewalt, wenn die Beamten sich in amtlicher Eigenschaft um die Verbreitung ciucs Pnrtci-Orgaus bemühten. Daß cS sich um ein solches handelt und nicht, wie der Landrat behauptet hatte, ein parteiloses Organ, daS sich die Pflege monarchischer Gesinnung zur Aufgabe gemacht habe. haben die Gerichte als festgestellt augeuommeii. Das Blatt habe ja auch scharfe Artikel gegen die Kanalvorlage gebracht. Somit liege hier der Fall vor, daß ein Blatt, das die Regierungspolitik bc- kämpfe,' von den Organen der Regierung selbst verbreitet werde. Minister Frhr. v. Rheiubabcn: Soweit ich den Vorredner verstanden habe, handelt eS sich um die Enipfehlmig eines Blattes durch Beamte. Materiell kann ich das Vorgehen der Beamten nur billigen, denn in Ostpreußen wird der Friede zwischen den einzelnen 51' l a f s e n der Bevölkerung systematisch von der Social- demokratie untergraben. Da ist eS selbstverständlich in erster Linie Pflicht der Beamten, für die Erhaltung des Friedens auch ihrerseits zu sorgen. Formell dagegen haben die Beamten»ickt korrekt gehandelt, denn die Verbreitung von Zeitungen gehöre nicht zu ihre» Amtsbefug- iiissc». Ich habe deshalb mit dem Kultusminister gemeinsam bereits das Nötige verfügt, damit solche Fälle sich nicht wiederholen. Formell ist die Angelegenheit somit erledigt, über die materielle Seite werde ich mich uiit dem Vorredner wohl schwerlich verständigen. (Beifall rechts.) Abg. Schmitz-Düffeldorf(C) beklagt sich über die B c l ä st i g n u g c n. denen das anständige Publikum in der F r i e d r i ch st r a ß e ausgesetzt sei. Er legt eine Saumilung- von Einladungskarten zu Lokalen vor, die„mittelbar unzüchtige Bestrebungen fordern", Diese Karten seien ihm auf einer kurzen Strccky der Friedrichstraße zugesteckt worden. Solchen Ver- führungen, die für die Jugend verhängnisvoll wären, müßte energisch cutgegeugetreteu werden.(Eine Anzahl Abgeordnete eilen zum Redner, um von diesen Einladungskarte» Kenntnis zu nehmen.) Abg. Rickert(frs. Vg.) kommt uochnials auf die P o r t o h i n l e r z i e h n n g zurück. � Der Herr Minister hat eine unverständliche Unterscheidung zwischen materiell und formell gemacht. Für mich steht fest, daß der bc- treffende Beamte die Portofrcihcit im Interesse seiner Partei gemißbräucht hat.(Lebhafte Zustimmung links.) Durch solche Vorgänge werden nur die Geschäfte der S o c i a l d e m o- kratie gefördert. Die Regierung thäte wohl daran, wenn sie ihre Bcaiiiten von solchen Schritten zurückhielte. Gesetz und Beamte nützen nichts der Socialdcmokratic gegenüber, die nur au der Tüchtigkeit und Richtigkeit uusrer gesellschaftlichen Ordnimg scheitern kann.(Beifall links.) Der Kampf gegen die Socinldcmokratie ist Sache der bürgerlichen Gesellschaft und nicht der NegierungSpräsidenten und Schuliuspektoreu.— Ein Ncgicrnugskommiffar erwidert, daß der Minister dem ostprciißischcn Schulinspektor, der den„VolkSfreuiid" verbreitet habe, zwar materiell recht gegeben, ihn aber formell getadelt habe. Es sei- Recht und Pflicht der Regierung, gegen die Socialdeinokratie vorzugehen, wo sie»ur kömie. Daraus leite sick auck für die Beamten das Recht- und die Pflicht ab, überall gegen die Socialdcmokratcn vorzugehen, wo sie mir können. (Beiftill rechts.) Abg. Dr. Fricdbcrg(natl.): Der Standpiiiikt des Ministers wäre verständlich, wenn det „VolkSfrcuud" ein farbloses Blatt und geeignet wäre, den Frieden unter der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. DaS ist aber nickt der Fall, Das Organ verfolgt stark agrarische und antisemitische Teiidcnzcii, richtet seine Spitze also gegen einen Teil der Uiitcrihayen dcS Königs. Außerdem aber hat es dcn� Kanal in heftiger Weise bekämpft. Und nun erleben wir eS, daß der ganze'Regierungsapparat einer Provinz für ein Blatt mobil gemacht worden ist, das einen Standpunkt«innimmt, dessen Vertretung bei a n d r c n B e a m t e n mit ZurdiSpositionS- stelluug bestraft worden ist. Wenn ein Rcgiernugspräsidcut für ein solches Blatt eintritt, dann kann iiian es wirklich den Laudnitcn nicht verdcnleii, weint sie glaubten: Wenn wir den Kanal bekämpfen, handeln wir nicht gegen den Willen der Regierung.(Sehr richtig! links.) Der Herr Minister hätte gut daran gethan, nicht bloS die formelle, sondern auch die materielle Seite der Angelegenheit zu mißbilligen.(Beifall links.) Abg. Goldschmidt(frs. Vp.): Herr v. d. Recke ist über seine eigne Schueidigkeit gestolpert. Ich hatte Nu» gehofft, daß der neue Minister auch den Neckesche n Schießerlaß beseitigen ivürde. Leider besteht der Erlaß noch immer, und die Schueidigkeit. die er dem Abgeordiicten Kopsch gegenüber entwickelt hat. läßt nicht verimiten, daß er den Erlaß noch nachträglich aufheben wird. Woher leitet die Regiernng ein Recht her, eine solche Agitation für ein konservatives Blatt durch ihre Benmteil zu betreiben, die doch vom Gelde der Steuerzahler bezahlt werden? Wenn Sie versuchen, die Socialdcmokratie durch! die konservative Presse auszutreiben, dann heißt das, den Teufel durch Beelzebub auszutreiben.(Lachen rechts.) Die Socialdemokrntie! ist nicht durch die Macht ihrer Ideen, sondern durch die Fehler der Gegner groß geworden, nicht zuletzt durch die der preußischen Regierung.; Socialdemokratcu werden auch gemackt durch die Gcsiiideprüaelei. (Lachen rechts.) Die Schaffung eines Lbcrpräsidciiteii für Berlin ist doch nicht so harmlos, wie der Minister eS dargestellt hat. Nach, meiner Anficht soll eine Aiifsichtsinstaiiz für die städtische Selbst- Verwaltung geschaffen werden.— Redner bringt weiter die Ver- Haftung des Schriftstellers Franz Wisbachcr am 17. Januar 1899 wegen Majestätsbcleidiguiig zur Sprache. Herr Wis» bacher wurde als flnchtvcrdächtig verhaftet und der Flucht- verdacht damit begründet, dajz Wisbachcr Schriftsteller sei, Konservative Schriftsteller gelten freilich nicht als fluchtvcrdächtig, namentlich ivcini sie ihre Arbeiten so gut bezahlt erhalten, wie Herr v. Zedlitz bei der„Post"(Pfui! rechts), auch wenn sie so stantS- gefährliche Dinge thun, die es notwendig macheu, sie aus ihrer anit- lichcn Stellung zu entfernen.(Lärm rechts.) Redner fragt au. welche Gründe es gehabt habe, daß die Bestätigung des Oberbiirgcr- meistcrs von Berlin sich so lauge verzögert habe inid ob die Portal- frage damit in Zusammenhang stehe.(Lärm rechts.) Minister Frhr. v. Rheinbaben: Der Vorredner würde beim Asscsiorrramen glatt durchfallen (Heiterkeit links), er weiß nicht einmal, daß die Polizei HilfS- orqan der Gerichte ist und als solche die Verhaftung bewirkt hat. Auf den Schieszcrlafc und die Frage der Bestätigung des Ober- Bürgermeisters einzugehen, lehne ich glatt ab. sBravo! rechts.) Die Rede des Vorredners für die Socialdemokrntic war wohl mehr fürsein andres Haus, oder für eine Volksversammlung bestimmt. Es handelt sich nicht um die Agitation für ein konservatives Blatt, sondern um das zicl- bewuhte Gcgenübertreten der Beamten gegen die verhetzende Thätigkeit, die die Socialdemolratie in Ostpreußen entwickelt. sBravo!> rechts.) Der �Vorredner meinte, die Socialdemolratie sei durch die Fehler der Regierung gewachsen. Meiner Ansicht nach haben nicht wir die Socialdemolratie großgezogen, sondern die bürgerlichen Parteien tragen die Schuld, die der Regierung die Hilfe in diesem Kampfe versagt haben.(Bravo! rechts. Abg. Dr. Barth(frs. Vg.): Ich halte es für die Pflicht der Beamten, alle Parteien voll- kommen gleichmäßig und gerecht zu behandeln.(Bravo l links.) Sie haben gar lein Recht dazn. gegen irgend eine Partei amtlich Front zu machen. Welche Erfolge sind auch dadurch erzielt? Durch nichts mehr ist die Socialdermokratie gefördert worden als durch die ungerechte Behandlung seitens der Behörden Der Herr Minister tvird doch hoffentlich ivissc», daß das Ausnahme gesctz gegen die Socialdemolratie längst beseitigt worden ist. Die Socialdemolratie hat ein Recht auf dieselbe Behandlung wie die andern Parteien. Andre Parteien können ja die gleiche Lage kommen. Vor zwei Jahrzehnten noch galt das Centrnm als staatsfeindlich. Und heut sind ja die Konseravtiven viel größere Oppositionelle gegen die Pläne der Regierung, als die Socialdemokratcn.(Lachen rechts.) In aktuellen Fragen steht die Socialdemolratie der Regierung näher, als der Bund der Landwirte.(Lärm rechts.) Ich erinnere nur an den Kanal. Und doch sind Gemeindevorsteher für den Bund der Land ivirte thätig. Minister Frhr. v. Rhcinbabcn hält eine amtliche Thätigkeit von Gemeindevorstehern für den Bund der Landwirte für ebenso unzulässig wie für den„Nordost". Abg. v. Jagow(k.): Ich würde den Beamten, der die Socialdemokraten nur von ihrer theoretischen Seite aus betrachtet, nicht für pflichtvergessen. sondern einfach für unfähig halten.(Sehr richtig! rechts.) Wenn der Abg. Barth meinte, die Socialdemolratie stehe der Regierung näher als der Bund der Laiidivirte, dann hat er offenbar Licgierung und Manchestertum verivechsclt. Abg. Dr. Kelch(frk.) erörtert die Wirkung der Aufhebung des Koalitionsverbots für politische Vereine. Die Socialdemolratie hat die Vorteile, die die Aushebung den übrigen Parteien bringt, durch Mißachtung des bis dahin bestehenden Z 8 des Vcreinsgesetzcs schon vorivcg genomi..en Leider war es ninnöglich, die Führer in wirksamer Weise zur Ver antivortung zu ziehen und dem Gesetze Achtung zu verschaffen. Alle bürgerlichen Parteien müssen der Socialdcmokratie geschlossen gegenüber stehen. Der Anfang dazu ist bei den vorigen Wahlen gemacht: er muß bei den nächsten Wahlen fortgesetzt werden (Bravo! rechts.) Abg. Werner(Antis.) fragt an, ob den Gefangenen iv irklich die warme Unterkleidung entzogen worden sei, wie ein Artikel im „Vorwärts" behaupte. Redner beklagt, daß es so häufig Juden gestattet werde, ihre Namen gegen gute' deutsche Namen zu vcr- tauscheu. Unter anderm weist er auf den Fall des Professors Lcvy von Halle hin. Jeniaud, der Schmul heißt, wird, auch wenn er seinen Nanicn ablegt, im Innern doch immer ein Schmul bleiben. (Heiterkeit links.) Vom Regicrungstisch wird dem Redner nicht geantwortet. Nach unbedeutender weiterer Diskussion vertagt das Haus die Fortsetzung der Beratung auf Donnerstag 11 Uhr.' Schluß 4 Uhr._ Vsvtoi Parteiorganisation. Die Parteigenossen Elberfelds beschlossen die Institution des Vertrauensmannes aufzuheben und sämtliche Parteigeschüfte dem Vorstand des Vollsvcreins zu übertragen. Gegen die Flotten- Vorlage protestierten die Arbeiter Hannovers in fünf Volksversammlungen, die einstimmig scharfe Resolutionen gegen die Milliardenverschwendung annahmen. Auch in G e e st e m ü n d e protestierten die Arbeiter in einer Versammlung und ebenso in Chemnitz. Die Versammlungen ivaren sämtlich überfüllt und die Protestresolutionen fanden allenthalben einstimmig Annahme. Auch im socialdcmokratischcn Verein in Essen tvurde ein Protest gegen die Flotte einstimmig und ohne Widerspruch beschlossen. Totenliste der Partei. In Hannover starb nach kurzer Krankheit der Parteigenosse Johann Wilhelm im Alter von 62 Jahren. Wilhelm gehörte in Hannover zu den Gründern des Verbands der Fabrikarbeiter. Der Magistrat von Rostock hat dem Arbeiter-Turiiverein dort die städtische Turnhalle zu seinen Uebungcn überlassen. Dafür wird er von dem Jnnkerblatte„Mecklenburgische Nachrichten" in einer Weise angerempelt, als ob er sich für die Einführung des Zukunflsstaates ausgesprochen hätte. Der Streik der Bergarbeiter. In Böhmen wird der Ausstand ungeschwächt fortgesetzt. Das Scheitern des Einigungsverfahrens in Tesche», die Ablehnung eines Schiedsgerichts seitens der Unternehmer in Prag hat keineSivegs deprimierend a»f die Arbeiter gewirkt, die Zahl der anfahrenden Arbeiter ist auf ihren bisherigen Stand geblieben. Nach weiteren einlaufenden Meldungen ist auch das Einigungsamt in F a l k c n a u nicht zu stände gekominen, die Unternehmer sind der einberufenen Sitzung ferngeblieben, die Sitzung nmßte deshalb aufgehoben werden. Die Absicht der Unter- nchnier tritt klar hervor, sie ivollen de» Kampf mit allen brutalen Gewaltmitteln unterdrücken, die Streikenden durch den Hunger wieder an die Arbeitsstätte» treiben. Die Kalkulation verspricht wenig Aussicht auf Erfolg: so unerschütterlich fest, so andauernd ist bisher kein Lohnkampf in Ocstreich ansgefochten und schließlich sind auch die Mittel außergelvöhnliche, die in diesem großen wirtschaftlichen Kampf von den Arbeitern aufgebracht iverden. In Ungar n ist der Streik erloschen. Die Eisenarbeiter in Raschitza haben die Arbeit wieder aufgenommen und damit dürfte auch die geplante Lohnbewegung der Bergarbeiter versiegen. Lcoben, 7. Februar. Die Alpine- Montangesellschaft bewilligte die von dem Einiguugöamte vereinbarten Zugeständnisse. Damit ist die Lohnbewegung in Scegraben beigelegt. In Deutschland hat der Streik im Ztvickauer Revier begonnen. Aus Zwickau wird uns darüber vom 14. d. M. geschrieben: In zwei überaus stark besuchten Versammlungen beschlossen die Bergleute des hiesigen Reviers einstimmig, nachdem der Verein für bergbauliche Jntereffen, die Untcrnehmcrkoalilion, jedwede Unter- Handlungsart brüsk zurückgewiesen hat, heute, Mitttvoch, den 14. d. Mts., in den Streik einzutreten. Kein Mittel hat die Bergarbeiterschaft unversucht gelassen, um auf gütlichem Wege etwas bei der gegenwärtigen günstigen Konjunktur für sich herauszuschlagen, jedoch die reichen Grubenmägnaten und deren Verwaltungen sind nicht gesonnen. von ihrem horrenden Gewinne einen kleinen Teil auch denen zukommen zu lassen, die Tag für Tag ihr Leben und Gesundheit ini Interesse der Dividcndcnschkuckcr in die Schanze schlagen. Nachdem die Grubenbesitzer schriftlich erklärt hatten, mit dem bei Beginn der Bewegung seitens der Bergarbeiter gelvählten Koinitee, iv e i l es aus s o c i a l d e m o k r a t i s ch c n Agitatoren bestände(es befinden sich in demselben der Rcichstagsabgeordnete Sacbse und noch vier früher gemäß- regelte Bergarbeiter), in keine Unterhandlung eintreten zu wollen, kam die Sonntagsversammlung der Bergarbeiter soweit entgegen, ein neues Komitee, bestehend aus Mitgliedern der einzelnen Werkst Arbeiterausschllsse und Knappschafts-Krankenkassen, wählen zu wollen jedoch sollten vorher die Kreishauptmannschaft und Amtshauptmann schaft Zivickau, sowie der Ober-Bürgermeister der Stadt Zwickau und auch das Bergamt zu Freiberg um Vermittelung angegangen Iverden und zwar in erster Linie um dahin zu wirken, daß Maß regelungen dieser Komiteomitglicder nicht vorkommen. Die an- gegangenen Behörden haben bis auf das Freiberger Bergamt, das zur Zeit ein Eingreifen noch für zu verfrüht hält und zu Ver Handlungen von Belegschaft zu Werk anrät, wodurch die ganze Bewegung zu Bruche kommen würde.— ihre Intervention zw gesagt, jedoch die Grubenbesitzer haben auch die Vermittlung der Behörden strikte abgelehnt. Sie wollen keine Unterhandlungen, sie wollen den Kampf. Angesichts der Lage der Dinge konnten die Bergarbeiter nicht anders handeln, als den hingeworfenen Fehdehandschuh aufnehmen und sich zum Kampfe rüsten. Beide Versammlungen haben denn auch in einer gleichlautenden Resolution ihre Entrüstung über das rücksichtslose, ablehnende Ver halten der Bergbau-Unternehmer gegenüber den gerechten Arbeiter forderungen, die hauptsächlich in der Achtstundenschicht und 13 bis 20proz. Lohnerhöhung, an welchen sie auch festhalten wollen, bestehen— ausgesprochen und beschlossen, die alte Konmüssion unter Hinzu ziehung zivci aktiver Bergarbeiter weiter bestehen zu lassen und für Mittwoch den Streik zu proklamieren. Die Stimmung ist eine allgemein kampfesfrcudige und die Nachrichten über Niederlegen der Arbeit heute Mittwoch früh geben zu großen Hoffnungen Anlaß. Selbstverständlich ist auch schon dafür gesorgt, daß den„Arbeits willigen" der notwendige Schutz nicht ennangele, denn wie verlautet sind bereits in S ch e d e w i tz(ein Vorort von Zwickau) 16 Gendarme eingezogen. Die streikenden Bergarbeiter werden ihnen aber keine Geiegenheit zur Entfalrung ihrer„Amtsthätigkeit" geben.— Ueberaus eifrig und auch sonst dem Verhalten sächsischer Be Hörde» entsprechend hat das Leipziger Polizciamt einen Aufruf des Gewcrkschaftsknrtells zur Sammlung für die streikenden Bergarbeiter verboten. Das Kartell wird nun die Aufforderung an die organi sierten Arbeiter erlassen, und damit dürfte dem weiteren Eingreifen der Behörden ein Ziel gesetzt sein, da nur öffentliche Sammlungen verboten werden können. Natürlich beginnt auch sofort die bürgerliche Presse ihre Ver dächtigungen gegen die Arbeiter. Die„Dresdner Nachrichten" erzählen der staunenden Welt. daß der Durchschnittslohn eines erwachsenen männlichen Bergarbeiters beim sächsischen Bergbau„in der Regel nach Sstündiger Schicht im Jahre 1898 1196,65 Mark" betragen habe. Das ist einfach unwahr! Die achtstündige Schichtzeit ist nur in einigen Gruben die Regel und ivird auch dort so vielfach über- schritten, daß im Durchschnitt mindestens eine zehnstündige Schicht herauskommt. Im Zwickauer Revier ist aber, abgesehen von einigen heißen Arbeitsorten, an denen mehr als 28 Grad Celsius Wärme vorhanden sind, und einigen Orten, die besonders forciert werden müssen, die achtstündige Schichtzeit überhaupt noch nicht Mode ge wesen. Durch den großen Streik im Jahre 1889 wurde in den Arbeitsordnungen die zehnstündige Schichtzeit festgelegt. Seit zwei Jahren ist auch die zehnstündige Schicht auf allen Werken so gut wie ganz verschwunden. Die Verwaltungen dekretierten, daß die Schichtzeit auf 12 Stunden ausgedehnt wurde, wer nickt mit- macke» will, hat das zu melden— und hat dann Maßregelungen durch schlcchtlohncnde Arbeit, oder was auch öfters vorkam, gleich seine Entlassung zu gewärtige». Ja, sogar die 12stündige Schichtzeit ist nicht lang genug, sie wird noch vielfach auf einer ganzen Anzahl hiesiger Werke durch sogenannte„Zehntel"(lleberstunden) über- schritten, so daß die durchscknittliche Schichtzeit im Zwickauer Revier nicht weniger als 12 Stunden betragen wird. Gegenüber solchen Thatsachcn erlaubt sich aber das genannte Blatt von einer„der Regel nach 8stülidigen Schicht" zu reden. Auch der Durchschnittslohn eines erwachsenen männlichen Arbeiters betrug beim sächsischen Bergbau im Jahre 1898 nicht 1106,63 M., sondern nur 913.86 M., wie aus deni neuesten statistischen Jahrbuch für Berg- und Hüttenwesen ersichtlich ist. Ferner führt genanntes Blatt dann noch aus, daß sich im Accord der Verdienst noch wesentlich höher stelle,„daß der Häuer in acht- ständiger Schicht 4,30 M., der Lohnhäuer 3,75 M. und der Tag- arbeilcr 3,50 M. verdiene» könne". Daß die Angaben über die Bcrgarbcitcrverhältnisse in den bürgerlichen Blättern Lügen sind, geht schon daraus hervor, daß die Bergarbeiter im hiesigen und auch im Oelsnitz-Lugauer Revier in ihren Forderungen 8 stündige Schichtzeit, im Accord 4,20 Mark Mindcstlohn für Häuer zc. und 3,50 Mark für Förderleute verlangen. während für die Tagearbeiter 20 Prozent Zulage im Schichtlohn verlangt wird. Wenn die Blätter recht hätten mir ihrer Lohnangabe, o wollte» die Bergarbeiter durch ihre Lohnforderungen jetzt ihren Lohn vermindern, anstatt aufbessern. Diese Thatsache ist ein deut- licher Beweis, daß alle die gegnerischen Lohnangaben falsch sind I Trotzdem haben die Besitzer alle Forderungen abgelehnt, sogar die von den Arbeitern nachgesuchte Vermittelung der Behörden. Mögen diese Kohlenprotzen nun auch die Folgen ihres hochmütigen Gebarens tragen und die Industrie mag diese für allen Schaden verantwortlich machen. Auch die Bergleute im Rnhrgcbict regen sich. Die Vorstände des alten Verbandes und des Gewcrkvercins christlicher Bergleute haben gemeinsam folgende schon seit Jahren geltend ge- machte Forderungen wiederum an den bergbaulichen Verein und die Zechenverwaltungen des Ruhrreviers eingereicht: 1. Möglichste Ausgleichung der Löhne. 2. Freiwilligkeit der Ueberschichten. 3. Anständige Behandlung der Arbeiter. 4. Ueberlassung guter Brandkohlen zum Selbstkostenpreise. 5. Einricktinig von Verbandstuben. Ausbildung von Sanitäts- Mannschaften. Anschaffung von Transportwagcn für Verletzte. Säuberung der Waschkauen resp. Schaffung von Brause- bädern. Genügend große, saubere Ilmkleideräume, nebst Gelegenheit, die Kleider sicher aufzubewahren. Stellung von sicheren Gezähekisten. Teilnahme der Arbeiter an den UnterstützungSkaffen. Ob auf diese gewiß bescheidenen Forderungen die bis zum . März gewünschte befriedigende Antwort erteilt werden wird, bleibt abzuwarten.— Den Bergbehörden und der Regierung ist von dem unternommenen Schritt sosort Mitteilung gemacht worden. 6. 8. 9. GeivevkJtfzttftlirfies. Verlin»»d Umgegend. Achtung, Tapezierer! Die Polsterer der Finna Kalmbach, Potsdamerstr. 93. haben einmütig, da sie den Klebern gegen- über als Streikbrecher verwandt werden sollten, die Arbeit nieder- gelegt und ist diese Werkstatt, da Herr Kalmbach durchaus kein Be- dürfnis hat, mit der Kommission zu verhandeln, für Polsterer und Kleber zu meiden. Bei der Firma H a a s e, Steglitzerstr. 11, wurden zwei Tapezierer g e m a ß r e g e l t. Bei der Finna Schiedlich, Bülowstr. 36, sind gleichfalls Differenzen entstanden: auch hier wurde eine Besprechung mit der Kommission abgelehnt und sind die fiir die Arbeiter ausgestellten Berechtigungs- karten ungültig. Nach allen diesen Werkstätten, sowie nach der Werkstatt von F r i t s ch e. Briinncnstraße, ist der Zuzug fernzu- halten. Die Kollegen von Groschkus haben die Arbeit wieder auf- gcuonnne». da das Verlangen. Accordarbeit einzuführen, nach Vcr- Handlung von der Firma zurückgenommen wurde. Die Lohnkommission. Deutsche» Reich. In der Gießerei von Steinkopf in Buckau sind Differenzen wegen starker Reduzicrung der Accordpreise ausgebrochen. Wenn nicht ein Uebcrcinkommcn erzielt wird, dürften die Former die Arbeit niederlegen, was wir jeden Metallarbeiter zu beachten bitten.— Zum Streik der Weber tu Kupferdreh. Wohl selten steht in einem Kampf mit seinen Arbeitern der Unternehmer so isoliert da, wie der Fabrikant Colsmann in Kupferdreh bei Essen. Nicht nur wendet sich die Bürgerschaft der Gemeinde auf feiten der Arbeiter, auch die Behörde sympathisiert mit den Ausständigen. Das hat allerdings seine Ursachen. Der reiche Fabrikant war nicht nur rücksichtslos gegenüber den Arbeitern, sonder» gegen jeden, mit dem er in Berührung kam. Er besaß das Geschick, sich durch sein Auftreten in allen Kreisen unbeliebt zu machen. Seiner Zeit wurde sogar in einer Gemeinderatssitznng die Handlungsweise des Herrn Colsmann einer scharfen Kritik unter- zogen. Durch die Finanzpolitik des Herrn Colsmann war nämlich die Gemeinde sehr benachteiligt. Man hatte im Gemeindebureau wahrgenommen, daß der durchschnittliche 14tägige Lohn für er- wachsene Arbeiter 33,00 M. beträgt. Von einem solchen Lohn können natürlich die Arbeiter keine Steuern bezahlen, im Gegen- teil, die Genieinde muß zum Teil noch für den Unter- halt der Weber sorgen. Zwei Drittel des Armenetats reichen gerade zur Unterstützung armer Wcberfamilien. Hier hat eine Behörde eklatant nachgewiesen, daß nicht die billigen Arbeiter, die Streikbrecher zu den staatserhaltenden— sondern zu den gemeinschädigenden Elementen zu rechnen sind. Herr Colsmann hat es übrigens auch während des Streiks ver- standen, sein herrisches Wesen fühlen zu lassen. Er hat nicht nur die Vertreter der Arbeiter, sondern auch den Bürgermeister von Kupferdreh. der vermitteln wollte, schroff zurückgewiesen. Und wozu alle die Rücksichtslosigkeiten? Stellten die Arbeiter vielleicht iveitgehende Forderungen? Durchaus nicht! Der Fabrikant hatte sie' in den Ausstand getrieben, weil er die Organisation vernichten wollte. Jetzt allerdings. nachdem sich Herr Colsmann seit bereits 4 Wochen weigert, die den Arbeitern gesetzlich gewährleisteten Staatsbürger- rechte anzuerkennen, drehen die Arbeiter den Spieß um: in der letzten Versammlung wurde beschlossen, die Arbeit erst da»» wieder aufzunehmen, wenn neben der Anerkennung der Organisation, eine Iv prozentige Lohnerhöhung eintrete. Ausland. In Antwerpen haben sich die Zimmerleute dem Ausstand der Metallarbeiter angeschlossen, was auch die Schiffsverlader zu thun gedenken, falls ihre Forderungen betreffs Verkürzung der Arbeitszeit innerhalb 3 Tagen nicht berücksichtigt werden sollten. Vom Kriegsschanplatz. Die jetzt südlich vom Tugela stehenden Boeren beginnen den Engländern ungemütlich zu werden. General Bull er sandte folgendes Telegramm aus dem Lager von C h i v e l e y vom 13. Februar: Der General Dundonald mit 700 Mann Infanterie, einem Bataillon Jäger und einer Batterie unternahm gestern eine Rekognoszierung. Die Boeren zeigten sich mehrere Mal, um gleich darauf wieder zu verschwinden. Wir töteten zwei Boeren. Einige Stunden später kehrte der Feind zurück, und zwar in bedeutender Anzahl. Dann begann der Feind zu schießen, wodurch einige Leute von uns verwundet wurden. Einige Jäger werden vermißt. Unter den Verwundeten befinden sich fünf Offiziere. Ter Vorstoß auf Kimberley wird bald erfolgen müssen, wenn die Möglichkeit auf Entsatz der Stadt nicht ganz schwinden soll. Denn nach Mitteilungen der Central News", die in Kimberley am 13. Januar abgegangen sind. ist die Lage in der Stadt h ö ch st bedenklich. Die Einwohner leben unter allen möglichen Entbehr» ngen, und selbst die kleine Ration Pferdefleisch,-die ihnen täglich zugebilligt wurde, wird nicht mehr lange verteilt werden können. Die Sterblichkeit ist schon seit dem Dezember sehr hoch, besonders unter den Kindern, für die es an jeder angemessenen Nahrung fehlt. Inzwischen können die Verhältnisse in der von über 30 000 Menschen bewohnten Stadt ich nur noch verschlechtert haben. Lord Roberts hat bereits drei Infanteriedivisionen und die Kavalleriedivision French vereinigt und soll beabsichtigen, Cronjes linken Flügel zu umgehen. Tic Belagerung von Mafeking. Die„Pall Mall Gazette" veröffentlicht folgende, in GaberoneS am 2. d. Mts. aufgegebene Meldung aus Mafeking ohne Datum- angabe: Baden-Powell erhielt von Roberts eine Mitteilung, in der ihm versprochen wird, daß ihm in wenigen Wochen Hilfe gesandt werden würde. Die Nahrungsvorräte in Mafeking werden ausreichen. Die Boeren haben die Absicht kundgegeben, die Garnison nicht dnrch Kampf, sondern durch Aushungern zur Uebergabe zu zwingen. Vom mittleren Kriegsschauplatz. Aus Rensbnrg wird vom Dienstag gemeldet: Die Zurück- ziehung der englischen Truppen aus ihren Stellungen einschließlich des Colcskop nach westlich gelegenen Positionen wurde nötig, da sich herausstellte, daß auf dem BaftardSnck, der das ganze Gelände in der Runde beherrscht, eine starke Boereustreit- inacht mit einem schweren Geschütz stand. Nach einem Telegramm der„Daily Mail" aus Rensbnrg ist der englische Rückzug auf einen schwereren Kampf zurückzu- ühren, als man geglaubt hatte. Die Verluste seien auf beiden Seiten groß. Es sei z w e i f e l h a f t, ob die Engländer Rensburg halten können. Irrfahrten einer englischen Truppe. In einer Korrespondenz des„Petit Bleu" aus Pretoria wird versichett, daß in den letzten Tagen des Dezember 2000 eng- l i s ch e Soldaten an den Ufern des Maputaflusses an der Grenze von Swasiland und dem portugiesischen Gebiet angekommen cien, welche während des Rückzugs auf Dundee von den Truppen des Generals White getrennt worden und wochenlang inr Z u l u l a» d e umhergeirrt seien. Sie seien ohne Stiefel und lark ausgehungert auf portugiesischem Gebiete angelangt, wo sie entwaffnet worden seien. Von diesen zweitausend Engländern glaubte nian, sie seien mit General White in Ladysmith ein- geschlossen._ Uetzto und Dopefrhen. Ei» gewaltiger Ladenbrand, bei dem Menschenleben gefährdet waren, kam gestern Abend kurz vor 10 Uhr in dem Kaufhause von Adolf LewinSkl an der Ecke Schwedterstraße und Kastauien-Allee zum Ausbruch. Als der erste Loschzug aus der Oderbergerstraße jeranfuhr, schlugen bereits große Flammen aus den Schaufenstern zum ersten Stockiverk empor und Hilfe rufend standen die Bewohner ?er obern Stockwerke an den Fenstern. Sofort wurden Löschmann« schaften nack oben gesandt, um die Geängstigten teils zu beruhigen. teils über die verqualmten Treppen ins Freie zu führen. Als ein Glück erwies es sich, daß der zuerst eingetroffene Zug eine Dampf- pritze führte, die sofort wirksam die bereits brennende erste Etage ■chützte._ Flottentaumel in Frankreich. PariS, 14. Febr. Gegenüber dem Gesetzentwurf der Regierung. betr. die Vermehrung der Flotte, brachte der Deputiette Fleury« R a v a r i n einen Antrag ein, in welchem der Bau von einer noch größeren Anzahl von Panzern und Torpedobooten gefordert wird, als im Regierungsentwurf. Bremen, 14. Februar.(W. T. B.) Die Rettungsstatton Cuxhaven der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert: Am 14. Fcbniar von dem auf Scharhoern gestrandeten deutschen Fischerkutter„Preciosus", Kapitän Woldmann, drei Personen durch das Rettungsboot der Station„Elbleuchtschiff 2" bei Ost- wind und stürmischem Schneetreiben und hohem Seegang gerettet Verantwortlicher Redacteur: tvanl Äobn in Berlin. S>ir den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu S Beilagen und llnterhaltungsblatt. ss. i7. ZchMs. i. Ktilllge des ,Fmärts" Aerlilttt Mllisdilltt. mm 1900. Neiltzskag. 118. Sitzung üom 11. Februar 1900, 1 Uhr. Am BnndeSratStiich: v. Buchka. Die zweite Beratung des KolonialetatS wird fortgesetzt bei den gestern zurückgestellten, ans E i s e» b a h» c» bezüglichen Titeln. Zniinchst stehen zur Beratung die Forderungen für Ostafriku betr. Fortführung der Bah» Tonga- Mukesa bis nach Korogive und betr. Ergänzung der Vorarbeiten fitr. diel Bahn Dar- es- Salaam bis Mrogoro und für die tclcgraphischc Verbindung von Dar- es- Salaam und Äilosja. Die Kommission beantragt Bewilligung der Forderungen. Abg. Dasbach(C.): Unsre Kolonien kosten uns einen Betrag, den man früher jeden- falls nicht vorausgesehen hat. Das Reich soll eincn Zuschuß von ca. 30 Millionen in diesem Jahre wieder leisten. Ob diese Summen sich einmal wieder einbringen werden, beruht nur auf Hoffnung Speciell für die llsambarabahn in Ostnfrika haben ivir für Erwerb. Instandsetzung und Betrieb bisher 2 Millionen anfzuwcndcn gehabt. Jetzt werden nun noch für Fortführung der Bahn 72 000 M. ge- fordert. Diese bitte ich Sic, zu streichen. Die Hoffnungen, die man auf die Rentabilität der Bahn gesetzt hat, haben sich absolut nicht erfüllt. Der Kaffeebau hat unter einer gewaltigen Dürre in den letzten Jahren außerordentlich gelitten, während uns früher gesagt wurde, die Produktiondfähigkeit des Landes für Kaffee sei eine ganz hervor- ragende. Wenn die Bahn wirklich so rentabel wäre, wie behauptet wird, weshalb wird sie denn nicht von deutschen Unternehmern weiter gebaut? Vom Deutschen Reich kann man nicht verlangen, daß es ungezählte Millionen dort anlege, deren Rentabilität äußerst zweifelhaft ist. Ich schlage also vor, die Bahn nicht über die bisher gebaute Strecke wcitcrzubaucn. Ferner werden für die Ergänzung der Vorarbeiten für die Bahn Dai-es-Salaam bis Mrogoro 100 000 M. und für die telegraphische Verbindiiiig von �Dar-cs-Salaam und Kilossa 20 000 M. gefordert. Ich sagte für Ergänzung der Borarbeiten, den» bereits 1890 hat ein »lomitce im Auftrage der Deutsch- Ostafrikanischen Gesellschaft Bor- arbeiten vorgenonimen. Diese reichen aber nicht aus. Es ist die Hoffnung ausgesprochen worden, daß das Unternehmen in absehbarer Zeit selbständig und rentabel werden wird. Damit hat man allen Einwänden vorbeugen wollen, die sich dagegen richten, daß die Fortführrmg dieser sogenannten Eentralbahn dein Reich noch Zimgezähltct Millionen kosten wird. Ein Beweis dafür, daß diese Bahn sich rentiere» wird, ist aber nicht zu liefern und nachdem wir solches Pech mit dem Ankauf der Nsambara- Bahn gehabt haben, haben wir allen Grund, äußerst vorsichtig zn sein. Ich bitte Sie, auch diese Forderung abzulehnen. Wenn jetzt ungezählte Millionen für eine Flotte gefordert werden und im Abgeordnetenhaus die kostspielige Kanalvorlage zur Verhandlung steht, so nmß man doch angesichts dieser Forderungen fragen, liegt denn bei nnS in Deutschland das Geld auf der Straße? so empfindlicher benachteiligen können, weil das Jnnungs-Schiedsgericht keineswegs die gleichen Vorteile bietet. Es ist offenbar mir gerecht und billig, den Recht- suchenden nicht gegen seinen Willen an ein minderwertiges Gericht zu weisen. Und diese Gefahr Ivächst bei Gründung von Zwangsiiinungen für viele Arbeiter. Die Mitgliederzahl der Schneider- innung in Berlin z. B. ist dadurch von 2100 auf über 6000 an- gewachsen. Und hicrniit würde eine große Anzahl von Arbeitern iuid Arbeiterinnen des bisher genossenen bessern Rechts verlustig gehe», falls nicht durch den in der Petition verlangten Znsatz die Verschiebungen nnmöglich gemacht werde». Wir hoffen, daß der Reichstag den Forderungen' Gehör schenkt und damit die Wohl- thaten des Gesetzes allen denen zugänglich macht, für die eS geschaffen wurde._ Prozetz v. Kriegsheim und Genofseu. Dreizehnter Tag. Nach Eröffnung der Sitzung teilt Landgerichts- Direktor R ö s l e r mit, daß nach einem eingegangenen Schreiben Geheimer Medizinalrat Dr. Long, der über den Gesundheitszustand des Angeklagten v. Kricgshcim befragt werden sollte, selbst erkrankt sei.— Als Zeuge wird zunächst Herr Gustavus, Subdireklor der Ver- sichernugsgesellschaft„Thnriugia". vernommen. Er soll durch v. Kriegsheim dadurch geschädigt ivordeu sein, daß dieser ihm bei der Vermittlung der Versicherung des Grafen Egloffstcin über dessen und seine eignen Verhältnisse falsche Angaben gemacht und ihn da- durch bewogen habe, dem Angeklagten v. KricgSheim sofort die ganze Provision von 1400 M. auszuzahlen. Fanlcr LicboSzanber. v. Kriegsheim habe insbesondere erzählt, der Graf heirate binnen kurzem die Tochter eines sehr reichen ManneS, erhalte dereinst ein Majorat und seine Braut bringe ihm ein Gut mit in die Ehe. Die Internationale Diskonto-Bank habe die Regulierung der Schulden, die der Graf als Junggeselle gemacht, in die Hand genommen; solcher Schulden seien allerdings eine große Masse vor- handcn gewesen, doch sei es schon gelungen, ihn von 30 000 M. los- zumachen.— Falsche Thatsachen liegen in diesen Mitteilungen nicht vor. den» Graf Egloffstein ivar dcunals thatsächlich mit einer sehr begüterten Dame verlobt und die Verlobung ist erst im Februar 1898 zurückgegangen. Was die falschen Vorspiegelungen bezüglich der eignen Verhältnisse des Angeklagten betrifft, so will der Zeuge zum Abschluß des Geschäfts namentlich dadurch bcivogen worden sein, daß v. Kriegs- beim als Direktor einer Bank auftrat, die nach seiner Angabe ein Grundkapital von); 20 000 M. haben sollte, worauf er 6000 M. eingezahlt habe. Er habe geglaubt, daß eine Gesellschaft mit bc- schränkter Haftung, die erst kurz vorher begründet tvordci», schon nach cineni Vierteljahr nicht mehr existieren würde.— Rechtsanwalt Morris macht darauf aufmerksam, daß der Zeuge schon vorher geschäftlich mit dem Angeklagten zu thun gehabt, da dieser vorher das Rcnzsche Versichcruiigsgeschäfl vermittelt habe. Wie gründet man eine Gesellschaft m. b. H.? Der Vorsitzende hält dem Zeugen vor, daß dieser wohl falsche Vorstellungen über die Bedingungen, unter denen eine Gesellschaftm. b.H. zu stände kommen könne, gehabt habe. Nach Lage der Gesetzgebung können zwei Personen solche Gesellschaft begründen; es könne jemand bcispiclsiveise einen Streichholzhändler von der Straße mit zum Notar nehmen, ihn vorübergehend mit einer kleinen Sumnic ausstatten, die er bald darauf wieder zurückerhält, und es genügt, lvenn er dann den vierten Teil des angegebenen Grundkapitals vorlveist. Hat er bei dieser Prozedur falsche Angaben gemacht, so könne er dafür später bestraft tverden, inzwischen können aber viele Leute, die sich niit einer unsolide begründeten Gesellschaft in. b. H. einlassen, sehr stark hineingefallen sein. Nach Lage der Gesetzgebung s e i c s f ü r Betrüger also nicht schtver, auf diesem Gebiet eine erfolg reich c Th äti gleit zu entwickeln, und es sei ratsam,' vor Anknüpfung geschäftlicher Beziehungen wenigstens die Eintragung in das Genossenschafts-Negistcr durchzusehen. Zeuge Gustavus hat aus dem, was er später über das Treiben des An« ßdlagtcn v. Kriegsheim erfahren, die Uebcrzcugung gewonnen, dag es dem Angeklagten von Anfang an nur darauf angekommen sei, in den Besitz der Provision zu kommen und zu diesem Ziveck nur dafür gesorgt habe, daß die erste Vicrteljnbrsprämie gezahlt wurde. Der Angeklagte bestreitet dies.— Der hierauf vernommene Gc- fängnisärzt Dr. Pappe bekundet bezüglich des GcsnndheitSzustaudcS des Angeklagten v. Kriegsheim: Anzeichen dafür, daß durch die Fortdauer der Haft für den Angeklagten eine nahe Lebensgefahr herbeigeführt werden würde, seien nicht vorhanden. Derselbe leide infolge asthmatischer Beschwerden an Schlaflosigkeit, bekomme Schlafmittel, die natürlich ebenso lvie die geringe Bewegung in frischer Luft auf den Körper ungünstig einwirken, eine nahe Lebens- gcfahr sei aber nicht zu ertvarten. Nachdem im Laufe des Nachmittags noch einige unbedeutende Angelegenheiten erörtert worden waren, erfolgte Schluß der Beweis- aufnähme. Der Präsident setzte die nächste Sitzung, die mit dem Plaidoher des Staatsamvalts beginnen soll, auf Donnerstag 10 Uhr an. An diesem Tage sollen auch die Plaidoyers der Verteidiger beginnen und nötigenfalls Freitag fortgesetzt werden. Der Urteilsspruch i st Freitag zu erwarte n. CBcvidslö-Bcitungo Die Notwendigkeit dcö Arbcitgeber-Paragraphcn. den die Regierung in die famose I-ex Hei uze partout nicht hineinhabcn will, ergiebt sich von neuem aus einer Gerichtsverhandlung, die sich dieser Tage vor den, Schöffengericht in Königsberg i. Pr. abgespielt hat. Ein Herr K a tz. Inhaber des am Ort befindliche» Warenhauses Kotz u. C o., hatte sich den antisemitischen .Deutschen General-Anzeiger" zu einer Beleidigungs klage herausgesucht, weil dieser neben zahlreiche», aber unbehelligt gebliebenen' socialdcmokratischen Blättern über S ch a m l o s i g- leiten berichtet hatte, die von Äatz gegen die in seinem Wären- hause beschäftigten Verkäuferinnen begangen worden waren. Durch Zeugenaussagen wurde in der Verhandlung u. a. folgendes festgestellt: Frl. Lisbeth St., die ö Jahre bei Katz war. ist von ihm öfter attackiert worden, sollte ihn in seiner Wohnung besuchen, erhielt von ihm 18l>8 eine Aussteuer zugesichert, als er erfuhr, sie habe einen Bräutigam. Frl. Gertrud W. warf den Katz samt dem Stuhl, auf dem er im Coimptoir— allein natürlich— saß. um. als er sie gewalt sam um die Taille faßte und zu sich niederziehe» tvolltc. Frl. Anna F., damals wenig über 16 Jahre und angestellt mit 20 Mark Monatsgehalt, obgleich schon zwei Jahre anderweit Verkäuferin resp. dazu ausgebildet, sollte Herrn Katz in seiner Wohnung besuchen und nicht so spröde s e i n— dann erhielte sie auch sofort gute Zulage. Sie hat ihn drastisch ab- gewiesen, dies sofort ihren ehrbare» Eltern erzählt und das Geschäft aus diesem Grunde verlassen. Mehrere Mädchen haben ihr vorher und nachher genau dasselbe erzählt, nämlich, daß Katz sie mit uusittlichen Anträgen verfolgt hätte. Buchhalter St. weiß von einem Frl. G., daß Katz mit der- selben geschlechtlich verkehrt hatte. Frl. G. war auch als Zeugin ge- laden, ist aber angeblicb„über die Grenze" gegangen. Es sei noch bemerkt, daß der Rcdactcur des verklagten Blattes wegen Beleidigung des schamlose» Unternehmers zu 100 M. Geldstrafe verurteilt ivurde und zwar deshalb, ivcil er die unrichtige Mit- teilung gebracht hatte, daß Katz wegen Sittlichleitsverbrechens ver- haftet, gegen eine hohe Kaution aber wieder auf freien Fuß gc- setzt sei. Eine schwere Anforderung wurde an die Leistungsfähigkeit derjenigen Personen gestellt, ivelche gestern an dem großen D i a in a n t d i e b st a h l s- P r o z c ß vor der neunten Straf- kammer des Landgerichts I beteiligt waren. Die Verhandlung währte mit einer Unterbrechung von einer Stunde Mittagspause von morgens 9 Uhr bis nachts Uhr. Dann verkündete der Vor- sitzende. Landgerichtsdirektor Weimann, das Urteil. Der Diamantcur Max Wieck wurde wegen Diebstahls zu 1 Jahre 6 Mo- naten Zuchthaus, der Glascrlehrliug Max Olms zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Bei dem dritten des Diebstahls Beschuldigten, dem Glascrlehrliug Heinrich Lublin, wurden Bedenken in betreff seiner Zurechnungssähigtcit geltend gemacht und beschlossen, ihn auf seinen Geisteszustand unter- suchen zu lassen. Von den übrigen Angeklagten wurden die Glaser- meister Bernhard H a s e n k a nr p. Karl K u n d t m a u n und August Reuter der schweren Hehlerei für überführt erachtet und zu zwei Jahren sechs Vi o naten bczw. je c i n I a h r d r e i M o n a t e Zuchthaus verurteilt. Die minder beteiligten übrigen An- geklagten traf eine geringe Gefängnisstrafe, die Angeschuldigten Gustav Hascnkanip, Karl Haupt, Wilh. Wolff, Otto Schulz und Karl S c e l i g e r wurden freigesprochen. Die Polizei gegen Vereinsvergiiiigr». Der Arbeiter Gerold in Halle batle für den Schiitzenvcrein„Tirol" einen Saal zur Abhaltung eines Vergnügens besorgt und die notwendigen Bc- kanntmachungcn im ,.V o l k s b l a t t für Halle" veranlaßt. Die Behörden sahen das Vergnügen als eine öficntlichc Tanzlustbarkcit au und G. ivurde als ihr Veranstalter angeklagt, ivcil er nicht die für öffentliche Tanzlustbarkcitcn erforderliche Erlaubnis eingeholt hatte. Nachdem ihn das Landgericht zu einer Geldstrafe verurteilt hatte, legte G. Revision beim Kammergericht ein und bestritt, daß es sich um eine öffentliche Tanzlustbarkcit handle. Es habe nicht jedermann, der ein Tanzgeld zahle, daran teilnehmen können. Am Eingänge des � Saales habe sich sogar ein Schild mit der Aufschrift:„Geschlossene Gesellschaft" be- funden. Das Vergnügen habe seinen geschlossenen Charakter auch dadurch nicht verloren, daß Mitglieder der Vereine„Blaue Wolke" und„Kornblume" daran teilgenommen hätten. Denn zwischen dem Schützenverein und den andern beiden Vereinen bestehe eine Ver- abreduug, wonach ihre Mitglieder ein für allemal gegenseitig zu ihren Vergnügungen eingeladen seien. Das Kammergericht ver- warf jedoch die Revision mit der Begründung, daß die Feststellung des Landgerichts, es sei jedermann zu dem Vergnügen zugelassen worden, die Annahme einer öffentlichen Tanzlustbarkcit gc- nügcnd rechtfertige. Gegen diese Feststellung sei nichts zu machen Ein Sittenbild. Im November v. I. ging der Polizei die Anzeige zu, daß in der Schaniwirtschaft der Witwe Ludwig, Kaiser Wilhelmslr. 18, arge Dinge vorkämen. Eines Morgens in der Frühe stattete der Wachtmeister des betr. Reviers der Frau Ludwig eincii unerwarteten Besuch ab. Er überzeugte sich, daß der Inhalt der Anzeige der Wahrheit entsprach, die erwachsene Tochter der Frau' Ludwig, die TagS über Kellncriniieudieiiste verrichtete, befand sich in ihrcni, neben denr Schankraum gelegenen Schlaszimnier nicht allein. Frau Ludwig, die eine Anklage wegen schwerer Kuppelei erhielt, stand gestern vor der achten Straf- kammer dcS Landgerichts l. Durch die stattgehabte Beweisaufnahme hielt der Gerichtshof für erwiesen, daß die Angeklagte das unsittliche Treiben ihrer Tochter nicht nur geduldet, sondern auch begünstigt hatte. Es ivurde deshalb auf die Strafe von cincm Jahre Z ii ch t h a ii s erkannt, auch die sofortige Verhaftung der Ver- urteilten verfügt.__ Briefkasten der Redaktion. Di« juristische Iprechstniide findet Montag, Dienstag und Freitag von<»—8 llhr abends statt. Dr. B.. Tchönebcrg. Ter Bundesrat hat den Ansang deSllO. Jahr« Hunderts für den I. Januar Ibvv in aller Koriu beschlossen. S. G. Die Stadt Bciliii ist nach dem Gesetz vom 30. Juli 1883 aus der Provinz Brandenburg anegcsclüehcii und bildet eincii Venvaltunas- bezir! für sich; als Aussichtsdchördc gilt jedoch daö Oberpräsidiuiii der Provinz Brandenburg. I. ü- 68, Uns nichts bekannt. Lomldernoliratisdiei' Walilverein f. den 6. Berliner Reiclistags-Walilkreis. Den Parteigenossen zur Nachricht, bah unser Mitglied, der Instrumenten- mach« Georg Woltas, Neue Hochstrnhe 30, am 13. Februar verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitagnachmiltag 3 Uhr von der Wohnung aus nach dem Freireligiösen Friedhof, Pappel-Allce, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser krloilr. Hieronimas am 13, Februar verstorben ist Die Beerdigung findet am 18. Februar, nachmittags S'/i Uhr in Hcckelbcrg bei Eberswaldc'statt Der Vorstand. Am 13. d. M. verstarb nach langen schweren Leiden mein geliebter Mann, unser guter Bater, mech. Instrumenten- mach« Gerg Woitas im 52. Lebensjahre. Um stilles Bei- leid bitten die Hinterbliebenen: ssrau Woltas nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 8 Uhr, vom Trauerhause Neue Hochftr. 30, aus, nach dem Frei- religiösen Friedhof, Pappcl-Allee, auS statt.__ Kentral-Kmikeil- 11. Tterbt- filffc der Tischler jt. (Ortsverwaltuny Berlin H). Am 12. d.M. verschied nach langem Leiden das Mitglied uusrcr Kasse Lmi! Wagner im Alter von 48 Jahren. 164/5 Die Beerdigung findet heute, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des trniniailö.Kirchhofs aus statt. __ Die Ortsvcrsvaltnng. Todes-Zlnzelge. Allen Freunden und Bciaiuitc.i die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau Bertha Lichtwardt geb. Landöberg am 13. Februar, nach langen Leiden eutschlascn ist. 24Ub Die Bccrdig'.ing findet am Freitag, den 15. d. MF., von der Halle der Aufcrfiehiings-Gemeinde in Weihen sce aus i'latt. Der trauernde Gatte Derinnnn[.icliUvardt. Freie Volksbühne. Sonntag, nachmittag 2'!, t.'hr: 4. Abteiinns im Tjessing-% _ Theater: ZDM- KoKincrishoim." L. Abteiinns im Carl Wclss-Tlieater: T2 H a sm I e t j Prinz von Dänemark. Heine- Abend. Sonnabend, den 17. März, in der Brauerei Frledrichshaln. Vortrag über Heinrich Heine, Kocitation und Cesangs- vorträge, Kammernuislk etc. f Festmarken nur für Mitglieder sind in allen Zahlstellen h 5 vom 15. Februar ab erhaltlich. ■ 228/13 Der Vorstand. I. A.: C. Winkt«. A -------- au, Orts-Rrankenkasse der Bildhauer, Sluccateure und verwandter Gewerbe zu Berlin. Bekanntmachttng. Nachstehende, erste Stalutenabailde- rung tritt mit dem hcniigen Tage in»rast. ß 13, Abs. 1, Ziffer 3, laulet jetzt: Im Fall der Erwcibslliifälugicit vom erste» Tage nach dem Tage der tKrkrantuiig ab für jeden Kalcu- vertag cinschliefilich der Sonn- und Festtage ein Kraiilcilgeld usw.(statt wie bisher vom drillen Tage ab). Berlin, den 15. Februar 1900. 270/5 Der Vorstand. I. A.: C. S t o r ch, Borsitzmder. Wir iiiacheii gleichzeitig bekannt, dah Beschwerden in Kaffen-Angeiegeii- Helten schrisitich an den Borntzeiiden izn»g. U»instp»««»! prüfet die SUPEROU Hervorragend schmutzlösenl Prachtvoll weisse Wische. Bedeutende Ersparnlss. Ueberraschenda Erfolg. 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Karol Weil" Seifenexirakt darl zu keiner Wäsche und niemals in der Küche fehlen. 3 ifiie de» Inhalt der Inserate tibernimint die Rednfiimi dem Publik»»» gegenüber keinerlei Bera»lt»ortn»g. mmmmmmammmmmm Dhrakev. Donnerstag, 15. Februar. Opernhaus. Don Juan. Anfang 7V. Uhr. Schauspielhans. Jugend von heute. Anfang 7l/z Uhr. Deutsches. Schluck und Jau. An- fang 7V2 Uhr. Lejsing. Die drei Töchter des Herrn Dupout. Ansang 7»/, Uhr. Berliner. Der goldene Käsig. An- fang 7»/, Uhr. Neues. Nackte Kunst. Ansang 7»/- Mr. Schiller. Fröschweiler. Ansang 8 Uhr. Weste». Der Zigcuucrbarou. An- fang 7Vz Uhr. Thalia. Im Himmclhof. Ansang 7 Vi Uhr. Residenz. Die Dame von Manm. Anfang 7Vz Uhr. Luisen. Noiueo und Julia. An- sang 8 Uhr. Central. Die kleine Excellenz. Ans. 7'/- Uhr. Carl Weis». Die Jagd nach dem «Äliick oder: Die Diebin. Anfang 8 Uhr. Bcllc-Zllliance. Freund Fritz. An- fang 8 Uhr. Bietorin. Berliner Bilder. Aufang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelinstädtisches. Allein in London. Anfang 8 Uhr. 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Ter Vorverkauf der BiUcts für die immtmetierten Plätze zu der Sonn- tagabcnd-Vorftcllung findet erst am Soniitagmorgen von 10 Uhr ab an der Cirkiiskassc statt._ Wem seine Pflanzen lieb sind,. dünge nnr mit Hallmayer's� Pflanzendünger Hit obiijerSchufzmsrkeversehcne, echt« Packet e für 15 25 4. 40 AI u. 30■!, iuDvogcu-. Material- 1 waren-, Blumen- a.Saxnen-] Haodlnnsen. Kleber(Tapezierer). Freitag, den 16. d. M., abends Z'/r Nhr: Oeffentliche Versammlung im Saale des Herrn Faster, Jiisolstrastc Iv. Tages-Qrdiluiig: 1. Berichterstattung über den Stand des Streiks. 2. Diskussion. Die Kollegen von Äoigt. Unter de» Linden, sind hierzu besonders ein- geladen.(101/3) Die Lohnkommission. Achtung', Masss'es-S Donnerstag, den 15. Februar 1900, abends 8 Uhr. tut Lokal des Herrn ILlihlhe, Denuewiststraste 13;_ Mitglieder- Verfammlnttg"WW des Centralverbandes deutscher Maurer für den Westen und Schöneberg. Tagesordnung: Vortrag, Diskussion und Verschiedenes. Freitag, den IL. Februar, abends 8 Nhr. in den Armininshallen. Bremerstr. 7Ä-73:[I30/U« Oeffeutliche Versammlung mit Franeu für Moabit. Tagesordnung: 1. Vorttag von Frau Mcsch über: Ist die Frau verpflichtet, sich am wirtschastlicheu und politischen Kampfe zu beleiligc»? 2. Diskulston und Verschiedenes. Regen Besuch erwartet Die Berbandsleitnng. MlllM! Britz. Aditnini! Sonntag, den 18. Februar, nachmittags 3 Uhr: is- bei D«rn, Bürgerstraste Nr. 4. Tages-Ordnung: 1. Tie Kommiinalwahlen. 2. Verschiedenes Zahlreiches Erscheinen der Wähler wird gewünscht. 202/a Das« Wahlkomltee. Sanssouci Kottbnscrstr. 4 a. Heilte Donnerstag; Hoffmanns NMeutslhe Siisger u n. Hottmann als Pl'äßhent Kriiger. Nach der Soiree: Tanzkränzchen. «« alle Quast selten billig! ___ Gelegenheitskauf: Mocquett- Plüsche 5,35 M. per Meter(130 cm breit). l3524L� Muster b. näherer Angabe traneo. Tmil Tefevi'e. C£.Ä.!&. Falbe, 44. EtsasserstT. 44. Behandlung aller Haut- u. 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W*5 Budtsiaben Zählen. flnnnpJt. �|WBj JB y b Anzeif/en in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, der ffanptexpedition Beutksir.3 bis 4 Uhr angenommen._ i8te A rden mi lin m Verkäufe. Gutgehendes Material-, Obst- ilnd Geniiisegeschäft krankvettöhalber sofort zn verkauseu. Ansltmft erteilt I. Renl, Barnimstraste 42. s-f-52 Gardinenhans Grobe Frankfurter- st roste 9, parterre.-J-US® Möbel, bar und Teilzahlung, billigst. Franksurter Allee 110, I. Ecke Käuigsbergerstraste. 287K� Rnstbaummöbel, ganze Wirtschast, auch einzeln, spottbillig Zoffener- slraste 38, vor» II. rechts. 52K:5 Bette», Steppdecken, Gardinen, Kleidniigsstücke spottbillig. Pfandleihe Neanderftraste 6. Teppiche mit Farbeiifehlern, Fabriklager Groste Fraiikfnrier- straste 9, parterre._ f 1 18- Deppiche, Regulato ren, Remolitoir- rihreil spottbillig Pfandleihe Neander- slraste 0._ 5/11* Damendlisten, Schresbtische Ladein tisch, Regale, Glühlichtkroiien, Wiege- schalen spottbillig. 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Saubere Mamsells auf glatte Jacketts verlangt Tschiersch, Flieder- straste 17._ f52 Schneiderin ans Morgenröcke vcr- laugt Neu mann, Waffcrthorstraste 04 1. Mnschinen-'Näheriii, Singer, elektrischer Betrieb, verlangen von Bohlen u. Co., Krausei'.strahc 40. 24l5b Jackettarbeiterin auf gesteppte und leicht vcrsctinttrtc Sachen. 2 flstark 75 Pscmiig, 7 Mark Arbeitslohn, vcr- laugt Bloch, Grüner Weg 12.[2Z50b Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Zluzcigen kosten 40 Pf. pro Zelle vis FeiiilMni-ßeMtioii eines Part�Tblattes miiehte ein Parteiredaeteur übernehmen, der naturwissenschaftlich und litterarisch(Eeceusion!) gebildet ist. Off. sub Jf. Ä an die Expedition des„A'onvärts" erboten.[373ÜL Tßlhtig. Kraveilr iliis Wdp für Spitzenpapierc nach auswärts ge- sucht, dlngebote unter O. 2 an die Exped. d. Bl. erbeten. 2418b In der Möbelfabrik vou Baainzxiti'tnel'.Friedrichsberg, Blumenthoisttahe 27, haben sämtliche Tischler wegen Abzüge die Arbeit niedergelegt. Znzufl fernhalte«. Dte Ortsverwaltung. eit dem 4. Dezember sind die Kollegen bei Laborenz, Rudorf, Knesebeckstraste, im Ausstand. Zuzu j fernzuhalten bittet 145 i Der Borstand des Berbaudes. Ächluilll! Drechsler! Von d. Alabasterwareufadriken von Hnbilt n. Comp., Elisabeth-Ufer 29 Goldschinidt». Comp., Ritterstt. 40 Raffel«. Fleischer. Britzerstt. 7, ist Znzna fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Achtung! Gebier der Laden- und Coinploir-Branehe. Nicht bewilligt haben folgende Werkstellen: Fabnlng, Langestr. 91. GStscb, Koppenftr. 58—00. Flaiow, Andreadstr. 21. Hecht, Andreasstr. 32. Zietlow, Warschauerstr. 78. Bischof, Lands bergerstr. 32. Cujas, Fehrbcllinersir. 31. Hetzel, Weinin eisterstr. 14. Rahn, Bmimciistr 196. Brunzlow, Neue Königstr. 15. Mitsch, Bamimstr. 22. Krüger 4 Hoiimann, Beulhstt. 4. Schröder, Eharlottenburg, K nobels- dorfstr. 53. dlllller, Gormannstr. 0. Kalllnlch, Gollnowstr. 13. Gemuseus, Münzstr. 4. Bei Rahn und Brunzlow Haben die Maschinenarbeiter die Arbeit mit niedergelegt. Znzng fernhalten. Bewilligt Haben bisher 17 Unter- nehmer mit 300 Kollegen. 78,13 Veraiilwortlichrd.Zfedacteur: Panl John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Dt). Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. »"■ 2. KilM Ks Jutmiitts" Jnlintt NcksM«•«>*>- o'»»»• Polizeikommissar Gottschalk. lieber den Beleidigim�sprozeg. der sich am Dienstag in Kiel gegen den Professor Dr. L e h m a n n- H o h e n b e r g abspielte, haben wir gestern bereits das wesentlichste mitgeteilt. Die Beweis- antrage des Angeklagren sind abgelehnt worden und der Gerichtshof sehte in der Verurteilung eine Strafe in Höhe von(3 Mark gegen rhu fest. In der Urteilsbegründung heistt es: „Der Gerichtshof hat sich vollständig auf den Standpunkt der Berliner Strafkammer gestellt. Der Gerichtshof hat die Ueberzeilguug gewonnen, dast nicht der Beweis erbracht worden ist. der Distrikts- koiinmssar Gottschalk habe in Elberfeld in schlechte in Rufe ge- standen. Der angebotene Wahrheitsbeweis war nicht geeignet. hierfür einen Nachweis zu führen. Der Angeklagte muhte daher auf Grund des Z 186 des Strafgesetzbuchs bestraft werden. Bei der Strafzumessung ist erwogen worden einmal die Schwere der Be- leidigung in seine, n Blatte und die amtliche Stellung des Beleidigten. Andrerseits ist berüeksichtigt worden, daß der Angeklagte noch' un- bestraft ist." � � � Hohe Beachtung verdienen die Beweisanträge, die der Angekkagte zu stellen sich erbot, auf die der Gerichtshof aber nicht einging, nachdem anch der Polizeikommissar G o t t s ch a I k eidlich bekundet hatte, doß ihm nichts davon bekannt geworden sei, dah er, wie der Angeklagte behauptet, in Elberfeld in s ch l e ch t e>n Rufe gestanden habe. Der Angeklagte verweist auf einen iin Jahre 1880 im Züricher „S oe i a l d e m o k r at" erschienenen Artikel, in welchen, vorNeins- dors, der aus den soeialdemokratischen Versammluugeu in Leipzig hinausgeworfen war, gelvarnt wurde, da dieser mit der Absicht um- gehe, ein Attentat zu begehen. Nach den verschiedenen Vorgängen in Elberfeld, Frankfurt a. M. und andren Orten habe es den Ein- druck gemacht, als wünsche man Material zur Verlängerung und Verschärfung des Sociali st enges ehe s. Nachdem Reinsdorf und Palm aus Berlin ausgewiesen ivaren, sei sofort im Züricher„Soeialdemokrat" der Befürchtung Ausdruck gegeben worden, dag diese Leute ein bestelltes Attentat begehen k v n n te n. Eigentümlich sei es jedenfalls, das; Palm, der von seine» Ge- nossen verdächtigt wurde, ein Attentat zu begehen, nach de». Nieder- wald-Attentat Aufseher in dem Provinzial-Arbeitshanse zu Brau- Weiler geworden und jetzt als Arbeiter bei der Garnison- Verwaltung in Köln angestellt sei. Er müsse nun erwähnen, dah Reinsdorf und Küchler. beide Schriftsetzer, bei dem A n, t s- blatt in Elberfeld beschäftigt waren und dag später Gottschalk sich bemüht habe, dem wegen des Niederwald-Attentats Hingerichteten K ii ch l e r in der Setzerei der„©Iber« selber Zeitung" Kondition zu verschaffen. Zum Beweise hierüber berufe er sich auf das Zeugnis des Metteurs Hirsch, von der„Elberfelder Zeitung". Der Züricher„Soeialdemokrat" habe zur Zeit seiner Entrüstung Ausdruck gegeben, daß G o t t s ch a l k in dem Prozeh Ziethen als Zeuge erklärt habe: in der Gastwirtschaft des Ziethen habe nur die Hefe de» Volks: Zuhälter, Bor bell wirte und Soeialdemokrat e n verkehrt. Gottschalk soll sich nach der Behauptung des„Soeialdemokrat" zur Aufgabe gemacht habe», die S o e i a l d e m o k r a t i e auszurotten.' Als uuu i» Elberfeld eine soeialdemokratische Versammlung stattgefunden, habe Gottschalk dieselbe aufgelöst, da die Aenßerung ge- fallen sei, die Soeialdemokratie werde doch siegen. Gottschalk habe die Versammelten unter dem Rufe:„ Raus m i t der Bändel" von zahlreichen Polizisten aus dem Saale treiben lassen. Im Juni 1384 sei von den Soeialdemokraten Elberfelds und Umgegend ein Masseüausflug nacb Langeuhans unternommen worden. Dort soll Gottschalk mit Hilfe des Polizeikon, inissarS Wilsing und 20 Polizisten ohne jeden ersichtlichen Grund die Menge au Leina»der getrieben haben, so daß selbst der. H a m- burgische Korrespondent" schrieb: Es habe den Anschein er iv eckt, als sei es ans eine Provokation abgezielt g e ib c fje n. Der Staatsanwalt protestiert gegen weitere derartige Ausführungen, da dieselben mit der Z i e t h e n- Ä n g e l e g e n h e i t nicht das ge- ringst« zu thun haben. Angeklagter: Er müsse bemerken, daß er auch die Be- hanptung aufgestellt habe: Gottschalk habe bei dem Nieder- wald-Attentat die Rolle des Agent provocateur gespielt. Er schlage»un im weiter» vor. be» Kassierer der E l b e r- f e l d e r O r t s- K r a n k e n k a s s e, Mehlhorn, zu vernehmen, der bekunden werde: in Elberfeld habe Gottschalk in dem Ruf gestanden, Agent provocateur und an dem Niederwald- Attentat nicht unbeteiligt gewesen zu sein. Schlossermeister Cordes und Zeitungsexpedient Harm-Elberfeld werden dasselbe bekunden. Er beantrage ferner, den Privatschreiber Johannes Schweden sei,. (Elberfeld) als Zeugen zu vernehmen: 1. daß Gottschälk lange vor dem Niederwald-Attentat von dem- selben Kenntnis und vor diesem mehrere geheime Zusammenkünfte mit Palm gehabt habe. 2. daß Frau Palm über die Fütterung„der Bande" Reinsdorf, Küchler mid Bachmann durch ihren Mann im Bureau des Gottschalk sich beschwert habe. 3. daß Gottschalk dem Palm verboten habe, bei Gelegenheit des 1383 stattgefundenen Knisermanövers bei Gräfenbroich. unter Androhung der Verhaftung, das Mauövergelände zu betreten und daß, da dies Palm dennoch gethan, Gottschalk denselben verhaftet habe. Als Schweden hörte, daß Gottschalk dem Palm das Betreten des Manövergeländes verbot, habe dieser sofort vermutet, daß wieder etwas geschehen solle. Er beantrage iin Weitern, den Restanrateur Hubert Fischer und Frau- Elberfeld als Zeugen zu vernehmen, die bekunden werden, daß Gottschalk mit Palm vor dem Niederwald- Attentat mehrfach in ihrer Gastwirtschaft geheime Zusammen- k ü n f t e gehabt haben. Er beantrage ferner, Frau Hechelmann- Elberfeld über verschiedene Vorgänge im Palmschen Hause zu ver- nehmen. Im weiteren beantrage er, den Sattlergesellen R u p s ch, Strafgefaiigener im Zuchthaus zu Halle a. S., zu vernehmen, in- wieweit Palm und Gottschalk an dem Niederwald- Attentat beteiligt gewesen seien. Rnpsch sei mit Reinsdorf und Küchler wegen Versuchs des Attentats auf dem Niederwald im Dezember 1884 vom Reichsgericht zu», Tode verurteilt, von, Kaiser aber begnadigt worden. Sodann beantrage er den Barbier Albert Ziethen im Zuchthaus zu Werden über die Art des Vorgehens des Gottschalk gegen ihn und den Kriminalkommissar a.D. v. Tausch und Polizeidirektor v. Meerscheidt-Hllllessem-Berlin über die Vernehmnug des ehemaligen Ziethenschen Barbierlehrlings Wilhelm zu vernehmen. Außerdem beantrage er, über die Herstellung des Protokolls bei der jetzt erfolgten kommissarischen Vernehmung des Palm Beweis zu erheben; da er den Beweis führen könne, daß Palm einen Meineid geleistet habe. Staatsanwalt: Ich beantrage, alle. diese Anträge pure abzulehnen. Daß der Kommissar Gottschalk mit S o ei a listen und A n a r ch i st e n verkehrt hat, gehörte zu seinen aintlichen Aufgaben. Und daß er nnt diesen Leuten in andrer Weise als mit den andern G e s e I l s ch a f t s- kreisen verkehren n, ußte. ist selbstverständlich. < A h a! i m Z n h ö r e r r a u»,.) Der Präsident befiehlt, den Aha- Rufer. R e d a e t e u r Korn(Kiel) sofort vorzuführen. Ans Antrag des Staatsanwalts beschließt der Gerichtshof: den Korn wegen Ungebühr im Gerichtssaal in eine sofort zu verbüßende zweitägige Haft strafe zu nehmen. Der Staatsanwalt führt alsdann weiter aus, daß all die Anträge mit de», zur An- klage stehenden Fall in keiner Verbindung stehen. Der Gerichtshof lehnt aus denselben Gründen alle Beiveisan träge ab. NommttNÄle-s. In der außerordentlichen Magistratssitznng am Dienstag hat das Kollegium zunächst die R e a l st e u e r mit ISO Prozent und die G e m e i n d e- Ei n k o m m e n st e u e x mit 100 Prozent von dem vom Staate zu erhebenden Steuerbetrage festgestellt. Es sind demnach festgestellt an Einnahmen: der Gemeinde-Grundsteuer 18 300 000 M., der Gewerbesteuer 8 640 000 M., Gemeiude- Einkoinmensteuer 28 780 000 M., die Betriebssteuer beträgt 231 000 M. und die Umsatzsteuer 1 870 000 M. Der Etat der Hauptkasse der st ä d t i s ch e n Werke ist in Einnahme und Ausgabe mit 385 330 M. eingestellt. Hinsichtlich des E t a t s d e r st ä d t i s ch e n Gasanstalten ist in der Einnahmeposition der Gaspreis pro Kubikmeter auf 16 Pfennige für Leuchtgas und 10 Pfennige für Gas zum Kochen und gewerbliche Zwecke wie bisher beibehalten worden. Bezüglich des Beschlusses der Stadtverordneten- Versammlung, einen Einheitspreis von 12 Pfennigen für den Kubikmeter Gas festzusetzen, wird, nach Beschluß des Kollegiums. der M a g i st r a t i ,, weitere Beratung eintreten. Nach dem schon erwähnten Verwaltnngsbericht der Kaualisations- und Rieselwerke für 1838/69 hat die Berwaltung besondere Bemühungen darauf gerichtet, den Besitzstand von Riesel- felderu nach Bedürfnis zu erweitern. Es heißt über diese Maßnahme» im Bericht: Während des Berichtsjahres wurden im ganzen 1734,60 Hektar zu der im Norden von Berlin gelegenen Reihe der Stiesel- felder Hinz,, erworben. Unter diesen Ankäufen befand siäi das an der Stettiner Eisenbahn gelegene, vielen Berlinern wohlbekannte Rittergut Buch mit einem Flächeninhalt von 1259 Hektar, ans dem ein besonderer Adniinistrativbezirk. der siebente der Riesel- felder, gebildet worden ist. Das gesamte Areal der Nieselfelder be- läuft sich einschließlich dieser Erwerbung auf 11 478 Hektar, während das Stadtgebiet, dessen Abwässer jene Rieselfelder aufzunehmen bestimmt sind(Radialsysteme I bis X und XII) nur einen Flächen- inhalt von 3441 Hektar hat. Auf den neueren Rieselfeldern hat eine rege Thätigkeit geherrscht, um sie durch Ausgleichung des Niveaus und' Anlegung von Gruben für die Auf- nähme von Abwässern herzurichten und durch Drainage für einen geregelten Abzug zu sorgen. In dieser Weise ivaren am Schluß des Berichtsjahres 6626 Hektar hergerichtet. Unter den Wirtschaftsbanten, mit denen die Rieselfelder im Berichtsjahre ausgerüstet wurden, befanden sich vier größere zweistöckige Arbeiter- Wohnhäuser, bestimmt für je acht Familien, nebst Zubehör, ein Brunnen, Kleinviehställe, sowie Scheunen, Speicher, eine Schnitter- baracke usw. Der Wirlschaflsbetrieb der Güter hatte, trotzdem die neu erworbenen Ländereien zunächst besondere Ausgabe» für die erste Ansrüstuug und zweckmäßige Einrichtung erforderten und zum Teil erst nach der Ernte übcnwiiimcn worden sind, infolge recht günstiger Witterung ei» erfreuliches Ergebnis. Die Güter ergaben, abgesehen von der Verzinjniig und Ainorlisatioi, des An- lagekapitals, einen UeberschNß von 242 859 Mark. Bemerkens- wert ist. daß von den nach den Rieselfeldern geförderten Abwässern an Privatnachbarn Nieselwasser zur Bewässerung von 283.43 Hektar gegen eine mäßige Vergiitignng ab- gegeben worden ist, und daß von den Rieselfeldern selbst volle 1483 Hektar meist in kleineren Stücken verpachtet worden sind, wodurch 962 Pächter gewinnbringende Beschästiglmg finden. Welche» Wirtschaftsulnfaiig die Rieselfelder haben, läßt sich schon daran er- messen, daß die Bestände an Getreide, Kartoffeln, Stroh, Wirtschafts- Vorräten einen Wert von 402 801 M., daS tote und lebende Inventar einen Wert von 1 093 367 M. darstellen. UoleKlvs. Tie Stadtvervrdueten-ErgänznngSlvakile», welche gestern in zwei Bezirken vorzunehmen war, brachte der Soeialdemokratie in dem einen, den 33. Bezirk, einen glänzenden Sieg. Der Genosse Wurm wurde mit 1683 von 2113 abgegebenen Stimmen gewählt. Der konservative Kandidat S t o ck n, a n„ er- hielt 334, der freisinnige Kandidat Boges 72 Stimmen. Das Resultat im 44. Konimunal-Wahlbezirk war folgendes (Eingeschriebeue Wähler 7384. Abgegebene Stiniinen 2632(bei der Hauptivahl 6. November v. I. 2375). Es erhielten Glocke 1243 (1349), Bredereck(Freisinn) 330(397), Bäckermeister W o l f f (Bürgerpartei) 738(721), Damaschke 321 Stimmen. Es hat also Stichwahl zwischen Glocke und Wolfs stattzufinde». Die Beteiligung ist diesmal also noch etwas stärker gewesen, als im November vorigen Jahres. Unser Kandidat hat um etwa hundert Stimmen weniger auf sich vereinigt als bei den letzten Wahlen. Noch viel mehr zurückgegangen ist der Freisinnige, und auch der Mischmasch- Kandidat Wolfs hat nur ein paar Stimmen mehr erhalte». Die 321 Stimmen, die der national- soeiale„Mieterparteiler" Damaschke, der bei der letzten Wahl gar nicht kandidierte, auf sich vereinigte, sind ihm, wie es scheint, von allen Seiten gekommen. Bei der Vielseitigkeit des„mieterparteilichen" Programms ist dies auch erklärlich. Unferm Genossen Glocke fehlten zur absoluten Majorität also nur 74 Stimmen, die er ohne die durch die National-Soeialen herbeigeführte Zersplitterung wohl erhalten haben würde. Sehr begierig darf inan sein, welchen Rat Herr Damaschke seine» Wählern nun wohl geben wird?— Jedenfalls werden unfre Genossen jetzt erst recht alles aufbieten, die Nachlässigen heranzuziehen, um bei der Stichwahl den Sieg an unfre Fahnen zu heften. Der Wahlvcrein für den 4. Wahlkreis(Tüd- Ost) ver- anstaltet an, Sonntag einen F a m i l i e n- A b e n d in Graumanns Festsälen. Naunynstraße 27. Da das Billct nur 30 Pf. und die Garderobe 10 Pf. kostet, so erwarten wir zahlreichen Besuch. Der Vorstand. Zur Lokalliste. Der Vergnügungsverein vom Personal der Kartonfabrik von E. I aeo b s o h n, Landwehrstraße 11, hält am Sonnabend, den 24. Februar, in dem Lokal„O st b a h n h o f" am Kllstrinerplatz einen Maskenball ab. Das Lokal steht der Arbeiter- schaft für Versammlungen nicht zur Verfügung. Trotzdem versucht obiger Verein, Billets in Arbeiterlokalen zu vertreiben. Die Lokalkommission. Zur Krankenhausnot. Die soeialdemokratischen Stadtverordneten haben folgende Anfrage an de» Magistrat in der Stadtverordneten- Versammlung gerichtet: „Welche Maßregeln gedenkt der Magistrat zu ergreifen, un,— gegenüber dem in den städtischen Krankenhäusem herrschenden Platzmangel— bis zur Fertigstellung des vierten Krankenhauses die Beschaffung geeigneter Räume zur Unterbringung erkrankter Personen sicher zu stellen." Einen sehr beachtenswerten Beitrag zu der brennenden Frage erhalten wir von der A r b e i t e r- S a n i t ä t s- K o in», i s s i o n: Die Ueberfüllung der Berliner Krankenhäuser, seit vielen Jahren ein ständiges Kapitel auch in unsern Mitteilungen— ist in diesem Jahre infolge der ausgebreiteten Jnfluenza-Epidemie so akut ge- worden, daß sie bereits die traurigsten, vom Standpunkt der öffent- lichen Gesundheitspflege unleidlichen und für die Reichshnuptstadt geradezu beschämenden Folgen gezeitigt hat. Täglich begehren Hunde» und mehr Kranke, bei denen die Natur der Erkrankung, die jänimetlichen Wohnungsverhältnisse oder der absolute Mangel an häuslicher Pflege die Ueberführung ins Krankenhaus kategorisch fordern, ver- gebens Aufnahme: obdachlose Kranke, schwer Verletzte, Gelähmte und Fiebernde müssen viele Stunden bei der rauhen Witterung im Krankenwagen zubringen, von Hospital zu Hospital gefahren werden, um schließlich doch überall abgewiesen zu werden. Es ist geradezu beschämend für die Berliner Stadtverwaltung, welche sich so viel auf ihre hygienischen Einrichtungen zu gute thut und mit der Erfüllung ihrer soeialen Pflichten gegenüber den Not- leidenden brüstet, bisher„och immer nicht Mittel und Wege gefunden zu haben, um der Krankenhausnot ein Ende zu machen. Sollen die Kranken etlva bis zur Fertigstellung des vierten städtischen Kranken- Hauses in der Seestraße warte», das nach dem bisher eingehaltenen Tenipo noch Jahr und Tag bis zur Belegung erfordern wird? Innerhalb weniger Wochen müßte die Stadt hier Abhilfe schaffen und könnte es thun, wenn, sie endlich Ernst machen und den Weg betreten wollte, der von uns ebenfalls schon vor Jahren angegeben worden ist: in verschiedenen peripher gelegenen Stadtteilen müssen ungesäumt der Stadt gehörende, resp. wo solche nicht zur Verfügung st e h e», zu de», Z lv e ck eigens erworbene G r u u d st ü ck e provisorisch zu K r a n k e n a n st a l t e n eingerichtet werden, was nach dein Gutachten auch städtischer Sachverständiger gar keine Bedenken hat. Die etwa nötigen baulichen Veränderungen und Reparatnrarbeiten, Weißen resp. Streichen der Wände, Fußböden und Decken, die Beschaffung der Betten und der andern nötigsten Mobilien, die Engagierung der nötigen Zahl von HauSpersonal, Krankenpflegern und Hausärzten ließen sich in wenigen Wochen vornehmen und die Stadt wäre in der Lage, Hunderte von anstaltsbedürstigeu Kranken aufnehmen, verpflegen und behandeln zu können. Sache uusrer Geuvssen in der Stadtverordueten-Versamnilung wird eS sein, die Krankenhausnot zum Gegenstand einer dringlichen Anfrage an den Magistrat zu machen und die Beschleunigung der Abhilfe zu verlangen. Von, Stadv. Dr. F r i e d e m a n n in Gemeinschaft mit noch 13 Stadtverordneten ist in der Stadtverordneten-Versammluug folgender dringliche Antrag eingebracht worden:„Die Stadt- verordn eten-Versammlung ersucht den Magistrat, sofort die in. Kranken- haus F r i e d r i ch s h a i n Hergerichteteil Baracken zur Belegung mit Kranken zur Verfügung zu stellen." Es handelt sich um zwei Pavillons, deren Errichtung im Sommer v. I. von der Stadt- verordneten-Bersamnilling beschlossen wurde und die mittlerweile fertiggestellt worden sind._ Zur Berliner Biirgcrnicistcrwahl bringt die„Franks. Ztg." folgenden Artikel: Der Streit über den Friedhof der März- gefallenen soll nun nocki ein„versöhnendes" Nachspiel 'erhalten. Nachdem Herr Kirschner endlich als Oberbürgermeister be- stätigt worden, muß die Stelle des zweiten Bürgernieisters in Berlin »cn besetzt werden. Hierbei taucht nun der Name eines ManneS auf, der auch in der Friedhofs-Angelegenheit eine Rolle gespielt hat, und dessen Kremmg zun, Bürgermeister von Berlin in der That die programmatische' Bedentuilg hätte, daß mit ihr wieder gut gemacht sein soll, was in jener Angelegenheit„gesündigt" worden ist. llusre Leser erinnern sich„och der überraschenden Wendung in dem Prozeß vor dem Bezirksausschuß, wo der Präsident, statt in die Verhandlung einzutreten, dem Magistratsvertreter vorschlug, lieber in die Vertagung der Sache zu willigen und in der Zwischenzeit einen gütlichen Vergleich mit derZfPolizei nn- zubahnen, denn„niemand, der die thatsächlichen�Verhältnisse kennt," werde glauben, daß dieses Portal je ausgeführt werde. Der Magistratsvertreter, statt den, Vorsitzenden bemerklich zu machen, daß es etwas ganz Unerhörtes sei. in einer Prineipienfragc des öffentlichen Rechts statt der gesetzlichen Entscheidung einen Versöhliliiigsvorschlag anzubieten, ging auf den Vorschlag ein und nur an der maiigelnde» Zustimniung der Stadtverordnete» scheiterte der kuriose Gedanke; es war das einzige Mal, Ivo in dieser Angelegenheit die sonst so langmütigen Berliner Stadtverordneten wirk- lich Entrüstung gezeigt hatten. Jetzt geht uns von einer Seite, die über innere Vorgänge in der Berliner Kon,'inunalverwaltuiig gut unterrichtet zu sein pflegt, die Mitteilung zu, daß in den Kreisen der Stadt- verordnetenniehrheit die Absicht festen Fuß gefaßt hat, die Gelege»- heit zu beinitze» und durch die Wahl gerade jenes Magistrats- Vertreters, des Syndikus Meubrink, zu bekunden, daß man das gespannte Verhältnis zum Hofe zu beendigen wünsche. Nach den wenigen Nachrichten, die die Berliner Blätter über die Bürgermeister- wohl gebracht habe», hätte man eher das Gegenteil annehmen sollen. Nachdem anfangs einzelne Namen genannt, nachher aber die Ans- schreibung der Stelle beschlossen wurde, faßte man dies so auf, als ob die Richtung gesiegt hätte, die die Gelegenheit benutzen will, um dem Magistrat der Reichshmiptstadt das ihm so nötige frische Blut von außen zuzuführen. Jetzt scheint die Ausschreibung der Stelle nur den Zlveck gehabt zu haben, für die etwas genierliche Wahl gerade dieses Mannes ein Feigenblatt zu schaffen. Gelingen würde diese schamhafte Absicht freilich nicht; das freigesinnte Bürgertum Deutschlands würde diese Wahl keineswegs als eine lokale Berliner Angelegenheit ansehen, es würde darin eine regelrechte Abbitte des Berliner Bürgertums erblicken,' und zwar in einer Angelegenheit. in der es der Reichshnuptstadt wohl angestanden hätte, sich als Vertreterin historisch-freiheitlicher Erinnernngen zu fühlen und zu zeigen. Wie die„Volks-Ztg." hierzu meldet, soll diese erbauliche Ge- schichte durchaus den Thatsachen entsprechen. Meubrink soll wegen seiner Schmiegsamkeit nach obenhin beim maßgebenden Kommunal- freisiiin einen großen Stein im Brett haben. Z« dem Fahrstnhlungliick im Hause Gitschinerstraße� über das wir gester» berichtete», wird uns mitgeteilt, daß der 17 Jahre alte Lehrling Schipke aus Schöneberg am schwersten verunglückt ist. Er erlitt ani Gesicht und an den Beinen bedenkliche Verletzungen, auch wird angeuommen, daß er innerlich Schaden erlitten hat. Der Arme ist gestern noch ohne Besinnung gewesen. Weniger schlimm ist der Maschiuenbauer Scheibler davongekommen; seine hauptsächlichste Verletzung besteht in einem Oberarnibrnch, der jedoch bald geheilt werde» dürfte. Scheibler ist gestern 24 Jahr alt geworden, lieber die Ursache des Unglücks wird uns noch gemeldet, daß nicht, wie andre Zeitungen wissen wollen, der Fahrstuhl um- gekippt ist, sondern daß das Seil, welches den Fahrstuhl in der Schwebe hielt, sich aus der Klammer, an der es längere Zeit be- festigt war, aus»nbelainiten Ursache» gelöst hatte, worauf der Fahr- stuhl in die Tiefe stürzte. Ein schwerer Unfug wurde in der Nacht zum Dienstag auf der Ringbahn zwischen den Stadtbahn- Stationen Lehrter Bahnhof und Bellevue verübt. Als in der Richtung nach Charlottenburg einige Minuten vor 12 Uhr nachts ein Ringbahnzug die Station Lehrter. Bahnhof verlassen hatte, flog Plötzlich gegen die Fenster eines Wagens dritter Klasse ei» mehr als fanstgroger Gegenstand. der sich später als ein Gipsklumpen erwies. Zum Glück schlug er gegen den Rahmen des Fensters. so daß er die Scheibe nicht mit der vollen Wucht traf. Doch war der Wurf noch so heftig, daß von der Fensterscheibe ein großes Stück herausgeschlagen wurde, dessen Splitter drei Fahrgäste verwundeten, indem sie einem dicht an dem Fenster sitzenden Herrn die Backe aufrissen, einem zweiten am Auge verletzten und einein dritten das Ohr zer- unmittelbar schnitten. Einen Selbstmordversuch mit dem Revolver unternahm Mittlvochmorgen um 9 Nhr der 23 Jahr alte Sohn Leo der Schlesingerschen Eheleute ans der Koppenstrahe. Am Dienstagabend kehrte er in den Gasthof Märkischer Hof am Schlesischen Aahnho' cht und hat auch dort die Nacht geschlafen. Gestern morgen ertönte ans seinem Zimmer die Glocke tind in demselben Augenblick krachte ein Schuß. Als die Bediensteten hinzuciltcn, faiideit sie den jungen Mann auf dem Fußboden liegend vor. Er hatte sich in den jl'ops geschossen. Er wurde noch lebend in das Krankenhaus am Urban gebracht. Zerwürfnisse mit seiner Familie sollen den jungen Mann zu der That getrieben haben. Schwer veruuglürkt ist am Dicnstagnachmittag in einer Wchchefabrik Brunncnstr. 192 die Arbeiterin Auguste Erdmann aus der Swinemunderstr. 81. Beim Anlegen von Tuch geriet sie init der linken Hand in die Walze und trug erhebliche Verletzungen davon. Bevor die Maschine zum Stillstehen gebracht werden tonnte Ein Krankenwagen brachte die Erdmann nach der Charitö. Gefährlich verletzt winde am Mittwochnachmittag um 4 Ilhr der 33 Jahr alte verheiratete Arbeiter Wilhelm Gölz aus der itausitzerstr. 23, der auf dem Görlitzer Bahnhof als Wagenwäscher tntb Zugheizer beschäftigt wurde. Bei dem Zusammensetzen eines ZngeS wollte er die Maschine an den Schutzwagen koppeln. Während sich die erstrc rückwärts bewegte, suchte er von der Seite ans seinen Platz zwischen den Puffern zu erreichen, kam aber nicht schnell gentig hindurch und wurde zwischen zwei Puffern der Maschine und des nächsten Wagens gekeilt. Er wurde zwar sofort aus der Klemme befreit, hatte aber Quetschungen der Brust und der Lunge erlitten. sodaß er auf der Rettungswache des Bahnhofs einen Verband erhalten und nach dem Krankenhaus am Urban gebracht werden mußte Arbeiterrisiko ans der Bahnstrecke. Arg zugerichtet wurde Dienstagabend um 7 Ilhr der Arbeiter August Münch, der auf der Strecke der westlichen Vorortbahn bei Friedenau beschäftigt war. Er sah einen ankommenden Wagen nicht und wurde auch von dem Führer des Wagens nicht bemerkt. Die elektrische Bahn faßte ihn. überfuhr ihn und schleifte ihn eine Strecke mit fort. Außer andren Verletzungen erlitt er einen Schädelbruch tmd Rippeubrüchc. so daß ihn ein Künzelscher Krankenwagen nach Berlin bringen mußte. Fcncrbericht. Die Zahl der täglichen Alarmierungen war in letzter Zeit eine ungewöhnliche niedrige. Am Dienstag wurde die Wehr nur ein einziges Mal in Anspruch genommen und zivar bei einem Kellerbraude, der Wriezenerstraße allerhand Gertintpel einäscherte. Dasselbe war der Fall bei einem Kellerbraude, der am Mittwoch Albrechtstr. 16 abgelöscht werden mußte. Brunnenstr. 139 entstand durch Unvorsichtigkeit ein kleiner Zimmerbrand. Ein Teil der Dachkonstruktion. sowie Bodcnverschlägc wurden beschädigt bei ciitctn Schadenfeuer. daS Hutteustraße 12/13 zum Ausbruch' kam. Das rechtzeitige Eingreifen der Wehr hinderte die Verbreitung des Brandes. Slus de» Nachbarorte». Parteiversammlniigc» in den Bororten. In C h a r l o t t c n v u r g findet Freitagabend 8Ve itt der Gnmbrinusbranerei eine Proteftversammlung gegen die beabsichtigte Erhöhung der Krauken Haus-Kurkosten statt. Referenten sind Stadtverordneter Hirsch und Stadtverordneter Curt Frendenberg in Berlin.— In Britz bc schäftigt sich eine Sountagnachmittag 3 Uhr bei Dorn, Biirgerstr stattfindende öffentliche Bersainmlnna mit den Kommunalivahlcu. In Wilmersdorf findet die für Donnerstag geplante Vcr sammlnng. in der die Flottenvorlage und die GenteindewaHl erörtert werden sollte, erst nächste Woche statt. Rixdorf. Eine Umgestaltung der Verwaltung deS v f f e n t- lichcn Arbeitsnachweises der Stadt Nixdorf war von dem am Ort bestehenden G e w e rks cha fts ka r t e l l beim Magistrat beantragt worden. DaS 5lartcll ersuchte den Magistrat, Einrichtungen zu schaffen, wie sie beim Berliner Arbeitsnachweis(des Vereins für Arbeitsvermittlung) existieren, und zivar beantragte man die Errichtung eineS ArbettsiiachweiS-Äuratoriums, das zur Hälfte ans Arbeit uehmern, zur andern Hälfte aus Arbeitgebern bestehen und unter dem Vorsitz einer bei der Arbeitsvermittlung unbeteiligten Person fungiere» soll. Die vorhandene städtische Verweil tungs- d e p u t a t i o n, in der dem Kartell die I u t e r essender Arbeiter nicht genügend gewahrt erscheinen, setzt sich zusammen aus zwei Stadträten, vier Stadt- verordneten, darunter augenblicklich zwei Socialdetnokraten, und einem Biirgerdcputicrten, der Fabrikant ist. Diese Deputation verhandelte nun in ihrer letzten Sitzung über den Antrag des GcwcrkschaftSkartellS, den ihr der Magistrat zur Begutachtung unter breitet hatte. Die Mehrheit der Deputation verhielt sich durchaus ablehnend. Es wurde betont, daß die bisherige Vcnvaltung zu Beschwcrccn keinen Rnlaß gegeben habe. Auch könnten sich die Arbeiter über cinc nngeniigende Beteiligung bei der Verwaltung nicht beklagen, denn sie seien in der Deputation durch die als Arbeiterkandidatcn gewählten Stadtverordneten Hcrrmanu tSoc.) und Wach jSoc.) ausreichend vertreten.— Genosse Wach gab zu. daß Herrmann und er sich über die Mehrheit der Deputation bisher n ich t beklagen konnten. Trotzdem erklärte er es für wünschcnsivert, daß� die bei der Arbcitsvermittcluii.q am meisten iiitcrcsfiertc» Personen bei der Verwaltung des öffentlichen Arbeitsnachweises mehr direkt jkteiligt würden. Nur allein dadurch wäre eö Arbeitsnachweis Entwicklungsfähigkeit auf die Höhe zu bringen, wo West- und südwestdeutsche öffentliche Dem Vorschlage deS Gewertschafts .. indessen nicht ganz anschließen, weil es sich in Rixdorf nicht um eine private, von der Stadt bloß unter stützte, sondern um eine rein städtische Ei»richtung handele, die von den st ä d t i s ch e n Körperschaften zu verwalten sei. Von einer Ersetzung der vorhaudeucii Deputation durch ein Kuratorium in der gewünschten Zusammensetzung könnte deshalb nicht die Rede sein, sehr wohl aber von einer Verstärkung der Deputation. Redner schlug deshalb vor, dem Magistrat zu empfehlen, er möge der V e r st ä r- kling der Deputation durch drei Arbeiter und drei Arbeitgeber näher treten. Die Arbeiter sollten von den in Rixdorf vorhanden Arbeitcrorganisalionen und die Arbeitgeber von ihren Kollegen gewählt werden. Die Mehrheit erklärte sich aber auch hiergegen inid beschloß, dem Magistrat die B e l a s s u n g des augenblicklichen Z u st a n d e s zu empfehlen. Tie BrandstiftnugSaffairc in der HanöhaltungSschule z» Groß-LIchterfelde zieht noch immer weitere Kreise. Jetzt uinimi der Amts- und Gcmeindevorstchcr von Groß-Lichterfclde, Herr Schulz, Veranlassung, auf den Artikel eines Berliner Blattes, in welchem die verhaftet gewesene Lehrerin Frl. Anna R. als völlig schuldlos bezeichnet, die Verhaftung selbst als eine ungerechte hingestellt und nicht nur die Forderung einer öffentlichen Ehren- erklnrung, sondern sogar einer öffentlichen Belobigung der jungen Dame für ihr resolutes Eingreifen beim Ausbruch des Brandes er- hoben wird, mit einer Gegenerklärung zu antworten, in welcher er sagt:„Ich habe im vollen Bcwnßticin meiner Verant- wortlichkeit nach peinlicher Erwägung aller in Frnge kommenden Ilmstände gehandelt und bin daher in der Lage, die Vcrhafwng jedennann gegenüber zu vertreten." Unter dem Eisenbahn-BureaukratiSinuS, der sich, wie wir neulich mitteilten, beim Verkauf der Arbeitcr-Wochcnkarten lkundgiebt, leiden auch, wie uns berichtet wird, die Arbeiter, welche sich auf der Station Baum schul«» weg eine solche Karte lösen wollen, in hohem Grade. Auch hier heißt es Abhilfe schaffen. Weistenscc. Verschwunden ist seit Anfang voriger Woche der Vierverleger Müller, Straßbnrgstrnße 25 wohnhaft. Seine An- gehörigen nehmen an, daß er sich ein Leid zugefügt hat. M. war bei seinem Weggang bekleidet mit brauner Manchesterhose, blauem Jackett und Weste, Strickjacke und blauer Schürze. Frau Müller, -Straßbnrgstr. 23, bittet die Personen, welche Auskunft über den Ver- bleib ihres Mannes geben können, um Benachrichtigung. möglich, dem Nixdorfcr zu verschaffen und ihn sich spccicll verschiedene Arbeitsnachweise befänden. kartclls niune er sich AuS Wriezen wird uns berichtet: Nachdem die hiesigen Parteigenossen und Gewerkschaften einen vergeblichen Lokalkampf ausgenommen haben und sich auch der von Genossen S a l o m o n errichtete Saal als zu klein erwiesen, haben sämtliche hiesige Gewerkschaften und die P a r t e i- O r g a n i s a t i o n be- schloffen, ein eignes Grundstück mit großem Saal und Bühne zu errichten. Die gewählte' Kommission hat bereits eine Baustelle erworben, und es werden bereits Baumaterialien an- gekauft. Wir hoffen, am 1. Mai den Saal schon einweihen zu können. Es heißt auch hier bei unsren Arbeitern:„Vorwärts trotz alledem und alledem"._ Versnttttttillngen. Ter socialdcmokratische Wahlvercin für de» zweite» Wahl- kreiö hielt am Dienstag eine Versammlung in Habels Brauerei ab, in der der Reichstags-Abgeordnete Hoch über die Reform der llnfallversicherimg referierte. Der Redner erläuterte zunächst die Bestimmungen des gegenwärtigen Uitfallversichernngs-Gesctzcs und bemängelte' namentlich, daß den Unternehmern alle wesentlichen Rechte vorbehalten sind, während die Arbeiter, die doch Haupt sächlich dabei interessiert sind, von der Mitwirkung ausgeschlossen werden. Nachdem der Redner noch die für die Arbeiter recht nn günstige Handhabimg der Unfallversichernng bezüglich der Fcstsetznng der Renten seitens der Berufsgenosseiischafteit, der sich in letzter Zeit leider auch das NeichS-Versichcrungsamt angeschlossen hat, einer Kritik unterzogen, verwies er darauf, daß bei der jetzigen Beratung die meisten von uusrer Fraktion gestellten Anträge in der Kommission abgelehnt worden sind, so daß auch das ncne Unsallversichcrinigsgefetz nur geringe Verbesscrnngen enthalten wird. Der fast zweistündige, recht interessante Vortrag wurde von den Versammelten mit lebhaftem Beifall ans genommen. Eine Diskussion wurde nicht beliebt. Der Vorsitzende ersuchte, für rege Beteiligung und pünktliches Erscheinen zn den Ver snmmlnngcn zu wirken und gab bekannt, daß in den Zahlstellen Urania-Billets zn haben sind. Außerdem werden sämtliche Mit glicder des Vereins dringend ersucht, noch im Laufe dieser Woche ihre genaue Adresse in den Zahlstellen eintragen zu lassen. Zwangöiiiuung der Trechöler. Montagabend hielt Genosse Bebel in'einer gut besuchten Versammlung der Z w a n g S i n n n n g der selbständigen Drechsler einen Vortrag über die Lage deS Handwerks und den Einfluß der durch die Gcwerbe-Ordniing vorgesehenen Organisationen sZwangsinntiugen und Handwerker kantment) auf dasselbe. In der Zlvangsnmung der Drechsler ist eine starke Strömung vorhanden, welche die Zwangs- innnng wieder auflösen möchte. Um Klarheit zu erhalten über den Wert dieser Organisation, dazu sollte Bebels Vortrag diciien. Für die Zustände in der ZwangSinnung der Drechsler ist äußerst beachtlich, daß von den ungefähr 749 Mitgliedern gegen nicht weniger als 186 das Bcitreibiing'sverfahrcn wegen restterender Jnnungs- beitrüge eingeleitet werden muß. ßiuc Lohnbewegung der Herren-Maßschneider ist durch Beschluß einer Vcrbandversammlnng eingeleitet worden. Die Ver- sammlnng fand am Dienstag statt und war ungewöhnlich stark bc sucht. Ans dem Referat deS Vertranensmamis Ritter ging hervor, daß vor kurzem an 799 hiesige Firmen ein Schreiben ver- sandt worden ist, worin folgende Forderungen der Schneider auf gestellt sind: Errichtung von BetriebSwerkstätten, Trennung des BngelraumcS vom Arbeitsraum, Lieferung der Näh Utensilien seitens der Arbeitgeber und Stcllnng je einer Nähmaschine für eine bestimmte Zahl von Arbeitern.— Die Antworten auf dieses Schreiben, die bis zum 1. Februar erbeten waren, sind nur in verhältnismäßig kleiner Zahl eingegangen. Nur einige der Antwortenden, und zwar solche, die mir wenige Personen' beschäftigen. haben sich zustimmend erklärt, während"die übrigen sich teils nichtssagend, teils ablehnend äußerten. Einige' Arbeitgeber meinten auch, ihre Arbeiter wollten lieber zu Hause als in der Werkstatt arbeiten. Der Referent bemerkte, die Forderung der Betriebswerkstätten dürfe nicht von der Tagesordnung verschwinden, ferner sei die Ein- Tihrting fester Lohntarife eine dringende Notwendigkeit, damit dem ctzigcn Zustande ein Ende gemacht werde, wo fast in jedem einzelnen Falle um den Lohn gehandelt und derselbe möglichst hcrabgcdri'ickt wird, damit der Unternehmer selbst bei verhältnismäßig niedrigen Preisen noch eitieii guten Profit herausschlage. Feste Tarife würden einerseits geregelte Lohnverhältnisse für die Schneider schaffen, und andrersettS den Unternehmern eine sichere Grundlage für die Preis- bercchming geben. Die AgitationSkommission legte der Versammlung einen aus- Ührlichcn Lohntarif für die Herren-Maßbranche vor,� der gemäß der Qualität der Arbeit, welche in de» verschiedenen Geschäften geliefert wird, in drei»lassen eingeteilt ist. Der Tarif wurde eingehend bis- kutiert und der Kommission einige Aendcrnngen anheimgegeben. Dann nahm die Versanimlung folgende Resolution an: Die Versammlung nimmt Kenntnis von den Antworten, welche auf die Anschreibe« au die Unternehmer, betreffend Einrichtung von BetriebSwerkstätten eingelaufen sind. In Erwägmig. daß im Hinblick auf die Anzahl der versandten Schreiben die Zahl der Antworten nur eine geringe ist, daß also die Unternehmer in ihrer großen Mehrzahl dieser Forderung ablehnend gegenüber stehen, in fernerer Erwägung, daß in fast allen kaufmännischen Geschäften eine Lohn- zahlmig' herrscht, die jeder Regelmäßigkeit entbehrt, erklärt die Versammlung, daß die Sitiführiing fester dreiklnssiger Lohntarifc für die Hcrrcii-Matzbranche und cinklassiger Tarife für die Damen-Koftümbranche eine mmmgäiigliche Notwendigkeit ist. Jedem Geschäft dieser beiden Branchen ist in Zukunft nur ein Tarif zuzugestehen, und wird die Ortsverwaltung in Verbindung mit der Agitati'oiis-Kommission beauftragt, die Geschäfte in die für sie in Betracht kommende Klasse einzureihen.— Die Versammlung erklärt außerdem, nach wie vor an der Forderung: Errichtung von Be- triebswcrkstättcn festzuhalten und diese Forderung bei misrem dem- nächstigeii Vorgehen an die erste Stcllezu setzen. Der Berliner Kollegen- chaft wird eS zur Pflicht gemacht, für diese Forderung, welche mir der Einführung eines festen Lohntarifs verbunden ist, in Zukunft voll und ganz einzutreten, � Die Ortsverwaltung und die AgitationS- Kommission hat sich mit den in Betracht kommenden Interessenten in Verbindung zu setzen und die öffentliche Agitation für diese Forderungen in nächster Zeit in geeigneter Weise eiiiziileiten.— In die Agitationö- Kommission wurde an Stelle des ausge- 'chiedenen Mitgliedes Witte Gebauer gewählt. Nach längerer Diskussion über die Sperre der Firma Hoffmann beschloß die Versammlung: Da Kollege Schröder ans Wieder- eiiistcllnng bei der Firma Hoffmann verzichtet, so ivird die Orts» Verwaltung ermächtigt, die Sperre aufzuheben, falls die Firma bereit ist. die übrigen Kollegen wieder einzustellen und die zur Zeit bei ihr Beschäftigten zu entlassen. Tie Herren- und KnabcnkoufcktionSschneider hatten für Montag eine Versammlung einberiifcn. die leider nur mäßig besucht war. Paul Jahn referierte über die Eutwickluna der Konfektion und die Schäden der Hausindustrie, sowie über die seit längerer Zeit angestrebte Errichtung von BetriebSwerkstätten seitens der Unter- nchmcr. In der Diskussion erklärte sich ein Herr Rain gegen diese Forderungen, weil sie den„freien Willen" der Arbeiter beschränken. Diesem Herrn wurde von Mangel, Möbius, Frau R u t s ch m a n n und dem Referenten unter lebhaftem Beifall der Versammlung entgegengetreten. wobei Frau Rutschmann darauf hinwies, daß die Konfektionsschneider die Beseitigung der hansindustriellen Mißstände und die Errichtung von BetriebSwerkstätten mit dem Verband der Schneider gemeinsam erstreben sollte». Möbius war auch damit einverstanden, machte aber dem Verbandsvorstand den Vorwurf, daß dieser die Kon- ektionSschneider in der Agitation nicht genügend berücksichtigt habe, eine Behauptung, die Frau Nittschmann zu widerlegen suchte. Durch Annahme einer entsprechenden Resolutton erklärten sich die An- wesenden, im Einverständnis mit den AiiSfiihnmgen des Referenten, mit den erstrebten Forderungen einverstanden, worauf spät nach Mitternacht Schluß der Versammlung erfolgte._ Ter Verband der Bäcker besprach am 6. Februar die geplante Verschlechterung der Bäckcrei-Verordmmg. Allgemein war die Mei- innig, daß die Verordnung einer Ausdchming bedarf, um den Arbeitern größeren Schutz zu gewähren; entschieden müsse dagegen protestiert werden, daß von dem Wenigen, was geboten wörde», noch Abstriche erfolgen. In diesem Sinn gelangte eine Resolution zur Annahme. Zum Schluß ivurde auf den am 4. März statt- fiudeuden Maskenball hingewiesen. Ter Fachverein der Holz-»nd Brcttcrträgcr hielt am 9. d. M. eine Versammlung ab, in der Töpfer T h i e m e in einem mit Beifall aufgciiommcnen Vortrag über Organisation und Ccn- tralisation sprach. Nach kurzer Diskussion wurde bcschloffen, sich der Geschäftskommission der Vertraucnsmäniier-Centralisation Deutsch- lands anzuschließen und die entstehenden Iliikosien aus der Verbands- lasse zu eiitiichmen. Hierauf gab man die Abrechnung vom Streik- fonds, betreffend die Zeit vom' Juli bis Dezember vorigen Jahres bekannt. Bei einer Einnahme von 266,25 M. und einer Ausgabe von 195,69 M. bleibt ein Barbestand von 169,65 M. In die Lohn- kommisfion delegierte die Bcrsammliing Karnal, Hinze und Schmidt II. Die Graveure und Cisclcnre hielten am 6. Februar ihre regelmäßige Versammlung ab. In Ermangelung eines Referenten gab Kollege Brückner eine kurze Schilderung über Rechte tmd Pflichten der Arbeiter nach dem nciieii biirgcrlichciiGcsetz. In der daranffolgeitden regen Diskussion wurde sowohl der Wunsch als auch das Bedürsins laut, für eine der nächsten Versammlinigen einen Vortrag über diesen Punkt mit Anschluß a» das Invaliden- und Unfallgesctz von einem in diesem Fache eingeweihten Redner halten zu lassen. Die Tcppichnäher und Linolcuinleger waren am Montag- abend in den Armnihallcn sehr zahlreich versammelt, um darüber schlüssig zu werden, wie sie sich organisieren sollen. Sassenbach legte kurz in einem Vortrage den Zweck der Berufs- organisation dar und wies am Schlüsse darauf hin, daß es für vorstehende Bernfsangehörige angebracht erscheine, sich eine. Specialvereiiiignng zu gründen, jedoch mögen sie in erster Linie nicht vergessen, im eignen Interesse dem zuständigen„Verband der Sattler, Tapezierer und verwandten Bernfsgenossen" sich anzuschließen. Die Ausführungen fanden allseitigen Beifall. In der Diskussion erwärmte sich S a l o m o n für eine isolierte Lokalorganisation, die sich schließlich auch dem Verband anschließen sollte. Dieser Anregung kam die Bersammlung nicht nach, sie beschloß viel- mehr, eine Special-Vcrciiiigmig der Brauche zu gründen und zwar mit sofortigem Anschluß au den Verband. Aus derWahl zumVorstaud gingen hervor: Salomon elfter, Heß zweiter Vorsitzender; Schönlein erster. Wo st ermeier, zweiter Schriftführer; Klaffke, erster, Seidel, zlveitcr Kassierer; als Revisoren Schröer tmd Vogt. — In einer darauffolgendeii Pause ließ sich der größte Teil der Anivesenden in die Orgaitisation aufnehmen; es soll in 14 Tagen eine weitere Versammlung stattfuiden. Johonnisthal. Eine gutbesiichte öffentliche Versammlung tagte hier am Dienstag in Senftlebens Lokal. Neichstags-Äbgeordneter R o s e n o w schilderte in IVcstüiidigem Vortrage das Wesen der jetzigen Flotteitvorlage. Die Entwicklung 'der Ausgaben Deutschlands für Heer und Marine seit 1872 sei inS ungeheuerliche gestiegen. Eine Weltpolitik im Sinne unsrcr herrschen- den Klassen kötiite die Arbeiterschaft nicht mitmachen. Alle Vorteile bei VenttehrtttigderFlotle haben dieGroßkapitalisten, dasKlcingcwcrbc und die Arbeiterschaft mir Nachteile. Erhöhte Steuern infolge neuer Zölle atifLebetismittel, erhöhte Wohtiititgsmieteit. erhöhte Zahl der Unfälle im Betriebe k. sei der Preis, mit welcher die breite Masse des Volkes eine derartige Weltpolitik zu bezahlen habe. Die wahre Weltpolitik, welche den Regierttitgen Ehre einbringen würde, sei gesetzliche Re- gelmig der Arbeitszeit, bessere Arbeiterschutz-Gesetze, Förderung aller Kultttraufgabeti. kurz; Hebung des Niveaus der Lebenshaltung des gesamten'arbeitettbett Volkes. Die Versammlung, welche auch von Gegnern besucht ivar, spendete dem Redner lebhaften Beifall. Zum Schluß wurde die Berliner Protestresolution cinstimmig angenommen und mit einem Hoch auf die Socialdomokratie die Bersammlung geschlossen._ Marktpreise von Berlin am 13. Fcbrnar 1900 iiiitfi Sriiilttliinaett des Inl. PoltzeiprästbiiiinS. )Mcizcn D.-Etr. �Roggen Fmier-Gcrste„ Hafer a»t . mittel„ ,. Hering Nichlsiroh. Heu•, t)G t/fett t-)Ti'ttsek>ohiic», f)1!liifcit Startofitlit, itctif„ Rindfleisch, flcttle 1 lig do. Bauch„ ») Eniiitlclt pro. wirtschahslamuicrii- Notietungsstelle- und uuigerechttet vorn Polizei- Präsidium für den Doppelccuwer. f) KlciuhaudclSpretse, Produkten morlt vom 14. Februar. Heute konnte die gestern de- gouneue Bcsestigima der G etreid-preise bei belebten Untsätzeu weitere ftortschrttte machen. Paris behauptet gleichfalls feste Tendenz, da fort- gesetzte Klagen über den Saatenstand in Franlreich laut werden. Auch New York war am Dcliungsbegchr befestigt. An» hiesigen Markte waren Weizen und Roggen 9,50 M. hoher gehalten. Haser behauptete seine letzten Preise. Nübül lag still, sali unverändert. Am Spiritus m artt wurden 15 000 Liter 70er loco zitm Preise von 47,10 M.(unverändert) gehandelt. Städtischer S ck l a ch t v i eh in ar lt. Berlin, 14. Februar 1909 Amtlicher Bericht der Direktion. Zmu Verkauf standen: 517 Rinder, 1934 Kälber, 1603 Schafe, 9731 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtaewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfund in Pf.): Für Rinder: Ochsen: n) vollfleiichige, ausgemästete, höchsten Schlachiwertcs. höchstens 7 Jahre alt 00- 09, d) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 09-09; c)»lästig genährte junge und gut genährte ältere 09-99; ck) gering genährte jeden Alters 99-99.— Bullen: a) vollflenchige höchsten Fchlachtwcrtcs 09-00; b)»lästig genährte jüngere iiud gut genährte ältere 99-99; e) gering genährte 48-52.- Färsen und Kühe: a) vvllfleischige, ansgeinästete Färjcn höchsten Schlachtwerts 09— 00; b) voNfleischigc, ausgemästete Kühe höchste» Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 09—00; a) ältere aiidgcmästeie Kühe und wenig gut entwickelte jüngere jtsthe und Färsen 00—00;>1) mästig genährte Kühe und Färsen 48-59; e) gering genährte Kühe und Färsen 41—40.— Kälber: a) feinste Mast- kälbcr(Vollniilchmas!) und beste Saugkälber 72—74, b) rntttlere Mastkälber und gute Sauglälber 65—09, e) geringe Saugkälber 55— 69, d) ältere, gering genährte(Fresser) 43-46.- Schaft; a) Mastläinmer und jüngere Mast- Hammel 61—64, b) ältere Mästhammel 55—69, c) mästig genährte Hammel»nd Sclafe(Merzschaft) 49-54, 6) Holsteiner Niederungs- schaft(Lebendgewicht) CO-CO.— Schweine: a) vollfleischige, der seinere» Rasten und deren Kreuzungen im Alter bis zu ll/l Jahren 47, b) Käser 09- 00, c) fleischige 44-46, d) gering entwickelte 41-43, o) Sauen 41-43. Verlauf und Tendenz, Vom Rinderanstrieb bliebut ungefähr 75 Stücke unverkauft. Der Kälberhandel gestaltete sich ziemlich glatt. Bei den Schafen war der Geschäftsgang glatt; es blieb nur kleiner Ueberstand. Der Schweincmarlt verlief ruhig und wird voranSsichtlich geräumt. kstnine»oit der Eenlralstclle der Preust. Land- «itieriinsvtiberstch« vom 14. Februar I»00. morgen»«Uhr. --e iSe ©tatimieu s«i£ c it Twiliemde Hamburg Bctliu Wiesbaden München Wien 755 ONO 752 ONO 751 O 746 NO 759 SW 748 W Wetter »bedeckt :> bedeckt 5 bedeckt 1 Regen 5 bedeckt 2 bedeckt «s-- -3 -3 -3 4 4 Stationen |£ o E 1« sl st- i= S s i s Haparanda Petersburg Eork Aberdeen Paris 7g4N 759 NO 757 N 755 W 746 W uz: Wetter Lwolkenl 2 bedeckt 2 heiter 1 ivolklg flbedeckt � u «1 -23 -10 -1 -4 -3 Wrtter-Prognose für DonncrStag, de» 15. Februar 1S09. Ein wenig wärmer, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und ziemlich starken nordöstlichen Winden, Berliner Wetterb nreau. Veranttvortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.