Htnterhaltungsblatt des Nr. 170. Dienstag, den 3. September 1912 xzzachdnick 6«S0t«T.l 9] pelle der Gröberen Don M. AndersenNexö. Uebersetzt von Mathilde Mann. Er hatte sie auf das Sofa gelegt und saß über sie gebeugt da und erzählte ruhig, wie er bereut und sich gesehnt und es sich hatte leid sein lassen. Sie antwortete nicht, sondern hielt seine Hand krampfhaft fest, von Zeit zu Zeit öffnete sie die Augen und betrachtete ihn verstohlen. Plötzlich entdeckte sie, wie verheert und voller Furchen sein Gesicht war. sie liejj die Hand darüber hingleiten, wie um die Züge weich zu machen und brach in heftiges Weinen aus. „Du hast es so schwer gehabt, Pelle!" sagte sie mit Un- gestüm und ließ ihre zitternden Finger durch sein grau- gesprenkeltes Haar gleiten.„Ich kann es Deinem armen Kopf anfühlen, wie schlecht sie gegen Dich gewesen find. Und ich bin nicht einmal bei Dir gewesen! Wenn ich Dir doch nur so recht etwas zuliebe tun könnte, so daß Du wieder froh aussehen würdest!" Sie riß ihre Kleidertaille auf. legte seinen Kopf an ihren Busen und lullte ihn ein mit einem Ausdruck einer Mutter, die ihr Kind säugt. Und Pelles Antlitz veränderte sich leise, wie das des Kindes, wenn es an die Brust gelegt wird. Es war, als ergösse sich der Quell des Lebens in ihn, das Verhärtete wich aus den Zügen. Leben und Wärme ikehrten in sie zurück. „Ich glaubte ja nicht, daß Du zu uns zurückkehren würdest," sagte Ellen und preßte heftig ihre Brust gegen feinen Mund.„Von dem Augenblick an. wo Dich Lasse Frederik gestern traf, Hab' ich da gesessen und gewartet, daß Tu kommen würdest." > Pelle entdeckte plötzlich, wie übernächtig sie aussah. „Du Just über Nacht gar nicht zu Bett gewesen?" sagte er. Sie schüttelte lächelnd den Kopf:„Ich mußte ja auf- Passen, daß die Haustür nicht abgeschlossen wurde. Jedesmal, wenn jemand nach Hause kam, lief ich hinunter und schloß wieder auf. Du mußt dem Jungen nicht böse sein, weil er gleich zuerst bange vor Dir wurde. Hinterher bereute er es und lief den ganzen Abend in der Stadt herum, um Dich zu suchen." Aus der Schlafkammer rief eine helle Kindcrstimme immer eifriger:„Manne! Guten Tag, Manne!" Da drinnen saß Schwester aufrecht in Ellens Bett und spielte mit einer Feder, die sie aus dem Zipfel des Oberbettes gezupft hatte. Sie ließ sich willig küssen und saß da mit ihrem Trotzmäulchen und der drolligsten krausen Nase.„Du bist Mann!" sagte sie einschmeichelnd. „Ja, das ist alles recht schön," sagte Pelle lachend,„aber was für ein Mann?" „Mann!" wiederholte sie und nickte ungeheuer ernsthaft. Schwester teilte offenbar jetzt das Bett mit Ellen. Am Fußende des großen Bettes stand ihr eigenes kleines Kinder- bett, das einstmals auch Lasse Frederiks gewesen war, und darin lag— nun. Pelle wandte sich nach der anderen Wand um, wo Lasse Frederik in dem einschläfrigen Bett lag und pustete, den Arm unterm Kopf. Er hatte das Oberbett weg- gestrampelt und lag auf dem Bauch, in tiefe Ruhe versunken, die drallen Glieder frei gestreckt. Er war gut gebaut, der Bursche! „Na, Faulpelz, kannst Du nun wohl machen, daß Du auf die Beine kommst!" rief Pelle und zerrte ihn an dem einen Fuß. Ter Junge wandte sich langsam um. Als er den Vater erblickte, war er plötzlich ganz wach und hob den Ellbogen Parierend über den Kopf. „Es hängen keine Ohrfeigen in der Luft, mein Junge," sagte Pelle lachend.„Das Spiel fängt erst heute an!" Lasse Frederik fuhr eigensinnig fort, sich mit dem Arm zu decken. Er lag da und starrte gleichgültig in die Stube hinaus, als ahne er nicht, woraus der Vater anspielte. Aber er hatte einen dunkelroten Kopf. „Sagst Du Deinem Vater nicht einmal ordentlich guten Tag?" fragte Ellen. Da streckte er widerstrebend die Hand aus und wandte sich dann nach der Wand um. Er lag da und ärgerte sich über die Heldentaten des gestr-igen Tages, viel- leicht erwartete er auch eine Abstrafung. An dem Nagel über dem Bett hing seine Kittelschürze und feine Mütze. „Lasse Frcderik ist wohl auch Milchjunge?" sagte Pelle. ,�za," erwiderte Ellen,„und er ist ganz brauchbar zu der Arbeit. Die Kutscher loben ihn." „Muß er denn nicht jetzt aufstehen und gehen? Ich bin schon verschiedenen Milchwagen begegnet." „Nein, denn wir streiken in dieser Zeit," murmelte der Junge der Wand zugewendet. Pelle wurde ganz eifrig:„Diese Beugels, also Ihr streikt! Was ist denn da los, handelt es sich um den Lohn?" Der Junge mußte erzählen. Er kam allmählich mit dem Gesicht zum Vorschein, sah aber den Vater nicht an. Ellen stand in der Tür und lauschte ihnen lächelnd, sie sah schwach aus.„Lasse Frederik ist ja der Führer," sagte sie leise. „Und dann liegt er hier, statt draußen zu sein und acht auf die Streikbrecher zu geben," rief Pelle ganz erregt aus« „Du scheinst mir ein netter Führer zu fein!" „Glaubst Tu, daß ein Junge so gemein ist, sich zum Streikbrecher zu machen?" sagte Lasse Frederik.„Nein, die Leute holen sich ganz einfach die Milch selbst von den Wagen." „Tann müßt Ihr die.Kutscher dazu kriegen, daß sie gc- meinfame Sache mit Euch madhen!" „Ne, wir sind ja keine richtige Organisation. Darum woll'n sie uns nich unterstützen." „Dann bildet doch'ne Organisation, zum Teufel auch! Willst Du mal machen, daß Tu rauskommst. Junge: lieg doch nich da und schnarch, wenn Tu so was vorhast! Glaubst Dir vielleicht, daß man sich hier in dieser Welt was erschläft?" Ter Junge rührte sich nicht, er fand offenbar nicht, daß ein Grund vorlag, den Vater besonders feierlich zu nehmen. Aber da traf ihn ein vorwurfsvoller Blick Ellens. Und ein, zwei, drei war er aus den Federn heraus und in den Kleidern. Während sie in der Stube saßen und Kaffee tranken, erteilte ihm Pelle allerlei Winke, wie er die Sache angreifen müsse. Er war sehr interessiert und ging gleich mit Leib und Seele in der Frage auf: es war, als habe er erst gestern mit den Massen zu tun gehabt, so viele gute Kampferinnerungcii! drangen auf ihm ein. Jetzt wußte also jedes Kind, daß es das Gemeinste von allem ans der ganzen Welt war, Dienste als Streikbrecher zu leisten!— Und wie et hatte kämpfen müssen, um selbst famose Kameraden dahin zu bringen, daß sie dicjZache verstanden! Ganz komisch war es zu denken, daß der Streik, der die Ar- beiter mit Schaudern erfüllte, als er ihm zum erstenmal an- wendete, daß der jetzt etwas war, womit sich Kinder abgaben'. Tie Zeit schien hier heutzutage mit schnellen Schritten zu gehen! Sollte man Anteil am Gewinn haben, so mußte man fich tummeln. Als der Junge zur Tür hinaus war, trat Ellen an ihn heran und strich ihm über das Haar.„Willkommen daheim!" sagte sie still und küßte ihn auf die gefurchte Stirn. Er drückte ihre Hand.„Hab Dank, daß Du ein Heim für mich hast." erwiderte er und sah ihr in die Augen,„sonst glaub' ist, tvär' ich vor die Hunde gegangen." „Tu kannst mir glauben, daran hat der Junge seinen großen Anteil! Er greift tüchtig zu, sonst hätte es manch liebes Mal schlimm für mich ausgesehen. Du mußt nicht böse auf ihn sein, Pelle, wenn er auch manchmal ein bißchen kurz angebunden gegen Dich ist. Bedenke, er hat sich so viel von den anderen Jungen gefallen lassen müssen. Manchmal rst er ganz verprügelt nach Hause gSkonnnen." „Um meinetwillen?" fragte Pelle kleinlaut. „Ja, denn er konnte es nicht dulden, daß sie was von e.ir sagten. Eine Zeitlang war er in ewigen Prügeleien, jetzt glaub' ich übrigens, daß er sich Ruhe vor ihnen verschafft hat: denn er gibt nicht nach. Aber es mag ja was bei ihm sitzen ga- blieben sein.". Sie stand zögernd neben lhm. Da war rrgend envaI» was sie ihm sagen wollte, womit sie aber nicht zu Gange kommen konnte.„Was hast Du?" fragte er, um ihr die Sache zu erleichtern, und bekam plötzlich Herzklopfen. Er hätte es am liebsten gesehen, wenn sie ohne Worte darüber hinweg- gekommen wären. Aber sie zog ihn sanft mit sich in die Schlafkammer und an das Kinderbett.«Du hast Svend Trost noch gar nicht be- grüßt." sagte sie. Er beugte sich verlegen über den kleinen Jungen, der da lag und ihn mit großen ernsten Augen anstarrte.„Wenn Du mir nur ein wenig Zeit lassen willst," sagte er. „Es ist der Junge der kleinen Marie," sagte Ellen mit einer eigenen Betonung. Er richtete sich hastig auf und sah sie verstört an. Es währte eine Weite, ehe er begriff. „Wo ist Marie?" brachte er mit Mühe hervor. „Sie ist tot, Pelle," antwortete Ellen und kam ihm zu Hilfe, indem sie ihm die Hand gab.„Sie ist im Wochenbett gestorben." Es huschte ein grauer Zug über Pelles Gesicht. (Fortsetzung folgt.) (NaSdruS verlöte».). 9] Im sonnigen Süden, Von Max Werner. (Tchlutz.) Die Männer drängten vorwärts, und einer machte Miene, (Tora anzufassen. „Zurück,' schrie sie und schlug den Arm nieder, der nach ihr greifen wollte.„Ihr sollt hinaus, Ihr seid auf fremdem Boden, Ihr feigen Schufte." Wütend schleuderte sie den ersten von sich und griff nach dem Revolver, den ihr Jim gebracht hatte. „Ach, die Bestie schießt," rief einer der vordersten,„fesselt sie!" Im Nu waren die Frauen umringt, und ehe Cora den Revolver heben konnte, hatte ihn einer der Männer ihr aus der Hand ge- schlagen. Robert packte Bessie und zog sie fest an sich. Mit der Rechten hielt er den Revolver und war entschlossen, den ersten, der ge- walttätig gegen ihn vorging, niederzuschießen. Auch Klein suchte Cora zu befreiem Zum Glück erschienen mehrere Polizisten, die sich mit ihren EichenLnütteln schnell Raum verschafften und die Frauen befreiten. Es bereitete Robert unbändige Freude, als er sah, wie die empörten Amerikaner vor den wie spielend geschwiumgenen Knüppeln der Polizisten zurückwichen. v>. v Jtm war hereingeschlichen und zupfte Robert am Rock. .'Komnr diesen Weg," rief er leise und zog ihn nach der Hinter- tür. Bessie folgte Robert. Klein und Cora waren bereits von einem Polizisten in Schutz genommen worden. Auch die Köchin und ihre Gehilfinnen! zoa Jim durch die Hintertür. „Ich bringe Euch in Sicherheit." sagte Jim. während er ihnen durch den dunklen Hof voraufschritt,„auf der Straße versuchen sie doch noch einmal, Euch an den Kragen zu gehen." Und ev war in der Tat so. Auf der Straße stelen» Schüsse, und Cora wurde schwer verwundet ins Hospital gebracht. Jim ging durch Seitenstraßen und führte Robert und die Mädcher weit ab von dem Straßentumult nach dem freien Wald. Bessie hing weinend an Roberts Arm. „Wir bleiben nicht hier. Bessie." tröstete er sie,„wir fahren noch diese Nacht fort." „Ihr könnt nicht mehr fahren," sagte Jim.„der nächste Zug geht erst gegen Morgen. Fahrt nicht zusammen, man wird Euch belästigen." „Dann laufen wir, soweit wir kommen." entschied Robert,„ich mag nicht länger in diesem Nest verweilen, und Dich schlägt man morgen oder übermorgen tot. Bessie. Du gehst mit mir/ „Ja, ich gehe mit Dir," hauchte die kleine Mulattin und weinte nicht mehr. „So geht diesen Weg hinunter." sagte Jim.„Ihr kommt an die Eisenbahn, geht die Schienen entlang, in zwei Stunden habt Ihr Benton, von da könnt ihr am Morgen nordwärts fahren." Er drückte den beiden die Hand. „Good bye, Mr. Helmbi echt, Sie waren gut zu mir, ich habe Ihnen das nicht vergessen." Und ohne Zögern wandte er sich den zitternden Frauen zu; die unter seiner Führung auf versteckten Wegen in das Neger- viertel gelangtem Robert stieg mit Bessie den steilen Abhang hinunter und er» reichte unten das Geleise der Eisenbahn. „Wir wollen marschieren, solang« es geht. Bessie. Wenn Du müde wirst, müssen wir versuchen, einen Unterschlupf zu finden." „Nur fort von hier, ich werde die ganze Nacht laufen, wenz» Du willst." Und munter liefen sie zwischen den Geleisen in die dunkle Nacht hinein. Dichter Wald zu beiden Seiden. Dann kam offenes Feld. Viele Signallichter in der Ferne ließen vermuten, daß dort eine Station fei. „Wenn wir zusammenfahren, so fällt das auß" sagte Robcrk, „man wird Dich in einen besonderen Wagen verweisen, und ich möchte mich nicht gern von Dir trennen. Es wird auch kühl, im Freien können wir nicht gut übernachten. Was meinst Du, Bessie, wenn wir in einem Güterwagen übernachten?" „Wie Du willsV hauchte die Kleine und schmiegte sich zitternd an Robert. Draußen vor der Station standen viele Wagen, die gelegent» lich mit nach Norden genommen wurden. Robert versuchte, eine halboffene Türe zurückzuschieben. ES gelang ihm mit einiger Anstrengung, er stieg ins Innere des Wagens und zog Bessie nach. Dann schloß er die Türe wieder bis auf einen kleinen Spalt. „So, hier find wir für die Nacht geborgen, mein kleiner Lieb- ling," sagte Robert und küßte das zitternd« Mädchen auf die üppigen Lippen.... Als der Morgen dämmerte, schob Robert vorsichtig die Tür zurück und sah in den lachenden, erwachenden Tag hinaus. Er der- spürte Hunger und wollte auch gern wissen� wo er sich befand. Rasseln in den Schienen verkündete das Herannahmen eines Zugs. Sollte er mit Bessie weiterfahren!? Er wagte eS noch nicht. Wen« es in Foxhill wieder Schießerei gegeben hatte, dann war die Reger- hetze überall zu finden, und er setzte Bessie der größten Gefahr aus, wenn er sich mit ihr zeigte. Und verlassen wollte er sie nicht. Der Zug sauft« jetzt vorbei und hielt nicht einmal an der Station.„Um so besser," lachte Robert vor sich hin. Bessie war an seine Seite getreten.„Was beginnen wir nun?," fragte sie und küßte ihn wieder und wieder. „Wir behalten unsere Wohnung, Bessie," scherzte Robert,„hier leben wir ruhig und ungestört. Aber Du hast doch auch Hunger. Ich muß versuchen, Proviant zu bekommen." Irgendwo hinter der Station ertönte eine Fabrikpfeife: es war sechs Uhr. Robert ging auf das Bahnhofsgebäude zu und las„Benion". Es waren zwei einfache Warteräume da. einer für„weiße Passa- giere," der zweite für„Farbige". Außer dem Telcgraph«beamten war niemand im Gebäude. Robert fragte nach cinem�Punchrcvm, der Beamte zeigte auf ein Haus an der Ecke. Hier verzehrte Robert ein Butterbrot und Eier und trank eine Tasse heißen Kaffee dazu. Dann ließ er sich Eier, Schinken und Brot geben und brachte es an> den Wagen. Er hatte alles zu Bessie hinaufgereicht, als ein Mann von einem Güterwagen herabstieg, wo er die Bremsvorrichtung gelöst hatte. «Good morning, Sir." grüßte Robert. „Good morning," nickte der andere. „Fahren Sie diese Wagen bald weg?" „Ja, warum?" „Ich möchte mitfahren." Er griff in die Westentasche und zog einen Dollarschcin her- vor, glättete ihn und sah den Mann ffagend an. „Wollen Sie im Güterwagen reisen?" fragte dieser in freund- sicherem Tone. „Warum nicht? Die Reise ist billig. Wohin fahren Sie?" „Nach St. Louis." „Wie lange dauert die Fahrt?" „Etwa zwölf Stunden." Robert hielt den Dollarschein hin. den der Mann ohne weiteres einsteckte. „Ich bleibe in dem Wagen dort," sagte Robert und griff aber- mals in die Westentasche. „Allright," sagte ver Mann und streifte mit flüchtigem Blick Roberls Hand. „Ich habe ein kleines Mädchen bei mir—> Platz genug ist im Magen—" scherzte Robert und reichte dem Mann die zweite Note. Lächelnd ließ der auch diese Versclstvinden,. Fröhlich teilte nun Robert der aufhorchenden Bessie mit, was für einer Kontrakt er soeben abgeschlossen hatte. Noch einmal ging er nach dem Lunchroom, um genügend einzukaufen; dann stieg er in sein„Abteil" und schloß die Tür so weit als möglich. Nach kurzer Zeit wurde der Wagen unsanft gestoßen, die Lokomotive war angefahren. Der lange Güterzug setzte sich in Bewegung und fuhr noch Norden. Durch die Spalte in der Tür sah Robert, lvie die Station vorüberglitt. Häuser und Straßen vorbeizogen, und dann kam Wald, junger, treibender grüner Wald. Lachend hielt er seine hübsche Begleiterin umschlungen:„Wen« wir nur bis Missouri hineinkommen, dann haben wir freies Feld." *« « Eine Woche später fuhr Robert Helmbrecht westwärts. Der Zug hatte die mächtige Halle des Zentralbah-.hofes in St. Louis verlassen und fuhr nun in die dunkle Nacht hinaus. Und währen� die surrenden Räder ihr Lied bo-m Jagen und Hasten sangen, ge- dachte Robert der letzten Tage. Sein Freund John Klein war von Foxhill gekommen und hatte ihm die letzten SchreckenStage ge- schildert. Morgners Eigentum war in Flammen aufgegangen, Jim hatte wahrscheinlich das HcruS in Brand gesteckt, denn er war in der Nähe der Trümmer tot aufgeßunden worden; eine Kugel hatte ihm die Brust durchbohrt. Miliztruppen waren eingetroffen, die energische Maßregeln ergriffen hatten, um wieder Ruhe und Ordnung in der Stadt herzustellen. Von Bessie hatte sich Robert kurz vor Sk. Louis getrennt. In einem Vorort hatten sie beide den Güterwagen verlassen und hinter einem hohen Bahndamm ihre letzten Speisen verzehrt. Dann brachte er die Kleine zur Straßenbahn und versprach ihr, sie bald zu besuchen. Sie war in einem großen Hotel beschäftigt, und Robert hatte ihr gestern zum letztenmal die Hand gedrückt.„Ich komme bald wieder," hatte er versprochen, und sie hatte unter Tränen gelächelt. Und nun fuhr er nach Westen, nach dem„Lande des Sonnen- scheinst der Blumen und der Früchte," nach Kalifornien. Die Nacht spann ihren geheimnisvollen Schleier über der Gegend, die der Schnellzug durcheilte, schläferte die hoffnungsvollen Gedanken des jungen Mannes ein und ließ ihn träumen von Glück und Gold. Der Laubcnholonirt, Die allgemeine Teuerung, unter der Tausende Und aber Tausende schwer zu leiden haben, hat sich natürlich auch auf alle Futtermittel erstreckt. Früher bot sich immer die Möglichkeit, aus Amerika importierte Futtermittel zu einem mäßigeren Preise zu beziehen, die hohen Futtermittelzölle haben aber auch diesen Weg abgeschnitten. Eine große Anzahl der Laubenkolonisten beschäftigt sich nicht nur mit der Gartenkultur, sondern auch mit der Klein- tierzucht. Diese ist es, die durch die hohen Futtermittelpreise so un- lohneird wurde, daß durchschnittlich trotz aller aufgewendeten Sorge und Arbeit nicht nur kein Gewinn dabei herauskommt, sondern auch noch ein schönes Stück Geld zugesetzt wird. Dadurch wurde diese Tierzucht von einem ursprünglichen Nutzbetrieb zu einer Lieb- haberei, welcher der arme Mann manchen sauer verdienten Groschen opfern mutz. Man sehe sich nur einmal etwas näher in den Laubenkolonien um. Da sindet man so manchen Kolonisten, der sich hier seine Ziege hält— die nun einmal die Kuh oder die Frau Bolle des armen Mannes ist, der stch ein Schweinchen oder zwei fett machen will, Gänse und Enten mästet, Kaninchen als Ersatzlieferanten für Rind- und Schweinefleisch hält, Hühner als Eierlieferanten hegt und Taubenzucht betreibt, die freilich, soweit es sich um Schmuck- oder Flugtauben handelt, von jeher als Sport galt.„Wer sein Geld nicht sehen kann liegen", sagt ein altes Sprichwort,„der kaufe sich Tauben, dann sieht er's fliegen." Und nicht nur fliegen, möchte ich hinzufügen, sondern auch fortfliegen, wenn, wie dies häufig vor- kommt, die auf einer Ausstellung oder in einer sogenannten Taubenbörse erworbenen Tiere, selbst nach gehöriger Eingewöhnung, den ersten Freiflug zum Fortslug auf Nimmerwiedersehen be- nutzen. Die Tierhaltung des kleines Mannes, wie man denjenigen zu nennen pflegt, desien Geldbörse nicht ständig mit Kronen und Doppelkronen gefüllt ist, auch wenn er über Gardcmaß verfügt, ist schon an und für sich mit mancherlei Fährlichkeiten verbunden. Eine Versicherung gibt es in der Kleintierzucht nur gegen Schweine- seuchen, aber wie viele Schweine gehen in den heißen Sommer- tagen an anderen Krankheiten zugrunde, für die keine Versiche- rung Ersatz leistet! Und wie viele Hühner an der Geflügelcholera usw. Unter all diesen mißlichen Verhältnissen gehört eine große Liebe zur Tierwelt, um ihr noch weiter Garten und Geld zur Ver- fügung zu stellen, und wenn sonst alles geklappt hat, kommt vielleicht zu guterletzt noch ein Gauner in eisiger Winternacht, der die Ställe ausräubert, alles abschlachtet und dann auf Nimmerwiedersehen verschwindet.. Die Landwirtschaft, richtiger ausgedrückt der Großgrundbesitz, erlebt goldene Zeiten. Denn von den Kartoffeln und Futterrüben, bis zum Hafer, zur Gerste und zum Weizen, sind die Preise für alle landwirtschaftlichen Produkte erheblich gestiegen, für Futter- mittel fast annähernd um IM) Proz., denn die Händler verlangen noch jetzt, nachdem die diesjährige Ernte fast durchweg eingeheimst ist, 11 M. und mehr für einen Zentner Gerste, die dabei noch kein erstklassiges Produkt ist, wie es die Mälzereien verlangen, sondern eine gewöhnliche Futtergerste. Unter diesen Verhältnissen sind die Kolonisten hier und da aus den Gedanken gekommen, sich das zur Geflügclfütterung benötigte Getreide auf der Parzelle oder auf angrenzendem Pachtland selbst heranzuziehen. Diese Selbstzucht ist aber wenig empfehlenswert. Zur Ausführung und zum Unterbringen der Saat, Arbeiten, die im landwirtschaftlichen Betriebe jetzt fast ausschließlich durch Maschinen verrichtet werden, fehlt dem Kolonisten die Uebung, ebenso zum Schneiden mit der Sense. Wird die Saat nicht rechtzeitig ausge- führt, so fällt die Reife, namentlich diejenige der Gerste, in die gegenwärtige späte Periode, wo fortgesetzter Regen das Nachtrockuen unmöglich macht, so daß die Nehren draußen auskeimen, die Körne« wertlos werden. Abgesehen davon, fehlt dem Kolonisten zum Dreschen die Scheune, die Uebung in der Handhabe des Dresch- flegels, oder die Maschine, die diese Arbeit im Großbetriebe über» nommen hat. Er mutz deshalb die Nehren, wenn sie wirklich trocken werden, aus dem gedielten Boden der Laube mit einem Lattenstüct ausdreschen, was eine zeitraubende und mühevolle Arbeit darstellt« Nach den vorstehenden Ausführungen ist also die Möglichkeit, Körnerfutter für Kleinvieh und Geflügel selbst heranzuziehen, eins fast aussichtslose. Es lassen sich höchstens Erbsen zur Taubenfüttc» rung gewinnen, die aber nach meiner und nach der Ansicht anderer Taubenzüchter kein sehr geeignetes Futtermittel abgeben. Diese Anzucht lohnt, wenn man im März, spätestens im April, frühe be« ziehungsweise mittelfrühe, ertragreiche Sorten anbaut, die sicher reif werden, nach der Reife ausreißt, abtrocknen läßt und dann irt der vorgeschilderten primitiven Weise ausdrischt oder von Familien« angehörigen auskernen läßt. In dieser Weise kann man sich auch weiße Bohnen ziehen, die für den Haushalt und auch gekocht für das Geflügel, roh, in geschrotetem Zustande, ein gutes Futtermittel abgeben. Ich ziehe mir auf diese Weise seit Jahren meine weißerr Bohnen und verwende dazu ausschließlich die ertragreiche Busch« bohne Kaiser Wilhelm, die ausgangs April ausgelegt und ausgangs August gcerntet wird. Man kann dabei die ersten Schoten vierzehn Tage lang ruhig grün für die Haushaltung pflücken, die weiterhin erscheinenden reifen immer noch die Körner. In milderen Klimaten ziehen sich viele Kleintierzüchter aucht den Bedarf an Futtermais. Späte, hochwachsende Sorten baut man an, um sie in halber Entwickelung zu schneiden und als süßes, be» kömmliches Grünfutter zu verwerten, früheste Sorten, um die reifer» Kolben zu ernten. In unserem mitteldeutschen Klima ist der An- bau recht unsicher. Bei den grohkörnigen, hochwachsenden Sortcrr reifen die Kolben selbst in den wärmsten Sommern nur selten, während die niederblcibenden Sorten, im April angebaut, reif werden. Diese bringen aber nur durchweg kleine Körner, die aber ungeschrotet als Tauben- und Hühnerfutter vorzüglich find(Perl- mais des Handels), aber auch als Futter für Zimmerpapagcier» Verwendung finden können. Zu letzterem Zwecke werden sie am besten zwei Stunden vor dem Gebrauch mit kochendem Wasser ab- gebrüht und dann zwischen Handtüchern getrocknet. Da beim Mais die weiblichen und männlichen Blüten getrennt stehen, die wcib- lichen, welche die Kolben liefern, unten, die männlichen oben, so ist zur Blütezeit heiteres, trockenes Wetter erforderlich; fehlt dies, so ist der Fruchtansatz ein ungenügender, d. h. die Kolben sind dann nicht lückenlos, ja oft sogar nicht einmal bis zur Hälfte mit Körnern besetzt. Zum Ablösen der fest an den getrockneten Kolben sitzenden Körner sind im Handel einfache Apparate erhältlich. Der Mais stellt große Anforderungen an die Dungkraft des Bodens; wo diese aber erfüllt werden, kann, gute Witterring vorausgesetzt, der Anbau lohnend sein. Zu beachten ist freilich, daß Mais rwm Geflügel, namentlich aber den Legehühnern, immer nur als Beifutter gegeben werden darf, als Hauptfutter nur dem Mastgcflügel, da er Fett- ansatz begünstigt. Sind Hühner einmal fett geftlttert, dcmn ist eS mit dem Legen vorüber. Eine weitere körnerlicfcrnde Futterpflanze, die der Lauben« kolonist züchten kann, ist die Sonnenrose. Nur die gewöhnliche Art bleliantbus annus kommt hierfür in Frage, nicht die schönblühcn- den Gartensortcn. Man legt den Samen im Frühling so zeitig als «öglich in warmgründigcm Sandboden, und zwar immer zwei bis 7rei Körner in mindestens 60 bis 70 Zentimeter allseitigem Ab» stand. Durch das Zusammenlegen von 3 Körnern verhindert mai» das Entstehen von Lücken auf den Beeten. Gehen zwei oder alle drei der gelegten Samen auf, so werden die jungen Pflänzchcn bis auf das stärkste ausgezogen, also jede Pflanze muß einzeln stehen. Jeder Schnitt an der Pflanze wird vermieden; der genannte Ab- stand ermöglicht es, alle Seitentriebe zur Entwickelung gelangen zu lassen, die alle Blütcnkörbe bringen. Ich habe diesen Anbau wieder- holt ausgeführt. Auch bei früher Aussaat und bei weitem Stand tritt die Samcnrcife spät ein, so daß die Samen in der freien Luft oder aus Hausböden nicht mehr trocknen, sondern schimmeln. Ich habe meine Ernte stets einem befreundeten Bäckermeister gebracht, in dessen Backstube sich das Nachtrocknen in wenigen Tagen vollzog. Auch diese Körner liefern ein vorzügliches Futter für Papageien. aber auch für alles Hausgeflügel. Leider wird die Ernte durch Finken und andere insektenfressende Vögel, die dem ölhaltigen. Samen eifrig nachstellen, arg. geschmälert. Das Körncrfutter ist das Hauptfutter jeglichen Hausgeflügels, nicht aber für Schweine, Zwgen und Kaninchen. Bei diesen, abcw auch beim Hausgeflügel, spielt auch die Pflanzenkost eine nicht zu unterschätzende Rolle. Der Anbau von Grünfuttcr kann mit der Gartenkultur Hand in Hand gehen, und zwar durch Anbau von Scradclla. Die Seradclla ist bekanntlich eine Hülsenfrucht, die, ähnlich wie Lupinen und Klee, den Boden durch ihre Wstrzcl- knöllchen, die durch Bakterien verursacht werden, mit Stickstoff an- reichert. Den größten Dienst erweist man freilich dem Garten- boden, wenn man beim Scradellaanl-au die ganze Grünmasse untergräbt, da sie ihn mit Humus bereichert. Betreibt man aber Gartenbau und Kleintierzucht zugleich, so kann man auch die Grün- masse abmähen und verfüttern; sie kommt ja dann, wenn auch in anderer Form, durch den Dünger, dem Gartenbau wieder zugute. Scradclla ist ei» vorzügliches Grünfutter für alle Säugetiere, aber auch für Geflügel jeder Art; sie muß letzterem feingeschnitten ge- reicht werden. Auch die getrocknete, ähistich wie Häcksel geschnitten» Seradeva Itefcrl irrt Winker einen vorzüglichen Ersaß für 5aI dann Vft fehlende Grünfutter. Für Ziegen, Schweine, Kaninchen und Geflügel kann der Laubenkolonist weiter Wurzelgewächse anbauen, und zwar in gutem Boden Futterrunkeln, in gut gedüngtem Boden Kohlrüben und in weniger gutem Boden auch Mohrrüben, die größere und gröbere Form der Karotte. Die Ueberwinterung dieser Rüben erfolgt in Erdmieten, wie sie die Landwirte in größerem Umfange auf den Aeckern errichten. Damit man stets zu dem Inhalt gelangen kann, werden sie mit Eintritt strenger Kälte reichlich mit langstrohigem Mist oder mit dem zu diesem Zweck aufbewahrten Kartoffelkraut überdeckt. Auch Kartoffeln bilden, wo sie in genügendem Umfange angebaut werden können, ein gutes Viehfutter, als Kartosfelflocken auch ein gutes Beifutter für Hühner. Hühner fressen Runkel- und Kohlrüben sehr gern, unzerkleinert solange sie sich noch im Bollsaft befinden, aber nicht mehr gegen den Frühling hin, wenn sie saftlos werden. Ich biete diese Rüben als Beifutter in folgender Weise: Ich nehme ein 50 bis 60 Zentimeter langes, etwa 20 Zentimeter breites Lattenstück, durch dessen Mitte ich zwei bis drei Nägel schlage. Es wird in den Gcflügelaufraum gelegt, die Nagclsvitze nach oben gerichtet. Die zu bietenden Rüben werden auf die Nägel gestoßen, so daß sie festsitzen. Die Hühner picken nun das Rüben- fleisch eifrig herunter, bis die dicken Köpfe völlig verschwunden sind. Diese Fütterung bildet in der kalten Jahreszeit den besten Ersatz für Grünfutter. Letzteres ist aber auch gelegentlich in Form von Abfallblättern vom Grün-, Rosen-, Weiß- und Rotkohl und vom Wirsing vorhanden. Ich selbst baue alljährlich noch besonders einige Reihen hohen Blätterkohl, Weiß- und Rotkraut in groß- und fest- köpfigen Sorten zur Grünfütterung für mein Hühnervolk an. So oft ein Kohlkopf aufgefressen ist, spieße ich einen neuen aui das fragliche Brcttftück auf, und zwar in der Weise, daß der Nagel durch den Kern des Kohlkopfes geht. Diese Fütterungsmethode hat eine nennenswerte Ersparnis an Körncrfutter zur Folge, trägt zur Ge- sundcrhaltung der Tiere im Winter bei und erhöht die Eierpro- duktion. Grünkohl überwintert bekanntlich tadellos unbedeckt im Freien, Kopfkohl jeder Art erfriert aber. Zur guten Ncberwinte- rung werden die Köpfe mit Eintritt frostiger Witterung mit den Wurzeln ausgegraben, von den schlechten und losen Blättern befreit und dann Kopf an Kopf in Gruben eingeschlagen. Diese Gruben hebt man mckertief in länglich viereckiger Form aus. die ausge- hobene Erde wird ringsum hügelförmig angesetzt und festgcschlagen. In lockerem Boden werden die Seitenwände der Grube mit alten Schalbrettern und Stangen versteift, dann wird der Boden der Grube geebnet, wonach man die gereinigten Köpfe Kopf an Kopf einschlägt. Auch Blumenkohl, Breitlauch und Sellerie für den Küchengebrauch können so überwintert werden. Hauptsache ist es, daß die betreffende Grube auch bei höchstem Grundwaperstand trocken bleibt. Ist der Grundwasscrstand der Parzelle zu hoch, so muß der gereinigte Kohl, Kopf an K pf nebeneinander und immer zwei Köpfe gegeneinander gerichtet, auf ein gesäubertes Beet gelegt und dann mit Erde bedeckt werden; man kann auch mehrere Lagen übereinander legen und immer wieder mit Erde bedecken. So entt stehen aus mit Erde bedeckten Kohlköpfen gebildete Hügel, die späterhin noch mit strohigem Dung, Kartoffelkraut oder Kiefern- nadeln abgedeckt werden. Die zuerst geschilderte Grube� überlegt man bei Frost mit Brettern, über welche man dann noch eine starke Dung- oder Laubdecke gibt. Bei mildem Wetter wird diese Decke entfernt und die Bretterdecke gelüftet. Empfehlenswert ist es, diU Abdeckung der Grube in Form eines Satteldaches zu machen, das die Grube beiderseits überragt, also die Niederschläge ableitet, nicht in die Grube hinein. Dachpappe, die man nicht aufnagelt, sondern nur lose über daS Dach legt und mit einigen Feld- oder Mauer- steinen beschwert, macht dieses wasserdicht. Ich möchte aber nochmals daraif hinweisen, daß trotz aller vorgeschilderter züchterischer Maßnahmen die Kleintterzucht unter den heutigen Verhältnissen nicht nur nichts einbringt, sondern noch Zubuße erfordert. In erster Linie gilt dies von der Geflügelzucht. ganz besonders auch von der Sühnerzucht. Ein kleiner Trost für den Züchter ist es nur. daß die von den selbstgehaltenen Hennen gelegten Eier, frisch verbraucht, erstens nicht faul sind, und zweitens «inen ganz anderen Geschmack als d>e alten Kistencier haben, die man in der Halle oder beim Kaufmann erhält; sie stammen in der Regel von sogenannten Mistkratzern, die sich ihr Futter aus den Mistkauten der Bauernhöfe herauSkratzen müssen. lW. Kleines f euilleton. Literarisches. . ,'ch meinen Glauben verlor? Das BekcnnlniZ ein-r Atheistin von Anna Dorothea. sBerlag: O. Th. Scholz, München.; Hsnter dem Pseudonstm verbirgt sich eine Berliner P-.?in'' � ergreifenden plastischen Schilderungen, die Gänge ihres von Elend, Leidenschaflsverketlungen, seelischen Oualen und Zweifeln, bittersten Enttäuschungen und schönen Hofs- nungcn zerklüfteten Weiblebens entsck leiert. Stück um Stück ihres Berantw. Redakteur: Alfred Wielcpp, Neukölln.-- Druck u. Verlag? naiven Glaubens an goMche Idole, wie solcher Uns allen von Pfaffen, Schulmeistern usw. eingepaukt war, fällt von ihr ab wie unreine Schlacken, seit sie sehend, ein denkendes Wesen und Sozia- listin geworden.„Hindurch! Ueber Dornen und Gestein! Bor- wärts! Und nicht einen Schritt zurück! Mit jedem Schritt der Sonne näher!" ruft sie aus. Und wir wissen nun: sie ist eine Kämpferin geworden— wie sie vordem eine unter die Macht her- kömmlicher Sklavenmoral gewaltsam gebeugte Dulderin war. Hier- bei mag denn auch noch darauf hingewiesen sein, daß Anna Mose- gaard schon mehrere dramatische Arbeiten(in Adolf Hoftmanns Verlag, Berlin O.) geschrieben hat: ein Märchenspiel:„Der Ja u bergeige r", ein Jugenspiel:„Ins freie Land", sowie ein dreiaktiges Bergmannsdrama:„Ein Opfer",->«. lc. Archäologisches» Ausgrabungen inden Thermen des Caracallck. In dem„Stadium" genannten Raum der Thermen des Caracalla in Rom. der vermutlich gar nicht Wettläufen, sondern einfach gym- nastischen Uebungen diente, wurden dieser Tage einige hochinter- essante Funde gemacht. Es wurden unter zahlreichen Säulenftag- menten zwei sehr schöne Hermen archaischen Stils von griechischem Marmor gefunden, die Apollo und Bacchus darstellen. Weiter wurde der Torso eines Athleten gefunden und ein gut erhaltener Satyr. Am wertvollsten soll der Fund sein, der unter einem kleinen Nebenraum des Stadium gemacht wurde: die Fragmente einer überlebensgroßen Venusstatue. Die Ausgrabungen werden fortgesetzt und haben zur Freilegung unterirdischer Gänge geführt, und zu der einer Halle, die dem Mithraskultus diente. Ilebrigens wird durch die Ausgrabungen bewiesen, was man bis jetzt für die Thermen des Caracalla nicht hatte feststellen können, daß nämlich auch von hier regelmäßig Material für die Kirchenbanten Roms während mehrerer Jahrhunderte bezogen wurde. Man hat nämlich Fragmente von Säulen gefunden von graurotem orientalischen Marmor, der noch bei keiner der römischen Ausgrabungen zutage gefördert wurde. Diese Fragmente entsprechen ganz genau den säulen, die den Hauptaltar der Kirche von St. Gregorio tragen. Außerdem hat man eine Zwillingssäule der Granitsäulen gefunden, auf denen das Mittelschiff der St. Maria in Trastevere ruht. Aus dem Gebiete der Chemie. Vom Stickstoff. DaS Tierreich einschließlich deS Menschen kann ohne das Pflanzenreich nicht bestehen. Die Tiere verbrauchen bei der Atmung Sauerstoff und scheiden Kohlensäure aus. Dadurch würde die Lust an Sauerstoff verarmen und durch Ueberschuß an Kohlensäure zur Atmung untauglich werden, wenn nicht die grünen Pflanzen mit Hilfe des Chlorophylls, des Blattgrüns, die aus Sauerstoff und Kohlenstoff bestehende Kohlensäure aufnähmen, chemisch spalteten, und den freigewordenen Sauerstoff wieder an die Luft abgäben, während sie den Kohlenstoff zum Busbau ihrer Sub- stanz verbrauchen. Auch zur Nahrung dienen den Tieren die Pflanzen, einmal durch die Kohlehydrate, jene Kohlenwasserstoff- Verbindungen, die als die Quelle unserer Muskelkraft anzusehen sind. dann aber auch durch die Proteine, die Eiweißstoffe, die im pflanzlichen Organismus in einer Form vorgebildet sind, in de: sie vom Tier ohne weiteres verarbeitet werden können, eine Eigenschaft, die anderen als v s l a n z l i ch e n Proteinen nicht obue weiteres zukommt. Damit die Pflanzen nun überhaupt diese für die Tiere so werlvollen Proteinstoffe bilden können, müssen sie durch die Wurzeln Stickstoff- Verbindungen ausnehmen, unter denen salpetertaure und Ammoniaksalze in erster Reihe stehen. Diese stickstoffhaltigen Substanzen werden durch eine besondere Art von Batterien(»itrtsizierende Batterien), die im Erdboden leben, in solch« Verbindungen über- geführt, die von der Pflanze aufgenommen werden können. Solche Substanzen sind unter andern, Tuttq und tierisch« Leichen, so daß also Tiere und tierische Ausscheidungsprodukte wiederum zur Nahrung der Pflanzen dienen. Unter Mitwirkung der Glukosen(Trauben- zuckerverbindungen) werden daraus die Proteine gebildet, sammeln sich in besonderen Reservestoffbehältern an, z. B. den Samenkörnern. deren Kernte ja längere Zeit von diesen Nahrungsreserven zehren müssen, bis sie selbst soweit sind. Proteine bilden zu können, und werden dann von Tieren und Menschen— mit Zähnen oder küiist- lichen Maschinen— zermahlen und verzehrt. Was von den durch die Nahrung aufgenommenen Proteinen für den tierischen Organismus verwertbar ist, wird zum Ausbau der Körper- iubstanz oder zur Aufspeicherung von Energien benutzt, die unbrauchbaren Teile gehe« als Kot wieder ab. Der der Zersetzung deS KoteS bilden sich unter anderem auch annnoniak- halttg« Gare; diese gehen in die Luft über, werden durch Witterungs- niederschlüge in den Erdboden gebracht und dort als Ammoniaksalze von den Pflanzen misgenommen, um weiterhin zu Proteinen um- gebildet zu werden und den Kreislauf von neuem zu beqrnnen, den �ewigen Kreislauf des Stofflichen". Außer diesen segensreichen Stickstoffverbindungen gibt es aber noch gefährliche, von epplosivcm Charakter, so z.B. das Dynamik. Ferner vermag der Stickstoff noch verderblich zu wirken in Verbindung mit Kohlenstoff und Wasserstoff als Blausäure. Ter Stickstoff ist also, wie Dr. O. Streicher in der „Aeitschrjst für Naturwissenschaften" schreibt, dem pflügenden und tötenden Eisen, das da Leben erzeugt und Leben zerstört, zu ver- gleichen; er ist die Pflugschar und das Schwert unserer Zeit. VorwärlsBuchdruckerei u.Perlagsaiistalt Paul Singerä:Co.,Beri in ä W*