Kr. 39. Kbmmtmeitt»-Kedingungen: «bonnemcnt«« Preis pränumerando: vierteljährl. SL0 Sit, monatt 1,10 Sit., wöchentlich SS Plg. frei in» Hau«. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag», Nummer mit tllulirterler Sonntag», Beilag«»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post, Abonnement: ILO Mark pro Quartal. Singetragen in der Post» Zeitung», Preisliste für isov unter Dr. 7971. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn S Mark, für da» übrig« Au»land S Mark pro Monat. «rscheint kZgllch auftet»onkng«. Vevliner Volksvlstt. 17. Jahrs. Die Insertions- Gebühr »«trägt für dt« sechsgespaltene Kolsnel» Seile oder deren Raum»0 Pfg., sür polltische und gewerts chastltche Verein», und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Zinstlgen" jede» Wort S Psg. mit denen das Gehalt des Ministers absolut nichts zu thun hat. Im Vordergrund der Debatte aber' stand wieder die Frage des Kampfes gegen die Socialdemokratie. Während Abgeordneter Dr. Barth die Forderung ausstellte, daß die Regierung die Pflicht habe, die Staatsbürger nicht nach ihrer Zugehörigkeit zu einer politischen Partei, sondern nach Recht und Gerechtigkeit zu behandeln, proklamierte der Mit- arbciter der„Post". Frhr. v. Z c d l i tz. den Grundsatz, die Aufhebung des Socialistengesetzes bedinge nicht, daß die Ver- »valtungsbeamten die Socialdeinokratie»vie jede andre Partei zu behandeln hätten; sie müßten sie vielmehr nach»vie vor bekämpfen und sie für niederen Rechts erklären. Auch die Regierung dürfe dieHändenichtrnhig in denSchoß legen. sondern das Bürgertum zmn Kampfe gegen die Socialdemo« kratie aufrufen. In diese ernste Debatte einige Ergüsse lebhafter Heiter« keit,»venu auch nicht aus freien Stücken, zu bringen,»var den Herren v. W a n g e n h e i m und Dr. Arendt vorbehalten. Ersterer verglich die Socialdemokraten»nit M o r d brennern,»vährend letzterer seine bekannte Silberreds insofern ctivas abänderte, als er der Hoffnung Ausdruck gab. daß die Zahl der Bimetallisten sich vermehren»verde, obald die Erkenntnis ins Land gedrungen sei, daß die Socialdemokraten Anhänger der Goldwährung seien, weil diese geeignet fei, unsre»virtschaftliche Ordnung zu untergraben. Das ist doch endlich einmal ein durchschlagender Grund sür die Einführung der Doppclivährung. Wenn Abg. Dr. Arendt »veiter seinem Kollegen Dr. Barth prophezeite, dieser»verde bei einer siegreichen socialistischen Revolution hingerichtet werden, so fühlen wir uns Herrn Areudt gegenüber zur Bs« ruhigung seiner Nerven verpflichtet, ihm mitzuteilen. daß c r diese Gefahr nicht zu befürchten hat. So unschätzbare und unersetzliche Spaßmacher ums Leben zu bringen,»väre eine Versündigung an der Menschheit. Herr Dr. Arendt wird ge- chont werden und seine Silberlvährungsreden»Verden noch auf lange hinaus die Menschen ergötzen. Mit dem Verlauf der Generaldebatte können wir unsrer- eits nur zufrieden fein. Das übcrschneidige Auftreten des Ministers v. R h e i n b a b e n. die zweierlei Recht predigenden Reden des Herrn v. Zedlitz und Konsorten werden hoffentlich auch diejenigen Arbeiter, die unS heute noch gleichgültig gegenüberstehen, die Augen öffnen und die Reihen unsrer Kämpfer verinehren. Aus der weiteren Debatte ist nur zu erwähnen der miß- glückte Versuch des Abg. Dr. Arendt, eine Rede über die Diskontpolitik der Rcichsbank zu halten, sowie die Mitteilung des Ministers, daß die Statistik der letzten Landtagswahlen in einigen Tagen fertiggestellt sein»vird. Morgen: Fortsetzung derEtatsberatung und Antrag Langcrhans betreffend freiwillige Feuer- ' eftattung.— Aeurjches Weich. Byzanz. Immer widerwärtiger wagt sich eine Byzantinerei hervor, v � c:>*«• X l» nutS 1 1x�7 rtit k? r» die alles"übertrifft, was je" in älteren und späteren Zeiten an Selbst- entwürdigung vor dem als Götzen aufgerichteten Cäsar erlebt»ogrd. Und dieses ekle Laster ist nicht mir deshalb ernster Beachtung zu unterziehen, weil es stets weiter um sich fristt, sondern auch, ivcil es in einflußreichen Kreisen freudig genossen wird. Das„Kleine Journal", das in Hof- und Offlzierskreisen seine Leser hat, bringt fast täglich Artikel, in denen der widrigste Kultus mit der Person des Kaisers getrieben wird. Heute spricht das„Kl. I." von den„treibenden Kräften der Aeit"; unter diesen Kräften sind die mächtigsten„die Persönlichkeiten der zielbewukten Initiative" und eine solche Persvnlichlcit sei vor allen« der 5laiscr: „Nicht bloß für uns Deutsche allein, auch für die andern tonangebenden Völker ist die mierntiidlich rege Initiative, die von unserm Kaiser ausgeht, das erste«nid ivichtigsto Moment in der Erwägung der politischen Tagesfrngen. Dem mif große Ziele gerichteten Wirken unsrcs Kaisers entspringt heute die eigentlich treibende Kraft des Dcntschtnnis, die mehr und mehr über den Erdball i» großen Dimensionen sich entfaltet. Ans der K r a f t a u f s p c i ch e r u n g im Zeitalter Wilhelms des Großen entnahm Kaiser Wilhelm der Zweite, folgend den Traditionen der Hohenzollern-Politik, den Antrieb zu eiiicr neuen Acra in der Machtcntwicklmig des Deutschen Reichs. Es ist deS Kaisers eignes und persönliches Werk, den Markstein auf- gerichtet zu haben zwischen der alten und neuen Zeit. Daß auf den ungeheuren Aufschwung der Epoche der Reichsgriindung kein Niedergang erfolgt ist, daß wir in einer Zeit, die nicht von der genialen Kraft eines Bismarck gezngelt wurde, dennoch von Erfolg zu Erfolg vorangeschrittcn sind, ist der ebenso impulsiven wie besonnenen, immer aber vor- wärtsschreitendcn Kraft deS Kaiser? zu verdanken. Wenn der Kaiser vorgestern in seinem Trinkspruch auf den Prinzen Heinrich sagte:„DnS deutsche Volk ist mit seinen Fiirstc» und seinem Kaiser darüber willenscinig, daß es in seiner mächtigen Entwicklung einen neuen Markstein sehen will in der Schaffung einer großen, den Bedürfnissen entsprechenden Flotte"— so darf hinzugefügt lverden, daß diese lvahrhnft herzerfrcnende Willenscinigkeit ein rein persönlicher Erfolg der kaiserlichen Politik ist. Was heute in Millionen Köpfen lebendig ist, das ist das E r g e b n i s z e h n j n h r i g e r Bemühungen einer ein- z i g e n t r e i b e n d e ii K r n f t, und das einheitlich Folgerichtige in der Politik gerade giebt den Deutschen einen so großen Vor- sprung vor andern Völkern. Daher konnten wir so schnell und durchdringend die Ziele einer Wcltpolitik aufnehmen." Was aber die jüdische„Kreuz- Zeitung" vermag, das kann auch ein katholischer Pfarrer. Auf einer Floltenvercins- Vcr- saminlung in Düsseldorf schlug der Divisionspfarrer Dr. Pförtner aus Straßburg ganz ähnliche Töne des Byzantinismiis an. Er begann seine poetisch-delirierende Flottenprcdigt mit dem Motto: „Mein Volk, mein Volk, wo liegt dein Glück Auf deiner Znkiinft Wegen? In Kaisers Hand ein stcftkeS Heer und eine starke Flotte— Geschützt von GottcS Segen!" Dann sagte der Diener GötteS: „Manchem mag es auffallend klingen, daß ich den Willen und die in letzter Zeit oft wiedcrholtcii Kundgebungen des Kallers als Grund anführe für die Notwendigkeit ->" l1 �>.u a r i t i m e n V e r st ä r k u n g. Wenn wir aber den LandeSfursten wirklich als„von Gottes Gnaden" uns gc- geben ansehen, wenn wir unscrn Kaiser als nnsern Landes Vater betrachten, ihn als solchen in kindlicher Treue und Verehrung hoch- halten und lieben, wem« wir annehmen, daß in dem Verhältnisse deS Kaisers zu seinem Reich der gleiche hamionische Zug liegt, wie m dem eines Vaters zu seiner Familie, dann sehen wir ivahilich die Verpflichtung nicht als ausfallend, sondern als gerecht fertigt, ja heilig an, den Willen des Kaisers zu respektiere". Aus der von Gott gewollte» Familie ist die Mrstcnkron« erwachse!-, und diese erhält ihren schönsten Glanz. ihre höchste Würde ans dem Familienleben..." ,* Die katholische„Köln. Volksztg." ist entsetzt ob dieser Aeiißerungen ihres KonfcslionSgcnosscn. sie sieht in der Rede ein.. e r n st'e S Symptom für das weitere Vordringen des absolutisttschen Geistes in Deutschland". Sie protestiert dagegen, den Kaiser a l s ii n s c h l b a r zu erklären, so daß man ihm durch Dick und Dünn folgen mußte. Auf diese Art würde man schließlich„den Eäsariö- i»»S zur kirchlichen Pflicht" machen. Das CciitruiNSblatt schließt seine Betrachtung mit der Mahinnig: „Gegenüber dem politisch-wirtschastlicheU RadikaliSimis hat llch 1 111 kctzten Jahren der abfolutistifch-imperia- liitische Gedanke in Deutschland immer schärfer accent ui ert, und Pessiniistcn behaupten, daß wir ans gutem Wege zu Napoleonischen Ttiminnngeu seien. Die verfassungs- treuen Parteien Deutschlands habe» allen Grund, diese Eiitwicklimg aiifincrksnin zu verfolgen; den deutschen Katholiken fällt dabei die besondere Pflicht zu. etwaige weitere Versuche zur geistlichen Drapierung jenes Gedankens im Keime zu ersticken." Keine Willcnöciuigkeit der Fürsten! Wie jetzt gemeldet wird, hat llt e u ß ältere Linie im Bundesrat der Floiteiivorlagc nicht ziigestimmt. Hat Graf PosadowSky nicht im Reichstag erklärt, der AnndeSrat habe sich e i n st i in in i g für die Flotten- Vorlage ausgesprochen? Ueorigens hat Reuß ä. L. seiner Zeit auch gegen daS Socialisten- gesetz gesummt. Wasserfreundlicher ist der Regent von Lippe, der das Protektorat über den lippcschcn LaiidcsanSschuß deS FlottenvcrciiiS übernommen. Auf die Anzeige diefe» Ereignisse» hat der Kaiser dem Grafrcgenten seinen„freudigen und verbindlichen Dank" ausgesprochen. Ein früheres Telegramm Wilhelms II. an den Biesterfeldcr vom 17. Jnm 1898 lautete bekanntlich:„Ihren Bncf erhalten, Uiiordnungeu des kommaiidicrenden Generals geschehen Mit meinem Einverständnisse nach vorheriger Ansra�e. Dem Äegenten, was dem Regenten zukonnnt, weiter nichts. Jin übrigen will ich mir den Ton, in welchem Sie an mich zu schreiben für gut befunden haben, ein fnr alle Mal verbeten haben," Der kommandierende General, der die Sache damals so schneidig ausführte, Herr v. Mikusch-Bnchbcrg, ist jetzt in llngnade gefnlleii und pensioniert, der Biestcrfclder aber protegiert Flottcnvcreine und erhalt von Berlin freudige und verbindliche Dankesbezeiiaimacii. So ändern sich die Zeiten!— Um dem tiefgefühlten Herzenswunsch der Flottenschwärmer "ach einem flottciifreiindllcheli„Arbeiter" nach Kräften zn nnterftiitzen, ividmen wir den Flottenprofcssoren folgendcn Brief, der mit dem Poststempel Berlin K�V. 14. Februar versehen, von einer sehr flotten kaufmännisch anSgcscbricbenen Hand verfaßt mid nnserni Genossen Bebel zugegangen ist. Die Epistel des siottciibcgeistcrtcn „Arbeiters", aus welchem der rapide Niedergang der socio ldcinokratischen Partei ersichtlich ist, lautet: Genosse Bebel! Unsere Parthci braucht andere Führer: Welche könnt Ihr Euch denke» wenn Ihr nicht zu dumm seid.— Genosse Bebel, Sie und Liebknecht sind dumme, alt gewordene Esel, zu dem Singcrlndcr haben wir auch kein Vertrauen mehr; Frohine ist auch dumm, hat sehr dumm gesprochen. Genosse Bebel wenn Ihr denkt wir Arbeiter haben au der Flottenvorlage keinen Nutzen so seid Ihr doch auf dem Holzwege. Euere ganze Rede ist gehässig, wir wollen uns aber nicht mehr aufreizen lassen; Euer Thema ist ab- gedroschen und hat für den veriiiinftig denken Sozialdeinolratcn kein Werth mehr sondern ist Quatsch, ekelhaft und langweilig. Wir lassen uns von Euch uichl mehr bevormunden, Ihr seid alt und emseitig und Ihr versteht die Welt und die Ereignisse nicht mehr; Habt nur das große Maul. Singer ebenso, aber was Uns Arbeitern bcfler ist, ist Euch egal. Jbr Lumpen habt ja genug. Ihr säet Haag und Zwietracht! Pfui!— Eine schone Acguisition für die Fsottenagitatorcli.— Sie fürchte» sich nicht. In eiiicin Flottcnaufruf erklären die deutschen Stiidenten: „Ihr Deutsche! Unser Kaiser will ja nur unser wahres Wohl, er will uns ja nur glücklich machen. Hören wir doch auf seine von wahrer Datersorge eingegebenen Worte! Fürchten wir nicht die einmaligen, uns gros« vorkommenden Anögabcn." Daß sich die Jiinglinge vor einein Flotten p um p, der ihiien selbst keinen Pfennig kostet, nicht fürchten, glauben wir ihnen ohne weiteres. Dieses System paßt ganz zu ihren sonstigen Gepflogen- hciten.— Konservative Flottenscindschaft. Das„Deutsche Adelsblatt" schreibt: „Wir schlagen den Liberalen vor, zur Fernhaltmig einer weiteren Belastung von den schwächeren Schultern, für die stärkere Belastung der muskulöse" Schulter» der HaudelShcrrc» einzutreten. Die reiche» Rcedercicii,' bczw. die cxstorticrenden oder importierenden Großfinnen wären nach einer von Sach- verständigen angestellte»! Uiitersiichnilg in der Lage, sich an einer allgeiiiclnen Flottcnstcncr spielend mit zwanzig bis dreißig Millionen jährlich z» beteiligen. Eine Stener- bcrechming nach Tonnengebalt oder nach der Höhe der See- verfichenmgspolice ergiebt die erfreuliche Thatsachc. welche der patriotische Sin» der Scehandelsfirmcn sich hoffentlich nicht ent- gehen lassen wird." Die liberalen Flottenschlvärmcr sind über diese Zumutung natürlich tief entrüstet.— Eine Lotterie gegen die koloniale Syphilis— dieses wunderbare Heilmittel empfiehlt der Gouverneur v. Beimigscn, um das Aussterben der Bcvölkermig der Marschallinsel«, der Nachbariiiieln der Karolinen, zu verhindern. Z Die Marschallinseln verdanken wie alle Kolonien die Syphilis der Berührung mit der Kultur. Man müßte, so empfiehlt Herr v. Bennigsen, durch eine Lotterie die Mittel gewinnen, nm Aerzte zu jencn unglncklichen Opfern der Kultursenche zn cntsciidcn. Sonst seien die Marschallinsillancr ebenso verloren, wie es auf andern Sndsee-Jnseln schon der Fall sei. Auch die Karolinen, jene Einlaß begehrenden„Mädchen", denen man nach Herrn v. Biilows Witz die Thiire des Reich? nicht zuschlagen solle, sind syphilitisch infiziert. So sieht die Kolonialherrlichkeit in Wahrheit anS. Werde» unsere Flottciiphantasten min nicht kommen und erklären, gegen die koloniale Syphilis helfe mir ein Mittel: Panzerschiffe?— Das heutige Flottentelegramm des Kaisers ist an den Bor- sitzenden des Hamburgischen Laiidesausschiisscs des Deutsche» Flotten- vereius, Bürgermeister Mönckeberg, adressiert. Neues vom Sanlus. Nachdem ein Redaktionsschreiber des „Berk, Tagcbl." in der Maske eines wilden Socialistci! für die Flotte geeifert— allerdings zu plump, um nicht ausgelacht zu werden— nachdem weiter der eine Rickertsche Flottciisocialdcinolrat gebührend verherrlicht worden, ohiie daß unsre Nichtigstcllniig mit einem Worte erwähnt ivorde» wäre, begiebt sich jetzt der Marine-SauluS des „Berk. Tagcbl." auf daS fruchtbare Gebiet der Fälschungen, um zu beweisen— daß unser Genosse Schippe! in Chemnitz sich flotten- freundlich alisgcsprochen. Zwar erklärt das„Bcrl. Tgbl.", daß Schippel die Berliner Protestresolution verteidigt habe, aber es gestattet sich die infame Verdächtigung, daß Schippel„mehr pflichtgemäß, als seiner eignen llcberzeugung folgend, sich der ihm gestellten Aufgabe unterzog". Und woraus schließt Saulns, daß Schippel perfider Weise so von Hinte ii herum die Vorlage habe verteidigen wollen? Aus einem von Schippel angeführten Engcls-Citat und einer Dar- legung über die Interessiertheit der k a p i t a l i st i s ch e n Bourgeoisie an der deiitschen Einheit nnd an der dentschen Flotte? Was hat nun Schippel in Wirklichkeit ausgeführt! Er sagte nach dem Bericht unseres Chemnitzer Organs: „Die Flottenvorlage berührt die Arbeiter schon deshalb ganz besonders, weil man hier von V c Iv i l l i g u n g s» o i g u n g e u unter den Arbeitern selber gesprochen hat. Jndes siiid das leere Eiubildnngc:» der Gegner. Ueberall hat sich i» allen Versaniiiiliiiigcn die volle Einmütigkeit unserer Panei gezeigt, und von mir selber brauche ich hier mitcr lauter Bckaiiiiteii und Freuiidc» ivohl kaum erst zu sagen, daß ich dieser Regierung und dieser Flottenvorlage genau so avlehncud gegenüberstehe, wie uur irgend ein Mitglied der Partei nnd der Fraktion." Schippel führte dann weiter ans— eine Meinung, die übrigens anfechtbar ist—, daß sich im Falle der Auflösung wegen der Flotte»- frciindschaft der Freisiuiiiacn schwierige Wahlverhälinisse ergeben köiuilcn.„Aver", so erklärte Schippel,„wir haben stets eine Ehre darin gesetzt, misern Standpunkt rein und unverfälscht auch»uter den schwieligsten Verhältnissen ohne Schivanken niid ohne Rücksicht- nahine ausrecht zn erhalten, und ich zweifle keiilen Augenblick, daß daS arbeitende Volk die Haltung der s o c i a l d e m o k r a- tischen ReichstagSfrattion überall billigen wird. „Wozu brauche» wir aber eine Flotte? Zu einer Küste»- Verteidigung nicht! Durch ihre natürliche Beschaffenheit wehren misre Küsten ulld Flußiiiiinduiigen schon von selbst alle feindliche:! Angriffe ab, denn sie sind durchweg so sandig und flach, daß größere Kriegsschiffe überhaupt nicht in ihre Nähe kommeii können. Auch vor dein Gespenst der AnShimqcrniig braucht sich Deutschland nicht zu fürchten, denn»nscr Flnßsystem setzt uns in die beste Berbindnng mit Ländern, ans denen wir leichr und bequem Lebensmittel aller Art einführen lönncN. Obwohl die Regierung vor noch gar nicht allzu langer Zeit gesagt hatte, daß man eine Flotte' nicht zum Angriff, sondern mir zur Verteidigung bc- nötige, so scheine eS sich petzt doch wesentlich hicriii geändert zu haben, denn die neue Ver tärkung miserer Marine kann einzig und allein nur den Zweck verfolgen, schwächeren Mächten einträgliche Kolonien fortzunehmen, nnd so für alle Fälle gewappnet zu sein. Hin hierin mm aber nicht vom Reichstage abhängig zu sein, will man denselben bis zmn Jahre 1916 binden....' „Die arbeitende Vevölkerimg hat gar kein Interesse au der Flottcnveniiehrung, deren Annahme nur eine MachtcrhöKmig der wirtschaftlichen Gegner der arbeitende» Klasse bedentcu würde. Die Arbeiter protcstiercil deshalb gegen die Annahme der Flottenvorlage durch den Reichstag und gegen das ganze von WcltmachtSgelüstcii geleitete System. Die Arbeiterschaft will den Frieden und nicht den Krieg; sie braucht keine Kolonien, denn sie kennt im eigenen Lande genug Elend, das der Hilfe und der Kultur bedürftiger ist, als die wilden Volksstämme fremder Erdteile. Aus allen diesen Gründe» ist die Arbeiterschaft in keiner Weise mit den Flottenpläneu elnverstanden." Das„Bcrl. Tageblatt" beruft sich ausdrücklich auf den Bericht unseres Chemnitzer Parteiorgans. ES hat ihn also gelesen. Damit charakterisiert sich die Bchaiiptmig des„Berl. Tagcbl." als Fälschung und Verleumdung.— Zwei fürstliche Socialpolitiker. Der Herzog Ernst Günther zu Schleswig-Holstein, der Schwager des Kaisers, der jüngst dadurch von sich reden machte, daß er den Versuch einer Sclbstorienticrung über svcialpolitische Fragen drucken ließ, hat wieder etwas von sich hören lassen. Er hat in der kürzlich hier abgehaltenen Versammlung eines Ausschusses für Wohlfahrtspflege auf den» Lande eine Rede über die Wohnimgs- frage gehalten, die nicht gerade den Eindruck erweckt, als ob der Herr Herzog Aussicht hätte, ein großer Socialpolitiler zu werden. Nach dem Bericht der„Post" begann er mit der Konstaticriiiig. daß„die ganze Arbeiterfrage zmn Teil in der WohmingSfrage gipfelt", bezweifelte unmittelbar darauf das Be- stehen einer Wohnnngsnot ans dem Lande, nnd fügte ebenso rasch hinzu, daß die„Arbeitern ot" auf dem Lande viel dringender sei wie die Wohnungsnot. Damit hatte er schließlich den richtigen Zipfel gefunden, um noch ein langes und breites über die „Arbeiternot", wie man heute die Klagen der Agrarier über den Mangel an Arbeitern zu umschreiben liebt, zu reden. Am Schlnsic kam ihm der Gedanke, daß die Vcranstaltmig„angcmcsscncr" Ver- gnngniigcil ans dem Lande ebenso Ivichtig sei. wie der Bau von Wohnlmgcil. Weiter ist seine socinlpolitischc Erkenntnis noch nicht in die Nrfachcn der„Landflucht" eingedrungen. Man kann danach nicht sagen, daß sich die Rede durch besondere Klarheit der Ge- danken und durch besondere Wärme in der Sorge um das Wohl der Arbeiter auszeichnet. Einen viel sympathischeren Eindrnckmachtcine zweite socialpolitische Fürstlichkeit, eine Fran, die Großherzogin von Hessen. Die Dame hat vor einigen Tagen eine Anzahl Herren, unter ihneil den Herrn v. Heyl, eingeladen zur Bildung eines Landeskomitees, da-Z einen„Verein zur Besserung der Wohnuiigsverhältnisse Minder- bemittelter in Stadt und Land" gründen soll. Diesen Herren hat sie eine Ansprache gehalten, die mindestens durch ihre schöne klare Form für sich einninimt. Aber auch durch ihren Inhalt. Nicht etwa, daß wir uns von der Bethätignng des Dranges der hohen Dame nach schönen Thatcn iiemienSiverte Wir- kimgcn für die Hebung der Arbeiterklasse versprächen; aber das will die Dame auch gar nicht. Sie redet nicht von der teilweisen Gipfelnng der ganzen Arbeiterfrage nnd auch nicht von der größeren Wichtigkeit der„Arbeiternot". Sic erkennt mir an, daß die„Wohiimigsverhälwisfe der Minderbemittelten in Stadt und Land" der Besserung bedürfen und da will sie ein wenig mithelfen und bekimdet diese bescheidene Absicht mit den schönen Worten, die einer gebildeten Frau für solche Wohlthätig- keitSzwecke ja wohl leicht zu Gebote stehen. Mehr kann sie nicht thim, aber mehr verspricht sie auch nicht.— Und sie schlägt auch nicht auf einen Sack, wo sie den Esel meint. Rchtstliudcntag im Bergbau. München. 15. Februar. Die Abgcordiicteiikaininer nahm bei der Beratung der Berg- g c s e tz- R o v e l l e einen Antrag an, der bestimmt: die Arbeitszeit iintcr Tage darf acht Stunden für den Tag in der Regel nicht übersteige«. Bei migiinstigeu Berhäftnisse» des Wassers und der Temperatur in den Gruben Hot das Oberbergamt eine entsprechende Minderung der regelmäßigen Arbeitszeit festzusetzen. Die Dauer der Schicht kann unter bestimniten Bediiigiiiigeu zwei Stiinden jedoch höchstens 53 mal im Jahre verlängert werden. Die Arbeitszeit wird gerechnet vom Verlasjeu der Erdoberfläche bis zur Rückkehr au dieselbe. Hoffentlich stimmt die bayrische Regierung diesem vernünftigen Beschluß bei.— Mittelstands- Wuuschc. Die W a r c nh a u§ st euer, so schreibt der konservative„ReichSbote". wird dem Mittelstände zn bitterer E n t t ä n s ch n n g gereichen. Ihm könnte das Gesetz nur initzcn, wenn man die Wärenhäuser zmn Eingehen zwänge, indem man sie einfach verböte. Das Blatt empfiehlt, die Feuergefährlichkcit zum Vorwande des Verbots zu nehmen.— Wie man für die Volksbildung sorgt. Nach den statistischen Feststellungen für das Jahr 1809 kamen auf jeden Lehrer an den höheren Schulen im Deutschen Reich 17 Schüler. Das ist ein ganz annehmbares Verhältnis. Auf jeden VolkSschullehrcr oder Lehrerin aber kamen durchschnittlich 63 Kinder! Ein recht hübsches Beispiel, Ivie lliisre herrschenden Klassen für sich zu sorgen verstehen, und was sie für die ,VoIkS"bilduiig übrig haben. Wicdcrciurichtniig der Berliner Prodnttcnbörse. Ein Ministerialerlaß ordnet an, daß wochentäglich in Berlin vormittags von lK/ü— llllhr im Prodnltensaale des Börsciigebändes ein Special- marlt abgehalten wird für den Großhandel in Getreide. Mehl und Mühlenfabrikaten, Sämereien. Oel und Oelsaaten, Hülsensrüchtcn. Kartoffelfabrikaten, Fnttcrartikeln, Butter, Schmalz, Petroleum, Spiritus und Eiern. Ter Handel soll indessen nur Montags»nd Donnerstags stattfinden. Die Feststellung der Preise erfolgt täglich durch eine Markt- kommissioii von 14 Mitgliedern, die der Pollzetprästdent von Berlin ernennt. Die Mitglieder sind zn entnehmen in der Zahl von neun ans den Mitgliedern des Vorstandes des Vereins Berliner Getreide- und Prodilkteiihäiidlcr, von denen zwei Vertreter der Müllerei, oder eines zu dieser in Beziehung stehenden Gewerbes sein müssen; von drei aus den laudwirtschaftlichcu Mitgliedern des Vorstandes der Produktenbörse und von zioei aus der stäudigcn Deputation der Eierhändler.— HaudwcrkSkaiuincrn. Nach Artikel 9 der Novelle zur G e w e r b c- O r d ii u ii g vom 26. Juli 1897 wird der Zeitpunkt. mit welchem der größere Teil der Novelle in Kraft tritt, kaiserlicher Verordnung vorbehalten. Dem Lliudesrath ist min der Entwurf einer kaiserlichen Verordnung zugegangen, wonach die Bestimmungen über die Bildung der H a n d w c r k S k a m m e r n(§Z 103 a bis 103 q von Artikel 1) mit dem 1. April dieses Jahre? in Kraft iretcn. Da- gegen sollen die Bestiinmiliigcn über die Beftignis zur.Ans- ö i l d u ii g von Lehrlingen und die Bildung von Ausschüssen für G c s c l l e n p r ii f n n g e u lßij 129 bis 132 a von Artikel 2) erst am 1. Januar 1901,»nd die Vestimmmigen über die Erteilung des Meistertitels erst am 1. Oktober nächsten Jahres tu Kraft treten.— Statistische Nnsnahmen. Dem BmideSrat sind die Entwürfe von Bestimmungen für die Vornahme einer Volkszählung am l. Dezember 1900, für die l a n d- und f o r st w i r t s ch a f t l i ch en Ausnahmen im Jahre 1900 und für die Vornahme einer Vieh- Zählung am 1. Dezember 1900 zugegangen. Die Ermittelung der landwirtschaftlichen Bodeiibeiintzimg sollte nach dem Beschlutz deS Bundesrats vom 7. Juli 1892 erst im Jahre 1903 ausgeführt werden. Der Zeitpunkt ist aber früher gelegt worden, da die Ergebnisse für die in Aussicht ftcheiidcu zoll- und handelspolitischen Erörterungen nutzbar gemacht werden sollen.— SlnS Sachseil-Wcimar wird unS geschrieben:.Politische S p r e K st u n d e n" haben unsere Genossen im 1. weimarischcn Wahlkreise eingeführt. Darüber berichten bürgerliche Blätter: „Angcsickits der VersainmluiigSvcrbot«, mit denen jede social- demokratische oder als solche verdächtige Versammlung in dem durch seine liberalen Traditionen ausgezeichueten Groß-■ Herzogtum Sachssn-Weimar nach irgend cineiii bereit liegenden Schema belegt wird, ist die Art und. Weise intercssaiit. in der die Bctroffciicn sich zn helfen wissen, um dcmioch ihren Zweck zu erreichen. So hat der socialdemokratische Land- und Reichstags- Abgeordnete Bandcrt am Sonntag eine Art politische Svrechstimde abgehalten. ES wurde im Laufe der letzten Woche zu diesem Behufs von Weimar aus ein Inserat verbreitet, welches besagte, daß Herr V audert am koilimcndcn Eonutagiiachinittag i» Gnberudors anwesend und bei dieser Gelegenheit gern bereit sein werde, etwaige Frage» und Wünsche seiner Wähler ciitgcge» zu uchmcn. Natürlich folgten zahl- reiche Lniidlcuie aus Gaberndorf und Umgegend dieser Ein- ladung. Der Vorgang liefert wieder einmal den Beweis, wie'verfehlt großen Bewegmigen gegenüber eine kleinliche Politik ist." Die landwirtschaftliche Central st eile deS Groß- Herzogtums verlangte von der Regierung die Vorlegung eines Gcsctzcntivilrfs.»ach ivclchein, wie bereits i» Anhalt geschieht, der K o n t r a t t b r u ch der laudwirtschaftlichcu Arbeiter streng bestraft wird.— Karlsruhe, 15. Februar. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer wurde der EentruniSantrag qus Zulassung der Orden im Großherzogtum augciwnimen. Wir haben schon in voriger Nummer davon gesprochen, daß die Regierung diesen Bc- schlüsselt nicht zuzustiimiicu pflegt.— Zu der HochVerratS-Nsfaire in Ostrowo schreibt der „Goiiicc", seit langem habe hier keine Nachricht eine solche Bestürzung hcrborgcriifcn. wie die von der Berhaftniig Leitgebers.. Einzelne polnische Blätter sind der Ansicht, daß die von dein Verhaftelen ver- faßte Schrift über Rapperöwvl der Reichsanwaltschaft Ursache zum Einschrcitcii gegeben haben köiiiie. Die„Gaz. OstrowSka" teilt mit, sie werde wegen der Verhaftimg ihres HcransgeberS ihr Er» scheinen zeitweise e in st e l l e it. lieber weitere P o l e n v c r h a f t n n g e n meldet die„Rhein.» Wests. Zig." ans Dortmund. Dort lvurden DienZtagiiachmillag atoci Polen, und zwar der Buchdrucker Sigismund Melerowiez und' der Schueidermeistcr Jobann Kolcnda verhaftet und in das Gerichts- gcfängnis abgeführt. Die Beschuldigung gegen sie lautet, wie das Blatt erfährt,' ebenfalls auf Hochverrat. Sie sollen für den„pol- nifchcn Nationalfonds' in Rapperswyl(Schweiz), der, revolutionären Zwecken" dienen und in allen Ländern feine Agenten haben soll, in hiesigen Kreisen Gelder gesammelt und abgeliefert haben. Der Buchdrucker hatte ein kleines Zimmer inne und druckte, nach der genannten Quelle, heimlich deutsche und polnische Schriften. Von der geplanten Tchulreform. Im Kultusministerium geht man, wie auch die„Post" jetzt zugicbt, mit der Absicht um, unser höheres Schnllvescn einer durchgreifenden Umgestaltung zu unter- werfen. Es ist richtig, dah die Anregung dazu vom Kaiser ans- gegangen ist. Was im Jahre 1880 begonnen wurde, aber damals noch nicht zu einem solchen Abschluß gebracht werden konnte, wie ihn der Kaiser im Auge hatte, das soll nun weitergeführt werden. Der bisher immer zurückgewiesene Vorschlag, unsre höheren Schulen in zwei Ab tcilungcn zu zerlegen, ein Untcrghmnasinm bis zur Untersekunda und ein Obergymnasinm mit den drei obere» Klassen soll jetzt er lvogen werden. Man wird, nach den Mitteilungen der„Post", das Griechische nicht beseitigen, aber es der Oberstufe zuweisen. Es muß, sagt das citicrte Blatt, den Forderungen der Gegenwart Rech nung getragen werden. Die ausschlaggebende Stellung, die sie früher hatten, könne» die alten Sprachen auf die Dauer nicht behalten.— Ausland. Die Eiiibentfmig des östreichischen NeichSratS. -st-. Wie», 12. Februar. Wie schon in gestriger Nummer ge meldet, wird der o st reicht! che Neid)-3 rat bereits f ü d e n 22. F e b r tt a r einberufen. Da diesmal zum erstemnal, seitdem dieses Abgeordnetenhaus überhaupt existiert, die Session nicht geschlofsen, sondern bloß vertagt wurde, nimmt das Parlament die„Arbeit" dort auf, Ivo es sie aiit 20. Dezember unter der Regie rung Clary stehen ließ: bei der ersten Lesung der Negierungsvorlagc auf Festsctzniig und Einhebung des Lieknitenkontingents für das Jahr 1800, also einer jener berühmten„Staatsnotwendigkcitcn", die das obstruierte Parlament seit drei Jahren beharrlich verweigert. Die Session deS Parlaments kann nicht lange währen, denn es i't noch die Tagung der Landtage zu absolvieren, die bekanntlich im Dezember' die Landcsbudgcts nur provisorisch beschlossen haben Ueberdies wünscht man aber den Umstand, daß das Mandat der Delegation noch nicht erloschen ist, dazu zu benutzen, um recht rasch das gemeinsame Budget für das nächste Jahr unter Dach und Fach zu bringen, und so muß der Reichsrat jedenfalls im April weichen. inn der Delegation Platz zu machen. Sckwn aus diesen äußeren Umständen geht hervor, daß es sich bei der komnienden Reichsratstagnng wesentlich um eine Probe darauf handelt, ob die Obstruktion sd)on erloschen ist oder noch glimmt. Der Reichsrat wird eigentlich dcs halb versammelt, um zu zeigen, ob er noch oder ob er schon lebens tüchtig ist; nian will wieder einmal probieren, ob dem verstimmten Werke menschliche Töne zu entlocken seien, oder ob es schon als gänzlich verdorben zu betrachten tnid zu— behandeln ist. Genau betrackftet, rechnet die Regierung Körber darauf, daß nichts da sein wird, das zu obstruieren wäre. Der östreichisch ungrifche Ausgleich, diese Achillesferse jeder bisherigen Regiermig ist mit dem nie versagenden§ 14 glücklich von der Tagesordnung geschafft worden! das provisorische'Budget ist von der Regierung Wittel bis Ende Juni„verordnet"; mit Ausnahme des Rekruten gcsetzcs ist weit und breit nichts zu finden, auf das sich der Wider' stand der Parteien verdichten könnte. Die einzige Sorge der Re gierung ist vielleicht das JnvestilionSbudgct, das die Regierung zu einer Anleihe von 40 Millionen Gulden für Jnvestitionszwecke er- mächtigen soll. Geld ausborgen kann man sich nämlich mit dem Z 14 nicht! das verbietet nicht nur das Staatsgrnndgesetz, sondern man kriegt's auch nicht gepumpt. Nun wirtschaftet man aber in Oestreich bereits das dritte Jahr ohne ein verfassungs mäßig zu stände gekommenes Budget und deshalb sind die Staats kassen völlig ausgeschöpft, da auch die Mittel, die sonst durch An leihen aufgebracht werden— für produktive, tragende Zivccke— auS den Kassabeständen bestritten iverden mußten. Die Bewilligung dcs Quotengesctzes, das schließlich ausständig ist, ist eigentlich eine bloße Formalität. Wie noch erinnerlich, hat der Kaiser die Quote diesmal nur auf ein halbes Jahr bestimmt! da er aber die Erhöhung ver fügte, auf die sich die Quotendepntationcn geeim'gt hatten, so ist das Gesetz, das der Reichsrat beschließt, M Sanktion des schon geltenden Verhältnisses! Gesetz bewilligt, so wird eben nur die Verfügung der' Krone erspart werden. Wie man sieht, find die Ans sichten der Regierung Körber deshalb günstiger wie die aller ihrer Vorgängerinnen. weil die ,. not>v endige it" Ver fassungsbrüche so ziemlich alle bereits ver- brachen sind. Der zweite Stein im Spiel der Regierung ist die Ver st ä n d i a u n g s k o n f e r e nz. Sie hat wohl bis jetzt nichts zu Tage gefördert und man kann hundert gegen eins wetten, daß am 22. Februar ebenso wenig herausgekommen sein tvird. Aber in dem Sinne scheitern, daß ein negatives Resultat konstatiert ivürde, das wird die Konferenz ebenso wenig. Und da? ist Ivohl das waS die Regierung von der Konferenz erwartet, was sie mit ihr be zweckte: Es soll das Gefühl erweckt werden, daß sich die nationalen Fragen im Zuge der Verhandlung befinden, auf dem Wege zur Lösung sind. Durch die Konferenz wird naturgemäß die „böhmische Frage" vom Parlamente losgelöst, in der Konferenz isoliert. Wie die Dinge heute liegen, ist es nicht ausgeschlossen, daß der konimenden Tagung der unfruchtbare Charakter nicht mehr an haften werde, der die drei verflossenen ParlamentSjahre kennzeichnet. Freilich ist bei den sprunghaft wechselnden Stimmungen der natio nalen Parteien jede Voraussage tinmöglich, und so kann es auch lonnnen, daß statt der allmählichen Gesundung der komplette Krach eintritt. Die Wirkungen deS Scheiterns der deutsch-czechi- schen Verständigungs-Konferenzen machen sich bereits bemerkbar. In czechischen Blättern wird für die am 22. d. Mts beginnende ReichsratSsession die Fortsetzung der Obstruktion angekündigt. Die„Narodni Listy" geben neuerlich die alte Losung ans, die Thätigkeit des Parlaments müsse so lange gestört sei», wie die Ezechcn für die Aufhebung der Sprachenvcrordnnngen nicht Genngthnnng erhalten haben. Der Rücktritt des Kabinetts Clary ist ihnen keine hinreichende Genngthnnng. Die Wünsdie der Czcchen werden dabei folgendermaßen ausgedrückt: Der ReichSrat soll heim- geschickt, der§ 14 wieder in Anwendung gebracht und die Landtage sollen einberufen werden, als die einzige Zufluchtsstätte dcs Kon- stüutionaliSmns. Auch die„Lidave Novine" erklären, die beginnende ReichsratSsession werde die ezcchislbcn Abgeordneten ivieder in der Obstrnktion finden, in der sie verharren' werden, bis sie für das ihnen zugefügte Unrecht volle Satisfaktion erhalten.— Belgien. Brüssel, lö. Februar. Gegen den socialistischen Deputierten D e m b l o n wurde ivegcn der von ihm in der gestrigen Kammer- sitzung begangenen Thätlich leiten auf Antrag deS Staats- anwa'lts das gerichtliche Verfahren eingeleitet.— nichts mehr als die wenn der Reichsrat das supplctorisch eintretende Italien. Drei reaktionäre Gesetze wird demnächst die Regierung der Kammer vorlegen. Erstens wird wieder Geld gebraucht für mili- tärische Zwecke und zwar nicht weniger denn 333 Millionen. Durch ein neues Stenerprojekt sollen diese'Millioncn aufgebracht werden. Danach haben alle Personen, die Gehälter, Löhne von mehr als 3.50 Fr. pro Tag empfangen, eine Steuer zu entrichten. Der Durch- schnittslohn beträgt in Italien 2.50 Fr., davon entfällt ein gutes Drittel ans Wohnu'ngsmiete und die indirekten staatlichen und komnui- nalen Steuern, die' schon heute zu entrichten sind. Gegen diesen neuen Plan wird sick) das Volt natürlich wenden. Damit aber die Opposition eine nicht allzu starke werde, soll ein dritter Gesetz entwnrf gleichzeitig für die Knebelung der Presse sorgen, soll ferner die Vereins- und Versammlungsfreiheit beschränkt und den Arbeitern das Recht des Streiks beschnitten werden. Die Fraktionen der Socialdemokraten und Republikaner der Kammer rüsten sich zum Widerstand gegen diese reaktionären Pläne; eventuell soll das Mittel der Obstruktion wieder in Anwendung kommen.— Schweden. Eine lex- Heinze(Litteratur- Paragraph) tn Schweden. Im schwedischen Reichstag stand der„Dnickfreiheits und Sittlichkcits- Paragraph zur Beratung. In der ersten Kammer wurde derselbe ohne Debatte und ohne Abstiutmung an- genonntmen. In der zweiten entstand eine l'/s stündige Debatte. Dieses Gesetz ist eine Erweiterung und Aenderung eines bestehenden und enthält einen irreleitenden Ausdruck, für die strafbaren Schriften, nämlich:„die gegen Zucht und Sittlichkeit ver- stoßen". Die gegnerischen Redner brachten die kräftigsten Argumente ftir die Ablehnung vor und bewiesen, daß' das bisherige Gesetz völlig genüge, weil überhaupt gar keine Anklagen erfolgt sind; aber Lamentationen des Herrn Rast'adius, die Jugend tttüsse geschützt werden, und die Sophismen des Herrn Waldcnström, daß ein solches Gesetz ja nichts schade, tvenn die Litteratur„anständig" sei und daß man so vielleicht„weiteren Verfall ver hindern" könne, vcranlaßten die ohnehin dafür gestimmte Majorität zur Annahme mit 132 gegen 73 Stimmen. Nach dein neuen Gesetz kann in Schweden alle moderne Litteratur und auch wissenschaftliche Werke unter Umständen verfolgt werden. Nuhland. Rußland in Persic». Eine Petersburger„Times"-Drahtung meldet, daß nunmehr 20 000 r n s s i s ch e T r u p p e n bei Kuschk angesammelt seien. Rußland beabsichtige eher oder später, H e r a t zu besetzen. Eine solche Operation würde ebenso leicht sein, wie die britische Besetzung von Kandahar, wenn nicht viel leichter. Die „Titnes" bemerken zu dieser Meldung: Man kann kaum zweifeln, daß die russische Regierung zu der Ansicht gelangt ist, jetzt sei der psychologische Moment gekommen, in' dem durch eine aktive Demonstration ein Druck auf das britische Auswärtige Anit ausgeübt werden könne. Das Blatt meint, das wahr- scheinlichste Ziel, welches Rußland mit seinen Truppenansammlungen in Kuschk verfolge, sei lediglich, den Gewinti einiger Punkte bei seinem Spiel in Pcrsien und sonstwo sich zu erleichtern. Das Blatt fügt hinzu: Wir müssen bereit sein, unsre eignen Interessen int persischen Golf und im südlichen Pcrsien gegen die ganze Weltzu verteidigen.— Es fragt sich nur, ob England in diesen: Augenblick im stände wäre, seine Jntcrcssen in Persien zu vertreten. Das Vorrücken Rußlands in Ostasie» illustriert in über- zeugender Weise das Wort, daß in Südafrika um die Stellung Eng- lands in Asien gekämpft wird.— Türkei. Konstantinopel, 15. Februar. Die russische Botschaft richtete an die Pforte eine Note, in welcher die Repatriierung der im vorigen Sommer nach Rußland geflüchteten Armenier ver- langt wird.—_ NÄvkei-MÄchvichkett. Protestbewegung gegen die Flottenvorlagr. Von einer „ W i l l e n s c i n i g k e i t deS deutschen Volkes" mit Bezug auf die Flottcnfrage ist in der That nichts zu spüren, im Gegenteil rühren sich gerade die unteren Schichten dcs Voltes, welche die Kosten dos Wasjerrausches zu zahlen haben, um gegen die Flottenvorlage zu protestieren. So haben kürzlich mehrere' sehr stark besuchte Volks vcrsatnmlnngcn in Frankfurt a. M., in M a n n h e i m, in mehrcren Orten der Pfalz, in Kelhejm i(. stattgefunden. In de» nächsten Tagen werden int dritten Hamburger Retchstags-Wahlkrcisc allein 13 Protcstbersammlungen abgehalten' werden Tie Wahlbcwegnng im Kreise C a l b e- A s ch e r s l e b e i: >vird mit den: Heranrücken des Wahltcrmins immer lebhafter. Auch die Gegner arbeiten jetzt fleißig und suchen namentlich die Krieger- vereine zu Vorspanndicnsten für ihren Kaiididuten zu bcniitzcn. Während aber die Gegner mit den bekannten Mitteln der Lüge|tiitb Verleumdung, arbeiten, hinter geschlossenen Thiircn tagen, geheime Cirkulare verbreiten und jeder offenen AuS' spräche mit den Socialdemokraten aus dem Wege gehen socialdcmokratische Agitation in breitester Sonnabend und Sonntag fanden Ver- in Quedlinburg, C a l b e, Aken S t a tz f n r t und Schönebeck, in welchen die Reichstags-Abgcordneten Albrecht, Sachfe, Rosenow, der Stadt veordnete Adolf Hoffmann und Frau Zetkin referierten. Die Ver- ämmkungen waren gut besucht, die Stimmung vottrefflich. Daneben verde» fleißig Flugblätter verteilt von ünscrn Genossen, die überall gern in Empfang genommen werde», während die durch F r a u e n verbreiteten Flugblätter dcs Herrn Placke nicht besonders freundlich anfgenomnien wurden. In den letzten Tagen vor der Wahl werden noch in allen uttS zur Verfügung stehenden Lokalen im Wahlkreise Versattitttltingeit abgehalten, in welchen bekannte Abgeordnete unfrer Partei referieren werden. Die Rührigkeit unsrcr Parteigenossen tvirlt denn auch recht beängstigend ans die Gegner. Partci-Organisatio». In B r e m e n ist der Social- demokratische Verein im letzten Jahre erheblich an Mit gliedern gewachsen; er zählt jetzt ca. 1800 Mitglieder. Der Bericht des Kassierers ergab eine Einnahme von 15(528,58 M., der eine Ausgabe von 18 434,83 M. gegenübersteht. Das Deficit, entstanden durch gesteigerte Ausgaben infolge der Bürgcrscha ftSlvnhl, wurde vollauf gedeckt durch einen Kaffcnbestand von über 5300 M. aus dem Vorjahre. AuS den Einkünften des Vereins wird außer der Agitation in: bremischeit Wahlkreise(außer Brcmcrhafen) auch die kostspielige Agitation im 18. hannoverschen Wahlkreise Stade-Brcmer- ö r d c bestritten. Für die dänischen Ausgesperrten entsandte der Verein 2200 M. Volizeiliches. Gerichkliches usitt. Vom mecklcnbnrgischen Jtnvel. Frau Ihrer hatte in Schlverin in einer geschlossenen G e w e r k s ch a f t S- Versammlung in ihrem Referat zum Abonnement auf die Mecklenburgische Volks» Zeitung" aufgefordert. Dadurch sollte die Versammlung politischen Charakter erlangt haben. Die Rcferciitiii, der Einberufer der Versammlung und der Wirt des Lokals bekaiiten Strafmandate in Höhe von 40 bezw. 60 M., weil diese„politische" Bersantmlung nicht angemeldet war. Das zur Entscheidung Frankreich. Flottcuvcrmehrnng in Krnnkrrich. Paris, 14. Februar. Gegenüber dem Gesetzentwurf der Regierung betr. die Vermehrung 'der Flotte brachte der Deputierte Flenry-Ravartn einen Antrag ein, in tvelchen: der Bau von acht Panzerschiffen von fünfzehn- tausend Tonnen sowie von s e ch z c h n Panzerkreuzern von zwölf- tausend Toinien anstatt der von der Regiernng verlangten sechs .Panzerschiffe und fünf Panzerkreuzer gefordert tvird. Flcnry- iRavann beantragt ivcitcr den Bau einer größeren Anzahl von iTorpcdo- und Unterseebooten als die Regierung in ihrem Entivurfe.— socialistischen Maßnahmen, die sie den Arbeitern in AttSstcht gestellt hat. Unsre Parteifreunde werdcnsofortbciEröffnnng deS östreichischenReichs- rats den einen driitglicheit Antragstelle», den Achtstundentag imBergbau einzuführen. Sicherlich tvird dieser Antrag die lebhafteste Sympathie in der gesamten Arbeiterschaft.finden und die Regierung hat ein Mittel, die auf ihren Gcldsack pochenden Grubenbarone zur Raison zu bringen. Die bisherige Haltung der Regierung ist nur ein zaghaftes per Doppelhektoliter ab Elbnfcr Aussig vollzieht sich die Oeffentlichkeit. Am 'aiiimlungen statt Barby, Thale, angerufene Schöffeiigericht gelangte jedoch zur Freisprechung, weil, es nach der ganzen Sachlage zu der Ansicht gekommen war, daß Frau Ihrer in diesem Fall die„Meckl. Volköztg." nicht als ein o li tisch es, sondern als ein iv i r t s ch a ft I i ch e s Blatt habe ntpfehlen wollen, und daß daher durch diese Anfforderung der Ver- ammlung nicht der Charakter einer„politischen" gegeben sein könne. Der Streik der Bergarbeiter. Der Stand der Lohnbewegung der Löhmische» Bergarbeiter ist ein tniveränderter. Die Regiernng, die sich Unfähig gezeigt hat, auf die Bergwerksbcsitzer energisch einzuwirken, wird imnmehr sich cnt- 'chließcn müssen, offen Farbe zu bekennen, ob eS ihr ernst ist mit den stehe.nezttral dem Streik gegenüber, sie habe nur den eilten Wunsch., den Frieden hcrbeiztiführen, bedienen sich die Beamten fortgesetzt' gcwaltsaincr lintcrdriickmigsmaßregcln, die nichts andres � sino als eine stark« Parteinahme für die Ilnternchmer. So wurde in Brüx die Einberuftilig einer Volksversaninilmig verboten', in Teplitz. hatte die Behörde jeden Wirt mit Entziehung der Konzession bedroht, der den Arbeitern sein Lokal zu Versammlungen hergebe. Dasselbe geschieht in zahlreichen andren Orten, ohne daß die Regierung diesem Treiben Einhalt gebietet. Aber nicht nur die hier geschilderte Partei-; nähme tritt stark hervor, auch direkt treten Beamte sür die Anwerbung von Streikbrechern ein. Dieser Aufgabe widmete sich ganz besonders eifrig der Berg- kommissar Schneider in Falkenau. Eine Rücksprache mit diesem Herrn, die unser Parteigenosse Dr. Verkauf unternahm, hatte keine». Erfolg, so daß nnnmehx beim Ministerium Beschwerde erhoben ist.' Mitlerweile zeigt der Atisstand kein andres Gepräge, als eine nnerschütterliche Ausdauer der Arbeiter, diejBewcgnng nimmt an einigen Orten noch zu und erwartet nian in den Schächten von Karwin den Eintritt der Maschinenarbeiter in den Ausstand. In Deutschland.macht, sich* der Kohlenmangel immer unan» genehmer bemerkbar. Die sächsische und bayrische Industrie ist viel- fach auf den Verbranch böhmischer Kohlen eingerichtet. In der Ober- pfalz und Obersranken haben mehrere Tafelglasfabrikc» ihren Betrieb eingestellt und für die sächsische Industrie wird sich in den nächsten Wochen neben den Schwierigkeiten, böhmische Kohlen herbeizuschaffen, noch das Fehlen einheimischer Kohle gesellen. Im Unmut über die geschaffene Lage machen! sich selbst Stimmen iin bürgerlichen Lager gegen die Grubenbesitzer bemerkbar. Die Interessenten der Papier- iildustrie. sind entrüstet über die PreiLtreibercieii der Kohlenwerke und das Organ der deutschen Papierindnstriellen, die„Papier- Zeitung", nimmt in einem Artikel gegen den Wucher der böhmischen Grubenbesitzer Stellung, indem es schreibt: Einen Begriff von den Preissteigerungen der Kohle in den letzten Jahren geben nachstehende Zahlen. Wir kanftcu z. V. Dnxer Nußkohle ll im Jahre 1883 zu 35 Pf. 1880„ 47„ 1887„ 50„ 1888„ 60„ 1883„ 63„ und schlössen kürzlich Miseren Bedarf für 1300 mit Option für 1801 zu 63 Pf." Der Preis der Dnxer Nußkohle II hat sich also im Laufe von sechs Jahren verdoppelt. Zu welchen radikalen Vorschlägen aber gut kapitalistisch gesonnene Uiiternehincr konunen können, wenn sie die Heiligkeit des Profits bedroht sehen, das bezeugt folgende Schlnßbeincrknng des Blattes: „ES macht den Eindruck, als sei die östreichische Regierung zu schivach, um dem Gebaren dieser Leute energisch entgegenzutreten. G?geu solche Uebergriffe könnte nur ein Einkanfsverein der Groß- Verbraucher ctivnS ausrichten, oder die Gruben, müssen v e rsta at- licht werden. Den besten Weg hat die russische Regierung«in- geschlagen, sie hat die Verkaufspreise der Kohlen amtlich feststellen lasscii und bestraft jeden als Wucherer, der zu höheren Preisen ver- kauft." s Der Ausstand in Sachsen hat an Ilmfang gcivomicn. Im Luga ire.p Revier ist der Streif nllgcincin, in Zwickau.ist die Nachtschicht am Mittwoch mir. in geringer Zahl angesahren. Wie uns ein Privattclgrainm meldet, streiken von 11 600 Mann 60— 70 Prvz. Das Ansbleiben der regelmäßigen Kohlenliefcrnng hat die sächsische Staatsbahnverwaltung, die mir sür einige Wochen Kohlcnbcslünde auszuweijen hat, in Rcchnnng ziehen müssen und so besteht die Absicht dxn Betrieb der Staatsbahnen im Personenverkehr einznschräiik«», damit nicht später vollständige. Bctriebseinstellniig zu befürchten(st. Die königstreuen Knappen beteiligen sich an dem Streik nicht. Sie haben cinen Aufruf an die Kameraden erlassen, sich nicht„durch Hetzerei" verleiten zu lasien, einen nnbesonitciicit Schritt zu thtm, der ihnen den größten Schaden bringen müsse, da et» Streik aussichtslos sei. Es wird den Kameraden gerate», sich niit den von den Werts leitungen gebotenen Lohnerhöhimgen(bis zu 20 Pf. pro Schicht für jeden Arvciter!) zu begnügen. Trotz dieses Auftufs ist der Streik ailsgebrochcn und hat den erwähnten Ilm- fang schon jcüt angenommen! Ein Beweis, daß die Bergarbeiter mit den von den Werksleitungen gebotenen Brocken nicht zii- srieden sind. Im Waldenbnrgcr Revier hat daö GewerkschaftSkartell sich vvr einigen Tagen mit de» Lohuverhältnissen'im Bergbau beschäftigt, ei» bestimnitcr Beschluß ist noch nicht gefaßt. Die Verwalftuig der „Glllckhilf-Friedenshoffnnngshiitte" hat nach diesen Besprechungen im Kartell mit den VertraueiiSleiiten der Arbeiter ihres Werkes Ver- Handlungen gepflogen und den Arbeitern daS Versprechen gegeben, am 2. April d. I. versuchsweise den Achtstimdentag einzuführen. Auch die Frage der Lohnerhöhung soll in befriedigender Weise ge- regelt sein. Dreödc«, 15. Februar.(W. T. B.) Wie das„Dresdner Journal" meldet, hat sich der Stnatsministcr b. Metzsch heute. in. Bc- gleitimg dcs Gchcimrats Merz und dcs Ober-Fiiia»zrats Dr. Wahle nach Zwickau begeben, nm die durch die Arbeiter- ausstände im Zwickaucr und Lugaii-Oelöiiitzcr Kohlenrevier geschaffene Lage mit den Borstündcn der betreffenden politischen mid Orts- behördcn sowie Vertretern der Vereine für bergbauliche Interessen zu besprechen. H'lu'iintitz» 15. Februar.(W. T. 93.) Das„Chemnitzer Tageblatt" meldet aus Lugan-Oelsnitz: Die Lage im Liigau-OelSnitzer Revier ist unverändert. Von 8300 Mann Belegschaft streiken 2200. In Luga» ist alles angefahrcii. ES kann imgefnhr die Hälfte der rühcren Menge dcs genannten Reviers von den Werken abgegeben werden. Eine für heute nachmittag geplante Versammlung in Oclsnitz wurde von der AintSkauptmannichaft in Chemnitz nicht genehmigt. Die Streikenden verhalten sich ruhig. Heute, morgen und übermorgen sind die Haupt-LohnzahlungStage in OelSnitz, Es tvird abzuwarten sein, ob sich nach den Zahlungen noch mehr Bergarbeiter dem Streik anschließen werden. Chemnitz, 15. Februar.(W. T. B.) Nach Mitteilimacit der Amtöhaupimannschaft in Zwickau haben von etwa 11000 Berg- arbeitcrn des Zwickaucr Kohlenreviers heute 1674 Mann die Arbeit eingestellt._ Gevirtzks»Jeituns. Zwei Monat Gefängnis fiir de» Ausdruck Anöbeninng k Ein Urteil, welches in seiner Schärfe an die Rechtsprechung ä ch s i s ch e r Gerichte erinnert, ist gestern von einer Berliner Strafkamiiicr gefällt worden. Der Mag ist rat der Stadt Spandau, deren bekannte kommunale Zustände wir Jahre hin- durch beleuchtet haben, ohne daß die Stadtverwaltung es mit dem von nianchen Behörden fleißig angewandten Rcinigiingsmittel der Beleidigungsklage versucht hätte, fühlte sich � im Dezember Plötzlich getroffen, als wir in einer koinmnnalcn Korrespondenz uns dcs nicht allein in der socialdcmokratischcn Presse gang und gäben Ausdrucks Ausbeutung" bedient hatten. Der Staatsanwalt wurde angerufen, und nntcr der Anklage, den Magistrat der Stadt Spandau beleidigt zu habe», hatte unser Redacteur Paul John sich gestern vor der vierten Strafkammer am Landgericht I zu verantworten. Der Thatbestand liegt wie folgt: Am 17. Dezember brachten wir einen Bericht über eine Sitzung der Spandauer Stadtverordneten Versammlung. Darin wird unter anderm gesagt: Der Vorsitzende der Straßenreinignngs-Deputation, Stadtrat Becker, habe rühmend hervorgehoben, daß der Zuschuß, den Spandau ans städtischen Mitteln für die Straßcnreinigung zahle, nur den fünften Teil von dem be- trage, was Charlottenburg für seine Straßcnreinigung aufwende. Dann heißt es in unsrem Bericht: Herr Becker habe vergessen hinzu- zufügen. daß die Stadt Charlottenburg ihre Straßen- reinigungs-Arbeiter doppelt so hoch entlohne wie Spandau, daß also das günstigere Resultat der Spandauer Kommune auf die schon so oft gerügte Ausbeutung der Arbeiter zurück zuführen sei.— Durch diese Bemerkung fühlt sich der Magistrat von Spandau beleidigt.— Der Staatsanwalt hielt den dem Magistrat von Spandau gemachten Vorwurf, er beute die Arbeiter aus, für einen so schweren und die Ehre des Magistrats in so erheblicher Weise angreisenden, daß er eine Gefängnisstrafe von 2 Monaten beantragte.— Der Verteidiger, Rechtsanwalt Heine mann, führte aus: Der Magistrat sei durch die unter Anklage stehende Bemerkung gar nicht beleidigt. Höchstens könne sich die Straße nreinigungs-Deputation beleidigt fühlen. Diese bestehe aus 10 Mitgliedern, wovon, nur 2 Stadträte seien. Die Deputation sei keinOrgan des Magistrats, aberselbst, wenn sie ein solches wäre, so hätte der Magistrat nicht das Recht, Strafantrag zu stellen, denn nur die Behörde, die sich selber beleidigt fühlt, sei zur Stellung eines Strafantrags berechtigt. Demnach beantrage er die Einstellung des Versahrens. Im übrigen sei der Ausdrück.Aus- beutung" in dem hier gebrauchten Zusammenhang nicht als be- leidigend anzusehen. Keinesfalls rechtfertige sich die vom Staats- anwalt beantragte exorbitante Strafe.— Hier erhob sich der Staats anwalt und erklärte, daß er sich durch den Ausdruck exorbitante verletzt fühle. Rechtsanwalt Heinemann: Dann werde ich sagen:„Horrende" Strafe. Der Staatsanwalt wollte auch diesen A u s d ru ck zurückgenommen tvissen, worauf der Verteidigerdann bemerkte, er halte die Höhe der beantragten Strafe für eine nicht angemessene, denn nicht dem Magistrat sei der Vorwurf gemacht, Arbeiter ausgebeutet zu haben, der Sinn der Bemerkung sei viel- mehr der, daß den Arbeitern im Interesse des Stadt- säckels ein zu geringer Lohn gezahlt worden sei. Falls das Ge- richt dennoch eine Beleidigung für vorliegend erachte, so sei eine geringe Geldstrafe eine ausreichende Sühne. Der Gerichtshof fällte folgendes Urteil: Der Magistrat sei als vorgesetzte Behörde der Straßenreinigungs-Deputation zur Stellung des Strafantrags berechtigt. Der Antrag stütze sich zwar auf ß 186 des Strafgesetzbuchs, das Gericht halte aber nur eine einfache Beleidigung nach§ 185 für vorliegend. Die Bemerkung, der Magistrat beute wirtschaftlich Schwache im Interesse eines Wirt- schaftlich Starken aus, enthalte den Vorwurf niedrigerGe- s i n n u n g. Aus diesem Grunde und mit Rücksicht auf die Bor- st r a f e n des Angeklagten habe das Gericht aus zwei Monate Gefängnis erkannt._ GsmeMsrhslfttiches. Berlin und Umgegend. Der Ausstand der Alabaster- Arbeiter gilt nunmehr als resultatlos beendet. Die Arbeitnehmer, die um die Erhaltung ihres Koalitionsrcchts kämpften, haben dabei keinen Vorteil errungen. Die Fabrikpaschas können aber jedenfalls auch nur von einem Pyrrhns- sieg reden, denn ihre Verluste zeigen sich augenblicklich schon allzu deutlich. Aus den Reihen der Ausständigen haben sich während der zwölfwöchcntlichen Dauer des Streikes neun Arbeitswillige gefunden, Ivelche den Gang der Dinge wesentlich be- einflußten. Wenn nun auch die Streikenden versucht haben, wieder in ihre alten Arbeitsstätten hineinzukonmien, so haben sie es doch unter ihrer Würde gehalten, ihre Organisationszugehörigkeit so ab- zuschwören, wie die Herren Chefs es verlangten. 40 Mann Häven ausgehalten bis zur letzten Stunde. Zur Zeit sind hiervon schon die Hälfte wieder in andre Beschäftigung getreten und steht zu hoffen, daß dies auch in Bälde für dem Rest der Ausständigen geschieht. Als Nachwehen des Streiks sind 13 Strafmandate wegen Streikpostenstehcns und 6 Strafverfahren wegen Streikvergehens(§ 153 der Gewerbe-Ordnung) anhängig gemacht worden. Trotz alledem haben die Ausständigen, treu ihrer Pflicht, ihren Posten ausgefüllt, sie werden natürlich auch später ihre Interessen zu vertreten wissen. Deutsches Reich. In Mainz steht eine allgemeine Aussperrung der Schuhmacher bevor. Die Arbeiter verlangten von den Fabrikanten die Lieferung der Fournituren. ein Arbeitsmaterial, das bisher von den Arbeitern dem Fabrikanten vergütet werden mußte. In einer Fabrik ist es deswegen zum Streik gekommen und ein vor dem Einigimgsamt desGewerbegerichtsnnternommenerVersuch, die Differenzen beizulegen, ist gescheitert, da sich die Fabrikanten nur bereit erklärten, den Wert der Fournituren zu ersetzen, die Arbeiter dagegen vom Fabrikanten das Material entnehmen sollten. Damit haben sich die Arbeiter nicht einverstanden erklärt, sie verlangen gänzliche Freigabe der Fournituren. Die Ablehnung dieses Angebots seitens der Arbeiter dürfte zu einer allgemeinen Aussperrung führen. die vielen Tausende von Heimarbeitern, deren allein auf die Stickerei-Jndnstrie über 20 000 im Jahre 1835 entfielen, während in den fabrikmäßigen Stickereibetrieben nur 9814 Arbeiter gezählt wurden. Welche Entwicklung die Hausindustrie seit 1835 in der Textil- bezw. Stickerei-Jndnstrie genommen, wird nicht berichtet. Die Tuchfabriken des Kreises S a g a n beschäftigten 1896 2348, im Jahre 1898 2423 Arbeiter, Vermehrung um 80. Sociales. Die Anstaltsbehandlung Lungenkrauker. Bei der PensionS /äffe für die Arbeiter der preußischen Staatsbahnverwaltung wurden im Jahre 1899 641 Anträge auf Einleitung eines Heilverfahrens in Heilanstalten gestellt, von denen 510 genehmigt wurden. Von den bis zum Jahresschluß im Heilverfahren behandelten 504 Kranken waren 354 Lungenkranke. Der Kosten- aufwand für diese betrug bei 23 425 Verpflegungstagen 98 497 M., zu denen noch 35 749,27 M. sür Unterstützung der Familien der Erkrankten hinzutraten. Auf einen Lungenkranken entfielen durchschnittlich 66,1 Verpflegungstage a 4,20 M. Kosten. Die Familienunterstützung betrug durchschnittlich für jeden der 299 verheirateten Kranken 119,56 M. Insgesamt betrugen die Verpflegungskosten einschließlich der Familien- Unterstützung für einen Kranken 379,23 M.— Von den 354 Lungen- kranken wurden 303 gleich 85,59 Prozent als geheilt oder gebessert und arbeitsfähig entlassen. Von diesen wurden noch im Jahre 1899 3 Personen dauernd erwerbsunfähig, so daß bis Ende des JahreS" nur noch 300) Personen— 84,74 Proz. erwerbsfähig waren.— Von den im Jahre 1897 und 1898 mit Erfolg behandelten Lungenkranken sind inzwischen 11 dauernd erwerbsunfähig geworden und 25 gestorben. Die Zahl der im Jahre 1338 in Heilanstalten behandelten, zur Zeit noch erwerbsfähigen lungenkranken Personen beträgt 137:= 63,13 Proz. Zur Entwicklung der deutschen Textilindustrie. Nach den von den Handelskammern verschiedener Textilcentren in ihren letzten Jahresberichten gemachten Mitteilungen hat die deutsche Textil- industrie seit dem Jahre 1835, da die amtliche Berufsstatistik auf- genommen wurde, eine ganz erhebliche Weiterentwickluilg erfahren. So wurden in den Baumwoll-Spinndreien des Bezirks Augs- bürg 1395 640 857 vorhandene und 626 446 im Gang be- findliche Spindeln gezählt, 1698 aber 694 174 resp. 681 924, so daß in der dreijährigen Periode eine Vermehrung um 53 317 bezw. 59 478 stattgefunden hat. Im Jahre 1891 wurden 586 917 Spindeln gezählt, ivovon 546 856 im Betrieb waren. Die Zahl der in den Baumwollspinnereien vorhandenen Stühle betrug 1831 12 315, wovon 12 307 in Betrieb waren; 1895 gab es deren 14 897 beziv. 14 345 und 1893 16 793 bezw. 16 245. Vermehrung seit 1895 um 1896 bezw. 1900. Im Bezirke Plauen i. V. gab es 1895 1160 Textilbetriebe mit 56 309 stvovon 30 771 weibliche) Arbeitern, 1898 1283 Betriebe mit 60 648<33 384 weibliche) Arbeitern, Vermehrung um 123 Be- triebe und 4339 Arbeiter in drei Jahren. Dazu kommen aber noch Vom Kriegsschauplatz. Nach langer Zeit eine Nachricht vom Kriegsschauplatz, die einen Erfolg der Engländer meldet I Es ist den unter dem Oberbefehl des Lord Roberts stehenden Truppen gelungen, von Westen her in den Oranje- Freistaat einzurücken. Vermutlich dient freilich diese Bewegung vorläufig nur der Befreiung des belagerten Kimberley Ueber den Vorstoß meldet Feldmarschall Roberts vom Riet River, datiert vom 13. Februar: Der mit einer Brigade berittener Infanterie auf dem Marsch von Orange River nach R a m a h befindliche Oberst lieutenant Hannah batte am 11. d. Mts. ein Scharmützel mit einem kleinen Boerencorps, welches die Hügel auf seinem rechten Flügel besetzt hielt. Hannah hielt mit einer Abteilung seiner Brigade den Feind zurück, während er mit der Hauptkolonne bis Ramah vorrückte. Der Zweck des Vormarsches wurde glücklich er- reicht. Am 12. d. Mts. gelang der Kavallcriedivision unter Fr euch bei der Dekiels-Drift der Uebergang über den Riet River, auf dessen Ostufer jetzt die 6. und 7. Division lagern. Von der Dekiels-Drift wird dann am 14. Febmar weiter gemeldet: General F r e n ch erzivang mit drei Brigaden Kavallerie, Artillerie und berittener Infanterie den Uebergang über den Modderfluß bei der Klipdrift, 25 Meilen von hier, besetzte die nördlich gelegenen Berge und nahm drei oerenlager. Inzwischen besetzte General Gordons Brigade zwei Furten und nahm zwei Boerenlager in westlicher Richtung. General French fand nur geringen Widerstand, seine Verluste sind unbedeutend. Die Aktion wurde vorzüglich ausgeführt, wenn man die übermäßig drückende Hitze und den die Augen blendenden Staub in Betracht zieht. Die sechste Division, welche auf der Nordseite des Rietflusses bei Waterval drift steht, geht zur Unterstützung der Kavallerie vor. Die siebente Division steht noch hier und tvird heute nachmittag ab marschieren. 4 Osfiziere und 53 Mann sind von Hitzschlag be troffen worden. «• » Es ist begreiflich, daß man in England ob dieser SiegeSnachrichtcn triumphiert, wenn es auch an pessimistischen Stimmen nicht fehlt. Die„Times" erwarten von den Operationen des Lord Roberts während der letzten drei Tage strategische Folgen von höchstem e r t e. nicht nur habe Roberts große Fortschritte in der Umgehung der furchtbaren Boerenstellung bei Maggersfontein gemacht, sondern die direkten Verbindungen zwischen dieser Stellung und ihrem Stützpunkt bei Bloemfontein abgeschnitten und festen Fuß auf ihnen gefaßt. Die An- Wesenheit einer großen britischen Truppenmacht innerhalb der Freistaat- grenzen müsse die Aussichten des Kriegs für die Boeren ändern. Der �.Standard" sagt, es werde weise sein, nicht vorauszusetzen, daß die Burgher-Armee vor dem siegreichen Vormarsch unsrer Truppen zerschmelzen werde, aber jedenfalls sei es befriedigend, zu wissen, daß die englische Strategie jetzt endlich zur ursprünglichen Grundlage, von der sie durch die Ereignisse in Natal abgelenkt wurde, zurückgekehrt sei.„Daily Mail" rät, über die bisherigen Erfolge nicht allzu sehr zu frohlocken. Die Besetzung der Furten, die Einnahme von Lagern seien keine großen Siege. Die erste Notwendigkeit sei, die Boeren in regelrechter chlacht gründlich zu besiegen. Ein solcher Sieg werde teuer erkauft iverden müssen.„Daily Mail" schätzt die Streitmacht des Lord Roberts auf 45 000 Mann. »« » Von Buller. General Buller telegraphiert aus dem Lager bei Chi vel eh vom 13. Februar: Bei Springfield fand ein Vorpostengefecht tatt. Eine Schwadron der First Royal Dragoons traf auf eine Boeren- Abteilung. Die Boeren erreichten den Kamm eines in der Nähe liegenden Berges zuerst und eröffneten ein heftiges Feuer auf die Schwadron, welche auf ungünstiges Terrain gerateil war und sich daher zurückzog. Als britische Ver- Stärkungen eintrafen, gingen die Boeren zurück. Die Tmppe Lord Dundonalds, bestehend aus 700 Berittenen, einer Batterie und einem Bataillon Infanterie, unternahm einen Aufklänmgsmarsch. Als Dundonald sich nach Durchführung dieser Aufgabe zurückzog, eröffneten die Boeren ein heftiges Gewehrfeuer auf seine Truppen. NitS England. London» 15. Februar. Eine Versammlung, an der etwa 300 Personen, darunter zehn Mitglieder des Unterhauses, teilnahmen, wurde gestern nachmittag in Wcstmiuster abgehalten. Es wurden Beschlußanträge angenommen, Ivelche den Krieg verurteilen, die Veröffentlichung der geheimen Korrespondenz betreffend den Jamesonzug verlangen und sich für Eröffnung einer Subskription aussprechen, durch welche eine ständige Organisation geschaffen werden soll, welche eine politische Bewegung in diesem Sinne ein- leiten soll. Die Flucht der wehrpflichtigen Engländer. AuS New Dork meldet der„Morning Leader", daß der Dampfer„Ozeanil" mit 500 Emigranten, unter denen sich 350 jungeEng länder befanden, in New Jork eingetroffen ist. Der Zollaufseher, welcher von der un- gewöhnlich großen Zahl der leitete eine Untersuchung ein jungen Briten aus Furcht der allgemeinen persönlichen Wehrpflicht in England ihre Heimat verlassen hatten. In New Aorl glaubt man an eine allgemeine Auswanderung junger Engländer. Vevpammlungon. Verband der Tapezierer. Am 13. Februar verhandelte die kombinierte Versammlung aller Filialen über den augenblicklichen Stand des Kleberstreiks. Den aufgestellten Tarif haben bis jetzt 52 Firmen anerkannt, 7 Firmen haben teilweise und 14 Firmen nicht bewilligt. Zur Frühjahrsbewegung wurde folgende Resolution angenommen: In Erwägung, daß die Lebensmittelpreise seit 15 Jahren gestiegen und die Mieten ungeheuer in die Hohe gegangen sind, der Minimallohn aber derselbe geblieben ist undj mit der allgemeinen Teuerung nicht Schritt gehalten hat; in fernerer Erwägung, daß eS unfrei, Berufskollegen nicht mehr möglich ist, bei dem bisherigen Minimallohn den an sie gestellten Anfordernngen, ihren Verpflichtimgen gegen Familie. Staat und Kommune gerecht werden zu können, beschließt die heutige Versanunwug folgende Forderungen zu stellen: Erhöhung des Minimalstundenlohns auf 60 Pf., Erhöhung der Accordsätze um 20 Prozent. Sonnabend und Montag eine Stunde früher Feierabend ohne Lohnabzug, der Fußboden muß am Sonnabend naß gereinigt werden, bei Ueberstunden ein Aufschlag von 33l/ä Prozent, Freigabe des 1. Mai. Die an Holzbearbeiwngs-Maschiucn beschäftigten Arbeiter hielten am 12. d. M. ihre regelmäßige Mitgliederveriammlung ab, in der Zümpel über das neue Jnvalidengesetz sprach. Unter Gewerk- schaftlichem berichtete Sauerzapf, daß die Tischler der Firma Bruns- low. Neue Königstr. 15. sich im Ausstande befinden und haben auch die dort beschäftigten Maschinenarbeiter die Arbeit eingestellt. Hieran schloß sich eine recht lebhafte Diskusston, in der die Frage erörtert wurde, wie verhalten sich die Moschinenarbeiter zu der von den Engländer überrascht war, welche ergab, daß die vor der Einführung Tischlern geplanten Lohnbewegung? Der Vorstand beantwortete die Frage dahingehend, daß zwischen dem Holzarbeiter-Verband, Möbel- � Polierern und Maschinenarbeitern ein Kartellverhältnis bestehe, welches� hierfür Bestimmungen enthält. Außerdem seien in besonderen Fälle»' zwischen den Vorstanden geeignete Maßnahmen vereinbart worden.' Die Maschinenarbeiter haben in gemischten Betrieben, da wo die Tischler in den Ausstand treten, uiiten keinen Umständen die Arbeit gleich mit niederzulegen, sondern so lange zu arbeiten, bis ihnen vom Vorstand Bescheid zu teil wird. Bei dem in Frage kommenden Kundenbetriebe werden voraussichtlich die Kollegen wenig oder gar nicht in Betracht kommen. Sollte dies jedoch vorkommen, so ist möglichst schnell der Vorstand davon in Kenntnis zu setzen. Falls es jedoch vorkommen sollte, daß von denTischlern, welche Streikbrecherdienfte leisten, ihnen Arbeit zugeführt wird, so haben die Kollegen noch der ihnen gegebenen Taktik zu handeln. Inzwischen war ein Antrag eingelaufen, Wulff und die Gebrüder Schock wieder als Mitglieder in den Verband auszunehmen. Hiergegen wandten sich alle Redner; man sei nicht gewillt, Kollegen, welche schon zweimal Streikbrecher- dienste geleistet haben, so ohne weiteres wieder als Mitglied auf- zunehmen. Zum Schluß machte der Vorsitzende noch bekannt, daß am kommenden Sonnabend in den Zahlstellen eine vom Vorstand herausgegebene Broschüre an die Mitglieder zur Verteilung ge- langen' werde. Die Marmor- und Granitarbeiter hielten am Dienstag eine nur mäßig besuchte Versammlung ab. Hirtmann erstattete Be- richt über die Verhandlungen mit den Unternehmern vor dem Einigungsamt, die eine vollgültige Anerkennung des im vorigen Jahr während der Lohnbewegung von den Arbeitern aufgestellten Lohntarifs bezwecken sollten. Die Unternehmer erkannten damals den Tarif durch Unterschrift an, aber nach Beendigung des Streiks wurden die Tarifforderunge» wieder vielfach verweigert. Die Arbeiter verlangten nunmehr die Anerkennung des Tarifs vor dem EiniginigS- amt. In einer aus diesem Anlaß einberufenen Arbeitgebcr-Ver- sammlnng wurde aber beschlossen, eine derartige, doch nur moralisch bindende Anerkennung des Tarifs zu verweigern. Eine gleiche Antwort erfolgte von dem Vertreter vor dem Einigungsamt und damit war jede Einigung abgelehnt. Die Versammlung beschloß, dieses Gcbahren der Unternehmer, dem Urteil der öffentlichen Meinung zu unterbreiten, um die Forderungen bei günstiger Geschäftszeit zu erneuern. N i t s ch k e erinnert' sodann an die Deckung des Darlchns. Nach längerer Besprechung beschließt die Versammlung gegen nur wenige Stimmen, daß vom 17. Februar ab jeder arbeitende Marmor- und Granitarbeiter pro Woche 50 Pf. für den Streikfonds zu zahlen hat. Die Vertrauensleute haben aus allen Arbeitsstätten die Bezahlung, sowie eine genaue Kontrolle zu veranlassen. Ueber„Stellungnahme zum Kongreß" referierte N i t s ch k e in sehr ausführlicher Weise, in- dem er unter Hinweis auf die vermehrte Arbeitsbewältigung die Anstellung eines besoldeten Beamten empfahl. Die weitere Vc- ratung über diesen Gegenstand wurde vertagt. Die Spandauer Arbeiterschaft nahm am Mittwoch in einer öffentlichen Volksversammlung im Weheschen Lokale, welche trotz des Schneegestöbers, das am Abend herrschte, zahlreich besucht war, zu der'Flottenvorlage Stellung. Das äußerst fesselnde Referat deS Genossen Z u b e i l wurde von den Versammelten mit großem Bei- fall aufgenommen. In der Diskussion vertrat ein Arbeiter P., welcher in der P u I v e r f a b r i k zu Spandau beschäftigt ist. den Standpunkt, daß die Annahme der Flottenvorlage zu wünschen sei,! da im Falle der Ablehnung der Flottenvorlage durch' den Reichstag etwa 70 000 Staats«Werkstätten- Arbeiter brotlos werden würden. Die Socialdemokratie sei aber doch noch nicht so weit, um diesen Arbeitern gleich Arbeit zu geben und immerhin sei die Lage der Arbeiter in Staatsbetrieben eine etwa» bessere, als die derjenigen in Privatbetrieben, denn ihnen sei es inög- lieh, sogar 5 und 6 M. pro Tag zu verdienen, wenn auch die Mehr- zahl der StaatSarbeiter nur mit 2,50 M. entlohnt werde. Zubeik wies auf die Unmasse Arbeit hin, die den Arbeitern schon im heutigen Staat zufallen müßte, wenn dieser Staat die Kulturaufgaben sEr. Weiterung und Verbesserung der Eisenbahnen. Bau von Lungenheil- Anstalten w.) nicht weiter zu Gunsten des Marinismus und Militarismus hintenan setzen würde. C a r o mid S ch r ö e r kritisierten die von P. so glänzend geschilderte Lage der Arbeiter in den Staatsbetrieben und Schiffswerften lVulkan) an der Hand zahlreicher Beispiele, und führten den ängstlichen Herrn P. wegen seiner Befürchtungen, die er an die Ablehnung der„Flottenvorlage" knüpfte. unter der lauten Zustimmung der Versammlung gründlich ab. Die Berliner Resolution wurde hierauf einstimmig angenommen. Der Reichstags-Abqeordnete P a u l i- Potsdam, welcherffzum Besuch der Versammlung schriftlich eingeladen war, hatte sein Fernbleiben brieflich mit einer Reise nach Heidelberg entschuldigt. Radebriick bei Alt-Landsbcrg. Eine von den Bewohnern der Umgegend gut besuchte Volksversammlung tagte hier am Sonntag im Meyerschen Lokal. Genosse S t a d t h a g e n sprach unter reger Zustimmung über die letzten politischen Ereignisse. Einen weiteren Punkt der Tagesordnung bildete die Stellungnahme zur Gründung eines Arbeitervereins. Unter Berücksichtigung, daß an den einzelne» Orten nicht soviel unabhängige Personen vorhanden sind, um einen Vorstand bilden zu können, beschloß die Versammlung, von der Gründung eines Vereins vorläufig abzusehen, und dem socialdemo- kratischen Verein von Stralau-Rummelsburg beizutreten. Man will an den einzelnen Orte» Filialen dieses Vereins mit einem Ver- trauensmann errichten. Es erfolgte sodann die Wahl je eines Ver- trauensmannS für den Bezirk Alt-Landsberg-Neuen» Hagen und den Bezirk Fredersdorf-Bruch mühle nebst angrenzenden Ortschaften. Von den zahlreich Erschienenen erklärten gleich eine Anzahl Personen ihren Beitritt. Uelzkv MAltzvilszkett und Vepesthen« München, 15. Februar. Die„Franks. Ztg." meldet aus Konstantinopel: Außer dem Vorzugsrecht auf Erbauung einer Eisenbahn Kars-Erzerum wurde Rußland auch ein solches für Erzerum-Trapczunt gewährt. Doch wurden von den Zwciglinien solche von dem Vorzugsrecht ausgenommen, welche in dem Bereich der Konzession für die Bagdadlime fallen könnten.— Die englische Regierung unternimmt seit gestern hier Schritte zum Ankauf mehrerer Balterien für Südafrika. Frankfurt a. M., 15. Februar.(B. H.) Die„Franks. Ztg." berichtet aus Lissabon: Die Regierung wird keinerlei Truppen- Verstärkungen nach Afrika entsenden. Frankfurt a. M.. 15. Februar.(B. H.) Der„Franks. Ztg." wird aus Madrid mitgeteilt: Der heute früh 1 Uhr beendete Ministerrat beschloß die Freilassung von 28 auf der Insel Mafariuas im Bagno befindlichen Barcelonaer Anarchisten. Paris, 15. Februar.(W. T. B.) Teputiertenkaininer. Die Beratung des Kriegsbudgets wird fortgesetzt. Pelletan untersucht. ob die Millionen, welche für die nationale Verteidigung bewilligt, wohl angewendet seien, kritisiert die zu große Zahl der Festungen und legt dar, daß die französischen Artillerie- und Genieoffiziere zu lächerlichen Beschäftigungen verwendet würden, auch würden die Effektivbestände durch die übergroße Zahl der Offiziersburschen und Ordonnanzen vermindert. Des weiteren führt er aus, daß bei den Verwaltungen der Regimenter viel Geld verschleudert werde. Bordeaux, 15.'Februar. sW. T. B.) Ein mit leeren Fässern beladener, von Nantes kommender Dampfer kenterte an der Mündung der Gironde. 13 Mann ertranken. Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Berlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 2 Beilagen und Niitcrhaltungöblatt. JH. ii. 3.1, Ä i. Jfiliijjt drs.Fmiirl»" Kwlim WksdlM>° w« � mmBamtmmKgmmassammmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmammmmmmmmmmmmmmmmmmmmammmmmmmmmmmmmmmmmmmmmammmmmmmmmmmmmmmmmtmmmmmmmmmmmm Neickzskag. 149. T i tz u>i g v o in 13. F c b r ii a r 1999. 1 Uhr. Am BiindeSrcitStisch: Dr. v. B u ch k a.».Thielen. Die zweite Beratiuiiz des �olonialetats wird fortgesetzt. Zu- nächst werden die zurückgestellten Titel der Schutzgebiete Kamerun und Togo betr. den' Rcichszuschnsi debattcloS angenonunen. Weiter werden die zurückgestellten Titel betr. Eisenbahnen auS dein EtatSteil für Süd westafrika debattelo- angenommen. Schlicklich werden die auf die Llolonialbcrwaltiing bezüglichen Teile des Etats für das Auswärtige Amt, Tit. 1—9, genehmigt. In Tit. 19 werden zur Erwerbung eines Grundstücks behufs E r vicht ii ii g eines D i c n st g c b ä u d c s für die K o l o n i a l- c c n t r a I- V e r w a l t u n g und als erste Ätate zum Beginn der Bauausführung 1 739 999 M. gefordert. Die K o n!»i i s s i o n beantragt, diesen Titel zu streiche n. Das Haus beschließt debattcloS demgemäß. Damit ist der Kolonialetnt mit Ausnahme der an die Budget- komm' ion zurückverwiesenen Teile erledigt. E- folgt die zweite Beratung des Etats für die Reichö-Eisem bahn-Äcvwaltnng. Zum ötapitcl„Eentralverwaltuug" beantragt Abg. Dr. Müller- Scrgan lfri. Bp.) folgende Resolutionen: ' Der Reichstag wolle beschließen: 1. den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß im Biilitärtarif für Eiseiibahiicn bei Beurlaubungen von Mann- schaftc» vom Feldwebel abwärts die Berg ii t n u g für den Kilo- »icter von 1,3 Pf. auf denselben Satz, welcher für die gleichen Akaiiuschaftcn»im geschlosseneneu Truppenteil" vorgesehen ist, iiämlich auf 1,9 Pf. er m ä ß i g t werde; 9. den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß die Persoucntarife der Eisenbahnen baldmöglichst verbilligt und vereinfacht werden. Abg. Miillcr-Sagan lfrs. Bp.s: Die Frage der Person entarife ist in diesem Hause bereits öfter verhandelt worden, ich kann mich daher darauf beschränken, Ihnen die Resolution zur Annahme zu empfehlen. Was die Frage der Herabsetzung der Kilometcrgebiihrcn bei Benrlaubnngcii der Mann- schaften anlangt, so liegt eine Erklärung der Militärverwaltung vor, wonach es dieser nicht gelungen ist, die Herabsetzung bei der Eisen- bahnvenvaltung durchzusetzen. Es bleibt uns nun nichts andres übrig, als den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, in diesem Sinne auf die RcichS-Eisciibahnverwaltung einzuwirken. Preußischer Eisenbahnmiiiister v. Thiele»: WaS die Frage der Persoucntarife anlangt, so kann ich nur wiederholt erklären, daß wohl ein Bedürfiiis zur Bereinfachung, aber kein Bedürfnis zur(vrmäsiigung der Persoucntarife vorliegt. Tic Gründe dafür liegen erstens darin, daß innerhalb der bc- stehenden Tarife sich der Personenverkehr in Deutschland ganz außerordentlich entwickelt hat. zweitens darin, daß die Tarife in Deutschland vcrhältiiiSniäßig billiger sind als in den meisten andern Ländern, z. A. Anrerika, England und Frankreich, nnd drittens darin, daß die Betriebskosten sämtlicher deutschen Eisciibahncn im ständigen Wachse» bcgrisscn sind. Dazu kommt, das; bei dem größten Teile dcS BolkS ein Bedürfnis nach Pcrdilligitng drr Persoucntarife nicht vorhanden ist. Als Beweis für die Billig- tcit der Tarife mir ein Beispiel. In Preußen betrug die Durchschnitts- Einnahme für den Personen- Kilo- mctcr im Jahre 1899 nur 2.97 Pfennig.— Was die andre Rrsollltioii uulangt, so ist die ReichS-Eiscubahnvcrwaltuug in dieser Frage inkompetent. ich bin also nicht in der Lage, eine Erklärung in dieser Hinsicht abzugeben. Ich habe in der Budgctkouunission be- rcits ausgeführt, daß es sich bei den Militärtarifen nur darum handelt, die Besörderimg größerer Truppcnforinationeu, bei der die Betriebskosten geringer sind und die in iicnercr Zeit besonders häufig erforderlich ist, billiger zu iiestalteii. Diese Ermäßigung mich auf die Beförderung einzelner Mannschaften misziidehnci!,' liegt kein Grund vor. Abg. v. Kardorff lRp.): Zu diesem letzten Punkt will ich mir bemerken, daß es in der Landbevölkerung vielfach als Härte ciupfuiidcn wird, daß den Mannschtistcn bei dem tlrlanb z. B. zur Erntezeit keine Tarif» ermäßiguug gewährt wird. Ich muß dann auf die Aeiißeruiig des Herr» Ministers v. Thielen gegenüber meinem Augriff auf die Wasfcrbautcchiiikcr ziirückkommcu. Eine Erwiderung darauf behalte ich mir für das preußische Abgeordnetenhaus vor, ich wollte hier nur kouslaticreii... Präsident Graf Ballcstrcm: Herr Abgeordneter, es geht nicht an. daß Sic bei dem Etat der Eiscnbahne» über die Wasscrbantcchmker reden. Ihre Erwiderung an den Herrn Eisciibahunimistcr hätten Sie iii einer persönlichcii Bemerkung in der betreffenden Sitzung erledigen toiincii, jetzi ist dazu nicht der Moment. Abg. v. Kardorss iRp.): Ich wollte nur konstatieren, daß nach dein stenographischeu Bericht das Wort»unfähig" damals nicht von mir gebraucht ist. Präsident Graf Pallrstrciu: Auch diese Bemcrliiiig war hier unzulässig.(Heiterkeit.) Abg. Haust(Cts.): Die Zahl der Pekitioucu, die Pcrbilliguug der Personen- tarifc verlangen, ist Legion, leider aber haben sie noch nicht den geringsten Erfolg gehabt. Das laim nur vcrstiiiimcnd wirken. In Süddeutschlaud sind mit den Kiloiucttrheftcu. Sonutagskarteu usw. die besten Erfahrungeii gemacht. Der Satz von 2,97 Eimiahiueu für den Persoueutiloiireter, der für Preußen zutreffen mag, paßt für Elsaß-Lolhriugcn gar nicht. Tie in Preußen sehr beiicvrc vierte Klasse wird dort sehr wenig benutzt.— Weiter werde» tu Elsaß- Lothringen die D-Züge mit ihren Platzkarteu-Gebühicii auch für den Lokalverkehr benutzt. Zur Hcbiing des Lokalverkehrs ist diese Maß- iiahmc nicht geeignet. Auch in" Bezug auf die BeschäsiigungSdauer der Ciseubahu- beamteu haben sich die Verhältnisse nicht wesentlich gebessert. Die meisten Beamten haben eine tägliche Tienstdaiicr von 12 Stunden. Außerdem ist der ganze Dienst außerordentlich burcaukratisch geregelt. Reben unverhältnismäßig langem Dienst kvmuicii dann wieder im- verhätliiiömäßig lange Dieiistpaiisci! vvr. Wenn es an dem ge- iiiigcndeii Pcrsvual fehlt, sv stelle mau doch einige Leute mehr ein. Der Reichstag wird feine Zustiiimilmg dazu sicherlich nicht versagen. — Bei dem Itnglück in Bischweiler war der Postwagen entgegen den Betriebsvorschriften als Sckmtzwagcn verwandt. Ich bedauere, daß der Staatssekretär des Reichs-Posiamts nicht anwesend ist, um Aus- liinft darüber zu geben, ob die Hinterbliebenen der verunglückten Postbeamten entschädigt werden. Preußischer Eisciibahuminister v. Thielen: Wenn die neue Tarifreform zu stände kommt, so wird jedenfalls der erste Paragraph derselben sein, cS giebt weder Kilomcterhcfte, noch Badekarten.»och Soiiutagstacteu usw., sondern nur ein ein- fachcö Billct und nur für gewisse notwendige sociale Bedürfnisse Arbeitcrkartcn und dcrgl. Die Kilomctcrkarten werde» ja in Baden in ziemlich umfangreichem Maße benutzt, aber die badische Verivaltung ist von dem Nachteil dieses Systems ebenso überzeugt wie ich, nur schätzt sie die Vorteile höher ein, als ich das thue. Wenn die i>-Zi"ige in Elsaß-Loihriugeii niclit überall halten würden, wo dicS jetzt geschieht, würde das große Entrüstung im ganzen Lande hervor- rufen. Unser Bestreben geht ja dahin, die D-Züge möglichst selten baltcn zu lassen: um das zu ermögliche», müßten aber erst sür den Lokalverkehr andere Bcrbindnngen hergestellt werden. Die Beamtenfroge ist ja auch schon vielfach erörtert worden- Wir wollen den Beamten nicht übermäßige Belastungen zumuten. Der Eiscnbahndieiist ist aber kein schcmatischer, in"dem man die Dauer vorschreiben kann. Sonst würde eS ja vorkommen können, daß Züge mitten in der Fahrt halten müssen, weil die Dienstzeit einzelner Beamten zu Ende ist. Seien Sie überzeugt, daß wir alles thuu, um eine Ueberbürdung unserer Beamten zu verhüten. Abg. Riff(Elf.): Ich möchte zunächst eine Angelegenheit zur Sprache bringen, die einen rein lokalen Charakter trägt. Es handelt sich um die Beseitigung der Bahnübergänge in Neustadt, einer Vorstadt Straßburgs. Wir hofften, daß schon in dem diesjährigen(hat ein entsprechender Titel eingesetzt Iverden wurde; min höben wir aber wenigstens in der Koinmiffion die Zusicherung erhalten, daß dies im nächsten Jahre der Fall sein soll. Wir meinen freilich, daß die Stadt Straßburg nicht beitragspflichtig ist. Die Erklärung des Ministers über die Reform des Personentarifs hat uns sehr enttäuscht. Wir verlangen 5lilometcrhefte, ivic sie in Baden üblich sind, und Land-Dauerkarten. wie Württemberg sie hat. Wie haben sich die Anschauungen der Eiscnbahn-Berwaltiing geändert! Vor zwei Jahren schrieb unsere Eisciibahndircktion: Wir streben nach einer Reform- des Personen- tarifs in der Weife, daß eine allgemeine Eniiäßiguiig der Fahrpreise eintritt unter Beseitigung aller Sonderbestimmungen. Im vorigen Jahre hatte mön schon die Preisermäßigung fallen lassen: es blieb uns nur noch die Hoffnung auf eine Verein- fachimg. Warmn sträubt sich die Verwaltung vor einer Ermäßigung der Preise? Sobald eine Berbilligimg eintritt, steigt doch sicherlich der Verkehr nnd damit auch die Eiiiiiahmc. Ich gebe zu. daß die Eiseiibahnverwnltuiig in letzter Zeit größere Ausgaben gehabt hat durch Anlegung von Doppelgelciscii, von neuen Bahnhöfen.'c.. aber immerhin sind' die Einnahmen in dem Maße gestiegen, daß eine Er- Mäßigung des Personcntarifs wohl eintreten könnte. Graf v. BeruStorff(Lauenburg)(Rp.s: Durch alles, was ich bisher über Vorteile nnd Nachteile einer Vereinfachung der Tarifc gehört habe, bin ich einer solchen Verein- fachung nicht geneigter geworden. Was gut ist an iiusem jetzigen Tarifen, würde bei"einer Bereinfachnng leider verloren gehen. Was nützt z. B. ein Rctourbillet Berliii-Hamburg, Berlin-Dresden usw., weuii ich die Schnellzüge nicht benutzen kann? Ich möchte bei dieser Gelegenheit noch den Minister bitten, zu erwägen, ob nicht die Giiltigkeitsdancr der Rctonrbillcts auf 19 Tage erhöht werden kann. Eisenbahnministcr v. Thiele«» wendet sich gegen die Ausfühningen des Abg. Riff. Ein Wechsel in dem Staudpuiitt der Straßburger Eiscnbahiioirektivu sei nicht ein- getreten. In dem betreffenden Erlaß sei nicht von der Er- iiiäßiguug der Preise, sondern der nomialen Preise die Rede. Er iöiinc sich mit diesem Erlaß einverstanden erklären, obwohl er nicht sein Urheber wäre. Abg. Lcincuivcbcr(natl.) wünscht bessere Anschlußliiiien an die pfälzischen Eisenbahnen. Abg. Dr. Miiller-Sagan(frs. Vp.): Die Vcrbilllgiing der Tarife ist für miS viel wichtiger wie die Vcrcinfachnng. Wenn das Rcichs-Eisciibahuamt die Macht nnSnützen würde, die es hat. so könnte es eine Bcrbilligmig der Tarife durch- setzen. Bei den Tarifen für die dienstlich reisenden Soldaten und den Urlaubern liegt ein Mißverhältnis vor. das beseitigt werden muß. Deshalb bitte ich um Annahme meines Antrags. Redner bringt die Eciisur zur Sprache, die die Eiscnbahnvcrwaltiingcn an den Büchern der BahnhofS-Biichhaiidliingcn übt. Die Eiscubahnvenvaltnng hat keine Berechtigung, sich inn die Lektüre dcS reisenden Publikums zu küinineni. Höchstens in Bezug auf den Verkauf von Kursbüchern dürfte sie Vorschriften erlassen. Dagegen hat sie gar kein Recht. Parteipolitil zu treiben und gewisse Zeitungen ihrer politischen Rich- tuiig wegen voni BahnhosSverkanf ausziischließrii. Von dem Aus- schlusz des»Vorwärts" hat die Socialdcmokratie nisofcni Vorteil, als wir Parlamentarier auf der Reife z. B. uns nicht über den Inhalt des Blattes unterrichte!! lömicn und deshalb social- demokratische Angriffe nicht abwehren können.(Heiterkeit.) Der „SimplicissiinuS" ist verboten, aber englische Witzblätter, die viel stärkere Dinge in der Richtung bringen. wegen deren der ..Simplicissimns" verpönt ist. sind ans den Bahnhöfen käuflich. Man ist also nicht einmal loliscquent nnd macht sich dadurch geradezu lächerlich. Abg. Haust(Elf.) befürwortet noch einmal die Herabsetzung der Tarife. Abg. Dr. Graf v. Ttolbrrg-Wcrnigcrodc: Gegen eine Verbillig»»,» der Pcrsonentarise muß ich mich ent- schieden erklären. Die Tarife müssen nacki den Sclbstlostcn berechnet werden. Der Güterverkehr bringt mehr ein als der Personenverkehr, eS sollten also zuerst die Güterpreise ermäßigt Iverden. Eine Herabsetzung der Pcrsvucularife darf erst iiachfolgen. jetzt liegen nur für eine Hcrabsetzinig der Pcrsontntarifc bei den Urlaubmi Gründe vor. Mit dem Programm des Ministers bin ich vollständig einverstanden. Wir begrüßen die Verein- fachmig der Tarife. Eine Verbillignug ist um so weniger angebracht, als die Kosten ständig gestiegen sind. Abg. Schräder> frs. Bg.): Es scheint alles noch in der Schwebe zu sein, die Regierung iveiß offenbar noch nicht recht, was sie thuu soll. Von einer Er- Mäßigung der Persoucntarife, das scheint festzustehen, wird in ab- schbarcr Zeit keine Rede mehr sein. Die einzige Instanz, die tu der Lage wäre, Wandel zu schaffen, ist das Reichs- Eiscnbahnaint. mit andern Worten der Reichskanzler. Dieser löuute einen starten Druck aus die Einzclstaateii ausüben. Vom Abg. Haust(Elf.) ist eine Resolution eingegangen, in Ivelchcr verlangt wird, das; auf den elsässischcn Bahnen den Teil- nehnicrn au den Verbaiidstageu von DarlehnSkaffen-Bereiiicn nud landwirtschaftlichen KreiSvcrciiicu freie Rückfahrt gewährt wird. Abg. Gamp(Rp.): Ich muß der Ansicht widersprechen, daß daS ReichS-Eisenbahn- amt in der Lage sein soll, die Tarife der cinzclstaallichen Eisenbahnen inigünstig zu beeinflussen. Die Festsetzung der Tarife darf den Leitern der Einzelverwaltuiigeii nicht entzogen werden. Die Ab- schassiuig der vierten Klasse empfiehlt sich nicht. ES giebt Leute, die fahren heute lieber vierter als dritter Klaffe. Unsre zweite Klasse ist besser als fast in der ganzen Welt die erste. An den Gütertarifen hat die große Allgemeinheit ein Intercssc, mit den Persouentarifen ist "doch viel LiixuSmtcrcffe verbunden.(Lachen links.) Specicll die elsässischcn Bahnen haben nicht solche lleberschüsie, daß eine Tarif- verbillignug geboten erscheinen könnte. Abg. Dr. Müllcr-Sagan(Rp.) amendiert seine Resolution dahin, daß hinter die Worte Personen- tarifc die Worte„nnd Gütertarife" eingeftigt werden. Er wolle der Rechten entgcgenkomnicn und den RcichSlanzler auch um billigere Gütertarife ersuchen. Billige Tarife liegen im Interesse der Kultur. Abg. Dr. Graf v. Stolbcrg-Wernigerod«(k.): Bon den Rückfahrkarten. Saisonkarten:c. hat in der Hauptsache mir der Großstädter Vorteile. Deshalb find»vir für die vom Minister Thielen geplante Vercinfachnng. Abg. Dr. Schräder(frs. Vg.): Die Freunde der Verstaatlichung der Eisenbahnen wollten gerade Verbilligung der Tarife dadurch erreichen. Das; der Personenverkehr so große Ausgaben für die Eisenvahnverivaltung bedingt, ist nicht richtig. Ein reger Personenverkehr bedingt doch auch regen Güter- verkehr und dadurch heben sich die Einnahme» der Eisenbahn- verivaltung. Preußischer Eisenbahnminister v. Thiele» t Die Erörterung über die nene Tarifrefonn hat einen rein theoretischen Charakter. Diese Reform ist noch ein uiigeborcncS Kind und ihrer Verwirklicht»� stehen große Schwierigkeiten eilt- gegen. Das liegt besonders daran, daß die Verhältnisse in Nord- nnd Süddeutschland so verschieden sind. Weder Nord- nach Siiddeutschland wird leicht auf seine historisch gewordenen Elnrichtungen verzichten.— Man hat gesagt, bei dem Bestehen der Privatbahnen wäre die Kontrolle leichter gewesen. Thatsache ist aber, daß der Staat sich um die Tarife der Privatbahnen fast gar nicht gekümmert hal. Infolge der Verstaatlichung sind dagegen ganz enorme Summen dem Lande durch Tariferinäßiguilgen erspart worden. Von einer Erhöhung der Tarife infolge der Vcrftaatlichnng kann keine Rede sein. Was die Resolution Ha'uß anlangt, so kann ich erklären, daß auch, ivenn sie hier nicht zur Annahme gelangen sollte, ich ihre Forderung jedenfalls in Erwagimg ziehen werde. Abg. Gainp(Rp.) weist gegenüber dem Abg. Schräder darauf hin, daß eine große Reihe"von Tarifermäßiguiigen nach der Verstaatlichliug cingetreten sei. Ein großer Vorteil der Verstaatlichung ist auch gewesen, daß Tansende von Uuterbeamten in ihrer socialen Stellung wesentlich gehoben worden sind. Damit schließt die Diskussion. Der Titel wird bewilligt. Die Abstimmung über die Resolutionen wird geschäftsordnungS« mäßig bis zur dritten Lesung zurückgestellt. Beim Kapitel Betriebsverwaltung wünscht Abg. Haust(Cts.). daß ein allgemeines Verbot erlassen würde, daß unter den Beamten für Ehrengeschenke gesammelt lvcrde, und bittet ferner um Aiiskuilst darüber, ob thatsächlich Listen niit Beitritts- Rnffordernngei» zum Flottcnverei» unter den Beamten eirfiiliert haben. Geheiinrat Bittnrr erklärt, daß daS von dem Vorredner gewünschte Verbot bereits erlassen sei. Von der Agitation sür den Flottenverein sei ihm nichts bekannt» er würde aber keinen Grnnd finden, gegen eine solche Listruvertcilung einznschreitei». Abg. Werner(Rntis.) wünscht Besserstellung der BctriebSsckretäre und Telegraphisteu. Ebenso bedürfen die Lokomotibsührcr dringend einer GehaltSaufbessernng. Diese Beamten haben eine ganz bc- sonders vcrailtwortiliigs'volle Stelliiiig, sie haben einen � viel schwierigeren Beruf, als die Burcallbcainten, da sie allen Unbilden der Witterung ausgesetzt sind. Zum mindesten müßten ihre Pension-' verhältnissc anders geregelt werden in der Weise, daß daS doppelte Dienstalter in Anrechnung kommt. Abg. Dasbach(C.) tiitt für Aufbesserung der Eiscilbahu-Tckegraphisteii ein.— Ferner bitte ich den Herrn Minister dafür zu sorgen, daß lvemi schon die Stelle eines Lokomotivführers durch einen Heizer ansgesüllt wird. dann wenigstens, sobald dies eine längere Zeit andauert, dieser Heizer etatsmäßig angestellt wird. Gchcimrat Glöckner: Zu einer Besserstellmig der BetriebSsckretäre liegt zur Zeit keine Vcraiilassnug vor. Was" die Etfenbahn-Telegraphilten anlangt, so wird zur Zeit crivogen, ob diese Beamteuklasse überhaupt aufrecht zu erhalte» ist.' Andre Eisciibahnverivaltungen kommen ganz ohne sie ans. Eine Gleichstellung der Eiseubahu-Telegraphisten init den Tclcgraphciipenintcu der Reichs- Postverwaltung ist ans» geschlossen: an diese letzteren werden viel Höhere Aiiforderiingen in Bezug auf die Bildung gestellt. Der doppelten Aiirechmiiig der Ticnstjnhrc bei Regelung der PeusiollSverhSItniff« der Lokomotiv- führcr stehe» erhebliche Bedenken gegenüber. Auch jetzt schon er« halten diese Brainte» übrigens einen Jnsckmß zn ihrer Pension. Tie Lolomotivsührer komme» bercilS mit 13 Jahren in die höchste Gchaltsskala nnd werden in den seltensten Fällen früher pensionS- bedürftig. Abg. Riff(frs. Bg.) verweist darauf, daß z. B. die Zugführer früher ein niedrigere» Gehalt bezogen, als die Telegraphisteu. während sie jetzt sich in einer höheren Gchaltsstnfc als die Telegraphisteu befinden. Die Gchaltsansbcffeningeu sind also nicht nach paritätischen Grundsätzen erfolgt. Abg. MSller-DuiSburg(natl.): Die Schwierigkeit, den Telegraphisteu zu helfen, liegt darin, daß diese Beamten sich ans sehr verschiedenartigen Bcvöllcrunge. kreisen relriiticrcii. Es wäre wünschenswert, wen» wenigstens die Telrgraphisten, ivelchc eine höhere Vorbildung zu verzeichnen haben, besser gestellt würden. Damit schließt die Diskussion. Das Kapitel wird bewilligt. Damit ist daS Ordinariimt erledigt.: Hierauf wird die Wcitcrbcralung auf Freitag 1 llhr vertagt. (Außerdem Antrag Münch-Ferber auf Enichtnng von HaiidelSlammern im Ausland und Petitionen.) Schluß 9 llhr._ AbgeordnekenhÄUS. 23. Sitzung vom 13. Februar, 11 Uhr. Am Ministertisch: Frhr. v. R h c i n b a b c n. Die Spceialberatmig des Etats dcS Ministeriums de» I n ii c r n Ivird fortgesetzt.— Die Diskussion über den Titel „ M i n i st e r" dauert noch fort. Abg. Stanke(C.) beschwert sich über die zahlreichen ZluSweislMgen ansländische» Arbeiter anS den Grcnzbczirken Schlesiens. Abg. Goldschmidt(frs. Vp.) findet cS befremdlich, daß der Minister cS gestern abgelehnt hat. auf den Zusammenhang zwischen der Bestätigung deS Berliner Ober» bürgenncisters und der März-FriedhofSfrage einzugeben. Da aber der neue Minister schon seit dein September im Amte sei nnd doch die Bestätigung uocki monatelang ans sich habe warten lassen, so sei doch wohl anzunehmen, daß die Regierung znnächst das Erkenntnis des Ober-VerwaltmiasgcrichtS hat abwarten wollen. Der Zusammen- hang sei somit nicht wegzulengncu. Ilm so ausfallender sei es, daß" die Regierung diesen Ziisamincnhang früher entschieden geleugnet habe. Eine Bestätigung seiner Annahme sehe er auch darin", daß der Minister es abgelehnt habe, ans die Angelegenheit einzugehen. Hätten wir eine wirkliche Ministcr-Bcraiitwortlichleit, so würde der Minister eö nicht wagen, eine solche Antwort zn geben.(?) Ebenso hätte der Minister dann ein Eingehen auf den Schießerlaß nicht ablehnen können, dessen Fortbestehen er gestern kritisiert habe. Abg. Bräincr- Kelinischkcite»(fk.) dankt dein Minister für die energische Bckämpfuug der Social- deuiokratie im Bezirk Gtimbinnen. Selbst Liberale erkennen a», daß etwas Energisches geschehen mußte. Man halte auch den oft- pretißischen.Bollssreund" für ein sehr geeignetes Blatt für diesei» Zweck, dessen Verbreitung müsse also möglichst gefördert Iverden. Als Redner dem Abg. Kopsch.Verdächtigung" vorwirft, wird e» deshalb vom Präs. v. Kröcher zur Ordnung genifen. Abg. v. Jagow(k.) hält die Beschwerden der Polen für durchaus unberechtigt. Er und feine Freunde dürfte» sich viel eher über das Austreten der Polen bcichwercn. denn daS Deutschtum werde immer mehr bedrängt. Man, müsse aber verlangen, daß daS Deutschtum ein gewisses Vorrecht habe. Ab-�. Rickcrt(fvf. 23g.): Der Landrat vo» HlsNLburg, dcr den Bund an? der Nähe tennt, hat offen ausgesprochen, dah ihni eine ähnliche gemeingefährliche Hcfze von keiner andern politischen Partei bekannt geworden ic>. sLärni rechts.) Wie wird denn jetzt loieder der Reichskanzler in ihrer Gcncralversammlnng behandelt'{ Haben nicht die Bnndler die Parole ansgegcbcu, ein Bennigsen sei gefährlicher als fnnfzig Bebel?(Beifall links.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(sk.) polemisiert gegen den Abg. Dr. Barth, der gestern daran», dast da» Sociallstcngejetz nicht»ichr bestehe, geschlossen habe, dast die Social- demokratie von den Behörden ebenso behandelt werden müsse, wie die andren Parteien. Diese Auffassung sei total irrig. Das Ober- BerwaltungSgericht hat konstant dahin entschieden, datz mit Rücksicht ans die EtaatSgcfährlichkcit der Socialdcinokratic kein Beaniter Socialdenwkrar sein und kein Beamter die Socialdcinokratic begünstigen dürfe. Daraus geht hervor, dast die Socialdcmokratie von der Berwaltnng nicht ivic eine andre Partei behandelt, dag sie vielmehr mit allen Mitteln niedergehalten werden inujz. Wie tonnte Herr Dr. Barth den Bund der Landwirte mit der Socialdemokratie vergleichen? Er wirft dem Bunde der Landwirte seine Agitation gegen die Handelsverträge vor. Ja, weist denn Dr. Barth nicht, das; die Regierung jetzt selbst andrer Meinung geworden ist? Äciint er nicht die Erklärung des Ministers Frhrn. v. Hammerstein? Er scheint gestern geistesabwesend gewesen zu sein. Präsident v. Kriichcr: Das; ein Mitglied deS Hauses geistc» abtvcsend ist, kann ich doch nicht annehmen. Eine solche Acnstcrung durfte wohl nicht der Ordnung des Hauses entsprechen. Abg. Frhr. v. Zedlitz(fortfahrend): Wenn nn» nnsrc Haltung in der Känalfrage vorgeworfen wird, so liegt eine arge lieber- treibnng vor. Es ist eine reine Zweckniästigkeitsfragc, ob Wasser- strastcu oder Eisenbahnen dem Verkehr dienlicher sind. Die Kanal- frage in den Mittelpirnkt der Politik zu stellen, ist geradezu grober Unfug. Tie Anffassnng deS Abg. Dr. Barth über die Bc- Handlung der Socialdemokratie ist ja erklärlich. Thatsächlich hat die Socialdemokratie durch den Ilmstand, dast das Socialistengcsctz durch ein Versehe» deS Herrn b. Selldorf(?) nicht verlängert warben ist. yu ihrer Gefährlichkeit nichts eingcbüstt. Aber zwischen Manchcstcrtnm und Socialdemokratie besteht eine ge- wisse innere Verwandtschaft, so wie zwischen der philosemitischen Presse. dein Judentum und der Socialdcmokratie enge Faden bestehen.(Bravo! recht».) Dem specifisch frcihänd- lerischcn Liberalismus ist mit der Socialdcmokratie gemein die Anhängerschaft an die Goldwährung. Weiter sind die Socialdcmokrate» entschiedene Freihändler nnd als Bundesgenossen dein Manchcstertni» beim Kampf hin die Handelsverträge höchst ivillkommen. Diese innere Bnndcsgcnosscnschafl macht die Freihändler blind für die Gefahren, die von der Socialdemokratie drohen. (Bravo! recht?.) Abg. Dr. Barth(frs. Vgg.): Es ist höchste Zeit, dast i» der Berwaltiing die Zlnffassmig Platz greift. die Socialdcmokratie sei so zn bchandelii, wie jede andre Partei! dein steht auch iiichr das Urteil des Obcr-Vcrwalt»»gsgerichtS gegenüber. Da? Urteil sagt mir, es vertrage sich nicht mit der Stellung eines Beamten, dast er sich eine Begiiiistiglmg der Socialdcmokratie zn Schulden kommen licstc. TaS ist nirine Nicinniig auch. Ich gehe mir noch einen Schritt weiter und sage: der Beamte darf sich überhaupt die Bc- günstig, ing keiner Partei zu Schulden koliimeii lassen.(Bravo links.) Das ist die thatsächlichc Unterlage nnsreS ganzen Rechtsstaates.(Sehr richtig! links.) Tie Socialdcmokratie kann keine größere Förderung erfahren, als iveini man so klar wie Herr v. Zedlitz zum Ausdruck bringt, dast mit verschiedenen Masten gemessen»verde» innst. dast c? de» Neamtcn als Verdicuft angerechnet werden soll, wenn sie gegen die Svcialdcniokratie Ungerechtigkeiten begehe». ES handelt sich geradezu um die Aufreizung der Beamte», die Socialdruiokratie»«gerecht zu behaudclu.(Bravo! links.) Ties unkluge Verfahren hat dazu beigetragen, die Socialdcmokratie zur stärksten Partei Dentschland» zn mache». Herr von Zedlitz>var empört darüber, dast der Bund der Landivirte, die Stütze des Staates, mit der Socialdcmokratie ans dieselbe Stufe gestellt werde. In viele» praktischen Fragen steht die Socialdcmokraiic ans scitcn der Regierung, während der Biuid der Landivirte sie bekämpft. Ich erinnere»nr an die Goldwährung. Die Soeialdeniokratic hat für die Handelsverträge gestimmt, die der Bund der Landivirte bekämpft, während der Monarch sie al» rettende That bezeichnet hat... Präsident v. Kriichcr: Ich bitte, Acusternnge» des Bkonarchcii nicht in die Debatte zn ziehen. Slbg. Dr. Barth(steif. Bg.) Zliich wenn sie im„Ncichs-Aiizeiger" gestanden hat?(Große Heiterkeit.) Die»cuen Handelsverträge werden wieder ebenso angenonnilen»verde»,»vie die des Jahres l 834, und iveiiii sie abgelehnt würden, so gicbt c» ja»och eine Auf- lösuiig de» Reichstags. Und Ncliivahlen gegen den Bund der Land »virtc»nöchtc ich gern noch einmal erlebe».(Bravo! links.) Abg. Dr. Arendt(k.) freut sich, bei der Beratung diese» Etat» über die Währmigsfragc reden.zi» dürfen.(Lachen links.) Redner bekämpft die Galdwährmig, die schkiestlich unser ganzes Wirtschaftssystem zerrütsten mnsse. Darum sei die Socialdemokratie auch nur AnhäNgerin der Goldwährung. Bei allen Rcvvlnlioncn aber hätten immer die Girondisten, die Männer vom Schlage des Abg. Dr. Barth, die Hauptschuld gehabt.(Lachen links.) Käme aber eine socialdemokratische Revolution, dann würde Dr. Barth mit al» erster zum Schafott geführt»verde».(Schallendes Gelächter.) Dann »vürde er von seiner Vorliebe für die Socialdcuiolratie schon geheilt werde,».(Erneutes Gelächter.) Abg. Dr. Barth(frs. Bg.): Die Prophezeiung des Abg. Dr. Arendt bat mich so erschüttert. tast ich ihm gar nicht antworte» kann.(Grostc Heiterkeit.) Herr b. Zedlitz hat den Grundsatz ausgesproSen, jeder solle im Staat so behandelt»verden,»vie er es verdiene. Diese» Princip vcr- lachtet die Gnindlagcn des Rechtsstants.(Sehr gut! links und im Centriim.) Ruht, wie er es verdient nach der einen oder andren Ansicht soll der Staatsbürger behandelt»verden. solidem»vie cS Recht und Gerechtigkeit erfordern, wie cS die Gesetze des Staats verlange».(Bravo! links nnd im Centnini.) Wo aber ist das Gesetz. daS die ungleiche Behandlung der Socialdeniolratie vor- schreibt?— Redner erinnert die Konservativen an ihr Verhalten bei seiner eigenen ReichstagSskichwahl, wo sie zn Gunstcn der Social- demokratie de» Ausschlag gegen ihn gegeben hätten. Der Titel„Minister" ivird hierauf bcivilligt. Beim Titel Untcvstaatssekvctär beschwert sich Abg. Szmnla8. Nach demselben hat die Feststellung der Entschädigung„in bcschlcnnigtcm Verfahre»" zu evsolgen. Da dieser Antrag nicht? BestnnniteS besagt, beantrage» die Social- Demokraten,. dast für die Feststellung eine Frist von höchste, I» vier Wochen nach dem Unfall festgesetzt»verde. Diese Frist ist bedingt dadurch, daß nach einem Betriebsunfall von Beginn der fünften Woche an da» Krankengeld mff mindestens V3' des Arbeitslohn? erhöht»verde» nnist. Trotzdem erklärt sich die R e- gitrniig gegen den Antrag, weil es nicht möglich sei. in allen Fällen innerhalb 4 Wochen die nötigen Bormitersnchinige» zum Abschlnst zu bringe». Die Social dem okraten weisen daraus hi». dast in solchen Fällen eine vorläuffge Fesistellnng zulässig sei. Der Antrag Ivird abgelehnt. Dasselbe Schicksal hatte ans demselben Gründe der iveitere socialdemokratische Antrag, der für die Znstclliiiig des Bescheids der festgestellten Entschädiginig einer Frist von höchstens zivci Monaten Vorsicht. Der vernnglückte Arbeiter muh nach dem geltenden Recht inner- halb z>vci Jahren bei der z ,l st ä n d i g e n BernfSgenosscuschaft seine» Anspruch anmelden,»vcil sonst der letzlcrc verjährt. DerRegienings- Entwurf cuthält die Verbesscriing. dast die Rnnicldniig auch dann genügt, wenn sie bei einer andern Bcrnfsgcnosscnschaft erfolgt ist. Die Socialdemokrateit bcrlaiigen, dast anch die Rinncldiing bei den Behörden zulässig sein soll, den» sonst lönnten viele Arbeiter schwer geschädigt werden. Nachdem die Rcgicrnng eine Ergänz»»»» des Antrags dahin verlangt nnd erreicht hatte, dast als Behörden mir die»intereu TcrlvaltniigSbehörden zu vcr-stchcn seien, wird der An- trag e i n st i m m ig a» g. e» o in n» c n. Die S o ci a l d e m o kra t e n verlangen, dast dem Verletzten vom Schiedsgericht das nötige Geld zur freien Eisenbahnfahrt zivecks persönlicher Wabrnehnunig scincS Termins zugestellt»verde. Der jetzige Zustand sei gerade für die Nichtorganisierten Arbeiter am schliminstcn, denn der organisierte Arbeiter erhalte von seiner Geiverk- schaft zur Reise an das Schiedsgericht die»öligen Mittel, ivährcnd der andre mit Rücksicht anf die für seine Verhältnisse iiniiicrhin beträchtlichen Koste,» vo» dem Recht, vor dein Schieds- geeicht persönlich zn erscheinen, keinen Gebrauch machen löime. Der Antrag wird aber abgelehnt. Der Entschcidlina de» Schiedsgerichts„inst, so beantragen die Socialdcmokratcii, eine RechtSbelebniiig über die Frist zur Ein- legnng deS Rekurses an da» ReichS-Versichcrlingsanit angesügt »verden. Anch dicscin Antrage»viderspricbt der Geheime Negiermigs- rat E'aspar, da durch denselben inanchor Arbeiter, der ohne eine der- artige Rcchtsbclchrimg gar nicht an weitere Sckiritte denken würde, zur Einlegung des Rekurses beranlastt»verde» könnte. Die Social- demokratc» aiitwocteten hierauf, dast gerade ans diesem Grunde die Annahme de» Antrags notlveudig sei,'»veil ja sonst die Unkenntnis des Rechts zmn Schaden der Arbeiter ailsgebcutct iverdeu würde. Der Antrag fand denn anch fast cinstimmige Annahme; mir die Nationalliberalcn stiininteii dagegen. Um die Geschäfte des Reichs-VerstchernngsamtS zu vereinfachen. hat die Regierung vorgesckilagcn. dast das Rcickis-BersichenliigSamt den Rcknr». der niiziilässig oder verspätet ist oder sich als„offenbar ll n g e r e ch t f c r t i g t" darstellt, ohne mündliche Verhandlnilg zurück- znlociscn hat. Sotvohl von den S o c i a l d e m o k r a t e n als von de» F r e i s i Ii ii i g c n ivar beantragt wordc», diese RnSiiahincbcstiinninng für den Fall des„offenbar niigcrechtfcrtigtcn" Rekurses zu streickien. Die Meiiinngeii darüber,»vclchcr NcknrS..offenbar ungerechtfertigt" sei, könnten sehr weit ailscinandergehen. Slnch sehe nian nickit iimncr cinciii von iliigeübtcr Hand hcrgestclllen Rekurs anf den ersten Blick an. welche Gründe noch beigebracht werden könnte». Daher sei es möglich, dast die von der Rcgicrniig vorgeschlagene Aeiidemiig daS allgeincinc Vcitraiic» zum NcichS-BcrsichcrniigSaiiit erschüttern würde. Die Rc- gierungSvertreter erklärten wiederholt, dast eine Entlasiliiig des ilteichs-BcrsichcrinigsamtS»»bedingt iiotiveiidig sei. Tie vor- gcsckilagcne Aendernng solle nnr in ganz zivcifcllosen Fällen in Wirkiamkeit treten. ivenn sowohl der Vorsitzcndc als auch der Vertreter der Uiitcriichmrr und der der Slrbcitcr den Reknr» al»»»bedingt missichtSlo» ailcrkeimcn. lim jeden Zweifel zn beseitigen, wird der Wortlaut des RegicriingSentiviirfS dahin geändert, dast der Rekurs einstiunnig für„offenbar ungerechtfertigt" erklärt»verden»insic nnd zivcltenS ivird eine Milderiing dadurch herbeigeführt, dast das Reichs- BcrstckicnnigSanit nicht verpflichtet, sondern berechtigt ist. die mündliche Verhandlnilg ausfallen zn lassen. Nack, dicieu Nendernugeu ivird der Regiernngsvorschlag an- g e n o m m c n. Bei Einlegung de» Rekurses an das NcichS-Versichcrniigsaint soll nach einer»vcitercn von der Regiernng verlaiigten Abändennig au- gegeben»verde», ans welchem Grunde die Entscheidung deS Schiedsgerichts angefochten»vird. Die Fr.cisiiniigcii verlangen die Streichung dieses Antrags, da eine Erschlvernng de» Rekurses völlig überflüssig sei. Die Regiernng cinpfieblt die Abändernng damit, dast nack ihrem Vorschlag das Neichs-Verstcherungsaiiit sofort in der Lage sein loird. etwaige iiciie Beweismittel beizeiten zn bcschafscii nnd dadurch das 2?erfahren zn beschlcnnigcn. Auf verschiedene Anfragen giebt die Regiernng die Erklärnng ab, dast durch das Fehlen von Gründe» der Rekurs weder als unzulässig noch verspätet oder als„offen- bar»ngcrcchtfcrtigi" gelten kann. Hieraus ziehen die Freisiiiiiigcii ihren Zlutrag zurück und der Vorschlag der Regiernng»vird an- g e» o in in c n. Nächste Sitznng Freitag. Nus drv llcbcr Nrbciteriuuruschutz sprach Klara Zetkin am Mitt- woch in einer äustcrst zahlreich besuchte» VolkSvcriainuiluiig, die im KonzcrthauS Sanssouci tagte. Die»vichtige Frage des Arbeiterin»!'»»- stüntze»— führte die Rcfcrentin ans— ist in lnn'ren Tage» Ivicder aktuell gclvorden durch die auf Anordnnng der Regierung durch die Fabrikinspektorcn vorzimcbmcndcn Erbcbniigcn über die Fabrikarbcit verheirateter Frauen. Diese Eiiqncte ivird zivar i» jedem BnndcSitant in andrer Weise ausgeführt, sie ist nicht nach ciiiheitlicheii Gesichls- pilliktcn geregelt, und obgleie., sie deshalb recht»'.aiigelbaft lverde» wird. haben sich doch schon in den verschiede»?» Jndnftricbczirkcn die Stiinmeil der Unternehmer gegen die Vornahme der Erhebung ausgesprochen. Dem Kavitalistc» ist jeder Arbcitcrinnenschntz zu- wider. Er keimt keine Rücksicht anf da» Menschentum.»velchcS an der Ware Arbeitskraft hängt, er kennt auch keine Rücksicht ans die beiondereil Aiisgaben. welche die Arbeiterin als Frau und Mutier zu erfüllen hat. Der Arbeitrrinnenschiitz ist iiotiveiidig inl Interesse der Gesundheit des weiblichen Proletariat?»nd im Hinblick anf das Wobl der koniiiiendc» Generation. Tic Natur de»»vciblichcn Geschlechts bringt es mit sich, dast die Frau durch die gcsimdbcitSschädlichcn Einflüsse der Industrie- arbeit besonders schwer betroffen wird. Raiiientlich ist die Nacht- arbeit dem weiblichen OrgaiiiSiniiS schädlich. Dieselbe ist zivar für Fabrikarbeiterinnen abgeschafft, dagegen herrscht sie in der HanS- iudlistne in ansgedchutcin Plaste. Aber nicht nur die Nachtarbeit, auch der lange SlrbcitStag zehrt an der Ge- stiiidheit der Arbeiterinnen. besonders wenn man bedenkt, dast die Frau nicht iinr Fabrik-, sondern auch Hailssklavin ist. Wie durch ärztliche Autoritäten feflgcstcllt ist. ist die anhaltende Arbeit a» der Nähmaschine für junge Mädchen und für Fraueu zu geivlffc» Zeiten eine Ursache danerndcr Schädigung der Gesundheit. Lstic verheerend die Bcschästigiiiig in Betriebe», welche Blei. Queck- silber und andre giftige Stoffe verarbeite», ebenso die Thätigkcit in der Tabakiiidnstric ans die Gesimdhcit der Arbeiterin»«, und ihrer 1 Rcichkoniinenschaft wirft, das ist so bekannt und spricht mit so zwingender Notwendigkeit für den Arbeiteriii»cnschutz. dast e? der Erbcbniigcn nach dieser Richtung nicht inebr bedarf. Die Frau. welcher der Kapitalist das Marl au» den Knochen und daS Blut ans den Adern gesogen und blinkendes Gold daran? gemünzt hat, kaim nicht die Mutter eine» geiiindeil Geschlechts werden,»nd die in endloser Arbeit ausgebeutete Mutter kann nicht die Zeit finden, sich der Erzichnng ihrer Kinder zu widmen. Ii» Hinblick auf diese Tbatsache steht es der herrschenden Gesellschaft schlecht an, über Ver- rohiiiig der Jugend zu klagen iiiid ein Gesetz zu machen zur Zwangs- erziehniig derjenigen Jugelid. die»»angelS der erforderlichcu Mittel nicht in der Lage ist, staiideSgemästen Lastern zu fröhuen. c Wir verlangen Schutz nicht nur für die verheirateten,- sondern auch für die ledigen Arbcitcrinne»»nid sinngeniäste Anwen-. dlmg der Schiitzvorichriftcn anch auf die»vciblichcn Aiigeftellteii im! an» der Welt schaffen. Wenn den Frauen die Fabriken verschlossen sind, dann»viirdcn sie sich der Heimarbeit zu- 'wenden nnd infolgedessen nicht einmal den dürftigen Schutz gcuiesten. welcher den Fabritarbeiteriiineil zusteht. Ei» Verbot der Fabrikarbeit für verheiratete Franc»»vürde eine Vermehrung der Koiikilbinate zur Folge haben. Wir sind zwar nicht gegen freie, anf gegenseitiger Neigung beruhende Ehen, aber da die gesetzliche Ebe doch den Kinder» einen gcivisicii gesetzlichen Schutz gewährt, so wünschen»vir nicht die AiiSdehniing der Konkubinate. Die in- dnsiricllc Francuarbeit ist die Voraussetzung für die»virtschaftliche Selbständigkeit»nid die politische Gleichberechtigung der Frau. dar»»» sind»vir nicht für ein Verbot der Frauenarbeit, aber für ansgcdchiiten Arbeiterinuenschntz, denn dieser gicbt den Frauen Zeit, sich fortzubilden, an den geiverkschaftlichei» nnd politischen Bestrebmigen der Arbeiterklasse teilzunehnien»md mit einzutreten in den grosten Kamps für die Besreiiing des Proletariats. Wir fordern sociale Reformc» als Mittel zur socialen Revolution. Der ivirkmigSvolle ziveistündige Vortrag fand stürmischen Beifall. Eine Resolution»vnrde cinstiminig aiigenomiiicu, ivclche besagt, dast die Bcrsainmlniig sich den Ansführiingen der Referenti» anschliestt, und ansgcdehntc'n gesetzlichen Arbcitcriinienschntz gemäst den Forde- rungc» des socialdciiivkratischcii Programms und den auf dein Parteitag aufgcstelltcii GesichtSpunllen fordert. Prozeß v. Kriegsheim nnd Genossen. Vierzehnter Tag. Staatsanwalt Kleine erhält das Wort zum Plaidoyer. Er leniizeichiiet den schmutzigen Charakter de» Angeklagten V.Kriegs- heim, dessen Verbreche» um so schiverer ins Gelvicht fielen, als bc« sonder? glückliche Vcdingnngcn vorhanden gewesen seien, um dieseir Mann z»i einem tüchtigen Mitglieds der bürgerlichen Gesellschaft zi» machen. Di- lange Untersucknnigshaft habe der Angeklagte seiner Verschniitztheit zuzuschreiben. Unter ander»» führt der Staatsanwalt ans: Jeder Llerbrechcr hat einen Angenblick, Ivo er die innersten Triebfedern seines Handelns.offenbart. Der Angeklagte hat dies in einem Briefe gethan, i» lvclchcin er sagte:„ich fürchte mich vor keinem Stantsänivalt, Uiitcrsuchlingsrichter oder Gerichtshof; ich»verde mit ihnen alle» fertig, man brauchtblost soviel zi» schreiben, dast sie alle müde»verde Nach dieser Methode hat er denn anch»virklich ivährcnd de» ganzen Bor- Verfahrens gehandelt. Ter Verhandlung standen insofern groste Schlvicrigkcircn im Wege, al» bei der Länge der Zeit viele Zeugen in ihrer Eriiincrnng nicht mehr fest genug waren. Hin die Schuld des Angeklagten nachzulveisen. Desbalb werde in vielen Fällen der Anklage Freisprechung erfolgen»lüsten. nicht»vcil kein Engel so rein ist.»vie Herr v. Äriegsheini, sondern iveil die Bcivcise nicht ausreichen. Wie ein geschickter Ein- b r c ch e r schon beizeiten s e i» A l i b i p r ä p a r i e r t. so hat der Angeklagte schon Jahre voran» da» System festgelegt,»ach ivelchcm er die vcrtrauniSlcligcii Leute rupfen z» können glaubte, ohne mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt zu koininen. Als er schlicstlich ganz fertig war. da geschah etlvas, was in Berlin schon sprichivörtlich für jc»ia»d, der pleite ist, geworden ist: der Angeklagte lv u r d e B a» k d i r e k t o r! Er bat seine Thätigkcit in der Bank mit cinci» Schivindcl begomien, indem er bezüglicv der Zahlniig des Grundkapitals falsche Ein- tragimgc» in da» Genosscnichaftsrcgister veranlasttc. Die 5000 M., die er dem Notar vorzeigte, erinnern an die S ch a u s p i e l e r» n, deren glitzernde Brillanten da» Publikui» in Erstaunen setzen, lvührcnd die Trägerin derselbe» weist, dast hinter den Conlisieii schon der I n iv e l i e r st e b t, der ihr den Schmnck geborgt hat»nd darauf bedacht ist, ihr ihn nach dem Gebrancki sofort»vieder abzinichinei!. Ter Staalsamvalt bcaiiiragt schliestlich gegen v. Krieg? Hein» drei Jahr sechs M o» a t Z n ch t h a u s unter Anrechnung von 4 Monate», 5 Jahre Ehrverlust mid 3000 M. Geldstrafe event. noch 300 Tage Z»chtba»§. Bei Wistman» lästt der Staatsanwalt säintlickic Ai'.ktagcjälle fallen bis ans cilicn Fall der Uiitrelle.»vostir er sechs Monate Gefängnis niitcr voller Iliirechnung auf die Untersuchinigshast beantragt. Es sei ja bedauerlich, dast Wist- mal», so lange in Iliitcriiichungshast habe zubringen miisten, er sei daran aber nicht unschilldig. Tie Bcrtcidigiiug. SllS erster Verteidiger trat Rechtsanivalt Wronker für mildere Denrtcilni'.g verschiedener Straslhaten des Angeklagten v. KriegSheim ein. Ziigcgeben fei, dast der Angeklagte nicht die EröfflNingSbilauz gezogen»nd Bücher nicht ordnnngSmästig geführt habe, es liege aber eine Zahluiigseiiistelliliig in der Allgemeinheit nicht vor und deshalb lömic v. KriegSheim auch nicht ivcge» Vergehen» gegen die picichS-KonlnrSordnnng verurteilt werden. RcchlSamvalt Morris ivendcl»ick gegen den StaaiSanlvalt, der als ein Schuldbeivusttsci» deö Angeklagteir hervorgehoben habe, dast dieser zuerst mit 5 Verteidigern uiid zuletzt noch mit 3 auftrete. Der 'Verteidiger bckäinpft auch den Gedanke», dast es hier darauf aiikoiiimcii könne, dost der Angeklagte von Adel»ci. Hierum habe sich der Gerichtshof absolut nickt zu klimme» n, sondern er habe höchstens darübernnchzudenien. in»vie»vcit Erziehniig iind Lebensgeivohnheit deS Angcllagtcii bei der Abineffiuig der Strafe i» Erwagmig zn ziehen ist. Da dürfe doch nicht vergessen werden, dast der Angeklagte, der mit dem für Offiziere üblichen Moste von Bildimg in das Heer eintrat. in dem Slngcnblicke. als er durch widrige llmstände zum Verlasse» dieses Berufs gezwiinge» ivar. plötzlich in ci» ChaoS hineingeriet, in welchem er»ickil mehr die richtige» Wege zu finde»»vnstte. Der Angcllagte leidet in geivissem Sinne an iuora.1 insauitz-, er gehört zu den Uebermeuschc», denen das richtige Verständnis dafür fehlt.>v o die Grenzen von Gut uiid Böse liegen. Für den Fall der Vernrleilimg in einzelnen Fälle» müffe berücknchtigt»verde», dast der Angeklagte 1 Jahr 9 Monate llutersnch»iigSbaft hinter sich habe, die wesentlich uiivcrschnldet von ihm ertragen worden ist. Rechtsanwalt Dr. Schwindt führt an,»vcnn man eriväge, dast der Angeklagte durch die Bc»'handl»»ig von uiancheii» Verdachte gereinigt lvordei» sei, so liege die Sache doch nicht so, dast das Ucbrigbleibciide de» Angeklagteii ins ZnchthaiiS führen»lüffe. Ter Verteidiger schlost. indem er der Horfnung Ausdruck gab, dast der Gerichtshof de» aus einer hochachtbaren und Hachau gesehenen Familie ftaNnnenden Angeklagten voir der entehrendsten Strafe, dem Zucht- Hanse, bewahren»verde. Für den Angeklagten Wistmann beantragt Ncchtsaimialt Dr. Schneider völlige Frcisprechinig. Darauf»vnrde die Verhandlung bis Freitagvonnittag 10 Uhr vertagt._ Vevlanunlungen. Der Wahlvcrrin für dru vierte» Berliner Wahlkreis «Bezirk Osten) hatte am Dienölag eine Bersaiimiinng anberaninr. ii« der Robert Schmidt über das Tbcina: Haben die Llrbciter einen Nüven von dem wirtschaftliche» Anfschwung? referierte. Redner bejahte die Frage, wies aber darauf bin, dast die Kapitalisteil den gröhlen Vorteil eiiihciinscn. Der Anteil der Slrbcitcr sei ein vcr- hältnismästig geringer und»niisse fast allgemein im schweren Kampf durch die Gelverlschaft errungen werden. Eine TiSkuision folgte dem Vortrag nicht. Von de» übrigen zur Erledigung gelangteii Gegen- ständen sei hervorgehoben, dast der Vorstand, einer Anregung aus der Vcrsaiiiniliiiig folgend, in nächster Zeit die Frage der Konsum- vereine zur Debatte stellen wird. Die Tteinbildhancr hielten am Mittwoch eine öffentliche Ver- sammlung bei Grupe, Amieiistraste. ab, um zu dem Resultat der bisherigen Verhaiidlimaen mit der Firma Gebr. Z e i d l e r zwecks Emfuhruna der Lohnarbeit Stellung zu nehmen. Nach dem Bericht I seitigt werden soll, wie dies bereits bei den andern Firmen der l angenommen werden. Außerdem gelangte eine Resolution zur An« der Koinmissio» die mit dem Vertreter der Firma Zeidler ver- Fall ist. Gegenwärtig arbeiten von'22 Stcinbildhauern überhaupt nähme, in der die Stcinbildhauer verpflichtet werden, die Aecord-- bandelte, ist den Stcinbildhauern infolge der wiederholten Vor- nur 4 im Aecord. Nach längerer Diskussion erklärten sich die Ver- arbeit bei säintlichen Firmen zurückzuweisen und d,e etwa deshalb steNungen die Zusicherung gegeben worden, daß in Zukunft sammelten mit dem Zugeständnis einverstanden, und soll von einer I Gemahreglten thatkräftig zu unterstützen. auck auf dem � Platz Zeidler' die Accordarbcit möglichst bc-> Arbeitseinstellung abgesehen, jedoch neue Aecordarbcit nicht mehr__~___ Aiir de» Inlmlt der Inicralc tberiiiinint die Redatiio» dein V»blik»iii gegenüber keinerlei Bcraniwortnug. T lirntou. Freitag, 16. Februar. lLper»t>a»S. Der Wildschütz. An- lang 7>/z Uhr. Echanipielhaiis. Die Braulfahrt. Ansang 7l/z Uhr. Teiitscheo. Der Probckandidat. An- sang 7'/, Uhr. Kessiiig. Als ich wiederkam. Anfang 7> 2 Uhr. Berliner. Libuffa. Anfang 7>/z Uhr. Neues. Nackte Kunst. Anfang 7>/z Uhr. Schiller. Der zerbrochene Krug. Hierauf: Auiphitryo». Anfang 8 Uhr. ivs, sie». Der Bärenhäuter. Anfang VL Uhr. Thalia. Jur Himmelhof. Aufaug 7- 2 Uhr. Residenz. Die Dame von Maxim. Anfang 71/3 Uhr. Luisen. Der Widerspenstigen Zäh- inung mit dem Kesselflicker- Vorspiel. Ansang 8 Uhr. Central. Die kleine Exccllenz. Auf. 7-/2 Uhr. Carl Weih. Standhafte Liebe. Anfang 8 Uhr. Bclle-'Allianrc. Onkel Bräsig. Anfang 8 Uhr. Victoria. Berliner Bilder. Ansang 8 Uhr. Friedrich- WilhelmstädtischcS. Allein in London. Ansang 8 Uhr. Metropol. Specialitälcnvorsiellnng. Die verkehrte Welt. Ansang 8 Uhr. «Poll». Specialitäten- Borstellnug. Im Reiche des Jndra. Anfang 7>/i Uhr. Palast. Specialitäten- Vorstellung. Anfang?>/, Uhr. Reichshalleu. Stettiner Sänger. Ansang 3 Uhr. Passage- Pnnaptitiini. Special! täten-Vorslellnug. Urania. Iuvalidenslr. 57/4i2. Täglich abends von 5— 1v Uhr: Stcrnmarle. Taubenstrake 48/4». Abends 8 Uhr:»Von den Alpen zum Vesuv". Im Hörsaal: Dr. Schwahn: »Tie Gletscher und ihre Thätig keit/ Schiller-Thtliltr tWallner-Thealcr). Freitag, abends 8 Uhr: De? zerbrochene Krnc. Lustspiel in X Akt v. Heim. v. Kleist. Hierauf:.4niphUrz'oii. Lustspiel in 3 Akten nach Moliäre von Heinrich von Kleist. Vonnabend, abends8Uhr: IVVochrveller. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Das Kttthchcn von llellbronn. Abends 8 Uhr: Frendvoll und Icldvoll. Thalia-Theater. Tel. Amt IV« 6440. Dresdenerstr. 73/73. Täglich: Riesenlacherfolg k Im Hitnmelhof. lhomas, Thiclscher, HelinerdiNg, Junkennan», Paulmüller. Anfang 7>/z llhi-. Morgen und folgende Tage: Im Hiuinielhof. V�rntrnl Twente».' Direktion: Xosö llsrouerx. vis kleine Excellenz. pperettc in drei Alle» von Ztichard Hellberger. Anfang 7>/z Uhr: Morgen und folgende Tage: Die Neine Excellenz. Solinlagnachmiitag 3 Uhr zu halben Preisen: Der Xixcilncrbaron. Operette von Johann Straus;. Tniibcnstrassc 48/4 it. Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen zum Vesuv", Hörsaal: Dr. Scluvalin:„Die Gletscher und ihre Thätigbnit". Iiivalidcnslr. 57/03: Tägl. Stern wnrtc. Nachmiltags 5—10 Uhr, ■Passage-Panopticinn." Geöffnet 9 Uhr lrlili bis 10 Uhr abends. Neu! Die Neu! 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Uhr: Gala-Vorstellung. 10 der best. Nui». und die nciiesieii Originaldressliren des Dir. Alb. Schilmann. Zinn Schlust Hv. Faii�t. Eine romantisch-phantastische Handlung von August Siems. In Scene gesetzt vom Dir. Albert Schumann und Hofhilllcttniciflcr A. Siems. Musik von SM. Hencr. Regie Ballettmeister Reifinger. l.Afl: Im Studierzimmer des Dr.Faust. OV* Ii" Ilciche der I.iebc. 2. Akt: Ein Schützenfest Im 16. Jahrhundert. 3. Akt: Der Hexensabbat auf dem Blocksberge. Fmi�ts HOlIcnrahrt. Sonntag: 2 gr. Vorstell., nachm. 3l/z und abends 71/2 Uhr. Nachm.: Alls allgemeines Verlangen: Im Welh- nachtsbazar oder: Die Puppen-- Königin. Nachm. 4 Uhr ein Kiild frei. Abends 71/3 Uhr. Dr. Fari«»t. Der Billetverkailf für die numer. Plätze zu der Sonutagabeud-Bor- stellnug findet erst am Sonntag- morgen von 10 Uhr ab an der Eirkus- lasse statt. Kottbnscrotr. 4 a. Heute Freitag und morgen Sonnabend wegeil BereinSfestlichleiten.: Ii c l I» Q»i<» i I- c c. Sonntag, den 18. Februar: Uollmsuns Hoffmann als Priijihtiit Ariiger. l-ioräoito örMO-Teier m Gunsten des Bauiosul« den Freireligiösen Oemeincle am Montag, den 19. Februar, in Kellers Festsäleu, Koppenstr. 29. Grosses Vokal- und Instrumental-Konzert unter Mitwirkung des g/emiachten Chors der Freireligiösen Gemeinde. Festrede, gehalten von Prof. I>r. Albert Oehrke. Aus dunkler Zeit! Lebende Bilder, arrangiert von A. Hoktmann und B. Schröder, mit verbindendem Text Hoffmann und B. Sehröder, von C. M. Seävo'a. IV. Bild: J o Ii a u u Hu««. „O saneta simplicitasl" V. Bild; IL n t Ii e r. „Hier stehe ich, ich kann nicht anders 1" VI. Bild: Ctiordiiiio Bruno. Verbrennen ist leichter, denn widerlegen;" VII. Bild:[C2/4 Apotheose: Sieg de« lleusclieiituius. Dichtung, vorgetragen vonX'.*1. Sciivola. Kostüme aus dem Atelier von B. Schrüder, Passauerstr. 3. Anfang 8 Uhr."T®® Billcts a 30 Pf. erhalten die Mitglieder in den Billetsicllen der freireligiösen Gemeinde. Abendkasse findet nicht statt. Das Komitee. I.Bild: B u(l il Ii a. Vom Königsthron zum Volke. IL Bild; S o 1t r a les. Letzte Augenblicke im Kreise seiner Schüler. III. Bild: Christus. „Kreuziget ihn! Kreuziget ihn!" Nach der Aufführung; Geselliges Beisammensein. Reiehshallen. Täglich: Stettiner Silngcr ß« Ansang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Eniree 50 Pfennig. Vorverlanf 40 Pf. Aoßsrtigts Progliuiiiii! Cirhii« Bäsch. Heule, Freitag, den in. Februar 1000, abdS. 7l/z Uhr: Gr. hum. Klown-Abenck. Zum Üb. Male: Die C'ninorrn. Amateur- Konkurrenz- Reiten, 50 M. Prämie. Charivari von 100 KlownS. Frl. Martha Hohuh«, Schnlreiterin Signor Ricardo mit sei», wunderbar diess Hunde». DieMalweek-Akrobaten- Tronpe. VI. Noacks Theater, Lriiinienstrahe IB. Neu! Neu! Der jiiilgste lieiltettattt. Posse mit Gesang in 3 Akten v. Jacobsohn. Musik v. Lehnhardt. Jeden Svnutag. Dienstag und Donnerstag nach der Vorstellung: Tanzkriinzchett. Quittung»- Harken und[130/1* Kantschnkstempal lief, seit 22 Jahren für tausende Kassen u. 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Februar, und Sonnabend, den 47. März» frei geworden. Festsäle Neues Klubhaus, Koiumandanteustr. 72. Jeden Sonnlaj:: Grosser Ball. Deutscher Metaliarbeiter-Yerband (Verwallungsslellc Berlin). Torfes- AnzelKe. Am Dienstag, den 13. Februar cr starb unser langsähnges Mitglied, der Schlosser fmlli'lGli Hieronimus. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, de» 16. Februar, nachmittags a'/s Uhr, in Hcckclberg bei EberSwaldc statt. 111/1 Die OrtSverlvaltung. aaamxmBcasmmatmmmm Danksag«, kg. Für die herzliche Teilnahme sowie, die schönen Kranzspenden bei der Beer- dignng meines lieben Mannes sage ich allen Frennde» und Verwandten, den Kollegen der Fabrik von C. F. Schulze n. Co. sowie dem„Verbände Dcinscher Metallarbeiter" meinen herzlichsten Dank. sZ430b Witwe 1?. IlSoric geb. Gauert. DanksogniiF. Allen denen, irelchc bei der Beer- dignng meines lieben ManneS, des Steindruckers Wilhelm Waibcl, diesem die letzte Ehre erwiesen haben, insbesondere den Kollegen der Firma Hagelberg und dem Personal der Arma Littaner n. Bohsen, sage ich hiermit für die rege Teilnahme und reiche Kranzspende meinen herzlichsten Dank. Ww. Klara Waibcl geb. Pollmcr. 3748b- Dr. Hnniburger. 24, 8— 10, 4—6. -inrürfgerchrt! Dr 1" Hussitenstr Baustellen In Schöneberg Nlit mätziger Anzahlung, genehmigter Zeichnung nnd Baugeld. Adrcfle» linicr G. J an die Expedition des„Vorwärts". 2416b _. Die weltbekanntc vettfedei-n-Fabrik GustavLustig. verlinS..Prinzen. » straße 4li, versendet gegen NachnanMt ? garant.ncne Vettsedern d. Pfd. 5c, Pf.. chinesische palbdaunen d.Pfd.M.1.25. icfsere valbvounen d. Pfd. M. 1.78. Vorzügliche Dnnnen d- Pfd. M. 2.85. von Vitien Donnen genügen bis! Pfnttd zum nrohen Oberbett. Verpackung frei. PreiSl. u. Proben gratit. Viele Anertennungsichr.�j ?riiiia-8eiiiiittei a l»fd. 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Februar 1900, ln Schnegelsbergs Fcstsälc» lJuhabcr Schindler), Hascnhcide 21. ZlM" �riiranx 8 l'Iii*. Billets n 50 Pf. find zu haben Im Mhetts-NachlveiS, Naimhu- strahe 78, bei Grund in an» und bei sänitlichcii Vorstaudsniitgliedem. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Berein die Urania zum Sonntag, den I. April, nachmittags I Uhr, gemietet hat. Billets zu dieser Vorstellung können abgehoben werden und zwar bei dem Kassierer Honsel, Neidienbergcrstr.<>8 vorn.'! Treppen. 141/(3 I.A.; G. Dorf ort, Vorsitzender, Grsinancrstr. 25. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Seute Freitag, abends 8V« Uhr. bei Polin, Bcuthftr. SO 21: iler Verwaltung. Parkettbodeuleger Sonntag. 18. Februar, vorm. 9Va Uhr. bei Bnsbo, Greimdierstr. 33: DerlÄntittlttng. T a g e S- O r d» n n g: 1. Vortrag. 2. Vorlage des abgeändcricn Tarifs. 3. Verschiedcnc-Z. Kollegen, es ist Pflicht aller, gn crsdieinen! Montag. 19. Februar, abends 8 Uhr. im Lokal des Herrn Hossmann l Englischer Garten), Alexandcrstr. 27o I; Vrilllchtli-BtrsammlNd her Viirsttil- imb Piilstliiillchtr. T a g c S- O r d n n n g: Unfre Forderungen und wann stellen wir dieselben? Kollege»! In dieser Bcrsaininluug mlifse» alle Kollegen Berlins und Uiugegend erscheinen. Nni über diesen wiclitigcn Punkt der Tagesordnung Beschluß sasicn zu können. Agitiere daher ein jeder für dieselbe. 78/16 Achtung, Bau-Anschliiger: Freitag, den 1O. Februar 199». abends Uhr, bei Daube, Grcuadierstraste Sir. 33: Ansserordentliclie öffentliclie Yersamnilnng. Tagesordnung: Fall Dlnmc-cnsrlottenlnirg ES ist Pflicht der Kollegen, in dieser Versammkinig recht zahlreich zu erscheinen. 33/ ll Die Lohnkommisstou. I.?r.: August Wagner. ZaUerein der Mh uVrettertrilger. Sonntag, den 18. Februar er., vormittags 10> 2 Uhr: Mitglieder- Vefsammlmig'�WW bei Ilwalil. Zchönleinstraste Str. 6. Tagcs-Orbunng: 1. Bercinsangclrgcnhcitcn. 2. Zlnsnahinc neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes. 84/2 Nni zahlreiches Erscheinen ersticht Der Vorstand. R. Harnal. Achtung, Ulaurer! Freitag, de» 16. Februar, abends 8 Uhr. in den Arminiushallen. Bremerstr. 72-73:[136/13 Oeffentliche Verfanttttlnug mit Franen für Moabit. Tagesordnung: 1. Vortrag van Kran Altesch über: Ist die Frau verpflichtet, sich am wirtschaftlichen und politischen Kampfe zu bcleiligeu? 2. Diskuisioii und Verschiedenes. Regen Besuch erwartet_ Die«erbandsleitimg. Tisrhlev Verein. Sonnabend, den 17. Februar 1900, abends 8'/? Uhr, Melchiorstrasie IS: Uersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Narkwald über:„DaS Bürgerliche Gesetzbuch, unter bekoudercr Berülkstchtiguug des Miets- und Eherechts." 2. Ein Unter- stüvnngsgesuch und Vereinsangelegenhcitcn. 1S8/3 Damm hobelt Zutritt. Der Vorstand. Ltsinsrlzsitsi' I Aoiintag. den 18. Februar, mittag» 12V" Uhr, im Engl. Garten, Alexauders, raste 27 e: Oelfeiitliclie Ver�animlmig. Tages-Ordnung: 1. Stclliliignahnie zur Extrasteuer. 2. Stellungnahme zu den Kongreß- Anträgen. 3. Biertelsahrs-Abrcchnuag. 4. Verschiedenes. 172/6 Uni zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Vertrauensmann. MM Frieririchsberg.|||i!!«8! Ticnstag, den 20. Februar er., abends Hlji Uhr: Crosse öffentliclie Koiniininolwiler-Versamniiiiiii in Höflichs Schwarzeln Adler, Frankfurter(5haiissrc 120. T a g e s- O r d ii u n g: � 1. Vortrag des Bürgerdeputierteu PH. Thomas über die praktische Thätigkeit der Socialdeiuoüatie in der Kommunalvenvaltuiig. 2. Diotniüon, !lL. Dir Herren Gemein deoertretcr der 3. WählerNasse sind zu dieser Versaiiimlimg schriftlich rnigeladen.' 222/1 Zahlreiches Erscheinen der Wähler der 3. Klane ist Pflicht. Du» IValilbuniUec. r mi Sonntag, den 18. Februar, vorm. I« Uhr: Mitglieder-Berfammlung bei C o h n lgrostrr Saai), Bcnthstr. 20. Tagcs-Ordllnng: 1. Vcreinöungclegcilheltett. 2. Vorlraa des Genossen Di*. Fo�I über: Wisteiifchast und Weltuntergang. 3. Verschiedenes. Es erwartet pünktliches und vollzähliges Erscheinen 257 3 Der Vorstand. Verlland der Bau-, Erd- u. gewerbl. Hllfsaiklter Dorlin. Zahlstelle V. Gruppe Rabitzspanuer und Träger. Sonntag, de» 18. Februar, vormittags lv Uhr, in Penersteins Fcstsäleu. Alte Jakobstiaste 75: 3Iitg;lie(ler- Ver.saiiiuiluu�. Tages-Ord» n ug: 1. Das Einwirken der neuen Kollegen und welchen Nutzen haben wir davon? 2. Verbandsangclegmheiten. 3. Verschiedenes. Der WichNgkeit der Tagesordnung wegen ist jeder Kollege vcrpsiichtct zu erscheinen. Auch werden die Fragebogen in der Versainuilnug aus- gegeben. 32/6 Tie OrtSvcrmaltung. VeM der Bau-. Erd- und gewerblJlfsarbelter Dentsrlilands. Zahlstelle Berlin I AM- Laut Beschluß der Fcbruar-Vcrsaminlnng werden von jetzt ab in folgenden Lokalen Beiträge entgegengenommen, und zwar am Tonnabend nach dem 15. jeden Monats, abends von 8 bis 10 Uhr im O st c» bei DsbarBlmne. Gnbeiierstr 6; Süd-Ost bei Theodor Hetzner, Tkalitzerstr. 52, und in de» Versauimlimgen. 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Bei Bahn und Brunzlow haben die Maschinenarbeiter die Arbei: mtt niedergelegt. Xnzug fernhalten. Bewilligt haben gestern Schröder, Eharlottenburg und Bärwols, Äckcrstr. 148. BeranNvorllicher Redocleur: Paul John in Berlin. Für den Jpserakenteil verantwortlich: Th. Plode in Berlin. Druck tmi» Verlag von Max Bading n> Berlin. Zlr. 39. 17. Jahrgang. ko Jormätts" Sttlintt IMIott Freitag, 16. Fedrmr l'JOO. VonnnunAles. Stadtverordneten= Versammlung. 7. Sitzung vom Donnerstag, d e n 15. F e b r u a r, nachmittags 5 N h r. Vorsteher Dr. L a n g e r h a n s eröffnet die Sitzung gegen oVe- Uhr. In den Ansschnff für die Vorlage betreffend die Gemeinde- schulscrien ist auch der Stadtv. Singer gcivählt. Der WablprnftmgSausichich hat sich konstituiert; Vorsitzender ist Stadiv. M e lz e r. Folgender dringliche Antrag der Stadtvv. Friedemann und Genossen ist vorgestern eingereicht worden: Die Versammlung ersucht den Magistrat, sofort die im Krankenhaus Friedrichshain hcrgerichteteu Baracken zur Belegung mit Kranken zurVerfügung zu st e 1 1 c». Von den socialdeniokratischen Mitgliedern ist folgende Anfrage an den Magistrat gerichtet: Welche Maßregeln gedenkt der Magistrat zu ergreifen, um — gegenüber dem in den städtischen Krankenhäusern herrschenden Platzmangel— bis zur Fertigstellung des vierten Krankenhauses die Beschaffung geeigneter Räume zur Unterbringung erkrankter Personen sicher zu stellen? Ueber den Gegenstand wird an der Spitze der Tagesordnung verhandelt. Nach kurzer Begründung des Antrags Friedcmann durch den Antrag st eller bemerkt Stadtrat B a i I: Die beiden Baracken sind mit grösttmoglichcr Beschleunigung gebaut worden; die Bauabnahme ist auf künftigen Mittwoch angesetzt worden. Die Krankenhaus- Deputation hätte beide schon früher in Benutzung genommen, wenn sich ei» dringendes Bedürfnis dazu herausgestellt hätte. Das ist bisher nicht der Fall gelvcscn. sBcivcgnng.) Schwerkranke sind bisher nicht ab- gewiesen worden. Es wurden abgewiesen leichtere Kranke ans den ' Vororten, und daS wird nur gebilligt werden können.(Znstinnnnng.) Mitglieder von Berliner Krankenkassen, welche in den Vororten wohnen, aber in Berlin arbeiten, sind nach wie vor aufgenommen � worden. Wenn mau 2 neue Pavillons eröffnet, muff auch für das ärztliche und Pflegepersonal Vorsorge getroffen werden. In dieser Beziehung hat sich die Krankcnhausdepntation schon vor drei Wochen schlüssig gemacht, so daß, wenn Not am Vtaim ist, die Besetzung nach 24 Stunden erfolgen könnte. In den 16 Jahren, die ich in der Krankenhaus- Verwaltung stehe, hat sich der Vorgang, der jetzt in die Erscheinung tritt, alljährlich ivicderholt. Es ist die Zeit von Mitte Dezember ab, die sogenannte Arbeitslosen- zeit, wo der Andrang stets größer wird. Heute mittag 12 Uhr waren im Krankenhans Friedrichshain 23 Betten für Männer frei. auf der inneren Abteilung 16. auf der chirurgischen 7; für Frauen 15 (10 und 5); für Kinder 25 Betten(8 und 17). In Moabit waren frei für Männer 51(31 und 20). für Frauen 10(7 und 3), für Kinder 7. Im Urban krankenhanS sind unbelegt geblieben für Männer 23(12 und 11), für Frauen 6, für Kinder 12. Der Urban ist also verhältnismäßig an:»reisten belegt. In den letzten Tagen haben da auch einige Abweisungen stattgefunden. (Aha I). Ja, ja. ja(Heiterkeit). Am 13. sind abgewiesen in Moabit 1 Frau und 1 Mann, weil die Aufnahme nicht dringend war. ferner einige Patienten mit Hantlciden, welche sich poliklinisch bc- handeln lassen konnten. Es ist mich richtig, daß auf tele phonische Anfrage von der Centralstation wiederholt geantwortet iverden mußte, daß Plätze nicht frei seien. Das liegt daran, daß in der kritischen Zeit von 9—10 Uhr vonnittags vor der Entlassung solche Anfragen kommen, ehe der Arzt noch seine Visite gemacht hat. Wir haben jetzt im Friedrichshain 696 belegte Betten von 800 inkl. der Kinderbetten, in Moabit 904 von 930(inkl. der 80 Kinder- betten), im Urban 567 von 645. Erfahrungsgemäß pflegt der Krankenbcstand von Mitte Februar ab erheblich nach zulaffen; sollte aber Not an Mann kommen, so wird die Venvaltung nicht zögern, die beiden Pavillons zu belegen. Stadtv. Dr. Frendenberg: Wir werden für den Antrag Friedemann stimmen, behalten uns aber unsre Anfrage vor, da wir auch die Eröffnung von 150 neuen Betten für keineswegs dem Bedürfnis ent sprechend halten. Denn ein Bedürfnis besteht trotz der Erklärung desStadt rats. Merkmürdig. daß diese alarmierenden Zeitungsnotizen durch a l I e Z e i t un g e n gegangen sind, selbst durch diejenigen, welche sonst der Verwaltung sehr freundlich gegenüberstehen. Lcichtcrkrankte und solche aus auswärtigen Gemeinden sind zugegebenermaßen öfter abgewiesen worden. Gegen solche Abweisungen ließen sich vielleicht auch juristische Einwände erheben; abgesehen davon wäre es aber doch auch volkswirtschaftlich zu wünschen, daß diese Kranken dort Ausnahme finden, denn zum Vergnügen gehen die Leute doch nicht in die Krankenhäuser(Widerspruch und Zurufe), auch handelt es sich in vielen Fällen um ansteckende Krankheiten, deren Ver- brcitnng am ehesten im Krankenhaus verhindert werden kann. Daß in dicicr Jahreszeit diese Erscheinung immer eintritt, giebt der Stadtrat selbst zu; das wird also von'der Vcrivaltung als regulärer Andrang angesehen, und für den hat man' nicht einmal durch die genügende Anzahl von Betten Vorsorge getroffen! Der Arzt muß sich in diesen Tagen sehr überlegen, ob er einen Kranken ins Krankenhaus schicken soll, weil er weiß: der Kranke wird abgewiesen oder mutz eine Rundfahrt machen. Die Rcttungs- gesellschaft sagt auch meistens: Es ist kein Bett frei; ich habe diese Nachricht nicht bloß morgens von 9—10, sondcriwauch einmal nach mittags zwischen 4 und 6 Uhr bekommen. Seiner Zeit haben wir in der Zeit von drei Monate» ein Baracken- Kranken- hauS aus der Erde gestampft, das so vorzüglich ist, daß es heute noch fast ganz in Benutzung steht; heute will man in die Säle einfach ein paar Betten ein- schieben, und das erklärt man dann für eine mustergültige Ver- wältüng l'(Beifall.) Stadtv. Dr. Langerhans: Diese Klagen halte ich doch für ungerecht. Ich bin in der Gesundheitspflege- und in der Krankenhaus- Deputation; wir bemühen uns dauernd, Abhilfe zu schaffen für alle berechtigten Beschwerden. Sie haben heute gehört, wieviel Stellen frei sind.(Zurufe: heute!) Es ist ein Fehler, daß die aufsichtführenden Aerzte bei der RcttungSgcsellschaft oder den Krankenhäusern so unzutreffende Auskunft geben. Seit lange wollen wir die Krankenhäuser von den Siechen befreien. Wir haben nicht genügende Siechenhänser; dem soll jetzt abgeholfen werden. Mit den erfolgten Abweisungen ist nur geichchcn, was recht ist; tvir können nicht für die ganze Welt Krankenhäuser unterhalten, tvir wollen aber für Berlin sorgen und gut sorgen. Schwerkranke werden nicht weggeschickt. Hätte der Magistrat alle Zeitungsnotizen bcrich- tigen sollen, dann wäre das eine dauernde Schreiberei des Magistrats an die Zeitungsschreiber; die sollten sich doch zubor genauer in- formieren, che sie so etwas schreiben. Leere Krankenhäuser können wir doch nicht hinstellen.(Rufe: Doch!); das wäre einer sorgsamen Gemeinde nicht würdig. Stadtv. Singer: Unsre Anfrage hat Herr Stadtrat Bail nicht richtig verstanden. Nicht für den nächsten Winter wollen wir Bor- sorge treffen, sondern wir gehen von der Ansicht ans, daß die gegen- wältigen Krankenhäuser nicht ausreichen, und der Magistrat bis zur Fertigstellung des vierten Krankenhauses, die noch mehrere Jahre aufsich warten lassen wird, inzwischen Vorsorge treffen muß. Nur zufällig trifft unsere Aufrage mit dem Antrag Friedcmann zusammen. Die That- fache, daß heute einige Betten frei sind, mit Beifall zu begrüßen, bc- deutet Vogel-Strauß-Politik treiben.(Lärm und Zustimmung.) ES klingt doch eigentümlich, daß gerade heute so viel Entlassungen statt- gefunden haben.(Unruhe.) Aus den Entlassungen vor dem heutigen Tage hätten wir Genaueres ersehen können. In weiten Kreisen der Bevölkerung empfindet man es als Uebelstand, daß vielfach Kranke entlassen werden, welche mit ihrer Genesung noch nicht so- weit sind, daß ihre schwachen Kräfte ihnen die Sorge für ihren Unterhalt ermöglichen. Auch nach den Mitteilungen des Magistrats bleibt die heutige Krankenhansnot bestehen; wir müssen zur Abhilfe Baracken oder Mietsräume beschaffen, damit uns das beschämende Schauspiel erspart wird, jeden Tag in den Zeitungen lesen zu müssen, wie eS steht.(Große Unruhe.) Der Vorsteher spricht von Zeitungs- schrcibcrn; er wird dabei keine herabwürdigende Absicht gehabt haben, aber abgesehen davon, die Presse ist die Vertreterin der öffentlichen Meinung; und hätte sie etwas Unrichtiges geschrieben, so hätte der Magistrat einfach die Pflicht der Richtigstellung. Was in der Sache noch zu sagen ist, behalten wir uns vor für den Moment, wo der Magistrat unsre Anfrage beantworten wird. Stadtrat Bail: Keineswegs hat beute eine stärkere Entlassung von Kranken stattgcftnidcn; ein Verfahren, wie es Herr Singer snpponiert, wäre durch und durch gewissenlos. Vorgestern sind im Fricdrichshain aufgenommen 23, entlassen 21, Urban 19 bezw. 14, Moabit 33 bezw. 41, in der Gitschincrstr. 7 bezw. 6. Diesen Ver- dacht muß ich also mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Es scheint, als ob die betreffende Zeitungsnotiz ans ganz bestimmter Absicht geschrieben worden ist.(Hört l' hört l) Was in Zukunft geschehen soll, läßt sich heute schwer sagen, daS wird sehr von der Kranken- bewcgung selbst abhängen. Ich füge dem vorher Gesagten noch hinzu, daß wir auch im' städtischen Obdach eine Krnnkenstation haben, ivelche 100 Betten aufnehmen kann. Näheres läßt sich heute noch nicht sagen. Im Schlußwort giebt Stadtv. Friede mann seiner Freude Ausdruck, daß die Mißstände nicht in dem behaupteten Maße vor- handen seien. Bezüglich der Urheberschaft der Zeitungsnotiz hätte sich der Stadtrat etwas deutlicher aussprechen sollen; es könnte leicht ein falscher Verdacht auf Unschuldige fallen. Abhilfe ist immerhin erforderlich, denn die Auskunft, es sei kein Platz, ist mehrfach gegeben worden. Es wäre auch durchaus nicht unter der Würde des SWagistrats gewesen, diesen wiederholten Veröffentlichungen gegenüber das Wort zur Richtigstellung zu ergreifen. Es steht fest, daß ein Kranker über drei Stunden lang vergeblich von einem Krankenhaus zum andern gefahren worden' ist, ohne Unterkunft zu finden. Der heutige und der gestrige Tag waren auch keineswegs die schlimmsten; vorher haben wir viel schlimmere Tage gehabt. In der Erwartung, daß die Debatte zur Beruhigung der Bürgerschaft beitragen wird, ziehe ich den Antrag zurück. Stadtv. Frendenberg nimmt den Antrag wieder ans, der Vorsteher will das aber nicht zulassen, da die Beratung bereits geschlossen ist. Nach einiger Zeit überzeugt sich der Vorsteher, nach- dem ihm Stadtv. Singer die Geschäftsordnungsbcstimmnngen hier- über unterbreitet hat, daß seine Weigerung nicht gerechtfertigt war. In der Abstimmung wird der Antrag Friedemann darauf ab- gelehnt. Der Ausschuß für die Vorberalnng des MagistratSvorschlagcs, das Grundstück L i n k st r. 7/8 behufs Errichtung einer W e st- f i l i a l e der S p a r k a s s e für 550 000 M. anzukaufen, hat diesem Vorschlage gegen zwei Stimmen zugcstiinnit. Die Vorlage wird nach kurzer Debatte angenommen. Die Vcräntzerung des St r a ß e n l a n d c s zwischen den Grund- stücken Blumen st r. 10/13 und die Festsetzung einer Fluchtlinie für dasselbe an der Blumenstraße soll unter den vom Magistrat mitgeteilten Bedingungen(Zahlung von 10000 Mark seitens des Eigentümers Strcive. der die übrigen Grundbesitzer abzufinden hat) crsolgcn; doch ivird die weitere Bedingung daran geknüpft, daß mit der Bebauung innerhalb zweier Jahre begonnen sein muß. Stadtv. Lange will auf die Offerte nicht eingehen; das Terrain, welches abgetreten werden soll, sei mindestens 20 000 Mark wert. Die Ansschnßmchrhcit habe den dort interessierten Grundbesitzern diesen Schönheitsfehler ihres Besitzes beseitigen helfen tvollcn. ohne ihnen ein Opfer aufzuerlegen. Stadtv. H i n tz e: Es bleibt durchaus sonderbar, daß Herr Strewe sich selbst von 5000 auf 8000 und 10 000 M. heranfgchandclt hat, che die Sache an uns gelangt ist. Sonderbarer noch ist, daß jetzt plötzlich diese Sackgasse zur Ablagcrungsstätte für Unrat und Kehricht und abends und nachts zum Rendezvous für Dirnen und Louis erklärt wird! Den Anwohnern und mich mir, der ich diese Gasse seit 1873 kenne, ist nicht daS mindeste davon bekannt; sonst wäre doch auch längst ein Schutzmann dort stationiert worden! Nicht wir haben Herr» Strewe, sondern er hat uns für die Uebcrlassnng zu danken; er will bauen, zu diesem Zivcck allein kauft er doch; man kann uns also nicht darauf verweisen, daß eS sich um Straßculand, nicht um Bauland handelt. Wie kommen wir dazu, in diesem Falle dem Adjazeuten so billige Preise zu bewilligen, da doch Herr Strewe seine alte Klamottcnbnde Nr. 13 ohne das Terrain gar nicht lohnend umbauen kann? Herr Strewe soll auch beabsichtigen, auf dem Terrain und dem Hinterland ein großes Theater zu erbauen. Stadtrat Hirsekorn plädiert für Annahme der Vorlage. Für die Stadt sei es von Wichtigkeit, daß dieser alte Straßentorso end- sich beseitigt werde. Stadtv. T ö r m e r hält 10 000 M. noch für viel zu viel, während Stadtv. Wallach sich auf die Seite den Herren Lange und Hintze stellt und die Erhöhung der Abstandssumme auf 20 000 M. beantragt. Stadtv. H o f s m a n n: Ich wohne eine ganze Reihe von Jahren als unmittelbarer Nachbar dort und habe niemals das geringste von Uugehörigkcitcn bemerkt. Das ist schon deshalb fast eine Unmöglich- kcit, weil das Maschincnhaus der Alhambra, die auf die Sackgaste hinausgeht, fast immer geöffnet ist. Auch wird dort nicht Kehricht abgeladen, sondern Kies für das Asphaltpflastcr, und das Spielen auf diesem KicS ist eine sehr angenehme Abwechslung für die Kinder der zahlreichen Mieter dort. Ehe Sic die Stelle für ein Butterbrot weggeben, belassen Sic sie lieber als Spielplatz!(Beifall.) Die Vorlage wird mit der Erhöhung auf 20 000 M. angenommen. Die Vorlagen betr. die spcciellcn Entwürfe für den Neubau der Realschule am S ch I e s w i g e r Ufer, der Gemeinde- D o p p e l s ch u l e n in der S t r a ß m a n n st r a ß e und in der Wattstraße sind Gegenstand einer Ausschußbcratung gewesen. Das Spccialprojckt für' die Schule in der Wattstraße wird ge- nehmigt. Die Prüfung des Projekts für die Rcalschnle hat der Ausschuß ausgesetzt, bis die Vorlage wegen Verlegung des Friedrich- Wcrdcrschcn Gymnasiums nach Moabit an die Vcrfammlimg gelangt sein wird. Die Versammlung beschließt mit großer Mehrheit, entgegen dem Ausschnßantrage das specielle Projekt für die Realschule sofort zu g e n e h ni i g e n. Den specielle» Bauplan für die Gemeindeschule in der Straß« m a n n st r a ß e will der Ausschuß genehmigen, die Berichterstattung über die auf demselben Grundstück zu errichtende Schule für gewerbliche Zwecke hat er sich vorbehalten, weil der Stadt- Ichulrat Bertram an der Ausschußberatung nicht teilnehmen konnte. Stadtschnlrat Bertram giebt näheren Ausschluß über Ziel und Organisation dieser Schule, welche den Fachschulen zur Seite zu treten bestimmt ist. Die Genehmigung sei um so notwendiger. als daS eine Schulprojckt ohne das andre auf demselben Grundstück auszuführen technisch unmöglich sei. Die geplante gewerbliche Schule sei allerdings etwas Neues, in Deutschland noch nicht Vorhandenes. Die Stadtvv. D i n s e und K h l l m a n n beantragen hiernach die Genehmigung beider Projekte. Stadtv. B o r g m a n n nimmt den Ausschuß in Schutz; derselbe habe gar nicht anders vorgehen können; über die Organisation der gewerblichen Schule habe er nicht das mindeste gewußt. Die Schwierigkeit für das technische Unterrichtswcsen liege darin, daß daS Bolksschulwesen und das gewerbliche Unterrichtswcsen in einer Hand liegt. Der Stadtschnlrat Bertram hat unvergängliche Ver- dienste uii: das Berliner Volksschulwesen, aber es scheint doch seine Leistungsfähigkeit an ihre Grenze gekommen zu sein. Es wäre vielleicht gut, wenn der Herr Stadtschulrat in Anerkennung seiner großen Verdienste jetzt mit vollem Gehalt pensioniert würde.(Große Heiterkeit.) Stadtschulrat Bertram: Ich werde den Tag segnen, Wa ich mich von der Arbeit zurückziehen kann; aber mit diesem Bau scheint mir die Sache nicht zusammenzuhängen. Die Magistratsvorlage wird darauf in beiden Punkten an» genommen. Der Rest der Verhandlungsgegenstände wird abgesetzt. Nach der Verhandlnng des Antrages Friedmann hatte die Ver- sammlung die engere Wahl zwischen den Stadtvv. W i e n st r u ck und Singer für die Mitgliedschaft in der S ch u l d e p u t a t i o n vorgenommen. Am Schluß der Sitzung wird das Resultat ver- kündet: Wien st ruck 71, Singer 36 Stimmen, 11 ungültig. Wicnstrnck ist gewählt._ Nommnnnles. Der StadthanShalts-Etat von Berlin für 1900, wie er jetzt vom Magistrat aufgestellt ist, schließt in Einnahme und Ausgabe mit 107 356 743 M. ab. Diese Summen verteilen sich_ a»f die einzelnen Verivaltungszweige wie folgt:„Känimerci Einn. 977 311 M., Ansq. 801844 M., Städtische Werke Einn. 7 006 660 M.. Aus- gäbe 2 441969 M., Steuern Einn. 59 864 308 M., Ausg. 749 800 M.. Kapital und Schulden Einn. 12 791719 M., Ausg. 16 467 028 M., Unterricht Einn. 2 868 482 M.. Ausg. 20 457 479 M.. Armen- Wesen Einn. 1190 849 M.. Ausg. 11810 070 M.. Kraiikcn- sowie Gesundheitspflege und Heimstätten für Genesende Ein- »ahme 2 034 895 M.. Ausg. 7103 447 M.. Park- und Garten- anlagen Einn. 18 205 M.. Ausg. 830 935 Vi., Baulvesen Einn. 5 927 360 M.. Ausg. 25 261735 M., Verwaltungskosten Einn. 751 666 M.. AuSg. 10 418 715 M., Polizeiwesen Einn. 876 650 M.. Ausg. 5 938 267 M., Straßcnbclcnchtnng, Reinigung und Besprengung Einn. 218 506 M.. Ausg. 3 698 464 M.. Verschiedene Einnahmen und Ausgaben 12 830 232 M. und 1 826 384 M. Der Etat für 1899 schließt ab in Einnahmen und Nusgaben mit 100 523 307 M.> der neue Etat für 1900 ist daher um 6 832 936 M. höher. UolrÄlles. Zur Lokalliste. Die A r m i n i u s- H a l l e n(Jnh. F. Rothe). Dremerstr. 70/71, stehen der Arbeiterschaft zu Versammlungen linter den bekannten Bcdingnngcn zur Verfügung. Die Lokalkoiiimissioiv In der gestrigen Sitzung der Stadiverorducken- Ver- sammlung kam die K r a u k c n h a u S- N o t zur Erörterung. Ein- Antrag F r i e d e in a Ii n verlangte Bereitstellung der im Kranken- Hans Fricdrichshain neu errichteten Baracken zur Belegung mit Kranken, und eine Anfrage n n s r e r Genossen wollte den Magistrat zu einer Auskunft darüber veranlasse». was angesichts der dauernden Ilebcrfüllung der Kranken-� Häuser geschehen solle. uin bis zur ciiistigcn Fertig- stellung des vierten städtischen Krankenhauses eine Untere briugiuig aller Aufnahme Begehrenden zn ermöglichen. Der MagisträtSvcrtreter Stadtrat Bail lcngncte, daß ein dringendes Bedürfnis zn außergewöhnlichen Maßnahmen vorliege. Äishcn seien nur leicht Erkrankte abgewiesen worden und im übrigen sei ja die in den letzten Wochen eingetretene Ueber- füllung nichts Neues, sondern kehre in jedem Winter wieder. Er erlaubte sich dabei, gegen die Berliner Ar- b c i t c r s ch a f t eine schwere Verdächtigung a n S- zusprechen, ohne einen Beweis dafür niifnhrcn zu können. Im Winter, sagte er, ziehen es eben insolge der um diese Zeit herrschenden Arbeitslosigkeit viele Leute vor. das Krankenhaus auf- zusucheu. Die Anfrage der socialdeniokratischen Fraktion wurde von unsrem Genossen Dr. Frendenberg begründet. Er wies mehrfach von großem Lärm derselben Stadtverordneten unter- krochen, die vorher den AuSführnngcii dcS Herrn Stadtrats lebhaften Beifall gespendet hatten— darauf hin. wie sehr die Krankenpflege durch die ständige Uebersüllung der Krankenbäuser erschwert wird, und welche Gefahren sich daraus gelegentlich für die gesamte Bc- völkcrnng ergeben können. Einen unerwarteten Verteidiger fand die Krankenhaus-Verwaltniig an Herrn LangerhanS, der die bösen„Zeitungsschreiber" für das ganze, seiner Ansicht nach unberechtigte Geschrei über die KrankenhauS-Not ver- antwortlich machen wollte. Nachdem Genosse Singer die Forde» rungc». schon jetzt besondere Maßnahmen zu treffen, mit dem Hin- weis darauf begründet hatte, daß die naturgemäß fortgesetzt steigcinde Zahl der Aufnahme Begehrenden bis zur Vollendung des vierten Krankenhauses eine ganz außerordentliche Höhe erreicht haben wird, brachte Stadirai Bail die sinnlose Verdächtigung vor, die Notizen und Artikel über die Krankcnhaus-Not würden in böser Absicht geschrieben. Herr Friedemann fand diese Anskniifty so ausreichend, daß er seinen Antrag zurückzog. Dci; Antrag wurde von F r e u d e n b e r g s o f o r t wieder anf- g e n o in m e n, wurde aber dann mit sehr großer Mehrheit— fast iiur gegen die Stimmen der Socialdcmokraten— abgelehnt. Es bleibt also bis auf weiteres alles beim alten— ein Ergebnis, das dem sehr begreiflich erscheinen muß. der sich erinnert, daß die Kranken- Häuser ja vorwiegend von der u n b e in i t t e l t c n Bevölkerung in Anspruch genommen werden, daß also in erster Linie diese unter der Krankenhausnot zn leiden hat. Die Stadtvcrordnetcn-Ergänznngswahl ist im 35. Bezirk so ausgefallen, wie wir es hoffen dursten, im 44. Bezirk so, wie wir es' befürchten mußten. Im 35. Bezirk vereinigten sich auf unser» Genossen W u r m nahezu 80 P r o z. aller abgegebenen Stimmen. An dem Rest ist der Bürgerpartcilcr mit ungefähr 17 Proz., der Freisinnige mit etwas über 3 Pro�. beteiligt. Das Wahlergebnis zeigt, daß in diesem Bezirk auch bei allen künftige» Wahlen die Bnrgcrpartcilcr nichts und die Freisinnigen tvcniger als nichts zn erwarten haben. Im 44. Bezirk, der uns bei der Hanptwahl im November gleich im ersten Wahlgang— allerdings nur mit einer schwachen Mehrheit— zugefallen Ivar, ist es den gegnerischen Parteien ge- lungen, unser» Genossen Glocke diesmal in die Stichwahl zn drängen. Dieses Resultat ist dem Wirken der erst vor der Nach- wähl aufgetauchten„M i e t e r p a r t e i" zuzuschreiben. Die„Mieter- Partei" hat es auf 321 Stimmen gebracht. Das war genug, um zu verhindern, daß Glocke gleich im ersten Wahlgange durchkam, aber für all den Lärm, den der„Micterkandidat" gemacht hat. ist es eigent- lich doch ein bißchen wenig. Freuen Ivird er sich schwerlich über die Stinmienzahl, die er erreicht hat; denn er hatte auf größeres ge- rechnet. Freuen wird er sich aber darüber, daß nun bei der Stich-; wähl seine Anhänger, so klein ihr Häuflein ist, doch ein g e- ivichtiges Wort mitzusprechen haben. Welchen Rat wird der„Mieterkandidat" Herr Daniaschkc seinen Wählern geben? Wird er ihnen empfehlen, in der Stichwahl für den Bürgerparteiler Wolf einzutreten? Als Nationalsocialcr wird er dazu bereit sein; wird er aber auch als B o d e n r e f o r m e r dazu bereit sein können? Herr Damaschke hat sich in dem Wahlkampfe alle erdenkliche Mühe ge- geben, Herrn Wolf seine Wähler abspänstig zn in a ch e u. Wolf sei überhaupt nicht zum Stadtverordneten geeignet, er könne nicht reden, er habe als kleiner Gewerbetreibender auch gar keine Zeit, sich mit den in der Stadtvcrordneten-Versammlung zur Verhandlung kommenden Fragen so zu beschäftigen, wie eS erforderlich sei. Selten ist ein Wahlkandidat von seinem Gegner so geringschätzig be- handelt worden, wie Herr Wolf von Damaschke. Aber selbst wenn Damaschke und seine„Mieterpartci" von allen dem bei der Stich-- Wahl mit einem Male abschen könnten, werden sie auch darfiber binwegkommen können, daß Herr Wolf in der Frage der Be« kämpfung de4 B o d e u w u ch e r s ans einem Standpunkt steht, der demjenigen Damaschkes und seiner„Mieterpartei" völlig ent- gegen gesetzt ist? Herr Wals hat öffentlich erklärt, daß er i n d i e v o n D a m a s ch k e vorgeschlagene hohe V e st e u e- r u n g der Baustellen nicht einwilligen könne: er habe selber eine Baustelle und wisse, daß mancher Baustellenbesitze djese hohen Steuern nicht würde aufbringen können. Nun kann man ja darüber im Zweifel sein, ob die Steuer die von Damaschke erivarteten Wirkungen— nämlich schnellere Bebauung. folglich stärkeres WohnuugSangebot und Verhütung weiterer Mietssteigerungen hier in Berlin bei unsren besonders gearteten Verhältnissen noch in erheblichem Umfange haben kann. Deshalb braucht man aber noch lange nicht gegen diese Steuer zu sein. Doch Herr Wolf i st dagegen, und zwar gerade deshalb, weil er sie mit Damaschke für sehr wirksam hält, für in hohem Grade wirksam > vor allein gegen sich selber, da er bei hoher Besteuerung sein Baustelle bald losschlagen müßte. Wird der Bode nrefor ine einen solchen Mann seinen Wählern empfehlen können? Werden seine Wähler für einen solchen Mann eiiiziitreten vermögen?— Wir ivolleii cS abwarten, als was sich die„Mieterpartei" nnd ihr bo d eure so ri» eri sche r Führer cntpiippcii werden. Nicht ab warten sollen es aber die Wähler, soweit sie ans feiten der Arbeiterpartei stehen! Bei Wahlkämpfen ist es stets ratsam. von vornherein mit d e m S ch l i m in st e n zu rechnen und sich darauf einzurichten. Es wäre ja nicht das erste Mal, daß die bürgerlichen Elemente, von den offen reaktionären bis zu den scheinbar fortgeschrittenen, sich gegen die Soeialdemokratie vereinigten. Thue darum jeder vom ersten Tage au bis zum Tage der Stichwahl seine Pflicht! Dan wird es uns möglich sein, allen Machenschaften zum Trotz unsern Genossen Glocke durchzubringen. Wie vorteilhaft die Cinsührnng der Füiispseiinigstrccke» auf den O m n i b n S l ini e n nicht allein für die Fahrgäste, sondern auch für die GeschäftSleitimg war, beweist der Bericht der Allgemeinen Berliner OimiibuS-Aktiengesellschaft für 1809. Im abgelaufenen Geschäftsjahre sind 39 420105 Personen, d. h. 10 807 857' mehr als im Vorjahr befördert worden, was der Durchführung des 5 Pfennig Tarifs für Teilstrecken zu verdanken ist; denn es haben nicht weniger als 21 Millionen Fahrgäste gegen SV, Millionen im Jahre 1898 diese 5 Pfeniiig-Toiireii benutzt.' Daraus resultieren sehr bedentende Mehreiniiahmeii, obdleich das pro Person durchschnittlich bezahlte Fahrgeld von 9,1 Pf. auf 7,3 Ps. zurückgegangen ist. Zn den Stadtvcrorductcn-Ersaliwahlc». Im 3. Wahlbezirk der 2. Abteilung, wo sür den Rentner Runge, dessen Wahl uugültig erklärt worden war, der Bezirksvorsteher'- Stellvertreter Littinann gestern gewählt worden ist, soll von tonservativer Seite Einspruch angemeldet worden sein. Der Oberbürgermeister Kirsch»« erkrankt. ist an der Influenza Lesehalle gehalten. Arbeiter» zu suhlen, Fühl Ii n g mit dem B o! haben in diesem zu verzeichnen. Die akademische Lesehalle. Eine allgemeine Versammlung der Mitglieder der akabeiiiischen Lesehalle tagte vorgestern abend, um Stellung zu nehmen zu dem Beschlüsse des Tirek'torinins, die Lesehalle an den S o n n t a g n a ch m i t t a g e n für jedermann aus dein Volke zu öffnen. Nach einer langen Debatte, in welcher die Gegner des Antrags erklärten, daß es eine Entweihung deZ st n d c n t i s ch e n Bodens" sei, tv e n ii Angehörige der unteren Stände die Lese- Halle betreten würden, wurde gegen 12 Uhr mit großer 'Mehrheit eine Resolution angenommen, welche den Pinn billigte. Freilich steht noch dahin, ob die akademische Behörde die Sache genehmigen wird und ob die Berliner Bevölkerung bei aller Achtung vor den edlen Beweggründen der vorgeschrittenen Mehrheit der Akademiker anfangs große Lust hat, ein Institut zu benutzen, in welchem einzelne Elemente sich nngeschent in Ausdrücken lvic den mitgeteilten ergehen. Nach einem Bericht der„Volks-Ztg." hat Herr stnd. phil. Erich Schmidt die letzte Rede für den Antrag ans Oeffnnng der Statt sieh als höhere Wesen gegenüber den sollten sich die Studenten lieber bemühen, Ike zn gewinnen. Leider gebe es noch allzii biel Mnsensöhne, die sich beschimpft fühlen, wenn ein Arbeiter sich mit ihnen an den Tisch setze. Herr enmi. med. A b r a h a m meinte, die geltend gemachte Furcht vor a n st c ck e n d e» Krankheite n sei um so thörichter, als auch manche Studenten von solchen ansteckenden Krankheiten, allerdings etwas sonderbarer Art, behaftet seien. Ein Vertreter der christlichen Verbindung W i n g o l f erklärte, Bacillen fürchte er nicht von der Freigabe der Lesehalle, wohl aber Läuse! Cincu besonders großen Krankenstand Monat die Berliner Droschkenkutscher Während sich sonst die Zahl der wegen Krankheit zu»nterstützeiido» ttiitschcr ans 40 bis 50 bclänft, hat sie sich gegenwärtig ans 94 er- höht. Seit dein 15. Januar sind 03 neue Fälle hinzugetreten. ES handelt sich vorwiegend um Influenza, Reißen und Liiftröärenkatarrh, alles Leiden, die mit dem wechselnden, ungünstigen Wetter zn- sminnenhänaen. Zn drin WarenhanSbrand im Norden, worüber wir gestern kurz berichteten, werden noch folgende Einzelheiten mitgeteilt. TaS Geschäft wurde abends um 9 Uhr von dem Binder des Inhabers M. LewinSIY geschlossen, wobei nichts Verdächtiges bemerkt wurde. Um Qs'i Uhr bemerkten Hausbewohner verdächtigen Ranch ans den Thüren dringen, sie schkngen Lärm und benachrichtigten die Feuerwehr. Noch bevor diese erschien, brach nitter den HnuLbewohnerii eine iinbeschreibliche Panik anS. Sic stürzten auf die Straße, au die Fenster niid nach den Treppen n»d riefen laut um Hilfe, ivcil die Flamme» von den Schanfeiistcrn am Hause empor bis zun, Dache schlugen. Jetzt erschien gerade im kriii schien Augenblick die Feuerwehr aus der Oderbergerstraße mit dem 3. Dampsspritzenzng. Vrandilieister Bliesener übersah sofort die Situation nnd ließ durch eine Ordonnanz. Mittel« teuer" an alle Wachen incldeu. In allen Stockwerken wurden Feuermüniicr postiert, die zur Beruhigiing der Leute beitrugen. Von der Dampsspritze wurden sofort vier Schlauchleitungen vor- genommen und damit eiiunne Wasscrmengeii in die Glut ge- schleudert. Diesem thatkrästigen Vorgehen ist es zn verdanken. daß keine Katastrophe wie in Nixdorf ausbrach. Niemand wurde verletzt. Das Warenhaus, das alle Räume des Erdgeschosses einnahm, war natürlich nicht zu retten, es brannte innerhalb ciner halben Stunde vollständig ans. Nur die nackten ranchgeschwärzten Mauern sind übrig geblieben. Hoffentlich wird auch das neueste Brandmigiiick zu scharfer Beachtung der nenen Sicherheitsmaßnahmen in gewissen Warenhäusern beitragen. Die beiden schwer Vernuglücktcu ans der Rixdorfer Brand- kataftrophe. der Bierfahrer Otto und feine Nichte Niethe, find bereits aus dein Britzer Krankenhaus entlassen. Otto gedenkt seine Thätig- lcit demnächst anfzmiehmen. Selbstmord eines Defrandanten. Vor den Augen seiner Braut»iid in Gegenwart der ihn verfolgenden Kriminalbcamlcn hat sich Mittwochabend der 27 Jahr alte Kailimann Paul Vorwerk, der ohne Wohnung war und zuletzt eine Stelle bei dem Kaufmami L. in der Landsbergerstraße imie hatte. erschossen. Dort hatte � er ülnterschlagniigei» in Höhe von 400 M. begangen, die er durch falsche Wuchlingcil zu vcrtnschcii suchte. Scinc Strasthate» wurden aber bemerkt und Vorwerk verschwand a»s dein Geichäfr, bevor eine Anzeige gegen ihn erstattet werden konnte. Die Kriminalpolizei, die nach dein bald hier, bald dort auftanchenden Manns suchte, chatte ermittelt, daß das Dienstinädchen Pantine P. bei dem Kaiifiuann Karger in der Brimuciistr. 74 seine Braut war und daß er sie oft besuchte. Gestern abend sahen nun Beamte desj selben Hanse sich befindet, sah. Als dieselben eintraten, um ihn fest« zunehmen, entfloh er durch die Küche zu seiner sich im ersten Stock aufhalteuden Braut, die Polizei setzte ihm nach. Bevor sie ihn aber ergreifen konnte, hatte er die Wohnung erreicht, setzte sich mit den Worten:„Jetzt haben sie mich!" einen Revolver an die rechte Schläfe und tütete sich durch eincii Schuß. Die Leiche wurde später nach dem Schanhanse gebracht. „Schwere Jmigen" haben am Mittwochabend bald nach 0 Uhr in der Wohnung des JnstrilmentemnacherS Grande, Wollinerstr. 33, arg gehaust. G. lag seiner Beschästigniig ob und seine Ehefrau halte' ihrer Gewohnh'eii gemäß einen Spaziergang angetreten nnd die Wohnung unbeanfsich'tigt gelassen. Von dieser Gepflogenheit hatten sich die Einbrecher Kenntnis verschafft und darauf ihren Plan gebaut. Mit Nachschlüsseln öffneten sie die Thören des Eingangs und zwei Zi, inner, erbrachen mit ihren Werkzeugen sämtliche verschlossenen Behälter und suchten dem Anschein noch barcS Geld. Damit hatten sie indes keinen Erfolg, weil die Barsnmme bei dem Vater des G. in demselben Hause unter- gebracht war. Trotzdem war der Zug lohnend geuiig: denn die Diebe erbeuteten Schmucksachen im Wert von über 1200 M. aus den erbrochenen Behältern. Dazu gehören vier goldene Uhren, zivei Armbänder mit Brillanten, zivei Brillant-Ohrringe, mehrere Ringe mit Brillanten und zwei Broschen, die mit Diamanten und Perlen besetzt waren. Frau G. bemerkte den Einbruch bei der Heimkehr um 7 Uhr. Gesehen wurde niemand. Z» dem gefteru gemeldete» Unfall auf den, Görlitzer Bahn- hos wird uns noch mitgeteilt, daß der Arbeiter Wilhelm G o l z leider»och am Abend um 6 Uhr im Kvonkeuhaus am Urban bcr- storben ist. G o l z, der übrigens erst 27, nicht 33 Jahre alt ist, hinterläßt eine Frau und zivei Kinder. Die Leiche ist bis.aus weiteres von der StaatSanlvaltschaft beschlagnahmt worden. Ein Fener im CirknS Schumann alarmierte gestern früh 9 Uhr ein großes Löschanfgebot. In dein einstöckigen Vorbau, der sich an der scharfen Biegniig der Straße Am Cirkus befindet, sind die Schlafränine der Dienstmädchen eingerichtet. Hier war nun wahrscheinlich durch den Schornstein die Zimmerdecke und Balkenlage in Brand geraten, der allerdings noch leine große Ausdehnung er- langt hatte und von der Wehr schnell beseitigt werden konnte. Immerhin erwies sich die Durchschlagnng deS Daches als notiveiidig, nm an den Brandherd gelangen zu können. Der verursachte Schaden ist nicht beträchtlich, da auch die Betten größtenteils rechtzeitig in Sicherheit gebracht waren. Da„Mittelfeuer" gemeldet war, so er- schienen mehrere Dampfspritze», die aber nicht in Thätigkeit traten. Von den Gesangsleistungei, der Berliner Geiliciudrschiilc» soll eine große Gesaiigsaufführung Zeugnis ablegen, die auf Ver- anlasstiiig des Kreisschnlinspcktors Dr. Fischer von sämtlichen ersten Geineindeschnlilassen des 7. Schullreises<2237 Kinder) unter Leitung des EhormeisterS der Berliner Liedertafel, Ad. Zander, am 3. März, mittags 12 Uhr. im Cirkus Busch veranstaltet wird. Dort sollen 16 von Zander vierstimmig arrangierte Lieder zum Vortrag kommen. Der Ertrag der Aufführung soll den beiden Kinderhorten zu gute kommen, die von der Abteilung Schönhanscr und Prenzlancr Vorstadt des Vereins Kinderhort unterhalten weree». AuS den Nachbarorten. I? Partciversammlmige» in den Vororten. Der Socialdemo- kratisehe Verein Johannisthal und Nieder- Schönelveide hält seine Mitgliederversammlung am 17. Februar, abends 8Ve Uhr. im Lokal von Strecker ab.— O b e r- S ch ö n e w e i d c. Da es dem Amtsvorsteher beliebt hat. die Sitzung des Arbeiter« Bildungs- Vereins am vorigen Soiinabeiid in letzter Stunde zu vereiteln, so findet am Sonnabend, den 17. d. Mts. bei Töpfer eine B e r s a ni m- Iniig statt, i» der Reichstags-Abgeordneter Gen. Rosenow eineii Vortrag bält über:„Die Ziele deS SocialismuS und die Arbeiterklasse". ES ist Pflicht aller Mitglieder, zu erscheinen; auch mögen sich die noch Fernstchoiiden dem Verein anschließen, um Protest zu erheben gegen die Maßregeln des Amtsvorstehers.— Der Arbeiter-Bildungs- verein in F r i e d r i ch s h a g e n bält am Sonnabendabeiid 8ßs Uhr im Restaurant Sängerhalle eine Versammlung ab.mit der Tages- ordiiniig: Die bevorstehenden Geliicindewahlen. Bericht der Ge- nosicii Barth und Soiinenburg. Ansstelluiig eines Kandidaten. Wahl eines Wahlkomitecs. Die Gemeindewähler der dritten Ab- teilung sind hierzu eingeladen. Der Vorstand. Charlottenburg. Auch Im Charlottenburger Kranken- h a n s e sollen nach dem Vorbild der Ebarite und der Berliner städtischen Krankenhäuser die Verpflegungssätze eine wesentliche Er- höhung erfahren. Am 22. März vorigen Jahres hatte die Sradt- uerordiieteii-Versammlniig beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, „eine Erhöhung der Verpflegiiiigsjätze für Behandlung und Ver- Pflegling im städtischen Kraiikcnhause vorzubereiten". Die über diesen Antrag gepflogenen Verhandlungen haben dazu geführt, daß. abgc- sehen von den Sätzen für die erste und ziveite Klasse, der Satz sür SelbstzadkermiS auswärtigen Gemeinden, die keine eignen Krankenhäuser chaben, für die von solchen Geiiieipden überwiesenen Patienten sowie für Angehörige von Dienstboten- Aboiliiementsveremen ans ans- wärtigei'i Gemeinden in der dritte» Klasse für Ertvachsene von 2,50 ans 3 M.. für Kinder von 1,50 aus 2 M. erhöht wurde. Hingegen zahlten einheimische Patienten und auch Auswärtige, soweit sie Mit- glieder von Kraiikenkassen waren, nach wie vor 2 M. Eine weiter« gehende Erhöhung hat der Magistrat für imthimlich erachtet und ?eShalb durch Beschluß vom 30. November abgelehnt. Maßgebend für den Magistrat Ivar in erster Linie der Umstand, daß die Vermögenslage der Kassen keine besonders gute ist und daß bei den meisten derselben der Reserbefonds noch lauge nicht die vor- geschriebene Höhe erreicht hat. Mit Recht führte der tviagisirat lamalS ans. daß die Kassen, falls sie gezwungen würden, für die den, Krankenhaus überwiesenen Mitglieder höhere Sätze zu zahlen, ast allgemein zu einer Erhöhung der Beiträge schreiten müßten, was eine Erschiverung ihrer Existenzfähigkeit bedeuten würde. Für da? Gesamtergebnis' der Einnahmen des Krankenhauses ivürde jedoch eine Erhöhung der Verpflegungssätze nur von untergeordneter Bedeutung sein. Inzwischen hat nun bekanntlich Berlin die Verpflegungssätze erhöht. Da? veranlaßte den Charlottenburger Magistrat, an die Stadtverordiieten-Versammlung mit einer Vorlage heranzutreten, die auch für die Mitglieder aus>v artiger Krankenkassen den Satz von 2 ans 3 M. erhöhen will. Dabei sind unter Mitgliedern auswärtiger Kassen auch solche Charlottenburger Einwohner zu verstehen, die etwa einer Berliner Orts- Krankenkasse oder einer freien Hilfskasse angehören, die ihren Sitz wo anders, in Charlotteiibnrg jedoch eine Filiale hat. Von einer Erhöhung der Sätze für Mitglieder Charlottenburger Kassen sah der Magistrat auch jetzt wieder aus denselben Gründen wie riiher ab. Die Vorlage wurde einem Ausschuß zur Vorberatung nber- wiesen, mid dieser machte sich die schweren Bedenken des Magistrats nicht zu eigen. Er hob zwar den Unterschied zwischen Mitgliedern auswärtiger und Charkottenbnrger Krankenkasse!, ans, erhöhte aber dafür ganz allgemein die VerpflcgiingSsätzc ur die dritte Klasse ans 2,50 M. für Erwachsene, gleichviel ob eS ich um Selbstzahler oder um Kassenmitglieder handelt. Charlotten- bürg würde also, falls das Vleuimr den Beschluß der Kommission gut' heißt, dem bösen Beispiel Berlins folgen. Einen pekuniären Vorteil würde die Stadt kaum haben, da die höheren Eiimahmen des Krankenhauses voraussichtlich durch höhere AnSgabeu der Armen- Verwaltung wieder aufgewogen würden. Wohl aber würden durch einen solchen Beschluß die Krmikelikassen schwer geschädigt, die Volks- gestindheit gefährdet nnd die Allgemeinheit erheblich benachteiligt. Alis Weistensee wird uns berichtet: Die von der Arbeiter- schaft beantragte Verlegung des Wahlakts auf einen Soimtag�event. ans günstiger gelegene Tagesstunden wurde in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung von Gersten berger begriindet. Ebenso wurde von diesem auf die bei der vorigen Wahl zu Tage getretenen für den Wahlakt geltenden gesetzlichen Bestimmungen gefordert. Di« beliebte Anlveiidung dieser Bestiminungen stelle sich dar als Chikanienmg der Wählerschaft. Ter Gemein bevor st eher erwiderte, daß er die Wahl nicht für wichtig genug halte, um sie an einem Sonntage stattfinden zu lassen, dem weiteren Eventual- antrage werde er insoweit Nechinmg tragen, als er die Zeit von 10 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags, also eine Stunde länger als vorher, zur Wahlhandlung ansetzen werde. Es werde also denen, die ihr Wahlrecht ausüben oder die gern feiern wollen Unzuträglichkeiteii hingewiese» und ein» humanere Anivendung der Swineiude, Haiiibiirg Berlin Wiesbaden München Wie» iäZ i Wetter 765 N0 706!®® 765 NO 766 ZtNW 765 W 758® 4 Schnee 1 bedeckt 3chedeckt 3)b!d, beb 7$ch!iee 54>edeckt -Ä -2 -3 -2 -1 2 Stationen SB ZK taparanda eterSturg Cork Aberdeen Part» K S 769 Still 762 NW 741)S®W 757. S «Hr. »es Weiler Ii s? — wollig liwolkenl SRegen 5 bedeckt -2» -23 9 3 «Setter-Prognose für Freitag, den 10. Februar 1900. Zunächst ziemlich heiter, ein wenig kälter bei iiiästigeii lüdöstlichen Winden nachher zunehmeude Bewöltmig, Erwärmung und-Niederschläge, Bertiner Welle rdureau. . Lerantwortlicher Redaeteur: Pank John in Berlin. Für den Inseratenteil veranttvortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Berlag von Max Badiiig in Berlin.