Nnterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 154. Sonnabend, den IQ- August. 1912 il�achdruS battocetu 80] Der Alittiber. Von Ludwig Thoma. „Dös sagst d' jetzt aus Zorn: und wann i wos o'band'l '(einfädle), nacha mogscht Wieda nimma." „Ja no. dös paßt mir gar it. daß i ganz öffatli auf d' Brautschau geh': do bin i z' alt dazua und mog aa den Krach dahoam it. Dös müaßt oiwei staad geh und it auffällig, und bal i oane sehg'n that, de mir guat o'stand, und de do her passet, na sag' i net na, aba'r aa net so g'schwind ja." „Geh mit mir umi auf Arnzell!" „So mach ma de Eichicht nimma. I müaßt unta da Hand dafrag'n, wia's mit'n Geld steht und ob s' a Haus- wes'n führ'n kunnt: und bal's do koa Ausstellung it gab (nichts daran auszusetzen ist), nacha kunnt i s' amal o'- schaug'n, aba alloa, und so, daß koa Mensch nix dabei denk'n müaßt." „De Auskunft bring i dir schnell gnua her." „Laß da Zeit! Vor da Urschula ihra Hozet(Hochzeit) Hot 's jetzt koan Wert it, und nacha möcht i aa dös mit dera Dirn z'erscht in Ordnung Hamm." „Ja so, de gang da sinscht im Weg um?" „Mir?" „I will di it ausfrag'n. Obwoi daß's bessa waar, wann i a bissel wos inne wurd. Weil i nacha do leichta mit de Leut in Olching red'n kunnt." „Du fragscht, ob s' a richtige Person brauch'n kinna, und vo mir sagst d' gar nix." „Dös that i a so net: abä bal nacha dös auftrifst(ein- tritt)?" „Wos?" „No, dös sell halt!" „Ah so! Dös werd it auftreffa, und für den Fall, daß also... a... für den Fall is ander Leut aa'r it bessa ganga, und du ko'scht hintadrei sag'n, du hoscht dös it schmecka (riechen) kinna." „Is recht. I wer mei möglich's thoa. Und vo Arnzell, do bring i dir a ganz a g'naue Beschreibung." „Dös sehg'n ma nacha scho." „Es muaß dir ernscht sei, Schormoar!" „Jetzt is mir ernscht: aba bal i morg'n änderst g'sinnt bi, nacha heireth i dir z'liab it, dös ko'scht glaab'n." „Dös laßt si denga: aba entschadinga müaßt d' mi für meine Gäng." „I mog nix umasonst. Und jetzt pfüad di Good, und halt's Mäu." „Is scho recht. Adjä! Und paß auf, i schaug dei Viech a wengl o. Hoscht d' nix zum vokaffa?" „ A paar Kaibln stenga do. Schaug da s' o und mach an Preis!" Das hatte nun der Schormayer zu wenig bedacht, daß im Stall drüben die Zenzi war. Der Tretter musterte alles Vieh und fand auch Gefallen an den Kälbern, mehr aber noch an dem stattlichen Weibs- bild, das sie ihm zeigte. Weil aber in ihm sogleich ein Verdacht aufstieg, wollte er sich Gewißheit holen. Er fing damit an. die Zenzi ausbündig zu loben. „Du hoscht dein Stall sauber beinand, g'rad sauba. Ma siecht it viel solchene. Bischt d' g'wiß scho lang aus'n Hof?" „Na. Erscht seit'n Juli." „Mit dir is oana aufg'richt'. Du haltst dei Viech, wia 's a si g'hört." „Mi thuat halt sei Arbet." „A jede vasteht's it a so: mit'n Arbet'n alloa is it g'- macht. Wann's d' amal nimma do bleib'n mogscht. na laßt d' ma's wiss'n. Für di hätt i an ausnehmend guat'n Plötz." „Hoscht du a größer's Sach(Gut)?" „Es waar it bei mir. Aba no, du werft da so schnell it geh'." „Wo waar denn nacha dös?" „Bei Bruck umanand. Aba i möcht d sei ja it wegred'n: dös that i scho net z'weg'n an Schormoar." „Um dös brauchscht di it kümmern: an Baua waar's W ganz recht." „Bal du wegkimmscht?" „Ja, weil a halt a Hauserin her thuat, und übahaupts.'� „So... so?" „Hab i di!" dachte sich der Tretter.„Also, de is? Nö, da G'schmack waar gar it so schlecht!" Und laut sagte er: „Nacha sollt' i dir an guat'n Deanst varath'n?" „Waar ma scho recht." „Du muaßt ma halt a wengl schö thoa: du Fackei (Ferkelchen), du mollet's(weiches)!" „Geah, wos hoscht denn!" Sie wich den derben Händen des Tretter aus „Thua no it so! I reiß da nix oba vom Fleisch." „Wos fallt dir denn ei?" „Unseroana werd aa'r amal was saubcr's o'rllhr'u derf'n?" „I mag dös it." „Hot bloß da�Schormar's Recht dazua?" „Wos red'st denn du daher?" „Geh, hör auf, du Sukei(Schweinchen), du g'schmach's (nettes)! Bal an oa'schichtiga(alleinstehender) Mensch so was mollet's in Haus Hot, na woaß ma's scho." „Du bischt guat trofsa!" „Herrschaftseit'n überanand, bal i di no bei mir ei'stell'n kunnt, mi vastand'n ins bald." „Glaab dös it! I mag so was net." „Gar net?" „Na!" „Da waar i Wieda änderst." Er griff noch einmal unzart nach ihr, aber sie kam ihm mit einer schnellen Wendung aus. Und sie war nicht dazu auf- gelegt, mit dem wüsten Menschen einen Spaß zu haben. Ueberhaupt war sie nicht lustig gestimmt. Ihr Zustand und die Ungewißheit, und auch, daß der Holzweber Simmer gar nicht dergleichen tat, und alles mit- sammcn machte ihr zuwidere Tage. „Hör de Sach'n auf!" sagte sie unwirsch.„I bi koa Hand* tu ach, wo dir du d' Händ' o'putz'n loscht." „Deifi überanand! So stolz! Vielleicht gibst du's billiga, wann i di auf den sell'n Plötz bring." „I brauch di net dazua." „Selm suacha werd da halt oiwei härta o'kemma." „I vasteh di net: und jetzt geh amal zua!" „Adjä, schönes Mädichen, und grüaß ma'r an Jungfern-. bund: und bal's d' in dem Jahr no an Schnulla brauchscht, schick i da'r oan." „Gel, du mogscht it so frech sei?;' Aber der Tretter war schon lachend zur Türe hinaus und schlenkUte pfeifend über den Hof. Er suchte den Bauern auf. „Was kost'n de Kaibln?" „Wos willst d' geb'n?" „Fufzgi, wia da Preis is." „S' Pfund gilt jetzt oansafufz'g Hot ma g'hört." „Da hoscht falsch g'hört." „Also nimm s' um fufzgi!" sagte der Schormayer.„Es gilt na für des ander aa." Der Tretter gab den Handschlag, und listig blinzelnd sagte er: „A Kalbin hoscht in dein Stall, a recht a foaschte(feiste).'- „Da is mir nix bekannt." „No de sell, de wo i auf Olching umi treib'n soll." „Geh, laß de G'spaß? Dös stimmt gar it." „Net? No, nacha sag i halt pfüat Good: de Kaibln laß i hol'n, und den Knecht schick i her." Auf der Straße blieb der Tretter noch öfter stehen und lachte vor sich hin. „Mi möcht' a o'drahn(anführen)! O du Bauern- spitzbua!" Vierzehntes Kapitel. Aus den Fenstern des Hirtlbacher Wirtshauses klangen Bombardon und Klarinette, einmal tief hinunter und einmal hoch hinauf, und lockten immer neue Gäste herein zur Hoch- zeit des Kaspar Prückl. Neber die Stiege gingen Mädeln mit hochroten Gesichtern Und wischten sich die Schweißtropfen ab; Burschen in Hemd- ärmeln riefen ihnen Späße zu; Teller klirrten, und die Deckel der frisch eingeschenkten Krüge klapperten, und der Bier- fchlegel schlug dröhnend den Hahn in ein neues Faß. Fröhlichkeit und Lärm verrieten schon in den Vor- räumen ein reiches Fest. Im Saale aber schleiften die Paare, tauchten im Lampenlicht auf und verschwanden drehend in dämmerigen Ecken. Aus einer Wolke von Rauch und Dunst schoben sich all- Mählich bekannte Gesichter vor. In der Mitte am Ehrentische das der wohlgezierten Hoch- zeiterin Ursula Kiening, nunmehrigen Prücklbäuerin; sie saß neben dem hochwürdigen Herrn Pfarrer; daneben war das Elternpaar des Hochzeiters, zwei Leute, denen Sparen und Arbeit anzukennen war. Da sah man auch die Fischerbäuerin von Neuried und den gewichtigen Schneider von Arnbach und, etwas entfernt von ihnen, am bescheidenen Platze die Asamin, die mit flinken Augen alle Leute beobachtete, alle, die saßen und standen und tanzten, und der gar nichts auskam. Sie hatte es mit der Grieblerin, einer armen Verwandten des Hochzeiters, getreulich ausgerechnet, was die Sache kosten könne, und alle zwei waren der Meinung, daß es ungeheuer viel sei, und daß diese Verschwendung süch abscheulich unter- scheide von der Sparsamkeit gegen Verwandte, die es brauchen könnte», (Fortsetzung folgt.) 9] Lügen. Von Gustaf I a n s o n. Sie lagen platt auf dem Beuche auf einem hohen Sandrücken, de. die ganz« Umgegend beherrschte. Pietro rückte«in wenig näher, um das Papier zu betrachten, was der Kamerad entfaltet hatte. Es war eine halbseitig« Zeichnung aus einer illustrierten Zeit- schrift. Was einem zuerst auffiel, war ein Araber in weißem Burnuß auf einem Springer, der im Begriff schien, sich zu über- schlagen. Um ihn herum gruppierten sich andere Araber, die ihre Säbel schwenkten oder mit Büchsen und Pistolen von einem sehr .unpraktischen, altmodischen Modell schössen. Mitten unter ihnen ifochten geschmeidige Bersaglieri. Sie parierten die Säbelhiebe, feuerten, richteten Bajonettstöße. Ihre Haltung war tadellos, die Uniformen elegant, die Federbüsche ihrer Hüte flatterten, alles an ihnen erweckte den Eindruck überlegener Kraft und Sieges- gewißheit. Fontanara- zuckte die Schultern, derartige Bilder hatte er schon früher gesehen. „Glauben Sie's mir jetzt?" fragte Zirilli, glücklich über die lebendige Zeichnung, und wies auf die Unterschrift:„Unser Regi- ment... Datum... Da, lesen Sie selber!" Es verhielt sich so wie er sagte. Die Illustration sollte den berühmten Bajonettanariff des Regiments vorstellen. Pietro er- innerte sich, daß er cinihe Offiziere darum befragt, und die hatten ihm aufrichtig geantwortet, daß ein Handgemenge überhaupt nicht stattgefunden hatte. Und hier lag einer von denen, die an dem Gefecht teilgenommen, und war bereit, auf seine Art eine Menge Einzelheiten von demselben zu erzählen. Falls Pietro ihm gesagt, daß die Offiziere, denen er doch pflichtschuldigst zu gehorchen und zu glauben hatte, dies verneinten, hätte das Zirilli tief gekränkt. Was ein Zeichner an seinem Reißbrett vielleicht Hunderte von Meilen vom Kriegsschauplatz entfernt, zusammcnphantasiert hatte, war ein handgreiflicher Beweis, die eigenen Beobachtungen waren dagegen aus seinem Gedächtnis verwischt. Pietro sah den Soldaten von der Seite an. Es hatte keinen Sinn, ihn über seinen Irrtum aufzuklären. Er würde ohne Zaudern die Finger auf die Hostie legen und schwören, daß die Zeichnung die Wahrheit enthielt. Und Tausende von Kameraden würden dasselbe tun. Pietro starrte nachdenklich über die öde Land- schaft hin. Ihm ging eine Ahnung auf, mit welcher unerhörten Menge Lügen der Krieg und alles, was mit ihm zusammenhing, umgeben war. Alte, halbgedachte Gedanken und neue Ideen summten in seinem Gehirn durcheinander. „Die Eampagna mit ihrer Armut.. Bah! In London und anderen Großstädten sterben jährlich Hunderte von Menschen vor Hunger." Dieser Krieg war genau wie alle anderen. Seine Lands- leute hatten keine größeren Dummheiten begangen, als wie jede andere Nation sie jeden Augenblick auch begehen konnte... Zirilli war von dem unzugänglichen Kameraden fortgekrochen und lag neben Rapagnotti. Mit seiner mürrischen Stimme sagte dieser: „Er ist hochmütig. Halt den Mund!" Die Sonne sank rasch im Westen, und von Osten her kam die Dunkelheit herbeigeschlichen. Eine blutrote Scheibe, deren untern Teil ein Hügel verdeckte und deren oberen Rand eine schwarz- blaue Wolke fortgeschnitten, glänzte drohend am Horizont. „Was haben die Völker erreicht?" dachte Fontanara, dio Augen auf die sinkende Sonne gerichtet.„Sie haben sich ein Ge- fängnis gebaut, prachtvoll in seiner monumentalen Höher, furchtbar durch seine Schwere. Sie fühlen sich unglücklich darin, sie leiden. Und doch opfern sie ihr Leben, ihr Glück, die Zukunft ihrer Kinder, um darin wohnen zu dürfen. Und warum haben sie diese Strafavbeitsanstalt gebaut? Nicht um sich selbst zu nützen, sondern um anderen zu schaden. Und in dieser Gefängnis- schule müssen die Generationen das Unmöglichste lernen: den Kampf, den nur die Gehirne entscheiden können, sollen sie mit den Fäusten zum Austrag bringen." Der äußerste Rand der Sonnenfcheibe versank hinter dem Hügel, die Dunkelheit nahm überhand. /Als der letzte ersterbende Schein gegen die schwarzblaue Wolke»gitterte, leuchtete es auf über der Tiefe in der Seele des Grüblers. Der Blitz einer Ein- gebung zuckte durch die Nacht. Er ahnte seinen Weg, nein, er sah ihn deutlich. Der unfertige Gedanke, der auf seinem Spaziergang in der Campagna geboren wurde, wuchs und nahm Gestalt an... „Schreiben Sie?" Hauptmann Vitale sah auf das Notizbuch in Pietros Hand nieder. „Einige Beobachtungen und Gedanken," antwortete der Soldat und erhob sich. „Ein neues Buch... eh?" Vitale kniff das eine Auge zu- sammen und blinzte mit dem anderen.„Ich will Sie nicht stören." Er nickte freundlich und setzte lächelnd seinen Weg fort. Pietro klappte sein Notizbuch zusammen und steckte es in die Tasche. Seine Augen folgten dem stattlichen Komjwgniechef. Sah das Buch, von dem er jetzt träumte, je das Tageslicht, sollte Haupt- mann Vitale reichlich das Lob, das er verdiente, erhalten. Der Hauptmann war wieder umgekehrt und blieb nochmals vor Pietro stehen. „Fontanara, mir ist eben was eingefallen. Sie sammeln Be- obachtungen... eh! Sie wollen sehen und lernen. Gut! Das Bataillon soll im Laufe der Woche aus der Linie gezogen werden ... sich ausruhen... eh!... Sie verstehen schon. Ich richte es ein, daß Sie im Hauptquartier auf Wache kommen. Machen Sie die Augen auf! Eh! Verlassen Sie sich darauf..." Auf die Art kam es, daß Pietro einige Tage später seinen Platz am Eingang zur Kommandoexpedition des Hauptquartiers erhielt. Links von sich hatte er eine gerade, breite Treppe, die in zwei Absätze geteilt war. Oberhalb derselben lag ein großer Saal, in dem beständig ein halbes Dutzend Adjutanten zur Hand waren. Pietro stand in der Türöffnung zwischen der Treppe und dem Saal Posten. Dann und wann ging eine Ordonnanz vorbei, lieferte einen Rapport an einen der Offiziere ab und kam wieder vorüber. Der Offizier, der den Rapport in Empfang genommen, eilte durch eine der vier Türen des Saales in eins der Expeditions- zimmer. Manchmal kamen auch höhere Militärs oder Beamte, die zuweilen eine Frage an den ersten besten Aojutanten richteten, aber ebenso häufig direkt auf eine der Türen zugingen, hinter der sie verschwanden. Einige richteten ihr Vorhaben in fünf Minuten aus, andere blieben lange. Wenn ein solcher Herr vorbeikam, zog Pietro das Gewehr an die Seite und stand stramm mit zusammen- geschlagenen Hacken. Niemand beachtete ihn, er war etwas Un-- persönliches, eine Sache, eine Dekoration. Ihm fiel auf, daß eine der Türen des großen Saales ge« schlössen blieb, seitdem er seinen Platz eingenommen hatte. Der Kamerad, den er vor einer halben Stunde abgelöst, hatte ihm„Araber" zugeflüstert, wobei er gleichzeitig eine Hand- bewegung nach der geschlossenen Tür zu gemacht hatte. Pietro hatte mit den Augen geblinzelt, als Zeichen, daß er verstanden. Er nahm an, daß der lange, einäugige Eingeborene, der sich wäh- rend der Zeit bescheiden in eine Ecke drückte, einer der vorhin Er- wähnten war. Er ließ seinen Blick einige Sekunden auf dem Fremden in dem faltenreichen Gewände ruhen. Der Mann war- tete sichtlich auf jemand. Pietro fand nichts Interessantes atk ihm. wenn nicht möglicherweise die raschen, unsteten Blicke. Ordonnanzen kamen und gingen, Adjutanten nahmen der Reihe nach ihre Rapporte entgegen. Daß diese nichts Wichtiges enthielten, zeigten die gleichgültigen Mienen. Das Ganze war eben etwas, was dazu gehörte und in das man sich finden mußte. Zwei rote Feze am Fuß der Treppe zogen plötzlich Pietros Aufmerksamkeit auf sich. Er irrte sich nicht, es waren wirklich türkische Offiziere. In Begleitu?� eines Rittmeisters kamen sie langsam die Stufen herauf. Pietro konnte in aller Muße diese beiden Feinde betrachten. Der eine, offenbar ein Hauptmann, war groß und schlank und ging in strammer, ein wenig steifer Haltung. Sein Gefährte und Vorgesetzter war klein, ziemlich beleibt und schlecht gewachsen. Sein Gesichtsausdruck war beinahe zu einfältig, um natürlich zu sein. Ohne den Mann zu kennen oder nur seinen Rang zu wissen, hatte Pietro das Gefühl, daß er gefährlich war. Sein dummes Gesicht war eine Maske, hiKker der etwas ganz anderes lauerte. Der Posten stand vorschriftsmäßig stramm und hielt die Augen unvcr- wandt auf die Türken gerichtet, als diese vorbeigingen. Der kleine Dicke begegnete seinem Blick, faßte ihn als Höflichkeit auf und grüßte herablassend freundlich. „Parlamentäre!" stellte der Kavallerist vor. Die Offiziere verbeugten sich steif, die Ordonnanzen standen stramm. Nur oer Araber kroch in seinem Winkel zusammen, als ob er sich verstecken wollte. Als er das Vergebliche seines Ver- suches einsah, kehrte er den Rücken nach dem Zemmer hinaus. Die beiden Türken machten in der Tür Halt. Der Kavallerist forderte sie auf, naher zu treten, aber der Dicke lehnte es ab. „Danke... nein... wie Sie hören, rede ich Ihre schöne Muttersprache," sagte er in mangelhaftem Italienisch. Darauf fetzte er auf türkisch hinzu, ohne gleichwohl den Kameraden an- zusehen!„Halten Sie die Augen offen! Zählen Sie die Schiffe auf der Reede! Was es sonst noch gibt... prägen Sie sichs gut ein!" Das Lächeln wich keine Sekunde von seinen Lippen, und im selben Atemzug wandte er sich darauf erklärend zu dem Ritt- meister:„Fcrmel Bei beherrscht keine andere Sprache als unsere. Ich sagte ihm, einen höflicheren Wegweiser als Skd hätte uns der Zufall niemals schenken können." Diesmal bediente er sich des französischen Idioms, das er vollständig beherrschte. „Oh, Major Assan..." Der Kavallerist lächelte geschmeichelt. „Dauert es lange, bis der General...?" „Kann ich mir nicht denken. Um was handelt es sich?" Ein Jnfanteriehauptmann, der die Frage gehört, trat heran und schüttelte dem Rittmeister die Hand. „Die Verwundeten im Terrain südlich von Ain-Zara," klärte ihn dieser auf. „Soo!" Der Jnfanteriehauptmann zuckte die Schultern. „Sechs Stunden Stillstand, was?" Und als Major Assan ein Ja nickte, fügte er hinzu:„Ich bilde mir«in, dasi die Antwort Nein lauten wird. Das Vorrücken soll fortgesetzt werden und..." Er hielt plötzlich inne, biß sich auf die Lippen und ging ärgerlich beiseite. Der Kavallerist schüttelte betrübt den Kopf, ein Offizier in der Nähe hustete nachdrücklich. Pietro begriff. Gegen seinen Willen hatte der Infanterist etwas gesagt, was der Feind nicht hören durfte. Seine Lands- leute versuchten das Versehen durch unbefangenes Aussehen zu vertuschen, und scheinbar glückte es ihnen. Major Assons Gesicht blieb unveränderlich einfältig und liebenswüroig. Aber sein Be- gleiter, der Hauptmann, konnte Pietros forschendem Blick nicht rasch genug sein frohes Erstaunen verhehlen. .(Fortsetzung folgt)] Die Kultur des Zeichnend* Vom 12. bis 17. August tagt in Dresden der 4. Internationale Kongreß für Zeichnen, ftunstunterricht und angewandte Kunst. Im Mittelpunkte der Beratungen wird die Reform des Zeichenunter- richts stehen. Bedeutende Fachmänner des In- und Auslandes werden hierzu das Wort ergreifen. Seit dem 1. Internationalen Kongreß zur Förderung des Zeichenunterrichts, der während der Meltausstellung im Jahre 19lK> in Paris abgehalten wurde, haben die Anschauungen auf diesem Gebiete eine umwälzende Erweiterung erfahren. Auf jenem ersten Kongreß wurde die Gründung einer internationalen Vereinigung von Zeichenlehrern beschlossen, die unter Mithilfe von Behörden, Berufsvereinen und Einzelmitglie- dern die Beschlüsse des Pariser Kongresses und der folgenden durch- führen sollte. Auf dem zweiten Kongreß in Bern 1304 wurde diese Vereinigung ins Leben gerufen. Ihren Namen erhielt sie auf dem dritten Kongreß in London, bei welchem sich 1813 Teilnehmer aus 38 verschiedenen Ländern zu gemeinsamer Beratung zusammen- fanden. Dieser vierte Kongreß will— wie der Vorbericht sagt—, wie {eine Vorgänger, den Zeichen- und Kunstunterricht auf eine immer estere Grundlage stellen, er will den hohen Wert des Zeichnens für die allgemeine Bildung wie für den Beruf zeigen und so das Ansehen des Faches urtf» der Fachgenossen fördern. Diesem Zwecke sollen Vorträge und Diskussionen, vor allem aber einige internatio- nale Zeichenausstellung, verbunden mit einer Lehrmittelausstellung, dienen, die bis 25. August im städtischen Ausstellungspalast geöffnet sein wird. Nach dem vorliegenden Programm werden auf dem Kongreß die neueren Gesichtspunkte: allgemeine pädagogische und technische Fragen des Zeichenunterrichts eingehend erörtert wer- den. Ziel und Streben ist: Das Zeichnen zu einem lebendigen Bildungs- und Ausdrucksmittel zu gestalten. Die Bedeutung des Zeichnens für die volle Durchbildung des Menschen wurde bisher stark unterschätzt. Im Vordergrund des Unterrichts stand das abstrakte begriffliche Denken. Die Folge war eine einseitige Ausbildung des spekulativen Denkens, das oft den Zusammenhang mit den Dingen der Wirklichkeit verlor. Los- gelöst von den Dingen, geriet der Geist leicht zu Verknüpfungen und Schlüssen, die dann im wirklichen Leben.»cht standhielten. Wer aber trotzdem bei der Wirklichkeit blieb, der zergliederte wohl mit scharfem kritischem Verstände die einzelnen Dinge und löste sie so in ein Nichts auf. Aber er sah nicht die Form, das charakte- ristische Eigenleben jedes Dinges.„Er hat die Teile in seiner Hand, es fehlt leider nur das geistige Band", höhnt treffend Me- phisto in Goethes„Faust" über diese einseitige Methode der Be- trachtungswcise. Eine ganze Welt voll Leben und Schönheit geht solchen Menschen verloren. Demgegenüber bedeutet die Pflege des Zeichnens eine Förderung des anschaulichen Denkens. Wer sich gewöhnt, die Erscheinung der Dinge sich ins Gedächtnis zu rufen, wird leichter vor falschen Kombinationen bewahrt bleiben. Er wird nicht so oft die Wahrheit des Schillerschen Wortes schmerzlich empfinden müssen:„Leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Räume stoßen sich die Sachen." Zugleich wird seine Vor» stellungswelt reicher und lebendiger. Es ist deshalb eine bedeutsame kulturelle Förderung des Men- schengeschlechts, wenn heute weitblickende Pädagogen auf diesem Gebiete das Zeichnen zu einem Ausdrucksmittel wie Schrift und Sprache zu machen suchen. Was oft der Sprache unmöglich ist oder nur mit ungeheurem Aufwand von Worten gesagt werden kann, tritt in cineni Bilde sofort lebendig vor die Seele. DaS Sehen wird geschult und wird zu einem„Schauen". Die Natur der Dinge erschließt sich dem Beschauer und erleichtert ihm so das Verständnis der Umwelt. Dies möge genügen, um den Wert des Zeichnens als allgemeines Bildungsmittel zu zeigen. Daß die frühe Pflege des Zeichnens für die spätere künstle- rische Betätigung von der größten Bedeutung ist, ist wohl selbst» verständlich. Aber hier kommt es nun ganz besonders aus die Art des Zeichenunterrichts an. Auch da will der Kongreß neue Weg finden. Das geistlose Nachkopieren von Vorlagen und Gips- abgüssen, wie es besonders zur Zeit der nationalen Begeisterung für deutsche Renaissance in den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in den Schulen üblich war, ist ja immer noch nicht ausgerottet, aber doch wenigstens in den fortgeschritteneren Schulen überwunden. An dessen Stelle setzte der Naturalismus das Zeichnen nach der Natur. Aber auch dies war in der Regel ein Kopieren. Man ahmte getreulich die zufälligen Naturformen nach, ohne das Wesentliche und Einheitliche in der Form zu er- fassen. Man vergaß, diese Naturformen individuell zu verarbeiten und neu zu gestalten. Die Folge war eine vollkommene Charakter- und Stillosigkeit der künstlerischen Produkte. Da lernte man von Chinesen und Japanern, die Kunst des Gedächtniszeichnens. Die Kunstwerke jener Völker vereinigten in sich den Völkern des Orients, besonders von den Natursinn und Stilfeinheit in verblüffender Harmonie. Wie kam das? Erst in neuerer Zeit kam man dahinter. Der Chinese und Japaner zeichnete in der Hauptsache die Natur nach dem Gedächtnis. So sah er im Mogient des Schaffens die Natur nicht mit dem physischen Auge, sondern mit dem geistigen. Das Bild, das er.in der Natur aufgenommen, hatte unterdessen den Stempel des Charakters und Wesens des Schauenden angenommen. Das Gedächtnis hatte nur das dem Geiste des Künstlers Wesentliche von der Naturform über- mittelt, und so entstand nun e?n ganz Neues: ein Stück Natur. durch den Kulturgeist eines empfindenden Menschen gesehen. Wird die künstlerische Erziehung des Volkes heute diesen Weg gehen können? Wenn man die Erfolge, die bereits auf diesem Wege gemacht wurden, anerkennt, kann man die Frage getrost mit Ja beantworten. Es ist notwendig, daß man zu den elementarsten Grundgesetzen künstlerischen Schaffens zurückkehrt und auf ihnen alle weitere EntWickelung fundamentiert. Aber dazu ist eine völ- lige Umgestaltung deS Zeichenunterrichts Vonnöten, und als weitere Voraussetzung eine entsprechende Ausbildung der Zeichenlehrer. Diese Fragen werden denn auch bei der Diskussion auf dem Kon- gretz eine große Rolle spielen. In dem Borbericht zum Kongreß wird darauf hingewiesen, daß es notwendig sei, die geeigneten pädagogischen Kräfte aus allen Schichten der Bevölkerung heraus zuholen. Es gelte alle Kräfte heranzuziehen und in den Dienst der Gesamtheit zu stellen. Das wird unter den heutigen sozialen Verhältnissen wohl ein schöner Gedanke bleiben. Aber zumindest muß man fordern, daß nur Leute mit ernster pädagogischer Be- fähigung zu Zeichenlehrern ausgebildet werden, damit nicht die Jugend Lehrern in die Hände fällt, die das Unterrichten lediglich als ein Geschäft betrachten. Der Zeichenunterricht hat dazu in Zu- kunft eine zu hohe Aufgabe zu erfüllen. Architekt B e y r e r- München sagt in seinem Vortrag über Handfertigkeitsunterricht: „Wir wollen nicht einzelne Talente zu Kunstlern, sondern vorerst ein ganzes Volk zum besseren Geschmack erziehen und dürfen des- halb unsere Ziele noch nicht nach zu hohen künstlerischen Gesichts- punkten stecken, sondern müssen jenen natürlichen Weg ein- schlagen, der von unten nach oben führt, und den die Kunst selbst und die Künstler gegangen sind." Dazu fordert Professor Rudolf B o e ck- Wien, daß der breiten Oeffentlichkeit, als der Kunstkonsu- mentenschaft, Gelegenheit gegeben werde, sich im Zeichnen, Malen. Modellieren und im Graphischen weiterzubilden.„Das könne am besten in offenen, möglichst billig oder ganz frei zugänglichen Zeichensälen für alle männlichen und weiblichen Personen über 14 Jahre geschehen." In Paris und auch im übrigen Frankreich stehe diese Einrichtung schon seit langem in Blüte. Neben diesen Anregungen wird auf dem Kongreß noch eine Menge anderer Fragen aufgerollt werden, die mit der Reorgani- sation und allgemeinen Einführung des Zeichenunterrichts in engem Zusammenhang stehen. Aber eine Frage scheint man auf dem Kongreß— wenigstens der Tagesordnung nach— nicht mit besonderem Hervorheben erörtern zu wollen: Wie ist es möglich, die breite Masse des Volkes, die im Dienste des Kapitalismus ihre Kräfte aufreibt, zur Teilnahme an diesen Bestrebungen nach künst» lerischer Durchdringung ihres Lebens heranzuziehen? Die Kon» greßdebattcn werden ja zeigen, ob man das ganze soziale Feld ins Auge fassen wird. Sicherlich hat auch die Arbeiterschaft Au» - 616— laß, den Kongreß mit freudigem Interesse, daß es auch auf diesem Gebiete vorwärts geht, zu begrüßen. Für sie gilt das Ziel, das Zeichnen als Kulturmittel allen Klassen der Gesellschaft in glei- «Hein Umfange zuzuführen. Max Menzer. kleines Feuilleton. Bilder von der Messe zu Nischuy-Nowgorod. Am 7. Anguit wurde die große MatarniS-Messe mit dem üblichen Zeremoniell eröffnet. Die flache Halbinsel, die von dem Zusammenflusse der Wolga und der Ola gebildet wird, ist das Meß- gelände. Hier erheben sich die enormen steinernen Warenlager und die Riederlagen in zeitweiligen Bretterfchuppen oder unter freiem Himmel i hier wimmeln im Laufe von vier Wochen an hunderttausend Menschen; hier werden einige hundert Mil- lionen Nickel umgesetzt,»ind hier, das heißt in dem auf hohem Ufer gelegenen Nischny- Nowgorod und im Bororte Kunawino betätigt sich in unzähligen Kneipen und Tingeltangeln die„breite russische Natur", die aus dem Vollen lebt und das Geld achtlos fortwirft—, dasselbe Geld, daS mühselig im Laufe eines Jahres erworben worden ist. Das kleine, verträumte Nischny-Now- gorod aber ist dann von sprudelndem Leben erfüllt. Die Stadt schaut verwundert von der Höbe aus das Treiben zu ihren Füßen herab. Hell lacht die Sonne über das alte von genuesischen Werk- meistern errichtete Gemäuer dcS Kreml(der Allstadt), über die nn- geheuren unabsehbar weiten Wassermassen des„Mütterchens" Wolga und die unendlichen, schimmernden Wiesen. Man hat der Makarius-Messe schon längst den Untergang prophezeit, denn sie fügt sich schlecht in den Nahmen des modernen Handels, der mit Mustcrreisenden arbeitet und danach strebt, die Spesen nach Möglichkeit zu verringern. Es erscheint in der Tat un- geheuerlich. daß man aus allen Enden und Ecken des Reiches un- geheure Warenmassen an einen Ort schleppt, um sie event. an den Herstellungsort zu verkaufen, aber eS gibt im heiligen Rußland vieles, »vas ungeheuerlich erscheint und doch in der Ordnung der Dinge ist. Die Messe besteht trotz aller Prophezeiungen, denn die Gewohnheit ist mächtig und der russische Kaufmann will die Waren, die er an- schafft, sehen) er glai'bt nicht an Muster, richtet er fich doch selbst nach dem alten, noch immer zu Kraft bestehenden Grundsätze: wer nicht beschummelt,»erkauft nichts. So stapelt man denn in Nischny ungeheure Wareumasien auf, die per Bahn oder aus der Wolga in mächtigen ungefügen Barken angebracht werden. Hier wird der fabelhafte Reichtnni und die Größe Rußlands kund. Waren, die der Ver- braucher lot- oder pfundweise kauft/lagern hier in Tausenden Pud. Am Flußufer ziehen sich Gebirge von Eisen, Kupfer und Blei hin. In un- geheuren Stößen lagern gedörrte Niesenfische, Teekisten bilden eine Stadt. An einem Orte konzentrieren sich hunderttausend Fässer Honig, dort lagern fünfzigtausend Fässer Talg, hier stinken gesalzene Häute gen Himmel. In den gedeckten Niederlagen türmen flch Zeuge, kostbares Pelzwerk, Gewürze, Tabak, Spiegel, Glas- waren, Bijouterien und tausend andere Dinge. Man multipliziere die Warenbestände einer großen Handelsstadt mit hundert und man hat die Messe von Nischny. Ungefähr. Denn man handelt hier Rohprodukte und Er- zeugnisse, von denen man in Westeuropa keine Ahnung hat. Man hat die Bedürfnisse von Völkern zu befriedigen, die kein Papiergeld nehmen, die in den einsamen Wäldern des Nordens das Feuerstein- gcwehr führen und Holzblöcke anbeten oder das Feuer als Gottheit verehren. Man schicke doch'einmal einen Musterreisenden zu dem männlich schönen Sarten aus Turkestan, der seinen Turban und den grellbunten langen Chalat mit unvergleichlicher Würde trägt, oder zu dem schlitzäugigen gelben Burjäten oder dem Chinesen oder Tataren— sie werden dem Kühnling ins Gesicht lachen. Was sie kaufen, nehmen sie mit, das ist sicher. Sie bringen ja auch selbst ihre Waren mit: fossiles Elfenbein, kostbare Spezereien, edles Pelzwerk, Roh- sioffe, Lederwaren, schillernde Seidenstoffe, Edelsteine, Gewebe, Metallarbeitcn und tausend andere Dinge. Sie haben ihre Leute mit— phantastische Gestalten in den sonderbarsten Be- kleidungen und von sonderbarsten Sitten. Sie sprechen hundert Sprachen, und sie kommen aus Orten, die man kaum dem Namen nach keimt. Wenn die Sonne sinkt, ist Schluß, denn auf dem Meß- gelände darf kein Licht gemacht werden. Daun strömt der ganze buntscheckige Haufe in die Bergnügungslokale, und es werden oft die wüstesten Orgien gefeiert. Aber es kommt der Tag des Gerichts: die Verrechnung und Begleichung der Meßwechsel. Die Glattstellung der Verbindlich- Seiten ist der sicherste Maßstab für den jeweiligen wirtschaftlichen Stand Rußlands. Eine gute Messe mit wenig Wechselprotesten und vielen Abschlüssen besagt, daß Handel und Wandel im un- absehbaren Zarenreiche gedeihen und daß im Volke Geld ist. Der Tag des Gerichts ist der Höhepunkt der Messe. Dann beginnt der breite Schwärm sich langsam zu verlaufen,— die Leute kehren in ihre Bärenwinkcl zurück. Eines Tages wird die Flagge nieder- geholt und das Meßgelände verödet. Die Wellen oer Wolga und der Oka bespülen den Sand und nichts stört die Stille, als der Schrei der Wildente oder das Lied eines Fergen auf einer Barke, die schon tausend Werst geschwommen ist und noch tausend zu schwimmen hat, ehe sie ihr Ziel erreicht. O. Gr. Scbacb. Unter Leitung von S. A l a p i n. .. DX?: 2. vxsf): ab c d e i � 34= Lösung. 1. TXSf, SXT(1.. 2. Dd6!, co; 3. Sd2"(eö) 4=. DaS obige Problem gehört zu der von nnS bisher noch nicht besprochenen Art sogenannter„scachographischer" Kom- Positionen, die darauf ausgehen, durch die äußerliche Form der Diagrammstellung sbeziv. durch diejenige der Schlußflellung nach vollendeter Lösung) irgendeine Abbildung eines Buchstabens sbezw. eines Gegenstandes) wiederzugeben. Diese Diagrammstellung stellt zum Beispiel den Buchstaben„v" vor.(Moderne Schachspieler pflegten diese Art fast nie zu kultivieren, weil man zugunsten der Form den Inhalt nicht opfern will.) Vor etwa 40 Jahren befaßte man sich damit häufiger. Besonders verlegte man sich auf buch« stabenförmige Sachen. An die obige Diagrammstellung knüpft sich folgende interessante Geschichte. 15)03(!) fand in Monte Carlo ein inter- nationales Meisterturnier statt, dessen Komitccvorsitzcnder'ein ge- wisser Prinz vadiau von Miugrelicn war. Er organisierte in der Marseiller Zeitung„Le Mondain"(„Der Weltmann" auf Deutsch) eine Berichterstattung über daS Turnier, wobei mit den Glossieren der P a r t i e n S. Alapin beauftragt war, dessen Name als Leiter der Schachspalte figurierte. Die Redaktion des Mattes wollte den Prinzen mit einem„scachographischen" Problem seines Initialen ..0" beehren, zu welchem Zwecke das obige Problem aus einer Privatsammlnng verwendet wurde, in der aber der Name des Komponisten nicht angegeben war. Deshalb ließ die Redaktion daS Problem, ivie oben bei uns, ohne jede(sonst übliche) Namenserwähnung des A n t o r S erschnnen.— Im August 1912(!) hat sich der Autor endlich gefunden und klagt S. Alapin öffentlich in einem bekannten deutschen Schach- o r g a n(1) eines„Plagiats" an!?... Um das Maß der Hebung der Spielstärke in Arbeiterkreiscn zu illustrieren, bringen wir nachstehend den Verlaus einer kürzlich zwischen den Arbeiter-Schachklubs in Wien und Prag beendeten Korrespondenzpartie. Steinitz-Gambit.' Prag. Wien. (In unserer Schachspalte vom 16. März 1912 ist aus Versehen die Partie Rubinftein-Spielmann tat- sächlich(l) ohne NamenScrwähnung dieser Spieler veröfsentlicht worden. Der Name deZ Leiters der Schachspalte war aber dabei l... Wir raten dem„D. Vf.', den Leiter vor die Staatsanwaltschast wegen ossen- baren„Plagiats" zu zitieren I) 1. s2— e4 e7— e5 2. Sbl— c3 Sb8— c6 8. f2— f4 65X14 4. d2— 34'..... Diese bizarre und riskante«piek- weise trägt den Namen Steinitz- Gambit(Sf3I) 4...... Dd8— h4t 6. Kel— e2 g7— g5 Am stärksten ist hier 5...... 66 nebst Lg4 und cocnL 17— k5 l 6. Sc3— d5 7, Sgl— 13 8. h2— h4 ?. Ke2— f2 lt. Sf3— gl 11.)if2— el 12. Kel— dl 13. LclXf4 14. Sd5Xf4 Ke8— d8 Dh4— h5 Lf8— hö g5— g4 g4— g3f bhsX'Jit Sc6Xd4 Lh6Xk4 67— dö 15. c2— c3 864— et, 16. Sf4Xe6 Lc8Xe6 17. Lfl— e2 Sg8— 16 18. I-e2—lS S16— g4 19. Sgl— h3 Th8— g8 20. Kdl— d2 Kd8— d7 21. Lf3Xg4 Tg8Xg4 22. Sh3— g5 n— f6 23. Sg5Xe6..... 23. SXh7?, Tg6; 24. Dali, Ko7: 25. h5, Th6. 23...... Kd7Xe6 24. Kd2— d3 Ke6-e3 25. Tal— el Ta8— g3 26. Tel— 11..... Sonst TI4 nebst Tgg4 oder TS. 28. 27. TflXf» 28. Tk6Xk4 29. Tbl— 11 30. Tfl— 17 81. Tf7Xc7 32. Tc7Xb7 33. Tb7— b4t Sonst T12. 33.....; 84. Tb4— e4 85. r J— c4 36. Te4-e2 Aufgegeben. I Tg4Xe4 Te4— 14 Ke5Xk4 Kf4-g4 h7— h5 Kg4Xb4 Tg8— f8 Kh4-g5 h5— h4 Tf8-f2 h4— h3 J Berantwortl. Redakteur: Albert Wachs, Berlin.— Druck u. Verlag: LorwarlsBuchdruckerei u.VcrlagSansto.It Paul SingerLCo., Berlin ZVV.