Anterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 163. Freitage den 23. August. 1912 Wlachdruli wtBoten.1 2] pelle der Gröberer. Von M. AndersenNexö. Uebersetzt von Mathilde Mann. „Natürlich kommt man wieder dahin, wenn man erst einmal da gewesen is, und das nächste Mal komm ich also ins Zuchthaus nach Holsens! Die Schweinerei is bloß, daß die Strafe mit jedem Mal schärfer wird: ein Kerl wie ich kann fünf Jahr für einen Einbruch von fünf Kronen kriegen. daS is doch'ne Gemeinheit. Denn kann man doch lieber gleich sehen, daß man was tut. was hinlangt. Ich pfeif' auf das Ganze, wen« man die ganze Blase mal ordentlich gefaßt kriegen könnte! Siehst Du, was schert mich das nu. seit Mutter krepiert is? Da weint ein Gör. aber ich kann nichts dafiir. Glaubst Du. daß sich eine Menschenseele die Augen aus deni Kopf weinen wird, wenn Ferdinand seinen Hals auf den Block legen müßt? Sie würden angerannt kommen und glotzen, das würden sie tun. und denn kam' man doch wenigstens mal ordentlich in die Zeitung." ,„Schlecht, jawohl, schlecht bin ich! Manchmal kommt man sich vor wie ein fressendes großes Geschwür und kriegt Lust, ihnen die ganze Bescherung gerade ins Gesicht zu spritzen. Warme Hände gibt es nicht: das sind ausgestunkene Lügen! Folglich schuldet man gottlob niemand was. Ich Hab es mehrmals, während ich da in dem Kasten saß. darauf angelegt, den Aufseher totzuschlagen, bloß um auf etwas los- zudreschen: denn er hatte mir ja nichts getan. Aber dann dachte ich. daß es doch dumm sei. Soll Ferdinand den Kopf auf den Block legen, meinetwegen gern: es ist doch immer amüsanter zur Veränderung, als sein ganzes Leben zu sitzen. Aber dann will ich erst mal so au-holen, daß die ganze Be- scherung ins Wackeln gerät! So, nu weißt Du Bescheid mit mir!" Sie trabten schnell dahin, das Gesicht auf den Rauch- nebel der Stadt weit vor ihnen gerichtet. Ferdinand kaute im Qschen auf seinem Priem, und spie alle Augenblick einen großen Strahl auf den Weg hin: sein verhärtetes Bullen- beißergesicht mit den blutunterlaufenen Augen drückte gar nichts aus. jetzt, wo er schwieg. Ein Bauernbursche kam. aus vollem Halse singend, auf sie zu. Er mochte wohl zwölf bis vierzehn Jahre alt sein. „Warum bist Du so vergnügt, Bengel?" fragte Ferdinand und hielt ihn an. „Ich Hab eine Kuh in die Stadt getrieben und dafür Hab' ich zwei Kronen gekriegt," antwortete der Junge und lachte über das ganze Gesicht. „Dann bist Du auch früh auf den Beinen gewesen, mein Freund." sagte Pelle. „Ja. ich bin über nacht um drei von Haus fortgegangen. Aber nu Hab' ich auch meinen Tagelohn verdient und Hab' den ganzen übrigen Tag frei," antwortete der Junge, warf das Zweikronenstiick in die Luft und fing es wieder. „Gib Du acht, daß es Dir nich wegkommt." murmelte Ferdinand und folgte der Münze mit gierigen Augen. „Ach was!" Der Junge lachte ausgelassen. „Laß mal sehen, ob es auch echt ist. Auf dem Viehmarkt gibt es ganz mörderliche Spitzbuben." Der Junge reichte ihm das Geldstück.„Ei, sich doch. das ist ja so eins, das man durchbrechen kann, so daß zwei daraus werden," jagte Ferdinand und machte allerlei Taschen- spielerkunststücke.„Das eine schenkst Du mir doch wohl?" Sein Ausdruck war ganz lebhaft geworden: er blinzelte Pelle boshaft zu..»md stand da und spielte mit der Münze, so daß es auss«chp»lt seien es zwei..Lier. da hast Du Dein Zwei- kronenstück!" sagte er und drückte das Geldstück fest in die Hand des Jungen,„paß nur gut auf, sonst kriegst Du Schelte fcflAjPchttern!" T$T™mgc öffnete verwundert die leere Hand.„Gib meine zwei Kronen!" sagte er und lächelte unsicher. IS„Zum Teufel auch, die hast Du ja schon gekriegt!" Ferdinand stieß ihn brutal von sich und fing an zu gehen. Der Junge folgte ihm und verlangte hartnäckig sein Geld. Dann sing er an zu weinen. „Nu fängt die Geschichte an, langweilig zu werden: gib ihm jetzt sein Geld!" sagte Pelle finster. „Langweilig?" Ferdinand blieb jäh stehen und sah ihn an. wie aus den Wolken gefallen vor Verwunderung,„meinst Du. daß ich um kleines Geld spiele? Was geht der Bengek mich an. er kann sehen,, daß er sich trollt, ich bin doch fein' Vater nicht!" Pelle sah ihn einen Augenblick an. che er begriff: dann zog er ein Papier mit etwas kleinem Geld aus der Westen- tasche und gab dem Jungen zwei Kronen. Der Bursche stand anfänglich wie aus den Wolken gefallen da, riß dann hastig das Geld an sich und lief davon, so schnell er konnte. Ferdinand brummte wütend vor sich hin und zwinkerte mit den Augen.„Das will ich Dir doch für die Zukunft sagen," rief er plötzlich und blieb stehen,„wenn Du es nich wärst und weil man sich nu mal nich gern diesen Xag- ruinieren will, dann häti' ich Dir den Schädel eingeschlagen. Denn so was hat mir weiß Gott noch keiner geboten. Hast Du mich verstanden?" Er blieb von neuem stehen und schüttelte seine dicke Stirn dicht vor Pelles Gesicht. Schnell wie der Blitz packte ihn Pelle an den Kragen und in die Hosen und schlug ihn schwer in einen Chaussccstein� Haufen nieder.„Das ist heute das zweite Mal, daß Du mir damit drohst, mir den Schädel einzuschlagen," sagte er verbittert und drückte Ferdinands Kopf in die Steine nieder. Eine Weile hielt er ihn fest nieder, half ihm dann aber wieder auf die Beine. Ferdinand war blaurot, er stand da und taumelte, bereit, sich auf Pelle zu stürzen, während der Blick. nach einer Waffe suchend, umherschweifte. Tann zog er widerstrebend das Ziveikronenstück aus der Tasche und lieferte es ab als Zeichen der Unterwerfung. „Behalt' es nur," sagte Pelle herablassend. Ferdinand steckte es schnell wieder in die Tasche und machte sich daran, sich den Schmutz abzubiirsten.„Die Graupensuppe da drinnen hat scheinbar nicht weiter an Deinen Kräften gezehrt," sagte er und schüttelte sich gemüt- lich, indem sie weiter gingen.„Dir sitzt noch'ne nieder- trächtige Faust am Leibe. Ich begreif' bloß nich, warum Du Dich für einen so flaumbärtigen Windhund ins Zeug legst, der kommt, weiß Gott, ohne uns durch die Welt." „Du legtest Dich ja auch mal für einen kleinen Burschen ins Zeug, als man ihm sein Geld wegnehmen wollt'. Nicht wahr?" „Ach so, den kleinen Burschen aus der„Arche", meinst Du. der Medizin für die Mutter holen sollt'? Das is schon so lange her!" „Du gerietest seinetwegen in Karambolage mit der Polizei! Das war das erste Mal, daß Du mit der Obrigkeit in Berührung kamst, so viel ich weiß." „Ja, denn der Junge hatte ja nichts getan, ich hatt' eS selbst gesehen. Da gab ich dem Polypen, der mit ihm ab» schleppen wollt','ne Kopfnuß. Na ja, seine Mutter war krank, und meine eigene Alte lebte noch. Und ich war damals noch ein großes Rindvieh! Du wirst auch noch sehen, daß Du nicht weit kommst mit übertriebener Barmherzigkeit. Schulden wir den andern vielleiclst was?" „Ja. i ch schulde ihnen was," sagte Pelle und erhob Plötz- lich das Gesicht zum Licht empor!„Aber Tu hast wohl keinem was Rechtes zu verdanken!" „Solch verdammter Blödsinn!" rief Ferdinand aus und glotzte ihn an.„Sind sie gut gegen Dich gewesen, wie? Auch als sie Dich ins Gefängnis warfen? Tu spielst wohl das feine Fräulein, was? Ne, das laß man s�in. Damit mußt Du weiter aufs Land hinaus. Tu hätt'st also Deine Zeit Bcsserungshaus verdient, während unsereins bloß dasaß und bitteres Unrecht litt? Unsinn! Sic wissen wohl, tvas sie tun, wenn sie Ferdinand die.Haare kurz abscheren: aber Dich hätten sie ruhig laufen lassen können. Tu brachtest fünfzig Tausend Manu auf die Beine, und tvas habt Ihr denn groß getan? Nich soviel Störung habt Ihr verursacht, wie'ne Maus in 'ner Tamcnhose! Die Großbürger haben viel mehr Angst vor Ferdinand als vor Dir und all Deinen Pappenheimern zu- sammen. Unrecht getan, ne, komm mir damit nich! Tu hast ja noch Sabbcl auf Deinem Latz, Krischan! Man gibt keinem Pardon, und denn nimmt man auch keinen an: das is das Ganze.----- Und Du könnt'st mir übrigens'n Gefallen tun und Deine zwei Kronen wieder nehmen. Ferdinand mag keinem was schuldig sein." „Dann kannst Du sie ja leihen," sagte Pell*.'.„Ganz ohne Geld kannst Du doch nich in die Stadt kommen." „Nimm sie nu, so nimm sie doch!" bettelte Ferdinand. „Du kriegst schwerer Arbeit als unsereins, und die Art und Weise, wie ich sie von Dir kriegte, war auch gerade nich fein. Du hast da gesessen und sie zusammengeschabt, vier Oere per Tag, und hast Dir am Ende nich mal'nen Priem gegönnt, und dmn sollt' Ferdinand sie Dir wegnehmen? � Pfui Deubel!— Und Mutter hast Du auch noch was zugesteckt, das Hütt' ich beinah vergessen.— Ich pfeif auf die paar Groschen, ich weiß'ne Stelle, wo'n guter Coup zu machen is." Eine Strecke oberhalb des Dammhauses schlugen sie einen Richtweg ein. der nach Norden führte, um von der Norder- teilseite in die Stadt zu gelangen. Weit unten zur Rechten lag ein dichter Rauchnebel und schwebte in der Luft, das war der Dunstkreis der Großstadt. Der Ostwind riß Fetzen davon ab und führte sie ganz bis hier hinaus. Da steckte Ferdinand seine Bullenbeißernase in die Höhe und schnob die Luft ein. „Wer nu in der„B l u t t a s s e" bei einem Pferdesteak mit Zwiebeln süß!" sagte er. Es war ziemlich spät am Nachmittag. Sie brachen sich Stöcke von einer Hecke und schritten kräftig zu, an Deichen und Grabenrändern entlang, so gut es ging. Draußen über die Aecker schnitt der Pflug seinen Weg, hin und wieder zurück, und kehrte die schwarze, fruchtbare Erde an das Tageslicht, während Saatkrähen und Seevögel in den frischen Furchen kämpften. Die Pslugführer hatten die Zügel um die Taille: jedesmal, wenn sie an das Ende kamen und den Pflug herum- warfen und eine neue Furche angeschnitten hatten, ließen sie die Gäule ein wenig verschnaufen und starrten lange den beiden sonderbaren Frühlingswanderern nach. Wieviel fremde Luft denen in den Kleidern hing, es waren offenbar zwei von der Art Leuten, die auf ihren eigenen Füßen von Land zu Land gehen, dachten sie und riefen ihnen fremde Sprachbrocken nach, um auch auf der Höhe zu sein. Ach ja, einigen war es ja beschieden, sich in der Welt umzusehen! Morgen waren die beiden vielleicht schon wieder im fremden Lande, während sie hier gingen und nie vom Fleck kamen. Sie kamen an einem weißen Landhaus vorüber, das vornehm zurückgezogen zwischen alten Bäumen lag, eine hohe, dichte Dornenhecke deckte den Garten nach dem Wege zu. Ferdinand warf einen hastigen Blick über die Pforte hinein, vor allen Fenstern waren die Vorhänge herabgelassen! Er fing an, unruhig zu werden, als sie ein wenig weiter ge- kommen waren, schmiß er sich plötzlich hinter einen Zaun und wollte nicht weiter gehen.„Ich Hab' keine Lust, mich mit leeren Händen da drinnen sehen zu lassen!" sagte er.„Der Abend ist auch die beste Zeit, um angestiegen zu kommen. Laß uns hier warten, bis es dunkel geworden is. ich kann riechen, daß da in der Villa Silberzeug liegt." „Komm jetzt und laß die Träumereien fahren," sagte Pelle eindringlich.„Von heute an beginnt ein neues Leben! Ich will versuchen. Dir zu einer redlichen Arbeit zu ver- helfen!" en Preis! Kaum hatte er die Augen geschlossen, so weckte ihn das Pfeifen und Husten des Alten wieder. Das laute Schnarchen des andern störte ihn nicht mehr, es dünkte ihm wie Musik dem Mücheln des Hustenden gegenüber. Erst gegen Morgen fand er den ersehnten Schlaf. Von der Hausflur ertönte eine schrille Glocke: sie weckte die Bewohner des„Hotels". Robert schlug die Augen auf und sah ver- wundert um sich. Soeben hatte er noch von der frischen Seeluft geträumt, da war die Glocke des Schiffs erklungen. O, unseliger Wahn! Nicht auf dem Ozean, sondern in einer alten Bude des Südens befand er sich. Und er durfte sich nicht lange besinnen, er wollte heute arbeiten. Die Werte seines neuen Chefs kamen ihm -in den Sinn: Gleich hinter ivm Laden beginnt das Atelier. Der Schnarcher war zuerst auf den Beinen, stumm und rasch gog er seine Kleider an und verschwand. Der Alte mit dem quälenden Husten wusch sich lm Becken, Duftete wieder und spuckte ins Wasser. U Robert verging die Lust zuR Waschen, „Ein schöner Morgen." fiepte der Alte ünL Karf einen freund» lichen Blick aus seinen tiefliegenden Augen durchs Fenster. Durch dieses drangen die Strahlen der Morgensonue und vergoldeten die schmutzigen Möbel. Das Fenster war fast blind vor Staub. Robert sah hinaus. Ein Stall oder etwas Aehnliches lag unter dem Fenster. Auf dem Dache lagen alte Schuhe, Papierfetzen, ein zerrissenen Strohhut und eine alte Hose. Und über allem Staub und Schmutz. Als er die Mainstraße hinaufschritt, fiel ihm auf, daß sehr viel Schwarze unter den Arbeitern waren, die nach ihren Arbeitsstätten gingen. Morgner hatte soeben den Laden gekehrt, als Robert eintrat. „Ich muß das alles selber machen," erklärte er und lachte laut und schallend dazu,„der alte Mike kommt nicht so zeitig." Und nun geleitete er Robert in sein„Atelier". Es war eul kleiner kahler Raum, nur mit dem Nötigsten angefüllt. Sine dicke Portiere trennte den Raum vom Laden. Die zwei Fenster führten nach dem Hof. „Na. ist es hier nicht ganz mollig?" fragte Morgner. „Es ist Licht da, das ist die Hauptsache," antwortete Robert ausweichend. Ein solches Loch hatte er doch noch nicht als Arbeits» räum gehabt. Arbeiten, Geld verdienen! DaS hov auch hier über alle Bei denken. Also ans Werk! Zwei Wochen waren verstrichen, seit Robert in Foxhill arbeitete. Er hatte durch Vermittlung von Binz ein gutes Zimmer gefunden, wo er nun allein hauste und sich ganz gut für den Winter einrichten konnte. Foxhill war eine jener Städte, die in wenigen Jahren ent- standen sind und ungeheuer schnell wachsen. Nachdem das Territorium Oklahoma als Staat in die Union aufgenommen worden war, begannen die Eisenbahngesellschaften die Reklametrommel zu rühren. Sie hatten schon vorher neue Bahnlinien durch den fruchtbaren, waldreichen Staat gebaut und lockten nun durch verheißungsvolle Prospekte die Farmer aus dem Norden in das neuerschlossene Gebiet. Tausende waren jedes Jahr zugezogen, und das Land war bald aufgeteilt. Auch smarte Agenten hatten große Strecken zu billigen Preisen erworben und verkauften sie nach einigen Jahren wieder, ein schönes Stück Geld dabei verdienend. Außer den Farmern kamen aber auch Arbeiter, Handwerker, Spekulanten, und so entstanden oft in wenigen Wochen Ortschaften, die je nach der Lage bald zu größeren Städten anwuchsen. Auch Fred Morgner besaß in der Nähe von Foxhill ein großes Areal Waldbestand. Vor Jahren hatte er es für einen Spottpreis erstanden und ließ es nun ruhig liegen, bis es einen hohen Wert bekommen würde. Er selbst beteiligte sich mit Eifer an allen öffentlichen Fragen und half überall mit, Foxhill auszubauen und neue Ansiedler herbeizuziehen. Er belebte die Saloons, wo er lange Reden hielt und seine Zuhörer für diese oder jene Sache zu be- geistern wußte. Daß er dabei Bier und Whisky in großen Mengen vertilgte, war nicht zu vermeiden, wenn Fred auch oft die Absicht hatte, nicht mehr zu trinken. So kam es vor, daß er des Morgens mit einer großen Medizin- flasche, die er heftig schüttelte, auf und ab ging.„Meine Nerven halten dieses Leben nicht mehr aus," erzählte er Robert mit leiser resignierter Stimme,„ich muß solider leben. Ich werde keinen Schluck Bier mehr trinken, zur Zeit ins Bett gehen und mich nicht mehr aufregen. Der Doktor hat mir«ine famose Medizin ver« schrieben, die wird mir wieder auf die Beine Helsen." Er nahm einen Löffel voll der kostbaren Medizin, von der er Heilung seines Suffs erwartete, und stellte die Flasche wieder an ihren Platz. „Mit 52 Jahren ist man kein Jüngling mehr, eS muß ein Ende haben." „Heiraten Sie. Mr. Morgner," schlug Robert bor,„dann haben Sie ein Heim und fühlen sich wohler." Der Hüne lachte laut auf. „Ach, heiraten I Dazu bin ich zu alt. Aber man kann sich die Sache einmal überlegen. Jetzt will ich kollekten gehen. Wenn der alte Mike kommt, lassen Sie ihn alles sauber machen und die Fenster putzen. Behandeln Sie ihn möglichst grab, der alte irische Halunke tut sonst gar nichts." Er gab dem Mädchen im Laden noch einige Anordnungen und ging kollekten, das heißt, er besuchte zwei oder drei Kunden, um Geld einzukassieren, und ging dann in einen Saloon, wo er gewöhnlich bis zum Abend blieb. Nach einiger Zeit kam Mike herangeschlürfk, seine Pfeife zwischen den Zähnen. Er blieb in der Mitte des Raumes stehen und blickte umher. Offenbar erwartete er erst eine» Ansporn von Robert, bevor er sich wirklich entschloß zu arbeiteys"tfcihfen „Guten Morgen, Mike," rief ihm Robert zu« ,,■< hu „Morgen." knurrte Mike. Hiu� liüu „Heute putzen Sie mal gleich die Fenster, man kann zchkaum durchsehen." � n jlnt Mike blickte Verwundert auf. Fensterputzer das kvar ihm etwas ganz Neues. Doch Robert ließ ihm keine Zeit zum B«» sinnen, er schaffte einen Lappen herbei und trieb Mike zur Eils an. Knurrend machte sich dieser an die Arbeit. Nach Beendigung per schwierigen Sache ging er aufatmend in den Hof, stopfte W eine neue Pfeife und Holte hierauf das Pferd MorgnerS aus dem Stalls das er gründlich putzte. Robert sah ihm durch die blank- geputzten Fensterscheiben lächelnd zu. „Hallo, wo ist Mr. Morgner?" rief plötzlich eine helle Stimme herein. An der zur Seite geschlagenen Portiere stand ein Knabe. der seine großen schwarzen Augen auf Robert richtete. „Mr. Morgner kommt erst am Mittag wieder. Was willst Du?" „Ich muß ihn sprechen." Der Knabe trat näher.»Sind Sie Vir neue Mann?" fragte er, Robert von oben bis unten musternd. „Ja." Robert betrachtete den farbigen Burschen. Es war ein Mulatte. Aus dem gelblich-braunen Gesicht blitzten ein Paar kluge Augen. Eine Reihe blendend weißer Zähne kam zum Vor- schein, wenn er sprach. Die dünnen braunen Finger spielten an allem herum, was ihm interessant erschien. „Sind Sie ein Deutscher?," fragte er Robert und sah ihm Neugierig ins Gesicht. .Ja." „Ist Deutschland schön?! Schlägt man dort auch die Nigger?" „Nein, mein Junge, man hat nur ganz vereinzelt Neger in den großen Städten, wo sie als Portiers oder dergleichen angestellt sind. Schlägt man denn die Nigger in Amerika?" „Nicht überall, erzählte mir Houston, unser Lehrer." In den Augen des Knaben blitzte es wieder auf,„Nur hier im Süden behandeln sie uns wie Tiere." „Kennst Du Mr. Morgner gut?" fragte Robert, dem das früh- reife Geplauder des Bürschchens gefiel. „O ja, sehr gut," erwiderte er, verschmitzt lächelnd, „Wie heißt Du denn?." „Jim." �.Einfach Jim." „Jim Burnham," antivorteke der Kleine zögernd. „Wie alt bist Du?" „Zwölf Jahre." Jim sah durchs Fenster.„Da ist Mike, ich gehe und helfe ihm." Er verschwand behende durch die Tür und half emsig den Wagen reinigen. Dann kamen die beiden wieder herein, und Robert wies Mke Neue Arbeit an. MorgnerS fester Schritt hallte durch den Laden und er trat mit rotem Gesicht ein. Er hatte trotz seiner Abficht, kein Bier anzurühren, doch wieder getrunken, das sah Robert auf den ersten Blick. Wütend blickte Morgner auf den braunen 5tnaben. „Was willt Du hier, Bursche?" schnaubte er ihn an. „Sie wissen doch, was ich will," entgegnete dieser fest. „Ach, geh zur Hölle, Du schwarzes Ungeziefer. Wie oft soll ich Dir fagen, daß Du Dich nicht hier herumtreiben sollst, wenn ich nicht hier bin? Halunke, frecher!" Morgner machte Miene, den Kleinen zu schlagen. Dieser war aber durchaus nicht furchtsam. Rasch sprang er auf die Seite, ergriff einen großen Zirkel, der auf dem Tische lag, und rief Morgner in zornigem Tone zu:„Schlage mich nicht!" Morgner lachte gezwungen auf und ging in den Laden, Jim folgte ihm. „Eine niederträchtige Bande, diese Nigger," schimpfte Morgner, als er wieder zurückkam.„Können einem das Leben schwer machen. Ich muß jetzt aufs Land, Mr. Helmbrecht, eine wichtige Sache besorgen." Er nahm Pferd und WKgen und fuhr davon. Die Medizin hat nicht viel geholfen, dachte Robert. Er ist schon in seinem alten Schlendrian. Einmal kam auch eine schwarze Frau in Roberts Arbeitsraum. Sie fragte ebenfalls nach Morgner. Es war eine üppige Negerin, über die erste Jugend hinaus. Was hatte Morgner mit diesen Leuten zu tun?� Roberh ward neugierig. (Fortsetzung folgt.)! Zur Älirtfckaftsgesckicdte der Kunft* Von Dr. Wilhelm Hausensteln. (Schluß.) „Demzufolge entschloß ich mich, vielen Ueberredungen zum Trotz, ganz in den Dienst Eurer Exzellenz zu treten, mit der Ab- ficht, eö so zu machen, daß Sie sich rühmen könnten, etwas zu be- fitzen, was kein anderer Herr in Italien besitzt, und so habe ich getan. Da aber, wie aus dem Schreiben Eurer Exzellenz hervor- geht, Sie mir großmütig versprachen, Sie würden, falls ich mich in der von Eurer Exzellenz vorausgesetzten Weise betätigte, dafür Segen, daß das Gehalt nur mein geringster Lohn sein sollte.... be ich immer in großer Hoffnung gelebt, namentlich jetzt, wo ich beinahe neunzehn Jahre Eurer Exzellenz gedient und gesehen habe, was für reiche Belohnung an Besitzungen und Häusern und anderen Benefizien Ihre anderen Diener empfangen haben. Ich aber warte noch immer, obwohl es schon fünf Jahrg her sind, daß Eure Exzellenz es versprach, auf die Bezahlung jener Besatzung was ich für kein gutes Zeichen erachte. Ich hoffte in dieser Zeit� daß Eure Exzellenz für besagte Besitzung,)as heißt für 800 Du« katen, Sicherheit geben und mir 600 Dukaten, wie versprochen, zahlen würde. Auch hegte ich Hoffnung, Sie würden mir, wie ver« sprachen, helfen, das Haus zu bauen. Nun finde ich mich, erlauch« ter Herr, mehr mit Söhnen und Töchtern beschwert wie damals, als ich zu Ihnen kam... Eure Exzellenz wollen meine Bitte er- füllen gemäß dem Versprechen Eurer Exzellenz und der Meinung vieler in Italien, die da glauben, ich schwämme in Milch unter dem Schatten Eurer Gunst, der ich mich. demütig empfehle." Nachdem Mantegna den Gonzagas fast fünfzig Fahre gedienl hatte, starb er in Armut. Als Greis sah er sich zu dem Entschluß genötigt, seinen liebsten Besitz, eine antike Büste, den Gonzagas zum Kauf anzubieten. Die Marchesa Jsabella Gonzaga antwortete ein halbes Jahr auf die Hilferufe des alten Künstlers überhaupt nicht. Und als sie sich endlich rührte, da sandte sie ihren Unter» Händler mit dem Auftrag, den Preis der Büste soweit als mög-> lich herunterzuhandeln. Seit der Renaissance war die Kunst, Pflege in der Hauptsache die Angelegenheit der fürstlichen„Gönner". Das Mittelalter hatte demokratische Elemente enthalten. So hatte im Mittelalter das bürgerlich-demokratische Versicherungsinstitut der Zunft auch für die Künstler geblüht. So hatten bürgerliche Auftraggeber inr Mittelalter mit fürstlichen konkurriert. Auch die Kirche hatte da- mals bürgerlich-demokratische Züge gehabt. Seit der Renaissance, insbesondere seit dem Ausgang des fünfzehnten Jahrhunderts spitzten sich aber alle Dinge immer mehr aufs Fürstliche zu. Ein Opfer dieser EntWickelung war auch Michelangelo'. Er hatte ein durch und durch demokratisches Genie. Aber die Ver- Hältnisse zwangen ihn, Fürstendiener zu werden. Sein Leben gibt wie das Mantegnas Beispiele dafür, daß die Wirtschaftsgeschichte der Renaissancekunst von den gröbsten Gönnerlegenden umrankt ist. Die bürgerliche Kunstgeschichtsschreibung weiß aus dem„ge- nialen" Papst Julius und seiner„Bedeutung" für Michelangelo nicht genug Wesens zu machen. In Wahrheit war Julius II. ein eitler Sanguiniker, dem es an jedem tieferen Verständnis für die Kunst gebrach und der dem Michelangelo nicht bloß gar keine För- derung, fondern eine ununterbrochene Hemmung des Schaffens bedeutete. Hier ist zum Beispiel die Anekdote bezeichnend, die der Renaissancemaler und Historiker Vasari von Julius und Michel- angelo erzählt: „Michelangelo hat es öfters beklagt, daß er durch die Unge« duld des Papstes verhindert gewesen sei, das Werk— die Ausmalung der sixtinischen Kapelle— nach seiner Weise zu vollenden« da der Papst ihn unaufhörlich mit der Frage belästigte, wann er fertig werden würde. Und als Michelangelo ihm nun einmal er- widerte:„Ich werde enden, wenn ich mir in Rücksicht der Kunst genug getan haben werde", entgegnete ihm der Papst:„Wir wollen, daß Du U n s genügst, und Unser Verlangen ist, es schnell ge- macht zu sehen". Und der Papst fügte hinzu, wenn solches nicht bald geschehe, werde er ihn von dem Malgerüst herabwerfen lassen." Derselbe Vasari erzählt glaubwürdig: „Es geschah einmal, daß Michelangelo sich Urlaub ausbat und Geld, um nach Florenz zu gehen. Der Papst sprach:„Schon gut — aber wann wird die fixtinische Kapelle fertig?" Michelangelo: „Sobald ich kann, heiliger Vater." Da schlug der Papst mit einem Stock, den er in der Hand hatte, nach ihm und schrie:„Sobald ich kann! Sobald ich kann! Wir wollen Dich wohl lehren, zu können, Wir!" Und bei allem war es nun nicht so, daß sich der Papst bemüht hätte, Michelangelo wenigstens finanziell reich zu entschädigen. Michelangelos Briefe sind voll von Beweisen der materiellen Not, die er als„Günstling" des Papstes zu ertragen hatte. Und Michel- angelo war nichts weniger als luxuriös. Der heilige Vater brauchte sein Geld für Kriege; und so geschah es, daß Michelangelo zum Beispiel um 1510 überhaupt keine Honorare bezog. Für das ganze ungeheure Werk der Deckengemälde in der sixtinischen Ka- pelle erhielt Michelangelo 3000 Scudi(etwa 13 000 Mark), von denen er aber auch die Materialien zu bezahlen hatte. Mantegna und Michelangelo lebten demnach keineswegs in angenehmen Verhältnissen. Zwei andere von den Größten der Re- naissance, Correggio und Tintoretto, lebten notorisch in höchst bescheidenen Verhältnissen. Nur e i n großer Künstler der italienischen Renaissance bedeutete eine Ausnahme von der Regel derartigen Lebens: Tizian. Die Großhändlerrepublik Venedig hat seine Kunst— aus der Tizian schließlich mit einer genialen Oberflächlichkeit eine Industrie gemacht hat— glänzend entlohnt. Die Art der Pension, die er vom Rat der Stadt bezog, ist eigen- tümlich. Tizian hatte das Amt eines staatlichen Sensals(Maklers) am Fondaco dei Tedefchi, der Warenbörse der deutschen Groß- Händler in Venedig, dre ohne Vermittelung eines venezianischen Kommissars nicht handeln durften. Das Amt des Sensals brachte enorme Provisionen ein. Tizian hatte aber nur Einnahmen aus dem Amt; von den Pflichten war er frei. Das Amt war eins reine Sinekure. Tizian war auch fast lebenslänglich steuerfrei: 1566 hatte er seine erste Steuererklärung abzugeben.(Sein Ge- burtsjahr ist das das Jahr 1477, sein Todesjahr das Jahr 1576.) Er hatte prachtvolle Landbesitzungen in den schönsten Teilen des venezianischen Festlandes. Aber selbst Tizian beklagt sich fortgesetzt über nicht bezahlte Honorare: und zwar war es der filzige Kqises Stätl V., ort den sich Tizian wiederholt mit Klagen wandte. Karl honorierte mit Anweisungen auf Stadtkassen, in denen nichts war. In der Wirtschaftsgeschichte der Renaissanige kam auch der Humor zu seinem Recht. Eines TageS ward der Maler Sodoma zur Steuererklärung aufgefordert. Er fatierte: sein Vermögen bestehe aus seinen„drei Frauenzimmern", seinen dreißig Ban- kerten" und aus einer Menagerie. Aus dieser Natur seines Ver- mögens machte Sodoma Ansprüche auf Steuerfreiheit geltend. Im Gegensatz zu Tizian lebte Dürer kstmmcrlich. Liest Man zum Beispiel Dürers niederländisches Tagebuch, dann findet iman Seite um Seite die sorgsamsten Ausgaben- und Einnahmen- vermerke. Sie stimmen auf Heller und Pfennig. Dürer ist wirt- schaftlich der Typus des sparsamen Kleinbürgers, der mit jeder Kupfermünze rechnen mutz. Er beneidet die niederländischen und italienischen Kollegen, mit deren Honoraren sich die seinen nicht von weitem vergleichen lassen. Rembrandt war nicht besser daran: das Talent zur Buch- jführung ging ihm obendrein vollkommen ab. Er geriet, da ein- iträgliche Aufträge ausblieben, so tief in Schulden, datz ihm seine Hanze Habe lllöä und lW8 versteigert wurde. Eine Magd, mit der er in wilder Ehe lebte, Hendrikje Jaghers, ein Weib von prolcta- rischer Energie, hat ihm dann künftighin das Hauswesen in prole- tarischer Einfackheit zusammengehalten Aebnlich lebte Franz Hals; auch er war eines der größten Genies aller Zeiten der Malerei— und auch er hat mit seiner Malerei nie ein noch so bescheidenes Vermögen verdient. Er war Mne Rembrandt boykottiert, weil seine Kunst wie die Rembrandts nicht begriffen wurde und weil er so wenig als Rembrandt geneigt war. dem Publikum Konzessionen zu machen Auch er erlebte Kon- Zurse Sein Begräbnis war ein Armenbegräbnis Seine Witwe war Empjängerin einer Armenrente Anders Rubens Sein Genie war verständlicher, weil es weniger tief war. Er lebte fürstlich. Als junger Mensch erhielt er am mantuanischen Hof schon ein Jahresgehalt von 400 Du- ikaten. 1608 wach er Hofmaler des Brüsseler HofeS mit 500 Pfund vlaamisch. Er wurde geadelt. Sein Haus zu Antwerpen war wie die Residenz eines Herzogs. Seine Bilder erzielten die höchsten Preise des siebzehnten Jahrhunderts. 1622 erzielte er einmal einen Preis von 14 000 Franks für ein Bildnis. Dabei vrbeitete er spielend. Sein Honorarmatzstab war, wie Rooses er- zählt, einfach: er lietz sich für ein Bild„sovielmal hundert Gulden Vezahlen. als er Tage daran gearbeitet hatte". Aber das war nur Ider Normalmahstab. Die glänzendsten Einkommen des achtzehnten Jahrhunderts scheint der Franzose Rigaud gehabt zu haben: ein eleganter, oberflächlicher Charakterifierer, der so recht berufen war, Hof- und Wodemaler zu sein. 1729 bekam er für ein Porträt, an dem er «in Jahr lang getüftelt hatte, 45 000 Franks. Seine durchschnitt- iiche Jahreseinnahme belief sich(nach Paul Dreh) auf 30 000 iFranks. Wahre Genies wie C h a r d i n hatten damals kleinbür- gerlichc Einnahmen. Noch einige Worte über das neunzehnte Jahrhundert. Typisch für die Kümmerlichkeit der Staatsaufträge deS neuw zehnten Jahrhunderts ist der Vertrag, den Moriz von Schwind Ä842 mit den: Grotzherzog Leopold vo>n Baden über die Ausmalung der„neuen Akademie"(Kunsthalle) in Karlsruhe schloß. Schwind lbekam ein Fixum von 1000 Gulden pro Jahr. Die Arbeit war Hernrt. daß sie ihn voll beschäftigte. Wie man mit geringen Kosten und ohne jedes Kunstver- Ltändnis. in den Besitz einer Galerie und in den Ruf eines großen Mäcens kommen kann, das lehrt das Beispiel des Grafen Schack, dessen Sammlung sich bekanntlich(jetzt als öffentliche kaiserliche Galerie) in München befindet. Man mutz die von Wyk gesammel- 4en Aeutzerungen Lenbachö lesen, wenn man wissen will, wer Schack gewesen ist. Da findet man zum Beispiel folgendes: „Heysc eröffnete die Verhandlungen und fand günstigen Bo- den. Als man auf den Geldpunkt zu sprechen kam, machte ich die Sache kurz und erklärt«, datz ich bereit sei, für 1000 bayerische Gul- den im Jahr für den Freiherrn von Schack zu kopieren. Von den Ausgaben für meine Arbeit wurde mir nichts bezahlt, nur die Meise. In Italien kopierte ich tapfer drauf los, und ich kann wohl sagen, datz ich mich furchtbar geplagt habe, wobei ich natürlich mit meinen 1000 Gulden keinen besonders üppigen Lebenswandel fuh- ren konnte... In diesem Verhältnis stand ich zu Schack unge- Ifähr drei Jahre lang. Als ich später für Schock unter denselben Bedingungen nach Spanien ging, stellte sich bald heraus, daß ich dort mit meinen 1000 Gulden nicht leben konnte. Zum Glück fand ich bald einen Anlatz, um eine Verbesserung meiner Lage herbei- zuführen. Als ich den Karl V. nach Tizian fertig kopiert hatte, eine Arbeit, die ich in drei Wochen zu vollenden hatte, bot mir ein Engländer für diese Kopie allein die Summe von 8000 Franken...�Daraufhin wurde Schack etwas freigebiger... Was den Grafen Schack als Mäcen und Kunstkenner anbelangt, so ist fast alles, was über seine Liebe zur Kunst und seine Kennerschaft erzählt wird, eitel Phantasiegcbilde. Die Wahrheit ist. daß er Swine Ahnung von Kunst hatte... ES gefiel ihm. daß in der �Allgemeinen Zeitung" immer von seiner Kunstliebe die Rede war. .... Er kaufte Bilder ganz einfach deshalb, weil sie billig und ihm sehr empfohlen ivaren. Sein Einkommen gestattete ihm solche Liebhabereien. Dasselbe betrug 60 000 bayerische Gulden jährlich, Perantwortl. Redakteur: Albert Wacks. Berlin.— Druck u. Verlag: von denen er höchstens 10000 für sich bethrau'chke» T, AIS Beleg für seine Kennerschaft mag eine Geschichte gelten, die einmal in meinem Atelier passierte. Er schwärmte eine Zeitlang für die schöne Helene von Dönniges, die später durch ihr verhängnisvolles Ilbenteuer mit Lassalle bekannt wurds. Und ich hatte sie damals zu malen. Da kommt Baron Schack eines Tages in mein Atelier. stürzt auf die Staffelei zu und ruft:„Sind ihre Haare nicht noch röter?" Unglücklicherweise stand aber auf der Staffelei nicht das Bild der roten Schönen, sondern das des alten Döllinger... Ob ein Bild aufrecht oder auf dem Kopf stand, war diesem Kenner vollkommen gleichgültig." Lenbach erzählt dann, daß Schack schon wegen seiner schlechten Augen kein Talent zum Kritiker gehabt babe:..Von Kennerschaft, ja nur von physischem Sehen war keine Rede." Als Böcklin als„Günstling" Schocks für S00 Gulden eine seiner„Villen am Meer" malte, schrieb Schack an Lenbach: „Dem Böcklin ist zu sagen, wie selbst nach der Meinung seiner größten Verehrer das BiliJ seiner unwürdig ist." Böcklin muhte den Gegenstand ein zweites Mal malen.„Für die Wieder- holung aber", meldet Lenbach,„bekam Böcklin keinen roten Pfennig." Als Schfvind einmal fünfundzwanzig„Bildeln" zu verkaufen hatte und in Not war. lietz er sie durch Lenbach dem Baron Schack enblock um 8000 Gulden anbieten. Darauf Schack:„Ich mag die Bilder von Schwind; den Kerl selbst aber kann ich nicht leiden." Schack wurde mit Schwind erst handelseinig, als Schwind noch ein weiteres Bild gratis dazu gab. Für jeden, nicht nur für den Publikumsmaler Lenbach, son- dern auch für grotze Künstler wie M a r e e s und Feuerbach, war das Mäcenatentum Schocks ein Martyrium: finanziell wie moralisch und künstlerisch. Es ergibt sich: Auch die Geschichte der bildenden Kunst hat ihre Stelle in der Geschichte der Ausbeutung. Meines femUeton. LokalmagnetismuS. Schon vor Zeiten war die Tatsache be- kannt, datz in bestinimten Gegenden einzelne grötzere Gesteins- Massen magnetische Erscheinungen zeigten. Dieses Phänomen, das den Anlatz zur Sage von dem Magnetberge bot, der heran- nahenden Schiffen sämtliche Nägel aus dem Holz ziehen sollte, so daß es elendiglich untergehen mutzte, wurde bereits früher an einer Stelle der vorderindischen Küste festgestellt. Wie die Münchener Akademie mitteilt, ist neuerdings ein solcher Ort bei Hof in der Nähe von Plauen gefunden worden. Es handelt sich um eine niedrige Erhebung, den sogenannten„Sämfhäbel", ein altes Eruptivgestein, das zum grossen Teil mit Erde bedeckt ist und nur wenige freie Lavastellen besitzt, die sich als magnetisch erweisen. Noch deutlicher zeigt sich dieser Lokalmagnetismus am„Schwarzen Stein" bei dem bayerischen Erenzort Trogen; dort ist sogar der mit Humus bedeckte Boden magnetisch, so daß also der ganze Fels- Hügel als ein großes magnetisches Kraftmagazin zu deuten ist. Hier zeigt sich die horizontale wie die vertikale Ablenkung der Magnetnadel gleich bemerkenswert. Ueber die Ursache solcher Er- scheinungen ist man sich noch nicht einig. Vielleicht befinden sich grotze Lager von Magneteisenerz in geringer Tiefe unter der Erd- obcrflöche, so datz dio Störung der Magnetnadel nicht auf die Felsen selbst, sondern auf eine unter ihnen befindliche, nicht ficht- bare Ursache zurückzuführen ist, oder es handelt sich um eine durch Induktion(Uebertragung von Magnetismus auf nichtmagnetische Körper durch Annäherung eines magnetischen) hervorgerufene Magnetisierung der an der Oberfläche erkaltenden vulkanischen AuÄruchmassen, aus denen die genannten Stellen bestehen. Ferner ist es möglich, datz die eigenartige Erscheinung auf vulkanische Störungen in vergangenen Zsiten zurückzuführen und mit Erd- erschütterungen in Zusammenhang zu bringen ist. Ein neuer Tauchapparat wurde in Paris erprobt, der vor den bisherigen Apparaten vor allem der: Borzug großer Leichtigkeit hat. Ter Erfinder ist Moritz Fernez, Werkmeister in einer Pariser Parkcttfabrik. Die Versuche wurden in der Seine vorgenommen in Gegenwart eines Hauptmanns der Feuerwehr, d«S Inspektors der Seineschiffahrt und einiger Aerzte. Mit seinem leichten Apparat versehen, der ein einfaches Kautschulband über dem Munde festspannt, konnte Fernez 10 bis 20 Minuten unter Wasser bleiben. Von einem Boote aus wurde ihm mit einer Pumpe die nötige Lust zur Atmung zugeführt. Die Pumpe ghnelt jenen. welche zur Füllung der Gummireifen von Fahrrädern benutzt werden. Nachdem Fernez wieder an die Oberfläche gekommen' war. wurde er von den Aerzten untersucht, die bei ihm weder eine Störung in der Blutzirtulation noch in der Atmung konstatierten. Einer der Hauptvorteile des neuen Apparates besteht in der Ge- schwindigkeit, mit welcher er das Untertauchen ermöglicht. Während die mit den älteren Apparaten arbeitenden Taucher dreiviertel Stunden gebrauchen, sind mit dem neuen zehn lqfkunden genügend. Allerdings scheint sich die Anwendung auf die geringen Tiefen der Flusse zu beschränken. Sie könnte aber auch bei FeuerSbrünsten in Kellern, Gasexplosionen usw. Dienste leisten._ vorwärtsBuchdruckerei u.VeriagSanst-:ltPaulSingertEo.,BerlmLVV.