Nnterhaltimgsblatt des Horivärts Nr. 149. Sonnabend, den 3. August. 1912 VZaqdniik vervoien.z 25] Der Alittiber. ____ ¥ SSort Ludwig Thoms« �.Bal i auf enk hätt' wart'n müass'n. na waar i scho lang ti' spat dro. Do feid's ös no Rotzlöffeln g'wen, wia'r i an Hof vorg'stanna bi, und werd koana sag'n kinna, daß a schlecht beinand is, und der selbige do. der ganz G'scheidt', der hockt si amal in dös Sach eina, dös i herg'richt' Hab. I alloa. gel? Ilnd ho koa Lenz it braucht dazua und koan Vormunda." „Mi sagt it vo dem." v.Mi sagt übahaupts gar nix mehr. Mi san scho an etlas Mal z'sammg'ruckt üba dös. und wann du wirkli g'scheidt bischt, nacha sparst du deine Wort für'n Prückl. Den ziahgst dir, daß er genau a so werd, wia's'n du Hamm mögst. und bal's d' amal Kinda hoscht, na lernst d' eahna, wos da Brauch is. Da hoscht Arbet gnua." „G'wiß und Wöhr, Vata: i hätt it g'redt't, wann du it selm o'g'fanga hättst." „Und jetzt hon i aufg'hört. Und bal dir der ander d' Dhr'n voll blast mit seine Kümmernis, na gibst d' cahm den guat'n Rat, er soll sie sei G'scheidtheit aufheb'n, bis er's amal braucha ko. Er soll it so umanand schmeiß'n damit, weil 's bessa is, bal ma no was hint Hot. Guat Morg'nl" *» » Im Roßstall hockte Lenz auf der Habertruhe und biß von etlichen Strohhalmen Stücke ab, die er grimmig ausspuckte. Nicht weit weg von ihm stand Hansgirgl im Sonntagsgewand und schaute behaglich zu, wie seine Gäule mit malmenden Kähnen aus den Barren fraßen. „Siehgst, Hansgirgl. i that glei mit dir tausch'n." „Heunt vielleicht. Aba morg'n wurd'st da's übaleg'n, wann's d' amal da Herr bischt." „Ja. morg'n!" „Oda übamorg'n. Laß da no daweil. D' Zeit geht vo selm, de braucht ma'r it treib'n." .,D' Zeit vogeht, und de bescht'n Jahr hockt inseroana her." „Du thuast dei Arbet wia'r i." >,Um an halb'n Lohn!" >,Wos da Alt' daspart, kimmt dir amal z'guat." „Hoscht du dös für g'wiß?" „Wer soll's denn kriag'n?" „Vielleicht de do drent ldrllben)." Lenz deutete mit dem Kopf gegen den Hof hinaus, und Hansgirgl lachte gemütlich. „Ah! Laß da nix traama(träumen)!" „Du ko'scht leicht lacha; geht's, wia's mag, di bekümmert 's nix." „Dös is aa it da Fall." >,Du kriagst dein Lohn danach wia davor." „N... no, Lenz, wann ma lang in an Haus is, Hot ma's gern, bal d' Sach mit Ordnung geht." -„Do werscht jetzt it viel Ordnung sehg'n." 1„I siech nix, üba was i red'n müaßt." „Hoscht du it g'spannt, wia d' Leut hinter ins drei red'n?" „I hör' hint it." «Dös muaßt du it so g'ring schatz'n! Dös is a Schand für ins allsammete." „Wos denn? Bal dös Weibsbild da drent aufdrah'n berfat(sich aufspielen darf) und dürft si g'scheidt macha im Haus und o'schaffa, nacha waar's änderst. Nacha gang i, weil mi dös vadriaß'n that. Aba i siech ja nix davo. I ho no nix g'mirkt, daß si de aufmanndeln(wichtigmachen) derf." „Dös sollt aa no sei!" „Um dös geht's aba! So lang ma do nix siecht, feit 's(fehlt) it weit." „Weit gnua, sinscht hätt' er s' it do g'halt'n." „Ja no. Du woaßt aa it all's, warum daß er s' da laßt." „Dös is schwor zun Derrat'n; weil sie eahm in Händ'n Hot." „Er schaugt it a so aus.\ /».Hilf du aa no dazua! Dös is schö vo dir!" � -„So muaßt d' mir it kemma! Mir is a so it recht, wanni d' mi du in an sellan Dischkursi(solches Gespräch) über'n> Bauern einiziagst. Aba bal i dir o'gib, muaßt it moana, daß i dir nach'n Mäu red'." „Aba dem andern! No ja, hoscht d' ja recht aa; er is doi Herr, und auf mi brauchst du no lang it aufpass'n. Bis i amal dro'kimm, ko'scht di leicht Wieda drah'n." „Dös wart'st amal o, wos i thua. Aba dös trau i mit! z' sag'n: bal du Herr bischt, Werst d' aa koan Knecht it mög'n, der bloß dös schlecht an dir siecht." „I schaff mir aa selle o, de mi lob'n, wann i hinta dö Weibakitt'l herlaff." „Du woaßt heut nimma, was d' sagst." „Aba dös woaß i, wia du bischt. Di kenn i jetzt, du Fei'schpinna(Feinspinner)!" „Du brauchst mir koan Nam it geb'n, gel?' „A Fei'schpinna bischt." „Ah was! I streit mi mit dir umanand, bal i dumm bi!" „Du bischt scho it dumm! Du bischt ganz hell, woaßt? Ganz a Feina." „Laß mir halt mei Ruah mit dein G'lump! Jamma ander Leut für, de's no irga(ärger) macha und a rechte Be- dauernis Hamm mit dir, daß dir dei Bata so schlecht g'rat'n is. Aba mi laß steh'!" „I laß di steh' und geh'. Derfst aa umiroas'n(hinlaufen) zu eahm. und loscht eahm brüahwarm all's sag'n. Derfst mi gern vaklamperln(verklatschen)!" „Hab' i di scho amal vaklamperlt?" „Ja, du!" „Bali i umi geh, sag i an Bauern was anders. Er soll si um an Knecht schaug'n, der's Hetz'n bessa dasteht." „Du koscht dös it? Du Fei'schpinna!" „Du Rotzbua, du trauriga!" „Wos?" Lenz sprang von der Truhe herunter und wollte sich über den Hansgirgl hermachen. Aber der hatte blitzschnell eine Mistgabel in den Händen und hielt sie drohend vor sich hin. „Geh no her, du! Du bischt ma no lang it z' guat, daß i di net durch und durch renn." Da wich Lenz zurück. „Stell dei Gabl hi! I möcht di gar it o'rühr'n." Und als der Hansgirgl mit zornrotem Kopf aus dem Stall ging, schrie er ihm höhnisch nach. „Heut derfst da an extrig's Trinkgeld geb'n lass'n vom Alt'n!" Aber wie er dann allein auf der Truhe saß, fing er Plötz- lich zu heulen an wie ein Schulbub. Hingegen war es dem Hansgirgl nicht weinerlich zumut. Aber zornig! Schon so zornig, daß es ihm in den Händen juckte, irgend was zu packen, zu zerreißen, in der Mitte aus- einander zu brechen. Was? Ein Feinspinner wäre er gar noch, und einer, der das dumme Gered von so einem jungen hirntappigen Lappen hinterbrächte. Noch jedesmal hatte er seinem Bauern gut zugeredet, wenn er gegen den Lenz was vorbrachte. Der hatte wohl recht, daß er sich dem wcttcrlaunischen Burschen nicht auf Gnad und Ungnad auslieferte. Bricht einen Streit vom Zaun, weil man ihm die Hitze ein wenig löschen möchte, und schimpft einen alten Knecht, der ihm von jung auf bloß alleweil gefällig war, schimpft ihn wie einen hergelaufenen Tagdieb und packt ihn gleich gar an. Feinspinnerl Wenn einen tvas zu allertiefst wurmen kann, ist es der Namen! Hingestellt werden als ein falscher Kerl, der auf zwei Achseln trägt und kein Vertrauen wert ist. das brennt und beißt. �. Mit einem beisammen bleiben, der so was sagt? Nein! Es gibt anderswo auch noch einen Platz, einen stilleren als beim Schormayer, wo der Junge über den Alten her ist und es für Falschheit ausgibt, wenn man zum Herrn hält. Wie es der Brauch ist, und wie es recht war in neun langey Jahren. Aus! Der Hansgirgl riß die Türe der Wirtsstube so hestiq auf, als ging es da hinein in das neue Leben und erst ein lustiges Johlen weckte ihn aus seinen zornmütigen Gedanken auf. Das Schreien kam von einem Tische her, an dem etliche junge Burschen saßen neben einem grauhaarigen jterl mit spitziger Nase und verquollenen Augen. Ter war ihm bekannt. Ein alter Dienstknecht und Her- umtreiber, der zlvei- und dreimal im Jahre den Platz wechselte, und ganz gewiß einmal in der dringendsten Ar- beitszeit.. Man hieß ihn den Unterländer«sepp, weil er aus dem Niederbayrischen war. Die jungen Burschen trugen Sträuße und bunte Bander aus den Hüten, zum Zeichen, daß sie aus dem alten Dienst ausgestanden waren..... �....... Sic schrieen dem Hansgirgl mit lauter Fröhlichkeit zu: „Siecht ma di aa'r amall Da setz di zuawa(her)! Hau di no her, alta Schwed! Mir san zünfti beinand. Bei oan Bauern stenga ma'r aus und bei'n ander'n ei, aba dürscht'n thuat ins überchTn!" Zu einer anderen Zeit hätte es dem Hansgirgl schlecht gefallen, mit dem Unterländer Sepp zusammenzuhocken: aber zu einer andern Zeit wäre er auch um Mittag nicht ins Wirts- Haus gegangen. Jetzt war es schon gleich! Er rückte in die Bank hinein und gab sllrs erste einen schweigsamen Zuhörer ab. Sepp ivar dabei, vieles zu erzählen und gute Lehren zu geben, wozu ihn seine reichen Erfahrungen gar wohl ermäch- tigten. „Oes Buama(Ihr Jungen)", sagte er,„os mllaßt's glaab'n, daß de Deanstbot'n geg'n de Bauern z'sammhalt'n müassn: sinscht san mir allsammt vokafft. Als dös erscht mirkt's enk: no grad nix übrig's arbet'n; wos ma grad oamal freiwilli tuat, werd oan' am andern Tag g'schasst(aufgc- tragen). I ho no koan Bauern g'sehg'n, der auf d' Uhr schaugt, bal ma üba sei Zeit arbet: aba ivann's d' am andern Tag Wieda eh'nder(eher) aufhörscht, ziahgt a g'wiß sein Prater(Uhr) außa." (Fortsetzung folgt.) 41 Lücfcn. Von G u st a f I a n s o n. Pietro FontanaraS erster Eindruck war eine Enttäuschung. Trotz seiner Müdigkeit nach der Reise hatte er es vorgezogen, die Wohnung seines Bruders zu Fuß auszusuchen. Die tricgerische Begeisterung, di- er erwartet hatre, existierte ganz einfach nicht. Die Fahnen und die Musik, die doch dazu gehören, waren nirgends g» finden. Fontanara ging langsam, an irgend etwas sollte man es doch merken können, daß das Land soeben einen großen Krieg begonnen hatte. Als Fontanara vor dem Hause ankam, in dem sein Bruder wohnte, fühlte er sich ganz niedergeschlagen. „Guten Morgen. Angela!" „Bist Du hier? Warum denn?" Angela Fontanara stellte seine Kaffeetasse beiseite und betrachtete m.fmerksam seinen drei Jahre älteren Bruder. „Warum?" So kurz wie eS ihm möglich war, berichtete Pietro über seine überstürzte Reise.„Dem Konsul schien es vermutlich am geratensten, mich aus dem Wege zu haben. Und aufrichtig ge- sagt, fing ich an, mich nach Hause zu sehnen, als ich hörte... Sag' mir jetzt, ivas ist die Ursache des Krieges." „Die Ursache? Je weniger wir davon reden, desto besser." Pietro Fontanara musterte den Bruder von oben bis unten. Gehörte dieser korrekte Beamte auch zu denen, die sich noch kein Urteil gebildet hatten? Oder wollte er es nicht? Angela beendigte seinen Morgenimbiß, warf einen Blick auf die Wanduhr und erklärte, sich sputen zu müssen. Wenn auch noch so viel Krieg sei, würde doch von den Beamten verlangt, daß fie sich rechtzeitig im Bureau einfänden. Die Brüder verabredeten sich für d:n Mittag und Angela machte sich zum Gehen fertig. „Meine kleine Wohnung steht Dir natürlich zur Verfügung, als wenn's Deine eigene wäre." In der Tür blieb er mit einer leichten Röte auf den Wange» stehen.„Du weißt vielleicht nicht. daß ich verlobt bin. Ich schrieb Dir vor einer Woche, aber Du hast Dich vermutlich mit meinem Brief gekreuzt. Er nannte einen Ramen und fügte hinzu, daß der zukünftige Schwiegervater sehr reich sei.„Addio!" Pietro Fontanara sah dem Bruder nach. Es war etwas an Angela, was er nicht wiederkannte und was ihn verletzte. Er zuckte die Schultern, sank in den bequemen Lehnstuhl zurück und sah sich tm Zimmer um. Die Mobilicn und überhaupt die ganze Einrichtung zeugten von Geschmack und Verfeinerung. Angela war offenbar aus dem Wege, sein Glück zu machen. Nachdem er sich ein wenig ausgeruht, machte Pietro einen Spaziergang durch die Stadt. Er konstatierte, daß sich seit dem Morgen nichts in ihrer Physiognomie geändert hatte. D«n Rest des Vormittags verbrachte er mit Zcitunglesen. Ter Mittag der Brüder war langweilig. Angela war korrekt und zurückhaltend. Er gab zu, daß er hauptsächlich an seine Kar- rierc denke, das sei seine Pflicht als zukünftiger Familienvater. Der Krieg? Man würde ja sehen. Nun gut. da die Sache Pietro interessierte... es war ein politischer Schachzug, eine Spekulation. Glückte sie... um so besser, traf das Gegenteil ein... hm! Angela zuckte die Schultern und teilte dem Bruder seine Absicht mit. sich in die Politik zu stürzen. Sobald er verheiratet ivar, würde er über die nötigen Mittel verfügen... Der Krieg? Wie gesagt. man müsse ja sehen. Pietro wollte das Thema nicht fallen lassen. Er wiederholte die Frage, die er an den Kapitän des Dampfers gerichtet hatte. „Die Veranlassung?" Die Augen des Bruders glitten zur Seite.„Hm! Die Türkei hat es versäumt, sich eine Flotte zw schaffen. Wir brauchen Revanche für Abessinien. Unser Prestige fordert einen großen Schlag. Unser Handel braucht Erweiterungs- Möglichkeiten. Unsere Kapitalisten wünschen einen Landstrich zum Exploiticrcn. Willst Du noch mehr Gründe?" Pietro schüttelte den Kopf. „Ich will nur wissen, was die Türkei getan oder vielleicht unter'- lassen hat. Hat der Halbmond unsere Flagge beschimpft, irgendein Unrecht gegen italienische Untertanen begangen, oder sonst etwas für uns..." Angela fing an zu lachen. „Die Türkei, oder richtiger gesagt ihre Regierung, ist viel zu klug, um sich derartiges zu erlauben. Die Türkei hat weder etwas begangen, noch etwas unterlassen. Aber die Hohe Pforte hat eben eine Provinz, die wir gebrauchen können, das ist die ganze Sache. Und ich sage Dir, wenn wir sie nicht genommen hätten, würde es jemand anders getan haben. Dieser Krieg ist im großen gesehen nichts lveiter als ein Sieg im Wettrennen. Als wir anfingen zu befürchten, daß andere ihr Augenmerk auf Tripolis warfen, mußten wir zuschlagen. Es galt, als Erster am Platze zu sein. Wir waren es." „Also ein ganz gemeiner Raubzug?" „Deine Terminologie ist nicht gerade glücklich. Ich möchte Dir raten, derartige Ausdrücke zu vermeiden." Pietro Fontanara schwieg. Nach dem Mittag trennten sich die Brüder mit einem Hand- schlag, der nicht übermäßig herzlich war. Pietro suchte ein Hotel auf. in dem er sich ein Zimmer mietete. Er war nicdergestimmt und fühlte eine beklemmende Leere. Etwas, worauf er gewartet und gehofft hatte, war ihm nicht in Erfüllung gegangen. Die nächsten Tage verbrachte er mit Besuchen bei Freunden und Bekannten. In den Kreisen, in denen er sich bewegte, ver- hielt man sich abwartend. Jeder ging seinen Geschäften nach, der Krieg war eine ökonomische Frage, die Advokaten in der Abgcord» netcnkammer waren dazu da, die Fäden zu entwirren, die die Regierung ineinander verfitzt hatte. Pietro Fontanara hörte aufmerksam zu. Er fand weder Enthusiasmus noch Widersprüche. „Sie sehen ja, ganz Europa lächelt einmütig seinen Beifall," sagte ein alter Professor, der sich eingehend nach dem Resultat seiner Ausgrabungen in Kleinasicn erkundigt hatte.„Das einzige, um das wir uns zu kümmern brauchen, sind die Kosten." „Aber wir haben doch eine Menge Aufgaben innerhalb unserer eigenen Grenzen, Aufgaben, die auch große Summen fordern. Wann werden die ausgeführt?" Der alte Herr zog die Schultern hoch. „Krieg läßt sich eben nicht vermeiden," sagte er.„Das ganze Wesen des Menschen sowohl, als das Gesetz der natürlichen Aus- wähl machen den Kampf zu etwas Unvermeidlichem. Der Kampf auf Leben und Tod rast zwischen den niedrigst stehenden Organis- men so gut wie zwischen uns. Das ist zweifellos so voraus- bestimmt und läßt sich nicht ändern." Fontanara ging nachdenklich in sein Hotel zurück. Im Vestibül trat ihm der Wirt entgegen. Sein Sohn— der Junge heiße auch Pietro, gerade wie Signorc— hätte eben geschrieben. Rich- tiger gesagt, der Arzt, in dessen Behandlung er sei, hätte es getan. �.er Sohn konditionlere als Hofmeister in einem französischer» Hotel. Er gehöre gerade zu der Jahresklasse, die wegen des Kric, ges unter die Fahnen gerufen war.„Kurz und gut. Signor«'. können Sie stchs vorstellen, der Junge kommt zu Malheur bei einer Automobilfahrt, bricht ein Bein, liegt krank in Frankreich. kann sich ganz einfach nicht einstellen. Solch Pech, gerade bei dieser historischen Gelegenheit!" Der Hotelbesitzer hob die Hände gegen die Decke und schüttelte betrübt den Kopf. Aber gleich- zeitig machte er eiv so vergnügtes Gesicht, daß in Fontanara ciiz starker Zweifel aufstieg. „Sich so was zu denken," schwatzte der Hotclwirt weiter.„Der Junge brennt förmlich auf Auszeichnungen, und dann aus ein» mal... kratsch... das Bein ab! Nicht dran zu denken, daß er mitkommt! Seine Mutter, meine arme Frau, zerfließt in Tränen.— Signore, Sie find ein gelehrter He.r, sagen Sie mir, wie lange dauert es, bis ein Beinbruch wieder geheilt ist? Eis paar Monate? Mir fällt ein Stein vom Herzen. Bis dahin ist der Krieg aus, und der arme Junge kann nicht mitkommen." Fontanara eilte die Treppen hinan. Die schlecht verhehlte Freude des Wirtes über den Unglücksfall verdroh ihn. An und für steh bewies sie ja nicht das geringste, aber Fontanara konnte sich nicht eines Gefühls von Unlust und Ekel erwehren. Glück- tieherweise hatte man die Presse. Da herrschte Einigkeit, da klang der Enthusiasmus volltönig aus den verschiedenen Lagern. Bei den Telegrammen über die ersten Erfolge auf dem Kriegs- fehauplatz brach er in einen Jubelruf aus. Und alle die Tausende, die wie er unschlüssig, unsicher und ohne Halt gewesen, antworteten auf die gleiche Weise. Der Erfolg sanktionierte die zweifelhafte Handlung. Grübeln, Suchen und Mißmut hatten ein Ende. Ununterbroehen liefen die guten Nachrichten ein. Die Türken retiricrten in größter Hast, die Araber gingen massenweise zu den Angreifenden über. Der Erfolg war gesichert. Wie sollte übrigens auch etwas anderes möglich sein? Die impulsive Kraftentwicke- lung einer stolzen, kriegerischen Nation mußte unerbittlich den Widerstand der wenigen Truppen brechen, die der Feind zu seiner Verfügung hatte. In dem kleinen Zimmer klang sein schallendes „Evvival" wie eine Herausforderung. Die Fensterscheiben klirrten, und die Zeitungen mit den offiziellen Siegcsbulletins bebten in feiner Hand. tLortsetzung folgt.); franz fjcld: Husgewäblte Merke. Der Dichter-Jahrgang 18ö2 hat verdient, was ihm heuer, nach fünfzig Jahren, zuteil wurde. Man hob ihn als literarhistorisch bemerkenswert hervor und widmete seinen Sprossen besondere Be- achtung. Aber wenn die Reihe der Namen von großem und kleinem Gewicht hergezählt wurde, blieb einer ungenannt, der doch nicht fehlen darf, wenn von der jungen Dichtergeneration der achtziger und neunziger Jahre gesprochen wird. Da sorgt nun ein Buch, das Ernst Kreowski zusammengestellt und bevorwortet hat. daß der eine Vergessene in diesem Jahre, das sein fünfzigstes gewefen wäre, dennoch neben den Schnitzler, Hauptmann, Conradi zu seinem Rechte kommt. Denn der Düsseldorfer Franz Held hat historische Rechte. Zum mindesten solche. Die Auslese aus seinen lyrischen, epischen, drama- tischen Dichtungen, die Kreowski aus zehn gedruckten Bänden und viel handschriftlichem Nachlaß in 300 Seiten zusammendrängte (Eberhard Frowein Verlag, Berlin), entsprang also einer Not- wendigkeit. Franz Held ist einer von denen, die als ein unvollendet Lied ins Grab sanken. Mehr Jahre waren ihm gegönnt als den Paul Fritsche, Hermann Conradi. JuliuS Brand, aber die Literaturgeschichte wird ihn mit diesen zusammen nennen müssen. Sein Leben brach ab, ehe noch sein Dichten über die Stufe der Gärung hinaus war, und das Schicksal traf ihn mit grausamer Härte. Vor vier Jahren erst verfiel sein Leib dem einäschernden Feuer, aber ein Toter war er schon vor einem Jahrzehnt. Erloschenen Geistes brauchte er noch einen Weg von Jahren bis zum letzten Atemzuge. ES ist schwer, die literarische Jugend der achtziger Jahre mit kurzen schlagendem Wort abzustempeln. Sie wollte loS vom Ueber- kommenen. Das trifft wohl auf alle zu, und band sie auch ein paar Jahre eng aneineinander. Sie setzten jungen lodernden Willen ein und schwelgten in den Wonnen rücksichtsloser Drauf- gängerkraft. Aber das Ueberkommene, das sie abschütteln und niedertreten wollten, war keineswegs in allen Fällen dasselbe, und so gingen auch die Ziele auseinander. In den ersten Jahren der Literaturrevolution sind Programme der Bewegung aufgesetzt worden, aber einen Zusammenschluß nach ihren Direktiven hat's na- türlich nicht gegeben. Um so farbiger belebt stellt das Bild der Bewegung sich dar. Der Naturalismus war wohl ihr wichtigstes, aber er war keineswegs das Ganze. Franz Held gehörte durchaus zu den radikalen Stürmern, aber er war kein Naturalist. Er wars nicht, obgleich es ihn zum revolutionären Proletariat trieb. Er hielt sich in den Grenzen des dichterischen Realismus, der dem Naturalismus in langsamer Bildung voraufging und an dem die Spuren der Ablösung von romantischen Strömungen fast in der Regel deutlich genug hasteten. Franz Held gehörte zu den Dichtern, die sich mühten, die Schläuche ererbter dichterischer Formen mit dem Weine glutvollen, stark empfundenen eigenen Lebens zu füllen. Da erwies er sich als eine ungeberdige Jchperfönlichkeit, als einer vom Schlage derer, die unter dem Einfluß der französischen Romantik von 1830 zur Zeit deS jungen Deutschlands diesseits des Rheines wuchsen; auf der Grenze von Alt und Neu, in kraft- genialischem Wesen, Leute wie Grabbe, Griepenbart. Büchner. In ihrer Art, die schon an Modernes heranstreift, war auch Franz Held typischer Sturm und Drang. Und er ist nichts anderes als das gewesen. In dieser Verbindung ist eine Mitteilung Kreowskis interessant: Heids Vater, ein unverdrossener Wahrheitssucher, liebte inbrünstig das aufklärerische Schrifttum der enzyklopädistisch-philo- sophischen Wegbereiter zur großen französischen Revolution, und seine Mutter hat die idealistische Auflehnung des Jünglings gegen den platten Geldmaterialismus der Zeit tatkräftig verteidigt und dadurch gefördert. In HeldS dichterische Anfänge fällt ein stürmisches Strafgedicht wider die Heimatstadt Düsseldorf. Und in Heids ganzes Dichten. gräbt der Drang. Abrechnung zu halten mit der öden Gegenwart. tiefe Spuren ein. Eine schiver ringende Natur ist dieser Dichter. Wider eine Welt von widrigen Mächten setzt er kühn die einzelne eigene Persönlichkeit. Das braucht gigantische Kraft, und es ist kein Zufall, daß ihm das Vollbewußtsein zureichender Gegen» gewalt dort am herrlichsten aufglühte, wo die Natur sich in kolossalsten Formen offenbart: in der alpinen Welt.„Groß-Natur" schrieb er auf eins seiner Lyrikbücher. Oder auch in der gärenden unheimlich» mächtigen Großstadt, die das Sinnenleben aufpeitschend entfesselt und im Zerstören so groß ist wie im Kraftschaffen. An dieser brodelnden Neuwelt erprobten die Dichter des jüngsten Deutschlands ihre Lebenskräfte. Helds Dichtungen sind bis zum Ueberlaufen voll von den Stimmungen seiner Jahre. DaS gibt ihnen nicht geringen historischen Wert. Man muß sie neben Hermann Conradi's Werken lesen. Viel Verwandschaft des Wollens und leidenschaftlichen Auf- begehrens ist zwischen beiden. Helds Erstling von 1887.Gorgonen» Häupter" ist ein bezeichnendes Jugendbuch der Zeit. Grandios sihäumt es darin auf, unerschrocken bis zur Wildheit in Stoffwahl und Stoffügung, alles voll Trotz, Protest, Hohn in entzügeltem Ge« nießerdrang. Das Buch ist so recht eins von denen, die da» mals fehdefroh der idealistisch matten und prüden und unwahren Philisterwelt ins Angesicht geschleudert wurden. Und eS gibt die Grundlinien der Heldichen Physiognomie. Der Dichter gab, was er war. Als er das Gymnasium verließ, gab ihm die Prüfungskommission den Rat, er solle sich„um Ruhe und Besonnen» heit in seinem ganzen Tun recht sorgfältig bemühen". Aber er war nicht die Natur, die ihrem individuellen Freiheitsdrang daS Recht auf Freiheit bestreiten konnte. Mit wilder Freude nannte er nach Jahren einmal in zornigem Protest seine Gedichte»wider» borstig-zügcllos". Und tiefer deutet er sein Dichten in den Versen aus einer Mondnacht: Der Glühwurm sucht, Der Mondwisch verweht— Einem großen Sterne Nachwandl' ich stät. O herrlich Wandeln In Abendverklärung, Wenn du empfindest Des Lebens Gewährung, Wenns dich durchströmt, Daß du tust, was du mußt, Daß du Wildblüten treibst. Halb unbewußt. An den äußersten Grenzen sinnlicher Erregung, physisch entrückt. find Heids Gedichte empfangen, in einer Sphäre, die himmelhoch über das Alltägliche emporreicht und die ihm gehört aus der Kraft seines heißen, begehrenden, lebenverklammerten Blutes. Oft aus träger AlltogSstarrheit Wird die Welt mir jäh ein Rauschen: Meine unterirdischen Quellen Schwellen mich von droben her. Sein Erdbewußtsein— dies Wort braucht Kreowski~ dringt ungestüm tief und weit und lebt sich dichterisch in ursprünglich neuem Schauen aus. Er hat die erfrischende, überraschende, neubildnerische Sprache, die auf intensives Erleben weist und damals als dichterische Tat galt. In dieser Hinficht überholte er mit kühner Mächtigkeit die Dichtung, von der die junge Generation loS wollte. Und so nun ließ er, alle Fesseln hassend, die Erd» gebundenheit des Raturalismus abjeitS. Seine Forderung ging aus souveräne Freiheit der Phantasie aus, die mit dem Baustoff der Wirklichkeit selbstschöpferisch schalten darf, um daS Leben bedeutungS» voller darzustellen und aufzuschließen. Um eine neue befreite Lebenöanschauung rang er. Dies Ziel wirkt auch in der siedenden Erotik, von der seine Jugend gepackt ist. »SS gibt eine Sinnlichkeit, welche von der Kunst unzertrennbar ist.... Aus der Flamme der ungezügeltsten Sinnenlust erhebt der Schmerz sein Gorgonenhaupt und schüttelt die Schlangenhaare der Reue". Da« meisterlich fteirhythmische Gedicht vom Tannhäuser ist durchwühlt von diesem Schmerz. Anbetend trat Tannhäuser dem Weibe ent- gegen, schwerste Enttäuschung heimste er ein, und nun will er Wollust in Scham lösen. Einmal schreibt Held das Wort von dem„Strom des Wehs, der durch alle Schöpfung geht und in dem flüchtigen Tand der Freude das Bleibende ist: das Große". Er zuckt in bryonistischen Qualen. Aber er kämpft sich darüber hinaus. Mit der erlösenden Kraft deS obersten Gebots: nur dem eigenen, natur- gegebenen Wunsche zu gehorchen. Durch Wundenbluten aufwärts zur Lebensgläubigkeit I Ueber alle matte Wehmut, daß die Gerechtig» keit nie kommen, Satan nie gekettet in den Abgrund versinken werde, steigt höchstes Vertrauen: Wie arm und öd unser Leben auch sei, Laß es uns unermüdlich bestreuen Mit der Saat unsreS redlichen Strebens. Mit Sonnenscheine der Lieb' eS durchwärmen, Und Wurzel fassen Wird endlich ein Korn selbst im Fels. Man muß dies sonnige Wort hören und zugleich daS Bild de« trotzstarken Kämpfers gegenwärtig halten, in dem alles auf - 596— Rebellion angelegt war; der stolz darauf war, durch Kreuzmale bestätigt zu sehen, dast er»mehr war wie ein Künstler der Neichen': der von sich sagte: er habe„durch Herausforderung ihreS HasteS seinen Menschenadel machgewiesen': der den Ingrimm des Proletariers in tiefster Seele begriff und ihm Dramen dichtete, in denen es gellt von den„Bronceschreicn der Hetzhunde auf den hundert Pariser Kirchtürmen", in denen die Verzweiflung sich in furchtbarsten Vergeltungstaten aufbäumt, und die ein Wahrzeichen der Zeil bleiben werden, die sie aus einem Menschenhirn heraus- warf. Heids höchstes Ziel und Glück ist gewesen, trotz aller Martern dem Wort zu solgen:«Ich knete doch aus eigenem Lehm." Er ist eine der Dichtergestalten, die in UebergangSzeiten geboren werden. Sie sind neu, aber nicht ganz. Berufen, aber nicht auserwählt. Stark, aber nicht vollendungsreif. Kreowski urteilt:„Er zerbrach, eh an sich selber, an seinen das träge Volksgewissen stürmisch auf- peitschenden Stoffen, und er zerbrach, gleich anderen, an der Misere entwickelungsfeindlicher Zustände". Aber haben die Widrigkeiten der Umwelt nicht auch geholfen, die Kräfte Heids groß in Bewegung zu bringen? Es ist wohl beides: sie haben ihn emporgetrieben und zu- gleich wie plumpes Blei an ihm gezerrt und seine Kraft verbraucht, eh er noch die Sonne vollwertiger Kunst erstiegen konnte. Von diesem Dichterschicksal zeugt sehr klar die Auswahl, die Kreowski sicherlich mit nicht geringen Mühen aus Heids Dichtungen zusammenstellte. Eine erste Auswahl, die leider, durch den Raum beschränkt, keines der Dramen Heids in ganzem Umfang geben konnte. Aber weder die Dramen noch das Novellistische Aus dem Pflanzenleben. Die rundblättrige Glockenblume, Companuta tolundifolia, ein allbekanntes Pflänzchen, das vom Juni bis spät Sn den Herbst hinein überall auf trockenen Wiesen, an Wegrändern, «n Bergabhängen, auf Waldblößen und sonstigen sonnigen Stellen zu finden ist, offenbart jenem, der im Buche der Natur zu lesen tverstcht, mancherlei Geheimnisse aus dem Blumenlcben. Die knospt- gen Blüten sehen wir aufrecht stehend, während die vollerblühte Wlume wie eine Glocke herabhängt; so sind die empfindlichen Fort- Pflanzungsorgane gegen Regen auf das beste geschützt. Die Außen- sseite der Blumenkrone ist viel intensiver blau gefärbt als die Innenseite; so wirkt die Farbe viel besser als Anlockungsmittel auf ffliegende Insekten. Der Kelch, der in seinem unteren Teile eng mit dem Fruchtknoten Verlvachsen ist, spaltet sich nach oben in siinf schmale, weit abstehende Zipfel, die nichts von dem schönen Dunkellblau der Glocke verdecken. Auf dem Fruchtknoten schauen wir im Inneren der Blüte die Honigdrüse, über die sich die unteren, stark verbreiterten Teile der fünf Staubfäden derartig wölben, daß nur fünf schmale, spaltenförmige Zugänge zu dem Honigtopfe ver- blechen. An diesen Spalten sitzen kleine Härchen, so daß schon eine gewisse Kraftentfaltung aufgewendet werden muß, will ein Insekt zum Honigtopfe vordringen. Nur größeren Tieren gibt die Glocken- iblume ihre Süßigkeiten, preis. Oeffnen wir eine noch aufrecht- stehende, aber schon sich färbende Blume, so finden wir einen mit Haaren dicht besetzten Griffel, der wie ein Zhlinderputzer in der von den fünf Staubbeuteln gebildeten Röhre steckt. Die Staub- beute! sind noch geschlossen. Bei einer Blume, die kurz vor dem Aufbrechen ist, finden wir den Blütenstaub auf der Griffelbürste abgelagert: die Staubbeutel und die oberen Enden der Staubfäden schrumpfen nun ein. In der frisch aufgebrochenen Blume hat der lGriffel sich in die Länge gestreckt. Nun kommt die Jnsektenwelt zu Gaste. Bienen. Hummeln und ähnliche große Honignascher laden dabei unbedingt einen Teil des Blütenstaubes von der Griffel» bürste auf ihren Körper ab. Bald verkümmern auch die Griffel- haare und nun erst spaltet sich die Narbe in drei Äeste, die sich derart rückwärts krümnien, daß sie genau die Stelle einnehmen, an der sich zuvor der Blütenstaub befand. Wenn also ein Insekt tn einer jüngeren Blume sich Blütenstaub auf seinen Körper auf- lud, so wird es diesen beim Besuch einer älteren Blüte wieder los. So ist Fremdbestäubung unausbleiblich. Die reife Frucht stellt eine dreifächerige Kapsel dar, die gleich der Blume hängt. Am unteren Teile der Frucht sehen wir drei kleine herabschlagcnde Klappfenster, die bei trockener Witterung geöffnet sind, so daß der Wind den Samen in der Reife beschleunigt. Da Feuchtigkeit dem Samen in der Frucht leicht Schaden zufügen Zaun, klappen die Fensterchen zu, sobald die Luft sich mit Fcuchtig- Zeit zu füllen beginnt. Nach völliger Reife fegt der Wind die Samenkörnchen aus den Fensterchen heraus; da die Frucht an einem elastischen Stiele sitzt, werden die Samenkörner weit ausgestreut. h— Schach» Unter Leitung von S. Alapin, Mach. abockstf-b 2+(gs-gsch l) Schachnachrichten. Der Stand des Breslauer Turniers war nach der vorletzten Runde: Rubinstein U'/a, Duras, Tarrasch je 11, Teichmann 10 Vz(1), Schlechter 10'/z. Marshall 9, Breyer 8'/» Barasz, Spielmann 8, Przepiorka 7'/z(1>. Burn, Mieses T'/a. Le- witzky 7, Cohn 61/» Carls, Lowtzky ß1/� Treybal 4>/z. Balla S'/z. Dem vom 1. Juli ab konstituierten allgemeinen„Arbeiter« Schachbund" sind bis jetzt folgende Arbeiter-Schachvereine beigctre- ten: Berlin, Brandenburg. Eßlingen. Hamburg(Buchbinder), Heil« bronn, Ingolstadt, Leipzig, Köpenick,"Mannheim, München, No- wawes, Liegensburg, Stuttgart, Antwerpen und Zürich. Der Bund gibt als„B u n d e s o r g a n" eine monatliche„Arbeiter-Schach- zeitung" heraus, die sämtlichen Bundesmitgliedern nur auf Grund ihres Bundesbeitrages(1,50 M. jährlich) frei zugestellt wird. Hier- mithört also der obligatorische Bezug der privaten „Deutschen Arbeitcr-Schachzeitung" auf, deren schachtechnischer In- halt, namentlich in bezug auf den Partien»(bezw, analytischen) Teil, in letzter Zeit ganz minderwertig war. Das schön ausgestattete 16(bezw. 18— 20) Seiten starke Heftchen des Bundesorgans ist soeben erschienen. Den allgemeinen internationalen Tendenzen des Bundes entsprechend, ist die Zeitung einfach„Arbeiter-Schachzeitung" betitelt. Sie ist von Nichchundesmitgliedern für 3 M. jährlich(Arbeiter 2 M.) durch den Selbstverlag des Bundes(R. Oehlschläger, Berlin N. 65, Hochstädter Str. 10) zu beziehen. Verantwortlicher Redak- teur E. Katzler, Berlin O. 112, Müggclstr. 21, an den alle redak- tionellen Mitteilungen zu richten sind.— Die Nr. 1 ist mit einem gelungenen Gruppenbild des Pistyaner Turniers ausgeschmückt. Die Redaktion verspricht, auch künftig Illustrationen schachlicher Natur zu bringen. Der Problemteil besteht aus 8 interessanten Diagrammstellungen. Der Partienteil enthält eine Analyse über das Ricegambit und eine Französische Partie, deren auSführ- liche Glossen eine Analyse dieser wichtigen Eröffnung ersetzen. Da der Verfasser S. Al a p i n heißt, sei die Rezensierung anderen Schachinstanzen überlassen... Wir wünschen dem neuen Beweis der geistigen Strebsam- keit in Arbeiterkreisen eine gedeihliche Entwickelung. 18. o3-c4 Tf6— h6 19. h2— h3..... ES drohte TXiSfl nebst Dh4+. Angriff und Gegenangriff gestalten die Partie sehr lebhaft, interessant. 19...... Lc8— b7 20. Khl— h2..... ES drohte TXbSf nebst Springer» abima 20...... Sc0-a4 21. a2— a4..... o4—c5 sollte sofort geschehen. 21...... Dd8— h4 22. c4— c5 Ta8— c8 23. a4Xb5 aGXbß 24. Tbl— b4 Lb7Xg21 Siziliantsch(Breslau). B r e y e r. Marfhall. 1. v2— e4, c7— c5; 2. 62—64(üblicher Sf3l) 2---- 05X64; 3. Sgl — f3, o?— o«.(In Betracht kommt S.... DaSfl?: 4. 1,62, Db6 K.) 4. 813X64. Sg8— 16; 5. Sbl-o3, Lf8— b4; 6. Iii— b5 Solider 1,63 6...... 7. 0-0 Vorsichtiger Sf6 8. b2Xc3 Besser Le7 9_ jjj 9. La3, LXT(Dft5i?) w.'skS zu erwägen 8kSXs4 Lo4Xo3 Lb4Xc3 9. 10. 864—62 11. Lb5— 63 12. So2— g3 13. f2— f4 14. Kgl-hl 15. Lei— a3 16. c2— cS a7— a6 JjcS—£6 0-0 Sb8— 06 I,f6— 64t 57— kS Tf8—£6 L64— a7 16..... LXc3; 17. 8Xk5 nebst event. I)b3f 17. La3— 66 b7— b5 Entscheidend 25. Kh2Xg2 26. Kg2— f? 27. Kf2— e3 28. Ke3Xd4 29. f4Xe5 30. 05X66 81. D61— bSf 32. K64— 65 33. Db3Xb4 34. Kd5Xe5 Aufgegeben. Dh4Xh3t Dh3— h2+ Db2Xg3t 06— eßf! Th6X66tt Tc8Xc5 Tc5— c4tl Tc4Xb4 DgSXdSf Dd3Xe2t Serantwortl. Redakteur: Albert Wachs. Berlin.— Druck u. Verlag: BorwäctsBuchdruckerei u.Verlagsanstalt Paul SingerchCo., Berlin SVU