Nr. 40. Abonnement«• Bedingungen; NbonniMinl«-Prei» pränumerando: vierleljährl. S,30 Ml., monatl. l.ioMl., ivöchenllich SS Pfg. frei in» Haui. Einzelne Nummer b Pfg. Eonmagz- Nummer mit Illuflrtcrler Sonntags, Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Singelragen in der Post- ZeimngZ, Preisliste für ig oo unter Mr. 7971. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Erschri»! täglich«ufter Monkag». Devlinev Volksbl�tt. »7. Jahrs. Die Ansertions- Gebühr beträgt für die sechSgespallene Kolonelzeile oder deren Raum 40 Pfg., für polittfche und gewerls chaftltche Vereinsund VerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Zinlclgeu" jede» Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fetl>. Inserate für die nächste Nummer müssen biS 4 llbr nachmittags in derSxpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt» 3 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher! Amt l> Nr. 1203. Telegramm- Adresse: „Lorialdrmokrak Berlin" Centredorgem der socialdemokratisrhen Uartei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beutlz-Strafze 2. Sonnabend, den 17. Febrnar 1900. Expedition: SW. 19, Beuth Straste 3. Die Warenhansstener. Eine eigenartigere Begründung wie die des neuesten preußischen„Entwurfes eines Gesetzes betr. die Warenhaus steuer" läßt sich kaum erdenken. Aus jeder Zeile leuchtet die tödliche Verlegenheit des armen Geheimrats heraus, der den querköpfigen, interessenbeschränkten Mittelstandspolitikern wider seinen Willen und sein besseres Wissen eine tiefe Reverenz machen mutz, um nur endlich Ruhe vor dem Drängen und Drohen im Landtage und in Äleinhandelskreiseil zu haben. In der Session 1896 warnte der Regierungsvertrcter noch vor der„Erdrosselungssteuer", auf die man durch die unausgesetzten Agitationen gegen die Warenhäuser und Filiab geschäfte hinarbeite. Das einzige, wozu sich die Regierung verstand, war, daß sie den G e m e i n d e n durch eine Denk s ch r i f t zeigte, wie man innerhalb des Rahmens der prcußi schen Gewerbebesteuerung gewisse Progressive Steuern schaffen könne, abgestuft nicht nur nach der Gewerbesteuerklasse, sondern auch nach der Höhe des Anlage- und Betriebs k a p i t a l s, durch Zuschlüge nach der Zahl der beschäftigten Personen und nach dem Miets- oder Nutzuugswert der dem Betrieb gewidmeten Räume. Die Gemeinden zeigten jedoch— im Gegensatz zum Königreich Sachsen— im allgemeinen ebensowenig Lust zu einem derartigen Vorgehen, wie damals die Regierung selber. Vor allem sträubte sich die Regierung dagegen, den Umsatz zum Maßstabe der Steuerleistung zu machen, wie das die Mittelstandführer von jeher und mit der Zeit immer lauter und unnachgiebiger verlangt hatten. Die Regierung wieder holt sogar heute noch, in einem geschichtlichen Rückblick auf ihre bessere Vergangenheit, ihre„mannichfachen, auch in fach verständigen(!) Kreisen geteilten Bedenken gegen die Unlsatz steuer". Der Umsatz sei kein Maßstab für den Gewinn, denn je nach der Art der Ware müsse man mit ganz verschiedenen Verdieust-Prozentsätzen rechnen, deren Aenderung durchaus nicht vom Willen des besteuerten Ge >verbetreibenden selber abhänge. Auch der kleinere und mittlere Detaillist führe häufig Waren, bei denen Nutzen und Umsatz ein ganz außergewöhnliches Mißverhältnis aufweisen. „Großer Umsatz, kleiner Nutzen" sei ferner auch das Princip bei großen Specialgeschäftcn einer Branche, und die Absicht der Bekämpfung solcher Geschäfte will die Regierung selbst bei den Ladenzünftlern damals noch nicht bemerkt haben: „Dazu kommt, daß gerade die weniger soliden Betriebe l e i ch t e r als die soliden Spccialgeschäfte in der Lage und geneigt sein dürften, vermöge Ausdehnung auf immer mehr Warengruppen oder durch noch weitere Hcrnbdrückimg der Preise die II n, s a tz st e u e r wieder e i n z u b r i n ge n. Andrerseits könne» die betroffenen Geschäfte zum Schade n der Konsumenten und der für den Zwisckcnhaiidcl arbeitenden Produzenten dazu übergehen, mit geringem Um- satz einen niöglichst hohen Gewinn zu erzielen zu suchen. Und hierin ivürden ihnen die Umsatzsteuer freien Betriebe folgen, so- daß den Schaden die konsumierende Mehrheit der Bevölkerung in Gestalt von Preissteigerungen hätte." Und was für durchschlagende Gründe haben von diesem durchaus vernünftigen Staudpunkt abgedrängt? Man höre: Tie kleinen Gewerbetreibenden leisten nun einmal jedem andern Vorschlage„überwiegenden Widerspruch", sie halten ihn„für nicht genügend weitgehend"—„eine auf einer andern Grundlage als der des Umsatzes aufgebaute Warenhaussteuer hat kaum Aussicht, eine Mehrheit im Abgeordnctcnhause auf sich zu vereinigen!" Dazu hätten bereits eine hohe königlich sächsische Regierung und nicht minder die Regierung in Bayern Umsatzsteuern zugelassen oder unmittelbar angeordnet. Darum könne und müsse auch Preußen den Schritt wagen, um nicht die Zuflucht aller anderwärts geschuhricgelten Unternehmungen zu werden! Das sind Erwägungen, niit denen man allenfalls bei genügendem Wurstigkeitsgefühl ein schlechtes Gewissen ein wenig einlullen kann, aber es sind wahrhaftig keine Gründe, welche mit einem Male den Unsinn zur Vernunft werden lassen. Indes, die Thatsache bleibt: auch die preußische Regierung leistet der Umsatzsteuer keinen Widerstand mehr. Nur zwei Vorbehalte macht sie noch. Einmal sollen die großen, sich nur auf eine Waren- gruppe beschränkenden Specialgeschäfte von der neuen Auflage frei bleiben. Hier werde eine Umsatzsteuer die ver- schiedenen Branchen ganz ungleich treffen, je nachdem in der einen ein größerer, in der andern ein geringerer Prozentsatz des Umsatzes als Ertrag bleibt. Statt nun konsequent zu sein und den Umsatz überhaupt als Besteuerungsgrundlage zu verwerfen, tröstet sich der Entwurf mit dem sehr zweifelhaften Tröste, daß in Bazaren immer einer Gruppe mit geringem Nutzprozentsatz gegenüberstehe eine andre Gruppe, an der um so mehr verdient werde! Diese dilettantische Oberflächlichkeit ist im vorliegenden Fall um so bösartiger, als gerade große Specialgeschäste wie Rudolph Hertzog und Gerson mit sehr ansehnlichem Gewinnsatz und mit sehr zahlungsfähiger, gutsituierter Kundschaft arbeiten, während im Gegensatz dazu die Bazare meist gerade die Einkaufsstätten für die große, ärmere Masse bilden. Ferner wird eine zweiprozentigc Steuer vom ! Umsätze(oder 20 Proz. vom Ertrage) als unüberschreitbarc �höchste Grenze bezeichnet, während zwischen 300000 M. �und einer Million Umsatz der Steuersatz langsam von 1�» auf 2 Proz. steigen soll. Der Geheinirat gederdet sich hier rmit einem Male tapfer und bis zum äußersten entschlossen. „Eine Steuer von mehr als 2 Proz. des Umsatzes oder 20 Proz. des Ertrages würde mindestens gegenüber manchen Betrieben den Charakter einer unstatthaften Prohibitivsteuer annehmen können. Wenn Bayern mit seiner Steuer bis zn 3 Proz. des Um- satzes geht und sie auf einen gewissen Prozentsatz des Ertrages nicht beschränkt, so ist dafür dort die Bemessung des Steuersatzes zwischen Vz und 3 Proz. des Umsatzes ganz in das Ermessen der VcranlagungSorgane gestellt— eine Matznahme. deren Nach- ahmung in Preußen nach den herkömmlichen Anschaunngeii und im Interesse eines Rechtsschutzes gegen Ueberbürdungen nicht an- gängig ist. Wenn man den in' den verschiedenen Branchen üblichen Nutzen am Umsatz berücksichtigt, über den leider statistisches Material fehlt, so wird man zugeben müssen, daß die Grenze bei 2 Proz. des Umsatzes und 20 Proz. des Ertrage? s ch o n reichlich hoch gegriffen ist und eine weitere Erhöhung nicht verträgt." Da in Preußen alle Konsumvereine mit offenem Laden der Gewerbesteuer unterliegen und nur gcwerbestcucr- freie Vereine, Genossenschaften, Korporationen auch von der Warenhausstcuer frei bleiben sollen, so würden also in Zu- kunft auch alle Konsumvereine niit über 300 000 M. Jahres- umsatz 10z Proz., von einer Million Umsatz an sogar 2 Proz. Umsatzsteuer zu zahlen haben— Filialen sogar unter fast allen Umständen 2 Proz., da der§ 3 die Filialen besonders behandelt, allerdings unter der Voraussetzung, daß das Gesamtuntcrnehmen mindestens 500000 M. oder eine Million jährlich umsetzt. Auf diese Stellung des Entwurfs zu den Genossenschaften und Konsumvereinen kommen wir später nochmals kurz zurück. Heute können wir unser Urteil dahin zusammen fassen, daß eine so willkürlich abgegrenzte, eine so ungerecht wirkende, schließlich gerade die ärmeren Konsumenten so unbillig be- lastende Besteuerung kaum jemals einem preußischen Landtage vorgeschlagen worden ist. Niemand wird etwas dagegen haben, die besondere Leistungsfähigkeit großer kapitalistischer Verkaufsorganisationcn auch in der Steuer zu berücksichtigen. Aber diese Steuer ist ein wahres Muster von einem Mißbrauch des Be- st e u e r u n g s r e ch t s, um rückständigen Wählermassen eine wohlfeile und doch für andre recht kostspielige Freude zu bereiten. Tlebevfidik» Berlin, den 16. Februar. Ter Reichstag hatte am Freitag eine sehr gemütliche und ganz und gar nicht aufregende Sitzung. Ter Etat sür die V e r w a l t u n g der Reich s-Eisenbahnen führte zn einer längeren Be sprechung über die Vorzugspreise für Äohlcntransporte. die in das Ausland gehen. Diese Bevorzugung des Auslandes wird den deutschen Unternchmern durch den Streik der Bergarbeiter und den herrschenden Kohlenmangcl be sonders unangenehm fühlbar. Der preußische Eisenbahn minister v. T h i c l e n sah sich durch die hitzigen Beschwerden der Vertreter fast aller Parteien schwer bedrängt und konnte nur mit Mühe und durch das Versprechen, allmählich Abhilfe zu schaffen, dem Anstunn der Unternehmcrintercssen wider stehen. Und gewiß ist der Zustand überaus tadelnswert, daß B. in der Schweiz ein Waggon Kohle aus dem Saarrcvier 185 M. kostet, während eine Ladung von gleicher Qualität bei gleicher Entfernung innerhalb des Reiches um 50 M teurer zu stehen kommt. Bebel wies aber mit Recht darauf hin, daß die Unternehmerkreise, die über Bevorzugung des Auslands durch billige Kohlentarifc klagen, dann doch auch die Zucker- und Branutweinprämien verurteilen müßten, vermittelst deren das Ausland billigere Ware erhält als der deutsche�Konsument. Bebel fragte serner mit gutem Recht, warum denn die Herren Industriellen, die jetzt so arg über Kohlennot jammern, nicht bei Zeiten ihren Einfluß geltend gemacht hätten, daß den armen Kohlengräbern etwas bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen gewährt werden müßten. Schließlich stimmt das Haus einer Resolution zu, in der die Regierung um Aufhebung der die Ausfuhr von Kohlen ins Ausland begünstigenden Tarifermäßigungen ersucht wird. Sodann befürwortete Abg. Münch-Ferber einen nationalliberalen Antrag aus Errichtung deutscher Handelskammern im Auslände. Verschiedene Redner anderer Parteien stimmten diesem Antrage bei, der dann wegen seiner finanziellen Tragweite der Budget- kommission überwiesen wurde. Eine kleine amüsante Episode bereitete Herr P a a s ch e. Münch- Ferber hatte zur Begründung seines Antrages sich nicht sehr günstig über die Konsuln ausgesprochen, die nicht genügend vertraut seien mit den Verhältnissen des Handels und den Kaufmann etwas von oben herab ansähen. Herr P a a s ch e konnte diesen Vorwurf an den Konsulatsbcamten nicht hängen lassen und wandte sich zu ihrem Schutze gegen den eigenen Parteigenossen. Herr Paaschs fühlt sich bereits durchaus als Milderungskommiffarius und Regierungsvertreter. Bis nächsten Mittwoch fallen die Sitzungen des Reichs- tags aus, damit die Kommissionen derweilen. Beratungs- Material herbeischaffen; eine andere Lesart sagt, der Ausfall erfolge wegen Krankheit des Kriegsministers, dessen Etat zur Beratung kommen würde. Am Mittwoch ist Schwerinstag mit der Tagesordnung: Anträge betr. Verwaltung und Ver- assung Elsaß-Lothringens(Diktaturparagraph zc.).— Im preußischen Abgeordnetenhaus wurde am Freitag der Etat des Ministeriums deS Innern erledigt. Die Debatte erstreckte sich auf die Beschäftigung von Straf- gefangenen. Die Agrarier. die aus jeder Blume Honig zu saugen verstehen, möchten die entlassenen Strafgefangenen z u r Milderung der Lcutenvt benutzt schen. Herr v. Z e d l i tz sprach offen ans, daß die Staatsregicrnng die Pflicht hätte. snr die Beschäftigung dieser Leute in der staatlichen Forstwirtschaft, beim Wegebau nsiv. zn sorgen, um die Konkurrenz der Staatsarbcit mit der Privatarbeit und die Arbeitskräfte zu mildern. Herr v. Rhein- b a b e n sagte für das nächste Jahr einen entsprechenden Gesetz- entwnrf zu, falls Herr von Miguel das notwendige Geld bewillige. Auf Herrn von Miguel sind die Blicke aller preußischen Minister gerichtet. Sie hüten sich wohl, irgend ein Versprechen zu machen, da§ mit irgend welchen Staatsansgaben verbunden ist, ohne hinzu- zufügen: Es kommt natürlich auf den Herrn Finanzminister an. Sang- und klanglos wurde die Erhöhung der„geheimen Ausgaben i m I n t e r e s s e d e r P o l i z e i" von 200 000 M. auf 300 000 M. bewilligt. Die Begründung ist lehr lakonisch, sie lautest Der gegenwärtige Betrag reicht für die erheblich gesteigerte» An- forderungen nicht aus. Keiner der Freisinnigen war so indiskret, sich nach den' erheblich gesteigerten Anforderungen zu erkundigen. Sie sind ivirklich sehr bescheiden unsre freisinnigen Volkspartcilcr. Der Schluß der Sitzung wurde mit der Verhandlung des Au- trags Langerhans auf Einführung der fakultativen Feuer- b e st a t t u i, g ausgefüllt. Die Debatte stand auf sehr tiefem Niveau. Neben Herrn I r m c r war Herr Schall der Hauptredner der Konservativen. Er leistete sich das Diktum, daß niemand mit seinen sterblichen lleberresten machen dürfe, was er wolle; daß eS wider« natürlich fei. den Zerfall deS menschlichen Leibes, dieses wunder- baren gottähnlichen Gebildes in der Erde durch die Feuerbestattung zu ersetzen. Herr Ehlers von der freisinnigen Vereinigung machte sich über Herrn Schall lustig und meinte, niemand werde den Herrn Pastor verhindern wollen, sich begraben zu lassen. Auch das Centrum wetterte gegen den Antrag. Der Prälat Dittrich sah in der Agitation für die Feuerbestattung eine Vcgleitcrschcinnng deS Abfalls vom GoltcSglaubcn. Dieser Ansicht war die Majorität. Gegen die Stimmen der Freisinnigen, Nationallibcralen und einzelner Frei« konservativer wurde der Antrag abgelegt. In Preußen bleibt eS also bei der Verwesung. Am Sonnabend steht die Sekundärbahn-Vorlage zur Beratung. Recke Nachf. Naive Leute, die, weil sie von der Politik nichts ver- stehen, sich gern der weltpolitischen Vogelschau ergeben, hatten aus dem GelegenhcitSwort von der„vorübergehenden Erscheinung" überschwängliche Erwartungen geschöpft.. Daß init dieser Aeußerung eine neue Aera anhebe, das war die mindeste Versicherung. Man gab uns den Rat, hoffnungs- voll der Zukunft entgegen zu sehen und bei Leibe nicht es mit dem Kaiser durch fortgesetzte Nörgelei weiter zu verderben. Würden die Arbeiter dann weiter so liebenswürdig sein, die. marinistischen Neigungen Wilhelms II. zu fördern, so würden sie in Gnaden aufgenommen, und die Zeiten der Zuchthaus- vorläge wären für immer vorüber. Wir lachten über die Thoren und warteten. Die letzten Vorgänge im preußischen Abgeordt n e t e n h a u s e werden nun vielleicht einzelne belehrt haben, daß jener zufälligen Aeußerung keinerlei politische Bedeutung beiwohnte. Des preußischen Ministers Recke Nachfolger,� Herr v. Rheinbaben. dem bei seinem Amtsantritt ein vervetterter national-socialer Führer alle möglichen Tugenden und Fähigkeiten nachrühmte, hat bei diesen Landtags- Verhandlungen sogar noch seinen Vorgänger zu übertreffen verstanden. Es verlohnt sich, diese Zeugnisse aus der Zeit der „vorübergehenden Erscheinung" im stenographischen Wort- laut festzuhalten. Herr v. Rheinbaben verteidigte zu- nächst die amtliche Agitation für reaktionäre Preßerzeugnisse wie folgt: „Es handelt sich darum, daß in Ostpreußen der Friede zwischen den B e v ö l k e r u n g s k l a s s e n systematisch durch die Social-' demokratie untergraben wird, und daß die Behörden nicht mir das Recht, sondern auch die Pflicht haben, diesem Bestreben entgegenzutreten, lind wenn der Präsident Hegel, die Landräte und die Kreis-Schulinspektorcn in dieser Beziehung ihre Pflicht thun, so, glaube ich, verdient das die Anerkennung deS hohen Hauses und der StaatSregierung." Bemerkenswerter ist die weitere Aeußerung diese» Ministers: „Auf den Echießerlaß und die Frage der Bestätigung de» Herrn Oberbürgermeister» von Berlin einzugehen, lehne ich glatt ab. „Die Rede für die Socialdemokratie, die der Herr Abgeordnete hier gehalten hat, war eigentlich wohl für ein andres Hau? oder für eine Volksversammlung bestimmt. Aber vor das Abgeordneten- hauS gehört sie, glaube ich, nicht. Ich lehne e» ab, darauf einzugehen. Der Herr Abgeordnete hat mir den Vorwurf gemacht, ich hätte das Verfahren der Beamten in Ostpreußen nicht gemihbilligt und damit die Agitation für ein konservatives Blatt gebilligt. ES handelt sich nicht um eine Agitation für ein konservatives Blatt, sondern um ein zielbewußtes G e g e u ü b e r t r e t e n gegen die verhetzende Thätigkeit der Socialdemokratie m Ostpreußen. Das habe ich gebilligt und werde es nach wie vor billigen. Dann hat der Abgeordnete gesagt, im Fehlcrmachen gegen die Socialdemokratie habe die Regierung stets obenan gestanden. (Zuruf links: Sehr richtig!)— Ja, nach Ihrer Auffassung I Meine 1 Auffassung ist eine andre, und nach meiner Auffassung haben hier die Parteien obenan gestanden, die der Regierung die Hilfe in diesem Kampfe versagt haben. Dann hat bcr Herr Abgeordnete in der Mitte seiner Rede noch anSgcfnbrt. durch die Gesindcpriigclci sei die Socialdcniokratic gewachsen. Meine Herren, das kann ich ihm bestätigen, durch seine heutige Rede wird ste nicht wachsen." Auch mit dem schärfsten Vergrößerungsglas lassen sich keine Unterschiede zlvischeu der Rcckescheu und der Rhein- babenschen Schneidigkcit erkennen. Höchstens gefällt sich Herr Rhcinbaben noch rnehr im absolutistitchen KoiitMandottm. Nur in einer Drciklasscitkammer, in einem Schein- Parlament, wie es das preußische Al'geordnetcnhaus ist, darf es ein Minister wagen, den Vertretern des Volks gegenüber die pflichtgemäße Antwort ans Fragen, die an ihn aus dem Hause gestellt werden,„glatt ab- z ii l e h n e n Das sind die Manieren der kleinen Bismarck- Epigonen, die geistig noch in der Zeit des beschränkten Unter- thanenverstandes leben. Ob jeht die Freisinnigen, die durch ihren Flotteneifer politische Macht zu gewinnen suchen, einsehen werden, w i e sehr sie sich in ihren Hoffnungen getäuscht haben?— »» Jeutsches Kelch. Keine direkte Einladung erhalten die y ii rstl i ch t e it e n zur P a r i s c r Weitaus st ell un a. Daö geht ans einer Mitteilung des Pariser„Figaro" hervor, in der cS heißt, mehrere fremde AusstellnugS-Kemmisfare hatten ihr Erstaunen darüber ausgedrückt, daß die NcgierNNg an die Souveräne, deren Länder ans der Ausstxldnig offiziell vcr- treten sein würden, noch keine Einladung gekichtct habe. Es liege hier ein MlßverslnitditiS vor, das' anfgeklärt werden müsse. Fünfzig Staaten hälien die Einladung zur Teil- nähme an der Weltnnsstrllnng angcnomincn. Diese Ein- ladmig sei in doppeltem Sinne anfznfasscn; sie beziehe sich nicht allein ans die Ansslcllnng, sondeni sei auch an die Staatschcfs gc- richtet, ivclcbcr Brauch auch von andern Staaten befolgt sei. die in den letzten Jahren Ansstellnngcn veranstalteten. Die französische Nc- gicrnng werde sich deshalb wahrscheinlich darauf beschränken, diesen Brauch gleichfalls zn beobachten. Tic Sonveränc werden also nun ohne besondere Einladung nach Paris reisen niüfsrn.— Die Papiersiint. Die von uns nngckündigle Massen- berbreitting von Floltenbroschüren ist iiiiimichr erfolgt. In welcher Weise und mit Ivelcht» Mitteln diese Verbrcilnng geschehen ist, darüber wird uns ans Krefeld berichtet; Der Portier am hiesigen Siaaisbahnhof hatte am lä. Febniar eine» strammen Dienst. Denn allster seiner gewöhnlichen Arbeit mußte er noch in den Wartesälen und in den Zügen von erster bis vierter Klasse die Bros ch n r e n mit dem Titel:„Warum hat jedermann im Balte ei» Interesse an einer starken deutschen Flotte?" verteilen. Die Arbeiter, ivrlchc die Slrbcitcrznge benutzten, an fokibc Znvorkoinmenhcit gar nicht gewöhnt, nahmen erstaunt die Broschüren an. Nachdem sie einen Blick hineingeworfen, lachten sie und wollten dem geplagten Portier sie zurückgeben.— Auch i» einigen Fabriken wurde die Broschüre verteilt. Schade nn» das Papier und die Druckerschwärze. Der Versuch war in Krefeld nicht lohnend. Auch in andern Städten wurden die Hefte ans Bahnhöfen. Plätzen und in Wirtschaften massenhaft und. trotz des aufgedruckten Preises, gratis verbreitet. Der Papiersturm hat aber nirgends Personen ins Wasser geweht.— Rcnß jüngere Linie ist wasiepsrenndlichcr als die ältere Linie. DaS Land hat denn auch sein kaiserliches Danktelcgramin erhalten: „Erbprinz Heinrich XXVII. Ncnß. Gera Neust. Deine Meldung von der Begründung eines Landes-AnSschnsicS des Deutschen Floltenvercins jiir das Deiner Negiernng anvertrante, gewcrbereichc Fürsteutmn ist ein neuer erfreulicher Beweis für das i m B o l k e nn aufhaltsame B o r d r i n g e n des B c- ivnsttscinS von der Aotivcndigteit nnsrcr S c c g c l t n n g. Bon Deinem Protektorate erhoffe ich ivcsentliche llnterftützniig siir die Bestrebungen des Flvttcimereins und sende Dir mit nieineni Grus; aufrichtigen Dank sür Dnnc Nachricht." Ter Kaiser ist über die Ftoltcngcgiicrichast im Volke nicht genügend von seinen Ratgebeni»niterrichtet worden.— Weltpvlitischc Seilten ot. In dem Berliner Organ der All- deutschen siirdrii wir folgenden»Ujonerteit Hilfemf: Gebildete, patriotische und redegewandte M ä» Ii c r, die über ihre Zt-it voll veringrn können und geneigt iväreu, aus- klärende. Vorträge für eine starke Flotte zii nbcruohmeii. werden ersucht, unter Beifügung von Nachweisen ihre Adressen auszugeben unter... Trotz der großen Mittel, die dem Flottenvcrcin zu Gebote stehen, finden sich anscheinend die redogcivandteii Wafsertretcr nicht in der erforderlichen Zahl. Der Flottentauiiiek hat offenbar' selbst die„ge- bildeten" Kreise noch nicht allzu fest und tief govarkt. Di« Gilwdnng eines ArbeitSuachu>riscS für Weltpolitiker ist eine dringende Aotivcndigleit. Nobel! In einer Fkottenvorsammlimn zu Siegen wurde be- schlössen, daß alle Industriellen einen eiimiaklgen Beitrag von SV Pf. für den Kopf ihrer Arbeiter an den Deutschen Flotleuverein abführen. Wie viel ivi« h r w e r t erbeuten die Industriellen für den Kopf der Arbeiter aus dem MariiielieferiuigSprofit?— Hühnepflitter. Die.Post" bemüht sich zn zeigen, daß es falsch sei, das Sp stein der indirekten Stenern als eine Bekastnng des Proletariats zu liezeichnen. »Bier z. P. drin schlichten Mann vorhält, wenn eine Salz- stencr bestehe, so zahle er den gleichen Betrag, wie der reichste ütaun im Staate, ja wird er ihn sofort davon überzeugt habe», obgleich eS an sich nichts PerkehrtercS und schiefer Dargestelltes geben kann, als eine solche Gegenüberstellung. Man cutstellt den wahre» Sachverhalt, wenn man Person mit Person gegenüberstellt, wo doch nur die Abwägniig der verschiedenen HauShaltiuige» gegen einander einen gn»cktei» Maßstab geben kann." Also Nothichild isst zwar nicht mehr Salz als ei» Tagelöhner, aber die Familie Rothschild vertilgt mehr Salz«IS die Familie des Tagelöhners. Außerdem kämmen noch die Dienstboten in Betracht, rnid endlich, daß in vielen Familien Getreide an die Hühner verfsittrrt wird. Wir ithlagr!» der„Pafr". dt« plötzlich dos gesälrrllck)« Bestreben zpigt. zn pewciilM, da!» der Kbustim der bastcncrten LebeuSiuittel im wesentlichen ans die B c s i tz c» d e n entfällt, eine noch sräsügere Rcchuuch» nor. Sic wchse. darauf hin, daß die Ilntoriichmcr nicht nur ihren Hähucru gritter, sondern auch„ihren" Arbeiter»— nach Strunruschcr Auschannug„Prot geben", da» also folglich die ganz« hast der ichzirelun Stenern ausschließlich auf dem Unternehmertum wuchtet.— CeutrumS- iverleaeuhxit«'. Die„Köln. B o l k S zt g.". welche auf dem linken Flügel des EustruvsS streitet und sich einiger- maßen acgxn die Flottcnfosverimgcn strnnbt. ist in keiner leichte» Lage. Zu de» ffoltensr«u»dlichen Stinnnitngcn in manchen Kreisen der CentrinnSwählerschäit«np rlnex Rcschstag�-Fraktion kommen. mm r ö»i i s ch e Erinahnnngen. DnS aMielse Organ des päpstlichen Stuhles. der„Offervatorc Romano" bemüht sich eifrig sür die F l o t t e irv orla ge der de st t j ch e n N e g> e rn irg. Das päpst- Iiche Blatt hat die ganze Litanei nnsrcr Flottenschwärmerej übxr- nomiltcu. das allerchristlichste Blatt erklärt die Bcrmchrinig der Kriegsrüstvngcn für dnrchnns notiocndig»md spricht die Meirngig agS, daß das Eentrnin sich gewist iir dcx Kommission leicht Wt her .Regierung verständigen werde, falls diese hcfrichigcnde Uiifschküsse chber die finanzielle Seite der Fraae aebc. Je richtiger der.Off. Romano" die Umfallsneignngen des EentnimS bemteilt, um so uuaugenehmer ist der„Köln. Volksztg." die offtne ANssPräche dcS für die katholische Welt so cinflustrcichcu Organs. Denn se mehr schon jetzt die FlottcnbeivilligungSlnst in ciitjlnstreichen Kreisen des Cesttnims offenbar wird, um so schwieriger wird die Lage derjenigen Eentrnmsmitgllcder, welche das marinebegeisterte AliStoVe» ihrer Partei lvenigsteilS einigermasten int Zügel z» halten wÜIiichc». Tie„Köln. Volksztg." ist daher sehr entrilstet über das römische Organ. Sie erklärt, der„Oss. Rom." habe der„deutschen CentrilMSpartet wiederholt dte gröhtcn Schwierig- leiten bereitet..„loilm ein ausländisches Organ sei weniger geeignet, in seinen politischen Artikeln dem Ceiitrnin»lit Erfolg Ratschläge zn erteileli":„Centrnm und CeniruNlspresse würden fortfahrcii, die Flottciifragc lediglich nach eigenem Pflicht- mäßigen Ermessen zn behandeln, möge der„Oss. Rom." dazu sagen, Iva? er will." So lebhaft jetzt die EnirüstiMg jdcs rheiitischen Blattes ist, der „Oss. Rom." iviro es erlebe», daß seine Ratschläge beim deutschen EcNlruiN doch nicht ans llitgünsligen Boden sallen. Vielleicht weniger a»S SbrfnlM vor Rom mid M e h t o n s lv e l t I i ch c t? Gründen wächst dte FlottelMkigung des EcntriMls, aber sie wächst. Und dies genügt schließlich auch der römischen Kurie, der weltlicher Erfolg tyrer' deNtschf» Gkniidigen ntcht rrligionSwidrig gilt, sofern ste davSli den MltgkiNlst empfängt.— Dt. LtehrrS Befinden ist nach der„Germania" zwar noch immer im hohen Grade besorgniserregend, aber es sei noch keines- ivegs die Hossmmg aus eine Wiederhcrstrlllmg geschwunden, so lange der HeilnngSvrozeß durch den iiatürucheil Abfluß der ileiue» Rbscessc, die sich durch das Gallen stein-Leide» in der Leber gebildet haben, erleichtert wird, tind die Kräfte des Patienten in befriedigender Weise erhalten werden können. Herz und Lungen sind gesilnd tind nach wie vor in ihren Funktionen nicht gestört.'— Artisten contra lex Hrinze. Man teilt nns mit: In einer am Miltivoch, den 14. Februar, stattgefiliidene» anstcrordeiltlichei: Sitzung der„Internationalen Artisten- Genossenschaft", in welcher die Direktoren und Repräseiilailten des gesaniten Artistenstaildes vertreten ivarcn, ivnrde beschlossen, de» RechlSbeisinild der Gcnoffen- schaft mit der Abfassung der Proteü-Eingabc gegen die in erster Fafsnng angenommenen Paragraphen der lex Heinze zn beauftragen. Das lociterc wird in den demnächst zn veranstaltenden Protest. B c r s a m in l n» g c n beschlossen und veranlaßt werden.— Aiiswetsiing von Inländern. Die Dresdener Polizei hat die A» s>v e i s u n g s v c r fügnng gegen den Genossen Fa llcnb e ck auf seine Beschwerde hin zurück- g e n 0 m M e N. Als Gnind der Zurücknahme hat man dem Be- trossenen eröffnet, man habe stich jrüt ans den Akten nberzengt, daß er ans Grund eines Antiagsvcrgchnis verurteilt worden sei. Ans diesen Umstand halte Genosse Fallenbeck seine Beschwerde mit gestützt, weil das betreffende Gesetz die Ausweisung anSdrück- sich auf solche Fälle beschränkt, wo die Bcriirtritiliig ans Grund einer von Amlswegen zu vcrfolgeudcli Handlung erfolgt ist. Das ist' recht kennzeichnend sür das Berfährcu der Dresdener Polizei. CS ist dcch die'selbstverständliche Pflicht einer Behörde, wenn sie jemand bestrafen will, vorher die Akten zn prüfe», ob sie ein Recht zur Bestrafung hat. Wäre diese nachträgliche Fcsistclliiiig der formellen Ilnzilläifigtcil der Ailsweisnng auch erfolgt, wenn Kallenbeck daS Gesetz nicht gekannt häiie mid leine geeignete Be- ichwerde hätle absaßen tönnen? Daß übrigens noch ein formeller Grund die Auswcistmg mizlllässig erscheinen läßt, der langjährige Wolmsitz Kallenbecks, davon scheint die Polizei bei der Zurücknahme der Maß- reget nicht erst geredet au haben. Wenn schon mit den gar keiner AnSIegung fähigen Form- Vorschriften in solcher Weise iimgcspruiigcn wird, dann ist eS aller- dingS nicht zn verwinidsrn, daß man mit dem Geiste eines Gesetzes noch weniger Federlesens macht. Denn wie ivir schon in der vorigen Notiz erwähnten: da« Gesetz ist gegen Vagabunden und Gcwohnheiis- Verbrecher gemacht mid der damalige sächsische Minister v. Rosiitz- Walllvitz st'ieltc gar sehr den Entrüsteten, als Bebel bei der Beratung im sächsischen Landtag die Verinntiinq aussprach, daß das Gesetz zn politischen Mastrcgelnngen bestnumk sei. So. ivic das natioiiallibcrnlc„Leipziger Tageblatt" seiner Zeit beim Falle Rosenow der sächsischen Polizei cmpfahlj, so handelt sie in der That: „Die Behörde nrnst eine.Handhabe fresthe«, im, solche Persönlichkeiten, wie Rosenaw» deren Thätigkeit nur daraus abzielt. den Frieden der Bevölkerung z»»ntcrgrnbcil. den Klasienhast z» schüren. von den Ortni scniznhaltcn, für die sie gefährlich ge- Wesen find." Sie mnst eine Handhabe haben und beSlveg«» macht sie sich eine: über juristische Zwirnsfäden stolpert sie dabei nicht. Der„Mittelstand" ist schon jetzt sehr imzn frieden mit dem vorgelegten Gesetzentwurf für eine Warcnhansstcner. An eine ne»nenswertc Wirkung der Steuer glaubt auch die„Krcuz-Zta." nicht, selbst wenn der' Steuersatz für die Großbazare. die Waren aller Gaikiliigen sichren, auf 3 Proz. erhöht würde. Das konservative Blatt meint i Ruch in Zulliiift werde» neue Unternehmimgen dieser Art genug entstehen, die vielleicht etwas vorsichtiger finanziert, darum aber nicht minder gefährlich fein werden. Die Steuer lann mir die Wirkimg eines Ausgleichs in den Kommanalfinanzrii haben, gnr Sicherung des Standes der kleinen Krnisleute bedarf es durch- g r e i f e n d e r e r. positiverer Maßnahmen, namentlich auf dein Gebiete der Krcditorganisatio». Der Finaiizmintfler scheint sich übrige»? sehr für den Gesetz- entiviirs einlegen z» wollen. Wie in parlamentarischen Kreisen er- zählt wurde, hat Dr. v. Miguel den Wunsch ansgesprochcn, daß die erste Lesung des GeseNentitnirfS über die Besteuerung der Waren- Häuser im Äbgeordnetenliause bis ans dcrS Ende der nächsten Woche verschoben werde, iveil er persönlich daran teilnehmen wolle.— „Geistige" Waffen. AnS Straß bürg i. E. wird uns gc- fchriebeii; Durch die gesamte Presse de? Reichs lief vor einigen Monaten ein Pröbchcn von der Redaktionstonart. in welcher die von zwei k a k h o k i s ch e n G e i st l i ch e» geleitete„O b e r e l s ä s s i sche L a n d e s z e r t u u g" in Mülhausen gegen politisch AndcrSdentende zu poleinisterc» pflegt. Ganz besonders unser reichsländisches Partei- orga», pie ktraßbnrger„Freie Preffc".>var e«, die sich de» Groll der beiden Proßtämpur im Talarc zugezogen hatte. Au« dem social- demokratischen Blätterwald schallte cS begreiflicherweise in kräftigen Ausdrücken zurück, Von denen besonders einer zum Stein des Anstoßes wurde, weil er die Redacteure der„Obereksässischen LanbeSzeitimg" mit Beziehung auf die Atmosphäre. der sie ihre Stikproben zn ei»tilehn>en vfkegte». zn„Amtskollegen MoofnnerS" stempelte. Die beiden geistlichen Herren. Abb öS Dr. H a e g y und W i r a. ietzren also den Apparat eines BeteidigimgSprozeffes gegen unfern Genossen D einHardt von der..Freie» Presse" in Bewegung, offenbar in der sichern Voranssetzüng, daß auch das Gericht die per- siiuliche Vcrnliglunpsmrg des politischen Gegners als ei» iinucrletz- lichcs Privileg der von Predigern der christlichen Nächstenliebe geleiteten llerlkakcn Prehorgane«klären ivürde. Das Schilrighzimer Schöffengcpicht. welches dieser Tage in der Sache zu enffchesdeii hatte. ver-nrtoikte Deinhärdt z>var wegen Beleidigung der Kläger zn eqwr Geldstrafe von öf» Mark, gab nndverseltS aber auch eitter Widerklage dos- selben gegen die beiden.edlen öerren" Folge. dir jedeni von ihnrn eben- falls ov M. Buße, der klägerischcn Rodateiou oiio z, Nammen lOtd M. Grldstraf« eirriiHg. Die„geistliche" Prsßlcistung. aps die sich die Widertlage stützte, war folgende: Im Auschlnß au einen Aussatz der„"Freie» Presse" über de»>», vommer vorige» Jahrs verstorbenen tlerikalen ReichstaaS-Abgcordnctc» Spic-Z in Schlettftgdt liest sich der Abbö Dr. Haegh, ver bernfcne Seelenhirte mid Jugend- erzicher, i» feinem Blatte also vornehmen: „Die„Freie Preffe" hatte zum Tod« deS allvcrehrtcn Ab- geordneten TpieS sich vorerst einige Anstandsriickfichtcn auferlegt! zum Schlnsse mußte aber die.... Schlveinerci komme». Man ist eben nicht vergebens berufsmäßiger Schweinepelz Das Geschmier der roten Kloake ist 1, t» m Mi l d s e i B I ö d s i u ii, angerührt mit Mistjauche und verrät als S ch in i e r(i ii i e n einen Stallknecht oder Latrinen- Putzer. Der Ehrenmann, der unter der cinstiiimiigen Huldigung des ganzen Elsäsies dort drnnten in Schlettstadt ins Grab gesenkt wurde, steht zn hoch in aller Achtung, als daß der I a m m e r- mensch anS der roten Kloake ihn mit seinen schNiierigen Pfoten und seiner K o t b r ü h e erreichen köniite. Lassen wir denn das Stinktier i n s e i n e m W n st e sitzen lind an seiner sanbcrc» Arbeit sich vergnüge», nach würdiger Verwandten Art. Beehren wir ihn mir so obenhin mit einem kräftigen Verachtungsfu»tritt nach seinem schmutztriefenden Affengesicht— und reinigen wir nachher unsere Schuhe." Herr Dr. Haegy zeigt sich jetzt in der„Obereksässischen Landes- Zeltling" sehr imgehaltcn über den Reinfall, den er sich nlit feilicc Klage bei Gericht zugezogen. Er erklärt, nach einem derartigen Entscheid sei„jede sachliche Polemik unmöglich g c- Mach t". Vom heilige» Vi'.rcankiatismns erzählt die„Köln. Ztg." ei» nettes Stückchen ans der zweiten Beratung des Etats der Ober- r e ch n u ii g S k a m mer: Ein Hasenbeamter hatte'imter seiner GehalisgniitMig seinen Ramen gesetzt mit dem Znsatz:„S t r o m i n s p e k t o r". Die Lberrechnungs- kämm er schickte die Oimtltng zurück und verlangte die Unterzeickiiilliig als„S t r o m i) o l i z ei-Inspektor". Der Beamte machte alsbald darauf aiifmcriiäm. daß da« an seinem Amte atigebrachte Dienstschild ihn als„Strominspektor" aufführe. Tarmlfhiii winde er beauftragt, das Schild n m m a I c n zn lassen, und später, als sich die Ilnmvglichkcit dazu erwiesen hatte, weiter bcanftragt, ein nsnes Schild als„Strom- voliztt-Jnspektor" sich malen zn lassen. DaS kostete IS Rt. Tie Oiiittiiilg. ivelckie die Frau des Malermeisters niiterzeichnet hatte, wurde zurückgesandt, der Malermeister habe selbst zu imterzeichiten. Das geschah. Tann wurde aber noch Vorsicht halber die Beifügung der frühere» OnittUng der Frau Ma l erme ist erin gefordert und schließlich, als sich min noch die Behörden darüber stritten, wer denn iiiin eigentlich von ihlien die 15 M. zn befahlen habe, wiiroe gar entdeckt, daß der betreffende Beamte thatsachlich„Stro m- i n s p e k t o r" heiße. Damals war dn§ betreffende Aktenstlick bereits zwei Finger dick geworden. Seit cinciii Jahre aber heißt der Stroiiiinspcktor jetzt„Haseninspektor". Nach alledem soll die Existenz des Staate» nun gesichert sein.— Die„Norddentsche Allgemeine""«nd ihr Kiinstgewiffen. ,. I n f t e i e n S t U n d c n". die von der Buchhandlung Vorwärts herausgegebene Illustrierte Romnnbibliotbek hat u. a. auch den Wildenradtschen Bauernkrieg- Roman„Der Zöllner von ,cweglen sich die tib«rate>> Dislnjnonsocdner, sie schilderten die Aerhaltniffe der in imtornchischen Grichen be« sckgftigte» Arbeiter so rosig, als ob die Gruben Felienkolonje» ivarcn. Fast jeder Redner der Ecntrumspnrtei betiindcte nixhr socinlpolitischcs Verständnis als die Liberalen yiid die Rczzsenmg. dabei rückte» aber die Herren von» Eontrnm ftnmer mehr von dem Achtstnndeiitag ab. So beantragte der lleiitriimsadgtordnete Dr. Jäger für alte Betvicdc, die mehr als 20 Arbeitri! bejchäftigeii, ferner wenn d>« geologischen Vcrhäiiiiisse eS evspiPv"!», vi» zum Jahre 1004 Ausuahmon ziizuscffsen. Genosse Segitz beleuchtete am zweiten Tage die iociaipolitsiche iMckständigltsit der Regierung und griff namentlich die Bergbehörden i>l schärfster Weise an. worauf wieder eine lntiiie erregte Nede beZ Ministers folgte. Das CrntrniN setzte am dritten Tage seine Lliickzngs- kanonade fort, Adg. Frank erklärte in ledtzaftester Weise, daß das Centrum keinen gesetzlichen M a x i in a l- Sl r b e i t S t a g fordere, sondern ocn gestellten Antrag nur a u s n a h m s- weife, durch die b c s o n d e r cn Berhältnisse geboten, als Schntzbestiinnulng fiir die Bergleute vertrete. Das Centrum verwahrte sich dagegen, eine gesetzliche Fe st leg« Ii g de« Arbeitsvertrages zu wollen, Genosse v. V o l I m a r biclt zunächst gründliche Abrechnung mit dein Minister v, F e i l i tz s ch und nagelte dann das Centrum fest, das sich mit den Forderungen der katholischen Arbeitervereine, besonders des christ» lichcn Gewerkvercins der Bergarbeiter in direktesten Wider- spruch gesetzt habe. Bei der Abstimmung wurde der socialdemo- kratische Antrag mit allen gegen die Stimmen unsrcr Vertretet abgelehnt, der Centrumsantrag mit Hilfe Unsrcr Abge- ordneten und des Dr. H ä ch zum Beschliis; erhoben, der Antrag Dr. Jägers durch eine anS Liberalen, Bauernbiindlern. Social- dcmokratcn und einigen CcntrnmSabgeordnctcn bestehende Majorität abgelehnt. Damit fielen die Anträge der Liberalen und der btegiernng. Wir haben mm den gesetzlichen Achtstundentag für in unterirdischen Gruben beschäftigte Bergarbeiter im Gesetz, jedoch ist nicht ausgeschlossen, da» diese Arbeiter außer den acht Stunden in der Grube auch noch über Tag mit Herrichten von Grubenholz nsw. beschäftigt werden können.' Freitag werden die Beratungen des Berggesetzes zn Ende gehen, die übrigen auf den Arbcitcrschntz bezüglichen Bcstimmnngcn werden wir noch nach- tragen.— Wissenschaftliche Excessc. In der Vndgetkommission des Ab- georduetcnhanscs wurde eine Angelegenheit verhandelt, die seiner Feit außerordentliches Aufsehen erregt hat. Bekanntlich hat der ZIniversitStsprofessvr Tr. Reisser in Breslau Syphiliösrrum gesunde« Personen in der staatlichen Sllimk eingeimpft und 1808 in einer wissenschaftlichen Zeitschrift über die Ergebnisse dieser Impfung berichtet. Bereits im vorige» Jahr wurde die Angelegen- bcit in» Abgcordnctcnhanse berührt, und nun erklärte der Wer- trcter der Staatsregicrnng, es schwebe zur Zeit gegen den Professor ei» Disciplinarverfahre». dessen Be- endignng demnächst zn erwarten stehe. Dieses Bcrfahrc» sei sofort nach der Veröffentlichung der Impfung in der Zcitschri in» Jahre 1803 eingeleitet worden.— Dieses Berfahren dauert aber ciivas lange. Auch ist nicht einzusehen, warn»» hier nicht der Staats- auivalt einschreitet.— Uebcr die Anstellung der Militarauwärter bei den Kommunen und Konlinnnalverbänden, bei den Jnvaliditäts- und AltcrsvcrsichernngS-Anslalten sowie bei ständischen oder solchen Jilstitnten. welche ganz oder zum Teil anS Mitteln des Reichs, des Staats oder Gemeinden unterhalten werden sanSschlicßlich des Forst- dieiistes) find seitens der verbündeten Negleningen neue B c- st i m m n n g e n erlassen worden, welche' soeben im„Marine- Verordnungsblatt' veröffentlicht werden. AnS diesen Bestimmungen. Ivelche an, t. April 1000 in Kraft treten, ist folgendes hervorzuheben: Ailsschließlich mit Militäranwärtern find zn besetzen, so- fern die Besoldung der Stellen einschließlich der Nebeiibezüge mindestens«00 M. beträgt: 1, die Stellen im K a n z I e i d i e n st, einschließlich derjenigen der Lohlischrcibcr, soweit deren Inhabern die Besorgung des Schreibwerks und der damit znsanlniciihänqcndcn Diciistvcrrichtniigcn obliegt, 2. sämtliche Stellen, deren Obliegen- beiten im Ivescntlichcn in mechanischen Dienstleistunge» bestehen und keine technischen Kenntnisse erfordern. Die LandcSregierinigen find befugt, de»» Anteil der Militäramvärter an dcir Stellen unter Ziffer 1 auf die Hälfte, an den Stellen unter Ziffer 2 anf zivei Drittel zn begrenzen, falls die Eigenart der Landesverhältnisse oder der dienst- Iichen Anforderungen oder die Organisation der einzelnen Vcr- waltungen den ausschließlichen Vorbehalt unthunlich macht. M l n d e st e n S zur Hälfte mit Militäranivärtcrn sind zn bc- setzen die Stellen der S n b a l t c r n b e a m t e n im B ü r c a n- d ien st esJoun>al-.Registratnr-.Erveditions-.KaIknlatur-. Kasscn dienst und dergleichen), jedoch mit Ausnahme 1. derjenigen Stellen, für welche eine beionderc wissenschaftliche oder technische'Vorbildung erfordert b'nd. 2. der Stellen derjenigen Kassenvorstcher, welche eigne Rechnung zu legen haben sowie derjenigen Kasienbeamten. iveichc Kaisengeldcr einztmehmen. zn verwahren oder anSzilgeben haben, und ferner derjenigen Beatnten. welchen die selbständige Kontrolle des Kassen- und RechiitmgStvrfcnS obliegt, 3. der Slellen der Bnrcauvorsteher bei den Jnvaliditäts- imd Altersversichcrungs- aiistalten nnd bei der Bcnvaltnng von Städten mit nichr al« 40 0C0 Einwohner». 4. der SreNcn der Snboltcrnbeaniten. ivelche bei Bcbvrden. denen nach laiidrSgesetzlicher Borschrist Verrichtungen des VornimidschaftsgerichkS, des NachlaftgcrichtS oder des GAiiidbiichanns obliegen, tu diesen Dleiistzwcsgcn' als Burranbcainte beschäftigt werden oder welche nack knndeSgcsctzNcher Vorschrift als komniunale Hillsbeamte staatlicher Grnndbiichänitcr bestellt sind, Bei der Besetznng erledigter Stellen sind unter sonst gleichen Verhältnissen llnterofsiziere, welche mindestens acht' Jahre "" Hcfvt oder in der Marine aktiv grdient haben, in erster Liine zu l'erüekfichligen. Bewerbungen um noch nicht frei gcword-ue Stellen sind alljährlich zum 1. Dezember zu erneuern, widrigenfalls dieselben als erloschen gelten.— bthronlk der MajestiitSbeleidignugS-Prezefse. Die Marburger Strafkammer hat. wie uns von dort geschrieben wird,«inm Dtenstknecht Hahn anS Holzburg wegen Majestäts- bcleidignng zn v i e r M o n a t e n Gefängnis vcnirtcilt. Hahn hatte bei der vorjährigen Generalnnisternng in Ztcgcnhain allerlei Uiifna getrieben, wurde deshalb in das Nathans eingesperrt und tobte dort wie ein Wilder, Bei dieser Gelegenheit beging er das flnchivürdige Verbrechen der Mnjcftätsbeleidignng,— Samoa-Abkoiiiuic». Tie deutschen Natifikations- Urkunden zn den Sanioa-Abkoimnen nnt der anierikanischcn nnd englische» Öiegicrnng sind nin Krestag im Auswärtige» Amt den Berliner Vertrete,» dieser Ncgierungcu ausgehändigt worden. Grciizstreitigkeiten mit dem Kongostaat. Die„Etoile Belae' verffchcrt, daß in dein dekannte» Streite um den Äivnsec, der sich zwischen Den tsthland nnd den» Kongo st aate erhoben bat. die Berhandliingen einen günstigen Fortgang nehnieii nnd„der Abschluß eines Kompromisses nnmittelbar bevorsteht'. Deutsch- land forderte die Ausdehnung der Grenzen seiner Besitzungen mindestens bis zur Transversale des Kivnsees gelegen zivischcn 1" 50' nnd 20 38' südlicher Breite nnd'den 20. nnd 30. Grade» östlicher Länge von Greenwich. Deutschland ivar zu- gleich berett, die Verwirklichung der kougostaatlichen Etfenbahnliiiie vom Koiigo nach Redschaf am Stil zn niitcrftützen. Der Kongostaat ivill„keine Verstünlinelung" seines Gebietes zulaffen»nd hält an der Berliner Grneratnkte wie an der bei der Neutralttätserkläriing des Kongostaates 188S in Berlin eingereichten und von dem deutsche» miSwärtigen Amt« geiiehniigten Karte, die den Kivusee dein Kongo- staate zuteilt, fest.— Ausland. Große Kriegsdcbattn, haben am Domtsrstag noch einmal in beide« englischen Parlamenten stattgefunden. Ig» Oberhaus wind«» befouderö die jetzigen Kriegspläne der Negieruug und die geplant» Armeereorganifiermig au,vgriü«tl. Der liberal» frühere Pramierminister Lord Rosrbertz führte anS. der Ktiegsnüuip»r Hab» auf dem Papier eine i» Prost- hritgiiuik» bereit ftcheiide Macht na» 400000 Mann gezeigt, doch ziveifel» er, ob diese Ziffer» vor einer genauen Prüfung stand halten tvürdcn. Freiwillige köimtcu nicht eigentliche Soldaten genannt worden. Wenn ptgn noch weil»r« 50000 Aia»» brauch«, so wiss« er nicht, wo sie hcrgcuoiiiiiic» ivcrdc» sollten. Man konnte cimvcnden, daß es nicht weif« sei, die Schwäch» d«s, Landes so vor aller Auge» zu enthüllen, aber die andren Nationen hätten die Lage EnglnndS bester gekannt, als die Engländer selbst. Die Krisis sei drohend, die Gefahr nahe bevorstehend gclvesen; England hätte nicht anf Südafrika allein seine Blicke gerichtet, sondern' in allen Weltteilen'Interessen zu vertreten gehabt, als es jeden verfügbaren Mann»ach Südafrika gesandt' habe. England habe nicht anf die freniidschaftlichcii Ge- siinnmgen fremder Nationen rechnen können. Im verflossene» De- zembcr Hab» die englische Regierung lebhafte Vorschläge, betreffend eine Allianz mit Deutschlattd nnd den Vereinigten Staaten gemacht. Diese Vorschläge seien indessen nicht »t i t der Herzlichkeit anfgenommei, worden, welche die Regiennig ermutigen könnte, ihre Borschläge weiter zn verfolgen.' ES sei nicht zn Tage getreten, baß die Freundschaft Frankreichs irgend eine bedeutende Anforderung vertragen könne und was Rußlaiid betreffe, so hätte man jüngst von Vorkommnissen in Persien erfahren, bei Leiten in früherer Zeit England ein Wort mitzureden gehabt hätte, die jetzt aber ohne >cde Mitreiluttq sich vollzogen hätten. Die Regiertmg habe nicht den ae- ringsten Begriff von den Enivfindiiiigen, welche augeffchls der Ge- fahr anf der öffentlichen Meinung lasten. Wcim Englaitd Süd- afrika verliere, so verliere es seine wichtigste Basis außer- halb der eignen Inseln. ES verliere den Rückhalt bei den Kolonien, welcher sich' herleite anS der Neberzengmig der Kolonien, daß sie an- gegliedert seien an ein fiarlcs Reich und dann werde das Kolonial- rcicki von England sich trennen. Wenn das nicht eine kritische Frage sei. keine Frage nm Leben nnd Tod, so wisse er nicht, was eine solche sei.(Beifall.) Der Kriegsminister Lord Lansdowne erwiderte, die- jcnlgm, welche' den Borschlägcn der Regierung gegenüber ein- wenden, sie seien experimenteller Art, möchte» sich dazu entschließen, die einzige andre Alternative anznnehmen, nämlich irgend eine Form der Militärpflicht. Die Regicriing fürchte sich nicht vor der Prüfung alles dessen, was geschehe» sei, wenn eine solche Ilntersuchniig durchgeführt werden könne ohne Störung der Aktion derjenigen, ivelche für die Führung des Kriegs Verantivortlich seien. Lord Roberts habe nicht mehr Truppen verlangt, aber es ständen weitere Truppen in Bereitschaft. wen» er solche verlange. Es sei keine Grundlage für die Bc- schnldignng vorhanden, daß England in Bezug auf die Feld- artillerie und die schweren Geschütze hinter andern Ländern zurückstehe. Der Premierniinisicr Lord Salisbnrtz ging ebenfalls anf die Frage der jetzigen militärischen Stärke Englands ein und sagte unter niidenn: Es sei ninnöglich, über die nniiinaßlichcn Hilfsquellen des Reichs zu spreche», ohne sich zum großen Äcil Vermutnngcn hin- zugeben. Alle andern Rationcii hätten seit ciiiiacr Zeit die Die»st Pflicht, während England allein nicht darauf cingegaiigen sei. Es werde nicht bestritte», daß der VolkSwille hiermit übcrein- stimme; aber so lange England sich ans das System der Neberrcdnng und Anwerbung stütze, nm die Reihen seines Sccrs zu füllen, müsse das Resultat ein»inIinaßlichcS sein. r glaube, so schließt SaliSbnry, daß die Vorschläge dem Bedütfiiiste entsprechen. Es könnten Ereignisse eintreten, die voransznsehen es keine Mittel gicbt; aber wenn sie einträten, werde in an ihnen mit festem Herzen entgegentreten. Die lllegicrnng sei gewillt, auf dem eingeschlagenen Weg zn verharren, iiidein sie ans den Patriotisinns n»d die Tapferkeit des Volks baue. Sie sehe kcincii Vorteil darin, die Lage trübe anzusehen und zn einem Experiment seine Znfiiicht zn»chine», das niemals früher gc- macht worden sei. lVeifall.) *» London, 16. Februar. Roseberhs Rede bildet das TagcS- ereigniS. Die chauvinistischen Blätter sind entzückt davon. „Deiily Mail" sagt: Es war eine Rede, anf die Chnthani oder Palmerston stolz gewesen fein dürften. Rosebery sagte der Nation und der Ltegicrimg die volle Wahrheit. Tic Regiennig sollte ihm dantbar dafür sein. Wir babr» iiiiS nach einem Führer um- gesehe», er hat sich nnö endlich gezeigt. Würde es nicht iveise von der Regrerung sein, Rosebery einen Sitz im Kabinett nnzu- bieten?" Die„Tinies" rügen SaliSbnryS Antwort; es genüge nicht, wen» die Minister sagen:„Wir haben gelhan, waS wir lönucn," das Land wolle wissen, ob das, was sie thn», hinreichend 'ei; wenn, wie das Land argwöhne, es nicht hinreichend sei, dan» erwarte es von den Machthaber» eine Ilare entschlossene Initiative in den für die vollkoniiiiene Sicherheit erforderlichen Maßregeln."— Frankreich. Pariö, 10. Februar. Tepnticrtcukamr.icr. Bei der Beratung dos Budgets des Kriegsmiuisteriimis führt Kriegsminister Gnllisfct aus. er»verde ans die von dem Berichterstatter Pelletan vorgebrachten Kritiken gelegentlich der Beratung der betreffende» Kapitel antworten. Er erhebe jedoch Einspruch gegen gewisse Behauptungen betreffend llinegelmäßigseiteit in der Verivaltung eines Regiments. (Beifall; vereinzelter Widerspruch auf der äußersten Linken.) P e l t e t a» erwidert, er habe verschiedene speeielle Mängel hervorgehoben; der Minister hätte sich bei feiner Antivort an diese Thntsache halten mtisseiy anstatt zn versuchen, in die Debatte Ans- »eglMg hineinzutragen. F o n r n i s r o(Socialist) verlangt Ein- jetzuiig einer Unteriuckiuugskommisfio». um festzustellen. Iver di» Ver« autwortuiig für die von dem Bcrichtcriiatter Pelletan vorgebrachten That- nchcn trage. Ministcrprästdcnt Waldcck-Noussean spricht sich gegen eine UilterstlchlNtg aus nnd sagt, es stehe allein der Regierung zu, eine Untersuchung anzustellen.„Ist denn", schließt der Minister« Präsident seine Rede,„an der Armee alles- zn tadeln? Nicht wahr, Rein I Pelletan selbst verwahrt sich dagegen. Wieviel bcivunderungs- volle Hingebung finden wir im Heere gegenüber einigen Mängel»!" (Beifall.) Darauf lehnt die Kaimncr die Forderung einer Unter- uchnng mit 440 gegen 68 Stimmen ab. PariS, 16. Februar. Ans Anlaß der Wiederkehr des Todes- tages des Präsidenten Fanre fand heute in der dicht gc- füllten, mit Trauerabzeichen und Fahnen geschmückten Madeleine- Kirche eine Gedächtnisfeier statt. An derselben nahmen Präsident Lonbct, die Botschafter, die Präsidenten des Senats und der Tcpiiticrlcnlammcr, die Mehrzahl der Minister, sowie zahlreiche Senatoren, Deputierte und Generäle teil. Hollnnd. Englands Werbnna um die holländische Freundschaft. Die„Times" schreiben im Anschluß an einen Artikel der„Gegenwart": „Durch Gefühle, die wir verstehen, ist die öffentliche Meinung in Holland jetzt unserm Lande nnfrcundlich gesinnt. Die Holländer wisse» aber so gut wie»vir, daß die Forderung und Anfrcchthaltuiig ihrer Unabhängigkeit, soivi» der Uliabhaiigtglcit ihrer belgischen Nach- lnlrn zn den grundlegenden Ausgaben„nsrer Politik gehörten, seit- dem die Niederlande zuerst sich von dem spanischen Joch loszumachen suchten. Wir sind für diese ihre Unabhängigkeit gegen die Spanier und gegen die Franzosen in langen, blutigen Kämpfen eingetreten und werden bereit sein, für sie ivie in der Vergangenheit so auch in iukimft gegen alle Angreifer einzutreten— Italien. Ter Protestkandidat»vatacchi. Man schreibt uns aus Mailand: Di» italienischen Socialisten und Republikaner habe» vor einiger Zeit gemeiiffam den Beschluß gefaßt, bei jeder Ersatzivohl «r das Parlämcnt den im Bagno schiimchtende» Cesare Batacchi als Protest4ondidat«n anfzuftellen. Batacchi wurde zu Zuchthaus aus LehenSzeit verurteilt,»o«>l er in Florenz bei effior mouqrchischen Kundgebung, die nach dem Attentat PassananteS auf den König stattfand, eine Bombe geivorfon haben soll. Obwohl ielbft monarchisch gesimite Blätter ivioderholt«»ilärt habe», daß Bata«chi wahrscheinlich unschuldig im Zuchthans sitzt, rmd obwohl fast das ganz« Volk von seiner Unschuld fclseiifest üb»rz»ngt ist. weigert sich di« Regierung doch, die Revision seines Prozesses anzuordnen hat, weil kein RevisionSgrund vorhanden sein soll. Man bat aber dem vermomte» Bombenwerser die Begnadigung in Ans- jicht gestellt, und Batacchi, der keiner bestimmten Partei augehört. hat sich bereit finde» lassen, ein Gnadengesuch an den König zu richten. Trotzdem und obmohl sie nicht ans Dank zu rechnen haben, beschlossen die Socialisten und Reptiblikaner, als Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit, bei jeder Gelegenheit mit der Protcstkandidqtnr Batacchi hervorzutreten, um ans diese Weise die Revision des Prozesses zu erzwingen. Der erste Versuch wurde Sonntag, de» 11. d. Mts., bei den Ersatzwahle» in Tlirin n»d in Pictrasanta gemacht. In Turin komint Batacchi, der 800 Stimmen erhalten hat, in die Stichwahl; sein Gegenkandidat ist ein Monarchist. In Pietrasanta wäre Vatacchi beinahe gewählt worden; er erhielt 1100 Stimmen, sein Gegenkandidat»nr einige mehr. Mail kann über den praktischen Wert solcher Protestkandidatnren verschiedener Meinung sein, die bloße Thatsache aber, daß ein gänzlich unbekannter Bagno- sträfling 1000 Wählersiinnnen erhalten konnte, weil die lvahren Freunde des Bolls seinen Namen gelvissermaßen als Symbol des mit Füßelt getretenen Rechts auf die Wahlzetiel setzten, beweist, daß es auch in Italien zn tagen beginnt, nnd daß das Volk sich gegen die Willlür der Regierenden nnd der von ihnen kommandierteit Justiz anflehnt. J,*■' Portugal. „ Lissabon, 16, Febntar, Marinentinister Vila?a erklärte bellte in der Depntiertenkammer, die Regierung werde den portugiesischen kolonialen Besitz unversehrt aufrecht erhalten. Ein Antrag betreffend den Verkauf grwiffer Kolotiien wirb ab- gelehnt. Asien. ' Tsintanfort, 14. Febr.(Meldung des„Reuterschen Bureaus",) Zinn Schutze ber Eisenbahn- Jitgenienre und deS Eigentums sind 180 Mann mit 2 Geschützen von Kiautscho» abgesandt iv o r d c n. Man befürchtet einen Angriff seitens Aufständischer von Kalinti.—- Der Streik der Bergarbeiter. . lieber den Ausstand in Böhuicu liegen mir wenige Nachrichten vor/in allen bestätigt sich die unveränderte Fortbauer des Streiks. Im Revier Ostran- Karwin fehlen in 14 Schächten zum Teil die Masdjinisteii, die fortdanernd in größerer Zahl sieh dem Ausstand an- schließen. In l>e» vielen gescheilertcil SchicdSgcrichts-Verhandlungcn hat sich nun auch das Pilsener Eiingungsamt gesellt. Auch hier verlangten die Grubenbesitzer, daß die Arbeiter erst zur Bcschäftigmig ziirnckkchren, dann sei man bereit, über die Arbeitszeit und Lohn- crhöhnng zn verhandeln. Daß unter solchen eiitwürdigenden Bc- diiignilgeii die Arbeiter zur Grube nicht zurückkehren, ist klar, wes- halb die weiteren Bcrhaiidluiigei» aufgegeben wurden. Prüll», 16. Februar. Unter den Arbeitern der Rossitzcr Kohlen- bergwerke bereitet sich eine Ankstandsbewegung vor. Der Streik dürfte Montag proklamiert werden. »« * Der AnSstand in Sachscu zeigt heute ein andres Gepräge. Der Hoffnung der Gnibrnbejitzer. dbß durch ihre schroffe ablehnende Antivort tcke Arbeiter eingeschüchtert Würde» und die Bewegung keine» großen Umfang annchmcn könnte, ist eine Täuschnng gefolgt. So tvi'e in Böhmen ist anck» hier das hochmütige Benehmeil der Grubenbesitzer der Anreiz gewesen, den Kampf in entschiedener Weise anfzniiehmcii. Die jetzt cinlaiifcnden Berichte melden allgemein eine Alisdehnnng des Ansstandcs. Im Zivickaner Revier schätzt»,a» die Zahl der Ausständigen ans 5000 nnd es erscheint die Annahme gerechtfertigt, daß in' einigen Tagen der Streik allgemein wird. Der Kohlcnntangel komnil stark zinn Ausdriick, die an» gekündigte Einschränkung des Betriebs der sächsischen Staats- bahnen ist iiinimehr amtlich bekannt gegeben. Wocheiilang haben die sächsischen Werke Kohleiiliefermigen nach Böhmen icsaiidt, um ihre bedrängten östreichischen Kollegen zu unter- Hützel» und Preistreibereien zn fördern. Kaum daß der Streik ausgebrochen ist, so hört auch der Verkauf von Kohlen fast gänzlich ans,' ivahrschcinltch sollen die Bestände erst zu möglichst hohe» Preisen losgeschlagen werden. Das Fehlen der Kohle macht sich in Dresden auch für den Bedarf an Hansbrandkohle unangenehm bemerkbar. Der Andrang zu den BerkanfSstättcn war an den letzten Tagen ein ganz gewaltiger. Fortgesetzt wird von Einschränkungen oder gänzlichem Stillstand»»dusiriellcr Betriebe berichtet. Der Verband der Textilindustrielle» t» Chemnitz hat beschlossen, von den Nord- nnd Oslsccliäfen Kohle einzuführen. In Auerbach ivird vorcknsstchtlich die Heizung der Schulzlinmer tnilerbleiben und die Schule geschlossen werden' müssen. In mehreren Fabriken Kirch- bergS und von Sanpersdorf nmßte die Arbeit teiliocise eingestellt werden. I» Roßwein hoben mehrere Fabriken die Arbeitszeit»m einige Stunden täglich verkürzt. Der Stadtrat hat daS Stadtbad bis' anf weiteres schließen lasse», nm die Kohtenvorräte für die Schulen nnd städtischen Gebäude anfznsparen. Die Harlansche Papierfabrik w Heidenau bat ihren Betrieb fast ganz, die Dießlersche Holzstofffabrik gänzlich eingestellt. Ans Pinia wird bürgerlichen Blättern geschrieben:.Der andanernde Kohlrummtgel macht sich für die großen iudiisttiellen Betriebe des Pirnaer Äezirls immer mehr fühlbar. Ins Gewicht fällt dabei munentlich die notwendig gewordene BetriebSeiiiftellimg der Pirnaer Glasfabrik«»> da das nfforderliche Kohlenmaterüil absolut nicht beschafft werden lonitte. Zn Einschränkungen genötigt sind außerdem viele andre Betriebe, so namentlich die große Papierfabrik zu Köttewitz, von deren«rbevter- schaft ein nicht mwetrüchtlicher Teil zum uuftciwilligen Feier» ge- zivimgen ist." Natürlich fehlt auch in diesem Streik nicht d«r Borwurs bnrger- licher Blätter, daß der Streik ein Werk der Socialdemokrat«» sei. Nach der Richtung bemüht sich die„Kr«uz'Z«itiing". Sie unterstellt dem Reickstag».«ll»geordii«ten Sachse, daß er die Bergarbeiter l» den AnSstand gedrängt Hab». Das find die ständig wiederkehrenden albernen Reden von dem Einfluß der socialdemokratischeu Partei oder einiger Vertreter derselben auf die Lobukämpfe. Die Partei hat ivedcr Einfliiß nock Bestimmung auf diesen Kampf. Wer die Dinge beobachtet hat. weiß, daß»nscr Parteigenosse Sachse erst in den Streik eingriff, als die Bewegnng i» vollem Gange war nnd daß er sowie der Verband der Berg- nnd Hüttenarbeiter alleS gcthan hat, lim die Bewegung zu einem gütlichen Ende zu führen. Wenn ein Schtlldiger gefaßt iverden soll, der die Arbeiter i» den Streik drängte, dann kann dieser Vorlvnrf gegen die Griibenbesitzer erhoben iverd'e». Die Art, wie die Arbeiter abgewiesen wurden, ohne daß man sie anhörte, war so provozierend, daß der Streik unvermeidlich wurde. So lassen sich die Arbeiter nicht gebieten, daß sie sich ivie Sklaven, die»nr dem Befehl ihres Herrn zu folgen haben, die alles von seiner Güte erwarten, behandeln lassen. Das iverden die Arbeiter verlangen könne», daß sie gehört Iverden. Allerdings be- handelt ivurden die sächsischen Grubenarbeiter nie anders, aber der Zn- stand ist für die Daner unhaltbar, er drängt z» Konflikten, die vermiedei« würben, wenn die Grube, ibesitzer sich zn einer höhere» Einschätzung ihrer Arbeiter bequemen köimten. Perlin nnd ttwgcgend. Zur Lohnbrlvcgnng der Kleber(Tapezierer). Der Stand des Streik« ist, nach dem Bericht der Lohnkommission, den dieselbe gestern in einer öffentlichen, stark besuchten Vorsannir» lnng bei P a st e r, Jnsekstraße Skr. 10, erstattet», et» recht guter, Bisher haben von 83 Firmen, denen die Fordrningen unter- breitet worveit sind, insqesaMmt 62 Finnen, dnriinter die naiii- haftestsn, vollständig bewilligt. Bon den 21 Finnen, welche bis jetzt die Anerkennung verweigert haben, wird erwartet, daß sie in nächster Zeit schon grivmigen sein iverden. die Forderungen zy bewillig»». An der Lohtibelvegung sind gegenwärtig eirca 400 Kleber beteiligt, wovon bereits 170 z» den neuen Bedingungvn arbeiten, während die übrigen sich noch im Ausstande befinde». Etwa 100 Kleber haben sich der Beivegung noch nicht«mgeschtosien, bezw. arbeiten vorläufig noch z« alten Bedingmigen. Ken beiden in Bettacht kommenden Organisatione» sind während des Streiks 180 Mann als Mitglieder beigetreten, so daß auch in dieser Beziehung ein«rsreuliches Resultat zu verzeichueu ist. Wie noch berichtet wurde, haben die Jnnungsmeister am Donnerstag eine Versammlung abgehalten. Im allgemeinen sollen die Meister mit den Forderungen einverstanden sein und sich bereit erklärt haben, mit der Lohnkommission in Verhandlung zu treten. Außerdem soll beschlossen worden sein, die Preise für alle Tapeziercrarbeiten um 20 bis 33 Proz. zu erhöhen, und zwar angeblich, weil die Löhne und die Preise für Rohprodukte erheblich gestiegen sind. Nach � einer längeren Diskussion, in der zur strengen Aufrecht- erhaltung des Tarifs und zum weitereu so einmütigen Vorgehen aufgefordert, und in der die fchlcchten Zustände bei den verschiedenen Firmen einer herben Kritik unterzogen wurden, wurde beschlossen, daß die erste Streikunterstützung am nächsten Montag zur Auszahlung gelangen soll. Bekannt gegeben wurde noch, daß die Sperre über die Firma K a l m b a ch, die in verschiedenen Zeitungen Kleber für dauernde Beschäftigung sucht, nicht aufgehoben ist. Achtung» Kleber(Tapezierer)! Ueber die Firma K a I m dach ist für Polsterer und Kleber die Sperre verhängt. Die folgenden Firmen: Gronau, Marburgerstr. 3, Möser. Fehrbelliuer straße 19, Schwarzer, Linienstr. 191, und Frester, Wilhelmshafenev straße 18, sind für Kleber gesperrt. Die Sperre über die Firma Schiedlich ist aufgehoben. Die Lohnkommission. Die Tischler der Laden- und Comptoirbranche haben in ihrem Ausstand den Erfolg zu verzeichnen, daß bereits 19 Unter nehmer mit 310 beschäftigten Arbeitern die Forderungen bewilligt haben. Ausständig sind noch 343 Tischler. Socittle Meifzkspflcge. Mangelhafte Lohnabrede mit einem Taubstummen. Der taubstumme Schneider D. hatte seine Arbeitgeberin Frau Richter beim Gewerbegericht verklagt, weil er seine Arbeit für zu niedrig bezahlt hielt. Er beanspruchte einen angemessenen Stück' preis, während die Beklagte behauptete, Kläger sei„au Woche" eingestellt worden. Der Geschäftsführer der Fra Richter wurde als Zeuge vernommen. Er bekundete, daß er dem Kläger einen Zettel hingehalten habe, worauf die Worte und„Stück"?gesta»den hätten und D. habe auf das Wort„Woche gezeigt. Im Laufe der Verhandlung stellte die Dollmetscherin Frau Schenk fest, daß der Kläger die Bezeichnung„auf Woche überhaupt nicht v e r st e h e. Hierauf wurde der Käger mit folgender Begründung abgewiesen: Da D. den im Arbeiten leben üblichen Ausdruck„auf Woche" als Taubstummer nicht der standen habe, wie durch Frau Schenk festgestellt lvordcu sei, so � müsse angenommen werden, daß eine Lohn abrede überhaupt nicht zu stände gekommen sei. Es müsse deshalb auf den ortsüblichen Tagelohn zurückgegriffen werden, der in Berlin 2,79 M. betrage. Der Kläger habe 3 M. erhalten und könne deshalb nichts mehr verlangen. Verlassen der Arbeit. Der Ingenieur B. war rechtzeitig von seinem Chef, dem Techniker Nübel, zum 1. Januar gekündigt worden. Am 21. Dezember bat er Herrn Nübel, daß Bureau auf 2 bis 3 Stunden verlassen zu dürfen, damit er sich eine andre Stellung sichern könne. Der Chef wollte dies nur gestatten, wenn B. sich bereit er- kläre, das Versäumte nachzuholen. B. gab eine solche Erklärung nicht ab und entfernte sich dennoch. Als er nach einer halben Stunde wiederkam, wurde er entlassen. Inzwischen hatte aber Nübel schon einen Brief nach der Wohnung B.'s geschickt, worin er aus geführt hatte, B. werde entlassen, wenn er nicht sofort ins Bureau komme. Dieser Brief Ivar in einem Prozeß ausschlaggebend, den B. wegen unberechtigter vor- zeitiger Entlassung beim Ge Werbegericht anstrengte. Die Kammer VII verurteilte Nübel. dem Kläger für den Rest des Monats eine Entschädigung von 43 M. zu zahlen. Die Kammer nahm an, daß der Beklagte sich durch jenen Brief des Rechts, B. wegen un- erlaubten Verlassens der Arbeit sofort zu entlassen, beraubt habe. Er habe in dem Schreiben ausgedrückt, er wolle ihn entlassen. wenn er nicht gleich wieder komme; B. sei aber alsbald wieder erschienen. VsvlÄmnUungen. Der Verband des technischen Bühnenpersonals legte in der Sitzung vom 19. Februar seinen Mitgliedern das Ergebnis der statistiichen Umfrage vor. Nach den eingelaufenen Fragebogen sind in II Theatern 112 Tagesarbeitcr und 23 Aushilfskräfte vorhanden. Die Arbeitszeit schwankt zwischen 19—14 Stunden täglich. Die Löhne betrugen im Minimum 73 M. monatlicki und stiegen bis 139 M. Im Anschluß hieran besprach man einige Uebelstände in den Theatern und empfahl den Mitgliedern, recht fleißig für den Verband neue Mitglieder zu werben. Eine Versammlung der Möbeltransport- Arbeiter tagte am 13. d. M. im Englischen Garten. K a tz l e r referierte über „Wie stellen sich die Arbeiter genannter Branche zu einer Lohn bewegung im Frühjahr?" Redner schilderte die mißliche Lage der Arbeiter in den verschiedenen Betrieben und betonte, daß alle Vor teile, die vor zwei Jahren errungen wurden, verloren gegangen seien. Ein großer Teil der Arbeiter seien der Organisation untreu geworden, nachdem sie die Vorteile ausgenutzt hatten. Es müsse Pflicht eines jeden Kollegen sein, das Errungeue festzuhalten und dem Centralverband der Handels-, Transport- und Verkehrs- arbeiter, Bureau Bischosstraße 13, beizutreten. Erwähnt wurde ein Rundschreiben der Unternehmer an ihre Kunden, in welchem höhere Transportkosten angekündigt iverden. Demgegenüber wurde bemerkt. daß die Arbeiter von Lohnaufbesserungen nichts verspüren. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen dahingehend, mit Forde- rungeu an die Unternehmer heranzutreten. Diese Aufgabe wurde einer Kommission übertragen. Verband der Schuhmacher. Am 14. d. M. hatte der Verband seine Generalversammlung anberaumt. Herrmann erstattete zu- nächst den Bericht der Agitationskommission von Brandenburg und Vorpommern für das Jahr 1899. Aus dem Bericht ging hervor, daß die Agitation in der Provinz lebhafter betrieben wurde als in den voraufgegangenen Jahren. Es wurden 33 Versammlungen abgehalten und drei neue Zahlstellen gegründet. Auch die Beiträge für die Agitation erheblich sind seitens der gestiegen. Die Zahlstellen gegen die früheren Jahre licsamteinnahme betrug 1767,42 M., die Ausgabe 1729,37 M. Hier anschließend berichtete Hildebrandt über den Verlauf der am 11. Februar i» Berlin stattgefundenen Konferenz der Zahlstellen der Provinz Brandenburg. Vertreten waren 29 Delegierten. Aus den Berichten der Delegierten war zu entnehmen, daß in den Provinzialstädten die mechanische Fabrikation imnier mehr Platz greift und wöchentliche Löhne von 9—12 M. üblich sind. Es sei deshalb notwendig, daß alles versucht werde, um derartige schlechte Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu be- seitigen, da' sie eine stete Gefahr für die Berliner Verhältnisse bilden. Eine längere Diskussion schloß sich an diesen Berichten nicht an und wurden bei der nunmehr folgenden Neuwahl der Kommission Bogs, Herrmanu, Hildebrandt, Lankow und Olrich als Mitglieder gewählt. Nachdem noch einige Anträge zur Generalversammlung ihre Er- lediguug gefunden, geiangten einige vom Vorstand und den Ver- traucnsmäunern empfohlene Anträge einstimmig zur Annahme. Diese Anträge iverden in einem Flugblatt zur Kennmis der Mit- glieder gebracht werden. Die Posamentierc namen in ihrer Versammlung am 13. d. M. die Abrechnung vom Streik entgegen. Diese weist in Einnahme 8377,67 M. und in Ausgabe 8197,43 Dk. auf. Der lleberschuß wurde dem Textilarbeiter-Verbaud überwiesen und ein Autrag angenommen, flir den Reservefonds pro Woche 29 Pf. zu steuern. Sodann wurde eine Agitationskommissiou gewählt, die ans den Mitgliedern Brandt, Voigt, Bcrger, Graubaum und Stalinski besteht. Zum Delegierten für den Kongreß wurde Fritz Berger gewählt. Der Verein der Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäsche- branche hielt am 13. Februar seine regelmäßige Mitglieder- Ver- sammlung ab. Herr Rechtsanwalt Berg sprach über den Arbeits- vertrag nach dem neuen Recht. Redner erläuterte die wichtigsten Bestimmungen über Arbeitsverträge und Lohnverhältnisse und fand für seine interessanten Darlegungen reichen Beifall. In der darauf- folgenden regen Diskussion gab der Referent bereitwilligst auf die gestellten Fragen Auskunft. Der Beschluß des Vorstandes, in Weißeusee eine Zahlstelle zu errichte» und Pasewalk als Zahl- stellen-Kassierer einzusetzen, wurde von der Versammlung bestätigt. Am 3. März veranstaltet der Verein ein Vergnügen im Saale des Böhmischen Brauhauses. Billets sind bei allen Vertrauenspersonen, sowie im Arbeitsnachweis bei Hergt, Gollnowstraße, zu haben. Der Verein der Plätterinnen hörte in der Sitzung am 7. Februar einen Vortrag der Frau Emma Schulz über die Geschäftskoujunktur in der Wäschebranche. Dem Vortrag folgte eine rege Diskussion, der sich dann die Erledigung einiger interner An- gelegenheiten anschloß. Die Kistenmacher hielten am 12. d. M. eine General- Versammlung ab, in welcher zunächst Juckel den Geschäftsbericht vom'vorigen Jahr gab. Aus selbigem ging hervor, daß insgesamt 16 Versammlungen stattgefunden haben. Der Arbeitsnachweis wurde von 319 Mitgliedern und 45 NichtMitgliedern benutzt und 247 Stellen besetzt. Sodann legte der Kassierer die Abrechnung vom 4. Quartal 1899 vor. Danach betrug die Einnahme 383,88 M., die Ausgabe 262,33 M. Die Versanimlung erörterte dann die Arbeitslosen- Unterstützung und lehnte die Einführung dieses Uuterstützuiigszweiges ab. Der Beitrag wurde auf 39 Pf. pro Woche erhöht und soll dieser Beschluß am 1. Äpril in Kraft treten. Charlottcnburg. In der am 13. d. M. in der Gambrinus braucrei tagenden Textilarbeiter- Versammlung referierte Genosse Flemming in einem beifällig aufgenommenen Vortrage über die Gefahren der Arbeitslosigkeit. Bartsch sprach in der Diskussion im zustimmenden Sinne des Referats und. ermahnte zur regeren Agitation für den Verband. Zum Delegierten zur nächsten statt findenden Generalversammlung des Verbandes wurde Rosenkranz� Rummelsburg geivählt. Von einigen Rednern wurden noch etliche Mißstände in der Gebauerschcn Fabrik besprochen und dringende Abhilfe derselben erwünscht. Waidmaunslust. Am 11. Februar tagte hier eine gut besuchte Versammlung, in der Genosse L a n k o iv über Volksschule und Juukertuni in Preußen referierte. Eine Diskussion fand nicht statt. Der Vorsitzende machte die Anwesenden auf das„Arbeiterrecht" von Arthur Stadthagcn aufmerksam, indem er die Bedeutung des Werks für die arbeitenden Klassen hervorhob. Vom Kriegsschauplatz. Das gestern bereits gemeldete Vordringen der Engländer gegen K i m b e r l e h hat zum Ziele gefiihrt. Das Loudoner Kriegsamt veröffentlicht am Freitag folgendes, vom Feld Marschall Roberts an den Sekretär des Kriegsamts gc- richtetes Telegramm: Jacobsdal, 16. Februar, 2 Uhr morgens. French mit Artillerie, Kavallerie, berittener Infanterie in Kimbcrley eingetroffen. Das Kriegsamt fügt hinzu, eS fei bemerkenswert, daß obige Depesche aus Jacobsdal datiert sei, welcher Ort für die Bocren ein wichtiges VerproviantierungS-Ceutrum gewesen sei. Kimberley liegt unfern der westliche» Grenze des Oranje-Frei- staats auf euglischcm Gebiet uud ivar von den Boeren seit Monaten belagert uud eingeschlossen. Ob bedeutende Kämpfe nötig gewesen sind, um den Vormarsch auf Kimberley und das Einrücken in den bisher eingeschlossenen Platz zu ermöglichen, darüber liegen vor- läufig keine Meldungen vor. Deswegen, weil man über die näheren Vorgänge nichts weiß, wird man mit dem Urteil über diese Ver- änderung der Situation auf dem Kriegsschauplatz zurückhalten müssen. Keinesfalls haben die Engländer mehr erreicht, als auf jenem Teil des Kriegsschauplatzes die Situation wieder herzustellen, wie sie bei Ausbruch des Kriegs bestand. Jmnierhin erscheint die Lage als für die Boeren ernst; denn nachdem nicht nur Frcnchs Reiterei, sondern auch die Division Kclly-Kenuy von Thebus, sowie die 7. Division an den Riet gezogen worden sind, können Lord Roberts Streitkräfte wohl an 39 999 Mann betragen. Das vorläufige Aufgeben des mittleren Kriegs- chauplatzes seitens der Engländer ermöglicht den Boeren freilich, die hier entbehrlich gewordenen Truppen auf den westlichen Kriegs- Schauplatz zu werfen. Herr Leids über den Eintritt FrenchS in Kimberley. Aus Bjr ü s s e l wird uns von unserm Korrespondenten depeschiert: Herr Leids, der Gesandte der Transvaal-Republik anv B rüsseler Hofe, erklärt den Einmarsch des General French in Kimberley— ohne Widerstand seitens der Boeren zu finden— dahin, daß die Boeren damit nur eine K ri e g s l i st angewandt hätten. »» Auf dem mittlere» Kriegsschauplatz haben die Engländer den Vormarsch eingestellt. Einer Meldung des Daily Chronicle" aus Kapstadt vom 14. d. M. zufolge haben die englischen Truppen Rensburg geräumt und sich auf Arundel zurück- gezogen. � � A«S dem Boerenlager vor Ladysmith wird vom 13. d. M. gemeldet: Gestern hat General Botha mit einer kleinen Abteilung den Tugela überschritten, um die von den Engländern verlassene Stellung zu besichtigen. Botha stieß auf 49 LancierS, die wahrscheinlich zurückgeblieben waren, und kam mit ihnen ins Gefecht, wobei 13 Lancicrs getötet, verwundet uud 9 gefangen genommen wurden. Einer der letzteren wurde zu den Truppen entsendet, um dieselben aufzufordern, die Verwundeten abzuholen. Gestern bewegte sich eine starke eng- tische Abteilung auf Coleuso zu und lagerte sich in der Nähe des Boschkops; um Ladysmith �ist alles ruhig.� Ueber de« Krieg im Zululand östlich von der Südafrikanischen Republik, nördlich von Natal) wurde am Donnerstag im englischen Unterhaus gesprochen. Aerburgh fragt an, ob die Boeren in Zululand eingedrungen und Vorkehrungen getroffen worden seien, welche die Z u I u s in den Stand setzen, ch gegen einen solchen Angriff zu verteidigen. Chainberlain antwortet, er sei in Kenntnis gesetzt worden, daß in drei Fällen, von denen zwei sich kürzlich ereigneten, die Boeren ins Zulnland eingedrungen seien und in einem Distrikt den Bezirksvorsteher mit seineu Unterbeamten, sowie den Polizeibeamten gefangen genommen, während sie in einem andern Bezirk alle Läden geplündert hätten. Es wird auch berichtet, daß ein Boerenkönimando mit Kanonen im Zululand weiter vordringe. Diese Vorgänge hätten unter den Zulus große Bestürzung und Unruhe hervorgerufen, welche sich nrner die Eingebornen von Natal fort- pflanze. Derartige Streifzüge auf dem Gebiete der Eingebornen müßten in ganz Südafrika eniste Folgen haben. Die Minister von Natal hätten mitgeteilt, daß sie keine Verantwortlichkeit mehr für die feindliche Haltung der Zulus übcruchmen könnten und der Gouverneur der Kapkolouie Milner, der in seinen Berichten die Einfälle der Boeren ins Zululand aufs tiefste beklage, weise gleich- zeitig darauf hin. daß diese Einfälle dem stillschweigenden Ueber- cinkommen widersprechen, ivonach die Eiugebonien nicht in den Krieg hineingezogen werden sollen.„Ich kann hinzufügen." sagt Chamberlain,'„daß beschlossen worden ist. daß weini die Boeren absichtlich ins Gebiet der Eingebornen der Kaptokouien eindringen. die Eingebornen aufgefordert werde», sich selbst zu ver- tcidigen und hierbei auch von uns unterstützt werden."(Lauter Beifall.) Englische Rüstnilgen. London, 16. Februar. Die Abendblätter melden, in Ports- mouth sei heute Befehl gegeben worden, daß drei Reserve- Schlachtschiffe, drei Kreuzer und ein Torpedokauonenboot sofort Kohlen einnehmen sollten, sodaß sie zur Indienststellung bereit seien. Durch diesen Befehl wird die ganze in Portsmouth liegende Reserve- flotte sofort nach erhaltener Anweisung mobil machen kann. «* Französische Hilfe. Die„Estafette" will wissen, daß in Frankreich ein Corps von 2999 Freiwilligen zur Abreise nach Transvaal bereit sei. Die Einschiffung werde binnen kurzem erfolgen. Alle Freiwilligen seien gediente Soldaten; ihre Offiziere hätten sämtlich bereits im Feuer gestanden. Letzte Meldungen. London, 16. Februar. Ein RcuterscheS Telegramm aus Kapstadt von heute meldet, daß General French mit seiner Kavallerie in der Nacht zum 16. d. M. Kimberley entsetzt habe. Kapstadt, 13. Februar.nn,lu»g daS Thema zn erörtern:' Wie organisieren wir uns in Zukunft. Der Antrag wurde„ach kurzer Diskussion angenommen. Eine mäßig besuchte Versammlung der Stockarbeiter tagte Mittwoch bei Feuerstein. Der Vertrauensmam, Flucke referierte über „Unsre Taktik und das Vertrauensmännersystem". Der Vortrag wurde beifällig aufgenoimnei,. In der Diskussion sprachen Kaplan und Granl im Sinne des Referenten. Hierauf erstattete der zweite Kassierer den Kassenbericht über den Streikfonds vom 1. November 4899 bis 34. Januar 4900. Derselbe wies eine Einnahme von 335,70 M. und eine Ausgabe von 400 M. für die Wiener Stockarbeiter auf. Im Verschiedenen würde die Ueberswndenarbeit gerügt, ein Beschluß hierüber wurde nicht herbeigeführt. Damit hatte die Versammlung ihr Ende erreicht. Tie Miistkinstrumentcu-Arbeiter hielten am Mittwoch eine nur schwach besuchle Versaminlniig ab, in der K l e i n l e i n über die Eütwicklnng der Miistkinstrumcntcn-Jiidnstrie referierte. Alle An- zeichen deuten darauf hin, daß der Höhepunkt der Enttvicklung bereits überschritten und namentlich im Export ein Rückgang erfolge sei. In Berlin seien bereits vielfach Entlassungen von Arbeitern und Lohnherabsetzungen vorgenommen worden. Die Verlegung der Fabrikation in die Provinz bei äußerst niedrigen Lohnsätzen hat den Verdienst der � Berliner Mnsikiiistrunicnten-Arbeiter fortwährend geschädigt und die Arbeits- bedingnngcn innncr ungünstiger gcstaliet. Ilm diesen Uebelständei, einigermaßen Einhalt zn lhun, sollten die Klavierarbeiter bei der gegenwärtige» flauen Geschäftszeit anf eine Verkürzung der Arbeitszeit hinwirken. um der Arbeitslosigkeit vorzubeugen. sowie für Lohnarbeit und Beseitigung der Accordarbcit hinzuwirken. In der darauf folgenden sehr lebhaften Besprechung wurden die Angaben des Rcfercntei, von allen Ncd'ncrii bestäligt, seinen, Vorschlag ziigestimint, gleich- zeitig aber anch die große Interesselosigkeit unter den Musik- iiistrumentei,-Arbeitern getadelt. In einer cinstiimnig angenommenei, Ncsolntioi, wurde zum Anschluß an die Organisatioi, sowie zur Sammlung von Beiträgen für den Streikfonds aufgefordert. Ter Vertrauensmaml Arendt berichtet hieraus, daß im verflossenen Jahre 40 öffentliche Bersannnlungen iind 23 verschiedene Sitzungen stattgefnnden haben. Tie Gesamteinnahnie mit den, übcrnoinmeneu Bestand einschließlich fürdenMaifonds betr,ig834,60M. bei einer Ausgabe von 597,45 M., so daß ein Bestand von 237,45 M. verbleibt. Tic Baiianschlägcr nähme» am Dienstag die Abrechnung der Streikkon, Mission entgegen. Die Einnahme stellte sich auf 5467.84 M., der eine Ausgabe von 2856,60 M. gegenüber stand, sodaß 2344,24 M. als Bestand bleiben. Nach einer langen Debatte wurde beschlossen, von der nächsten Woche ab die alte» Arbeitsnachweise wieder in Kraft treten zu lassen. Außerdem wird der Obinain, F i„ k e jeden Dienstag- und Freitagabend von 6—8 Uhr bei Buske zur Entgegen- nähme von Beschwerden, Arbeitsverinittlung usw. anwesend sein. Von verschiedenen Seiten war betont worden, daß eS im Interesse des Gewerkcs liege, den Obmann ständig zur Stelle zu habein Die daraus cnlstehenden Kosten würden durch die glatte Erlefci- gnng von Differenzen, die jetzt nach den, Streik uin io häufiger als vorher seien, wieder aufgewogen werden. Anch würden die Erfolge bei Nichtaiistelliing eines ständigen Vcrtraucnsmanncs bald wieder verloren sein. Andere Redner bchanptcten, daß die Kosten viel zu große seien»nd daß die Bauanschläger selbst anf die Durchführung des angciiomnicncii Tarifs sehen»nißten. Auch der Vertrauensmam, kömie nicht die Mißbräuche unznverläsfiger Kollegen beseitigen. Dann wurde darauf hingewiesen, daß noch viele Streik- beitrage ausstehen und der neue Lohntarif im Besitz aller Unter- nchnicr sei. Der Obermeister der Innung habe ihn an sämtliche Unternehmer verschickt, sodaß es jeder wissen inüsse, was er seinen Arbeitern zu zahlen habe. Der Specialtarif werde auch in der nächsten Zeit fertiggestellt. Die Rabitzpubcr erklärten sich in einer Versammlung, die am Mittwoch tagte, gegen die Ausführung von Putzarbcitcn durch die Rabitzspailiic'r. Der Referent hatte darauf hingewiesen, daß es von de» Unternchmeni versucht werde, die Rabitzspaimer a»ch zn Putzern anSznbildeii, um gegebene» Falls bei Differenzen die Spanner als Arbeitswillige zu benutzen. Das laufe anf nickits weiter als eine Lohndrückerci hinaus. I» der Debatte war erklärt worden, daß gcringsügige, in das andre Fach gehörige Arbeiten wohl von beiden Berufsklasiei, vorgenommen werden dürften. Die anweseiide» Spanner stimmten' der Erklärung zu. Ferner wurde eine Resolution angenommen, in der die Versammlung erklärte, daß sie mit der vom Berliner Arbcitervertretcr- Verein an den Reichstag zur Ab- änderung der llnfallversichernngs- Gesetze gerichteten Petition ein- verstanden sei. Klein- Schönebeck— Fichtenau. Für beide Orte tagte am 44. d. M. eine Verfammlung. die sich mit den Wahlen zu», Gc- mcindcral beschäftigte. Das Referat hatte Genosse Sonnen b u r g übernommen, der in seinem Vortrag sehr eingehend die örtlichen Verhältniste kritisierte, besonders die Zustände im Armenhause zu Klein-Schvnebeck einer eingehenden Schildernng unterwarf. Die Versainnilmig entschied sich sodann für Anfstellnng eines Kandidaten und wurde hierzu der Töpfer D ü h l i n g bestimmt. Ripdorf. Eine gut besuchte Mitgliedcr-Versamnrlung hielt der socialdemokratische Verein„Vorwärts" am 43. Februar ab. Theodor Metzner hatte daS Referat übernonime» und sprach über: Sittlich- kcit in der heutigen Gesellschaft. Redner schilderte die sittlichen Zn- stände vom Beginn des Christentums bis in die gegenwärtige Zeit nnd gab am Schlnff'e seines Vortrages dem Gedanken Ausdruck, daß nur die Socialdemokratie berufen ist, menschenwürdige und damit sittliche Zustände zu schaffen.— Die Diskussion gestaltete sich zu einer lebhaften und nahmen an derselben die Genossen Nimmrich, Volkyiaini. Fischödcr nnd Thomas teil.— Unter Berciiisan gelegen- heitc» teilt der Vorsitzende mit, daß der Vorstand die Bibliothek einer Revision unterzogen hat und sich bei diesem Anlaß die Drucklegung eines' Katalogs als notwendig erwiesen hat. Ehe dieselbe jedoch vorgenommen wird, sei eine Vcr- größerung der Bibliothek geplant,' damit sich nicht gleich ein Nachtrag erforderlich mackit. Die Versammlung bewilligt 50 lvk. für diesen Zweck. Der Kassierer Müller gab bekannt, daß die Zahlstelle III sich nimmehr Rcnterftr. 54g, Restaiirnnt Zibcll, befindet. Es Ivird ferner mitgeteilt, daß in der letzten Volksversammlung ei» Portcmoimaie gcfüiidcii wurde nnd dieses beim Vertranciismann Pause in Empfang genommen werden kann.— Von Retzerai, wird beantragt. daß der Vorstand dcS Vereins„Vorwärts" sich mit den andern Vorständen der Wahl- nnd Bildungsvercine des Kreises in Verbindung setzen soll, bchnfs Gründling eines einzigci, Wahlvcreins für den Kreis Tcltow-BecSkoiv. Freireligiöse Geuieindc. Sonntag, bei, 18. Februar, vorn,. 8'/, Ubr, in, oberen Saal oeö„Englischen GartenS', Alexaiiderstratze 27c, Versaminlniig,„Freircligiiise Vorleiinig". Um 10% Uhr vormittags ebendaselbst: Herr Dr. Bnnio Wille:„Giordano Bruno". Feier zur ADjährigen Wicderkcbr seines Todestages.(Giordano Bruno wurde am 47. Februar 1600 in Rom alS Ketzer lebendig verbrannt.) Gäste, Damen und Herren sehr willkommen. Montag, den 19. Februar, abends 8 Uhr, zu Gunsten unsrcs Banfoilds lii Kellers grobem Festsaal, Koppenstr. 29:„Giordano Bruno- Eedenkfcicr". Festmunk, Prolog, Ansprache des Herrn Prof. Dr. Gchrle und lebende Bilder. Nach der Feier:„Geselliges Beisammensein». Hiinianislische Geiiieindc, Mohrcnstraszc 47, im oberen Saal des Brandenburger Hauses. Sonntag, den 48. Februar, vormittags 40>/z Uhr, Herr Dr. Rudolf Penzig über:„Giordano Bruno". Gäste, Damen und Herren, haben freie» Zutritt. Tcntsche Gesellschaft für ethische Kultur. Ableilmig Berlin. Sonnabend, den 47. Februar, abends 8>/4 Uhr, in, Vürgcrsaal dcS Rathauses: Monatsfitzung und Bortrag von Frau Adele Gerhard:„Die Konsum- genolsenschaflen ein Faktor der ökonomischen und ethischen Entwicklung". Diskuision. Centralvcrei» der im Zldrcffenwesc» und verwandten Branchen Beschäftigten. Sonnabend, den 47. Februar, abends 3 Uhr, bei Kenichcn, Wallstr. ö7, Versammlung. 'Achtung. Klempner Moabits: Sonntag, den 48. Februar, vor- mittags 40 Uhr, im Lokal des Herrn Pfarr, Putlitzstr. 10, Morgensprache. Ein Beitragsantiiiler ist anwesend. »ischlerverein. Heute, abends 5'/, Uhr, Melchiorflrafee 45: Vcr> sammlung. Vortrag des Hern, Markwald. Allgcm. Kranken- nnd Strrbekasse der Metallarbeiter(E. H. Hamburg), Filiale Berlin 3. Sonnabend, den 17. Febnar, abcndS K>/z Uhr, Mitgliederversammlung bei Bergen«, Rcichenlcrgerstr. 157. Allgcm. Kraute»-»nd Sterbekasse der Metallarbeiter.(E. H 20 Hamburg), Filiale Berlin 5. Sonnabend, den 17. Februar, abends 9 Uhr, Mitgliederversammlung bei Kopli», Lothringerstr. 08. Eentralvcrband der Glektroiiioutenre und Berufsgcuossen Deutschlands. Sektion Berlin II. Heute 8% Uhr Sitzung bei Immen- dorfer, Sophicnstr. 5. Rixdorf! Die Kutscher, Mitfahrer, HaiiSdiener nnd Packer haben an, Sonntag, den 18. Februar, nachmittags 4l/.> Uhr, im Lokal von Merci«, Stemmetzstr. 55, eine grobe östentliche Versammlung, in welcher Kollege Rein über«Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen" reseriert. Für i>c» Jxlialt dcv Inserate «ber»iiiii»t die Redaktion de», Piiblikiini gegeuiiber keinerlei AcrantNiorttiug. Tlzentev. Sonnabend, 17. Februar. tPerubanS. Kam. Hansel und tÄretel. Ankanjt"t1!* Ulir. TchauspielhauS. Jugend von heute. Nufang 7>/z Uhr. ldentschec-.«chluck und Jau. An- sang 7l/z Uhr. Lessing. Die drei Töckter deZ Herrn Dupont. Anfang 7i/a Uhr. Vcrliner. Harold. Anfang 7r/z Uhr. Neues. Nackte Kunst. Anfang 7-/z Uhr. Schiner. Fröschwciler. Anfang 8 Uhr. Kür sie». Die RegiinentStockster. Hierauf: Die schöne Galalhee. Anfang Tii Uhr. Thalin. Jm'Hiinnielhof. Ansang 7 Hz Uhr. Rcsidenj. Die Dame von Maxim. Ansang 7>/z Uhr. Luisen. Drei.Paar Schuhe. An- fang 8 Uhr. Central. Die kleine Excellenz. Ans. 7l/j Uhr. Carl Weift. Die Jagd nach dem Glück. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung: Rotkäppchen. Bclle-Zllliancc. Läuschen n. Rimels, Hanne Nütes Abschied, Onkel Brüftgs letztes Stündlein, Jochen Pasel. Ansang 8 Uhr. Bictoria. Berliner Bilder. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Willielnistädtisches. Allein in London. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Kiiidervorstellnug: Die Puppcnfec. Vietropol. Specialitätenvorstellnng. Die verkehrte Welt. Anfang 8 Uhr. Apollo. Specialitäten- Vorstellung. Im Reiche des Jndra. Anfarig 7>/z Uhr. Palast. Specialitäten- Borflellmig. Anfang 7V, Uhr. Neichshalle». Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Panoptitnin. Speciali- läten-Vorstellmig. Urania. Jnvalidenstr. i»7/f,S. Täglich abends von ö— 10 Uhr: Slermvarte. Tnnbcnstrafte 48/49. Abends 8 Uhr:«Von den Alpen zum Vesuv". Im Hörsaal: Professor Dr. Müller:„Naturgeschichte uiisrcr Kleidung." TchiMitckl . Sonnabend, abends 8 Uhr: er. Schauspiel in 4 Akte» von H. v. Wcntzel und Ferd. Runkel. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Da» Kbthchen von Hcilbroun. Abends 8 Uhr: Freuelvoll und leidvoll. Montag, abends 8 Uhr: Der zerbrochene Krug. Hierauf: Amphitryon. Thalia-Theater. Tal. AmtlVa 6440. Dresdenerstr. 72/73. Täglich: Riescnlacherfolg! In» Himmelhof. Thomas, Thielscher, Helmerding, Jllnkermanii, Paulmüller. Anfang 7l/z Uhr. Morgen und solgendc Tage: Im Hiiiiinrlhof. Erntvol Tlzvntez.' Direktion: losö sserencrx. vis Ii!hiiiö Excellenz. Operette in drei Akten von Richard Heiiberger. Ansang 7>/z Uhr: Morgen und folgende Tage: Die kleine Exccllenz. Sonntagnachmillag Z Uhr zu halben Prei'en: Der Xigennerbaron. Operette von Johann Slraust. CarlWelss-Tlieatei' ßlr. Fralikslirierstrafte llt». Nachm. 4 Uhr: Xincksr- Vorstolliing. Zloiltiippehe». Kleine Preist. Abends 8 Uhr: Wahlthätigleits-Vorstelliing. DieJagd nach«lein<>'iiick. Im Tunnel». 7 Uhr an Trellionrart. KliitsliDl-IIlliStlis Dehren«trn»»e Sä 57. Vollständig neues Februar- Speeinlitüten- Programm. Heiidlsy. issOejo. Les Arbras. Les Vinoentina. Allison-Tnippe. lidke Carlsen. Ilm 9 Uhr ao Miliiiten 1 Zum 50. Male: Die verkslirte Welt init der feenhaften Truppen-Revue. Anfang an Wochentagen um 8, an Sonn- und Festtagen Uhr abends. Urania Tniibcn»t.rn»ac 48/49. Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen zum Vesuv". Hörsaal: Prof. Dr. Hüller: �Hatnr geschichte unserer Kleidung". Iiivnlidcii»lr. 57/(tä: Tägl. Sternwjirte. Naclimiltaijs 5—10 Uhr. Passap-Panopticum." Geöffnet 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Neu! Die Neu! Katakomben der Rapuzinermönche zu Palermo. S™ CASTANS |panopticüm| I Neu! Ken: Kreut z Bin Riese der englischen Armee Sergeant Tb. Dalroy !8 m 30 cm hoch! Oberliayrisclie Sänger und Schuhplattler• Gesellschaft. 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Februar: Wejsen Prlvatfestlichkeit keine Yorstellnng. iptt llViitfiia«!. Saussonci Ko(tbn»er»tr. 4 a. Heute Sonnabend wegen Vereinsfestlichkeiten: Keine 8 o 1 r e e. Sonntag, den 18. Februar: Hoffinsiiiis NMtMe Unger Hoffmann als Präsident Krüger. Dienstag, 27. Februar: Graft. Fastnachts-BaU. 0lR'l5.R8 VU8vb. Heute, Sonnabend, den 17. Februar, äbendS 7>/z Uhr: High Uke Evenlng. Jubiläums Fest- Vorstellung. Zum 100. Male: Die Camorra. Zum 1, Mal; Ein hippolog. Karnevalszug. Signor Ricardo mit sein, wunderbar dreff. Hunden. DieMahveef-Akrobaten- Troupe. Original-Welt-Jockey-Akt. Fnr Bereine! Soillitag, de« 2-5. Februar, und Souunbcnd, deu 17. März, frei geworden. Festsäle Neues Klechhaus, Koulmandantenstr. 72. Jeden Sonntag: Grosser Ball. Kösl iiier Hof Knsllncrsitr. 8. gehe« Sölliltag: Vall. Trpntnw Restaurant llöpiDW Karpfenteich, Zllte Köpuirker Laudslrafte. Jeden Sonntag: 34ögL* Gvolzev Velll. ff Neuer Parkettboden."W assee in Portiousknnne». Lsttilii-Nerslliijtltlvtilie. 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Um zahlreiches Erscheinen, namentlich der Frauen, ersucht 1/+ l»lc VcrtrancHBpeenon. Verband der in Buchbindereien, der Papier- uud Leder-Galanterielvarett-Jndustrie beschäft. Arbeiter lind Arbeiterinnen Dentschlailds Zahlstelle Berlin. HlenstaK,«len Äv. k'ebeiiae,»benil» 8'/: Vbe, in Feuersteins oberem Taal, Alte Jakobstraste Nr. 7Z: Mitglieder-Versainmlitng. T a g« S- O r d n n» g: I. Bortrag des Ingenieurs Herrn>1.»»eempe. 2. Berbandsangelcgcnheitcn und Verschiedenes. Ilm zahlreiches Erscheinen ersucht Die OrtStierivaltnng. Blllet» n 75 PI.«ne Treptower Sternwarte sind in llllsrem Bureau, Auncnstr. 50, z» haben. Sonnabenil.«Ie,i S4. Itlllrx IV00: Feier des Xlll. Stiftungsfestes in Kellers Festsälen, Koppenstraße 29. Gr. Vokal-«. Jtiftrnnieutal-Konzert unter Mitwirkung des„B n c Ii b 1 n<1 e r•.11 fl n n e r c h o r s";c. Grosser Ball. Villi ts n 20 Pf. sind vom 31. d.?)I. ab iu allen Zahlstellen sowie in nnsrcui Bureau zu haben. llelitsvd. IVIstallai'beltei'-Vki'banll V«rwaItnn?««teUe Berlin. Sonntag, den 18. Februar, vorm. 10 Uhr: Versammlung der Maschlnenformer im Lokal des Herrn Dase, Brnnncnstr. IÖ4. T a g e s- O r d ii n n g: I ll/L Fortsetzung der Diskussion Uber: Wie ist es niöglich, für die Maschinen- sornier geregelte Arbeits- und Lohnuerhiltnissc zu schassen? Alljtung! AtlSINZVIISR'! Allllung! Achtung!\ ergfolder! Berbsilil her im BttMergtlmbe beschiistigten Arbeiter lilid Arbeiteriilileil Deutschlllnhs. Wale Berlin. Hontnx. den 19. Fcbrnar. abends 8 ITir, in den Armin Halle», Aommmldantenstr. Sv(groster«aal): Außerordentliche Mitglieder-Versammlttng.'WW TageS-Ordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über die Autrüge zur Geueräldersamm- lung. 2. Wahl der Delegierten zur Eeiieralvcrfauiinlung. 3. BcrsckiedcncS. Kollegen nud Kolleginnen, sorgt dafür, das; nicht ei» einziges Mitglied wegen der hochwichtigen Tagesordnung dieser Lcrssniulluiia fernbleibt. 72§/3 Der Vorstand. AM»««! PütZGPa Dienstag, den SV. Febrnar, abends 6 Uhr: (»rolle VerlÄnintlnitg der Putzer Berlins n»d der Vororte. in Kellers Aestsälen, Koppeustraste Nr. S8. Tages-Orbnuug: I. Welche Stellung haben wir in diesem Jahre bei unsrer Lohn- und Arbeitsbcwcgung cinznnehmt»? Resercnt: Kollege Pranx Selinlt-e. 2. Vortrag des Kollegen Vnx. DUhne über:„Tie neue Novelle zu den Uttfallvcrsichcrungs-Grsctzen." 131/5 I. A.: ssran- Schultz, Brunnenstr. 102. Gonntag, de» 18. Febrnar IVO«, vormittags 10 Uhr, im Lokal des Herr» Pfarr, Putlinstr. 10 Ein Beitragsammler ist anwesend Morgensprache. Dienstag, den 20. Fcbrnar, abends 8V3 Uhr: Berfammlimg fiir Rixdorf im Lokal des Herr» 11 e reler, Ttcinmetzstrasie 55. T a gc s- O r d n u n g: 1. Vortrag deS Kollegen Nachtigall über: In weichein Staat ist die wirtschaftliche Lage für die Metallarbeiter am günstigsten} 2. Diskussion. 3. Vcrbandsangclcgcnheitcn und Verschiedene?. Zahlreiches Erscheinen ist notwendig. Die Ortsrcrwaltang. AMng! Böttcher. Achtung! Sonntag, den 18. Februar, nachmittags Vh Uhr: Oeffentl. Böttctieryersanimliiiif für Berlin o. Um?. bei Herrn Vümann, Brunnenstrasie 188. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen B. PUrsch. 2. DiSkussion. 3. Ädahl des Vertrauensmannes»nd Gewerkschafts-Dclegierten. 4. Der Lohn und die Arbeitsverhältnisse in den Brauereien; eventuell nenc Lohnforderungen. b. Bericht deS GesellenauSschnsicS der Innungen. 0. Verschiedenes. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist cS notwendig, bah jeder Böttcher erscheint._ 39/3____ Der Vertrau eusma»n. Perm her Maschinisteil, Heizer». Berufgg. BerttnS v. ilrng. Tonntag. den 18. d. SN., nachmittags 5 Uhr� MU" Versammlung in Cohns Festsälc», Beuthstrasie Nr. Sv. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. 138,-1_ Der Vorstand. Nationale Krankenkasse der Deutsch. Gold- u. Silberarbeiter und verwandter Bernfsgeiiossc»(S. H.)»n Schw. Gmünd. Montag, den 10. Febrnar, abends präc. 8> z Nhr: Mitglieder-Versammlung (S 2» des Ztatnts) im groften Saal des Dresdener Garten, Dresdeucrstr. 15. Tages-Ordnnng: 1. Jahres- bczw. Rechcnschastsbericht nir das Jahr 1830. 2. Diskusiion. Wahl des Vorstandes. 4. Der Tuberkiilosekongrest und seine Konsequenzen. 5. Verschiedenes.— Das Kassenbuch legitimiert. Um recht zahlreiches wie pünktliches Erscheinen ersucht 24ZZb Der Vorstand. I. A.:£■ Holtkamp, Vorsitzender. Admiralstraste 181/. Verband der Möbelpolierer. Sonntag, den 18. Febrnar, vormitttagS 10 Uhr, im Lokal ,,Znr Köiiigsbnuk". Grobe Frankfurterstrane 117: Außerordentliche General- Uersammlnng. Ta g e S- O rd n n Ii g: 145/11 1. Unsre Stellungnahme zur Lohnbewegung der Tischler. 2. Diskussion. 3. BerfchiebeiieS. Montag, den 19. Februar, abcndS 8'/. Uhr, bei Wilke. Zlndreasstr. 26: IM' Dovfnmnrlung."WU TageS-Ordnung: 1. SituationSvcricht über die Lage der Lohnbewegung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Ausgabe der Billets zui» Maskenball. Der Vorstand. ___ ff. H ö s e r, Admiralstrahe 10. Afrein h. Frajikn n. Mcheil her ArbeiterkW. Hicruikt erfüll«! wir die tranrige Pflicht, aiiziizeigcii, daß uuicr Mitglied krau Lmms Xülme am 15. d. M. gestorben ist. Ehre ihrem'Andenken! Die Beerdigung findet am Soiuitag, den 18. d. M, nachm. Uhr, von der Halle de-.' städtischen Friedhofs in Friedrilbsfekde au? statt. Um rege Beteiligung bittet 55/3 Der Vorstand. Allen Kollegen zur Nachricht, dab mein lieber Mann, unser Bater. der Maurer 2434b IVinielm Itölke verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den Is. Febr., nachm. 2>/z Uhr, von der Leichenhalle des Eulmatis- Kirchhofs ans statt, vis ti-ausrnclo Witwe nebst Söhnen und Kollogen. Cemraiverblmd der Maurer Deutschlands. i'illale Berlin II. Den Mitgliedern zur'Nachricht, dag unser Kollege Kustav Hensel am 14. Februar nach langem Leiden im Alter von 41 Jahren verstorben ist.— Die Beerdigung findet am 18. d. M.. nachm. 3'\ Uhr, von der Leichenhalle des Johöiincs-ffirchhofs in PlStzenscc statt. Um rege Bc- leiliguug ersucht 130/13 Der Vorstand. ?llleii Freunden und Vckaiinleii hierdurch die traurige Nachricht, bah am Donnerstag, den 15., abends 71/2 Uhr, mein lieber Bruder, der Tischler Xsrl Danneberg, nach langen, schweren Leiden im Alter von 31 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag, nachmittags!>/« Ubr, von der Leichen- Halle des St. Georgen- Kirchhofs, Laiidöbcrgcr Allee, aus statt. Dies zeigt betrübt an s243Sb IVHb. Dannebers. Aihtunq!"WU MF" Achkung! iuuarliritkt MMoms u. Wg. Sonntag, 18. Februar, nachmittags Z Uhr, bei CrUtiomachcr, Stieder Tchoiihnuscii, Lindcnstr. 43: Große öffentliche Uersamminng der Bauarbeiter vo« Pankow«. Nmg. Tagesordniing: 1. Zweit und Ziele der Gewerkschasts-Organisation. Referent Kollege Grnit Gritsch(Berlin). 2. Diskussion. 3. Stclliingnahnie zum Bau de? Kollegen Engeling, Pankow. 4. Verschiedenes. Um rege Bctciligiiiig ersucht Der Elnbecnfer. NB. Die Berussgcnosien(Maurer, Ziinuierer) sind zu dieser Bersauml- lung frenndlickst eingeladen._--0,4 Achtung! Cementierer. Achtung! Sonntag, den 18. Februar, nachmittags 2 Uhr: AIAtKlKvÄVR'- �«K'SAIIKIRRKURIkS kt MWe IV des keiitralverbaildtg deutscher Maurer bei Sehlller, Rosenthalerstrasie 57. Tagcs-Ordnnng: 1. Jahresabrechnung. 2. Lohnfrage. 3. Verschiedenes. 57/2 Aufnahme neuer Mitglieder während und nach der Versammlung. Der Vcrtranensninnn. General-Versammlung der Vertreter für die Mitglieder der Orts-KrankLnkasse der Gelb- n. Zinngietzer am Sonntag, den 35. Febrnar er., vormittags 10 Ubr, im Lokal des Herrn Paster, Jnselstrahc 10, wozu die Vertreter der'Arbeitnehmer hiennit eingeladen sind. TageS-Ordnung: 1. Verlesung der Protokolle. 2. Vorlage und Abnahme dcrJahres- rcchnuiig pro 189!». Bericht des RechniingsansfchiisseS. 3. Decharge-Erteilung pro 1809. 4. Antrag des Rendailten um Er- höhlllig feines Gehalts. 5. Berschiedenes. Verl in, den 10. Februar 1900. 2437vs_ Der Vorsta nd W Sichtung! Elektrotechnik. Die jElektra'v Pri«ze»str.55, begiiiiit folgendc llLiiö /Idenllkiii'se: Abt. I für Elelltromonteure. 'Abt. Il siir Voi-gesotnrNtene. Abt. III für prallt. Ausbildung. Anmeldung schleiiiiigsl auch SonntagS. s3755L' j Man verlange Prospekte. Baustellen in Schoiiebcrg mit niäßlgcrAuzahlung, genehmigter Zeichnung und Baugcld. Adrcsien unter I!. 2 an die Expedition des„Vorwärts". L410b ptt Hrüfiter Jeder Handwerker sollte zur Arbeit die Lcdcrhose Herkules tragen 'Allein Verlauf. Sehr starke Ware in praktischen grauen 11. braunen Streifen. Hinten n. vorn am Bund aus einem Stück gearbeitet. Nictknöpfe 11. Kappnähte. Feste- Ledcr-Pilot-Tascheu, die Hose /bei Entiiahiue vonl M 0)5f 50 t 0 Stück 20 Mk.} �.'Iii. Eäit iiidigoblancs Jackett für Maschinistcii, Mantenre:c. IM. 90 Echt ittdigoblaiie Hose dito. IM. 50. Prima Manchester Hose 8,—, 5,50, 3.50 Gefüttert. 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Hetzel, Weinmeisterstr. 14. Ralm, Brniinciistr. 190. Bmnzlow, Neue ttöntgstr. 15. Mitscli, Barnimslr. 22. Krüger 4 Hohniann, Beuthstr. 4 Müller, Goniiallllstr. 6. Kallinlch, Gollnoivstr. 13. Neumann, Gr. Hambnrgerstraße 4 Krumbein. Felluerstr. 2 u. Stmcoll- straste 11. Fingerhut, Kouimaiidantciistr. 18. Jahn, Fischerstr. 20-27. Schuster, Sauer uild Martin, Doro- thcenstr. 25. Bei Rabn und Rninrlov haben die 'Maschinenarbeitcr die Arbeit mV niedergelegt �n-ns fernhalten. Bewilligt haben gcsicn: G e inu sc u Z Münzstr. 4. Hahn, Brunneupr. 183; Jahnle, Königsberizerslr. 8._ Veralltwortlicher Nedactcur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil vcraniwoWich: Dh. Glocke in Bcrsin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. st. 40. it. MtWg. 2. Keilage des„Wmiirts" Kerlilltt MlksdlM. SM«. 17. MM 1000. Gittern risrlze Nunvfihkru. Gustav Frcytag und Heinrich d. TrcitsSike im Briefwechsel. Leipzig. Verlag von S. Hirzel. 1300. 207 Seiten. Hätten Freytag und Treitschke noch selbst darüber befinden können, ob ihr Briefwechsel gedruckt werden solle, so hätte der vor- liegende Band schwerlich das Licht der Welt erblickt. Beide waren, was ihnen nur zum Verdienst angerechnet werden kann, entschiedene Gegner der, wie Trcitsche sich einmal ausdrückt,„knabenhaften Sammelwut, die sich heute so oft an dem Andenken wackerer Ber- storbener versündigt". Während sich aber Frcytag als behutsamer Bourgeois testamentarisch alle Veröffentlichungen ans seinem Nachlast verbeten hat, ist Treitschke unbekümmerter gewesen, und so sind aus seiner litterarische» Hinterlassenschaft in vier Jahren schon vier dicke Bände erschienen, die, um noch eins seiner Worte anzuziehen, nichts von jener„ernsten Pietät" verraten, die„streng das llnfcrtige von dem Dauernden scheidet". Sieht man von einigen Essays ab. wie namentlich die Abhandlung über Pufcndorf, die in den vergessenen Bänden einer Monatsschrift vergrabe» war, obgleich sie zu Trcitschkcs besten Arbeiten gehört, so ist mit den Posthumen Veröffentlichungen weder dem Andenken TreitschkeS noch der historischen Wissenschaft ein Dienst geleistet worden. Ob es notwendig oder nützlich war. den Briefwechsel zwischen Freytag und Treitschke herauszugeben, das hat der Herausgeber Alfred Tobe in seiner etwas preciösen Vorrede am lvenigstcn zu entscheiden vermocht. Es sind im ganzen 62 Briefe, die weitaus meisten davon freun ds chaftli ch-privater Natur, so datz sie weder ein neues Licht auf die öffentlichen Charaktere Frcytag und Treitschke werfen, noch anch neue Beiträge zur Zeitgeschichte enthalten. In dem letzten Briefe TreitschkeS vom 12. Februar 1834, worin er sich sehr pessimistisch über die Zustände im Deutschen Reich ansläht, findet sich sogar eine breite Lücke, die der Herausgeber mit Gedankenstrichen ausgefüllt hat. Es ist vielleicht aus sehr triftigen Gründen geschehen, denn in diesem Briefe vergleicht Treitschke den Zickzackkurs mit den Anfängen Friedrich Wilhelms IV., von denen er sagt, dast sie bei aller Thorheit doch mehr Geist, mehr Hoffnung und mehr guten Willen gezeigt hätten. Allein der Leser empfindet es peinlich, wenn ihm an der vernnitlich entscheidendsten Stelle des ganzen Bandes die Thür vor der Nase zugeschlagen wird. Müssen die spärlichen politischen Brocken des Briefwechsels noch kastriert werden, dann hätte es mit seiner Veröffentlichung wohl gute Weile gehabt. Am regsten war die Korrespondenz der beiden Freunde in den sechziger Jahren, und hier ist sie verhältnismästig auch noch am intcr- essantesten. Treitschke bekehrt sich stüher zu Bisniarck, als Frcytag, wobei er jedoch die bessere Figur macht. Er war ein ehrlicher und heißblütiger Fanatiker, aber kein Höfling und kein Streber; die lln- abhängigkeit seines Urteils hat er sich immer sorgsam gewahrt, und Bismarcks Angebot, im Jahre 1866 das preußische Heer der lilterarischcn Heerpanker ins Hauptquartier zu begleiten, hat er ebenso entschieden wie höflich abgelehnt. In dem etivas längeren Atem, den Freytags liberale Opposition zu haben schien, steckte viel malkontente Verbissenheit des BourgeoisphilistcrS, ein gutes Stück sächsisch-kobnrgisch-gothaische Hofintrigue, endlich auch eine pfiffige Spekulation auf den preußischen Kronprinzen; mit dem Augusten- burger hat Frcytag noch gekraint, als Treitschke mir' dem- selben längst fertig ivar. Die harten Urteile, die Freytag über die„militärische Unbrauchbarkeit" des Prinzen Friedrich slarl fällt und manches andre freimütigklingendc Wort sind doch nur sehr mit dem bekannten Körnlein Salzes zu verstehen. Frcytag besaß unter der Maske des gemütvollen Biedermanns ein gerütteltes Maß von Bonrgeoisverschlagcnhcit; als ein chaar Jahrzehnte darauf andre Winde wehten, bat er den Kronprinzen als Heerführer ebenso herab- gesetzt, wie er ihn in den Briefen an Treitschke über den Prinzen Friedrich Karl erhebt. Hinter die Coulissenjber damaligen liberalen Opposition fällt doch dieses oder jenes Streiflicht, lieber den Nationalvcrei» der Herren v. Bennigsen und Miqnel, der die Welt mit dem Ruhm seiner Thaten erfüllte und durch furchtbare Resolutionen sowohl Lassalle wie Bismarck in den Staub streckte, schreibt Treitschke am 13. November 1865:„Hat es je in einer großen Nation eine solche Mißgeburt gegeben? Der Verein geht grund- sätzlich darauf aus, immer neue, möglichst nichtssageudc For- weln zu finden,»im Leute, deren Meinungen himmelweit auseinander liegen, scheinbar unter einen Hut zu bringen. Ebenso grundsätzlich sucht er nach Programnie», deren absolute Undurchführbarkeit jedem Menschen mit flesunden Sinnen einleuchten muß. Ob wohl einer in dem Verein wirklich heute an die Rcichsvcrfassung glaubt? Und dies knabenhafte Treiben wird von einer ernsthaften Nation als hochwichtig angeschen, von den Regierungen als staatsgcsährlich ver- folgt!" Darauf antwortet Freytag:„Seien Sie gegen den National verein nicht zu strenge I Er ist eine Kleinkinderbewahranstalt für zuchtlose Demokratie, die allmählich an die Idee Preußens gcivöhnt werden soll und an ein parlamentarisches Selbstbeschränken. Es ist gleichgültig, ivas er gerade formuliert, jeder solcher Kompromiß hilft wieder auf einige Zeit die Mitglieder den Händen der Trebert, Eckardt usw. fernhalten." Diese' Urteile sind für den National verein so charakteristisch, wie für ihre Urheber. Während Treitschke dem Berein ehrlich absagt, um seiner gehäuften Thorhciten tvillc», hält ihn Frcytag noch für gut genug, den Philister einzuseifen und dadurch von der damaligen Deinokratie zurückzuschrecken. Ehrlicher war >Freytag, als er Treitlchkes bekannten Essay über das preußische Herrenhaus mit de» Worten begutachtete:„Dem Herrenhaus ist freilich nicht zu helfen, und jeder neue Pairschub macht das Uebcl nur ärger. Aber ich hoffe, wir werden seiner Zeit diesen Unsinn ruhig abschütteln, und die arnien Tröpfe, welche dadurch borniert und gemcinschädlich geworden sind, wieder in den Stand setzen, als nützliche Staatsbürger unter ihren Mastochsen und Aktien zu ge- deihen." Es ist nur der kleine Irrtum dabei, daß die„armen Tröpfe" durch ihren Eintritt ins Herrenhaus„borniert und gemein- schädlich" geworden sein sollen; so despektierlich möchten wir den Einfluß dieses hohen Hauses auf seine Mitglieder nicht einschätzen; weniger geschcidt, als sie unter ihre»„Mastochsen und Aktien" werden konnten, werden sie als preußische Pairs auch nicht ge- worden seiw In den siebziger Jahren schläft der Briefwechsel zwischen Freytag und Treitschke allmählich ein; nur noch gelegentliche Air- lasse, mit jahrelangen Zwischenpausen, halten ihn aufrecht. Am 23. Februar 1889 wünscht Treitschke die Teilnahme Freytags an einer Verwahrung litterarischer„Notabilitäten" gegen die„Narretei unsrer Sprachreiuiger", die„gemeinschädlich zu werden" drohe. Die Verwahrung soll dem Kultusminister Goßler und namentlich auch dem jungen Kaiser zeigen,„daß gerade die Männer, denen unsre Sprache vertraut und lieb ist, ihr altes stolzes Eroberungsrccht ihr nicht verkürzen wollen". Treitschke meint, die Schrift- steller selbst brauchten ja nichts zu fürchten,„aber für die Schulen besteht eine wirkliche Gefahr. Schon bringen die Schul- buben täglich neue Wortungetüme heim, die ihnen als Verdeutschungen für Revolution, Redaktion usw. eingebläut werden". Freytag ant- wartet umgehend, daß die Sprachreiniger sich ja oft lächerlich machten, aber er fügt hinzu:„Die tausend kleinen Pedanten des Sprach- Vereins, meist Schulmeister, helfen dazu, das Verbummeln der Tages- prcsse und der Beamtensprache zu bändigen... Ich selbst verdanke dieser Polizeiwirtschaft, daß ich aufmerksamer auf den deutschen AuS- druck und sparsamer im Gebrauch der Fremdwörter beim Schreiben geworden bin. Deshalb bin ich geneigt, ihre Abgeschmacktheiten mit guter Laune zu betrachten... Wenn die Racker aber für ihre Er- findmigen Staatshilfe fordern, so hört allerdings der Spaß auf, und ich bin gern bereit, eine Verwahrung dagegen zu unter- Anseinandersetzung scheint uns nicht übel sich für und gegen die Frcnidwörterjagd schreiben." In dieser herauszukommen, was sagen läßt. Fünf Jahre später folgt dann noch ein letzter Austausch von Briefen. Treitschke fragt am 12. Februar 1834 bei Frcytag an, ob sich der schlcsische Oberpräsidcnt Merckel bei der Wcbcrnot von 1844 so völlig thöriwt benommen habe, wie Zimmermann in seiner Ge- schichte der schlesislben Weberei behaupte, so daß er selbst einen damals von Freytag mirgcstifteten privaten Hilfsvcrein verboten hätte. Mit seiner akademischen Kollegialität, die Treitschke selbst oft genug ver- spottet hat, kennzeichnet er dabei Zimmermanns Buch als„eine jener schrecklichen Exccrptcn-Vandwürmer, welche dem geschwollenen Leibe der Schmollcrschen Schule von Zeit zu Zeit abgehen". In seiner Antivort schreibt Frcytag:„Dem ersten Beamten Schlesiens war es sehr gegen den Strich, daß ein Privatvcrcin zur Abhilfe der Not unter den Webern und Spinnem helle Klagen erhob und Nc- formen forderte. Indes das Landgeschrci hatte sich erhoben, der sühlende Menschcnsreund war durch die plötzliche Einsicht inZuständc, die greulich waren, empört, und die Gutsbesitzer der ganzen Unigegcnd von Langcnbielau und Petcrswaldan waren nicht weniger empört, ivcil die Mauseret von Kartoffeln und Rüben so sehr über das gewöhn- liche hohe Maß hinausging, daß nur wenig übrig blieb. Dem ver- mochte kein Gendarm zu ivchren, der Verein aber erwies sich bald als gemäßigt; er hatte die Klugheit, durch das Anwerben von hohen Generalen— Brandenburg— dem König Vertrauen zu geben, und obgleich diese militärische Verstärkung dein regierciideii Civil nicht wohl angcnehin war, so hatte sie doch die Wirkung, daß die kühle Temperatur des alten Obcrpräsidcntcn nicht wesentlich hinderte. Ivo der Verein in gutem Rechte war." Mit dieser anmutigen Schilde- rnng des BonrgcoissocialiSmns in vormärzlichcr Zeit, und nicht nur in ihr, schließt der Band. Karl E. Hacke nberg, Ter rote Becker. Ein deutsches Lebens- bild aus dem 13. Jahrhundert. Leipzig, Verlag von Julius Baedeker. 316 Seiten. Als Guido Weiß vor Jahr und Tag gestorben war, wollten seine alte» Freunde ihm ein biographisches Denkmal setzen durch eine Sanimlnng seiner besten Aufsätze, jedoch verweigerten die Hinter- blicbencn ihre gesetzlich notwendige Zustimmung, da die Enkel von Weiß, wenn sie zu ihren Jahren gekommen seien, seine Biographic zu schreiben gedächten. Wie gefährlich solch ehrenwerter Familiensinn der littcrarischen Produktion werden kann, zeigt Herr Hackcnberg, der sich als Schwiegersohn oder Stiefschiviegersohn seines Helden einführt. Sein Buch enthält einiges, nicht uninteressantes Material zur Zeitgeschichte, läßt aber die bescheidensten Ansprüche unbefriedigt, die an eine biographische Arbeit gestellt werden müssen. Der„rote Becker" hat ein ziemlich bewegtes Dasein geführt; imJahre 1848, ein Genosse vom Marx, im Kölner Kommimistenprozesie zu fünf Jahren Festung verurteilt, dann noch lange durch bnrcan kratische Chiknnc» der rheinischen Metropole fern gehalten, ist er schließlich deren gefeierter Oberbürgenneistcr geworden und als solcher im Jahre 1886 gestorben, von allen Patrioten schmerzlich betrauert. Eine derartige Karriere macht man nicht, ohne das Rückgrat des iuncru Menschen mehr als einmal gebrochen zu haben, und in den letzten Jahrzehnten hat es der„rote Becker" mit den: Byzantinismus mitunter etwas arg getrieben. Will man ihm gleichwohl gerecht werden, so muß man psychologisch untersuchen, wie der Anfang denn noch mit dem Ende innerlich zusammenhängt, eine Aufgabe, die nicht an sich, aber allerdings für Herrn Hackcnberg völlig unlösbar ist. Dieser brave Mann schreibt die Berliner Revolutio» von 1848 „den französischen Emissären, polnischen Aufwieglern und dem revolutionären Gesindel" zu. das„aus aller Welt in die Hochburg der Monarchie geströmt" sei und von der, durch Friedrich Wilhelm IV. geplanten, ruhigen Entwicklung nichts habe wissen wollen. Auf der Höhe dieser glorreichen GeschichtSanf- fasiung stehen die Kapitel. die Herr Hackcnberg der revolutionären Vergangenheit Beckers widmet, nur datz er sich bemüht, seinen specicllen Mohren nach Kräften weiß zu waschen, ihn namentlich weit weg von Marx zu rücken, de» Herr Hackcnberg nach der landes- üblichen Manier„maßloser Herrschsucht und selbstgefälliger Eitelkeit" anklagt. Es lohnt nicht, dabei zu verweilen. UnsrcS ErachtcnS ist Herrn Hackenbergs Bemühen, nachzuweisen, daß Becker in den Zievolutions- jähren keineswegs der entschlossene und tapfere Revolutionär gewesen sei, den man bisher für diese Zeit in ihm gesehen hatte, keineswegs mit Erfolg gekrönt worden, aber tväre dem anders, so ivärc eS anch noch so. Da Becker eS vorgezogen hat, später das schlechtere Teil zu erwählen, so ist die Spur von seine» Erdentagcn heute schon verwischt, obgleich Herr Hackcnberg im Motto des letzten Kapitels versichert, daß sie in Aeonen nicht untergehen werde. Bei- läufig ist jedes Kapitel mit einem Motto aus Goethes Faust ver- sehen, das zur Persönlichkeit Beckers paßt wie die Faust anfs Auge. Die ungemeine Kindlichkeit des ganzen Buchs überhebt uns der Mühe, mit seinen zahlreichen Schiefheiten und Ilnrichtigkeiten im einzelnen aufzuräumen; sein einziges Salz sind die gelegentliche» Selbstironieu des Verfassers, wie denn Herr Hackenberg das Kapitel, das Beckers Umwandlung in einen liberalen Bourgeoispolitiker schildert, die„Kanaille der materiellen Interessen" betitelt. Hätte er dies, gelegentlich von Becker gebrauchte Schlagwort, richtig in Beckers Sinn verstanden, so würde er seinem Helden ge- rechter geworden sein. In den Briefe» aus seiner Festungshaft ist Becker noch ganz ein Schüler von Marx, wie er auch in dieser Zeit noch von Lassalle als einem Gesinmmgsgenosscn pekuniäre Unter- stützung angenommen hat. Nur fehlte ihm die tiefere historische und politische Bildung—, und in der Einsamkeit seiner Festungszelle verschoben sich ihm die Dinge. Er verurteilte die Haltung der Bour- geoisic in der Marzrevolution ganz so und aus den gleichen Gründen. tvie Marx und Lassalle, aber nun sah er die feudale Gegenrevolution am Werke, und die revolutionären Aufgaben der Bourgeoisie drängten sich ihm auf. Er schreibt am 15. Februar 1857:„daß' dem Feudalismus gegenüber die Bourgeoisie selbst eine Stufe in der Demokratie ist. hat die Bourgeoisie gar nicht verstanden; sich selbst hat sie nicht einmal be- griffen.... Verleugnet nun die Bourgeoisie, wie Petrus, ihren Meister und Herrn, so sündigt sie gegen den Geist der Geschichte, als dem heiligen Geist; die einzige Sünde, welche nicht verziehen Ivird; und darum wird, wenn sie in dieser blödsinnige» Selbstsucht verharrt, die Geschichte auch über sie zur Tagesordnung gehen." Aber Becker fügt hinzu:„Ich glaube sagen zu können. daß es in Deutschland nicht Manchen gicbt, welcher der Bourgeoisie eine so hohe Bedeutung zuschreibt, wie ich", und bald darauf schreibt er:„So weit der Bohrwurm der Kanaille der materiellen Interessen dringt, so weit verwandelt sich das morsche Gerüst des Junkertunis." Von' dem beschränkten lind einseitigen Standpunkt seiner Fcstungs- zelle aus, wo er allen Jammer der feudal-polizeilichen Junker- Herrschaft täglich in tausend Nadelstichen spürt, wird ihm die durch die Bourgeoisie verkörperte Stufe der Demokratie immer bedeutungs- voller, und da er in seine theoretisch-wissenschaftliche Begabung die stärksten Zweifel setzt, auch„kaum etwas Kläglicheres und Aufreibenderes kennt, als jenes wohlfeile Märtyrertum der am Boden schleichenden moralischen Schlaffheit", so macht er sich mit dem Gedanken vertraut. zur Ueberwindung— der Gegenrevolution wirkliches Mitglied der Kanaille der materiellen Interessen zu werden. Es ist leicht einzu- sehen, wie sehr sich diese Disposition bei Becker steiaenl mußte, als er auch nach seiner Entlassung den nichtswürdigsten polizeilichen Verfolgungen ausgesetzt blieb,' während die Bourgeoisie in der be- ginnenden preußischen Konfliktszeit die„blödsinnige Selbstsucht" endlich abzuthun schien. Insoweit ging es mit Becker? Umwandlung in einen liberalen Bonrgcoispolitiker sehr menschlich zu, und ein geschickterer Biograph hätte aus Beckers Briefen und Manuskripten anch wohl ein menschlich aussehendes Bild entwerfen können. � Das Schlimme ivar nur, daß sich die„Kanaille der materiellen Interessen" nicht mit einer ironischen Verbeugung abspeisen ließ. Sie präsentierte pünktlich ihren Schein, zum erstenmal, als Becker in der schäbigen Hetze gegen Lassalle mit seiner„Rheinischen Zeitung" an der Spitze marschierte, dann wieder und wieder, bis Becker nach 1870 auch der liberalen Bourgeoisie in die Flanken fiel,; durch„Verleihung hoher Orden" ausgezeichnet, wiederholt im Berliner Schloß zur Tafel befohlen und sonst ein Trabant der Bismärckcrci wurde, wie fein Biograph mit vollen Backen ausposaunt. Herr Hackcnberg schließt salbungsvoll:„Jesus Christus, gestern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit", womit hoffentlich nicht gesagt sein soll, daß der„rote Becker" auf seine alten Tage anch noch zum Mucker geworden sei. » Neinhold Koser. König Friedrich der Große. Zweiter Band, erste Hälfte: Friedrich der Große im siebenjährigen Kriege. Stuttgart 1300, I. G. Cottasche Buchhandlung Nachf. 336 Seiten. Herr Koscr ist der Direktor der preußischen Staatsarchive und gebietet als solcher für seine Biographie Friedrichs II., über ein er- schöpfendes Aktenmatcrial. Er begann im Jahre 1886 mit einem kleinen Bande über Friedrich als Kronprinzen; dann folgte mit mehr- jährigen Pansen der erste Band in zwei Hälften, von denen die erste die beiden schlesischen Kriege, die zweite die Fricdcnszcit von 1746, bis 1756 behandelte. Die eben erschienene erste Hälfte des zweiten Bandes bringt mm den siebenjährigen Krieg. Sie verdient alles Lob sowohl wegen der klaren und Übersicht« lichen Zusammenfassung der meist sehr verwickelten diplomatischen� und kriegerischen Ereignisse, als anch wegen ihrer durchaus ehrlichen und nüchternen Darstellung. Wenn Herr Koscr sich in der ersten Partie seines umfangreichen Werks manchmal noch allzu befangen in der preußischen Legende zeigt, so haben wir in dem'vorlicgendc» Abschnitte davon kaum noch nennenswerte Spuren gefunden. Seine ganze historische Auffassung ist eine andre, als die unsre, aber das hindert natürlich nicht, sondern gebietet vielmehr, anzuerkennen, daß er von seinem Standpunkt aus den Dingen mit subjektiver Wahrhaftigkeit gerecht zu werden sucht, und eine Menge patriotischer Märchen, die sich noch bei Treitschke und Frcytag und ähnlichen Historikern findet, rücksichtslos über Bord geworfen hat, so den geweihten Hut und Degen, womit der Papst den östreichischen Fcld'marschall Daun für den Uebcrfall bei Hochkirch ausgezeichnet haben soll, so den Brief- Wechsel zwischen der Marquise Pompadour und der Kaiserin Maria! Theresia, so noch manches andre, was der alte Frcytag unter richtiger Spekulation auf den beschränkten Unterthancnvcrstand seiner Borussen! erfunden hat, um seine Feinde lächerlich zu machen. Man darf wohl sagen, daß mit Kosers Arbeit alle früheren Darstellungen des siebenjährigen Krieges, so viele eS ihrer geben mag, überholt worden sind. Es geht trotz alledem und alledem vorwärts, und die Tage der fridcricianischcn Legende, der noch Lassalle gelegentlich seinen Tribut gezahlt hat, sind unwiderruflich gezählt. Sie hat in den letzten Jahrzchnteii noch manche krampfhaften Anstrengungen gemacht, sich zu behaupten, sei eS in der Fassung Bcrnhardis, wonach Friedrich die napolconischc Strategie und Taktik vorweg genommen, sei eS in der Fassung Max Lehmanns, ivonach der preußische König den sieben- jährigen Krieg nicht oder nicht bloß in der Verteidigung begonnen/ sondem zugleich eine Eroberung Sachsens beabsichtigt habe. Krampfhaft waren diese Anstrengungen, weil sie im günstigsten Fall auS Friedrich nicht einen Helden, sondern einen rasenden oder auch ruchlosen Thoren gemacht hätte». Koscr läßt sich auf dergleichen phantastische Sprünge nicht ein; er schildert den siebenjährigen Krieg als das, was er gewesen ist. als einen Verthcidignngskampf um die Beif hanptung der schlesischen Eroberung, als einen Kabinetts- und' Söldncrkrieg. der ganz in den Formen der damaligen Kabinetts« und' Söldnerkriege geführt wurde. Er war weder ein nationaler noch' ei» religiöser Befreiungskampf; nichts lag dem preußischen König ferner, als die nationalen und religiösen Interessen, die ihm so oft; angedichtet worden sind. Ihm kam es allein auf die Erhaltung seiner Hausmacht an, und für diesen Zweck hat er zweifellos ein beträchtliches Maß von Seclcnstärkc aufzubieten gewußt, wobei man nur nicht vergessen darf, daß es anmutigere und für die gesittete Menschheit unendlich fruchtbarere Arten von menschlichem Helden-j tum giebt. Koser meint, der siebenjährige Krieg habe die Großmachtstelluna Preußens nicht geschaffen, aber wider alle Anfechtungen und Zweifel erhärtet und zur Anerkennung gebracht. ES sei die„erste nationale Kraftprobe" gewesen, und habe als solche fortgewirkt;„in dem Augenblick, da Deutschland sich entschloß, der preußischen Führun« zu folgen, sind die alten deutschen Ehren wieder allen Deutscheif nach gleichem Maß zu teil geworden." Dagegen läßt sich nicht viel! einwenden, wenn nian in dem heutigen preußischen Reiche deutscher Nation die gipfelnde Entwicklungsstufe eines großen Kulturvolkes erblickt. Wer diese Auffassung nicht teilt, wird den siebenjährigem Krieg inst anderen Augen ansehen. Es seien hier nur zwei Gesichts« punkte hervorgehoben. Zunächst hat der siebenjährige Krieg die deutsche Nation, die sich eben von den Greueln des dreißigjährigen Krieg» zu erholen begann, von neuem entsetzlich verheert, nach Friedrichs eigner Annahme sogar nicht weniger als der dreißigjährige Krieg; auch nach Koscrs eigner ehrlicher Darstellung ist die„erste'nationale Kraftprobe" eine völlige Ausblutung und Ausraubung der deutschen Nation gewesen. Es hat keinen Sin», zu fragen: Ja, sollte sich Friedrich nicht verteidige», wenn er angegriffen wurde? Die Frage wäre ohne weiteres durch die andre Frage abgetrumpft: Weshalb hat Friedrich durch die Eroberung Schlesiens den ganzen Tanz be- goimen? Mag man tvie immer zur boriissischen Hegemonie über Deutschland stehen, so ist daran kein Zweifel möglich, daß die deutsche Nation gleich die Anfänge dieser Hegemonie mit einem furchtbaren, bis auf den Tod erschöpfenden Aderlaß zu büßen gehabt hat, mit einem Aderlaß, der beiläufig auch erklärt, weshalb das deutsche Volk sich in dem Ncbolutionszeitalter mit einer so über- aus klüglicheu Rolle bescheiden mußte. Dann aber ist die borussische Hegemonie über Deutschland nicht zu haben gewesen ohne die russische Hegemonie über Europa. Im siebenjährigen Krieg konnte die russische Politik dem preußischen Könige mehr als einmal den Gnadenstoß geben, aber sie hat diesen Stoß' nicht geführt, weil die Erhaltung des prenßisch-östreichischen Dualismus ihren barbarischen EroberungStendenzen viel günstiger war, als die Zurückdrängung der preußischen Hausmacht auf die Grenzen eines ohnmächtigen Zwcrgdespotismus. Der siebenjährige Krieg hat dem asiatisch- barbarischen Zarentnm zuerst die Thore der europäischen Politik geöffnet, und Friedrich ist ans diesem Krieg nur als russischer Vasall' hervorgegangen, waS er selbst oft genug schmerzlich empfunden hat. Wären die Verdienste der bomssischen Hegenomie über Deutschland viel weniger fragwürdig als sie thatsächlich'sind. sie wären dennoch zu teuer erkauft worden durch die russische Hegemonie über Europa, die den europäischen Kulturvölkern ein Meer von Blut und Thränen gekostet hat und noch unendlich viel kosten wird, che sie für immer der historischen Ver» gangenheit angehört. F. Mehring. Prozeß v. Kriegsheim vnd Genoffe»». F ü ii f z e h n t e r T a g. i'_ Ruch®röffnint(i der Sttzimg durch Saildgerichtsdirektor Rii sle wird noch cin voin Rccht-Zmilvnlt S ch n e i d e r qcladeiier Zeiiszc vernomiiicii, von dessen Aussage die Vcnirtciliiiig Wiszniaiiiis wegen Untreue in dem einzigen vom Stnatsaiiwlill auittchterholteueg Fgll der Untreue abhängt. Wisjmaim soll einen Wechsel des ZLlsgeg, den er diskontieren sollte, nicht seinem Ruftrag entiprccheiid verwertet habe». Ta die vorgestern erfolgte Aussage dcS sZengen zu Uu gnnften Whinaims pirSgcfnffeii war. hrftt» AsechtSaum»U Schneid« die nochmalige Veruchniuiig des Zeugen siir iiotwendig er achtot, weil er nwnt», dach sin Pli�verftändtiis ob -r Die nochmalige Vorushmuiig d»S Zeugen fällt zu G u» jt e n des A n g e k l g g t e n W i ß»t an» a u s.' Der Zeng belinidet insbesondre, dah er mit Wjszniaini wiederhalt solche ßie schüft» gemacht habe und«s ihm gleich geivesc» war», Ivos Wihnraim »in dem Wachses geuinchl hätte, tue»» er nur sein Äeld hespiinite. Staatsamvalt Dr. H I eine eiliärt, dag er trotz dieser Zeugen- anchage jciiuut Anssührimgen nicht« hinzuzusetzen Hab». Es sei whr nnnallend. dag Wiguiau» mit seinem Eimbando, der trau vrheblicher und ciitschoidcnder Äedentmig sei, in letzter Stunde gewisse rtzmgeil vor Thaeeeach!»» tommc. Hierauf richtet der Borsitzende noch cininal eindringliche Worte an den Angeklagten v. Ltriegsheim um ihm uochmal einen Rat„in letzter Stunde" zu geben.„Sie sind— so henicrlt der Vorsitzende— meinem Er suchen, uns die volle Wahrheit zu sagen, nicht uachgekoimncn. Sie Wilsen, welche Strafe der Staatsanwalt gegen Sie beantragt hat, und das Gericht wird darüber zu befinden haben, wie iveit die von der Bcricidignng bszüglich der Straf a r t geltend gemachten Gründe zntrcsseii. Zu den leiteiideii Gesichlssmiiklen wird aber auch Ibr «erhalten gegeisiibxr den jungen Offizieren gehören und Sie werben sich selbst sagen miiiscn, dag die Sirafe für jemand, der Geld Kc sitzt und doch H'eiite in lnsirngeZschpr Absicht schädigt. höher ausfallt, als gegen jeniniid. her aich Not handelt. Nim bc- vaichtcn Sie, das; Sic bei der Gründung der Bank das Geld zur Einzahlung des Staminkatzirals gehabt haben. Sollte Jhncii dies neglnnbl werden, so würden Sie vielleicht dadurch von einigen Wochen .Gefüiiguis bcjycit bleiben, ans der apdcrn Seite kömiteii Sic vielleicht Monate i»id Jahre inchr erhalten, ivemi man erkennt, dag Sic als ehemaliger Offizier sich nicht gescheut haben, jmige ehemalige .V a II! o r a d e II an sz II b e I! t e II, obwohl Sic Geld besaßen I dies tonnte invglicherlvcise auch siir die Kragen von Eiiisluß sci». od Ihnen für eine andre, allerdings längere Zeit ziiVHcuTCßciibc straftönt mildernde Umstände zuzlldikligen sind. � will Sie keineswegs hiiicinlegcn oder auf eine besiiiniiilc Acnßcrnng leunagcln, aber ich möchte Ihnen doch raten: Suchen Sic nicht alles ain eine Karte zu setzen, spielen Sie nicht va hongne, der Verlust konnte für Sie imerinesilich sein!"— Der Angeklagte dlcibt dabei da,; er das Geld thatsnchlich eingezahlt habe, d'aß aber in dieselbe Ukit großere'Zahltnigen fielen, die er leisteii mußte.— NxchtSniiwalt Morris plädiert nochmals für Znbilligmig mildernder Umstände DaS Urteil. Tie Beratung des Gerichtshofs dauert Botsitzendo Lniidgcrichts-Direkior R ö S l e r sechs Stinibci?. Ter WWR---- verkündet das Urteil dahin: Ter Angeklagte v. K r i e g S h c i in ist s ch u l d i g d c S B c- t r ii g S in kl Fällen, der schweren und der einfachen U r k n n d e n f ä I s ch n n g, der U n t r e n c und des N ergehe n gegen das Gesetz betr. die G c s c n s ch ii f t e n in i t b e s ch r än k t e r Haftung und der Unterschlagung in je I Fall und wird Z" H Jahren GesättguiS unter Amechnimg von 1 s>ahx llnter- silchniigShast. Li)» M. Geldstrafe event. noch öb Tagen Gefängnis und S Jahren Ehrverlust verurteilt; der Angeklagte W i ß in n>i ii ist der llntreno in ei nein und dcS Betrugs in zwei Fällen schuldig und wird zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, diese Strafe aber siir verbüßt erachtet. r, Sliafinas; und zur Strafart äußert sich der Vorsitzend c dahin: Der Gerichtshof bar lange envoaen. ob v. Kricgsbcim ivegen des Verbrechens der schweren Urknndcnfälschiiila mildernde Umstände bewilligt werden sollr». Das Gericht hat nicht verkannt, daß das Ergebnis der Haiiptvcrhaiidlmig ihn in einem ganz besonders im- giilisiigcu Lichte hat erscheinen lassen. Er entstammt es» er an- gesehenen Familie und hatte allerdings las Unglück, seinen Bater sriih zn verlieren, und das zwcisclhaste Glück, dä-s Lieblingskind seiner Mutter zn fei». In seiner Erziehung mag daher wohl manches ver- fehlt worden sein; aber er war Ossizicr und ist in den Instituten, die er besuchte, in den Gnindsätzen der Ehrenhaft tg-keit erzogen irnrden. Er ist durch die allerdings selbst vorschuldeten mißlichen Berbälinisse, durch seinen leichlsümigen Lebenswandel in Schulden und dann auf die Bahn der strasbnrcn Handlungen gedrängt worden. Obwohl er das seiner Blnltcr aus dem Sterbebett gegebene Vor- sprechen, cin ordentlicher Mensch zu werden, pietätlos gebrachen und den ihm von seinem Vater hiiiterlnssene» anständigen Namen mit 3 ch in u tz und S ch in a ch b a d c cl t hat. hat der Gerichtshof doch erwogen, daß der Angeklagte, Ivoim er zur rechten Zeit abgeurteilt worden wäre, damals zweifellos«ildornde Umstände erhalten haben würde. Der Gerichtshof will den An- geklagte» nicht darunter leiden lassen, daß seine Bergehiingen erst nach einer Neihe van Jahren abgeurteilt werden, und hat ihm des- halb mildernde Umstände bewilligt. v. K r i e g s h e i m erklärt sich über die event. Einlegung eines AcchtsmitlelS nicht, RechiSamvalt Schneider erklärt namens des Nngctlagten W i ß m a n n, daß dieser gegen das Urteil Stcvision einlege. Die Berhandlmig ist hiermit beendet. Die Sitzung wird ge- schlössen. Mommunnlos. Ruö der Magistratsfitzung vom Freitag. In der gestrigen Magistratssitzilng. welche infolge der Erkrankung des Obcrbürger- meisterS Kirschner unter Borsitz des Stadtrats Haack stattfand, lag dem Kollegium eine Petition von einigen dreißig Bau-Asfisteiitcn der Hochbau- und Tiesban-Vcrtvaltnng, sowie der städtischen Fcner- svcictnt vor, in welcher die Bitte nnsgesprochcn tvird, der Magistrat »volle Vortrage über Elektrotechnik, wie solche von dem Direktor der ersten städtischen Hnndiverkerschtile, Professor Dr. Szymonski vielfach vor staatlichen nnd städtischen Beamten gchnltcn wurden, einrichten lassen. TaS Magistratskvllegimn hat beschlossen, tem Antrage nachzugeben und die erforderlichen Mittel zu bc- lvilligen. Mit dem Neubmi der 74779. Gemeindeschule in der L Ii chenersi raste soll durch Beschluß des Magistratskolleginms die Er- richtung eines neuen Standesamts vcrbniiden werden. Der Standes- amtS-Bezirk lv IZ zählt jetzt bereits 109 790 Einwohner und werden dvrt jährlich ca. 8590 Standesamts- Alte vollzogen. Es soll daher dieser StandeSainis- Bezirk geteilt werden in einen westlichen und östlichen Teil, welche alsdaim 51 299 und 49 599 Einwohner zählen ivcrden. Infolge der Petition zahlreicher Bewohner dcS Hallcschen Thor- hezirks, dort cin Gymnasinm zn orrickiten, hat daS Magistratskollegimn beschlossen, die Prüfimg dieser Frage einer MagistratZkommission zn überweisen. Derselben Kommission ist auch die Petition betreffend die Errichtung einer höheren Mädchen- schule im Norden B e r l i n S zur Vorprüfung überwiesen worden. ginn Direktor der 13. Realschule hat das MagistratSkolleginm den Oberlehrer Professor Dr. Wolter an der 1. Realschule ge- wählt.— Der Kaiser hat nunmehr zu der von den städtischen Behörden beabsichtigten Festsetzung von Fluchtlinien für eine in der Ab- tcilung vn des Bebauungsplanes(Moabit) in der Verlängerung der W i Is n a ek e rst r a tz e zwischen der Straße Alt-Moabit und dem Hekgoländer Ufer anzulegenden neue» Tteptze 15» die Ge- iiehmigung erteilt. Der Verein der Berliner Ginutcigfiitümer ,. Südost" streht die Herucllnng einer Dampfer- Anlegestelle am linken Spree- II sc r nn Zuge der P f u e l st r a ß e an und hat zu diesem Zweck die Mit- Wirkung der zuständigen Behörden angerufen. UoltAlos. Die Berliner Lösiakkvmültsfion besteht ans folgenden Ritgliedckti: I. Wahlkreis: II. W a h I k r e i s: III. Wahlkreis: IV. Wahlkreis: (Südost.) (siir Treptow.) IV. Wahlkreis: (Cst.I V. Wahlkreis: VI. Wahlkreis: W. M a ii a s s e. Neue Grüiistr. 15. F. Lucht, Hasenheide 51, Qnvrgeb. IV. Albert Faller. Goltzsir. llit. Schömcherg. W. M e>v S, Grüfesir. 6, 2. H. l. Ausg., I. W i l h e l m H i ii z. Prnizenstr. 9g, v. IV. E in i s R o sin. Reichenbergersir. Äl. v. IV. (Z.-O.) K a r l S ch alz. Wrangelftr. 119. part. R. Sasse, Päckleisir. 49, vor» I bei Kühn. RichardHackelbitsch, Envrbstr. 19, Sei teuft. II. tOst.i O. B l ii in e, Gubenerslr. 9, part. O. Gallo, Koppenstr. 8, vorn II. Wishelm Spät, Weinstr. 23. part. G n st n v B n s s e, SophieNstr. 28/29, Karl Fischer. Benfselstr. 9(für Moabit) I. Kaiser, Fleiisbiirgepstr. 29, parterre. (für O r a n i e ii b u r g e r L o r st a d t u n d W e d d i n g). W. G a tz m a n n, Grünthalerstr. S3,(für die Rose ii thaler Vorstadt und Ge- s u ii d h r u n n e n). O. Ritzma iin, Wörtherstr. tt, Seitenfl. III. (für hie S ch ö n h a u s e r V o r st a d t). Alle Anfragen sotvie Briesseiidiingen sind an de« Obmann K a r I Scholz, Wrangelstr. 1l9, part., zn senden. Der NeichStag im Wintergarten. Dankbarkeit ist auch im Speeialitätentheater eine schöne Tugend. Höchst wirkungsvoll barte»! etliche ReichSbokeii bei Beratung der lex H e t ii z e nenlich iii Ermangelung eines satzbarereii Objekts der zehnteii Minse eine Seene gemacht. Dajiu Zeigten sich die Tipeltpren Dorn imd Barop erkenntlich. Sie sandten jedem Abgeordneten ohne Nefpektieriing der FraktionSzugehörigkeit zwei Eintriitskarten sowie ein höfliches Schreiben zu. das in bescheidener Fassung die Bitte enthielt, sich durch Jnangeiischeinnahme einer«orstelllnig persönlich davon zu überzeugen,' wie folgsam sich auch das Brettl i» den ossiziollen Geschmack des Mihbachschni Zeitalters hineinfüge. Einzelne Rcichsboten ließe» die Billeis cinsach liegen. Stuß, sagten sie, lucim's feine Separatvovftellung ist! Mit dem ein- ächcn Wintergarten konnten ivir doch am Montag selbst de» Novizen des Bundestags nicht mehr imponieren. Wollten einige nnsrer not- leidenden Brüder doch gar den Schlnsteffekt der Aniorsäls in der ccaiiteil Heimat viel begneiner und vor allem viel billiger genießen können. Die Rcichsboten. die so dachicn nnd danach handelien,»varen in der Minderzahl. Allerdings, vom Eentrnin wußte ma» ansangS auch m diesem Falle nicht, wie es sich stellen tverde. Im allgemeinen aber wurde das frcnndliche Anerbieten der Direktion als Gelegenheit angesehen, auch der Familie einmal etwas zukommen zu lassen: und als Resultat zeigte sich Donnerstagabend, datz die anSgedchntc Terrasse, die für den Reichstag reserviert gehalten wurde, nicht allein von ernsten Männern, sondern auch von holden Franc» und Jung- fronen bis ans den letzten Platz besetzt»var. Es ist eine triste, hausbackene Wahrheit: Was im allgemeinen heute i» nnsem vornebineu Spccialitütcn-Theatcrn geboten ivird, kann auch die keusche Ophelia höre» und sehen, ohne ihre Tilgend im geringsten zn ramponieren. Tu lieber Himmel, gewiß wird hier niid'da einmal cin leicht gepfeffertes Eonplet vorgetragen. Aber dieser tzautgont ist rassiniertcs Pariscrisch, und das liegt anch der höheren Tochtcr-Bildung zn hoch. Außer solchen Versuchen mit nntanglichen Mitteln am meist nnianglicheii Objekt giebt jeS ei» bißche»» cnglichcs Gcgnieke in Kostümen. die auf einem aristokratischen Maskenball gelpiß wegen hrer Deeenz belächelt würden, Trapez- nnd Vcrrciilungskünstler in mannigsachen Variationen, einen Taschenspieler, der»vegen seiner Fähigkeit, Fmismarfstiickc aus der Lust zu greisen, von Reichs Ivegen zur Dccknng der Flotteukosten konfisciert werden sollte, und am Schluß den Biographen mit ganz neuen Bilder» von geradezu nbcrauellcndcm Patriotis,«»> s. Schon längst tvnren die Rcicheboien in gelindes Gähnen ver- falle». Teilwetse Ivnrdc die Mlinterkeit durch robustes Schelten ans die in der That teuren Bicrprcise in Gang gehalten: bei naiveren Gemütern Ausdrücke ehrlicher Verlegenheit darüber, daß sich ans einer derart in Verruf gebrachten Bühne eine so bedeulliche Fleisch- o t kundgab. An, besten, so hieß es. habe sich das C e n t r n in wieder von einem Jiisiinlt leiten lassen, nachdem bekannt geworden»vgr. daß hier die Partejhänptcr nacb langem hin und her ihre Getreuen durch das Anshilssmiilcl einer F r a l t i o n s s i tz n ii g vor einer zn Eni- täiischnngc» führenden Bclamitschast mit dem Eatan bewahrt halten. Die ivcuigcii Eciitrilnismitglicdcr, die der Neugierde ihres weiblichen Anhangs zuliebe das Gebot der Oberen übertreten hatten, stimmten «nfzend der Belobigung ihrer Fraktion bei. Allmählich leerte sich die Terrasse, deren Physiognomik übrigens, ivie ausdrücklich bemerkt sei, von der der übrigen Plätze kaum merkbar abstach. lieber die Bciirtcilnng des Wintergarlens war man sich in allen Fraktion«! einig: „Und f ii c den F e e z haben wir solchcRcklame c m a ch t!"_ Vom Gcwcrkschastshans. Die Gesellschaft m. b. H. GelverkschaftShanS hielt am Mittwoch ihre zweite ordentlich« Gencralversaininlniig ab. Sassen- dach erstattete als Gcschäftssiihr:r den Jahresbericht. Die Bilanz wurde ans Antrag dcS AnssißtScats einstimiiiig genehmigt. Aus den AnSsühningcii von S issmvach ist erwähnenswert, daß der Bau ivcit gefördert i't, daß die Erüflnimg sicher am 1. April erfolgen kann. Auf die E ile ii.id Bcstellimgen bereits für die Ostcrfeicrtagc angciioiiimen, ja»s sind Bestellungen schon bis zmi, Oktober 1991 ciiijzcgaiigen. Dagegen läßt die B e r m i e t n n g noch zu wünschen übrig. Wenn anch bei weitem die Mehrzahl der Räume bereits bennietet lud.' so ist doch noch eine ganze Anzahl giitgclcgciicr Ranme zn besetzen. ES wurde anch darauf anfmcrksmi» gemacht, daß zmiächst e i i, großer Saal so eingerichtet werden soll, daß eine ganze Anzahl von kleineren Gewerkschaften dort ihre Arbeitsnachweise aiiftchlagen kömieii. Der Preis für den Platz soll inkl. Ncinignng, Beleuchtung und Heizung 19 M. pro Monat betragen. Der in das Auge springende Vorteil für die Rrbeitsnchcnden besteht darin, daß sie nicht mehr unter dem Druck stehen, etwas zn verzehren, wie bei den Arbeitsnachweisen, die in Wirtschaften ihren � Sitz haben. Sasseiibcich hob hervor, daß die Gewerkschaften, die noch der Ge- scllsck'ast beitreten»vollen. sich m ö g l i ch st umgehend melden sollen, damit sie mit den bereits gemeldeten gemein- schastlich zur Eintragung in das Handelsregister gebracht werden köniteii. In den Anfsichtsrat»verde» die bisherigen Mitglieder P e tz o l d und A r o n s»vicdergcivählt. Au Stelle von Busse, dem die Leitung der Herberge übertragen ist und der als Angestellter der Gesellschaft nicht»nieder»vählbar ist, fiel die Wahl auf S i l l i« r. Zum Schluß forderte der Geschäftsführer M i l l a r g zur B e- » i ch t i g n n g des Gebäudes auf. Am geeignetsten, besonders für Grnppeiibesuch«, ist der S o n n t a g v ö rm i t t a g. Meldungen nimmt der Geschäftsführer Hagen. Muskanerstr. 14, entgegen. Berlin im Schnee. Ein Schneetreiben, wie es seit Jahren nicht dagewesen, hat am Freitag die Reichshauptstadt heimgesucht. Von der zehnten Stiindc g» wirbelten die Ffpefen dicht vom Hiimnel hernieder, und cin heftiger Sturm fegte de» Schnee in den Straßen bald zn dichten Hansen ziisamiiie». Selbstverständlich versagte anch in diesem Fall per S tr a ß e n b a h n v c r k c h r der Großen Berliner voll- ilchchig. Die Slörurrg«» pmrcii sogar noch weit ausgedehnter und fokgciischwcrcr als diejenigen im Dezember. Nachdem es am Vor- mittag bereits gehapert hatte, versagten nachmittags die �l c c n ii; n l g t o r c ii last völlig den Dienst. Gegen 3 Ichr lammcftcn sich lagge Wogenbnrgcn vom Potsdamer Platz ans die Leipzigcrstratze entlang an. Bald'daranf blieben zwei Accinmikatoreii- ivagen in der Friedrjchstraße an der Kochstraß? stecken nnd eins endlose Reihe verschiedener Straßenbahnwagen veihteu sich dio Koch- und die Chmllotteustraß« entlang bis zum Geicharmen- martt an. Ilm 474 nmode der Verkehr von der Polsdamerstraße a»!S »ach der Lsipzigezstraße eingestellt und zu derselbe» Zeii reihte sich euie Wagenburg, bestehend aus 32 Accumnlatoramvaggons, vom Spittelmarkt ans durch die Leipziger- und die Jerusaksmerstraß« bis zur Zimmersiratze aus. Um diese Zejt war jeder cleüristhe und Psei-dcbahiwxeiehr im Innern der Stadt für mehr als ciue halpe Stunde imicrbrochen. Ilm 4 Uhr wurde dann Ordre gegeben, daß der Accnimilatoren- betrieb durch die Leipziger-, Charlotten-, Jeriisalemek- und Ist» den- straße völlig einzustellen sci. Die für diesen Be- trieb in Frage koiimienden Linien wurden einerseits bis zn»! SpiitelmaNt, andrerseits bis zum Belle-Alliance-Platz refp. Potsdamer Thor geführt. Gegen Vrö Uhr konnte dann der Pferde- bahiibclrieb durch die Leipzigerstraße in der Richtung nach� dem Leipzigcrplatz wieder anfgenoiiinien werden,»>» entgegengesetzter Richtung blieb jedoch der Betncb bis gegen 6 Uhr gesperrt._ Die Schuld an diese» standalösen Vorkommnisse,» trägt auch diesmal»nieder zweifellos die Betriebsleitung. Die Pscrdebahnwagen fuhren zum größten Test bis gegen 1 Uhr ohne Borspcui»», Da die ermatteten Tiere sich vielfach nicht mehr vorwärts zn schleppe'' ver»noKte>!, mußten zahlreiche Wage» auf offener Straße ausgesetzt werde». Auch die Salz st r c n»» a s ch i n e n sind wiedknnn nicht in Thätig- teil getreten, ivenigstenS versicherten zahlreiche Schassiter nnd Wagen- führe r. daß sie die Salzwagen nicht gesehen hätjcn. Thcstsächlich war auch keine Spur aus den Geleisen von dem Schneeschmctzmiltel zn erblicken. Auch die Charlottenburger Stratzcnbahn-Gcscllichgst hatte außer- ordentlich unter dem Schneefall Zu leiden. Der einzige Betrieb, der glatt aufrech� erhalten werden konnte', gehörte der Straßenbahn Siemen?». Halste. Diese hat freilich eine zweite Maschine einsetzen müssen, da die von einer einzigen erzeugte Kraft(399 Volts) nicht ausreichte. Dies hat allerdings einen Kostenaufwand verursacht.. der die Eni- nahmen weit übersteigt: dafür hat aber die Bahn die Genug- t h u u» g der großen Leistungsfähigkeit. Besondere Vorkehrungen sah mau nachmittags auch bei der neuen O m n i b ii s- G e s e l l s ch a s t, die etwa die Hälfte Wagen aussetzte, die einspäiiiiigenzweispäimigiinddiozweispännigcn dreispännig fahren ließ. Die Allgemeine Onniibns-Gescllschaft setzte dagegen den siir die Pferde nicht zn bewältigenden Betrieb fort, mutzte sich dafür aber gefallen lasten. daß Mitglieder des Tierschutz- vcreinö mit polizeilicher Hilfe F a h r g ä st e zum A u s st e» g e n zwange n und die ermatteten Gespanne nach den Wagciiplätzen heimfahren ließen. Auch die D r o s ch k e»- F u h r h c r r e n zogen eine große Anzahl Wagen ein,»m zweispännig wieder am der traße zn erscheinen. Der Eisenbahnverkehr fungierte un ganzen ohne er- hcbliche Verspätung. Rur der aus Hannover früh eintreffende v-Zng hatte eine solche von 79 Minuten. Zahlreiche Unfälle dnrcb die Glätte werden gemeldet. Ten rechten Oberschenkel brach vor seinem Hause aus dem Bürger- steige der 70jährig- Arbeiter Karl G. ans der Sprcestraße zn Charlottenbnrg. I» der Fricdrichflratze erlitten zwei Personen durch Sturz aus dein glatten Pflaster Arm- und Beinbrüche. Alle Ver- nnglücktcn fanden in der nächsten lliifallstalion die erste Hilfe. Der deutsche Kaiser und die deutsche Kunst. Ueber das chicksal des S ch i l l e r p r o i f e s, der am 19. November v. I. wieder»ach Ablauf von drei Jahren fällig gewesen wäre, hatte bisher nichts verlautet. Wie mm daö„Litt. Echo" mitzutesten tueiß. hat die im November in Berlin versammelt gewesene Kommission teiluug und wird dafür im Jahre 1002 in doppelter Hohe— 9990 M.— vergebe» werde», vorausgesetzt. daß sich dann ein deutscher Dichter findet. Vor drei Jahren war bekanntlich Fulda mit seinem„Talisman" in derselben Lage, lvie heute Gerhart Hauptmann. DaS ärztliche Züuftlcrtum. Uns wird geschrieben: Der GcschäftöaiiZsckinß der ärztlichen S t a n d e s v e r e i n e wandte sich im vorigen Jahre an das Polizeipräsidium mit einer Beschwerde darüber, daß im Aerzteverzeichnis der Krankenkasse des H i l s s v e r c i n S für>v e i b l i ch c A n g e st e l l t e drei im Aus- lande approbierte weibliche Aerzte verzeichnet seien. Jetzt geht der GeschästSansfchntz abermals gegen die Bcschästignng weiblicher Aerzte bei dieser freien HilfSkaffe vor. Er faßte den Beschluß,„das Polizei- präsidiimi, als Aufsichtsbehörde der freien eingeschriebenen Hilfskassen. daraus aufmerksam zn machen, datz trotz der laut Mitteilung an den GcschäflsauSschnß vom 1. September 1899 erfolgten Anlveisnng an den Vorstand der Krankenkasse des Hilfsvereins für weibliche Angestellte iEingefchriebcne Hilfskasse Nr. 195) zu Berlin, die im Aerzteverzeichnis der Kasse initaiifaeführten drei Damen zu streichen. das Aerzteverzeichnis der Mitgliedskarten des Vereins für das I Quartal 1999 die Namen der drei Damen enthält."— Dieser, der „Voss. Ztg." entnommenen Nachricht ist erklärend hinzuzufügen, datz die Krankenkasse de? Hilfsvcrciiis gegen die Anweisung des Polizei- präsidinins vom i. September 1809»ofort Rekurs erhoben hat. der zwar abschlägig beschieden, jedoch in erweiterter Form alsdann an das Haiidel'sminifte'riiim gerichtet worden ist. Von dort aus ist bisher keine Entscheidung erfolgt, folglich ist der� Hilfs- vcrein für iveibliche Angestellte berechtigt, bis zum Erlaß einer solchen die weiblichen Aerzte in seiner Krankenkasse beizubehalten. Der Kiilssverein bietet seinen jtassenangehörigen seit langen Jahren die Wohlthat weiblicher Aerzte; die Motive, welche die Vertreter der nrzklichcn StandcSinteressen dazu führen, ihm diese Möglichkeit zu verlegen. liegen klar zu Tage: es sind dieselben,»velche ans Aerzte- kongrefien und in andren Beriissversamnilnnge» häufig einen so „idealen" Ausdruck gefunden haben. Der Berein für Frauen- st u d i ii m bringt ani 28. Februar die Angelegenheit vor das Forum einer öffentlichen VolkSversaminlimg. Die Etadtvrrorductcu Lüben und Genossen haben in der Berliner Stadtvcrordiictcn-Vcrsammlnng beantragt, den Magistrat zu ersuchen, eine Snnime von 59 999 M. bereit zu stellen, um Beamte, Techniker, Arbeiter nnd Haiidiverker aus den städtischen Betrieben»ach Paris zur Besichtigung der Weltaus- st e l l u n g schicken zn können. Was hier erst erstrebt wird, ist in der jungen Nachbarstadt Schvneberg bekanntlich schon durchgesetzt ivordcu. Tic kann sich'? leisten. Gingen die Behörden gegen kapita- listische llutemehmniigen vom Schlage der„Großen B e r l i n c r" auch nur annähernd mit dem Eiser vor wie gegen die Kultur- bewegnng der klaffenbewußten Arbeiterschaft, so hätten sich gewiß schon zahlreiche Gelegenheiten gefunden, die Direktion des größten VerkehrsiiistUnts der Verwaltimgsinühcn zn entheben und den Be- trieb zum Wohle des Publikums»vie der Angestellten in k o m- m ii n a l e Regie zu nehmen. Die Erfahrung aber, daß die Be- Hörden hier ans erklärlichen Gründen einen beklagenswerten Mangel on Energie zeigen,?at die Stratzenbahndirektion so übermütig gemacht, dnh fie eine nnverZennbare Freude Harm findet, auch Seil Kcuieinve» den Fntz— in dieseni Fc>lie einen tcharfbeschlagenen Pferdefun— auf den Racken m setzen, Liegen Umwandlung des Pferdebahnbetriebs in elektrischen Betrieb hat die Direktion der Groszen Berliner kiirgkich die Gemeinde We i tzenfes um Mitteilung der von der Gemeinde zu steöend'en Bedingungen ersucht. Diesem Bcrtangcu kam die Gemeinde nach. Äurzer tzaird bezeichnete die Gesellschaft darauf die gestellten Be- dingungen als nn an ue h m b ar und packte die Gemeinde wie folgt an: „Sollte die Gemeindevertretung ans dem von ihr eingenommenen Standpunkt beharren, so ivird die Gesellschaft nicht davor zurückschrecken, von der Weichbildgrenze ab den Pferde- bah»betrieb ausrecht zu erhalten. Des ans§76 der Gelber be- Lrdnung hergeleiteten Rechts, bei der Festsetzung der Fahrpreise mit z n bc stimm en, hat die Gemeinde sich durch den 1K92 mif der Gesellschaft geschkofienc» Vertrag begeben." Friihere Sünden rächen sich jetzt schivcr. In der 2 hat hat sieh damals die Gemeinde, so weit die durch die Langhanssirahe gehende Linie in Betracht kommt, jedes Rechts, ans die Gesellschaft ein- znwirken, bis zun, Jahre 1622 ciitänhert, Zwar ist jetzt eine Kommission eingesetzt worden, NM durch mündliche Verhandlungen dnS Ansehen der Gemeinde zn retten, aber� das wird ohne Nutzen fein. Frohlockend wird die G e s e l l s ch a f t a u f ihren Schein bestehen. Auf diesem Wege ist der Direktion, die in andrer Weise skandalös ihrer Pflichten vergisit, nicht beiznkominen. Dazu bedarf es rücksichtsloser Energie vor allem von selten der Berliner Kommuiialbehörde, und diese ist bekanntlich für so etwas nicht zu haben. llnd daher werden wir wieder das erbauliche Schauspiel erleben, dah die„Gtohe Berliner" nicht allein mit Publikum und An- gestellten, sondern auch mit den Behörden Fangball zu spielen sucht. Sie kann sich'S leisten. Bei der Eriiiittelnng der Bevölkerungszahl Berlins durch Fortichrcibung muh zu den gemeldeten Fortzügen wegen der llnvoll- stäudigkeit der Meldungen ein bestinmiter Zuschlag gemacht werden. Dieser Zuschlag war, nachdem bei der Volkszählung von 18gö eine weit hinter dem Fortschreibuiigsergebnis zurückbleibende Bevölkernngs- zahl ennittelt worden war, für die mSniilicheii Fortgezogeue» von bisher 12,619 Proz. qnf über 22 Proz., für die weib? lichen von 2,665 Proz. auf über 16 Proz. erhöht worden. Tie Vergleichnng des Fortschrcibungsergebnisses mit den Er- gobuissen der im Herbst jedes Jahres durch die Steuerbehörde ucranlahtcii Personenftaudsausnahmen hat gezeigt, dah dieser Zuschlag wieder zu hoch war. Er wurde daher nach der Personen- siandsansnahme von 1866 ans 2V Prozent für die männlichen und 14 Prozent für die weiblichen Fortgczogencn, nach der Aufnahme von 1867 auf 18 Prozent für die männlichen und 13 Prozent für die weiblichen crinähigt. Die Ergebnisse der Pcrsonciistandsanf' nahmen der letzten Jahre haben es jedoch, wie in dein eben er- schienencn 24. Jahrgang des„Statistischen Jahrbuchs der Stadt Berlin" ausgeführt wird, wahrscheinlich gemocht, dah der Zuschlag in der zuletzt festgesetzten Höhe etwas zu gering, die danach berech- nete Bevöllernngszahl also zu hoch ist. Es soll aber das Ergebnis der Persoucnstandsaufnahme von 1896 abgewartet werde», bevor eine neue Ilinrcchnung erfolgt. TaS Berbrecher-Albnm der Berliner Kriminalpolizei ist nach dem statistische» Jahrbuch zu einer stattlichen„Hausbibliothel" von 17 Bänden angeschwollen. Es enthält jetzt über 17 006 Photo- graphieu uon Verbrechern aller Art, darunter sind über 7« Mörder. ca. 3500 Einbrecher. 1200 Taschendiebe, 700 Ladendiebe, 1000 Schlaf- stellcndiebe, 1600 Betrüger und Hochstapler, 200 iiitcriiationnle Ver- bescher zc. Mit Hilfe dieses„Albums" wurden im Berichtsjahre Einbrecher in 26 Fällen, allerlei Diebesgesindel in 38 Fällen, Vc- tuiger und Hochstapler in 45 Fällen ec.' erkannt. Die Gesamtzahl der Verbrechen, ivclche durch daL Album ihre Ansllärnng fanden, bezisserte sich ans 174; im Vorjahre vermittelte das Album nur 92 Rekognoscierungen. ttebcr rliieu bedanci lichen Fall von Vergiftung durch Kouscrvcnfleisch wird uns anS dem Städtischen Krankenhaus M o a b i t berichtet: Am letzten Sonntag erhielten eine Anzahl Patienten Corncd Becf zum Abendessen. Als zwei Stunden nach der Mahlzeit vergangen waren, wurden die in Betracht kommenden Kranken von furchtbarer llebelkeit befallen. Alle erbrachen sich. Der schnell herbeigerufene Arzt Dr. Senator verordnete Gegen- mittel! aber bei mehreren Patienten hielt der Brechreiz auch den Montag, ja zum Teil noch die folgenden Tage über an. Die Unter- fnchmig ergab, dah das Flcisck, welches ein durchaus normales Ans- sehen hatte, giftige Eigenschaften besah. Möglicherweise ist durch die Blechbüchse metallische Bergiftniig erfolgt. 3« der Verhaftung drS Postbeamten Hlmdcrtmark, der bei der verwitweten Mutter in der Marknsstr. 13 wohnte, wird bc- lichtet, dah Hundertmark, der auf dem Postamt 18 in der Lands- bcrgcrstrahe als Hilfsbriefiräger angesiellr war, in mehreren Ab- teilinigeii gearbeitet und sich während seiner dreijährigen Dienstzeit veischiedcne llnrcgelmähigkciteii hatte zu schulden kommen lasten. Cr besah nicht das Vertrauen seiner Vorgesetzten, wurde aber nur vcewarnt, nicht entlassen, iveil sein Vater ein alter, braver Post- beamtet gewesen war. Zuletzt muhte Hundertmark die Vrieskästen leeren, wurde aber beobachtet, da sich ungeachtet der Warnungen die Uliregelmähigkeitei, mehrten. Dabei bemerkte ein Polizeibeamter, dah er beim Leeren von Briefkästen Briefe in seine Tasche verschwinden lieh. DaS kam zur Anzeige. Während H. gestern auf der Dienststelle Ihätig war, nahm ein Postinspcktor Haussiichuiig bei ihn, in der Wohnung vor und fand namentlich Umschläge von Soldatenbricfcn. In diesen hatte H. Marken und Geld vermutet und das Gefundene an sich genommen. Er wurde sofort der Polizei überliefert und hat ein Geständnis abgelegt. A«S den Flamme» gerettet wurde Donnerstagabend das 14 Tage alte Kind des Kellners Leschkc, der Luiscnstrahc 5 eine Mansardenwohnung inne hat. Während gegen 7 Uhr Leschke einen Geschäftsgang uiiternahm. besuchte seine Frau ans kurze Zeit eine Flnrnachbarin, nachdem sie das kleine Kind gebettet hatte. Jeden- falls war nun die Tischlampe explodiert und hatte die Möbel in Bland gesteckt. Dieser lvurde von der Strohe a»s bemerlt, worauf die durch den Fcnerlärm ausinertfam geivordene Frau L. nach ihrer Wvhiiimg stürmte. Hier ichlugen ihr bereits die Flammen eilt- gegen, doch gelang es ihr»och, sich und das Kind unversehrt in Sicherheit zu bringen. Wertvolle Beute haben Einbrecher gemacht, die in mehreren Rächten dem Decaturgeschäft von Lachmann in der Stallschrciber- ftrahc 27/28 Besuche abstatteten. Den Eingang in das Keller- geschah berschofften sie sich, indem sie eine eiserne Gitterstange durchschiiitten und dann das Fenster össneten. Sie haben verschiedene Ballen Double- und Eskimostoffe im Werte von circa zchiitaiiseiid Mark nnbemcrkt fortgeschafft, wobei sie sich eines Hand- wagenS bediente». Im Geschäft wurden die Raubzüge nicht gleich bemerkk. Die Kriminalpolizei hat nun inzwischen ermittelt, daß am letzten Sonntag früh eine Droschke in der Königstrahe oder am Molkcniiiarkt von Männern genommen rmd zum Fortschaffen der Waren benutzt wurde. Au die Droschke wurde der von den Ein- blechern benutzte Handwagen von dem Kutscher selbst angebunden. ohne dah er eine Ahnung gehabt zn haben scheint, wem er seine Dienste sich. Tie Fahrt ging später nach der Kleinen Kurstrahe. Eine Festnahme hat bereits stattgeftinden. Der Droschkenkutscher ist dagegen noch nicht besannt. Im Interesse der Sache ist aber seine Person von Wert, und es wird gewünscht, dah er sich im Zimmer 37 des Polizeipräfidial-Gebäudcs melde. Selbstmord eines GreiseS. Erschossen hat sich ein 71jährigcr Greis, der frühere Bodcnmdster Rudolf Dnchmanu, der Lettestr. 7 bei seinem Adoptivsohn wohnt. Seit drei Jahren wurde der alte Mann von einem imiern Leiden geplagt. Als er gestern Morgen in der Stube«klein war, pachte ihn dl» Verzweiflung und er schoß sich mit einem jRevokver in die rechte Schläfe. Die Schwieger- tochter fand ihn um L'/e Uhr tat in» Bett, die Waffe neben ihm. Es» schwerer Unglltrköfall, der sich gestern morgen»m halb 10 Uhr in der Luisenstmhe zutrug, vernriachte viel Arbeit. Von einem Flaschenbiorwagen der Haase-Brancrei brach die Hinterachse; der Wagen brach ziisammeu, der Kutscher flog im Bogen von seinem Platz lind der Mitfahrer Johann Grünst anS der Fidicinstrahe 10 geriet im Fallen imier den Wagen und die entstandenen Flaschen- scherbe». In der Nähe haltende Droschkenkutscher sprangen hinzu und befreiten den hilflosen Mann aus der bedenkliche» Lage. Ein Schutzmann vom 5. PoNzetrevior brachte ihn in einer Droschke nach der Eharits, wo an ihm schwere innere Berlstziiiigen sowie Luetschiingen an Brust nud Schulter festgestellt wurdet! und er der chirurgischen Abteilung überwiesen wurde. 6!e»» Strqsim, werden in diesem Jahr mit neuem Pflaster versehen, iviihrend nicht weniger als 63 Straßen ganz oder teil- Wesse ztir Unipflnsteruiig qiifaefchricbgu sind. Von den letztere» er- halten 38 Asphalt niid 22 desiiisiives Steiiipflastex. 2 Straßen er- halten gni kürzere Strecken, und zivar nur insoweit, als Steißlingen in Betracht komnieii, Holzpflaster. Das Bestreben der Straßen- bandeputation, das Holzpflaster möglichst ans den Straßen Berlins zu beseitigen, zeigt sich auch bei den projektierten Uinpflasienmgen. Der Platz vor dein Opernhanse und vor dein geiighanse bis zum Deiilmal Friedrichs des Großen, woselbst seit vielen Jahren Holz- Pflaster liegt, wird mm endgültig mit Asphält versehe» werden. T)cr Arhciter-Stcnographenverciu„Stolze"(Einignngs- system) zu Bcrliti jMitglied des Verbandes der Arbeiter- �lciiographeiiverciiie Dentschiands) eröffnet neue Unterrichtskurse in der vereinfachten deutschen Stenographie nach dem System Stolze- Schreh am Dienstag, den 20. Februar, bei Grube, Aiinenstraße 16; Donnerstag, den 22. Februar, bei Jahn, Gräfestraße 82; an dem- selben Tage im Mogbiter KInbhanse. Bensielstraße 9; am Sonntag, den 25. Februar, bei Gleinert, Schnlstrahe 29. sNäheres siehe Inserat in heutiger Nummer.) I. A.: Hubert Krener, Adalbert- straße 66. Eine nene Tcheuswiirdigkeit hat daö Passage-Pauoptiknui gestern eröffnet. Wen der Weg nach Sizilien geführt hat, der kennt Palermos K a t a k o in b o n. Seit Jahrhunderten wurden sie bis zur allerjnugstm Zeit als Begräbnisstätte benutzt; wie diese unter de» besonderu ktiniatischen Nerhältuisieii angelegt werden konnte und sich noch heute darstellt, das schildert die Neuschöpfuug des Passage- Panoptikums. Was wir schauen, ist, wie seltsam es auch erscheinen mag, eine getreue Wiedergab« nackter Wirklichkeit. Ein weites Gctvölbe umfängt uns; in seiner gedämpften Vclenchtiuig er- kennen wir, daß es mit entseelten Hüllen erfüllt ist. An den Wänden sind Hunderte von st hin- groß en plastischen Figuren ausgestellt, bekleidet mit dem Gewände der Kapnziiiciiiiönche, i» deren Kloster sie ruhen. Ilm den Hals oder an dem die Hüfte umschlingenden Strick ist eine Anfschrist befestigt. die Namen und Stand des Toten sowie Ge- burts- und Sterbetag verzeichnet. Dabei ist zu erkennen, daß dies« Art der Beisetzung nur de» Voruehmeren gewährt war. Den Geistliche» ist die priefterliche Tracht geblieben. Zu Gruppen sind Geistliche nud Laien an den Wänden vereint. Ansrecht ist die Haltung und erkennbar sind noch vielfach die Gesichtszüge! das Klima hat die irdischen Hüllen vor Zerfall bewahrt. Doch nicht alle, die zum ewigen Schlafe hier gebettet sind, sind frei aufgestellt. Längs der Mauer und am Loden' stehen Särge, in allen Größen und Fonnen, vom rohen kastenartigen Behältnis bis zu dem primkeiiden Sarkophag. I» kapellartigeii Nischen sind einzelne Sarkophage besonders aufgebahrt. Da und dort schmücken Kreuze und Kränze aus Perlen und Blume» die Särge. Die, welche Palermos Katakomben durchwandelt haben, werden bezeugen, daß hier nicht ein Künstler phantastischen Spuk getrieben hat. Direktor Neuinaiiii, ans dessen Hand die Anlage hervorgegangen ist, hat nur nachgebildet, was er in jenem Kloster gesehen. Fenerbericht. Ein Brand des MaSkengarderobe-Geschäst von Thomas, Friedrichstraße 22. beschäftigie die Wehr heute früh mehrere Stunden. Als gegen 6 Uhr das Feuer bemerkt wurde, schlugen die Flaiiimen bereits ans de» Fenstern, und die beiden im ersten Stock des Seitenflügels belegenen Arbeits- und Lagerräume bildeten mit ihrem leicht bremibaren Inhalt in kurzer Zeit ein Flammenmeer, so daß die Feuerwehr hauptsächlich am den Schutz der oberen Etagen bedacht sein mußte. Ein nmuittelbar über dem Brandherde wohnender älterer Mieter hatte von der ihm drohenden Gefahr keine Ahnung, denn er erwachte erst ans dem Schlafe, als seine Zimmerthür durch Lölchmann- schaften erbrochen wurde. Der durch den Brand vernriachte Schaden ist erheblich. Kurz vorher mußte Thaerstraße? ei» Dachstiihlbrand abgelöscht werden, der einen großen Teil des Dachstuhls vom Quergebäude einäscherte. Gegen Mitternacht brannten L i n d e n st r a ß e 20 Papierabfälle im Keller und A ck e r st r a ß e 07 Regale in einer Bäckerei. Früh 5 Uhr entstand Boltasiraße 5 infolge Explosion einer Lampe ein kleiner Zimmerbraud. Bald darauf gingen K a st a n i e n- A l l e e 90 Regale und Kisten in Flammen aiif, während gleichzeiiig Oderberger straße 46 Müll auf dein Hofe brannte. Grüner Weg 32 war außerdem ein Schaufensterbrand und K r a n s n i ck st r a ß e 18 ein Wohmmgsbrand zu beseitigen._ Aus den Nachbarorke». Parteiversannnlungen jc. in den Pororte». Weißensee- Dienstag, den 20. Februar, finden bei Schnelle, Heinersdorfer Weg 55, sowie im Prälaten, Lehderftraße- und Königchanssee-Ecke, abends 8 Uhr. zwei öffentliche Versammlungen statt, in der die auf- gestellten Kaiididaten zur Gemeinderarswahl referieren werden. Außerdem ersuchen»vir die Genosten, au der am 13. d. M.. niorgeiis 8 Uhr, stattsiiideiiden Verbreitung von Flugblättern. welche für den 1. Bezirk bei Sorrer. Straßburgstr. 56, für den 2. Bezirk bei Gartz, Lehdersir. 5. inid für den 3. Bezirk bei Kraft, Gustav Adolfstr. 143, zur Ausgabe gelangen, zahlreich teilziiiiehmeil. Um pünktliches Er- scheinen ersucht das Wahlkomitee. I. A.: G. Penkort, König- Ehanssee 45 a, I.— In Reinickendorf findet am Montag bei Reuber, Hausotterstr. 81, eine öffentliche B e r s a in m l u n g der K o m in ii ii a l w ä h l e r statt. Stadtverordneter A n g» st i n ans Berlin spricht über die Bedentnng der Kommmiallvahlen. Auch erfolgt die Aiifstellnng der Kandidaten.— In der Bersammsung des oeialdemokratischen Wahkvereins für F r i e d r i ch S f e l d e, die Sonntagnachmittag bei Bube stattfindet, spricht Reichstags- Abgeordneter R o s e n o w über die F l o t t e n v o r l a g e.— B ä n m s ch u I e n>v e g. Zu einer Zettelve r breit nng werden die Genossen gebeten, sich recht zahlreich am Sonntag früh 8>/» Uhr im Lokal von'Staffeld einzufinden. HanSseae». AnS Pankow wird uns geschrieben: Neben dem schon bestehenden vaterländische» Frauenverein hat sich am Ort ein neuer bürgerlicher Frauenverein anfgethan. der au der Lösung der socialen Frage durch Gründung von Volksküchen iiiitarbeiten Will. Das ist geiviß ein immerhin anerkennenswertes Ziel. Sehr schade ist es aber, daß die bürgerlichen Frauenvcreine sich anscheiiiend so selten nach andrer Richtung hin iiiit der sociale» Lage der arbeitenden Vcvölkerungsschicksten beschäftigen. Dmnm wird ein Hinweis darauf, daß es in unsrem Orte manches Elend giebt, gegen das die Volksküche mir einen sehr problematischen Schutz bietet, immerhin am Platze sein. Vor uns liegt z. B. ein Lohnbuch. das über die Arbeitsverhältniffe in der H a u s s e g e n- Stickerei einen sehr traurigen Ausschluß ll'�bt. Wir wollen einige Zahlen hcransgrcife». In einem Fall wurden 13 Haussegen gestickt, loofiir die Arbeiterin 3,96 M, Lohn erhielt. Hiervon kommen 2,85 M. für die vom Unternchmer gelieferte» Auslagen in Abzug, so daß für eine Arbeit, die zwei Arbeitstage voller An- strengnng erforderte, an eigentlichem Verdienst 1,11 M. herauskommen. Bemerkt sei, daß vielfach Kinder mit dieser Hausarbeit beschäftigt werden. Morgens Uhr vier heißt es ftl'kstehn und dann wird von Alt und Jniig angestrengt gearbeitet,, NM am Ende für die Familie einen Wochenverdienst von V bi» 6 M. zu erziele». Da ist es kein Wunder, wenn die armen Kleinen in der Schnle vom Schlaf überwältigt werde» und wenn sich Zustände ergeben, die denen der Thnriiiger Hansiiidiistrie zum Vepzweifeln ähnlich sehe». Segen bringt die Arbeit dem Ugteriiehiner, der sich ein Villenierrasn über das andere kauft; für die Arbeiterin aber ist sie ein Fluch. Es könnte den organisierte» bürgerlichen Frauen wahrlich»ichss schaden, wenn sje diesem Elend eingehende Ausmerk- samkcit widmeten, Es» Schicnoubrilch, der leicht vsrhängnisvolie Folgen nach sich ziehen fsimte, wurde gestern stich auf der Görlitzer Eisenbahn zwffchsn de» Stationen' Adlershof und Grünau bei dem Glieyicker Usbergang festgeftslit. Esti Beamter bemerite den Schienen- Irnich noch so rechtzeitig, daß der heranbraussude Zug zum Stehen gebracht werden konnte. Sämtliche Züge ninffcii nach dem Neben- geteffe iibergeftihrt werden, wodurch sie zmn Teil erhebliche Ver- fpätungen erleiden. IZoiNskkcndorf. Bedentenhe Grvndstücks-Verkäitfe sitid in den letzten Tagen erfolgt, Unter gstderm ist das a» der Scharruweher- straße belegene, bisher dem königl. Mjlsigr-Fiskns gehörige Tercai» an de» Ldudtags-Abgeordneten Laurat Wallbrecht z« Hanno.Per ühergegaiigen. Außerdem hat der Kommerzieiirat Gilsa ZU Berlin 42 an der ncnen Naschdorffstraße belegene Lcuffselleu zmn Preise vo» mehr als eine Million Marl von dem Bankier Haffer erworben, Die Gemeinde zieht aus den in den letzten Tagen abgeschlossenen Verkäufen eine Umsatzsteuer vo» etwa 20 000 M. ei». Gegenwärtig steht außerdem noch eine größere Maschinensobrik zu Berlin mit einem hiesigen Grundbesitzer wegen Verkaufs euies umfangreichen, zwischen der Kremmenerstraße und Nordbahn belegenen Terrains im Werte von 100 000 M. in Unterhandlimg. Die Bebauung dieses Terrains ivird voraussichtlich schon im Frühjahr erfolge». Hoffentlich geht es dann dem Wohmnigsmangel ai» Orte ei»»venig zu Leibe. Die Charlottenburger stiidtische Armenpflege ist im Jahre 1898/99 erheblich stärker als im Voxjqhre in Anspruch genommen worden. Sowohl die Zahl der Unter« siiitzmigsfälle als auch die Snimiie der Ausgaben ist sehr beträchtlich gestiegen. Im Jahre 1898/99(boziv. iin Vorjahre 1807/98) belief sich die Zahl der II n t e r st ii tz t e n ans 4189<2863), das sind 240 (176) auf je 10 000 Personen der Einwohnerzahl, die gesamte Aufgabe ohne die Erstattnnqeii cm anders Aimenberbände ans 488178(378 781) M., das sind 2,80(9,32) M. pro Kopf dex Ein- wohnerzahl. Zn der Frage nach den Ursachen dieser außer- ordentliche» Steigerung ivird in dein eben erschieneneu Ver- waltnngs- Bericht pro 1898/99 ansgeführt, daß, soweit es sich mn die offene Armenpflege, also den Haupt- teil der Thätigkeit der Armeuverwaltimg handelt, ans der einen Seite das Auftreten zahlreicher schwerer Krankheitsfälle, andrerseits aber der Mangel a|i kleinen Wohnungen von nicht unerheblichem Einfluß gewesen ist. Besonders der letzteren Ursache luidmet der Bericht eine ein- aeheudere Betrachtung, und sie darf in der That ein hervorragendes Interesse bcmisprnchen. Während von den für die ärmere Bevölke- rnng fast ausschließlich in Betracht konimeiiben W o h n n n g e>, voii eine m Z i»i m e r in Charlolteiiburg im Mai 1898»och 221 leer standen, war diese Zahl im November 1868 aus 87 gesunken und ist dann, wie die am 1. Mai bezw. 1. November 1899 erfolgten Ausnahmen gezeigt haben. noch iveiter bis aus 30 bezw. 19 h e r n n t e r g e g a ng en. Solange Uebersliiß an kleinen Wohiinngen herrschte, war es selbst bei zwangsweiser Rännmiig der bisherigen Wohnmig nicht schwer gewesen, eine neue zu finden. Im Jahre 1393/99 dagegen hat der Rückgang des Angebots und die bei dem nnverminderten Zuzug auch der Arbeiterbevölkerniig steigende Nachfrage dahin geführt, daß nicht genehme Mieter auch dann abgewiesen wurden,>v e n n die pünktliche M i e t s z a h l u n g einigermaßen gesichert erschien. Familien mit größerer Kind erzähl, sagt der Bericht, komiten vielfach nur unter großen Schwierigkeiten Aufnahme finden. Infolge dieser Ziijtäiide reichten die z n r U» t e r b r i n g u n g o b d a ch l o s er Familien e in g e r i ch t e t e ii Räume nicht mehr aus. so daß im Winter 1898/99 die zur Aufnahme etwaiger Cholerakranker bestimmten, bis dahin leer stehenden Baracken zu zehn, seitdem stets gefüllten Wohnungen für obdachlose Faniilien eingerichtet»Verden inußteii. Außerdem iiinßte,»>» die drohende Exmission abzuweiideu oder»im bereits obdachlos gewordenen Familien die Aufnahme i» eine neue Wohnmig zn ermöglichen, in einer großen Zahl von Fälle» mit U» t e r st ü tz u ii g e n eingegriffen werden. Rur selten gelang es, die Betroffenen zn veranlassen, sich IN den nördlichen oder östlichen Teilen Berlins oder in einem nörd- lichen oder östlichen Vororte eine Wohnung zn suchen. Das ist bc- greiflich i denn es handelte sich. Ivie der Bericht selber zugiebt, ti b e r Iv i e g e ii d u n» Familien, die in Charlotten- b n» g o r t s a n g c h ö r i g waren und zum Teil seit vielen Jahren hier>v o h n t e n. Ter öffentliche ArbeitSnachlveiö der Stadt Nixdorf wurde im Jannar von 89 Arbeitgebern bemitzt, die III männliche, 32 weibliche und 8 Personen unter 16 Jahren verlangten, also zu« sammen 151 Personen. Davon sollten sein 20 Handwerter. 0 Fabrikarbeiter, 91 sogenannte gewöhnliche Arbeiter, 15 Dienst- Mädchen, 10 Fabrikarbeiterinnen und 7 andere Arbeiterinnen. Bon den acht jugendlichen Arbeitern sollte nur einer in die Lehre kommen. Der Nachfrage nach 151 Personen stand gegenüber ein Angebot von 3ÄA Arbeitskräften, darunter 84 weiblichen. Von diesen Arbeitsuchenden waren 33 Hand« »verker, 230 einfache Arbeiter ans den verschiedensten Berufen, 26 jugendliche Personen unter 16 Jahren, wovon eine„lernen" ivollte, 16 Dicnstinädchen, 10 Fabrikarbeiteriiiilen nnd 8 andre Arbeiterinnen. Arbeit nachgewiesen erhielten nur 123 Personen, lind zwar 12 Handiverker, 82 Arbeiter verschiedener Berufe, 11 Dienstmädchen, 9 Fabrikarbeiterinnen, 2 andre Arbeiterinnen»nd 8 jugendliche Personen»liier 16 Jahren, von denen 5 in Fabriken kamen, während die übrige» 3 zn einfachen Hilfeleistniigen von andren Gewerbetreibenden angenommen wurden. Stadtverordneten-Bersammlung in Spandau. Eine dringliche Magistratsvorlagc, die Vorarbeiten für die Errichtung einer Güter- b a h»»ach dem„Nonneiidamm"(Sieincns u. HalSkesche Fabrik) einem Herrn Kayser in Berlin zu übertragen, wird genehmigt. Als» dann Ivird die für die„Erhöhung und Regelmig der Löhne der sämtliche» städtischen Arbeiter" eingesetzte Kommission damit beauftragt, die aus den s o e i a l d e m v k r a t i s ch e n Antrag hin beschlossene Prüfung und Berbessernng der Lohn- und Arbeits- verhältnisie der städtischen Forstarbeiter vorzunehmen. Rieger(Soc.) ersucht die Kommission, ein beschleunigtes Tempo einzuschlagen, da dieselbe schon im Januar 1399 gewählt, bisher aber noch mit keinem bestimmten Vorschlag zu Tage getreten sei. Nach längerer Debatte wird hierauf der vom Magistrat vorgelegte P s l a st e r- plan nur für das Jahr 1900 von der Versamiiilung genehmigt: hiernach soll die Havel-, Breite-, Charlotten-, Bahnhof- und Neuen- dorfcrstraße noch in diesem Jahre und zwar mit„Neihcnpflaster" gepflastert werden. Außerdem beschließt die Versammlung, die Falkenhagenerstraßc probeweise mit„Cemnit- Maeadampflaster" zu belegen und behält sich die Beschlußfaffniig darüber vor. ob für die Straßen, für welche„Neihenpflasler" bestimiiit ist, eine.Unterpflastenmg" zur Verwendung komiiien soll. Für die Pflastcrimg wird ein Betrag bis zu 263 600 M. und für den Ankauf von Bord- schwellen 25 000 M. ans der siebenten Anleihe bewilligt imd im übrigen die Magiftratsvorlage, welche insbesondere noch einen größeren Betrag zmn Ankauf alter Berliner Steine enthält, ab- gelehnt. Der Antrag der socialdcmokratischen Stadtverordiieten, �.das gegenwärtige Vertragsverhältnis mit dem Friedshofs-Jnspektor zu lösen nnd denselben gegen festes Gehalt anzustellen", wird von unserm Genossen S ch r ö e r damit begründet, daß Spandau hierin gegenüber den Nachbarorten eine Ans- nähme mache, indem es den Friedhofs-Jnspektor nicht gegen ei» bestimmtes Gehalt beschäftige, sondern ihn durch die von den Hinter- bliebenen verstorbener an ihn zu zahlenden Gebühren entschädige t>eren Höhe sich gar nicht kontrollieren lasse(nach einer Version soll das jährliche Einkommen des Fricdhofs-Jnspektors ans diesen Ge biihren 12 000 bis IS 000 M. betragen). Stadtv. Jenne(lib/ erklärt sich gegen den Antrag aus moralischen Gründen, da dem zeitigen Friedhofs-Jnspektor Bergcman» vor mehreren Jahren von der Stadtverwaltung versichert worden sei, dafc in seinem Verhält- älisse zur Stadt, so lange er die Stelle verwalte, keine Aenderung eintreten solle. Seine, des Herrn Jenne, Freunde seien bereit, bei Neubesetzung der Stelle des Friedhofs-Inspektors dem Antrag 'Schröer näher zu treten. Der Antrag wird hierauf mit allen gegen die Stimmen der Socialdemokratcn abgelehnt. In die Forst depntation wurde schließlich der Genosse' Hallccker gewählt: cnich Ivurde das monatliche Gehalt der Schnlamlskandidaten von SO M auf 102,22 M. erhöht. Schöncbcrg. Recht schlecht scheint es den hiesigen- HauS- und Grundbesitzern zu gehen. Nachdem die Herren in Anbetracht der vorhandenen Wohnungsnot gezwungen waren, die Mictsprcise be- deutend zu erhöhen, when sie sich jetzt in die unangenehme Lage verletzt, beim Magistrat zu beantragen, die Ilmsatzstcucr für bebaute Grundstücke auf'/s Proz. zu enuäßigen. Hoffentlich hat der Magistrat für den Notstand unsrcr Hausbesitzer das erforderliche Verständnis. — Der vom Stadtbaurnt G e r I a ch für das Wcstgcländc der Stadt Schöneberg entworfene Bebauungsplan hat die Zustimmung der Bc Horde gefunden. Brandenburg a. H. Einen Mordversuch und Selbstmord beriibte Donnerstagabend gegen 7 Uhr auf der Polizei-Hauptwache im Rathaus ein Mann, der wegen Veräusgabnng falscher Geldstücke verhaftet worden war. Dieser Tage entdeckten einige Geschäftsleute in ihren Kassen falsche Einmark-, Zweimark- und Thalerstiicke: sie benachrichtigten die Polizei und dieser gelang es, den der Thal ver- dächtigcn Mann in einem Restaurant am ueustädtischen Markt festzunehmen. Als der verhaftete auf der Wache durchsucht werden sollte, zog er plötzlich einen Rcvolpcr hervor und gab auf den Polizei-Wnchtineister Lemine einen Schuß ab, der diesen glücklicherweise nur leicht am Kopf verletzte. Jedenfalls hatte der Verbrecher geglaubt, bei der dadurch entstehenden Verwirrung zu entkommen; ein noch anwesender andrer Polizcibeanitcr sprang jedoch schnell hinzu und nun setzte der Mann den Revolver sich an die Schläfe und drückte los, che dies verhindert werden konnte. Er brach sofort leblos zusammen. Ueber seine Person ivar noch nichts festzustellen. Wcistenfee. Der Etat für unsre Gemeinde ist letzte? Jahr in Einnahme um rund 93 000 M.. in Ausgabe um rund 92 000 M. überschritten tvordcu. Eine Mehreinnahme ivurde n. o. erzielt: 0211 M. an direkten Steuern, 2015 M. an Grundwertstcucrn, während die indirekten Stenern einen Ausfall von 5123 M. aufweisen. Mehrausgaben waren erforderlich u. a. für uncngcltliche Lieferung von Lehrmitteln 479,40 M.. für Fortbildungsschule 532 M.. für Armenverwaltung 4092 M., die Schulen erforderten einen Mehr- aufwand von 14 513 M. Künftig sollen die Jahres-Abrcchnuugen den Gcuieindcvertretcrn gedruckt zugehen. Um Anfhcbuug oder Aenderung der LandhauS-Bauord- nuug in Pankow Ivar eine Anzahl Eigentümer bei der zuständigen Behörde vorstellig geworden. Tarauf ist der Bescheid cingegangcu, daß die Landhaus-Banorduung nicht geändert werde; den Jn'lcr- cffcutcn müsse anheimgegeben werden, in Einzelfällen Dispens nach- zusuchcn. GeLtfTjks Tie Unterschlagungen des Bankiers Sallt, GliaS, die seiner Zeit so großes Aufsehen erregten, beschäftigten gestern das Schwur- gcricht des Landgerichts I. Der seit dem August vorigen Jahres in Untersuchungshaft befindliche Angeklagte ist des betrügerischen B a n k r o t t S in der Form der Beiseiteschaffung von Bermögens- stückeu und der iinordcntlichcn Buchführnng, ferner der Unter- s ch l a g n n g in zehn Fällen beschuldigt. Den Vorsitz im Gc- richtshof sübrt Landgerichtsrat L i e d t k e, die Anklage vertritt Stnatsanivalt Romen, die Verteidigung führt Justizrat Klein- holz. Der Augeklagte betrieb in Gemeinschaft mit seinem inzwischen verstorbenen Bruder Eduard seit 20 Jahren in der Pots- damcrstraßc ein Bankgeschäft unter der Firma„S. Elias, Bank- imb Wcchselgeschäft". Der Umfang der Geschäfte ivar kein übertrieben großer. Das Geschäft soll seit dein Jahre 1890 dauernd mit Verlust gearbeitet haben, es geriet in Schulden und diese wuchsen mehr und mehr an, so daß schon am 31. Dezember 1890 eine Unterbilanz von mehr als 18 000 M. vorhanden ivar. Der Angeklagte suchte sich über die Schwierigkeiten dadurch hinweg- zuhelfen, daß er Depots angriff und lombardierte. Im Jahre 1897 und 1898 stieg die Schuldenlast auf 350 000 M. Nach Ansicht der Anklagcbchörde ist der Grund hierzu darin zu finden, daß der Angeklagte seit Jabrcu unglücklich spekulierte und sowohl er als auch sein Bruder zu großen persönlichen Auf- wand trieb. Nach den stattgehablen Fcststelluugcn sollen die beide» Socien für ihren Privatbedarf jährlich zusammen 40 000 M. gebraucht haben. Im Februar 1899 war sich der Ange- klagte darüber klar, daß ein Zusammenbruch unvermeidlich war und er bereitete sich deshalb zur Flucht vor. Am I. Februar v. I. verließ er unter dem Borivand, eine Geschäftsreise nach Bremen machen zu müsse», Berlin, thatsächlich wandte er sich aber nach Paris, wo er sich verborgen hielt, während in Berlin der vollständige Zusainmeu- druch des Geschäfts erfolgte. In Paris wurde er am 15. Juni 1899, von allen Mitteln entblößt, nach Verübung eines Selbstmordversuchs auf- gefunden und durch Vcrniitteluug der deutscheu Botscbaft festgenommen. Nach der Flucht des Angeklagten versuchten die Anverivandteu, sich mit einigen Gläubigern, namentlich mit dem Hauptgläubiger, der über 100 000 M. verlor, zu einigen. Die Versuche zerschlugen sich aber und so meldete Eduard Elias den Konkurs a». In dem Kouknrsverfahreu wurden die Passiva auf 452 145 M. fest- gestellt, denen eine Aktivmasse von nur 107 428 M. gegenüber stand. Nach der Schätzung des Konkursverwalters werden für die Gläubiger 19—20 Proz. herauskommen, worauf 13 Proz. verteilt sind. Ehe Elias die Flucht ergriff, hatte er durch seinen Buchhalter von der Bank des Berliner Kassenvereins die Summe von 15 000 M.. be- stehend in 15 Tnnsendmarkscheinen holen lassen, von diesem Gelde hat er gcständlich 5000 M. und 500 Fr. mit auf die Flucht genommen. Der gerichtliche Bücherrevisor Kruse be- kündet, daß der Zustand der Bücher darauf hindeute, daß sie in dieser Fassung absichtlich gehalten worden sind, um keine Uebcrsichl über das Vermögen des Geschäfts zu ermöglichen. Obgleich zahl- reiche Depots durch den Angeklagten angegriffen wprdeu sind, haben nur zehn Fälle der Unterschlagung festgestellt werden können, da sich der Angeklagte zumeist für die in seiner Verwahrung befindlichen Wertpapiere von seinen Kunden die Ermächtigung hatte erteilen lassen, darüber nach eignem Ermessen zu verfüge», und nur verpflichtet zu sei», ihnen gleichwertige Papiere zu übermitteln. Er hat dann anch bei Einkäufen für seine Kunden diesen bei der Einsendung der Abrechnung gelvöhnlich die Nummern der gekauften Papiere nicht mit angegeben. Die Gesamtsumme der Beträge, um Ivelche die Geschäftskunden geschädigt ivordcn sind, ohne daß infolge des erwähnten klmstandcs eine Unterschlagung nachzuweisen ist, be- ziffert sich auf 350 000 M. Die Summe der direkt uuterschlageuen Depots Ivird auf etwa 40 000 M. berechnet.— Der Angeklagte gicbt i» zwei Fällen die Unterschlagung zu, behauptet aber im übrigen. daß er nach den den Kunden eingesandten Geschäftbediugungen nach seiner Meinung berechtigt gewesen sei. über die Papiere zu verfügen. Er Ivill auch nur 5000 M. bei seiner Flucht mitgenommen haben. Die Beweisaufnahme ist eine sehr umfangreiche. Unter den vernommenen Zeugen befindet sich auch die Ehefrau des Angeklagten, die seiner Zeit' auch in Haft genommen worden war, weil sie der Mitthäter- schuft in der Form des übertriebenen Aufwandes verdächtig war. Das Versahren gegen sie ist alsdann eingestellt worden. Sowohl die Ehefrau, als auch ein andrer Verwandter des Angeklagten ver- weigerten ihre Aussage. Die Beweisaufnahme kam gestern noch nicht zu Ende, sie wird heute, Sonnabend, fortgesetzt werden. Ein arges Mißgeschick ist dem bekannten antisemitischen Ober lehrer Dr. H e n t i n g passiert. Er war vor Jahren in der Presse heftig ivegen seiner Geldgeschäfte mit einem armen Eisenbahn beaniten angegriffen worden. Ein Redacteur, welcher von Henting verklagt wurde, war deswegen schon 1895 zu 360 M. Geldstrafe verurteilt worden; infolge eines Versehens war aber vom Gericht dem Angeklagten, der vor der Strafkammer nicht persönlich erschienen, sondern nur durch einen Anwalt vertreten war. das Urteil nicht zugestellt worden. Nunmehr aber. nachdem inzwischen Verjährung eingetreten war, legte der Redacteur Revision beim Kammergericht ein, obschon er längst die Strafe bezahlt hatte. Das Kammergericht entschied auch zu Gunsten des Redacteurs auf Einstellung des gerichtlichen Ver fahrens wegen eingetretener Verjährung und legte dem Kläger H entig die Kosten des Rechtsstreits zur Last, welche sich auf über 300 M. belaufen sollen. Es ist anzunehmen, daß Heutig den betreffenden Beamten regreßpflichtig machen wird, welcher es unterlassen hat, das Urteil zuzustellen. Vertagung des Prozesses gegen Graf Arnim und Genossen. Aus Stettin wird telcgrnphisch gemeldet: Die Prozeßverhandlung gegen die frühere Direktion und den Aussichtsrat der National- Hypothckenkrcditgcscllschaft ist wegen rechnerischer Irrtümer eines Bücherrevisors auf n n b e strm m t e Z ei t vertagt worden, da eine Nachprüfung erforderlich ist, die mehrere Monate in Anspruch nehmeii dürfte. Aus der'Dresdener Gesellschaft. In der Hauptstadt des bourgeoisen Mustcrlandes erscheint die Wochenschrift„D r e s d e n e r R u II d s ch a ii". Eine Specialität dieses Blattes ist, Skandal- geschichtcn aus den höheren Gesellichaftsschichtc» ans Licht z» bringen. Als das Blatt kürzlich den Mitinhaber des Bankhauses Günther u. Rudolf, Kommerzieurat P a l m i s, heftig angegriffen hatte, hielt der Staatsanivalt ein öffentliches Interesse für vorliegend und stellte nicht allein den verantwortlichen Redacteur des Blattes, sowie den Mann, der den Artikel verfaßt und unterzeichnet hatte, unter Anklage. sondern ging auch noch gegen zwei andere Leute, nämlich gegen Drucker und Per- leger, vor. Die Beleidigten schlössen sich als N e b e n k l ä g e r an, traten in der Hanptvcrhandlung aber auch zugleich als Zeuge n gegen die Angeklagten auf. Aber merkwürdig— bei Er- offiiuitg der Haiiptverhaiidluiig erklärte der Vorsitzende des Gerichts, daß er nach Durchsicht der Akten zur Neberzeugimg gekommen sei, daß es besser wäre, w e n n d i e S a ch e nichtöffentlich vor Gericht ausgetragen und durch Richterspruch entschieden werde. Und nun geschah das seltsame, daß ein Verglcichsversuch gemacht wurde, aus ivelchcm Grunde die Verhandlung eine halbe tundc vertagt wurde. Der Vergleich kam nicht zu stände, und die Verhandlung hat in zwei Tagen vieles ergeben, was auf die Gepflogenheiten der Börsen- und Bankmänner ein sehr grelles Licht ivirft. obwohl die Angeklagten j u r i st i sch den Beweis der Wahrheit nicht erbringen konnten, was ja auch ganz in der Natur der Sache lag. Festgestellt wurde z. B.. daß der Verfasser des Artikels 120 000 M.. ein andrer 90 000 M. und eine Anzahl Per- sonen anch ganz beträchtliche Summen bei Günther u. Rudolf verloren haben. Freilich auf ganz„legale" Weise, die nach dem Gesetz nicht strafbar ist.— Charakteristisch ist'auch das Urteil. Die nach dein Gesetz zwei Hauptschuldigen, der Unterzeichner des einen Artikels und der verantwortliche Redakteur bekamen 1500' bezw. 750 Mark Geldstrafe, während der eine Verleger, chwinge, dein keinerlei Mitthäterschaft an dem Artikel nachgclvicsen wnrdc.'zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, der andre aber freigesprochen wurde. ' sechs Kopenhagener Berühmtheiten ins G- fängniS wandern da nach dänischem Gesetz sowohl die Duellanten als die Sekimdanteu mit Gefängnis bestraft werden. Da es ohne Schädigung abgelaufen ist, wird die Strafe nnr einige Tage betragen. Herrn Brandes hätte man für verständiger halten sollen. Russische Bauer» alö Kulturträger. Diejenigen russischen Bauern, die ans dem Süden Rußlands nach dem Kaukasus, nach Sibirien und Centraiasien übersiedeln, erweisen sich als Kultur- faktorcn, obwohl der russische Bauer selbst kaum auf einer höhereu Stufe der Aufklärung steht als die Bevölkerung dieser Gebiete. Durch die Sitten und Änschammgen der russischen Uebersiedler erfahre» nämlich die ethisch verwahrlosten Bewohner der erwähnten Landes- teile immerhin eine Einwirkung, die sie ein besseres Leben ahnen und verstehen läßt. Die iii Petersburg erscheinende Zeitschrift: „Nachrichten der Gesellschaft für Archäologie. Geschichte und Ethnographie" teilt von dem kulturellen Einfluß der russi- scheu Ansiedler im Gouvernenient Ilfa auf die heidnischen Baschkiercn und die getauften Tartnren folgendes drastische Beispiel mit:„Die Baschkieren und Tartaren glauben an böse Geister, die Krankheiten verursachen sollen. Jetzt sind aber russische Ansiedler in das Gouvernement gekommen und schon ist der Glaube an Geister bei der indigenen Bevölkerung im Schivinden begriffen. Die Baschkieren und Tartaren sehen, daß die Russen Geister nicht fürchten und bei ihnen Kbaniheitsfälle, da sie eine gesundere Lebensweise führen, seltener vor- kommen und so meinen sie, daß die Geister die Russen fürchten und sich geflüchtet haben.— Wenn das unaufgeklärte Volk auch nicht durck die richtige Erkenntnis zum Aufgeben des finstersten Aberglaubens gelangt ist, so ist es doch dazu gelangt und so wird es lintcr fort- gesetzter Einwirkung der Kolonisten weitere kulturelle Fortschritte machen".— Schulen würden dies freilich viel schneller besorgen.— Briefkasten der Kedakkion. Tie juristische Sprechstunde findet Montag, Dienstag und Freitag von 0—8 llhr abends statt. H. H. 4. Das City-Hotel steht der Nevmif'chkes. Das Unwetter, von welchem Berlin gestern heimgesucht wurde, war über einen großen Teil Deutschlands ausgebreitet. Aus dem Westen, Nordwesten und Südwesten des Reichs laufen zahlreiche Meldungen über S ch n e e st ü rm e und sehr starke Schnee- fälle ein, die in der Nacht zu gestern eintraten und große Ver- kehrssiörnngen herbeiführten. Vom Oberrhcin und der Mosel wird starkes Steigen der Gewässer gemeldet.— In M ü l h a u s e n(Elsaß) wurde in der letzten Nacht bei furchtbarem Sturm ein heftiger Erdstoß verspürt; in vielen Hänsern öffneten sich die Thören und Fenster, auch in Sausheim machte sich der Erdstoß bemerkbar. Uebcrschwemmuugeu meldet der Telegraph aus O e d e n- bürg, 15. Februar: Infolge auhaltendcu Regens ist der Repcze- flnß ausgetreten und die Ortschaften Groß- und Klein-Geres unter Wasser gesetzt.— Der Oberrhein und die Nebenflüsse des Mittel- rheius, besonders die Mosel, steigen gleichfalls weiter. Trier liegt bereits wie eine Mosclinsel in den Fluten. Wieder ein Grubenunglück. Auf dem Richtcrschacht der Grube„Charlotte" in Czernitz stieß bei der Einfahrt eine mit Bergleuten besetzte Schale so stark auf der Sohle auf, daß sämtliche auf der Schale befindlichen zwölf Mann mehr oder weniger schwere Verletzungen erlitten. Ein Revolver-Attentat auf den Direktor des Gymnasiums in Rheine, Dr. Führer, verübten zwei von der Anstalt entlassene Schüler. Sie hatten sich zunächst Mut angetrunken, zertrümmerten dann die Fenster an der Turnhalle und veranlaßteu den Direktor, vor die Thür seines Hauses zu kommen, wo er sofort mit einem Schuß empfangen Ivurde. Glücklicherweise verfehlte die Kugel ihr Ziel und zertrümmerte eine Wanduhr im Korridor. Die jugeud- lichen Revolverhelden, von denen der eine aus Münster, der andre aus Paderborn ist, sitzen hinter Schloß und Riegel. Verhaftet wurde in München der Kaufmann Friedrich Sattler aus Mannheim, der nach Verübung von Unter- schlagungcn geflüchtet war. Er halte in der von ihm geleiteten Mannheimer' Filiale der Engelhardtschen Tapetenfabrik 25 000 Mark unterschlagen. Ein Schauspieler- und Schriftstcller-Tucll in Dänemark. Der bekannte Kritiker und Romanschriftsteller Edvard Brandes hatte über einen jungen Schauspieser des Hoftheaters in der Rolle des Leander in Holbergs„Meister Gert Westfaler" die spöttische Bemerkung gemacht: Herr S ch y b erg habe als Leander einen wunderlichen vorsichtigen Gang gehabt,„man könnte nicht andeuten. woran man dabei hätte denken müssen".— Ueber diese Kritik war, der junge Herr Schyberg so empört, daß er am vorigen Montag dem Dr. Brandes" vor der Redaktion der„Politiken" auflauerte nnd auf ihn mit einem Stock losschlug, nachdem er ihn gefragt hatte, ob er Dr. Brandes sei. Brandes suchte sich mit seinem Schirm zu schützen, der dabei zer- schlagen ivurde. und nach kurzem Stockscharmützel trennte man die Fechtenden. Ein Kommissar kam endlich auch hinaus und ftagtc den nur noch anwesenden Schyberg aus. der zugab, Brandes überfallen zu haben. Brandes wollte keine Anzeige erstatten. gab aber dem Kommissar doch die entsprechenden Auskünfte. Dagegen erstattete die Redaktion der„Politiken" Bericht an den Theaterdirektor, der eine Rüge des Schyberg zu- sagte und ihm zunächst die Rolle de? Leander fortnahi». Da dann aber in einigen Blättern hämische Bemerkungen, daß' Brandes sich bei der Sache feige benommen habe, gemacht wurden und ähnliche frühere Ereignisse er- wähnt, hat Brandes dem Schauspieler Schyberg seine Sekimdanten, die Schriftsteller Peter Nansen und Erik S k r a m, geschickt und ihn fordern tossen. Das Duell auf Pistolen hat Sonnabend im Ermelund stättgcfunden, ohne daß einer verwundet wäre. Schybergs Sekundanten waren die Hofschauspieler Mautzius und Paul Nielsen. Aber das Duell wird die Folge haben, daß Arveiterschaft nicht zur Ver- R.. Charlottcnburg. Wir wissen nicht, was die Frage, ov man üch in eine Lebensversicherung einkausen fall, mit dem focialdeniokratilchen Standpunkt zu thnn bat. Die Hauptsache ist doch, ob bie_ Gesellschaft, der man beitreten will, leistungsfähig ist, und ob man voraussichtlich im stände sein wird, die Prämien zu zahlen. Streitende 87. Ein ähnliches Unternehmen, wie die neu gegründete veisew. igen-Gesell Schaft bestand bereits vor etwa drei Jahren. Die Portion Essen kostete damals 25 Pf. Souncnspcktrum. Von den weniger brechbaren zu den brechbareren Strahlen gezählt heißen die Farben: Rot, Orange, Gelb, Grün, Hellblau, Jiidigoblaü, Violett. Neuerdings hat man der Skala vorn Dunkclrot und hinter Violett Lavendel hinzugefügt, sodaß der Regenbogen jetzt neun Farben zählt. Nichtsdestoweniger sieht er noch so aus wie früher. W. A. Bußtag war 1875 in Preußen am 21. April. WaS der Transvaalkrieg den Engländern bis jetzt gekostet hat, ist nicht bekannt. IV lex Heinze. 1. Was vor der Ehe passiert ist bildet nie einen cheidungsgrund. Das von Ihnen Borgetragene bildet einen Grund zur n f e ch t u n g der Ehe, wenn die Anfechtungsklage innerhalb 6 Monaten nach Kenntnis von dem Vorfall erhoben ist, und der Richter zu der lieber- zeiigung gelangt, daß Sie bei Kenntnis der Sachlage und bei verständiger Würdigung deS Wesens der Ehe von der Eingehung der Ehe abgehalten wären. 2. Ein Strnfantrag ist zulässig, es würde aber das Strafverfahren gegen beide zu eröffnen sein und Zuchthausstrafen nach sich ziehen können. Für anständig kann die Stellung eines S ttasanttags gegen seine Frau wegen eines vor dem Eheschluß begangenen Fehlttitts nicht erachtet werden. 3. Habsburgerftr. 5.- C. N. 333». Ja.-- E. S. Wie die Entichei- dung ausfallen wird, ist zweifelhaft. Jedenfalls würden wir Sie ersuchen, falls sie zu Gunsten der Kaffc ausfallen sollte, was wenig wahrscheinlich ist, uns Abschrift des Uttels zugehen zu lassen.- Fr. Berendt. Sie könnten die Betreffende nur beim Amtsgettcht auf Zahlung verklagen. R. S. Wieviel cinProzeß kostenkann, läßt sich nicht im voraus sagen. Ob viel oder wenig gerichtliche Termin- stattfinden, ist auf die Gebühren ohne Emsiuß. Die Höhe der Gebühren ttchtet sich danach, ob verhandelt worden ist und ob eine Beweisaufnahme stattgefunden hat. Die gerichtlichen Reingcbühren ohne Porto, Schreibgebühren(die Schreibgebühr beträgt pro Seite 10 Pf., die Seite zu 20 Zeilen a 12 Silben gerechnet) und ohne Zeugen- oder Sachverständigengebühren betragen, wenn eine mündliche Verhandlung stattgesunden hat, eine Beweis- aufnähme angeordnet und eine Entscheidung gettoffen ist, bei einem Streitgegenstand bis 20 M.— 3 M.; von 20—30 M.= 7,20 M.; 60-120 M.= 13,80 M.; 120-200 M.— 22,50 M.; 200-300 M.= 33 M.; 300-450 M.— 45 M.; 450-650 M.= 60®l.; 650-900 M.— 78 M. - Zu diesen Gettchtskostcn treten die N e ch t s a n w a l t s k o st e n. Diese bettagen ohne Potto und Schreibgebühren für jeden Anwalt, sallö eine Verhandlung und eine Beweisaufnahme stattgefunden und darauf nochmals verbandelt worden ist— gleichviel, wie viel Termine stattgefunden haben— bei einem Streitgegenstand bis zu 20 M.— 6 M., bei einem solchen von 20-60 M— 9 M.; 60-120 M.— 12 M.; 120-200 M.= 21 M. 200-300 M.= 30 M.; 300-450 M.- 42 M.; 450-650 M.- 57 M.; 650-900 M.— 72 M.; hinzu treten die Zwangsvollstrcckungökosten. Marktpreise l>o» Berlin am 15. Februar 1900 nach Eriiiittliiligen des kgl. Polizeipräsidiunis 15,20 14,30 13,80 15.- 14,10 13,30 4,32 7,10 40,— 46,— 70,— 7- 1,60 1,20 Tonne 14- 13,80 13,- 14,20 13,40 12,60 3,82 4,50 25,— 25,- 30,- 4,50 1,20 0,90 von chweinefleisch Kalbfleisch Hanimelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse Ist« 60 Stück Ist« per Schock 1,60 1,80 1,60 2,60 6- 2,20 2,80 2,50 1,80 1,60 2,80 1,40 12,- 1,10 1- 1,-1 2,-1' 3,— 1,- 1,40 1.- I,— 0,80 1,20 0,80 3.- der Ceutralstelle der Preuß. Laud- »Meizen D.-Ctr. »/Roggen Fuiier-Gerste„ Haser gut „ mittel, „ gering Richlstroh Heu -l-)Erbseu -jÖSpeisebohneu. flLimeii Kartoffeln, neue, Rindllcijch, Keule t kx do. Bauch„ *) Eriuitielt pro WDWMMWMW wirtschaftslamuiern— Notieruugsstelle— und»nigerechuet vom Polizei- präsidiuiu für dm Doppeicentner. t) Kleiuhaudelspreise. Produkten markt vom 16. Februar. Auf den G« t r e i d e p r e i S wirkten däs schärfere Frostivetter und andauernde Schneestürme in ganz Europa in hohem Grad befestigend. Wenn auch der reichliche Schneefall keiiic unmittelbare Gefahr für die Staaten mit sich bringt, legt derselbe die Befürchiuug eines schweren Nachwinters nahe. Die Abgeber für Brot-, getreide hielten sich äußerst reserviett. Einige Posten Weizen wurden wiederum nach den Rbeinlanden verichlosse», wo sich statte Nachfrage geltend macht. Am hiesigen Platz wurden darauihin vielfach Rückkäufe angestrebt, wobei für Weizen und Roggen l—l1/, M. mehr dewilligt wurde». Die Umsätze nahmen unter den gegebenen Verhältnisien leinen groben Umfang an. Hafer war aus Gesamttendenz ebenfalls etwas fester. Rüböl 0,10 M. anziehend. Aur S p i r i t u s m a r k t wurden 15 000 Liter loco 70er mit 47,20 M. (+ 0,10) gehandelt.-- «ilttieruuzsiiberstcht toiii 16. Februar 1900- morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berltu Wiesbaden München Wien se Ls 8= ESC 768 748 756 747 SO OSO OSO O 752 SO 761 Q Weller 6 wolkig 6 Schnee 4.bedeckt liegen 4 Regen 2hedeckt tfS c' n. II 1« -12 -6 -8 1 0 -3 srauonen E z a h a 2 »- Haparanda Pelersbnrg Cork Aderdeen Paris I 773 N 770 NNW 743WNW 745, SW Weiter 2wolkenl I Dunst ählb.bed - bedeckt 5- -7. -25 -33 6 10 «Krtter- Prognose für Sonnnbeud, de» 17. Februar 1900. Etwas gelinder, zunächst noch ttübe mit Schneefällen und ftischen südöstlichen Winden; nachher aufklarend. Berliner Wetterb» reo u. v-.ITiolrQwia] Bahnstation Hirschgarten, Restaurant Inh.: Wilh, BrOsewitz« Großer Wiener Maskenball verbunden mit AMT" Schlachtfest. Wurstessen und Bockbier-Anstich."Mv Einen genußreichen Abend versprechend, erlaube ich mir alle lieben Freunde, Bekannte und wetten Stammgäste mit ihren Familien ergebenft einzuladen. W. Brüwervltx. Gastwirt. Sonntag;, den 18. Februar Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Dd.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin.