Nnterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 159. Sonnabend, den 17. August. 1912 n»p— aa n——" (Nachdruck vervolen.Z 351 Der Mittiber. Von Ludwig Thoma. ..Halt a wengl! Vata!" Der Schormayer blieb stehen. „Dös is grab recht, daß i di siech," sagte der Lenz,„und jeht möcht i amal wiss'n, wann mir mit anand z' red'n kemman." „Vielleicht spata, wann's d' nimma b'suffa bischt." „Wo bin i b'suffa?" „Na. gar itl Stinkst auf drei Schritt nach'n Bier." „Dös is it wahr!" „J streit vielleicht mit dir auf da Straß'n? Mach', daß d' hoam kimmscht, und schlaf dein Rausch aus? Dös is schö, beim besch'tn Wetta blitz'n(blaumachen) und in Wirtshaus hocka. wia'r a Handwerksbursch!" Lenz schaute den Vater mit aufgerissenen Augen an, und plötzlich liefen ihm die Tränen die Backen herunter. „Du... du willscht mi ja it arbet'n lass'n. und hascht ma's vor alle Leut g'sagt, daß i a... a Lapp bi. hoscht «'sogt..." „Geh jetzt zua. und schäm di! I red da nix mehr." Ter Schormeyer ging weg und schaute sich um. ob nie- mand sie beobachtet habe. Das war noch das allerschönste? Mit einem Rausch am hellichten Werktag durchs Dorf geben und mitten am Weg einen Streit anfangen. Und doch tat ihm der Bursch wieder leid, daß er sich aufführte wie einer, der ganz aus dem Ge- leise geworfen war: und es war etwas in seiner Stimme, und auch, wie er so zu weinen anfing, was ihn unruhig machte. Er drehte sich um und sah, daß der Lenz noch immer auf dem gleichen ssileck stand und ihm nachstrerte. DaS ärgerte ihn wieder, und er brummte im Gehen:„De b'suffene Sau!" Lenz ging mit zögernden Schritten heim: aber bevor er an den Hof kam, packte ihn die Scheu, geradewegs hinein- zugehen, und er schlich hinter den Stallungen vorbei in die Wagenremise. Hier setzte er sich auf eine alte Kiste und briitete lange vor sich hin. Es war ihm zumut, als wenn er nicht mehr auf das Anwesen gehörte, und als wenn hier feindselige und fremde Menschen das Recht litten, ihn fortzuweisen. Draußen rieselte in allen Furchen das Schneewasscr, mid starker Erdgeruch drang zu ihm herein. Er frischte ihn nicht auf, son- dern machte ihn müde und schläfrig. Von der Dachrinne tropfte es in regelmäßigen Pausen, und es war wie. eine eintönige Musik zu seinen wirren Gedanken. Es fiel ihm nur immer wieder ein. daß ihn der Vater zum zweitenmal abgewiesen hatte. „Er mag it red'n, sagt a. In da Fruah is cahm it recht g'wen, jetzt is eahm it recht g'wen: i bi' ncamd mehr dohoam." Ter Kopf sank ihm tiefer, und er schlief ein. Erst nach etlichen Stunden wachte er auf und fuhr fröstelnd zusammen: als die Sonne hinter den Hügeln ver- schwand, blies eine kalte Luft über die Felder. Lenz mußte sich erst besinnen, wie er da in seinen Ber- steck hereingekommen war: und alles, an was er sich er- innerte, machte ihn zornig gegen sich und die andern. Einen Tag so dumm verhockt und verfaulenzt, bloß weil er in der Frühe nicht hatte reden dürfen! Aber jetzt wollt er'S herunter haben, was ihn drückte: rind, gern oder ungern, der Alte sollte ihn heute noch an- hören. Er wollte sich uicht mehr abweisen fassen wie ein Bettelmann, dem man die Tür vor der Nase zuschlägt, und warten aufs gnädige Gehör. An» End hatte er doch auch ein Recht, das er behaupten konnte. Er horchte. I»» Hof klangen Schritte, und dann hörte er den Vater rufen:„Ehnschtl! Woaßt du aa nix, wo da Lenz is?" „Na: i hon an den ganz'n Tag it g'jehg'n." Lenz schlich zur Remise hinaus, ging um die Stalluffg herum und kam nun mit festen Schritten auf das Haus zu. „Bischt do amal dahoam?" fragte ihn der Schormayer, als sie nun in der Stube einander gegenüberstanden.„Hoscht dein Rausch ausg'schlaffa?" „I woaß nix von an Rausch." „No. da red'n ma'r it lang drüba. Aba dös sell sagst d' ma vielleicht, wos dir du ei'bild'st? Selm nir arbet'n, an Knecht nir o'schaff'n(auftragen),'s Zeug net beinaud Hamm, daß mi zuaschaug'n nrnaß, wia d' Nachbarn aufs Feld außi» fahr'n.— werd dös de neu Modi auf mein Hof?" „Da bischt du schuld, Vata." er?" „Vielleicht woaßt du dös nimma. was d' ma du geschtan g'sogt hoscht vor alle Leut?" „Und desweg'n saufst du heut umanand?" „Wann du fogscht, daß i für nix bin!" „I wer scho wiss'n. wos i sog'n derf: und di wer i no kaam frag'n müass'n. Und moanst du..." „Du derfst aa it all's sag'n..." „Laß mi ausrcd'n, gel! Muaß i no freundli sei. wann d' ma du an Knecht vatreibst, der nenn Johr bei mir g'wen is?" „I Hab an Hansgirgl it vatrieb'n." „Na du bischt ganz unfchuldi. Dem is vo selm ei'g'fall'n, daß a Mnga is." „Bal a g'sagt bot, daß'n i vatrieb'n ho, na lüagst a. Soll a hergeh', und soll ma dös in's G'sicht ein! sag'n, bal a ko. Ter Leutvcrhetza!" „Der Hot it g'hetzt und Hot nir g'sagt. Aba gar so alt und so dumm, wia's d' mi du gern hätt'scht, bin i halt no uet, und sehg'n tlma'r i aa uo, und durch dös woaß i, daß da Hansgirgl bloß weg'n deina ganga is." „Ander Leut sehg'n aa. Vata, und kinnan glaab'n, daß da Hansgirgl weg'n mo-> andern nimma bleib'« Hot mög'n." „Weg'n wos?" Lenz zuckte die Achsel». „Allssainmete paßt it an jed'n." Der Schormayer hatte in der Erinnerung an den Nach- mittag ruhiger geredet, aber jetzt fuhr er wieder zornig auf. „Wann du wos zum sag'n hoscht. nacha kimm net vo hint' uma, und bring' dei Sach für! De vasteckt'n G'schicht'n Hamm bei mir gar koan Werth." „Es is it leicht, vo so was red'n." „Na«maßt d' gar nir sag'n, aba so hoamli innaßt d' a? it o'bringa woll'n." Lenz gab sich einen Ruck und sagte dann, indem er es vermied, den Vater anzuschauen.„Es is Wöhr! Amal muaß g'rcdt wer'n, und i bi ja desweg'n kemma." „No mißa damit!" Ter Schormayer üellte sich anS Fenster mit de.« Rücken gegen seinen Sohn, und so war der eher imstand, alles vorzubringen. was er sich die langen Tage her ausgedacht hatte. „Siehgst d'. Vata. a so geht's nimma um. D' Leut veracht'n ins..." „Wen?" „Ins all niitanand, weil... weil..." „Red no weita!" „Weil's amal a Schand is, und so diumn san d' Lent it. daß s' dös it mirka, z'weg'n was d' Zenzi üba Liachtmeß bleib'« Hot derfa..." Der Schormayer drehte sich halb um und fragte ruhig: „Wos is denn dei Meinung, z'weg'n wos de bleib'« Hot derf'n?" Lenz stockte und wandte den Kopf nack rechts und links und zog sich den Httudittmcr. weiter und sagte dann: „No fa! Z'weg'n dein halt..." „T-aß du gar so g'schamig bischt, und sagscht zu mir it dös nämli, wia zu de Leilt?" ,.F ho no nia wos g'redt üba dös." „Woher woaßt na dm daß n G'redt umgeht?" „Dös wg'u oau' d' Lent, ohne daß NN fragt." „No also, wos sag'n s' denn?" „Daß... daß du's hosckt mit da Zenzi." „Und du glaabst dös aa?" Lenz zuckte die Achseln. ..I muaß's scho glaab'n. Tu hoscht d' as ja iL g'iaugu't, wia dir's d' Urschula fürg'hebt Hot!" „Na, i ho's it g'laugn't." „Js dös na koa Schand it, daß du so oane im Haus haltst?" „J-halt s' net z'weg'n dem. Ja, da muaßt du it lacha! Dös steht dir gar it o, daß d' mi du o bleckst(die Zähne zeigst)!" „Da soll ma'r it lacha. Oanial hoscht d' as, und's andermal hoscht d' as it!" „Bal mir niit anand red'n soll'n, thua nii net Lüag'n strasfa. Sinscht Hamm nia glei ausg'redt!" „Ja no, na hör i halt nimnia richti." „Wiss'n thuast d' nu, und ei'bild'n thuast da z vui!" „Wos is da no zu'n ei'bild'n?" „Ja sag da jetzt dös, und du ko'scht as glaab n oda it, dös is dei Sach: i ho oamal im Rausch a Dummheit g'macht, und es ko sei, daß's mi danach net g'sreut Hot. lleba dös gib i dir koa Rech'nschast! aba mit dem oanmal is's aus g'wen." „Dös laßt si denga!" „Du brauchst as uet glaab'u, und brauchst net so zahna (spöttisch sein)!" „Für so dumm muaßt d' mi na do scho it o'schaug'n! Z'weg'n wos hätt'scht du nacha dös Mensch als Köchin her tho und hoscht d' as üba Liachtmeß g'halt'n?" „Dös hat an andern Grund." „Aha!" „Gar nix aha! Weil's mi g'sreut Hot. Hab i s' g'halt'n; weil's mi g'sreut Hot, is s' in da Kuch'l; und bal's mi fteut, nacha geht s'." „Und weil's di g'sreut Hot, bischt d' mit ihr im Holz draußd z'sammkemma." „Bischt du dös inne wor'n? Do schaug her! Hon i an Schpion im /Haus!" „Dös Hamm scho d' Holzknecht vazählt und Hamm di brav dableckt(verspottet)." „Fremde Leut kon i's net vabiat'n, aba du reißt's Mäu it auf geg'n meina!" „J sag da's g'rad, daß d' siehgst, wia'r i all's woaß." „An Dreck woaßt!" „Ja, dreckig is's, do hoscht recht!" „Ah! Bischt du a Pfarra dazua zu'n Schpion?" „Du muaßt ma'r it all's sag'n, Vota! Mi geht's a so durch'n Kopf, daß i mi nimma auskenn!" „Bischt d' vielleicht no bsuffa?" „Na! Bsuffa bin i gar it! I woaß grab, daß dös nimma sei derf, daß du a Luadaleb'n führscht mit dem Schlainp'n, und i leid's nimma!" „Kimmscht Wieda mit de Schandarm?" „I brauch koan. I wer scho selm firti mit dem Hadern!" „Trau da! Du Lausbua, du niriga! Rühr g'rad au Finga, sag i, und du flockst(liegst) draußd auf da Straß'n." „Dös sogscht du zu mir? Und thatst dir it Sünd'n fercht'n? Und thatst's O'denk'n it fercht'n vo da Muatta?" „De müaßt st z'erscht schama mit dir, du Tagdiab!" ».J kunnt dir aa Nama geb'n, Vota!" (Fortsetzung folgt.) Lügen. Von G u st a f I a n s o n. „Dieser Krieg unterscheidet sich kaum merkbar von anderen," fing der Verwundete wieder an.„Der innerste Kern in jedem Krieg ist unveränderlich. Dieser ist ungefähr aus derselben Veran- laffung«ngefangen, wie heutzutage jeder Krieg. Keine ideellen Gründe. Als ob man im zwanzigsten Jahrhundert um etwas an- deres kämpfte, als um einen Markt zu erobern. Glaubst Du. daß «s uns glückt? Was haben wir bis jetzt gewonnen? Daheim wer- den die Fabriken und Werkstötten geschlossen, die Ersparnisse der- schwinden, der Kredit nimmt ab. Der Export nach dem Orient, unserem größten Markt, ist gestoppt. Da unsere Waren kein« Käu- itt mehr finden, lohnt es sich auch nicht mehr, welche zu fabrizieren. Aber in den Zeitungen, die wir hier zu Gesicht bekommen, wird Immer nur vom Enthusiasmus der Bevölkerung für den Krieg ge- redet. Del Ponte, glaubst Du an den Enthusiasmus der Arbeitslosen? Ihre Frauen und Kinder, ihre alten Eltern hungern und frieren. Warum? Weil es Krieg ist. Und doch nimmt das Kriegsficber zu. Wie. nennst Du das? Lügen... nichts als Lügen, antworte ich. Wir lügen. Es ist uns gelungen, dem Ausland die unrichtige Vorstellung beizubringen, daß der Krieg populär ist. Wir haben einen Fehler begangen, und wir verleugnen das. Wenn man einen Krieg anfängt, geschieht es immer aus einer Grundlage von Lügen. Würde man die Wahrheit sagen, gäbe es keinen Krieg mehr. Ter Krieg ist Lüge, in seinen Ursachen, i» seiner Ausführung, in seinen Wirkungen. Man mißt ja seinen Erfolg nicht nach dem direkten Nutzen für sich selber, sondern nach dem Schaden, den man dem Gegner zufügt. Ick langweile Dich wohl nicht, Del Ponte? Du darfst es mir nicht abschlagen, mir zuzuhören. Ich will reden... muß rede»... Sieh dcch, was gerade jetzt in der Welt vor sich geht. Mit hyste- rischcr Eile denken alle Nationen immer nur ans Rüsten. Sie rüsten für den Krieg, der ihnen«IS unvermeidlich gilt. Hörst Du wohl, unvermeidlich! Glaub' mir! Ich sehe klar, ich weiß, die Rüstungen sind die Ursache des Krieges. Wenn die Nationen nicht rüsteten, würde es nie zu dem befürchteten Kriege kommen. Also, die Versicherungen, daß man für den Frieden rüstet, sind Lügen, im besten Fall Selbst- betrug. Aber wa� enthält denn dieses hysterische Rüsten, das die Nationen zwingt, ihre Hilfsmittel für das Unfruchtbarste von allein zu opfern? Mißtrauen und Furcht. Meinen Nachbar, dessen Eisenbahnen über meine Grenze hineingehen, dessen Schiffe meine Häfen anlanien, mit dem ich in ununterbrochener Geschäftsverbin- dung stehe, diesen Nachbar Hab ich im Verdacht, mich überfallen zu wollen. Seine Gründe? Natürlicherweise einen Teil meines Landes zu erobern und einen größeren Kriegsschadenersatz zu er- pressen. Ist cs wahrscheinlich, daß mein Nachbar das tut? Damit er cs wirklich könnte, muß ich natürlich davon ausgehen, daß er kein Ehrenmann ist. Ein anständiger und loyaler Mit- bürger überfällt und plündert keinen schuldlosen Nachbar. Eine Nation, die auf Ehre hält, tut es ebensowenig... Du schüttelst den Kops, Del Ponte, machst ein ungläubiges Gesicht. Du denkst natürlich an den Eigennutz, die Mißgunst und all die- unzähligen schlechten Leidenschaften, die nach der Ansicht der meisten Leute faktisch die Welt regieren. Ich leugne keineswegs, daß sie mit ein- wirken. Aber ich bestreite, daß einzig und allein die schlechten Triebe einer Nation hinreichend sind, um einen Krieg hervorzu- rufen. Wir wollen die Fragen der Reihe nach durchgehen. Gesetzt, eine Nation ruft Tag für Tag mit ihren Tausenden von Stimmen dem Aachbar über die Grenze zu: Du bist nicht ehrenhaft. Du sinnst darauf, mich im Schlaf zu überfallen; was wird die Folge sein, glaubst Du? Anfangs zuckt der im Grunde ehrenhafte Nachbar die Schultern und kümmert sich nicht um die Rufe. Aber wenn sie sich immerwährend wiederholen, toird er zum Nochdcnien gezwungen. Irgend etwas liegt unter diesem Geschrei, sagt er zu sich selbst. Und da er weiß, daß seine Gedanken ehren- Haft und seine Absichten rein sind, ruft er zurück: Lügen! Der erste Schreihals hat sich schon so in Hitze gebrüllt, daß er nicht länger seine Worte wählt, er steht an der Grenze der Hysterie.— Es ist entsetzlich, Del Ponte, wenn die Völker hysterisch werden. Sie begehen dann Handlungen, die sie bitter bereuen müssen, Hand- lungen, die sich nicht verzeihen lassen.— Gut. jetzt ist das Gezänk im Gange. Die Zeitungen beschäftigen sich mit der großen Frage, die nie eine Frage geworden wäre, wenn sie sie nicht dazu gemacht hätten, die Broschüren kommen. Die Gemüter geraten in Wallung, die Leidenschaften flammen auf. Und alles mündet in ein ein- ziges Wort aus: Rüstungen. Jetzt lautet die Anklage:„Das ganze Nachbarvolk, mit dem ich täglich Geschäfte mache und in stän- digcr Verbindung stehe, ist unehrenhaft, vom Herrscher des Landes bis zum Bettler an der Kirchentür. Sein einziger Gedanke ist, mich anzufallen." Der Nachbar, der am liebsten gesehen hätte, daß hie Sache bei einer verhältnismäßig unschuldigen Zeitungspolemfk geblieben loäre, ballt die Fäuste. Er hat im glücklichsten Fall niemals an diesen Krieg gedacht. Aber da er immerfort davon reden hört, brennt er sich in sein Bewußtsein ein. Warum nicht? fragt er sich, falls er der Stärkste von den beiden ist. Und dann fügt er hinzu:„ich habe mich ehrenhaft und korrekt betragen, nie- mals Veranlassung zu solchem Mißtrauen gegeben. Und gleichviel, ob ich jetzt den Schreihals anfalle oder nicht, ist meine Lage die» selbe. Sie wird sogar schlechter, wenn ich ihn nicht angreife, man würde es mir als Schwäche, vielleicht als Furcht auslegen." Laß uns einen großen und einen kleinen Staat in dieser Si- tuation denken. Bei dem kleineren wird plötzlich der Ruf erhoben. um eine Verlängerung der Wehrpflicht, eine Vergrößerung der Flotte, was weiß ich, zu erzwingen. Die Rüftungseiferer setzen ihren Willen durch, die Nation schiebt die eine oder andere notweu- dige Reform auf, und der Nachbar beobachtet mit steigendem Miß- trauen die hitzige Bewegung. Er fragt sich, was liegt eigentlich dahinter? Die Antwort bleibt aus, das Ganze ist ein endloses Gewirr von falschen Hoffnungen und betrügerischen Wünschen. Der Nachbar, gegen den sich das Rüsten richtet, pariert den Stoß, indem er ein Armeekorps gegen die Grenze vorschiebt oder doppelt soviele neue Panzerschiffe baut. Falls er es nicht vorzseht, das Gewirr, das ein anderer versitzt hat, mit dem Schwert zu durchhauen." 'Doktor Del Ponte nickte still. Die Uebcrzeugung, mit der Pietro sprach, machte Eindruck auf ihn. „Wenn ich mich recht erinnere, hast Du einmal eine AbHand- lung über die Funktionen des Gehirns geschrieben. Was sagst Du von dieser Massensuggestion, die in kürzeren oder längeren Zwischen- räumen die zivilisierte Welt heimsucht? Wv liegt der psychologische Erklärnngsgrund zu diesem in unseren Tagen so äußerst häufigen Phänomen?" Der Doktor zuckte die Schultern. „Meine Abhandlung wurde gehörig herunlergesäbelt. Gott Hab' sie selig. Ich bin jetzt Militärarzt und habe weiter keinen Ehrgeiz mehr. Was den Mcissenhypnotismus betrifft, ist die Frage noch nicht völlig aufgeklärt. Ich will� Dir nur eine Sache sagen, Fontanara. D» hast von Deinem Standpunkte aus mehr recht, als die Nüstungseiserer von ihrem. Aber das bedeutet an und für sich sehr wenig, falls Du nicht eine genügende Anzahl von dem größeren Wert Deiner Ansicht überzeugen kannst, sie mit anderen Worten allgemein zugänglich machst." „Ja, aber meine Ansichten sind weder neu, noch geheim. Alle kennen sie. Ich verlange nur, daß jeder ehrlich und vorurteilsfrei denken soll." „Dann verlangst Du zuviel." „Glaubst Du? rief Pietro mit wirklicher Angst. „Ruhig, Fontanara. ruhig!" warnte der Arzt. „Ich versteh', was Du meinst. Die Lügen hindern die Völker am Sehen. Man hat sie ja glücklich so weit gebracht, daß sie das, was ihnen am meisten schadet, am eifrigsten hegen und pflegen. Es ist ein rührender Anblick, alle diese Aufopferungen, denen sich die Nationen unterziehen, um den Krieg beizubehalten. Man rüstet ununterbrochen für den Frieden, und die Folge davon wird, daß man früher oder später vor dem Kriege steht." „Was suchst Du unter Deinem Kopfkissen?" „Mein Notizbuch. Ich sagte vorhin, der Kern des Krieges wäre Lüge.— Danke. Del Ponte!— In diesem Buche hier habe ich einige Beweise für meine Behauptung gesammelt. � Die erste Frage ist, wie kann man erlauben, daß ein Krieg geführt wird? Ja, ganz einfach, weil niemand, nicht mal die, die selber daran teilnehmen, wissen, was der Krieg ist. Sieh nicht so erstaunt aus, Del Ponte, es verhält sich so. Man hat eine Reihe von Lügen über >cn Krieg zusammengedichtet, man hat darin von Mut, Tapferkeit, Ehre geredet... den ganzen Reichtum der Sprache an großen Wor- ten und klingenden Phrasen erschöpft, lind die Völker glauben an diese Lügen oder bilden sich ein, es zu tun, was auf eins heraus- kommt. Aber das Sonderbarste ist, daß, sobald man einen Soldaten nach seiner Ansicht über den Krieg fragt, so hat er eine Antwort für die Gebildeten oder die Vertreter der Behörden und eine ganz andere für die Kameraden im Glied. Sieh, Benedetti, der am selben Tage fiel, als ich verwundet wurde, sagte:„WaS Krieg ist? Läuse, nichts als Läufe."— Aber, glaubst Du, er hätte das einem Zei- tungskorrespondentcn geantwortet, einem Offizier oder sonst einem beliebigen Herrn? Nein. Ein anderer Kamerad, Rapagnotti, ein » Mürrischer und verschlossener Raufbold, gab mir auf dieselbe Frage zur Antwort:„Hungern". Dabei aß er dreimal soviel, wie irgend- einer von uns. Das Merkwürdige war, daß er sein ganzes Leben hatte hungern müssen und es gewohnt war. aber plötzlich ein rich- tiger Fresser wurde... als Soldat in Afrika. Und wie diese bei- den Unzufriedenen prahlten alle gegenüber den Außerhalbstehenden bveit und breit mit dem Kriege, mit ihrer Begeisterung dafür, mit Angriffen und Gefechten, mit Kampflust und Todesverachtung. Sie haben eine Menge Phrasen gelernt und benutzen die als Antwort. Aber sie lügen nicht bewußt. Und nach dem Kriege, wenn sie freie Männer sind und vor keinen unangenehmen Folgen bange zu sein brauchen, werden sie in derselben Weise dabei bleiben. Das ist ein Beweis von Mut und Mannhaftigkeit, womit sie sich und ihr Land ehren. Glaub' mir, dieser Rapagnotti, der Bauer, dem die Sache so wider die Natur geht, daß er bisweilen vor Unlust nicht zurech- nungsfähig ist, wird späterhin die Hand aufs Herz legen und ehr- lich antworten, daß der Krieg seine schönste Zeit gewesen ist. Du zuckst die Schultern, ungebildete, kritiklose Soldaten, meinst Du... Du kannst überzeugt sein, daß es sich mit den Offizieren genau so verhält. Nach dem Frieden, wenn die Wunden geheilt sind, und der Krieg eine Episode in ihrem Leben ist, werden sie nur die Kraftentwickclung, die Spannung des Abenteuers, das Verlockende der Gefahr, den Siegesrausch erinnern. Alles andere ist vergessen. Das bange Warten der langen Nächte, die Nervosi- tät, die heimlichen Triebe, die losgelassenen Leidenschaften, die Wunden, die Krankheiten und der ekelhafte Schmutz, der für viele von ihnen wohl das Schlimmste von allem war. Die Menschen find sehr schwach, Del Ponte, sie sagen lieber das, was man von ihnen verlangt, als die Wahrheit. (Schluß folgt.? JVeuc ßcUctnftik, In bet Sommer- und Reisezeit erhält der dickleibige Roman in den Novellenbänden eine starke Konkurrenz. Man darf diese kleinen Geschichten nicht mit der durch Flachheit oder fauligen Ge- ruch gekennzeichneten Bahnhofslektüre verwechseln. Wie der heu- tigc Roman in seinen guten Vertretern— ich spreche nicht von der Massenfabrikation gerissener Spekulanten— dem Geistigen und dem Kunstwerk zustrebt, will auch die heutige Novelle mehr als Unterhaltung. Eine Anzahl dieser Gedanken- und Jdccnnovellen- bücher habe ich aus dem Stoß neuen Belletristik herausgesucht. Siä bemühen sich aile um ein: sichtbare Kunstform, sie haben das zentri- Pedale System, daß heißt, sie treiben einem Mittelpunkt zu, statt daß sie auseinander treiben und reichen einen Kern. Diese Ein- dampfung. Konzentration, das Extraktive schluckt sich gerade in den Ferien besser, als der zentrifugale Roman, ohne daß wir dabei etwa intellektuell verkürzt würden. So glaube ich ist der spezifische Gewinn aus dem Novcllenband „Umwege" von Hermann Hesse, Verlag S. Fische r, Berlin, nicht geringer, als etwa der aus des Verfassers naturbc- seelten umfangreichen Romans Peter Eaunuciud oder eindring- lichen Erziehungsbuchcs Unterm Rad. Alle die Vorzüge dieser gc- würdigten Bücher: die schlicht-natürliche Redeweise in einer an den späteren Goethe und Keller gereiften, klaren, männlich bestimm- ten Prosa, die innere Harmonie von Seele, Landschaft und Stim- mung, nicht zuletzt eine durchleuchtende Sittlichkeit, die wohl hier und da etwas steifleinen und pedantisch gefärbt ist, doch nie die moralische Tendenz aufdringlich unterstreicht, vielmehr den den- kcndcn Leser selbst die ethischen Schlüsse ziehen heißt, finden sich auch in den Erzählungen. Sie werden uns besonders wert als Gegengewicht gegen die Vcrccnkungskünste der kulturmüdcn Ar- tisten,"die schillernden Stil-Aestheten und Stil-Athleten, die gesin- nungsschwitzenden Bildungsprotzen und Heilprediger, diese stillen. abgeklärten, geistig gestützten Lebcnswegweiser, die Hermann Hesse unter dem Generalnenner Umwege vereinigt hat. So geheißen. weil der Dichter auf Umwegen seine Menschen zum Ziele führt. für das sie ursprünglich geschaffen und bestimmt waren. Groteske. lächerliche, gefahrvolle, verbrecherische Umwege oft, und das er» sehnte Ziel, das die von dunklen Schicksalsfäden gelenkten Lebens- Wanderer auf stolzem Berggipfel erträumten, ach! wie oft lag es zuletzt im öden Nebel des grauen Alltags, in den nahrhaften Wiesen des Flachlandes, gar am Rande eines Sumpfes! So ein Ladidek zum Beispiel muß Barbier werden, weil er eben dazu und nicht zum Notar, wie man wollte, in seinem Urwesen bestimmt war. Und ein Pater Matthias, der das Doppelleben eines Mönches und eines Lebemannes führt, muß erst an den Rand des Verbrechens geführt werden, ehe er erkennt, daß sein Ziel der bürgerliche Ehegatte ist. Der junge Weltverbesserer Reichardt muß erst absonderliche Irr- Wege als lodener Asket und hygienischer Erlöser gehen, ehe er seiner Braut versprechen kann, daß er auch als Richlvegetarier in Zukunft an der Heilung des sozialen Zeitelenos mitarbeiten will. Hesse findet mit aufmerksamem Blick jedesmal das Gesetz, unter dem so ein scheinbar nur durch Zufälle geleitetes Leben steht. Er lehrt den Glauben an das Ich und seine Kräfte. Das ist das erfreulich Einheitliche dieses guten Buches. Das unerfreulich Einheitliche ist, daß alle Erzählungen prompt mit Verlobung enden. Dieser sche- matische Ausklang mit Aussicht aus legitime Volksvermehrung wirkt fast komisch. Satirischer gefärbt sind die von Schnitzlers Geist und Schnitz- lers Betrachtungsweise des Lebens befruchteten Novellen: Dis plötzliche Insel des Wiener Autors Ludwig Hirschfeldi (Tenien-Verlag, Leipzig). Sie variieren alle mehr oder weniger das Thema Geschlechtlichkeit und Liebe in einer scharmanten und nachdenklichen Weise. Allerdings gefallen sie sich dabei in absow- derlich konstruierten Situationen, die die gewandten großstädtischen! Lebensspieler zu einem plötzlichen Abwerfen der Maske der Kon- vention und Gescllschaftsheuchelei zwingen. Freilich ist hier bei Hirschfeld der Beweis, daß der so selbstbewußt getragene„Kultur, lack" jämmerliche Risse bekommt, sobald nur eine Art Straflosig- keit und gesellschaftsrichterliche Beobachtung außer Sicht sind, wicht in ein tragisches Ethos gehüllt, ein ironisches Lächeln nur begleitet die betrübliche Tatsache. Im Falle der Gefahr fallen die anstelli- gen Tugenden, wie Nietzsche den zivilisierten Menschheitsverkehv nannte, hinterher geht man beschämt auseinander. Hinterher, wen» sich das Rettungsboot mit der Mama, den Tanten, den alten galan- ten Herren, den Neurasthenikern, den Sportskretins, den süße» Mädchen und korrekten Halbjungfrauen der Insel nähert. Und» dann erzählt das Buch neben den Abenteuern der Lebensspielev von unglücklichen passiven Mitspielern des Lebens, die nicht wissen. daß Erlebnisse, Liebe, abenteuerliche Dinge einem nicht auf gera, dem Wege entgegenkommen, sondern den Nichtsahnenden vielmehr hinterrücks, unvorbereitet zu überfallen pflegen. Wem derart me- lancholisch-weltmännisch-philosophische Glossen über Junggesellen- moräl, zur Ethik des Abenteuers, zuv Optik des Maturaferienreisen, den, zur Taktik des berufsmäßigen Frauenverführers, zur Müßig» gangsseele des Genußmenschen eine willkommene Ferienkost be- deuten, der ist bei Ludwig Hirschfeld gut aufgehoben, denn er findet nicht nur die Seifenblasen des Flirts, sondern, wie bei Schnitzlcr» eine reizvoll verstehende Weltbetrachtung. In den Skizzen: Die knöcherne Hand von Karl Hans Strobl, Verlag Georg Müller, München, spukt der Geist E. Th. A. Hoffmanns. Dieser irrlichterierende, auf das Grausige, Geheimnisvolle, Unerklärliche gerichtete Geist geht ja überhaupt in unserer Literatur heute wieder stärker �m als je. Man denke nur an H. H. Evers letzten Roman oder Gustav Meyrinks beklemmende Bilder, auch an Hermann Bangs letzte Novellen, wo das Gespcn- ische Dirigent der Geschehnisse ist. Eine Atmosphäre des Haar- raubenden umwebt auch K. H. Strobls Novellenreihe, jedoch es ist — 636 da? Verdienst dieser neuen„Gruselgeschichten", daß das Meta- .phsisch« sich mit modernem Geiste paart und die Frucht solcher Paa- rimg eben lein bloßes Schauerprodutt mehr ist, sondern die Zu» Lammenhänge rätselhafter Erscheinungen bloßlegt. Mit einer er- sraunlichen Beobachtungsschärfe sind hier psychische Prozesse mit folgenschweren Konsequenzen verknüpft, wie z. B. ein Mord im Dämmerzustand geschehen kann, wie ein Mensch auf Grund seiner Rervenbeschaffenheit, gleichsam von Geisterhand getrieben, einem herrischen Befehle folgt. Die Erzählungen behandeln fast aus- rishmZioS die Einwirkung solcher Geisterstimmen und Geistererschei- nungen auf verschiedene sensitive Personen und wie sich durch solche für einen Dritten nicht wahrnehmbare„Gesichte" ihr Schicksal er- füllt. Ueberall aber spielt das Natürliche, das Erklärliche, das durch tlmstände und Verknüpfungen logisch Bedingte mit herein. Der Verfasser geht nicht auf Verwirrung aus, sondern er zeigt in einem knappen, ich inöckte beinahe sagen, nawrwissenschaftlichen Stil und ohne die Arabesken einer phantastischen Verschnörkelung, wie solch ein scheinbar verwirrter Geist im Grunde hellsichtiger und hell- höriger ist, als der Normagesunde. Musikergeschichten. Der 3S. Band der trefflichen Hausbücherei der Deutschen Gedächtnisstiftung wird viele Freunde finden. In sorgfältiger Ergänzung und Gegenüberstellung der seelischen und zünftlcrischen Eharakteristik bietet er ein Vicrblatt von Adusikantengeschichten, das zu dem Besten und zugleich Amü- lautesten gehört, was dieser so leicht in Sentimentalität und idealer Phraseologie ertrinkende Zweig der Literatur in letzter Zeit pro- duziert hat. Da ist der warmblütige, von tiefster Liebe zu den großen Meistern der Tonkunst erglühte K a r l S ö h l e, der in seiner Novellette„Eroica"(zugleich ein Stück Selbstbiographie) eine auch nach Wagner noch genießbare„Pilgerfahrt zu Beethoven" aus dem Munde eines armen, musikbegeisterten Dorfschulmeistcrlcins- in den Farben echter, weil naiver Nomantik ausmalt. Nicht in dem glei- che», unmittelbaren Verhältnis zur Dhxfik stehen die Verfasser der mittleren beiden Erzählungen. Schmidtbonn in„Musikanten- tod" und R. H. Bartsch in einer„Altwienergeschichtc". Schi!- dert Löhle den Musiker als Individuum, als„Solisten", so sehen wir ihn in dem tragischen Landftraßcnbild Schmidtbonns mehr als Ensemblespieler des Lebens, in der Herde der namenlosen Prole- tarier der Kunst, der vagabundierenden Betteltroubadoure der Märkte und Gassen, doch nicht als Herdentier. Auch hier ist das Musikalische in ihm noch das„Heldische" und die sieben nieder- deutschen Wandergesellen, zwischen die der„große, starke, lachende achte Bruder, der Tod," tritt, haben zuviel eigene Sinnesart und persönliche Farbe, als daß sie Dutzendlypcn wären. Bartich zeigt sich in der sorgfältig stilisierten Miniaturc aus der intriganten Altwiencr Mcttcrnichzeit als der Meister lebensfroher, aus den Quellen halb elegisch betrachtender, halb humorvoller Naturphilo- sophie gespeister Stimmungstuust. Die Musik ist es, die einem vormärzlichen Tiplomateugchirn über die kaltbercchnete Interessen- Politik hinwegtröstet. Der vierte Mitspieler in dem iutercssauten Quartett ist Ernst v. Wolzogcn, der in der Schnurre„Der Blüthnerflügel" die Noten moderner Realistik spielt, versehen mit grotesken Untertönen, nicht minder strahlend leuchtet aber auch hier die Apotheose der Musik auf. Allen denen, die die gleiche große, heimliche Liebe zur Musik im Herzen tragen, wird der Bier- klang dieses Bande? frenndlich erklingen. Andere, ernstere, schmerzlichere Töne sind es. die Fclip Frei- Herr von Stenglin in seinem Buche: Arme Sünder '(Verlag Vita. Deutsches Verlagshaus) anstimmt. Es ist der Ro- man eines FürsorgezöglingS, der nicht durch eigenes Verschulden, .sondern durch die Schuld der Gesellschaft der Pein dieles grauen HauseS überliefert wird. In das Elend hineiugcboren, muß der arme Junge alle Stationen sozialer Not durchlaufen, und immer wieder führt sein Weg in die furchtbare Anstalt zurück, die Seelen mordet, statt sie dem Glücke zuzuführen. Es muß dem Verfasser thech angerechnet werden, daß er sein Elcndsbild nicht mit den Far- «ben schreiender Moritatcnbogen malte. Er blieb durchweg bei der Sache und zeigt Ursache und Wirkung mit sozialem und psychischem Verständnis. Wie der Hunger das unglücklich� Prolctariertind schuldlos zum Diebs macht, wie die Ungerechtigkeit der Welt sein Herz verhärtet und sein Rechtsbewußtscin rachgierig aufstachelt. wie das böse Beispiel im Fürsorgehans die guten Keime tötet, Jvic iSRn-fiifir?» rrn•»»tiS. tfitr ft+fTJrfi Trrlti'v» ,_____ Haß und Unteroffizicrston Haß gegen die Vorstcber weckt verbrecherische Triebe» Es gibt bei dieser Methode keine Besserung.» Flucht aus der Martcranstalt ist -stets das Ende, Wiederergreifung. Prügelstrafe. Immer mehr fühlt sich der Fürsorgezögling als Ausgestoßcner. denn das FürsorgehauS war keine Rettung, es war ein Martyrium und ein Pfuhl anti- «sozialen Gcmaltrcgimes. Soweit der Verfasser dieses Antisoziale .zeigt, erweist er sich als guter Kenner der faulen Dinge im Staate ocr.Hiirncrnität, leider aber gerät er zuletzt in das Fahrivasser pastorlicher Jdcalschmärmerei. die sogar den bösen Quäler der Zog- 'linge entsühnt und als unglücklichen Mann hinstellt. Und das pfer sozialen Elends, den Fürsorgczögling, läßt er zul-tzt einen ?.korrekten Untertan werden ein Bei> aal„tritt in die Erscheinung", .der trügerische Weihnachtsbaum erstrahlt in Frieden, das Wo-t Pflickt leuclüet im Transparent und da Gott die Bußfertigen stets belohnt, wird der arme geschlagene, dein Verbrechen ziigetricbeue, Verantwortl. Redakteur: Albert WnchS. Berlin.— Druck m Verlag:' in Sünde und Schmach getauchte Junge zuletzt selbst Lehrer und Vorsteher in Grüntal, und ein Eden erblüht dort, wo die Knute herrschte. Dieser unwahrscheinliche Schluß verläßt den Boden realen Schauens und schmeckt nach Familienblatt, �£. V» Schach. Unter Leitung von S. A l a p i n. D. Przepiorka. W'ÜP Ä PP k mit____ ä S iÜ OL. -if vM, iü »t W. � W/Z1//. ü Spanische Partie. Aus dem Turnier zu Pysljan. S. Alapin. P. Leonhardt. 1. g2— es e7— e5 2. Sgl— f3 Sb8— c6 3. Lfl— b5 a7— a6 3...... 816; 4. De2!, a61, 5. La4 jährt zur fclbeii Variante. 4. Lb5— a4 Sg3— 16 5. Dell— e2 1..... Deckt den Be4(3. 0— 0 wäre ein Vambit) und droht somit durch ge- legentlichen Abtausch aus vö den Leb zu erobern. 5...... b7— b5" Aus Le7 folgt c2— c3 nebst dü—<14. Sei 5...... Leo: 6. LXS, dr6; 7. SXe5, Dd4; 8. Sd4, La7; 9. So3 geht ein Bauer verloren. C. La4-b3 7. a2— a4 24= 1) Schach Nachrichten. Am 19. August beginnt in Wilna da? Turnier russischer Meister. In quantitativer, teilweise_aiich qualitativer Hinsicht marschiert im Schach Rußland gegenwärtig voran. Unter den Teilnehmern begegnen wir Rubinstein, Niemzowitz, Bernstein. Aleckin, Janswski usw. Wenn auch nur national, ver- verspricht das Turnier stärker als manches internationale zu sein. I-XD: 13. Sc6 und Weiß gewinnt die Dame mit einem Fignrengclvinn zurück. 14. Ve2— dl..... Weiß wollte einer Ätcmisgesahr bei 14. TXllM. DXT; 15. Ddl, L.XS(13-... 8X1- I 16. Le7, TeS; 17. ebä, c6; 13. SfCf ist jär Weig günstig); IG. gf3, gK; 17. SXKf, Kg7«c. ausweichen. 14..... TaSXal 15. DdlXal Sd4Xb3 16. c2Xb3..... Auch hier wich Weih dem RemiS mit 16. I-XD!, SXX>: 17. Le7. Te8; 18. Kd->, SXo2; 19. KXS, LXS(cO kann mir SXe3 beantwortet werben); 20. g{3, rG; 2t. LXd6, LXL; 22. So3«c. aus. Das Gewinnen einer Partie, nur weil der Gegner gewaltsam Remis vermeidet, pflegte sie des Schönheits- Preises«iiiwen zu machen. 16..... g7Xk6 17. b3— b4 c7— c6 18. b4Xc5 o6Xd5 19. c5Xd6 DdSXdö 20. 0-0 16-17. 21. Ttl— el fSXol 22. d3Xe4 d5-d4 23. Dal— a5 Dd8— cä 24. Da5— d2 17—18 25. Tel— cl Dc5— b3 20. b2— b4 Db6— b7 27. SIS— ol Lg4— 60 28. 12—13 Le6— c4 29. Sei— d3?..... Diese Uebercilmig wegen Zeitnot (beim 29. Zuge) ist das entscheidende grobe Versehen. Wenn Weih mit dein gebotenen Zuge Tal zuerst die cisene Tunnreihe dcicbt, ist die Partie RemiS. Der„Schön beits- p r c i»e tan, daher, day Lconhardt keine bessere ailjweiscn konnte und man ihn nicht leer auS- gehen lasse!« wollte/ 30..... T18— a8 31. Sc5, Dg7; 32. 863 7. Ta2; 33. Sb2, Da7; 34. Khl, Da3; 33. Tc2, TXb2I und Schwarz ge. ivar.n nach einer Reihe von Zugem Lf8— c5 Ta8— b8 7...... b4; 8. LXHf-c. 8. a4Xb5 aöXbö 9. Sbl— c3..... 62— 63! nebst Ls3 oder Lg5 ist itärftv, um sich noch die Wahl zwischen Sbc3 oder Sbd2 zu überlassen. 9...... 0-0 1 10. Sc3— 65..... Nicht gut wäre 10. 8XbS? wegen 10...... 651; 11. o65, e4 mit überwältigendem Angriff. 10...... 67-66 Besser der Ausgleich mittelst 10...... sxs; 11. LXS, 864; 12. SXS, LXS«c. 11. 62—63 Lo8— g4 12. Lei— g5 Sc8— d4 13. LgSXfO..... Nicht das stärkste, wie die gcisi- reiche Parade des Gegner? zeigt. 13...... Tb8— a8Il AlS Rettung aus Not ist der Zug sehr schön. Aber nur deshalb die P a r t i e mit einem» Lchöudeits- preise" zu krönen, Iväre doch wohl etwas überirieben. Denn die Per» diciijtlichkcit des ZugcS besteht n u r darin, daß Schwarz das Dameiioyscr des Gegners(!) gejchen hat; obendrein war es schon früher (bei unS) verösscntlichtl... l RäniNch: 13...... gXlGV; 14. SXSl, VorwärlsöuchS» uckerei u.PerlagSaufl'Ut Paul Eingerä-Eo�vcrlin SW.